HERMANN STODTE

KOHLHAMMER

Das Nibelungenlied

Das
Nibelungenlied

Nach dem Urtext
erneuert
von Hermann Stodte

W. Kohlhammer Verlag

Nachdruck verboten – Alle Rechte vorbehalten
© Copyright by Verlag W. Kohlhammer GmbH, erstmalig 1956
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Druck: W. Kohlhammer Stuttgart 1956

 1917 in Flandern) . X. Gerda und dem Andenken an Gerhard († 4. Richardsen).Meinen Kindern Gunther. Gertrud (geb.

.

das Dunkel der Sprache und Form erhellt zu haben. aber doch im heutigen Lebenssinn tot sei. fehlt kein Zug des menschlichen Zusammenlebens.Vorwort   Die mittelhochdeutsche Dichtung. die dem Einzelnen als höhere Lebensordnung zugeordnet ist.   Das N i b e l u n g e n l i e d ist das große Sinnbild für den Zusammenbruch des Ganzen. Kampf und Tod. Erst die Romantik hat sie wieder entdeckt und als etwas Großes und sonderlich Deutsches gewürdigt. daß es den Schöpfern der großen epischen Dichtungen auf mehr angekommen ist als auf mächtige Gestalten und großartige Vorgänge. der reinste Ausdruck des deutschen Lebens in seiner kulturellen Hochblüte um 1200. der Sippe. das wohl merkwürdig und wertvoll. die sich aus einem Zwiespalt zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft ergeben. Liebe.  Erst nachdem das Bild des Mittelalters deutlicher in unser Bewußtsein getreten ist. Sie wußten um das Wesen der Gemeinschaft. Von ihrem Stand aus galt diese Dichtung als ein Erbe. zerstört wird. erzwingt den tragischen Ablauf. Die germanistische Wissenschaft des letzten Jahrhunderts hat das Verdienst. war jahrhundertelang versunken. aus den sittlichen Bindungen wachsend. Ehe über Tatenruhm und herrliche Feste bis zu Verrat. Mord. Aber zum L e b e n ist diese Dichtung noch nicht erweckt. Renaissance und Humanismus haben in ihren Auswirkungen das alte Bild überdeckt. das sich in und mit dem Mittelalter abgelebt habe. Eine unerbittliche Folgerichtigkeit. Denn von Kindheit. und zwar des Kerns aller Gemeinschaft. als eine ganze reiche Welt damit versinkt. Wir spüren unsere nahe Verwandtschaft mit den Menschen jener Vergangenheit und ahnen. hat sich unser Blick geschärft für den zeitlosen Gehalt auch jener dichterischen Meisterwerke. . Um so erschütternder ist der Untergang. Jugendglück. um die Gefahren. wenn durch die Tat eines Einzelnen die Ordnung der Gemeinschaft.

– Der erste Übersetzer des Liedes. Hagen. daß dieses Wunderwerk. Die alte Sprache. bildet für das große Volk die trennende Schranke. dem Volke fremd ist. aus Simrocks dankenswerter Übersetzung gewonnen. Annahme des verhängten Schicksals und doch Kampf um den letzten Blutstropfen. Heinrich v. Giselher. grausige Todesnot und dabei grimmiger Humor bis zum Trinken des Feindesblutes. Noch immer steht es so. als er in seiner Einleitung (1807) „das Lied der Nibelungen. Dramen. meist Siegfried und sein Schicksal in der Vordergrund gerückt. Gedichte. und dann nur aus zweiter Hand. Dietrich. der Glanz feinster höfischer Kultur und die elementarsten menschlichen Leidenschaften. männliche Lebensfreude bei Kampfspiel und Jagd neben furchtbarstem Mord zwischen Quell und Blumen. aber es in heldischem Trotz herausfordert. einen neuen Versuch zu machen. aber gehoben ist er nicht. Iring. Nicht einmal alle die großartigen Motive sind ihm vertraut. das nach Goethe’s Wort zu „einer Bildungsstufe der Nation“ gehört. denn unser Volk hat zu dem Liede keinen u n m i t t e l b a r e n Zugang. als sei der Wille des Schicksals nur der Triumph des eigenen Willens. die nur auf dem wissenschaftlichen Wege zugänglich ist. reinste Gefolgstreue gesteigert zu Heimtücke und hinterhaltigem Mord. Ein letzter Gipfel menschlichen Stolzes wird sichtbar in dem t r a g i s c h e n Lebensgefühl. Friedr.   Heute ist es an der Zeit. Denn zu einem echten Organismus sind wie tragende Säulen die polaren Gegensätze zueinander geordnet: Mädchenzarte Liebe zu dem stärksten und schönsten Helden und teuflische Weibesrache für seinen Verlust.8   Die „innere Form“ des Liedes aber stempelt dieses Bild zu einem der größten Wunderwerke dichterischer Kunst. . während die großen Gestalten wie Hagen. Etzel und Hildebrand im Schatten geblieben sind. sagte nicht zuviel. Dabei haben alle Bearbeitungen. mit dem „kolossalen Wunderbau Erwin von Steinbachs“ verglich. heldische Reinheit und doch Betrug am Heiligsten eines Weibes. Rüdeger. Volker. d. unbedenklich eins der größten und wunderwürdigsten Werke aller Zeiten und Völker“.   Wir wissen seit langem um diesen kostbaren Schatz. den alten Schatz zu heben. das sich zwar dem unausweichlichen Schicksal beugt.

Wo die zu große Breite die Einheitlichkeit und Kraft des Eindrucks zu stören schien.9   Die Aufgabe hat Wilhelm S c h ä f e r bei seinem Versuch. Aus diesen Forderungen folgte. Bringt alle Entfernung vom Original zwar Verlust. widerstreitet dem Alten so sehr. daß die reine Wortübertragung das Eigenleben des Neuen zerstören müßte. Das Neue. ganz unabhängigen Stil verschwinden. Die naive Breite der alten Erzählkunst mit ihren Wiederholungen und Füllseln. Unser Stilgefühl verlangt eine viel größere sprachliche Dichte. Wo der Gehalt infolge der stärkeren Dichtigkeit des Neuen nicht für die ganze Strophe ausreichte. der schließlich Lebensausdruck der alten Dichtung ist. aus unserem Sprach. läßt sich in der neuen Fassung nicht bewahren.und Satzfolge lassen sich nicht erhalten. deutlich ausgesprochen. Nichts Fremdartiges darf die Unmittelbarkeit des Nacherlebens stören. nicht völlig in einem neuen. war eine vorsichtige Auffüllung aus dem Sinn erforderlich. während das. Eine solche müßte aber eine wirkliche Nachdichtung werden.und Formgefühl lebend. habe ich Strophen zusammengezogen oder ganz weggelassen. den ältesten Kern des Liedes zu erfassen. die das Original verschweigt. dann muß das Neue aus eigenem Gesetz ein selbständiges Leben besitzen. so wirkt doch alle Entfernung von unserer Gegenwartssprache zugunsten altertümlichen Eindrucks als künstliche Patinierung. An wenigen Stellen habe ich die Idee.  Aus diesen Grundsätzen ergibt sich das Problematische alles Übersetzens. Das alte Wort und die alte Wort. was man unter „freier Nachdichtung“ versteht. dem Gesamtstil der alten Dichtung nahe zu bleiben.“ Mit dem vorliegenden Versuch bin ich diesen Weg gegangen. wie sie noch heute im Volksmunde üblich ist. daß jede altertümelnde sprachliche Annäherung an das Alte vermieden wurde. Man sollte eher von Erneuerung sprechen. Soll die neue Gestalt das Alte lebendig machen. Die wiederkehrenden epischen Beiwörter können nicht organisch eingeschmolzen werden. richtig gesehen. Ich bin daher treu dem Sinn des Originals Strophe für Strophe nachgegangen. Andererseits dürfte der Stil des Alten. wenn ein Motiv kräftig und lebendig wirken soll. dem Leben des Alten nicht gerecht wird. Ich habe mich bemüht. Er sagt in der Einleitung: „V o l k s g u t kann unser Nationalepos nur in der Übersetzung werden. .

einen möglichst natürlichen Reim zu gewinnen. den Auftakt und die erste Senkung des zweiten Halbverses gelegentlich fehlen zu lassen. wozu schon der Zwang. Die zusammengezogenen und ausgelassenen Strophen sind nachgewiesen in einem Register am Schluß. Auch die Freiheit des Originals.  Als Vorlage wurde benutzt die Ausgabe des Nibelungenliedes von Karl Bartsch. habe ich genutzt. Hermann Stodte .10   Die Nibelungenstrophe ist erhalten geblieben. Häufiger als im alten Liede greift der Satz aus einem Verse in den nächsten über. Leipzig 1866. nötigte.

Männer von altem Stamm und Blut. Kriemhild genannt. Und Giselher. mancher war so kühn. Nun hört das wundersame Lied! Es war ein edles Mädchen fern im Burgundenland. Gernot. Der hoffte. Ein wenig nur des Reizes. Der Zucht. 1–6 . Im Schutze dreier Könige die junge Kriemhild stand. Verwegene Kämpfer waren’s. Ja. Freigebige Herren. des edlen Sinnes. In Ehren dort zu dienen die ganze Lebenszeit. hätt’ andere Frauen reich gemacht. Manch hochgesinnter Ritter fand sich am Hofe ein. Die hießen Gunther. Sie walteten als Herrscher stolz im Burgundenland. womit Kriemhild bedacht. Sie mußte jedem lieb sein. Die Schwester treu zu hüten mit ihrer brüderlichen Macht. Von Tagen. Um ihretwillen büßte sein Leben ein manch tapferer Mann. Zum Weibe wuchs blühend sie heran. der jüngste. Gewaltige Taten machten sie einst in Etzels Reich bekannt. weithin rühmlich bekannt. Von Tränen auch und Jammer. Schön. von Mühsal und Beschwer. Und doch zu frühem Tode bestimmt durch zweier Frauen Streit. Reich an Gefolgschaft saßen die Herrn zu Worms am Rhein. ihre Neigung und Huld beglücke ihn. – sie alle drei bedacht. Von Kriemhild Aus grauen Zeiten kündet uns eine alte Mär Von Kämpfen kühner Helden. da die Herzen vor Lebenslust geglüht.11 I. wie man keine andere in allen Landen fand. von kühnstem Mannesmut.

liebes Mütterlein! Ohne dessen Liebe will ich im Leben sein. Die besten aller Helden. Das Amt des Truchseß übte sein Neffe Ortwin aus.12 Frau Ute hieß die Mutter. Will schön wie heute bleiben und glücklich. Marschall des Hofs war Dankwart. Rumolt. der vielgewandte Dankwart. Denn keine war ja klüger als Träumedeuterin: „Der Falke. Und viele andere hatten des hohen Königsdienstes acht. der Küchenmeister. Sindolt war Schenk und dennoch als Kämpe weit gelobt. wie man sie nirgends sah. Volker. sie alle lang im Dienst erprobt. Sindolt und Hunolt galten bei aller Ritterschaft Als Wahrer höfischen Wesens.“ „Was sprecht Ihr mir vom Manne. als mächtige Königin Ehmals die Gattin Dancrats. Sie zög’ sich einen Falken schön und stark und wild. Herr über Stall und Haus. wie zwei Adler ihn schlugen mit den Krallen. Hagen von Tronje lebte mit seinem Bruder da. bis ich tot. Herr von Alzey. Sie fragte Mutter Ute nach ihres Traumes Sinn. Und nicht von Mannes Liebe erfahren Weibes Leid und Not!“ 7–15 (12) . Inmitten solchen Glanzes träumte einst Kriemhild. es ist ein edler Mann. Berühmt auch er vor Zeiten in seiner Jugend Kraft und Mut. Hunolt erfahrner Kämmerer. nimmt sich der Herr nicht seiner an. den du aufzogst. Und sähe. auf Form und Fug bedacht. Ortwin von Metz. Und wie in tiefe Trauer sie dann durch dieses Leid gefallen. Du wirst ihn einst verlieren. ein Mann von seltener Kraft. die Grafen Gere und Echewart. doch der schied früh dahin Und hinterließ zum Erbe den Kindern reiches Gut.

13
„Verred es nicht!“ sprach Ute. „Wenn dir ein guter Tag
Auf Erden Herzensfreude in Fülle bringen mag,
Ist es von Mannes Liebe! Ja, dann erst bist du schön,
Hat Gott zu deinem Gatten dir einen edlen Mann ersehn.“
„Berede mich nicht, Mutter“, erwiderte Kriemhild,
„Hat nicht an vielen Frauen sich jenes Wort erfüllt:
Die Liebe lohnt mit Leide, sie bringt nur Weh zuletzt?
Ich will nicht Leid, nicht Liebe. Dann bleib ich froh und schön wie jetzt.“
So aller Liebe wehrend, blieb unberührt ihr Sinn.
Dem edlen Mädchen flossen die Tage hell dahin.
Sie wollte niemals wissen von Liebe und vom Mann,
Bis einst der ritterlichste von allen Männern sie gewann.
Das war der wilde Falke, den sie im Traume sah,
Und dem nach Utes Deutung es eines Tags geschah,
Daß ihm die Blutsverwandten zu Mördern worden sind.
Wie furchtbar sie ihn rächte! Ihm nach starb mancher Mutter Kind.

16–19

14

II. Von Siegfried
Es wuchs in Niederlanden ein edles Königskind,
Den Vater hieß man Siegmund, die Mutter war Sieglind.
Am Niederrhein gelegen, weit schauend in das Land,
Stand ihre mächtige Feste, und Xanten war die Burg genannt.
Ihr beider Sohn war Siegfried, schon früh erprobt als Held,
Und später zog er kämpfend kühn in die weite Welt.
Die Stärke seines Leibes, sein Mut war allbekannt.
Zu Worms erst war’s am Rheine, wo Siegfried seinesgleichen fand.
Aus seiner frühen Jugend, die er im Kampf gestählt,
Hat Wunderdinge mancher von Siegfrieds Kraft erzählt,
Wie herrlich an Gestalt er, an edlen Gaben reich,
Wie er dem Blick der Frauen gefiel, so ehr- und anmutreich.
Ob er nach Art und Blute gut war und hochgesinnt,
Erzog man doch mit Sorgfalt das junge Königskind.
So, Liebling aller Menschen und sonderlich der Frau’n,
Ging sehnlich jedes Auge, nach seinem Anblick auszuschaun.
Die Eltern sah’n ihn gerne in herrlichem Gewand.
Sie ließen ihn behüten, ritt er hinaus ins Land.
Auch lehrten ihn die Alten, was Pflicht erheischt und Ehr,
In Zukunft zu beherrschen die Leute und das Land umher.
Nun gab der König Siegmund einst allenthalben kund,
Ein Fest sei zugerüstet für seiner Freunde Rund.
Den Eigenen und den Fremden gab Siegmund Roß und Kleid,
Und sandte zu den Königen ringsum mit freundlichem Bescheid.

20–27 (26)

15
Wo junge Söhne waren, gereift zum Ritterschlag,
Befreundete, Verwandte, die lud man auf den Tag,
Die Schwertleite zu feiern mit Siegfried insgemein,
Schwertbrüder sollten diese in Zukunft all zusammen sein.
Von jenem Feste wurde im Lande rings erzählt,
Und Siegmunds und Sieglindes Hochsinn ward nicht verhehlt,
War doch ihr großer Reichtum, ihr gutes Herz bekannt.
Zahllose Gäste ritten zu ihrem Fest nach Niederland.
Vierhundert Knappen warben um Ritter-Schlag und -Kleid
Mit Siegfried, ihrem Sohne. Und manche junge Maid
– Dem edlen Siegfried heimlich in ihrem Herzen hold –
War da am Werk. Sie reihten viel edle Steine auf und Gold
Als Borten für der jungen Schwertbrüder Festgewand.
Nichts fehlte, was geziemte dem künftigen Ritterstand.
Schon standen Tisch und Bänke. Dann kam der Sonnwendtag,
Mit ihm das Fest, zu feiern des edlen Siegfrieds Ritterschlag.
Zum Münster schritt im Zuge der Knappen edle Schar.
Die Alten nahmen willig den Dienst der Jungen wahr,
Wie sie voreinst ihn selber als Schildknappen versehn,
Und danach sollten Freuden von aller Art die Lust erhöhn.
Gesattelt zum Turniere zog man die Pferde schon,
Und Siegmunds Hof erdröhnte vom lauten Splitterton,
Der von den Lanzenstößen in Saal und Palas drang,
Vom Jubelschrei der Freude und von dem hellen Waffenklang.
Es prüften Alt’ und Junge sich eifrig im Turnier.
Die Lanzensplitter flogen bis an die Palastür.
Sie rannten aufeinander schäumend vor Lust und Kraft,
Daß hell im Prall erkrachend zerbrach manch guter Lanzenschaft.

28–35 (33)

16
Am Boden lagen Schilde, verbeult und herrenlos,
Im Gras viel edle Steine, von gut gezieltem Stoß
Aus ihren hellen Spangen am Schildrand abgesprengt.
Nun ließ der Burgherr enden. Die Pferde wurden heimgelenkt.
Man führte zu der Tafel die Gäste. Jeder fand
In Fülle alles Schöne, wonach die Neigung stand.
Von edelstem Geschmacke die Speisen und der Wein,
Denn hochgeehrt, willkommen und fröhlich sollte jeder sein.
Und allerlei an Kurzweil bot man den ganzen Tag,
Fahrende Sänger traten heran beim Trinkgelag.
Mit Lied und Spiel erwarben sie sich Geschenk und Dank.
Oft priesen Siegmunds Reichtum und Glück sie später im Gesang.
Zu seinem künftigen Erben erhob Siegmund den Sohn,
Ihn feierlich belehnend mit Burg und Land und Thron.
Der junge Siegfried schenkte viel Güter aller Art
An seine Schwertgenossen. Wie freute sie die frohe Fahrt!
Nach sieben freudenreichen Festtagen schieden dann
Die Gäste, deren Herzen Siegfried so ganz gewann,
Daß sie ihn gar begehrten zum Könige für das Land.
Das wies er ab, da längst ihm der Sinn nach anderen Dingen stand
So lange beide lebten, Siegmund und Siegelind,
Wollt’ ungekrönt er bleiben, nur seiner Eltern Kind.
Doch wollte er bezwingen als rechter Herr und Held
Gewalt und Not, der keiner zu wehren wagte in der Welt.

36–43 (41)

17

III. Wie Siegfried nach Worms kam
Noch unbekannt war Siegfried mit Herzens-Lieb und Leid.
Da hört’ er eines Tages, man lobe weit und breit
Ein Königskind, das schöner, als je ein Aug’ gesehn.
Ihm sollte reichste Freude und schwerste Not um sie geschehn.
Man pries ihm Kriemhilds Schönheit, überreich gepaart
Mit edlem Frauensinne und fürstlich-stolzer Art.
Um ihretwillen zogen, gelockt von nah und fern,
Nach Worms zu Gunthers Hofe viel edle ritterliche Herrn.
Wie viele sich auch mühten, von ihrem Reiz verführt,
Von keiner Werbung wurde des Mädchens Sinn berührt.
Sie wehrte sich und glaubte, ihr Herz sei liebgefeit,
Noch fremd war ihr der eine, der sie gewann in späterer Zeit.
Siegfrieds Verwandte kamen und rieten ihm zur Eh’,
Er solle, falls es jemals aus rechter Lieb geschäh’,
Nur einer, die ihm zieme, zum Manne sich vermählen.
Da war für ihn kein Zögern: „Kriemhild will ich zum Weibe wählen!
Nur eine rings im Lande, die ist – das ward mir kund –
Schön über alle Maßen, die Jungfrau von Burgund,
Und selbst ein Kaiser, möcht’ er auch noch so mächtig sein,
Stünd’ nicht zu hoch, er dürfte um jene schöne Königin frei’n.“
Als Siegmund aus dem Munde der Mannen das vernahm,
Erschrak er, denn im stillen war er dem Plane gram.
Auch Sieglind ahnte Sorge und Unglück von der Fahrt.
Sie hätten beide gerne vor dieser Werbung ihn bewahrt.

44–50 (47)

18
„Schenk mir, mein lieber Vater“, bat Siegfried, „dein Vertrau’n!
Entbehren will ich eher die Liebe edler Frau’n,
Wenn nicht aus reiner Neigung mein Herz mich werben läßt!
Was ihr auch sagen möget, ich wag’s, und mein Entschluß steht fest.“
Da sprach der König: „Bist du im Ernste so gewillt,
Will ich mich wahrlich freuen, wenn sich dein Wunsch erfüllt.
Zum guten Ende helf ich mit allem, was ich kann.
Doch hör! Der König Gunther hat manchen überstolzen Mann,
Und wär’ es auch nur Hagen, sein maßlos wilder Mut,
Hochfahrend und gewaltsam in allem, was er tut, –
Von solcher Art, das fürcht’ ich, wird allen uns noch leid,
Daß wir jemals geworben um diese königliche Maid.“
„Was tut’s?“ sprach Siegfried kühnlich, „wenn man mir schroff verwehrt,
Was ich als Gunst erbitte, und gütlich nicht gewährt,
Gewinn’ ich es im Kampfe mit eigener starker Hand.
Ich trau’ mir’s zu, dann nehm’ ich zu Kriemhild auch noch Leut’ und Land!“
Doch Siegmund blieb in Sorge: „Das höre ich nicht gern!
Vernähmen es am Rheine die burgundischen Herrn,
Verwehrten sie dir sicher den Eingang in ihr Land.
Seit langem sind mir Gunther und Gernot allzu gut bekannt.
Denk nicht, daß deine Waffe dir diese Braut gewinnt,
Sie weigern jedem Fremden ihr schönes Königskind.
Soll eine Schar von Helden begleiten deinen Ritt,
Beruf ich unsere Freunde, sie reiten dir zum Schutze mit.“
Siegfried hingegen meinte: „Das hab ich nicht im Sinn,
Mit einem Heer zu zwingen die edle Königin.
Nicht Feinde will ich führen zum Kampfe an den Rhein,
Denn es soll eine Brautfahrt, kein Krieg und keine Heerfahrt sein.

52–58 (51)

herrlich kostbar. „So helf’ ich dir zur Reise. Doch Siegfried neigte zärtlich voll Güte sich zu ihr: „Nimm es doch. Da lag die Sorge schwer Auf allen. 59–68 (64. dir und den Freunden Glanz genug!“ Es waren schöne Frauen rastlos bei Tag und Nacht. ob wohl jemals bei froher Wiederkehr Ihr Aug’ die Helden sähe gesund im Vaterland. Nun kam die Abschiedsstunde. Zwölf Kameraden führ’ ich hinauf in Gunthers Land. Bepackt mit Rüstung. mit lieber Sorg’ bedacht.“ Und so geschah’s. Gewändern manches Saumroß stand. mein einzig liebes Kind. Siegfrieds Gewand zu nähen. An Zierat schaff ich allen. Wie frohen Abschied bot Siegfried mit den Gefährten! Nie zog mit leichterem Sinn Zu kühn verwegenen Taten ein Ritter in die Fremde hin. Mit grauer und bunter Herrentracht Versah man die Begleiter. wie nie ein Ritter trug. daß rühmlich wir Versehn sind mit Gewändern und ritterlicher Waffenzier!“ „Kann ich dich hier nicht halten“. Versank um ihren Sohn sie in einen tiefen Gram.19 Sonst könnt’ ich Kriemhild holen allein mit eigener Hand. Auch silberhelle Brünnen und Helme hart von Stahl. nicht so zu Herzen dir! Mich schrecken keine Feinde. Als nun die Mutter Sieglind von dieser Fahrt vernahm. 66) . liebe Mutter. – alles ward fertig bald in großer Zahl. An Kleidern. Waffen. Herrliche Pferde harrten. sprach gefaßt Sieglind. der ihm Verderben sann? So quälte sie sich lange. auf Ehr’ und Würde klug bedacht. Hilf mit. daß schmerzlich ihre Träne rann. Die breiten Schilde. das Zaumzeug gelb und rot Von zierlich-hellem Goldschmuck. Verlor sie ihn? War’s Gunther.

Wie recht die Ahnung hatte! Wie wahr sprach ihre Herzensnot! Fest lag am siebenten Morgen ihr Schiff zu Worms am Strand. und funkelnd hing Zügelzeug und Zaum. wohl zweier Spannen breit War Siegfrieds Ger. Sie sah’n im Geiste alle die Freunde bleich und tot. Mich deucht. Zusammen lief die Menge und gaffte. Noch heute woll’n wir weiter. zum Tode gefährlich jedem Mann im Streit Goldfarbige Zäume lagen den Reitern in der Hand. Abwehrend sagte Siegfried: „Die Fahrt ist noch nicht aus! Laßt unsre Rosse stehen! Es ist mein fester Plan. Sie stiegen schnell zu Pferde. Den Gästen beizustehen nach ihrer langen Fahrt.20 Ungern und traurig ließen ihn seine Eltern fort. Liebreich und tröstend kam noch zurück ein letztes Wort: „Ihr sollt um mich nicht weinen. wie’s gute Sitt’ und Art. Wie sie im Zuge langsam hinritten an dem Ufersaum. Laßt eure Arbeit ungetan! 69–76 . Mit breitem. ich zieh’ auf frohe Fahrt! Sorgt nicht! Vor aller Leibes. erschien die fremde Ritterschar. Wie niemals man gesehen. erzenem Schilde war jeder Arm bewehrt. Schon wollten sie die Rosse wegführen in das Haus. Sie führten spitze Lanzen. Zur linken bis zum Sporne hernieder hing das Schwert. Die Schilde und die Pferde zu nehmen aus der Müden Hand. Wunderbar. Ihr goldenes Gewand Erstrahlte licht. die Männer trugen Leid. sie ahnten alle im Herzen böse Zeit.und Lebensnot bleib’ ich bewahrt. Die Pferdehälse trugen statt Riemen seidenes Band. Willkommen sie zu heißen in ihres Fürsten Land. Schon nahten Gunthers Mannen.“ Die Frau’n und Mädchen weinten.

Gebt mir Bescheid: Wo find’ ich den König von Burgund?“ Da drängte durch die Menge sich einer. wo ich sogleich Den Fürsten finden möge. Die doch der höchsten Ehren so würdig offenbar. versammelt dort auf sein Geheiß!“ Nun war dem König Gunther die Botschaft schon bekannt. Er musterte sie lange nach Waffen und Gewand. Geht nur hinein. den Herrscher hier im Reich. stolzer Art. daß keiner der Helden kundig war. woher sie kommen auch der Fahrt. vielleicht gar Fürsten sein. Ihn wunderte. Mit goldig hellen Brünnen. 77–85 . da blieb er forschend stehn. Und was man von ihm wollte. Gunther ließ ihn laden. „Woher sie auch gekommen“. „an den Rhein. Da riet Ortwin von Metz ihm: Hagen. Wie ihm die stolze Mannschaft gefiel. so sprach er. woher sie diesem Land genaht. sah man ihm an. Dort in der Palashalle hab’ ich ihn sitzen sehn Inmitten seiner Helden. der wisse Rat. Doch war auch ihm der Helden Herkunft und Name unbekannt. Mit seinen Rittern kam Hagen zum Hof des Königs. Er ließ sein Auge schweifen scharf über Roß und Mann. die Rüstung wunderschön.21 Wer kann mir Kunde geben. das mag gar leicht geschehn. Hochsinnige Männer sind es. der des Hofes kund: „Wollt ihr zu König Gunther. Ein Fähnlein Ritter wäre vom Schiff gesetzt ans Land. Als er den Grund vernahm. der sag. Wer jene Fremden wären. Die Rosse wie die Kleider sind vornehm. Es dürften Fürstenboten. Ein Kreis Seiner Gefolgschaft wartet. Vom Fenster aus genauer die Unbekannten anzusehn. Doch keiner der Burgunden hab’ jemals sie im Land gesehn.

einsam. und Männer trugen schwer. dem Helden unbekannt bisher. wie man erzählt. der herrlich dort vor den Seinen steht. Die hießen Nibelungen. scheint seltsam. Das alles sollte Siegfried verteilen recht und gut. daß er zur Einigung Den reichen Hort verteile nach Recht und Billigkeit. Da lag ein Schatz zu Tage. Schilbung und Nibelung waren’s. denn Unrecht sei geschehn. daß e r danach der erste aller Kämpfer war. Kein Wunder. jener ist’s. Er sah. Nach Stolz und edler Haltung kann es kein andrer sein. Seht.22 Zwar hab’ ich niemals Siegfried gesehen. In hellem Zorn begannen sie drohend auf ihn loszugehn. doch ich mein’. Ihn unter sich zu teilen gerecht und ehrenhaft. Ein schlimmer Lohn! Sie hätten’s ihm besser nicht gewährt. Sie fortzuschaffen. Sie gaben ihm zum Danke das Nibelungenschwert. Sie riefen beide: ‚Seht doch! Der Held vom Niederland! Zu schlichten unsere Sache. 86–93 . ein grobes Brüderpaar. war Siegfried gleich dazu bereit. sei Siegfrieds Urteil anerkannt!‘ Freundlichen Gruß empfing er. ein Märchen hierzuland: Er schlug die Nibelungen nach hartem Widerstand. Dazu noch Prunkgeräte und Schmuck in goldenroter Glut. im Berge sonst verhehlt. Da dringend sie’s begehrten. wie dort in Haufen die edlen Steine lagen. Einst ritt er durchs Gebirge. Ein überreicher Hort war’s. Sie ließen ihn nicht enden. Wißt! Sie hatten eigens den Schatz ans Licht geschafft. brauchte man mehr als hundert Wagen. Schilbung und Nibelung Erbaten seine Hilfe. Was er getan. Und dessen Wuchs und Adel den Herrn von Niederland verrät.

Nun war er Herr des Hortes. die Haß und Streit geschürt. den starken Zwerg. Wie stark sich wehren mochte der wutergrimmte Zwerg. mehr ist mir bekannt noch. Es schnitt. Und Alberich der Starke ward als sein Wächter eingesetzt. Es lagen tot im Felde. Im Drachenblut gebadet. vor jedem Waffenhieb gefeit. Als ihn die Nibelungen unüberwindlich sah’n. Ja. vor dem die stärkste Macht erblich. – und trotzdem schwach und klein – Freunde der Nibelungen. vor Wunden. Der mächtiger und reicher als irgend einer in der Welt. ward seine Haut zum Kleid Von hartem Horn. Der seine beiden Herren zu rächen unternahm. die Könige. Er riß die Zauberkappe vom Haupt des Alberich. Das nannten Balmung sie.23 Zwölf kühne Riesenkerle. schlug er tot. die wurden Siegfried Untertan. „Das ist Siegfried. Er schlug den Lindwurm tot. in Not. die drangen auf ihn ein Mit siebenhundert Männern. doch Siegfried widerstand. Jenes Schwert tat Wunder. 94–100 . Doch selbst durch Siegfrieds Angriff in übelste Bedrängnis kam. als ob’s dem Arme gewaltige Kräfte lieh. und Burgen. Schilbung und Nibelung beide. Geriet jedoch durch Alberich. Wo er im dunklen Berge verborgen lag zuletzt. der Held. Der rings in jenem Lande viel Unheil schuf und Not.“ So sprach Hagen von Tronje. Wie löwenwild verbissen sie kämpften dort am Berg. Erschlug sie oder zwang sie zu schneller Flucht mit seiner Hand. Nach Siegfrieds Worten wurde der Schatz dorthin geführt. Der mußte Eide schwören. Floh’n sie. getreu im Dienst zu sein Und gut im Berg zu hüten das Gold mit Schmuck und Stein. Länder.

und gerne wüßt’ ich mehr. nicht um geringer Ursache kam er her. ein mächtiger Königssohn. Auch heldenhafter wäre kein König sonst als Ihr.“ Gunther ging ihm entgegen. 101–109 .“ „Geht nur!“ versetzte Hagen. Er hat sich ausgewiesen an mancher Wundertat. Mein Haupt und meine Ehre setz’ ich für diesen Ruhm zum Pfand. Es dürfte sich wohl lohnen. Daß mir zu Recht gebühre das Herrscheramt im Land. daß er. Das hätt’ ich gern erkannt. Siegfrieds Gefährten grüßt’ er mit hoheitsvollem Blick. Entbot er Siegfried gütigen Willkommensgruß und neigt’ Das Haupt. Als ob ein Freund gekommen war. Und diese gaben dankend nach gutem Brauch den Gruß zurück.24 Heißt ihn willkommen. Die Krone soll ich tragen! Und ich will dafür sorgen. daß es in Eurem Land Die kühnsten Männer gäbe. sehr. Niemals uns gegenüber mag stehn als unser Feind. Welch’ Ursach euch verlockte zur Fahrt nach Worms am Rhein?“ Da sprach der Gast zum Könige: „Das soll Euch nicht verschwiegen sein! Mir ward daheim berichtet. „Mich wundert“. daß alle Leute sagen. Wie streitbar-kühn geartet der ritterliche Mann Dort steht bei den Gefährten! – So soll es gleich geschehn! Wir woll’n zu ihm hinunter als Freunde ihm entgegengehn. Was Euch hierhergeführt hat.“ Da sprach der König: „Wahrlich! So sei’s! Seht ihn nur an. sprach der König. „vieledler Siegfried. Die Leute mögen reden. leiht er als Freund uns Schwert und Rat. wie edle Sitte sich ritterlich erzeigt. Von edlem Stamm ist Siegfried. Es scheint. Selber erfahren will ich’s hier. in Freundschaft uns vereint. Auch ich fühl Heldenkräfte. „die Ehr erlaubt es schon.

Soll dir zurecht als Sieger mein Land und Erbe eigen sein. reicht deine Kraft. sei’s lieb Euch oder leid. sprach Gernot. denk ich. Doch bleibts im Kampfe dein. Dem wir getreu.“ Grimmigen Sinnes standen die Freunde alle stumm. Und er ein Königskriegsheer herführte. Bis wir zuletzt zum Schweigen den eitlen Übermut gebracht. Als eigen zu erkämpfen. zu nehmen unverwehrt Burgen und Länder –. „Was tat ich“. an Volk auch. was mein Vater besaß von alters her? Geschäh’s. „Es mag dein Land in Frieden. erblühn! Ich selber will’s besitzen. gar übel stünd’ es danach um unsere Ritterehr. Ortwin von Metz nur sagte: „Nun sieht man wohl. Ob Ihr und Eure Brüder wär’t schwach und waffenlos. zornig die Ritterschaft. und das sich in unserem Dienste treu bewährt. Da ohne Grund uns Siegfried statt Freundschaft offenen Kampf ansagt. das uns zu Recht gehört. was an Besitz Euch angehört!“ Verwundert hört’s der König. sagte Gunther. alles. stark und groß.“ „Ich kann dir’s nicht erlassen“. Wir Brüder sind ja reich An Land und Gut. so lange seiner Macht. Wer siegt. wie’s lautet im Lande weit und breit. Mein Erbteil und das deine seien der Siegespreis Und stärkster Männerkräfte vollgültiger Beweis.25 Seid Ihr so kühn. dem seien Leute und Lande Untertan!“ Da widersetzten Hagen und Gernot zornig sich dem Plan. Wir widerständen. warum Nach Eurem Angebote der Freundschaft keiner fragt. „daß man mir frevelhaft Das nähme. Wird nichts mich daran hindern. „Wir denken nicht daran“. sprach Siegfried dazu kühn. „uns ein Reich Von anderen zu erkämpfen.“ 110–117 .

hört und wißt. die nähm ich nicht als Gegner an. Des hätten unsere Herren sich wahrlich nie erkühnt. Indessen Hagen still war. Viel besser stünd’ uns an. Wie wenig Nutzen brächte das Eurem Heldentum! Und wir Burgunden büßten damit nur ein an Ehr’ und Ruhm. die Herrschaft und Macht zu üben in Burgund!“ „Ich ganz allein verhüt’ es!“ fuhr Gernot heftig fort. Zu drohen einem König. du. Dann sprach er ernsten Tones: „Nein. Und wehrte seinen Rittern ein jedes weitere Wort Und trotziges Benehmen: „Ihr tätet’s mir zu Leid!“ Auch Siegfried schwieg und dachte im stillen an die schöne Maid. Wir wahrten Siegfrieds Freundschaft. Wenn Euch.“ Siegfried gab derbe Antwort: „Herr Hagen. Käm’ Siegfried. Streit zu suchen. deine Hand.“ Da rief nach Waffen Ortwin. Ich bin gewillt. Er schwieg zu lange schon. „Wie ziemte unserer Würde Streit gegen Euch und Haß? Und lägen noch so viele der Helden tot im Gras. schon so verdrießlich ist. was ich gesagt hab’. Wir wollenes gütlich schlichten.26 Da sprach in hellem Zorne der Held von Niederland: „Wag’ nicht zum Kampf zu heben.“ Der starke Hagen stand und sann. wir ertrügen’s schwer. Vermessener. Dem unzufriedenen Könige erschien es fast wie Schmach. Nur Gernot widersetzte sich Ortwin vorwurfsvoll und sprach: „Ihr sollt den Zorn bezähmen. Zu größerem Verdrusse tu ich euch allen kund. Weshalb ihr ehrenhalber auf Waffen müßt bestehn. Und schlecht wär’ unserer Ehre und seinem Ruhm damit gedient. des Tronjers Schwestersohn.“ 118–124 . nur ein Eigenmann! Ein Dutzend deinesgleichen. denn noch ist nichts geschehn. zu uns ins Land hierher.

In allen Ritterspielen und Kämpfen war der erste er. was man vorschlug. Ortwin noch. So wollen wir gemeinsam genießen alles Gut!“ Da sank doch in Beschämung ein wenig Siegfrieds Übermut. Und wo es Frauendienste und höfisches Wesen galt. Wo feine Sitte glänzte in zierlicher Gestalt. Den Kampf mit mir zu wagen. Im Steinwurf wie im Laufen. Doch war er in Gedanken oft bei der schönen Maid. in Burgund Mit Euren Kameraden. Man suchte Unterkünfte. allen wehrend. Ja. beschwichtigte und sprach darauf: „Noch einmal seid willkommen. Herr Siegfried. Doch Gernot. Da sah’n die Augen gerne auf den vom Niederland. die heimlich bewundernd von dem Fremdling sprach. Für das Gepäck und Waffen in Kammern allerhand.27 Doch Siegfried: „Warum zögern denn Hagen. Und auch die Knappen fanden ihr freundliches Gelaß. Zu allem. die man fand. – So heiß er sich sehnte auch danach. Das Eure sei’s. war Siegfried gleich bereit. die besten. Turnier. Zu jedem guten Dienste bereit für Euch! Schlagt ein!“ Nach einem Winke Gunthers bot man den Gästen edlen Wein. wenn Ihr es geziemend nur begehrt. Und Gunther selber nahm nun das Wort: „Was uns gehört. 125–135 (129) . Dem doch der Sinn im stillen nach reiner Herzensneigung stand. schöner Eintracht wich so in kurzer Zeit der erste Haß. War’s Spiel. Nun gaben sie sich häufig männlicher Kurzweil hin. im Schießen mit dem Ger. Wie sie bei ihm. – der beste war Siegfried stets darin. Wir sind zum Freundschaftsbund. Er sah sie nie. gebricht es ihnen doch An Freunden nicht!“ Schon wallte erneuter Zorn herauf.

Ihn auf dem Hof verweilen. Hätt’ er geahnt. – Das ist mein Leid! Die ist mir so fern noch wie am ersten Tag!“ Ein Jahr verlief. Viel Glück und Not erfuhr er um ihretwill’n in späterer Zeit. von anderen Freuden abgelenkt. So liebenswert und strahlend und fröhlich schien er dann. Oft sah sie. wie sie ihn betrachtete beim Spiel. Genug an Freude hätt’ er gehabt und Frohgefühl. In heimliches Betrachten des Helden ganz versenkt. Im Dienste der Könige zog er mit.28 Denn wenn die Männer übten. trat sie herzu und stand Versteckt an ihrem Fenster und blickte unverwandt. Daß manches Mädchen damals ihn still im Herzen liebgewann. Er grübelte und sann oft: „Wie soll es nur geschehn. Wär’ ihm die Welt erschienen besonnt vom allerreinsten Glück. wie die Männer nach ihren Spielen tun. Doch hätte er sie jemals erreicht mit einem Blick. im Plaudern auszuruhn. Dann war ihr Sinn gefangen. Dann trauerte Kriemhilde. Auch Siegfried war es leid. 133–138 . Weit mit den anderen streifend durchs Land auf manchem Ritt. Daß meine Augen endlich die edle Kriemhild sehn? Die ich nun schon so lange in Sinn und Herzen trag’.

beide gleich feindlich Euch gesinnt. Wie er mit den Sachsen stritt Nun kamen einstmals Boten. zu schützen Burg und Land. Nach Heimat und Verlangen befragt’ man sie und wies Sie zu dem König Gunther. Nun wißt. Bis dahin werbt und sammelt und rüstet Roß und Mann! Zusammen ruft die Freunde. Euch unserer Herren Auftrag ganz offen kundzutun.29 IV. Daß ich erfahre. Ein schwerer Krieg beginnt. Zwölf Wochen gehn ins Land noch. Nichts Gutes. was ihr wollt. fremdartig. Sie planten schon seit langem die Heerfahrt nach dem Rhein. Haß drohte. Verbündet sind sie. Sind Lüdegast und Lüdeger. unbekannt. Sie hegen Haß und rüsten. zu reden und wollt mit Gunst geruhn. und jeden traf es schwer. Sie fallen feindlich Euch ins Land. die mit Botschaft zu Euch uns hergesandt. „Erlaubt uns. was ihr von dort mir bringen sollt! Wes Boten seid ihr? Redet!“ Vor seinem harten Blick Und seiner strengen Würde schraken sie in Scheu zurück. der höflich sie willkommen hieß: „Seid mir gegrüßt! Wer schickt euch? Laßt hören. sie führen Krieger. Im Auftrag ferner Feinde in das Burgundenland. Es waren Abgesandte vom Sachsen Lüdeger Und König Lüdegast am fernen dänischen Meer. in Euer Land hinein. So seid gewarnt! Kampf gilt es bis an des Schildes Rand! 139–145 . An den Grenzen des Reiches stand ein Feindesheer. Die Könige. Herr. das sie brachten. zahllos. dann hebt der Feldzug an.

Wohl sandte Gunther eilig das Aufgebot ins Land. Wie es von jeher ehrlich die wahre Freundespflicht gebot. was Gunther verkündete. ich bin’s. scheint mir zu kurz die Zeit. – nun denn. der auf dem trüben Antlitz stand. Daß Euch bis an mein Ende zu helfen meine Ehre ist. was ihn so sehr bedrück’: „Wie lebten wir doch früher in sorgenlosem Glück! Wer Freunde hat.“ 146–156 . gehört. der teile mit ihnen seine Not. So feindlich ihr Bericht. Zu sammeln Volk und Pferde. Doch niemals wich der Kummer. Ihn wurmte im geheimen der räuberische Überfall. Darum befragt doch Siegfried. Als jene nun. was Ihr an Sorgen tragt? Und wenn Ihr einen Freund braucht. der falle! Doch unverletzt und rein Bleibt unsere Ritterehre! Die Feinde soll’n willkommen sein!“ Hagen von Tronje sagte mit Ernst: „Mich dünkt es schlimm! Nicht unterschätzt ich Lüdegasts und Lüdegers bösen Grimm. dann macht ein Angebot! Dann spart Ihr Euren Leuten und Euch die ärgste Not. Verwundert fragte Siegfried.30 Doch wollt Ihr unterhandeln.“ Hagen und Gernot rief er und seine Ritter all. Hab’ ich Euch nicht freiwillig von Herzen zugesagt. Zu tragen und zu wenden. Rief Gernot jäh: „Wir wehren den Räubern mit dem Schwert! Wem Tod bestimmt. wie Ehre heischt und Pflicht. ob er uns Hilf und Beistand leiht. Versorgte man sie freilich. Fern bleibt von Euren Grenzen die starke Heeresmacht.“ Der König sprach: „Verweilt noch am Hofe einige Zeit. Bis ich mich erst entschlossen zu gültigem Bescheid. Sonst sinken Eure Ritter in blutig harter Männerschlacht.“ Den Boten gab man Herberg. Ihr wißt.

mir fehlten Freunde –. Die Drohung schreckt uns nicht. Freunden sagte der König nun die Heerfahrt an. So dreisten Räubereinfall erlebte unser Land noch nie. sie täten wohl besser ganz Verzicht Auf ihre schlimme Heerfahrt. Weg mit dem Kummer! Wehrt Euch! Verachtet ihren Grimm! Laßt mich für Eure Ehre einstehen. sonst habt ihr einen harten Stand. Ruft den Bund Eurer vereinten Freunde zum Schutz für Euch und für Burgund! Und sollten Eure Feinde auch dreißigtausend stellen. – Es sei. Wollt ihr mit einem Heere einfallen in mein Land.31 „Das lohn’ Euch Gott. Des Feindes Boten sendet mit dieser Botschaft fort: Wir brächten Antwort selber. – wie rührt es mich! So lang ich lebe. Erhielten sie Geschenke. Der König selbst verhieß Ein sicheres Geleite. der unser Glück zerstört: Wir haben schlimme Botschaft von droh’ndem Krieg gehört.“ 157–165 (163) .“ Siegfried sprach zuversichtlich: „Ihr nehmt es allzu schlimm. Da waren sie sehr froh. Zuletzt erging des Königs Abschied gar stolz und würdig so: „Sagt euren Herrn. Herr Siegfried! Wie tat dies Wort mir gut! Versagt Ihr dieses Mal auch mir Euren Arm und Mut Daß Ihr so treu ergeben mir seid. Man rief die Boten Lüdegers. Und dann verlaßt Euch einzig auf mich! Ich steh’ dafür. In Frieden bleiben Leute und Land und Burgen dann!“ – Verwandten. dank’ ich dafür Euch immer brüderlich! Vernehmt den schweren Kummer. Eh’ man sie ziehen ließ. Zur Heerfahrt nach dem Rheine böswillig rüsten sie. Gebt tausend mir! Ich habe doch nur die zwölf Gesellen. Wir schützen Eure Lande und wehren ihrer Beutegier. bald sähen sie uns dort.

Unglaublich schien sie fast. des Landes Schützer sein! Verweilt hier bei den Frauen in guter Zuversicht. erspähte er Plötzlich zu vielen Tausend versammelt rings das Sachsenheer.32 Reiche Geschenke nahmen sie fröhlich. Siegfried sei er geheißen. vertrauend auf sein Glück. Da schätzten sie mit Brennen und Raub durchs Land umher. wie es verlangt die Ritterpflicht!“ Man nahm vom Rhein nach Norden die Fahrt durchs Hessenland Bis eines Tags die Heerschar an Sachsens Grenzmark stand. die freund ihm und verwandt. Doch Lüdegast empfing Ungern die üble Botschaft. Von manchem kühnen Manne fern im Burgundenland Erzählten sie. Eilig ging Nach Dänemark die Reise. Allein ins Land der Sachsen reitend. Hagen von Tronje wurde zum Scharmeister ernannt. 166–181 (175) . Siegfried hielt Gernots Mannen und Hagens Heer zurück. Volker. der Sachse. berief zum Heeresbann Für den Burgundenfeldzug wohl mehr als vierzigtausend Mann. So wollten sie die Heerfahrt von Worms antreten über’n Rhein. „Herr König“. Erbittert hörten’s beide. Lüdegast und Lüdeger. Er zog auf Kundschaft weiter. Auch Lüdeger. Es stießen zwanzigtausend an Kämpfern zu dem Heer. War doch auf trotzige Abwehr der stolze Däne nicht gefaßt. der Spielmann. Das Aufgebot der Seinen betrieb er um so mehr. auch daß sich ein Held darunter fand. „bleibt Ihr daheim am Rhein! Laßt uns der Ehre Hüter. Die Kunde war verhaßt Mehr noch als jede andere dem Dänenkönig Lüdegast. Auch Gunther ließ entbieten. sollte der Fahnenträger sein. Indes wir für Euch einstehn. mahnte Siegfried.

Die Blicke beider trafen sich scharf in grimmer Glut. 182–189 . Und wie geweht vom Winde durchflogen sie den Raum. Der feuerrot von Golde erglüht’ in hellem Glast. Sprang plötzlich in den Sattel. Lüdegast genannt. Ein wackerer Wächter war es. Er sei der Dänenkönig. Der Boden dröhnte zitternd vom harten Sprung und Hieb. Daß hell die Feuergarbe vom Helm des Feindes sprang. verpfändete sein Land. Und sich der rote Blutstrom ergoß durch Brünn’ und Panzerring. den Schild zur linken Hand. der Dänenkönig Lüdegast! Heran schon sprengten beide. der gleichfalls auf Späherposten stand. Nun war erhobenen Schwertes der letzte Angriff wild gewagt. Was zwischen beiden Spähern hier auf der Warte war geschehen. Da bat er um sein Leben. Es prallte Schaft auf Schaft. Gleich wendeten die Pferde sich wieder unterm Zaum. Doch fiel ihn Siegfried wilder und grimmiger nur an. Einander heimlich prüfend erwogen Angriff sie und Hut. Daß Lüdegast drei Wunden von Schwerthieben empfing. Da schlug Herr Siegfried wuchtig. die Lanzen gefällt in jähem Schwung Tief auf die breiten Schilde. Dem stolzen Dänen bangte alsbald um seine Ritterschaft. Bis ihre Reiter wieder im Laufe sich erjagt. die schon von fern gesehen. Es nahten dänische Ritter. die Pferde hoch zum Sprung Gereizt vom Sporn.33 Da hob von seiner Warte jenseits am Hügelrand Ein Ritter sich. Zwar eilten dreißig Männer zur Hilfe schnell heran. Da keiner von den beiden dem Gegner etwas schuldig blieb. Der eben noch von drüben herspähte unverwandt. daß rings das Feld erklang.

Volker mit Dankwart und Gernot. in Siegfrieds Kriegsgewalt. Doch waren schnell die Schneiden der Sachsenschwerter bloß. – kehrte sich keiner dran. Der König Lüdegast. 190–201 . Und ihre Schilde blitzten lichtfunkelnd in dem Reiterhauf. laut im Felde erschwoll ein Jubelschrei. Ortwin und Hagen. Dazu Siegfrieds Gefährten. Der lag im Hinterhalt. Die Dänen schäumten. Jäh traf die Feindesseite der wilde Angriffsstoß. Die dreißig Dänen nieder. – bleibt mir nur meine Kraft. Wahrhaftig. Doch Siegfried rief dazwischen: „Heut bleibt noch mehr zu tun! Wohlan! Das Fähnlein bindet fest an die Stange nun! Eh’ dieser Tag sich endet. Als alles Volk vernommen. Nur einen ließ er leben. zu künden seines Herren Not. So übermächtig brannte die giftige Scham in seinem Blut. Hoch unter Rosseshufen flog rings die Erde auf. ja schlug im Kampf sie tot. der eine Mann. – Beweint manch edle Sächsin noch ihre frühe Witwenschaft! Helden vom Rhein! Zu Pferde! Folgt mir und schaut auf mich! Mitten in Lüdegers Scharen vernichtend stoße ich!“ Schon saß Gernot im Sattel. tödlich gekränkt von Grimm und Schand Ihr Herr gefangen! Geisel in ihres Feindes Hand! Der Sachsenkönig tobte in Zorn und heißer Wut. Ward hingeführt zu Hagen. seinen Geisel wahrend. Doch. mit ihm das ganze Heer. Sie taten wahre Wunder und brachten bald den Feind in Not. daß es der Dänenkönig sei.34 Siegfried griff den Gefangenen. rang er. Die Dänen stürmten an. Ob ihre kleine Truppe nur zählte tausend Mann. Und herrlich mit der Fahne ritt Volker vor den Männern her.

35 Streitkühne Sachsen wehrten. daß von dem Schild Der Schmuck der edlen Spangen flog hell erblitzend ins Gefild. Berieten sich. „und laßt uns Freunde sein!“ Zuerst verwehrt’ es Siegfried. Bis endlich im Gewühle es Siegfrieds Blick gelang. drin mancher Todeswunde hing. So stand des Kampfes Wage. Gern hätten sie wohl länger der letzten Schmach gewehrt. und seine Zwölf ihm nach. Im Prall der Waffen toste Gelärm und Fluch und Schrei. als ob’s ein roter Blutbach sei. Da schlugen Schwerterschneiden auf Helm und Eisenring. Sie zogen einen Streifen. Da gellte seine Stimme: „Siegfried hab’ ich erkannt! Den hat der Teufel selber uns hergeschickt ins Sachsenland! Gebt’s auf! Laßt ab vom Kampfe! Die Fähnlein ziehet ein! Gebt Frieden!“ bat er dringend. doch nahmen dann die Bedingung an. Dreimal durchkämpften quer sie den tiefen Menschendrang. Das Blut floß von den Sätteln. eh’ sich nicht Lüdeger Als Geisel ihm ergäbe. durch wen so heillos Verderben hier geschah. Wußt’ er. Gefangene Geiseln folgten dem Lüdeger fünfhundert Mann. von dessen Blitz so mancher blich. wie fürchterlich Der breite Balmung mähte. blindwütend mit dem Schwert. Doch als er auf des Gegners Erzschild die Krone sah. Da stießen Lanzenspitzen in harten Schildesrand. Mutlos hinsinken ließen sie alle Schild und Schwert. So hieb der Sachse hitzig. Den König selbst zu stellen – der sah. dem sicheren Frieden zum Gewähr. die Dänen hielten stand. Ingrimmig fiel er Siegfried so an. Da – wie ein Sturmwind brach Siegfried in das Gewühl ein. Daß von der Wucht der Schläge ins Knie fast brach sein Pferd. 202–220 (219) .

In ihre Kemenate ward er sogleich geführt. Königin. 221–227 . Begrüßte sie ihn freundlich: „Erzähl! Ich lohne dir. Es fehlte wenig. den ich noch höher rühmen mag. daß in der tapferen Schar Ein Mann war. den edlen Siegfried vom Niederland. Wie hielt im Kampfgewühle mein Bruder sich. Ihr Kriegsbericht Erheiterte am Rheine manch trauriges Gesicht.36 Zum Aufbruch nach dem Rheine ging nun der Marschbefehl. wie hohe Ehren man Und Sieg und Glück im Kampfe mit kühner Mannestat gewann. Und wie es Freudebringern ja überall gebührt. Gernot entsandte schnelle Berittene an den Rhein. Wenn du mir wahr berichtest. dem ihr Sinnen längst heimlich zugewendet war. daß sie ihm Sorg’ und Wunsch verriet. Gernot? Wie all die andern Freunde? Blieb mancher draußen tot? Wer tat das Beste? Sage!“ Stolz hub der Bote an: „Wir hatten keinen Zagen und keinen pflichtvergessenen Mann! Doch. Die sollten dort die Freunde von ihrer Angst befrei’n Und frohe Meldung bringen. Als Euren Gast. mit Gold und Gaben gut dafür. wenn ich treulich die volle Wahrheit sag’. Sie durfte ja nicht zeigen. Von all den Wundertaten die größten. Weiß ich doch keinen. Die edlen Frau’n besonders erfragten unverwandt Das Schicksal ihrer Männer. Die Knappen trabten fröhlich nach Haus. Wie schnell nun alle Sorge schwand! Auch Kriemhild einen Boten sich insgeheim beschied. die im Krieg geschah’n. Im ernsten Kampf vollbrachte die größten Wunder seine Hand. Er hatte mit den Seinen das Beste doch getan. Die Kampfgenossen machten aus Siegfrieds Lob kein Hehl.

das kühne Kämpferpaar. Und achtzig weitere trägt man verwundet hinterher. Empfange zum Lohn ein reiches Kleid! Nimm dazu noch in Golde zehn Mark als Botenlohn. Die Männer von dem Rheine hinstürmten in den Feind. Und mancher von den Feinden hat ihn darum verklagt. Besiegt und als Gefangene führt man zum Rheine sie. Denn dies ist. Der Tronjer wie auch Gernots Gefährten hieben drein. So sind die Friedensstörer in unserer Gewalt. Sein Tatenruhm ist herrlich. Daß deinen Brüdern frevelnd er frech den Frieden aufgesagt. und wenn auch todeswund. Mit eigener Hand zwang Siegfried die Gegner in die Knie. so ehrenvoll es war. edle Königin. die beste Neuigkeit: Als Geiseln dienen beide zu unseres Friedens Sicherheit. Mit Recht erlitten beide schließlich mit ihrem Heer. des Reiter heut ein Weib beweint.“ Wie lieb war Kriemhild alles. Und fröhlich sprach das Mädchen: „Willkommenen Bescheid Hast du gebracht. Leer wurde mancher Sattel. was sie von Siegfrieds Ruhm vernahm! „Fünfhundert Feinde folgen als Geiseln unserem Heer. Den Siegmundssohn. nur Schimpf an Leib und Ehr’.“ Da ging durch Kriemhilds Antlitz das Glück in rosiger Gestalt. des Kampfglück ein wahres Himmelswunder schien. Wohl mocht’ es Lüdeger schon längst verleidet sein. – das lohnt sich schon!“ 228–242 (241) .37 Was all die andern taten. Wie Hagen stritt und Dankwart. Die Dänen und die Sachsen. Die alte Ritterehre die Streiter von Burgund. So männlich sie auch fochten – nichts ist es gegen ihn. sein Kriegsglück wundersam. So gute Nachricht bringen zu reichen Frau’n. In Sturm und Angriff wahrten.

Verbeult und arg durchlöchert die Schilde an der Hand. doch.“ 243–250 . Woll’n Lösegeld wir zahlen.  [genießt. vom Friedensglück gebüßt. Der Krieger frohe Heimkehr mit eigenem Aug’ zu schaun. Verfahret Ihr in Gnaden mit uns und ehrenvoll. „Behielt so edle Geiseln doch nie ein Fürst bisher. dann die von Wunden krank. Zu Lüdegast begann er: „Auch Ihr seid mir willkommen! Zwar hab’ ich schweren Schaden durch Eure Schuld genommen. Wie königlich er dachte. höchster Ehre wert. Da lief das Volk zusammen in lautem Überschwang Und scharte sich am Palas zu fröhlich-festlichem Empfang. Doch galt die erste Frage den Toten. was Ihr getan habt.“ Das nun – Gott lohnt’s den Freunden! – mein Volk in reichem Maß „Wohl mögt Ihr ihnen danken!“ versetzte Lüdeger. wie stets man tote Helden ehrt. Da nahten die Gesunden. das sollten selbst die Feinde sehn. Stolz nahten die Gesunden. Nur sechzig blieben draußen. Die schwerverwundet waren. zerhaun der Helme Rand. die im Streit Gefallen für die Heimat und ihre Sicherheit. Die Gäste ließ er reichlich nach Will’ und Wunsch versehn. Willkommen ihm zu bieten zur schönen Wiederkehr. Fröhlich ritt König Gunther entgegen seinem Heer. Doch wird. gab er in Pfleg’ und Hut. Es grüßte heller Zuruf und Jubel alle zum Empfang. Nun schaffte man Quartiere.38 Es warteten am Fenster die Mädchen und die Frau’n. das den Verlust entschädigen soll. Zu danken allen Freunden. daß gut und ehrenhaft Sie dort in hartem Kampfe ihm seinen schönsten Sieg verschafft. Ward still um sie getrauert. Der König sorgte gut.

Die wieder heimwärts wollten. wer es immer sei. die schaffte man beiseit’. den Met und hellen Wein. er hätte nicht den Wunsch erfüllt. Doch hätte nicht Kriemhild In seinem eigenen Sinn gelegen. sprach der König. Nach Kampf und langem Marsche. Doch wehrte Gunther innig. daß nicht in Traurigkeit Der Frauen Tränen flossen.“ Da bat ihn auch um Urlaub Siegfried von Niederland. war doch viel eher not. wird dann gesund vom Bett erstehn. hielt er und bat vielmehr Zu bleiben. wie man’s immer den Freunden sagt zur Ehr’. Zu heilen gab’s genug! Mit reichem Solde lohnte der König ihre Kunst. daß jeder bleibt im Land. Die schwer von Wunden litten. Daß ihre heitere Miene kampfmüden Männern Tröstung bot. Da riet Herr Gernot dringend: „Laßt sie nur reiten jetzt! Doch sei für sie schon heute die Rückkehr festgesetzt Zu einem Fest. Und sann.39 „Ich laß Euch“. die ihm den großen Sieg errang. wie er am Ende noch schöneren Lohn und Dank Für ihre Treue fände. Die Meister der Arzneikunst versorgten gut und klug. der noch wund liegt. daß keiner. Er bat und widerstand Und flehte ihn zu bleiben. Die blutigen Sättel barg man. Sich seiner Haft entziehe. Bis wir ihn einst entlassen!“ Darauf gab Lüdeger die Hand. das binnen sechs Wochen wir begehn! Manch einer. Wenn Ihr mir bürgt. Da mochten Knecht und Knappen bei Scherz und Trunk wohl fröhlich sein! Die schwer zerhauenen Schilde. „gern Eurer Fesseln frei. Auch seinen Gästen bot er verschwenderisch nun Gold und Gunst. 251–258 (254) . wie ruhte es sich süß! Den Wunden gab man Betten und den Gesunden ließ Der König Labung reichen.

Frau Ute auch benutzte vorsorglich noch die Zeit. Schon übten sich die Knappen auf ihres Herrn Geheiß. Die schöne Schwester hofft’ er zu sehn beim Siegesfest. Auch Xanten sah er später. ein Wunsch am Hofe fest. Zwirn und Band. Der hoffnungsvoll in schöner. ritterlichen Herrn. begierig nach hohem Siegespreis. Mädchen und Frau’n zu zieren mit Putz und Schmuck und Kleid.und Festgewand. Zu nähen und zu fälteln an Kopfschmuck und Gewand! Dabei der stolzen Helden gedenkend. 260–264 . Auch ließ er Zelte bauen vor Worms am grünen Rhein. Aus Liebe zu den Kindern ließ sie manch fleißige Hand Für Knappen und für Fremde herrichten Prunk.40 Nur ein Gedanke hielt ihn. War doch für all die Gäste die weite Stadt noch viel zu klein. wie sie gern Gefallen möchten allen den edlen. Sie mühten sich geschäftig mit Nadel. Nun winkte die Erfüllung. so glücklich wie sein Traum gewähnt. Nun galt’s auch für die Frauen. ganz naher Zukunft lag. Kriemhild erfuhr mit Freude vom nahen Siegestag. Gewandt im Kampf. wie er sie längst ersehnt. mit Sorgen nicht zurückzustehn. Zulieb den Freunden wollte Gunther das Fest begehn.

41 V. Längst wußte Gunther. Die Kranken selbst entbehrten der anderen Mitleid kaum. der Hofgewänder Prunk. Pfingstmorgen war’s. 265–272 (270) . Gute Quartiere waren zur Unterkunft bereit. Das Fest in vollen Zügen mit zu genießen war ihr Traum. – So leuchtenden Gepränges begann das Fest am Rhein. unübersehbar floß Der feierliche Festzug heran zur Burg. Wie’s königliche Würde und feiner Sitte Zwang gebot. Indes die schönen Frauen wetteiferten in Zier und Kleid. Wie Siegfried Kriemhild zum erstenmal sah Nun ritten alle Tage die edlen Gäste ein. Die Kranken und die Wunden sah’n glücklich in den Glanz hinein. Ihn wie auch Gernot ließen die Sorgen gar nicht ruhn. wie hart. jung. Mit Gold beschlagene Sättel auf Pferden feurig. Wie Sinne er und Seele Kriemhilden zugewandt. Fünftausend oder mehr noch. wie es mit Siegfrieds Herzen stand. Prachtvoller Schilde Goldglanz. Sie durften fast vergessen. Nur daß er sagen hörte. wie nah der Tod. wie sehr ihr Reiz die Welt entzückt’. Die Siechen auf dem Lager in ihrer Wunden Not. den Jüngsten. Ob er bisher sie niemals mit Augen je erblickt. Empfang der vielen Gäste. und weit Ergoß in Hof und Palas sich Jubel rings und Fröhlichkeit. Für Giselher. Da standen Kamerad und Kampfgenoß. gab es nun viel zu tun. Zweiunddreißig Fürsten kamen an den Rhein. Bewirtung waren not.

Sie suchten. als stolzes Ehrgeleit. Armringe. – An hundert nah Verwandte – stand schon bereit und ging. der Reiz am schönen Weib! Erlaubt. Das Schwert in jungen Händen. Dichtes Gedräng’ entstand. Wie alle Augen glänzten! Sah’n sie die Schönen doch noch nie! Ein stattliches Gefolge auf König Gunthers Wink. künstlich runde. War froh. 273–280 . Wie gerne ward dieser Wunsch sogleich erfüllt! Vor ihren Schreinen prüften sie da das schönste Kleid. Und jeder. Die schönen Frauen sähen auch ihn mit Neigung an. So stolzer Brauch war üblich an Gunthers Hof seit alter Zeit. Damit doch jedes Auge die herrlichen Gestalten fand. was Mädchen sonst im Sinne liegt. an hundert wohl. aus feinstem Gold gefügt. bis eines lag bereit. umgab Die beiden Königinnen. Es hoffte mancher junge. noch unerfahrene Mann. alles. was freute Seel’ und Leib. die vom Gemach herab Die Treppe niederstiegen. Gunther ließ entbieten die Mutter und Kriemhild Mit ihren Frau’n. Wenn nicht der Mädchen Zauber.42 Da riet ihm Ortwin: „Soll sich diesmal in vollster Pracht Das schöne Fest entfalten. daß Eure Schwester hier unter uns erscheint!“ Der Rat war gut. Was wäre Mannes Wonne. der’s gehört. wie mancher für sich in stiller Freude meint’! „Es soll geschehn!“ sprach Gunther. wählten lange. als sei ganz eigens ihm dieses Glück beschert. in ihrem ganzen Reiz erschaun. Gewiß. dann seid auf eins bedacht: Laßt uns zur Augenfreude die Mädchen und die Frau’n. Ein Schwarm von schönen Frauen. er tauschte gerne ein Königreich für sie. Die Zierde Eures Hofes. Borten und Zierat.

Wie der Mond. ein schönes. umringt von ihren Frau’n. dann wär’ ich lieber tot!“ In solcherlei Gedanken ward seine Wange blaß und rot. Muß ich dich aber meiden. Und wie ein schönes Wunder. sie anzuschaun. als Schmuck und Edelstein. – das mußte jeder zugestehn. Wie mild sein reines Leuchten durch die Wolken geht. Es gäbe keinen Helden wie den. der so viel für Euch tat Und Euch so treu gedient hat. Dich jemals zu gewinnen! Es war ein eitler Wahn. Ein schöner Leuchten schien es. Ihr seid in seiner Schuld. So wunderlich befangen stand er vor Kriemhilds Lieblichkeit. Von ihren roten Wangen erging ein zarter Schein. Es wandte sich an Gunther Gernot mit gutem Rat: „Gedenket jetzt an Siegfried. Daß jeder in ihr Antlitz nur einen Blick gewann. so schön und wunderbar. Er dacht’ in seinem Sinne: „Wie töricht war der Plan. wovon man sagte zwar. So stand nun Siegmunds Sohn da. als ständ’ Ein Bildnis da. vor den Sternen steht. Wer wünschte. So kam sie gleichen Glanzes. Siegfried stand tief betroffen. Da endete die Not! Der sie so lang im Herzen getragen. Und höher schwoll den Helden das Herz vom Glück. Erweist vor allen Leuten zum Dank ihm heute Eure Huld. alles Schöne auf Erden möcht’ er sehn. – so wunderlich. 281–288 (287) . das auf ein Pergament Ein großer Meister malte. der helle.43 Da nahte nun die Jungfrau. Hier war das Allerschönste. Froh war ihm und doch leid. Von allen Seiten drängten die Ritter sich heran. wie erstes Morgenrot Tritt aus den trüben Wolken. sah sie stehn. so herrlich war sie anzusehn.

“ Da zuckte jähe Freude Siegfried durch Herz und Sinn. Vor Utes schönem Kinde zu stehn – nun war’s so weit! – Die Liebliche begrüßt’ ihn mit aller höfischen Sittsamkeit. der vor ihr in edlem Stolze stand. vertraulich ging an seiner Hand. Zu Siegfried. Als Siegfrieds Freude brannte. wir werden nur um so mehr ihm lieb und wert. Wenn sie ihm dankt. und gaben ihm bekannt: „Der König läßt Euch bitten. 289–295 . Ward eine weiße Hand da wohl liebevoll gedrückt? Ich weiß nicht. ein tapferer Ritter wäret Ihr. wie man anders es nicht vor fremden Leuten kann. Nun Kriemhild. die Gunther nah verwandt. die Ersehnte. mag junges Maiengrün Ein junges Herz berauschen – nicht freudiger kann’s erglühn. was ihn bedrückt’.44 Laßt Siegfried freundlich bitten zu Kriemhild zum Empfang.“ Es gingen einige Männer. Wie freudig schritten beide. was ihn schmerzte. Gütig ergriff sie seine Hand. Doch kann ich mir nicht denken. ihm und dem Hof zu nah’n. dahin. Sie soll den Helden grüßen zu unserem Nutz und Dank! Die niemals Blick und Rede noch einem Mann gewährt. Kriemhild soll Euch empfangen. ihn zu laden. Mag Sommerluft entzücken. Doch heimlich. Denn deutlich war’s. als hielte sie ein Band! Mit lieben Blicken sahen sie eins das andere an. Die schöne Kriemhild sagte: „Seid recht willkommen mir!“ – Wie ward er froh! – „Man rühmt Euch. daß man es unterließ. Da stieg in seine Wangen ein glühend heller Brand. da er den Blick verstand. Verflogen. Zu erfahren ist es mir nicht geglückt. wie Kriemhild ihm ihre Zuneigung bewies. Sie sah ihn an. ist sein Plan.“ Er neigte tief sich. Denn Euch zu ehren.

– des Glückes wär’ ich froh! Den Arm um sie zu legen – das ließ ich nicht. Aus ihrem Mund erhielt er nun erst den vollen Dank Für seine Freundeshilfe und für den Sieg. Er dachte seines Glückes wahrlich mit tiefem Dank. Da hing ein jedes Auge an ihnen wie gebannt. „Ihr habt’s verdient. daß ihm nach Wunsch und Wahn Die Liebliche geneigt war. Siegfried führte Kriemhild bis an den Dom heran. Dann trennten sich die Frauen und Männer an der Tür. Siegfried stand an der Tür. Auf schöneren Dank für Siegfried ging Gunthers Wunsch und Sinn: Zum Kusse reichte Kriemhild ihm ihre Lippen hin. Herr Siegfried!“ So sprach das schöne Kind. was er da empfand. den er errang.45 Im stillen dachte mancher: „Ei. daß alle hier Eure Freunde sind. Wie es der Brauch verlangte. fürwahr!“ So lieblich anzusehen. Wie selig sein Geschick sei. ging ich ebenso An ihrer Hand wie Siegfried. der längst er herzlich zugetan! Kriemhild verließ das Münster. Und zum Geleit beschied man ihn wiederum zu ihr. „Das lohn’ Euch Gott. Gott mag verhüten. Man sagt. so fürstlich schritt das junge Paar. Doch konnt’ er kaum erwarten den frohen Schlußgesang. Der Dänenkönig aber sprach nachdenklich für sich: „Um dieses Kusses willen mancher von uns erblich Mir zu Verlust und Schaden von Siegfrieds starker Hand. Das Süßeste der Erde schien Siegfried. daß Eure Treue ihr ganzes Herz gewann!“ Mit freudehellen Augen blickt’ er die junge Kriemhild an: 296–303 (299) . daß er je Wiederkehr’ in unser Land!“ In feierlichem Zuge hob nun der Kirchgang an. So schied auch Siegfried dort von ihr.

ging Gunther durch den Saal: „Ich muß euch ewig danken. noch kein Verlangen trag’. und ich am Leben bin. Fröhlichkeit Erfüllten Gunthers Halle und Hof die ganze Zeit. Zwölf schöne Tage sah Man beide. Vergnügen. Da ich. Indes. Ein Friedenspfand zu bieten.“ Geheilt war Lüdegast. Doch König Gunther tat Nichts ohne Siegfried. einzig mein Gewinn!“ Zwölf ganze Tage blieben sie sich einander nah Im Kreise der Verwandten. Herrliche Freuden. Ortwin und Hagen sorgten. so lange ich’s vermag. nichts fehlte. Hier drinnen und da draußen gab man mit Herz und Sinn In hochgemuter Stimmung sich allen Festeswonnen hin. wie nicht eines je von dem anderen wich. wie sich’s schickt. Siegfried zu Lieb’ und Ehre und Dank geschah’s geflissentlich. Selbst die verwundet waren. hochedle Frau Kriemhild. wenn ihr zum Abschied von mir geht!“ Es baten ihn die Dänen: „Wir sind darauf gefaßt. Eh’ Ihr uns in die Freiheit. und jeder war beglückt. Was einer wünschen mochte. Dringend bat er auch jetzt um seinen Rat. ihr Freunde.46 „Ich diene ihnen gerne. die Kämpfer grüßend. ins Heimatland entlaßt. 304–312 . Die Erde von Burgund Barg viele tote Feinde. So lange sie mich brauchen. Traf manchen lieben Freund doch von Euren Kämpfern früher Tod. im Traum der alten Kraft Vergnügten hinter Schilden sich schon am Spiel mit Schwert und Schaft. mein Haupt zu ruhen. Spiele. Sei Eure Huld. Die schönsten Speisen boten die Köche auf beim Mahl. drum verschmäht Nicht meine Gastgeschenke. Denn wahrlich. genesen und gesund War auch der Sachsenkönig. das ist not.

47
„Was soll ich tun? Die Feinde versprechen Lösegeld,
Fünfhundert Pferdelasten an Gold, wenn mir’s gefällt,
Sie frei und los zu lassen.“ Kaum, daß er sich besann,
Gab Siegfried fest zur Antwort: „Der Handel stünd’ uns übel an!
Laßt ledig die Gefangenen von hinnen ziehn nach Haus,
Auch ohne Geld. Nur eines bedingt Euch dafür aus:
Zusagen sollen beide, daß niemals Euer Land
Sie je wieder befehden, und dies versprechen in die Hand!“
„Den Rat will ich befolgen.“ Damit ging er und sprach:
„Dem Gold, das ihr uns bietet, – wir fragen nichts danach.
Versprecht es in die Hand mir, daß ihr den Frieden wahrt.
Dann lenkt zur Heimat wieder, die euch erwartet, eure Fahrt!“
Abschied erbaten endlich die Gäste. Von Kriemhild
Und Ute nahmen Urlaub sie alle dankerfüllt.
Die Zelte wurden stille, die Kammern mählich leer.
Nur die Verwandten blieben vereint zu freundlichem Verkehr.
Urlaub erbat auch Siegfried. Er tat es aus Verzicht,
Denn wonach er verlangte, zu halten wagt’ er’s nicht.
Als Gunther seine Absicht, er wolle fort, vernahm,
Da sandt’ er Giselher, der eilends ihn zu bitten kam.
Da Siegfried schon zur Reise bereit, drang ungestüm
Giselher der junge in ihn und sprach zu ihm:
„Wohin willst du schon reiten? Nein, edler Siegfried, bleib!
Wir würden dich vermissen, wir Freunde und manch schönes Weib!“
Da sagte Siegfried: „Stellt nur die Rosse wieder ein!
Ich reite nicht! Wir wollen noch froh beisammen sein.
Bergt auch die Schilde. Fern sei noch unser Abschiedstag.“
Was doch ein Wort des Freundes, wie Giselher es sprach, vermag!

313–322 (317)

48
So blieb der Held am Rheine. War ihm doch nirgendwo
Das Herz wie hier so sorglos, so leicht und lebensfroh.
Es hielten ihn die Freunde, treu brüderlich gesinnt,
Ihn zwang mit seinem Zauber das schöne königliche Kind.
Wenn man bei Spiel und Kurzweil fröhlich die Zeit vertrieb,
Sah er ihr Antlitz täglich, sie wurde ihm so lieb,
Daß Seel und Sinn’ ihm glühten in immer neuer Not.
Um ihretwillen sank er dereinst in jammervollen Tod.

323–324

49

VI. Wie Gunther zur Brünnhild nach Island fuhr
Weit über fernem Meere saß eine Königin,
Nie sah man ihresgleichen so kühn als Kämpferin,
Zwar makellos an Schönheit, doch maßlos auch an Kraft.
Wer um sie warb, dem wehrte sie kampfbereit und heldenhaft.
Sie schleuderte die Lanze, fernhin warf sie den Stein
Und sprang ihm nach. Gewinnen erst konnte sie allein,
Wer über sie im Dreikampf Herr ward. Wer sie nicht zwang,
Wer nur ein Spiel verloren, büßt’ mit dem Kopfe seinen Drang.
Es sagte König Gunther: „Wie es mir auch ergeh’,
Nach Brünnhild, dieser Königin, fahr’ ich über See.
Um ihrer Liebe willen wag ich daran den Leib,
Den will ich eh’ verlieren, wird jene Brünnhild nicht mein Weib.“
„Das widerrat’ ich“, sagte Siegfried, „denn furchtbar ist
Ihr wilder Brauch, wenn einer zu werben sich vermißt.
Wer Liebe von ihr fordert, der spielt ein hohes Spiel.
Daher gebt’s auf. Ich rate Euch ab. Ihr wagt dabei zuviel!“
Doch Hagen meinte: „Siegfried mag helfen. Denn er kennt
Brünnhilde; er bringt fertig, was ihr allein nicht könnt!“
So bat ihn Gunther offen: „Ich wage Ehr’ und Leib,
Wenn du mir beistehst, werb’ ich um jenes herrlich-kühne Weib.“
„Ich will es tun“, sprach Siegfried, „gibst du zum Lohn dafür
als Gattin deine Schwester, die schöne Kriemhild, mir.
Denn wisse, daß ich sonst nichts und keinen Dank begehr’,
Wird sie nach Kampf und Mühsal mein Weib bei unserer Wiederkehr.“

326–333 (325, 328)

50
„Das will ich dir in Treuen geloben in die Hand!“
Sprach Gunther. „Kommt die schöne Brünnhilde hier ins Land,
So will ich gern die Schwester dir zum Weibe geben.
Dann magst du mit der Schönen dereinst in reinem Glücke leben.“
Mit Handschlag und mit Eiden beschworen sie den Bund.
Noch stand viel Not dazwischen, eh’ sie heim nach Burgund
Die schöne Brünnhild brachten, viel Sorge, eh’s gelang,
Und er im harten Kampfe die Heldenkönigin bezwang.
Nun rüstete man sorglich die weite Meeresfahrt.
Die Kappe, die den Träger vor jedem Blick verwahrt
Und ihm zu seiner Stärke Zwölf-Männer-Kraft verleiht,
Von Alberich erbeutet, hielt Siegfried klug im Schiff bereit.
„Uns folgen zur Begleitung an dreißigtausend Mann,
Daß ich mit vollen Ehren vor ihr bestehen kann!“
So meinte König Gunther. Doch Siegfried widerriet:
„Ihr Brauch ist so, daß keiner jemals die Heimat wiedersieht.
Wir ziehn nach Ritterweise des Rheines Lauf zutal,
Mit wenigen Gefährten anstatt der großen Zahl.
Nimm Dankwart mit und Hagen! Nicht mehr! Allein wir vier –
Was dann auch kommen möge, – die Königsbraut gewinnen wir.“
Auf ihres Bruders Bitte war Kriemhild gleich bereit,
Zu nähen und zu schmücken Gewand und Wams und Kleid,
Daß sie, so ausgestattet, in Brünnhilds Land zu Gast
Erschienen, wie sich’s ziemte und für Burgundenkönige paßt.
Sie nahm arabische Seide, so weiß wie frischer Schnee,
Dazu noch Zasamanker, grasgrün wie junger Klee.
Gefüttert mit den Häuten von Fischen, und zuletzt
Mit schönen Edelsteinen, wie Feuer blitzend, reich besetzt.

334–363

51
Libysche, marokkanische Gewänder, farbig bunt,
Mit kohlenschwarzer Seide verbrämt als dunklem Grund,
Denn Hermelin erschien ihr daneben zu gering.
Wie gern die Schwester sorgte und liebevoll zu Werke ging!
Nun kam die Abschiedsstunde. Gar nahe ging es ihr.
Sie sagte: „Lieber Bruder, warum ersehnst du dir
Ein Glück in fernster Weite? Du fändest in der Näh
Auch eine edle Gattin, von der dir nicht Gefahr geschah.“
Und Siegfried bat sie: „Laßt ihn Euch anbefohlen sein!
Ihr seid so treu und tüchtig und Ihr vermögt allein,
Vor Schaden ihn zu hüten in Brünnhilds rauhem Land!“
Der Held versprach’s und reichte ihr zum Gelöbnis seine Hand:
„So lang ich lebe“, sagt’ er, „braucht Ihr, vieledle Frau,
Euch nicht zu sorgen. Bleibt nur getrost! Denn ich vertrau’,
Gesund bring’ ich den Bruder zum Rheine sicherlich.
Ihr könnt fest auf mich bauen!“ Da neigte sie zum Danke sich.
Nun brachte man die Waffen, die Rüstung, das Gewand,
Schilde mit rotem Golde hinab zum Ufersand.
Sie zogen ihre Rosse ins Schiff. Die Fahrt begann,
Und manche Abschiedsträne aus schönen Frauenaugen rann.
Im Fenster stehend winkte hinab manch lieblich Kind,
Bis prall die Segel schwollen, gefüllt von günstigem Wind.
Der trug die Fahrtgenossen hinab den hellen Rhein,
Der König Gunther fragte: „Wer soll jetzt Schiffmeister sein?“
Siegfried erbot sich: „Wie es hier steht mit Flut und Sand,
Der Lauf der Wasserstraßen ist mir gar gut bekannt!“
Er griff zur Stange. Kundig und kraftvoll hielt er ab.
Gunther nahm selbst ein Ruder, leicht glitt das Schiff den Strom hinab.

364–379 (367–371, 373)

52
Sie waren wohl versehen mit Speisen und mit Wein,
Gewächs vom allerbesten im ganzen Land am Rhein.
Das Schiff lief glatt und ruhig. Am breiten Steven war
Für die vier edlen Pferde Gelaß und sicheres Verwahr.
Von günstigem Wind getrieben, sah’n sie am zwölften Tag
Brünnhildes Land. Am hohen Steiluferrande lag
Der Isenstein, auf Felsen die Feste, sturmumtobt,
Siegfried bekannt seit langem, der früher schon die Fahrt erprobt.
So gab auf Gunthers Fragen er gut Bescheid: „Das Land,
So weit Ihr seht, ist Brünnhilds, und jene steile Wand,
Gekrönt mit Burg und Türmen, das ist der Isenstein.
Dort landen wir. Noch heute wird unsere Fahrt zu Ende sein.
Doch rate ich, wir kommen fest überein darin,
Wir sagen, daß ich Gunthers Vasall und Lehnsmann bin,
Und er mein Herr.“ Sie dachten noch nicht an Not und Schuld.
Und sagten’s zu. Vor Gunther stand nur der schönen Königin Huld
„Um deiner Freundschaft willen“, sprach Siegfried, „tu’ ich’s nicht.
Nur deiner Schwester wegen gelob ich Dienst und Pflicht.
Wie meine eigene Seele ruht tief ihr Bild in mir,
Als wären eins wir beide; nur darum dien und helf ich dir.“

380–388 (381)

Sie putzten sich und schmückten erst zierlich Haar und Brust. Es ist die edle Brünnhild. schmal genug. „ich will’s tun“. wäre sie In Eure Macht gegeben!“ – „Gut“. Der König fragte Siegfried: „Wer sind die schönen Frau’n. Was hübsche Mädchen immer für Fremde tun mit Lust. Wie Gunther Brünnhilde gewann Das Schiff kam schnell geschwommen. sein höchster Wunsch gekrönt. Und ließ die Blicke forschend auf den Gesichtern droben ruhn. Sie zieht mein Auge lockend auf ihre Wunschgestalt.“ „Es gab dein helles Auge der Wahl ein gut Geleit.53 VII. Zu der die eigene Neigung Euch zöge. Sie wichen zwar gehorsam. Nach der sich deine Seele. 389–395 . schien alles erfüllt. Dahinter sich zu bergen und doch zu schaun der Helden Zug. die schöne Königsmaid. wie es der klugen Frauen Art. doch wie berichtet ward. Dann suchten im geheimen sie Fenster. Schon auf den ersten Blick hin – die nähm’ ich. hätt’ ich die Gewalt. dein Herz und Sinn gesehnt. sprach er. schon war’s der Burg so nah. Daß man im Fensterrahmen manch schönes Mädchen sah. die Mädchen sollten nicht Hinab vom Fenster gaffen den Fremden ins Gesicht. „In jenem hohen Fenster dort seh’ ich eine stehn In schneeweißem Gewande. Sie fanden einen Ausweg.“ Wie sie dort stand. Die neugierig von droben zu uns ins Schiff hernieder schaun?“ Da sagte Siegfried: „Wählet und sucht im stillen die. Die Königin ließ gebieten. Die ist so einzig schön.

Wie Siegfried an dem Zügel ein Roß zog auf den Sand. Nur ganz von rabenschwarzer Stahlrüstung streng verhüllt. Man hörte. ein ungewohnter. Im Fensterrahmen stehend. schwankend beim Rosseschritt im Licht. wo die Burg auf Felsenhöhen stand. der nur die Fremden trog – Wie er dem König Gunther den Bügel hielt. Als Herr erschien er dadurch und Siegfried nur von niederem Rang. wie es ihr Ritterstolz gewollt.54 Nun sah’n sie. Metallene Schilder glänzten an ihrer linken Hand. 396–403 . Wie er sein eigenes Roß dann heraus ans Ufer zog. schneeweiß ihr Ritterkleid Ganz gleich gewandet ritten sie hin den Weg zu zweit. Mit neu geschliffenen Speeren. Sie ließen sorglos liegen ihr Schifflein in dem Sand Und ritten aufwärts. glänzend schwarzen Schild. So ritten sie ins Land ein. Umleuchteten von Helmrand und Rüstung ihr Gesicht. Hagen und Dankwart ritten langsamer hinterdrein. ein hehres schönes Frauenbild. Gleich herrlich beide Männer und beide gleich an Art und Stand. Zur Seite bis zum Sporne hinab das Ritterschwert. Von Zaun und Riemen läutend. Worauf sich König Gunther leicht in den Sattel schwang. – Ein Dienst. Indische Steine. genau. Erspähten es die Mädchen dort oben und die hohe Frau. Lichtweiß wie Schnee die Rosse. Von reichem Zierrat leuchtend – das alles sah Brünnhild. wie vier Ritter anlegten an das Land. Und jeder trug am Arme den breiten. Am Sattel blitzten Steine. stahlglänzend. gelbrot von lichtem Gold. gut bewehrt. in stolzem Waffenschein. Prunkend auch sie im Schmucke. wie im Gang Der Pferde zierlich leise ein Spiel von Glöckchen klang.

Gelaß und Ruhstatt wiesen sie Roß und Rittersmann. Doch war es nicht nach Hagens Sinn. Und dienstbereit. „Wer sind die fremden Ritter. die heut in voller Wehr Ins Tor geritten kamen? Wes Freundschaft lockt sie her?“ Da sagte eins der Mädchen: „Nur einer scheint bekannt. doch fremd am Isenstein. Ein Kämmerer sagte: „Reicht mir die Gere und das Schwert. Eifrig entgegen kam Ein Dienerschwarm.55 Von sechsundachtzig Türmen sah’n sie ein weites Rund. daß drunten Männer gelandet sei’n. Drin drei Paläste ragten auf grauem Felsengrund. die Schilde vom Arm zu nehmen. Der gleicht dem edlen Siegfried. Empfangt ihn freundlich hier im Land! 404–411 . der höflich die Pferdezügel nahm. Daß nie ein Gast die Waffen behält und bei sich trägt. gewiß fürstlicher Art. Brünnhild erfuhr. Doch schauten alle einzig nach jenen stolzen Fremden aus. stand. Wohl gingen Brünnhilds Männer geschmückt durch Hof und Haus. die Sitte bleibe hier gewahrt. Dann bot man Wein zum Willkomm den Gästen freundlich an. So fügt euch dieser Sitte und gebt sie willig hin!“ Darauf gab man die Waffen. Ganz herrrlich anzuschauen. Sie fragte. Das ist so unsere Art!“ Doch Siegfried mahnte dringend. „Man hat am Isensteine von je den Brauch gehegt. Die Brünnen auch!“ Doch Hagen lehnt’ ab: „Das sei verwehrt! Die tragen wir stets selber. Gebührend zu empfangen die Gäste in der Herrin Land. wer sie seien. woher sie kämen wohl der Fahrt. Weit offen Tor und Türen. Stattlich und gut gerüstet. Ein hoher Saal von edlem grasgrünem Marmorstein Schloß die Gemächer Brünnhilds und ihrer Dienerinnen ein.

edle Königin. er scheint ein königlicher Mann! Der dritte. daß ich freiwillig werd’ sein Weib. Wenn ihm die Macht gehörte. das stünde ihm wohl an. Zu stattlichem Geleite Männer vom Isenland. Und funkeln Zorn. und kam er in das Land. „Siegfried“. als sei ihm die ganze Welt verhaßt. zu hören. ist der düstere Gast. ein Herrscher könnt’ er sein. Der jüngste unter ihnen scheint milde mir und zart. wie es verlangt die Gastlichkeit. daß Euer Schiff lein zum Isenstein die Wege fand?“ 412–419 (415) . was Brünnhild da bewegt’. „seid mir willkommen hier im Land! Wie kam’s. herrlich im Reiz von Schmuck und Kleid. Von züchtig-edler Haltung und herrlich anzusehn. Der erste Blick der Königin traf Siegfried. dem möcht’ es schlimm ergehn. fast wie nach Mädchenart. Fünfhundert oder mehr noch. die Schwerter in der Hand. – nun ihr mögt Neugierig sein. ist stattlich von Gestalt. so grimmig. Das gab nichts Gutes kund. Doch seine Augen blitzen furchtbar und eiseskalt. Mich zu gewinnen.56 Der zweite der Gefährten. – so würdig schaut er drein. kostet es leicht ihn Blut und Leib! Mir ist noch nicht so bange. befürcht’ ich. Und doch ein Held. Auf standen von den Sitzen vor ihr die Herren von Burgund.“ In kostbare Gewänder hüllte man Brünnhild ein.“ Die Königin rief den Mädchen: „Nun bringt mir mein Gewand! Ist Siegfried jener Fremde. so sprach sie. Verletzt ihn ein Feind. Gebieter weiter Länder. An ihrer Seite gingen. Ein Mann – und dennoch zierlich. So schwarz sein Kleid. Er überprunkt sie alle. Die Fremden zu begrüßen. Dann schritt sie mit den Jungfrau’n – an hundert mochten’s sein – Hinab die Stufen.

ließ Euch mein Herr den Preis. Glaubt mir. Seid nicht zu schnell!“ So schlimm war. „Ich schütze Euch! Die Klugheit. daß Ihr gefährlich seid? Es müßte arg schon kommen. zu zwingen weiß. vermieden hätt ich gern die Fahrt. Er will die Werbung wagen. Bescheid! Was spielt Ihr denn so Schlimmes. unbeugsam hält. edle Frau. Er sollte ohne Sorge vor ihrer Drohung sein.57 „Zu gnädig seid Ihr. Hätt ich’s im weigern können. Darum gedenkt und wißt. denn Ehre und Leben hängt daran. nennt Euer Willkomm mich Zuerst vor diesem Edlen. so schön wie Ihr. heran. Jedoch wenn ich obsiege. Fürstin. wie ich es lieb’.“ Sie sprach: „Ist er Gebieter. und auch der Sieg im Spiel sind mein. Daß Euer Gruß und Willkomm zu hohe Ehre für mich ist. was er beschloß. Wagt er sich an das Kampfspiel. folg’ er in weitem Sprung. dann werde ich sein Weib. daß er ein Mädchen. den er geworfen. zu entgegnen beherzt nach seinem Sinn.“ 420–426 . worauf die Königin sann. Er ist am Rhein geboren. Er hat den Zug befohlen nach seiner kühnen Art. Sein Nam’ ist Gunther. Und meistert mich im Siege. entbehrte er nichts mehr. Was soll ich sagen mehr? Um Euretwillen fuhren wir drei mit ihm hierher. Erst prüfen wir im Schießen den Ger mit hartem Schwung. wie auch das Los ihm fällt.“ „Dem Stein. Bedenket. Weithin waltet als König er. Bedenkt es recht. so geht’s euch allen an den Leib!“ Da sprach Hagen von Tronje: „Gebt. Gewann er Eure Liebe. bist du sein Eigenmann. daß mein Herr. denn ihn verehre ich Als meinen Herrn und König. Der kühne Siegfried wandte sich leis zu Gunther hin Und bat ihn.

und ungesehen trat Er unter sie. heldischen Art gefiel. Versammelt schon im Ring Fand er die Männer. und eilig brachte man Den starken Schild und legt’ ihr zuletzt die goldene Brünne an. Sie alle gut bewaffnet. Das hohe Spiel erwartend. ein wahrer Kennerkreis. darin im Rund umher Die Männer standen. die drin verborgen war Und schlüpft’ hinein. mit Borten reich umhüllt. und schimmernd schlang um sie Sich bunte lybische Seide. das nie Bisher ein Schwert durchschnitten. Rief nach dem Waffenkleide. Zu richten. wählt Nach Eurem Wunsch die Spiele. Den Gästen drohte mancher in Spaß und Übermut. das lag dem Ufer nah. Hinabgeeilt zum Schiffe. Hagen und Dankwart dachten betrübt: Das geht nicht gut! Die Sorge um den König bedrückte ihr Gemüt. was er trieb und tat. doch keiner bemerkte. Nun steckte man den Platz ab. harrend auf ihrer Königin Wink. siegt Ihr und werdet Ihr nicht mein!“ Auf diese Worte Gunthers befahl sie schnell das Spiel. Die Brust umschloß von Seide ein Waffenhemd. 427–433 . Das Haupt will ich verlieren. Doch sei Euch nicht verhehlt: Verlangt die schwerste Probe. Sie sagten: „Nun erweist sich’s wie uns die schlimme Fahrt mißriet. eh’ jemand es noch sah. Nun war er für Menschenaugen unsichtbar. Er griff die Zauberhülle.58 Da sprach der König Gunther: „Auf. Dann stieg er eilends aufwärts. wem gebühre zu Recht des Kampfes Siegespreis. So leuchtend in der Rüstung stand kühn und kampfbereit Brünnhild. sieben mal hundert oder mehr. ich setze alles ein. edle Königin.“ Doch Siegfried war inzwischen. Wie’s ihrer seltsam strengen.

Schon kamen ihre Diener. Von Stahl und reichem Golde. war jedem Arm zu schwer. Denn unter seinem Buckel maß fast drei Spannen er. Da sprach der Tronjer warnend. Der mit stahlharten Spangen zum Schutz umschmiedet war. schweren Gang! „Wie soll das Spiel sich enden. Die ihn zum Platze trugen. So übergroß war seine Last. Wie sie dort drohend stand. vier Männer beugt’ er fast. Wie bang Ward Gunther im Gedanken an seinen nahen. König Gunther? Es geht um Seel’ und Leib! Die Ihr zu werben dachtet – gebt’s auf! – die ist des Teufels Weib!“ Nun brachten ihre Leute der Königin den Ger. wie mühsam man trug den mächtigen Schild. Die Liebliche! – So spielte sie kühn mit Not und Todgefahr. ist’s mit ihr so bestellt? Den Teufel selber treibt sie. Genügten doch drei Leute zum Tragen kaum. Der Schaft war lang und schwer. aus allem Waffenprunk Sah fraulich zart ihr Antlitz mit Wangen licht und mädchenjung. wenn es ihr nur gefällt. Der Schild. Und doch – aus ihrer Rüstung. Schien sie bereit zum Kampfe um aller Könige Land. wie man erzählte. Als Hagen sah. man daran messen kann: Viertehalb Lasten Erzes verschmolz ein Schmied daran.59 Gewaffnet kam die Königin. Mit dem sie schoß im Kampfe. Wie schwer er war. die hielten griffbereit Den Schild von rotem Golde. und wenn sie warf damit. von grimmiger Wut erfüllt: „Was wird nun. gewaltig lang und breit. Aus seiner Hölle! Wär’ ich zu Hause nur am Rhein! Vor meiner Liebe sollte sie noch lange sicher sein!“ 434–442 (436. wie wuchtig. daß seine Schneide stahlscharf des Gegners Schild durchschnitt. Ein ungefüges Ding war’s. Geschah’s. 439) .

Rundlich. Und Hagen auch das seine! Den übermütigen Hohn Brünnhilds und ihrer Mannen. Daß wir zu diesem Hofe die Reise nicht gescheut! Man kannte uns als Helden. daß man ihm und Dankwart die scharfen Waffen wiederbringt!“ Als er sein Schwert erhalten. sagt’ ich doch Den Frieden auf! Und wahrlich – vielleicht geschieht es noch! Mein lieber Herr –. wie hoch der Einsatz sei! Gunther bleibt unbezwungen. Und über ihre Achsel sah sie ihn lächelnd an: „Wenn der sich so erdreistet. Am Hohn des stolzen Weibes hätt’ ich sein Eisen gern bewährt. Kaum wälzten ihn zwölf Männer heran mit äußerster Gewalt. 443–449 . was Hagen sprach und sann. so hehr und wunderschön sie ist. Und für den schlimmsten Fall auch noch unser gutes Schwert. Da wurde Dankwarts Wange in heller Freude rot. so lang ich und mein Schwert dabei!“ Noch stärker offenbarte sich Brünnhilds mächtige Kraft. Wär’ ich doch nie gekommen in dieses fremde Land! Hätt’ ich mein Waffenzeug erst wieder in der Hand.“ Die edle Frau vernahm es. – fürwahr. so kühner Art sich dünkt. daß er hier sterben müßt’. In Schande enden wir In diesem Land und fallen schmachvoll von Weiberhänden hier. erlebt’ ich’s.“ „Noch könnten wir in Freiheit verlassen Hof und Land. wie Brünnhild es gebot.60 Da sagte Hagens Bruder Dankwart: „Wie es mich reut. Ein schwerer Stein ward mühsam jetzt in den Ring geschafft. „Nun mag das Spiel beginnen. „die Rüstung bei der Hand. Eh tötet’ ich die Jungfrau. wir mäßigten ihn schon! Und hätt’ ich tausend Eide geschworen. sprach Hagen. Sorgt. doch wie ein Felsen kantig und ungestalt. Hätten wir“.

schien es den Burgunden. 450–456 . wie sorglos drüben die kriegerische Jungfrau steht!“ Nun griff zum Ger und warf ihn die heldenhafte Maid. Vom Stahle sprangen Funken wie ein vom Wind geschürter Brand. daß ich allein ihn trag. Siegfried. Und merke. daß einer heimlich bei ihm stand. doch der lag schutzbereit In Siegfrieds Faust zur Abwehr und hielt dem Stoße stand. Gar wenig von dem Ruhme gewinnt die Königin dann. Siegfried griff ungesehen zum Trost nach seiner Hand. Sieh hin. Erschrocken fühlte Gunther. Er prallte auf den Schild ihm. faßt’ er ein Herz und freute sich. als Freund steh ich bei dir Und helf dir gegen Brünnhild. Gunther und Siegfried ahnten nun doch. Nun. das Werk tu ich!“ Nun er den Helfer kannte. wie hart das Spiel und schwer. Man hätte Gunther schmählich am End’ erliegen sehn. der sollte wählen sie zur Braut!“ Hinauf an weißen Armen Brünnhild die Ärmel wand. wuchs schrecklich die Gefahr. Hätt’ Siegfried nicht geholfen. es war doch niemand da. Sie griff den Schild und hob ihn leicht auf mit einer Hand Und zückte mit der andern den stahlbewehrten Ger. ihr wilder Wunsch doch geht. „ein Liebchen hold und traut! Der Teufel in der Hölle.61 Den warf sie. „Was rührte meine Hand an?“ fragt’ er sich und sah Und dreht sich um und merkte. wenn im Kampfe der Ger verschossen war. Nur Mut! Hab keine Angst vor ihr! Den Schild gib mir zu Händen. Da hört’ er leis: „Ich. „Verhehle unsere Schlauheit vor ihr und jedermann. was ins Ohr ich dir verstohlen sag: Du übst nur die Gebärde zum Schein. Wonach ihr harter Wille. „Wahrhaftig!“ sagte Hagen. so wäre es geschehn.

Vom wuchtigen Anprall schwankten sie strauchelnd hin und her. Dann sprang sie mit mächtigem Satze hinterdrein Ihr Kleid erklang vom Sprunge. Noch weiter sprang die Maid. 457–463 . Der traf auf ihr Gewand. Den Schuß ihr heimzuzahlen. Gunther. Sie griff den Stein und wog ihn. Er riß am Speer gewaltig. Doch Brünnhild. gedrungen in den Schild. Daß von dem Stoß und Pralle ein krachend-heller Klang entstand. Der Stoß traf sie gewaltig. als schürt’ ein Wind die Glut. Aus ihrem Panzer stob es. Die Panzerringe lohten von Funken eingehüllt. doch Siegfried erhob und trug ihn ganz allein. daß ihm beistand ein überstarker Kampfgenoß. zoll’ ich dir Lob und Dank!“ Sie rief’s im Wahn. kaum am Boden. Da ging und holte Siegfried den Block. Doch dacht’ er: „Schießen will ich ihn nicht. Er lag zum Schein In Gunthers Hand. sie ist zu schön!“ So wandte er die Spitze. „Für diesen Gerschuß. Dann warf er mit dem Schafte. Nicht ahnend. war er in grimmem Zorn gewillt. Der Wurf und Schuß war gut Und warf mit seiner Wucht sie nach rückwärts in den Sand. – sie lebten beide schon nicht mehr. zwölf Klafter weit Geflogen war der Steinblock. doch unverzagt Sprang er nach vorn. der selbst das Schwerste wagt. Man sah. Zwar troff aus Siegfrieds Munde das Blut.62 Zwar brach die harte Spitze scharf durch den erzenen Schild. Ohne die Zauberhülle. nach rückwärts sie zu drehn. dann hob sie ihn und schwang Mit urgewaltigem Stoße ihn in die Luft hinein. Weit flog er hin. von Gunther allein käm’ das Geschoß. ein Kämpe. In zorniger Erbitterung erglühte ihre Wang’. Wahrhaftig! Nicht gelungen wär’ Gunther das mit eigener Hand. schnell auf die Füße sprang.

Ja. Mit tiefgebeugten Knien ward Gunther nun geehrt. verstellte er sich mit klug erdachter List. Die Tarnkappe zu bergen. am Ziele stand Gunther ganz allein. zu Hagens Freude. Und alle sah’n. Brünnhilde sah’s. Dankwart und Hagen ließen am End’ sich alles gern gefallen. Zu ehrendem Empfange einluden hohe Hallen. Daß Gunther von Burgund nun euer Herr und König ist. heran! Vernehmt und wißt. Mit edlem Anstand bat sie ihn. als willkommener Gast Zur Seite ihr zu bleiben im weiten Prunkpalast. Daß er den König Gunther als Last im Sprunge mit sich trug.63 Die mächtige Kraft und Kühnheit ward nun erst offenbar. Das. Der schönen Brünnhild Antlitz erbrannte zornig rot. So war’s geschehn! Vollendet der Sprung! Es lag der Stein. Er kam zurück und fragte – mit voller List geschah’s – Den König.“ Da legten alle Männer die Waffen auf die Erd’. zum Schiff hinabgeeilt. wer überlegen ist!“ Als wüßt’ er nichts. Indes war Siegfried klüglich allein und unverweilt. Da rief sie. So half Siegfried dem Freunde und wandte von ihm Not und Tod. die Königin ersann? Wohlan denn! Laßt uns schauen. 464–417 . der dort fröhlich und plaudernd bei den Frauen saß: „Worauf noch wollt Ihr warten? Wann fängt das Kampfspiel an. Er grüßte dankend. ihn Herrscher über Volk und Land. von allen rings gehört: „Ihr Mannen und Verwandte. seines Leibes Stärke und Kunst war groß genug. Er warf den Stein viel weiter und übersprang ihn gar. Eure Kraft zu prüfen. Am fernsten Rand des Ringes stand Gunther unversehrt. Schließlich nahm Brünnhild seine Hand Und hieß.

den Sinn uns arg beschwert. Daß doch ein Mann noch da ist. Nicht lange währt’s. Erlesene Männer sind es und kühner. die bestehe ich! Heran führ’ ich euch Helfer. so eilig verlass’ ich nicht das Land. gar nichts von unserem Spiel gesehn. Die Freunde und die Sippen zum Isensteine luden sie. für uns und unser ganz Geschlecht!“ Da sprach der kühne Siegfried: „Verlaßt euch nur auf mich! Wenn euch Gefahren drohen –. Mir schwant. Als unser Herr vom Rheine so tapfer sich gewehrt. Eh’ die es nicht erfahren. daß unser König Euch besiegt!“ „Die schönste Kunde!“ sagte Siegfried. „nun sieht es übel aus! Was mag die Königin planen? Kommt diese Schar ins Haus. die allerbesten. folgen mir!“ 472–480 .64 Da sprach erstaunt die Königin: „Wie konnte es geschehn. sagte Hagen. dann geht’s uns allen schlecht. wißt. So ist ihm unbekannt noch. die Frau bringt Unheil. ein starker. dann seht ihr gesund mich wieder hier. „da ziemt uns Dank. Und tausend tapfere Männer. Des jungfräulichen Stolzes Meister und Herr zu sein! Nun folgt uns. Und brütet Brünnhild Rache. als Ihr je gesehn! Ihr sollt nicht nach mir forschen. Daß Ihr. als unsere Königin an den Rhein!“ Da sprach sie: „Nein. wo unser Schifflein liegt. dem’s gelang. unverwandt: „Als Ihr. Herr Siegfried. vieledle Herrin. Worin mich Euer König als Sieger überwand?“ Darauf versetzte Hagen. in Not euch beizustehn. War Siegfried fern am Ufer. „Wahrhaftig“. die freund mir und verwandt!“ Sie sandte schnelle Boten. die List verstehend. Gott hüte eure Ehre in dieser Zwischenzeit. edle Herrin. Die ritten spät und früh. ich fahre allzu weit.

65 Der König bat ihn: „Bleibt nur da draußen nicht zu lang! Da Ihr uns helft.“ 481 . so sind wir nicht länger sorgenbang!“ Siegfried rief zuversichtlich: „Bald kehr’ ich heim ins Land! Sagt Brünnhild nur zum Scheine. Ihr hättet Siegfried ausgesandt.

daß er sie nie entbehrt. – Rief laut: „Wer ist da draußen. Wie Siegfried zu seinen Nibelungenhelden fuhr Durchs Burgtor niedersteigend zum nahen Uferrand Fand Siegfried wohlgeborgen das Schiff im weißen Sand. Er stieg hinan. An einer großen Insel zog er das Schiff aufs Land Und band es fest am Ufer. das kleine Fahrzeug schoß Wie ein durch Flut und Wogen gerittenes Wellenroß. Vermeinten wohl. Er löst’ es. ein großes Land. wie’s alle Wegemüden tun. Die es vom Ufer sahn. 482–487 . Da wehrt’ ein Tor den Eingang. Kein Steuermann war sichtbar. Doch als sie wieder schwand. auf diese Art. er klopfte heftig an. Er rüttelte am Tore. verschlossen und verwahrt. – stark bewehrt. Doch das war gut behütet von einem reckenhaften Mann. den er im Kampfe dort errang.66 VIII. Auf einem Berge stand Hoch eine Burg mit Zinnen. Ein ungeheurer Riese der Wächter. Bald sank die Nacht hernieder. täuschte Siegfried ihm einen Fremden vor. Sie sichern ihre Ehre. wohl hundert Meilen lang. wie wir. zu ruhn Und Herberg zu erbitten. Gelenkt von Siegfrieds Fäusten. Das Reich der Nibelungen. als triebe es ein Wind. wer klopft so hart ans Tor?“ Verstellung übend. ein Sturmwind entführe sich zum Spiel den Kahn. und geschwind Flog unter seinen Händen das Schiff. Lag vor ihm schon das Ende der Fahrt. Worin sein Schatz verwahrt lag. Stets bei der Hand die Waffen. Die Tarnkappe verbarg ihn.

doch fremd hier. den Leib geborgen in hartem Panzerring. So grimmig sich Der Zwerg zur Wehre setzte. Es drang das Kampfgetöse weithin. da Siegfried in Fesseln schlug den starken Mann. Und ging ihm scharf zu Leibe mit einer Eisenstang’. Er warf ihn weg und barg auch das Schwert. Behelmt. wie groß auch die Gefahr. an Hand und Füßen band. und auch der Zwerg. Ob wild der Riese dreinschlug. So kam der Zwerg gelaufen und schlug damit so wild. Griff hurtig zu den Waffen und kam im Lauf heran Im Augenblick. Aus weiter Ferne komm ich her. vernahm es tief im Berg. 488–496 . nicht töten wollt’ er Alberich. Der Einlaß wünscht und gerne zur Nacht gebettet wär’! Ein Held bin ich. Mit riesenhaften Kräften. zu seinem Helm und nimmt Den Schild zur Hand. Erblickt er Siegfried. Daß Siegfrieds Schildgespänge krachend vom harten Stoß zersprang. noch oft bewundernd erzählt im Nibelungenland.67 Mit falscher Stimme rief er: „Hallo! Mach auf die Tür! Es steht noch mancher müde und zornig hinter mir. Und wie er das Burgtor seitwärts schwingt. die Kühnheit nicht gering. kostbar mit Gold beschwert. so wild er schäumte. Die sieben langen Stränge mit schweren Knöpfen gut bewehrt. Es wies sich doch. Der wilde Alberich. Wie er es wagen dürfe.“ Auf diesen dreisten Anruf greift jener zornergrimmt In Eile zu den Waffen. so herrschte er ihn an. Daß Siegfried an dem Arme zersplitterte der Schild. Ein Kampf. daß Siegfried ihm überlegen war Und ihn. In Händen eine Geißel. dem er in voller Wut entgegenspringt. Im besten Schlaf zu stören Gesind und Rittersmann.

Und diese brachte Huldigung und Treuschwur ihrem Herren dar. 497–503 . Vereinten sich im Zuge. gut gesinnt. – Wie er den wilden Riesen gebunden schon vorher. wie ritterlich das Werk. daß er in Schmerzen jäh Von solcher Strafe jammernd aufschrie vor Schmerz in Angst und Weh. Viel tausend Ritter. Laßt mich nur los! Befehlt mir! Ich folg’ Euch als getreuer Knecht. der Zwerg. Wähnt’ ich doch sonst. Ihr seid des Nibelungenlandes Gebieter. und mit Recht. Nun löste er die Fesseln dem Riesen und dem Zwerg. So packte er den Alten bei seinem grauen Bart Und zerrte ihn und zog ihn. Er rief: „Laßt los! Verschont mich! Reißt nicht zu Tode mich! Euch lieber treu zu eigen gehorsam diente ich. der ihm den Schatz verwahrt’. Eh’ ich hier ganz verdürbe. die ihr zu leisten schuldig seid!“ Von Bett und Bank aufsprangen so Herr wie Knecht geschwind. „brecht auf und bringt heran Der Nibelungenhelden die besten tausend Mann. – zwar rang und ächzte der.“ „Nun gut. Froh grüßte er die Schar. es sei!“ sprach Siegfried. stattlich gewaffnet. wie wirst du genannt?“ – „Ich heiße Siegfried. „Ich sah. Siegfried verlangt Gefolgschaft. Die soll’n mich hier erwarten!“ Bedacht verschwieg sein Mund Dem Zwerge seine Absicht.“ Doch Siegfried band den Kleinen. wie gut Ihr kämpfet. Verwundert fragte Alberich: „Sag. er strich durch Tal und Berg Und rief die Nibelungen sogleich: „Macht euch bereit. schwor ich doch Treue einem edlen Mann. ich sei dir gut bekannt!“ „Lieb ist mir diese Kunde!“ sprach Alberich. Und Alberich enteilte. des mächtigen Aufgebotes Grund. Doch zweien Herren kann Ich nimmer dienen.68 War’s doch sein treuer Kämmerer.

“ Der König Gunther nahte: „Meine Gefolgschaft blieb Entfernt von Eurem Lande. da gingen sie an Bord. wer jene sind. so fuhren sie zum Isenstein. Doch wurden davon tausend der besten ausgewählt. Dreitausend. Es schien. Die kühnen Fahrtgenossen in hellem Waffenschein. Schon sah man Siegfried stehen am hochgeschwungenen Bug. die sie führen. Fast ohne Gruß blieb Siegfried. 504–511 . zwar hatte man gezählt. Nun aber ist’s mir lieb. als säh’ sie ihn kaum an. Für ihre schnelle Ankunft bot Siegfried seinen Dank: „Ihr sollt mit auf die Reise von hinnen übers Meer!“ Laut jubelte entgegen dem Ruf das ganze Heldenheer. Auf hoher Zinne standen die Mädchen hell im Wind. stolz und wohlbekannt. wie man zu grüßen pflegt. Daneben stolz geschmückte Gefährten noch genug.69 In hellem Kerzenscheine saß fröhlich man und trank. Da fragte Brünnhild: „Soll ich die fremden Gäste hier Am Tor empfangen. „mögt Ihr sie willkommen heißen. sprach König Gunther. riet Siegfried fröhlich.“ Fast unabsehbar nahte die Flotte. Die Königin Brünnhild fragte: „Wißt ihr. die gekommen. „mit ritterlicher Zier! Den Augen schöner Frauen. Im Schiffe ihre Pferde. oder geziemt ein solcher Gruß nicht mir?“ „An des Palastes Stufen“. Wenn gute Freunde kommen. Sie holen als Geleite mich ab vom Isenland. Ein guter Fahrwind trug sie vom Heimathafen fort.“ So tat die Königin dann. Die dort zu Schiffe kommen von ferne über See? Die Segel. „Schmückt euch“. sind weißer noch als frischer Schnee. der Mädchen Blick begegnet ihr!“ Schon dämmerte der Morgen.

Und wirklich. schuf Obhut für Waffen und Gewand. er verstand. „Nennt einen mir“. Die längst nach Haus verlangten. Ich hätte selbst nichts nötig und sei dem Tode nah? Verschwenden könnt’ ich selber. Denkt er etwa. die Schande ganz und gar. Die köstlichsten Gewänder umhüllten wunderbar Manch einen. Ein Tor verstreut als Kämmerer wahllos mein Gut und Geld. Zu schenken Schmuck und Kleider und Gold mit offener Hand. Daß noch für arme Leute der Überfluß zu reichen schien. man trete bald die Heimfahrt an.70 Man gab Quartier. dankbar wär’ ich des Helfers eingedenk. Dankwart erhielt die Schlüssel. Bedenklich schien’s der Königin. das wurde nur zu offenbar. ich bürge Euch dafür. Viel Dank bin ich dem schuldig. An hundert Pfund verschwendet’ er an die Gästeschar. was mir mein Vater ließ. dem ward so viel verliehn. Ob einer Königin Kämmerer sich je so leichtsinnig erwies?“ 512–518 . – das hab’ ich ja genug – An meine und des Königs Gastfreunde als Geschenk. Wo nicht. Wenn ein Gewand am Ende auch mir noch übrig blieb.“ Da meldete sich Dankwart: „Vertraut die Schlüssel mir! Es richtig zu verteilen. rief Brünnhild. trag’ ich den Vorwurf. Wer eine Mark begehrte. als sie den Streich Dankwarts vernahm Zu König Gunther sprach sie: „Es wäre mir doch lieb. der hemmend in den Arm ihm fällt! Mit vollen Händen wirft er es weg.“ Daß er freigebig teile. Indes wie stets bei solcher gewaltigen Zahl entstand Doch überall Bedrängnis. Drum hofften Herr und Mann. der noch niemals zu solchem Glanze kam. „der erst gerecht und klug Silber und Gold verteile. Wer’s recht entschiede.

Auch sechsundachtzig Frauen entbot sie zu der Fahrt.71 Da sprach Hagen von Tronje: „Seid deshalb sorgenlos! Der Reichtum meines Königs am Rheine ist so groß. der Mutter Bruder. den setzen wir als Schirmherrn ein. „werde einem das hohe Amt verliehn. Sprach Brünnhild. Die tausend Nibelungen verharrten fahrtbereit. Nähmt Ihr von all den Kleidern auch nicht ein einziges mit von hier.“ Ein Nahverwandter Brünnhilds. An unserer Statt zu herrschen. komm ich in König Gunthers Land. „Eh’ wir von hinnen ziehn“. Gunther und Hagen lachten still für sich. 519–525 . Noch eins war zu entscheiden. Treuer.“ Nun lud man edle Steine in reicher Fülle ein.“ – „Dies ganze Land ist dein“. So wimmelte das Ufer von frohen Menschen weit und breit. Land und Burgen befehl’ ich. „wen du auswählst. schien Der Würdigste von allen. Die möcht’ aus eigener Hand Ich teilen nach der Meerfahrt.“ Zweitausend Männer wählte Brünnhild. bis Gunther herrscht als König hier. Ein letzter Schmerz die Tränen. Brünnhild mißtraute Dankwart. vom Isenstein Sie würdig zu begleiten ins ferne Land am Rhein. Bei seinem Überflusse nichts wohl vermißtet Ihr. Sprach Gunther.“ „Und doch – tut mir’s zuliebe!“ erwiderte Brünnhild. gut gefüllt Mit Gold und seidenen Stoffen. Dazu an hundert Mägde von auserlesener Art. So würdiger Weis’ und Sitte verließ Brünnhild ihr Land. das Weh der Treuen dort am Strand. So bat die Königin ihn: „Die Leute. Doch tat ihr eigener Kämmerer klug diesen Dienst allein. Der hätte sicherlich Sie noch verschwendet. dir! üb du Gericht und Herrschaft. „Mitführen möcht’ ich Kisten an zwanzig.

Es wurde eine frohe Meerfahrt mit Lied und Sang Und aller Arten Kurzweil. So legten sie schnell den Weg zurück. 526–528 . Und eine frohe Hochzeit gefeiert wär’ zu Worms am Rhein. und dann sah sie den Heimatfelsen niemals mehr. Brünnhilde stillen Sinnes verwehrte auf der Fahrt Noch jede Gunst dem Könige. Die sollte aufgespart Ihn erst daheim beglücken. Die nah ihr und verwandt. Nach harter Müh vor Augen die Heimat und der Heimat Glück. Voll in die Segel drang Ein günstiger Wind. Wie schnell das weiße Segel sie hintrug übers Meer. Ein Blick noch. Die sie mit letztem Kusse verlassen. wenn beide erst allein.72 Brünnhilde stand am Bordrand. sah’n vom Land.

vergäße ich den Dienst dir nicht. Indes wir ganz versäumen. zur Freude Kriemhilds möcht’ er Euch den Gefallen tun. zu reiten. Macht Euch sogleich zur Fahrt bereit! Denn niemand ist des Auftrags wohl würdiger. Gewährtest du die Bitte. wir sind schuldig“. bis unser Schiff daheim am Strand.“ „Wahrhaftig. als Ihr es seid!“ „Ich tauge nicht zum Boten“. Schickt ihn damit nach Haus. „laßt mich hier! Des Kämmerers Amt und Arbeit ziemt einem Mann wie mir. Versagt auch er es. Da sprach Hagen von Tronje: „Es geht mir durch den Sinn. bat Gunther flehentlich: „Um Kriemhilds Willen tu es. Bring meiner lieben Mutter. – nun Dann sagt. Denn er versteht’s und richtet gern Eure Botschaft aus. ich hüte ihr Gewand Und ihre reiche Habe. Der Bote meines Glückes sollst du zu Hause sein. sprach Hagen.73 IX. Als Euch. Der Mann dazu ist Siegfried. Drum bittet ihn. die wird es dir wie ich Mit reichem Dank vergelten. Die Unsern läßt die Sorge um uns daheim nicht ruhn.“ Als Siegfried sich erst wehrte. Ich bleibe bei den Frauen. Freund Hagen. und augenblicks war er bereit: 529–535 .“ Siegfried berief er: „Näher kommt unser Schiff dem Rhein. „nun wohlan! Zur Botenreise weiß ich mir keinen besseren Mann. sprach Gunther. Wie Siegfried nach Worms gesandt wurde Neun volle Tage gingen in guter Fahrt dahin. der Schwester auch Bericht. die Ankunft ihnen kundzutun.“ In Sehnsucht nach der Maid Verflogen die Bedenken.

Ich tu’s um Kriemhilds willen. wie’s gelungen. wie hart wir uns gemüht. Sag Kriemhild. Er unterbrach die Fahrt. Vermißten sie den Bruder doch bang bei Siegfrieds Wiederkehr. Mit Dank daran gedächte ich. und überwand sie ihn? Zu schwerem Unheil wäre ihr Liebesstolz uns dann gediehn. Daß ich mit meinen Gästen gestiegen sei ans Land. Stieg eilends in den Sattel mit vierundzwanzig Mann. Bring meiner Schwester Grüße von Brünnhild. die gutes Obdach leihn. wo und warum Verließt Ihr unseren Bruder? Kehrt er nicht mit Euch um? War Brünnhild übermächtig. im Wiesenplan am Rhein Soll er die Zelte rüsten. daß er unsere Freunde.“ „Sag meiner Mutter Ute.“ Siegfried nahm schnellen Abschied nach ritterlicher Art Von Brünnhild und den Frauen. der ich so zugetan? Geschieht es ihretwillen. wonach mein Herzverlangen stand. die mir so lieb und hold.74 „Ausrichten werd’ ich alles. Er ritt so eilig. meinem Neffen. Verwandte laden läßt. Den Brüdern und den Freunden. Rings im Land Sag allen. Siegfried! Doch sagt. Wie sollt’ ich sie verleugnen. wie schön die Fahrt geriet.“ 536–544 . Sorg. Sie möchte meines Herzens Geliebte schwesterlich Und aufmerksam empfangen. Vom Rosse steigend sahen sie in manch trüb Gesicht Und hörten sorgend fragen: „Warum kommt Gunther nicht?“ Bekümmert waren Gernot und mit ihm Giselher. wenn man Botschaft rechtzeitig ihr gesandt. was Ihr befehlt und wollt. ist alles gleich wie schon getan. Sag Ortwin. wie’s nur ein Freudenbote kann. Mit mir und Brünnhild fröhlich zu sein beim großen Hochzeitsfest. Nach Worms. „Willkommen seid uns.

Führt zu der Königin mich! Kriemhild und ihr. waren sie beide gleich bereit.75 „Habt keine Angst! Euch allen. Für gute Kunde hoff’ ich auf Euer freundlich Botenbrot. Brünnhild. Dem Boten Dank zu sagen. bedrückte mütterlich. 545–555 (548) . Wie gerne ihre Wünsche Siegfried alsbald vernahm! Wie war beglückt sein Auge. die freund ihm und verwandt. Erlaubt ihm nun. die im stillen das Schwesterherz erfüllt. Er grüßt und läßt entbieten Brünnhildens Gruß durch mich. Die größte Freude bringt Ihr. „Ihr weintet ohne Not. Das glaubt mir sicherlich. die je das Schicksal ihr beschied. Die Sorgen. Vergeßt sie! Gunther naht schon. dafür verbürg’ ich mich. das Herz von Sorgen wieder frei. als Kriemhild ihm entgegenkam! „Willkommen seid. Sie fand die Worte kaum. und mit ihm naht sein Weib. Was dort im Isenlande geschehen ist. Auch härmt sich um den Bruder ihr schwesterlich Gemüt. verkünde ich. Siegfried zu sehen. wie herrlich die Sache steht. von Herzen uns gegrüßt! War Gunther wohlbehalten. war doch die Not vorbei.“ „Ich führe Euch zur Schwester. Hat er als Freudenboten mich eilends hergesandt. Die Sorge langer Tage. Gesund verließ ich Gunther. Kriemhild sieht gern Euch wieder.“ Die Tränen wischte Kriemhild mit dem schneeweißen Saum Des Kleides ab vom Auge. als Ihr ihn dort verließt?“ „Er war gesund“.“ Zur Mutter und zur Schwester eilte Giselher: „Siegfried ist da! Zu sorgen braucht ihr euch nun nicht mehr! Als Boten sandte Gunther ihn her. Herr Siegfried. Was Euch. euch kundzutun!“ Da warfen sich die Frauen eilig in Schmuck und Kleid. vieledle Königin. sprach Siegfried.

Doch Ihr seid selber reich.“ „Und wären dreißig Länder auch pflichtig mir als Herrn“. nehmt neben mir doch Platz! Wie gern möcht’ ich erschöpfen das Gold in meinem Schatz Für Euch als Botengabe. wie hell die Freude die Farbe ihr ins Antlitz trieb. Bot sie ihm zur Belohnung. Kriemhildes Dienerinnen rief Siegfried. Und unter sie verteilte er all das prächtige Geschmeid. Was noch zu tun war. hätt’ es sich nur geschickt.76 Sie lud ihn ein: „Herr Siegfried. Rumolt. Nun dankte ihm auch Ute. Frau und Maid. in Palas und Gemach. sie mühten mannigfach Sich ab im Hof und Keller. Sie hätte gern geküßt ihn. Kommt am Gestad’ er an. vierundzwanzig. Sie schlugen weiße Zelte am Strande auf. wies er die harrenden Burgunden an. läßt er bitten. Zum Willkomm. Auf andere Weise will ich Euch schenken Huld und Dank zugleich. Die ihm und seinen Gästen entgegenreiten an den Rhein. Armringe. Aus treuem Herzen soll es geschehen ihm zulieb. Nie ward ein Fürstenbote mit solchem Dank beglückt. Mit edlem Anstand nahm er von ihnen Abschied dann. 556–563 .“ Er sah. sei alles ihm gewährt. Was wir zu tun vermögen. von edlen Steinen schwer. „empfing ich dennoch die Botengabe gern!“ Da sagte sie errötend: „Mit Freuden soll’s geschehn!“ Die herrlichsten Geschenke ließ sie den Kämmerer ausersehn.“ Da sagte Kriemhild eifrig: „Was Liebes er begehrt. und weit War schon das sandige Ufer erfüllt von lauter Tätigkeit. doch Siegfried neu begann: „Noch einen Wunsch hat Gunther. doch freundlich wehrte er. Sindolt und Hunolt. Sprach er. sollt ihr die ersten sein.

77 Ortwin und Gere taten nach ihres Herrn Geheiß. geht anmutig gepaart. Aus Schall und Lärm stieg rauschend der Hochzeitsfreude Vorgefühl. Das hohe Paar zu feiern. schmal und glänzend von allerfeinster Seidenart. Kriemhild berief die Mädchen: „Nun macht euch schnell bereit. Geschwind sucht aus den Schränken das allerbeste Kleid! Die Gäste zu empfangen. Zum Ritt der Frau’n von Worms aus hinunter an des Rheines Strand. Wie strahlten licht die Steine am Zaumzeug von dem Glanz An Rossen. bewundernd all die Festespracht. Bunt leuchtend von den Wänden zierten den Palast Hellfarbige Gehänge zum Gruß für Freund und Gast. die vom Warten gereizt zu leichtem Tanz! Die goldenen Schemel standen auf Teppichen bereit. Manch junges Mägdlein sann. Zur Hochzeit sie zu laden. Das Volk stand in den Straßen. Man zimmerte im Saale an Tischen und Gestühl. Mit Schmuck und Stoffen waren sie bunt und reich geziert. Man sah um Hals und Nacken der Rosse schön gepaart Brustriemen. Schon trug man hinterdrein Die reichen roten Sättel. 564–571 . Dann wird auch von den Gästen an unserem Lobe nicht gespart!“ Nun kamen die Burgunden in vollem Waffenschein Herab die Palasstufen. besäumt mit goldnem Rand. die schon in voller Fröhlichkeit. Wie es sich schmücken wollte. Sie schickten schnelle Boten rings zu der Freunde Kreis. lang eh’ das Hochzeitsfest begann. Der Frauen Pferde wurden jetzt auf den Hof geführt. Schon ritten allenthalben mit stattlichem Geleit Die Freunde und Verwandten in großer Freudigkeit. Man brachte sie den Frauen. in strahlend reicher Tracht.

Dazu kam noch die Schar. Die schönsten wohl des Landes. Ferrandinisch Seidenband. hellblond das offene Haar. Gestickte Gürtel hingen kunstreich besetzt und lang Herab auf weite Röcke. stolz genug Köstlicher Pelz von Zobel und Hermelin lag warm Um reich verzierte Kleider. Manch weißer Frauenarm War unter gelbem Goldspangenschmuck verwahrt Und hüllte sich in dünnen. hellseidenen Stoff von feinster Art. Von deren hellen Kleidern erstrahlte herrliches Geschmeid. es verdunkle der Wangen Lieblichkeit. Der vierundfünfzig Mädchen. Man zählte sechsundachtzig.78 In lichten Festgewändern nahten die Frau’n bereits. Das Haar zierlich gebunden. die Pelzbesatz umschlang Arabischer Herkunft. den König. Das Brustgeschmeide blinkte so hell. Gerahmt von bunten Borten. Da nahten schon die Ritter mit eschenem Schaft und Schild Und leiteten die Frauen im Sattel sorglich durchs Gefild. in ihrer Schönheit Reiz. 572–578 (574) . umwand zierlich den Kleiderrand. In weichem Glanze schillernd. daß manche Maid Fast bang war. Für Gunther selbst. dazu noch manche Maid. wie er ihn wünschte. – wahrlich ein Hochzeitszug.

Dort hoben sie die Frauen behend herab vom Pferd. Der König von Burgund Inmitten seiner Gäste betrat den heimischen Grund Jenseits am anderen Ufer. die sittig zu ihr ging. Nun schaute man auf Kriemhild. Wie lieb es Kriemhild war. Dort nahte Mutter Ute. Der König nahm Brünhild an der Hand Und half der bräutlich schönen. Gelegener Augenblick War es für Frau’n und Ritter zu Wiedersehn und zartem Glück. Mit weißen Händen bogen sie ihren Kranz zurück. die Königin. Wie Brünnhild in Worms empfangen wurde Die Schiffe warfen Anker. im Geleit Der Mädchen. langsam reitend. Zum Ehrendienst ritt Ortwin an Königin Utes Seit’. Das ward ihm auf dem Wege aus Blick und Worten offenbar. Den Augen zu gewähren den ersten Gruß und Liebesblick. Doch duldete es Siegfried bis an das Burgtor kaum.79 X. Denn schon war Gunthers Nachen dem Ufer zugekehrt. Mit Kuß und guten Worten sie schwesterlich empfing. Indes sich rings zuweilen ein Ritterspiel entspann. die Pferde dienstbereit Geführt von jungen Knappen. Der Markgraf Gere hatte Kriemhildes Pferd am Zaum. Kam man im Volksgewimmel am Ufersaum des Rheines an. Dann griff er in die Zügel. 579–587 . Nun legt’ er an. Frauen und Jungfrauen im Geleit. Um sie viel Ritter. herrlich geschmückten Frau ans Land. Rüstig griff manche Hand Ins Ruder. denn da drüben stand wartend mancher Freund am Strand.

Die schönen Kinder schützten sich und die Kleider kaum. Manch rosenfarbene Lippe fand lieblichen Willkommenskuß. willkommen jedermann Und allen unseren Freunden!“ Gerührt sah’n sie einander an. Und all die Gäste. Als wollten sie beflissen der Braut das Liebste tun. Zelt an Zelt. kein falscher Reiz betrog den Blick Zum Aufbruch endlich luden die Herrn des Hofes ein. stromgleich zog es vorbei.80 Mit höfischer Verneigung Brünnhilde zugewandt. Wie Ute küßte Kriemhild sie schwesterlich und warm. Denn in die Höhe stieg schon der helle Staub und fiel. Sprach sie alsdann: „Seid herzlich willkommen hier im Land. nahmen Brünnhildes Frau’n die Hand Der hilfreichen Burgunden. Der Zug der Nibelungen. Die einen lobten Kriemhild. Der endete das Spiel. In Wolken hellen Staubes stob rauschend hin die Reiterei. Bewundernd sah’n die Kenner. flutend. Vom Schiff zu steigen. von Siegfried angeführt. Auf Gunthers Wunsch kam Hagen. Ein Grüßen und Umfangen geschah dann längs dem Fluß. Nun standen sie am Land. Drum zügelten die Gäste die Pferde schnell mit Wort und Zaum. nichts Schöneres war zu schaun. die anderen Gunthers Glück. Ließ keine ihre Worte und lieben Zärtlichkeiten ruhn. 588–598 . Darauf manch schattiges Lager und seidene Hütten. Wie mir und meiner Mutter. Dort wurde vor den Frauen geritten und turniert. Kriemhild und Brünnhild beide. wo weit sich öffnend ergrünte rings ein Feld. Vor aller Augen standen die königlichen Frau’n. Der Zug der Paare wand sich im hellen Sonnenschein Dahin. Umfangen nun lag Brünnhild in beider Frauen Arm.

Inzwischen woll’n wir gehn. Der Kampf nach Landessitte war kühn und ritterlich. als Gunther abstieg am Palast. in frohem Scherz gepaart. Die Frau’n zu unterhalten. zur Königsbraut geweiht. Schon war das Fleisch geboten. Die Königinnen schieden. Doch gleicher Brauch verlangte. Dann ritten Frau’n und Ritter den Pfad zur Burg hinan. Herein trat nun der König. 599–606 . Und schon die erste Kühle sie abendlich umfing. Wobei das Herz der Männer auf Gunst und Huld der Schönen sann. an seiner rechten Seit’ Brünnhilde mit der Krone. Der leuchtend überstrahlte der Gäste farbig bunten Kranz. Nicht wenige Kleider wiesen die Spur von Stoß und Stich. Doch haltet euch bereit. Darin klang’s weit und breit Von Lachen. Da gingen zu den Frauen die Ritter ins Gezelt. Lärm und Scherzen und lauter Freudigkeit. Dann ging der Zug zum Burghof.81 Herr Gernot auch ermahnte: „Laßt nun die Rosse stehn Bis zu der Abendkühle. Rings an den Tischen saßen die Fröhlichen gedrängt. Da ging es durch die Räume wie heller Ehrenglanz. der helle Wein geschenkt. In freundlichen Gesprächen.“ Nun das Turnier zu Ende und ruhig lag das Feld. Den edlen Frau’n zu dienen. Bis an dem fernen Himmel die Sonne niederging. Sobald der König reitet. zu folgen ihm als Ehrgeleit. In goldenen Becken reichten das Wasser kühl und frisch Die aufmerksamen Diener zum Waschen allen rund am Tisch. Man rüstete im Saal Die Tische schon zum Abend zum feierlichen Hochzeitsmahl. Vertrieben sie die Stunden mit Lust und Kurzweil aller Art. wie’s Helden ziemt und paßt.

mahn ich dich.“ Da sprach die edle Kriemhild: „Ihr.“ Zur Tafel zu erscheinen. Die Mädchen hieß er bleiben. lieber Bruder. Nicht brech’ ich meinen Eid. Denkst du der Eide. Gedenke. Dann sprach der König Gunther: „Hör.82 Eh Gunther von dem Wasser genommen. und Stille ward ringsum. dem Ihr mich anvermählt. mich! Mein Eid versprach zum Weibe jüngst einem Helden dich. Zwiesprach mit ihr zu halten. daß sich dein Wunsch erfüllt. Der Gatte. Kriemhild kam näher zagen Schritts. sollt Mich niemals etwas bitten. Dann sei gewiß. liebe Schwester. „Der König lud allein. Gebietet! Was Ihr wollt. daß ich einzig um Kriemhilds willen für dich stritt!“ Der König rief: „Wahrhaftig.“ 607–613 . neigte sich Zu seinem Ohre Siegfried: „Nun. daß du mir damit den liebsten Wunsch erfüllst. Er ist gewiß so würdig. Ich füge alles heute. nur seine Schwester Kriemhild ein. eh wir Zum Isenlande zogen? Und was versprachst du damals mir? Wenn du Brünnhild als Königin heimführtest in dein Land. die wir voreinst getauscht. Da sprang Schnell Giselher zur Treppe und hemmte ihren Gang. Wenn du ihn heut zum Gatten von mir empfangen willst. War es doch harte Mühsal. Gunther. die ich bestand und litt. daß auch mein Herz ihn auserwählt. ließ freundlich bitten er Kriemhild. Da schwiegen die Gespräche. du mahnst zur rechten Zeit! Ich habe dir geschworen.“ Im Rund der edlen Herren auf seinem hohen Sitz Saß König Gunther. Im Kreis der Mädchen nahte die Liebliche. Auf ihrem Platz saß Brünnhild erwartungsvoll und lauschte stumm. Dann wolltest du gewähren mir deiner Schwester Hand. Das soll geschehn.

seh’ ich die edle Schwester an. Und Kriemhild selbstvergessen an ihres Gatten Lippen hing. Verbunden nun zu Gatten sah man das schöne Paar. Wie lieb einander beide. Da fragte man Kriemhild. leibeigen ist der Mann. daß ihm das Glück getreu Und sie ihn nicht verschmähte. Sie griff nach seiner Hand. Seid Ihr doch meines Landes. wie’s niemals ein größeres für Brünnhild gab. was ihr denn widerfuhr. Mich dauert ihr Geschick. Wohl stand in ihrem Antlitz schamhafte Mädchenscheu. Doch Siegfrieds Schicksal wollte. „Warum lischt Euer Auge von trüber Tränenspur? Fügt dieser Augenblick doch all unseres Glücks Beginn. Nun standen sie im Ringe. Da fragte Gunther gütig. Mit Eid und Hand verlobte sich ihr der Held vom Niederland. Man löste sich vom Ringe. Sie sah. Ob sie den edlen Siegfried zum Mann zu nehmen sei gewillt. gab Brünnhild ihm zurück. Zum Tische gegenüber dem Königssitz im Saal Geleiteten sie Siegfried mit seinem schönen Ehgemahl. „Ich wein’ um Eure Schwester. Dem Ihr sie anvermählet. der Städt’ und Burgen Königin!“ „Mit Fug schon muß ich klagen“. Die Schmach muß ich beweinen. ward allen offenbar.“ 614–620 . Da fielen heiße Tränen die lichte Wang’ hinab Von einem Leid.83 Siegfried sah ihre Augen ihm liebreich zugewandt. Als er zum ersten Male das Königskind umfing. Auf seinem Hochsitz thronte der König mit Brünnhild. Schon standen dienstbereit Die Nibelungenhelden an ihres Herren Seit. dort saß zusammen Siegfried mit Kriemhild. Da glühte seine Wange in freudehellem Brand.

Den Aufbruch zu begleiten mit hellem Kerzenlicht.“ „Gern geb’ ich Euch“. Wisset bloß: Ihr wird an Siegfrieds Seite ein freudevolles Lebenslos. Herr und Held. sie ist so gut und schön. Auf halber Treppe trafen einander beide Frau’n. eh ich den Grund nicht weiß. 621–627 .84 Der König sprach: „Seid ruhig! Das ist kein Grund zum Gram. Der König wolle weilen allein bei seinem Weib. – Nun stand man auf vom Tische. Mannen.“ Sie sprach: „Wie es mich jammert. Wüßt’ ich wohin. Als Siegfried scheidend ging. als er so sprach. An Burgen. Gab er sich in Gedanken der schönen Hoffnung hin. Ein andermal erzähle ich gern Euch. Brünnhild und Kriemhild.“ Da fiel in tiefes Sinnen Brünnhild. Man sehnte sich danach. neidlos geneigt noch freundlich zum Vertrau’n Die Diener und die Kämmerer erfüllten ihre Pflicht. Die Gäste hieß man enden den lauten Zeitvertreib. sprach Gunther. Warum Ihr Eure Schwester gabt einem Eigenmanne preis. Der Gäste müd war Gunther. Mit liebevollen Blicken begann er Brünnhild anzusehn. so reich wie ich an Land. Daß ich ihm meine Schwester vermählte. Euch nimmer angehören. Siegfried ist selbst ein König. Drum hab’ ich gern die Schwester als Gattin Siegfried zugesellt. Sein schönes Weib im Sinn. Da draußen im Turniere zu Roß mit Schild und Schaft In ritterlichem Spiele zu prüfen Aug’ und Arm und Kraft. Umgab ihn ein Gefolge von Helden wie ein stolzer Ring. Es müsse ihm viel Liebes aus schuldiger Gunst geschehn. ich möchte weit fort und von Euch gehn. wie es kam. Dann trennten sich die Paare. mächtig als Ritter. „den guten Grund bekannt.

sie gäbe liebwillig sich ihm hin. Er barg das Licht zur Seite. Wie kränkte Gunther das! Auf Freude stand sein Sinnen und traf auf feindlich bösen Haß. sein Weib! Nichts weiß ich mehr zu sagen von Siegfried und Kriemhild. was ich bin. als er’s bei seinem Weibe fand. Sein Weib zu werden aber verwehrte noch ihr harter Sinn. Als Siegfried an der Seite des lieben Weibes lag. Und teurer ward die Frau ihm noch als sein eigener Leib. Was er so lang ersehnte. Bei mancher anderen hätte er ohne Widerstand Viel sanfter wohl gelegen. Wie glücklich Herz und Sinn! Die Huld Kriemhilds nahm Siegfried als Ziel der schönsten Wünsche hin. Doch als der König sich Zu der Geliebten neigte. Ferne verklang der Hochzeitstag. in jähem Zorne wich Zurück vor ihm die Stolze. Mein Magdtum will ich wahren. wie es Gunther erging mit Frau Brünnhild. bei ihrem Weib zu ruhn. wofür Ihr zahltet diesen Preis!“ 628–635 . Ruhig lag Die Kemenate. Wie sie von zartem Leinen die Glieder weiß umhüllt. Er war im Wahn. schien ihm das holde Frauenbild Der höchsten Lebensfreude Gewinn und Preis zu sein. Da sie im still’n gedachten. Sie liebend zu besitzen.85 Für beide Herren nahte die schöne Stunde nun. Doch hört nun. besaß er jetzt für sich allein. bis ich die Wahrheit weiß Von Kriemhild und von Siegfried. Längst waren die Begleiter entlassen. Da dünkte ihre Gunst ihn des höchsten Glücks Ertrag. Sich niederlegte. Verschmäht hätt’ er wohl tausend um diese einzige. das schlagt Euch aus dem Sinn! Das sollt Ihr nur erfahren: Ich bleibe. Sie sprach: „Was Ihr gewähnt habt.

fest gewirkt und herrlich bestickt. Da kamen schon die Diener mit neuem Festgewand. Dein Lager will ich künftig vermeiden.86 In Zorn erglühend dachte der König mit Gewalt Sein Weib sich zu erzwingen. sprach Gunther. So qualvoll hing er oben. Ist meine Liebe Eurem lieblosen Herzen leid. ist es dein Begehr!“ Sein Fleh’n ließ unbekümmert Brünnhild. zu sichern Schlaf und Ruh. 636–643 . wär’s Euch recht. Die Liebe ihm zu wehren. er bat und flehte nun: „Lös’ mich von dieser Fessel! Willst ungestört du ruhn. Trug ihn zu einem Nagel und hängt’ ihn an die Wand. Bin ich Euch so verhaßt. Will ich Euch nicht berühren. den Schein zu wahren. „brächte dann Schande Euer Widerstand Und mir nur wenig Ehre. Die Füße und die Hände sie ihm zusammenband. Sie fragte ihn erwachend: „Herr Gunther. Schön war der Tag. Sie hätt’ ihn fast getötet. die Hüften ihr umwand. Ihr Widerstand vergalt Ihm das mit schlimmer Rache. Der sich als Herr schon träumte.“ Sie lockerte die Fessel. War Gunther jemals mächtig. Um Euretwillen laßt Mich frei. Wenn Eure Kämmerer sähen. Er rührte kaum ihr Kleid. Zur Liebe dich zu zwingen. Und Euch gebunden fänden von einer Frauenhand?“ – „Nur Euch“. Sie nahm das Gürtelband Das. ob Gunther auch seinen Kummer nicht verwand. Doch litt sie ihn nicht nahe. wie gut ich mich gerächt. Dann lag er ihr zur Seit. So sanft sie lag. bis hell der neue Tag Brach durch die hohen Fenster mit seinem goldenen Schein. vor Brünnhild war er schwach und klein. kraftvoll war sie dazu. ich wag’ es nimmermehr. auch nicht den Saum von Eurem Kleid.

Dir klag’ ich im Vertrauen. Umdrängte ihn die Menge. 644–650 . Den schlimmsten Teufel hab ich als Weib ins Haus gebracht. die Kronen auf dem Haar. was Euch drückt! Brünnhildes Huld. Wie es seit alten Zeiten am Hofe Sitte war. In all der lauten Lust Beschwerten Zorn und Trauer und trübe Sorge seine Brust. Sechshundert Knappen nahmen das Schwert am selben Tag Und voller Stolz empfingen sie ihren Ritterschlag. mit Begier Zu schauen und zu preisen die Sieger nach Gebühr. In hehrer Königswürde und jugendstrahlend am Altar. so hoff’ ich. hat Euch doch diese Nacht beglückt!“ Da sagte Gunther: „Schande und Schimpf litt ich zur Nacht. Allein stand König Gunther. Da saßen in den Fenstern die Mädchen. meine Traurigkeit. das Euch bekümmert? Vertraut mir. Dort hing ich zorn. denn alle Augen suchten ihn.87 Zum Münster ging am Morgen das neue Königspaar. Die beiden Paare standen. Ich hofft’ auf ihre Liebe. Mitfühlend ging er hin: „Was ist’s. Dann hob ein freudevolles Getriebe an mit Spiel. Mit königlichen Ehren ward ihre Eh’ geweiht. Als Siegfried dort erschien. Mit Festturnier und allem. Freund.“ Da sprach der starke Siegfried: „Das tut mir recht von Herzen leid. Und feierlich empfingen die Frauen Kron’ und Kleid. Zum Himmel schwoll’n Gesänge. was jungen Helden nur gefiel.und angstvoll bis an den hellen Tag. sie aber nahm und band Und hängte mich zur Schande auf einen Haken an der Wand. Wie anders Siegfried! Alles schien ihm wie Glücksbeginn! Er sah den König leiden. Indes sie ruhig schlummernd in sanftem Schlafe lag.

Sie scheint ein wildes Wesen und nicht ein menschlich Weib zu sein. Du sorge nur und mach. deine Schwester. seid Ihr’s zufrieden. Die Kurzweil im Hofe war vorbei. Gestalten stolz und ritterlich. ich könnte es verzeihn. die ihr gleicht?“ Gern glaubte ihm das Gunther. Dir soll sie heut gehören. Der Abend kam. „darfst du bau’n! Denn Kriemhild. Von Rossen und von Menschen war bald der Burghof leer. was widerstünde meiner List! Daß ich mit euch im Zimmer. Turnier und Spiel zu Ende. Ja. Im weiten Saale reihten die Herrn und Mannen sich.“ „Wenn du“. wird dir daraus bekannt. Denn drängend stand die Menge.“ „Auf meine Freundestreue“. Bin ich damit zufrieden. soll sie noch heute Nacht Als Gattin sich Euch fügen. Daß keiner von den Kämmerern bei euch im Räume ist. 651–658 (652) . sprach Gunther zweifelnd. sprach Siegfried. „mein Mannesrecht nur ehrst. Die Kämmerer hießen alle weit aus dem Wege gehn. Es liegt in meiner Macht. als er des Freundes Wort gehört. ist mir von allen Frau’n Die liebste auf der Erde. dann zwinge ich dein Weib. Ein Bischof schritt zur Seite der Königsfrau’n einher. Ahnt niemand meinen Zauber. Ein stattliches Gefolge. nähmst du ihr das Leben. verlieren will ich sonst den Leib. „Noch heute abend schleich’ ich verstohlen ins Gemach. verhallt Lärm und Geschrei. die Frauen in der Näh’ zu sehn.88 Und doch. auch wenn du sie versehrst. Wo ist sie. Die Tarnkappe verbirgt mich. Daß ich die Lichter lösche vor euch mit eigener Hand. Dann bin ich dir zur Seite. Daß sie sich Eurer Liebe nicht länger mehr erwehrt!“ Leicht wurde Gunthers Kummer. sein schweres Herz war froh und leicht.

als wär’ er der König und ihr Mann. 659–668 (667) . Und dann begann ein Kampfspiel – nicht ging es ohne Zwang –. wer die Hand ihm aus meiner heimlich nahm. Wohin Siegfried gegangen und plötzlich schwand so wundersam. Noch lag die weiße Hand Kriemhildes in der seinen. So ging das Mahl zu Ende.89 Schon saß auch König Gunther in neuem Hoffnungswahn. als plötzlich ihr sein Bild entschwand. Wie du sie gestern littest?“ Mit einem harten Stoß Ihn schmerzlich treffend rang sie sich wild aus seinen Armen los. Wie war es zugegangen? Aus dem verliebten Spiel Entrissen schien er Kriemhild. Was Siegfried ihm versprochen. Doch als er mit den Armen den schönen Leib umspann. Gedachte er im stillen doch immerfort daran. Er fiel auf eine Bank Und stieß an einen Schemel. und schnell Mit zwei getreuen Riegeln verwahrte Gunther Tür und Schwell’. Man schied und Siegfried saß Bei seinem schönen Weibe. In seinem Glück vergaß Er nicht des Königs Kummer. Die Mädchen und die Frauen. Die Leuchter barg er sorglich dicht hinterm Bettvorhang. Das Gunther sich gewonnen und doch zu eigen nicht besaß. so sehnlich war ihm zumut und liebesbang. Sie sucht’ und fragte viel: „Mich wundert. Warf sie ihn aus dem Bette. Er stellte sich. Das Licht erlosch. daß ihm der Kopf vom Sturze klang. Kaum nahte er im Dunkel der Jungfrau. Siegfried ging ungesehn In Gunthers Kemenate.“ Doch blieb es bei dem Fragen. Schier dreißig Tage lang Schien dieser Tag. als sie sprach: „Verlangt dich heute wieder nach jener gleichen Schmach. Daran der starke Siegfried sich mit dem Weibe maß. Der ließ die Kämmerer gehn.

sind alle Weiber froh. daß Eure Hand nicht mein weißes Hemde nur berühr’!“ Sie griff mit starken Armen und preßte Hand an Hand. Daß er ihr Kleid nur rührte. Zwar griff sie nach dem Gürtel. zur Rache reizte sie’s. wie sie den König band. Er schleuderte sie jählings aufs Bett. und Brünnhild wurde Gunthers Weib! 669–677 (676) . bis er sie endlich zwang. Sie preßte ihm die Hände. Gewillt war sie zu sorgen. Sie sollte bald verleugnen ihr widerwillig Mädchenherz. die sonst fügsam des Mannes Willen tut. Da war der Kampf entschieden. In Fesseln ihn zu legen. als bräch’ er Glied und Leib. Manch eine.90 Doch kraftvoll auf den Füßen aufs neue stritt und rang Siegfried erbittert kämpfend in wildem Zornesdrang. Er wagte neuen Angriff – in stiller Sorge zwar –. Sie rief: „So groben Angriff entgelt’ ich nach Gebühr! Habt acht. Da dachte er im stillen: O weh. Wird sich ihm widersetzen in Trotz und frechem Übermut! Beklommen lauschte Gunther und bangte schon um ihn. Es währte eine Weile. daß er sie ruhig schlafen ließ. Doch wilden Ungestümes nahm er nun alle Kräfte wahr. Sie schrie vor Schmerz. was seine Riesenkraft? Erwies sich doch im Ringen des Weibes Meisterschaft. Sie hielt die mächtigen Arme um ihn gespannt und zwang Und preßte mit Gewalt ihn am Ende zwischen Wand und Schrank. Gewillt. Doch ob das Blut auch sprang. Siegfried jedoch begann jetzt vor Scham und Zorn zu glühn. Was half ihm seine Kühnheit. auch ihn zu binden. den sie am Leibe trug. Doch wehrt’ er sich und schlug Und traf sie so gewaltig. verlier ich so In diesem Frauenkampfe.

Siegfried war längst zu Kriemhild unsichtbar heimgekehrt. vielfältig zu erfreun Und ihre Lust nur schöner an jedem Morgen zu erneu’n. War’s ritterlich und edel. – Nun erst lag auch der König an seines schönen Weibes Seit. So kam’s. der es sich nicht verdrießen läßt. und was ich zu Recht um dich verdient. Doch was sie bat und fragte. Die Gäste. 678–685 . Die Kleider abzulegen. Das ward ihm einst noch leid. – Wär’s nie geschehn! – bis er sie daheim zur Königin gemacht. was Manneslieb vermag. als ginge er beiseit. und alles sei gesühnt. Nun bin ich dein!“ Siegfried ließ ab und tat so. Wie aus dem Frauenleibe ihr alle Heldenkraft entwich. Wie mit der Wange Glut auch der alte Stolz erblich. Fortan war sie nicht stärker. In aller Heimlichkeit Zog er ein goldnes Ringlein von ihrer weißen Hand. mit Recht darfst du es sein! Nun wehr ich deiner Liebe mich länger nicht.91 Sie bat: „Laß mich am Leben. das wurde nicht erhört. daß König Gunther endlich sein Weib gewann. Auch barg er die Geschenke. – wahrlich. Ein liebreich hingegebenes Ehweib fand nun der helle Tag. Ein rechter König. ein schön gesticktes Band. In seinem Arm erfuhr sie. Dann erst von Herzen glücklich beging Gunther das Fest. daß er das Kleinod ihr entwand! Dazu nahm er den Gürtel. Herr eines Weibes. An Gunthers Seite wurde sie milde. Erfuhr sie doch von Gunther. die er einlud. sanft und lind. des er sich unterstand? Er gab ihn seinem Weibe. wie Zorn und Scham zerrann. Was ich getan. Hätt’ es nur Gott verhütet. als andere Frauen sind. die er ihr zugedacht.

tut – Den armen Fahrenden Gold. Wahrhaftig. Wie’s einem König zukommt. Fort waren schon die meisten. Da unbeschenkt nicht einer von dannen durfte gehn. Auch die Verwandten schenkten verschwenderisch Geld und Gut – Wie man’s bei jedem Feste. alles ward verschenkt. So endete die Hochzeit. ja die Rosse sogar. der mit dem Gold nicht sparen soll. Kaum blieb ein kleiner Rest. da alles reichlich ward gewährt! Mit vollen Händen streute Siegfried die Gaben aus. besser wurden nie Gäste noch versehn. die sie gelenkt. 686–689 . Was er und seine Ritter einst mitgebracht von Haus. Silber. So herrlich unbekümmert war Siegfried. Die Sättel. den Wirt zu ehren. Das hell in Stadt und Burghof aus tausend Stimmen scholl.92 Festlich verflossen waren zwei volle Wochen nun Wechselnd mit Spiel und Gastmahl und fröhlich lautem Tun. Kleid und Pferd. und Gunther schloß das schöne Fest. Wie fröhlich war der Abschied.

gehöre wie uns daheim auch euch zugleich!“ Als er vernahm. daß sie darauf bestand. was sein Wille verliehen euch an Land und Gut! Mein Weib mag des entraten. fahren wir? Nicht scheiden will ich. was unser eigen ist An Land und Leut’ und Burgen! Was rings im weiten Reich Uns Untertan.“ Ungern in seinem Stolze hört’ er. Wie Siegfried mit seinem Weibe nach Haus kam Abschied genommen hatte schon längst der letzte Gast. als irgend ein Weib auf Erden ist. Noch dringender sprach Giselher: „Ihr als Geschwister müßt Alles mit uns teilen. willst du. Doch braucht ihr mich.“ 690–695 . soll Sie reicher sein. für alle Zeiten sei Euch unsre Freundestreue versprochen bis zum Tod!“ Er neigte sich zum Danke für dieses edle Angebot. mein Recht an Leut’ und Land. wie freundlich der Fürsten Absicht war.93 XI. Da sprach der edle Siegfried: „Gott möge immerdar Euch euer Erbe lassen und treu in seiner Hut Bewahren. Auch ihre Brüder kamen und sagten alle drei: „Bevor ihr scheidet. daß niemals euch mein Herz vergißt. wisset. eh nicht von meinen Brüdern mir Mein Erbe zugeteilt ist. dann wisset. womit ihr liebevoll Die Schwester wollt beschenken. Siegfried gedachte sehnend der Heimat Ruh und Rast. es schien ihr zur Heimkehr endlich hohe Zeit Sie fragte ihren Gatten: „Wann. So gab er den Befehl aus: „Macht euch zur Fahrt bereit!“ Kriemhild war’s lieb. Trägt sie die Krone.

Die euch als stolz Geleite umgeben auf der Fahrt nach Haus. Ob sie und ihre Mannen bereit sei’n.“ Es bat Kriemhild. schätz’ ich eines vor allen Gütern wert: Reiche Gefolgschaft führt doch ein König gern nach Haus. sorgfältig ausgewählt. ihr Brüder. wen du willst.“ Sie ließen ihn gewähren. Nun kam der Tag. Das Lager zur Nacht war stets bereit. mitzuziehn. dazu fünfhundert Mann. 696–702 . Graf Eckewart fuhr mit ihr. Daß es von je der Tronjer Gesetz und Weise ist: Wir bleiben. wurde nicht verfehlt. Auch Botschaft zu bestellen an Siegmund. Und fröhlich schieden Ritter und Frauen. zu fragen den Tronjer und Ortwin. denn ihr wißt. wo wir schwuren. Noch einmal küßten manche sich schnell. Was mein ist. Vom Marschall. Denn unser gutes Recht Ist Dienst an unseren Königen und dem burgundischen Geschlecht. der vorausritt. für sie ein treuer Schutz zu sein. Grimmig verwehrte das der Held: „Verschenken kann uns Gunther an keinen in der ganzen Welt! Nehmt andere mit! Wir bleiben im Lande. Knecht und Magd. mit dir! Die gerne mit euch reiten. davon gibt’s viele hier. Gefolgschaft ihr zu leisten die Fahrt hinab den Rhein. Man hatte das letzte Wort gesagt. Kriemhilde wählte dann Zweiunddreißig Mädchen. Doch die Verwandten gaben den Scheidenden Geleit Noch weit ins Land. Da zürnte Hagen. Such dir von dreißigtausend die tausend besten aus.94 Da sprach Kriemhild zum Gatten: „Wenn Ihr auch leicht entbehrt. wählt uns die edelsten Burgunden aus!“ Mit raschem Wort sprach Gernot: „Nimm. und danach stiegen sie zu Pferd. die lieb und wert Einander stets gewesen. Dazu.

Eh’ sie nach Xanten kamen. Nahm schweres Gold und Silber. ihr Arm den Sohn umschloß. Frau Utes liebem Kind. Hier thronten als Herrscher sie in späterer Zeit. Ein langer Tag verging. Der Mund der Eltern lachte. – das war ihr Botenbrot. Gab’s schöneren Empfang je – mir ist es unbekannt – Als der. Mein Sohn. weich und rot. Der Lohn der lieben Kunde. Nun wird mein Erbe künftig noch herrlicher gedeihn. Eifrig gerüstet wurde zu Siegfrieds Wiederkehr. von dem erzählt wird aus König Siegmunds Land? Sieglind.95 Daß er und Sieglind wüßten. die ihr das Herz erquickt’! In Ehrenkleidern gingen am Hof die Diener. Beim Krönungsfest zu feiern das junge Königspaar. sorgenledig. Als beide. „daß ich erleben mag Des Sohnes und der schönen Kriemhilde Krönungstag. sie kämen bald daher. Nie schönere Kunde hörten jemals Siegmund und Sieglind. von seiner Fahrt zurück Kam Siegfried in die Heimat. wie sich’s schickt. Im Lande ward verkündet. Die Burg sah hoch und weit Herab ins Land. 703–709 . Ein freundliches Willkommen entboten sie dem Rittertroß. „Wohl mir!“ sprach König Siegmund. wie er das reichste Glück Gewonnen mit Kriemhilde. Die Müh’ war nicht gering. hochgeehrt Empfangen werden sollte. im Glücke Mund und Wang’ Der lieben Tochter küßten. der edle Siegfried. Und zur Begrüßung sandte der König eine Ritterschar. daß Kriemhild würdig. als Kriemhild sie umschlang. von schönen Frauen umgeben. kam zu Pferd Im Schutze ihrer Ritter. Dann sahen sie die Gäste. soll selber Herr und König sein!“ Sieglind in ihrem Glücke nahm Sammet.

vermißt in großem Leid Von vielen. Wobei aus schönen Augen manch einer Dank gewann Für ritterliche Hilfe.96 Die Jungfrauen aus dem Sattel zu heben. So stand seit dieser Zeit Kriemhilde als die erste der Frau’n im Lande da. Nach echter Herrenart Hielt er Gericht und Herrschaft in fester Hand bewahrt. Man taufte ihn. geschah’s gerecht und hart. Siegfried und sein Gemahl Und alle Gäste schritten vereint in Siegmunds hohen Saal.“ So wurde Siegfried König. Sorgfältig. Sein schönes Weib gebar ihm den ersten Sohn. Benannte man ihn Gunther. der im Burgundenland Als Heldenbild geliebt war und oft vor Brünnhilds Seele stand. er ist der Herr von dieser Stund. Der König stand vom Sitze. In hohen Ehren glänzte sein Name. Wie’s ehrenvoll der Königin des Reichs mit Fug und Recht geschah. Sorgenbar Verfloß die Zeit für beide bis in das zehnte Jahr. erzog man ihn. Gab man ihm Siegfrieds Namen. Will man nach edlem Vorbild sich gute Kinder ziehn. „Den Freunden und Verwandten. die Eltern und das ganze Land. wie’s dem Sohne des Königs ziemt. Zu jener Zeit starb Sieglind. Ihm Ruhm und Glanz zu leihn. wie man es immer tut. Daß sein Gericht von allen im Niederland gefürchtet ward. dem Volke tu ich kund: Siegfried trägt meine Krone –. Man schwieg auf sein Geheiß. eilte man. 710–718 (711) . und daß er geriete stolz und gut. ein stolzer Freundeskreis. Auch Brünnhild hatte damals dem Gatten fern am Rhein Den ersten Sohn geboren. ein Pfand Und Band des Glücks für alle. Und wo er richten mußte. die sie liebten. Dort saßen sie zusammen.

Wuchs er in ritterlicher. Doch keiner rings auf Erden an Ruhm und Macht bestand Vor Siegfried. dem zu eigen das Nibelungenland. Besitz und reiche Macht Umglänzten seine Krone. Als ihrem Könige dienten auch Schilbungs Helden ihm allein. der je auf einem Rosse saß. wenn man Männer nach höchstem Werte maß. Der tüchtigste und stärkste. Auch ohne diese Pracht Der erste. – Wo man davon erzählte. da pries man allgemein. 719–723 . Der größte Schatz. Der Stolz der höchsten Ehre.97 Nach Gunthers Hoffnung künftig ein wohlerzogener Mann. Wie schön das Leben fließe in Xanten und zu Worms am Rhein. war sein. mannhafter Zucht heran. den jemals ein Mensch besaß.

ihn bedrängend. – das war es. Sie wohnen gar zu ferne. bald wiedersehen mag.“ Da lächelte der König. Es nagte ihr am Herzen. was man von ihm verlangt. ob sie es auch verhehlt’. mit listigen Worten keine Ruh: „Wie hoch ein Mann des Königs in Macht und Würde prangt. Die lange Reise mut’ ich den Freunden nicht gern zu. Doch hat er uns seit langem nicht den geringsten Dienst getan. Weit ist ihr Weg von hier. was sie im Sinne trug. Daß wir Kriemhild und Siegfried hier einmal wiedersäh’n?“ Sie sagte ihm vertraulich. Drum gib mir nach! Versprich.“ Doch gab sie. War Siegfrieds Land nicht pflichtig zu Zins und Dienstbarkeit? Gern hätte sie erfahren: Warum blieb er davon befreit? Sie forschte bei dem Könige: „Wie könnt’ es nur geschehn. Vasall des Königs war er nicht. unmöglich scheint es mir. Wie Gunther Siegfried zum Sonnwendfeste nach Worms    einlud Es war Brünnhilds Gedanke schon lange früh und spät: Wie sehr Kriemhildes Sinn doch auf stolzen Hochmut steht! Als Eigenmann ist Siegfried des Königs Untertan. Wenn Siegfried zu ihm käme. Er sprach: „Was du ersonnen. Daß ich.98 XII. die mir so lieb sind. Könnt’ es geschehn. War es doch keine Pflicht. Daß sie ihr fremd geblieben. Doch ihre Worte dünkten den König wenig gut und klug. Er dürfte doch nicht weigern. Sie drang: „Tu’s mir zuliebe! Seit langem seh’n ich mich Nach Siegfried und Kriemhilde. was sie quält’. es wäre für mich ein freudevoller Tag! 724–729 .

die Frau’n und Mädchen auch Entboten ihre Grüße. sie möge unverwandt Die Rosse rüsten lassen zum schönsten Fest im Heimatland. Das würde eine Stunde des hohen Glückes sein. beide zu laden ins Burgundenreich. bis Gunther Erfüllung ihr versprach: „Denn liebere Gäste wüßt’ ich mir nicht.“ Brünnhild und Mutter Ute. „Von unser aller Liebe zu Siegfried und zu ihr. Wie jeder meiner Freunde mit mir ihn liebt und ehrt. Und daß wir sie in Sehnsucht erwarteten am Rheine hier.“ Sie bat und bat. Du brauchst mich nicht zu bitten. Und meine Schwester bittet. 730–739 (732. Die Boten sollen gleich nach Xanten reiten. ihr sanft Gemüt mich an! Wie war mir wohl zumute. Der Rat der Königsfreunde gab erst nach alter Art Die Zustimmung zur Reise. Es bracht’ ihr Glück und Ehre. Grüßt auch den König Siegmund. Da man zum Königssitze im fernen Norden sie beschied. Willkommen hießen gern wir die Freunde und Verwandten hier. das gab er ihnen mit. 738) . Säh’n wir sie beide wieder am heimatlichen Rhein. Wie wir beisammen saßen. „Sagt meiner lieben Schwester“. wie er uns wert. daß sie solchen Mann gewählt. beide jung vermählt. Dann machten sie sich auf die Fahrt. So geb ich nach.“ Dreißig seiner Mannen berief er zu dem Ritt. und sagt. wohin man sie gesandt. wie’s Sitte ist und Brauch. Die Sonnenwende wäre die rechte Zeit dafür.99 Wie zog ihr edles Wesen. Die Ross’ und Männer waren vom weiten Wege müd. denke ich daran. Bis sie ans Ziel gelangten. Drei Wochen scharfen Trabes nach Nibelungenland.

die Königin ging beglückt Den Landsleuten entgegen. burgundisch ihre Tracht. Sie schickte schnell ein Mädchen ans Fenster. den Auftrag Euch kundzutun und laßt So lang uns stehn. Diese sah auf dem Hofe stehn Den starken Markgraf Gere und die mit ihm gesandt. Auch Siegmund schien im stillen der lieben Gaste froh zu sein. um zu sehn. ihr freudig Auge blickt’ Gerührt zuerst auf Gere. Von Gunther und von Brünnhild – ihr Glück steht hoch und fest! – Hört. Sie rief nach Siegfried: „Sieh doch! Dort auf dem Hofe sind Burgundenherren! Gere. Dann luden sie Herrn Gere und seine Schar zu Gast Bei Siegfried und Kriemhilde in ihren hohen Burgpalast. Die Rosse aus den Händen nahm man und wies danach Die Unterkunft den Boten in Saal und Schlafgemach. Da ward ihr altes Heimweh von jäher Freude übermannt. Auf einem Bette ruhte sie grade aus. „Erlaubt uns erst. die schickt’ mit Botschaft mein Bruder her vom Rhein!“ Erfreut gab Siegfried Antwort: „Dann soll’n sie uns willkommen sein!“ Von allen Seiten liefen die Leute rasch herbei. als ob nur für ihn die Botschaft sei. Und jeder tat.100 So wurde eines Tages Kriemhild Bescheid gebracht. Was es dort gäbe. 740–746 . was Euch ihre Liebe durch unseren Mund verkünden läßt. verlangt auch der Leib nach Ruh und Rast. Gekommen seien Ritter. Nahm seine Hand und führte zum Hochsitz ihren Gast hinan. Auf stand der König Siegfried. als diese Kunde plötzlich an ihre Ohren drang. Gunthers bewährten Mann. Und sprach mit Gruß und Fragen im Eifer auf sie ein. mit ihm sein Hofgesind! Gewiß. doch sprang Sie auf.

“ Doch Gere schloß: „Bedenkt es! Auch Mutter Ute lädt Und läßt Euch mahnen. daß Ihr dem Wunsch nicht widersteht. Zu einem Fest entbieten und laden sie Euch ein. die Freundschaft zu erneu’n. „für diesen schönen Tag! Kriemhild und ich.“ „Belohn Euch Gott“. Und auf die schöne Stunde.“ Nachdenklich sagte Siegfried: „Das wird wohl leider schwerlich gehn. Sind gesund Und hochgestimmt wie früher die stolzen Freunde in Burgund? Seit wir von ihnen schieden. Glücklich mit Euch zu feiern ein frohes Wiedersehn am Rhein. Gernot und Giselher Uns herzlich aufgetragen für unsere Fahrt hierher. Mit meiner Herrin Brünnhild die Frau’n und Mädchen freun Sich innig in der Hoffnung. Sie bitten auch die Königin. Bedacht auf Schaden. Daß meiner Freunde Gegner mein eigner Feind und Gegner wär. Euch daheim zu sehn. die Freunde insgemein Mit Gruß und Wunsch bestellten. ins Antlitz Euch zu sehn!“ Kriemhild erglühte. schien doch dies Heimatbild ihr wunderschön. von Glück und Macht umwehrt. 747–753 . wie’s jeder von Freunden hoffen mag. sprach Siegfried. Zur Sonnenwende hoffen sie. wenn erst vorbei die Winterzeit. die Klage hör’ ich jeden Tag. soll alles Euch berichtet sein. was Eure Mutter. in Euerem Geleit Nach Worms zu kommen.“ Da sprach der Markgraf Gere: „Sie hegen unversehrt Den alten stolzen Hochsinn. hat einer feindlich je. ihnen Leid zugefügt und Weh? Ich nähm’s auf mich! Und wahrlich erleben sollte der. Was die Verwandten alle. Daß Ihr so fern vom Rheine. Erwarteten nur Gutes von ihnen.101 Auch das. Der Giselher und Gernot so lang im Herzen lag.

Da kurz die Spanne ist. Er fragte. sprach Siegfried. Wie gern Säh ich die Brüder wieder! Doch liegt ihr schönes Land zu fern.“ Die Freunde sagten: „Liegt Euch das schöne Fest im Sinn. So wird die Schar gemehrt. Dann faßte sie doch Heimweh. Und Siegmund hob den Becher: „Ihr sollt willkommen sein! Seit Siegfried einst gewonnen der schönen Kriemhild Hand. „wenn du entschlossen bist. was sie rieten: „Gunther bewies. Und mächtigeres Ansehn gewinnt der Nibelungen Wert. Gewand und Roß empfängt.“ Von Niederland Herr Siegmund kam fragend: „Wollt Ihr mich Mitnehmen auf die Reise nach Worms? Dann wähle ich Hundert meiner Männer. Sie wollten wieder fort. Die verrät Gleich Eure Macht. Die Reise mitzumachen.“ 754–762 (756) . Zuvor trat noch zusammen der Freundesrat auf Siegfrieds Ruf. dann raten wir: Fahrt hin! Nehmt eine Schar von tausend Begleitern.102 Am Ehrenplatz saß Gere. Hätt’ man Euch gerne öfter gesehn im Nibelungenland!“ Neun volle Tage blieben die Sendeboten dort. wozu seid ihr gewillt? Und müßt’ ich dreißig Länder durchqueren weit und fern Um der Verwandten willen. Rüstung. Daß jeder. Die Reise mitzumachen. Kriemhild zuliebe tät’ ich’s gern. Man schenkte goldenen Wein. Durch seine Boten lud Zu einem Freudenfeste er mich nach Worms.“ „Es ist mir lieb“. Und habt Ihr Lust zur Reise. damit Ihr in Ehren dort am Rhein besteht. liebe Freunde. wie gut Er mir als Freund gesonnen. Obgleich bei Trank und Speise man reiche Kurzweil schuf. Muß innerhalb zwölf Tagen gerüstet sein. Bedenkt. lud man auch Kriemhild. dem es mangelt. Nun ratet.

Da liefen Weib und Mann. Gern wurde es bestätigt. so schön und zart?“ „Ja!“ sagte Markgraf Gere. Wohl keiner solch gute Worte bot. In großer Freude sprang Er auf von seinem Sitze: „Ihr rittet schnell. Wie ich sie dort als Zeichen der alten Lieb’ und Treu vernahm. wie sehr Sie wünschte.“ Die schöne Brünnhild fragte: „Sagt. heim an den Rhein. 763–772 (765. „Und teilen wird sie seine Fahrt.“ So eilten die Burgunden. von allen Seiten rasch heran. Und vor der Burg zu Worms erst gebot Herr Gere Halt. wird auch Frau Kriemhild Siegfried hierher begleiten? Ist sie noch lieb und mild. schnell zu wissen. Habt Dank!“ Dann fragte er die Boten: „Vor allem sagt mir dies: Wie geht es Siegfried. Nach Gunthers Halle strömend. Wenn einer von den Freunden aus ferner Heimat kam. Sie stiegen von den Rossen. Wie jeder immer Neues gern zu erfahren denkt. was geschehn. mit den Freunden im Wiedersehensglück Das Sonnwendfest zu feiern. noch reich beschenkt. Doch Gere sprach: „Erlaßt mir’s! Ich muß zum Könige gehn. Im scharfen Trabe ritten sie quer durch Berg und Wald. ob Kriemhild noch gesund. Die Jungen und die Alten umringten sie gedrängt.103 Bescheid gab er den Boten: „Kehrt nun nach Worms zurück! Wir kommen.“ Man führte sie zu Gunther. auch daß sie käme nach Burgund. Kommt mit zu ihm! Dort werdet auch ihr erfahren. An ihren vielen Fragen ersahen sie. Und auch Kriemhild. 766) .“ Alsbald berief auch Ute die Boten zu sich her. der mir so große Freundlichkeit erwies?“ Gere gab schnelle Antwort: „Vor Freude ward er rot. bei ihnen froh zu sein. So frohen edlen Wesens wie einst.

„Nimmermehr Könnt’ er sein Gut verschwenden. Die Männer säumten nicht. Hunolt und Sindolt mühten sich schwer. Zu richten und zu rüsten. das verdiene Dank. „Er kann gar leicht verschenken“. – es gab nicht Rast. sprach Hagen. nicht Ruh – Was nötig war an Speise und Trank und Unterkunft dazu. Die Ritter und die Mannen am Hof beschauten lang Die herrlichen Kleinodien und meinten.104 Es ward auch nicht verschwiegen. Topf und Pfann’! 773–777 . Hei! Wie es bei ihm klirrte und klang von Kessel. wie Siegfried überreich Die Boten dort beschenkte mit Kleid und Gold zugleich. Truchseß und Schenk Geboten. Der Nibelungenhort liegt ja allein in seiner Hand! Hei! Käme der doch einmal zu uns in das Burgundenland!“ Doch allgemeine Freude erweckte das Gerücht Von Siegfrieds naher Ankunft. und lebte ewig er. auf dem Anger zu zimmern Tisch und Bänk’! Der Küchenmeister Rumolt regierte Weib und Mann.

Hätt’ er des Sonnwendfestes Ausgang vorher gewußt. Willkommensgrüße brachten den Gästen sie vom Heimatland. Wie sie zum Rheine fuhren vom Nibelungenland. 784) . Als du dereinst ins Land kamst. Brünnhilden gab inzwischen der König diesen Rat: „Empfange meine Schwester grad so. von Worms gesandt. Kriemhild und Siegfried ließen den Sohn daheim zurück. Von keiner trüben Ahnung ward ihre Hoffnung noch vergällt. 778–785 (782. Die Reisepferde trugen Gepäck und Kleider allerhand. Wie sie zum Sonnwendfeste nach Worms reisten Unruhige Tage gab es. Burgundische Boten kamen in Sicht. Doch davon schweigen wir. Von Kriemhild und den Mädchen erzählen wir dafür. Vergangen wäre König Siegmund die Reiselust.105 XIII. und schmückt euch festlich reich! Ihr sollt mir Ehre machen vor unserer Gäste Blick!“ Wie gern geschah’s! Man kennt ja der hübschen Mädchen liebstes Glück. Nehmt eure besten Kleider. – So ritten mit den Freunden Siegfried und Frau Kriemhild. Es mußte wohl so kommen! Wie trüb war sein Geschick. daß ich’s aus eigenem Antrieb tu. Womit man Kist’ und Kasten reichlich angefüllt. wie sie es tat.“ Brünnhilde stimmte zu: „Ich bin es ihr wohl schuldig. Da von der Fahrt der Eltern das schwerste Leid geschah. die Mutter niemals wiedersah.“ Die Frauen und die Mädchen berief sie: „Gehet gleich. Daß er den lieben Vater. Von freudiger Erwartung war ihr Gemüt erhellt.

Euch zu besuchen. Frohgemut Hinunter ritten alle bis an des Rheines Flut. beide herzlich grüßend. und Kriemhild am Ufer liebevoll Sie innig hielt umfangen. „den freundlichen Empfang! Seit Siegfried Euch zum Freunde gewann. wie nie empfangen ward ein Gast. recht fürstlich anzusehn. Von ritterlichen Herren wetteifernd rings umdrängt. Galt’s doch. „der ich dankbar bin!“ Da jedes Herz bewundernd Siegfried entgegenschlug. sprach Gunther. lebendig mir im Sinn!“ „Nun kam die Stunde endlich“. Freu’n sich. Dazwischen Mädchen. Daß jedes Wort im Klirren der silberblanken Waffen schwieg. Daß ihrer Pferde Hufschlag weithin die Erde warf. Der stolze Siegfried nahte. 786–792 . Und heller Staub in Wolken hoch in die Lüfte stieg. Siegfried und Siegmund hielten vor König Gunther an. mit gütigem Wort begann: „Seid hochwillkommen alle! Die freund uns und verwandt. daß eure Liebe den Weg hierher zum Rheine fand. Ward glanzvoll er geleitet in ehrenvollem Zug.“ „Gott lohn’“. Sie stiegen ab und winkten den Gästen im Entgegengehn.106 Auch Gunther ließ versammeln die Mannen. traulich im Plaudern Arm in Arm gehängt. Die Ritter spornten scharf. Die übergroße Freude in aller Herzen schwoll. Wer früher nichts gewußt Von hochgemuten Menschen. Der. erfuhr und sah es heut mit Lust. lag jahrelang Der Wunsch. Als Brünnhild kam. sprach Siegmund dankbar. In ihrer Mitte Brünnhild. Auf Giselher und Gernot lag alle Müh und Last. Manch schöne Frau ward sorglich – wie gerne sah sie das! – Zärtlich vom Pferd gehoben herab ins grüne Gras. Siegfried zu ehren.

Man ritt durchs mächtige Tor. 793–804 (800) . Und als es Abend wurde. Viel hundert Helden saßen um ihn im Ehrenring. Und gegenüber ihnen wie ehmals Siegfried und Kriemhild. der Zuruf scholl. Der laute Beifall jauchzte. Auf deren schönem Antlitz das zarte Farbenglühn Der Freude stand. – Gewogen doch und hold War sie ihm noch geblieben. Ortwin und Hagen sorgten und hielten Ordnung hier. Die Gäste schmausten eifrig in lauter Fröhlichkeit. Aus allen Augen strahlte die seligste Zufriedenheit. war manches Wams vom Weine naß. Der König saß zufrieden am Tisch. Mit höfischer Verbeugung man zueinander fand. daß matt nur und blaß ihr Goldgeschmeid erschien. Dann führte man den Frauen die Pferde wieder vor. und gut versehn War jeder Gast. Sie sorgten auch. Brünnhilde dacht’ im stillen. sie zu empfangen am Palast. die Paare Hand in Hand. Vorm nahen Burgtor harrte der Gäste ein Turnier. Und Gunthers Mannen kamen. Die Sättel bunt von Decken. Draußen auf dem Anger stand längst ein Mahl bereit. Nie hätt’ sie seinen Tod gewollt. Gut achteten die Schenken auf jedes leere Glas. Auf feste Schilde trafen im Pralle Stich und Stoß. Nichts sollte ihm fehlen und entgehn. Liebliche Frauen tauschten Küsse und Zärtlichkeit. der Glanz war nicht gering Für einen. Hier im Palaste drinnen saß Gunther mit Brünnhild. Dankwart besorgte rührig den Gästen Ruh und Rast.107 Voraus die Königinnen. daß jeder sein Wohngemach gewann. der Vasall sei. die Lust war groß. – Brünnhild sah immer Kriemhild aus großen Augen an.

In stolzem Zug zu Roß Erschienen beide Königinnen mit zahlreichem Troß. froh gespannt. Den Sängern und den Rittern sagte der König Dank. In heiterer Lust verlief so das Fest bis an den elften Tag. blitzend im Silberschein Der Helme. saßen im Fenster. Da nahte hoch zu Pferde im stolzen Freundeskreis Der König Gunther selber. Trompeten stiegen auf. noch laut Gefeiert von den Menschen. Posaunen. Hell klang ein Festchoral.108 Die Sommernacht war kurz nur und fröhlich das Gelag. Wer im Turnier den anderen abwerfen möchte in den Sand. Die Mädchen. Vor dem Portal des Münsters hob man sie auf das Gras. Nur tiefer Zwist vermochte zu trennen erst dies edle Paar! Die Messe war zu Ende. das niemals zu Ende gehen mag. Die jungen Heldensöhne. Schilde ritten. so schien’s. die Kronen auf dem Haar. 806–813 (805) . Sie ritten heim. Da ward es still im Hofe. blütenweiß Die Festgewänder. Schon prüften im geheimen die Frauen ihr Gewand. Dann hob sich aus dem Tauglanz ein sommerlicher Tag. Dann saßen sie vertraut Im Glück. Bis das Geläut zur Messe vom Dom herab erklang. Freundlich vereint – noch hegte Brünnhilde keinen Haß – Betraten sie das Münster. Bei solcher Kurzweil dünkte sie nicht die Zeit zu lang. Und welcher Stein am schönsten zu ihrem eigenen Reize stand In aller Morgenfrühe hielt schon vor Gunthers Saal Ein Kreis von edlen Sängern. Nun spornten auch die Reiter die Pferde an zu raschem Lauf. Da sah man schon Bewegung und vollen Menschendrang. zarte Flöten. den hellen Glanz im Blick herein.

An Vorzügen und Ehren ist er so überreich. wie er dort steht.“ 814–819 .109 XIV.“ Darauf Brünnhild erwidernd: „Wie ginge das wohl zu? Wenn niemand mehr am Leben. auch Gunther gleich. Bis Kriemhild sinnend sagte: „Mein Mann. Dann könnte dieses Land ihm die Herrschaft zugestehn. Gesteh. daß ich auf Erden die Glücklichste der Frauen bin. Die beiden Königinnen und dachten ihrer Herrn. Siegfried ist allen. den Besten selbst. der ist so hehr. wie’s oft geschah und gern. dessen Mannheit oft herrlich sich erwies. wird das ja nimmermehr geschehn.“ Ins Freie blickte Kriemhild: „Schau hin. So lang mein Mann am Leben. Daß er mit Fug der Herrscher auch aller dieser Länder war.“ Doch Frau Brünnhild versetzte: „Dein Mann mag unverwehrt Herrlich vor anderen gelten. Der Zank der Königinnen An einem Nachmittage. Als sie zum Angriff ritten im Spiel Mann gegen Mann. als Lärm und Waffenklang Von einem Lanzenstechen herauf vom Hofe drang. der König und Herr der ganzen Welt zu sein!“ Da widersprach ihr Kriemhild: „Nicht ohne Ursach’ pries Ich Siegfried. als er allein und du. Lief bald von allen Seiten schaulustiges Volk genug heran. Welch männlich-stolzen Hochsinn sein Herrenschritt verrät! So geht der Mond am Himmel vor matten Sternen hin! Gib zu. und dennoch reicht sein Wert Bei weitem nicht an Gunther! So kann wohl ihm allein Das Recht zustehn. Da saßen beieinander.

so vornehm auch dein Mann. es hätten schmählich die edlen Brüder mich Verschenkt einem Vasallen? Inständig bitte ich In Freundschaft. Mich triffst du nicht. Und Gunther mich als erster im Wettkampf heldenhaft bestand. mit ihm uns Untertan!“ Da hub die schöne Kriemhild mit scharfem Wort zu zürnen an: „Aufgeben wirst du willig den Wahn. ob man wie mir die gleiche Ehr Auch dir am Hof erweise!“ In volles Übermaß War schon der Zorn gestiegen. mein Königsrecht dahin Auf alle seine Ritter.“ „Ich kann’s nicht unterlassen“. Da nannte Siegfried selber sich Gunthers Eigenmann. und wenn auch dein Hochmut noch so herrisch prahlt!“ Brünnhild sprach: „Überhebe dich deiner nicht zu sehr! Ich will doch sehen. sprach hart die Königin.110 „Verarg’ es mir nicht“. Mit eigenen Ohren hört’ ich’s. ich habe Grund dafür. er sei in Pflicht Dir hörig und zu eigen. Was ich von dir vernommen. Als mich der Ritterliche zu seinem Weib gewann. so halt ich ihn dafür!“ Da sagte Kriemhild bebend: „Wie ziemte ein Leibeigener mir! Glaubst du. Es nimmt mich wunder. „Daß ich ihn minder achte. der ihnen heiß im Herzen saß. 820–816 . Brünnhild. ich hör’ es niemals wieder an. wenn er doch Gunthers Lehnsmann ist. „Gäb’ ich doch sonst den Anspruch. Du also unser beider als Herrin mächtig bist. Er steht und weicht auch nicht An Hoheit meinem Bruder. daß ich eines unfreien Mannes Gattin wär. Als ich zum ersten Male sie sah im Isenland. sagte Brünnhilde da zu ihr. Daß er seit langen Zeiten dir keinen Zins gezahlt. daß du in Zukunft nimmermehr Behauptest.

Drauf Brünnhild: „Hältst du wirklich dich und ihn für frei. Noch edler als die höchste. unlöslich schien ihr Bund. wie edel ich und frei. Heut noch beweis’ ich das!“ So standen gegenüber einander sie in heißem Haß. Zu eigenem Leid erfahren hat mancher dann den schlimmen Grund. 827–834 . auf Zierat und alle Art von Pracht. Soll’n beider Könige Ritter es sehen.“ Wie gerne sie gehorchten! Auch Kriemhild war bedacht Auf ihr Gewand. Knecht und Mann. Mit dreiundvierzig Mädchen schritt sie den Weg einher.“ „Das ist mir lieb“. und sehn sollst du genau. Da doch bisher so innig. als selbst der deine sei. Daß ich vor dir. sprach Kriemhild.und Vasallenfrau Im Stolz vor den Burgunden auf ihrem Rang beharrt. das eine arge Schmähung war. Die Leute nahm es wunder. Die Mädchen rief Kriemhild rasch heran: „Zieht eure schönsten Kleider zur Messe heute an! Ihr sollt mir Ehre machen! Brünnhilde soll fürwahr Ihr Schimpfwort schwer bereuen. Dann sorg. wenn wir zur Messe gehn. der Königin. Daß man die Königinnen nicht beieinander sah. zuerst den Dom betreten kann. Noch heute sollst du sehen. Am Dom erwiesen Siegfrieds Gefährten ihr die Königsehr’. „es soll nach deinem Wunsch geschehn.“ So schieden sie. die je hier Königin ward. Dünk’ ich mit Recht mich selber.111 Da sprach Kriemhild: „Noch heute soll’s öffentlich geschehn. Und daß mein Mann noch würdiger. Mich kann kein Vorwurf treffen. Willst Siegfried du als unfrei und als Leibeigenen schmähn. Wie heut vor aller Augen die Eigen. daß dein Gefolge streng abgesondert sei Von meinen eigenen Frauen. warum es wohl geschah.

was du sagts!“ „Auch das soll mich nicht hindern! Wenn das dein Stolz erlog. Ich stünd’ in deinem Dienste. „da ich des kundig bin. Wohl dreißig Königinnen hell überstrahlte sie. ob’s mir auch ewig leid: Dahin ist unsere Liebe und Freundschaft nun für alle Zeit!“ 835–842 . Wie man es sonst gewohnt war. Die Königinnen trafen einander vor dem Tor. sie pflegten noch einmal Vertraute Zwiesprach vorher. Wo einer Glanz und Reichtum jemals enthüllt gesehn. Damit ihr Prunk vor Brünnhild ihr höheren Rang und Anspruch lieh. sprach Kriemhild. wenn er dir eigen ist? Ich bin nicht schuld“. Vor solcher Pracht vermochte nichts anderes zu bestehn. Da kam Kriemhild geschritten in prunkend herrlichem Geleit. der dir dein Magdtum abgewann. „wenn du dich drum beklagst!“ Die Königin drohte: „Gunther soll gleich erfahren. sprach Kriemhild. zu kürzen so die Zeit. die schlimme Rede trog! Das sollst du wahrlich wissen. nicht Gunther. wie besser wäre das! Hast du doch selbst geschändet den jungfräulichen Leib! Wie könnte eine Kebsfrau heißen eines Königs Weib!“ „Wen nennst du eine Kebsfrau?“ Bleich stand die Königin. Daß er es war. Sie rief: „Kriemhild! Ich habe den Vortritt! Bleibe stehn! Die Eigenfrau darf niemals vor ihres Königs Gattin gehn!“ In ihrem Zorn rief Kriemhild – sie brannte ganz vor Haß –: „Wenn du nur schweigen könntest.112 Schon stand mit ihren Frauen Brünnhilde am Portal. Wo blieb denn deine Klugheit bei jener argen List? Wie ließest du’s geschehen. „Dich nenn’ ich so“. mein lieber Mann. Daß dich vor Gunther Siegfried bezwang. Da brach aus Brünnhilds Worten die Eifersucht hervor.

– Daraus hob sich ein Haß. Sie sprach: „Gestohlen wurde mir dieser edle Ring.“ Das war die schlimmste Stunde. Und mir bis heut verholen. Er besiegte dich!“ 843–849 . Den gab mir mein Geliebter nach jener ersten Nacht. Mich brennt die Scham. wer mich arglistig drum betrog. den ich am Finger hab.113 Da weinte Brünnhild. Kriemhild fiel hart ins Wort ihr: „Verklagst du mich als Dieb? Geschwiegen hätt’st du ewig. – Achtlos schritt Kriemhild eilends hin Ins Münster hohen Hauptes stolz vor der Königin. den ich trage. So gib ein Zeugnis. der wie Funken flog. um heimzugehn. wie dir der böse Schimpf zu Ohren kam. Wie man auch. wär’ deine Ehr dir lieb. Was mit gehässigen Worten sie mir als Schmähung bot. Der Gürtel. – zeugt er genug für mich? Ich lüge nicht. Da sprach Frau Brünnhild: „Höre mich an und bleibe stehn! Du hast mich als ein Kebsweib geschmäht. dann ist es Siegfrieds Tod!“ Nun kam auch mit den Ihren Kriemhild. die jemals Brünnhild zugedacht. heut betete und sang. Gott zu dienen. versank in Scham und Schmerz. Daß manches helle Auge gar trübe ward und tränennaß. Brünnhild mit ihren Frauen stand draußen vor der Tür: „Alles will ich erfahren! Sie soll beweisen hier. dann leg ich Zeugnis ab Mit diesem goldnen Ringe. ich erzwing’ Mir das Geheimnis.“ Da sprach Kriemhild: „Erzwingst du’s. Und nach ihr das Gefolge. In düsteres Sinnen fiel sie. Hat er sich solcher Schandtat gerühmt. Das sollte einst entgelten manch ritterliches Männerherz.“ Nur immer heißer lohte der Zorn auf. Es dauerte Brünnhilde die Messe viel zu lang. Denn Siegfried gewann ihn. doch wisse.

114
Dabei wies sie den Gürtel, Seide von Ninive,
Gestickt mit edlen Steinen. Aufs neu in ihrem Weh
Begann Brünnhild zu weinen, als sie den Gürtel sah.
Das mußte Gunther wissen! Um seine Ehre ging es ja.
Die Königin rief die Kämmerer: „Den König holt herbei!
Erzählen will ich Gunther von Kriemhilds Prahlerei,
Mit der sie mich gehöhnt hat vor allen öffentlich,
Erst Siegfrieds Weib und danach des Königs Kebsweib wäre ich!“
Mit seinen Freunden kam er. Als er sie weinend sah,
Die ihm so lieb war, – milde, begütend sprach er da:
„Geliebte Frau, erzähle, wer tat dir was zuleid?“
Sie sagte zu dem Könige: „Mir ziemt nichts mehr als Traurigkeit.
Was ich besaß an Ehre, – das, König, klag’ ich dir –
Hat Kriemhild mir genommen, zur Schmach sagt sie von mir,
Zu deiner Kebsfrau habe Siegfried mich einst gemacht.“
Er sprach: „Verleumdung ist es, und schlimmere wurde nie erdacht!“
„Ich sah, sie trägt den Gürtel, den ich damals verlor,
Den Goldring auch, mir listig entwendet, wies sie vor.
Verteidige mich! Ich stürbe viel lieber, als entehrt
Mit dieser Schmach zu leben. Hilf mir, ich denk’, ich bin es wert.“
„Siegfried soll hier erscheinen!“ befahl der König. „Weh,
Wenn er sich des gerühmt hat. Entweder er gesteh’
Oder er kann bezeugen, daß er unschuldig ist.“
Siegfried ward hergerufen und trat herein nach kurzer Frist.
Als Kriemhilds Mann die schwere Betrübnis Brünnhilds sah,
Nicht ahnend, was geschehen war, betroffen stand er da.
„Was gibt es, warum weinst du? Was hattet ihr für Grund,
Anklagend mich zu rufen? Und warum zögert euer Mund?“

850–856

115
Drauf Gunther: „Schwerste Kränkung geschah hier, die mich quält.
Mein Weib hat, was Kriemhilde gesagt hat, mir erzählt,
Du habest dich gebrüstet, in Liebe sei mein Weib
Verbunden dir gewesen, bevor sie mein mit Seel’ und Leib.“
Siegfried erglühte zornig: „Hat Kriemhild das gesagt,
Will ich nicht ruhen, eh sie das schlimme Wort beklagt.
Vor allen deinen Männern mit heiligem Eide schwör’
Ich und beteure: Niemals hab’ ich gesagt, daß es so wär.“
Der König rief: „Gewährst du vollgültiges Zeugnis mir,
Und leistest du den Eidschwur, dann nehme ich von dir
Jeden Verdacht der Untreu und meiner Klage Grund.“
Sogleich den Ring zu bilden, rief er die Männer von Burgund.
Siegfried erhob inmitten zum Schwure schon die Hand.
Da, schuldbewußt, sprach Gunther: „Mir ist gar wohl bekannt:
Rein bist du! Alles, was man dir Schuld gibt, ist ein Wahn.
Wes Kriemhild dich geziehen, du hast es nimmermehr getan!“
Siegfried versetzte: „Hat sie das schadenfroh gesagt
Und Brünnhild so bekümmert, daß sie sich drum beklagt,
Das schmerzt mich, wie mir niemals etwas weh tun kann!“
Da blickten rings die Ritter einander tief verwundert an.
„Die Frauen und ihre Zungen sollte der Mann erziehn,
Im Übermute reden sie sonst gern allzu kühn.
Laßt Brünnhild schweigen. Schweigen soll ferner Kriemhild dann.
Sie hat nicht recht gehandelt. Die Schuld erkenn’ ich schamvoll an.“
Oft haben Frau’n durch Worte feindselig sich getrennt.
Brünnhild in ihrem Schmerze schien gar kein Trost vergönnt,
Daß Mitleid und Erbarmen in Gunthers Männern quoll.
Da kam Hagen von Tronje und sah ihr Auge tränenvoll.

857–863

116
Er fragte, was es gäbe, woher die Tränenspur.
Da sagte sie ihm alles. Dann tat er diesen Schwur:
„Die Tränen, die Ihr weintet, werd’ ich niemals verzeihn.
Er soll sie büßen, oder ich will nie wieder fröhlich sein!“
Es fanden im Gespräche sich Ortwin und Gernot.
Da ward das Wort gesprochen: Wir raten Siegfrieds Tod!
Giselher kam näher, zu hören, was man sprach.
So jung er war, so treu auch, so wehrte er der grausen Schmach:
„Ihr Helden, welche Untat, unsühnbar wäre das!
Verdient der edle Siegfried doch niemals solchen Haß
Und nicht den Tod. Viel eher ziemt uns Treu und Dank!
Leicht nur wiegt dagegen der neiderzeugte Weiberzank!“
„Soll’n wir Bastarde ziehen am Hofe von Burgund?“
Sprach Hagen. „Mit der Ehre gingen wir selbst zugrund!
Gerühmt hat er sich Brünnhilds und so den Tod verdient.
Lieber will ich sterben, wird dieser Frevel nicht gesühnt!“
Der König selber warnte: „Nur Gutes, reiche Ehr’
Erfuhren wir von Siegfried. Drum schweigt, denn nimmermehr
Gebiet’ ich, ihn zu töten. Womit verdient er das?
Er hielt uns feste Treue. Erwidern sollt’ ich das mit Haß?“
Da widersprach ihm Ortwin. „So treu er zu uns stand,
Damit ist diese Schande nicht von uns abgewandt.
Laßt Ihr es, Herr, geschehen, büßt er die Prahlerei!“
So schuldlos Siegfried, war es mit aller Brüderschaft vorbei.
Zwar ließ man noch die Sache beruhn. Doch Hagen lag
Dem Könige in den Ohren in jeder Stund’ am Tag.
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, welch Erbe, reich und weit,
Fiel ihm dann zu! Der König hört’s an und schwieg in Traurigkeit.

864–870

117
Noch wehrte er: „Entsaget dem mörderischen Plan!
Viel ruhmeswürdige Wohltat hat er uns einst getan!
Auch ist so stark im Grimme der heldenkühne Mann,
Daß, ahnt er nur die Feindschaft, ihn keiner überwinden kann.“
„Er soll nichts ahnen“, sagte der Tronjer. „Schweigt nur still!
Geheimen Plan ersinn’ ich, wie ich ihn treffen will.
Er soll für Brünnhild büßen, sie hat um ihn geweint.
Solange Hagen atmet, so lange ist er Siegfrieds Feind!“
Da fragte Gunther dringend: „Sag, was ersannest du?“
„Ich will es dir vertrauen“, sprach Hagen, „höre zu:
Wir lassen Feindesboten, im Lande unbekannt,
Den Frieden aufzusagen, gelangen ins Burgundenland.
Dann kündet Ihr den Gästen, zum Kriege zögt Ihr aus
Mit allen Euren Mannen. Siegfried bleibt nicht zu Haus.
Er tritt in Eure Dienste. Er kämpft, er siegt, er – fällt!
Wo er verwundbar, kündet mir Kriemhild an. Dann stirbt der Held!“
Der Sinn des Königs schwankte. Das böse Wort verfing.
So hub das üble Werk an, das treulos man beging.
Noch blieb der Plan verschwiegen, bis der Verrat gelang.
Doch viele edle Männer entgalten zweier Frauen Zank.

872–876 (871)

118

XV. Wie Siegfried verraten ward
Am vierten Morgen sah man zweiunddreißig Mann
Einreiten in den Burghof. Laut kündeten sie an,
Es sei dem mächtigen Gunther der Friede aufgesagt.
Wie manche Frau hat später die Lüge tränenschwer beklagt!
Man fragte, wer sie schicke, nach Namen und woher.
Sie seien Sachsenboten, gesandt von Lüdeger,
Den Siegfried überwunden in jener Sachsenschlacht,
Als Geisel für den Frieden gefangen nach Burgund gebracht.
Der König Gunther lud sie freundlich zum Sitzen ein.
Sie wehrten ab: „Wir werden Euch unwillkommen sein,
Denn wisset, unsere Botschaft bringt Euch die schlimmste Not.
Von mächtigen Feinden seid Ihr mit nahem Untergang bedroht.
Euch kündigen den Frieden Lüdeger und Lüdegast,
Die Euch, seit Ihr sie finget, aufs grimmigste gehaßt.
Sie rüsten schon die Heerfahrt, ihr Ziel ist Euer Land!“
Der König schien betroffen und wie von jähem Zorn entbrannt.
„Meineidige Verräter“, so fluchte man, doch wies
Man ihnen Unterkünfte, wo man sie warten hieß.
Wer hätte solcher Tücke argwöhnisch sich versehn?
Auch Siegfried nicht. So konnte, was ihm verhängt war, denn geschehn.
Mit Raunen und mit Flüstern beriet sich immerzu
Der König mit den Freunden. Denn Hagen ließ nicht Ruh.
Zu schlichten, zu versöhnen bemühte mancher sich.
Nur Hagen blieb in seinem Ingrimme unerschütterlich.

877–882

119
So standen eines Tages beisammen sie, da trat
Siegfried, ob ihrem Kummer erstaunt, mit in den Rat:
„Was gibt’s? Was ficht den König und euch mit Sorgen an?
Ihr wißt doch, gilt’s zu handeln, daß Gunther auf mich zählen kann!“
Da sprach der König: „Ursach’ zur Sorge ist genug.
Die Eure Hand vor Zeiten im Sachsenkriege schlug,
Die alten Feinde rüsten, Lüdegast und Lüdeger,
Und neu zu überfallen, entsenden sie ein mächtig Heer.“
Aufbrausend sagte Siegfried: „Das werde so gedankt,
Wie es des Königs Ehre, des Landes Schutz verlangt.
Ich treffe sie wie damals. Wüst lege ich ihr Land!
Nicht eher ruh’ ich! Setzen will ich mein eigen Haupt zum Pfand!
Bleibt Ihr mit Euren Männern daheim. Ich will allein
Mit meinen Nibelungen des Landes Schützer sein.
Bewähren will ich wieder die alte Treu’ darin.
Ich breche den Verrätern den tückisch-hinterhältigen Sinn!“
„Dank für das gute Wort dir!“ sprach Gunther gradeso,
Als wäre er im Ernste der Hilfe Siegfrieds froh.
Er neigte sich, der Falsche, der seinen Freund verriet.
„Laßt alle Sorgen ruhen“, sprach Siegfried, „die Euch quält und müht.“
Siegfried listig zu täuschen, beluden sie den Troß.
Auch Siegfried ging zu sammeln die Seinen, Mann und Roß.
Dem Vater riet er: „Bleibt nur zu Haus! Gibt Gott uns Glück,
Dann kehren wir als Sieger bald wieder an den Rhein zurück.“
Sie banden an die Stange das Fähnlein voller Lust.
Zwar vielen Männern Gunthers war nichts davon bewußt,
Daß alles, was sie trieben, nur Schein und Täuschung war.
Schon drängte sich die Menge, umringend Siegfrieds Kriegerschar.

883–890

wenn ihm ein Feind Verderben sann’?“ „Ich hätte keine Sorge“. sprach sie. Wie Siegfried Eure Sache in steter Treu verficht. Wär er nur nicht so tollkühn und nicht im Überschwang Des Mutes unbekümmert um Todgefahr und Untergang!“ „Befürchtet Ihr“. Verrat im Sinn. Heut bitt’ ich: Laßt ihn ja nicht entgelten. „Wie gut“. in Kriemhilds Saal.120 Aufpackten sie behende den Saumrossen als Last Die Helme und die Brünnen. sprach Kriemhild dankbar. Genau im Aug behalten. wie er es verdient. die wert mir sind und lieb. So gab er vor. Mit welchen Mitteln.“ 891–897 . Und wie ich’s keinem anderen als mir allein vergönn’. Freund Hagen. könnt’ ich den Schutz versehn? Gern bleib ich ihm zur Seite. Anrechnen mögt Ihr’s Siegfried! Und ob ich niemals bat. Steht Ihr zu mir. ihr schuf es bitteres Leid Und mir die schlimmste Strafe. ging Hagen. Der sich getraut zu schützen. Wenn’s nie geschehen wär! Was frevelnd ich geredet. was ich Brünnhild tat! Längst quält es mich mit Reue. „daß Siegfried je Im Kampf an Leib und Leben ein tödlich Leid geschäh’. da Siegfried es mir nicht verzeiht. „daß in des Kampfes Not Dem Allzukühnen Schaden und gar Verwundung droht. wie treulich immerdar Ich hold Euch und gewogen und zu Gefallen war.“ – „Gar bald ist Eure Feindschaft zu Ende und gesühnt! Wie aber könnt’ ich Siegfried so. Auch hat mich Siegfried schwer Gestraft. Gedenkt daran. sagt mir. Des tröste ich mich in guter Zuversicht. ja hart geschlagen. „daß mir ein Freund noch blieb. Zum Abschied noch einmal. sprach Hagen. Zum Heer stieß mancher Gast Aus dem Burgundenlande. wo wir auch reiten oder gehn.

und half nur mit zu seinem Tod. ich vertraue dir! Die Treue zu den Deinen. Als er den bösen Lindwurm im Felsental erschlug. Ihn tödlich so zu treffen.“ Und dann aus Lieb und Sorge – hätt’ sie’s nur nicht getan! – Vertraute sie ihm dieses Geheimnis seines Leibes an: „Mein Mann besitzt an Stärke.“ 898–904 . stehn wir in Kampf und Not. Als aus dem Drachenleibe das Blut in Strömen rann.121 Sie zögerte: „Der Treuste bist du und mir verwandt. – Hab acht darauf! – Was niemand gewußt. Ich bin um ihn so bange. als ob er schon verloren wär! Sag ich es dir. Die harte Hornhaut schützt ihn gut. wo sich der Tod den Weg gelassen hat. Fiel zwischen seine Schultern herab ein Lindenblatt. Wo ich ihn decken müßte. ich weiß. Und er die harte Hornhaut im heißen Bad gewann. Das ist die Stelle. ob es nicht einem Feind geläng’. Sie sagte rasch: „Ein kleines Kreuzlein aus Seidenband Näh’ ich für dich zum Zeichen ihm heimlich aufs Gewand. Nun schneidet ihn kein Schwerthieb. Freund Hagen? – Ach. Die Stelle mußt du hüten. wo man Siegfried zu Tode treffen kann. wenn scharf im Kampfgedräng Die Gere fliegen. sie gilt auch mir. daß ich ihn doch verlör’. Und doch bin ich in Sorge. sonst bleibt mir unbekannt. Da tauchte er zum Bade ins heiße Drachenblut. Die Stelle. Drum geb’ ich den geliebten Mann ganz in deine Hand.“ Da sprach Hagen von Tronje: „Näht doch auf sein Gewand Ein klein Erkennungszeichen. an Kühnheit wohl genug.“ – Sie wähnte ihm zu helfen. vertraue ich dir an. wenn dann am heißen Tag Die Feinde ihn bestürmen in heißer Schlacht mit Stich und Schlag.

– Hagen schied. Die ihm erzählen mußten. – Drauf sandt’ er falsche Boten. so laßt uns fröhlich sein! Zu Pferd! Ausreiten will ich zur Jagd auf Bär und Schwein Zum nahen Wasgenwalde. Ich weiß. wo ich so oft gejagt. daß du zu jeder Zeit. an Siegfrieds Weg zu harr’n. dachte Kriemhilde still für sich. Dicht neben ihm ritt Hagen und schaute auf das Kreuz im Kleid. „Ich lade meine Gäste und tue allen kund. Ingrimmig froh. daß du von allen Getreuen der Getreuste bist. Wie ungern kehrte Siegfried zurück! Mit rascher Tat Hätt’ er gern geahndet den Meineid und Verrat. Der sei in aller Frühe bereit! Doch wer dafür Den schönen Frau’n zuliebe verweilen will. Das einst geschworen wurde mit Handschlag. Lüdeger sei nun Geneigt zu neuem Frieden. In erster Morgenfrühe ritt Siegfried fröhlich fort Mit tausend Mann. zu rächen das frech gebrochene Wort. zählt auf mich!“ „Das wird ihm helfen“. Blick und Eid. Sind wir der Heerfahrt ledig. Zu Hilfe mir zu kommen. die Zwietracht solle wieder ruhn. der bleibe hier!“ 905–912 (906) . ihn zu hüten. Entgegen ritt ihm grüßend der König: „Sei bedankt. sprach Hagen. daß Kriemhild den eigenen Gatten ihm verriet. genäht mit seidenem Garn.122 „Vielliebe Frau“.“ Das hatte Hagen weislich zum Schein empfohlen und gesagt. wie’s recht und billig ist. Wer mit mir jagen möchte im grünen Waldesgrund. „ich tu’ es. Und doch war Siegfried damit verraten. Daß du in meinem Dienste niemals gezögert und gewankt! Gott lohne dir. freundwillig und bereit! Ich werde dir’s vergelten. Freund Siegfried. Das Kriemhild.

123 Da sprach Herr Siegfried lachend: „Gilt es bei frohem Ritt Ein edles Wild zu jagen. Gebt mir nur einige Bracken und einen kundigen Mann. Sie kennen alle Stellen. wie man listig dem überstarken Mann Vermöchte. wenn etwa ein Jägersmann weit abgeriet.“ „Wollt Ihr nur einen haben?“ versprach der König gleich. wo Tiere stehn im dunklen Tann. „Ich geb’ Euch vier. bewandert im ganzen Jagdbereich. Und ihn – zu ewiger Schande – aus einem Hinterhalt zu fäll’n. Die Steige auch. dann reif ich gerne mit. Hagen sann Mit Gunther. im geheimen am besten nachzustell’n. wohin das Wild sich zieht.“ Zu seinem Weib noch einmal ritt Siegfried. Der überall Bescheid weiß. 913–915 .

so quält mich meine Angst und Not. Indes man draußen auflud Gerät und Pürschgewand. nur heut die Jagd! Zwei wilde Schweine sah ich im Traume letzte Nacht. Der angestiftet wurde durch eines Weibes. Zum Abschied küßte Siegfried sanft der Geliebten Mund: „Gott füg’s froh kehr’ ich wieder. doch Arglist lag darin. Dann flehte sie zu Siegfried: „Laß heut. Dem eignen Leben fluchte die Frau in lauter Traurigkeit. Genieß du mit den Deinen indessen frohe Zeit zu Haus!“ Da dachte sie an alles. Gar reichlich Trank und Speise befahl man für die Fahrt. ich sehe dich gesund. die grobe Sau. Sie wollten über’n Rhein. Das war nach Hagens Sinn. Wie Siegfried erschlagen ward Zur Pürschjagd rief der König. Nun muß ich immer weinen. Wie sie dich hetzten. 916–921 .124 XVI. Mit seiner Frau noch einmal saß Siegfried Hand in Hand. An einem kalten Borne geschah danach der Mord. Auch der Gefährten Kleider. Und mich dein liebes Auge! Mich treibt die Lust hinaus. – nur scheute sie’s zu sagen – Was Hagen sie vertraute. Danach erfuhr Kriemhilde nie Schlimmeres an Not und Pein. Brünnhilds Wort. doch fing sie an zu klagen Und weint’ an seinem Halse maßlos in wildem Leid. Gar männlich Ding erschien es. als mit dem scharfen Ger Das Wisent anzugehen. Was wäre Helden lieber. den wilden Bär! Mit ihnen ritt auch Siegfried in seiner stolzen Art. Weithin war rings die Heide rot.

„Denn wieder bald vereint Bin ich mit dir.“ Zum Abschied schloß die Arme er um den edlen Leib. Als Siegfried nahte.“ „Nein. mein Herr. Dahinter die Gefolgschaft. denn voll von Tränen ist mir das Herz und sorgenschwer.125 Ich fürchte. Man wählte klug am Waldrand den Anstand. Zwei Berge brachen jäh über dir zusammen. Ich denk auch. Ich hatte schlimme Träume. Nun eilten sie von dannen in einen tiefen Tann. Es sorgt doch solch ein König. Sind mir doch die Verwandten. niemals sah die Frau ihn lebend wieder in der Welt. irgend einer plant etwas schlimmer Art. über’n Rhein. Ob wir auch keinen kränkten und jedem Treu bewahrt. Giselher und Gernot. ich verdient’ es. Mein Herz beschwört dich innig: Bleib’ heut daheim. Ein Anger dehnte weithin sich breit und gut zur Jagd. Meute und Jägersmann. Zum Tröste küßt’ er innig das ahnungsbange Weib. Bleib hier. Dann ging er schnellen Fußes. Liebste!“ sprach er. der lebensfrohe Held. die Brüder wohlgesinnt. Mein Blick fand dich nicht mehr. Schon vorher gingen Rosse. waren nicht dabei. Und niemand dich und mich auch feindselig hassen kann. daß alle meine Freunde sind. ward es dem König Gunther angesagt. Daß keiner seiner Jäger an Freuden irgend was entbehrt. die Brüder. 922–928 . Auch hab’ ich hier keinen einzigen Feind. so reich und ehrenwert. Jagdlustigen Sinnes Ritter. du lieber Mann!“ „Sorg dich nicht. nein. mit Brot und Fleisch und Wein Und anderen guten Dingen beladen. mir schwant ein furchtbar Weh. Doch fehlten ihrer zwei. mein Siegfried. wo das Wild Dem Jäger gut zum Schusse herausbricht ins Gefild. Ach.

126 Dann wurden ihre Plätze den Jägern zugeteilt. Da ging es hinterher gleich nach Jägerart durch Berg und Schlucht. Viel Glück zur Jagd!“ Dann sprengte von dannen Kriemhilds edler Mann. daß er schließlich den höchsten Ruhm des Tags gewann In allen Männertaten war er erprobt und klug. sei erster Jagdgesell!“ Nun galt kein länger Warten. der glücklich ein Tier zu Tode schlug. daß ihm kein Stück entrann. wer hier verweilt. Der suchte. Wo allerlei Getier sich vom Lager hob zur Flucht. Und wer durchstreift zum Jagen das Waldrevier zu Roß. Ein alter Jäger griff sich den besten Spürhund gleich. Bis wir auf diesem Platze uns schließlich wiedersehn. 929–935 . Das schlug der kühne Siegfried. Und wer das beste mitbringt. Der erste heut. das er allein bestand. die am Ende der heutigen Jagd die besten sind. Siegfried schlug vor und sagte: „Bestimmt. Aufs Pferd! Die Jäger schieden schnell. Siegfried ging mit den Worten: „Nehmt ihr die Hunde nur! Laßt mir bloß einen Bracken. Was bei des Bracken Ansprang den Weg ins Freie fand. schnob und führte Siegfried in ein Bereich. der klug des Wildes Spur Durch Tann und Sumpf und Dickicht sicher verfolgen kann. Kein Wunder. Bis er darauf im Dickicht gleich einen grimmigen Löwen fand. Ein jeder mag sich wenden. Sein Roß flog unterm Sporne. Das scheue Wild zu spüren im Tann mit Hunden und Geschoß. Ein starkes Einhornfohlen. wohin es ihm gefällt. der Held vom Niederland. Es können dann erkennen Herren und Gesind Die Schützen. Den Männern wird die Meute zu gleichem Teil gesellt.“ Da riet Herr Hagen: „Laßt uns getrennt zum Jagen gehn.

Flog schwirrend. Ein Schlag. Zur Feuerstätte brachte man Häute allerlei Und Wild in reicher Fülle. mit Macht zurückgezogen. Da jubelten die Jäger dem Helden zu mit lautem Dank. hielt inne und ruhte von der Jagd einmal. Die Jäger standen lachend: „Da es die Ehre gilt. Ihr rottet ja die Tiere fast aus in Berg und Tal!“ Er lächelte. Leuten. Als Siegfried. So überlaßt. Gleich lag er tot im Tann. Einen großen Eber aufstöberte der Hund Und hetzte auf der Flucht ihn tief in des Waldes Grund. Ein lautes Echo drang Von Bergeshängen hallend aus Busch und Waldesschoß. stürmisch folgend. die Spur ihm abgewann. Was Siegfried sich zur Freude bei dieser Jagd allein getan. Rossen. das Treiben war vorbei. hob Siegfried seinen Bogen. Ging jäh im Todesmute das wilde Schwein ihn wütend an. Hei! Braten gab’s genug. Ein Riesenhirsch ging bäumend. und der Löwe sprang dreimal noch und sank. Der Pfeil. Da griff der Mann der Kriemhild zum Schwert. Zu dem das Ingesinde das Fleisch zur nahen Küche trug. Nicht Hinde. Herr Siegfried. uns auch noch einiges Wild. ein eisenscharfer. Denn vierundzwanzig Hunde waren von den Leinen los. Getos’ und Klang Von Hunden. 936–943 (942) . ein Wisent brach zugrund Ein mächtiger Elchbulle getroffen stürzte todeswund.127 Als den der Bracke ansprang. Von allen Seiten hörten sie Lärm. Vier Auerochsen fielen. Schnell trug das Pferd ihn weiter. Reh entrann. Nun ging’s dem End’ entgegen. und die Burgunden sah’n. ein Stich Tief ins Genick dem Eber! Wer jagt so meisterlich! Den Bracken fing man wieder.

wie’s Männern auf der Jagd gefällt. Doch schneller noch war Siegfried. Doch aus dem Sattel springend durch Busch und Zweige schnell Drang Siegfried nach und folgte ins dunkle Erdgefäll. Die horchten nach der Gegend. Der König lud zu Speis’ und Trank. Worin er sich versteckend vor Pfeil und Hunden sicher stand. daß es uns nicht entwischen kann!“ Man hetzte drauf den Bracken. Da könnt’ er nicht entrinnen. Bescheid will ich ihm geben. Nun ward ein Horn geblasen. Vom Lagerplatze kam er. Mit seiner bloßen Hand Zwang Siegfried um die Tatzen und um das Maul ein festes Band. Vom Königsstande rief es. Da sagte Siegfried heiter: „Nun. Die Jäger sollen kommen. Nun konnte er nicht beißen noch kratzen.“ Er stand und horcht’ und blies. die Tafel zu bestellen. Doch Siegfried reckt’ sich in die Höh Und rief nach rückwärts: „Bindet den Bracken los! Ein Bär! Für unsre Jagdgenossen zum Spaß begleitet er Als Gast uns in das Lager. Siegfried ritt Und nahm das Tier am Sattel fest angebunden mit. 944–950 . da floh der Bär zu Tal. Ein Jäger Siegfrieds lauschte: „Ein Horn hab’ ich vernommen. Ein kühnes Spiel wahrhaftig. aufgesessen dann!“ Und langsam trug sein Roß ihn durch Dickicht hin und Tann. Er weicht! Doch drauf und dran Und hinterher dem Tiere. Bis hin und her im Blasen das Königshorn die Richtung wies. Da störten sie ein Tier auf. Kriemhildes Ehegemahl. Zum Feuer bracht’ es lachend im Übermut der Held. das grimmig brummend jäh Verschwand in einem Busche. Das rief die Jagdgesell’n. Bis auf der Flucht im Dickicht der Bär ein Erdloch fand. woher der Hornstoß drang.128 Der König hieß den Dienern.

war fein das Pürschgewand. ein Schwert von solcher Art. Als er sich nahte. Siegfried. handbreit ihr scharfes Blatt. wen jemals ein Schuß damit getroffen hat. Dem Jäger stolzer Jagdschmuck und gute Manneswehr zumal. Straff war des Bogens Sehne. zwang sie allein mit seiner bloßen Hand. Ein Wams von schwarzer Seide dem Reiter prächtig stand. Nur einer. So ging ein heller Lichtglanz mit ihm als leuchtendes Geleit. Sein Hut aus dunklem Zobel zur Jagd zierlich geschmückt. golden gespannt. In goldnen Röhren liegend. Da sah’n sie: An den Sattel gebunden war ein starker Bär. Auch führt’ er Balmung mit sich. Am Gürtel sonnenblinkend von rotem Gold ein schönes Horn. Daß sich vor seinem Hiebe kein Eisenhelm bewahrt. Und wenn ich euch noch weiter von ihm berichten soll: Es stak sein prächtiger Köcher von spitzen Pfeilen voll. die Schneide harter Stahl. Wie man es selten sehn mag. ganz mit Perlen und bunten Borten rings bestickt. 951–957 . Zu Tode sank. Daß sie mit einer Winde nur mühsam ward gespannt. liefen die Leute von dem Troß Ihm schnell entgegen. So ritt der stolze Weidmann dahin auf starkem Roß. Von seiner Schulter hing ihm ein Otterfell.129 Ein herrlich Bild – der Reiter im hohen Tannenwald! Der Ger im Bügel stählern von mächtiger Gestalt. So breit wie scharf geschmiedet. Der Köcher. Ein Band Von hellem Pelz verbrämte sein ritterlich Gewand. Das Schwert mit reichem Zierat hing nieder bis zum Sporn. das Kleid. Es lag in Fell vom Panther der Köcher eingehüllt. von solcher Kraft erfüllt. Zur Seite zierten Fibeln. nahmen ihm Zügel ab und Ger.

Auf grünem Anger saßen sie nieder froh zum Mahl.130 Nun stieg Siegfried vom Pferde und löst’ des Bären Band Vom Maul und von den Tatzen. verstreut lag rings der Brand. Die Leute schrien ängstlich. die an den Leinen lag. Bis von den kühnen Jägern der Bär sich scheuchen ließ. Doch kam vor lauter Hunden kein Jäger recht zu Schuß und Stoß. Da kamen angerannt Ganz toll vor Wut die Hunde. War alles gut gegangen. die niemand je vergißt. doch fand er keine freie Bahn. Da sprangen auf die Herren. Der lief ihn an und traf ihn zu Tode mit dem Schwert. Man trug den toten Bären zum Feuer an den Küchenherd. wie froh verlaufen war der Tag! Nun säumte man nicht länger mit Bogen und mit Spieß. Der Bär entsetzlich brummte. die’s gesehen. Die Männer wären ledig der Schuld. bald hier! Die vollen Kessel stürzten. O wie die Köche liefen! Bald war es dort. Nun aber lud zum Schmause man ein die Jägerschaft. Da lobten. Vorbei war’s mit dem Mahl. Es hallte in den Bergen von Lärm. Wär nicht dabei gewesen so böse Hinterlist. als sie den Bären sah’n. Getos’. Und all die guten Speisen fielen in den Aschensand. Der Bär lief vor der Meute und floh den Berg hinan. zur Küche kam das Tier. Welch eine Fülle schöner Gerichte hatten sie zur Wahl! Doch schienen noch zu zögern die Schenken mit dem Wein. Die Meute loszulassen. Der wandte sich zum Walde. Das pflegen durstige Jäger nur selten zu verzeihn. Geheul. Ihm konnte keiner folgen als nur Kriemhildes Mann. Siegfrieds gewaltige Kraft. 958–964 . Der König laut befahl.

Die durstigen Männer brachen zur großen Linde auf.“ Hagen von Tronje sagte: „Nun zürnt mir nicht zu schnell! Es springt ganz in der Nähe ein eiseskühler Quell. Sorgt Ihr nicht besser. Da sprach Hagen von Tronje: „Mir wurde angesagt. So gut bestellt mit Speisen auch Eure Küche war. daß im Lauf Dem schnellen Siegfried keiner wetteifernd folgen kann. ihr edlen Herren. der König sprach trügerisch es nur zum Schein. Verlangend nach der Quelle.“ Das Wort war falsch.“ 965–972 (971) .“ Zu großem Leid und Unheil erwuchs des Tronjers schlimmer Rat. So hab’ ich auch das Weinfaß ans falsche Ziel geschickt. kaum begonnen. Es war die schlimmste Tücke. Siegfried litt arge Drangsal von seines Durstes Qual.“ Herr Siegfried sprach voll Ärgers: „Seid schön bedankt dafür! An sieben Lasten Rotwein und Met genügten schier Kaum. meinen Durst zu löschen. die ihm verlockend wies den Trank. Verhüten werd’ ich künftig. Dahin. daß uns wie heut kein Wein erquickt. weiß ich den nächsten Pfad. die frisch dem Berg entsprang. ich hätt’ es wohl verdient!“ Der König rief vom Tische: „Der Fehler wird gesühnt! Verdursten wir. Drum hob er. in Eile auf das Mahl. Zum Spessartwalde ginge an diesem Tag die Jagd. ob er den Ruhm mit Recht gewann. Er soll es heut beweisen. Doch konnte es nicht sein.131 Herr Siegfried sprach im Scherze: „Es wundert mich fürwahr. so ist es des Tronjers Schuld allein. Dann hätten wir uns besser gelagert näher an den Rhein. mag ich nicht wieder Jagdgeselle sein! Daß man mich besser pflegte. Da sagte Hagen Tronje: „Man rühmt doch. Doch bringen uns die Schenken nicht einen Tropfen Wein.

Gunther und Hagen warfen Waffen und Kleid beiseit.132 Der Held vom Niederlande erwiderte: „Wohlan! Laßt sehn. Und doch kam Siegfried früher als sie beim Lindenbrunnen an. Jetzt beugte sich der König hinunter auf die Flut. Wie wilde Panther rannten sie durch den Klee bergan. wer von uns dreien am schnellsten laufen kann! Und wer. als er es hörte. erhob er sich vom Grund. Dem sei von uns die Ehre des schnellsten Läufers zuerkannt!“ „Die Wette gilt!“ rief Hagen. er gürtete und band Das Schwert um. „im vollen Pürschgewand Will ich den Lauf versuchen!“ Er nahm den Ger zur Hand. Er legte Schild und Köcher am Brunnenrande hin. Lauft ihr nur vor mir fort!“ Wie lieb war König Gunther. In weißen Hemden standen sie da zum Lauf bereit. Und als er so getrunken. zuerst die Quelle fand. eh’ vor ihm nicht König Gunther trank. das Schwert vom Gürtel dann Und lehnte seinen Jagdspeer an einen Lindenast. Wie ihn der Durst auch quälte. das Wasser rein und gut. im Wettlauf Meister. Das Brunnenrauschen lockte den Durstigen zu Trank und Rast. Auf Zucht und höfische Sitte stand Siegfrieds edler Sinn. den Köcher. Nun hätte Siegfried gerne am Quell geletzt den durstigen Mund. daß er völlig gewaffnet und gerüstet stand. In allen Dingen war er den Besten stets voran. Noch trank er nicht. Hing um den Schild. Doch ward ihm dafür schlimmer Dank. 973–979 . Der Quell war kalt und lauter. dieses Wort! „Ja. mehr noch!“ rief der Kühne. Er löste seinen Köcher. Doch Siegfried lachte hell: „Ich gebe euch noch Vorsprung! Hier an der gleichen Stell’ Verweil’ ich noch im Grase.

und aus der Haft Die Edelsteine sprangen. Vor keinem Menschen war er jemals geflüchtet so. das Siegfried trug am Jagdgewand. Daß er zu Tod getroffen. Der Todeswunde raste und suchte seine Wehr. Wie gerne. schwere Ger. Wie vor dem wunden Helden. Den Ger an Siegfrieds Herzen ließ stecken er und floh. 980–986 . Von Siegfrieds Schlägen hallte ringsum der Widerklang. Der Schild nur lag zur Hand. Den Balmung und den Bogen. Nie wieder ist ein Held wohl zu solcher schlimmen Tat bereit. Ihm mangelte das Schwert nur. Hätt’ er sie jetzt gesehn. Trotz seiner Todeswunde schlug er mit solcher Kraft. Daß fast der Schild in Stücke zerbrach. Er rafft’ ihn auf vom Brunnen und rannte Hagen an. sich zu rächen. Da blieb ihm keine Waffe. Das Schwert mitsamt dem Bogen trug Hagen ins Gebüsch. Auf sprang er wild in letzter Wut. Doch als er weder Balmung noch seinen Bogen fand. Indes Siegfried am Brunnen sich trinkend niederließ. Warf Hagen in den Rücken ihm seinen eigenen Spieß.133 Sein ritterlich Benehmen vergalt man mörderisch. Sprang dann zurück und faßte den Ger mit fester Hand Und spähte nach dem Zeichen. hätt’ er den Todesstreich geführt! Da wankte Hagen rückwärts. die dessen Rand geziert. Im Augenblick wär Hagen sicher nach Verdienst geschehn. Ihm ragte aus dem Rücken der lange. er strauchelte und sank. In grimmigem Zorne raste der todgetroffene Held. Nun konnte ihm nicht länger entrinnen König Gunthers Mann. Doch Siegfried fühlte gut. sonst läge Hagen tot im Feld. Das Blut sprang aus der Wunde herauf an Hagens Kleid.

“ 987–993 . wo Siegfried lag. Daß über seinen Hochmut und Herrensinn ich Sieger blieb. ist nicht not. tief bekümmert. die ihm schufen den tückisch-meuchlerischen Tod: „So habt ihr meine Dienste gedankt! Wie schlecht ihr lohnt! Ein feiger Streich.“ Der grimme Hagen prahlte: „Was soll das Klagen noch! Ist unsere Not und Sorge mit ihm zu Ende doch! Wer wagt uns drum zu strafen? Niemand! Es ist mir lieb. Ihr alle war’t gewohnt. Er konnte nicht mehr stehn. was ihr getan habt an mir. Kriemhildes edler Mann. Nun er des Todes Zeichen fahl auf den Wangen trug. Daß ich in steter Treue an eurer Seite stand. Es schien die Kraft des Leibes in Ohnmacht zu vergehn.134 Nun blich sein edles Antlitz. Nur allzu billig habt ihr den Haß an mir bewährt. Und handelt so am Freunde. Noch einmal sprach er bitter in letzter Todesnot Zu denen. Dazu bin ich euch nah verwandt! Noch eure Kindeskinder trifft diese ekle Schmach Für das. Gunther. ein Mord war’s. Er ward von schönen Frauen in späterer Zeit beweint genug. wie reich der Blutstrom aus seiner Wunde rann. der immer fröhlich war und kühn. wo man noch Helden ehrt!“ Nun eilten alle Ritter dahin. der nichts verbrach. Gar viele. Daß du am Schaden jammerst. Gemieden und geschändet seid ihr. als dich jetzt betrübt. Auch der Burgundenkönig beklagte seinen Tod. den du selbst mit verübt. Dann sank er in die Blumen. Man sah. Doch Siegfried sprach im Sterben: „Dir. Du hättest ihn viel besser verhindert. Wie er es wohl verdiente. verfluchten diesen Tag. Die Treugesinnten klagten und trauerten um ihn.

wie schmach. der edle Mann war tot. Man soll Vom Vater ihm erzählen. Es kam von seinen Lippen kein Wort mehr. Nun rang er mit dem Tode.135 „Leicht mögt Ihr Euch wohl rühmen“. Als nun die Ritter sahen. „dieser Tat. Ich hätte wohl bewahrt mir das Leben und den Leib. Da meinten einige Männer: Es ist ein schlimmes Ding. die deine Schwester ist. daß es Hagen tat. Sein Schicksal zu beklagen. Legten sie auf den Schild ihn. da du ein König bist. Ich hätte wahrlich Grund. Sei gütig. Kriemhildes edler Mann Sei tückisch überfallen von Räubern auf der Jagd im Tann. Und sagen gleicherweise. Wie man’s verhehlen könnte zu Hause. sprach Siegfried. Vergeblich harrt mein Vater. Hätt’ ich nur ahnen können den meuchlerischen Rat. wie dir’s zukommt. Nun dauert mich auf Erden kein Mensch mehr als mein armes Weib. laß sie dir teuer sein. Doch größer als Kriemhildes Herzleid wird nie ein anderes sein!“ Die Blumen allenthalben waren vom Blute naß. 994–1000 . Da hatte ihn die Waffe des Todes schon gefällt. Und meinen Sohn befehl’ ich in Gottes Hut. Dann gingen miteinander sie insgeheim zu Rat. und dann starb der Held. War sie mir doch das Liebste. der glänzte goldenrot. harren die Leute mein. dann nimm dich Kriemhilds an. Ist dir ein Mensch noch teuer. Nicht lange währte das. das auf der ganzen Erde mein! Sei brüderlich zu Kriemhild. Darum verschweigen wir es am besten.und jammervoll Verwandte ihn erschlugen. läg’ ich nicht todesmatt und wund!“ Nun wandte sich an Gunther der todwunde Mann: „Gibt es für dich noch Treue. wie es ging.

wird Kriemhild auch meine Tat bekannt. Ihr.136 Doch Hagen sprach dagegen: „Ich bring’ ihn heim ins Land. der Königin verging. Mir ist es gleich. Mag sie ruhig weinen. – was tut’s! – das achte ich gering!“ 1001 . die sich schwer an Brünnhild.

Im Dunklen querten sie Den breiten Strom. und wie er     begraben ward Sie harrten bis zum Abend. Der Kämmerer kam. Das Licht in seinen Händen gab einen matten Schein. was Hagen riet und tat.“ Da schrie Kriemhild erschreckt auf mit maßlos wildem Klagelaut. Wie Kriemhild ihren Mann beweinte. Vernehmt nun. Sie war schon wach. Sie legte zum Gang die Kleider an. Sie weckte ihre Mädchen und rief sie ins Gemach. Nie gab es wohl schlimmere Jagd als die. Er traf die Frau’n. „Geht nicht hinaus!“ so rief er. des schwersten Leids Verkünder sein. Auf seinem Schilde ruhend. Die Münsterglocken klangen wie sonst. Von hartem Hohn und heißer. Er kannt’ ihn nicht. wenn mit den Mädchen sie Zur Messe ginge. Licht ward gebracht. nichts ahnend. ingrimmiger Rachetat Erzählt das Lied. So sollte er. wie es ihn deucht’. Der fand dort von ihrer Tür den toten Mann. Er sah. Und mancher gute Kämpfer entgalt es schwer und starb ihm nach. In erster Morgenfrüh Sollte Kriemhild ihn finden. „ein Toter liegt im Gang. Die folgten dem ersten Glockenklang. In Heimlichkeit geschah es. vom Blut gerötet war das Gewand und feucht. Erschlagen auf dem Schilde und rot von Blut betaut. 1002–1007 . Denn selten nur versäumte Kriemhilde diese fromme Pflicht. lange vorm ersten Tageslicht. Ein Fremder vielleicht. Es flossen um dies Wild noch viel Tränen tausendfach. ward Siegfried heimgebracht. So ließ ihn Hagen legen vor Kriemhilds Tür in dunkler Nacht.137 XVII.

wie er vor Todgefahr Den Helden schützen möchte. gleich Bescheid. Da lag in Todesblässe der stolze Held von Niederland. er möge mir nahe sein in meinem Leid. wie leblos.“ Vor seinem Leichnam kniend. – So lag sie. Da schrie sie: „Keine Scharte – seht her! – verrät der Schild. Sagt allen! Gebt auch Siegmund. Da sank ihr Glück zusammen. das mich traf. schön und schweigend. Die Mädchen sagten tröstend: „Es kann ein Fremder sein!“ Ihr sprang das Blut vom Munde. Das Unglück. Sie schaute schmerzversunken still auf das grause Bild. Hob sie sein schönes Haupt mit ihrer weißen Hand. erschütternd ins Gemüt. Geraten hat es Brünnhild. in Ohnmacht tief versenkt. es wär’ sein Tod!“ All ihre Frau’n und Mädchen weinten nun und schrie’n Um ihren edlen Herren. Von Sinnen. dem Vater. Sie sprach: „Siegfried ist es. Es war ein böser Plan. – dann neu das Herz bedrängt Zu ihrem Weh erwachend. wer jener Tote war.“ 1008–1014 . stumm. Sie wehklagten um ihn Mit ihrer lieben Herrin in Schmerz und Gram vereint. sie hat ihn gleich erkannt. Und bittet ihn. daß Brünnhild geweint! In ihrem Jammer sagte Kriemhild: „Aus ihrem Schlaf Weckt schnell die Mannen Siegfrieds. Kein Streich hat ihn zerhauen! Wehrlos traf dich die Not! Ermordet bist du! Wüßt’ ich.138 Eh nur ihr Sinn erfaßte. Drang ihr die Frage Hagens. Daß ihres Jammers Stimme klagend das ganze Haus durchdrang. erpreßt von grimmer Pein. – Aber Hagen hat’s getan. Das war Hagens Rache! So straft’ er. Wie rot es war vom Blute. vom Schmerze übermannt. wer es getan. wie wenn ein Licht in Nacht verglüht. schrie sie so schmerzensbang.

Siegmund nahm schmerzbewältigt in Trauer Kriemhilds Hand: „Verflucht sei diese Reise. Des.“ Da sprach Herr Siegmund zornig: „Ist das ein übler Spaß. schrecklich. Er sprang vom Bett. den Gatten dir Armen. seid ihr nah! Helft ihr. bis man das Wehgeschrei vernahm. einer mich zu schrecken. dann hört nur. furchtbare Herzeleid geschah!“ Siegmund saß auf im Bette. rief hundert von seinen Rittern her. Und kummerschwer für Kriemhild. 1022) . Wie überfiel die Nachricht sie jäh mit Schreck und Gram! Sie wollten es nicht glauben. wenn es dein Mund vermag. ob’s auch unfaßbar scheint! Glaubt Ihr mir nicht. Siegfrieds Gefolgschaft eilte mit tausend Männern auch herbei. unseliger Ahnung voll: „Welch Leid und welches Unheil? Sag. Wie ihre Frauen klagen um ihres Herren Tod. „Erwacht! Steht auf. da wir doch hier unter guten Freunden sind?“ 1015–1023 (1016. mir mein Kind Durch Mord geraubt.“ Da preßte jäher Schrecken des Vaters Herz zu heißer Not. wie keins bisher. Ein Unheil ist geschehen. da Euch das gleiche. die uns gebracht ins Land! Wer hat’s getan. Sie bittet.139 Ein Bote ward beschieden. Beweinen müßt’ ich Siegfried dann bis an meinen letzten Tag!“ „Es ist die volle Wahrheit. Wo noch die treue Mannschaft der Nibelungen schlief. In blinden Wüten griffen sie wild nach ihrer Wehr. wo Jammer erscholl und Wehgeschrei. der nach dem Hause lief. sag’s geschwind mir. was ich hören soll!“ Es jammerte in Tranen der Bote: „In der Nacht – Dürft’ ich es doch verschweigen! – ward Siegfried tot ins Haus gebracht. Herr Siegmund! Die Herrin schickt mich her. in Bosheit sich vermaß? Ob’s wahr ist. wie Kriemhild schluchzt und weint. Hin liefen sie.

Zu sühnen ihres Königs heimlichen Meuchelmord. Der Freunde Klage drang Durch Saal und Halle. weilt sicher verborgen im Palast!“ Sie eilten. Wie sehr sie litt vom Kummer und ihrer eigenen Not. Herrn Siegmunds ganze Schar. den Herren von Burgund. weiter. 1031) . wie ein Freund wohl dem Freunde hilft mit gutem Rat Doch hoben sie die Schilde im Trotze. Mit Schwertern und mit Schilden. Dann ward er aufgebahrt. Mit denen Siegfried gestern zur Jagd geritten war? Die Waffen all der Männer ward Kriemhild voller Angst gewahr. Noch standen sie. Da bat. So wehrte sie und bat Und warnte. um Haupt und Nacken schlang Zum Abschied er die Hände. Noch einmal standen weinend die Seinen rings um ihn geschart. Bekümmerte die Herzen und hallte dumpf durch jedes Haus. Stand ihr doch schon vor Augen der Nibelungen Tod Im Kampf mit den Burgunden. War’s Gunther mit den Seinen. sich zu waffnen und stürmten fort in wilder Hast. Elfhundert kehrten wieder. Die Nibelungen hoben die Hand zu einem Eid: „Wir rächen unseren König! Wir rächen Kriemhilds Leid! Der es getan. das zu trösten vermochte Siegfrieds Weib.140 Den Sohn umfing der Vater. entschlossen offenbar. Doch ob sie droht’ und flehte. war ihnen doch nicht kund. Nach Kampf und Blut verlangend. ja in die Stadt hinaus. beschwor Kriemhild. die Waffen sollten ruhn. Kein Wort gab’s. unschlüssig. Zu lösen mit dem Tode des Mörders das beschworene Wort. wuterfüllt. sie gebot am Ende. 1025–1032 (1024. Man wusch ihm seine Wunde. Es wurde nun entkleidet des Helden schöner Leib. Ja. die Treuen wollten’s doch nicht tun.

wer Siegfrieds Mörder ist. Wenn Euer Kampf beginnt. bis endlich der Rache Tag anbricht. wo meine Rache ihn vergißt. Doch bei der Arbeit war es den Leuten schwer und trüb zumut. des Treue noch innig an dem Toten hing. der vielen Pfaffen Sang. Auch Gunther kam. Mit Spangen. ganz wie ein König ruht. Man hieß die Schmiede fügen in Eile einen Sarg Von Silber und von Golde. Mancher kam. wodurch Siegfried schuldlos solch Ende nahm. Dann trifft ein Mann der Euren auf dreißig! Gott allein Wird ihnen nach Verdienste vergelten und ihr Richter sein! Ich bitt’ Euch. den Toten zu ehren. kein Tag geht. bleibt und schweiget. Mit ihren Frauen standen die Bürger weit und breit. leistet nur heute erst Verzicht Und schiebt es auf. Sobald es Tag wird. wie Kriemhild es befahl. Fügt es sich einst. Dann seid gewiß. In Trauer weinend ging Manch einer mit. wie es Pflicht. glutgehärtet. Denn überlegen sind Die Kräfte der Burgunden. Sie trugen in das Münster. und duldet still mit mir. Auch Hagen fehlte dabei nicht. Weithin war schon die Kunde gedrungen. wollen mit Eurer Hilfe wir In seinen Sarg einbetten meinen lieben Mann!“ Auf diese Worte nahmen sie ihren Rat gehorsam an. Zu wissen. Das nächtig trübe Dunkel zerfloß beim ersten Strahl. Ich rate ab vom Streite. Dem Zuge schwoll entgegen der düstere Trauerklang Der tiefen Münsterglocken. Sie fühlten mit im stillen der Herrin unermeßlich Leid. Mit seinen Herrn und Mannen. Den Leichnam ihres Fürsten. 1033–1040 . und weiß ich.141 Sie sprach: „Herr Siegmund. stahlfest und eichenstark.

wie es noch oft geschieht: Wenn unbekannt ein Mörder dem Opfer naht. Doch Kriemhild wehrte ihnen: „Laßt eure Rache ruhn!“ Zur Schwester kamen Giselher und Gernot nun: „Nimm Trost an! Tot ist Siegfried. ich stürbe. Das Blut floß reich und rot. Ach. es war eure Mörderhand! Doch Gott wird es einst fügen. gerächt wird dieses Blut!“ Da brausten Siegfrieds Ritter von neuem auf in heller Wut. Der König Gunther aber trat hin vor seinen Mann: „Nicht Hagen war’s. Wir woll’n. Doch Kriemhild stand und sprach: „Beweist es! Wer unschuldig und rein von Schuld und Schmach. wenn ich ihn nur erwecken könnt’!“ Sie wehrten sich mit Leugnen. Da wuchs noch die Trauer und die Not. weh dieser großen Not. Er trat hin an die Bahre. er lebte! Nimmermehr Wär diese Tat geschehen! Mein dachtet ihr nicht mehr. „gut bekannt. wollte Gott. Gunther und Hagen –. beschied Verlust und Tod! Ewig beweint das Auge. Als von dem lieben Manne ihr grausam mich getrennt. sagte Kriemhilde. uns allen. ersetzen dein verlorenes Glück. Wie’s gestern floß. Der mag hier vor den Leuten an seine Bahre gehn! Heran soll jeder treten! Dann wird man schnell die Wahrheit sehn!“ Ein Wunder nämlich gibt es.142 Er sagte: „Liebe Schwester. die Räuber erschlugen ihn im dunklen Tann!“ „Mir sind die Räuber“. und wer der Täter war. so lang wir leben. Es wollte sein Geschick. beklagt ihn unser Mund. So ward auch Hagens Schuld hier vor aller Augen offenbar. Die nicht nur dir. dann sieht Man frisch die Wunde fließen.“ 1041–1049 (1048) .“ Da sprach im Zorne Kriemhild: „Du hast dazu gar keinen Grund! Wär’s nicht dein Wunsch gewesen.

Drei Tage und drei Nächte laßt mir den lieben Mann. In Tränen ganz zerflossen auch Mutter Ute kam Begleitet von den Frauen. Um Siegfrieds Seele willen austeilen reichlich Gut und Gold. Daß ich mich seiner Nähe zum Trost ersättigen kann. Sie hüllte seine Glieder in weiche Seide ein. Der Glocke Schlag Verriet. Zum Heile seiner Seele floß reiches Messegeld. die Herzen alle voller Gram. traten still herein. Laßt mich zur Nacht nicht einsam. Man sang wohl hundert Messen an diesem Trauertag. Kriemhild sprach zu den Freunden: „Bei Siegfried bleibe ich. Die arme Kriemhild sandte und wies die Kämmerer an: „Wie man mich liebt. Der Sarg ward nun am Mittag im Münster aufgestellt. Die Glockentöne schwiegen. War doch geliebt von vielen. wollte Gott. Dem gab man Geld zum Opfer in seine Kinderhand. Laut weinend wehrte Kriemhild. Da Siegfrieds Heil den Freunden in treuem Sinn und Herzen lag. Hinein von seiner Bahre man sanft den Leichnam hub. mit Siegfried vereinte mich der Tod! Das war ein Trost! Zu Ende war dann der armen Kriemhild Not. Dem Toten bin ich nah. das Volk zerstreute sich.“ 1050–1056 . von seinen Feinden selbst der Held. Ach. wenn’s eben des Opfers Sinn verstand. Liegt auch mit ihm im Sarge all meine Lebensfreude da. argwöhnisch mancher Mann. Die ihn geliebt im Leben. daß man Siegfried schon jetzt begrub. sieht ungern.143 Doch gab es keinen Trost mehr für Kriemhild auf der Welt. Und dennoch sollt ihr allen. Da draußen drängte murmelnd das Volk.“ Kein Kind so klein. mir und dem Toten hold. daß nun im Sarge der edle Tote lag.

– Ein Wunder fast – als sei ihr die alte Kraft verliehn: „Ihr Nibelungenhelden. was ihr als Nibelungentreue preist! 1057–1067 (1063–1065) . Doch Siegmund kam. Den Klöstern schenkte Kriemhild fruchtbare Länderei’n. die es wollten. Am dritten Tag zur Messe in aller Morgenfrüh Durch weite Münsterhallen zum Kirchhof trugen sie Den schweren Sarg. Die sollten Ursach’ sein. die Geistlichen sich mühn. Eh im Geleit des Sarges der Zug zum Grabe kam. zu trinken reichlich bot Er allen. Da er doch einst im Leben ihr einziger Gedanke war. Drei volle Tage tönte durchs Münster der Gesang. Stand Kriemhild machtlos ringend mit ihrem tiefen Gram. Siegfrieds Bild und Gedächtnis zu wahren Jahr für Jahr. wie es die Pflicht befahl. Die Armen nahmen reiche Geschenke in Empfang. Gebefroh Wohl tausend Mark an Golde und mehr noch spendete man so. Und ihre Frauen halfen der Armen. Und wieder stieg neu das heiße Leid In alle Augen. Jammer war überall und Traurigkeit. Als Wache seine Ritter bei ihrem Herrn zum letzten Mal.144 Die Bürger gingen heimwärts. ein letztes Mal erweist Der Gattin Siegfrieds. benetzte Stirne ihr und Wang’. Mit Beten und mit Knien Sah man die frommen Mönche. An Siegfrieds Sarge standen. Verschmähten Trank und Speise und Ruh. erlagen sie doch fast der Not. Den Armen Gold und Kleider. – so trostlos war Ihr Herz. so leidbeladen und jeden Wunsches bar. Man lief und holte Wasser. Daß sie wie sinnverloren ohnmächtig niedersank. Doch es schien. Zu essen. Für Seelenmessen alles zu opfern.

Laßt Siegfrieds schönes Antlitz mich nur noch einmal sehn!“ So lange bat sie. Siegfried lag nun im Grabe. mit ihrer weißen Hand Und küßte es. Die Nibelungen standen nun führerlos. bis nah sie vor ihm stand. Man stützte sie im Gehen. Ihr dunkelten die Sinne. sie taumelte und sank.145 Laßt eine kleine Freude mir Armen noch geschehn. So lag die schöne Königin. So traurig war am Ende der Abschied Siegfrieds von Kriemhild. der einst ihr Schützer war! Auch Siegmund war im Alter der letzten einzigen Freude bar. Da trug man sie beiseite – ein blasses Leidensbild –. Lockt uns das Leben immer wieder doch! 1068–1072 . Dann weinte sie. verwaist. Doch dann verlangten alle – so geht’s auch heute noch – Nach guter Speise. vom Leid zum Sterben krank. als ströme in Tränen aus ihr letztes Blut. Speis’ und Trank. flehte und jammerte danach. der trauernd vergaß drei Tage lang. Sie hob das Haupt. das bleiche. unfroh des Lebens. als nähme sie es in sanfte Hut. Von Leid befangen. Doch die so froh gereist. Daß man den Sarg am Ende noch einmal aus den Fugen brach. Verloren und begraben. Manch einen gab’s.

war er das Liebste doch auf Erden mir. – ging’s endlich doch nach Haus! – Zogen schnell die Pferde aus Stall und Hof heraus. Da uns hier in Burgunden der Haß das Schlimmste tat. daß du die Mutter nicht im Stiche läßt.146 XVIII.“ Die Knechte. Das Land und auch die Krone. Verbleiben dir. Mach dich bereit zur Fahrt. Will ich für dich besorgt sein und doppelt gut zu dir Um Siegfrieds willen. Daheim bei uns in Xanten bist du vor jeder Not bewahrt. Da drängten die Verwandten und baten Kriemhild sehr. Die Kammern. Du sollst auch aller Herrschaft genießen und der Macht. Du deinen Mann verlorest durch Untreu und Verrat. froh der Kunde. 1073–1078 . Sie möchte nicht die Mutter verlassen hier am Rhein. War ihnen doch das Leben im Lande hier seit langem leid. dein eigen ungestört. Sie weigerte sich zornig und sprach: „Wie könnte das wohl sein! Wie möchte ich mit Augen den sehen. Die Siegfried dir vor Zeiten als Königin zugedacht. Der Abschied kam. Wie Siegmund wieder nach Hause ritt Siegmund beschloß zur Rückkehr die Fahrt nach Niederland Und sprach zu Kriemhild: „Heimwärts ist längst mein Herz gewandt Unliebe Gäste sind wir. vom Schwerte der Nibelungen gut bewehrt. ich rechne fest Auf deine Treue. der so roh Mir armen Weib das Schlimmste getan! Nie wär’ ich froh!“ Der junge Giselher sprach: „Schwester. die Ställe wurden leer. Die Frauen und die Mädchen verpackten Schmuck und Kleid.

ist mir doch keiner dort verwandt. liebe Schwester. Bei euch im fernen Land Wär ich stets eine Fremde.“ 1079–1085 . davor behüt’ ich dich. flehten inständig: „Bleib im Land! Dort hast du wenige Menschen. ich kann nicht! Gewiß ich stürbe eh. das ist auch dir geschenkt.“ „Vertrau mir.“ Sie wehrte: „Nein. Bedarfst du nicht. Bleib hier bei uns! Dein Bruder Giselher bin ich Und schaff dir Glück. Die Kriemhild liebten. Nun kam Siegmund zu Kriemhild und mahnte: „Es ist Zeit! Die Nibelungen stehen mit Mann und Roß bereit.“ Da sprach die Gottverlassene in Tränen: „Ach. daß ich dem Drangen wich Und mich entschloß zu bleiben. So tröste dich und geh Nicht von uns fort! Bist du uns doch doppelt lieb in deinem Weh!“ Da Giselher zuliebe sprach sie: „Ich bleibe hier!“ – – Längst standen ungeduldig die Rosse vor der Tür. Was mein ist. froh ihrer Fahrt ins Heimatland. Den ich noch hier verweile.147 Denn jener. die lieb dir sind und nah verwandt. Auf Saumtiere gepackt war schon Rüstung und Gewand. Für jeden kommt ja ein letzter Tag! Wir alle müssen sterben. deren Feindschaft dich tödlich hat gekränkt. das wär’ mir not!“ Mit Giselher bat Gernot sie innig ebenfalls. obwohl dir die liebste Freude tot. Als daß ich jemals wieder in Hagens kalte Augen säh. „So ertrag Dein schweres Leid. Erwartungsvoll die Leute.“ „Sie sind dir alle fremd dort!“ sprach Gernot. Und bitter weinte Ute an ihrer Tochter Hals. So zögere denn nicht länger! Denn jeder Augenblick. mahnt mich an mein verlorenes Glück!“ Da mußte sie es sagen: „Inständig baten mich Die mir im Blut die nächsten.

Wie lieb ihm Kriemhild. Wenn unser Land die Königin für immer missen soll Und. bargen die Männer ihr Gesicht. Wenn ich an Siegfrieds Grabe verweilend weinen kann. bleibt Ihr bei den Feinden. wie du es sonst gewohnt. wartet dein. Uns soll man nimmer wieder hier im Burgundenlande sehn!“ 1086–1092 . Wird keinem Könige wieder und seinem Volk geschehn. für ritterlich Geleit. Laß es so früh nicht einsam. So üble Lust und Kurzweil. Nicht büßen. verwaist bei Fremden sein! Siehst du es fröhlich wachsen. in Ehren sollst du dort Die Macht und Herrschaft üben. dann leuchtet jeder Tag Dir in dein Herz und Auge und schenkt dir neuen Glücks Ertrag!“ Sie sprach: „Herr Siegmund. das arme. dem eines Trost nur bringt. und wie unstillbar sein Verlust und Gram! „Fluch diesem bösen Feste. Kehr mit zurück. die schlimmer als diese Unglücksfahrt geriet?“ „So reist mit Gott! Und daß ihr in gutem Schutze seid. – ist’s doch noch klein – Laßt eurer Lieb und Treue Siegfrieds Söhnlein empfohlen sein!“ Im Aug’ die Tränen. Sorg’ ich. zu dem man uns beschied. laßt mich! Denn übermäßig zwingt Mein Herz mich. Die Krone soll dir bleiben. Verwanden sie im stillen ihr Abschiedsweh doch nicht. Siegmund auch fühlte jetzt erst. daß die Deinen nicht meinen lieben Sohn verschont.148 Siegmund versetzte bittend: „Mich schmerzt dein hartes Wort. euch zu behüten. Dies bitt’ ich euch zuletzt noch: Mein Kind. als es zur Trennung kam. Euch keiner wiedersieht.“ – Die Männer hörten’s ungern an. hier zu bleiben. wie sie uns hier geriet. Sie klagten bitter: „Nun erst ist unser Unglück voll. Gab’s eine Fahrt. Und mich die Meinen trösten. Dein Kindlein.

Nach Hause ohne Tochter reit’ ich und ohne Sohn und Kind. Nie trockneten die Tränen in Kriemhilds Angesicht. Sie soll’n es wissen: Kennen wir ihn dereinst. mit rascher Nibelungentat! Kein Abschied ward dem stolzen burgundischen Herrn vergönnt. Auch war uns unbekannt. wir holten unser Recht. willig gab er das Ehrgeleit Dem Könige mit den Männern bis hin nach Niederland. nahm König Siegmunds Hand: „Gott weiß. Ja. Der war ihr getreu und immer gut und lieb. was Leid und Kummer sind. Auch Gernot kam. Umfangen hielt er Kriemhild zu einem letzten Kuß: „Nun habe ich erfahren. zu sagen weiß ich nicht. der Schmerz. das sie freute. Wie’s weiter ging in Xanten. wenn’s drauf ankäm’. toten Herrn. Gernot. Nichts gab es. daß trotz allem die alte Freundschaft noch bestand. war doch Geleit genug Die eigene Kühnheit. Ein Gruß noch. der ewig um ihn weint. Die Rache an dem Mörder des lieben. die sich vom Feinde Weg und Pfad Erzwänge. Als Giselher. fremd war uns Feindschaft. Wo nach der trüben Ankunft die sorgenschwerste Not entstand. Zu zeigen. wir kommen gern!“ Fest stand – das sah nun Siegmund – der traurige Entschluß. – Kein anderer Trost verblieb.149 Doch drohend vor den Leuten laut riefen Mann und Knecht: „Einmal könnt’ es geschehen. Verschmähten das Geleite. 1093–1099 . ein Druck der Hand. War ihm doch niemand feind! So bleibt uns nur die Trauer. im Drang zu trösten.“ Der junge Giselher ritt mit an Siegmunds Seit Zu Schutz und Ehr’. ein Wort. Daß Siegfried sterben sollte.“ Nun stiegen sie zu Rosse und reihten sich im Zug. Nur ungern hätte Giselher sich ohne Gruß getrennt.

zu keinem Trost bereit. Zu keinem guten Worte. Auch für ihr Leid. Gleichgültig. kam die Zeit. das Kriemhild ihr schaffen sollte. 1100 .150 Die schöne Brünnhild thronte im alten Stolz und Prunk. lieblos sah sie Kriemhilds Erniedrigung.

Recht königlich geräumig und stattlich sah es aus. Daß Ihr Kriemhildes Starrsinn erweicht. von seinem lieben. daß der Plan uns 1101–1108 (1104/05) . nah dem Grabe und nahe dem Altar. Indes sie Gunther niemals das kleinste Wörtchen lieh. der Kriemhild nicht fand an Siegfrieds Grab. Ins Land heimbringen könnten wir Siegfrieds Nibelungengold. toten Herrn. doch aller Freude bar. sah sie in diesen Jahren nie. stand Eckewart Zur Seite. Es war kein Tag. Hier saß sie mit den Frauen. Dort stand sie. All ihr Sinnen ging still zu ihm hinab.“ Doch Hagen sprach im Zweifel: „Ich glaub’ nicht. Und ihre Tränen rannen und rannen Jahr und Tag. ihren Todfeind. nach ihrem Horte schickt.“ Drauf Gunther: „Meine Brüder verstehn sich gut mit ihr. So saß er gern Bei ihr und sprach von Siegfried. Euch zu verzeihn? Wir könnten viel gewinnen. weil sie darin am liebsten war. Dann sorgen die dafür. Daß sie. Indes für seine Seele sie flehend im Gebete lag. So lebte. Nach ihres Mannes Tode sie dreieinhalbes Jahr. Am Dom zu Worms erbaute man ihr ein Witwenhaus. Doch eines Tags sprach Hagen: „Sollt’ es nicht besser sein. Gern ging sie in die Kirche. Wie der Nibelungenhort nach Worms kam Kriemhild. der ihr steter. Auch seine Mannen hielten zu ihr.151 XIX. getreuer Helfer ward. Die sollten es versuchen. wär sie uns wieder hold.“  [glückt. Auch Hagen. der edlen Witwe Siegfrieds. sich uns versöhnend.

“ – Sie nickte stumm dazu. der sie zu Tod betrübt.152 Zu Kriemhild kamen Ortwin mit Gere. Schwester. dazu verstand sie sich. für sich allein Vom Nibelungenlande herholen lassen an den Rhein. der Siegfried schlug. gewährte sie zuletzt. Mit ewigen Tränen büß’ ich dafür. Hätt’ ich je seinen Haß geahnt. Wär Hagen nicht gewesen. „denn Hagen tat’s! Und ich. Dieser sagte: „Soll. Sein Anblick hätte sie allzu tief verletzt. Giselher Und Gernot. Sie hätte freundschaftlich Auch ihm verziehn. nie wäre jene Tat verübt. Beweisen vor dem Richter will er’s. Nur Hagen nicht. die Gattin Siegfrieds. die hier zustande kam Mit Schmerz und vielen Tränen? Kriemhild in ihrem Gram Blieb unversöhnt dem Einen. Daß er durch mein Verschulden so Leben ließ und Leib. nimmermehr Die Klage enden? Gunther war’s nicht. Unüberwindbar aber stand zwischen ihnen Hagens Tat. den Nibelungenhort. bin schuldig des Verrats. Vertrauend tat ich’s. Nicht lang danach beriet man Kriemhild mit klugem Wort. Sie solle ihre Schätze. was sie mir angetan. sagte Kriemhild.“ Da flehte Giselher: „Nimm meinen Vorschlag freundlich an! Ich will dem König sagen. Er wäre ihr ohne Scheu genaht. Seiner Mörderwaffe hätt’ ich niemals den Weg gebahnt. Der ihr als Morgengabe verliehn. Ihm Gruß und Blick zu schenken. empfangen wolltest du Den Bruder mit den Freunden. Wär dir das nicht genug?“ „Des zeiht ihn niemand“. Niemals jedoch dem Tronjer. War’s ehrliche Versöhnung. 1109–1116 . ich armes Weib. Vergeben kann ich nimmer. Sich Gunther zu versöhnen.

Der seit uralten Zeiten schlief in des Berges Nacht. Kaum eine Mark an Werte bedeutete der Schwund. Dreimal ein jeder zwischen dem Berg und Schiffe hin und her. Und alles war nur edles Gestein und gelbes Gold. – wahrlich. So hat nur schweres Unheil der Zauber ihm gebracht. Damit nach Haus zu segeln in langer Bergfahrt auf dem Rhein. Wie’s mit dem Hort beschaffen. Die Kostbarkeiten schafften sie in das Schiff hinein. bis man Kriemhildes lieben Mann erschlug. er war’s nicht ohne Grund. denn er trug Sie viele Male. Wenn einer mit dem Schatze die Welt bezahlen wollt’. – ein Wunder ist es fast. unseren Gebieter. verwahrte am geheimen Platz. – doch er starb daran. bis schließlich er entschied: „Wir dürfen ihr den Hort nicht versagen. Als die vom Rhein die Schätze verlangten. Nur eines davon verloren wir. Stärke und Reichtum. Die Nibelungenlande gewann der kühne Mann. mit ihr Den kühnen Siegfried. Gernot Mit vielen hundert Mannen zur Suche nach dem Schatz. Die klugen Burgunden säumten nicht. denn er war Kriemhild als Morgengabe bestimmt vor manchem Tag und Jahr. Zwölf Wagen. schwer.153 Vertrauensvoll erließ auch Kriemhild das Gebot Und sandte ihre Brüder. 1117–1123 . treu im Dienste. da beriet Sich Alberich mit den Freunden. Vier Tage und vier Nächte hin rollten langsam. Giselher. Den Alberich. die Tarnkappe.“ Der Kämmerer nahm den Schlüssel. Verborgene Kräfte. hoch beladen mit übervoller Last. Doch ward nichts draus. War Hagen danach gierig. Aus hohlem Berg ans Licht Hob man den Schatz. Die Zauberhülle ist es.

sah er mißtrauisch doch mit an. Noch kaum versöhnt und gut Mit ihr. „auch die Schuld sei mein!“ 1124–1131 . das. Sie gab. Die Wünschelrute ist es. daß sie verschwenden kann. was ihr im Sinne lag.“ So sagte Hagen. lichtblitzend. oft ersehnt. „Geht’s weiter so. Gewinnt als Herr und Meister die größte Macht und Kraft der Welt. ob arm und notbedrängt. Daß sie – galt ihm die Absicht? – gar manchen Mann damit gewann. Wie’s ihr beliebt. sagte der Tronjer. Wer diesen Schatz erhält. Und sie ist meine Schwester! Der Eid soll heilig sein!“ – „Mein ist die Sorge“. farbenbunt. Doch war der ganze Hort auch an Wert vertausendfacht. Zu lohnen und zu werben. Hätt’ Siegfried auch gelebt noch. Zahllose Kammern. Den kühnsten Traum des Menschen schnell mit Erfüllung krönt. Zu schenken und zu spenden nach gütiger Frauenart. gewinnt sie mit dem. – Kriemhild war nur bedacht.154 Da war das Zauberstäbchen von Gold. Schreine. der den Vergleich wohl mit keinem anderen litt. zu schenken. soll’s mich nicht kümmern. was sie verschenkt. ja Türme füllte man damit. Kann ich es nicht verhindern.“ Da sprach der König Gunther: „Ich schwur ihr einen Eid. – Vor Kriemhild lag er strahlend. bis uns ein schlimmer Tag – Zu spät kam dann die Reue! – verrät. So bleib ihr unverwehrt.“ Hagen riet dem Könige: „Es sollt’ ein kluger Mann Verwehren einem Weibe. ob einer reich war. was sie mit ihrem Golde tut. Ein Schatz. Sie hätt’ in leeren Händen am letzten Ende nichts bewahrt. Ich tat ihr niemals wieder das allerkleinste Leid. Auf ihren Schiffen führten den Hort sie nach Burgund. Doch Gunther wies zurück ihn: „Da ihr der Schatz gehört.

Der Witwe ward ihr Erbe. Wo’s stumm und arglos keinem auf Erden angehört. Böses witternd. Und Giselher sprach drohend: „So viel und schweres Leid Hat Kriemhild nun gelitten. Gernot schlug vor: „Wir sollten. Nur Hagen ritt nicht mit. Lochheim heißt der Ort. Ich ginge ihm zu Leibe. Das verfluchte Gold versenken in den Rhein. hüt mich gut!“ Da sprach er zu der Schwester: „Rechne du fest auf mich! Wir reiten fort. wär’ er mir nicht verwandt. Von Furcht und Haß gefesselt. Knechten ritt Der König in die Weite. mein Leib. mein Gut Sind in Gefahr. der reiche Schatz. sah er auf Kriemhilds Gold und Macht. 1132–1138 . Da klagte Kriemhild. Sei ihr geraubt von Hagen. – Vergeblich zwar – ihm nütze das Gold wohl eines Tages noch. mit Knappen. daß nie die Träne aus Kriemhilds Leidensantlitz schwand.155 Geschworen waren Eide. dann sorg’ ich treu für dich!“ Mit Freunden und Verwandten. eh wir uns drum entzwei’n. von Sorg’ und Angst beschwert.“ So kam’s. – Den Königen war es leid. alles. Als jene von der Reise nach Hause heimgekehrt. der heimlich die Schlüssel an sich riß. Sie bat: „Viellieber Bruder. Und brüderlich stand Giselher ihr bei. Hofft’ er doch. Ob Gernot ihm auch wehrte in zorniger Bekümmernis.“ Zu Giselher kam klagend Kriemhild. War doch sein Grimm erwacht. ließ er den ganzen Hort Heimlich aus Worms entführen. Mißtrauisch. mir schwant. Es wäre endlich Zeit. Ich bitte dich innig. Eh Gunther noch zurück war. wie immer hilfsbereit. Hagen war’s. und sind wir zurück. was ihr bisher gehört. Wo er den Schatz im Rheine versenkte. doch hielten sie nicht stand. entwandt.

Nur Kriemhilds Haß ging wuchernd reich auf wie eine böse Saat Eh noch der Schatz versenkt ward.156 „Ein schlimmer Streich!“ so sagten die Brüder. 1139–1142 . so lang einer der Brüder lebte nur. So blieb durch dreizehn Jahre ihr Leben arm und freudenleer. kein Trost im Kummer mehr. Er ward niemals gehoben. hatten vertraulich sie Mit heiligem Eid geschworen. So ward mit neuem Leiden Kriemhilds Gemüt beschwert. da keiner je den Platz erfuhr. Das sich an seiner Klage nun bis zum Ende nährt. man litt die Tat. Man schwieg. „ist geschehn.“ Hagen entwich und ließ sich so lange nicht mehr sehn. daß sie die Stelle nie Verrieten. Bis aller Zorn verraucht war. Dahin die reichen Güter.

Alles an königlicher Ehr’. der solltet Ihr Eure Krone anvertraun. Liebt doch die Frau den reichen und hochberühmten Mann. wie es die Freunde hier gehegt. Wir sollten es versuchen.“ Da fragte König Etzel: „Wer war jemals am Rhein. der Herr von Bechelaren: „Die Königin. seid Ihr auch kein Christ. Ist sie als Königin würdig. Sind ihre Brüder. Wie Ihr ein Weib begehrt. So reich an Frauenschönheit. Als Ahnenerbe wahren sie es noch in der Gegenwart.“ Bedenklich sprach der König: „Das wäre wunderlich. „ist Kriemhild Euch so wert.“ Die Freunde widersprachen: „Herr Etzel. der junge Giselher. Daß sie einst meine Krone würdig auf ihrem Haupte trägt?“ 1143–1149 . schon vor vielen Jahren. wie sie das Volk begehrt? Gleicht sie dem Wunschbild.“ „Nun gut“. Vielleicht nimmt Kriemhild dennoch Eure Bewerbung an. ich sah sie. Wie König Etzel um Kriemhild werben ließ Es war dem König Etzel Frau Helche. Da fiel der Freunde Wahl Auf Kriemhild von Burgund: „Wollt Ihr von allen Frau’n Die Edelste. An stolzer Mannestugend. Ein Heide. Und wer mag dort der Lande und Leute kundig sein?“ Da meldete sich Rüdeger. ein Kind noch. Gernot und König Gunther. was je gepriesen ward. als Gattin schön und liebenswert. denn ungetauft bin ich. Wenn sie sich mir verlobte. sprach König Etzel. sein Gemahl In jener Zeit gestorben.157 XX. während Kriemhild doch eine Christin ist.

Fünfhundert Männer stünden als Ehrgeleit uns an Zum Zeichen. 1150–1157 . „Roß und Kleid Soll’n draußen weisen. Du hast ihn hier gesehen. Dich soll einst. Daß jeder Kleider. einst pracht.“ Der König sagte: „Nimmst du von mir nichts an. dem schenkt sie des Lebens köstlichsten Gewinn.und glanzgewohnt An Siegfrieds Seite lange als Königin gethront. und Gott nehme in Gnade euch und Hut. Daß ihr in Worms in Ehren besteht. erhält. Ein Mann war er. doch nur aus deiner Hand! Auf meine Kosten fahr’ ich für dich in das Burgundenland. Doch fröhlich sollt ihr leben. Verlangt’ ich für die Reise von dir noch Geld und Gut. Ein Dank belohnen. vor Drangsal. und – will’s das Glück – Bringt von der schönen Kriemhild mir günstige Kunde mit zurück. Doch wahrlich! Frau Kriemhild weicht ihr nicht. „bin ich seit langem dir Ja lieb und wert. sagte der Markgraf. wo als Weib sie an meinem Herzen liegt. gilt es doch eine Werbefahrt!“ Abwehrend sagte Rüdeger: „Das schiene mir nicht gut. Ein Zauber strahlt aus Haltung und Gang ihr und Gesicht. was mein eigen. Rosse und was du willst. Auf Erden gibt es keine schönere Königin.“ „Gewand und Waffen“. Und überreich an Ehren. Auch deshalb schon. weil Kriemhild. Am Tage.und Reisegeld. wie nur ein König ihn verleiht und fügt.158 „Helche war schön. Aus meiner Kammer nimm dir das Zehr. gewinnst du Kriemhild mir. Und wen sie liebt. daß kein König in größerem Glanz erscheinen kann. Weit ist der Weg. Gefahren nicht bewahrt. daß Ihr ein mächtiger König seid. nun gut! Fahrt glücklich.“ „Dann wirb für mich!“ sprach Etzel. Kam alles. ein Held. Ihm glich wohl keiner in der Welt.

meinen Herrn. Dort soll ein Weib ich werben für Etzel.“ 1159–1169 (1158. So trat zu Etzels Freude Herr Rüdeger die Reise an. Was Rüdegers Absicht war. versahen reichlich ihn Mit Waffen und Gewändern. Er säh’ von Herzen gern.“ – Die Gattin. „wir reiten ins Burgundenland. Als sie mit ihrem Manne in stiller Nacht allein. Auf ihren lieben Mann Sah Gotelind. Bereit stand Roß und Mann. Wär Kriemhild seiner Werbung und seinem Wunsch geneigt.159 Laßt vierundzwanzig Tage uns noch! An Gotelind. entsend’ ich Botschaft. treu gesinnt. Mein Weib. liebe Frau“. Er hegt die frohe Hoffnung. In Bechelaren harrte des Gatten Gotelind Und auch die junge Gräfin. daß sie mit ihm den Thron besteigt. Hatte sie doch Helches Bild und Gedächtnis stets bewahrt. Denn Helche liegt im Grabe. Die ihn begleitet hatten. Vernahm in Schmerz und Trauer die Kunde von der Fahrt. und Rüdeger als guter Wirt bat sie. sein einziges liebes Kind In ihrem Kreis von Jungfrau’n. Am siebenten Tag kam Rüdeger von Ungarn bis nach Wien. das ward Gotelinde bald gewahr. sprach Rüdeger. reich bepackte. Manch sehnlich weiter Blick Ging fernhin voller Freude auf nahes Wiedersehensglück. Da fragte sie: „Wozu soll die weite Reise sein? Mit welchem Auftrag hat dich der König ausgesandt?“ „Hör. indessen beglückt ihr Töchterchen begann: „Sei uns willkommen. Vater! Willkommen. all ihr Herrn!“ Mit Dank und Gegengrüßen erwiderten sie gern Der jungen Gräfin Worte. nach all der Reisemüh Bei ihm Quartier zu nehmen. 1164) . Man war am Ort. Saumrosse. Wohin er reisen wollte.

schwillt doch recht freudig erst der Mut. Am siebenten Morgen ritten sie ab von Bechelaren. Wir könnten es vergessen künftig. daß unsere Krone ein neues würdiges Haupt erwarb. Braucht man sich nicht zu sorgen. Säh’n wir. Auch der war erst im Zweifel. daß Helche starb. Doch trügt mich nicht der Anschein. Auf Raubgesindel trafen die Reiter selten dort. Ist man mit Geld und Gute und Nahrung reich versehn.“ Nun bat er Gotelinde: „Geliebte. ob er was wisse von der Schar. „Ich habe selber den. jubelnd erblickten sie den Rhein. war der Fremden Herkunft doch unbekannt. dann ist es Rüdeger. sorge gut Für unsere Ritter.“ So wurden alle sorglich mit feinster Tracht versehn. vom Hunnenlande käme er. Vom Hals zum Sporn ein Schimmer und Prunk. Worms war erreicht.“ 1170–1180 . dann erst ist jede Reise schön. So ging die frohe Reise von Land zu Land. was ihm willig von gütiger Hand bestimmt. von Ort zu Ort. schwer bepackte. – so konnten sie bestehn. sagte Gotelind.“ „Das tu ich gern“. Ließ Hagen schnell befragen. Gunther im ungewissen. Rings lief das Volk zusammen. Am Donauufer aufwärts durchs Bayernland zu fahren. sprach Gotelind.160 „Gott mag es geben“. umstrahlt von Glanz und Waffenpracht. Der an der Spitze reitet. strahlend in reicher Tracht Auf edlen Rossen Männer. wer da gekommen war. seit langem nicht gesehn. „sie ist es wert. Zwölf Tage schwanden. Aus allerfernstem Osten. Verwundert staunend stand Die Menge. Wer mochten die stolzen Helden sein? Saumrosse. Nur Ehrenvolles hab’ ich bisher von ihr gehört. „denn jeder nimmt Mit Freuden.

An seiner Rechten nahm er den Gast mit sich hinauf Zum Platz an seiner Seite. versäumt’ ich gern. wie er wohl nur im Land am Rhein gerät. und Hand schlug fest in Hand. Erlaub’ ich gern zu sagen. leben sie vergnügt? Wie geht es ihnen beiden im Hunnenlande dort?“ Das war für Rüdeger der Augenblick. Was an mich auszurichten man Euch zu Hause bat.161 Es setzten aus dem Bügel die Fremden kaum den Fuß. Da fragte im Gespräche Gunther: „Zu lange schwiegt Von Etzel Ihr und Helche. Indes er mit den Seinen förmlich und feierlich Sich hob vom Sitze. Er nahm das Wort. Dort stand von seinem Hochsitz der König auf und ging Zur Tür. Was bringt Ihr uns von fern Mir und zugleich den Meinen? Nichts. Von ferne entbot er seinen Gruß Mit lautem Freudenrufe: „Seid hochwillkommen hier! Den Herrn von Bechelaren und seine Männer grüßen wir!“ Die Brüder und Verwandten des Königs boten gern Zum Gruß die Hand. edler König. Sagt. so köstlich. Dann führte man zum Saale sie alle unverwandt. Kam Hagen schon.“ 1182–1192 (1181. und Ortwin sprach zu den fremden Herrn: „Das muß ich wahrlich sagen. der uns so lieb gewesen wär!“ Die Gäste dankten höflich. Dann aber trug man auf – – Wie gerne trank man einmal mit Freunden! – süßen Met Und Wein. sprach er: „Wollt Ihr in Gnaden mich Anhören. wo er die Gäste freundlich und ehrenvoll empfing. was ich willig als Auftrag übernahm und Pflicht. dann schweig’ ich länger nicht Und sage.“ Der König sprach: „Ich brauche nicht erst der Freunde Rat. 1188/89) . recht lange ist es her. Daß uns Besuch gekommen. was Euch ehrt.

und Siegfried. Verwaist sind all die Jungfrauen. Sein ganzes Volk ist freudlos.“ 1193–1200 . der sie berät und pflegt. einst meines Herren geliebtes Weib. verdüstern ihr Gemüt. „Herrn Etzels Gruß! Wie gern Erwidere ich mit gleicher Gesinnung deinem Herrn!“ Und Gernot sagte: „Klagen sollte die Welt mit Fug. daß sie gern sich nach meinem Wunsch entschließt. wie er es mir gebot. verwitwet sei Kriemhild. wie sein Herz ihm rät. in ihrer Zucht erblüht. Es ist der gleiche Kummer. So drang in sein Gemüt Der Wunsch. Da ist niemand am Hofe. Ich hoffe. Ihr edler Mann gestorben. der meines Königs Herz bewegt. Das ist’s. im Grab. König Gunther. sie möchte einst gekrönt An seiner Seite stehen. Vertrauern ihre Jugend. sprach Gunther. Mein Herr erfuhr. und seine Botschaft geht An Euch und Eure Freunde so redlich. mit denen Helche sich umgab.“ „Vergelte Gott“. ich klag’ es. Helche. ob Ihr Kriemhild damit willkommen seid. denn unsere Frau ist tot. Was mir mein großer Herrscher Euch zu bestellen gesagt. – sein Weib.162 Da sprach der edle Bote: „Euch allen hier am Rhein Soll ich der Überbringer der schönsten Grüße sein Von meinem großen König. Daß Helche starb!“ Ja. wär es Leids genug. Was ihn bedrückt. wenn Ihr’s vergönntet. sprach Hagen. berichte ich Euch mehr. Erwartet unsere Antwort. eh noch der dritte Tag verfließt. Da er in seiner Trauer um Helche doch vergeblich klagt. was er ersehnt!“ Der König sprach mit aller gebotenen Höflichkeit: „Ich weiß nicht. wahrlich. Doch wieder griff zum Worte der edle Rüdeger: „Erlaubt Ihr. Die edlen Fürstenkinder.

Sie meinten gleicherweise. „Was im Leben ihr noch an Freude blieb. wird Sorge und Argwohn nimmer ruhn. Wenn ihr es recht bedenket. Ich bin ihr Bruder. Und Frieden will ich wahren. Gern tat ihm Hagen Dienste. solltet ihr hindern diesen Plan. Zu ernstem Rat berief Gunther die Freunde. was ich von Etzels gewaltiger Macht erfuhr! Ist sie sein Weib. Sie rieten zu. Er sprach. Aus all den Freundlichkeiten. Brüder. So blieb Rüdeger drei Tage am Hofe. Was auch die anderen meinten. 1201–1207 . daß es nur billig war. Froh verlief Die kurze Zeit den Gästen. wenn ich ihn nur in Frieden laß. daß ich dagegen bin!“ Man schickte auch zu Gernot um Rat und Giselher.“ Doch Hagen wiederholte: „Denkt dran. Sah Rüdeger. „kenn ich doch keinen Haß. er blieb bei seinem harten Nein. nehmt ihr den Vorschlag niemals an. Nur Hagen stand allein. Sollt’ ich ihr gönnen. Euch Tag und Nacht mit Fragen zu quälen: Was wird Kriemhild tun?“ „Warum?“ sprach Gunther ruhig. helfen sollt’ ich ihr zu so schönem Los. Nur Hagen stand unmutig abseits. Ließe man die Schwester als Königin zu den Hunnen ziehn. würde sie mächtig auch und groß.163 Fürsorglich nahm sich jeder der lieben Gäste an. hier im Lande war er als Freund geliebt. ob’s wohl geraten schien. wird sie auch Königin. Mein Freund bleibt Etzel. doch klang die Sorge aus seinem Wort bereits: „Selbst wenn sie möchte.“ Doch Hagen sagte: „Wüßtet ihr anderen wenig nur Von dem.“ „Warum sollt ich’s versagen. wär’s Kriemhild wirklich lieb?“ Sprach Gunther. Wenn Kriemhild Königin würde. wie er sie früher schon geübt. die man für ihn ersann.

was Ihr wollt –. Wie sie es fügt. wer weiß es? Sie trifft uns. Viel tausend Männer stehn ihr dann willig zu Gebot. sinnt sie auf eines nur.“ Noch einmal warnte Hagen: „Wenn ihr auch widersprecht. Den Vorschlag machte Gere: „Ich gebe ihr bekannt. wie’s Männern geziemt. Was sie erlitten. – sagt. was hinterhältig wär. Will ich mich drüber freuen. auf unseren Tod!“ Doch Gernot fiel ins Wort ihm: „Vielleicht geschieht es nie. Sie wollten es gewähren der Schwester ohne Widerstand. mächtig und riesengroß sein Reich. Gewinnt sie Etzel. So sterben wir und sie. Laßt sie hier! Seid klug und hart. Trägt Kriemhild Etzels Krone. werde er ihr entgelten überreich. was in weitem voraus mein Auge sieht. verwehrt es ihr. Hagen. Daß wir sie dort besuchen.“ Ungern vernahm es Hagen. so helft nun mit zu ihrem Glück!“ „Ich sage. Er war des Unmuts voll. Sein Volk sei zahllos. wenn Ihr auch ängstlich wehrt und grollt.“ Da wallte auf im Zorne und Eifer Giselher: „Wir sollten nichts beschließen. „Ihr selber solltet mild Nach so viel Leid bedacht sein auf Tröstung für Kriemhild.“ 1208–1215 . Erfuhr doch keine Frau je ein solches Wehgeschick. Versagt. behalte ich einst recht. Eh uns das Schicksal tödlich mit ihr verfeinden kann. – Steigt sie auch hoch an Ehren. sagte Giselher. Daß uns von dieser Heirat die schwerste Not geschieht. Daß Etzel Boten schickte und warb um ihre Hand.164 „Freund Hagen“. Uns ziemt. Denkt! Unsere Ehre hängt daran. Ihr Gram war Euer Werk einst. wenn sie der Werbung folgen woll’ Als Königin und Gattin ins ferne Hunnenland. Die Brüder rieten. für sie zu sorgen.

„Wie gern Seh ich von Bechelaren den vielgetreuen Herrn! Weit reicht sein Ruf und Name! Käm er nicht zu uns her. Und sag ihm. was die Stimme im Herzen mir befiehlt!“ Sie blieb allein. Selbst Gernot. wie nie ein Mann Als Herrscher unter einer fürstlichen Krone ging. neu gefühlt. Euch zu gewinnen. Die ihr mit Zuspruch nahten.“ Da wehrte Kriemhild traurig! „Verhüten sollte Gott. wie Weibesliebe auf dieser Welt beglücken kann?“ Sie wehrte sich mit Abscheu. Dort geb ich ihm Gehör. Nichts anders war im stillen auch Rüdegers Begehr. Giselher. „den Boten freundlich zu Euch ein!“ „Das will ich nicht versagen!“ erging ihr Wort. erreichten auch nicht mehr. Möge er Im Wohngemach mich finden.165 Kriemhild empfing ihn gütig. erwarten wollt’ ich ihn morgen. sein erfahrenes Gemüt verstünde schon Zu klugem Rat zu finden das rechte Wort. Von Eurem Bruder meld’ ich’s. bezwungen vom alten Schmerze. Daß er in Wort und Mienen so seltsam fröhlich war. Wie könnte Siegfrieds Gattin je eines anderen sein! „Dann laßt doch“. Zu sagen ihr. sehr in Verwunderung zwar. der seine Werbung gern empfing. warum er nach Worms gekommen war. Beenden will’s endlich Eure alte Not. Mich schickt das Glück. Dann gab es keinen Boten. Der weiß. machtvoll. erhaben. kamen am Hofe Werber an Von einem Herrn. Daß Ihr und Eure Freunde so übtet euren Spott An einem armen Weibe! Was sollt’ ich einem Mann. der mir nicht unwillkommen wär! Sagt ihm. „Verdienen möcht ich gerne ein schönes Botenbrot. 1216–1223 . bat man schließlich. Er wußte. den rechten Ton.

die anderen verstanden doch. Ringsum das Volk umdrängte ihn. Herr Rüdeger“.166 Zur Messezeit am Morgen in aller Früh erschien Der edle Bote. immer nährte den alten Gram noch ihr Verlust. 1224–1231 . sprach mild die Königin. Wir soll’n. Von ihren Wangen perlten die Tränen auf die Brust. Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdeger: „Herr Etzel. Wie all der anderen Antlitz auch ihres kummerblaß. Vom alten Leid ihr Auge wie das der Herrin tränennaß. Dann nahm der edle Rüdeger zuerst das Wort: „Gewährt Die Gunst uns. schickt uns her. Zur Tür entgegen schritt sie Herrn Rüdeger und lieh Ihm Worte der Begrüßung. aller Hunnen Beherrscher. die hier versammelt stehn. Die von den Abgesandten. Kriemhild im Trauerkleide. Zu würdigem Empfang War alles aufgeboten. Mein Herr an Euch in Ehrfurcht durch meine Zunge läßt ergehn!“ „Gern sei’s erlaubt. Doch sie in ihrem Leide war traurig anzuschaun. Sie merkten. ich hör es um Euretwillen an. wie’s zukam ihrem edlen Rang. Saß wartend in Gedanken. Eckewart Und Markgraf Gere standen vor Kriemhild ernst und hart. so ist sein Auftrag. „Da ich solch edlem Boten gerne zu Willen bin. die Boten seiner Liebe sein. Als Künder seiner Neigung und Freundschaft an den Rhein.“ So gütig klang’s. worauf sie sann. unruhevoll und tief bewegt. Sie sah’n Kriemhild umgeben von ihren schönen Frau’n. hohe Königin. noch niemals abgelegt. daß Ihr die Botschaft hört. Zum Ehrensitze wies man die Männer. dann gütig wandte sie Sich zu den zwölf Begleitern. Was Ihr mir bringt.

Als Morgengabe schenkte er Euch das ganze Land Von dreißig Fürsten. die er zu Boden zwang mit starker Hand. Wenn es in rechter Liebe zu ihm sich neigt und fügt? Dann blüht das Leben wieder. und Mädchen. wie mein Leben trüb ist und kummerschwer.167 Ihm lebt ein Wunsch im Herzen: Ein gütiges Geschick Gewähr’ ihm. – ein Glück. ich könne beglücken einen Mann. Als ihrer Herrin diente Euch jene Ritterschar. die Helche dienten jahrelang. und alles Herzeleid versiegt. Bleibt mir bis an mein Ende nichts anderes als Weh und Gram. und keine Stunde des Glücks vergönnte ihm sein Leid. Mit zwölf der schönsten Kronen wär’ Euer Haupt bereift. sollt Ihr entscheidend sein. Wie ihre Stimme galt Im Rate seiner Männer. Frau’n fürstlichen Geblütes von königlichem Rang Umgäben Euch. Als neu in einem anderen zum Glücke auferstehn. So reich. Verlor ich doch den besten. Dazu verspricht mein Herr Euch die volle Herrschgewalt. Die Helche einst besessen. Und wäre es mein König. wie es Frau Helche genoß in alter Zeit. des Hand Ihr willig greift. Die schon zu Helches Zeiten ihr Ehrgeleite war. Sie starb. Da ihn der Tod mir nahm. Euch zu schenken Lieb ohne Leid. Da neigte sich Frau Kriemhild: „Herr Markgraf Rüdeger. Der hoffte nicht. den in der Welt ein Weib gewann.“ „Was kann ein Herz im Leide wohl Besseres ersehn.“ 1232–1238 .“ Kriemhild gab trübe Antwort: „Wie lockte künftig mich Noch Weibesglück! Das alles genoß in Fülle ich In eines Einzigen Liebe. All das wird Euch Herr Etzel als seiner Königin verleihn. Wüßt’ einer.

Als sie gegangen. fließt die Tränenflut. Wie soll ich dort am Hofe bestehn bei Spiel und Tanz? Und war ich schön vor Zeiten. Kommt morgen früh. Ach. mein Bruder. bat sie den Bruder Giselher Und Ute. ward es auch gar ungern getan. Antwort und Rede stehen auf euren Wunsch und Plan. Wenn Eure schönen Jungfrau’n ein neues Freundschaftsband Vereint mit Helches Mädchen daheim in unserem Land.“ Frau Ute sprach der Tochter mit guten Worten zu: „Was deine Brüder raten.“ Da sagte Giselher: „Was auch ein anderer rät. Königin. Die Trauer wird vergehn. Da gibt es frohe Jugend. mein liebes Kind. laßt Euch raten! Es wird noch alles wieder gut!“ Zart wich sie aus: „Laßt heute die Sache noch beruhn. werd’ ich nie wieder froh.“ 1239–1246 . wird Euer Leben wieder schön.168 Sie sprachen trotzdem weiter: „Vieledle Königin.“ Dem fügten sich die Hunnen. So groß und mächtig steht Kein Königreich wie Etzels! Das ganze Land ist sein Vom fernen Meer zur Elbe und von der Rhone bis zum Rhein. Ist Etzel Euer Mann erst. An Etzels Hof erheitert sich selbst der trübste Sinn. Daß ich das Glück beweine. hab’ ich doch nur noch dies. das tu! Dann wird vielleicht am Ende noch alles wieder gut. verblichen ist die Schönheit ganz. denn den anderen vertraute sie nicht mehr: „Ich bin zu arm für Etzel. das mich mit Siegfried einst verließ.“ „Warum. Dann werden unsere Männer auch wieder frohgemut. dann will ich euch voll Genüge tun. Drum. Du wirst noch einmal glücklich. rühmst du mit Macht und Reichtum so? Zwingt ich nicht meine Tränen. allzu lange dauert die Trauer.

weinen dürfe sie. Sie sann und rang in Tränen Stunde um Stunde hin Um rechten Rat und Willen bis zu der Frühmette Beginn. sie werd’ im Leben nie Mehr eines Mannes Gattin. Sie lag im Bette wach Und hing bis an den Morgen ihren Gedanken nach. 1247–1255 . Dereinst an Gold und Silber. daß sie sich für Etzels Wunsch entschied’. Soll ich an einen Heiden verschenken Seel’ und Leib? Und Schande wär’s verriet ich damit die Christenpflicht. an Kleidern reich zu sein.169 Da wünschte sie. bis Rüdeger heimlich zu ihr geneigt Vertraulich sprach: „Wenn künftig Ihr je mir sagt und zeigt. Die Hunnen wären gerne gereist. – Herr Rüdeger fand ein trüb’ Gesicht. Kriemhild erwog im stillen: „Ich bin ein christlich Weib. Da sprach der Markgraf tadelnd: „Falsch tätet Ihr daran! Wohl könnt Ihr noch beglücken in Ehren einen Mann! Wozu ward Euch die schöne und frauliche Gestalt? Warum dem Glück entsagen. dann bin ich Euer Mann Und räche. und jeder sprach und riet Ihr wieder zu. Gott möge ihr seinen Beistand leihn. Daß meiner Ihr bedürftet. Ach.“ Getröstet hörte sie ihn an. Die sie verschenken könne wie einst zu Siegfrieds Zeit. ob nicht Die Werbung ihnen glückte. Noch einmal bat er innig: „Gebt endlich mir Bescheid! Was soll ich dort verkünden. Erfüllung oder Leid?“ Wehmütig gab sie Antwort. keine frohe Stunde ließ ihr seitdem das alte Leid. was geschehen ist. – ich tu es nicht!“ So schien es denn beschlossen. bevor Ihr lebenssatt und alt?“ Auch das half nicht. ob gut. Dann kamen ihre Brüder. Nur trauern. Gäb’ er mir alle Reiche der ganzen Welt.

Ich und die Meinen stünden stets für Euch ein. wie es sein Wunsch begehrt. werben mag. Mit denen Ihr gemeinsam des Glaubens Trost gewinnt. Niemals versagen werde sein Schwert. was ich will! Dann füllt sich meine Hand Mit Gütern. Wird Mannes Herz so leicht doch von Weibesliebe umgestimmt. die Treue: „Werd’ ich einmal so reich An Freunden und Beschützern. Ich nähme ihn zum Manne. Sie dachte nach. Drum sagte sie: „Dann soll mir beschwören Euer Mund. Vielleicht könnt Ihr ihn leiten. und weh Dem Feinde. was reich in meinen Händen lag. gewinnen. Zu grausam leide ich. Wer weiß. Was auch die Leute reden. – Dann folgte ich Euch gerne – Herr Etzel wär ein Christ. fehlt mir der Rächer. der nächste dazu seid!“ Da willigte der Markgraf schnell ein: „Nehmt darauf meinen Eid!“ So schwur mit allen seinen Gefährten Rüdeger. dann gilt mir alles gleich.“ Sie wandte sich an Rüdeger: „Wenn ich nur eines wüßt’. sprach er. Er hat so viele Ritter.“ Sie sann: „Hat Etzel Männer. die gute Christen sind. „ist keine große Sorge wert. wenn künftig je Für Kriemhilds Leib und Ehre von irgendwem Gefahr entsteh’. das Schicksal rüstet die Rachestunde schon für mich. Mit Blut und Leben stünde zu ihrem Dienste er. zahllos wie Meeressand. von dem jemals Euch das geringste Leid geschäh’!“ Das sank wie Trost und Hoffnung in ihrer Seele Grund. daß er die Taufe nimmt. Daß Ihr.170 So fuhr er fort: „Vertraut mir und weint nicht! Hättet Ihr Im Hunnenlande keinen Beschützer außer mir.“ 1256–1262 . Dann tu ich. daß ich schenken.“ „Dies fromm’ Bedenken“. Ob Hagen mir auch raubte.

Behält sie ihn in Händen. Sagt ihr. Fünfhundert meiner Sippen und Männer folgen mir Als Euer Brautgeleite. Kostbare Sättel. seit langem wohlverwahrt. worin geschont. Facht gegen mich zu Flammen damit den Hunnenhaß. sein Haß und Argwohn ruhten nie. Führt mich zu Eurem Herren. Daß alles für die Reise recht ehrenvoll und stattlich war. bis Kriemhild sich ergab: „Ich will es tun! Ich ziehe ins Hunnenland hinab. was Hagen unternahm. nichts geschah. gespart. ihn fortzuschaffen duld’ er nicht. ich halte furchtlos mein Wort als treuer Mann. Zäume von Siegfrieds Zeiten her. – Gedachten sie’s zu wenden? – Sie schwiegen. so sehr. Und mahnt Ihr je daran. Drum soll im Lande bleiben Siegfrieds gefährlich Gold! Wie töricht. Geschmeid’ und Kleider lagen. Doch ob auch den drei Brüdern der Plan zu Ohren kam. Er sprach: „Ich weiß. drängten. daß Kriemhild mir feindlich zürnt und grollt. schürt sie ohn Unterlaß. es fehl’ an Rossen.“ Kriemhild erfuhr erbittert. Hagen woll’ ihn behalten. Kriemhild besaß genug noch vom Nibelungengold. als ging es ihm nicht nah: 1263–1274 (1267) . was Kriemhild mit diesem Horte plant und tut. ließ als Waffe dem Feind ich solches Gut! Ich weiß genau.“ Da schloß man auf die Kisten. Hier meine Hand! Und damit nehmt mein Verlöbnis an.171 Die Brüder baten. Nur Rüdeger wurde fröhlich. Hundert Pferde brauchte. wer es fortschaffen wollt’! Den Hunnen einst die Schätze zu schenken dachte sie. ja sagt ihr ins Gesicht. Hagen erriet die Absicht. geleitet mich zu meinem Mann!“ Froh rief der Markgraf: „Rüstet! Nicht länger zögern wir. – Was ich versprach.

“ Gernot allein ergrimmte ob dieser Ungebühr. „wird begleiten mich in die fremde Welt? Hatt’ ich doch manchen Freund hier. Das sollte reich und hold Als Frauenzierde dienen zu Fahrt. bedacht auf Eure Hut.“ Schweigend dankte Kriemhild für das willkommene Angebot. Zum Seelenheile Siegfrieds als Meß. treu und gut. Die Treue kann nicht wählen. Stolz wehrte ihm Herr Rüdeger: „Wär’ auch der ganze Hort Ihr eigen noch. – Vielleicht. die Ihr niemals verschwenden könnt.172 „Was klagt Ihr. der mir zur Seite stand. Laßt alles hier! Sind wir doch mit allem reich versehn. Drum. hohe Königin? Was Ihr hier eingebüßt. – – „Wer“. Nahm dreißigtausend Mark und mehr an Geld heraus Und gab’s zu Gunthers Freude verschwenderisch an die Gäste aus. er gönnt Euch überreiche Schätze.“ Da trat Graf Eckewart zu ihr: „Weil manches Jahr Ich Euer erster Diener und treuer Schützer war. laßt mich mit Euch ziehn. Nichts soll mich von Euch scheiden. den letzten Rest. Empfang und Fest.“ Doch Kriemhilds Mägde hatten zwölf Schreine voll mit Gold. sprach sie. Noch tausend Mark ließ Kriemhild zurück. Königin. Der soll von meinem Schatze beschaffen Rosse und Gewand. Auch nehm’ ich Männer mit mir. sei es denn der Tod.und Opfergeld. Daß wir die lange Heimfahrt ohn’ alle Not und Sorg’ bestehn. Ruht erst auf Euch sein Auge. Mit Schmuck gefüllt und Steinen. daß ich Euch ferner bis an mein Ende dien’ –. als Ihr verließet. Ersetzen wird Euch Etzel weit mehr. ich schwöre es. 1275–1284 (1276) . Des Königs eigene Schlüssel stieß selbst er in die Tür. wir ließen ihn gern an seinem Ort. Für jeden Fall gerüstet. fünfhundert.

voraus ins Hunnenland.173 Man ließ die Rosse satteln. Ortwin und Gere eilten mit Rumolt weit voraus. bis an der Donau grün Gestad’. Bald führe Markgraf Rüdeger ihm zu die edle Frau Kriemhild. sie unterließen nicht. In vielen nassen Augen sah Kriemhild. wie man sie geliebt. Nachtlager zu bestellen. Mit Giselher kam Gernot. Ein wenig nur ritt Gunther mit ihr zur Stadt hinaus. den Reisenden mit Rat Und Tat getreu zu helfen. Die Schwester zu begleiten zu Liebe ihr und Dank. Die schnellsten Reiter waren bereits vorausgesandt. 1285–1289 (1286) . Dem Könige zu künden. Des trübe Abschiedsstimmung auf allen Mienen lag. sein Wunsch sei schon erfüllt. Als man am Rhein noch weilte. und wie die Ehrenpflicht Und Sitte es gebieten. Nun kam der letzte Tag. Auch tausend Reiter folgten zum Schutz den weiten Weg entlang. Zur Seite ihr stand Ute und weinte still betrübt.

Dort waren kühle Hütten errichtet und Gezelt.174 XXI. Wie Rüdeger befohlen. Dann kamen sie nach Everdingen. Man sah. Jenseits der Traun und Enns hin dehnt sich ein weites Feld. nun befreit Von Sorge. Der Markgraf hatte sorglich entboten Gotelind Mit ihren edlen Frauen und reichem Hofgesind. so meint’ er. Doch hätte Rüdeger wahrlich verhindert jeden Überfall. 1291–1305 (1290. wo weiß der Inn Sich in die breite Donau ergießt. Wenn Gotelind als erste ihr Gunst und Gruß entgegenbrächt’. wartend fand Zu freundlichem Empfange. dann rufe. Kriemhild. Gar zierlich an den Zäumen erklangen Glöckchen hell. 1293/94. die in Bayern droht’ mit Raub und Streit.“ Ins Bayernland gelangten sie dann. da’s lange Trennung galt. den Bischof. Zur Schwester sagte Giselher: „Wenn du zu Schutz und Wehr Mich jemals brauchst. Die Gäste zu empfangen. wo man Pilgrim. und weiterhin Nach Passau. Schon kam in schnellem Trabe heran die Reiterschar. Dort sollten fröhlich sie In Ruhe sich erholen nach ihrer langen Reisemüh’. war er doch Kriemhild nah verwandt. Wie Kriemhild zu den Hunnen reiste Bei Vergen an der Donau machten die Brüder Halt Zu letztem schweren Abschied. 1296–1301) . Die Pferde trabten schnell. Woran im Land die Leute gewöhnt sind überall. wäre es lieb gewiß und recht. Dorthin kam Gotelinde. wie lieb es Rüdeger war. du rufst mich nicht vergeblich her.

Man saß im grünen Klee Und fragte. Ihr erster Blick ersah. Da ritt Kriemhild entgegen der edlen Markgräfin Inmitten ihrer Frauen. Vom Pferde sprang der edle Mann Und hob sie auf den Rasen. Sah ich doch schon seit langem nichts lieberes als Ihr es seid. doch nah im Herzensgrund Umfingen sich die Frauen und küßten sich auf Wang’ und Mund. Da schwand ein Teil der Sorge. Man schenkte in die Becher den dunklen Ungarwein Und freute bis zum Mittag sich am Zusammensein. nahm eines Ritters Hand Und ließ sich aus dem Sattel hernieder heben auf den Sand.175 Der Markgraf ritt dem Zuge entgegen. 1309–1316 (1305–1308. 1314) . Die Gräfin nahm sich Kriemhilds mit guten Worten an: „Wie lieb ist mir. Die jungen Ritter suchten beflissen werbend nun Den Frauen ihre Freude und Zärtlichkeiten kundzutun.“ Mit feinem Anstand grüßten und fanden sich bereits Die Mädchen zueinander. bis er nah Anhielt vor Gotelinde. Daß er gesund und fröhlich vom Rhein zurückgekehrt. Der Bischof Pilgrim brachte sein liebes Schwesterkind Kriemhild mit Eckewart zugleich zu Gotelind. – Noch fremd wohl. daß ich Euch schon heut erschauen kann In Eurer reinen Schönheit und stolzen Weiblichkeit. Bis wiederum am Abend manch Lagerzelt sie kühl umfing. Der Tag verging. Da wich das Volk. Gemeinsam brachen alle dann auf. Es hielt die Königin Ihr Pferd am Zaume zügelnd. was an neuen Geschichten in der Welt geschäh’. Sie grüßten sich. Die Ritter ihrerseits Umgaben sie mit Plaudern. So taten’s alle dann. die ihr das Herz so lang beschwert.

Gerührt versprach es Kriemhild. Genug an Kurzweil gab es. 1317–1326 (1324/25) . Behaglichkeit zum Ausruhn schuf Rüdeger für Freund und Gast. Da fanden schnell vertrauend einander Hand und Hand. Auch fremde Leute. Tief unten floß im Grunde die Donau nach dem fernen Ziel. Von stolzer Höh’ empor Sah sie ins Blau. war doch das Kind so liebenswert. Mein Vater gibt nach. Doch manchem war’s nicht lieb. Auch Kriemhild gab und schenkte aus dankbarem Gemüt Gotelindes Tochter Ringe. Das schöne Kind des Hauses bat Kriemhild leis und sprach: „Erlaubt Ihr mir’s. Verdrießlich klagte man. Wie man die Zeit vertrieb. Empfingen edle Steine und herrliches Gewand. Die Kämmerer nahmen wahr Die Sorge für der lieben Gastfreunde Ruh und Rast. Daß hier in Bechelaren schon allzu lange Zeit verrann. – weit und breit In Ställen und in Kammern war alles schon zur Rast bereit. dann komm’ ich ins Hunnenreich Euch nach. Doch Rüdeger war um jeden freundschaftlich bemüht. In Bechelaren war Schon alles vorbereitet. die Brücke. Wer sie nur sah. Den Pfad hinan. Bald saßen sie im Saale. die sie bis dahin nie gekannt. der Dienerschar Gewand Vom besten. Bei Euch zu sein. der war ihr gewogen gleich und hold. Nun kam die Burg in Sicht schon. der Burghof.176 Dort ruhten sie die Nacht durch. So wenig ihr geblieben von Siegfrieds Nibelungengold. Am Tor mit den Gespielen die Tochter Rüdegers stand. weit offen die Fenster. das sie mit sich genommen in das Hunnenland. wenn Ihr’s gewährt“. die Luft ging rein und kühl. Daß man nicht weiterreiste. Tür und Tor. Kann ich hier nicht berichten.

Die Traisenmauer. Fern über all die Länder hin reichte Etzels Macht. 1327–1335 . Heiden war er stets gleich bedacht. Es möge Kriemhild gut gehn im fremden Lande dort. und später ward sie hochverehrt. Zu trösten und zu schenken. die je in weiter Welt Sich Ehr’ und Ruhm gewannen. Hier hatte König Etzel sich eine Burg erbaut.177 Schon warteten die Pferde am Tor zu Bechelaren. und darin Freude fand Nach ihrem langen Leide. Die ganze Zeit bisher Stand Kriemhild im Geleite. So war auch bald gemehrt Ihr Ansehn bei den Hunnen. ins Hunnenland zu fahren. Noch einmal schaute Kriemhild zu beiden Frau’n zurück. im treuen Schutz von Rüdeger. Die allerkühnsten Helden. Der Wein kredenzt zum Willkomm in goldenem Gefäß. Dort war ein Mann. da sie es gut verstand. die hatte er sich zugesellt. hieß Astol. dem alten Brauch gemäß. Bei Melk war an der Straße. Aufs Wohl der Christen. von allen gepriesen und geehrt. Das war für lange Jahre der letzte Gruß und Abschiedsblick. Die Königin nahm Abschied. Geglichen hatte keine ihr je an höchstem Frauenwert. dem war der Weg bekannt Nach Mautern donauabwärts bis in das ferne Osterland. Nun kehrte Bischof Pilgrim um mit gütigem Wort. Bald sahen sie die Treisam. Nur Kriemhild war ihr ähnlich. – Helche hatte von hier geschaut Ins grüne Land.

stolz in Gestalt und Sinn. gleich schien’s. ob Heide. Sie ritten wie von Vögeln ein Schwarm entschwirrt im Kreis. getrennt nach Wort und Brauch. Ramunc. Aus Kiew selbst. Der Herzog der Walachen. Unübersehbar. Gewandte Reiter waren’s. die edelsten fürwahr. aus Fernen des Ostens kamen sie. gespannt vom harten Zug. seltsam verschiedener Art An Sitten und Gesichtern. Erschienen sie. ritt rasch heran. Griechen. Da waren Russen. Und ihm als Führer folgten an siebenhundert Mann. Wie Etzel mit Kriemhild Hochzeit feierte Auf Traisenmauer weilte Kriemhild drei Tage lang.178 XXII. mit ihm Scharen. Die wilden Petschenegen. Polen sah man auch. Dann Gibich. Fern unaufhörlich drang Der Staub von weißen Straßen wie Brandrauch hoch hinauf. Dort ritt von Etzels Horden manch wildverwegener Reiterhauf’. Ob Christ. Aus der Gefolgschaft Etzels kam eine prächtige Schar Von vierundzwanzig Fürsten. Nach Tulln am Donauufer im Lande Österreich Ward Kriemhild nun geleitet. die Kriemhild nie bisher gewahrt. die Rüstung glänzend silberweiß 1336–1343 (1337) . war tapfer nur der Mann. Dort sah sie wogengleich Viel fremdes Volk sich drängen. So ritterlich und fröhlich. Im Ritte fehlten die Niemals das Ziel. Walachen. Das Land weit überschauend. zahllos zog buntes Volk heran. begierig zu schaun die neue Königin. Die Pfeile. Erreichten in den Lüften die Vögel selbst im raschen Flug.

Der Bruder Etzels. Ihr nahte glanzvoll der königliche Zug. In raschem und königlichem Gang Schritt er heran. Nun sprang Auch Etzel ab. Nun wandte sie sich weiter zu Blödelin. Zu allerletzt erschien Voran dreitausend Pferden reitend Herr Blödelin. daneben sein Genoß Dietrich von Bern mit reicher Gefolgschaft. das Auge von frohem Glanz erfüllt. Nun ging sie ihm entgegen. Des Brauches seid nicht bang! Wen Ihr nach unserer Sitte mit einem Kusse grüßt. Die Dänen Hawart. ein Empfang war’s. – mit Lärm und Waffenklang Nach Landessitte brauste vor Kriemhild sie entlang. Nun sah man. wie keiner Königin mehr geschieht. Ein edles Fürstenpaar Trug ihr die Schleppe. Da meinten viele. Zwölfhundert Reiter folgten.179 Die Tausendschaft Hornbogens. Iring. da nicht jeder die gleiche höchste Gunst genießt. Da überstrahlte licht Der Zauber ihrer Augen das liebliche Gesicht. daß sie so schön wie Helche sei. der Thüring Irnefried.“ Man hob von ihrem Rosse die Königin. wie inmitten von Fürsten hoch zu Roß Daher kam König Etzel. 1344–1351 . Wahrhaftig. wie es am Hofe Sitte war. Da kam mit seinen Freunden der König und umfing Sein Weib. Sie hob dazu den Schleier. Sag ich Euch. Der stand dabei. Höher schlug Kriemhild das Herz. das nun den Gatten freundlich mit einem Kuß empfing. Weithin erfunkelten die Reih’n Hell im Vorüberfluten von Rossesschmuck und Waffenschein. Zu Kriemhild sprach Herr Rüdeger: „Laßt uns hier den Empfang Des Königs nur erwarten. Erblickte er doch heute zum erstenmal sein Weib Kriemhild.

ganz gleich ob Heide oder Christ. Gedachten sie doch länger in Tulln nicht zu verziehn.180 Ihn küßte sie auf Rüdegers Geheiß. Und neben ihr gab Etzel sich ganz der ersten Freude hin. Wie Rüdeger befohlen. Man kam nach Wien. Indes die Hand Kriemhildes in seiner Rechten lag.“ 1352–1366 (1353–1355. Ein fröhliches Turnieren begann mit Schaft und Schild. Rings im Feld. erbaut war Zelt an Zelt. daß Frau Kriemhild arm sei an Geld und Gut. Dort saß auf weich gewirktem Hochsitz die Königin. Und man mit großem Aufwand empfing das königliche Paar. Versuchten. Bis früh die Sonne aufstieg und alle schon im Aufbruch traf. Wie gut sie schenken konnte. Die Ritter führten höflich die Frauen. Sprach er mit ihr und Rüdeger. war manchem nicht bekannt. Und dann noch zwölf der ersten aus Etzels Heldenkreis Als ihrer freundschaftlichen Gesinnung ersten Gunstbeweis. Heut galt dem schönsten Ziele der Ritt. 1362–1364) . Jetzt rühmte man den Gästen der Königin offene Hand: „Wir glaubten. Wo schon die frohe Hochzeit voraus gerüstet war. Das dort zu Siegfrieds Zeiten in Pflicht und Dienst des Fürsten stand. An einem Pfingsttag war es. Fröhlich verlief der Tag. Und sonderlich die Jungen. wie’s heut noch üblich ist. dann nach dem Brauch Den edlen König Gibich. da Etzel hielt in Wien Das Beilager mit Kriemhild. Dann fanden in den Hütten sie endlich Ruh und Schlaf. daß sie mit ihrem Reichtum Wunder tut. Nun aber zeigt sich. Der neuen Königin schien Zahllos das Volk und größer als das in Niederland. sich zu messen. darauf Herrn Dietrich auch. Nun blieben Seit an Seite Herr Etzel und Kriemhild.

Herr Dietrich tat noch mehr. Dietrich als Gattin bald vermählt. Im Übermaß der Freude war man des Glückes froh. Dort standen schöne Jungfrau’n. Die Hitze abzuwehren. Wärbelin. Bei Wind und Wetter sicher zu wehren jedem Wogendrang.181 Ob andere reichlich gaben. wie sie vor Jahren jung Am Rhein bei ihm gesessen. Volle siebzehn Tage verliefen festlich so. Der neuen Herrin harrend. Näntwinens Tochter. Die Fahrenden und Armen. Von Etzels Burgturm schaute manch wartend Auge her. Die Schiffe waren kräftig vertäut am Bord entlang. die vielen Fremden auch Erhielten reiche Gaben nach dem uralten Hochzeitsbrauch. 1367–1381 (1368–1370) . Nun ließen sich’s die Frauen an Bord wohl und zufrieden sein. doch barg sie die nahen Wehmutstränen gut. dann stieg die heiße Glut Ins Auge ihr. in Helches Dienst bisher. Und neben ihnen Herrat. war fest ein weiß Gezelt. Zuweilen quoll im Herzen ihr die Erinnerung An ihren edlen Siegfried. Wetteifernd schenkten Blödel und auch Herr Rüdeger. Als Herrin hier gebietend. der künftigen besseren Zeit. Im schönen Wieselburg erst schifften sie sich ein. zahlreichem Hofgesind. Als wäre man zu Lande. Als unter ihrer Krone Kriemhild zum erstenmal erschien. Die sieben Königstöchter. Mit Recht wurden die beiden zum höchsten Glanz des Hofs gezählt. der Helche Schwesterkind. Nach einer Nacht in Heimburg sah man den Donaulauf. bestimmt zu Kriemhilds Ehrgeleit. am Steven aufgestellt. An tausend Mark erhielten wohl Swemmel. Nach achtzehn Tagen brach man von Wien nach Ungarn auf.

Die Menge der Geschenke und Geld ward unverweilt Aus Kriemhilds reichem Schatze an viele Tausende verteilt. Mit Blick und Handschlag bot Ihr jeder sein Gelöbnis. Zu Huldigung und Treuschwur im Kreise ringsumher Die Mannen und Verwandten. Wes Herz nach stolzen Taten und Lebensfreude stand. schön und hehr. des Königs Ruhm im Sinn. In Ehren stand und Ansehn des Königs Hof und Land. Der fand dahin die Wege. Auf Etzels Burg saß Kriemhild als Königin. Man machte das Gefolge der Königin bekannt. Vor seinem Blick den Reichtum. getreu zu sein bis in den Tod. die Huld der schönen Königin.182 Das Königspaar kam reitend herauf vom Uferrand. 1383–1386 (1382) .

Zwölf Könige aber waren zum Tode ihr getreu. Nach ihrem Wunsche wurde das Kind Ortlieb genannt. Sie wußte jetzt. Doch hatte sie mit starrem Entschluß darauf beharrt. die immer noch ihr Leid Um Helche trug. So flossen dreizehn Jahr dahin. Auch dachte sie der Zeiten im alten Heimatland. als er Siegfried totschlug. In aller Munde war es. Froh war er seines Kindes. gewonnen war aller Menschen Herz. jedoch in steter Traurigkeit. Das nährte ihre Pläne. Es wird zwar manche Fürstin geliebt auch anderwärts. Daß es nach alter Sitte getauft und christlich ward. zu sein. wie Helche war. die ihr durch Hagens Hand Genommen. denn reich und mild War ihre Hand für Arme und Bittende gefüllt. Längst war Kriemhild von allen geliebt. war doch ihr Schmerz wie immer neu.183 XXIII. lebte vor manchem Tag und Jahr. Des Glückes und der Größe. Wie Helche dachte. Das lehrte sie Frau Herrat. da er die Strafe büßte für ihr Weh? 1387–1392 . Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen dachte So stand im Glanz des Ruhmes durch sieben Jahr ihr Thron. blieb doch sein reiches Gut Und seines Landes Krone bei seinem alten Stamm und Blut. Bedacht war Kriemhild immer. Ob künftig je Die Stunde käme. solch edle Königin Gäb’ es in keinem Lande. Damals gebar Kriemhilde dem Gatten einen Sohn. Der Eltern Freude teilte das ganze Volk im Hunnenland. zwar heimlich.

Daß sie sich einem Heiden zur Ehe angetraut? „Um seiner Mörder willen ward ich zu einer Heidenbraut!“ Nie schlief in ihrem Herzen der Haßgedanke ein: „Ich bin so groß und mächtig. liebend bei seiner Frau zu sein.184 Wie war es möglich? Wodurch brächt’ ich ins Land ihn her? Sie träumte oft. Und sonderlich am Tronjer hätt’ ich mich allzu gern gerächt! Die mir getreu geblieben. Und Etzel froh war. Wie anders kam’s. Fest Hand in Hand geschlungen. – wie sehn’ ich sie herbei! Mit ihnen käm auch Hagen! Dann wär’s mir einerlei. doch trotzdem stets unversöhnlich blieb. der Kriemhild zwang Zur Feindschaft gegen Gunther. Ich könnte sühnen. Und ewig neu der Haß ihr die Tränen in die Augen trieb. als beide zuletzt das grause Schicksal traf! Es war der Teufel selber. sie ginge mit Giselher einher. Denn jeder neue Tag Quält mich mit gleicher Frage. Die Brüder einzuladen hierher ins Hunnenland. obgleich sie schon so lang Mit ihm versöhnt. Ich rächte den Geliebten.“ Sie dachte oft: Erbitten will ich’s von meinem Mann. Ob er in seiner Güte den Wunsch gewähren kann. scheint mir. strafen. – wie es und wann’s geschehen mag. Es ging ihr spät und frühe die Frage durch den Sinn: Wie brachte man sie ohne Zuneigung nur dahin. Und während eines Abends Kriemhild mit ihm allein. Argwöhnen konnte niemand. War sie bei ihrem Hasse. wie sie den schlimmen Wunsch verstand. Wie fern von ihm war doch sein Weib! 1393–1400 (1398) . Sie küßte ihn im Schlaf. Da sie ihm ja so teuer wie kaum sein eigener Leib. wie hart und wen ich möcht’. gewaltiges Gut ist mein.

ich möchte erleben hier im Land. Dann sagt. was mir fehlt? Das bitt’ ich dich. Daß ich mit deinem Herzen der Brüder Freundesherz gewann. Warum ich deinen Brüdern noch immer fremd geblieben bin. dann lüde ich sie gern.“ Da sagte Etzel offen und ehrlich.“ „Du weißt es“. Daß deine Huld beglücke. „Entbietet meine Grüße den Freunden in Burgund! Ich wünsche den Verwandten – das tut gefällig kund – Des Glücks die reiche Fülle. doch vielen ist nicht kund.“ Zwei Spielleute. ihrer Schwester. säh’n wir sie bald als Gäste hier. Wie mächtig sie. Vierundzwanzig Männer zu schützendem Geleit Gab Etzel seinen Boten. zur Fahrt vom Rhein hierher. das tut mir leid für mich und dich. Dann solltest deine Boten du senden an den Rhein. Die wurden mit dem Auftrag der Einladung betraut. versah sie gut mit Roß und Kleid. so nennt man hier oft „die Fremde“ mich. wie er war: „Warum sollt’ ich’s versagen? Es wäre undankbar. „wär’ nur nicht allzu fern Für sie das Ziel der Reise.185 Sie sagte zu dem König: „Mein lieber Mann.“ „Vielliebe Frau“.“ Sie freute sich. mich quält Schon lange eine Sehnsucht. Gewährst du. ihm teuer und sonderlich vertraut. Daß du sie wiedersähest. lieb wäre mir Und Kriemhild. ist dieser Wunsch auch dein. 1401–1410 . sprach Etzel. sprach die Königin. Daß sie uns nie besuchten. Sie bat: „Mein Herr und Gatte. „daß ferne in Burgund Mir die Verwandten leben.“ Er stimmte zu: „Schon lange geht es mir durch den Sinn. Beglückt mich deine Liebe doch reich. Schon reifte ihr Wunsch zu künftiger Gewähr. denk ich daran. die lieb mir sind und nah verwandt.

“ Der andere. Wärbelin. das ist die schönste Zeit. war ich wie sie ein Mann. Verhütet. Die Leute glauben nämlich. Wen ihr von den Verwandten auch dort am Rheine seht. dann sagt und prahlt vielmehr. Swemmelin genannt: „Wann wird das schöne Fest denn gefeiert hier im Land?“ „Wenn sich die Sonne wendet. Wie trüb mir oft zumute. ein Held! Und saget meinem Bruder Gernot. ich dächte an jedem Tage neu. so lieb wie er Wär keiner mir von allen in weiter Welt umher. an seine Bruderlieb’ und Treu. Erinnert. Erzählt auch meiner Mutter. Und Giselher. wie gut es mir ergeht. Besteht darauf! Nicht fehlen darf Hagen! Wer vermag Den Weg wie er zu weisen. – sah man sie hier doch nie – Ganz ohne edle Sippe stünd’ Kriemhild in der Welt. herkommen möchten sie. daß ihr einem Burgunden je gesteht. Ich sei vergnügt und ginge im Glücke lebensfroh einher.186 Da sprach der eine Spielmann. was ihr nur begehrt. Wie er mich nie verletzt hat. Längst war ich dort gewesen.“ Zur Königin berief man die beiden bald danach Ins Wohngemach. Getreulich ausführt alles. versprach: „Was Ihr gesagt. Auch bittet sie recht dringend. daß man Hagens Erfahrung nicht verschmäht. kennt er ihn doch seit Jahr und Tag!“ 1412–1419 (1411) . Mach’ ich euch reich und schenke euch alles. wo Kriemhild vertraulich noch zu ihnen sprach: „Nun hört mir zu und dient mir nach Wunsche recht und gut! Wenn ihr geschickt und sorglich nach meinem Willen tut. wie es mein Wort euch lehrt. Verlaßt Euch drauf! – bestellen wir und reisen unverzagt. Dann soll das Fest erhöhen die Sommerlust und Fröhlichkeit.

warum sie so bestand Auf Hagen. Rosse. Gewänder. 1420/21 .187 Die Boten ahnten wenig. zu rüsten unverwandt. Briefe mit Botschaft. das eilig sie von dannen trug. Die Sporen dann dem Pferde. – Doch nun galt es. Geld genug.

Er fragte rasch: „Wie steht es bei euch. daß jeder scheute des Königs Zorn und Herrschgewalt. denn Etzels Ansehn galt So viel. Um ihres Königs willen sorgt. Ihr Silber und Gewand War gut geschützt vor Räubern. Und von den Boten wurde gleich höflich ihm gedankt. In Bechelaren blieben sie für die Nacht zu Gast. Der ihnen Gruß und Wünsche für die Verwandten gab: „Sie sollen mir auf der Reise lieb und willkommen sein. daß man sie willkommen heißt!“ Herr Hagen grüßte beide. Wie Wärbel und Swemmel die Botschaft ausrichteten Bald war das Fest des Königs in aller Leute Mund. „Es gibt was Neues!“ rief er. und mit Recht!“ 1422–1437 (1433–1435) . „Besuch kommt hier ins Haus. dann kam bereits in Sicht Der Dom zu Worms.“ Den Reiseweg zum Rheine weit durch das fremde Land Kann ich hier nicht beschreiben. Woher. von wem gesandt. Bald stiegen sie in Passau beim Bischof Pilgrim ab.188 XXIV. Es sieht mir ganz so aus. Hagen allein war Tracht und Art bekannt. gut oder schlecht?“ Sie lachten: „Herrlich! Niemals war man so froh dort. Das wußte keiner. sobald sie angelangt. Auch daß schon auf dem Wege die Boten nach Burgund. Spielleute Etzels sind es. Dann schieden sie von Rüdeger erquickt. Als seien sie im Auftrag Kriemhilds hierher gereist. Komm ich in meinem Leben doch kaum zu ihnen an den Rhein. beschenkt nach kurzer Rast. Voraus lief zum Hofe das Gerücht. Sie brauchten nur zwölf Tage. Es kämen fremde Boten.

Bestürmten sie mit Fragen.“ Der König sprach bedächtig: „Laßt bis zur siebenten Nacht Den Wunsch mich überlegen. Der nahen Blutsverwandtschaft. und all der Ungeduld. Was bringt ihr von Etzel. Die Etzel und Frau Kriemhild von je für euch gehegt Und von dem Ruhmesglanze.“ 1438–1450 (1439/40. Ihr möchtet drum gedenken der alten Lieb’ und Huld.und Freundespflicht. Er grüßte sie und sagte: „Willkommen heiß’ ich gern Euch hier im Land. wie sie die Liebe hegt: „Warum kommt ihr nicht öfter an unsern Rhein? Ihr wärt Willkommen und wie Freunde besonders lieb und hochbegehrt.189 Man führte sie zu Gunther. das deutlich von aller Lieb’ erzählt. besuchen möchtet ihr König Etzel und Kriemhild. 1443) . Rings um ihn der Vasallen und Ritter große Zahl. Die Freunde will ich fragen. den schimmernd ihre Krone trägt. den ihr mir überbracht. Mit der sie euch entbehrten. Der saß im hohen Saal. eurem edlen Herrn? Wie geht es meiner Schwester in eurem Lande dort?“ Da sagte Wärbelin: „Ihr Glück ist groß. Euch und dem Könige gilt Ihr Wunsch. wär’s eure Lieb. ward uns von Etzel auferlegt: Tat er euch was zuleide? Er fragt. „doch meiner Zunge fehlt Das rechte Wort. Den Freunden und Verwandten am Hofe geht es ebenso. Kein Wort Beschreibt genug. indes in Ruhe ihr Euch pflegt nach aller Mühe der langen Reise im Quartier. Dies euch zu sagen. wie ruhmvoll sie thronen herzensfroh.“ „Gern glauben wir’s“.“ Auch Giselher und Gernot erschienen froh erregt. was euch bewegt. Sein Angesicht zu meiden. Und wär auch Kriemhild nicht So nahe euch verbunden. sprach Swemmel.

Nun nach der schweren Müh’ Bedacht auf Rast und Ruhe. der Siegfried totschlug mit dieser meiner Hand! Wie dürftet Ihr erkühnen Euch dieser Fahrt ins Hunnenland?“ 1451–1459 . Denkt immer dran. So geht mein Wunsch allein Und mein Gebet zur Tochter: Mög’ sie mit Etzel glücklich sein! Laßt mich’s erfahren.“ Wehmütig sagte Ute: „Es ist für mich zu spät. Wie herzlich auch verlangend zu ihr die Sehnsucht geht. verlangten nach der Herberg sie. „Wie hat euch ihre Botschaft gefallen. Daß Ihr uns Eure Mutter. zu schwer die Wege. wenn ihr zum Abschied uns verlaßt. Zu weit. So liebe Boten waren hier lange nicht zu Gast!“ Sie sagten’s zu und schieden. Frau Ute sehen laßt?“ Gefällig brachte Giselher sie hin. besuchen möchtet Ihr Mit Euren Söhnen Kriemhild. Mit dem. was euch geraten scheint!“ Sie rieten zu der Reise. wie’s seine Art war.190 Da fragte Wärbelin: „Wär’s möglich vor der Rast. als wäre sie der Tochter nah! „Der Herrin Herzensgrüße und Wünsche bringen wir Und ihre heiße Bitte. „Ihr wißt doch. was hier geschehen ist. Dem war der Plan zuwider. Nur Hagen stand allein. Nichts Lieberes geschäh’ Auf Erden ihr. als wenn sie euch alle einmal wiedersäh’. und was meint Ihr zu dem Vorschlag Etzels? Sagt mir. Ingrimmig sprach er: „Nein!“ Heimlich gewandt zu Gunther die Stimme sorgenschwer: „Ihr sagt damit Euch selber den Frieden auf!“ So warnte er. was wir taten. Indes berief der König den engen Freundesring. Ich war’s. Wie freudig sah Die Mutter auf die Boten. er stets zu Rate ging. daß Kriemhild es nimmer uns vergißt.

eh’ sie geschieden. Was kümmert’s mich!“ Der Küchenmeister Rumolt sprach warnend: „Bleibt zu Haus! Wie sieht hier doch das Leben freundlich für jeden aus! Könnt euch mit euren Gästen. dir allein Mag. dann hört auf Rumolts Rat. rot vor Zorn: „Den will ich sehn. Und Euch die Hunnenreise allzu gefährlich ist. Soll ich was sagen. und wenn Ihr selber den Tod im stillen scheut. Der euch von jeher immer die besten Dienste tat. – gut dann! Ich bin bereit. Langlebig ist die Rache und ungestillt in Etzels Weib!“ Da widersprach ihm Gernot: „Wenn jene Schuld erneut Euch schreckt. wagmutiger als ich! Wollt Ihr’s nicht lassen. Soll’n wir darum entsagen. unversöhnt im Herzen. war es auch sanft und süß. Nur Hagen. Womit sie durch die Boten Euch freundlich laden ließ. dann geht es an Ehre Euch und Leib. Und ihr bleibt hier zu Hause. – laßt doch Kriemhild bei Etzel sein. verzieh. die es kühnlich dran wagen. So bleibt doch hier zu Hause. Was einst ihr angetan ward. der Schwester Angesicht Je wieder anzuschauen? Nein. Wo ist es schöner als am Rhein? 1460–1466 . Hat sie Euch dort. mit Freunden gütlich tun! War Hagens Rat doch immer der beste! So befolgt ihn nun! Und wollt ihr ihm nicht folgen. vor aller Not bewahrt. Und laßt nur. der immer als Euer Führer vorn Den Zug geleiten könnte. teilen unsere Fahrt!“ Der Tronjer wallte grimmig verletzt auf. sie feindlich noch gesonnen sein.“ „Laßt Euch ihr Wort nicht trügen. denn längst versöhnte sie Sich mir. Eurem Rate folg’ ich nicht!“ Es höhnte Giselher ihn: „Da Ihr Euch schuldig wißt.191 Dagegen meinte Gunther: „Kriemhild vergaß.

schützt euch und nehmt der Waffen wahr. den Spielmann nannte jeder ihn. Die Ladung zum Aufgebot erging. Wie jeder gern den Aufruf zu froher Fahrt vernimmt. „Da Kriemhild uns ja lud Mit schwesterlichen Worten. wie es dort stehn mag. Güter. daß es allen fast königlich erschien. bleibt zurück! Wer weiß. Die sollten bei den Hunnen getreulich ihm zur Seite sein. Dreitausend Helden stiegen zu Pferd und folgten flink. So edel Volkers Blut war. ob Unheil und Verrat Nicht auf euch lauern. Sorglos ihr Herz. und dennoch war ihnen Not und Tod bestimmt. – nun gut! der sag’s und bleibe hier!“ Drauf mahnte Hagen düster: „Ich warne vor Gefahr! Wollt ihr’s nicht lassen. Warum entsagten wir? Doch wer nicht gerne mit will.192 Vor euren Feinden sicher sitzt warm ihr und getrost. um eurer Frauen Glück! Wagt nicht so unbesonnen das Leben. Wer hat in aller Welt wohl ein schöneres Glück erlost? Wo wären Schätze.“ Der Rat war gut. die ohne Furcht und Fehl In Helm und Harnisch blitzten. daß euch Böses von Kriemhilds Arglist widerfährt. Ich rat’ euch: Tausend Ritter mit ihrem guten Schwert Verhüten. so reich wie hier zu schaun? Trinkt Wein vom allerbesten! Freut euch der Liebe eurer Frau’n! Bleibt hier um ihretwillen. Sein Bruder Dankwart führte auf Hagens Marschbefehl Die achtzig besten Männer. Der sang und strich gewandt Die zarten Fiedelsaiten. Sie meint es mit uns gut. 1467–1477 . Bleibet im Lande! Das ist Rumolts Rat. Und ebenso auch Etzel.“ „Wir bleiben nicht!“ sprach Gernot. Der Helden Kampfgewand War herrlich. Mit dreißig Mann kam Volker. zu Gunther an den Rhein.

Dann seid gesichert ihr. eine Schar. sagte Swemmel. was bisher nicht geschehn. Er riet: „Nur sieben Tage als Vorsprung geben wir. „Kommt morgen! Wenn bis dahin ihr Unmut sich verlor. Dann wird sie euch empfangen. gar oft in früherer Zeit Bewährt in manchem Streite in ihrer wilden Tapferkeit. Doch Volker hintertrieb es. Den Boten Etzels freundlich. Behaltet sie. Urlaub verlangten täglich sie zu der Fahrt nach Haus. Der sprach: „Wir nehmen dankbar Herrn Etzels Vorschlag an. Doch wehrten sie: „Da Etzel. Zu Gunther rief man die Boten dann. Eh’ wir das Land verlassen. „Nicht in der Stimmung ist sie heut abend“. „laden sie Euch ein. es verbot. Frau Brünnhild noch zu sehn.“ Endlich gewährte Gunther. Vor ihrem Abschied sollten nach alter Botenart Sie Dankgeschenke nehmen als Lohn für ihre Fahrt. Wir leiden keine Not. Sie wußten nicht.“ Doch auch am anderen Tag Gab’s wieder Hindernisse. Da ihr Verzug nur Tadel erwarb statt Dank und Lohn. Doch sagt. gab er vor.193 Aus allen wählte Hagen nur tausend. Wird gegen euch ein Anschlag heimtückisch dort geplant.“ 1478–1489 (1482) . wann soll’n wir kommen. woran es lag. eh’ Kriemhild es ahnt. Erlesen und erprobt schon in mancherlei Gefahr. Es waren harte Kämpfer. Er tat es ihr zulieb. Die Boten Kriemhilds standen verdrießlich wartend schon. der König.’’ Die Zeit war da. Doch Hagen – klug bedachte er seine Weigerung – schlug es aus. Seid stark und überlegen beim Angriff. Die jedem guten Worte in hartem Trotz verschlossen blieb. Es fehlt uns ja nichts. wann soll der Festtag sein?“ „Zur Sonnenwende“.

Sich rüsteten zur Reise ins Hunnenland zur Sonnwendzeit. Doch drang sie wißbegierig rasch auf die Boten ein: „Wer kommt von all den Meinen? – Wer hat den Plan gewehrt? Was sagte Hagen. Gastfreundlich aufgenommen im Schloß zu Bechelaren. Sie nahmen’s an. da willigten sie ein. hierher zu reisen. beteuerte. schien sie doch froh zu sein. so sagten sie. Ließen sie es Rüdeger und alle dort erfahren. Beim Bischof erst rasteten sie kurze Zeit. Daß die Burgundenkönige. ihm war wie vor dem Tode bang. Dann standen sie vor Etzel. Herr Volker. Bis Schwaben ritt Von Giselhers Gefolgschaft ein Schutzgeleite mit. Doch ihres Herren Name war mehr als gut Geleit. Doch Eure Brüder waren entschlossen alle drei. Der Spielmann nur. Freigebig dankte Kriemhild. wie Tod und Untergang.194 Als König Gunther zürnte. in kurzem fahrtbereit. Hierher zu reisen hieß So viel ihm wie Verderben. der König sei in Gran. Doch als sie dort erfuhren. Bereit. geschah es aus Liebe doch um Kriemhilds will’n Dann schieden beide fröhlich von Worms. Rasch ging die Fahrt. als er von unserer Einladung gehört?“ „An einem Morgen war es“. Ist unbekannt geblieben und ward uns nicht erzählt. Von ihren Lippen kam Aus Worms die schöne Kunde. Mit Gold und seidenen Borten der Boten Hand zu füll’n. Auch Mutter Ute ließ es gern ihre Sorge sein. Spornten sie die Rosse zu schärfstem Trabe an. „er ließ Kein gutes Haar an allem. daß er nicht fehlt!“ 1490–1501 . die jeder hocherfreut vernahm. So reisefroh die anderen. Wer aber noch dabei.

die Hände regend. „Doch Hagen hier zu haben. hörte er ihren Worten an: „Mein lieber Herr. das war nach meinem Sinn. gefällt Euch die Nachricht ebenso? Wie bin ich der Erfüllung all meiner Wünsche endlich froh!“ „Dein Wunsch ist meine Freude“. „fehlte doch Auch mir der nah Verwandten vertraute Freundschaft noch.195 „Den könnt’ ich leicht entbehren“. denn viel gab es zu tun. daß mir sein Anblick nicht entgeht!“ Dann wandte sich die Königin und ging zu ihrem Mann. Wie sie beglückt war. Weil keiner von den deinen uns zu besuchen kam. War keiner doch von allen gefaßt auf künftigen Kampf und Haß.“ Die Amtleute des Königs gingen voll Eifer nun Ans Werk. sprach Etzel. 1502–1505 . Zu rüsten und zu schaffen für Herberg und Gelaß. sagte die Königin. All mein Verlangen steht Auf diese eine Hoffnung. Denn ihm bin ich gewogen. Um ihretwillen freut’s mich. daß diese Sorg’ ein Ende nahm.

wie Kriemhild an ihrem Fest sich freut!“ So riet er zu.“ 1506–1512 (1508) . Dem Schutze unserer Könige dient dort manch tapfere Hand. „der vergißt Oft leicht. Dazu die sechzig Helden. doch hat ihn die Reise später sehr gereut. wie’s ging und stand zu Haus. Lebendig ward’s am Hofe zu Worms von Mann und Roß. so träumt’ ich letzte Nacht.196 XXV. wenn Ihr zu Hause bliebt. Da aber wies ihn Gernot mit hartem Wort zurecht: „Wie Eurem eigenen Rate Ihr heute widersprecht! Ihr warntet vor der Reise!“ – Und zornig schloß er dann: „Ihr scheut die Fahrt. Wie die Herren alle zu den Hunnen reisten Wir schweigen von dem Leben. daß seine Ehre dabei gefährdet ist Und kann schwer unterscheiden. Manch einer weinte später. Wir woll’n doch sehn. Von Rittern. tausend Knechten. der sie heut fröhlich scheiden sah. Sei’n tot herabgefallen. Laßt uns nur ruhig reiten in König Etzels Land. Zum Feste ging es ja.“ „Kehrt einer sich an Träume“. Das Traumbild hat mir angst gemacht. Geht es nach meinem Wunsche. und ihrem ganzen Troß. Die Vögel in den Lüften. Nie fuhr noch eine Mannschaft mit schönerer Hoffnung aus Und reicher ausgestattet zur Fahrt in fernes Land. Am Tage vor dem Abschied sprach Ute tief betrübt: „Es wäre mir viel lieber. dann unternimmt mein Herr den Zug. was falsch ist oder klug. Gut waren sie versehen nach Wunsch mit Waffen und Gewand. sprach Hagen. denn immer denkt Ihr an Kriemhilds toten Mann.

„da du der Treuste bist. Beim Anblick ihrer Männer. gebietet! Dann greift nur wacker zu! Gern sitz’ ich auf und reite mit Euch in Etzels Land. Der warnte Gunther heimlich nochmals vor künftiger Reu: „War doch nach meinem Sinne die Reise nicht. Sie nagt und zehrt am Glück. Wo einer weint und leidet. Wenn Ihr es wollt. das Herz von trüber Ahnung schwer. zu Pferd im Zug gereiht. Gespannt am Ufer standen rings Hütten und Gezelt. Da riß sich los.197 „Furcht war es nicht“.“ Schon standen Knecht’ und Pferde bereit.“ So sprach er. Wie er so lebensfreudig und stolz im Sattel saß. Kam über alle Frauen die Abschiedstraurigkeit.“ „Dir!“ sagte Gunther herzlich. daß mein Kind vor Fährnis und Weh geborgen ist. dessen Hieben kein Schild und Helm einst widerstand. Doch sagt. sprach Hagen. Schlimm ist so lange Trennung. „riet ich Euch nicht dazu. Ein Lager deckte drüben weithin das grüne Feld. Noch mancher schlang Den Arm um die Geliebte. Wie keiner sonst war Rumolt dem Könige getreu. beweint’ es einst im Übermaß. da uns von Kriemhild nichts zuleid geschieht. Am frühen Morgen brauste der Feldposaunen Klang. wer zögernd in liebem Arme lag. Wie weh tat ihren Herzen der letzte schwere Augenblick! 1513–1521 (1514) . Wem Ihr indes die Sorge für Land und Leute übertragt. Zum Scheiden – nach dem Plane Kriemhilds zum letzten Scheidetag. da tröste sein Gemüt. Wir kommen wieder. eh’ er aufs Roß sich schwang. Sorg. Behielt ihr Auge ewig. Ging heller Flötenjubel den Uferrand entlang. Brünnhilde bat den König: „Bleib hier!“ Die Nacht vorher Liebkoste sie den Gatten.

War doch die Landschaft fremd oft.“ 1522–1529 . Der König mit den Seinen stand zaudernd. Bald schlossen sich dem Zuge die Nibelungen an.“ Sprach Hagen. Die Hoffnung war gering. Ostfranken blieb zurück. wo sanfter das seichte Wasser geht Und einen Übergang dir für Mann und Pferd und Troß verrät. Auswege weißt du immer zu unserem Heil genug. Wie es auch stand zu Hause. Jetzt sprang er dicht am Ufer vom Sattel in den Sand. „Denn die Donau führt Hochwasser. ihr Blick ging hell voraus Ins ferne Blau. Such eine Furt. vergessend. ihr seht’s. „Übel steht’s.198 Doch die Burgunden hielt es im Lande nun nicht mehr. Indes er nah zum Grasen sein Pferd an eine Weide band. weithin geschwollen ging Die Flut in breiten Wogen. Wie oft sah’n ihre Frauen nach ihnen aus. Als allererste Spitze ritt Hagen weit voran. was still und traurig blieb zu Haus. war er dazu der rechte Mann. Als Führer durch die Gaue wies Hagen sein Geschick. und doch Vergeblich stets. Die Reise ging zum Mainstrom. Zu Kreisen schwell’n die Strudel und reißen in den Grund Womöglich heute manchen. Jenseits das fremde Land Lag fern und unerreichbar. Tausend Mann im Panzer sprengten sie heran.“ „Wozu die Sorge?“ sagte der König. In Kriemhild brannte ja Siegfrieds Wunde noch. die Straßen unwegsam. wie bang und kummerschwer Die Abschiedstränen flossen. Ringsum kein Schiff zu sehen. Bis über Schwanenfelde man an das Donauufer kam. Landkundig. der gestern fröhlich und gesund. „du bist klug. Den Strom zu überqueren. tapfer. Sie saßen ab am Uferrand.

Hinauf.“ Sie schwebten wie die Vögel vor Hagen auf der Flut. Bleibt hier! Ich streif’ indessen entlang am Uferrand Und suche einen Fergen für unsere Fahrt ans Land.“ 1530–1537 (1532) . Drei Meerfrau’n. schicksalkund. „mein Leben ist mir noch Zu schade zum Ertränken in diesem Wasserloch. uns Frauen ward Weissagung verliehn. als Ihr erfahrt.199 „Das geht nicht“. Das Hagen ihnen hurtig mit einem Griff entwand. Die höhere Ehre brachte und größeren Ruhm. So ward. Hadburg mit Namen. daß sie ihn sah’n. ihn: „Herr Hagen. Das ist mein heiß’ Verlangen – erst muß noch mancher Mann Mir in den Tod vorangehn. daß sie ihm entrannen. lachte Hagen. Erlabten sich im Wasser beim Bade auf dem kühlen Grund. Es plätscherte ein Brunnen. Froh. Noch niemals unternommen ward eine solche Fahrt. Da hörte er ein Rauschen. Da bat das eine Meerweib. Aufhorchend blieb er stehn. So wahr mein Wort und Wesen – ich setze es zum Pfand –. wißt. Wo Gelfrat herrscht. Da lag noch ihr Gewand. Es schienen ihm die Worte geheimniskund und gut. Sie sagte: „Reitet weiter getrost in Etzels Land. was dort Ihr im Hunnenland erlebt. Heimlich schlich er näher. hinab am Ufer – kein Fährmann war zu sehn. bevor ich selber sterben kann. Wenn ihr dafür zum Danke uns unsere Kleider wiedergebt. schnell ihm offenbar. was er zu hören begehrte. Wir künden Euch. Entflohen sie und bargen sich schnell auf grünem Plan. Doch kaum. Hell blinkend in der Brünne schritt Hagen frei und unbeschwert. Um so gewisser hielt er die Weissagung für wahr.“ Er raffte behende Schild und Schwert.

Wie sollte das wohl kommen. steht’s so schlimm. kluge Frau. Als Sigelind. Alle. „wenn Ihr betrügerisch droht. Denn wisse. Willst du zur Heimat wieder. vernimm den guten Rat: Flußaufwärts zu dem Fährhaus führt dich der Uferpfad. sonst keiner weit umher. Dort oben wohnt ein Ferge. Nun sage. daß ihr dorthin nur eingeladen seid.“ Unmutig kehrte Hagen sich ab und fragte gar nicht mehr. wie es mit ihrem Wort bewandt. die zweite. wer wünschte unseren Tod? Sagt an. Aldrianes Sproß. der Kaplan nur des Königs. 1538–1544 . Daß wir zugrunde gehen. die mit ins Hunnenland Als frohe Gäste reiten. sagte Hagen. Betört hat meine Muhme dich listig um ihr Kleid. noch ist zur Umkehr Zeit. ein schwanengleich Gewand. Sie schlüpften in die Hülle. Drum gab er ohne Zögern die Kleider wieder hin. Um dort zu sterben. Wie kommen wir hinüber? Zeig mir den Weg dahin genau!“ Sie sprach: „Willst du’s nicht anders. kehrt gesund Von eurer Todesreise glücklich gerettet nach Burgund. Hagen. Denn tödlichem Verderben bist du im Hunnenland geweiht.“ Da sann der Tronjer lange und fiel in düsteren Grimm: „Ich muß es meinem Herrn verhehlen. eigens nach Hagens Wunsch und Sinn.200 Das waren Worte. Dann sagten sie erst deutlich. die hat der Tod schon in der Hand!“ „Zwecklos ist“. wer will uns treffen? Wer haßt uns denn so sehr?“ Da offenbarten beide von künftigen Dingen ihm noch mehr: „Es ist gefügt vom Schicksal und kann nicht anders sein: Keiner von euch allen wird wiedersehn den Rhein. Ein einziger. der Worte Sinn erschloß: „Dich will ich warnen.

die Stimme von Zorn und Grimm erfüllt – Wie Sturmeslaut. Bis er am anderen Ufer das Fährhaus ragen sah. Elses Vasall. ein kühner Held. Sein Dienst war keine Pflicht.“ 1545–1552 . Denn er ist zornigen Sinnes. Spart nicht das Fergengeld. Ferge! Hol mich! Dich lohnen will ich gut! Denn schnell muß ich hinüber. Dann hütet Euch. Er schwieg und weiter schritt er den sandigen Weg entlang. Hagen stand hilflos vor der weiten Flut. Denn Gelfrat hat zum Hüter des Donaustromes ihn bestellt. auch wenn’s ihm nicht gefällt. sonst seid Ihr ihm als Feind verhaßt. Hier ist ein Herr im Land. Denn ich belehr’ Euch noch. Jenseits des breiten Wassers am hohen Strande lag es da. Sein Bruder herrscht in Bayern. so laut er konnte. Und zeigt er nirgend sich. Der diese Mark behütet. Dann ruft laut übers Wasser. der glücklich dem Feind und seinem Haß entrann. der brausend rauh über’s Wasser schwillt: „Hol über! Hier ist Amelrich! Ich bin der Mann. Er rief.201 Da rief das eine Meerweib: „Herr Hagen. wartet doch! Voreilig geht Ihr fehl sonst. Die überfahrt zu zwingen. um Geldlohn fuhr er nicht. Gleich wird er sich bequemen. Wollt Ihr die Mark durchqueren. seid wachsam. auf Widerstand gefaßt! Behandelt gut den Fergen. Auch seine Knechte hielten zum Dienste sich zu gut. Gelfrat. So kam denn keiner. Er ist Herr Else genannt. Da rief er laut. Ihr wäret Amelrich.“ Der stolze Hagen neigte den Frauen sich zum Dank. hin über Strom und Flut: „Hol über. Vom besten roten Gold Ein Armring soll dir werden als Dank und guter Fergensold!“ Groß war des Fährmanns Reichtum. Ihn kümmerte kein Bitten.

Daß er mit Heuchelworten von Hagen überlistet ward. Da schalt der Ferge zornig: „Soll’s nicht dein Schaden sein. Und hob ihn in die Sonne. Doch große Sucht nach Schätzen erwirbt am End’ nur Tod und Schmach. Mir bist du fremd. da sah er Hagen an. Mit deinem Schiffe bring’ Hinüber tausend Männer mit Rossen und Gerät!“ Der höhnte: „Nie geschieht es. denn einen ganz anderen meinte ich. Doch als es lag am Ufer. Fremd bin ich hier. Mit einer Stange hieb er dem Tronjer übers Haupt. Mit starken Schlägen brachte er schnell das Boot heran. Ingrimmig schalt der Ferge: „Heißt du auch Amelrich. dann räume gleich den Kahn! Uns haben fremde Feinde genug des Übels angetan!“ „Versag es nicht!“ rief Hagen. 1553–1561 .202 An seinen Schwertknauf band er den Armring. daß ihn ein Trugwort. Doch kam es für den Fährmann viel schlimmer. „zum Dank nimm diesen Ring! Ich bin in Not und Sorge. Zum Ruder griff der Ferge. Nehmt guten Sold für Eure Müh’!“ Mit mächtigem Satz sprang Hagen ins schwanke Schiff hinein. daß Hagen hinstrauchelnd sank ins Knie. Geschwister waren wir. Bleibe hier!“ „Verweigert’s nicht!“ rief Hagen. so fahr’ ich dich nicht hinüber. Ich will nie Euch diesen Dienst vergessen. Da du mich trogst. Wenn dir dein Leben lieb ist. Enttäuscht. Führt mich um Gottes willen hinüber. Gierig war er danach. „Gebt Raum!“ so tobt’ und schrie Und schlug er drein. „Ich lohne es Euch gern. goldig rot. daß ihr ans andere Ufer geht!“ Ein langes Ruder griff er. Von gleichen Eltern stammend. und sorgen muß ich für meine Herrn. ein falscher Ruf genarrt. als er je geglaubt. ein lockend Angebot.

So stark er rudern mochte. Was kümmert’s mich! Ist keinem doch heut ein Leid von mir geschehn. Die Tat gab er erst später den Freunden in der Ferne kund. wo sich ein Wald Am Ufer hob. Das er mit einem Schildband dann mühevoll zusammenband.“ Unmutig klagte Gernot: „Die schlimmste Not beginnt. In Sorgen ihn befragte: „Sag. Die sah’n wie von dem Boden des kleinen Schiffes stieg Der Rauch des frischen Blutes.203 In grimmigem Zorn griff Hagen nach seinem Schwert und schwang Es. Ich fürchte fast. es sank ihm fast der Mut. das Schicksal rüstet uns allen einen bösen Tag. der verwundert das Blut im Schiffe sah. Und habt auf mich Verlaß! War ich doch sonst am Rheine als Steuermann bekannt! Ich trau’ mir’s zu. der uns durch Flut und Wind Ans ferne Ufer drüben hinübersteuern mag.“ Doch laut befahl schon Hagen: „Ihr Knechte. was geschah? Kein Fährmann ist zu sehen.“ Er leugnete und sagte: „Ich fand das Schiff am Strand. daß dem Fährmann das Haupt vom Rumpfe sprang. Mir schwant. Kein Fährmann in der Nähe. und doch schwimmt hier ein Boot Mit roter Last im Kiele. Hinüber bring’ ich Euch heut in Gelfrats Land!“ 1562–1570 . Hagen. Vom harten Schwunge brach ihm das Ruder in der Hand. Endlich gelangte Hagen dahin. Sie fragten. Von einem Fährmann hab’ ich rings keine Spur gesehn. aber Hagen schwieg. Doch trieb das Schiff indessen im Strome mit der Flut. Wo ich’s – verlassen schien es – von einer Weide band. Dort fand er die Fahrtgenossen bald. Das nahm er und versenkt’ es im tiefen Stromesgrund. Bis Gunther. du schlugst ihn tot. legt ins Gras Die Sättel und Geschirre.

Schnell packte ihn der Tronjer. Er konnte zwar nicht schwimmen. mit ihm war Gottes Hand. Ob zwar die starke Strömung auch einige abwärts trug. Er wandte sich zum Lande. Doch sann er finster nach Dem Wort. doch trieb er glücklich an das Land 1571–1579 . doch Hagen stieß und zwang Zurück ihn in die Fluten. Er fand den frommen Pfaffen. Sie schwammen gut. Blieb ihnen doch zum Kampfe mit Strom und Wellen Kraft genug. Doch kümmerte sich Hagen um ihn und Gernots Zorn nicht mehr. Griff aus nach Freundeshänden. Hagen sah’s und sann. der Tod schien überall. und sicher erreichten sie den Sand. Dann ward das Schiff beladen mit der kostbaren Fracht An Waffen. Der Pfaffe schwamm und kämpfte im grausen Wogendrang. Verzweifelnd an der Hilfe rang hart er mit dem Schwall. Gold und Kleidern. Die Ritter und die Knechte. versunken im Gebet. Schien allen doch im Schiffe sinnlos die Tat und grauenvoll. das vom Kaplane das fremde weise Meerweib sprach. errett’ ihn!“ Heftig schalt Giselher. Es wartete das Unheil schon auf den armen Gottesmann. Nun griff zum Ruder Hagen. Den ganzen Tag lang ging es die Ufer hin und her. von Hause mitgebracht. Das sollte ihm nichts nützen. und meisterlich gewandt Hielt er das Schiff im Strome zur Fahrt ins unbekannte Land. der still sein Weihgerät Umschlossen hielt in Händen. Mit einem harten Griff Hob er ihn hoch und warf ihn im Schwunge aus dem Schiff.204 Die Pferde trieb man eilig ins Wasser. Sie schrien: „O Herr. Er sah sich um und suchte. Der Männer Unmut schwoll. leicht bemannt. endlich das ganze Heer Bracht’ er gesund hinüber.

Die Saumtiere beladen mit ihrer reichen Last. schwang es aus Kräften und begann. was immer auch geschah. der bange ist. Und was er sann und dachte. Bruder. was ihm behagt’. nutzlos das gute Boot? Wir brauchend doch zur Rückfahrt!“ – „Damit hat’s keine Not!“ Sprach Hagen: „Schrecken soll es den Mann. Fehlt für die Flucht das Boot ihm. Wir alle müssen sterben. gefiel. Zum Schwert griff Hagen. bis es in Stücke brach. 1580–1585 . Gunthers Kaplan allein Mußte einsam heimwärts zu Fuße wandern an den Rhein. Das Schiff entzweizuschlagen. Aber Dankwart sprach: „Warum zerstörst du.205 Da stand der arme Priester und schüttelte das Kleid. am Ufer Roß und Mann. und keiner kehrt heim nach Burgund! Das Schiff war bald entladen. Nur einen. sah Man stets auf Hagens Seite. – Gerettet! Hagen sah es und wußte nun Bescheid! Die Wahrheit sprach am Brunnen der Weiber weiser Mund. Alles war gut gegangen.“ Die meisten waren zornig. Das fügte er in Worte zu einem zierlich hübschen Spiel. vergeht dem Feigen sein Gelüst. Volker. Gesattelt waren wieder die Pferde nach der Rast. Dann warf er all die Trümmer ins Wasser.

206

XXVI. Wie Gelfrat von Dankwart erschlagen wurde
Am Ufer stand zum Aufbruch bereit das ganze Heer.
In Sorge fragte Gunther: „Wer soll uns kreuz und quer
Durchs Land die Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?“
„Ich!“ meldete sich Volker, „ich will den Führerdienst versehn.“
„Steht still!“ befahl da Hagen. „Ihr Herrn und Knechte, hört!
An einem Brunnen haben zwei Meerfrau’n mich gelehrt:
Wir alle säh’n die Heimat nicht wieder! Nun, so laßt
Uns um so tapferer kämpfend begegnen jedem, der uns haßt!
Ich glaubte, aus den Weibern sprach’ Lüge nur und Trug.
Sie sagten, keiner kehre nach Haus von unserem Zug
Als der Kaplan. Dem bliebe allein das Glück verhängt,
Am Rhein zu sterben. Wahrlich! Ich hätte gerne ihn ertränkt.“
Das Wort durchflog die Reihen und ging von Schar zu Schar.
Kein Wunder, daß manch Antlitz bleich ward und traurig war.
Das Grauen spürten alle. Sie sah’n bei diesem Zug
Den sicheren Tod vor Augen. Die Not war groß, die jeder trug.
Hagen rief: „Zu Feindschaft und Haß hab’ ich entflammt
Gelfrat und Else beide. Der treu das Fergenamt
Für sie versah, – ich schlug ihn zu Tode. Seid gefaßt,
Sie greifen an. Dann achtet, daß ihr sie nicht entrinnen laßt!
Sie schäumen, werden beide, was ich getan, gewahr.
Laßt langsam gehn die Pferde, sonst meinen sie wohl gar,
Wir eilten, uns zu retten durch hastige Flucht ins Land.“
„Der Rat ist gut!“ sprach Giselher, „es brächte Schmach und Schand.“

1586–1593

207
Als Führer an der Spitze saß Volker schon zu Pferd.
Der Straßen war er kundig, auf Fahrten oft bewährt.
Die stählern blanke Brünne, die stand dem Spielmann gut.
Er band an eine Stange ein helles Fähnlein, rot wie Blut.
Gelfrat und Else hatten, zu hitziger Wut entfacht,
Ein Heer, den Mord zu rächen, eilig herangebracht,
Tatengewöhnte Männer, bewährt in manchem Streit,
An siebenhundert standen zu schneller Hilfe kampfbereit.
Sie saßen auf und folgten gefügig ihren Herrn.
Die spornten ihre Rosse. Sie hätten gar zu gern
Schnell eingeholt die Feinde, den Zorn, die Wut gekühlt.
Doch wurden sie bald inne, gefährlich Spiel ward hier gespielt.
Denn Hagen hatte klüglich mit vorbedachtem Rat
(Wer sorgte für die Freunde besser, als Hagen tat?)
Vorsorglich schon die Nachhut besonders stark gemacht.
Mit Dankwart und den Seinen hielt Hagen selbst die Rückenwacht.
Der Tag war hingegangen, die kühle Nacht brach an.
Die Not wuchs mit dem Dunkel, darin das Licht zerrann.
Sie ritten still und wachsam, den Schild fest in der Hand.
Der nahe Angriff drohte. Im Dunkeln lag das Bayernland.
Da, rings zu beiden Seiten, im Rücken klang es auf
Von dumpfen Rosseshufen. Ein großer Reiterhauf’
Kam eilends nahe. Dankwart rief laut: „Nun geht es an!
Bindet die Helme fester! Und kommen sie, dann drauf und dran!“
Die kleine Schar der Nachhut, wie’s üblich ist, hielt ein.
Schon blinkte aus dem Dunkel der Schilde lichter Schein.
Da schwieg Hagen nicht länger: „Wes Männer seid ihr, sagt,
Daß ihr uns auf der Straße im Dunkeln anzufallen wagt?“

1594–1602

208
Da gellte aus dem Haufen Gelfrats Stimme hell:
„Wir suchen einen Fremden – drum ritten wir so schnell –,
Der meinen Fergen heute erschlug. Wir suchen hier
Nach diesem Feind, denn unseren getreuen Mann betrauern wir.“
Hagen rief hinüber: „Der Ferge war dein Mann?
Der wollte uns nicht fahren. Ja, ich bin schuld daran,
Ist er nicht mehr am Leben. Er hat mich hart bedroht,
Ich mußte mich doch wehren, er schlug mich selber beinah tot.
Gold bot ich, wie es üblich und Fergen wohl gebührt,
Hätt’ über Strom und Fluten er willig uns geführt.
Doch nahm er eine Stange, griff an und hieb und schlug
Gewaltig mich zu Boden, bis es mein Grimm nicht mehr ertrug.
Zum Schwerte griff ich, wehrte mich hart und traf und hieb
Ihm eine Todeswunde, daß jener liegen blieb.
Und dünkt’s Euch gut, zur Sühne bin ich sofort bereit.“
Schon brannten beide Gegner in tapferem Drang auf Kampf und Streit.
„Wir wissen wohl“, rief Gelfrat, „an diesem Ort vorbei
Ritt Gunther mit dem Heere. An seiner Stelle sei
Hagen von Tronje Bürge für jenen üblen Schlag,
Der mir den Fergen raubte, und den er tödlich büßen mag.’’
Dann senkten beide Gegner die Lanzen auf den Schild.
Gelfrat und Hagen stürmten heran gereizt und wild.
Else und Dankwart trieben vorwärts mit Zaum und Sporn
Die Rosse aufeinander, erglühend ganz in Wut und Zorn.
Wo hätten bessere Helden gemessen ihre Kraft?
Getroffen stürzte Hagen im Prall von Gelfrats Schaft.
Das Brustzeug seines Pferdes zerriß. Er sank ins Gras.
Was Sturz und Fall bedeuten, erfuhr er hier in vollem Maß.

1603–1609

209
Denn Gelfrat, abgesessen, kam jäh im Sturm heran.
Doch als nach hartem Sturze Hagen die Kraft gewann,
Erhob er sich und wehrte dem Gegner. Gelfrat schwang 
[zersprang.
Das Schwert auf ihn, daß klirrend vom wuchtigen Schlag sein Schild
„Zu Hilfe, lieber Bruder!“ so rief er Dankwart an.
„Ein wahrer Held, mein Gegner! Hilf mir und komm heran,
Sonst muß ich ihm erliegen!“ Dankwart sprang brüderlich
Ihm bei und drohte Gelfrat: „Ein Ende mach’ ich! Hüte dich!“
Er hob die scharfe Schneide und traf mit hartem Schlag
Gelfrat aufs Haupt, daß dieser im Blut am Boden lag.
Es hätte Else gerne des Bruders Fall gerächt.
Doch war er selbst verwundet. Um seine Sache stand es schlecht.
Der Bruder und noch achtzig der Seinen hingerafft,
Und auch die anderen alle am Ende ihrer Kraft.
Sie wichen und entkamen zuletzt mit knapper Not,
Verfolgt noch von den Tronjern, bis Dankwart endlich Halt gebot.
An hundert Bayern lagen im Gras. Die büßten hart
Für vier Burgunden, deren Verlust betrauert ward.
Nun fanden sich die Männer allmählich wieder an,
Kampfmüd und wund, im Arme den Schild, von dem das Blut noch rann.
Es floß aus nächtigen Wolken das Mondlicht trüb und falb.
„Verschweigt dem lieben Herren, warum wir seinethalb
Hier in der Nacht gefochten“, sprach Hagen. „Mögen sie
Im Schlafe sorglos ruhen. So hören sie’s erst morgen früh.“
Doch mancher war vom Kampfe ermüdet, matt und wund.
„Wie lange soll’n wir reiten?“ ging es von Mund zu Mund.
Auch Volker, der die Sorge für Knecht’ und Pferde trug,
Ließ fragen: „Wann gibt’s Ruhe? Für heute haben wir genug!“

1610–1622 (1611)

210
Doch barsch versetzte Dankwart: „Das weiß ich selber nicht.
Wir halten erst und ruhen im neuen Tageslicht.
Und wie wir es dann finden, da ruhen wir im Gras.“
Das hörte mancher ungern und ritt verdrossenen Sinns fürbaß.
Wie schlimm sie zugerichtet in heißer Kampfesnot,
Wies sich, als über’m Berge aufstieg das Morgenrot.
Verwundert sah’s der König und fragte vorwurfsvoll:
„Seid ihr so stolz, daß keiner von uns im Kampf euch helfen soll?
Wie geht es zu, Freund Hagen, daß Ihr im Kampfe steht
Und dabei jede Hilfe der anderen verschmäht?
Voll Blut ist Euer Panzer. Wer hat’s Euch beigebracht?“
Er sagte: „Das tat Else. Der überfiel uns diese Nacht.“
Die Fahrt ging weiter. Passau war nächstes Reiseziel,
Wo’s ihnen bei Herrn Pilgrim, dem Bischof, gut gefiel,
War doch der Oheim glücklich, die Neffen dort zu sehn.
Sie ließen sich zur Freude den Tag vergnügt vorübergehn.
Dann nahten sie den Grenzen der Mark, wo Rüdeger
Das Land weithin beherrschte. Als Grenzwacht hielt die Wehr
Ein Mann, den Hagen liegend, in Schlaf versunken, fand,
Und dem er dabei listig die Waffe aus den Händen wand.
Es war der Ritter Eckewart, der, überrascht erwacht,
Nun sah, wie er als Wächter schlecht auf sein Amt bedacht:
„Weh mir der Schande! Rüdeger, mein Herr, was tat ich dir!
Seit Siegfried tot, gedeihen zum Unheil alle Tage mir.“
Das rührte Hagen: „Nimm hier zurück dein gutes Schwert,
Sechs Armringe dazu noch! Du bist mir allzu wert.
Die alte Lieb’ und Freundschaft bleib’ zwischen uns bewahrt.
Auch schwach und einsam wachend bist du ein Mann von rechter Art!

1623–1634 (1626/27)

211
„Gott lohn’ Euch Eure Ringe!“ versetzte Eckewart.
„Doch wißt, daß hier im Lande nichts Gutes Eurer harrt.
Ihr schluget Siegfried. Wahrt Euch! Das ist mein guter Rat.
In einem harten Herzen blieb unvergessen Eure Tat.“
„Nun, Gott mag darum wissen und geben, was uns frommt!
Uns kümmert mehr, ob endlich wohl eine Herberg kommt,
Denn unsere armen Leute, die Könige zugleich,
Sind müde von der Reise und lägen gerne warm und weich.
Lahm sind die Rosse, steinig war unser Weg hierher.
Auch hungert uns, zu essen gab’s lange schon nicht mehr.
Nichts gibt es auch zu kaufen. Ein guter Wirt war not,
Der gütig zur Erquickung den Tisch versah mit Fleisch und Brot.“
„So einen weiß ich“, sagte der Grenzwart, „einen Wirt,
Wo jeder Gast von Herzen gern aufgenommen wird.
So reich der Mai mit Blüten bestirnt den Wiesenhang,
So gütig ist Herr Rüdeger besorgt für Ruhe, Speis’ und Trank.“
Da bat ihn Gunther: „Wollt Ihr dahin mein Bote sein?
Wenn er es uns vergönnte, gern kehrt’ ich bei ihm ein.
Ist er mein guter Freund doch. Ich dank’ ihm immerdar,
Wenn er uns gastlich aufnimmt, die Brüder, mich und meine Schar.“
„So schöne Botschaft melde ich gern!“ Und unverwandt
Nahm Eckewart zu Rüdeger den nahen Weg ins Land.
Vom hohen Fenster schaute der Burgherr unruhvoll:
„Der Grenzwart kommt! Was gibt es? Ob das Gefahr bedeuten soll?“
Er eilte ihm entgegen, empfing ihn schon am Tor.
Der stand, das Schwert entgürtend, und grüßte ihn zuvor:
„Ich bringe gute Kunde, es trafen Gäste ein.
Sie möchten deiner Gnade und Freundeshuld empfohlen sein.

1635–1643

„Willkommen sind sie!“ rief er. Mann und Knecht. das dünkte allen recht. Was Rüdeger befohlen. In ihrer Kammer wußte Gotelind die Neuigkeit noch nicht. Entgegen sollt ihr reiten! Drum sattelt! Auf mit Mann und Roß! Es eilten zu den Pferden Ritter. Nur um so schneller zog es sie fort zu froher Pflicht. Auch bittet Euch Herr Volker um Kost für Mann und Tier. 1644–1649 .“ Da ging ein frohes Lachen um Rüdegers Aug’ und Mund. „die Herren von Burgund! Wie wenig könnt’ ich lohnen. was ich dort einst genoß.212 Die Könige von Burgund sind schon unterwegs hierher Mit Hagen und mit Volker und ihrem ganzen Heer. Denn seine guten Knechte verlangt nach Essen und Quartier.

Mit sonderlichem Gruße empfing er Hagen dann. um gut und würdig zu bestehn. Und neben ihnen werden Dankwart und Volker stehn. Gleich aus den Laden suchten sie her das schönste Kleid. Ein goldenlichtes Bändchen zog sich durch’s Haargeflecht Als ihres schönen Hauptes einziger Schmuck und Putz. und fröhlich winkend hob Zum Gruß die Hand Herr Rüdeger: „Willkommen. Dem Winde auch.213 XXVII. und sah auch Volker freundlich an. Mit feinem Anstand ihnen freundwillig und gefällig sein!“ Das zu versprechen waren die Frauen gern bereit. So wollten sie den Fremden festlich entgegengehn. Mit Gunther kommt auch Hagen. Da kam der Zug in Sicht schon. mein Töchterlein. auch du. Sie hatten viel zu schaffen. Der ihm von früher lieb war. Die sechse sollt ihr küssen. 1650–1657 . der gerne das Haar durchwühlt und löst. Hin flog der Schwarm der Reiter. Da gab es keine Schminke. zum Schutz. edle Herrn! Euch und Eure Leute begrüß ich hier im Lande gern! Als Freunde seid willkommen bei uns im Freundesland!“ Erst bot er hellen Blickes den Königen die Hand. Vom Huf die Erde stob. die Wangen glühten echt. Sie kehren bei mir ein. Wie sie nach Bechelaren kamen Zu Weib und Tochter eilte der Markgraf: „Seid gefaßt Heut auf Besuch! Es kommen drei Könige zu Gast Mit ihren Herrn und Knechten. Den grüßt besonders schön. Und würdigen Empfanges müßt beide ihr gewärtig sein.

strahlend ganz In herrlichen Gewändern. Beschwichtigt’ er: „Sie werden gepflegt hier und ernährt. ihr Knechte. den letzten Sporn nehm’ ich in Hut. war doch die Mannschaft gut verwahrt. Die Mädchen auch. ringsum ihr Hof gesind. ward sie auch bleich und rot. Dann bot auch ihre Tochter zum Gruß den holden Mund. So gut war’s nicht geworden auf ihrer ganzen Fahrt. Mit Recht ging sie ihm nicht vorbei. Ich schaffe Unterkünfte. und was an losem Gut Ihr mitgebracht. Der war so stolz und tapfer. die Frauen. Nach Dankwart kam am Ende auch Volker an die Reih’. in edler Steine buntem Glanz. für alles leist’ ich euch Entgelt. 1658–1666 . Da ging zu ihm ihr Blick. Die Gräfin küßte alle drei Könige von Burgund. Gotelind. Aus ihren Sätteln sprangen die Gäste auf den Sand. an sechsunddreißig. Kam’s ihnen doch zu paß! Sie machten sich’s gemütlich und warfen sich ins Gras. So grimmig düster schien er. Doch mußte sie ihn küssen. Da seinem Gast zuliebe der Vater es gebot. mit ihrem schönen Kind Stand wartend schon am Tore. ich berg’ es. In ritterlicher Haltung den Frauen zugewandt Erwiesen ihren Gruß sie nach höfisch feiner Art.214 Herrn Dankwart. der sich Sorgen gemacht um Knecht und Pferd. Ringsum vergnügte Mienen. Was im Feld Verloren ging. Den Pferden nehmt die Zäume von Hals und Maul und laßt Sie draußen weiden!“ Niemals ward ihnen solche schöne Rast. Der Vater wies auf Hagen. Die Herren ritten weiter. grüßten scheu und zart. Liebreizend schöne Mädchen. Nun spannt erst eure Zelte. Scheu wich sie drum vor ihm zurück. die edle Gräfin.

So schön sie ist. dem sie gehören soll. mit Lachen nicht gespart. was freudig ihr Gemüt empfand. Und beider Blick verriet es. daß jeder Wunsch und Blick ihr galt. So saß man im Gespräche und trank den allerbesten Wein. Der sprach ein Lied nach Spielmannsart: „Gott hat Euch. Besonders froh schien Volker. ein hohes Glück geschenkt. so schön und edel. Die Gräfin Gotelinde nahm König Gunthers Hand. so gut auch. um Eure Tochter würb’ ich gleich!“ 1667–1675 (1668) . Und gäb sich mir zu eigen! So schön sie von Gestalt. Bei ihren Gästen weilte die Markgräfin. das nach Sitte und Brauch geschieden war. Das uns wie Himmelsgnade hier wunderreich umfängt.215 Dann nahm die junge Gräfin die Hand von Giselher. getrennt Die Frauen von den Männern. Doch was sich mancher träumte. reich an Gütern. wie’s nur ein Traum beschert. edler Markgraf. Ihr Töchterchen vor allen zog jeden Blick auf sich. Hätt’ ich ein Königreich Und trüge eine Krone. Die weite Halle faßte die Gäste kaum. Und an des Helden Seite schritt zierlich sie einher. dächte sie an mich. verwehrte das Geschick. Und geht zu Eurem Kinde mein Blick. Und mancher Ritter träumte: Ach. Da trugen schon behend Die Diener große Kannen heran und schenkten ein. Ein Weib. Doch nach dem Essen endlich vereinte manches Paar Sich wieder. Hinüber und herüber begegnend flog der Blick. an Ruhm und jedem höchsten Wert. Mit lustigen Scherzen wurde. dann neidesvoll Preis’ ich das Glück des Gatten. Manch einem war das wenig lieb. doch blieb Ihr Kind am Mädchentische. Ihr edler Sinn verdiente. Ein Leben.

Sie kam in scheuem Gang. mit mir manch treuer Mann. wie man fortführt als hochgepackte Last Auf hundert Rossen. und Gernot stimmte ein. wäre Giselher an der Reih’. und feste Burgen hab ich nicht. Der König Gunther schwor es. Laß ich zur Eh’ als Mitgift der Tochter so viel Gold Und Silber.“ Wie Rüdeger drang Gotelind des Tronjers Wort ins Herz. Wie sich’s geziemt für Könige. daß sie als Braut auch den Verwandten paßt. Der Markgraf sprach: „Ich stehe in meines Königs Pflicht.216 Da lachte Markgraf Rüdeger im Scherz abwehrend: „Nein! Wie könnte meine Tochter wohl eine Königin sein. Mit altem Spruch und Eid Empfing er sie zu eigen. Mir fehlen eigene Länder. Doch daß ihr gleiche Treue an mir erkennen sollt. Und was sich fügen möchte. Von edler Abkunft ist ja die Gräfin. und wie’s auch Giselhers Begehr. Man einte ihre Hände. nachdem er vor sich hingeblickt: „Ein Weib zu nehmen. Da warben beide Brüder um sie für Giselher. Auch er verlobte sich der Maid. schien es. Nähm’ sie mit Giselher die Krone der Burgunden an. Gern und frei Trät’ ich in ihre Dienste. Da wir doch hier nicht seßhaft und nur Vasallen sind? Was nützt die größte Schönheit so einem armen Ritterkind!“ Doch Gernot widersprach ihm in edlem Zartgefühl: „Wenn mir ein Weib mit Augen und Herzen wohlgefiel’. Ich wählte sie und wäre mein Leben lang beglückt!“ Da sprach Hagen herzlich.“ 1676–1682 . Es sollten Land und Burgen dereinst ihr eigen sein. Zu schöner Wahrheit. wer hemmte dessen Zwang? Man rief die junge Gräfin. erwuchs des Spielmanns Scherz.

“ – Da stand ihr zärtlich nah Schon Giselher. Zum Aufbruch nämlich mahnten sie streng einander schon. Zwar noch ein wenig scheu. „Ihr müßt noch bleiben! Ruhe bedarf noch Roß und Heer. Nur schämte sie sich doch Im stillen vor der Frage. Ob sie den Bräutigam wolle. Wer ahnte wohl. So geht’s den Mädchen heute noch. War sie es doch zufrieden.“ Ihm wehrte Dankwart höflich: „Wahrlich. Dann sollte Giselher mit seinem Weib zu zwei’n Heimreiten nach Burgund. woher noch Brot und Wein? Müßt Ihr doch heut schon sorgen für unser ganzes Heer.“ Auf diese Worte lachte Herr Rüdeger: „Ich hab noch mehr! 1683–1689 . Da riet ihr Vater Rüdeger: „So sage dreist nur Ja. Die standen froh gepaart Und machten sich Gedanken. Nun fragte man die Jungfrau auch öffentlich aufs neu. Müd waren auch die Gäste. So liebe Gäste sah ich hier nie und seh’ ich selten mehr. der schnell sie mit Arm und Hand umschloß. So fügt’ es Rüdeger. wie es der jungen Leute Art. Der nach dem Brauch das junge verlobte Paar umfing. Gemeinsam aßen sie Das Nachtmahl noch und dachten bereits der nächsten Morgenfrüh.217 Dann schlossen sie um beide einen lebendigen Ring. geplaudert hätt’. Sie billigten es gerne. „Das leid’ ich nicht!“ sprach Rüdeger in freundschaftlichem Ton. Wie gern man noch zusammen gelacht. Und daß du gern ihn nähmest. daß keines jemals des anderen Lieb’ genoß? Käm’ erst die Zeit der Rückkehr zur Heimat nach dem Rhein. Von Jünglingen und Mädchen. das kann nicht sein! Woher nähmt Ihr zu essen. Die Mädchen mußten frühe ins Kämmerlein zu Bett. gewärtig froher Wiederkehr.

– Rüdegers Hand Wies er nicht ab. Nun ward es Zeit zum Abschied. als sollt’ ihn meine Hand Heimführen auf die Walstatt. Roß und Kleider. der ihn trug. Der Tag kam. In ihrem Drang zu schenken ward ihre Hand nicht leer. Erneuerte sich wehvoll ein alter Herzensgram. Es fehlte ja an vielem doch! Nahm Gunther auch nur selten Geschenke. ein hartgeschmiedet Schwert. Da neigte König Gunther sich ritterlich zum Dank. Als ihn der kühne Witigis in jenem harten Kampf erschlug. Bis an den vierten Morgen genossen sie die Ruh. Gernot nahm eine Waffe. Doch vorher gab es noch Geschenke. 1690–1699 (1692/94) . Es fehlte nicht am Brote. Doch jenen guten Schild dort. Sie gab ihm ein lichtes Stahlgewand. begehr’ ich nicht.“ Wenn sie sich auch noch wehrten. er ließ es doch nicht zu. ihr tränkt den Wein nicht aus. Er trug die schöne Brünne in hohen Ehren lebenslang. Was konnte Hagen freuen als Gunst von Rüdeger? Nahm doch der König selber ein Gastgeschenk von ihr. Und eure Leute wären reichlich versorgt.“ Der edlen Gotelinde. Womit er sich gewaltig im späteren Kampf gewehrt. Still gingen die Gedanken zu Notung. Er blickte auf die Wand hin: „Mir ziemt hinfort nicht bloße Zier Was nur das Aug’ zu freuen vermag. Daß König Etzels Güte und Reichtum unermeßlich ist. da es ihres geliebten Gatten Herzblut trank. denn wißt. als sie den Wunsch vernahm. Aus Gotelindes Händen nahm er es in Empfang. den trüg ich gern in Etzels Land. der hell im Sonnenlicht Von jener Wand mich anblickt.218 Und bliebt ihr vierzehn Tage und länger hier im Haus.

wollte Gott. Wie gern es Rüdeger bot! Wie kam’s. hätt’ er zu kaufen ihn begehrt. Daraus nahm sie zwölf Ringe als Zier für seine Hand. Sie legt’ in Hagens Hand Den teuren Schild. Dem er am Arm gehangen. daß die Gabe die höchsten Ehren ihm gewann. Wohl tausend Mark an Wert Hätt’ einer bieten müssen. Das trug er bei den Hunnen. wenn einst des Wiedersehens Stunde schlägt.“ 1700–1707 . das mögt Ihr mir berichten. Auch Dankwart sah sich gütig und überreich bedacht. wie süß erquoll das Lied! So spielte er und sang er. Ach. Er trug ihn in späteren Tagen dann So ruhmvoll. Die junge Gräfin gab ihm ein Kleid von reicher Pracht. Noch immer muß ich Arme beweinen seinen frühen Tod. Wie Ihr mir als mein Ritter gehuldigt habt. Die nahm zum Angedenken Herr Volker mit ins Hunnenland. Wie zierlich ging der Bogen. der Treue ist nicht mehr. Es war in lichte Stoffe sein festes Holz gehüllt. Nie funkelte im Lichte des Tags ein besserer Schild Vom Schmuck der edlen Steine. er lebte! Er fiel in Kampfesnot. „Zu meiner Ehre tragt sie bei Etzel! Euer Lied Mag dort zu meinen Gunsten gewinnen manch Gemüt.“ Sie stand auf von dem Sitze und nahm ihn von der Wand Mit ihren weißen Händen. daß ihre Feindschaft ihn trieb in jämmerlichen Tod? Zuletzt nahm seine Fiedel der Spielmann. strich und sang Und spielte Rüdeger und Gotelind zum Dank.219 Sie sprach zu Hagen: „Gerne geb’ ich ihn Euch. „Bringt mir die alte Lade!“ rief sie dem Hofgesind. denn er. als er von Bechelaren schied! Volkers weiche Töne ergriffen Gotelind.

1708–1717 .220 Herr Rüdeger erklärte: „An Eurer Seite reit’ Ich selber als Begleitung. „Dort kommen sie. Als man zum Ritt ins Weite fröhlich die Sporen gab. Wie schön die Zeit der Ruhe in Bechelaren rann. Kriemhild. Sie gab den Kuß zurück. mancher Schild Erblinkt im Sonnenlichte. Den mach’ ich reich. Auf Rüdegers Vorschlag wurde Botschaft vorausgesandt. kommt ihm ein Freund ins Haus. Herrn Etzels Augen lachten und waren voller Fröhlichkeit. Die Nibelungen kämen. Wer meines Leids gedenkt. dein Ehrentag ist heut!“ Von einem hohen Fenster sah Kriemhild weit hinaus. daß Ihr in Sicherheit Die Straße fahren möget. Wie sehnsuchtsvoll ein Freund tut. die Herzen waren von trüber Ahnung schwer. So ward die frohe Kunde im Lande bald bekannt. Zwar dachten auch die Männer oft unterwegs daran. Mit Handschlag und Kusse schieden sich Die Gatten. Wie viele Tränen rannen in Zukunft diesem letzten Glück! Noch aus den Fenstern sahen sie auf den Hof hinab. Fünfhundert Männer mit ihm zu sicherem Schutz von Mann und Troß Die Stunde schlug. Herr Etzel rief erfreut: „Nun kommen deine Brüder. und auch Giselher schlang inniglich Den Arm um die Geliebte. Ich glaub.“ Fröhlich stieg er zu Roß. Die Frau’n und Mädchen sahen still weinend hinter ihnen her. Schon sah sie manches Antlitz. Er nehme gleich all mein Hab und Gut geschenkt. „Nun kommt der Tag der Freude!“ sprach nachdenklich Kriemhild. vertraut aus alter Zeit. Es leuchten Halsberge. Doch freudig lief ihr Sinnen dem Aug’ voraus ans Ziel Ins Hunnenland und weilte bei Festturnier und frohem Spiel.

seit langem mir bekannt. Auch Dietrich hielt sein Pferd an. daß Ihr sie nicht verschmäht. hätte Herr Rüdeger sie gewarnt vorher. Die Herrn wie ihre Mannschaft vom Amelungenland. Ihr Stolz und Hochsinn steht So fest wie ihre Freundschaft. Volker und euer ganzes Heer! Zu euch ist nicht die Kunde gedrungen. Gunther. Entgegen den Burgunden! Manch Saumroß ward beschwert. Steht ihnen bei mit gutem Rat!“ Dietrich mit seinen Männern und Knechten stieg zu Pferd. Denn tüchtige Männer sind es. haltet! Steigt ab.221 XXVIII. Die Nibelungen kämen. Er hielt und lenkte langsam herum zu seinem Herrn: „Soll ich Euch raten. mit reichlichem Gezelt Für Knecht und Troß zum Schutze in kühler Nacht auf offenem Feld. und laßt zu Fuß Uns hingehn und den Bernern erwidern ihren Freundesgruß. des Herrn Dietrich von Bern Getreuster Mann. wie mir scheint. ihren Mann. zu künden seinem Herrn. Daß Kriemhild alle Tage noch Siegfried. Drum seht. und wie die Seinen sprang Er aus dem Sattel. Wie Wolfhart es befohlen. Wie die Burgunden nach Etzelburg kamen Der alte Hildebrand. ging eilig.“ 1718–1724 . Der Alte riet und bat: „Mir bangt um die Burgunden. Gernot und Giselher. Von Bern Herr Dietrich führt sie. Verhehlte ihnen aber die Sorge nicht. beweint. Freundlich nahm er sie in Empfang. „Willkommen seid uns. Ihm wär Es lieb gewesen. Dankwart und Hagen. Hagen erkannte Dietrichs Gestalt schon ganz von fern.

er ist ein toter Mann. Wonach dann frag’ ich noch? Wir folgten seiner Bitte und kamen in sein Land. der einst ihr Gatte war. Daß im Gebet zum Himmel sie nicht um Siegfried weint und klagt. Gunther. und all ihr Fragen galt Nur Hagens grimmig düsterer und herrischer Gestalt. der damals Siegfried vom Niederland erschlug.“ Dietrich von Bern indessen hub warnend wieder an: „Siegfried soll uns nicht kümmern. Der von den fremden Helden der allerstärkste war. beschütze selber dich!“ „Wovor soll ich mich hüten? Herr Etzel hat uns doch Durch Boten eingeladen. damit ihr Schmerz versiegt! Siegfried kommt nicht wieder.222 „Dann weinte sie ja lange“. 1725–1733 (1728) . den Ihr nicht ändern könnt! Laßt an den Hof uns reiten. Das war der Mann. Du Nibelungenschützer.“ Dann ritten die Burgunden an Etzels Hof. Die Hunnen drängten. seit er erschlagen. Der sei es. sprach Hagen.“ Da wandte sich der Spielmann unmutig: „Dann vergönnt Dem Schicksal seinen Willen.“ Doch forschten die drei Könige: „Wie ist Kriemhild gestimmt? Ist weich sie. sprach Dietrich. und sehen. ging die Rede mit Flüstern hin und her. der nun so lang begraben liegt. wie’s dort steht. milden Sinnes. Auch hat ja meine Schwester uns gleiche Botschaft zugesandt. Wozu man solche Männer wie uns ins Land zu Gaste lädt. Doch Kriemhild lebt und sinnt doch auf Rache lediglich. schauten. „manches Jahr Verging. nach Art Und altem Brauch der Heimat zu stolzem Zug geschart. haßergrimmt?“ „Kein Abend geht“. – ist hart sie. Mag sie doch Etzel lieben. Dazu erzählten andere: Der hoch dort ritt im Zug. „kein neuer Morgen tagt.

Zu ihren Unterkünften fort führte man sie dann. der ja mein eigen ist. da man den einen küßt. Wie grimmig auch. wer Euch hier gerne sieht. der herrlich anzusehen war. nicht mitgebracht ins Hunnenland?“ 1734–1741 . Ich hätte mich bedacht Und Euch zulieb Geschenke in Fülle mit hierher gebracht!“ „Von diesen Schätzen wüßte ich gern noch mehr. Doch Dankwart sah. Den grüß’ ich nur. gab Hagen höhnisch zurück den Hohn. wenn jemand euch ohne Willkomm läßt. Die Brust.223 Von edlem hohem Wüchse ragte im Sattelsitz Die mächtige Gestalt auf. Da kam Kriemhild. Sie küßte Giselher und keinen sonst danach. den Ihr mir einst entwandt? Warum habt Ihr. „Daß Gaben Ihr erwartet. So hatte es Kriemhilde gefügt. Die Könige ehrt und ihre Gefährten ganz vergißt. von dem mir gleich Freundliches geschieht. Wohin ist er gekommen. sein Blick ein grauser Blitz. Der Tronjer sah’s. grau sein Haar. Da band er fester nur seinen Helm und sprach: „Seltsam liebt man zu grüßen. umgeben von ihren Frau’n. nicht gut geraten wird diese Fahrt zum Hunnenfest. Der Hort der Nibelungen. Was bringt Ihr mir denn Gutes und Freundliches vom Rhein.“ Sie sprach: „Heiß’ Euch willkommen. ich hätte wahrlich schon Genug für Euch an Schätzen. Daß Ihr im Hunnenlande mir solltet so willkommen sein?“ „Hätt’ ich gewußt“. die breiten Schultern gewaltig. Von ihren Herren wurden gesondert Knecht und Mann. Seid auf der Hut. Ihr wißt. Mir scheint. – ein Recke. Es barg In all der offenen Freude sich ihres Herzens Arg. was mein ist. Daß keinem seiner Leute zum Nachteil irgendwas geschah.

Nur zu. Das Schwert aus Händen geben? Sie sind gewarnt vor mir. „daß man sie gut verwahrt. es ward seit manchem Jahr Des Nibelungenhortes mein Auge nicht gewahr. man dürfe keine Schwerter mitbringen in den Saal.“ An all die Männer wandte sich Kriemhild und befahl. Daß Ihr von meinem Horte nichts mit ins Land gebracht. doch da mich der Ehrgeiz wenig dringt. höhnte sie der Tronjer. Das hat mich schwer bekümmert seit manchem üblen Tag und Jahr. du Teufelin! Ich bin gefaßt auf deinen Lohn. Darum. will Hagen nicht den Schild.“ 1742–1748 . willst du mir drohn. „Warum woll’n meine Brüder. ich strafte tödlich ihn dafür. Weigr’ ich dem Fürstenliebchen. „Genug hatt’ ich zu tragen allein an meinem Schild Und an der schweren Brünne. Mein Helm. der ist so licht Wie in der Hand mein Schild hier.224 „Wahrhaftig.“ Da trat von Bern Herr Dietrich zornig an sie heran: „Wer sie vor dir gewarnt hat? Vernimm. ich bin der Mann. wenn ich mein eigener Kämmerer bin. daß sie zur Herberg bringt Mein Schwert wie meine Brünne.“ „Nein“. Den hießen meine Herren versenken in den Rhein. Ich warnte die Burgunden. Wüßt’ ich.“ „Zum Teufel! Gar nichts bring’ ich!“ so wehrte Hagen wild. Von mir bekommt Ihr beides nicht. Bis zu dem Jüngsten Tage mag er denn dort verborgen sein!“ Die Königin sprach bitter: „Das hab’ ich mir gedacht. Ihr seid ja Königin! Von meinem Vater lernt’ ichs. edle Königin.“ „Weh’ mir des neuen Hohnes!“ So jammerte Kriemhild. „Gebt ab die Waffen!“ rief sie. Obwohl er doch mein eigen als Witwenerbe war. wer es getan hat. „die Mühe sei Euch gern erspart! Ihr meint es gut.

Es war die treue Helche dem Aldrian besonders hold. Hagen sandt’ ich heimwärts.“ Hagen von Tronje aber rief aus: „Das findet sich!“ So sprachen sie wie Freunde. – Verwundert fragte Etzel. der Haß Kriemhildes ist unveränderlich.“ „Hagen von Tronje ist es“. erglüht auch das Aug in stolzem Widerschein. Der Berner sagte offen: „Es ist mir wahrhaft leid. Sie schwieg und ging von dannen. Vor dem gestrengen Dietrich entwich sie furchterfüllt. „Untertan Dem Könige der Burgunden. „der viel Ansehn und Ehre hier gewann. Ihn und Walther von Spanien. daß Aug in Aug sich fand. Da gingen zueinander und schlugen Hand in Hand Dietrich und Hagen beide. sprach einer. Ich schlug ihn einst zum Ritter und schenkte ihm mein Gold. Daß Ihr von Eurem Rheine ins Hunnenland gekommen seid. den tüchtigen Mann“. Wer mag sein Vater sein? Ein seltener Mann. der in Haltung und Blick absonderlich. wen empfing dort Herr Dietrich freundschaftlich? Ein Gast scheint’s. Ihr seht. die sich sogleich verstehn. Nur einen Hassesblick Warf sie im Weiterschreiten auf ihre Feinde noch zurück. Wie er in Mien’ und Haltung sich hier auch freundlich stellt.225 In Scham und bitterem Zorne wandte sich Kriemhild.“ 1749–1756 (1754) . Doch stolzen Sinnes auftritt. Erinnerung kommt mir wieder. Ist er in seinem Grimm doch der stärkste Gegner auf der Welt!“ „An Aldrian gedenke ich gern. die mich dran denken läßt: Zwei schöne Knaben hielt ich ehmals als Geiseln fest. Sprach Etzel. der beide so von fern gesehn: „Gern wüßt’ ich. sein Vater Aldrian. Sie wuchsen hier heran. Walther mit Hildegund entrann.

Im Alter nun sann Hagen auf seiner Freunde Not und Tod. den Freund hier wiedersah. 1757 . die der Jüngling in früherer Zeit ihm bot. Da dachte er an manches.226 Als Etzel so den Tronjer. was ehemals geschah. An Dienste.

denn leuchtend lag Um sie der Glanz der Waffen. so traurig wie jetzt sah’n wir Euch nie. wie ihn das Volk gern sehen mag. Wir rächen Eure Tränen. Wie er nicht vor ihr aufstand Von Dietrich schied sich Hagen.227 XXIX. Als ob zum alten Leide noch neuer Hohn gekommen sei. auf den Hof zu gehn. Dort lag die weite Halle. daß Volker hart und kühn wie er. Er kannte ihn und wußte. wir töten ihn!“ 1758–1764 . Sie setzten vor dem Hause sich breit auf eine Bank Grad gegenüber Kriemhilds Gemächern. Wer durfte Euch verletzen? Noch keiner war so kühn. ein stattliches Gebäu. Wenn Ihr’s befehlt. Da fragten ihre Leute bestürzt: „Wer tat Euch weh?“ Sie sprach: „Ich leide Qualen. Denn frisch aus ihrem Grunde war alte Glut entbrannt. Der Stolz und Gleichmut beider hielt alle ganz im Bann. „Sonst wart Ihr froh. dem Spielmann.“ „Wie hat Euch Hagens Anblick verwandelt?“ fragten sie. Er ging und blickte sich Nach Volker um. wenn ich in Hagens Antlitz seh. Der stand noch freundschaftlich Beisammen zum Gespräche im Hof mit Giselher. Er rief ihn an. So trüb war ihr dabei. Doch schon drang Die Menge zu den beiden heran. In jähem Schmerze ward sie von Tränen übermannt. Sie ließen die Herrn zusammen stehn Und schickten sich zu zweien an. Sie schritten durch die Menge gemächlich ohne Furcht und Scheu. gaffte man sie an. Als wären’s wilde Tiere. Kriemhild sah durch das Fenster.

gesteht. euch kühn mit Hagens Kraft vergleicht.“ Mit Schrecken hörten’s alle. was er getan. ich fleh. was er mir angetan. Daß er in stolzem Hochmut. dem. 1765–1773 . wie winzig die Zahl der Männer war. wahrhaftig. Rächt mich an Hagen!“ sprach sie. die uns einlud. Vorwerfen will ich Hagen. wär jeder Wunsch gewährt.228 „Wer’s täte –. wenn der ihm noch zu Hilfe käm. heiß erfüllt Von einem einzigen Wunsche. Dennoch gebot sie Halt: „Die Krone auf dem Haupte. Wie groß und übermächtig die Stärke Hagens sei. und gleich Ganz ohne Kampfansage jäh führen wollten sie den Streich. Daß ihr. So sammelten sich bald Vierhundert ihrer Männer. Die Falsche. Mein Leid und seine Schandtat erkennt ihr dann daran. und wenn er dran zugrunde geht!“ Vom Saal herab die Treppe gekrönt die Königin schritt. Wies sie mit grimmigen Worten hin auf die Gefahr: „Gebt’s auf! Ihr seid zu wenige! Das Spiel ist nicht so leicht. „Ich bitte euch. Sie geht so stolz einher. Was kommt. Seht hin. Und gnad’ euch Gott vor dem! Ihr träfet Hagen niemals. Der Spielmann Volker ist es. sie bringt sich Kämpfer mit. Viel kühner ist der andere. Und Volker sagte: „Seht doch. er sitzt dabei. Dem Tronjer und dem Spielmann galt ihre Wut. als ob sie treu gesonnen wär. ein solches Häuflein. was er Erdenkliches begehrt. will ich hinuntergehn Und selber Aug in Auge den Feinden gegenüberstehn. Ich schenkte alles. Die Schwerter in den Händen. mich kümmerts wenig. Als Kriemhild sah. von Rache für Kriemhild. Ich leg mich euch zu Füßen: Geht! Tötet Hagen! Rächt mein Weh!“ Da rüsteten sich sechzig der Ihren.

wie’s schicklich. Ob ich Euch so viel wert bin als Euer Freund. auf jede Übermacht gefaßt. auch wenn mir das Allerschlimmste naht. ist es Zeit.“ In zornigem Tone sagte der Tronjer: „Sicherlich. kämt Ihr dabei in Not. „und stünde drohend gar Der König gegenüber mit seiner Kämpferschar. Ich wiche keinen Fuß breit. keine Furcht und Feigheit trennt mich von Euch. nötig scheint es mir. Nun sagt. Freund Hagen. Freund Volker. allein der Tod!“ „Das lohn Euch Gott im Himmel. die ritterliche Ehr’ Und wahren so am besten die eigene Ehre wie bisher. woll’n wir uns schützen. Darum. Einige von ihnen sind um die Brust so weit. das zwar ist mir noch unbekannt.229 Wißt Ihr. geht alles nur auf mich! Und doch in ihren Händen vergeblich blinkt der Stahl. Wohlan! Dann bleibt und laßt Uns Rücken stehn an Rücken. Was sie sich ausgesonnen. Auf wen es abgesehn ist. mein edler Kamerad! Was brauch ich mehr. und ihres Angriffs muß ich mich jetzt versehn. dann gilt ihr Haß uns beiden hier. wahrt hinter Eurem Schild Den Leib und auch die Ehre. die Heimat säh’ ich trotz allem noch einmal. Nichts. Wenn ich es recht erkenne. sprach Volker.“ 1774–1780 . Ich glaub sie tragen heimlich die Brünnen im Gewand. dann scheint mir. Wär’s weiter nichts. wollt Ihr an meiner Seite stehn? Mir gilt’s.und racherfüllt? Dann will ich Euch nur raten. Wir geben ihr. Bin Eures Arms ich sicher. Ja. „solange sie hier nah An unserem Sitz vorbeigeht. sagt an! Dann soll die Treue dauern ewig zwischen Mann und Mann!“ „Ich steh Euch bei“. denn Königin ist sie ja. ist sie so haß.“ „Laßt uns auf stehn!“ riet Volker.

glaub ich. Die Königin trat heran Ganz nah vor ihre Füße. breit und lang. da lag Balmung. Wir bleiben achtlos sitzen. Scharf war er. Der kühne Spielmann langte heran von seiner Bank Sich einen Fiedelbogen. was kümmert’s mich!“ In wildem Hochmut legte er breit sein Schwert aufs Bein.230 „Nein. mir zulieb bleibt sitzen!“ Der Tronjer widersprach. nie hättet Ihr die Fahrt gewagt!“ 1781–1787 . Herr Hagen. So lang ich lebe. was Ihr getan habt. indes sie schroffen Tons begann: „Erklärt mir doch. Absichtlich. der ihres Siegfrieds Waffe war. die Stirnen hoch –. Mag sie mich hassen nur. wer hat nach Euch gesandt. Ich tät’s aus Angst vor ihnen. so saßen sie. Um keine Furcht zu zeigen. Daß Ihr Euch dreist erkühntet der Reise in dies Land. Das steht uns besser an. dann sagten höhnisch sie. wärt Ihr bei Sinnen. Sie fing zu weinen an. Der goldene Griff. Wahrlich. Er legte ihn aufs Knie. Es dünkten sich die beiden von solcher Herrenart. und wes man Euch verklagt. grasgrün und wunderklar. Da fiel des Leides Last Ins Herz wie eine Mahnung. „Sie legten unsere Ehrung nur aus zu unserer Schmach. der mich nur hassen kann? Ich tu’s nicht. Nein. Sie wußte. Warum sollt’ ich den ehren. Furchtlos die beiden Männer. und mein Wille bleibt unveränderlich. Die selbst vor Königinnen das Aufstehn sich erspart. Stünd’ ich von meinem Platze. ich erspare mir die Müh. die Scheide in goldenes Band gefaßt. Ihr wißt. Ganz wie ein Schwert beschaffen. Aus goldenrotem Knaufe aufleuchtend kam ein Schein Von einem hellen Jaspis. Sie sah’s mit einem Blicke. hatte es Hagen ihr zum Hohn getan.

Und gäb’ mir einer Türme mit rotem Gold dafür. der Siegfried Euch erschlug. Lädt einer meine Herren. hart klage ich Euch an: Ihr habt Siegfried erschlagen. die so kühn Bei ihr gestanden. Daß Kriemhild einst die schöne Brünnhilde eine Kebse schalt! Warum soll’t ich es leugnen? Gewiß. – Mit dieser Hand geschah es. Und was mir einer schenkte. – ich bin ihr Mann – der lädt auch mich!“ „Wie kam es“. sprach Hagen. Wodurch Ihr mich gezwungen zu lebenslangem Haß? Daß Ihr Euch dran erinnert. was geschehn mag!“ – Doch jene. was ihr wollt mit Hagen! Es sei euch nichts verwehrt. So oft sie reisen mochten. nicht allein. sorgten und zögerten. daß ich viel Leid Euch angetan? Wer’s rächen will. mir ist mein eigener Leib Zu lieb. der komm heran!“ Sie wandte sich: „Habt ihr nun. „warum ersann’t Ihr das. „ist genug! Ich bin’s. die Könige. Wie er uns angeblitzt hat? – um keinen Preis im Kampf bestehn. Wie schlimm er es entgalt. was er gestand. der tu es. gehört? Macht. nur selten fehlte ich. Doch laß ich meine Herren. Und soll auch heut und niemals in Furcht verhohlen sein. Der eine sah den anderen scheu an. ihn einzubüßen in diesem Kampf für Etzels Weib. sagte Kriemhild. das Schwert zu ziehn. die Schuld ist mein. Gleichgültig. 1788–1795 (1793) . Weib oder Mann. Möcht’ ich doch diesen Spielmann – habt Ihr den Blick gesehn. ich gebe lieber nach.“ Ein anderer sprach: „Ich denke ganz ebenso wie Ihr.231 Hagen versetzte grimmig: „Gar niemand lud mich ein. Wozu bestritt’ ich. bis einer sprach: „Ob ich auch Hilfe anbot. meinen geliebten. der gleiche Hagen. edlen Mann!“ „Des ewigen Geredes“.

scheint mir. Drum. doch auch ein grimmiger Mann. wagt keiner sie dreist im Kampfe zu bestehn. Sie fürchteten für sich.“ So war es mit dem Streite vorbei. Sind wir dabei. Daß wir zu unseren Herren da draußen wieder gehn.“ Wie oft geschieht’s. ob ihr willkommen seid. vor dem ihr Heldenmut erblich. wie Hagen stritt. Die Männer gingen heimwärts.“ Drauf schritten sie zum Zug gereiht. sie beide treu vereint. Den Balmung Siegfrieds führt er. Es war der Blick des Spielmanns. ist er doch gar nicht unser Feind! Ein Jüngling war er damals. 1796–1803 . und Kriemhild litt Die schlimmste Qual. daß einer sich ängstlich noch besinnt.232 Auch kenn ich Hagen lange von seiner Jugend her. den er durch arge Tat gewann. Und wie er uns gesonnen. Sie gingen zu den Herren: „Wie lange wollt ihr stehn Hier mitten im Gedränge? Ihr solltet lieber gehn. Wenn er zum eigenen Heile so großer Treue Macht vermißt. was manche Witwe an Herzeleid durch ihn erlitt. Ein kluger und erfahrener. In zweiundzwanzig Schlachten sah ich. Wenn Freund und Freund einander in Treu’ verbunden sind! Er handelt auch besonnen und meidet schon den Zwist. Drum ehren wir auch Hagen. Nach manchem Tag und Jahr Ist grau sein Haar geworden. das ehmals golden war. indes sie hinauf zum Saale schritt. Und weiß. Als Etzels Männer fochten sie mit in manchem Strauß Dem Könige zu Ehren. Vom Könige zu hören. Walther von Spanien ritt oft mit Hagen weit hinaus. Von dem erzählt mir keiner so leicht was Neues mehr. ist es Zeit. Der sagte still zu Hagen: „Nun wissen wir Bescheid! Wir sind im Feindeslande.

der Maulbeersaft und Ungarwein. Dankwart und Wolfhart folgten. Volker und Hagen beide. Von seinem Sitz sprang Etzel. Zusammen standen sie. Dahinter tausend Männer. die beiden sah man nie Geschieden von einander. Hawart und Iring reihten sich als die nächsten ein. In so glanzvollem Zuge schritt Gunther zum Palast. sprach Hagen. Wie andere sich gesellten. der Königin und mir. und dann im trauten Bund Mit Rüdeger ging Giselher. die Hagens stolze Mannschaft war. endlich bei mir zu sehn. wenn mich mein Herr nicht folgen ließ. Volker und Hagen beide! Gern sehen wir euch hier!“ „Das haben wir“. Verwandte. das eins wie Herz und Seele war. Allein wär’ ich gekommen. Als euch. Ich dank euch. daß ihr alle die Reise nicht gescheut. Gunther und Giselher Und Gernot. Vorbei ist Kriemhilds Heimweh.233 Voran von Bern Herr Dietrich mit Gunther von Burgund. So ging der Zug zu zwei’n. Irnfried und Gernot folgten. In großen goldnen Schalen erschäumte süß und frisch Der starke Met. 1804–1813 . endlich ein Freundespaar. dann die erlesene Schar Von sechzig tapferen Rittern. Ihr schönster Freudentag ist heut. Bis erst der Tod sie trennte im letzten schweren Streit.“ Nun lud der König heiter die Gäste an den Tisch. Nun hob das Glas Herr Etzel! „Herzlich willkommen sollt ihr sein! Es konnte in der Welt mir nichts Lieberes geschehn. um herzlich Freund und Gast Zu grüßen: „Seid willkommen. „gemerkt auch ohne dies. Viel Tränen flossen später von edler Frauen Herzeleid. mit euch alle! Ich grüße euer ganzes Heer! Auch ihr seid hochwillkommen. Freunde.

Heil euch. das Treue hegt und hält. die freund mir und verwandt! Ihm dankte Markgraf Rüdeger: „Zur Freude habt Ihr Grund! Denn höchster Ehren wert sind die Herren von Burgund. Und fest an ihrer Seite steht mancher wackere Herr und Held!“ Es war am Sonnenwendabend. ward augenblicks erfüllt. Nie sorgte für die Gäste ein Wirt so gebefroh und mild. Man aß vergnügt und trank. was sie wünschten. Euch ganz mir zu gewinnen.234 Ich sorgte schon seit langem um eure Freundschaft mich. was nur versäumte ich. 1814–1817 . So festlicher Empfang War lange nicht erlebt mehr. Es ist das Blut der Königin. Und alles. Daß niemals ihr gesattelt zum Ritt hierher ins Land? Nun sorg’ ich mich nicht länger.

„geht’s euch schlecht! Dann schlag ich mit der Geige dem Dreisten solchen Schlag. wenn ihr nicht gleich zu Bette geht. aus dem Wege! Sonst bring ich euch zur Ruh! Ihr prahlt und nennt euch Helden. Von langer Reise sind wir heut abend müd und schwach. Daß jeder. Zu Bett zu gehn. doch habt ihr nicht das Herz dazu!“ Indes der zornige Spielmann die Rede unterbrach. wenn wir wieder wach!“ 1818–1823 . Noch drängte. Bis morgen früh. so bald Ihr uns wiedersehen mögt!“ So schieden sie. – ich glaub’s kaum – kommt wieder morgen früh. Wie sie Schildwacht hielten So ging der Tag zu Ende. Wenn ihr was plant. euch gerät Zum Schaden seine Wut nur. Ging ihr Verlangen endlich nach Ruhe und nach Schlaf. wir sehnen uns nach Ruh. riet Hagen. Ich fürchte. wogte draußen das Volk. die sie traf! „Nun Gott befohlen!“ Gunther riefs heiter Etzel zu. Nächtlicher Anschlag ziemte mannhaften Helden nie. froh bewegt. vom Ritte müd gemacht. aufzustehen. „Erlaubt uns. der ihn lieb hat. Willkommene Mahnung.235 XXX. ihn wohl bedauern mag. Schon dämmerte die Nacht. so rief er. Kommt morgen. Wird’s bald? Fort. Es kam so nah. Sah Hagen sich im Kreise verächtlich um und sprach: „Der Spielmann rät zum Guten. vom Weine in guter Stimmung. Drum laßt uns ruhig schlafen. Und uns nicht weit vom Leibe wegbleibt“. Nach mühevoller Reise. Daß eines Überfalles sich Volker gar versah: „Wenn ihr uns auf die Füße zu treten euch erfrecht.

236 Man führte nun die Gäste in einen weiten Saal Mit prächtigen Betten. Der euch. die mitgereist hierher! Wie lud uns meine Schwester so gut und freundlich ein! Was sinnt sie nur? Ich fürchte. Im letzten Augenblick noch bewährt’ ich meinen Freundesdank!“ Nun hüllten sich die beiden in schimmerndes Gewand. das allen ruhverlockend schien. Ein wahres Königslager. Besetzt mit schwarzem Zobel und weißem Hermelin. Doch vor der Pracht stand klagend der junge Giselher: „Weh uns und allen Freunden. Sie nahmen ihre Schilde. mit neuer Sonne grüßen mag.“ Sie nickten dem Getreuen still zu und sagten Dank. wenn ihr geruht habt. Indes versah sich Hagen mit Waffen. Herr Volker! Denn. 1824–1832 . ihr Plan wird unser Unglück sein!“ „Getrost!“ versetzte Hagen. „laßt alle Sorge mir! Ich halte heute abend die Schildwacht an der Tür Und hüte euren Schlummer bis an den hellen Tag. er werde für seinen Beistand dankbar sein. reich an Zahl. hat mir keiner von allen sonst gefehlt. Decken von Seide. wachsam auf jeden Feind gefaßt. Dann streckten sie sich müde aufs weiche Lager hin. Freund Hagen. Als Ihr allein! Und käm’ es zu Tod und Untergang. „Das lohn Euch Gott.“ Hagen sprach. die Schwerter in die Hand Und traten aus dem Hause. der Freunde Schlaf und Rast In Treuen zu behüten. wenn zur Nacht ich als Wächter bei Euch blieb? So stehen wir bis morgen wie stets vereint zu zwei’n. Der Spielmann stand noch zögernd und fragte: „Wär’s Euch lieb. was mich sorgt und quält Zu mindern. ihren Schutz im Sinn. Es dauerte nicht lang. Sie gingen zu den Betten.

es sind Feinde. Da nahm er von der Wand Den Schild und faßte wieder ihn fest mit seiner Hand. Er spielte. von jener Schar. Im fernen Dunkel sah Er einen Helm aufblitzen. süßer wie Tröstung lind und tief Und wiegte jede Sorge. – Gewahrte er Gestalten. Gemeinsam tragen ja Wir beide diese Sorge.“ 1833–1839 . Wird ihm von unserem Schwerte der Helm zurechtgerückt. Sie sagten ihm im stillen Dank. Auf einen Stein ganz nahe der Tür setzt’ er sich hin. Von Kriemhilds Mannen drohte den Freunden dort im Saal Gefahr. ob’s früher noch geschah. und daß ihr Angriff bald beginnt. Dann wieder sanfter. Nun schlummerten die Müden. Von Kriemhilds Leuten mußte er eines Angriffs sich versehn.237 Noch einmal nahm der Spielmann den Schild von seiner Hand. Er kehrte um und stellte ihn an des Saales Wand. Wo sah man einen Geiger mit solchem Heldensinn? Den Freunden auf dem Lager. Kühn war sein Arm im Kampfe. – ich weiß nicht.“ „Schweigt still!“ sprach Hagen leise. Der Spielmann sprach: „Freund Hagen. Es schien. „Laßt näher sie heran! Eh’ sich zum Schutz noch einer des Streichs versehen kann. um dort bereitzustehn. Der weckte Töne klar und süß. geschickt zum Saitenklang. Wuchs Mut und Stolz im Herzen. Und übel zugerichtet wird er zu Kriemhild heimgeschickt. Ging aus dem Saal zum Turme. Dann lehnte er die Geige in seinen Arm und ließ Den Bogen darauf gleiten. Vermut’ ich. Da sie in Waffen sind. Um Mitternacht. laßt uns vor denen da Getreu zusammenhalten. daß sie im Herzen still entschlief. fremd hier und ahnungsbang. daß die Weise den ganzen Saal durchdrang.

befürchte ich. daß sorgsam die Tür behütet war. Ich stelle sie. So nehmt uns mit!“ 1840–1846 .“ „Ja nicht!“ so warnte Hagen. der daneben sitzt!“ Sie schlichen wieder rückwärts. Was sie für Neuigkeiten mir bringen wollten von Kriemhild. Der Spielmann wacht am Eingang. Das gäb’ ein Leid. wie nie eins war. ist uns Hunnen der ganze Angriffsplan vergällt. Die blanke Brünne blitzt Wie Feuerlohe. „Tut’s mir zuliebe nicht! Seid Ihr entfernt vom Hause. Daß ich Euch helfen müßte. „den Hunnen zu verstehn. mein Freund und ich. der sichere Schildwacht hält. umringen sie Euch dicht Und setzen Euch mit Waffen so zu. Seht. Daß wir das Nachtgesindel beim Überfall gesehn. was hinterlistig sie getan.“ Er rief sie an: „Ihr Leute! Hallo! Wohin des Wegs? Warum zur Nacht in Waffen? Sagt. wie sein Helm von Stahl Vom Haupte drohend leuchtet. seid ihr unterwegs Zu rauben und zu stehlen auf einem Diebesritt? Wir woll’n euch dabei helfen. und sagen soll’n sie mir unverhüllt. scheint mir.238 Ein Hunne sah. riet Volker. Und warnte schnell die anderen vor drohender Gefahr: „Dort sitzt der wilde Spielmann. Schnell hätten von den Hunnen sich einige erfrecht Und drängen in den Saal ein zu tödlicher Gefahr Den schlafenden Gefährten. Das wär das Ende sicherlich! Gerieten wir zu zweien mit ihnen ins Gefecht. Volker sah’s und sprach: „Laßt mich hinweg! Ich setze den üblen Helden nach. Nun. Nun haben ihre Ruhe die Schläfer dort im Saal. Wahrt euch vor dem auch.“ „Gebt wenigstens“. Sonst leugnen sie nur später den meuchlerischen Plan. Bestreiten höhnisch alles.

Die sollten besser glücken. Da kam er ganz in Wut: „Pfui. ist das euer Mut. der Anschlag sei mißglückt. Das scheint im Hunnenlande ja Sitt’ und übler Brauch zu sein. ihr feigen Wichte! Wie. wenn erst das Unheil niederbrach! 1847–1848 .“ Berichtet war der Königin. Zwar war sie von der Nachricht enttäuscht erst und bedrückt. Doch sann in ihrem Grimme sie anderen Plänen nach. Daß ihr die Schläfer mordet? Was anderswo gemein.239 Sie gaben keine Antwort.

„denn getrennt Seid doppelt ihr gefährdet vom Hunnenplan. Denn anders scholl der Christen. Die schönsten Prunkgewänder erwählten sie dafür. Wie sie zur Kirche gingen „Es wird schon kalt im Panzer. Doch Hagen mahnte: „Laßt doch die überflüssige Zier! Statt Rosenkranz die Waffe! Kriemhild läßt keine Wahl. anders der Heiden Sang. pelzverbrämt. indes der Saal noch ruhig lag. den niemand kennt. Zur Messe in das Münster ruft euch der helle Glockenton!“ Gesang ertönte. Nicht lang. buntfarbig. 1849–1857 . sprach Volker. Uneins erschien der Stimmen Klang. Gott anzuflehen geht nur zur Messe noch einmal! Fügt er es nicht noch anders. Hagen betrat den Saal Und weckte die Gefährten. „Es weht schon kühl und sacht Der Morgenhauch vom Felde. Der Sonne erster Strahl Traf auf die stillen Schläfer. dann ist es Tag. Der Morgenschein erglänzte. ist es gewiß das letztemal!“ Die edlen Fürsten schritten zum Münstertor hinan. Die alte Frömmigkeit Rief sie zur Morgenandacht wie sonst zu früher Messezeit. Statt des Baretts mit Steinen nehmt euren guten Helm von Stahl Statt eurer Seidenhemden – Halsberge! Wachsam nehmt Die Schilde statt der Mäntel. Hagen hielt auf dem Friedhof an. Die Leute folgten. Die kurze Sommernacht Ist bald vorbei“. „Wacht auf! Es läutet schon.“ Sie fröstelten und wachten. „Bleibt alle gut zusammen!“ befahl er.240 XXXI. Sie sprangen von den Betten.

Auf jeden Wunsch zu hören und abzuwenden jedes Leid. Dahinter ihr Gefolge. hätt’ ich es strafend hart gebüßt. das Königspaar. daß er heuchelnd den falschen Brauch erfand. Es ist bei uns so Sitte. wenn ein Frecher entbietet seinen Gruß. 1858–1869 (1859. Doch schwieg sie.“ Er sah den Haß. Gesang und Glocken schwiegen. was sie mit Recht verdrießt. wie Gunther und mit ihm Knecht und Mann Gewaffnet vor ihm standen. Wie’s ihnen gut dünkt. Sonst hätte Etzel sicher verhindern können. 1866–1868) . Sofort mit tiefen Wunden. Herr Etzel sah. In reiche Prachtgewänder gehüllt den schönen Leib. Im hohen Fenster saß schon. umringt vom Hof.“ Darauf versetzte Hagen: „Nichts Arges ist geschehn. Sie sollten guten Glaubens vertrau’n. was geschah. Und war etwas geschehen. ein stolzer Reiterhauf. Da stob schon aus der Ferne heran die Reiterei. Hoch wirbelnd stiegen Wolken von hellem Staube weithin auf. wenn man uns nicht in Frieden läßt. daß wir gewaffnet gehn Mit Schwert und Schild drei Tage hindurch bei jedem Fest. mit ihm sein edles Weib. Verwundert hub er an: „Warum seh’ ich die Freunde im Helm zur Kirche gehn? Leid wär mir.“ Da kam der Herr des Landes. Sie wußte. Die Messe war vorbei. Kein Mittel wirkt so gut. der glimmend in Kriemhilds Auge stand. sollte einer sich bösen Willens unterstehn. Euch Ansehn zu verschaffen. als so ein schneller Hieb es tut. Es wimmelte im Hofe. ich wär bereit. Auch die anderen verharrten schweigend da. herein zog Schar um Schar. Ihr würdet schon erfahren.241 Stellt eure Schilde ruhig zur Drohung an den Fuß! Antwortet.

Dann stellten sich die Mannen Rüdegers zum Streit Mit den burgundischen Gästen. Die Hunnen zeigten deutlich den Haß in offenem Streit. Es schien. Lanzensplitter. Doch alles war ein Spiel nur. ihr nähmt vor ihnen euch in acht. Doch Dietrich. Und Kriemhild hätte gerne der Nibelungen Sturz gesehn. Die Nibelungen wären unmutig. Wie meisterlich gewandt Anritten sie! Es flogen viel Schäfte splitternd an die Wand. Thüringer kamen. aufgebracht. Unmutig sprach der Spielmann: „Nun war Gelegenheit. Die Männer Dietrichs wünschten. Die Könige ritten ein. litt es nicht. als ob den Kampfpreis die Nibelungenschar gewann.“ Drauf ritten in die Schranken die Herrn von Dänemark. Hornbogen stürmten scharf im Galopp heran Und stellten sich den Gästen.“ 1870–1884 . Dann trat Herr Blödelin an. „Es wäre mir viel lieber. Etzel sah froh die Seinen den Fremden widerstehn. in der Sorge für seine Mannschaft. Gern sahen’s die Burgunden! Da gab’s vom harten Stoß Schildbeulen. Doch dem war’s gleichfalls leid. so laut der Eisenklang Der Waffen und der Hufe durch Hof und Palas drang. Männer. Führt weg die Rosse! Wartet! Wenn’s Abend wird. So hell vom Hals der Pferde der Schweiß in Perlen rann. Ramunc. dann hört. die standen ihren Mann.242 Dankwart kam mit den Knechten. Skrutan und Gibeke. Und weiter ging das Kampf spiel mit wuchtigem Prall und Stich. dreitausend hinter sich. Ob Kriemhild uns den ehrlich verdienten Siegespreis gewährt. den fremden Herrn vom Rhein Turnierend zu begegnen in Siegeszuversicht. und mancher Sattel wurde bloß. gewandt und heldenstark.

Da sah man an den Fenstern in Tränen manches schöne Weib. erzürnt sich darüber König Etzels Weib!“ Doch Gunther wehrte dringend. ganz strahlend in blankem Waffenschein. der diese üble Tat verbrach!“ 1885–1892 (1891) . sprach Hagen. der ihn zu Tode stach? Der Spielmann war es. verliebt und jung. Schnell galoppierten Hagens sechzig Ritter an. dann tadeln uns Etzels Leute nur. Ihm sah wohl eine Liebste vom Fenster zu.243 Zuletzt noch sprengte prahlerisch ein Hunnenritter ein In bunter Tracht. Kriemhild und Etzel sahen genau die Dinge. wer war es. Wie wir in Stoß und Reiten bewähren unsere Kunst. Als ging’s zu einer Hochzeit. Der Augenblick. Ich geh ihm an den Leib. Volker. Daß er nicht wieder aufsteht. umgab ihn weibischer Prunk. da es sich besser fügt. kommt bald. und auch die tausend Mann Des Nibelungenheeres sprengten in die Bahn. so scheint mir. Dem Spielmann beizustehn. Bald trauerten die Frauen um ihres Lieblings Fall. „zu erhöhn. Da jammerten die Frauen. des Toten Sippe kam. Was kümmert’s mich. Denn Volker stach dem Hunnen die Lanze durch den Leib. Diesem Frauenliebling versetz ich einen Stoß. Laßt nur die Hunnenfrauen und Ritter einmal sehn. Und sein Gefolge klagte und schrie in lautem Gram: „Wer hat’s getan.“ Der kühne Volker spornte sein Pferd zu scharfem Prall. Es wird uns doch wahrscheinlich kein Siegespreis und keine Gunst. So überlaßt den Hunnen die offene Gewalt. als er den Plan erfuhr: „Geht Ihr ihn an.“ „Die Lust am Lanzenstechen“. die geschahen. Da höhnte Volker: „Wahrlich! Mich reizt der Gernegroß.

Ein Markgraf war der Tote. Der ihn erstochen.244 „Die Schilde her! Die Schwerter heraus!“ So ging der Schrei. Verwandt mit dem Erschlagenen. Noch eh’ die Herren saßen. daß der Spielmann nicht auf Verletzung sann. Doch die Burgunden wußten: Feinde ringsherum! Zu Tische ging der König. „steht Ihr nicht freundschaftlich Mit Rat mir bei. Absaßen die Burgunden. Ich zeuge. „Wer wagt. wie er der Hunnen Zorn gestillt. Schuldlos ist er. Der meinem Schutz vertraut ist? Der sei auf meinen Zorn gefaßt! Erschlüget ihr den Fremden. Des Toten Freunde kamen. Geschrei. und man erführe üblen Dank!“ 1893–1900 .“ Antwort gab Hildebrand ihr: „Erkühnte einer sich Des Kampfes mit den Gästen. und wieder schien er mild Vor seinen edlen Gästen. – Herr Etzel stieg eilends von dem Saal. ging Kriemhild ganz allein Zu Dietrich. Man winkte und befahl. das stünd’ uns übel an. Um Geld und Gutes willen?! Noch nie ein Mensch bezwang Die edlen Nibelungen. sich zu vergreifen an einem Freund und Gast. die Sippe lief herbei. Darum befehl ich Frieden!“ Man wich. und einem rachegierigen Mann. „Hochedler Fürst“. Der König hielt im Bann Mit seinem Blick die Menge. dem riß er zornentbrannt Herab die scharfe Waffe aus der erhobenen Hand. dann steht es schlimm für mich. Ruhlos quälte sie sich mit ihrer Pein. mit Hilfe und Gunst. gehorchte stumm. so sprach sie. der tät es ohne mich. denn strauchelnd in hartem Anprall stieß Er ungeschickt dem Gegner scharf durch die Ringe seinen Spieß. Die Rosse fortzuführen. Drum büßen sollte schwer. Zahlen mit seinem Blute sollte er. Gedräng.

was blutig er gesät. Ward sie ihm nun zuteil? Zum Kampf entschlossen sagte er zu. Was ich dir heut verspreche. wie wenig der Euch ehrt! Sie sind mir lieb. Ihr begehrt.“ Vor Blödels Aug’ und Sinnen lockte der reiche Lohn. die Burgen.245 Gemessen wehrte Dietrich: „Was. Er nähm es übel. Königin. daß Ihr Hagen gebunden. die Notung einst besaß. die Notung einst besaß. Dann soll Hagen ernten. Erst weigerte sich Blödel: „Vieledle Frau. verletzend sein Gebot. Blödel sprach: „Da draußen – niemand vermutet es – Erreg’ ich ein Getümmel. machtlos vor Euch seht!“ 1901–1909 (1904) . der König werde ihn Belohnen mit den Ländern. Die Gäste an im Kampfe mit heimlicher Gewalt und Not. Geht in den Saal indes.“ „O nein! Hör zu! Ich bleibe dir trotzdem gut und hold. – Herr Dankwart sorgte. das alles wäre dein! Ein herrlich Leben würde dir dann beschieden sein. – Verwandtenmord –. Du hättest deine Freude und alle Erdenlust daran. erhieltest du im Übermaß. Die schöne Braut des Notung vermählte ich dir an. Ich sorge. fiel ich. ein Frevel. Daß Etzel Euren Feinden freundlich gewogen ist. Ihr wißt. vertrauend betraten sie das Land. Gewännest du die Marken. Ihm in die Hand versprach sie. Heimlich ersehnt im stillen trug er seit langem schon Das Bild des schönen Weibes. dazu gewinnt Ihr nimmer meine Hand!“ Da Dietrich ihr verloren. ging sie zu Blödelin. Das weite Land. Doch nicht zu seinem Heil. Siegfried zu rächen. daß er Kriemhilds Belohnung bald vergaß. Dir schenkt’ ich reiche Schätze von Silber und von Gold.

daß ihr mit ihm zufrieden seid. wie wohl stünd es ihm an. das ist mein einziger Sohn. Hagen saß dicht dabei. Zwölf Länder soll er erben. ihr lieben Freunde. man solle zur Tafel bringen Etzels Kind. war einer doch bereit. sollt ihr mir Beistand leih’n. Im Herzen wie begraben lag ihr die alte Qual. ein Mann. leb’ ich noch einige Zeit. Denn eurer Lieb und Sorge vertrau’ ich gerne ihn. Das sollte nimmermehr geschehn! 1911–1917 (1910) . Da schaute König Etzel auf seinen Sohn und wies Ihn väterlich den Gästen. Den jungen König Ortlieb behutsam in den Saal Und zu dem Fürstentische. so blieb ihr keine Wahl: War denn ein Weib wohl jemals so haß. ihr lieben Freunde. wie nah der Tod des Kindes sei. Sie saß an Etzels Seit’ Inmitten seiner Helden am Tische hehr und schön. indem er stolz ihn pries: „Seht hier. Und eure Gunst und Treue wird gut das Schwesterkind erziehn.und racheblind? – Sie gab Befehl. Zu eurem Ruhme blüh’ sein Thron! Schlägt er nach seinen Ahnen. Vier Edelleute trugen. Das Kind ist’s eurer Schwester. Voll Grimm sein Blick. wie Kriemhild es befahl. Und doch nur eins im Sinne: ihr Plan möcht in Erfüllung gehn. wird er einst stark und kühn. Darum. Den großen Sinn verleiht ihm sein Blut und adelt ihn. wenn ihr wieder heimkehrt. als säh’ er. Nehmt. Für der Verwandten Sache in Treuen einzustehn!“ Nachdenklich hört’ es Kriemhild. ihn mit euch an den Rhein. Und ist er einst in Ehren erwachsen. Zum Streite war kein Anlaß. Den Kampf auf sich zu nehmen. stark.246 Zufrieden ging die Königin. Bedrohten euch Gefahren. Dann kann euch Ortlieb dienen.

Als ob mit Hagens Worte dem Kind ein Leid geschäh.“ Still wandte König Etzel den Blick zu ihm herum. Und auch den Fürsten tat es wie ihrem Könige weh. wohl vertraut’ ich. Mir blüht an Ortliebs Hofe wohl kaum ein froher Aufenthalt. Doch scheint er mir zu schwächlich. Die heitere Laune rings war fort. wüchse er Zum Manne. das unheilvoll geschah danach? 1918–1920 . jedoch sein Mund blieb stumm. Ich glaub. daß Ortlieb tüchtig war.247 Man hörte Hagen reden: „Wahrhaftig. er wird nicht alt. Das düstere Wort fiel schwer ihm ins Herz und quälte dort Mit ahnungsdunkler Sorge. daß er so grausam sprach. Wer ahnte das Verhängnis. Erbitterten Gemütes. Sie mochten’s kaum ertragen.

zur Mitgift bringt.“ So sprach Dankwart. Nun wehrt euch. Herr Blödelin!“ sprach Dankwart ruhevoll. daß uns die Reise so schwer gereuen soll? Ich war ein Kind. Befliessen grüßte der Und sagte: „Lieber Blödel. Ihr büßt Die Tat mit Eurem Blute.248 XXXII. Indes er empor vom Sitze sprang. 1921–1927 . Das Ende naht.“ „Nicht doch. daß er’s schwang. das sie Euch rächen hieß?’’ „Wozu noch weiter reden! Ich klage dich nicht an. Aus dichtem Menschendrang Trat Blödel nah zu Dankwart. Die Blödel seiner Liebsten. hätt’ ich die Worte gern gespart. Was Schlimmes wirft mir Kriemhild denn vor. Der lachte grimmig: „Seht doch. Gunthers Mann. die Morgengabe blinkt. sprach Blödelin. Sie reu’n mich längst. Vom jähen Hieb Das Haupt flog rollend. Erhob sich ein Getümmel. denn Bitten liegt nicht in unserer Art. bis es vor Dankwarts Füßen blieb. Doch deine Sippe! Hagen erschlug ihn. Unglückselige! Hier geht es um ein Pfand. des Notung Braut. als Siegfried im Wald das Leben ließ.“ „Wollt ihr’s nicht anders. Erschlagen lag Herr Blödelin. Kaum. willkommen! Doch was führt Euch her?“ „Mir liegt an Eurem Gruße nicht viel“. „Wollt Ihr. Daß Hagen Siegfried erschlug. das heute zur Vergeltung fließt. Wie Blödelin erschlagen wurde Als Dankwart mit den Knechten am Tische aß und trank. Den Tod! Es einzulösen hat uns die Königin hergesandt. „Denn endlich ist zur Sühne die alte Schuld gedieh’n. Fuhr unversehens sein Schwert heraus.

Nibelungen. Furchtlos und fest zusammen. Mit schweren Stühlen hieb man drein. Sie stürzten aus dem Hause. dann langte er im Nu Nach irgend einem Schemel. sie alle tot im Blut. Doch von der Rachewut Lagen in dem Saale fünfhundert Hunnen tot im Blut. Womit Kriemhild uns gütig ins Hunnenland entbot? Wehrt eurer Haut euch.249 Vermählte man sie morgen auch einem anderen Mann. Freunde. Bis schließlich ihre Menge im Kampf die Oberhand gewann. und damit schlug er zu. denn nun beginnt die letzte Not!“ Fand einer keine Waffe. Eh’s noch der König wußte. Kein Friede war mehr möglich. Dazu zwölf Ritter Dankwarts. Er ganz allein stand aufrecht in ungebrochenem Mannesmut. 1928–1936 (1929. versammelten vorher Die rachegierigen Hunnen vor’m Haus ein ganzes Heer. Wohl standen die Burgunden. Verbeulte Helme gab es. was Blödel unheilvoll gewagt. Die laute Stimme Dankwarts drang schneidend durchs Gewühl: „Erkennt ihr. Zweitausend Männer scharten sich schnell und stürmten an. Am Sieg verzweifelnd hielten sie aus bis auf den letzten Mann. Schnell ward man handgemein. wichen. Von furchtbarem Verhängnis erzählt die grause Mär: Erschlagen lag am Boden das Nibelungenheer. doch härter stets bedrängt. Daß Kriemhild angestiftet. Was half die Heldenkühnheit? Die schwerste Not begann. Die Hunnen wankten. Ein Brautgeschenk wie Blödel gewänne der daran!“ Ein treu ergebener Hunne hatte es gesagt. ob sie auch grimmig sich Noch wehrten gegen Stühle und Schemel. endlich das grause Spiel. Hieb und Stich. in dichtem Knäul gezwängt. 1933) .

gingt alle ihr dahin? Nun unter tausend Feinden steh ich allein. Da sah sich Dankwart traurig nach den Gefallenen um: „O weh. wie gut sein Hieb geglückt.250 Das Kampfgetös’ verhallte. den Schild selbst hochgerückt. sein Bruder wäre von Tausenden bedroht. Doch als er. des du dich erkühnt!“ „Auf eure Drohung geb’ ich nur eine Antwort: Weicht! Kommt nicht zu nah. Hagen zu vermelden. So stand er. was ich getan hab. Ich selber stehe ein Für das. Dann wird er es erfahren. kaum von der Schwelle sprang. Das Schildband tief nach unten. Wie viele neue Schwerter hemmten seinen Gang! Die noch von seinen Wunden im Kampfe nichts gesehn. müd vom Kampfe. Er hülfe mir heraus wohl. „Zurück ihr Hunnenhelden! Weicht! Laßt mich aus dem Haus! Gebt Raum. zu bestehn. Manch ein Panzer bewies. der Lärm versiegte stumm. den Angriff. um ihn. Sie hinderten ihn nicht. oder er stürbe gleichen Tod!“ Die Hunnen höhnten: „Selber wirst du dein Bote sein! Wir tragen dich dem Bruder tot in den Saal hinein. wie gründlich du gesühnt Den Schaden unseres Königs. „Weh mir! Wie mag dies enden!“ Laut rief er es hinaus. in welcher Not ich sei! Wüßt’ er. ich warn’ euch! Es röteten sich leicht Noch viele Panzerringe. ihr lieben Freunde. – wie arm ich bin!“ Schon drangen immer dichter die Waffen auf ihn ein. den letzten. daß ich mich kühle! Laßt mich in Luft und Licht!“ In festem Gange schritt er dahin. und stünde Gott mir bei. Denn alle Schläge zielten im Kampf auf ihn allein. Sprangen ihm entgegen. und will mein eigener Bote sein!“ 1937–1943 . „Hätt’ ich nur einen Boten.

Truchseß und Diener hatten schon längst den Lärm gehört. Erschrocken hatten viele den Becher nicht geleert. gespitzt und schlank. hieb er eine Todeswunde. wie Dankwart die Gegner von der Treppe trieb. Er fuhr sie an und drohte mit lautem Herrenton: „Was steht ihr hier? Schenkt lieber den Gästen Speis’ und Trank! Botschaft für meine Herren bring’ ich. Wie manchem da der Bissen im Munde steckenblieb! Man hörte schon. zahllos. Von beiden Seiten drängend wie Jäger trieben sie Ihn in die Enge. Am Treppenaufgang nämlich standen die Schenken schon. Daß jäh von seiner Klinge noch mancher fiel in tiefen Schlaf. Er hatte seinen Mut noch. die anderen schlug und trieb Er immer höher. doch schlug er um sich mit klugem Hieb. er hieb und stach und traf. Daß man dem Vielgewandten ängstlich vom Leibe blieb. Er sprang in ihre Mitte. Drum schossen sie mit Speeren. Macht Platz! Gebt frei den Gang!“ Dem einen. da sanken die Gegner neben ihm. ungestüm. dazu sein Waffenglück. So haut ein Eber wild Im Wald sich durch die Hunde. So drang er immer weiter. Er schlug sich durch die Menge. dennoch frohlockten sie zu früh. Und er bis an die Treppe des hohen Fürstensaales drang.251 Sie griffen an. Schildlos erschien er ihnen ein leichtes Beutestück. Ein Wunder schien’s. – Ein herrlich kühnes Mannesbild! Und wo er hieb. Daß der gespickte Schild ihm zuletzt aus müden Händen sank. der gefährlich von oben drängte. er hatte selber den Botengang vollbracht! 1944–1950 . Bis endlich ihm der Durchbruch des Menschenwalls gelang. bis er sich endlich Bahn gemacht. verwegen.

“ „Ich bin gesund. der ihn gewähren ließ. Wie die Burgunden mit den Hunnen stritten Dankwart setzt’ in die Türe den Fuß und schob und stieß Den Kämmerer beiseite. gerötet von anderer Blut. Bruder. sagte der Tronjer. Wie hallend Erz erdröhnte die Stimme durch den Saal: „Zu lange. furchtbar anzuschaun. und man beklagt ihn nicht. des er sich unterstand. wenn ihm nicht der Teufel gar die Stange hält. Mit bloßem Schwerte stand er im Saale. zerhau’n. die ich zu Boden zwang. die ich erschlug. Es sprang Aus Wunden unserer Feinde. Man rühmt ihn um so länger. ihm klag’ ich unsere Not. Heiß ging es her. „Das will nichts heißen“. „wird ein Held In offenem Männerkampfe von Heldenhand gefällt. Die Ritter und die Knechte in ihrer Herberg liegen tot!“ Hagen sprang vom Sitze: „Sag. Bruder Hagen. Vom Blut bespritzt die Kleider. sagt mir. verweilt Ihr schon beim Mahl. Die Tränen trocknen schneller in ihrer Frauen Angesicht. wer hat das gewagt?“ „Herr Blödel mit den Seinen! Doch sei es Euch gesagt: Er mußte schnell es büßen. wovon seid Ihr so rot? Wer war so dreist und bracht’ Euch in solche Wundennot? Kann ich den Frechen fassen? Wo steckt er? Zum Entgelt Schlag ich ihn tot. Ihr aber. Ich selbst schlug ihm das Haupt ab mit dieser meiner eigenen Hand. Wie viele es sind. Gott im Himmel hört es.252 XXXIII. doch sind es wohl für den ersten Schlag genug!“ 1951–1956 . Ich weiß es nicht. der Helm verbeult.

widersteht und wehrt. „Das melde. Hagen versetzt’ ihm einen Schlag. daß vom Rumpfe es an den Boden rollt’. Es flüstern miteinander die Hunnen hin und her. schlug Dem Hüter. Das Haupt ab. Kriemhild läßt – lange wüßt’ ich’s – ihr Leid nicht ungesühnt. Der Hüter an der Tür. Sie möchten wohl ins Freie. Der wie ein Blitz ihm trennte vom Arm die rechte Hand. Nun weiß ich nicht. soll ich Kämmerer werden. Für alle Müh des edlen Getreuen – ein gar schlimmer Sold! Der Spielmann Etzels lehnte am Tisch. Wenn ich solch mächtige Könige als Türhüter bedienen soll!“ Hagen trat zu Gunther und sprach: „Mich wundert sehr.253 „Verwahrt die Tür!“ rief Hagen. Nun mordete man schonungslos. „Was tat ich Dir. Es ward zu schwer. Hagen. wie kann Die Geige wieder tönen. der daneben für Ortlieb Sorge trug. Das zarte Haupt fiel blutig in seiner Mutter Schoß. die’s verdient. meine Hand! O weh mir!“ rief Werbel. Hagen nahm die Waffe in beide Hände. „Sorgt. je zuleide? Mein König sandte mich. So trinken wir Kriemhildes roten Königswein Zum Liebestrunk: Der junge König soll der erste sein!“ Mit einem raschen Hiebe schlug Hagen Ortlieb tot. Die Geige lag In seiner Hand noch. Daß keinem Ihr den Ausgang aus diesem Saal gewährt!“ „Gut. bringst du wieder mal Botschaft ins Burgundenland!“ „Ach. es ist nur ehrenvoll. Das war der grause Anfang. leg’ ich die Hand nicht mehr daran?“ 1957–1964 . Ich kam in guter Absicht. Sie trachtet. Der Botschaft brachte – lieber wär’s ihnen. Vom Schwert auf seine Hände hoch sprang es heiß und rot. stünde der nicht hier. zu strafen.

So stand es schlimm um Dankwart. so jung er. eh er im Schwall versinkt!“ „Verlaß dich drauf!“ rief Volker. zu helfen ihren Herrn. und er schwang Den blanken Fiedelbogen. so kühn war er und hart. die ihm einst Rüdeger verlieh’n. Dem wehrten die drei Könige. – „Volker. Von drinnen stürmten andere den Ausgang. Griff Gunther selbst zum Schwerte. hau den Bruder heraus. 1965–1976 (1972) . Sie drängten an von draußen. An Hagens Seite eilte auch Volker. Hagen war’s einerlei. den Feind im Antlitz. doch das Haus War gut verwahrt. daß er den Weg zur Tür erzwang. denn Dankwart ließ keinen ein und keinen aus. Doch Dankwart wußte wacker die Türe zu versperrn. Doch immer wilder wurde und wütender der Drang. daß rauh sein Ton erklang. Verzweifelnd kämpfend sanken die Hunnenhelden in ihr Blut. Daß ihm der Kopf erdröhnte und ganz von Tönen klang. das merkte mancher Widerpart. Hagen sah die Drangsal. Froh sahen seine Freunde. Gernot beschützte ihn Mit seiner Waffe. rang Und hieb und traf und wehrte. Da’s aber ganz unmöglich war. wie er von dem Knäuel umschlungen wütend ringt! Hilf. Sie hätten gerne zwar Die Kämpfenden getrennt noch. Und Giselher. Manch einer von dem Schwerte solch einen Streich empfing. den Feind im Rücken. Die Überzahl war groß. Und wie er fiedelnd ging. Dankwart.254 Könnt’ er auch nie mehr fiedeln. „Nimm du dich Dankwarts an! Sieh. Seine Hand tat Wunder. rasch heran!“ So gellte seine Stimme. Nun kamen Etzels Männer zum Sterben an die Reih! Zu Leibe ging er ihnen in wallend-wilder Wut. Besiegelt schien des Hüters Los. Volker.

Da sprang der Amelungen Gebieter auf die Bank: „Weh. Bin ich des Todes.“ So taten sie. Ja. Laßt Euch die Königin empfohlen sein!“ 1977–1985 (1978) . Der Berner sah. Nur Eure Kraft allein Vermag zu retten. schwoll. helft mir! Erreicht er mich. Herr Dietrich. nein. vor der Türe ist fertig unser Wall. will eine Tür man gut versehn. was angst. Wie seine treusten Freunde hinsanken in den Tod. Ein gnadenloser Rächer.“ Als Hagen so die Saaltür gesichert sah. wie das grause Unheil. indes ich drinnen bleib. wie klirrend von Hagens Hand und Schlag Die Eisenhelme barsten. wie mancher Freund erlag. Wehrt Ihr dem Sturm von draußen. Hagen! Heute schenkst du von deinem allerschlimmsten Trank!“ Der König selber bebte. „denn es droht Mir selber doch von ihnen Gefahr und Todesnot!“ „Nein. Was half ihm seine Würde vor Hagens blutig-wildem Groll? Da schrie Kriemhild: „Herr Dietrich. helft mir. da warf Den Schild er auf den Rücken. Zwei tapfere Kerle stehn Statt tausend fester Riegel. Herrn Etzels Saal verschlossen. bedenket Ehr’ und Blut Der Amelungenfürsten! Helft mir vor dieser Wut Des grimmen Hagen! Rettet. So bitt’ ich. ihn selbst bedrohend. So halten wir uns beide das üble Hunnenpack vom Leib. Steht mir doch bei! In Tränen flehe ich!“ „Wie kann ich anderen helfen?“ sprach Dietrich. Der Spielmann rief mächtig in den Schwall: „Freund Hagen. und jedes war ein Todesstreich.255 Nun stand er neben Dankwart: „Ihr trugt die schlimmste Last. Dann schlug er hart und scharf.und schreckensbleich Ihm kam vor seine Klinge. daß Ihr mir nun die Hälfte überlaßt. sah er doch rings die Not.

was ihm geschehn ist. mir war es bitter leid. was sie frevelnd mir angetan an schlimmer Qual. verbissenen Männerstreit. Gunther vernahm den Anruf: „Seid still! Hört Dietrich an! Er winkt dort von dem Tische. daß unser Dank Euch das gedenkt!“ Wolfhart rief wild und höhnisch: „So fleht doch nicht zu früh! Der Spielmann sperrt die Tür wohl. daß er sie fest umfaßt’. jedoch wir öffnen sie Und reißen sie für alle weit auf!“ Doch Dietrich sprach: „Schweigt! Was Ihr alles tun wollt – den Teufel frage ich danach!“ Gunther gab sein Wort ihm: „Weit offen steht das Haus. Davon erbebten alle.“ Da schütterte die Halle von Dietrichs lautem Zorn. Führt wenige oder viele an Freunden mit hinaus.256 „Ich will’s versuchen“.“ Dietrich begann: „Die Meinigen sind heil und unversehrt. Und mit dem anderen führt’ er Herrn Etzel. Nur laßt mir meine Feinde! Die Hunnen soll’n im Saal Noch büßen. ist Euch etwas geschehn Von einem meiner Freunde? Ich strafte sein Vergehn. Dann schlang er. Geschah Euch das Geringste. Für immer seid versichert. Die war zu Tod erblaßt. Laßt Eure Waffen ruhn Und hört. Und seine Stimme dröhnte rauh wie aus einem Wisenthorn. sprach er. Zu Buße und Versöhnung mit Euch sind alle wir bereit. Daß wir den Saal verlassen in Freiheit ungekränkt. 1986–1995 (1990) . Das Kampfgebraus zerrann.“ Dietrich vernahm’s. Doch gebt freiwillig Frieden! Verschont uns und gewährt. „gab’s auch seit langer Zeit Nicht solchen haßgeschürten. Den einen Arm um Kriemhild. So verließ Dietrich den Saal. worauf er auch seine Mannschaft folgen hieß. Will er uns einen Vorschlag tun?“ Er rief ihn an: „Herr Dietrich.

Von solcher Art. „da drinnen haust ein Gast. doch schlimmer hat sich noch nie ein Gast bedankt!“ 1996–2002 . Ganz gleiche Treu und Frieden. daß blitzschnell sein Haupt vor Etzels Füßen lag. Zu meinem Heil entrann ich vor diesem tollen Teufel noch! Gar wilde Melodien singt er zum Geigenstrich. Von dessen scharfem Schwunge schon mancher Held erblich. Da wandte sich der König herum und stand und maß Mit langem Blick den Spielmann: „Weh! Nie bisher vergaß Ein Gast so ganz. Die nah Euch und verbunden? Dann laßt auch uns vorbei. Und zu entwischen wäre ihm beinah auch geglückt. Geht ungefährdet! Niemand verwehrt Euch feindlich mehr die Tür!“ Mit Rüdeger. Ihr hieltet fest An wahrer Treu. Den um der Eintracht willen ein Freund dem Freunde gern gewährt. der statt im Weine in unserem Blute praßt. mit Gewalt Zurück kam und die Güte des Königs Gunther schlimm vergalt. Nie ward ein Wirt belohnt noch mit solcher mörderischen Not!“ „Ein übles Fest!“ sprach Etzel. Es kam die Zeit einmal. was seine Wut verlangt. Volker. Dem gab der Spielmann Volker zum Abschied einen Schlag. Weshalb er uns so züchtigt.“ Zur Antwort gab ihm Giselher: „Wahrlich. die niemals den Freund im Stiche läßt. Ein Hunne hatte klug sich in Dietrichs Näh’ gedrückt.257 Auch Markgraf Rüdeger sagte: „Gebt Ihr noch andere frei. So bleibe der Friede ungestört. räumten dann den Saal Fünfhundert seiner Mannen. Uns trennt ja nichts. Ich weiß es nicht. Ein wilder Eber scheint er und ist ein Spielmann doch. Daß der von Bechelaren bewaffnet. was immer die Gastfreundschaft gebot. Versöhnung bieten wir. ihrem Herren.

Des Spielmanns schneidend wilde. Er war mein Kamerad ja und bleibt’s auch fernerhin. Nun steh’ ich hier im Saale. dazu ein herrlich Kleid!“ – Nun ward es still im Saale. Kein Geigenklang durch Helme. daß keiner mehr entflieht. so drang kein Spiel. Schau. Am Boden alle Hunnen nach letztem Widerstand. stumm gereiht. Ein Roß sollt’ man ihm schenken. stählerne Melodie? Rot jeder Strich. kein Lied. er fiedelt an der Tür. Sind wir zu Haus. durch Schilde. König Gunther. Als dein Gefolgsmann Gnade und Gunst dir gut vergilt. Auf Volker blickte Gunther: „Freund Hagen. brach im Saal Laut wieder los der Kampflärm. Brünnen ins Geblüt. die manchen Helm durchschnitt.“ „Nur schade“. dann bleiben ein Herz und eine Seele wir. Und den Burgunden fielen die Schwerter aus der müden Hand. den Volker mit seinem Bogen zieht. 2003–2008 . wie er getreu den Dienst erfüllt.258 Kaum waren die Befreiten gerettet. Funkelnd wie Wetterstrahl Erblitzte Volkers Waffe. Er fiedelt sie zu Tode und sorgt. hört Ihr sie. „daß ich nicht bei ihm bin. Da lagen. die er litt. So wacker stand kein Spielmann. sagte Hagen. Und jeder Gast nahm Rache für Hieb und Schläge.

der es ernstlich in solchem Sinn verstand. statt daß sie sich bemühn Um ihre wunden Leute. geschah es. Wie sie die Toten hinabwarfen Kampfmüde sanken alle auf Stuhl und Bank. und beide lagen tot. Das so vergossene Blut Erpreßte ihnen Tränen und reizte sie zu wilder Wut. zu lindern seine Not. Daß sie uns vor den Füßen hier nicht im Wege sind. Ein Markgraf. Den hätte gute Pflege gerettet wohl vom Tod. Sah einen seiner Sippe. 2009–2016 (2012) . Im Saal indes sprach Giselher: „Ruht noch nicht aus! Ich rate. Sie warfen wie ins Grab Die Toten von der Treppe nach unten steil hinab. Noch mancher war am Leben und litt nur Wundennot. Da höhnte Volker bitter: „Schon lange hört’ ich zwar. es ist wahr. Nun seh ich. wenn sie den toten Mann erkannt. Die schrien vor Empörung. Sie jammern wie die Weiber. Der stürzte da zu Tode.259 XXXIV. den Toten nah verwandt.“ Ein Wort. Da standen viele drunten.“ Und wie er riet. Allein Volker und Hagen standen treu an der Tür zu zwein. Wenn wieder frisch der Ansturm der Hunnen auf den Saal beginnt. Da traf der Schuß des Spielmanns auch ihn. Umschloß ihn mit den Armen. Die Hunnen seien feige. Er streckte seine Hand. Gelehnt auf ihre Schilde begannen sie voll Hohn Im Kreis sich umzublicken und dreist zu spotten und zu drohn. werft die Toten hinab erst aus dem Haus. das gut und redlich schien.

260 Volker verfluchend rannte das Volk. Warum die Hunnen zögern. Nie sah ich Helden solchen Kampfpreis zaghaft verschmähn. Er nahm ihn ruhig. zurückstehn wollt’ er nicht. worauf sie warten noch. Entfernt und lose zwar Scheint mir. Heut denken Könige selten an ihre Fürstenpflicht. Am Schildband hielt man Etzel zurück. Ich ließe ganze Länder und Burgen ihm als Dank dafür!“ Drauf spottete der Spielmann: „Nun möcht’ ich wissen doch. Geworfen aus der Menge. der erbittert auf Tod und Sühne sann. Viel Tausende von Kämpfern traten draußen an Vor Etzel. Der war ein tapferer Held! Warum hast. wog ihn. ist die Verwandtschaft.“ – Fließt auch das Blut vom Schwerte – selbst durch die Feindeshelme So kühn war König Etzel. Mit besseren Männern sollte der König Etzel sich versehn! 2017–2026 (2021) . Ein scharfer Ger. Der Hagens Haupt abschlüge und käm und brächt’ es mir. Die alle bei uns stehen und ohne Furcht und Grau’n  [haun. Da lacht’ ihn aus Der Tronjer und rief offen ihn höhnend ins Gewühl hinaus: „Verwandt ist König Etzel mit Siegfried. Kriemhild war Die Liebste ja des Toten. Ingrimmig lächelnd sparten Volker und Hagen nicht Reizrede. rief laut im Kreis: „Der nähme Etzels Schild voll von reinem Gold als Preis. flog dicht zu Volker her. feiger König. und – wilder ward die Flucht – Warf mitten ins Gedränge den Stahl mit urgewaltiger Wucht. in ihrer Ehre gekränkt. du mir durch andere nachgestellt?“ Kriemhild. Hohn und riefen zum Spott dem Könige ins Gesicht: „Es ziemte wohl den Fürsten – die Völker säh’n es gern – Kämpften an der Spitze sie mit wie unsere Herrn.

kommt er einmal in Not. Sie essen zwar ihres Fürsten Brot.261 Da stehn sie nun. jedoch beiseite stehn. solcher Schimpf soll als Hunnenschande nie vergehn.“ 2027 . Versagen aber schmählich. Wenn’s Ernst wird. Mit Heldenmut zu prahlen.

kaum erst zur Männlichkeit erblüht. Hör auf zu prahlen endlich! Denn Worte tun es nicht. wie ich’s versprach. Am schärfsten schnitt sie dann. das hielte ich lügnerisch nicht ein. kampfbereit. Erlaßt mir diese Schmach. „Freund Hagen. Die schlossen sich an Iring. dann bring’ ich Herrn und Knecht Die Treppe schnell hinunter. an tausend. Laßt mich allein!“ 2028–2034 . Will ich den Kampf versuchen. „wenn einer droht und flucht. dann verbarg Ich niemals meine Klinge. wenn Ihr Euch auch die Knochen brecht!“ „Mich schreckt es nicht“. Was ich gesagt. Euch zu bestehn im Streit.262 XXXV. „rat ich Euch dringend. Ein kühner Jüngling. im Geleit. Markgraf von Dänemark: „Ging es um Ehrensachen. sagte Hagen. Männer. Der Thüring Irnefried. ich fürchte nichts. laßt nur weit Die Hunnen mir vom Leibe! Kommt Ihr etwa zu zweit. Seit wann denn lügt ein Held? Allein gelobte er doch. der Starke. sprach Iring.“ Iring bat seine Freunde: „Allein. ihm beizustehen. So grausig Hagen wütet. Nun hat er tausend Männer und mehr zum Schutz an seiner Seit. schaut. Wie Iring erschlagen wurde Erbittert sagte Iring. Zu dritt mir allzu nahe. Ich komme! Nicht die Zunge. Befremdet sah’s der Spielmann. Bringt mir die Waffen! Gegen den Tronjer steh ich meinen Mann!“ „Dann“. Hawart. wie hält Nun Iring Wort? Das tadl’ ich. In manchem schlimmeren Gange hab ich mich schon versucht. nur meine gute Waffe spricht!“ Iring war bald gewaffnet. wahrhaftig.

Doch Hagen widerstand Und trotzte unerschüttert des Gegners Rachedrang. Vier Männer der Burgunden fiel er im Rückzug an. Herr Iring. ungern und traurig zwar.263 So bat und drängte Iring die Freunde flehentlich. daß Ihr diese Gefallenen büßen müßt!“ Er holte aus zum Hiebe und gab ihm solchen Schlag. und Flammen schlug das Erz Aus Helm und Brünnen. Daß sinnberaubt im Blute Iring vor seinen Füßen lag. daß sie von Haus und Wand Und Türmen widerhallten. Die Schilde barsten krachend und nützten schon nichts mehr. Von Dänemark Herr Iring. Mit Gernot kam er danach in hitziges Gefecht. Der schlug das Schildgespänge ihm ab. wobei keiner von beiden einen Schaden litt. So blieb er hart. Nachgaben sie ihm schließlich. 2035–2045 . Die hieb in schnellem Kampfe er nieder bis zum letzten Mann. Hob seinen Ger und wog ihn und lief und warf gewandt Ihn in gewaltigem Bogen. er ging in tödliche Gefahr. Mit König Gunther stritt Er heftig. Der sah bald. daß an Hagen sein schweres Werk ihm nicht gelang. unerschütterlich. Schon ging’s ihm schlecht. Zum Schwerte griffen beide. den Schild zur linken Hand. Doch hitzig dann Drang Iring in den Saal ein. Hin wirbelnd flog der Ger. Hart prallten ihre Schläge. Um Ehre ging’s. Drum ließ er von dem Tronjer und sprang den Spielmann an. So ehrenvoll der Vorsatz. Heißer erflammte beider Kämpfer Herz. Er flog zerschmetternd schier Mit voller Wucht hernieder auf Hagen an des Saales Tür. Der hätte ihn beinahe gefällt. Da schäumte Giselher in hellem Zorn: „Ihr wißt. Doch der ergriff die Waffe.

als flammte Feuer lichterloh. 2046–2056 (2053) . Doch nur besinnungslos Lag Iring. Er warf sich auf den Dänen. der zornigen Tones sprach. Er hörte Giselher. Er fühlte im Erwachen: „Noch bin ich unversehrt. Wie er sich retten könne. Blitzschnell vom Boden sprang er empor und warf im Prall Auf Hagen sich. Es standen die Feinde um ihn her. Die kleine Wunde ist Euch kein großer Trost. der schutzlos beim raschen Überfall Des Angriffs nicht gewärtig. und Frau Kriemhild Nahm selber voller Freude vom Arme ihm den Schild. sann klug er und besonnen nach. So strömte des Tronjers Blut zum erstenmal Als er die Wunde spürte an ihrer heißen Glut.264 Für tot ließ man ihn liegen. wenn der Teufel nicht selbst dich retten will! Doch Irings Waffe – Waske genannt – ein guter Stahl. Wenn er sich rührte. Wie’s um ihn stob von Funken. Hell prasselnd gingen so Auf Hagens Helm die Schläge. wüßt’ er. der betäubt war vom harten Schlag und Stoß. Den zweiten Gang zu wagen. Doch was ein Mann vermöchte. bedachte Hagen still: Dich töt’ ich. das hat mich Giselher gelehrt!“ Er hielt sich still. kein Ruhm für ihn. Da lohte ihm viel heißer der wilde Zorn im Blut. zum Saale noch einmal – Das ziemte einem Helden! Dann hielt ich ihn für kühn. Der wich und sprang geschickt Die Stufen abwärts. bis ihm die Flucht nach draußen schnell geglückt Heil zu den Seinen kehrte Iring. Schnitt durch den Helm. „Käm er aus eigener Wahl. was ihm geschehen war. „Gott lohn dir’s! Was ein Trost doch im Unglück Wunder tut! Es hofft mein Herz! Nun sah ich zum ersten Male Hagens Blut!“ „Dankt nicht zu früh!“ rief Hagen.

Nur um so grimmiger schwillt Die Lust mir. Die wuchtigen Hiebe schallten. Er sei vor allen anderen kraftvoll und heldenhaft. Sein Zorn wuchs in Gefahr. Etzels schlimmsten Gast. der Däne. denn Balmung schnitt wie ein Blitz von Stahl Durch Schild und Brünne. Er rief nach einem Schilde. Er stürmte rasend an. Ringsum die Menge pries. zu vergelten ihm jeden Streich und Hieb. Doch wähnte er noch einmal. und schlimm vergalt er ihm dafür. 2057–2064 . Dem aber galt kein Warten. den Iring warf. Daß ihm die Stange ragend hoch aus dem Haupte stand. Der Markgraf sann: Noch einmal versuch’ ich’s kühn mit höchster Kraft. Ein furchtbar Ende fand so der edle Held vom Dänenland. daß Iring an Kraft ihm nicht gewachsen war. Den Stärksten aller Gegner. Iring stand fest. Er sah vor seinen Füßen den Ger. Daß Iring für den Gerwurf nicht Raum genug gewann. Sie möchte ich ersättigen! Käm er heran.265 Das bißchen Blut. doch überwand Ihn Hagens Schwert. Ein langer scharfer Ger Ward ihm gereicht. Iring wich taumelnd. ganz erglühend in flammender Begier. Ein feuerroter Brand Stob aus den Helmen. wund und leichenfahl. Es zeigte sich. der durch die Ringe quillt. Zu Leibe ging ihm Hagen. das wär mir lieb!“ Iring. ein Tropfen. löste den Helm vom Haupt und ließ Sich kühlen von dem Winde. Er rückte seinen Schild hoch und warf sich ungestüm Auf Hagen. den Tronjer. Die kleine Scharte schmerzt nicht. der tödlich ihm verhaßt. Doch Hagen war sein Meister. nun sei die Reih’ an ihm. Den hob er auf und zielte und traf den Gegner scharf. Er wog ihn und grimmig dachte er Damit den Feind zu treffen.

Die Dänen und Burgunden bekämpften sich Mann gegen Mann. Die Freunde rings in Jammer und Tränen traf sein letzter Blick. Ihr wählt den Tod. schon nahte des Todes Wehgeschick. Der tapfere Recke wehrte und sagte: „Weint nicht mehr! Gern hätte ich gedient Euch und Etzel lebenslang. In brausendem Getose hub neu der Kampflärm an. Da sank er hin. 2065–2074 . In Tränen beugte Kriemhild sich über Iring her. In roten Funken glitt Der Kettenpanzer nieder. Von Hagens Hand sank Hawart. Doch stärker als die Treue des Mannes ist des Todes Zwang. daß Irnfried fiel und schnell erblich. und neuer Streit begann. ward aus der Wunde die Lanze sanft gelöst. Irnfried und Hawart kamen. wie es uralter Brauch. Daß jäh von seinem Hiebe der Helm Irnfrieds gespalten ward. Da drang es hageldicht Von Speeren und von Schäften auf beide Freunde ein. mit ihnen tausend Mann. fallend im Angesicht Der Thüringer und Dänen. Irnfried traf auf den Spielmann. ward man im Kampf schon handgemein. Der Widerschlag des Dänen durchtrennte scharf und schnitt Die Eisenringe Volkers. Aber des Spielmanns Strich Ging schneidend durch die Lüfte.266 Im Arm der Seinen lag er. und eure Hand Wird Kriemhilds Gold nicht ernten. Sprach er: „Vergeblich ist es! Gebt’s auf. denn das bleibt unverschenkt. Der schlug so eisenhart. Eh sie die Tür erreichten. Nun aber galt es Sühne. Eh noch das Haupt entblößt Vom Helm. wenn kämpfend ihr Hagen zu begegnen denkt!“ Sein Antlitz war erblichen im kalten Todeshauch. Der zwang die dänischen Männer.“ Den Thüringern und Dänen vertraulich zugewandt.

So schaute wartend er Nach Feinden aus. Mich dünkt. Da blitzte und erklang es von Klingen-Schwung und -Saus. Entgehen solle keiner von allen seiner letzten Not. Nur draußen vor dem Haus Stand noch der kühne Spielmann. qualerfüllt. – sie blieben Herrn ob Not und Tod. Die Schwerter der Burgunden taten noch Wunder an Gewalt. die tapferen Gegner. Doch saßen sie und ruhten von Qual ermüdet aus. Hin sanken sie erschlagen. Worum sie sich so lange gemüht. Die Waffen glitten nieder. 2075–2080 .“ Es drangen nacheinander an tausend in das Haus. bald. noch allzu früh! Nicht einer soll entrinnen! Zu blutiger Frucht gerät Die Saat nun. die Kriemhildes Todhaß in ihre Brust gesät. „Zurück! Dort finden sie. Bis in den Rinnstein floß es im Rauche heiß und rot. Die Männer von dem Rheine. der wilde Lärm schlief ein. Jammernd stand König Etzel. als ob er noch gar nicht kampfesmüde wär. es habe strenge verschworen sich der Tod. In die Dielenlöcher strömte das Blut hinein. Die Frauen und Mädchen rauften die Haare. Dann ward es atemstille.267 „Geht in den Saal!“ rief Volker. in Tränen auch Kriemhild.

“ Sie kühlten sich die Häupter nach all der harten Müh. Die Herzen. still verdämmernd. Wie schlecht der Wirt doch sorgte für seinen müden Gast! Wie leer und kahl die Tafel. stärkte nur den Haß. Die Männer dachten. Da Kriemhild ihre Rache verlangte als Ertrag Des Leidens. wie hart ihr Sitz zu Ruh und Rast! Schon dunkelte der Abend. „Noch einen Sturm befehl’ ich!“ rief Etzel. Alles. Dann sichr’ ich euch und warne vor Überfall zu rechter Zeit. bewachen Trepp’ und Tür. die stolzen. Der Tag sank. besser sei selbst ein schneller Tod. Die Tür versorgte Dankwart. „Aber wir.268 XXXVI. Ich und mein Kamerad hier. ruhig und stumm wie die. was An Rachedurst und Trauer geweckt war. da scharten noch einmal Sich Tausende von Hunnen zusammen vor dem Saal. das die Ihren gezündet und geschürt. der große Todestag. Doch sie erfuhr mit Etzel. Und haben Etzels Mannen Gelüst nach neuem Streit. da wuchs im Saal die Not. Vergeblich immer höher wogte die Hunnenflut. Als solche Qual. Sie saßen auf den Toten. Wie die Königin den Saal in Brand stecken ließ „Nun bindet los die Helme!“ sprach Hagen. schien er versunken fast. so drückend auch die Last. 2081–2087 (2085) . War man um ihn schon bange. und Dankwart sorgte gut. schlugen noch. daß Rache nie zum Glücke führt. Er rang sich immer wieder heraus. Das war der Sonnwendabend. Nach Frieden aber lechzten all ihre armen Sinne doch.

Wodurch meine Gefolgschaft ein tückisch Ende fand? Litt ich’s nicht unverschuldet? Vertrauend kam ich doch ins Land. Wo war ein Herz und Auge. wahrhaftig. erschlagen von euren Händen liegt.269 Sie hofften. Was ihr mir mörderisch wütend an Schaden zugefügt. so dacht’ ich. möge zu Ende gehn versöhnt und gut. Mit allem Argen. – Euch sollt’ ich schonen? Niemals! Versöhnung. die Verwandten.“ 2088–2094 .“ Sie sagten: „Ja. habe ich mit Absicht gefrevelt und woran? Als Freund. Wärst du mit deinen Brüdern niemals vom Rhein hierhergereist!“ Mit Bitterkeit versetzte Herr Gunther: „Nun. käme ich. Die Freunde. weswegen Ihr uns haßt. Der König fragte strenge: „Was wollt ihr von mir? Sprecht! Ihr möchtet Frieden schließen? Nur schwerlich tat ich daran recht. sie alle tot im Grab. Mein Kind. Etzel leihe nur einmal noch Gehör. das tot. von solchem Leide ungerührt? Kriemhild und Etzel kamen. Was schlimm begonnen. stolz und hehr. ist deine Freundlichkeit Zu gut nur kund geworden im Lande weit und breit! Von deiner Güte liegt ja das ganze Land verwaist.“ Doch vorwurfsvoll sprach Gunther: „Aus bitterer Not geschah’s. Frieden lehn’ ich ab. so laßt Ausgleichen. das uns Herr Etzel grundlos tut. Drum traten aus dem Hause die Könige. und hinter ihnen weit Und weiter schwoll die Menge in Unermeßlichkeit. Und gütiger Verwandten liebreiche Gunst empfinge mich. als gern gesehener. was wir taten. von Staub und Blut beschmiert.“ Es fragte Giselher: „Wes klaget ihr mich an? Sagt. Wenn auch aschfahl das Antlitz. Erfuhr ich nicht als erster des Hasses Übermaß.

Daß du mich hierher ludest. laßt uns ins Freie gehn! Auf grünem Feld.“ Da wandte Giselher sich einmal noch gefaßt An Kriemhild: „Liebe Schwester. Wenn sie nur atmen können.“ Doch zornig wehrte Kriemhild: „Gar schlimm geriet’ euch dieser Wahn! Meint ihr. Fall’n sie in offenem Kampfe auf grünem Wiesenplan.270 Dem widersprach Herr Etzel: „Wer all mein Leid ermißt. will Euren Tod als Lohn Für alles. wo lieblich die frische Luft uns kühlt. Im kühlen Windhauch wüchsen die letzten Kräfte doch. Ehrt Euch der Sieg und wird auch das Sterben leicht und frei gefühlt. Die Welt sah keine Helden wie diese Könige von Burgund. was Ihr uns Müden an Schlimmem zugedacht. Schimpf und Hohn. dann seid Mit Freunden und Verwandten ihr alle schnellem Tod geweiht.“ Da bat Gernot den König: „Habt Ihr es abgesehn Auf Untergang der Unseren. es wäre Heldenpflicht? Aufrichtig rat’ ich: Weigert es ihnen! Tut es nicht! Laßt ihr die Rachegierigen erst aus dem Saal. daß es Eurem doch allzu ungleich ist. Macht’s kurz. ich kam zu dir als Gast In brüderlichem Zutrau’n. Und wären meine Brüder allein am Leben noch. Ermattet sind wir und todbereit. daß Ihr uns bald von dieser Qual befreit!“ Die Hunnen hatten’s schweigend in Achtung angehört. Kein Wagnis ist’s. Erkennt gut. mich aufzuopfern deinem Haß? 2095–2101 . Genug an frischen Kämpfern zählt Eure Übermacht. Nur eine Sühne will ich. geht ihr daran zugrund. „Laßt sie heraus! Es wird ja nur unsere Ehr gemehrt. Drum macht ein Ende. was Ihr tatet zu meinem Schaden. Womit verdien ich das. es brächt’ euch Ehre.

“ Auch Dankwart schien das Schweigen nicht ziemlich mehr zu sein. versetzte Giselher. „Wo Hagen steht. mit ihm mein ganzes Wehgeschick!“ 2102–2109 . „So wahren bis zuletzt wir die ritterliche Ehr. wie er ihnen zu eigenem Schaden nur gedeiht. In meinem Herzen barg Ich nie die kleinste Falschheit. Solang ich atmen kann. Bis seine Tat gesühnt ist. Wir stürben allesamt.“ Da rief Kriemhild: „So treibt sie zurück die Trepp’ hinan. Dann sorg’ ich. Eh wir. da ’s an Gnade für Euch mir nicht gebricht. Üb Gnade. da steht er nicht allein! Die solchen Frieden bieten.271 Von je war ich getreu dir. verrieten unser Herrenamt!“ „Wenn wir doch sterben müssen“. Nie tat ich dir ein Arg. Denk’ ich auf Rache. und nimmer werd’ ich weich. So ritt ich im Vertrauen zur Schwester in das Land. Denn wir sind ja Geschwister und einer Mutter Kind. Und hart. Büßen sollt ihr bis auf den letzten Mann! Gebt Hagen mir heraus! – Dann weigre ich Euch nicht Das Leben. die soll’n zu ihrem Leid Erfahren. ungnadenreich Ward ich durch Hagens Härte. der nie den Freund im Stiche ließ. mein Bruder.“ Schroff wehrte Gernot: „Wären wir selbst auch tausend noch An Blutverwandten. daß ihr anderen Etzels Versöhnung auch gewinnt. gäben wir keinen einzigen doch Dir preis von unseren Mannen. Dann zündet an vier Ecken den Saal an! Drin erstick’ Ich Hagens wilden Hochmut. uns selbst zu retten. Und soll gekämpft sein. – gut dann! Hier sind wir noch! Man hieß Treu immer einen Freund nur. da uns Brüder doch gleiches Blut mit dir verband!“ „Verarmt bin ich an Gnade. Daß keiner aus dem Saale dem Tod entrinnen kann.

gedenk’ ich es Euch lebenslang!“ 2110–2116 . erschlagen. So guten Wein wie diesen trank selten ich. – nicht einer löste sich Vom anderen los. Habt Dank! Leb’ ich noch eine Weile. umflammt von Glut und Graus. Zurück wich nach dem Saale. Die Männer standen drinnen. trank er’s in langem Zug. Verbargen sich die Armen verzweifelnd hinter ihrem Schild. unerschütterlich. es dünkte ihn doch gut genug. wer draußen nicht erlag. der trinke hier das Blut! Das ist in solcher Hitze viel besser noch als Wein. Die Zeit ist schlimm. den uns Herr Etzel bot? Nun denn. So ungewohnt es schmeckte. Von Flammen rings umhüllt. So kann es denn einmal heut nichts Besseres sein!“ Es kniete einer nahe an einen Toten hin. Und wie es floß und strömte. Er setzte seinen Helm ab und fing das Blut darin. Die Treue stand trotzig. wo labend ein guter Tropfen rann.“ Und einer rief laut jammernd: „Das Ende kommt! Der Tod! Was hilft der schöne Willkomm.272 Noch einmal schwoll es tosend von Lärm und Schuß und Schlag. Da hieß Kriemhild die Knechte anstecken Saal und Haus. tot! Erbarm sich Gott! Verloren sind wir. Herr Hagen!“ so sprach der durstige Mann. Denn heut erfüllt Sich furchtbar an uns allen der Zorn der Königin Kriemhild. „Das dank Euch Gott. wen die Glut Und Qual des Durstes nötigt. Sie schrien laut und riefen: „O weh der grausen Not! Viel lieber lägen draußen wir nun. Der Wind blies in das Feuer. Hätt’ ich nur solchen Durst nicht in dieser Hitze auszustehn!“ Da rief Hagen von Tronje: „Ihr Ritter. „Daß ich erfuhr. Die Fürsten und die Mannen. so mag das Leben in dieser Qual vergehn.

zu dem uns die gütige Hunnenkönigin lud!“ So litten sie.“ 2117–2123 . Schon halb erstickt vom Rauche. Dann tretet mit den Füßen ihn in das nasse Blut. gab Gott uns gnädig zu leben Tag und Jahr Und schönere Feste. von Todesnot geschreckt. bis endlich der Dämmerung wich die Nacht. daß hier doch mancher noch am Leben blieb. Da riet zur List der Spielmann: „Nun gehn wir in den Saal.273 Auch andere tranken. Ein schönes Fest. Und wenn er auch nichts Besseres uns Armen bringen mag. Barg sich ihr Leib. Noch hielt der Spielmann draußen mit Hagen treulich Wacht.“ Darauf erwidert’ einer: „Rot steigt herauf der Tag. Allein vom Schild gedeckt.“ Es seufzte Giselher: „Mir scheint. Und wie von einem Wunder ward ihre Kraft gemehrt. Da mahnte Hagen: „Drängt euch dicht an des Saales Wand. Auf allen Seiten drohend von gierigen Flammen eingeengt. Schön wär’s. von Hitze fast versengt. Gelehnt auf ihre Schilde. Schützt euer Helmgebände! Und fällt herab ein Brand. Noch einmal nehmt die Waffen. als es das Sonnwendfest der Schwester war. wie’s unsere Heldenehre wert. Dann wähnen uns die Hunnen besiegt von dieser Qual. Doch vielen edlen Frauen ward später es zum Trauertag. die Waffen in der Hand. Schon weht herein vom Felde ein kühler Morgenwind. begegnen wir rasch mit sicherem Hieb Und zeigen ihnen. so hielten beide wacker stand. gepeinigt. So feierten die Männer ein grausiges Gelag. Dicht fielen Feuerbrände. da sie des Blutes Lob gehört. der Tag beginnt. Und kommen sie. noch einmal trotzt und wehrt Und kämpft bis auf das Letzte. Den scharfen Blick zum Feinde.

sie wären gesund trotz aller Pein. Da rief der Spielmann höhnisch: „Schaut her! Wir sind noch hier! Nie brannt’ ich mehr aufs Fechten. so hoffte Etzel. Was Kriemhild zugesagt.274 Nun sei. Ihr Mut war nun geschwollen. Versprechungen und Gaben. wird nicht ein einziger Mann Hier weichen von dem Platze!“ Da schwirrte eine Flucht Von Geren durch die Lüfte. Was einer sich nur wünschte. die mit Golde erhöhen ihren Mannesmut!“ Und andere riefen: „Macht es nur kurz. Von Wundennot erloschen das Leben in dem Saal. im Überflusse warf Kriemhild es hin. Sie sprach enttäuscht: „Wie sollte solch Wunder möglich sein? Wie hätten wohl die Männer vor dieser Feuersnot Ihr Leben noch gerettet? Verbrannt sind sie gewiß und tot!“ Zwar sehnten die Burgunden in ihrer Müdigkeit Nach Frieden sich und Gnade. Doch seine Wache sagte. und kommt heran! Nur näher! Soll’n wir sterben. von Feuers-Glut und -Qual. Kriemhild erfuhr. ihrem Herrn. sechshundert oder mehr Burgunden lebten. – Leben und Leib ward mutig dran gewagt. Sie machte die Hände reich. In breiten Schilden rotes. hoch aufgehäuftes Gold. ein überreicher Sold. Im ersten Tageslichte begrüßten schon von fern Die Hunnen sie mit Speeren von Etzel. Zu züchtigen. Und dennoch todbereit – Da nirgendwo mehr Gnade zu finden – ging ihr Sinn Auf Rache für ihr Sterben als ihren letzten Ehrgewinn. fähig noch immer harter Gegenwehr. Die Schilde krachten von der Wucht. Was Etzel wünschte. gewaffnet. Ein starker Bann von Männern. die Herzen scharf. Nie traf es sich so gut. 2124–2132 (2125) . kam zur Tür.

Das rote Blut Rann stromgleich.275 Was soll ich noch erzählen? Zwölfhundert wagten sich An Haus und Saal. Dort brach ein Freundesauge in allerletzter Not. Die Menge schwoll an und ebbte. Hier trug ein Freund im Antlitz ein blutig brennend Mal. Die tapferen Männer Etzels – sie sanken alle in den Tod. wich. 2133–2134 . dennoch kühlten an ihren Feinden sie den Mut. An manches Herz griff gierig der schneidend scharfe Stahl. So wogte unentschieden der Kampf.

Wenn es nach seinen Wünschen ihm selber gut ergeht. „mich gebar! Ist dieser Haß und Jammer denn ganz unwandelbar? Wie gern ich Frieden schüfe. Dem doch die größte Macht hier bei Etzel zu Gebote steht! Zahlreiche Mannen folgen gehorsam seinem Ruf. des Hasses wilde Gier!“ Doch der von Bern versagte sich ihm: „Wer möchte noch Abwenden das Verhängnis. Da litt Es Rüdeger nicht länger. so viel er haben mag. wie er heut müßig geht. Ihm brach das Herz in Trauer. So hart die anderen kämpften. daß eine Mutter“. Wie beiderseits man willig das beste Blut vergoß. In dieser Not vergaß wohl sein kühnes Herz Herr Rüdeger!“ 2135–2140 . Mir scheint. Reich sein Besitz. Wie man verzweifelt stritt. indes sein Auge überfloß. den einzig des Königs Gnade schuf. will Etzel keinen Frieden doch!“ Da sah ein Hunnenführer. ihn soll nicht kümmern. als sonst kein anderer mehr. wie kaum sich Rüdeger Erwehrte seiner Tränen. Die Könige zu retten. Man preist ihn. „Weh mir. Da er die liebsten Freunde in mörderischem Kampf verliert. er tat nicht einen einzigen Schlag. An Burgen und an Gütern.276 XXXVII. so rief er. was auf dem Spiele steht. Etzel bleibt ungerührt. Laut tadeln sagte er Zur Königin: „Seht den Markgraf. kühner sei er.“ Sein Mitleid trieb ihn bittend zu Dietrich: „Zügelt Ihr. Wie Markgraf Rüdeger erschlagen wurde Den ganzen Morgen hielten die Armen stand.

277 Wie traf das böse Wort ihn. als Ihr mich dermaleinst gewannt Und Euren Dienst versprächet. nicht in Feindeshand!“ Etzel verwies mit harter Scheltrede Rüdeger: „War dieses deiner Hilfe die einzige Gewähr? Ist unser Weh und Elend nicht so schon groß genug? Mehr war nicht nötig! Wenig half mir. zum Schaden dir. etwas schlecht bekam!“ Auch Kriemhild kam und klagte in Tränen: „Habt Ihr nicht Gelobt und zugesagt mir als Eure Treuepflicht. Sein Manneszorn erbrauste: „Du feiger Wicht. Daß tot der Hunne nieder vor seine Füße sank. fahr hin! Was weißt denn du. Leib und Ehr? Euch pries man als den Treu’sten. Alles für uns zu wagen. Verleumdung war es. den vielgetreuen Mann! In Zorn und Trauer blickte er jenen Schwätzer an: Dich soll’s gereuen. der meinen Mann erschlug!“ Der Markgraf sagte traurig: „Sein Tadel traf mich schwer. selbst Leben. Nun ist es Zeit! Nun seht Ihr mich armes Weib in höchster Not!“ 2141–2149 . ich trüge zu Unrecht Gut und Ehr. nennst du mich feige und verzagt? Du hast hier deine Sprüche. Gilt Eure Treue nun nicht mehr? Ich mahne Euch des Eides. Hätt’ ich nur Grund zum Hasse! Doch sie vertrauten mir. Er warf mir vor. die tausend niederschwang. zu laut gesagt! Es ballte sich die Faust ihm. dem Lügner. warum ich von Leid und Trauer elend bin? Mit Arm und Herzen hätte ich gern gekämpft wie ihr. bis einer von uns tot. Ich führte als Geleitsmann sie selber her ins Land. Die ich in reichem Maße aus Euren Händen nahm. die als Pfand Ihr mir geschworen. der Freundschaft. die ihm. Und meine Waffe liegt ja in Freundes-.

dein Manneswort bereit!“ – „Das hielt ich!“ sagte Rüdeger.“ Sie bat: „Gedenke. Einst war. mein Leid zu rächen. Die Hände rang der Markgraf. Ich habe geschworen. Wie sollt’ er tödlich hassen. Mit seinem Weibe fiel er aufs Knie vor seinem Mann.278 „Das leugn’ ich nicht. – dann wahrlich. vom gütigen Gott verliehn. nehmt in Gnaden zurück. bis in den Tod betrübt. Nimmt er mir die. rächst du. Was ich nun tu und lasse. Burg und Länder. edles Weib. Nun laß den rechten Weg mich erkennen. daß ich Gottverlassener in dieser Welt noch bin! Das Höchste. ihr Schutz ist meine Treuepflicht. womit Ihr mich Beschenkt habt! Nehmet alles. daß es dich nie gereu. nur komm zu Hilfe mir. „war ich getreu doch allezeit!“ Inständig bittend fleht’ ihn der mächtige Etzel an. Um Euretwill’n zu wagen das Leben. Und dann laßt mich am Stabe zu Fuße in die Fremde gehn!“ Unmutig wehrte Etzel: „Dein Leben geb’ ich dir Zu eigen. Gott im Himmelreich!“ An Etzel wandte bittend der edle Markgraf sich: „Herr König. die ehmals er so heiß geliebt! „Weh. da mir alles gleich schändlich gilt. die Lande. die Ehre ist dahin. Ja. Burg und Lehn. der alten Lieb und Treu. die Treue. Der edle Sinn. schelten sie alle mich zugleich. Die Seele zu verlieren. was die Feinde mir taten. sei belehnt Mit höchster Macht und Würde! Als König sei mit mir gekrönt!“ 2150–2158 (2155/56) . Des heiligen Eides denke. Ehr und Leib. das ich hatte. Und laß ich beides. – das aber schwor ich nicht! Ich hab’ sie hergeleitet. keines von beiden stillt Mir das Gewissen. Rüdeger. um schnelles Sterben bitt’ ich ihn.

der deinen König brennt. Nie träfe in der Welt sie eine bessere Wahl. erledigt wird heut mein Lehen. Ich weiß. Zu allem Jammer ward ich mit den Burgunden nah verwandt. und nun – schlüg’ ich die Freunde tot? Leicht tadeln mich die Leute. wo sich mit Glut und Ehr Die Zucht und Treue einte. Hat er als rechter Herr dir doch alles Gute einst gegönnt!“ Da fügte sich der Markgraf: „Ich weiß. Rüdeger!“ sprach Etzel frohgemut.“ 2159–2165 . Mein Kind verlobt’ ich Giselher zum Ehgemahl. Burg und Land Durch meinen Tod von eines getreuen Freundes Hand. die teuer dir und lieb! Auch trau’ ich meinem Glücke. an Glück mir einst gewährt. „Laß mir die Sorg’ für alle.279 Noch einmal flehte Rüdeger: „Weis mir den Weg dazu! Ich lud sie in mein Haus ein zu Gast. Was ihr an Gunst und Güte. noch heut entgilt Mein Leib die Königsgnade von Etzel und Kriemhild. Zurück zahl’ ich es heute. Um seine Sache stand es – so wähnte Etzel – gut. Den Freunden hab’ ich niemals den Frieden aufgesagt. das traf dich und all die Deinen mit. Verbunden bin ich ihnen fest durch ein liebes Band. im Wahn. Drum leg’ ich Eurer Gnade ans Herz mein Weib und Kind Und meine armen Leute. in sicherer Ruh An meinem Tisch zu essen. die dort in Bechelaren sind!“ „Gott lohne es dir. Erbarme dich des Jammers. Wo höhere Tugend glänzte. ich sei verzagt. was ich litt! Was Etzel traf. Aus Freundesherzen bot Ich ihnen Gastgeschenke. daß es dich schützt vor Schlag und Hieb. wie in dem jungen Giselher!“ Da widersprach ihm Kriemhild: „Gedenke. Das ist ein tapferes Sterben wert.

Im Helm und fester Brünne. Wahrhaftig. mit ihm fünfhundert Mann. Doch Giselher sah freudig den lieben Schwäher gehn. doppelt lieb ist mir nun das schöne Liebesband!“ Der Spielmann mahnte: „Was Euch so frohe Hoffnung gibt. Von ihren breiten Schilden kam heller Widerschein. rief er frohgemut: „Wünscht Glück mir zur Verwandtschaft.280 Wie auf der Waage prüfte da Rüdeger Seel’ und Leib. die uns auf dieser Fahrt Geschenkt ward. Sie dachten nicht an Sterben. Was schwerer wog.“ 2166–2173 (2168) . Die lieb einander waren. Kommt einer in Waffen. die sich heute gar herrlich offenbart! Euch hilft die Braut. es ginge alles gut. die Hand vor Augen. wie ungern ich den Frieden brach!“ Der Markgraf ging entschlossen. das Schwert blank in der Hand? An uns gewinnt der Markgraf vom Könige heute Burg und Land. Und hinter ihm. Trübe. Da sagte er: „Nun will ich erfüll’n. die einst ich in Bechelaren fand. „Alle meine Leute! Zum Kampf! Es kam die Zeit. als harrte nicht schon ihr Geschick. wenn er liebt. In seiner Nähe harrten die Seinen allesamt. Doch weinend stand vor ihm Etzels Weib. Wie sollte er wohl anders den Waffengang verstehn? Das konnte nur bedeuten. Das weiß ich nicht. Da schritt in Helm und Waffen Herr Rüdeger voran. in Händen die Schwerter. sah Volker in den Glanz hinein. Knecht und Mann. Zwölf starke Helden schlossen sich ihm zur Hilfe an. verhängt ist ihnen Kampf und Streit!“ Gewaffnet ward der Markgraf. Da kamen Freunde! Hilfe erwartend. todtraurig an sein Amt. Die hofften Preis und Ehre und rasches Siegerglück. was ich versprach! Erführen nur die Freunde.

Nun muß ich mit euch kämpfen. was Ihr schon geschenkt!“ 2174–2180 . dann wehrt euch! Mir befahl Den Kampf die harte Königin. Wenn schon der Feind im Sturme sie zur Verzweiflung trieb. Der alten Treu gedenkt! Schenkt uns nun auch das Leben zu allem. Ihr sinnt nicht auf Untergang und Todesnot. [dafür!“ Aufkünd’ ich euch die Freundschaft! Nehmt Kampf und Feindschaft nun Vor seinem Wort erschraken. die Ihr für uns gehegt. Dann hallte seine Stimme: „Ihr Nibelungen. Ich gab mein Wort zum Pfand. rief Gunther schmerzbewegt. Den guten Schild vom Arme setzt’ er an seinen Fuß. Kein Trug war’s. Ist euch das Leben teuer. Steht ab. Euch müßte Gott es lohnen. sprach Gunther. Statt Hilfe war den Armen nur größere Not verhängt.“ „Ihr kündet uns den Kampf an“. da stand Herr Rüdeger Draußen vor dem Hause. hört! Ich mahn’ euch. Es kann nicht sein. so fest die Treue steht. der Euch aus treuem Auge sah!“ „Hört auf! Ich kann nicht anders! Wie gut es mit uns stand. Als Ihr ins Land uns brachtet. die schon genug bedrängt.281 Kaum endete der Spielmann. Ihr schenktet ja den Meinen. „Das mag doch Gott nicht wollen“. daß ihr meines Angriffes euch erwehrt! Zwar Schutz war ich euch schuldig. was Euer Herz uns bot. Das kann nicht sein. Nun kam der Freund! Kampf galt es mit dem. „Daß Ihr der Huld entsagtet. was ihnen nur gefiel. Stumm erst verharrte er. Er mußte gar versagen den lieben Freunden Wort und Gruß. und laßt uns leben! Wir danken Euch so viel. So bleibt mir keine andere Wahl. „doch zu spät! Da doch so frisch die Liebe. doch nun schützt euch vor mir. der ihnen einst so lieb. Auf Eure Lieb und Treue verließen wir uns ja.

Was Euer Herz vermag. von Eurer Tochter scheid’ ich mich. Daß Eure schöne Tochter durch Euch zu früh zur Witwe wird!“ „Nein“. ihr lieben Gunther und Gernot. Wenn meiner sie beraubt sind.“ Zum Markgrafen gewendet. Es liegt von seiner Schneide manch einer tot. eh ich euch hier besteh. sagte Rüdeger.“ 2183–2191 (2181/82.282 „Ach. bliebet Ihr Verschont mit Euren Freunden. Die Freunde uns zu töten. die hier noch übrig sind. So hart Und herrlich ist die Waffe. die mir von Euch verliehen ward. Wie wir Euch zugetan sind? Wie Euer Herz doch irrt. Herr Gernot. sprach Giselher. 2189) . geschützt in der Burgunden Hut. und ich war tot. Ihr wärt mit Giselher am Rhein. Was ohne Haß im Herzen ihr Vater tat an Freund und Gast!“ „Sie war es wert“.“ „So möchte Gott es fügen. dann wüßte ich Weib und Tochter gut. „sie war mir lieb. sprach Gernot. Wär ehrenvoll gefallen. daß die Jungfrau Ihr nicht entgelten laßt. sage ich Mich los von der Verwandtschaft. Bewahrt es. und wäre selber mir Der Tod verhängt. „Gott gönne Euch den Tag Der Rückkehr nach dem Rheine. Versagt hat er im Kampfe nicht ein einzig Mal. wollte Gott. Wohl nie erfuhren Helden von einem Freunde solches Weh!“ „Das Schwert mag Gott Euch lohnen“. Mit Eurem eigenen Schwerte ging ich Euch an den Leib. versetzte Giselher: „Was wollt Ihr tun. Wenn Ihr jedoch nicht ablaßt und ernstlich darauf sinnt. „diesen Stahl. So leid es mir auch wäre um Euch und Euer edles Weib. Daß meine edlen Brüder hinsänken. Doch wenn zu solchem Hasse Euch Eure Feindschaft trieb’. Herr Rüdeger? Gedenkt Ihr denn nicht mehr.

Hagen. Dürft’ ich es hier nur wagen im Antlitz von Kriemhild! Doch sei’s! Hier. Und den in Fried’ und Freundschaft ich führte in das Land. da hörte er. Rüdeger! Ein solch herrlich Geschenk Wird niemals einem Helden künftig zum Angedenk. Die edle Gabe Rüdegers. rührte sogar sein hartes Herz. die ihn vor Todgefahr Beschützen sollte. Die Helden rings in Tränen verharrten stumm in wehem Schmerz. Er hob den Schild.283 „Nun. dann sei Gott uns gnädig!“ schloß nun Rüdeger. vieledler Rüdeger.“ 2192–2200 (2197) . Gewänne ich – dem Himmel Dank sagte ich dafür! – So einen Schild zum Schutze für mich wie diesen hier. „Der Himmel lohn Euch. Den mir Frau Gotelinde als Gastgeschenk verehrt. Doch ist ein solcher Jammer jemals erhört wie der. Daß solche Mannestugend – Gott füg es! – nie verfällt! An Euch wird man ermessen den Heldenadel in der Welt. das Schwert hoch zum Sturm. Daß Freunde sich bekämpfen? Ob das wohl Gott verzeiht?“ Der Markgraf sagte traurig: „Auch mir ist es von Herzen leid. Der Schild. Was hilft denn dem Könige dieser Freundesmord? Schwer bin ich in Bedrängnis. Den du da trägst am Arme. Dann brauchte ich in Zukunft wahrhaftig keinen Panzer mehr.“ „Aushelfen möcht’ ich gerne dir gleich mit meinem Schild. nimm ihn und führe ihn gesund Im Andenken an Rüdeger heil in die Heimat nach Burgund!“ Wie rauh und grimmig Hagens Gemüt und Art auch war. der mich bewehrt’. An anderer Mühsal trugen wir schon hart und überschwer. Der wurde mir in Stücke zerhauen hier an meiner Hand. Wie Hagen rief: „Halt ein noch! Vernimm ein letztes Wort! Uns zwingt die Not.

Er sprang und raste wild In heldenhaftem Ansturm. „sie könnte mehr Euch an Geschenken geben bei Eurer Wiederkehr. 2201–2208 . Und wie es Hagen tat.284 „Für diese Gabe dank ich Euch ewig. Nur Gernot blieb Mit Gunther eng zusammen bedacht auf Hieb und Gegenhieb. Wurde doch nichts an Leid erspart Solch edlen Männerherzen! Der Hüter stolzer Ehr. Gelobe ich das gleiche. Ihr sollt mein Bote werden. Seh ich sie einmal wieder. Auch Volker vor dem Hause versprach: „Mein Kamerad Hat Frieden Euch geboten. sprach Rüdeger. Volker und Hagen wichen. Die sollte ich hier tragen beim Sonnwendfest.“ Nach diesen Worten raffte Herr Rüdeger den Schild. lieg’ ich erschlagen tot. wollte Gott“. Mir schenkte Gotelinde Armringe. Sein Schwert im Niederschwung Traf hier und dort und hieb sich durch Schild und Helm und Panzerung. Auch Giselher vermied noch den Kampf. als Ihr uns Eure Gastgeschenke gabt. nimmermehr Hebt gegen Euch sich meine so reich beschenkte Hand. goldenrot.“ „Ach. Der Vater aller Mannestugend starb mit Rüdeger. Die beiden standen gut Zu ihrem Wort. Rüdeger! Wie Euch begegnen mögen die anderen.“ Der Markgraf neigte tief sich in ritterlicher Art. kehr ich gesund zu ihr nach Haus. ich richte gern Eure Botschaft aus. In Bechelaren habt Ihr uns gewonnen. So blieb denn die Türe ohne Hut. Ihr seid Mein Zeuge. Erschlüget Ihr auch alle die Unseren aus Burgundenland. Seid unbesorgt. Jetzt harrte er nicht länger. Da weinten viele. daß ich treu sie in Ehren trug in Kampf und Streit.

Durch Gernots Eisenhaube. Den starken Gernot reizte ingrimmig das vergossene Blut. ein heißer Feuerbrand.285 Die Mannschaft Rüdegers sprang schützend hinterdrein. rot sein Pfad. Nun griffen auch der Tronjer und Volker grimmig an. der Preis des Gastgeschenkes wär’t!“ Da schlug sich durch die Menge der Markgraf. daß Blut und Leben rasch zerrann. Und wenn Ihr selbst. Das Gastgeschenk des edlen Rüdeger erzwang Durch Schild und Helmgefüge sich einen Weg und drang Tief in den Hals dem Geber. – Die Ehre war im Spiele – stand Gernot gegen Rüdeger. ich zahle Euer Schwert. dem schwollen Zorn und Wut. der kein Erz widerstand.“ 2209–2222 (2212–2214) . sank der Mann Der schönen Gotelinde. wen er alles schlug! Doch einer war. Ward eine Gabe jemals schlimmer gedankt als die? Gernot und Rüdeger beide. Wohl wies sich Rüdeger gewandt und stark genug. Eh ganz das Blut verströmte. Dann blitzend fuhr die Klinge. Traf den Burgunderkönig zu Tode. Noch einmal. Rings sinkende Burgunden. Zum Schutz die Schneide quer. Da stürzte. „Wollt Ihr mir keinen lassen?“ So rief er Rüdeger an. Kommt erst zu mir heran! So teuer es zu stehn kommt. Hagen rief klagend: „Mancherlei Unheil geschah. der sah es. Herr Rüdeger. Sie schonten keinen anderen als nur den einen teuren Mann. doch keinen betrau’r ich mehr als diese zwei. Hei. So kühn wie gut bewaffnet. hob der zum Gegenschlag den Stahl. „Das kann ich nicht mehr ansehn. bis er Gernot genaht Bis an den Leib im Sprunge. Da schlug man aus den Schilden viel Spangen und Gestein. – im Kampf erschlugen sie Sich gegenseitig.

Teuflisch verleumdet hättet Ihr diesen edlen Mann.“ Der eine saß und ruhte. – Die lange Stille weckte Herrn Etzels Angst. was sich im Haß geliebt. Nun schwankt er und verhandelt mit ihnen. Wohin er trat und schritt. wo tot im Saal Die besten Männer lagen. Mit Giselher und Gunther ging Hagen noch einmal Wie Volker auch und Dankwart dahin. der lehnte an der Wand. darin das Blut uns brennt. Tot lagen Rüdegers Helden.286 „Mein armer Bruder!“ klagte Giselher betrübt. Nie mehr versöhnt sich Rüdeger! Der Tod nur hindert ihn daran. Die Not wuchs. Da zürnte jäh Die Königin: „Sie ruhen! Wie dienen sie uns schlecht! Wir hofften. Will er gar Als Freund sie heimgeleiten? Untreu und schändlich war’s fürwahr!“ Das hörte Volker: „Leider betrügt Euch falscher Schein. Kampfmüde alle. sinnend. Nahm er die Bechelarer sich alle zur Gefolgschaft mit. so fürcht’ ich. Was soll noch Schlimmeres kommen? Wie geht dein Tod mir nah! Mit dir und Rüdeger liegt Ehr und Treu beisammen da. „Wie arm der Tod uns machte!“ so seufzte Giselher. Daß sich die Panzer kühlen. Gernot und Rüdeger. nicht mehr lange gönnt. als es drinnen zu neuem Kampfe kam. Dürft’ eine solche Königin ich einer Lüge zeih’n. In tiefem Jammer standen sie um die beiden Toten her. 2223–2230 . „Hier hat der Tod geerntet. Da Gott uns doch das Leben. „Nun laßt den kühlen Windhauch herein und weint nicht mehr. und waffenmatt die Hand. Der Lärm erstarb im Weh. Der Tod ging auf die Suche. Rüdeger hätte unsere Qual gerächt.“ Auf seinen toten Schwäher sah Giselher voll Gram.

287 Gehorsam tat er alles. Kein Schreiber zu beschreiben ist wohl kunstreich genug. wehklagend Weib und Mann In wildem Schmerz um Rüdeger vor Herzeleid zu schrei’n begann. Er und die Seinen alle liegen im Saale tot. wie man den Toten hoch auf den Schultern trug. Der Jammer übermannte den König. Etzel schrie Mit eines Löwen Stimme. so mögt Ihr selber schau’n!“ Man trug den toten Helden. Und heiße Tränen weinte Kriemhild. Der Anblick überkam Mit Grausen König Etzel und mit Erschütterung und Gram. Nun sucht und seht Euch um nach einem anderen. ob’s besser dem vielleicht gerät! Wollt Ihr es mir nicht glauben. Sie sah’n. Er hat Euch bis ans Ende gedient. Wie ungebärdig weinend. Ein schreckensvolles Bild war’s. die Schmerz und Qual ihm lieh. was Etzel ihm gebot. vom Gram verzehrt. – Noch heut gilt Rüdegers Treue als höchster Ruhm und Manneswert. zerschunden und zerhau’n. 2231–2234 .

den ich den edlen Männern bot.“ Wolfhart. Erhält er eine Antwort. Erschüttert rief der Berner: „War das gefügt von Gott? Das hat der üble Teufel verübt in höhnischem Spott. Sei Kampf auf Tod und Leben den Fremden angesagt! Ertrügen wir’s. – Welch anderes Unglück klagte mit solchem Wehgeschrei!“ Dietrich von Bern versetzte: „Was auch die Ursach’ sei. Der hörte. als ob dort der König selbst gefallen wär.“ Doch Dietrich sprach: „Wenn jene ein Übermütiger fragt. wie es stand: „Gefallen ist Herr Rüdeger von der Burgunden Hand. so scharf. Nicht einer ist am Leben.“ Er sandte Helphrich eilends. der ihm zur Seite stritt. und ohne alle Fehl und Schuld. Wie Herrn Dietrichs Helden erschlagen wurden Der Schall des Jammers gellte zurück von Turm und Wand. drängte: „Laßt mich hinuntergehn. die Schande und Schmach war ewig neu. War Rüdeger doch den Gästen vereint in Gunst und Huld.“ In Wut aufwallte Wolfhart: „Wenn jene das gewagt.“ So böse Nachricht brachte Helphrich seinem Herren mit.288 XXXVIII. Zu sehn. Ein Amelunge nahte: „Von Schmerzen übermannt Schrei’n sie mit schrillem Wehlaut furchtbar vom Saale her So schreckensvoll. Ihr Herzensfreund. War keiner doch wie Rüdeger mit Leib und Seele uns getreu!“ 2235–2246 . der Kühne. Verwandter. was Ungeheures im Saale ist geschehn. daß sie ihm nicht behagt. Laßt sie in Ruh! Gewähret in ihrer letzten Not Den Frieden bis zum Tode.

stand. dann hüten sie ihre Zunge um so mehr. Auf ruhige Begegnung und nicht auf Kampf bedacht. daß ihr den Mann erschlugt?“ 2247–2254 . was sie wollten. Nehmt Schild und Schwert. Er fragte. wie es stand. So nahm er weder Waffe. Nun wird’s uns Armen schlimm ergehn!“ Im nächsten Augenblicke erschien auch Hildebrand. Saß unruhig und traurig an einem Fensterrand. Drum rief er Hildebrand her. Damit nicht seine Späße der Tronjer mit Euch treibt. Zwar war es ihm nicht recht. Und wie er da. In Wehr und Waffen sind sie. unsicher. der sollte selber gehn. „Die Mannen Dietrichs sind es. Vernahm er. daß ihr es nicht ertrugt! Was hat der edle Rüdeger getan. Mit einer höhnischen Antwort nur kehrt Ihr wieder her. kamen nach altem Brauch Gewaffnet Dietrichs Mannen. wie sein Neffe Wolfhart ihm einen Vorwurf macht’: „So ohne Wehr und Waffe geht Ihr den üblen Gang? Seid sicher. zu warnen seine Herrn. sie erwidern Euch das mit schlimmem Dank. noch Schild in seine Hand. was bei den Gästen im Saale Schlimmes sei geschehn.“ Da fügte sich der Alte und nahm die Männer Dietrichs mit. so tat der Alte auch.“ Und wie ihm riet der Junge. Kampfkühn genug und furchtlos war Meister Hildebrand. Zu sehn. Der Spielmann an der Treppe erblickte sie von fern. Viel lieber wär allein er gegangen ohne Mann und Knecht. Wie mancher das von seiner gewandten Zunge litt.289 Der Amelungenkönig. den Schildrand an seinen Füßen. wo Ihr bleibt. „Die Berner kommen!“ rief er. Sie wollen uns bestehn. Begann er: „Was geschah hier. „Wir bleiben. Eh er’s verhindern konnte.

Von ihrem Schmerze rannen die Tränen über Kinn und Bart. Säh’ ich ihn tot. Dann sagte Hildebrand.290 Da sprach Hagen von Tronje: „Die Kunde trog Euch nicht. Euch löge ein Gerücht. Burgunden. Wie gerne ich Euch gönnte. wie er uns treu war lebenslang. den toten Rüdeger! Im Leben unsere Freude. von Seufzern halb erstickt: „Uns hat mit dieser Bitte Herr Dietrich zu euch hergeschickt. er stünde hier. Wie es der Markgraf manchmal getan? Ach. und die sie ihm bewahrt. die er ihnen. Um seinetwill’n. mit ihnen auch Helmnot Und alle ihre Freunde beweinten seinen Tod. Sie jammerten und dachten der reichen Herzensgut’. Es werden Frau’n und Männer beweinen ihn wie Ihr und wir Als sie die Wahrheit hörten. schnitt sie in ihr Gemüt. Der Treue. Der Heimatlosen Tröster. 2256–2262 (2255) . Die Rüdeger uns schenkte als langer Qual Gewinn. soll er zu unserer Ehr Im Tode noch genießen. rief todbetrübt: „Wie sehr ich meinen Vater als guter Sohn geliebt. wünscht’ ich. es drückte mich doch kein größer Leid! Wer soll sein Weib nun trösten in ihrer Herzenstraurigkeit?“ Zornmütig fragte Wolfhart: „Wer führt uns künftig an Und reitet auf der Heerfahrt dem Zuge kühn voran. des Teuren. was wir als Lohn und Dank Ihm schuldig sind für alles. Gebt uns heraus. Wolfwin. er ging mit Rüdeger dahin!“ Ein anderer Amelunge. Der Berner Herzog Sigestap sprach trüben Blicks: „Nun ging für uns zu Ende die Zeit des reinen Glücks. niemals mehr Zieht er als stolzer Führer vorn an der Spitze vor uns her!“ Wolfprant und Helphrich beide.

Wenn er uns nicht mehr führt. das ist nicht unsere Art. Doch hätt’ ich Lust zu fechten. daß wir die teure Last Wegführen. daß unsere Ehre Euch solchen Hohn nicht übelnimmt!“ 2263–2269 . Was man ihm nicht erlaubt hat.“ Darauf versetzte Volker: „Kehrt um! Wir tun es nicht! Holt ihn euch doch. kein Dienst so gut. Reizt uns nicht schlimmer noch! Euch weh zu tun.“ Der Spielmann höhnte spöttisch: „Wer niemals etwas tut. und die Freundschaft im Tode ihm mit Dank Erwidern. Als den ein Freund dem Freunde nach seinem Tode tut. Das ist nicht Art der Helden! So denkt und spricht ein Knecht!“ Das Wort des Kameraden schien Hagen gut gesagt und recht. ihr habt uns doch Genug getan an Schmerzen. Würd’ Euer Saitenspiel auch arg dabei verstimmt. Kommt her! Mit vielen anderen liegt Rüdeger hier im Blut. „Mut auf Verlangen zeigen. „daß ihr endlich den letzten Trost uns gönnt. wie es ihm gebührt. Habt acht.“ „Wie lange soll’n wir warten und flehen? Macht ein End’!“ Sprach Wolfhart. dem mangelt es an Mut. Herr Dietrich hat uns den Kampf mit euch versagt. Das nenn’ ich feste Treue. Woll’n wir zum Grabe führen den Helden.“ Da sprach der König Gunther: „Kein Dank. Laßt uns nicht lange bitten. wenn’s euch nicht an Mut dazu gebricht. Das wär der rechte Dank erst. Den eure Hand uns raubte. geht heimwärts Eure Fahrt. wenn ihr das für den Helden tut!“ Der kühne Wolfhart zürnte: „Gott weiß.291 Auch wir sind fremd wie Rüdeger und selber nur zu Gast. Wir dürfen’s nicht. wie es leider im Leben uns nicht mehr gelang. beständig und bewährt. Nach so viel Liebe ist er wahrhaftig eures Dankes wert. wir wagten’s freiwillig unverzagt.

Entflammt in gleichem Zorne. vorwärts. „Rennt er mir in die Hände. daß er nachher nichts mehr davon berichten kann!“ Da standen schwer erbittert die Berner. Helphrich und Wichart hatten wie Ritschart und Gerbart Mit ihrer Freundeshilfe im Kampfe nicht gespart. Der alte Waffenmeister erstürmte wild im Lauf Die Treppe. Verbeule ich den Helm Euch. Doch Meister Hildebrand Riß ihn zurück: „Verliere nicht Sinne und Verstand! Mit deiner Wut und Dummheit und tollen Ungeduld Bringst du dich noch am Ende um unseres Herren Gunst und Huld!’ „Laßt los den Löwen. Ich sorge. ich bändige ihn schon! Schlüg’ er die ganze Welt tot bis auf den letzten Mann. Meister!“ rief Volker voller Hohn. drang Er stürmisch gegen Volker. Von ihren Helmen stob die Glut.292 Da sagte Volker lachend: „Wenn’s Euch einmal gelingt. Der bisher Schon Wunder tat im Angriff. Wie Giselher sich wehrte. Daß Ihr mir meine Töne arg in Verwirrung bringt. Ob ich nach Hause komme. er setzte wütend sich zur Wehr. Doch Wolfwin trennte beide. Und Wolfprants Schläge fielen wie Hagel dicht und blitzgeschwind. die Berner folgten ihm.“ Wolfhart stand auf dem Sprunge. In scharfem Kampfe stand Selbst Gunther mit den Männern vom Amelungenland. wie sie gesinnt. Sie brachten’s den Burgunden gut bei. das ist mir einerlei. Ein wilder Löwe. Zum Schwert griff Hildebrand in jäh erwachtem Ungestüm. Wolfhart sprang. 2270–2281 (2276/77) . und als erster nahm er’s mit Hagen auf. ob nicht. im Überschwang an Mut Wild schwangen sie die Klingen. Den Schild erhoben. lischt auch sein Glanz dabei. so Dankwart.

Die Panzerringe klirrten. Volker sah. und blutig fand ihr Ziel Manch gute Degenklinge. Tot lag der Amelunge. die Rache glückte doch zuletzt. von Strömen Bluts benetzt. die scharfen Schwunges sank. Im dichtesten Gewühle rang Dietrichs Schwestersohn. 2282–2288 . Gespalten ihre Helme. bis tot von ihrer Hand Rings die Burgunden lagen. Daß aus den blutigen Ringen ein roter Bach entsprang. Zusammen schmolzen schon Und sanken die Burgunden vom Amelungenstahl. Dennoch war er verloren. rasend ging Er Volker hart zu Leibe. Der alte Waffenmeister schlug da den kühnen Spielmann tot. Denn von des Spielmanns Bogen sank nieder Sigestap. Der tötet von nun ab keinen mehr! Er selber soll dran glauben!“ Wutschäumend. Nun stand er schutzlos. Den heißen Quell. Den Spielmann traf so wuchtig der alte Hildebrand. Er spielt’ ihm eine Weise und spielte ihn ins Grab.293 Wie rasend focht und tobte der alte Hildebrand. als Volker ihm entgegendrang. dennoch trotzend in letzter Not. Hier galt es Rache unverwandt! „O weh des lieben Herren! Dahin! Nun starb auch der! Der Spielmann tat’s. Wie hier und dort er einem den Panzer so zerhieb. Da brannte Hildebrand In Schmerzen um den Toten. Nie stritt er so wie dieses Mal. wie Sigestap sie in die Enge trieb. der hoch auf als roter Bach dem Haupt entsprang. Der edle Sigestap. der höhnisch ihn und kühn empfing. Die Dietrichsmannen drängten sich wilder ins Gewühl. Daß Schild und Helmgespänge hin flogen an die Wand. So schien’s den Amelungen. Nicht ruhten er und Wolfhart.

Doch schwer ihr Herz von Trauer. der mit ihm ein Herz und eine Seele war. Mit blitzgeschwinden Schlägen empfing ihn Giselher.  [Schwert. wohin er drang. Volker. von keinem Stahl versehrt. Was kam nun. Er hatte seinen Tod schon voraus gerächt. Zur Seite ihm fiel Dankwart. Und nun auch er. Doch dieser stand Ob todeswund. sein Kamerad. der schnitt und mähte und brachte Tod. Da flammte seine Rache empor wie Feuerbrand: „Den besten Kameraden verlor ich. So jung er war.294 Der Tronjer sah erstarrend. Dreimal schon hatte dieser den blutigen Gang getan Breit zwischen den gesunkenen Burgunden hin und her. Noch stand Mit Giselher der König. Den Schild vom Arme ließ er hingleiten in den Saal. 2289–2297 . Und durch die Brünne schlug er Wolfhart. Da wandte sich und rief hin bedrohlich an Herr Giselher: „Heran zu mir! Hier wartet ein Ziel auf deine Wut! Heraus fordr’ ich das Ende. Mit beiden Händen schwang er hoch überm Haupt den Stahl. noch aufrecht und hob zum letzten Hieb die Hand. daß von dem harten Gang Das rote Blut vom Boden aufspritzend um das Haupt ihm sprang. Lag tot im Saal. Er sank von Helphrichs Hand. so tapfer und schwertgeschickt war er. – Hildebrand! Du sollst es büßen!“ Höher den Schild! Er hob und schwang Den Stahl.“ Wolfhart lief durch den Saal hin. zu Tode getroffen. Der von dem mächtigen Hiebe durch Helm und Brünne drang. lautlos niedersank. schlecht sei es oder gut. Daß Giselher. als Dankwart fiel von Helphrichs Indes hieb durch den Saal hin sich Wolfhart eine Bahn. das ihm noch weher tat? Die Freunde und Verwandten dahin! Das schmerzte zwar.

daneben überall Die Amelungen Dietrichs. „Mein lieber Oheim“. Doch hütet Euch vor Hagen! Furchtbar in seinem Zorn ist der! Beklagen sich die Meinen. Es klagt mit nassen Augen manch guten Ritters Weib. bis ich endlich. denn Eure Hilfe. Und fragt Euch einer. Sie haben auch gar teuer bezahlt für meinen Leib. Mitnehmen wollte er Den wunden Mann. Er schloß ihn in die Arme. der ihm so lieb und nah verwandt. rühmen soll’n sie mich vielmehr. nein. Als er den Helden totschlug. den Hagen einst gewann. Sterbend in seinem Blute sah er den Oheim an Dankbaren Blicks. sagt nur. mit meiner eigenen Hand Hätt’ ich wohl hundert Feinde voraus mir in den Tod gesandt.“ In grimmer Trauer dachte der Tronjer. vom tapferen Giselher. Am Ton erkannte man Den edlen Balmung Siegfrieds. zufrieden bin!“ Jählings hob er die Schneide. Vergeblich. – nichts nützte sie mir doch. daß dieser noch jetzt für ihn auf Rettung sann. gefallen wäre ich Von eines Königs Händen. wie dem Schlag Des alten Waffenmeisters sein Kampfgesell erlag. Wolfhart war viel zu schwer. „Laßt ab. Sagt. Tot lagen Gunthers Mannen. Im Schwunge blank und scharf Bedrohte er den Alten. sagte der Todwunde noch. Nicht Tränen soll’n sie weinen. der schnell den Schild dagegen warf. Der alte Hildebrand Bog jammernd sich zu Wolfhart.295 So rächte einer sterbend am anderen seinen Fall. Ich ruh’ nicht. Er zürnte: „Ihr seid schuld dran! So mancher Held sank hin. In dieser Not frommt mir Eure Lieb nicht mehr. Zu spät. und weinen sie um mich. von Euch bezahlt. herrlich sei mein Ende. 2298–2305 .

Ging heim und kam zu Dietrich mit seinem traurigen Bericht. eine Not ist’s vor aller anderen Not. Erschrocken fragte Dietrich: „Wovon seid Ihr so rot? Gehandelt habt Ihr. verwaist zu Bechelaren sind!“ 2306–2314 . Daß er. Den ich geboten hatte. Und diesem grimmen Teufel entrann ich nur mit Müh. Nun stand Gunther mit Hagen ganz allein. doch meiner Base Kind! Weh allen. das Gesicht. da Ihr den Frieden bracht. fürcht’ ich. die edle. wie ich Euch anbefahl. breit genug und lang. Herr Dietrich! Denn unser Leidenslos Ist schwer genug. kein Hieb gelang. zuwider dem Verbot. Ist Gotelind. und wahrlich.“ „Zürnt nicht zu früh. Wir forderten die Leiche des edlen Rüdeger. Und während Hildebrand kein Schlag. Da höhnten sie uns grimmig und weigerten sie hinterher. Der Waffenmeister. Die Hagen aber blitzschnell mit seinem Balmung fing.“ Dietrich fuhr auf: „Ist Rüdeger dahin. Schlug Balmung eine Wunde dem Alten. Wer von den Gästen brachte Euch diese Wunden bei im Saal?“ Da sagte Hildebrand: „Von Hagen hab’ ich sie. und den auch Ihr zugleich verspracht. Schnell auf den Rücken warf er den Schild sich und entrann. die verlassen. blutig die Rüstung. die Trauer allzu groß. der einzige Mann! Von den Burgundenhelden blieb nur den letzten zwei’n Das Leben. vor tödlicher Gefahr.“ Der Berner schalt: „Gerecht war’s.296 Und nun mit klugen Streichen ihm hart zu Leibe ging. Von allen Amelungen er übrig noch. in Not und Sorgen war Vor neuem härterem Angriff. gewißlich tot? Ein Jammer. Habt nicht den Kampf gemieden. schon schwach an Kräften.

daß ich geboren bin. Hildebrand. Auf harte Fragen soll’n sie mir selber Red und Antwort stehn!“ Da fragte Hildebrand: „Wen ruft und waffnet Ihr? Die noch gesund am Leben. steht ihm bei. daß mich armen Dietrich Gott vergaß. daß alle. Ich war ein mächtiger König. daß ich wieder mein Amelungenland gewinn? 2315–2322 . Hagen von Tronje. woher kam ihre Kraft? Mein Unglücks Schicksal war es.297 Heiß strömt’ es ihm zu Herzen. drum stürzte es mich so tief hinab. daß nur ein einziger blieb? Die kampfmüden Burgunden. Wolfhart. Dann weiß ich. ihr. bis es in Tränen rann. noch leben zwei. als wäre die Welt für Dietrich öd und leer. war reich und stark im Übermaß. Niemals erfuhr Herr Dietrich so Schlimmes in der Welt. Er sprach: „Und liegen alle die Meinen nun gefällt. Wer hilft mir. Alle meine Leute! Bringt mir mein Kampfgewand! Ich selber will in Waffen zu unseren Gästen gehn. „doch dieser liegt auch von Rüdegers Händen tot.“ Zornwallend brauste Dietrich: „Auf! Waffnet. der ihn erschlagen?“ – „Der König tat’s Gernot“. Nur Gunther.“ Das traf ihn so. Ich stand zu hoch. Wer lebt noch? Ließ von keinem denn Tod und Schicksal ab?“ Da sagte Meister Hildebrand: „Gott weiß. In diesem Kampf gefallen. die stehen alle hier. das all die Meinen weggerafft. Die anderen sind nicht mehr. Wolfwin und Wolfprant. die mir lieb. Wie konnt’ es nur geschehen. Ich ganz allein bin übrig.“ Da klagte Dietrich: „Freunde. sänket ihr alle denn hinab? Nun könnte mich gereuen. Sprach Hildebrand. „Nun habe ich verloren den allertreusten Mann! Wer war’s. Sigestap. und sein Treuster.

298 Auch Helphrich tot. daß ihr verloren seid? Daß mich der Tod doch träfe wie sie auf einen Schlag! Für meine Erdenfreude war das der allerletzte Tag!“ 2323 . der Kühne? Wohin mit allem Leid? Ist’s wahr. Gerbart und Wichart.

wer als einziger von allen nicht zu sterben braucht. standen kampfmüde an die Wand gelehnt. Den Helm. Schrecklich sein Grimm. Leidvolle Worte kamen von Dietrichs Lipp und Mund: „Wie habt Ihr schlimm gehandelt. die Brünne brachte ihm Meister Hildebrand. doch kraftvoll wieder. In seinem Grimme stand er. als er kam Und. Nach seinen Waffen griff er. Er soll nur kommen! Trotzend auch Dietrich steh ich meinen Mann!“ Die kühne Drohung hörte Herr Dietrich. aufrecht wie sonst und groß. beide sich nah. das hier im Saale raucht. tränenlos. Verwundet wohl vom Schmerze. die Stärke im Zorne löwenhaft. Dennoch.und Wehschrei erschütterte das Haus. Wie Gunther. schritt Dietrich dahin. vor dem Hause haltend. An mir. das Schwert in Händen. Das helle Kampfgewand. Ihn brennt das Blut der Seinen. Von weitem sah ihn Hagen: „Nun kommt der Herr von Bern! Der hat es abgesehen auf mich und meinen Herrn. Daß Ihr von allem Glücke mir in der Welt nichts übrig ließ’t? 2324–2329 . Den mächtigen Schild am Arme. Ihn dünkt unüberwindlich die eigene Riesenkraft. Heut weist sich. zur Seite der alte Waffenmeister mit.299 XXXIX. wie sie gewöhnt Stets beieinander. Gunther von Burgund. Hagen und Kriemhild erschlagen wurden Dann aber brach des Berners Manneszorn heraus. Sein grimmer Wut. den Schild vom Arme nahm. Gunther und Hagen. dem Landvertriebenen! Wofür hab’ ich gebüßt. – will er als Rächer und Feind an mich heran.

doch das versagte ich. Rühmen werd’ ich es allezeit an dir. „Ihr uns allein die Schuld. wie ringsum Von Qual und Not die Freunde da liegen tot und stumm. Zu reich das Leben. Die Eurigen erregten hier Wortzank und Tumult. Ergib dich mir als Geisel. den toten Rüdeger Hier aus dem blutigen Saale zu führen in sein Grab? Und lehntet Ihr nicht höhnisch der Amelungen Bitte ab?“ Da sprach der König Gunther: „Sie forderten für sich Den Leib des edlen Rüdeger.300 War’s nicht genug des Unglücks an einem. dich selbst und deinen Mann! Dann sorge und verhindr’ ich. so gut ich immer kann. Daß sich an euch kein Hunne heranwagt. Drauf schalt und drohte Wolfhart uns spöttisch dreist ins Angesicht. was ich an Glück besaß. freiwillig leiste mir Gerechte Sühne. nur Etzeln vergönnten wir ihn nicht. gewaffnet. Die Schar der Amelungen. Nimm dafür Als Bürgen mich! In Treuen gewähr’ ich Schutz und Hilfe dir!“ 2330–2337 .“ „Was soll ich anders glauben? Kam sie nicht bittend her. Gunther. Auf deinen edlen Sinn. das ist die reine Wahrheit nicht. kampferpicht. habt Ihr vergällt!“ „Zu Unrecht gebt“. erfuhr in aller Welt Noch keiner! Alles. sprach Hagen. Nicht Euch zuleid. vertraue ich. Sie kamen her in Scharen. scheint mir. Was du mir angetan hast. Was Euch erzählt ward.“ Da endete der Berner: „Nicht anders löst es sich. Rüdeger? Erschien Euch diese Erde nicht arm genug und leer. daß Ihr alle die Meinen roh Und grausam ausgetilgt habt? Hätt’ ich an Euch gehandelt so? Gedenkt doch. Was Ihr mir angetan habt. was Ihr selber erlittet.

das geziemte sich!“ Erbost versetzte Hildebrand: „Wer war es. bin gerne ich bereit. als daß es so kleinen Zankes würdig war! 2338–2345 . „die Zumutung ziemt nicht Dem Könige! Unziemlich ist schon. Dem Feinde standzuhalten im Kampfe.“ „Hört auf!“ rief Hagen heftig.301 „Verhüte Gott“. wie sie Helden ziemt. der vergaß. Als er am Wasgensteine auf seinem Schilde saß. verbiete ich das Wort! Denn allzu schwer. die gesund noch und unerschütterlich In Freiheit kämpfen können. Ihr sühntet leicht. indessen mein Leid so überschwer. was recht und billig wär. daß einer spricht. Daß zwei so kühne Männer. Euch. Dann alles zu vergessen. rief Hagen. Denn ehrliche Versöhnung rät Dietrich. von Feinden unbesiegt. „daß dir zwei Helden sich Ergäben. Der Freunde. sagte Hagen. Solange ihre Waffe kampflos in ihren Händen liegt!“ „Verweigert nicht zu eilig. „eher gäb’ ich mich selbst als Pfand. Hildebrand. wie alte Weiber tun. flüchtend wie Hildebrand.“ „Ja“. es kommt die Zeit. Daß ihr zu diesem Frieden bereit und willig seid Und meines Herrn Verlangen als billige Sühne rühmt. die Herr Walther von Spanien ihm erschlug? Zu lästern hätte Hagen sich freilich selbst Ursach’ genug!“ Da aber sprach Herr Dietrich: „Laßt Eure Zunge ruhn! Es ziemt sich nicht zu schimpfen. Da er hier aus dem Saale mir allzu schnell entwich. allein von Euch bedroht. Zu groß mein Leid. Sich freiwillig nur zweien ergeben sollen ohne Not!“ Da mahnte Hildebrand sie: „Gott weiß. Und in die Heimat gebe ich selber euch das Schutzgeleit. Als schmählich mich zu retten.

wäre nicht ehrenvoll und recht. Sein Gegner übermenschlich sich schlug und furchtlos stand Und ihm gefährlich harte Schwerthiebe abgewann. mir bräche im Kampf das Nibelungenschwert. Wir beide Eure Geiseln? Das Wort hat mich empört. das Herz von Stolz geschwellt. Hagen. Wer Hagen war. Dich töten. Vielleicht kann ich dich zwingen. Dietrich sah bald. Hagen. 2346–2352 . Mit bloßer Faust. Niemals! Es sei. Der Hagen schwer verletzte. ganz allein Gedachtet.“ „Das leugn’ ich nicht“. mir zu stehen in einem Waffengang zu zweien. wenn’s auch gefährlich ist. von Todesmut entbrannt. wie grimmig. der krachend von Dietrichs Panzer widerklang. „Im Zweikampf Euch zu stehnr Das will ich gern versuchen. Schon sprang hinab die Treppe der Tronjer. indes sich Gunther. Als ich gewaffnet herkam. Die Wunde klaffte tief und lang. Sausend schwang Den Balmung er. damit du lebendige Geisel für mich bist. dünkt mich. Nach kurzem Kampfe sank es aus Hagens Hand zur Erd’. sprach Hagen. Da rückte seinen Schild hoch der Amelungenheld. das mag geschehn.“ So trotzte Hagen grimmig.302 Doch sagt mir. habt Ihr Euch nicht gerühmt. Als Dietrichs meisterhafter Schwertkunst ein Hieb gelang. grämte. Da dachte bei sich Dietrich: Du bist vom Kampf geschwächt. – ein Held! ein Mann! Wie fürchterlich auch mähte das Nibelungenschwert. Mit ihm verlor den Letzten er. Ihr. Mit mächtiger Armgewalt Umklammert hielt er eisern die riesige Gestalt Und zwang sie an den Boden. Was kommt. Er warf den Schild zur Erde. Ihr wärt Bereit mit mir zu kämpfen? Hab’ ich es doch gehört. schwer Um Hagen trauernd. erkannte Herr Dietrich jetzt.

– Einsam war jetzt auch Gunther. „Straft ihn nicht! Steht er hier auch gebunden vor Eurem Angesicht. wie es die Königin befahl. hielt sich Gunther männlich und widerstand. womit er Euch so schwer verletzt. Dir will ich ewig danken. In jähem Anprall wurden die beiden Kämpfer handgemein. daß Dietrich ihm gar zu unterliegen schien. 2353–2360 . Der Berner zwang auch ihn. Sei du so glückgesegnet. „Du hast in meiner Not mir den besten Dienst erzeigt. Weithin erscholl sein Ruf: „Wo bleibt von Bern Herr Dietrich. Des Berners Schneide fuhr Scharf durch die Panzerringe. Vielleicht läßt er Euch künftig nach allem Leid zuletzt In treuem Dienst vergessen. Der je ein Schwert geschwungen mit Ehren in der Welt. Der Schall kam weithin hallend zurück von Turm und Wand.“ Man führte Hagen. Keiner sah seine Qual. der mir so schlimmes Unheil schuf? Zum Todessaal ging Dietrich und stand in tiefem Gram Dem Letzten gegenüber. Hagen gefangen! Bebend vor Freude stand die Rächerin. gütig ihm Haupt und Blick geneigt. Sie sprach zu Dietrich. In einen dunklen Kerker. Rot wies ein Blutstrom ihre Spur. wie mich mein Glück durchdringt.“ „Er soll nicht sterben!“ sagte Herr Dietrich. Zwar wehrte sich der König mannhaft genug und kühn.303 Gebunden stand der Tronjer. In schnellem Laufe kam Der König von der Treppe und drang auf Dietrich ein. bis mich der Tod zu schweigen zwingt. Der Herzenshaß nach allem Erlittenen stählte ihn Mit wilder Kraft. Doch ging’s ihm wie dem Tronjer. Doch war er matt vom Kampfe. Bedrängt zwar. der allerkühnste Held. Gebunden führte Dietrich ihn hin zur Königin.

und Dietrich nahm ihn mit. jedoch ich will’s nicht tun. bald vor der Königin. Und rief ihm zu: „Willkommen. – Doch steinhart und kalt blieb ihr Gemüt. Der Berner dachte: Laß ich die beiden wieder frei? Er wußte. geführt von Dietrich. Auf Hagen und auf mich Zielt Euer Haß.304 Auch Gunther ward gebunden. Kriemhild trat vor den Tronjer. entfernt von Hagen.“ Der Held von Bern ermahnte Kriemhild: „So teures Pfand Hielt niemals eine Königin als Geisel in der Hand.“ Da wehrte Hagen: „Nutzlos ist jedes weitere Wort. Herr Gunther von Burgundenland!“ Er sagte: „Edle Schwester. Auch er ward eingekerkert. Der schritt gebunden hin Und stand. niemals verriete ich den Hort. der Eurer Gnade die edlen Pfänder lieh! Drum handelt gut an ihnen! Um meinetwillen hütet sie!“ Die Königin versprach es. – Sie fühlte. Denn Ihr habt keine Gnade. Dietrich ging neben Gunther. Das du mir nahmst? Dann kommst du lebendig noch einmal nach Haus. Haßvoll ihr Wort und drohend: „Zum allerletztenmal Befrag’ ich dich: Gibst du mir mein Eigentum heraus. Mit nassen Augen schied Der Held von Bern. Geschworen hab’ ich. Solange nur noch einer von meinen Herrn am Leben ist. Ich war’s. wie ihr Kummer vor Gunthers Unglück schwand. das Auge kalt wie Stahl.“ 2361–2368 . demütig sollt’ ich nun Mich flehend vor Euch neigen. Mit Hagen litt auch Gunther das gleiche harte Los. gnadenlos. Nur Feindschaft statt Gegengruß empfinge ich. Wie niemals wohl ein König noch solche Schmach erlitt. ihre Rache ging dann an keinem mehr vorbei. Und heilig sei der Eidschwur für alle Zeit und Frist.

Der je ein Schwert getragen. Und alles ist gekommen.“ Da rief der alte Hildebrand: „Was mir geschehen mag. verhohlen sein!“ Sie sprach: „Was Ihr gezahlt habt. Mit ihm der junge Giselher. Hast. Am Haare trug und wies Sie König Gunthers Haupt dem Tronjer. Traurig sah Ihm Hagen in das Antlitz. In tiefem Leide stand er da. Gernot. du Teufelin. Bei diesem Anblick sprach er. grausam zu End’ gebracht.“ Sie zog aus seiner Scheide das Schwert. genau wie ich es mir gedacht. Zu Kriemhild: „Nun geschah es. als ihn das letztemal Mein Auge sah. – In Trauer klagte schreckensbleich Der König Etzel: „Weh uns! Nun liegt der beste Held. Kein anderer. den weiß nun niemand. So will ich als Entgelt denn behalten Siegfrieds Schwert. Und doch. das ist nur wenig wert. Das trug mein trauter Liebster. Den Schatz. als ich und Gott allein. Sein Ende sollt’ es sein. Ich mußte ihn hassen.305 „Ich muß ein Ende machen!“ Die edle Fürstin ließ Den eigenen Bruder töten. Sie soll ihr Herz nicht weiden an diesem letzten Schlag! Wohl brachte er mich selber in allerschlimmste Not. – gleich auf der Stelle räch’ ich des kühnen Tronjers Tod!“ 2369–2375 . Und dir soll er auf ewig. der im Sturme den Schild hob. von Weibeshand gefällt. doch betrau’r ich ihn. erschüttert im Gemüt. und niemals dann mehr zu meiner ewigen Qual. war so kühn. Wehrlos allein Stand Hagen vor der Königin. Er tat mir weh. sein Bruder auch. was du dir ersonnen. Sie hob’s mit beiden Händen und hieb mit einem Streich Das Haupt ihm ab vom Rumpfe. worum du dich bemüht. Nun liegt vor dir der edle Burgundenkönig tot.

daß sie in Furcht und Ängsten schrie? – Das Schicksal zwang sie alle mit Todes-Not und -Graun. daß sie darnieder sank.306 In jähem Zorne sprang er auf Kriemhild ein und schwang Die schwere Eisenschneide. zerhaun. Das ist der Nibelungen Not. Was konnte es ihr helfen. Laut jammerten die Leute. Der König Etzel nahm Des Berners Hand. Der Leib des edlen Weibes lag da zerstückt. – Ehre und Ruhm im Tod gepaart. Sie standen und weinten beide stumm vor Gram Da lag nun alles. Den wilden Schmerz des Alten büßen mußte sie. Nur daß man all die Frauen und Ritter weinen sah. was nachher noch geschah. Ich kann euch nicht berichten. So ging das Fest des Königs in bitterem Weh zu End. Nur in des Volkes Trauer für immer aufbewahrt. Die Knappen und die Knechte um ihrer Freunde Tod. 2376–2379 . Hier hat das Lied ein Ende. Wie Liebe lohnt mit Leide und uns zuletzt nur Tränen gönnt.

1383–84 1405–07. 579–80. 1670–71 1703–04. 1713–15. 1448–49. 1420–21. 1278–79. 1417–18. 309–10. 202–03. 265–66. 660–61. 1268–70. 585–86. 1563–64. 1662–63. 595–97 605–06. 1560–61. 1596–97 1610–12. 1430–31. 1524–25. 140–41. 279–80 306–07. 1408–09. 1582–83. 1587–88. 187–88. 1328–29. 1334–35. 642–43. 669–70. 166–68. 343–61. 385–87. 1330–31. 490–91. 178–80. 389–90.307 Nachweis der Kürzungen (Numerierung nach der Ausgabe von K. 40–42. 154–56. 776–77. 111–12. 176–77. 1646–48. 148–49. 378–79. 1444–45. 1471–72. 663–64. 1632–33. 204–05. 1498–99 1517–18. 552–53. 1553–54. 364–66. 1224–25. 160–61. 341–42. 537–38. 566–67. 1615–19. 397–98 410–11. 1422–26. 1356–57. 1219–20. 169–70. 1547–48. 362–63. 583–84. 888–89 1036–37. 1483–84. 1594–95. 107–08. 339–40. 733–34. 336–38. 1656–57. 468–69. 494–95 505–06. 218–20. 721–22. 331–32. 832–33. 23–24. 633–34. 793–94. 1480–81. 763–64. 80–81. 683–84. 477–78. 1165–66. 1576–77. 807–08. 1628–30. 1573–74. 754–55. 560–61. 215–16. 152–53. 1141–42. 795–97 801–02. 1441–42. Bartsch) In e i n e Strophe sind zusammengezogen die Strophen 8–9. 1182–83. 1427–28. 1047–49. 1338–39. 577–78. 230–35. 1250–52. 1175–76. 1769–70. 195–96 198–201. 1155–56. 1291–92 1319–20. 475–76. 1644–45. 1658–59. 1243–44. 719–20. 1729–30. 190–91. 1344–45. 1476–77. 1186–87 1196–97 1208–09. 1487–89. 1358–60. 1280–81. 236–37. 1379–80. 1265–66. 1759–60. 1178–80. 72–73. 383–84. 1059–60 1109–10. 1493–95. 1565–66. 1621–22. 210–14. 1375–77. 1159–61. 244–45. 1735–36. 239–40. 82–83. 534–35. 61–62. 1127–28. 1143–44. 137–38. 1490–92. 1708–09. 1436–37. 1591–92. 1641–42. 591–93. 712–13. 836–37. 171–73. 1650–51. 545–46. 549–50. 1468–69. 1772–73 . 206–09. 1451–53. 1722–23. 1372–74. 1638–39. 1473–74. 89–90 104–05. 541–42. 313–14. 1263–64. 318–19.

765. 2309–10. 254. 2181. 2274–75. 317. 2276–77 . 415. 1514. 2035–36. 738. 2129–30. 1816–17. 1611. 1897–98 1901–02. 2053. 1443. 175. 1626. 1024. 2235–36. 1808–09. 1439–40. 2255. 2239–40. 2085. 2331–32. 2125. 1293. 241. 871. 1353–55. 2252–53. 47. 1382. 667. 1967–71. 1314. 2212–14. 2221–22. 129. 1305–08. 1868–69. 1891. 2032–33. 1866–67. 259. 1325. 1286. 1859. 1181. 325. 1627. 1105. 1337. 1854–56. 2182. 1411. 1398. 2059–60. 163. 1984–85. 676. 906. 1875–76. 942. 41. 2216–17. 1368–70. 1986–87. 2142–43. 1433–35. 219. 2365–66 Weggelassen (unter dem Text eingeklammert) sind die Strophen 12. 1668. 2311–12.308 1802–03. 1988–89 2006–07. 1910. 2192–93. 1324. 2156. 381. 2358 bis 2359. 2054–55. 805. 2293–94. 574. 2021. 2040–42. 2228–29. 1063. 2295–96 2299–2300. 1870–74. 328. 1064. 1164. 1188. 2237–38. 26. 1904. 1532. 2046–48. 1824–26. 439. 1276. 1933. 1267. 1806–07. 64. 1957–58. 800. 1508. 1793. 287. 1022. 1864–65. 367–71. 1972. 1929. 1158. 2184–85. 2197–98 2207–08. 784. 2012. 1294. 1978. 1296–1301. 2024–25. 2043–44. 1883–84. 971. 732. 2070–71. 1852–53. 2189. 548. 2073–74. 1482. 2155. 1810–11. 2017–18. 51. 1031. 299. 66. 2066–67. 436. 2076–77 2108–09. 2278–80. 1692–94. 782. 1754. 1362–64. 1065. 2241–44. 756. 2168. 2010–11. 1990. 2209–11. 2315 bis 2316. 1881–82. 270. 1921–22. 1877–78. 2339–40. 1016. 1048. 766. 33. 1104. 652. 2147–48. 1728. 373. 1290. 1189. 711.

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