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Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Risiken von Genpflanzen und Chemikalien müssen unabhängig, umfassend und nachvollziehbar be- wertet werden

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Fälle, die den Einfluss der Agrar- und Chemieindustrie und deren Lobbyverbände auf die Arbeit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zeigten. Eine Reform der EFSA ist überfällig um sicherzustellen, dass Genpflanzen und Pestizide nur dann zugelassen werden, wenn keine Gefahren für Umwelt und Gesundheit bestehen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA European Food Safety Authority) ist eine Agentur der europäischen Union. Ihre Aufgabe ist die Risikobewertung bei allen Fragen der Lebens- und Fut- termittelsicherheit, Tiergesundheit und Tierschutz, Ernährung sowie Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz. Wenn gentechnisch veränder- te Nahrungs- oder Futterpflanzen für den Import oder den Anbau zuge- lassen werden sollen, oder Pestizide in ihrer Wirkung auf Umwelt und Gesundheit beurteilt werden müssen, gibt die EFSA eine Stellungnah- me ab. Sie führt dabei in der Regel keine eigenen Studien durch, son- dern bewertet die Antragsunterlagen und die darin enthaltenen Stu- dien, sowie den relevanten Stand der Wissenschaft.

Unabhängig?

Seit der Einrichtung der EFSA im Jahre 2002 gab es immer wieder Dis- kussionen um die Unabhängigkeit der EFSA, und zu Interessenkonflik- ten ihrer Mitarbeiter. Der langjährige Leiter der Expertenrunde, die für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen zuständig ist, Harry Koiper, arbeitete jahrelang für eine Arbeitsgruppe des Internatio- nal Life Sciences Institut (ILSI). Diese Arbeitsgruppe wird von einem Mitarbeiter der Firma Monsanto geführt und ist ausschließlich mit Ver- tretern der Agrar-Konzerne besetzt. ILSI selbst gibt an, dass diese Ar- beitsgruppe die Prüfstandards der EFSA für die Risikoabschätzung gen- technisch veränderter Pflanzen beeinflusste. 1

1 Testbiotech deckt Interessenkonflikte an der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA auf

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Suzy Renckens, wissenschaftliche Leiterin der Abteilung Gentechnik in der EFSA seit der Gründung 2002 bis 2007, wechselte 2008 zum Kon- zern Syngenta als „Head Biotech Regulatory Affairs“ für Europa, Afrika und den Nahem Osten. Das Schweizer Unternehmen ist einer der welt- weit größten Entwickler von gentechnisch verändertem Saatgut. 2

Umfassend?

In vielen Fällen wurde trotz offensichtlicher Lücken oder trotz Anhalts- punkten für Risiken ohne weitere Untersuchung eine Zulassung der Genpflanze empfohlen, obwohl dies dem geforderten Vorsorgeprinzip wiederspricht. Beispielsweise wurde beim Gen-Mais 1507 nicht unter- sucht, wie das von der Pflanze aufgrund der Genmanipulation erzeugte Insekten-Gift Cry1F auf Bodenorganismen oder europäische Schmetter- linge wirkt, oder wie hoch die Konzentration dieses Giftes in der Pflanze unter verschiedenen Umweltbedingungen ist. 3

Nachvollziehbar?

Stellungnahmen der EFSA haben weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Daher müssen deren Stellungnahmen nachvollziehbar und überprüfbar sein, d. h. mit Hilfe der öffentlich zu- gänglichen Dokumente müssen andere Arbeitsgruppen zu den gleichen Ergebnissen kommen (Peer-Review).

Dazu muss dokumentiert werden, welche wissenschaftlichen Studien und Fakten beachtet worden sind und welche nicht, und wie mit Unsi- cherheit, fehlenden Informationen und Wissenslücken umgegangen wurde.

Dies ist bisher oft nicht möglich.

Greenpeace fordert:

Unabhängigkeit der EFSA von Industrie und deren Lobby- Organisationen.

Transparente und nachprüfbare wissenschaftliche Stellungnahmen

Berücksichtigung wissenschaftlicher Unsicherheiten in der Sicher- heitsbewertung von Gen-Pflanzen und Pestiziden

konsequente Anwendung des Vorsorge-Prinzips

2 Führende Mitarbeiterin der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA wechselt zur Industrie

3 Risiken mit amtlichem Siegel: Mängel bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen, Bund Ökologischer Lebensmit- telwirtschaft (Hrsg.), aktualisierte Fassung Oktober 2014

V.i.S.d.P. Ralf Comes

01/2015