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10 BUDAPESTER ZEITUNG

DDEESSIIGGNN

14. - 20. FEBRUAR 2011 • NR. 7

BZT / Aaron Taylor (3)

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Wie wird man Designer? Ich habe ursprünglich Innenarchitek- tur studiert und kam dann eher zufäl- lig zu Kleidern. Erstens konnte ich gut davon leben. Es gab damals einen Mangel an Bekleidung und dafür wollten die Menschen eher Geld aus- geben als für ihre Wohnung. Zwei- tens war mir die Beziehung zu den Menschen, für den ich etwas erschaf- fe, sehr wichtig. Ich wollte nie als In-

ich etwas erschaf- fe, sehr wichtig. Ich wollte nie als In- „Mehr Platz für Design.“ nenarchitektin

„Mehr Platz für Design.“

nenarchitektin einfach am Reißbrett etwas planen, worauf ich dann später keinen Einfluss mehr gehabt hätte. Beim Entwerfen von Kleidung habe ich größere Freiheit und kann damit besser auf denjenigen eingehen, für den ich plane.

Es gibt also eine Verbindung zwis- chen Innenarchitektur und Kleidung? Für mich schon. Denn beides hängt mit den Menschen zusammen, die darin leben, die damit verbunden sind. Auch die Stadt, der Stadtteil und die Wohnung ist ein Raum, den die Menschen, die sich darin be- wegen, ihren Bedürfnissen anpassen. Kleidung ist für mich der kleinste Raum um einen Menschen herum, den er ganz individuell an seine Persönlichkeit anpassen kann, worauf er selbst den größten Einfluss hat und womit er sich auch am besten aus- drücken kann. Außerdem geht man

dabei auch ein geringeres Risiko ein, weil es ein kleineres Projekt nur für sich ganz allein ist.

Haben Sie ein Vorbild, das Sie beson- ders beeinflusst hat? Ich bewundere Frida Kahlo sehr, ihre Persönlichkeit und ihre Lebensge- schichte, und auch Gaudí. Also wie- der die Verbindung von Architektur und Kleidung. Und natürlich hatten Jean-Paul Gaultier, Vivienne West- wood, John Galliano und noch einige mehr Einfluss auf mich. Aber eine dominante Person, ein Vorbild gibt es nicht.

Was mögen Sie besonders an ihrem Job? Ich liebe Stoffe und Formen, und dass Schnitte in Bewegung ganz an- ders sein können und einen anderen Effekt erzeugen als im Stillstand. Deswegen entwerfe ich auch gerne Theaterkostüme. Bei den Stoffen ach- te ich darauf, mit Naturstoffen wie Leinen, Baumwolle, Wolle, Seide und Leder zu arbeiten. Aber ich bin auch Innovationen gegenüber nicht abge- neigt. Es gibt neue Technologien, die zum Beispiel Metallfäden mit einar- beiten, wodurch der Stoff eine Erinnerungsfunktion bekommt. Er passt sich der Silhouette des Trägers und seinen Bewegungen perfekt an. Man kann wunderbar damit arbeiten, denn diese Stoffe behalten ihre Form, man kann sie enger oder weiter machen, wie man es eben möchte. Oft zerlege ich auch die Stoffe in ihre Einzel- heiten und verwebe sie, sticke damit oder arbeite mit Applikationen.

Haben Sie auch im Ausland Erfolg? Erfolg ja, aber eher nur, was die Aner- kennung angeht. Ich habe 1994 eine Auszeichnung als „Das jüngste Talent des Jahres“ bei der internationalen Modemesse IGEDO gewonnen und wurde im Jahr 1996 zur Pariser Fa- shion Week eingeladen. Allerdings habe ich nie an Wettbewerben teilge- nommen. Nach der Wende hatte ich gehofft, dass Ungarn sich für den Modeweltmarkt öffnet, aber das ha- ben wir bis heute nicht geschafft. Auch bei der Eröffnung meines Sa- lons und meines Ladens war ich naiv davon ausgegangen, dass die Leute dann schon kommen würden. Das tun sie Gott sei Dank auch.

Und wer kommt? Eher Ungarn oder eher Ausländer? Nun, es sind 80 bis 90 Prozent Aus- länder, die in den Salon oder in den

ZUR PERSON

AANNIIKKÓÓ NNÉÉMMEETTHH hat ab 1986 an der Ungarischen Kunsthochschule Innenarchitektur studiert und sich dann dem Entwerfen von Kleidung zugewandt. Bereits 1990 stellte sie in Wien und Budapest ihre erste Kollektion vor. Dem folgten weitere Modeshows in den Niederlanden, Norwegen und Österreich sowie 1992 die Gründung des Salons Manier Haute Couture. Németh designt verschiedenste Kostüme fürs Theater sowie Abendroben für Künstler, wie für die Oscar-nominierte Schauspielerin Erika Marozsán und die Sängerin Veronika Harcsa. Sie stellt ihre Kollektionen immer wieder auch auf dem Laufsteg vor. Weitere Informationen unter www.manier.hu.

dem Laufsteg vor. Weitere Informationen unter www.manier.hu. Ein Blazer aus der Haute-Couture-Collection. Laden kommen.

Ein Blazer aus der Haute-Couture-Collection.

Laden kommen. Die Laufkundschaft im Laden fluktuiert natürlich, aber der Anteil an Ausländern bleibt gleich. Be- sonders gerne kommen Schweizer, Amerikaner, Niederländer und Deut- sche zu mir. Aus den asiatischen Län- dern sind es eigentlich nur Japaner. Es ist natürlich gut fürs Geschäft, aber ich finde es schon schade, dass nur so we- nige Ungarn bei mir etwas bestellen.

Haben Sie eine Erklärung dafür? Die, die es sich leisten können, wollen einfach keine ungarischen Designer tragen, sondern kaufen lieber die Kleidung der westlichen Marken. Ich finde das sehr schade. Auch ist das Verhältnis zur Kleidung ein ganz an- deres. Die Menschen aus dem Westen sind mutiger, was ihre Bekleidung an- geht, sie drücken damit ihre Persön- lichkeit, Lebensqualität und Selbstsi- cherheit aus. Sie wissen, dass die Art und Weise, wie sie sich kleiden inzwi- schen zur Kommunikation dazuge- hört. Sie wollen ihre Individualität unterstreichen und freuen sich über Einzelstücke, die nur sie selbst tragen. Außerdem können sie in Ungarn im- mer noch vergleichsweise günstig Einzelanfertigungen erstehen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Salon und dem Laden? In den Salon kommen Leute, die sich

ganz individuell ein besonderes Klei- dungsstück anfertigen lassen wollen. Also muss ich dafür einen extra Schnitt machen, es braucht ein paar

Im La-

Anproben, viel Handarbeit

den hängen Einzelstücke von Größe 38 bis 42, die noch in der Größe an- gepasst werden können. Aber falls es dann immer noch nicht passt, kostet

es nur 20 Prozent Aufpreis, einen be- reits existierenden Schnitt individuell anzupassen.

Bis Größe 42, erstaunlich Wir sind eben nicht alle gleich. Und nicht schlank heißt noch lange nicht dick. Auch bei meinen Modeshows versuche ich immer, wenigstens zehn

Mädchen mit Größe 40 bis 44 mit- laufen zu lassen. Das Problem ist da- bei nur, dass die Modelagenturen nur Mädchen mit Größe 36 oder 38 aus- bilden. Und nicht ausgebildet heißt, dass die Mädchen dann oft stolpern oder nicht gut präsentieren. Aber ich werde mir ein paar Gute dafür zu- sammen sammeln.

Wie entsteht bei Ihnen eine neue Kollektion? Das ist ganz unterschiedlich. Ich habe oft neue Ideen, aber auch Themen, die immer wiederkehren. „Let’s Miss- behave“ ist etwas, was mich immer wieder beschäftigt. Ich habe mit die- sen Stücken versucht, die Entwick- lung der Frauen, ihre Rolle in der Ge- sellschaft und den Kampf, der die Gleichberechtigung möglich gemacht hat, auszudrücken. Ich habe immer Hau- te Couture, die sich durch viel Hand- arbeit auszeichnet, aber ich versuche auch, tragbare Kleidung für den All- tag zu entwerfen. Die praktisch und bequem, gleichzeitig von guter Quali- tät ist, in der man sich wohlfühlt. Design sollte für alle zugänglich sein.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen? Dass Design in Ungarn einen Platz in der Kultur, im Denken der Menschen und auch in der Politik bekommt. Es gibt keine wirkliche Designstraße in Budapest, die Fashion Street ist ein künstliches Gebilde, was auch die Ausländer schnell merken. Die Politik muss mehr für die Mode tun. Italien, Spanien und Frankreich haben es vor- gemacht: Sie haben eine Fashion Week gegründet, Designer unterstützt und sind jetzt Moderiesen. Auch Portugal zieht nach. Ich denke, das alles wäre auch in Ungarn möglich.

IINNEESS GGRRUUBBEERR

HHaauuttee CCoouuttuurree SSaalloonn Nyáry Pál utca 4. 1056 Budapest +36 1 483 1140

LLaaddeenn Hajós utca 12. 1056 Budapest +36 1 354 1878

1140 L L a a d d e e n n Hajós utca 12. 1056 Budapest

Einzelstücke unterstreichen die Persönlichkeit.

L L a a d d e e n n Hajós utca 12. 1056 Budapest +36

UU LL TT UU RR EECC

BZT/Aaron Taylor (4)

1144 21 FEBRUARY – 27 FEBRUARY 2011

THE BUDAPEST TIMES

Design should be accessible to everyone

Interview with Anikó Németh, founder of Manier Haute Couture

D esign stands somewhere between culture and busi- ness, explains Anikó Németh, founder of the Hungarian fashion label

Manier Haute Couture. She spoke to The Budapest Times about her design philosophy, wearable fashion and the future of Hungarian fashion.

How did you become a designer?

I studied interior design originally and

started designing clothes almost by accident. For one thing I could make a good living from clothes. At that time there was a lack of good clothing and people were more inclined to spend money on clothes than on their homes. The other reason is that to me the rela-

tionship with the person that I create something for is very important. It didn’t appeal to me as an interior architect to create something on the drawing board that later I would have no influence over. As a clothes designer

I have more freedom and can adapt

my ideas better to the person that I am

designing for.

Do you feel that there is a connection between interior design and clothing?

Yes, for me there definitely is. Both are related to the people that live in them and are connected to them. The city, the district and the house that you live in is a space that people adapt to their needs. For me clothing is the smallest space around a person. You can adapt it to your personality. It is the space that you can have the greatest influ- ence on and use to express yourself. It is also less of a risk because it is a smaller, self-contained project.

Are there any designers or artists who have particularly influenced your work?

I admire the personality and life story

of Frieda Kahlo very much and Antoni Gaudi. Again there is the connection between architecture and clothing. Of course Jean-Paul Gaultier, Vivienne Westwood, John Galliano and others have influenced me but there is no one dominant figure that I would point to.

What do you particularly like about your job?

I love materials and forms and the

way that designs in motion can create

a different effect. That’s why I also

like designing theatre costumes. I like

working with natural materials like linen, cotton, wool, silk and leather but I’m not adverse to innovations. There are new technologies such as materials woven through with metal threads that have a “memory”. They adapt perfectly to the silhouette of the wearer and their movements and are wonderful to work with. I also often deconstruct materials and weave or embroider with them or work with appliqués.

and weave or embroider with them or work with appliqués. Anikó Németh likes to use natural
Anikó Németh likes to use natural materials including linen, cotton, wool, silk and leather.
Anikó Németh likes to
use natural materials
including linen, cotton,
wool, silk and leather.
“[Hungarians] who can afford it prefer to buy Western brands rather than clothes made by
“[Hungarians] who can afford it prefer to buy
Western brands rather than clothes made by Hungarian
designers.Their relationship to clothes is also rather different.
People from the West are more daring in terms of their
clothing and they use it to express their personality,
their quality of life and their self-confidence.”
– Anikó Németh

the

Are visitors to your shop mainly Hungarians or foreigners?

I would say that 80 to 90 per cent of the people that come to my salon and shop are foreigners. Of course the number of walk-in customers in the shop fluctu- ates but the proportion of foreigners remains fairly constant. My shop and

Have you also been successful abroad?

I’ve

been

won

salon are particu- larly popular with the Swiss, the Americans, the Dutch and the Germans. From Asian countries it tends to be only the

Yes,

successful but more in terms of

recognition. In

1994 I

“Youngest Talent of the Year” award at the interna- tional IGEDO fashion market and in 1996 I was invited to the Paris Fashion Week. However, I have never taken part in competitions. After the change of system in Hungary I had hoped that Hungary would open itself to the world fashion market but that

hasn’t happened yet. When I opened my salon and my shop I naively assumed that people would come. And thankfully they do come.

Japanese that visit. It’s good for business of course but I find it a shame that so few Hungarians order from me.

Why do you think you don’t have a greater proportion of Hungarian customers?

Those who can afford it prefer to buy Western brands rather than clothes made by Hungarian designers. Their relationship to clothes is also rather different. People from the West are

From interior designer to fashion designer

A nikó Németh studied interior

design at the Hungarian

University of Arts and Design

(now the Moholy-Nagy University of Art and Design) from 1986 before turning her attention to clothing. In 1990 she showed her first collection in Vienna and Budapest. That was followed by fashion shows in the

and Budapest. That was followed by fashion shows in the Netherlands, Norway and Austria, and the

Netherlands, Norway and Austria, and the establishment of the Manier Haute Couture Salon in 1992. Németh designs theatre costumes, evening gowns for actresses and musicians such as the Oscar-nominated Erika Marozsán and the singer Veronika Harcsa, and presents her clothes on the catwalk. For more information see www.manier.hu

more daring in terms of their clothing and they use it to express their person- ality, their quality of life and their self- confidence. They know that the way in which they dress is part of how they communicate. They want to emphasise their individuality and take pleasure in one-off pieces that only they will wear. In Hungary foreigners can still buy custom-made clothing relatively cheaply.

What is the difference between your salon and your shop?

The salon is visited by customers who

would like to have a particular item of clothing individually designed and made. I create a special design and it involves several fittings and a lot of

In the shop visitors can

find pieces sized between 38 and 42 [roughly UK size 10 to 14], which can be tailored to the individual. If the piece still doesn’t fit it only costs an additional 20 per cent to have an existing design adapted.

handiwork

It’s surprising that you go up to size 42 [roughly UK size 14].

We’re not all the same. And not being slim is far from being the same thing as being fat. In my fashion shows I always try to have at least ten models sized 40 to 44 [roughly UK size 12 to 16]. The problem is that model agencies only train models sized 36 or 38 [roughly UK size 8 or 10]. Untrained models often stumble or don’t present the clothes well but I will find myself a few good ones (laughs).

How do you go about creating a new collec- tion?

It varies. I always have new ideas but there are also recurrent themes. With “Let´s Misbehave” I tried to express the development of women, their role in society and the struggle that made equal rights possible. I make haute couture, which requires a lot of handi- work, but I also enjoy designing wear- able clothing for everyday life. It should be practical and comfortable but also of good quality and make the wearer feel good. Design should be accessible to everyone.

What are your hopes for the future?

I would like design in Hungary to have an established place in cultural life, in the way people think and also in poli- tics. There is no real design street in Budapest. Fashion Street is an artificial construct. Foreigners soon notice that and have often asked me about other designers. Politics needs to do more for fashion. Italy, Spain and France have shown the way that it is done: they established fashion weeks and supported designers. Those countries are now fashion giants. Portugal is also following suit. I think it would be possible for all that to happen in Hungary as well.

– Ines Gruber

Portugal is also following suit. I think it would be possible for all that to happen