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Mit MINIMAX die Lust am Erzählen und Lesen wecken

Eine Bilderbuchreihe für Kinder im Kindergartenalter und für Leseanfänger

für Kinder im Kindergartenalter und für Leseanfänger Jutta Bauer / Kirsten Boie Kein Tag für Juli

Jutta Bauer / Kirsten Boie Kein Tag für Juli Bilderbuch, 32 Seiten, fadengeheftet Beltz & Gelberg, Weinheim 2004 ISBN 3-407-76001-9 € 5,50

„Mein Glühwürmchen, mein liebstes Glühwürmchen!, schreit Juli und saust im Schlafanzug nach draußen.

Die Erzählidee

Juli und saust im Schlafanzug nach draußen. Die Erzählidee An manchen Tagen geht alles schief Mit

An manchen Tagen geht alles schief Mit dieser Einleitung beginnt die Erzählung eines verqueren Tages für Juli, an dem Mama gleich morgens verschlafen hat, er eine Jeans anziehen muss, an der er den Knopf beim Umziehen im Kindergarten natürlich nicht zukriegt, weder Carolin noch Kai bereit sind, Müsliriegel oder Apfel gegen sein Brot einzutauschen, er sich auf dem Spielgelände prügeln muss und zu guter Letzt, am Abend, auch noch sein Glühwürmchen verschwunden ist, jenes selbstleuchtende kleine Plastiktier, ohne das Juli auf keinen Fall einschlafen kann. – Erst als der verquere Tag dann doch noch aufhört verquer zu sein, weil sich das Glühwürmchen am Zaun von Schröders Garten findet, ist alles wieder gut.

Kein Tag für Juli ist ein Bilderbuch, das aus der Sicht eines vier- oder fünfjährigen Kindes geschrieben ist. Julis Empfindungen sind eine Mischung aus Unsicherheit und Unzufriedenheit, Selbstbehauptung und Wut, Verzweiflung und Sehnsucht nach Trost, dem Gefühl ausgeschlossen zu sein und andererseits wiederum ernst genommen und beteiligt zu werden; Erfahrungen also, die die Leser oder Zuhörer der Geschichte mit dem Protagonisten teilen können. Ganzseitige Bilder, Bildausschnitte und Vignetten sowie eine dreiteilige Bilderfolge erläutern und ergänzen den Text. Sie sind Momentaufnahmen aus der Ereigniskette eines Tages: lebendig, herausfordernd, eindrucksvoll-konkret in der Wiedergabe des äußeren und inneren Erlebens.

2004 Beltz & Gelberg

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Die didaktische Intention: zu Bildern sprechen und erzählen

Lernziele

über die Personen, ihre Verhaltensweisen und Tätigkeiten den Bildraum erschließen;

Dialoge zwischen Personen erfinden, dadurch Verbindungen zwischen einzelnen Bildteilen herstellen;

den nonverbalen Ausdruck (Gestik, Mimik, Gebärdensprache) im Blick auf Gefühlserlebnisse / Stimmungen versprachlichen;

über ausgewählte Bildseiten den Handlungsverlauf antizipieren;

zu Transferleistungen auf eigene Erfahrungssituationen anregen;

Didaktische Orientierungen Die Erzählhandlung gliedert sich grob in die beiden Bereiche:

Erzählhandlung gliedert sich grob in die beiden Bereiche: häusliches Umfeld und Kindergarten. Was an diesen Orten

häusliches Umfeld und Kindergarten. Was an diesen Orten geschieht, ist für das Kind als Bilderbuch- Benutzer beispielhaft, weil in direkter Nähe zum eigenen Erleben stehend. Julis Gefühlsreaktionen spiegeln dem Kind bekannte Empfindungen und Konflikte. Über den Prozess der Identifikation sowie aus der Distanz der Bildbetrachtung ergeben sich Reflexionen auch auf das eigene Handeln. (Lit.: Aliki; Gefühle sind wie Farben; Beltz & Gelberg).

Folgende Erfahrungen sind Teil der Erzählhandlung:

das Zusammenleben mit einem kleineren Geschwisterkind; daraus folgend die „geteilte“ Aufmerksamkeit von Vater und Mutter; der andere Tagesrhythmus und die veränderte Gestaltung des Familienlebens; der Umgang mit Frustrationen

das Sich-Behaupten-Wollen und Sich-Einordnen-Können in der Kindergartengruppe; Umgang mit Konfliktsituationen / mit der eigenen Aggressivität

das Zusammenspiel mit den großen Schulkindern; das Bemühen um Anerkennung und Akzeptanz

Schulkindern; das Bemühen um Anerkennung und Akzeptanz „Ich und meine Familie“, „Zusammenleben mit anderen“

„Ich und meine Familie“, „Zusammenleben mit anderen“ oder „Wenn ich morgens früh

aufstehe“

oder Rahmenthemen sein, in die die Buchlektüre eingebunden werden kann.

im Sinne eigener Tagesabläufe – können parallele Gesprächssituationen

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Eine Gliederung der Geschichte in Erzählabschnitte könnte eine Korrespondenz zwischen Selbst- und Fremderfahrung schaffen. Die Bilder aus dem Buch motivieren zu eigenen Darstellungen; beides wird als Wandfries präsentiert und schafft Anlass zu vergleichendem Betrachten, zum Anerkennen von unterschiedlichen Lebens- bedingungen und -formen, zum Erfahrungsaustausch Auf diese Weise gelingt nicht nur eine vertiefende Auseinandersetzung mit Julis Tag, sondern mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Erfahrungssituationen, Denkweisen und Gefühlen innerhalb der eigenen Kindergartengruppe.

und Gefühlen innerhalb der eigenen Kindergartengruppe. Die Erzählschritte und Lesehilfen beim Umgang mit dem Buch

Die Erzählschritte und Lesehilfen beim Umgang mit dem Buch

Der Einstieg in die Lektüre des Buches erfolgt über drei Bilder, die Juli in unter- schiedlichen Stimmungen zeigen.

Bilder, die Juli in unter- schiedlichen Stimmungen zeigen. Die Kinder entwickeln zu den Bildern Vorstellungen über
Bilder, die Juli in unter- schiedlichen Stimmungen zeigen. Die Kinder entwickeln zu den Bildern Vorstellungen über
Bilder, die Juli in unter- schiedlichen Stimmungen zeigen. Die Kinder entwickeln zu den Bildern Vorstellungen über

Die Kinder entwickeln zu den Bildern Vorstellungen über den Anlass / die Situation, in die der Bildausschnitt eingebunden ist. Anschließend werden im Buch die entsprechenden Szenenbilder mit den gezeigten Ausschnittvergrößerungen (s. o.) gesucht. Zu zweit werden erste Bildeindrücke „gesammelt“.

Mögliche Fragestellungen dazu:

Wo ist Juli?

Was macht er gerade?

Was sagen oder tun die anderen Personen?

Was passiert auf dem nächsten Bild?

Auf diese Weise wird zu einer ersten Orientierung innerhalb des Buches angeleitet;

zwei aufeinander folgende Bildsituationen werden miteinander zu einem Bedeutungszusammenhang verknüpft.

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Ein anderes Suchinteresse wird geweckt, wenn Juli zusammen mit seinem Glühwürmchen gezeigt wird und dazu der Hinweis erfolgt:

Glühwürmchen gezeigt wird und dazu der Hinweis erfolgt: Das ist Juli. Und das ist sein Glühwürmchen.

Das ist Juli. Und das ist sein Glühwürmchen. Das Glühwürmchen ist ein kleines Plastiktier, das leuchten kann, wenn man es zuvor unter eine Lampe hält.

Aufgabe der Kinder ist nun, auf den (7) Bildseiten des Buches das Glühwürmchen wiederzufinden und an den jeweiligen Bildszenen seine Bedeutung für Juli „abzulesen“. Eine solche Aufgabe fordert zu einem genauen und gezielten Absuchen der Bildumgebung heraus und entwickelt den Blick für ein „verlangsamtes Sehen“.

Nach einer solchen Einstimmung, die die Entdeckung eines ersten, möglichen Erzählbereiches anleitet, kann das Thema Schmusetiere eine Anregung sein, auf eigene Erfahrungen der Kinder einzugehen. Welches Schmusetier vom einzelnen Kind ausgewählt wurde und wie es dazu kam; wann man sein Schmusetier braucht bzw. warum man ohne es nicht einschlafen kann, sind Selbsterkenntnisse der Kinder, die ihnen Julis Verhalten noch einmal nachhaltig verständlich machen.

Ein anderer Bereich ist das Zusammenleben mit einem Geschwisterkind. Welche Bilder erzählen von Julis Bruder oder Schwester? Was geschieht auf diesen Bildern? Wie „sehen“ die Kinder beim Bild-Betrachten Julis Geschwistersituation? Was können sie aus eigenem (ähnlichen) Erleben berichten?

Was können sie aus eigenem (ähnlichen) Erleben berichten? Auch hier lädt die emotional geprägte Grundstimmung der

Auch hier lädt die emotional geprägte Grundstimmung der Bilder dazu ein, mit eigenen Erfahrungen / Empfindungen zu antworten bzw. Julis Reaktionen als Impuls aufzunehmen, über eigene Verhaltensweisen nachzudenken.

Ein dritter Themenbereich ist das Zusammensein in der Kindergemeinschaft als Ort der Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen und Erwachsenen und mit sich selbst. Auch hier ist Juli nicht das nachahmenswerte Vorbild, aber sein Beispiel hilft, sich und anderen zu erklären, wie plötzlich Ärger und Streit entstehen oder wie Wut wachsen kann, bis man platzt.

Jedes Kind weiß, dass solche Erfahrungen einen niedergeschlagen und unglücklich sein lassen und dass man eigentlich dann jemanden zum Kuscheln und Trösten braucht. Aber die Realität ist, dass Mama ausgerechnet da nicht unbedingt verfügbar ist, genauso wie bei Juli.

Und wie löst man dann das Problem?

Idee, Konzeption und Redaktion Marlies Koenen Institut für IMAGE+BILDUNG, Potsdam

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