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Ausgabe 04 | Winter 2014/15 WimadiMu Das Magazin zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik!

Ausgabe 04 | Winter 2014/15

WimadiMu

Das Magazin zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik!

zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik! Neue Wege Die eigene Stimme zu entdecken, ein

Neue Wege

Die eigene Stimme zu entdecken, ein Musikinstrument zu spielen, zusammen mit anderen Freude an Gesang und Musik zu haben – mit Wir machen die Musik! können Kinder viel lernen. Auch im Schuljahr 2014/15 nehmen knapp 38.000 Kinder in Kitas und Grundschulen in über 1.400 Kooperati- onsprojekten an dem Programm teil – unabhängig von ihrer Herkunft, der finanziellen und sozialen Situation ihrer Familie und ihren körperlichen und/oder geistigen Fähigkeiten. Das stellt natürlich auch die Erwachsenen, die in diesem Arbeits- feld tätig sind, vor immer neue Herausforderungen. Grund ge- nug für die WimadiMu-Redaktion, das Thema Aus-, Fort- und Weiterbildung zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe zu machen. Denn sowohl Erzieher/-innen als auch Musikschul- lehrer/-innen können sinnvolle Hilfestellungen und Antwor- ten zu Bereichen ihrer täglichen Arbeit gut gebrauchen.

Lesen Sie in unseren Interviews, wie Erziehern und Erzieherinnen bereits in der Ausbildung musikpä- dagogische Grundlagen vermittelt werden und wie Musikschulleh- rer/-innen in einer Fortbildung lernen, sich besser auf die Arbeit in Kitas und Grundschulen vorzube- reiten und wie sich diese Denkan- stöße erfolgreich umsetzen lassen. Erfahren Sie außerdem, wie auf einem WimadiMu-Fachtag über die Zukunft des Programms diskutiert und Best-Practise-Beispiele eine gute Orientierung für die eigene Arbeit bieten können. Auch beim Landesverband niedersächsischer Musikschulen spielt das Thema Fortbildung eine wichtige Rolle: Musika- lisch-kulturelle Bildung in der Kita, kurz MuBiKi, nennt sich die berufsbegleitende Qualifizierung, die sich ab 2015 an Kunst- und Kulturschaffende und Erzieher/-innen aus ganz Deutsch- land richtet. Sie sehen, es gibt viel zu erfahren im neuen Jahr. Mir bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: viel Spaß beim Lesen!

Herzlichst, Ihr

dieser Stelle nur zu sagen: viel Spaß beim Lesen! Herzlichst, Ihr Christopher Nimz WimadiMu | Ausgabe

Christopher Nimz

WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15

Der Klang von Kastanien KATHARINA MEIER ERZÄHLT, WIE MUSIK- PÄDAGOGISCHE GRUNDLAGEN- VERMITTLUNG FÜR ERZIEHER UND
Der Klang von Kastanien KATHARINA MEIER ERZÄHLT, WIE MUSIK- PÄDAGOGISCHE GRUNDLAGEN- VERMITTLUNG FÜR ERZIEHER UND
Der Klang von Kastanien KATHARINA MEIER ERZÄHLT, WIE MUSIK- PÄDAGOGISCHE GRUNDLAGEN- VERMITTLUNG FÜR ERZIEHER UND

Der Klang von Kastanien

KATHARINA MEIER ERZÄHLT, WIE MUSIK- PÄDAGOGISCHE GRUNDLAGEN- VERMITTLUNG FÜR ERZIEHER UND ERZIEHERINNEN AUSSEHEN KANN.

VERMITTLUNG FÜR ERZIEHER UND ERZIEHERINNEN AUSSEHEN KANN. Katharina Meier, 23, hat im Som- mer ihre

Katharina Meier, 23, hat im Som- mer ihre Erzieherinnenausbildung an der Alice-Salomon-Schule in Hannover abgeschlossen. Der halbjährige Wahlkurs „Wir ma- chen Musik für Kinder unter drei“ war darin ein echter Glücksfall, der das musikalische „Vakuum“ in der Ausbildung mit hohem Praxisanteil auffüllte. Für WimadiMu erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Hallo, Frau Meier. Nicht alle Erzieher/-innen müssen auch gleichzeitig gute Musiker/-innen sein. Mal ehrlich, wie musikalisch sind Sie?

Katharina Meier: Ganz offen gesagt: Meine musikalische Vorbildung hat sich auf ein paar Jahre Blockflötenunterricht beschränkt. Musik zu machen war für mich zunächst – wie für viele andere in dem Kurs auch – eine Hürde. Aber diese Hürde hat unsere Dozentin Mareike Nikolay mir und uns ganz schnell genommen. Seit dem Kurs singe ich übrigens viel öfter – zu Hause und auch in der Krippe, in der ich seit Kurzem arbeite.

Jetzt sind wir aber neugierig, wie Ihre Dozentin das geschafft hat!

Katharina Meier: Mit viel Elan und persönlicher Begeisterung. Zunächst gab es tolle Aufwärmübungen, danach klingt die Stimme meist sowieso schon viel besser. Tipps zur richtigen Haltung und einfach mal herzhaft Gähnen, damit die Mus- kulatur sich lockert, kamen dazu. Oder die Botschaft, sich einfach auf sein Gefühl zu verlassen, und z. B. nur Lieder zu singen, die man selber mag, brachten zusätzliches Selbstver- trauen. Man merkte einfach, dass Mareike viel Praxisbezug hatte, denn sie hat auch mögliche Risiken nicht ausgespart.

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Was zum Beispiel passieren kann, wenn es die Kinder partout nicht interessiert, was man da vorne macht, und dass es in solchen Fällen gut sein kann, Alternativen aus dem Hut zu zaubern.

Und wie können solche Alternativen aussehen?

Katharina Meier: Da gibt es Hunderte von Impulsen. Ich erinnere mich, dass wir die Idee hatten, das sogenannte Kastanienlied dadurch zu variieren, indem wir Kastanien in

eine Flasche füllten und das Lied damit rhythmisch begleite- ten. Oder man lässt zu einem Lied eine Holzeisenbahn von einem Kind zum anderen fahren oder bunte Tücher durch die

der

Luft fliegen. Es gibt Rasseleier, Glöckchen und und und

Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit von Kindern zu gewinnen.

Welche erzieherischen Möglichkeiten eröffnet Ihnen die musikalische Bildung in Ihrem Alltag?

Katharina Meier: Viele Möglichkeiten! Musik stärkt das Gruppengefühl, gibt Kindern die Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken, Sprachgefühl und Rhythmus zu entwickeln – alles Dinge, die Erzieher/-innen ohnehin erreichen wol- len. So gesehen unterstützt Musikpädagogik meine Arbeit. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass Musik auch meine Kräfte potenziert: Wenn ein einzelnes Kind unruhig ist, kann ich als Erzieherin nur dieses eine Kind beruhigen. Wenn aber viele Kinder gleichzeitig unruhig sind, schaffe ich das nur mit einem Lied! Natürlich klappt das nicht immer, aber es erwei- tert meine Handlungsmöglichkeiten auf wunderbare Weise.

Sollte so ein Kurs dann nicht zum Pflichtprogramm für jede/n Erzieher/-in werden?

Katharina Meier: Auf jeden Fall! Es gibt leider an meiner Schule nur ein Fach, das Musikpädagogik grob umreißt. Der Kurs „Musik machen für Kinder unter drei“ war zwar nur ein Wahlkurs, der glücklicherweise sehr intensiv und vor allem praxisorientiert durchgeführt wurde. Wichtig war vor allem die Berücksichtigung der besonderen Zielgruppe Kinder unter drei Jahren. Ich glaube außerdem, dass es wichtig ist, Fortbil- dungen für Erzieher/innen, die schon länger im Berufsleben sind, anzubieten. Was man mit Musik erreichen kann, müss- te noch viel mehr in die Einrichtungen getragen werden – das finde ich an Wir machen die Musik! einfach super.

müss- te noch viel mehr in die Einrichtungen getragen werden – das finde ich an Wir
müss- te noch viel mehr in die Einrichtungen getragen werden – das finde ich an Wir

Musik zu Miró

Für gelingende Kooperationen zwischen Musikschulen und Kindertagesstätten werden derzeit verstärkt gemeinsame Qualifizie- rungskonzepte für Erzieher/-in- nen und Musikschullehrkräfte entwickelt und erprobt. Der jüngst zu Ende gegangene Lehrgang „Elementare musikalische Bil- dung in der Kita“ des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschu- len (VBSM) in Kooperation mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Hochschule für Musik Würzburg und der Hochschule für Künste Bremen vermittelte aktuelle Grundlagen und Qualitätsmaßstabe für die gemeinsame musikpädagogische Bildungsarbeit. Anja Göhmann, Lehrkraft an der Kreisju- gendmusikschule Schaumburg, hat an dieser Weiterbildung teilgenommen.

Schaumburg, hat an dieser Weiterbildung teilgenommen. Frau Göhmann, wie schafft man es, Musikschullehrkräfte,

Frau Göhmann, wie schafft man es, Musikschullehrkräfte, die im Elementarbereich tätig sein möchten, auf ihre Arbeit vorzubereiten?

Anja Göhmann: Nun, im Falle unserer beiden Lehrgangs- leiterinnen mit ganz viel Spaß, Lebendigkeit und großem Praxisbezug! Prof. Dr. Barbara Stiller von der Hochschule für Künste Bremen und Prof. Jule Greiner von der Universität der Künste Berlin haben uns mit vielen praktischen Baustei- nen überrascht. So haben wir zum Beispiel gelernt, wie man in eine musikalische Einheit einführen kann, ohne Sprache zu verwenden – nur mit nonverbalen Anweisungen und Instrumenten wie Bassklangbausteinen und Glockenspiel. Herausgekommen ist dabei ein passables mehrstimmiges Instrumentalstück – ganz ohne Notation! Das war eine tolle Vorbereitung gerade auch für die interkulturelle Arbeit in Kitas.

In einer anderen Einheit haben wir versucht, ein Bild wie das berühmte „Harlekins Karneval“ von Joan Miró zu verklang- lichen und – im Umkehrschritt – Musik mit Tusche, Finger- farben und Malutensilien aller Art in Bilder umzuwandeln. Das war alles zunächst ungewohnt, hat aber sehr viel Spaß gemacht!

alles zunächst ungewohnt, hat aber sehr viel Spaß gemacht! Und wie sah die Theorie aus? Anja
alles zunächst ungewohnt, hat aber sehr viel Spaß gemacht! Und wie sah die Theorie aus? Anja

Und wie sah die Theorie aus?

Anja Göhmann: Hier gab es die unterschiedlichsten Inputs von namhaften Fachleuten zu verschiedenen Themen. Zum Beispiel dazu, wie die kindliche Entwicklung verläuft und wie man die musikalische Bildung darauf abstimmen kann. Oder wie sich die Bildungspläne des VdM mit den Bildungszielen der Kitas, die ja von Bundesland zu Bundesland unterschied- lich sind, sinnvoll verzahnen lassen. Der Aufbau von Bildungspartnerschaften, verschiedene Modelle von Kooperationen, die Musikkultur in Kindergärten, Didaktik und Methodik des Musizierens mit Kindern mit und ohne Migrationshintergrund waren weitere spannende Themen.

Nicht zuletzt gab es zwischen den einzelnen Fortbildungs- bausteinen ja auch praktische Hausaufgaben. Wie sah denn Ihre Hausaufgabe aus?

Anja Göhmann: Wir alle hatten die Aufgabe, ein thematisches Projekt in einer Kita unserer Wahl gemeinsam mit den dorti- gen pädagogischen Fachkräften vorzubereiten, durchzufüh- ren und zu dokumentieren. Sie sollte 5 – 7 Arbeitsabschnitte à 45 Minuten umfassen sowie eine Abschlusspräsentation beinhalten. Ziel war es, unterschiedliche Bildungsbereiche wie z. B. Körper/Bewegung, Sprache oder ästhetische Bil- dung damit abzudecken.

Voraussetzung war außerdem, ein eigenes Lied zu schrei- ben, das zum gewählten Thema passt. Das war für mich natürlich eine ganz besondere Herausforderung, denn so etwas hatte ich noch nie gemacht. Eine Kita in meiner Umge- bung war schnell gefunden und auch für ein Thema hatte ich mich entschieden. Es trug den Titel „Ich bin ich“ und es sollte darum gehen, wie man mit dem eigenen Körper Musik ma- chen kann – als sinnvoller Beitrag zur kindlichen Körperer- fahrung. Auch das Lied hatte ich schließlich nach einiger Zeit entwickelt – das sogenannte „Körpertrommlerlied“, zu dem man zum Beispiel mit den Füßen stampfen, mit den Händen klatschen oder mit den Fingern schnipsen konnte.

Abschließend wurde das Projekt mit einer Fotopräsentation im Plenum vorgestellt und ich musste mein selbst kompo- niertes Lied mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Fortbildung in Kleingruppen erarbeiten.

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Im Nachhinein bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Es war zwar eine

Im Nachhinein bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Es war zwar eine knifflige Herausforderung, hat aber geholfen, den Blick zu öffnen und zu erfahren, was in diesem Bereich alles möglich ist. Ich glaube, dass ich mich dadurch auch in Zukunft trauen werde, in der Praxis Dinge zu variieren und sie auch spontan anders zu machen.

Die letzte Phase war die Prüfungsphase. Vor welche Herausforderungen wurden Sie dort gestellt?

Anja Göhmann: Die optimale Arbeitsform ist meiner Meinung nach erreicht, wenn sie sich wirklich wie ein Tandem gestal- tet. Erzieherinnen und Musikschullehrer/-innen sollten sich als gleichwertige Partner/-innen anerkennen und die Inhalte gemeinsam vor- und nachbesprechen.

Und abschließend: Wo sehen Sie die Chancen, vielleicht aber auch die Probleme, vor denen Musikschullehrkräfte stehen, wenn sie in Kitas unterrichten?

Anja Göhmann: Die Prüfung bestand aus drei Teilen. Der erste Teil war die Vorbereitung und Durchführung einer wei- teren Einheit mit Kindern in einer Kita und die dazugehörige Dokumentation.

Meine Überschrift zu dieser Einheit war das Thema Bau- ernhof, was gut zu dem Bereich Natur/Lebenswelt des Bildungsplanes der Kita passte. Zusammen mit den Erziehe- rinnen habe ich versucht, mich mit den Kindern auf musikali- sche Weise mit dem auseinanderzusetzen, was den Kindern im Rahmen des Themas angeboten wurde. Der Besuch eines Landwirtes in der Kita, der den Kindern zeigte, wie man Korn mit einer Getreidemühle mahlt, ließ sich mit Textimprovisati- onen über das Lied „Hallo rufe ich dir zu“ musikalisch genau- so reflektieren wie das Abernten eines Apfelbaumes auf dem Kitagelände mit dem Bewegungslied „Ich hol mir eine Leiter“. Zweiter Teil der Prüfung war eine fünfzehnminütige Arbeits- einheit zum Thema Stimme/Sprache/Rhythmus/Musik & Bewegung, die mit einer Kleingruppe von Teilnehmern und Teilnehmerinnen eingeübt wurde.

Dritter und letzter Teil war schließlich ein Gespräch u. a. darüber, wie man ganz praktisch eine Kooperation mit einer Kita umsetzen kann. Hier wurden die Teilnehmer/-innen vor allem auf gute Ideen und lösungsorientierte Herangehens- weisen geprüft.

Frau Göhmann, jetzt, wo Sie Expertin für elementare musika- lische Bildung sind, würden wir gerne von Ihnen wissen: Wie schätzen Sie nach Ihrer Fortbildung die optimale Arbeits- teilung zwischen Musikschullehrern und -lehrerinnen und pädagogischen Fachkräften an Kitas ein?

Anja Göhmann: Eine tolle Chance ist natürlich die Erweite- rung des Tätigkeitsbereiches und der eigenen Kompetenzen. Gerade durch die Verbindung mit den Themen, die aktuell in jeder Kita behandelt werden, besteht die Möglichkeit, neue Ideen entwickeln und umsetzen zu können. Dies setzt viel mehr musikalische Kreativität frei! Und was für die Musik- schullehrer/-innen gilt, gilt natürlich genauso für die Mit- arbeiter/-innen der Kitas – Wir machen die Musik! ist ein Prozess wechselseitiger Befruchtung.

Probleme sehe ich eigentlich keine – ich würde es eher Her- ausforderungen nennen. In der elementaren musikalischen Bildung muss ich flexibel bleiben. Als Musikschullehrerin sitze ich normalerweise immer im selben Raum mit immer denselben Kindern. In der Kita ist immer alles anders. Mal gibt es Verzögerungen, weil eine Geburtstagsfeier oder ein Ausflug länger gedauert hat als geplant. Plötzlich habe ich viel weniger Zeit zur Verfügung und muss spontan umden- ken. Das stellt Ansprüche an die Kreativität. Kommunikation ist eine weitere Herausforderung, denn ich muss ständig mit allen reden – mit den Kindern, den Erzieherinnen und erst recht mit den Eltern. Übrigens bietet Wir machen die Musik! auch tolle Chancen, Eltern miteinzubeziehen. Über Präsenta- tionen bis hin zu Schnupperstunden ist da vieles denkbar. Aber nicht nur für Musikschullehrkräfte birgt Wir machen die Musik! eine Chance, sondern auch für die Musikschulen an sich. Denn das Programm ist nachhaltig: Im Kindergartenalter bauen wir eine Bindung zu den Kindern auf, die im Idealfall bis ins Grundschulalter und darüber hinaus hält. Den Kindern macht Spaß, was wir machen, das nehmen auch die Eltern wahr und so kommt das eine oder andere Kind zu uns in die Musikschule, um ein Instrument zu lernen.

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das eine oder andere Kind zu uns in die Musikschule, um ein Instrument zu lernen. WimadiMu

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Der WimadiMu-Talk

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Marieke

IN DIESER RUBRIK BESUCHEN WIR DIE KINDER DIREKT VOR ORT. DIESMAL:

DIE MUSICALGRUPPE DER GRUNDSCHULE AM GLOCKENKOLK, ESCHEDE

Man sollte ja meinen, dass eine Musicalaufführung vor Pub- likum im Leben eines Kindes eine ganz besondere Sache ist. Die Kinder der Grundschule in Eschede nördlich von Celle se- hen das eher gelassen, denn die meisten haben schon mehre- re Auftritte hinter sich. „Ich habe in der Reise mit der Zeitma- schine schon einen Cowboy gespielt“, sagt der zehnjährige Deniz stolz. Kein Wunder, dass er die Frage, ob er aufgeregt gewesen sei, mit einem lakonischen „bisschen“ abwinkt. Auch die neunjährige Marieke ist schon ein routinierter Musicalstar. Sie hat bereits im Musical „Rotasia“ mitgewirkt. „Darin geht es um ein Land, in dem alles rot ist“, erzählt sie lachend.

Gemeinsam mit vierzehn anderen Kindern aus den Grund- schulklassen eins bis vier treffen sie sich jeden Donnerstag, um mit Mechthild Stephany von der Kreismusikschule Celle Lieder aus dem Musical Kwela-Kwela einzustudieren. Das Musical entführt die kleinen Zuschauer nach Afrika, wo die Konferenz der Tiere einberufen wurde, Klar, dass es hier viele tolle Rollen zu besetzen gibt.

Samantha, sieben Jahre alt, möchte gern den Lärmvogel Tschibogo spielen. „Der hat ein Megafon und organisiert die Konferenz“, erzählt sie. Mariekes Wahl fällt auf den Buschha- sen Tschipo. „Der spielt Flöte und braucht deshalb nicht wie die anderen Tiere nach Wasser zu graben“, begründet sie ihre Wahl. Instrumente gibt es eine ganze Menge in dem Stück und natürlich kommen viele zum Einsatz, die nach Afrika klingen wie Bongos, Djemben oder Cajóns.

Natürlich gibt es auch Lieder mit afrikanischem Text, wie zum Beispiel „Ngiyabonga-Nkosi-Hallelujah“, das zu Ehren des Besuchs der WimadiMu-Redaktion gesungen wird – ganz schön kompliziert; nicht nur wegen des Textes, sondern auch aufgrund der vertrackten Bewegungen mit den Händen, die dazu gemacht werden. Aber geübt, wie die Musicalkinder vom Glockenkolk sind, meistern sie diese Herausforderung natür- lich spielend!

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sind, meistern sie diese Herausforderung natür- lich spielend! WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15 Samantha
sind, meistern sie diese Herausforderung natür- lich spielend! WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15 Samantha
sind, meistern sie diese Herausforderung natür- lich spielend! WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15 Samantha
Samantha Samantha
Samantha
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sind, meistern sie diese Herausforderung natür- lich spielend! WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15 Samantha
Nachmachen erwünscht BEIM WIR MACHEN DIE MUSIK!-FACHTAG KAM MAN MIT BEST-PRACTISE-BEISPIELEN EINEM GEMEINSAMEN LEITBILD

Nachmachen erwünscht

BEIM WIR MACHEN DIE MUSIK!-FACHTAG KAM MAN MIT BEST-PRACTISE-BEISPIELEN EINEM GEMEINSAMEN LEITBILD NÄHER.

BEST-PRACTISE-BEISPIELEN EINEM GEMEINSAMEN LEITBILD NÄHER. Seit Anfang September ist Chris- topher Nimz neu im Team des

Seit Anfang September ist Chris- topher Nimz neu im Team des Landesverbandes. Der 33-Jährige studierte in Hannover und London Posaune, war in verschiedenen Bereichen des Kulturmanagements tätig und ist nun Ansprechpart- ner für Wir machen die Musik! In seine Anfangszeit fiel der Fachtag „Wir machen die Musik – Ziele und Potenziale des Musikalisierungsprogramms“ am 10. Oktober 2014. Eine gute Gelegenheit, mit unverbrauchtem Blick einen Eindruck von seinem neuen Arbeitsfeld zu gewinnen.

„Die Idee des von Dr. Friedrich Soretz moderierten Fachtages war es, einen Prozess anzustoßen, der die Entwicklung eines Leitbildes für WimadiMu! als Ziel hat. Trotz vieler inhaltlicher Freiheiten bei der individuellen Ausgestaltung der Projekte vor Ort geht es uns darum, noch mehr gemeinsame Standards zu entwickeln, um damit das Profil des Musikalisierungspro- gramms nach innen und nach außen zu schärfen“, berich- tet Christopher Nimz. In ihren Impulsreferaten stellten der Vorsitzende des Landesverbandes Johannes Münter und Dr. Astrid Bernicke, Musikreferentin im Niedersächsischen Minis- terium für Wissenschaft und Kultur (MWK), die Projektziele aus Sicht des Landesverbandes und des MWK heraus.

Die Teilnehmer/-innen erhielten zunächst die Aufgabe, die Umsetzbarkeit dieser Ziele vor dem Hintergrund ihres örtli- chen Umfeldes und individueller Schwerpunktsetzungen zu bewerten. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum präsentiert und diskutiert.

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Interessant war dabei zu beobachten, dass Zielsetzungen wie „Integration“, „allgemeine Musikalisierung“, „Beratung und Qualifizierung von Erzieherinnen“ sowie „altersgerechte Teilhabe“ in den meisten Projekten durchaus gut umgesetzt werden, von einigen Teilnehmern aber auch als schwierig beschrieben wurden. Kontroverse Diskussionen wurden auch zum Thema Inklusion geführt. Das zeigt deutlich, wie stark die Umsetzung von Wir machen die Musik! von örtlichen Rahmenbedingungen abhängt.

„Neben der Diskussion über die Ziele wurde aber recht schnell deutlich, dass den Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch wichtig war, sich darüber auszutauschen, was ihnen unter den Nägeln brannte“, fasst Christopher Nimz zusammen. „In diesem Zusammenhang war die Planungssicherheit bezüglich der Weiterführung des Musikalisierungsprogramms über das Schuljahr 2016/17 hinaus ein großes Thema.“ Aber auch die Außenwirkung des Programms kam zur Spra- che: Wie ist es um die Identifikation der Grundschulen und Kitas mit der Arbeit der Musikschulen bestellt, wie hoch ist die Akzeptanz der in den Projekten geleisteten musikalischen Bil- dungsarbeit in der Öffentlichkeit, insbesondere bei den Eltern der Teilnehmer/-innen? Auch die gewünschte wechselseitige Erweiterung von Kompetenzen der Musikschullehrer/-innen und Erzieher/-innen wurde thematisiert.

„In einem zweiten Modul konnten sich die Teilnehmer/-innen über die Praxis vor Ort austauschen“, fährt Christopher Nimz fort. Hier wurden Best-Practise-Beispiele präsentiert: Im Modellprojekt MOOS (MOdell OSnabrück) bekommen alle Erst- klässler von der Kreismusikschule Osnabrück eine kostenlose elementare musikalische Grundausbildung. In Bad Pyrmont wurde ein Shuttleservice eingerichtet, der Kinder aus ver- schiedenen Kitas an einem zentralen Punkt zusammenbringt. An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Musikschulen erfolgreich darin sind, so viele Kinder wie möglich mit ihren Angeboten zu erreichen.

deutlich, dass die Musikschulen erfolgreich darin sind, so viele Kinder wie möglich mit ihren Angeboten zu
Diese und viele weitere Projektbeispiele wurden in einer Mat- rix zusammengeführt und nach verschiedenen Erfolgskriterien
Diese und viele weitere Projektbeispiele wurden in einer Mat- rix zusammengeführt und nach verschiedenen Erfolgskriterien

Diese und viele weitere Projektbeispiele wurden in einer Mat- rix zusammengeführt und nach verschiedenen Erfolgskriterien bewertet. „Zu den Best-Practise-Beispielen werden wir nun ausführliche Formatbeschreibungen erarbeiten – die besten werden auch im WimadiMu-Magazin vorgestellt, um Anregun- gen für die eigene Arbeit weiterzugeben“, erklärt Christopher Nimz.

„Die Veranstaltung war ein erster Aufschlag zur Leitbildent- wicklung“, bewertet Christopher Nimz den Fachtag. Und auch für ihn persönlich war er eine wichtige Erfahrung. „Ich bin beeindruckt, wie stark sich die Musikschulen mit Wir machen die Musik! identifizieren. Das wurde sowohl durch die Be- geisterung deutlich als auch durch die Sorgen, die in Hinblick auf Finanzierung und Fortbestand des Projektes geäußert wurden.“ Die finanzielle Situation scheint ohnehin ein Schlüs- sel für vieles andere zu sein: „Je besser eine Musikschule personell und finanziell aufgestellt ist, desto verlässlicher und besser kann sie auch ihre Ziele erreichen und ihren Bildungs- auftrag erfüllen – egal ob es um Inklusion, Flächendeckung oder Bewältigung von Verwaltungsaufgaben geht!“ – ein deutlicher Auftrag für die Träger der Musikschulen und in Richtung Landespolitik!

WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15

Landespolitik! WimadiMu | Ausgabe 04 | Winter 2014/15 Martin Nieswandt (Leiter Musikschule des Emslandes): In dem

Martin Nieswandt (Leiter Musikschule des Emslandes):

In dem Flächenland Niedersachsen haben nun viele Schulen viele Erfahrungen mit Wir machen die Musik! gemacht. Daher habe ich mich gefreut, dass auf einer solchen Tagung die Erfahrungen (Best Practise) und Herausforderungen vor Ort mal in einem Raum zusam- mengefasst wurden. Nur mit diesem Datenbestand kann Wir machen die Musik! vom Projekt zum Programm werden. „Musika- lisierung“ ist mehr als eine Neuerung für die einzelnen Schulen und deren Lehrkräfte in Bezug auf die Unter- richtsgestaltung in Kooperationen. Sie ist ein Paradig- menwechsel, der vor allen Dingen in dem vom Land Nie- dersachsen erstmalig erteilten Bildungsauftrag. Diesen sollten/müssen wir profilieren und sichern. So war die Tagung für mich ein wichtiger erster Schritt!

Arndt Jubal Mehring (Leiter Musikschule Bad Pyrmont):

„Es war sehr faszinierend zu hören, wie fantasievoll und inspirierend Wir machen die Musik! in den Musik- schulen umgesetzt wird. So liegt die Stärke des Mu- sikalisierungsprogramms eindeutig in der Vielfalt: Alle Musikschulen können das Programm auf die Bedürf- nisse ihres Standortes anpassen, um so möglichst viele Kinder zu erreichen. Ein ganz wichtiger Baustein mit Zukunft im Musikland Niedersachsen.“

Martin Bujara (Leiter der Musikschule im Bildungszentrum Landkreis Wolfenbüttel):

Ich habe mich gefreut über die große Anerkennung von WimadiMu seitens des Ministeriums (Frau Dr. Berni- cke). Das spiegelt die Anerkennung wider, die wir auch aus der Kommunalpolitik erfahren, besonders für das Erreichen vieler Kinder mit WimadiMu, die sonst keinen Zugang zu (musikalischer) Bildung hätten. Ein anderer wichtiger Aspekt: In den aufgeführten Beispielen aus den Musikschulen wurde besonders deutlich, dass im Rahmen von WimadiMu flexibel und kreativ auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort eingegangen wird. Das macht eben wirkliche Koope- ration aus im Gegensatz zum Besuch der Musikschule einmal in der Woche mit festgelegtem Programm für wenige Kinder, wie es früher oft war.

zum Besuch der Musikschule einmal in der Woche mit festgelegtem Programm für wenige Kinder, wie es

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WimadiMu-Marktplatz

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VERANSTALTUNGEN UND FORTBILDUNGEN Impressum WEITERBILDUNG:

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VERANSTALTUNGEN UND FORTBILDUNGEN Impressum WEITERBILDUNG: „Musikalisch – die kulturelle Bildung in

WEITERBILDUNG: „Musikalisch – die kulturelle Bildung in der Kita (MuBiKi)“

Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen bietet in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ab Sommer 2015 die berufsfelderweiternde Qualifizierung „Musikalisch – die kulturelle Bildung in der Kita (MuBiKi)“ für Kunst- und Kulturschaffende sowie pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen an. Bis zu 40 Teilnehmende erhalten die Möglichkeit, eine Zusatzqualifikation zu erwerben, mit der sie befähigt werden, in einer kooperativen Tandemstruktur in Kin- dertageseinrichtungen in der musikalisch-kulturellen Bildung tätig zu sein.

MuBiKi ist Teil des BMBF-Förderprogramms „Förderung von Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben zur pädagogischen Weiterbildung von Kunst- und Kultur- schaffenden“. Die Qualifizierung umfasst zwei jeweils rund 18 Monate dauernde Qualifizierungslehrgänge. Die Lehrgänge werden mehrere Wochenendblöcke und Lehrwochen sowie laufende Praxis- und Hospitationsphasen umfassen. Ein Lehr- gang wird in der Landesmusikakademie Wolfenbüttel stattfinden und der andere wird – alternativ dazu – im Kulturzentrum Koppelschleuse in Meppen angesiedelt sein.

Die Weiterbildung richtet sich an musikalisch vorqualifizierte Kunst- und Kultur- schaffende (Orchestermusiker/-innen, Kirchenmusiker/-innen, (Chor-) Sänger/-in- nen, Musikvermittler/-innen etc.) sowie musikalisch interessierte Erzieherinnen und Erzieher. In Tandem- und Gruppenphasen erwerben die Teilnehmenden grund- legende Kenntnisse, Fertigkeiten und Methoden, um musikalische Bildung in Kitas zu befördern. Die Lehrinhalte berücksichtigen z. B. folgende Bereiche: Pädagogik der frühen Kindheit, Musik und Bewegung, Hören, Singen und Sprechen sowie elemen- tares Instrumentalspiel.

Die Teilnahme an den Qualifizierungslehrgängen ist kostenfrei. Weitere Informa- tionen zu den Lehrgängen erhalten Sie beim Landesverband niedersächsischer Musikschulen.

www.mubiki.de

niedersächsischer Musikschulen. www.mubiki.de Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19
niedersächsischer Musikschulen. www.mubiki.de Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19
niedersächsischer Musikschulen. www.mubiki.de Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19

Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19 Telefax: 0511-159 01 info@musikschulen-niedersachsen.de www.musikschulen-niedersachsen.de www.wirmachendiemusik.de Präsidentin: PSt‘in Gabriele Lösekrug-Möller MdB Vorsitzender: Johannes Münter

Ansprechpartner für WimadiMu Christopher Nimz Telefon: 0511-270 640 53 nimz@musikschulen-niedersachsen.de

Telefon: 0511-270 640 53 nimz@musikschulen-niedersachsen.de Redaktion: Christopher Nimz, Kai Krüger Texte: Kai Krüger

Redaktion: Christopher Nimz, Kai Krüger Texte: Kai Krüger V. i. S. d. P.: Klaus Bredl (Geschäftsführer) Fotos: Lars Kaempf, Nikolas Kröger, Kai Krüger Gestaltung: www.artfaktor.de

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