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Psychologie & Gesellschaftskritik, 32 (2/3), 91-108.

Ulrich Kobbe

Zwischen-zwei-Toden
Zum psychoanalytischen Ethikmodell (der Negation) des Seins

Der Beitrag untersucht das Verhältnis des Menschen zum Sein. Ausgangskonzept ist
das Fundamentalphantasma de Sades über die Natur des Menschen, seine ewige Pein
und den »zweiten Tod<. Mit dem darauf aufhauenden psychoanalytischen Paradigma
der >zwei Tode<, des biologischen und des sozio-symbolischen Todes, werden psycho-
analytische Referenztexte Lacans in teilweise neuer Übersetzung referiert, thematisch
aufeinander bezogen und vor dem ideengeschichtlichen Hintergrund von de Sade, Kant
und Hegel diskutiert. Basierend auf dem ethischen Konflikt der Antigone erarbeitet
Lacan spezifische Aspekte der Konfrontation mit dem Begehren, der existenziellen
Schuld, dem Seinsmangel, dem Genießen, der Täuschung und Verblendung, der Leere,
dem Nichts und dem Tod.

Schlüsselbegriffe: Phantasma, Sein-zum-Tode, Zwischen-zwei-Toden, zweiter Tod, de


Sade, Lacan

Einleitung: >memento mori<

Aus klassischen Zeichentrickfilmen kennt fast jeder


folgende klassische - von Zizek (1991, S. 69) als
»archetypisch« qualifizierte - Szene eines paradoxen
(Er-)Lebens: Donald rennt auf die Kante eines Ab-
grunds zu, bleibt jedoch nicht stehen, sondern läuft
über diese hinaus, obwohl er nun, ohne Boden unter
den Füßen, faktisch in der Luft hängt. Erst als er
hinunterblickt, den Abgrund unter sich wahrnimmt
und erschreckt erkennt, dass er im Leeren schwebt,
stürzt er ab und zu Boden.
Die Situationskomik dieses Nonsense-Unfalls ver-
anschaulicht zunächst lediglich, dass die Naturgeset-
ze insofern gelten, als die Natur ihre Gesetze >kennt<
und sich ihnen entsprechend >verhält< - ein Phäno-

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iiii-n, das Lacan (1974) als unbewusstes »Wissen im Realen« [savoir dans Beim Depressiven trifft die Unmöglichkeit zu (Zukunfts-)Entwür-
/c recl\n und für die Unterscheidung von naturwissenschaftli- fen [impossibilite du projet] mit der Suspendierung des Zeitgitters
chem und psychoanalytischem Wissen konzeptualisiert hat. Dieses >Wis- [interdiction de la Chronologie] und damit der Allgegenwart des
sen im Realen< manifestiere sich in wahnhaften Augenblicken \moment Nichts [ubiquite du neant] zusammen, der er nur mit Mühe ent-
du delire}, die initial mit dem Tod des Subjekts in Verbindung gebracht kommt; so irrt er in einer Art undefinierbarem Zwischen-zwei-Le-
werden könnten (vgl. Arel, 2005): Indem sich Donald selbstvergessen im ben oder Zwischen-zwei-Toden umher (Lambotte, 1993, S. 191).
Über-den-Abgrund-Hinausschießen so verhält, als habe er die Gesetze
Neben derartigen Skizzierungen psych(opatholog)ischer Prozesse wird
der Natur >vergessen< oder sei ihnen nicht unterworfen, sich dann aber
dieses Paradigma einer phantasmatischen Doppelstruktur zweier Tode
beim Blick hinab quasi >erinnert<, den Naturgesetzen Folge leisten zu
desselben Subjekts auch auf andere Weise für das Verständnis intrapsy-
müssen, und entsprechend fällt, verweist diese Slapstick-Szene auch auf
chischer Strukturen und interpersoneller Dynamiken genutzt.
die absurde Logik der Traumarbeit.
Hierfür gibt Freud eine analoge Traumszene wieder, in der ein Vater Lacan und die >zivei Tode<
paradoxerweise >wie sonst< weiterlebt, weil er vergessen hatte zu sterben:
In seinen Arbeiten zur Ethik der Psychoanalyse greift Lacan diese Diffe-
Er war doch gestorben und wußte es nur nicht (Freud, 1900, S. 432). renz zwischen leibhaftigem Tod und der >unbeglichenen Rechnung< des
Insofern erhält das des Todes gedenkende Leitmotiv >memento mori< eine sozialen (Über-)Lebens als schuldhaft aufgeschobenem Tod auf:
mitunter sehr spezifische (Auf-)Forderung: >Vergiss' nicht, zu sterben!' Lacans Pointe bei dieser Unterscheidung zweier Tode ist indessen
die, dass ein solcher Schritt zur radikalen Vernichtung des Lebens-
»Man stirbt nur zweimal« (Zizek) kreislaufes selbst nur dann möglich ist, wenn wir uns schon im
Symbolischen befinden, d. h. dass die Idee eines radikalen Ver-
Mit diesem Exkurs in die paradoxe Logik psychischer Erlebnisverarbei-
brechens, das den Lebenskreislauf selbst unterbrechen würde, nur
tung wird ein Thema eingeführt, das zu der Annahme überleitet, es kön-
bei einem Wesen aufkommen kann, das schon ein Sprachwesen
ne zwei verschiedene Tode - einen realen und einen sozialen Tod - ge-
ist. Die Idee des radikalen Verbrechens impliziert nämlich eine
ben. In der Tat lässt sich dies mitunter kasuistisch im Kontext psychohis-
Distanz zum Lebenskreislauf, sie impliziert, dass wir irgendwie
torisch-sozialpsychologischer Untersuchungen, bspw. zur Dynamik von
aus ihm >heraustreten<, ihn von außen vernichten und >neu, aus
Totem und Tabu, exemplifizieren. 2 Andererseits hat diese Dichotomie
dem Nichts beginnen< können; und diese Distanz wird erst durch
zweier Tode - ein-und-desselben? - Subjekts innerhalb der Alltagspraxen
das Symbolische eröffnet: sie wird erst insofern möglich, als wir
insofern Relevanz, als Zustände der Depression und der Trauer ein >Aus-
nicht unmittelbar mit der Realität des Kreislaufes des Lebens und
einanderfallen< von kognitiven, affektiven und sozialen Funktionen bzw.
des Todes, des Gebarens und des Sterbens zu tun haben, sondern
Dynamiken beinhalten und als >zweiter Tod< des verlorenen Selbstobjekts
dieser Kreislauf schon >historisiert<, symbolisiert, in das signifikan-
[deuxieme mort de l'objet] im Kontext eines quasi Repressiven Selbst-
te Netz eingeschrieben ist (Zizek, 1991, S. 75f.)
mords< [suicide melancolique] verstanden werden können (vgl. Green,
1983,5.267). Mit dem Konzept des >zweiten Todes<' verwendet Lacan folglich eine
spezifische Denkfigur, um durch Setzung einer »Grenze des zweiten

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Todes« und über das sade'sche »Fundamentalphantasma« des »ewigen De Sade und der >zweite Tod<
Leidens« (Lacan, 1960c, S. 303) die Beziehung des Menschen zu seinem
Hierbei bezieht sich Lacan auf ein Paradigma de Sades (1797), der in
- mit dem Phantasma des »auf unbestimmte Zeit« andauernden Leidens,
seinen Beschreibungen des >natürlichen< Lebenskreislaufs und der Le-
einer Höllenqual, verbundenen - Leben wie zu seinem eigenen Tod zu
bensformen davon ausgeht, dass der Tod lediglich ein Moment innerhalb
artikulieren (ebd., S. 341). Auf was diese lacanianisch-sade'schen Kon-
eines unendlichen Kreislaufs von Entstehen, Vergehen, Neuanfang usw.
zeptualisierung des >zweiten Todes< verweist, ist das Vorherrschen einer
ist. Aus der Prämisse einer grundlegend destruktiven Natur und eines
»menschlichen Gewohnheit«, die »nie davon abgelassen hat, diesen zwei-
prinzipiell grausamen Gottes (vgl. Kobbe, 2005) leitet de Sade ab, im
ten Tod präsent zu halten, indem sie darin das Ende der Leiden sah, wie
Geiste dieser Negation sei der Natur konsequenterweise dadurch zu die-
sie auch nie davon abgelassen hat, sich ein zweites Leiden vorzustellen,
nen, »den Prozess der ständigen Regeneration selbst, den Prozess der
ein Leiden jenseits des Todes, auf bestimmte Zeit durch die Unmöglich-
ständigen Umwandlung des Zersetzten in neue Lebensformen« (Zizek,
keit getragen, die Grenze des zweiten Todes zu überschreiten« (ebd.).
1991, S. 73) durch eine totale Destruktion auszulöschen:
An anderer Stelle ergänzt Lacan zur »Widersprüchlichkeit [discor-
dance] der zwei Tode« in Abgrenzung von religiösen Vereinnahmungen, Erst dann könnte die Natur zum Punkt der creatio ex nihilo, zum
»das >Zwischen-zwei-Toden< im Diesseits« sei seines Erachtens dafür Punkt der wahren Schaffenskraft gelangen. Hier haben wir also
»bedeutsam [essentiel]«, dass an ihm aufgezeigt werden könne, dass es die zwei Tode: der eine ist der natürliche Tod<, der Tod als ein
nur diese Vorstellung und »nichts anderes« sei, »worauf sich das Jenseits Element des Lebenskreislaufes, ein Moment der ständigen Um-
gründet« (Lacan, 1963, S. 776). So schreibt er, das Konzept des >zweiten wandlung, der Bewegung des Verfalls und der Erneuerung, und
Todes< sei bei de Sade Bestandteil und Resultat einer subjektive Wunsch- der zweite ist der >absolute Tod<, der Tod als die Zerstörung die-
dynamik, indem der körperliche Tod »dem Verlangen nach dem zweiten ses Kreislaufs selbst. [...] Und gerade auf diesem Unterschied
Tod sein Motiv verschafft [donne son objet]« (ebd., Fn 3). Hieraus ergibt zweier Tode, des >natürlichen< und des >absoluten< (der Vernich-
sich für ihn, dass das »Leiden am Dasein« als Grundlage für Glaubens- tung des natürlichen Kreislaufes selbst), baut de Sade laut Lacan
vorstellungen der Jenseitigkeit und damit verbundener »Heilsversprechen sein grundlegendes Phantasma auf (ebd., S. 73f.).
\pratiques de salut]« allenfalls der »Traum«, konkreter: das Phantasma
Wenn de Sade sein maßloses Begehren als Lebensprinzip artikuliert, ent-
einer Befreiung von »unserem täglichen Leben als ewigem Dasein« dar-
spricht dies nicht nur einer anti-ethischen Position im Widerspruch zu
stelle (ebd., S. 777). Dies jedoch komme einer »Umkehrbeziehung \rela-
Kant (vgl. Kobbe, 1998b; 2002), sondern kommt dies scheinbar auch
tion de reversion]« gleich, bei der Sadismus »an eine Form des Maso-
einer - zunächst unbestimmbaren - unendlichen Fortsetzung des Lebens-
chismus« gebunden sei und in »die Ausbeutung des Menschen durch den
kreislaufs gleich. So provoziert de Sade, zwar habe man »kein Anrecht
Menschen [l'exploitation de l'homme par l'homme]« münde (ebd.). Da-
auf Eigentum« am Anderen, doch habe man »sicher das Recht, ihn zu
mit sei es unter Umständen gerade so, dass dieses sadistisch strukturierte
genießen« und »ein unbestreitbares Recht [...], diesen Genuss zu erzwin-
Erlösungsphantasma »die Qual des Seins auf den Anderen abweist«,
gen« (de Sade, 1796, S. 302). Seine Maxime lautet zusammengefasst:
ohne dass der sade'sche Gläubige »erkennt, dass er sich bei diesem Aus-
weg [biais] seinerseits in ein >ewiges Objekt< verwandelt« (ebd., S. 778). Ich habe das unbestreitbare Recht, Deinen Körper zu genießen,
und ich habe das Recht, diesen Genuss zu erzwingen, wenn er

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mir, aus welchem Grunde auch immer, verweigert wird (Lacan, zeigen« (ebd., S. 429), dient dem Zweck, sich dieser »Ketten zu entzie-
1963, 768f.). hen« (ebd., S. 385) und dem Subjekt »Hilfe, Rettung, Asyl und Unter-
stützung« (ebd., S. 373) gegen das den Menschen von seiner Natur ent-
Temple (2008) macht jedoch mit Lacan darauf aufmerksam, dass de Sa-
fremdende Gesetz zu garantieren. Die gerade hierbei erlebte Bedrohung
de diese fortgesetzt zu ertragende Hölle nur den Objekten seines Begeh-
entsteht zwar durch die Annäherung an das begehrte Objekt, doch rich-
rens zuschreibt und für sich in Anspruch nimmt, sich in einem >zweiten
tet sich das Begehren gerade nicht auf ein phantasmatisches, >gutes< Ob-
Tod< durch eigene Auslöschung [propre dissolution] diesem zwangsläufi-
jekt, sondern auf den >leeren< Ort, den dieses verdeckt.
gen Kreislauf zu entziehen. Als konkretes Subjekt hatte Donatien Al-
Dies ist der (Ab-)Grund, angesichts und auf Grund dessen bei zu gro-
phonse Francois de Sade gewünscht, dass jede Erinnerung an ihn »aus
ßer Annäherung eine Konfrontation mit einer >Lücke< in der - bis dahin
dem Geist der Menschheit ausgelöscht werde« (Pauvert, 1991, S. 1332).
symbolisch und imaginär garantierten - Realität als »radikale Negativi-
In der Tat versuchten seine Nachkommen über viele Jahre hinweg, ihn -
tät« droht (Zizek, 1990, S. 251). Indem sich de Sade unermüdlich an den
allerdings ergebnislos - aus den Familienregistern zu streichen. In seinem
Trugbildern des Gleichen als scheinbare Abbilder des Selben abarbeitet
Testament hatte er bestimmt, auf seinem Grab sollten Eicheln gesät wer-
und sich in einen unendlichen Prozess ewig neuer phantastischer Varian-
den, sodass dieses unter den darauf wachsenden Bäumen, mithin auch
ten begibt, entsteht für ihn eine imaginäre Grenzsituation:
die Erinnerung an ihn verschwinden würde.
Diesem anti-utopischen Versuch de Sades zur Negation des der Natur Sade ist auf dieser Grenze und er lehrt uns, dass er, soweit er sie
inhärenten Prinzips von Leben und Tod ist eine spieltheoretische Logik zu überschreiten imaginiert, ihr Phantasma in der verdrießlichen
eigen (Lern 1978), wie sie in der Unterscheidung zweier Tode, mithin Genugtuung [delectation morose] kultiviert [...], indem dieses sich
auch mehrerer Leben, zum Ausdruck kommt und der Trickfilmlogik bei entfaltet. Insoweit es sie sich einbildet, beweist er die imaginäre
Donald Duck, Tom & Jerry usw. oder der Spielelogik klassischer Com- Struktur der Grenze. Doch er überschreitet sie auch. Er über-
puterspiele ähnelt: Die Logik dieser Spiele basiert demnach ganz auf dem schreitet sie, wohlgemerkt, nicht im Phantasma, was dessen eintö-
Unterschied zwischen zwei Toden: dem Tod, durch den ich nur eines nigen Charakter ausmacht, die diesem [als repetitive Wiederho-
meiner Leben verliere, und dem endgültigen Tod, durch den ich das Spiel lung immer ähnlicher Verbrechen] anhaftet. Aber er überschreitet
selbst verliere (vgl. Zizek, 1991, S. 75).Womit sich de Sade konfrontiert, sie in der Theorie, in der in Worte gefassten Doktrin, den einzel-
ist das Fundamentalphantasma einer Freiheit nicht nur von Konventio- nen Momenten seines Werks folgend: im Genießen der Zerstö-
nen, Normen, Gesetzen des Sozialen, sondern einer >absoluten Freiheit< rung, in der dem Verbrechen eigenen Tugend, im Bösen um des
des sich selbst totalisierenden Subjekts von den Beschränkungen des Bösen willen und schließlich [...] in dem höchsten Wesen des Bö-
Lebens wie des Todes. Als »Probe« dient de Sade (1797, S. 376) dabei sen [l'Etre-supreme-en-mechancete] (Lacan, 1960a, S. 232).
die öffentliche Beichte, um die »Missachtung« des verfemten Subjekts für Erst in dem damit verbundenen streng atheistischen Denken kann de
das »phantastische Objekt« eines akkulturierten, nächstenliebenden Sade mit und in der Philosophie des Verbrechens (s)ein Fundamental-
Menschen zu bezeugen. In Verwerfung des assujettierenden Geständnis- phantasma »des ewigen Leidens [souffrance eternelle}« als »Manifestati-
zwangs zielt das Konzept de Sades auf die Negation dieses triebfeindli- on des Begehrens« entwickeln (Lacan, 1960c, S. 303), das er innerhalb
chen Kulturzwangs ab: »Sich schämen ohne Reue«, beichtend »mit sei- einer unendlich monotonen perversen Inszenierung als die Verbindung
nen Verirrungen offen zu prunken«, sich wahrhaftig »öffentlich nackt zu der »Spiele des Schmerzes« mit einer Ästhetik des Schönen wieder und

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wieder thematisiert und das ein endloses Leiden als »Leiden über den on wieder die Herrschaft über Theben. Dem Heimatgesetz fol-
Tod hinaus \au-dela de la mort]« imaginiert (Lacan, 1960f, S. 341). gend, lässt er den Verteidiger Eteokles den Sitten gemäß beerdi-
Worum es de Sade geht, ist, »den Ort anzuzeigen, an dem der Mensch gen, den Leichnam des zuvor verbannten >Verräters< Polyneikes
sich zu seinem eigenen Tod verhält«, doch ist dies - wie bei allen sich aber vor den Toren der Stadt den Tieren zum Fraß vorwerfen,
(vor das Reale einer unerträgliche Wahrheit stellenden) Vorstellungen - ohne ihm eine ordentliche Bestattung zukommen zu lassen. Damit
»nur in einer [Ver-JBlendung [eblouissement]« möglich (ebd., S. 342). verwehrt er Polyneikes jedoch den Einzug ins Totenreich, und dies
Eine Erlösung durch diesseitiges >Aufgehobenseins< im >zweitem Tode< steht im Widerspruch zu den geltenden Sitten und Normen der
erweist sich demzufolge als ein »sich nackt darbietendes« Objekt des >ewigen< göttlichen Gebote. Antigone, Schwester der Toten, dage-
Begehrens, das »lediglich die Schlacke eines Phantasmas ist, aus dem das gen fühlt sich diesen mehr verbunden als den Gesetzen des Staates
ohnmächtige Subjekt nicht wieder zu sich kommt«. Es ist keineswegs ein und erachtet es als ihre Pflicht, den Bruder zu bestatten. Dieser
Weg der Befreiung aus der >Qual des Seins<, sondern ein »Fall von Nek- Widerstandsakt der Erfüllung schwesterlicher Schuld bricht mit-
rophilie« (Lacan, 1963, S. 780). hin die Gesetze des Staates und wird von Kreon zunächst mit Ge-
fangenschaft der Antigone, dann damit bestraft, diese lebendig
In Beziehung zum Realen des Seins einmauern zu lassen. Zwar erkennt Kreon, dass er den falschen
Idealen gedient hat, und will Antigone retten, doch hat sich diese
De Sade seinerseits ließ »sich durch sein Phantasma nicht täuschen [n'est bereits erhängt, um dem Hungertod zu entgehen. Ihr Verlobter
pas dupe par son fantasme}« (Lacan, 1963, S. 778). So übernimmt Lacan Haimon folgt ihr aus Liebe in den Tod, und aus Kummer über
von ihm zwar den terminus technicus des >zweiten Todes<, doch modifi- dessen Verlust tötet sich auch dessen Mutter Eurydike, Ehefrau
ziert er diesen inhaltlich im Sinne einer Metapher die Seinsgrenze in der des Kreon.
begehrenden Beziehung zum anderen. Wenn er diesbezüglich anmerkt,
diese Denkfigur des >zweiten Todes< thematisiere »das Verhältnis zum Mit einer differenzierten Exegese des Antigone-Dramas um Ethiken des
Sein«, dann hebt dies für ihn nicht nur »all das, was sich auf Vergäng- Todes, der Bestattung, der Trauer und der Schuld erarbeitet Lacan
lichkeit \transformation], auf den Zyklus von Erzeugung und Verfall [des (1986) das Problem einer Kluft zwischen zwei Toden, dem realen phy-
generations et des corruptions] bezieht«, auf, sondern diese Thematik sisch-biologischen und dem sozio-symbolischen Tod des Subjekts.
führt seines Erachtens »auf eine Ebene, die viel radikaler als alles ist, weil Im Gegensatz zur vage möglichen Vermutung, es gehe bei dem Selbst-
sie als solche in die Sprache eingeklinkt [suspendu au langage]«, sprich, mord der Antigone im Grab des Bruders Polyneikes um einen überhastet
mit der Ordnung des Symbolischen verschränkt ist (Lacan, 1960b, S. oder voreilig verübten Suizid als vorverlegten >zweiten Tod<, erweist sich
331). Zur Verdeutlichung dieser existenziellen Dynamik bezieht sich dieser Tod »als durchaus anderes [bien autre chose] denn ein Akt der
Lacan auf eine antike Vorlage, den Mythos der Antigone in der dramati- Selbsttötung« (Lacan, 1960d, S. 331). Es geht um eine in die Ordnung
schen Version des Sophokles: des Symbolischen - in das Bestattungsverbot des Kreon und in ein kon-
fligierendes Bestattungsritual - eingebundene Auseinandersetzung über
Dieser Teil der Familientragödie setzt ein nach dem Kampf der den Umgang mit den Toten - sprich, mit dem Tod - als Selbstkonfronta-
Söhne des Oidipus, Eteokles und Polyneikes, um dessen König- tion mit der existenziellen Herausforderung des Menschen [defi humain].
reich, in dem sich beide gegenseitig töten. Damit übernimmt Kre- Der Hinweis Lacans versucht aufzuzeigen, dass es in dem Akt der Selbst-

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tötung gerade nicht um die Wiederherstellung einer »religiösen Harmo- Annäherung des Realen inganggesetzte Selbstverstümmelung« (Lacan,
nie« als Form sozialer Homöostase geht, sondern dass die Entscheidung 1964, S. 96). Diesen Erfahrungsbereich des Realen begreift Lacan nun
Antigones unabhängig davon auf eine Wiederherstellung anderer Art, auf aber »nicht als den Horizont des imaginären oder symbolischen Bereichs,
ein zu respektierendes »Verhältnis [...] zur Grenze« des Seins, abzielt sondern als deren traumatische Ursache, der sich das Subjekt, gewisser-
(ebd., S. 332). Erläuternd gibt er dabei an, diese Grenze sei »durch eine maßen über den Umweg des imaginären und symbolischen Bereichs
bestimmte Ate definierbar« (ebd., S. 332), wobei der Übersetzer der anzunähern, ihr aber zugleich zu entgehen sucht« (Ort, 1998, S. 157):
deutschsprachigen Ausgabe, Haas, dieses »Ate« seinerseits mit dem
Lacan bringt dieses Reale mit dem in Verbindung, worauf Freud
griechischen >««/< wiedergibt (Lacan, 1960e, S. 342). Dieser Hinweis auf
zufolge der Todestrieb hinzielt. Der Todestrieb zielt nach Lacan
die Tochter des Zeus in der griechischen Mythologie bezieht sich auf die
nicht auf den biologischen Tod, der nur eine gewisse Zyklusphase
>Ate< \mt;] als Verkörperung der Verblendung, unter ihrem anderen
im Kreislauf von (biologischem) Leben und Tod darstellt, sondern
Namen >Apate< \anarri\s Verkörperung der Täuschung.
vielmehr auf eine Art >zweiten Tod<, auf den symbolischen Tod,
Einerseits vollzieht Kreon mit seiner Außerkraftsetzung tradierten
der den Kreislauf der (biologischen) Wiedergeburt selbst unter-
Gewohnheitsrechts, mit der Setzung staatlicher Gesetze über das »uni-
bricht, anders ausgedrückt, auf den Tod des symbolischen Be-
versale menschliche (natürliche) Gesetz« (Fromm, 1981, S. 155) die
reichs selbst. Dieser >zweite Tod< zielt retrospektiv auf den trau-
Überschreitung einer Grenze (hybris), was ihn zwangsläufig in die >Ver-
matischen Ursprung des imaginären und symbolischen Bereichs.
blendung< (ate) der Selbstüberhöhung führt. Andererseits überschreitet
auch Antigone mit ihrer Einforderung der Rechtmäßigkeit ihrer Position Indem sich Antigone mit dieser existenziellen Infragestellung in den Be-
zum Tod ihrerseits eine »Grenze des Seins«. Sie tangiert einen von Lacan reich nicht-symbolisierungsfähiger Phantasien, Beziehungen oder Hand-
als >Zwischen-zwei-Toden< bezeichneten »Ort«, indem sie »nicht, wie lungen eindringt, ihr somit weder ein Halt im Imaginären noch im Sym-
man in einer Art Leier \ritounelle] sagt, über Gut und Böse - was eine bolischen zur Verfügung steht, ist sie - bar aller prothetischen Illusionen
hübsche Formel zur Verdunklung dessen ist, worum es geht - hinaus- - unmittelbar mit dem Realen des Todes konfrontiert. Damit stellt dieser
geht, sondern genau genommen über das Gute hinaus, wenn denn die Akt für Lacan einen ethischen Akt par excellence dar: Vor dem Hinter-
Grenze dieses Bereichs, des zweiten Todes, jene Grenze ist« (Lacan, grund der Unerbittlichkeit eines an das Subjekt gerichteten psychoanaly-
1961, S. 322f.). Indem sich Antigone als »identisch« mit dem Gesetz als tischen Appells, in seinem Begehren nicht nachzulassen, wäre Antigones
»ihrem Schicksal, Ate«, erweist, geht sie in einem »Akt der Freiheit [...] Nachgeben in dieser Schicksalsfrage das einzige, dessen das Subjekt im
gegen alles [an], was sie determiniert, nicht in ihrem Leben, sondern in Sinne der lacanianischen Definition einer >Ethik der Psychoanalyse<
ihrem Sein, [...] gegen all das, was an ihrem Sein bis in dessen innerste schuldig werden kann.
Wurzeln hängt« (ebd., S. 323). Andererseits folgt diese Tatdynamik einer dennoch >blinden< Form
In Lacans Auslegung des griechischen Terminus' >mr\< ist dies jeden- vermeintlicher Unabhängigkeit: Indem Antigone eine »absolute Individu-
falls eine ontologische Fragestellung grundlegender Kategorie, denn kein alität« in Anspruch nimmt (Lacan, 1960d, S. 323) und eine >absolut freie
Sterblicher darf und vermag eine solche Grenze dauerhaft zu übertreten, Wahl< im Sinne einer Freiheit von Normen, Vorstellungen, Erinnerungen,
ohne dabei seinerseits den Tod zu finden. Dass Antigone dieses per Ge- Bindungen etc. trifft, wird dies »wiewohl [eine] zwangsläufige Wahl der
setz garantierten Objekts in der Überschreitung nun verlustig zu gehen Schuld, weil sie um des Guten willen bewerkstelligt wird«, das heißt,
droht, impliziert den Verlust des Objekts, sondern zudem eine »durch dieser Akt »reproduziert das ursprüngliche Schuldigwerden« des Men-

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sehen (Juranville, 1994, S. 106). Die mit dieser Überschreitung einherge- dem traumatischen Realen bricht die psychoanalytische Praxis »den
hende Zerreißung des sozialen Netzes beinhaltet durch die »radikale Diskurs nur ab, um das Sprechen zu entbinden«, präziser: um mit der
Suspendierung der symbolischen Ordnung« (Ort, 1998, S. 159) nicht nur Sprache herauszurücken, indem das Sprechen unterbunden wird (Lacan,
»eine gewisse Konfusion, sondern vielmehr grundlegende Blindheit« auf- 1953, S. 316). Indem sich das Subjekt im Schweigen mit sich selbst kon-
grund eines »Blendungseffekts« (Lacan, 1960d, S. 327). Diese Charakte- frontiert, begibt es sich auf einen Schauplatz, der »unabänderlich« - so
risierung des Subjekts als >blind< bzw. >geblendet< bezieht sich darauf, Lacan (1960g, S. 369) - gleichermaßen ein »Bereich des Zwischen-zwei-
dass die Konfrontation mit dem Realen als Schockerfahrung insofern Toden« [zone de l'entre-deux-morts] ist. In ihm tritt das Subjekt »in
>subversiv< ist, als sie zwar die Subjektkonstitution radikal in Frage stellt, direkte Beziehung zum Sein« (Evans, 2002, S. 305), indem sich auf die-
dem Subjekt jedoch keine differenzierte Selbstwahrnehmung gestattet, da sem Schauplatz eines Zwischenraums zwischen zwei Toden »die falschen
das erlebte Grauen weder imaginär repräsentiert (und daher nicht vor- Metaphern des Seienden von dem [unterscheiden, was die Stellung des
stellbar) noch symbolisch zugänglich (mithin nicht beschreibbar) ist. Seins ist« und dieser (Schau-)Platz in der Analyse - »einer Grenzzone
Dieser Vorgang des »Widerscheins des Begehrens [reflet du desir\« gleich« (Lacan, 1960b, S. 291) - artikuliert wird.
(Lacan, 1960c, S. 311), der im griechischen Original als »ifiepo<; Kvapytji;« Zwar zeigt Lacan diese Subjektdynamik und -Struktur am Beispiel
bezeichnet wird und sich in der deutschen Übersetzung von Hölderlin Antigones auf, doch ist diese Seinsdimension »keine Besonderheit der
(1800, S. 327, Z. 625) als »der Sinne Wüthen« und in der Interlinearver- Antigone«: Bei der Durchquerung dieses Bereichs geht es angesichts des
sion »der Gedanken Verderben« (Hölderlin, 1800, S. 326, 604), in der >Seins-zum-Tode< um »die Bedeutung der Stellung, des Loses eines Le-
von Turkheim (Sophokles, 1877, S. 176) als »des Sinns Verblendung«, in bens, das sich mit dem Tode, der gewiss ist, vermischen wird, einem Tod,
der von Schadewaldt (Sophokles, 1974, S. 32) als »der Sinne Verwir- der antizipatorisch gelebt wird, einem Tod, der auf den Bereich des Le-
rung« wiedergegeben findet, wird von Lacan dahingehend kommentiert, bens übergreift, [eines] Lebens, das auf den Tod übergreift« (ebd., S. 291).
jenes »I/tepo$ vva/iyr/s, das ist wörtlich das sichtbar gemachte Begehren. Hiermit wird die Referenz Lacans auf den phänomenologischen, me-
Von solcher Art ist, was in dem Moment erscheint, in dem sich die ganze taphysischen und ontologischen Entwurf des als >geschichtlich< und >frei<
Szenerie des Eintritts in die Todesqual [la longue scene de la montee au verstandenen Menschen in der hegelianischen Philosophie des Todes
supplice\n wird« (1960c, S. 311). erkennbar. Als historisiertes - mithin endliches - Wesen, als weltliches -
insofern räumlich-zeitlich determiniertes - und damit auch sterbliches
Das Subjekt im >Zwischen-zwei-Toden< Wesen ist der Mensch bei Hegel »ein Wesen, das [sich] immer seines
Todes bewusst ist, ihn oft frei übernimmt und ihn manchmal wissentlich
Diskussion und Textanalyse ermöglichen, Aspekte der Auseinanderset- und willentlich wählt« (Kojeve, 1958, S. 228). Was ihm abgefordert
zung psychoanalytischen Denkens mit dem Sein und dem Tod zu thema- wird, ist daher eine »rücksichtlose Hinnahme« bzw. integrierende An-
tisieren und diese hinsichtlich der Ordnung des Imaginären, Symboli- nahme der Tatsache des Todes, wie dies in der psychoanalytischen Praxis
schen und Realen zu vertiefen. Relevant wird dieses Paradigma insofern, dadurch zu realisieren gesucht wird, dass das Subjekt »dem Negativen
als diese Dynamik - so Lacan (1960a, S. 147) - nicht nur ein »Aufklaf- ins Angesicht schauen« und »bei ihm verweilen« soll (Kojeve, 1958, S.
fen im Realen« [beance dam le reel] darstellt, sondern darüber hinaus in 239). Über die Axiome, dass die Tat durch ihre nichtende Wirkung cha-
diesem >Raum-zwischen-den-zwei-Toden< [l'espace de l'entre-deux- rakterisiert und dass das Sein selbst Tat sei, das menschliche Subjekt
morts] situiert ist (vgl. Kato, 1994). Angesichts dieser Konfrontation mit

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sonach endlich und »unabänderlich sterblich« ist, vermag Hegel die oben Es handelt sich um einen begehrenden Diskurs, der sowohl zwei dia-
genannte Negativität bzw. >das Negative< mit dem Tod gleichzusetzen. lektisch verschränkte Instanzen (des Bewusstseins) als intrapsychische
Selbstbeziehung bestimmt wie auch eine spezifische Struktur und Dyna-
Aber wenn der Mensch Tat ist, und die Tat eine als Tod >erschei- mik der intersubjektiven Beziehung zum anderen determiniert. Sofern der
nende< Negativität ist, dann ist der Mensch in seiner menschlichen
psychoanalytische Diskurs über den Objektpol des schweigenden Analy-
oder sprechenden Existenz nur ein - mehr oder weniger hinausge-
tikers dazu geeignet sein soll, dem Analysanten im Zwischenraums des
zögerter und seiner selbst bewusster - Tod (Kojeve, 1958, S. 238).
>Zwischen-zwei-Toden< eine Konfrontation mit diesem >Sein-zum-Tode<
Das besagt also, dass das menschliche Sein selbst nichts anderes zu ermöglichen, muss dieser Diskurs anders - subversiv - strukturiert
ist als [...] der Tod, der ein menschliches Leben lebt (ebd., S. 240). sein und versuchen, jeglichen Totalisierungsversuch zu hintertreiben (La-
can, 1969, S. 41). Für die Psychoanalyse wird ersichtlich, dass das
Schweigen - auch wenn es das Sprechen anhält - dennoch in eine
Annehmen des Todes
Sprachstruktur integriert und Teil von ihr ist. Anders ließe sich dies für
Dass auch Lacan dieses Annehmen des Todes als eine »rücksichtslose das Sprachwesen >Mensch< nicht vorstellen.
Hinnahme« versteht, wird da deutlich, wo er auf die Fragestellung
Kants, was dem Subjekt zu (er-)hoffen erlaubt sei, darauf abhebt, viel
Anmerkungen
wesentlicher sei, von wo aus das Subjekt hoffe (Lacan, 1973, S. 67).
Denn erst dieser Ort der Hoffnung bestimme, was erhofft werden könne. 1 Die Lacan-Zitate sind, wie auch alle weiteren französischen Referenztexte, eine
(Neu-(Übertragung des Verfassers (UK) ins Deutsche, da insh. lacanianische Tex-
Konkret besagt dies im Falle des psychoanalytischen Diskurses, das Un-
te in deutschen Übersetzungen hinsichtlich der für Lacan und dessen Sprachver-
bewusste zu erhellen, dessen Subjekt man ist. Generell nämlich sei, so ständnis charakteristischen Wort- und Sprachspiele /. T. unzureichend, z. T. ent-
Lacan (ebd., S. 66), dies von der Qualität eines Hoffens »auf eine bessere stellend und/oder missverständlich wiedergehen werden. Auf eine vollständige
Zukunft« und führe mitunter »ganz einfach in den Suizid«. Dieser sei als Zitation des französischen Originals wird - his auf charakteristische Termini
konsequent und bewusst verübte Selbsttötung »die einzige vollständig kursiv in eckigen Klammern [...] - aus Platzgründen verzichtet.
geglückte Handlung« (ebd., S. 66f.), da - allein - er eine bewusste wie 2 Vgl. die eigene Untersuchung (Kobbe, 1998a) zum sozialen Tod des Gilles de Rais
auch unbewusste Intention vollständig ausdrücke. Mit dieser Radikalität im Kontext einer totemistischen Verwertungspraxis in der Blaubart-Erzählung.

und Konsequenz wird verdeutlicht, dass es (in) der psychoanalytischen 3 Klarstellung: Diese Auffassung unterscheidet sich manifest von dem Begriff des
>anderen< oder >zweiten Todes< in der Offenbarung Johannis 21,7-8: »Wer über-
Praxis um ein bewusstes Annehmen des unbewussten Todestriebes geht
windet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein
und dass ein beispielsweise impulsiver Suizid(-versuch) aufgrund des Sohn sein, l Die feigen aber und Ungläubigen und frevler und Mörder und Un-
Fehlens einer Verantwortungsübernahme des Subjekts für sein - unbe- züchtigen und Zauberer und Götzendiener und aller Lügner, deren Teil wird in
wusstes - Begehren keine intentionale, ethisch verantwortete Handlung dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.«
ist, sondern vielmehr eine »passage ä l'acte«. In jedem Fall bleibt aus
psychoanalytischer Perspektive ausdrücklich anzuerkennen, dass »die Abbildungen
einzige in der Welt mögliche Begegnung« mit dem anderen wie mit sich
Die Umrisszeichnungen Donald Ducks wurden unter Verwendung des Grafik-
selbst diejenige ist, »welche es vor allem zu vermeiden gilt: die Begeg-
programms Serif DrawPlus 8 den Vorlagen Carl Barks' (vgl. Helnwein, 1993,
nung mit dem Tod« (Juranville, 1990, S. 317).
23) nachempfunden.

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