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Autor Der Urlaubsstau: Drängeln, Nötigen, dann lieber rechts vorbei? Fachartikel aus dem Bereich Schaden, Versicherung
Autor Der Urlaubsstau: Drängeln, Nötigen, dann lieber rechts vorbei? Fachartikel aus dem Bereich Schaden, Versicherung
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Der Urlaubsstau: Drängeln, Nötigen, dann lieber rechts vorbei?
Fachartikel aus dem Bereich Schaden, Versicherung und Haftpflicht - 11.07.2008 - 4.207 mal gelesen.
Rechtsanwalt Fachanwalt für
Verkehrsrecht Roman Becker
Kurfürstendamm 70
10709 Berlin
Die Deutschen drängeln auf der Autobahn - jeder 5. Fährt zu dicht auf. Dabei sind es eher nicht die
Sportwagen, sondern Oberklasselimousinen, die durch besondere Ungeduld auffallen.
Verkehrspsychologen meinen, dass hier die Anonymität der Straße ausgenutzt wird, um sich endlich einmal
auszuleben. Im Urlaubsstress kommen freilich andere Punkte hinzu: quengelnde Kinder, die Zeitnot endlich
das Quartier für den ohnehin zu kurzen Urlaub zu erreichen. Und was alle schon immer wussten wurde bereits vor Jahren
bewiesen: die schlimmsten Drängler auf der Autobahn sind Mercedes- gefolgt von BMW-Fahrern. (Am „friedlichsten“ wird in
japanischen Modellen gefahren.)
Dabei entsteht gerade beim ständigen links fahren sowie beim Überholen der LKWs zusätzlicher Stress. Aber – wie sieht es
verkehrsrechtlich aus? Darf man Drängeln? Wann wird daraus Nötigung? Welche Strafen drohen?
Telefon: (030) 26 36 72 80
becker@kanzlei-fuer-verkehrsre
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"Drängeln" gibt es nicht.
Zumindest nicht im verkehrsrechtlichen Sinne. § 4 (1) der StVO regelt den Abstand, der im Verkehr einzuhalten ist: Der
Abstand von einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter ihm gehalten werden
kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Der Vorausfahrende darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen. In der Praxis,
die dann auch Grundlage des Bußgeldkataloges ist heißt das: Mindestabstand = halber Tacho. Werden Sie beispielsweise
von der Autobahnpolizei dabei gefilmt, wie sie zu dicht auffahren, kommt es bei der Bemessung des Bußgeldes zum einen auf
den Abstand zum voranfahrenden Fahrzeug im Verhältnis zur Geschwindigkeit und zum anderen darauf, ob ein Schaden
entstanden ist, an. Die Strafen liegen zunächst im Bereich von bis zu 40 Euro, ab einem Sicherheitsabstand von weniger als
einem Viertel Tacho bei schnellerer Fahr von 80km/h kommen gestaffelt Punkte hinzu. Ab Tempo 100 kann je nach Kürze des
Sicherheitsabstandes auch ein Fahrverbot verhängt werden. Wer bei 130km/h bis auf 15m auffährt kann so mit 250 Euro, 4
Punkten und 3 Monaten Fahrverbot belegt werden.
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Ist das dann Nötigung?
Das bayrische OLG sah 1990 im Verhalten eines dauerlichthupenden Fahrers, der mit 110 km/h bis auf 2m an einen
Motorradfahrer heranfuhr und ihm dann 49m in diesem Abstand folgte keine Nötigung. Auch das kurze Drängeln auf der
Autobahn mit ca. 120km/h wurde 1991 vom OLG Hamm nicht als Nötigung angesehen,- obwohl die Anzeige durch zwei
Polizisten erfolgt war. Ob Drängeln zur Nötigung wird hängt zum einen von der Intensität, dann aber auch von der Dauer des
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Rechtsanwalt Fachanwalt für
Verkehrsrecht Roman Becker ist
anwalt24-Rechtsexperte in Berlin
unter anderem in folgenden
Rechtsgebieten:
Vorgangs ab. Eine weitere Voraussetzung ist, dass tatsächlich (physische oder im Verkehr eher möglich) „psychische Gewalt“
ausgeübt wird. Das heißt, der fraglich Genötigte muß sich bedroht gefühlt haben und genötigt gefühlt haben, etwas zu tun,
was er zunächst nicht beabsichtigt hatte. So erzielten wir unlängst einen Freispruch für eine Mandantin, die wiederholt auf der
Autobahn mit Lichthupe dicht aufgefahren und dabei von der Polizei gefilmt worden war. Die Zeugin aus dem voranfahrenden
Auto wurde anhand des Videos identifiziert und vorgeladen. Sie konnte sich an den Vorfall nicht erinnern und gab an in
solchen Situationen eben auszuweichen, das belaste sie in der Regel nicht
Da sie sich nicht genötigt gefühlt hatte, lag auch
keine Nötigung vor – ganz gleich, was die hinterherfahrenden Polizeibeamten dachten und aufzeichneten.
Versicherungsrecht
Empfinden Sie, dass ein anderer Fahrer Sie im Verkehr nötigt, ist folgendes zu bedenken. Sie müssen sich nicht nur das
Schmerzensgeldrecht
Kennzeichen sondern auch den Fahrer einprägen. (Denn der Fahrer begeht die Nötigung und nicht das Fahrzueug
Der
Haftpflichtversicherungsrecht
Halter hat damit nichts zu tun
)
Vielleicht photographiert ihr Beifahrer den Fahrer. Notieren Sie sich Zeugen und machen Sie
Verkehrsversicherungsrecht
sich gleich ein Erinnerungsprotokoll mit Ablauf der Situation, Entfernungen, Geschwindigkeit usw
Sind sie allein ohne
Rechtsschutzversicherungsrecht
Zeugen, wird es sehr schwer, die Nötigung zu beweisen (Aussage gegen Aussage
).
Dennoch können Sie natürlich Anzeige
erstatten. Das Urteil fällt in jedem Fall ein Fachgericht – also wo es solche gibt – ein Verkehrsgericht unter Würdigung der
Umstände des Einzelfalles. Interessant ist, dass insbesondere das Ausbremsen aber auch Schneiden anderer PKWs häufiger
als Nötigung verurteilt werden als das dichte Auffahren. Bringen Sie sich also nicht im Vorfeld durch ein „Anbremsmanoeuver“
in Teufels Küche… Grundsätzlich kann Nötigung auch im innerstädtischen Verkehr vorliegen. Es wird dort jedoch ein noch
strengeres Maß angelegt. Hier kommt es eher beim Drängeln an Parkplätzen zu Verurteilungen, wenn etwa ein PKW-Fahrer
versucht einen „Parkplatzreservierer“ mit dem Kühler zu verscheuchen.
In welcher Höhe sind Strafen zu erwarten?
Bei Nötigung bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden. In der Regel und vor allem bei erstmals „erwischten“ Fahren
fällt das Strafmaß mit einer Geldstrafe – sobald aber fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung im Spiel ist auch Entzug der
Fahrerlaubnis – milder aus.
Den am letzten Freitag im Hamburger Abendblatt beschrieben Fahrlehrer, der mit 200km-7h auf seinem Motorrad über eine
längere Strecke jeweils bis auf 10-18m heranfuhr, könnten 2 Monate Fahrverbot, 400 Euro Geldbuße und 4 Punkte in
Flensburg erwarten.
Wenn´s gar nicht vorangeht – rechts vorbei?
Das hängt sicher von den Umständen ab. Zunächst gibt es einige Konstellationen, v.a. innerorts, aber auch bei
Kolonnenbildung auf der Autobahn, in denen das rechts Überholen sogar gestattet ist. Das unerlaubte rechts Überholen
innerorts ist mit einem Bußgeld von 30, bei Sachbeschädigung mit 35 Euro belegt. Außerorts ist die Strafe mit 50 Euro und
drei Punkten etwas unangenehmer. Werden Sie jedoch des „Überholens bei unklarer Verkehrslage mit Gefährdung oder
Sachbeschädigung“ überführt, kann die Strafe mit 125 Euro, 4 Punkten, 1 Monat Fahrverbot und in Einzelfällen sogar einer
Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren (§ 315c StGB) betragen.
Was heißt das für Sie?
Der Vorwurf der Nötigung ist ernst zu nehmen, Sie sollten sich anwaltlich beraten lassen. Nach der Akteneinsicht erst sollten
Sie sich zur Sache äußern. Bei Nötigung im Verkehrs sollten Sie unbedingt einen Fachanwalt für Verkehrsrecht konsultieren.
Wurden Sie selbst genötigt, können Sie Anzeige bei der Polizei erstatten. Alles weitere hängt von der Beweislage ab.(s.o.)
Werden Sie von hinten bedrängt, btremsen Sie auf keinen Fall ab: auch so verstoßen Sie
Werden Sie von hinten bedrängt, btremsen Sie auf keinen Fall ab: auch so verstoßen Sie gegen das Abstandsgebot - und
nötigen selbst
Wieimmer, wenn Sie anders als der "Idealfahrer" fahren, droht natürlich dem Drängler beim Unfall eine Quote, d.h. ihm kann
mindestens eine Teilschuld zugesprochen werden.
Dieser Text war Grundlage eines Interviews, in dem Fachanwalt Roman Becker auf MDR-Jump am
8.7.2008 Rede und Anwort stand.
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Stichwörter:
Nötigung, Drängeln, rechts vorbei, Strafe, Geldbuße, Verkehrsrecht, Fachanwalt, Stau
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