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Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Logik der Konstruktion - Vorabversion

Technische Universität Berlin Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren – Verbundstrukturen

1

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Inhaltsverzeichnis

Logik der Konstruktion

Logik der Konstruktion - Vorabversion

1

6 Einführung

3

7 Einwirkungen auf Bauwerke

4

7.1 Normensituation

4

7.2 Lastformen

5

7.3 Eigengewicht und Ausbaulasten

5

7.3.1 Eigenlasten nach DIN 1055-1:2002-06

6

7.3.2 Beispiele zum Eigengewicht

13

7.4

Verkehrslasten

14

7.4.1 Lotrechte Nutzlasten

14

7.4.2 Lasten auf Dächer

16

7.4.3 Verminderung der vertikalen Nutzlasten

17

7.4.4 Horizontale Nutzlasten

18

7.5

Wind

19

7.5.1 Geschwindigkeitsdruck q

19

7.5.2 Vereinfachte Annahme für den Geschwindigkeitsdruck

21

7.5.3 Aerodynamische Beiwerte

23

7.6 Schnee

35

7.7 Sonstige Beanspruchungen

42

7.7.1 Lotabweichung

42

7.7.2 Erddruck

44

7.7.3 Beispiele weitere Einwirkungsarten

45

8 Eigenschaften wichtiger Baustoffe

46

8.1

Stahl

46

8.1.1 Allgemeines

46

8.1.2 Übliche Querschnittsformen von Stahlprofilen

47

8.2

Holz

48

8.2.1 Allgemeines

48

8.2.2 Struktur und Wuchseigenschaften (DIN 4074)

48

8.2.3 Vollholz

49

8.2.4 Konstruktionsvollholz

49

8.2.5 Brettschichtholz (BSH)

50

8.2.6 Holzwerkstoffe

50

8.2.7 Holzfeuchte und Nutzungsklassen

52

8.2.8 Klassen der Lasteinwirkungsdauer

54

8.2.9 Festigkeitsänderung in Abhängigkeit von der Faserrichtung

56

8.2.10 Sortierung von Bauholz

57

8.2.11 Charakteristische Werte für Vollholz und Brettschichtholz

58

8.2.12 Modifikation der Festigkeit von Holz in Abhängigkeit von der Holzfeuchte und der

 

Belastungsdauer

59

8.3

Mauerwerk

62

8.3.1 Baustoffe

62

8.3.2 Mauerwerksverbände

69

8.3.3 Ausführung

69

8.3.4 Bemessung

73

8.3.5 Druckfestigkeiten für den Gebrauchsspannungsnachweis

73

8.3.6 Schubfestigkeit nach DIN 1053 Teil 1

78

8.4

Konstruktionsbeton

79

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2

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

6 Einführung

Der Vorlesungsteil „Logik der Konstruktion“ vermittelt die zum Entwurf, Konstruktion und zur Bemessung eines Tragwerks notwendigen Grundlagen. Es wird auf die materialspezifischen Besonderheiten bei der Bemessung der gebräuchlichsten Werkstoffe eingegangen. Die Vorlesung „Grundlagen des Entwerfen und Konstruierens“ räumt den Ausführungen zur Holzbauweise vergleichsweise viel Platz ein. Damit kann der Planungsablauf vom Vorentwurf bis zur Ausführungsplanung am Beispiel des Werkstoffes Holz dargestellt und von den Studierenden in Hausarbeiten, Seminaren und bei der Bearbeitung Ihres Entwurfes selbständig nachvollzogen werden. Die Werkstoffe Stahl und Konstruktionsbeton werden ausführlicher in den Vorlesungen „Konstruktiver Ingenieurbau I-III“ vorgestellt.

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Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

7 Einwirkungen auf Bauwerke

7.1

Normensituation

DIN 1055 Teil 100 regelt den grundsätzliche Umgang mit Einwirkungen auf Tragwerke und basiert auf dem Nachweisverfahren mit Teilsicherheitsbeiwerten (semiprobabilistisches Sicherheitskonzept).

Tabelle 7.1: Normen zur Bestimmung von Einwirkungen

Norm

Titel

DIN 1055

Einwirkungen auf Tragwerke

DIN 1055-1

(2002-06)

Wichten und Flächenlasten von Baustoffen, Bauteilen und Lagerstoffen

DIN 1055-2

(Entwurf 2003-02)

Bodenkenngrößen

DIN 1055-3

(2006-03)

Eigen- und Nutzlasten für Hochbauten

DIN 1055-4

(2005-03)

Windlasten

DIN 1055-5

(2005-07 )

Schnee- und Eislasten

DIN 1055-6

(2005-03)

Einwirkungen auf Silos und Flüssigkeitsbehälter

DIN 1055-7

(2002-11)

Temperatureinwirkungen

DIN 1055-8

(2003-01)

Einwirkungen während der Bauausführung

DIN 1055-9

(2003-08)

Außergewöhnliche Einwirkungen

DIN 1055-10

(2004-07)

Einwirkungen infolge Krane und Maschinen

DIN 1055-100

(2001-03)

Sicherheitskonzept und Bemessungsregeln

DIN Fachbericht 101 (2003-03)

Einwirkungen auf Brücken

DIN EN 1990 (2000-10)

Grundlagen

DIN EN 1991

Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke

DIN EN 1991-1

Allgemeine Einwirkungen auf Tragwerke

DIN EN 1991-1-1

(2002-10)

Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau

DIN EN 1991-1-2

(2003-09)

Brandeinwirkungen auf Tragwerke

DIN EN 1991-1-3

(2004-09)

Schneelasten

DIN EN 1991-1-3 / NA1

Nationales Anwendungsdokument zu den Schneelasten (Entwurf)

DIN EN 1991-1-4

(2005-07)

Windlasten

DIN EN 1991-1-4 / NA

Nationales Anwendungsdokument zu den Windlasten (Entwurf)

DIN EN 1991-1-5

(2004-07)

Temperatureinwirkungen

DIN EN 1991-1-6

(2005-09)

Einwirkungen während der Ausführung

DIN EN 1991-1-7

(2007-02)

Außergewöhnliche Einwirkungen

DIN EN 1991-2

Verkehrslasten auf Brücken

DIN EN 1991-3

Einwirkungen auf Silos und Flüssigkeitsbehälter

DIN EN 1991-4

Einwirkungen aus Kränen und anderen Maschinen

Kräfte, die von außen auf die Teile eines Bauwerks einwirken und keine Reaktionskräfte sind, werden Lasten genannt. Bei der Zusammenstellung der Lasten verwendet man üblicherweise folgende Einteilung:

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Logik der Konstruktion

Ständig wirkende Lasten:

Eigenlast des Tragwerks

Nach Art und Ort feststehende Ausbaulast

Nicht ständig wirkende Lasten:

Ausbaulast mit unbestimmten Einbauort

Lasten aus Umwelteinwirkungen (Schnee, Wind, Erddruck)

Nutzlasten und Betriebslasten

Während die Eigenlast des Tragwerks und die nach Art und Ort feststehende Ausbaulast in ihrer jeweiligen Größe berechnet und angesetzt werden, kann für Ausbaulasten mit unbestimmtem Einbauort und für Lasten aus Umwelteinwirkung nur mit Ersatzlasten gearbeitet werden.

Einwirkungen werden bezüglich ihrer zeitlichen Veränderung eingeteilt in:

ständige Einwirkungen (G) z.B. Eigenlasten

veränderliche Einwirkungen (Q) z.B. Schnee-, Wind-, Verkehrs- und Nutzlasten

außergewöhnliche Einwirkungen (A) z.B. Brandeinwirkung, Erdbeben, Explosion oder Anprall von Fahrzeugen

7.2 Lastformen

Kräfte, die auf ein Tragwerk einwirken, können in verschiedenen Formen auftreten:

a) b) c) d)
a)
b)
c)
d)

Bild 7.1: a) Punktlast, Pfeiler/ Stütze, Angabe in kN oder MN.1:

b) Linienlast, Sturz, Angabe in kN/m oder MN/m

c) Flächenlast, Deckenplatte, Angabe in kN/m² oder MN/m²

d) Volumenlast, Fundament, Angabe in kN/m² oder MN/m²

7.3 Eigengewicht und Ausbaulasten

Charakteristische Werte der Einwirkungen (Gk und Qk)

Der charakteristische Wert ist der wichtigste repräsentative Wert einer Einwirkung, von dem angenommen wird, dass er mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit im Bezugszeitraum unter Berücksichtigung der Nutzungsdauer des Tragwerks und der entsprechenden Bemessungssituation nicht überschritten oder unterschritten wird.

Bei den ständigen Einwirkungen handelt es sich um den 95%-Quantilwert. Das bedeutet, dass 95% aller Einwirkungen Werte kleiner oder gleich diesem charakteristischen Wert aufweisen.

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Logik der Konstruktion

Bei veränderlichen Einwirkungen ist der charakteristische Wert in der Regel so festgelegt, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% innerhalb der Bezugsdauer von einem Jahr (ggf. auch andere Bezugsdauern) nicht überschritten wird.

Die charakteristischen Werte sind in den entsprechenden Teilen der Normenreihe DIN 1055 angegeben. Für Einwirkungen, die nicht oder nicht vollständig in Normen oder anderen bauaufsichtlichen Bestimmungen geregelt sind, müssen die charakteristischen Werte in Absprache mit der zuständigen Bauaufsichtsbehörde festgelegt werden.

7.3.1 Eigenlasten nach DIN 1055-1:2002-06

Die im Folgenden aufgeführten Rechenwerte zur Ermittlung der Eigenlasten sind die bezogenen Schwerkräfte aus der Masse der Baustoffe:

F = m g

(7.1)

Die in dieser Norm angegebenen Werte stellen Rechenwerte dar, die nach Möglichkeit im Geltungsbereich nicht überschritten werden sollten. Muss in besonderen Fällen der Rechenwert für Baustoffe mit hohem Feuchtegehalt ermittelt werden, ist dieses durch angemessene Zuschläge zu berücksichtigen. Ist ein Abhebenachweis zu führen, so wird der minimale Wert benötigt, d.h. der Rechenwert muss abgemindert werden.

Rechenwerte der Eigenlasten

Tabelle 7.2: Wichten für Mauerwerk nach DIN 1055 T1 (Rechenwerte in kN/m³)

Rohdichte-

                 

klasse

0,35

0,4

0,45

0,5

0,55

0,6

0,65

0,7

0,8

Wichte a

5,5

6

6,5

7

7,5

8

8,5

9

10

Rohdichte-

                 

klasse

0,9

1

1,2

1,4

1,6

1,8

2

2,2

2,4

Wichte a

11

12

14

16

16

18

20

22

24

a Die Werte schließen den Fugenmörtel und die übliche Feuchte ein. Bei Mauerwerksteinen mit der Rohdichteklasse 1,4 dürfen bei Verwendung von Leicht- und Dünnbettmörtel die charakteristischen Werte um 1 kN/m³ vermindert werden

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Logik der Konstruktion

Tabelle 7.3: Flächenlasten für Putze ohne und mit Putzträger (Rechenwerte in kN/m²)

Zeile

Gegenstand

kN/m²

1

Drahtputz (Rabitzdecken und Verkleidungen), 30 mm Mörteldicke aus

2

Gipsmörtel

0 50

3

Kalk-, Gipskalk- oder Gipssandmörtel

0,60

4

Zementmörtel

0,80

5

Gipskalkputz

6

auf Putzträgern (z.B. Ziegeldrahtgewebe, Streckmetall) bei 30 mm Mörteldicke

0,50

7

auf Holzwolleleichtbauplatten mit einer Dicke von 15mm und Mörtel mit einer Dicke von 20 mm

0,35

8

auf Holzwolleleichtbauplatten mit einer Dicke von 25mm und Mörtel mit einer Dicke von 20 mm

0,45

9

Gipsputz, Dicke 15 mm

0,18

10

Kalk-, Kalkgips- und Gipssandmörtel, Dicke 20 mm

0,35

11

Kalkzementmörtel, Dicke 20 mm

0,40

12

Leichtputz nach DIN 18550-4, Dicke 20 mm

0,30

13

Putz aus Putz- und Mauerbinder nach DIN 4211, Dicke 20 mm

0,40

14

Rohrdeckenputz (Gips), Dicke 20 mm

0,30

15

Wärmedämmputzsystem (WDPS) Dämmputz,

16

Dicke 20 mm

0,24

17

Dicke 60 mm

0,32

18

Dicke 100 mm

0,40

19

Wärmedämmbekleidung aus Kalkzementputz mit einer Dicke von 20 mm und Holzwolleleichtbauplatten

20

Plattendicke 15 mm

0,49

21

Plattendicke 50 mm

0,60

22

Plattendicke 100 mm

0,80

23

Wärmedämmverputzsystem(WDVS) aus 15 mm dickem bewehrtem Oberputz und Schaumkunststoff nach DIN V 18164-1 und DIN 18164-2 oder Faserdämmstoff nach DIN V 18165-1 und DIN 18165-2

0,30

24

Zementmörtel, Dicke 20 mm

0,42

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7

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Tabelle 7.4: Beton (Rechenwerte in kN/m³)

Logik der Konstruktion

Zeile

 

Gegenstand

Wichte a kN/m³

 

Leichtbeton

 

1

 

Rohdichteklasse

2

 

0,5

5,0

3

 

0,6

6,0

4

 

0,7

7,0

5

 

0,8

8,0

6

 

0,9

9,0

7

 

1,0

10,0

8

 

1,2

12,0

9

 

1,4

14,0

10

 

1,6

16,0

11

 

1,8

18,0

12

 

2,0

20,0

 

Stahlleichtbeton

 

13

 

Rohdichteklasse

14

 

0,8

0,9

15

 

1,0

11,0

16

 

1,2

13,0

17

 

1,4

15,0

18

 

1,6

17,0

19

 

1,8

19,0

20

 

2,0

21,0

21

Normalbeton

24,0

22

Stahlbeton

25,0

23

Schwerbeton

> 28,0

a Bei Frischbeton sind die Werte um 1 kN/m³ zu erhöhen.

 

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8

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Tabelle 7.5: Wichten für Holz und Holzwerkstoffe (Rechenwerte in kN/m³)

Zeile

Gegenstand

Wichte kN/m³

1

Holz a

2

Nadelholz

5,0

3

Laubholz

Festigkeitsklassen

 

4

D 30 bis D 40

7,0

5

 

D

60

9,0

6

 

D

70

11,0

7

Holzwerkstoffe

8

Spanplatten nach DIN 68763

6,0

9

Baufurniersperrholz nach DIN 68705-3

6,0

10

Baufurniersperrholz nach DIN 68705-5

8,0

11

Holzfaserplatten, Typ HFM nach DIN 68754-1

7,0

12

Holzfaserplatten, Typ HFH nach DIN 68754-1

10,0

Die Werte für die Wichten beziehen sich auf einen halbtrockenen Zustand. Zuschläge für kleine Stahlteile (Verbindungsmittel), Hartholzteile und Anstriche sind enthalten

a

Tabelle 7.6: Dachdeckung - Teil 1: Flächenlasten für Deckungen aus Dachziegeln, Dachsteinen und Glasdeckstoffen (Rechenwerte in kN/m²)

   

Flächenlasten a

Zeile

Gegenstand

in kN/m²

1

Dachsteine aus Beton mit mehrfacher Fußverrippung und hochliegendem Längsfalz

2

bis 10 Stück/m²

0,50

3

über 10 Stück/m²

0,55

4

Dachsteine aus Beton mit mehrfacher Fußverrippung und tiefliegendem Längsfalz

5

bis 10 Stück/m²

0,60

6

über 10 Stück/m²

0,65

7

Biberschwanzziegel 155 mm x 375 mm und 180 mm x 380 mm und ebene Dachsteine aus Beton im Biberformat

8

Spließdach (einschließlich Schindeln)

0,60

9

Doppeldach und Kronendach

0,75

10

Falzziegel, Reformpfannen, Falzpfannen, Flachdachpfannen

0,55

11

Glasdeckstoffe

bei gleicher

Dachdeckungs-

art wie in den

Zeilen 1-9

12

großformatige Pfannen bis 10 Stück/m²

0,50

13

Kleinformatige Biberschwanzziegel und Sonderformate (Kirchen-, Turmbiber usw.)

0,95

14

Krempziegel, Hohlpfannen

0,45

15

Krempziegel, Hohlpfannen in Pappdocken verlegt

0,55

16

Mönch- und Nonnenziegel (mit Vermörtelung)

0,90

17

Strangfalzziegel

0,60

Die Flächenlasten gelten, soweit nicht anders angegeben, ohne Vermörtelung, aber einschließlich der Lattung. Bei einer Vermörtelung sind 0,1 kN/m² zuzuschlagen

a

Die Rechenwerte gelten für 1 m 2 Dachfläche ohne Sparren, Pfetten und Dachbinder.

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9

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Logik der Konstruktion

Tabelle 7.7: Dachdeckung - Teil 2: Flächenlasten von Schieferdeckung (Rechenwerte in kN/m²)

Zeile

Gegenstand

Flächenlasten

kN/m²

1

Altdeutsche Schieferdeckung und Schablonendeckung auf 24 mm Schalung, einschl. Vordeckung und Schalung

2

- in einfacher Deckung

0,50

3

- in doppelter Deckung

0,60

4

Schablonendeckung auf Lattung, einschließlich Lattung

0,45

Tabelle 7.8: Flächenlasten von Fußboden- und Wandbelägen (Rechenwerte in kN/m² je cm Dicke)

Zeile

Gegenstand

Flächenlast je cm Dicke kN/m²/cm

1

Asphaltbeton

0,24

2

Asphaltmastix

0,18

3

Gussasphalt

0,23

4

Betonwerksteinplatten, Terazzo, kunstharzgebundene Werksteinplatten

0,24

5

Estrich

6

Caciumsulfatestrich (Anhydritestrich, Natur-, Kunst- und REA a - Gipsestrich)

0,22

7

Gipsestrich

0,20

8

Gussasphaltestrich

0,23

9

Industrieestrich

0,24

10

Kunstharzestrich

0,22

11

Magnesiaestrich nach DIN 272 mit begehbarer Nutzschicht bei ein- oder mehrschichtiger Ausführung

0,22

12

Unterschicht bei mehrschichtiger Ausführung

0,12

13

Zementestrich

0,22

14

Glasscheiben

0,25

15

Gummi

0,15

16

Keramische Wandfliesen (Steingut einschl.Verlegemörtel)

0,19

17

Keramische Bodenfliesen ( Steinzeug und Spaltplatten, einschl. Verlegemörtel)

0,22

18

Kunststoff - Fußbodenbelag

0,15

19

Linoleum

0,13

20

Natursteinplatten (einschl. Verlegemörtel)

0,30

21

Teppichboden

0,03

a Rauchgasentschwefelungsanlage

 

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10

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Tabelle 7.9: Dämmstoffe - Platten, Matten oder Bahnen (Rechenwerte in kN/m² je cm Dicke)

Zeile

Gegenstand

Flächenlast je cm Dicke kN/m²/cm

1

Asphaltplatten

0,22

2

Holzwolleleichtbauplatten nach DIN 1101

3

Plattendicke 100 mm

0,06

4

Plattendicke 100 mm

0,04

5

Kieselgurplatten

0,03

6

Korkschrotplatten aus imprägniertem Kork nach DIN 18161-1, bitumiert

0,02

7

Mehrschicht-Leichtbauplatten nach DIN 1102 unabhängig von der Dicke

8

Zweischichtplatten

0,05

9

Dreischichtplatten

0,09

10

Korkschrotplatten aus Backkork nach DIN 18161-1

0,01

11

Perliteplatten

0,02

12

Polyurethan-Ortschaum nach DIN 18159-1

0,01

13

Schaumglas (Rohdichte 0,07 g/cm³) in Dicken von 4 cm bis 6 cm mit Pappekaschierung und Verklebung

0,02

14

Schaumkunststoffplatten nach DIN V 18164-1 und DIN 18164-2

0,004

15

Faserdämmstoffe nach DIN V 18165-1 und DIN 18165-2 (z.B. Glas-, Schlacken-, Steinfaser)

0,01

Tabelle 7.10:

Flächenlasten für Gips-Wandbauplatten nach DIN EN 12859 und Gipskartonplatten nach DIN 18180

   

Rohdichteklas

Flächenlast je cm Dicke kN/m²

Zeile

Gegenstand

se

1

Porengips - Wandbauplatten

0,7

0,07

2

Gips - Wandbauplatten

0,9

0,09

3

Gipskartonplatten

---

0,09

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11

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Tabelle 7.11:

Flächenlasten von Dach- und Bauwerksabdichtungen mit Bitumen- und Kunststoffbahnen sowie Elastomerbahnen (Rechenwerte in kN/m² je Lage)

Zeile

Gegenstand

Flächenlast

kN/m²

 

Bahnen im Lieferzustand

1

Bitumen- und Polymerbitumen - Dachdichtungsbahn nach DIN 52130 und DIN 52132

0,04

2

Bitumen- und Polymerbitumen - Schweißbahn nach DIN 52131 und DIN 52133

0,07

3

Bitumen - Dichtungsbahn mit Metallbandeinlage nach DIN 18190-4

0,03

4

nackte Bitumenbahn nach DIN 52129

0,01

5

Glasvlies - Bitumen - Dachbahn nach DIN 52143

0,03

6

Kunststoffbahnen, 1,5 mm Dicke

0,02

 

Bahnen in verlegtem Zustand

7

Bitumen- und Polymerbitumen - Dachdichtungsbahn nach DIN 52130 und DIN 52132, einschl. Klebemasse bzw. Bitumen- und Polymerbitumen - Schweißbahn nach DIN 52131 und DIN 52133, je Lage

0,07

8

Bitumen - Dichtungsbahn nach DIN 18190-4, einschl. Klebemasse, je Lage

0,06

9

nackte Bitumenbahn nach DIN 52129, einschl. Klebemasse, je Lage

0,04

10

Glasvlies - Bitumen - Dachbahn nach DIN 52143, einschl. Klebemasse, je Lage

0,05

11

Dampfsperre, einschl. Klebemasse bzw. Schweißbahn, je Lage

0,07

12

Ausgleichsschicht, lose verlegt

0,03

13

Dachabdichtungen und Bauwerksabdichtungen aus Kunststoffbahnen, lose verlegt, je Lage

0,02

 

Schwerer Oberflächenschutz auf Dachabdichtungen

14

Kiesschüttung, Dicke 5 cm

1,0

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12

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

7.3.2 Beispiele zum Eigengewicht

Dachaufbau Aufbau eines Warmdaches

Logik der Konstruktion

Dachaufbau Aufbau eines Warmdaches Logik der Konstruktion Bild 7.2: Dachaufbau eines Warmdaches   Bauteil

Bild 7.2:

Dachaufbau eines Warmdaches

 

Bauteil

Maße

 

Wichten

Eigengewicht [kN/m²]

 

[cm]

 

1.+ 2. Dacheindeckung (Falzziegel einschl. Lattung)

---

0,55 kN/m 2

0,55

3. Konterlattung e=80 cm

3

/ 5

5

kN/m 3

0,03m · 0,05m · 5 kN/m³ / 0,8m =

   

0,009

4. Unterspannfolie

 

0,02 kN/m²

0,02

je Lage

5. Sparren

e=80 cm

8 / 20

5

kN/m³

0,20m · 0,08m · 5 kN/m³ / 0,8m = 0,1

6. Wärmedämmung

20

0,01 kN/m² je cm Dicke

20 cm · 0,01kN/m² = 0,20

(Mineralwolle)

 

7.

Dampfsperre

 

0,07 kN/m²

0,07

 

je Lage

9.

Gipskartonplatten

1,25

0,09 KN/m² je cm Dicke

1,25 · 0,09kN/m² = 0,11

10. Rauhspundschalung

1,0

6

kN/m³

0,01m · 6kN/m³ = 0,06

11. Lattung

e=80 cm

4

/ 6

5

kN/m³

0,04 m · 0,06m · 5kN/m³ / 0,8m =

     

0,015

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g k = 1,13 kN/m²

13

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

7.4

Verkehrslasten

Logik der Konstruktion

Nutzlasten nach DIN 1055 T3 (10/02)

Die Nutzlast ist die veränderliche oder bewegliche Belastung des Bauteils (z.B. Personen, Einrichtungsstücke, unbelastete leichte Trennwände). Demgegenüber ist die ständige Last die Summe der unveränderlichen Lasten, also das Gewicht der tragenden Bauteile und der unveränderlichen, von den tragenden Bauteilen dauernd aufzunehmenden, Lasten.

7.4.1 Lotrechte Nutzlasten

Hinweis zu Tabelle 7.12:

1,5 kN/m 2 entspricht einer Belastung durch zwei Personen (à 75 kg) auf jedem Quadratmeter der Deckenfläche.

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14

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Tabelle 7.12:

Gleichmäßig verteilte lotrechte Nutzlasten für Decken, Treppen, Balkone q k (kN/m 2 ) bzw. Q k (kN)

       

q

k

Q

k

Zeile

Kategorie

Nutzung

Beispiele

kN/m 2

kN

1

 

A1

Spitzboden

Für Wohnzwecke nicht geeigneter, aber zugänglicher Dachraum bis 1,80 m lichter Höhe

1,0

1,0

     

Räume mit ausreichender Querverteilung der Lasten;

   

A

Wohn- und

Räume und Flure in Wohngebäuden, Bettenräume in Krankenhäusern, Hotelzimmer einschl. zugehöriger Küchen und Bäder

2

A2

Aufenthaltsräume

1,5

---

3

A3

 

wie A2, aber ohne ausreichende Querverteilung der Lasten

2,0 c

1,0

       

Flure in Bürogebäuden, Büroflächen, Arztpraxen,

   

4

B1

Büroflächen,

Stationsräume, Aufenthaltsräume einschl. der Flure, Kleinviehställe

2,0

2,0

 

B

 

Arbeitsflächen,

Flure in Krankenhäusern, Hotels, Altenheimen, Internaten

   

5

B2

Flure

usw.; Küchen und Behandlungsräume einschl. Operationsräume ohne schweres Gerät

3,0

3,0

6

B3

wie B2, jedoch mit schwerem Gerät

5,0

4,0

7

 

C1

 

Flächen mit Tischen; z.B. Schulräume, Cafés, Restaurants, Speisesäle, Lesesäle, Empfangsräume

3,0

4,0

   

Räume,

Flächen mit fester Bestuhlung; z.B. Flächen in Kirchen, Theatern oder Kinos, Kongresssäle, Hörsäle, Versammlungsräume, Wartesäle

   

8

C2

Versammlungs-

4,0

4,0

räume und Flächen,

   

Frei begehbare Flächen; z.B. Museumsflächen,

   

9

C

C3

die der Ansammlung von

Personen dienen können

Ausstellungsflächen usw. und Eingangsbereiche in öffentlichen Gebäuden oder Hotels, nicht befahrbare Hofkellerdecken

5,0

4,0

(mit Ausnahme von

   

Sport- und Spielflächen; z. B: Tanzsäle, Sporthallen, Gymnastik- und Kraftsporträume, Bühnen

   

10

C4

unter A, B, D und E festgeleg-ten Kategorien)

5,0

7,0

   

Flächen für große Menschenansammlungen; z.B. in

   

11

C5

 

Gebäuden wie Konzertsäle, Terrassen und Eingangsbereiche sowie Tribünen mit fester Bestuhlung

5,0

4,0

12

 

D1

 

Flächen von Verkaufsräume bis 50 m 2 Grundfläche in Wohn-, Büro und vergleichbaren Gebäuden

2,0

2,0

13

D

D2

Verkaufsräume

Flächen in Einzelhandelsgeschäften und Warenhäusern

5,0

4,0

14

D3

Flächen wie D2, jedoch mit erhöhten Einzellasten infolge hoher Lagerregale

5,0

7,0

15

 

E1

Fabriken und

Flächen in Fabriken a und Werkstätten a mit leichtem Betrieb und Flächen in Großviehstellen

5,0

4,0

Werkstätten, Ställe,

Lagerräu-me und

16

E2

Lagerflächen, einschl. Bibliotheken

6,0 b

7,0

 

E

 

Zugänge, Flächen

Flächen in Fabriken a und Werkstätten a mit mittlerem oder schwerem Betrieb, Flächen mit regelmäßiger Nutzung durch erhebliche Menschenansamm-lungen, Tribünen ohne feste Bestuhlung

   

mit erheblichen

17

E3

Menschen-

7,5 b

10,0

ansammlungen

18

 

T1

 

Treppen und Treppenpodeste der Kategorie A und B1 ohne nennenswerten Publikumsverkehr

3,0

2,0

   

Treppen und

Treppen und Treppenpodeste der Kategorie B1 mit

   

19

T

d

T2

erheblichem Publikumsverkehr, B2 bis E sowie alle Treppen, die als Fluchtweg dienen

5,0

2,0

Treppenpodeste

20

 

T3

Zugänge und Treppen von Tribünen ohne feste Sitzplätze, die als Fluchtweg dienen

7,5

3,0

21

 

d

 

Zugänge, Balkone

Dachterrassen, Laubengänge, Loggien usw., Balkone, Ausstiegspodeste

4,0

2,0

Z

und Ähnliches

Nutzlasten in Fabriken und Werkstätten gelten als vorwiegend ruhend. Im Einzelfall sind sich häufig wiederholende Lasten je nach Gegebenheit als nicht vorwiegend ruhende lasten nach 6.4 einzuordnen.

a

 

Bei diesen Werten handelt es sich um Mindestwerte. In Fällen, in denen höhere Lasten vorherrschen, sind die höheren Lasten anzusetzen

b

Für die Weiterleitung der Lasten in Räumen mit Decken ohne ausreichende Querverteilung auf stützende Bauteile darf der angegebene Wert um 0,5 kN/m² abgemindert werden

c

Hinsichtlich der Einwirkungskombinationen nach DIN 1055-100 sind die Einwirkungen der Nutzungskategorie des jeweiligen Gebäudes oder Gebäudeteils zuzuordnen

d

 

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15

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Leichte Trennwände

Statt eines genauen Nachweises darf der Einfluss leichter unbelasteter Trennwände bis zu einer Höchstlast von 5 kN/m Wandlänge durch einen gleichmäßig verteilten Zuschlag zur Nutzlast (Trennwandzuschlag) berücksichtigt werden.

Ausgenommen sind Wände mit einer Last von mehr als 3 kN/m Wandlänge, die parallel zu den Balken von Decken ohne ausreichende Querverteilung stehen. Hier ist ein genauer Nachweis erforderlich.

Als Zuschlag zur Nutzlast ist bei Wänden, die einschließlich des Putzes höchstens eine Last von 3 kN/m Wandlänge erbringen, mindestens 0,8 kN/m², bei Wänden, die mehr als eine Last von 3 kN/m und von höchstens 5 kN/m Wandlänge erbringen, mindestens 1,2 kN/m² anzusetzen. Das Wandgewicht einschließlich Putz ist dabei nach DIN 1055-1 nachzuweisen.

Also:

z TW = 0,8 kN/m²

für g TW 3 kN/m Wandlänge

z TW = 1,2 kN/m²

für 3 kN/m < g TW 5 kN/m Wandlänge

Bei Verkehrslasten von 5,0 kN/m 2 und mehr kann der Zuschlag entfallen.

Lasten infolge beweglicher Trennwände müssen als Nutzlast betrachtet werden.

7.4.2 Lasten auf Dächer

Es ist eine Einzellast von 1 kN bemessungsmaßgebend anzuordnen. Die Nutzlast braucht nicht mit Schneelasten überlagert zu werden.

Tabelle 7.13: Nutzlasten für Dächer nach DIN 1055-100

Nutzung

Q k [kN]

Kategorie H:

außer für übliche Erhaltungsmaßnahmen, Reparaturen

nicht begehbare Dächer,

1

Q k = 1 kN α
Q k = 1 kN
α

Bild 7.3: Nutzlasten für Dächer

Bei auskragenden Bauteilen ist die Einzellast am Kragarmende anzusetzen. Für Dachlatten sind zwei in den äußeren Viertelspunkten angreifende Einzellasten von 0,5 kN anzunehmen. Bei Sparrenabständen bis ca. 1 m ist kein Nachweis von hölzernen Dachlatten erforderlich, wenn sie einen Querschnitt haben, der sich erfahrungsgemäß bewährt hat.

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16

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

 

0,5 kN

 

0,5 kN

 
 
   
   
 
 
 
 
  l/4 l/2   l/4  
 

l/4

  l/4 l/2   l/4  

l/2

 
  l/4 l/2   l/4  

l/4

  l/4 l/2   l/4  
 
  l      
 

l

   
  l      
 

1.

Bild 7.4: Ansatz von Einzellasten bei Dachlatten

7.4.3 Verminderung der vertikalen Nutzlasten

Logik der Konstruktion

Verminderung der Nutzlasten in Abhängigkeit der Geschossanzahl

Bei der Berechnung von Bauteilen (wie Stützen, Unterzüge, Wandpfeiler, Grundmauern und dergleichen), die die Lasten von mehr als zwei Vollgeschossen aufnehmen, und bei der Ermittlung der entsprechenden Bodenpressung darf die durch Zusammenzählen der Nutzlasten der einzelnen Geschosse sich ergebende Gesamtnutzlast nach folgenden Regeln ermäßigt werden.

Die Nutzlasten, die zur Bemessung eines Traggliedes, z.B. einer Wand erforderlich sind, dürfen nach Gleichung (7.2) abgemindert werden:

q

ges

= α

n

q

ges

(7.2)

mit

wobei n (n>2) die Anzahl der Geschosse oberhalb des belasteten Bauteils ist

Die Nutzlasten von Treppen und Treppenpodesten, sowie von Fabriken und Werkstätten, dürfen nicht abgemindert werden.

Zu beachten ist weiterhin, dass bei Ermittlung der maßgeblichen Einwirkungskombination die Nutzlast als Summe der Nutzlasten aller Geschosse aufzufassen ist und insgesamt eine unabhängige Einwirkung darstellt.

α n = 0,7 +0,6/n

Verminderung der Nutzlasten in Abhängigkeit der Lasteinzugsfläche

Bei der Lastweiterleitung auf sekundäre Tragglieder - wie beispielsweise Wände, Stützen, Unterzüge – darf die Nutzlast nach Gleichung (7.3) abgemindert werden:

q

sekundär

= α

A

q

primär

mit

α A = 0,5 +10/A 1,0

α A = 0,7 +10/A 1,0

und A Einzugsfläche des sekundären Traggliedes in m² (Lasteinflussfläche) Für die Bezeichnung der Kategorien siehe Tabelle 7.12.

Eine gleichzeitige Berücksichtigung beider Abminderungen ist nicht zulässig! Es darf jedoch der günstigere Wert α = min (α n , α A ) angesetzt werden.

in den Kategorien A, B und Z

in den Kategorien C bis E1

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(7.3)

17

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

7.4.4 Horizontale Nutzlasten

Logik der Konstruktion

Als horizontale Nutzlasten auf Brüstungen, Geländern und anderen Konstruktionen, die als Absperrung dienen sind die folgenden Horizontallasten anzusetzen:

Horizontallast q k in Holmhöhe an Brüstungen, Geländern und Absperrungen:

Es ist anzusetzen: H = q k =

0,5 kN/m

- bei Absperrungen in Spitzböden, Wohn- und Aufenthaltsräumen, Büroflächen, Arbeitsflächen, Fluren;

bei Treppen und Treppenpodeste in Wohn-, Aufenthaltsräumen und Büroflächen, Dachterrassen, Balkone, Ausstiegspodeste

-

1,0 kN/m

- bei Absperrungen in Versammlungsräumen, Verkaufsräumen, Fabriken und Werkstätten;

- bei Treppen und Treppenpodeste in Krankenhäusern, Hotels, Altenheimen usw.

H
H

Bild 7.5: Ansatz einer waagerechten Nutzlast

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18

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

7.5

Wind

Windlasten werden als freie, veränderliche Einwirkungen eingestuft. Sie werden in Form von Winddruck und daraus resultierenden Windkräften erfasst. Die Windlast ist unabhängig von der Himmelsrichtung zu berechnen.

Der Winddruck auf eine Außenfläche eines Bauwerks wird wie folgt berechnet:

(7.4)

w

e

=

c

pe

q(z

e

)

mit

 

c

pe

aerodynamischer Beiwert für den Außendruck

z

e

Bezugshöhe für den Außendruck

q

Geschwindigkeitsdruck

7.5.1

Geschwindigkeitsdruck q

Zwischen dem Geschwindigkeitsdruck und der Windgeschwindigkeit besteht folgender Zusammenhang:

q

=

ρ

2

mit

ρ

Luftdichte

ρ ~ 1,25 kg / m³

Windzonen

(7.5)

Die in DIN 1055-4 angegebene Windzonenkarte teilt das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in vier Windzonen ein. Für die Windzonen sind Windgeschwindigkeiten v ref und die entsprechenden Winddrücke q ref angegeben (vgl. Bild 7.6). Die Werte für v ref sind gemittelte Messwerte, die in 10 m Höhe über dem Boden gemessen wurden und die nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitstheorie nur einmal in 50 Jahren überschritten werden.

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19

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

des Entwerfens und Konstruierens Logik der Konstruktion Bild 7.6: Windzonenkarte Deutschland Höhenabhängiger

Bild 7.6: Windzonenkarte Deutschland

Höhenabhängiger Geschwindigkeitsdruck

Das Profil der Windbelastung hängt von der Beschaffenheit des Bodens (Bodenrauhigkeit durch Bebauung und Bewuchs) ab; mit zunehmender Höhe über dem Boden nimmt die Windgeschwindigkeit und damit der Winddruck zu. Geschwindigkeitsdruck q(z) in Abhängigkeit von der Höhe:

im Binnenland:

q(z)

q(z)

= 1,5 q

=

1,7

q

ref

ref

⎛ ⎜ z

10

0,37

für z 7 m

für 7 m < z 50 m

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(7.6)

(7.7)

20

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

in küstennahen Gebieten sowie auf den Inseln der Ostsee:

q(z) = 1,8 q

ref

q(z)

=

2,3

q

ref

 

für z 4 m

(7.8)

 

0,27

für 4 m < z 50 m

(7.9)

z

10

auf den Inseln der Nordsee:

q(z) = 1,1 kN / m

q(z)

=

1,5

q

ref

2

 

für z 2 m

(7.10)

 

0,19

für 2 m < z 300 m

(7.11)

z

10

mit:

q ref

aus Bild 7.6

z Höhe über Gelände

Bei Ermittlung des Geschwindigkeitsdrucks nach der vereinfachten Annahme nach Kapitel 7.5.2 entfällt die Staffelung.

7.5.2 Vereinfachte Annahme für den Geschwindigkeitsdruck

Für Bauwerke bis zu einer Höhe von 25 m kann der Winddruck in einer vereinfachten Form bestimmt werden.

In Abhängigkeit der Gebäudehöhe wird anhand Tabelle 7.14 ein Geschwindigkeitsdruck ermittelt, der dann als konstanter Wert über die ganze Höhe anzusetzen ist.

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21

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Tabelle 7.14: Vereinfachte Geschwindigkeitsdrücke q für niedrige Bauwerke

 

Windzone

   

Geschwindigkeitsdruck q in kN/m²

 
   

h 10 m

 

10 m < h 18 m

18 m < h 25 m

1

 

Binnenland

   

0,5

 

0,65

0,75

2

 

Binnenland

   

0,65

 

0,80

0,90

Küste und Inseln der Ostsee

 

0,85

 

1,00

1,10

3

 

Binnenland

   

0,80

 

0,95

1,10

Küste und Inseln der Ostsee

 

1,05

 

1,20

1,30

 

Binnenland

   

0,95

 

1,15

1,30

4

Küste der Nord- und Ostsee und Inseln der Ostsee

 

1,25

 

1,40

1,55

Inseln der Nordsee

 

1,40

 

-

-

Tabelle

7.15

vermittelt

einen

anschaulichen

Vergleich

zwischen

Windstärke

und

Windgeschwindigkeit.

 

Tabelle 7.15: Windstärken und Windgeschwindigkeiten

 

Windstärke

 

Windgeschwindigkeit in m /

Bezeichnung

 
   

s

1

 

0,3

-

1,5

schwacher Wind

 

2

 

1,6

-

3,3

schwacher Wind

 

3

 

3,4

-

5,4

schwacher Wind

 

4

 

5,5

-

7,9

mäßiger Wind

 

5

 

8,0

-

10,7

frischer Wind

 

6

 

10,8

-

13,8

starker Wind

 

7

 

13,9

-

17,1

starker bis stürmischer Wind

8

 

17,2 - 20,7

 

Sturm

9

 

20,8 - 24,4

 

Sturm

10

 

24,5 - 28,4

 

schwerer Sturm

 

11

 

28,5 - 32,6

 

orkanartiger Sturm

 

12

 

32,7

 

Orkan

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22

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

Bezugshöhe zur Ermittlung des Geschwindigkeitsdrucks

Der Wert des Geschwindigkeitsdrucks ändert sich nach den Gleichungen (7.6) bis (7.11) mit der Höhe. Bei geneigten Dächern sowie Flachdächern wird über die gesamte Dachfläche ein konstanter Geschwindigkeitsdruck q(z e ) angesetzt. Als Bezugshöhe z e wird die größte Höhe des Daches angesetzt.

7.5.3 Aerodynamische Beiwerte

Die Außendruckbeiwerte c pe für Bauwerke und Bauteile hängen von der Größe der Lasteinzugsfläche A ab. In den Tabellen der DIN 1055-4 sind deshalb die aerodynamischen Beiwerte für eine Lasteinzugsfläche von 1 m² (c pe.1 ) bzw. von 10 m² (c pe,10 ) angegeben. Die Werte für Lasteinzugsflächen kleiner als 10 m² sind jedoch nur für Nachweise von Verankerungen von Bauteilen zu verwenden, in dem Fall ist der Beiwert nach Gleichung (7.12) bzw. Bild 7.7Bild 7.7 zu ermitteln, ansonsten ist unabhängig von der Größe der Lasteinzugsfläche der Wert c pe,10 zu verwenden.

⎧ A ≤ 1m² c pe,1 = ⎪ ⎨ + (c − c ) ⋅
A
1m²
c pe,1
=
+
(c
c
) ⋅ log A
für
1m²
<
A
10 m²
(7.12)
c pe
c pe,1
pe,10
pe,1
A
> 10 m²
c pe,10
c pe
c pe,1
c pe,10
0,1
1
2
4
8
10
A in m²
Bild 7.7: Außendruckbeiwert in Abhängigkeit von der Lasteinzugsfläche A

Vertikale Wände Für die Wände von Baukörpern mit mit rechteckigem Grundriss werden die Außendrücke über die Baukörperhöhe gestaffelt angesetzt. Dazu wird angenommen, dass der Druck in horizontalen Streifen nach über die Streifenhöhe konstant ist. Als Bezugshöhe z e für den Geschwindigkeitsdruck q(z e ) des jeweiligen Streifens ist seine Oberkante anzusetzen. Die Staffelung erfolgt in Abhängigkeit des Verhältnisses von Baukörperhöhe zu -breite, h/b, in folgender Weise:

- Für Baukörper, für die h b gilt, wird ein einziger Streifen der Höhe h angenommen

- Für Baukörper b < h 2b wird ein untere Streifen der Höhe b sowie ein oberer Streifen der Höhe (h - b) angenommen

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23

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

- Für Baukörper h > 2b wird ein unterer Streifen der Höhe b sowie ein oberer Streifen, der Höhe b, der sich von (h - b) bis h erstreckt, angenommen. Der Zwischenbereich wird in eine angemessene Anzahl von weiteren Streifen unterteilt.

eine angemessene Anzahl von we iteren Streifen unterteilt. h ≤ b b < h ≤ 2b
h ≤ b
h ≤ b

b < h 2b

h > 2b

Bild 7.8: Staffelung des Geschwindigkeitsdrucks über die Höhe

Die vertikalen Außenflächen werden in 5 Bereiche eingeteilt, für die die Werte c pe,1 und c pe,10 angegeben sind (Bild 7.8 sowie Tabelle 7.16).

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24

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

des Entwerfens und Konstruierens Logik der Konstruktion Bild 7.9: Einteilung der Wandflächen bei vertikalen

Bild 7.9: Einteilung der Wandflächen bei vertikalen Wänden, mit:

e = b oder e = 2 h, der kleinere Wert ist maßgebend b: Abmessung quer zum Wind h: Höhe der belasteten vertikalen Wand

Die Außendruckbeiwerte c pe,1 (z e ) und c pe,10 (z e ) werden in Tabelle 7.16 für die Bereiche A bis E nach Bild 7.9 angegeben. Die windparallelen Wände werden dabei in maximal drei Bereiche nach Bild 7.8 in Abhängigkeit vom Verhältnis d/h eingeteilt. A, B, C, D und E nach Bild 7.9

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25

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Logik der Konstruktion

werden in Tabelle 7.16 in Abhängigkeit vom Verhältnis h/d angegeben. Zwischenwerte dürfen linear interpoliert werden.

Tabelle 7.16: Außendruckbeiwerte für vertikale Wände rechteckiger Bauwerke

Zone

 

A

   

B

   

C

   

D

   

E

h/d

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

5

-1,4

-1,7

-0,8

-1,1

-0,5

-0,7

+0,8

+1,0

-0,5

-0,7

1

-1,2

-1,4

-0,8

-1,1

 

-0,5

 

+0,8

+1,0

 

-0,5

0,25

-1,2

-1,4

-0,8

-1,1

 

-0,5

 

+0,7

+1,0

-0,3

-0,5

Anmerkungen:

 

Für einzeln, in offenem Gelände stehende Gebäude können im Sogbereich auch größere Sogkräfte auftreten.

Zwischenwerte können linear interpoliert werden

 

Flachdächer

Für Flachdächer (Dachneigung kleiner als 5°) sind die Außendruckbeiwerte in den Bereichen nach der Tabelle 7.17 zu entnehmen.

In Bild 7.10 ist e = b oder 2h, der kleinere Wert ist maßgebend.

d mit Attika F Wind Wind G H I abgerundeter oder schräger Dachbereich r Wind
d
mit Attika
F
Wind
Wind
G
H
I
abgerundeter oder schräger Dachbereich
r
Wind
F
e/10
e/2
e/4
e/4
b
z
e =h
h
h p
z
e

Bild 7.10: Einteilung der Dachflächen bei Flachdächern

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26

Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens

Tabelle 7.17: Außendruckbeiwerte für Flachdächer

Logik der Konstruktion

   

Bereich

 
 

F

   

G

   

H

   

I

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

c

pe,10

c

pe,1

               

+0,2

 

scharfkantiger Traufbereich

-1,8

-2,5

-1,2

-2,0

-0.7

-1,2

-0,6

 

h

p /h=0,02

             

+0,2

 

5

-1,6

-2,2

-1,1

-1,8

-0,7

-1,2

-0,6

               

+0,2

 

mit Attika

h

p /h=0,05

-1,4

-2,0

-0,9

-1,6

-0,7

-1,2

 
   

-0,6

 
               

+0,2

 

h

p /h=0,10

-1,2

-1,8

-0,8

-1,4

-0,7

-1,2

 
   

-0,6

 
 

r/h=0,05

-1,0

-1,5

-1,2

-1,8

 

-0,4

   

± 0,2

 

abgerundeter

r/h=0,10

-0,7

-1,2

-0,8

-1,4

 

-0,3

   

± 0,2

 

Traufbereich

r/h=0,20

-0,5

-0,8

-0,5

-0,8

 

-0,3

   

± 0,2

 
   

α = 30°

-1,0

-1,5

-1,0

-1,5

 

-0,3