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Über das Gravitationsfeld eines Massenpunktes

nach der EiNSTEiNschen Theorie.

V0n K. SCHWARZSCHILD.

(.[(Vorgelegt am 13. Januar 1916 [s. oben S. 42

Hr. Einstein hat in seiner Arbeit über die Perihelbewegung .1 §


des Merkur (s. Sitzungsberichte vom 18. November 1915) folgendes
Problem gestellt:

Ein Punkt bewege sich gemäß der Forderung

ist, gttV Funktionen der Variabein x bedeuten und bei der Variation
am Anfang und Ende des Integrationswegs die Variablen x festzuhalten
sind. Der Punkt bewege sich also, kurz gesagt, auf einer geodätischen
Linie in der durch das LinLenelement ds charakterisierten Mannig-
faltigkeit. . ...

Die Ausfuhrung der Variation ergibt die Bewegungsgleichungen


des Punktes

ds ds
wobei

(3)

normierte Subdeterminante in ‫׳‬ist und gali die zu ga& koordinierte und

: ‫־‬ ‫ __ _־‬-. ....‫־‬.bedeutet | ‫״״‬der Determinante | 7

..Dies ist nun nach der ErasTEiNschen Theorie dann die Bewegung

eines masselosen-Punktes "in dem Gravitätionsfeld "einer7 im Punkt‫־‬

. i£0mponenten des« -xl


‫ ־־‬-=- %t -— x3 = o befindüchen Masse; wenn die
‫׳‬±= 07‫־‬Gravitationsfeldes« r überall, mit Ausnahme des Punktes xz ■==xJ = x3‫־‬

^ .
‫־־‬ ■ ■". .--------.--■- r
‫־־־‬ :‫־־־‬
"
‫ ך‬. ~~;‫״‬Feldgleichungen‫ ״‬den-
Die Feldgleichungen in Verbindung mit der Determinantengleichung
haben die fundamentale Eigenschaft, daß sie ihre Gestalt behalten bei
der Substitution beliebiger andrer Variablen an Stelle von x1: x1; x3, x4,
falls nur die Substitutionsdeterminante gleich 1 ist.

Sollen x,, xt, x3 rechtwinklige Koordinaten, x4 die Zeit bedeuten, :


soll ferner die Masse im Nullpunkt zeitlich unveränderlich sein, und
soll die Bewegung im Unendlichen gleichförmig gradlinig sein, so sind
gemäß Hrn. Einsteins Aufzählung• a. a. O. S. 833 noch folgende Forde-
rungen.zu erfüllen:

1. Alle Komponenten sind von der Zeit x4 unabhängig.

2. Die Gleichungen c/;i = g4! = O gelten exakt für p = 1,2,3.

3. Die Lösung ist räumlich symmetrisch um den Anfangspunkt


des" Koordinatensystems in dem Sinne, daß man wieder auf
dieselbe Lösung stößt, wenn man x,, x,, x3 einer orthogonalen
Transformation (Drehung) unterwirft.

verschwinden im Unendlichen, mit Ausnahme fol- 4/‫״״‬. Die i


:gender vier von null verschiedener Grenzwerte

Das Problem ist, ein Linienelement mit solchen Koeffizienten

-ausfindig zu machen,- daß die Feldgleichungen, die Determi

nantenglei.chung und diese vier Forderungen erfüllt werden.

-—Hr.-E1NSTE1N—hat-gezeigt,-daß dies Problem in erster Nä

herung auf das NEWTONsche Gesetz führt und daß die zweite Näherung

:die
‫־־‬ bekannte Anomalie in der Bewegung des Merkurperihels richtig

des ‫׳‬wiedergibt. Die folgende Rechnung■ liefert die strenge Lösung

Problems. Es ist immer angenehm, über strenge Lösungen einfacher

-_^or-£Q—zu-^erfügen,- -Wichtiger ist, daß die Rechnimg^zugleich^die^in

deutige Bestimmtheit der Lösung ergibt, über die Hrn. Einsteins Be-
unten ‫ י‬handlung noch Zweifel ließ, und die nach der Art, wie sie sich
.einstellt, wohl auch nur schwer durch ein solches Annäherungsver-
fahren erwiesen werden könnte- .-Die folgenden Zeilen führen also dazu, _

.Hrn. Einsteins ■Resultat.Jin .vermehrter Reinheit erstrahlen zu lassen


r~¿‫־‬
y7‫־‬
nateñ^7‫־‬
dieZeit"¿, :die" :rechtwinkligen Koordí‫־‬Nennt" man .3 " § :,;..‫־‬
_

allgeineinsteUhiierrelement,-welches die Forderungen 1'—3‫־‬


'so ist das
‫ ׳‬..::■_" ~:" ‫'"־‬. :■‫"׳ ׳■״‬-‫ יי'׳‬:‫ " י‬:~erfullt~öffenbar das folgende

: / ‫ י‬ñruwARzsckiLD: Über das Gravitationsfeld eines Massenpunktes . 191

is' = Fdt'~G(dx'-i-dy' + dz') — E(xdx + yd.y-^zdzY

Funktionen yon r — }V + jf' + 2' sind.‫־‬wobei F, 0; H

Die Forderung (4) verlangt: Für r = 00: F = ff = 1, B = 0.

Wenn man zu Polarkoordinaten gemäß x = r sin 3• cos p , y =


7■ sin & sin •p, z — r cos & übergeht, lautet dasselbe Linienelement: '_
Hr'dr' — (‫־‬
(dí‫־‬
t-r"d»' + r,sin"3-‫־‬
ds' = ítfí" — G(dr

Sdf). s
‫־‬in + —
‫ ־‬Fdf— (G +■ 'Sr•) dr' — Gr' («¡St

Indessen ist das Volumenelement in Polarkoordinaten gleich


r" sin âdrd§dp, die Funktionaldeterminante der alten noch den neuen
Koordinaten r' sin & ist von 1 verschieden ; es würden also die Feld-
gleichungen nicht in unveränderter Form bestehen, wenn man mit
diesen Polarkoordinaten rechnete, und man würde eine umständliche
Transformation ausführen müssen. Ein einfacher Kunstgriff gestattet
jedoch, diese Schwierigkeit zu umgehen. Man setze

x, =—, x, = — cos&, x, = p. (7)

Dann gilt für das Volumenelement: r'dr sin$dädp = dx,dx,dx3. Die


neuen Variablen sind also Polarkoordinaten von der Determi-
nante 1. Sie haben die offenbaren Vorzüge von Polarkoordinaten für die

Behandlung des Problems, und zugleich bleiben für sie, wenn man

.‫־‬-noch t = x, hinzunimmt, die Feldgleichungen und die Determinanten


gleichung in unveränderter Form erhalten.

:In den neuen Polarkoordinaten lautet das Linienelement

:wir schreiben wollen‫־‬wofür

Dann sind ft, /, = f3, f4 drei Funktionen von x,, welche folgende Be-
‫ _ ׳־־‬:dingnngen zu erfüllen haben

:Der Vergleich mit (2) gibt die Komponenten des Gravitationsfeldes


./3 ‫־‬

2\ " . . ‫ י‬/, d«, r — x

Sx, ,/ 2 4

(die übrigen null).

Bei der Rotationssymmetrie um den Nullpunkt genügt es, die


o) zu bilden, so daß man, = ‫״‬Feldgleichungen nur für den Äquator (x

‫ י‬da nur einmal differenziert wird, in den vorstehenden Ausdrücken

überall von vorneweg 1— xl gleich 1 setzen darf. Damit liefert dann


die Ausrechnung der Feldgleichungen

Ausdrucl

_ Dan

;!beding

;/ Liid
.erfüllt

nd alle Forderungen befriedigt bis auf die¡

Es wird /, unstetig, wenn

ist. Damit diese Unstetigkeit mit dem Nullpunkt zusan

sein. Die Surtigkeitsbedingung verknüpft also in die¡


"beiden IntegcationskonsLíinteii c und «.

Die vollständige Losung unsrer Aufgabe lautet jel

wobei die Hilfsgröße

eingeführt ist.

Setzt man diese Werte der Funktionen / im Ausdruck (9) des


Li ni en elements ein und kehrt, zugleich zu gewöhnlichen Polarkoordi-
naten zurück, so ergibt sich das Linien dement, welches die

:strenge Lösung des EiNSTtiNschen Problejns bildet

-'ds' = {1 — ajR)dt

Dasselbe enthält die eine Konstante a, welche von der Größe der im
Nullpunkt befindlichen Masse abhängt.

§ 5. Die Eindeutigkeit der Lösung hat sich durch die vor-


stehende Rechnung ■reu selbst ergeben. Daß es schwer wäre, aus
einem Annäheriingsvcrfii 11 ron nach Hrn. Einsteins Art die Eindeutig-
keit zu erkennen, sieht man an folgendem: Es hatte sich oben, bevor

un£r heraNgezogon war, ergeben:‫׳‬il.-;hedi[1ü‫׳‬noch die Sl.ctigkr

tf+ /)"*' —1 «'31)»--/)‫־־‬


,H

Wenn a und p klein sind, so liefert die Reiheiient wiekkmg bis auf

:Größen zweiter Ordnung


í = i' + 7-4tó

Dieser Ausdruck, zusammen mit den entsprechend entwickelten von


f3, ft, befriedigt innerhalb derselben Genauigkeit alle Forderungen ‫״‬/

-ler11ng liefert innerhalb dieser An)‫!!׳‬des Problems. Die .Sle1.ig];eitsiV

über das Gravitationsfeld eines Massenpunktes 195‫־‬: Schwarzschild

a
‫־‬äherung nichts Neues hinzu, da von selbst nur im Nullpunkt Uli

Stetigkeiten auftreten. Es scheinen also die beiden Konstanten aundp


willkürlich zu bleiben, womit das Problem physikalisch unbestimmt
wäre. Die strenge Lösung lehrt, daß in Wirklichkeit bei der Fort-
Setzung der Näheningen- die Unstetigkeit nicht im Nullpunkt, sondern
an der Stelle r = («3— p)lh eintritt, und daß man gerade 0 = «3 setzen
muß, damit die Unstetigkeit in den Nullpunkt rückt. Man müßte bei
der Annäherung nach Potenzen von k und p das Gesetz der Koeffi-
zienten schon sehr gut überblicken, um die Notwendigkeit dieser Bindung
zwischen a. und p zu erkennen.

§ 6. Es ist schließlieh noch die Bewegung eines Punktes im


Gravitationsfelde, die zu dem Linienelement (14) gehörige geodä-
tische Linie, abzuleiten. Aus den drei Umständen, daß das Linien-
element homogen in den Differentialen ist und seine Koeffizienten un-
abhängig von t und von p sind, ergeben sich bei der Variation sofort
drei intermediäre integrale. Beschränkt man sich gleich auf die Be-
90o, ¿3■ = o), so lauten diese inter- = w
‫־‬egung in der Äquatorebene (9

mediaren Integraler

(1 — ajR)r-— = const, = 1 (Festlegung der Zeiteinheit). (17)


Daraus folgt

oder für 1jR = x

- fdxV 1

(18)

A ein, so ist dies 2 :


‫ ״‬-identisch mit Hrn. Einsteins Gleichung (11) a. a. 0. und gibt die beobach

tete Anomalie des Merkurperihels.

- -Überhaupt geht hiernach Hrn. Einsteins Annäherung für die Bahn- -


kurve in die strenge Lösung über, wenn man nur statt r die Größe

dem doppelten, Quadrat der Planeten-'‫ ״‬fuhrt. Da — nahe gleich 1 ‫ז‬ri

so ist dieKlam-‫־‬
,Einheit die Lichtgeschwindigkeit);ist) g
‫־‬escliwindigkeit
m
‫־‬er selbst für Merkur "nur um Größen der Ordnung io-" von 1. Ter

schieden. Es ist also praktisch R mit r■ identisch und Hrn. Einsteins

‫״‬Annäherung far die entferntesten Bedürfnisse der Praxis ausreichend

Zum Schluß soll ,noch die strenge Form des dritten KEPiERSchen

-Gesetzes für Kreisbahnen abgeleitet jwerden.. Für die Winkelgeschwin

digkeit n = — gilt nach (16) und (17), wenn man x = 1/B einführt,
'.(.n = ex1(! — ax

Für Kreisbahnen muß sowohl — als -¡—■ null sein. Das gibt nach (18)

-‫—י‬df>- dp--r a S

i —h

Die Elimination von A aus diesen beiden Gleichungen liefert


.*(a. = 2c*x(l — ax

Damit folgt

'11 2

Bis zur Sonnenoberdäche hin ist die Abweichung dieser Formel vom
d
‫־‬ritten KEPtERschen Gesetz völlig unmerklich. Für einen idealen Massen

punkt folgt aber, daß die Winkelgeschwindigkeit nicht, wie beim New-

ächst bei Verkleinerung des Bahnradius,‫־‬


TONsehen Gesetz, unbegrenzt w

sondern sich einer bestimmten Grenze

nähert. (Für einen Punkt von Sonnenmasse wird die Grenzfrequenz


rund io' in der Sekunde.) Wenn für die Molekularkräfte ähnliche

.Gesetze herrschen, könnte dort dieser Umstand von Interesse sein