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RECHT & FINANZEN VORSORGEDOSSIER

Pensionskassenwahl

Der Weg zur passenden Vorsorge


In der Schweiz ist die berufliche Vorsorge gesetzlich detailliert geregelt.
Seit der 1. BVG-Revision hat sich die Transparenz unter den Vorsorgeein-
richtungen stark verbessert. Trotzdem sind die Kosten nicht immer auf den
ersten Blick ersichtlich. Die Reglemente der einzelnen Vorsorgeeinrichtungen
enthalten wohl die gesetzlichen Grundlagen, versuchen jedoch mit diversen
Supplements das Kundeninteresse auf sich zu ziehen. So finden bereits ab
20 bis 30 Versicherten Branchentarife bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen
keine Anwendung mehr, stattdessen kommen individuelle Tarife zum Einsatz.
Gerade KMU müssen sich hier zurechtfinden und die für sie und ihre Mitarbei-
tenden beste Vorsorgeeinrichtung suchen.

E
ntscheidend ist die Erkenntnis: Es gibt gebern die Möglichkeit eines Anschlusses
keine allgemeingültige Lösung! Man hat bieten, erfreuen sich heute grosser wirtschaft-
unter zahlreichen Anbietern und deren ver- licher und sozialpolitischer Bedeutung. Ihre
schiedenen Modellen auszuwählen und sich Rechtsform ist in den meisten Fällen eine
für die bestmöglichste Variante zu entschei- Stiftung. Es wird unterschieden zwischen
den, die den Bedürfnissen der Versicherten Sammeleinrichtungen und Gemeinschafts-
entspricht. Als Entscheidungshilfe kann das einrichtungen, die unterschiedliche Realisie-
„magische Dreieck“ dienen: die für die indi- rungsformen aufweisen (siehe Tabelle).
viduellen Bedürfnisse passende Balance zwi-
schen Rendite, Sicherheit und Kosten.
Vollversicherungen versus teilautonome
und autonome Vorsorgeeinrichtungen
Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen Vollversicherungen decken die Risiken Tod,
Vorsorgeeinrichtungen, die von Dritten er- Invalidität und ausserdem das Anlagerisiko.
richtet wurden und einer Vielzahl von Arbeit- Eine Unterdeckung und somit ein Sanie-

Sammeleinrichtung Gemeinschaftseinrichtung
Gründer (Stifter) Banken, Treuhandgesellschaften, Berufs- und Wirtschaftsverbände (Arbeit-
Lebensversicherer und andere geber- und Arbeitnehmerorganisationen,
Sozialpartner) und Konzerne

Hauptgrundsatz Selbständiges Vorsorgewerk pro Anschluss, kei- Gemeinsames Vorsorgewerk aus allen An-
ne vorsorgewerkübergreifenden Solidaritäten schlüssen, mit ausgeprägten betriebsüber-
und keine vorsorgewerkübergreifende Haftung greifenden Solidaritäten

Parität/Entscheidungs- Auf Stufe Vorsorgewerk Auf Stufe Vorsorgeeinrichtung


befugnis gemäss BVG (Personalvorsorgekommission) (Stiftungsrat)

Vorsorgereglement Erlassen durch paritätische Erlassen durch paritätischen


Personalvorsorgekommission Stiftungsrat

Vermögensbildung Auf Stufe Vorsorgewerk (keine Vermögens- Auf Stufe Vorsorgeeinrichtung (generelle Ver-
solidarität unter den Vorsorgewerken) mögenssolidarität unter den Anschlüssen)

Vermögensverwendung Verwendung in Kompetenz der paritätischen Verwendung in Kompetenz Quelle: Winterthur Versi-
Personalvorsorgekommission der paritätischen Stiftungsrats cherungen, „Der sichere
Weg durchs BVG“

54 Blickpunkt:KMU 2/2008
VORSORGEDOSSIER RECHT & FINANZEN

Quelle: Noventus PensionPartner AG


rungsrisiko für Arbeitgeber, Arbeitnehmer
• Sind Struktur und Organisation der Sammelstiftung klar? Sind die Partner bekannt?
und Rentner ist daher ausgeschlossen. Die
• Sind die Risiken Tod, Invalidität und Langlebigkeit ru¨ckversichert?
Vollversicherer gewährleisten diese Sicher-
heit durch eine defensive Anlagepolitik. Die
• Kann die Sammelstiftung den gewu¨nschten Vorsorgeplan abbilden?
Versicherten „bezahlen“ dafür mit tieferen • Sind Annahmen und Hochrechnungen (z.B. Verzinsung) realistisch?
Renditen und Umwandlungssätzen. • Wird das Vorsorgevermögen institutionell angelegt? Sind individuelle Anlagen möglich?
Sind die Vermögensverwaltungskosten bekannt?
Teilautonome und autonome Vorsorgeein- • Bietet die Sammelstiftung die Möglichkeit der monatlichen Fakturierung?
richtungen haben gemeinsam, dass sie kein • Sind die Risikoprämien, Sicherheitsfonds-Beiträge, Teuerungsprämien und Verwaltungs-
Anlagerisiko tragen. Die Alterskapitalien kosten separat aufgefu¨hrt?
werden daher auch aktiver und dynamischer • Wie entschädigt die Stiftung beauftragte Broker/Makler?
verwaltet. Es sind somit auch weit höhere • Ist eine einjährige Vertragslaufzeit möglich?
Aktienanteile in den Portfolios zulässig, als
dies bei den Vollversicherern der Fall ist. Un-
terdeckungen aufgrund der höheren Volatili- senkt. Obwohl sich seit 2003 die Märkte er- Ein Beispiel mag dies greifbar machen: Der
tät sind kurzfristig zulässig. In gravierenden holten, wurde der Mindestzinssatz nochmals versicherte Lohn eines Mitarbeiters beträgt
Fällen allerdings, in denen eine Sanierung per 01.01.2004 um ein ganzes Prozent auf mit 25 Jahren CHF 50 000 und verändert sich
der Unterdeckung durch zielgerichtete Mass- 2.25 Prozent gesenkt. Der Bundesrat rechtfer- die nächsten vierzig Jahre nicht. Das ergibt
nahmen nicht innert angemessener Frist tigte seinen Entscheid mit den tiefen Bun- einen Sparanteil von 500 Prozent auf CHF
durchführbar ist, können die Arbeitgeber, Ar- desobligationszinsen und dem allgemein tie- 50‘000 bis zum Alter von 65. Dies entspricht
beitnehmer und Rentner für eine Sanierung fen Zinsniveau. In einem nächsten Schritt (bei einer permanenten Verzinsung von
herangezogen werden. wurde der Mindestumwandlungssatz von 7.2 4 Prozent) 50 Prozent des Altersguthabens.
Prozent überprüft. Man kam zum Schluss, Das Altersguthaben hat somit eine Höhe
Der Unterschied zwischen teilautonomen dass aufgrund der stark gestiegenen Lebens- von CHF 500 000. Bei einer permanenten
und autonomen Vorsorgeeinrichtungen be- erwartung, einem zu hohen technischen Verzinsung von 2.5 Prozent reduziert sich
steht darin, dass teilautonome Vorsorgeein- Zinssatz und tiefen Marktzinsen der Min- der Zinsanteil auf 35 Prozent. Der Sparan-
richtungen die Risiken Tod und Invalidität destumwandlungssatz nach unten korrigiert teil bleibt nach wie vor CHF 250 000, ent-
über Rückversicherungen decken, während werden müsse. Er wurde daraufhin in der 1. spricht aber neu 65 Prozent des Alterskapitals.
autonome Vorsorgeeinrichtungen diese Risi- BVG-Revision auf neu 6.8 Prozent fixiert. Der- Das Alterskapital schrumpft somit auf CHF
ken selber tragen. Es ist offensichtlich, dass zeit debattiert das Parlament bereits über 384 615.40 zusammen. Dies entspricht ei-
teilautonome und autonome Vorsorgeein- eine weitere Senkung auf 6.4 Prozent. Dem nem Alterskapitalverlust von CHF 115 384.60
richtungen mittel- und vor allem langfristig Schweizerischen Versicherungsverband ist oder rund 23 Prozent.
eine höhere Rendite ausweisen als Vollversi- allerdings auch dies noch zu hoch und for-
cherungen. Durch die höheren Anlageerträge dert daher eine Senkung auf 6 Prozent. Aktu-
ist es den teilautonomen und autonomen ell beträgt der Mindestzinssatz 2.75 Prozent Umwandlungssatz
Vorsorgeeinrichtungen möglich, entspre- und der Mindestumwandlungssatz liegt bei Während die Verzinsung die Höhe des Alters-
chende Schwankungsreserven gegen Anlage- 6.8 Prozent. Dank der guten Performances kapitals beeinflusst, definiert der Umwand-
risiken zu bilden und vor allem die Alterska- der letzten Jahre ist es den Vorsorgeeinrich- lungssatz die Altersrente, welche dem erwirt-
pitalien besser zu verzinsen. tungen gelungen, ihre Schwankungsreser- schafteten Alterskapital zugrunde liegt. Der
ven, die Deckungskapitalien und somit ihren Umwandlungssatz berechnet sich aus einem
Deckungsgrad zu sanieren. Dennoch gibt es technischen Zinssatz und den Generationen-
Zins- und Umwandlungssatz im Sinkflug? eine grosse Lobby, die sich für eine weitere respektive Periodentafeln.
Seit einigen Jahren kann man sich die Me- Senkung des Mindestzinssatzes und des Um-
dienwelt ohne Diskussionen über die Finan- wandlungssatzes einsetzt und so das Thema Gemäss BVG ist ein Mindestumwandlungs-
zierung der AHV/IV und der beruflichen Vor- „Rentenklau“ am Leben erhält. satz von derzeit 6.8 Prozent im obligatori-
sorge kaum mehr vorstellen. Der Ursprung schen Vorsorgebereich vorgeschrieben. Der
dieses Phänomens liegt wohl hauptsächlich Mindestumwandlungssatz soll neu ab 2009
im Börsencrash der Jahre 2000 bis 2002. Die Verzinsung alle fünf Jahre überprüft und bei Bedarf an-
schlechten Performances vor allem der Jahre Eine gute Verzinsung legt den Grundstein für gepasst werden. Im überobligatorischen Be-
2001 und 2002 belasteten die Schwankungs- ein angemessenes Alterskapital. So erwirt- reich besteht hingegen keine Vorschrift über
reserven arg und liessen die Deckungskapita- schaftet beispielsweise ein permanenter Zins einen anzuwendenden Mindestzinssatz.
lien förmlich dahin schmelzen. Vereinzelte von 4 Prozent auf den Sparbeiträgen, wäh- Wie stark sich die Herabsetzung des Um-
Vorsorgeeinrichtungen wiesen plötzlich mas- rend vollen vierzig Arbeitsjahren, rund 50 wandlungssatzes von 7.2 Prozent auf 6.8 Pro-
sive Unterdeckungen aus und mussten sa- Prozent des Alterskapitals. Rechnet man ana- zent auf die Altersrente auswirkt, soll folgen-
niert werden. Dies veranlasste den Bundesrat log mit einem Zins von 2.5 Prozent, so redu- des Beispiel demonstrieren: Bei einem Al-
zum Handeln. Der Mindestzinssatz, der seit ziert sich der Zinsanteil am Alterskapital auf terskapital eines Fünfundsechzigjährigen
1985 unverändert bei 4 Prozent lag, wurde rund 33 Prozent. Dies entspricht einem Ver- von CHF 500 000 entspricht die Altersrente
per 01.01.2003 auf erstmals 3.25 Prozent ge- lust von rund 23 Prozent. bei einem Umwandlungssatz von 7.2 Prozent

Blickpunkt:KMU 2/2008 55
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CHF 36 000 per Annum. Rechnet man nun In der Regel ist die Übernahme von Alters- nicht, so gehen die Kosten zu Lasten des Ver-
mit einem Umwandlungssatz von 6.8 Pro- rentnern kein Problem, die IV-Rentner ver- sicherten, was den Wechsel der Vorsorgeein-
zent, so beträgt die Altersrente grade noch ursachen jedoch hohe Kosten. Die neue Vor- richtung in den meisten Fällen uninteressant
CHF 34 000 per annum. Dies entspricht einer sorgeeinrichtung muss die Finanzierung der macht.
jährlichen Kürzung von CHF 2 000 oder 5,9 laufenden Alters- und IV-Renten gewährleis-
Prozent. Würde der Umwandlungssatz ge- ten können. Die Finanzierung hängt somit
mäss Forderung des SVV gar auf 6.0 Prozent stark von den zu übernehmenden Deckungs- Zum Autor
reduziert, so ergäbe sich eine Kürzung von kapitalen und Schadensreserven des Vorver-
Der vorliegende Artikel beruht auf einer
CHF 6 000 oder 16.7 Prozent! sicherers ab. Reichen die Deckungskapitalien
Diplomarbeit von Ulrich Gehrig zum Thema
und Schadenreserven nicht aus, die Renten
gemäss Reglement der neuen Vorsorgeein-
„BVG Lösungen für KMU’s im Vergleich
Stolperfalle IV- und richtung zu erfüllen, so muss die Differenz und mögliche Optimierungsansätze“.
Altersrentner durch die neue Vorsorgeeinrichtung finan-
„Betriebe, die bereits IV- oder Altersrentner ziert werden. Ulrich Gehrig ist als Treuhänder und
mitbringen, müssen mit Problemen beim Finanzplaner tätig. Im Rahmen dieser
Vorsorgewechsel rechnen. Einzig die Sam- Aufgrund der unterschiedlichen Tarifstruktu- Tätigkeit und seines Bachelor-Studiums
melstiftungen der Lebensversicherer gewäh- ren und technischen Zinssätze der einzelnen zum Eidg. dipl. Betriebsökonom hat er
ren sich gegenseitig die volle Freizügigkeit Vorsorgeeinrichtungen reichen die mitzuge- sich unter anderem auf Vorsorgelösungen
für alle Versicherten, inklusive IV- und Al- benden Reserven des Vorversicherers häufig
für KMU spezialisiert; in diesem Bereich
tersrentnern. Sobald bei einem Pensionskas- nicht aus, um die Kosten des Nachversiche-
bietet er unabhängige und neutrale Bera-
senwechsel eine unabhängige Sammel- oder rers für zu erbringenden Leistungen gemäss
tung für interessierte Firmen aller Grössen.
Gemeinschaftsstiftung beteiligt ist, werden dessen Reglement zu decken. In der Regel
(E-Mail: info@gehrigconsulting.ch,
Absprachen von Fall zu Fall notwendig.“ können jedoch Deckungskapitalien von Al-
(Weibel, René: PENSIONSKASSEN, in: Sonn- tersrenten Schadensreservendefizite von IV- Tel.: 056 / 664 55 60)
tagsZeitung, 11. Juni 2006, S. 73) Renten im Verhältnis 10:1 tragen. Gelingt dies

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Nachgefragt bei Peter Wirth,


Vorsorgeforum Schweiz
Wenn ein neu gegründetes Unternehmen eine Lö- Tod) wird hingegen an eine Versicherung
Im Interview sung für die zweite Säule sucht, respektive wenn ausgelagert. Bei noch kleineren Betrieben ist
ein Betrieb mit der aktuellen Lösung nicht mehr der Anschluss an eine Sammel- oder Ge-
Peter Wirth ist seit
zufrieden ist – wie findet man die am besten pas- meinschaftseinrichtung angezeigt. Für sehr
1989 Geschäfts-füh-
sende Variante? Für nicht BVG-Spezialisten ist es kleine Betriebe, etwa bis fünf Angestellte,
rer des Vorsorgefo-
doch beinahe unmöglich, sich einen vernünftigen bleibt heute oft nur noch der Anschluss an
rums, dem grosse Überblick zu verschaffen … die Auffangeinrichtung offen.
private und öffent-
lich-rechtliche Vor- Wirth: Die Wahl der Vorsorge-Lösung für ein Und umgekehrt: Wie merkt man denn, ob man
sorgeeinrichtungen, Unternehmen ergibt sich – wenigstens im noch die für das Unternehmen passende Lösung
Organisationen der Grundsatz – weitgehend durch seine Grösse. hat? Schliesslich denkt man in einem KMU nicht
Sozialpartner, der Eine eigene, autonome Pensionskasse setzt je jeden Tag über die berufliche Vorsorge nach …
Schweizerische Pensionskassenverband, nach versicherter Lohnsumme eine Beleg-
Pensionskassen-Experten, der Schweize- schaft von rund 300 bis 500 Personen voraus. Wirth: Ein Wechsel der Vorsorgelösung ist
rische Versicherungsverband und die Ban- Ab 100 Versicherten ist eine teilautonome Lö- ein grösseres Unterfangen, das ein Unter-
kiervereinigung angehören. sung denkbar. Das heisst, der Sparprozess nehmen nur selten vornimmt. Er kann sich
wird durch die eigene Pensionskasse durch- aufdrängen, wenn das Unternehmen die ent-
www.vorsorgeforum.ch
geführt, die Risikoversicherung (Krankheit, sprechende Grösse erreicht hat für eine auto-

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IN JEDER LEBENSPHASE.»
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Ebenso besteht die Wahl zwischen Sammel- und


Gemeinschaftseinrichtungen. Gibt es hier Präfe-
renzen?

Wirth: Ein Unternehmen, dem der An-


schluss an eine Branchenkasse offen steht,
sollte diese sicher in die Evaluation einer
„Eine neuen Lösung miteinbeziehen. Neu besteht
hundert- auch ein grösseres Angebot an autonomen
prozentige Sammelstiftungen, die in den letzten Jahren
ein grosses Wachstum erlebt haben. Dieses
Sicherheit wurde auch begünstigt durch die gute Kapi-
gibt es auf talmarktsituation seit 2003. Sollte sich die
Lage an den Kapitalmärkten für längere
dieser Welt Frist verdüstern, stehen sie vor der Bewäh-
nicht.“ rungsprobe.

Ein Blick in die Zukunft


nome oder teilautonome Lösung. Bei kleine- Wirth: Das kann sehr kleinen Betrieben, Muss man anhand der aktuellen Turbulenzen
ren Firmen ist zu entscheiden, ob noch eine welche sich keiner Gemeinschafts- oder auf den Finanzmärkten Angst um das Vorsorge-
Vollversicherung angezeigt ist oder ob man Sammelstiftung eines Branchenverbands an- vermögen haben? Treffen kann das ja nicht nur
sich einer so genannten autonomen Sam- schliessen können, durchaus passieren. Viele die Stiftungen mit höherem Anlagerisiko, sondern
melstiftung anschliessen will. Sammelstiftungen setzen für den Anschluss auch die Vollversicherungslösungen. Wenn selbst
eine Mindestgrösse voraus oder sie erheben eine Bear Stearns ins Wanken geraten kann …
Vorbehalte bei ungünstiger Struktur mit
Expertenrat einholen grossem Rentneranteil. Die Auffangeinrich- Wirth: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt
Falls ich mich für einen Wechsel der Vorsorge- tung ist gesetzlich verpflichtet, alle Unter- es auf dieser Welt nicht. Die Pensionskassen
einrichtung entscheide – wo liegen die grössten nehmen zu versichern. Sie bietet allerdings und Sammelstiftungen sind aber durch die
Stolpersteine? nur die BVG-Mindestleistungen an. Turbulenzen nur indirekt betroffen. Es ist kein
Fall bekannt, in welchem sich eine Vorsorge-
Wirth: Wechselt ein Unternehmen seine Vor- Wenn ich keine eigene Pensionskasse einrichten einrichtung direkt an der Spekulation mit
sorgelösung, so können sich Probleme mit kann, muss ich mich entscheiden zwischen einer Subprime-Papieren beteiligt hätte. Gerät aber
den laufenden Renten, vor allem laufenden Vollversicherungslösung und Sammelstiftungen. die Börse ins Rutschen, wie dies in den letzten
Invalidenrenten ergeben. Ihre Leistungen Kann man sagen, dass bestimmte Unternehmen Monaten geschehen ist, dann sinkt natürlich
beruhen häufig auf einer technischen Ver- mit einem bestimmten Weg besser bedient sind? ihr Deckungsgrad. Die privaten Kassen, und
zinsung, welche die neue Sammel- oder Ge- auch viele öffentliche, haben aber in den letz-
meinschaftsstiftung nicht zum gleichen Preis Wirth: Der Entscheid für eine Vollversiche- ten Jahren Reserven aufbauen können, um
zu garantieren bereit ist. Dann müssen zu- rungslösung verschafft dem Unternehmen auch diese Krise überstehen zu können.
sätzliche Mittel zur Deckung dieser Ansprü- die Gewissheit, nicht plötzlich mit Sanie-
che aufgebracht werden. Das schränkt die rungsforderungen der Pensionskassen kon- Der Mindestumwandlungssatz im BVG wurde
Mobilität ein. frontiert zu werden. Diese Garantie hat aller- von 7.2 auf 6.8 Prozent gesenkt, im Gespräch
dings ihren Preis. Mit anderen Worten: Die ist eine weitere Senkung auf 6.4 Prozent, der
Doch das ist nur ein Punkt unter vielen. Ein gleiche Vorsorgeleistung ist teurer als bei Schweizerische Versicherungsverband fordert
Unternehmen sollte sich in vielen weiteren einer autonomen Sammelstiftung, welche sogar 6 Prozent. Mit welchem Satz hat ein heute
Fragen klar sein, welche Vorsorge mit wel- keine solchen Garantien abgeben kann. Für 30-Jähriger bei seiner Pensionierung realistisch
chen Leistungen und Beiträgen es den Mit- Betriebe, die über keine finanziellen Reser- betrachtet zu rechnen?
arbeitern bieten will und kann. Ebenfalls ven verfügen oder ausser einer möglichen
müssen die Chancen und Risiken für die Prämienerhöhung keine Risiken eingehen Wirth: Dieser 30-Jährige wird voraussichtlich
Bereiche Anlage und Versicherung sowie wollen, ist dies aber sicher ein denkbarer Weg. in 35 Jahren pensioniert. Vielleicht aber auch
Organisation abgewogen werden. Die Unter- erst mit 70 Jahren; und wenn die Medizin jene
nehmen sollten die Abklärung aber in jedem Das Abwägen der Pro- und Kontra-Argumen- Fortschritte erzielt, welche von prominenten
Fall mit Unterstützung eines Experten vor- te zu einer Vollversicherungslösung hängt Zukunftsforschern erwartet werden, dann
nehmen. aber noch von weiteren Voraussetzungen ab darf unser junger Mann mit einer Lebens-
und kann letztlich nur anhand der individu- erwartung rechnen, die auch mit 70 noch
Kann es mir bei ungünstigen Voraussetzungen ellen Voraussetzungen eines Betriebs ent- kein geruhsames Rentnerdasein zulässt. Soll
passieren, dass mich keine Vorsorgeeinrichtung schieden werden. Auch hier ist eine neutrale er sich darüber freuen oder ärgern?
mehr aufnimmt? Beratung angezeigt. Interview: tw ø

58 Blickpunkt:KMU 2/2008