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OTTO GROß - DIE PSYCHOANALYSE ODER WIR KLINIKER

Wäre Rubiners Artikel etwas vereinzelnd stehendes, so würde man das gallige Produkt behutsam zur Seite Allein der Fall ist durchaus repräsentativ. Deshalb gewinnt die Frage Interesse: Was ist mit und hinter diesem Affekt?

Ich meine das Motiv tritt grell hervor: Rubiner sagt uns: Techniker bleib bei deiner Klinik. Das ist, worauf es

Wer heute mit tut an

den Menschheitsproblemen — im allerweitesten Sinn —, der hat der Psychoanalyse gegenüber nur die Wahl: entweder völlig umzulernen, auch über alles, was man bisher selbst geleistet hat. auch wenn man schon dran gewesen war voran zu gehen — oder aus allen Lungenkräften mitzuschreien: Techniker, laß uns unseren Leisten! Allein — wo gibt es Grenzen für die Möglichkeiten dieser Technik? Das ganze Leiden dieser

ihnen allen ankommt — allen, mit denen sich Rubiner „in diesem Hauptpunkt

ganzen Menschheit an sich selber und alle Hoffnung, daß es anders werde: das ist unsere Klinik.

Ich habe es zu meiner Lebensarbeit gemacht zu zeigen, daß unmittelbar als Folge der bestehenden autoritativen Institutionen derzeit jeder Mensch krank sein muß, und zwar besonders tief der wertvolle Mensch in Folge und im Maße seiner Werte. Diese Erkenntnis ist die Forderung der Revolution als menschheits-hygienische Notwendigkeit und der innerlichen Befreiung des revolutionären Menschen als klinische Vorarbeit. Sie rechnet mit dem Anspruch der Individualität an das Leben als ihrer Basis und definiert als „Gesundheit“ die Vollentwicklung aller angeborenen individuellen Möglichkeiten.

Die Psychologie des Unbewußten, die das Sein-Sollende des Individuums aus dessen „verdrängtem“ latenten Material heraus ins Licht zurückhebt, vermag ihren zukunftsgemäßen Begriff der „Gesundheit“ schon jetzt auch für den einzelnen Fall zu entwerfen: vom wiederhergestellten Lebensanspruch des Individuums aus fixieren wir im einzelnen und allgemeinen unsere Forderungen. Man soll verstehen, daß ganz allein von dieser Basis vom empirischen Anspruch der Individualität an das Leben aus lebendige Werte und Normen errichtet werden können.

Ich habe von der Ueberwindung der Einsamkeit gesprochen. Rubiner meint, da käme ich zu spät, da habe er schon alles selbst gemacht. Er und Einstein. Von Einsteins Arbeiten kenne ich genügend, um sagen zu

können: es sind erschütternde Projektionen der Farben und Lichter, in deren Spiel das seelische Geschehen gebrochen weiter läuft und deren Wiederschein uns aus der eigenen Tiefe flimmernd aufschreckt. Die künstlerische Tat, das freie Schaffen neuer repräsentativer Fälle ist eine Sache für sich; der Menscheneinsamkeit gegenüber sind sie, was überhaupt mit den bisherigen Mitteln möglich war:

Blitzlichter, die den Abgrund

Wir wollen mehr: die Ueberwindung der Einsamkeit als unsere

Hoffnung und Pflicht ist Neuerrichtung menschlicher Beziehungen auf einer gänzlich neuen Basis, mit bisher

unerhörten Möglichkeiten an Reinheit und Konstanz und produktiver Intensität.

Das „Verindividualisieren“ der Psychoanalyse soll ein Gegenargument sein gegen unsere Hoffnung auf Ueberwindung der Einsamkeit. Weiß man noch nicht, daß alles gegenseitige Sich-Verstellen darauf beruht, sich selber zu verstehen? Daß aus der Ueberwindung des inneren Konflikts, das sich Versperrens vor sich selbst die Ueberwindung des Schicksals folgen wird, daß Liebe ein Kampf und daß der Mensch immer allein ist?

Daß die Menschen je vergessen konnten, wie elend sie sind — wie elend sie sich machen — diese

Frage will Antwort haben. Es ist die Frage nach der Menschheitspsychose berufen halten. —

auf die zu antworten wir uns für

Bis jetzt hat nur Einer das Problem in seiner Ganzheit konzipiert: der die Geschichte vom Turmbau zu Babylon schrieb. — Es scheint Gesetz zu sein, daß jedesmal sich die Verwirrung wieder erneut, wenn der Versuch gemacht wird, einen Turm in den Himmel zu bauen.