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Die Vermessung der Oikumene(n)

Klaus Geus

Zusammenfassung: Der Begriff »Ökumene« wurde und wird in sehr unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. In der Antike gebrauchte man ihn zunächst in astronomisch- geografischen Kontexten und bezeichnete damit seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. das »bewohnte« bzw. »bewohnbare« Land. Vermutlich entwickelte sich der Begriff Oikumene im Zusammenhang mit dem Paradigmenwechsel von der Erde als Scheibe zur Erde als Kugel, als man einen neuen Termi- nus benötigte, um die bewohnbaren von den unbewohn- baren Regionen auf der Erdoberfläche zu unterscheiden. Die Zahl und die Größe der Oikumene(n) zählten in der Fol- gezeit zu den heiß diskutierten Streitfragen unter den an- tiken Geografen. Während wir über die früheren Versuche, »unsere« Oikumene zu vermessen, kaum mehr als bloße Zahlenangaben erhalten haben, sind wir über die Erd- und

Surveying the Oikumene(s)

Abstract: The term oikumene was and still is used in widely differing senses. In antiquity it was used first in astronomical- geographical contexts and, from the 5 th century BC onwards, designated »inhabited« or »inhabitable« land. The meaning of oikumene presumably developed in connection with the par- adigm shift from the Earth as a disc to the Earth as a sphere, when a new term was needed to differentiate the inhabitable from the uninhabitable regions of the Earth’s surface. The num- ber and size of the oikumene(s) subsequently became hotly debated topics among ancient geographers. While we possess little more than numerical data about the early attempts to survey »our« oikumene, we are relatively well informed about the measurement of the Earth and the oikumene conducted by

Die Bedeutung des Begriffs Oikumene

»Oikumene« war in der Antike nicht nur ein politischer und religiöser, sondern auch, und zwar in erster Linie, ein geo- grafischer Begriff. Das griechische Wort οι κουμένη bedeutet »bewohnt«. Zu diesem Partizip ist das Substantiv γη˜, »Εrde«, zu ergänzen 1 . Oikumene heißt also wörtlich übersetzt: »be- wohnte Erde«. Wann und von wem der Begriff geprägt wurde, ist unsi- cher. Der wohl in der römischen Kaiserzeit wirkende Geograf

1 So z. B. LSJ 1205. Möglich wäre aber auch die Ergänzung χώρα; vgl. z. B. Hdt. 3, 114: χώρη ε σχάτη τω˜ ν οίκεομένων χωρω˜ ν.

2 Agathemeros schrieb wahrscheinlich vor der »Geographike Hyphe- gesis« Ptolemaios' (ca. 150 n. Chr.). Vgl. Diller 1975, 59.

3 Agathem 1,1 (GGM 2, 471 [= p. 67 Diller] = VS 12 A 6): ‘Ανα ξίμανδρος ο Μιλήσιος, α κουστη`ς Θάλεω, πρω˜ τος ε τόλμησε τη`ν οι κουμένην ε ν πίνακι γράψαι. Vgl. Eustath. comm. (GGM 2, 208); Schol. in Dion. Perieg. (GGM 2, 428).

4 Nach Themistios (or. 26, 317c [= VS 12 A 7]) schrieb Anaximandros vielmehr περφύσεως.

Oikumene-Messung des Eratosthenes von Kyrene (276–194 v. Chr.) relativ gut informiert. Anders als in seiner berühmten Erdumfangsberechnung wendete Eratosthenes bei seiner Vermessung der Oikumene keine geodätische Methode an, sondern bestimmte Länge und Breite durch das »Zusam- menstückeln« bekannter terrestrischer Entfernungsangaben. Die einzelnen Regionen beschrieb er als »geometrische« (Bri- tannien als stumpfwinkliges Dreieck, das Kaspische Meer als Kreis usw.) oder »schematische« Figuren (die Peloponnes als Platanenblatt, Sardinien als Fußsohle usw.) mit hohem Wie- dererkennungs- und Memorierwert. Mit der Bezeichnung der Oikumene insgesamt als »Chlamys« scheint Eratosthenes schließlich auch eine politische Anspielung verfolgt zu ha- ben: unter dem »makedonischen Soldatenmantel« wurde die damals bekannte bewohnte Welt vereinigt.

Eratosthenes of Cyrene (276–194 BC). In contrast to his famous calculation of the circumference of the Earth, in measuring the oikumene Eratosthenes did not apply any geodetic method, determining latitude and longitude instead by »piecing to- gether« known data about terrestrial distances. He described the various regions as »geometric« (Britain as a tripartite figure with obtuse angles, the Caspian Sea as a circle, etc.) or »sche- matic« figures (the Peloponnese as plane tree leaf, Sardinia as a heel, etc.), hence in terms that are highly recognizable and highly memorable. Finally, in referring to the oikumene as a whole by the term chlamys, Eratosthenes appears to have been making a political allusion: the then known, inhabited world was united under the »Macedonian soldier’s cloak«.

Agathemeros 2 schreibt ihn bereits Anaximandros von Milet (ca. 610–ca. 547 v. Chr.) zu 3 , doch scheint hier eine anachro- nistische Verwendung dieses Begriffes vorzuliegen 4 . Sicher bezeugt ist der Terminus Oikumene in einem geografischen Kontext erst bei Herodot 5 , also vielleicht in der Zeit um 425 v. Chr. 6 . Natürlich ist es aufgrund der notorisch prekären Quellenlage möglich, dass er bereits einige Jahre oder Jahr- zehnte früher geprägt worden ist 7 . Vielleicht ist ein in seiner

5 Hdt. 2,32,5 (δια` τη˜ς οι κουμένης); 3,106,1 (Αι δ´ ε σχατιαί κως τη˜ς οι κημένης [v. l.: οι κουμένης]).

6 Die in voriger Anmerkung zitierte Stelle bei Hdt. 2,32,4–5 (vgl. 4,181–182) mag auf Hekataios von Milet (um 500 v. Chr.) zurückgehen.

7 Die Vermutung von Lasserre 1975, 255 (vgl. auch Gisinger 1937, 2128), »rührt wahrscheinlich von den ersten ion[ischen] Geogra- phen (Anaximandros?) her«, ist unbeweisbar. Verkehrt Roller 2010, 145: »For ›inhabited world‹ Eratosthenes used a relatively new word, οι κουμένη, which seems to have originated in the fourth century BC to characterize the civilized (i. e. Greek) world as opposed to tho- se not civilized (i. e. the Macedonians)«.

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Echtheit bezweifeltes Fragment des Vorsokratikers Xenopha- nes (ca. 570 – ca. 467 v. Chr.?) hierher zu stellen, in dem die- ser davon spricht, dass »zu einem gewissen Zeitpunkt die Scheibe der Sonne zu einem gewissen Abschnitt der Erde vertrieben wird, der von uns nicht bewohnt wird« 8 . Die Tatsache, dass das zu οι κουμένη gehörige Substantiv γη˜ bei Herodot bereits weggefallen ist, lässt zumindest ver- muten, dass der Begriff im 5. Jahrhundert v. Chr. wohl rasche Verbreitung gefunden hatte bzw. vielleicht doch schon län- ger bekannt war. Was aber sollte der Begriff bedeuten und signalisieren? Offenbar wollte man mit ihm eine »bewohnte« Region von einer »unbewohnten« bzw. »unbewohnbaren« Region ab- grenzen 9 . Man hat daher vermutet, dass er zu einer Zeit entstanden ist, als die Griechen während ihrer Großen Kolo- nisation auf größere unbewohnte Gegenden gestoßen sind. Zu fragen wäre dann jedoch: welche Gegenden sollen das gewesen sein? Der Westen, der Osten, der Norden galten im Gegenteil den Griechen damals als sehr volkreich, wohnten dort doch die Kelten, Skythen und Inder 10 . Von der Sahara und anderen größeren Wüstengebieten hatten die Griechen der archaischen Zeit noch keine Kenntnis. Die Wortschöpfung Oikumene scheint in einem anderen Kontext entstanden zu sein. Vielleicht schon um 500 v. Chr. behaupteten die Philosophenschulen der Pythagoreer und Eleaten, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel sei 11 . Parmenides, der Begründer der eleatischen Schule, soll aus der Erdkugeltheorie bereits geografische Folgerungen ab- geleitet haben 12 . Unter anderem teilte Parmenides 13 die Erde in Zonen oder – griechisch– κλίματα – ein, die um die ganze Erdkugel herumgeführt wurden. Nach dieser Ansicht gibt es auf der Erde insgesamt fünf Zonen, zwei bewohnbare Zonen und drei unbewohnbare Zonen. Die Einzelheiten bleiben wie so vieles bei den kosmologischen Vorstellungen der Vorsok- ratiker im Dunkeln, nicht zuletzt deswegen, weil eine unserer Hauptquellen, Aristoteles, eine eigene Zonenlehre propagier- te (Abb. 1). Die Grenzen der Zonen erhält man durch die Projektion des Sonnenlaufes und von Breitenkreisen auf die Erdkugel. Die mittlere »verbrannte« Zone ist durch die beiden Wende- kreise (ca. 24°) 14 beschränkt und durch den Äquator halbiert. Die beiden »gemäßigten« Zonen sind in Richtung Äquator von den beiden Wendekreisen, in Richtung Pole von dem so genannten arktischen bzw. antarktischen (ca. 66°) Kreis

8 VS 21 A 41a: α ποτομη`ν τη˜ς γη˜ς ου κ οι κουμένην υ φ´ η μω˜ ν. Allerdings ist οι κουμένη hier noch nicht formelhaft.

9 Partsch 1916, 2–3; Gisinger 1937, 2124–5.

10 Vgl. z. B. Ps.-Skymn. 170–182.

11 Diogenes Laertios schreibt nach unterschiedlichen Quellen die Leh- re von der Kugelgestalt der Erde Hesiod (8,48, aus Zenon von Kition [SVF 276]), Anaximandros (2,1,1), Pythagoras (8,25, aus Alexander Polyhistor [FGrHist 273 F 93]; 8,48, aus Favorinus [F 27 Mensching]) und Parmenides (8,48, aus Theophrast [F 227 E Fortenbaugh]; 9,21) zu. Vgl. außerdem Aetios (3,10,1), der Thales von Milet nennt. We- gen der guten Quelle Theophrast und des auch sonst bezeugten astronomischen Interesses (vgl. z. B. Diog. Laert. 9,23) hat vor allem Parmenides Anrecht darauf, Erfinder dieses Modells zu sein. Anders etwa Fehling 1985 (bes. 198), der den Gedanken einer sphärischen Erde auf Platon projiziert und die doxografischen Angaben als »schwindelhaft« ansieht. Fehlings Lösung geht von einer linearen Entwicklung in der Wissenschaft aus, die in ihrer Radikalität histori- sche »Alternativen« ignoriert. Zudem scheint Platon in astronomi- schen Dingen von Eudoxos von Knidos abhängig zu sein.

schen Dingen von Eudoxos von Knidos abhängig zu sein. Abb. 1 Die Welt als Kugel: das

Abb. 1

Die Welt als Kugel: das antike Modell mit fünf Klimazonen.

begrenzt. Zwischen den arktischen Kreisen und den beiden Polen befinden sich im Norden und im Süden zwei »kalte« Zonen 15 . Als bewohnbar galten nur die gemäßigten Zonen, die drei restlichen Zonen sind aufgrund ihrer besonders ho- hen oder niedrigen Temperaturen unbewohnt. Die Hypothese des Parmenides, dass es auf der Erde nicht nur eine, sondern zwei bewohnbare Zonen gebe – eine auf der nördlichen, eine auf der südlichen Hemisphäre –, war revolutionär. Damit wurde erstmals der Gedanke ausgespro- chen, dass weit außerhalb der den Griechen bekannten Re- gionen im Süden weitere bewohnbare Bereiche auf der Erde existieren. Außerdem bestand, zumindest solange nichts über den Umfang der Erdkugel bekannt war, die Möglichkeit, dass sich innerhalb einer Zone – gleichsam auf der »Rück- seite« – große, bisher unbekannte Landmassen befänden 16 . Man benötigte nach dieser Entdeckung der Kugelgestalt der Erde einen neuen Begriff, um die damals bekannte be- wohnte Welt von anderen unbekannten, aber theoretisch bewohnbaren Bereichen auf der Erdkugel abzugrenzen 17 . Man fand ihn in dem Wort »Oikumene«. In diesem Kontext

12 Vgl. dazu ausführlich Berger 1903, 208–14.

13 Nach einer notorisch schwierigen Stelle bei Strabon, der dort Posei- donios zitiert (2,2,2, C 94 = F 49 B Kidd) hat allerdings Parmenides die mittlere (»verbrannte«) Zone in doppelter Breite der Zone zwi- schen den Wendekreise angenommen. Vgl. dazu Berger 1903,

208–210.

14 Vgl. Aujac 1996, 14 f. (zu Gemin. elem. astr. 5,48).

15 Ausführlich beschrieben etwa in Strab. 2,5,3, C 111.

16 Spätestens seit Parmenides blühten Spekulationen über eine »zweite« Oikumene. Nach der einen Auffassung gab es eine un- bestimmbare Anzahl von bewohnten »Weltinseln« innerhalb des »Atlantischen Meeres«, nach einer zweiten war die Erdkugel in zwei Bereiche aufgeteilt, nach einer dritten durch den Äquator und einen Meridian in vier Quadranten gespalten. Nachgewirkt haben diese Überlegungen noch in der römischen Idee eines mundus alter.

17 In dem älteren Scheibenmodell der Ioner waren die »Grenzen der Erde« durch den Okeanos viel enger gezogen.

der Entdeckung von der Kugelgestalt der Erde möchte ich also auch die Begriffsprägung »Oikumene« verorten. Soll- te das oben zitierte Fragment des Xenophanes authentisch

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sein, hätten wir übrigens einen weiteren Fingerzeig, dass die- ses Wort ursprünglich in einem astronomisch-geodätischen Kontext verwendet wurde.

2. Die Oikumene bei den frühen griechischen Geografen

Das Kugelmodell des Parmenides mitsamt seinen Klimazo- nen und astronomisch bestimmten Grenzen behielt lange seine Gültigkeit und war bis in die Spätantike weit verbreitet. Vor allem durch die Autorität des Aristoteles und durch die Dichtungen des Arat und des Vergil wurde die Lehre von den fünf Klimazonen sehr populär, obwohl die Griechen und Rö- mer durch Entdeckungsreisen rasch erkannten, dass sie den tatsächlichen Gegebenheiten nicht immer entsprach: Die Gegenden in Äquatornähe waren keineswegs »verbrannt« und »unbewohnt«, wie einigen gebildeten Griechen bekannt war und wie zum Beispiel die mehrfache Umsegelung bzw. Teilumsegelung Afrikas gezeigt hatte 18 . Ebenso erhielten die Griechen und Römer Kunde von Völkern, die nördlich des arktischen Kreises siedelten. Der dem Modell inhärente Schematismus wurde also trotz der zunehmenden Erkenntnisse über die Bewohnbarkeit der Gegenden im Norden und am Äquator perpetuiert. Theorie triumphierte über Autopsie. Die von den Pythagoreern und den Eleaten inaugurierte Erdkugeltheorie in Unteritalien setzte sich auch bei den öst- lichen Naturphilosophen und Geografen, den so genannten »Ionern«, durch, die bisher das Modell von der Erde als Schei- be verwendet hatten 19 (Abb. 2).

der Erde als Schei- be verwendet hatten 1 9 (Abb. 2). Abb. 2 Die Erde als

Abb. 2

Die Erde als Scheibe: Das Modell der »Ioner«.

18 Näheres dazu in meinem Vortrag »Mental Boundaries: The Case of the ›Hot Zone‹ in Ancient Geography« anlässlich der von der TOPOI Research Group C-I-2 veranstalteten Tagung »Nec plus ultra«, dessen Publikation Marcello Nobili vorbereitet, s. Geus (in Druckvor- bereitung).

19 Zu den Vertretern des Scheibenmodells gehörten u. a. die Milesier Thales, Anaximandros und Hekataios.

Wahrscheinlich war dies ein langwieriger Prozess, der das gesamte 5. Jahrhundert und vielleicht noch die 1. Hälfte des 4. Jahrhundert andauerte. Doch spätestens mit Platon und Aristoteles hatte sich die Erkenntnis von der Kugelgestalt der Erde in wissenschaftlichen Kreisen durchgesetzt. Nachdem aber die Griechen erkannt hatten, dass die Erde nur teilweise von Menschen bewohnt war bzw. bewohnt sein konnte, stellten sich nun ganz neue Fragen: Gab es nur eine (nämlich »unsere«) Oikumene oder gab es mehrere Oikumenen? Wie verhielt sich die Ausdehnung »unserer« Oikumene zu den Grenzen der Klimazonen und zur Erdku- gel insgesamt? Wie groß waren »Länge« und »Breite« unserer Oikumene bzw. wie groß war die Distanz zwischen Gibral- tar und »Ostindien«, dem westlichsten und dem östlichsten Punkt, der damals den Griechen bekannt war 20 ? Diese Fragen nach dem Umfang der Erde und insbeson- dere nach der Größe, Lage und Form der Oikumene wurden im 4. und 3. Jahrhundert heftig diskutiert. Die Griechen zwi- schen Demokrit und Eratosthenes fanden darauf sehr ver- schiedene Antworten. Besonders populär sollte – auch außerhalb des wissen- schaftlichen Diskurses – das Modell des Historikers Ephoros (ca. 405–330 v. Chr.) werden 21 . Im 4. Buch seiner Historien zeichnete Ephoros die Oikumene in Form eines Rechtecks (mit Süden nach oben) (Abb. 3). Ephoros setzte jede Seite seines Rechtecks mit Winden und astronomischen Punkten gleich, also zum Beispiel mit dem Punkt, an dem die Sonne zur Zeit der Winter- und Som- mersonnenwende aufgeht oder untergeht. Jede Seite wird außerdem durch ein großes Randvolk repräsentiert: die Sky- then leben im Norden, die Kelten im Westen, die Aithiopen im Süden und die Inder im Osten. Die nördlichen und süd-

im Süden und die Inder im Osten. Die nördlichen und süd- Abb. 3 Die hellenozentrische Oikumene:

Abb. 3

Die hellenozentrische Oikumene: Das Modell des Ephoros.

20 Weil Entdeckungsfahrten, die sich von der Küste entfernten, in der Antike fast gar nicht unternommen wurden, konnten die Griechen keine konkreten Vorstellungen über andere »Weltinseln« außerhalb der ihnen bekannten Oikumene gewinnen.

21 Es ist bei dem Geografen Strabon (ca. 64 v. Chr. – ca. 23 n. Chr.) und bei dem christlichen Mönch Kosmas Indikopleustes (6. Jh. n. Chr.) überliefert; vgl. Strab. 1,2,28, C 34; Cosm. 2, p. 148.

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lichen Linien sind aufgrund der geografischen Informationen, die den griechischen Forschern damals zur Verfügung stan- den, länger als die östlichen und westlichen 22 . Wichtig an dem Modell des Ephoros ist außerdem, dass es wieder die alte Vorstellung aufleben ließ, dass Griechen- land und die Ägäis (bzw. »die Griechen«) im Zentrum der Oikumene liegen 23 . Hier ist noch eine alte ethnografische Tra- dition spürbar. Im Zentrum der Oikumene, in Griechenland, herrscht »Normalität« (Ordnung bzw. Zivilisation), während man – je weiter man zum Rand voranschreitet – auf archai- schere und barbarischere Zustände trifft. Die Geografen des 4. und 3. vorchristlichen Jahrhunderts versuchten, diese verschiedenen Modelle – des Parmeni- des, der Ioner, des Ephoros u. a. – zu kombinieren und zu

3. Die Oikumene bei Eratosthenes

Im Werk des Eratosthenes, den »Geographika«, geschrieben am Ende des 3. Jahrhundert v. Chr. 32 , hat die Diskussion über die Ausdehnung der bewohnten Erde einen wichtigen Platz eingenommen. Eratosthenes zog aus den Angaben früherer Fahrtberichte – zu nennen sind hier vor allem die Fahrtbe- richte des Hanno, Pytheas, Nearchos, Philon (?) 33 und Patrok- les – zunächst den richtigen Schluss, dass der Okeanos ein im Norden und im Süden zusammenhängendes Meer bildet. Er nannte es das »Atlantische Meer«. In der Frage der Aufteilung der Oikumene schloss er sich seinem Vorgänger Dikaiarchos, einem Schüler des Aristote- les, an. Dieser hatte die alte Gliederung in drei »Kontinente« durch eine Einteilung in zwei Teile (einen nördlichen und südlichen Teil) ersetzt, indem er durch das Mittelmeer und den »Tauros« eine Parallele zum Äquator zog und diese »Dia- phragma« nannte. Eratosthenes entwickelte diesen Ansatz des Dikaiarchos weiter. Zunächst wandte er sich dem Problem zu, die maxi- male Ost-West-Ausdehnung, also die Länge der Oikumene zu berechnen. Wegen der berühmten, auf astronomischem Wege erfolgten Erdmessung des Eratosthenes könnte man vermuten, dass er auch diese Aufgabe »astronomisch« mit Hilfe von geodätischen Methoden bewältigte. Dem war aber nicht so. Eratosthenes berechnete die Länge der Oikumene durch eine Addition von Einzelstrecken, die er in den Fahr- tenbüchern seiner Vorgänger gefunden hatte 34 . Zu den Dis-

22 Vgl. dazu Strab. 1,2,28, C 34 (nach Ephoros).

23 Hier machte sich anscheinend der Einfluss der alten ionischen Rundkarten geltend.

24 Die hellenistischen Geografen verfeinerten später das Rechteck- schema; vgl. Agathem. 1,2 (GGM 2, 471) mit explizitem Bezug auf Eratosthenes, Krates, Hipparch und Poseidonios.

25 Agathem. 1,2 (GGM 2, 471). Vgl. zuletzt Bianchetti 2007/08, 26–28.

26 Agathem. 1,2 (GGM 2, 471 = Eudox. F 276a [Lasserre 1966]); dazu Gisinger 1937, 2133–34. Nach Strabon (9,1,2, C 390–391 = F 350 [Lasserre 1966]) war Eudoxos von Knidos ein »Experte für Sche- mata und Klimata« (ει ρηκότος Ευ δόξου, μαθηματικου˜ α νδρο` ς κα`ι σχημάτων ε μπείρου κα`ι κλιμάτων καί του`ς τόπους ει δότος, d. h. für Länderumrisse und für Breitengrade. Auch später wurde z. B. von dem Astronomen Geminos dieses Verhältnis verwendet; vgl. auch Strab. 1,4,5, C 63, mit Verweis auf »Spätere«.

27 Aristot. meteor. 2,5, p. 362b.

28 Agathem. 1,2 (GGM 2, 471 = F 122 Mirhady/Keyser). 60 000 Stadien Länge, 40 000 Stadien Breite? Zweifelnd Keyser 2001, 368.

verbessern. Auffällig ist, dass sich aber alle die Oikumene als ein mehr oder weniger langgestrecktes Rechteck vorstell- ten 24 . Für das Verhältnis von »Länge« (von West nach Ost) zu »Breite« (von Nord nach Süd) der rechteckigen Oikumene schlug beispielsweise Demokrit 25 ein Verhältnis von 3 : 2 vor, Eudoxos 26 von 2 : 1, Aristoteles 27 von »mehr als 5 : 3« und Di- kaiarchos 28 von 3 : 2. Eratosthenes schließlich, der die Form der Oikumene »chlamys«-/»mantelartig« nannte 29 , geht von einem Verhältnis von »mehr als 2 : 1« aus 30 . Leider schweigen unsere Quellen darüber, wie die Geo- grafen zu diesen Zahlenangaben gelangten 31 . Einzig für Era- tosthenes von Kyrene (276–194 v. Chr.) lassen sich einige Hy- pothesen formulieren.

tanzen überliefert Strabon, unsere Hauptquelle zu Eratosthe- nes, die folgenden Angaben 35 :

φησ`ι δ´ου˜ ν το` με`ν τη˜ς Iνδικη˜ς μέχρι του˜ Iνδου˜ ποταμου˜ το` στενότατον σταδίων μυρίων ε ξακισχιλίων (τό γα`ρ ε π`ι τα` α κρωτήρια τε˜ινον τρισχιλοίς ει˜ ναι με˜ιζον), το` δε` ε `νθεν ε π`ι Κασπίους πύλας μυρίων τετρακισχιλίων, ει˜ τ’ ε πί το` ν Ευ φράτην μυρίων, ε π`ι δε` το` ν Νε˜ιλον α πο` του˜ Ευ φράτου πεντακισχιλίων, α´ λλους δε` χιλίους κα`ι χιλίους μέχρι (του˜) Κανωβικου˜ στόματος, ει˜ τα μέχρι Καρχηδόνος μυρίους τρισχιλίους πεντακοςδίους, ει˜ τα μέχρι Στηλω˜ ν ο κτακισχιλίους του λάχιστον υ περαίνειν δη` τω˜ ν ε πτα` μυριάδων ο κτακοσίους, δε˜ιν δε` ε ´τι προσθε˜ιναι το` ε κτο` ς Hρακλείων στηλω˜ ν κύρτωμα τη˜ς Ευ ρώπης, α ντικείμενον με`ν το˜ις Iβηρσι, προπεπτωκο` ς δε` προ` ς τη` ν ε σπέραν ου κ ε ´λαττον σταδίων τρισχιλίων … προστίθησι το˜ις ει ρημένοις του˜ μήκους διαστήμασιν α´λλους στδίους δισχιλίους με`ν προ` ς τη˜ δύσει, δισχιλίους δε` προ` ς τα α νατολη˜, ί να σώσητο` πλέον η ` διπλάσιον το` μη˜κος του˜ πλάτους ει˜ ναι. »[Eratosthenes] sagt nun, dass die schmalste Strecke In- diens bis zu dem Strom Indus 16 000 Stadien messe; denn die bis zu den (südöstlichen) Vorgebirgen reichende Stre- cke sei um 3000 Stadien größer. Von da bis zu den Kaspi- schen Toren seien es 14 000 Stadien; ferner bis zum Euph- rat 10 000 Stadien; vom Euphrat bis zum Nil 5000 Stadien; weitere 1300 Stadien bis zur Kanobischen Nilmündung; sodann bis Karthago 13 500 Stadien; dann bis zu den Säu-

29 Zimmermann 2002 hat gezeigt, wie Eratosthenes sich die chlamys- artige Oikumene vorgestellt hat.

30 Strab. 1,4,5, C 64; Agathem. 1, 2 (GGM 2, 471); vgl auch Gemin. elem. astr. 15,4; 16,5.

31 Vermutungen insbesondere bei Berger 1903 bes. 373–375.

32 Zur Datierung (um 210 v. Chr.?) vgl. Geus 2002, 284–285.

33 Berger 1880, 147 (vgl. Fraser 1972, 2, 297) hält Philon (FGrHist 670) für den Gewährsmann des Eratosthenes bezüglich der Südgrenze der Oikumene.

34 Der Grund dürfte gewesen sein, dass Eratosthenes in seiner Schrift Über die Vermessung der Erde astronomisch-mathematische Metho- den, in seiner Schrift »Geographika« literarische Methoden anwand- te. Einzelheiten zu den unterschiedlichen Konzepten in Geus 2004.

35 Zum Kontext und zur Einzelerklärung vgl. die immer noch maßge- bende Studie von Berger 1880, 142–155, zur Textkonstitution und zum Stil außerdem Radt 2006, 178–80.

len des Herakles mindestens 8000 Stadien. Das übertreffe 70 000 Stadien um 800 Stadien. Ferner müsse man noch die Krümmung Europas jenseits der Säulen, die den Iberern ge- genüber liegt und die nach Westen vorspringt, mit nicht we- niger als 3000 Stadien hinzufügen … Er fügt den genannten Längsentfernungen weitere 2000 Stadien nach Westen und 2000 Stadien nach Osten zu, um seine Behauptung zu retten, die Länge der Oikumene betrage mehr als die Hälfte der Brei- te (Strab. 1, 4, 5, C 64)« 36 (Abb. 4). Die Länge der Oikumene hat Eratosthenes also mit 77 800 Stadien berechnet. Diese Zahl ist das Resultat einer Addition aus bekannten oder geschätzten Streckenabschnit- ten 37 . Eine astronomische Bestimmung der äußeren Punkte hat Eratosthenes, wie schon erwähnt, unterlassen. Insbeson- dere hat er eine geodätische Vermessung der Längengrade nicht durchgeführt – und konnte sie wohl auch aufgrund fehlender technischer Voraussetzungen nicht durchführen 38 . Dies hat ihm später eine harsche Kritik von Seiten des Astro- nomen Hipparchos eingetragen 39 . Die Breite der Oikumene, d. h. der Distanz zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten Punkt der bekannten Erde,

Die Vermessung der Oikumene(n)

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berechnete Eratosthenes nach Strabon (1, 4, 2, C 62–3) fol- gendermaßen:

Εξη˜ς με`ν ου˜ ν πλάτος τη˜ς ο`ικουμένης α`φορίζων φησ`ιν α`πο` με`ν Μερόης ε π`ι του˜ δι’ αυ τη˜ς μεσημβρινου˜ μέχρι Aλε-

ξανδρείας ει˜ ναι μυρίους , ε `νθεν δε` ει ς το` ν Eλλήσποντον περ`ι ο κτακισχιλίους ε κατόν, ει˜ τ’ ει ς Βορυσθε`νη πεντακισχιλίους, ει˜ τ’

ε π`ι το` ν κύκλον το` ν δια` Θούλης … α´λλους ω ς μυρίους χιλίους

πεντακοσιους. ε α`ν ου˜ ν ε `τι προσθω˜ μεν υ πε`ρ τη`ν Μερόην

α´ λλους τρισχιλίους τετρακοδςίους, ί να τη`ν τω˜ ν Α`ιγυπτίων νη˜σον ε `χωμεν κα`ι Κινναμωμοφόρον κα`ι τη`ν Ταπροβάνην,

ε `σσεσθαι σταδίους τρισμυρίους oκτακισχιλίους. »Daraufhin bestimmte [Eratosthenes] die Breite der Oiku- mene und sagte, dass auf dem Meridian von Meroe aus bis nach Alexandria 10 000 Stadien sind; von da bis zum Hel- lespont etwa 8100 Stadien; sodann bis zum Borysthenes 5000 Stadien; ferner bis zum Meridian durch Thule … etwa weitere 11 500 Stadien. Wenn wir nun oberhalb von Meroe weitere 3400 Stadien hinzusetzen, damit wir auch die Insel der (geflohenen 40 ) Ägypter, das Zimtland und Taprobane mit umfassen, so werden es insgesamt 38 000 Stadien sein« (Abb. 5).

so werden es insgesamt 38 000 Stadien sein « (Abb. 5). Abb. 4 Die Vermessung der

Abb. 4

Die Vermessung der Oikumene bei Eratosthenes (I): Die Ost-West-Erstreckung (die »Länge«).

36 Vgl. auch Strab. 11,11,7, C 519. Roller 2010, 155: »Strabo objected to this, largely because the elongation was to account for Pytheas’ data from the far northwest, but the criticism was valid in that it created an inhabited world that was astonishingly long.«

37 Die gilt auch für die älteren Erdumfassungsmessungen vor Era- tosthenes.

38 Für die Bestimmung der Oikumene war neben der Unzuverlässig- keit und Unvollständigkeit der Karten und Reisebeschreibungen der empfindlichste Mangel das Fehlen astronomischer Ortsbestimmun-

gen. Breitengradbestimmung konnte in der Antike mittels Schatten- längen- und Tageslängen-Messungen relativ genau, Längengrad- messung aufgrund des Fehlens von synchron laufenden Uhren nur unzureichend durchgeführt werden.

39 Der Titel des Werkes des Hipparchos lautete bezeichnenderweise:

προ` ς τη`ν Eρατοσθένους γεωγραφίαν βιβλία τρία. 63 Fragmente ha- ben sich daraus erhalten. Vgl. Dicks 1960.

40 Vgl. Strab. 17,1,2, C 786.

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148 Klaus Geus Abb. 5 Die Vermessung der Oikumene bei Eratosthenes (II): Die Süd-Nord-Erstreckung (die »Breite«).

Abb. 5

Die Vermessung der Oikumene bei Eratosthenes (II): Die Süd-Nord-Erstreckung (die »Breite«).

(II): Die Süd-Nord-Erstreckung (die »Breite«). Abb. 6 Die Vermessung der Oikumene bei Eratosthenes (III):

Abb. 6

Die Vermessung der Oikumene bei Eratosthenes (III): Die Länge und Breite.

Eratosthenes hat also für die Breite der Oikumene insge- samt 38 000 Stadien errechnet. Die Länge von 77 800 zu der Breite von 38 000 Stadien entspricht nun in der Tat einem Verhältnis von »mehr als

2 : 1«, wie es außer von Strabon auch von Agathemeros für Eratosthenes bezeugt wird 41 . Eratosthenes hat im weiteren Fortgang seines Werkes die verschiedenen Längen- und Breitengraden zu einem größe-

41 Vgl. o. Anm. 30.

ren System zusammengefasst 42 . Den Schnittpunkt der bei- den wichtigsten Linien, des längsten Breitengrades und des längsten Längengrades, setzte er in Rhodos an. Das hatte Tradition (Abb. 6). Aus den überlieferten Entfernungsangaben und der Verortung zentraler Punkte innerhalb seines Koordinaten- systems war es Eratosthenes nun möglich, seine Karte der Oikumene zu konstruieren. Er ging dabei ähnlich vor wie die Kartenzeichner der früheren Zeit. Er gebrauchte geo- metrische Figuren, um bestimmte Abschnitte seiner Karte zu veranschaulichen. Britannien zeichnete er in Form eines stumpfwinkligen Dreiecks, Afrika in Form eines rechtwinkli- gen Dreiecks, das Kaspische Meer in Form eines Kreises 43 . Während diese Schemabilder aufgrund ihrer geomet- rischen Basis für den Leser anschaulich, leicht fasslich und kartografisch problemlos rekonstruierbar waren, verglich Era- tosthenes die gesamte Oikumene mit der Chlamys, dem ma- kedonischen Soldatenmantel. Er griff damit zu einem nicht- geometrischen Konzept und verzichtete – offenbar bewusst

Abkürzungen

Aujac 1996

G. Aujac, La sphère grecque, in: Comité française de cartographie.

Histoire de la cartographie. Bulletin 148, 1996, 7–18.

Berger 1880

H. Berger, Die geographischen Fragmente des Eratosthenes (Leipzig

Die Vermessung der Oikumene(n)

149
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– auf die Vorteile einer geometrisierten Darstellung, die er selbst konsequent für die Darstellung der einzelnen Regio- nen benutzt hat 44 . Das überrascht. Selbst wenn man davon ausgeht, dass jedem seiner Le- ser die Größe und Form einer Chlamys vertraut war, erge- ben doch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Lage und Orientierung (in getragenem oder ausgebreitetem Zustand etc.?) der Chlamys ein wenig prägnantes und keineswegs allgemeinverbindliches Bild. Ich vermute daher, dass sich hinter der »oikumenischen Chlamys« mehr als eine geografische Bezeichnung verbirgt. Wahrscheinlich wollte Eratosthenes mit dem makedonischen Kriegermantel auch die politische und militärische Vormacht- stellung der Makedonen über die Oikumene andeuten 45 . Soll- te diese Vermutung richtig sein, wäre die Erweiterung des Begriffs der Oikumene um diesen Aspekt direkt auf den Bib- liothekar und Prinzenerzieher von Alexandria zurückzufüh- ren 46 . Der geografische Raum wäre hier auch zum politischen Raum geworden.

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42 Eratosthenes beschränkte sich auf wenige Breitenkreise und Meri- diane (die genaue Anzahl ist umstritten; vgl. z. B. Honigmann 1929 bes. 19; Shcheglov 2004; Shcheglov 2005; Shcheglov 2006; Bian- chetti 2007/08, 33). Erst in der »Geographike Hyphegesis« des Ptole- maios finden wir ein vollständiges, auf fünf Bogenminuten genaues Gradnetz der Oikumene.

43 Einzelheiten zu diesen »Schemafiguren« bei Dueck 2005. Zusam- menfassend Bianchetti 2007/08, 25: »… suo metodo geometrico che procede dall’universale al particolare«.

44 Moderne Forscher haben teilweise sehr unterschiedliche Rekon- struktionen für die chlamysförmige Oikumene vorgelegt. Vgl. Zim- mermann 2002.

Honigmann 1929

E. Honigmann, Die sieben Klimata und die ΠΟΛΕΙΣ ΕΠΙΣΗΜΟΙ. Eine

Untersuchung zur Geschichte der Geographie und Astrologie im Altertum und Mittelalter (Heidelberg 1929).

45 Auch die »Siegel« (σφραγ˜ιδες) des Eratosthenes scheinen mit der ptolemäischen (oder besser: makedonischen?) »Landnahme« ver- bunden zu sein. Vgl. Geus 2004, 20 f. (mit noch etwas anderer Inter- pretation); Roller 2010, 26 f.

46 Soweit ich sehe, gibt es keine älteren Zeugnisse für einen politi- schen Oikumene-Begriff. Vgl. zu den bildlichen Darstellungen und möglichen (spät-)ptolemäischen Kontexten Canciani 1994. Nach Athen. 12,536a war Demetrios Poliorketes auf einem athenischen Gemälde als »reitend auf der Oikumene« dargestellt.

150
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Klaus Geus

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Abbildungsnachweis

Sämtliche Zeichnungen stammen vom Verfasser.

Anschrift des Autors:

Prof. Dr. Klaus Geus Historische Geographie des antiken Mittelmeerraumes Freie Universität Berlin Koserstr. 20 D-14195 Berlin klaus.geus@fu-berlin.de

FORSCHUNGSCLUSTER 3

Politische Räume

Politische Räume in vormodernen Gesellschaften

Gestaltung – Wahrnehmung – Funktion

Internationale Tagung des DAI und des DFG-Exzellenzclusters TOPOI vom 18. – 22. November 2009 in Berlin

Herausgegeben von

Ortwin Dally, Friederike Fless, Rudolf Haensch, Felix Pirson und Susanne Sievers

2009 in Berlin Herausgegeben von Ortwin Dally, Friederike Fless, Rudolf Haensch, Felix Pirson und Susanne Sievers

VIII, 300 Seiten mit 119 Abbildungen

Titelvignette: Weiß zieht und gewinnt – Bondarenko & Gorgiev 1959 / Birgit Nennstiel (TOPOI), Berlin

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Dally, Ortwin / Fless, Friederike / Haensch, Rudolf / Pirson, Felix / Sievers, Susanne (Hrsg.):

Politische Räume in vormodernen Gesellschaften ; Gestaltung – Wahrnehmung – Funktion ; Internationale Tagung des DAI und des DFG-Exzellenzclusters TOPOI vom 18. – 22. November 2009 in Berlin / hrsg. von Ortwin Dally Rahden/Westf.: Leidorf 2012 (Menschen – Kulturen – Traditionen ; ForschungsCluster 3 ; Bd. 6) ISBN 978-3-86757-386-3

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Alle Rechte vorbehalten © 2012

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