HERMANN STODTE

KOHLHAMMER

Das Nibelungenlied

Das
Nibelungenlied

Nach dem Urtext
erneuert
von Hermann Stodte

W. Kohlhammer Verlag

Nachdruck verboten – Alle Rechte vorbehalten
© Copyright by Verlag W. Kohlhammer GmbH, erstmalig 1956
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Druck: W. Kohlhammer Stuttgart 1956

Richardsen). Gerda und dem Andenken an Gerhard († 4. Gertrud (geb. X. 1917 in Flandern) .Meinen Kindern Gunther.

.

hat sich unser Blick geschärft für den zeitlosen Gehalt auch jener dichterischen Meisterwerke. der reinste Ausdruck des deutschen Lebens in seiner kulturellen Hochblüte um 1200. Wir spüren unsere nahe Verwandtschaft mit den Menschen jener Vergangenheit und ahnen. das Dunkel der Sprache und Form erhellt zu haben. aber doch im heutigen Lebenssinn tot sei. Sie wußten um das Wesen der Gemeinschaft. Eine unerbittliche Folgerichtigkeit. Um so erschütternder ist der Untergang. Renaissance und Humanismus haben in ihren Auswirkungen das alte Bild überdeckt. als eine ganze reiche Welt damit versinkt. wenn durch die Tat eines Einzelnen die Ordnung der Gemeinschaft. Denn von Kindheit. erzwingt den tragischen Ablauf. Mord. Erst die Romantik hat sie wieder entdeckt und als etwas Großes und sonderlich Deutsches gewürdigt. der Sippe. und zwar des Kerns aller Gemeinschaft. . Liebe. Ehe über Tatenruhm und herrliche Feste bis zu Verrat. Die germanistische Wissenschaft des letzten Jahrhunderts hat das Verdienst. um die Gefahren. fehlt kein Zug des menschlichen Zusammenlebens. Kampf und Tod. das wohl merkwürdig und wertvoll. daß es den Schöpfern der großen epischen Dichtungen auf mehr angekommen ist als auf mächtige Gestalten und großartige Vorgänge.Vorwort   Die mittelhochdeutsche Dichtung. Von ihrem Stand aus galt diese Dichtung als ein Erbe. Aber zum L e b e n ist diese Dichtung noch nicht erweckt.   Das N i b e l u n g e n l i e d ist das große Sinnbild für den Zusammenbruch des Ganzen. das sich in und mit dem Mittelalter abgelebt habe. war jahrhundertelang versunken. Jugendglück. aus den sittlichen Bindungen wachsend.  Erst nachdem das Bild des Mittelalters deutlicher in unser Bewußtsein getreten ist. die sich aus einem Zwiespalt zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft ergeben. zerstört wird. die dem Einzelnen als höhere Lebensordnung zugeordnet ist.

die nur auf dem wissenschaftlichen Wege zugänglich ist. Rüdeger. Dramen. bildet für das große Volk die trennende Schranke. d. . und dann nur aus zweiter Hand. einen neuen Versuch zu machen. – Der erste Übersetzer des Liedes.8   Die „innere Form“ des Liedes aber stempelt dieses Bild zu einem der größten Wunderwerke dichterischer Kunst.   Wir wissen seit langem um diesen kostbaren Schatz. Heinrich v. Iring. mit dem „kolossalen Wunderbau Erwin von Steinbachs“ verglich. Die alte Sprache. dem Volke fremd ist. Volker. Noch immer steht es so. das sich zwar dem unausweichlichen Schicksal beugt. den alten Schatz zu heben. Dabei haben alle Bearbeitungen. daß dieses Wunderwerk. während die großen Gestalten wie Hagen. aber gehoben ist er nicht. reinste Gefolgstreue gesteigert zu Heimtücke und hinterhaltigem Mord. Gedichte. sagte nicht zuviel. Annahme des verhängten Schicksals und doch Kampf um den letzten Blutstropfen. Friedr. als er in seiner Einleitung (1807) „das Lied der Nibelungen. Dietrich.   Heute ist es an der Zeit. heldische Reinheit und doch Betrug am Heiligsten eines Weibes. männliche Lebensfreude bei Kampfspiel und Jagd neben furchtbarstem Mord zwischen Quell und Blumen. Etzel und Hildebrand im Schatten geblieben sind. Hagen. der Glanz feinster höfischer Kultur und die elementarsten menschlichen Leidenschaften. das nach Goethe’s Wort zu „einer Bildungsstufe der Nation“ gehört. denn unser Volk hat zu dem Liede keinen u n m i t t e l b a r e n Zugang. aber es in heldischem Trotz herausfordert. als sei der Wille des Schicksals nur der Triumph des eigenen Willens. grausige Todesnot und dabei grimmiger Humor bis zum Trinken des Feindesblutes. Denn zu einem echten Organismus sind wie tragende Säulen die polaren Gegensätze zueinander geordnet: Mädchenzarte Liebe zu dem stärksten und schönsten Helden und teuflische Weibesrache für seinen Verlust. Giselher. unbedenklich eins der größten und wunderwürdigsten Werke aller Zeiten und Völker“. meist Siegfried und sein Schicksal in der Vordergrund gerückt. Nicht einmal alle die großartigen Motive sind ihm vertraut. aus Simrocks dankenswerter Übersetzung gewonnen. Ein letzter Gipfel menschlichen Stolzes wird sichtbar in dem t r a g i s c h e n Lebensgefühl.

und Formgefühl lebend. . Aus diesen Forderungen folgte. Die naive Breite der alten Erzählkunst mit ihren Wiederholungen und Füllseln. die das Original verschweigt. Wo der Gehalt infolge der stärkeren Dichtigkeit des Neuen nicht für die ganze Strophe ausreichte. habe ich Strophen zusammengezogen oder ganz weggelassen. Andererseits dürfte der Stil des Alten. Das Neue. Ich habe mich bemüht. was man unter „freier Nachdichtung“ versteht. Wo die zu große Breite die Einheitlichkeit und Kraft des Eindrucks zu stören schien. Soll die neue Gestalt das Alte lebendig machen. läßt sich in der neuen Fassung nicht bewahren. widerstreitet dem Alten so sehr. ganz unabhängigen Stil verschwinden. während das.  Aus diesen Grundsätzen ergibt sich das Problematische alles Übersetzens. Die wiederkehrenden epischen Beiwörter können nicht organisch eingeschmolzen werden. daß jede altertümelnde sprachliche Annäherung an das Alte vermieden wurde. wie sie noch heute im Volksmunde üblich ist. deutlich ausgesprochen.“ Mit dem vorliegenden Versuch bin ich diesen Weg gegangen. dem Leben des Alten nicht gerecht wird. den ältesten Kern des Liedes zu erfassen. so wirkt doch alle Entfernung von unserer Gegenwartssprache zugunsten altertümlichen Eindrucks als künstliche Patinierung. daß die reine Wortübertragung das Eigenleben des Neuen zerstören müßte. richtig gesehen. war eine vorsichtige Auffüllung aus dem Sinn erforderlich. Nichts Fremdartiges darf die Unmittelbarkeit des Nacherlebens stören. Bringt alle Entfernung vom Original zwar Verlust.9   Die Aufgabe hat Wilhelm S c h ä f e r bei seinem Versuch. Er sagt in der Einleitung: „V o l k s g u t kann unser Nationalepos nur in der Übersetzung werden. Eine solche müßte aber eine wirkliche Nachdichtung werden. nicht völlig in einem neuen. dem Gesamtstil der alten Dichtung nahe zu bleiben. der schließlich Lebensausdruck der alten Dichtung ist. Ich bin daher treu dem Sinn des Originals Strophe für Strophe nachgegangen. An wenigen Stellen habe ich die Idee. Unser Stilgefühl verlangt eine viel größere sprachliche Dichte.und Satzfolge lassen sich nicht erhalten. dann muß das Neue aus eigenem Gesetz ein selbständiges Leben besitzen. Man sollte eher von Erneuerung sprechen. aus unserem Sprach. wenn ein Motiv kräftig und lebendig wirken soll. Das alte Wort und die alte Wort.

Die zusammengezogenen und ausgelassenen Strophen sind nachgewiesen in einem Register am Schluß. nötigte. Häufiger als im alten Liede greift der Satz aus einem Verse in den nächsten über. Leipzig 1866. Hermann Stodte . Auch die Freiheit des Originals.10   Die Nibelungenstrophe ist erhalten geblieben. den Auftakt und die erste Senkung des zweiten Halbverses gelegentlich fehlen zu lassen. wozu schon der Zwang. einen möglichst natürlichen Reim zu gewinnen. habe ich genutzt.  Als Vorlage wurde benutzt die Ausgabe des Nibelungenliedes von Karl Bartsch.

mancher war so kühn. 1–6 . Reich an Gefolgschaft saßen die Herrn zu Worms am Rhein. Zum Weibe wuchs blühend sie heran. hätt’ andere Frauen reich gemacht. Von Kriemhild Aus grauen Zeiten kündet uns eine alte Mär Von Kämpfen kühner Helden. wie man keine andere in allen Landen fand. womit Kriemhild bedacht. Sie mußte jedem lieb sein. Der hoffte. Der Zucht. Gewaltige Taten machten sie einst in Etzels Reich bekannt. Im Schutze dreier Könige die junge Kriemhild stand. von Mühsal und Beschwer. weithin rühmlich bekannt. Männer von altem Stamm und Blut. Gernot. Und doch zu frühem Tode bestimmt durch zweier Frauen Streit. Schön. von kühnstem Mannesmut. Freigebige Herren. Die Schwester treu zu hüten mit ihrer brüderlichen Macht. Von Tagen. ihre Neigung und Huld beglücke ihn. Nun hört das wundersame Lied! Es war ein edles Mädchen fern im Burgundenland. Von Tränen auch und Jammer. In Ehren dort zu dienen die ganze Lebenszeit. Verwegene Kämpfer waren’s. Ein wenig nur des Reizes. Manch hochgesinnter Ritter fand sich am Hofe ein. Um ihretwillen büßte sein Leben ein manch tapferer Mann. Ja. der jüngste. Sie walteten als Herrscher stolz im Burgundenland. Und Giselher. Kriemhild genannt. da die Herzen vor Lebenslust geglüht. Die hießen Gunther. – sie alle drei bedacht. des edlen Sinnes.11 I.

Und viele andere hatten des hohen Königsdienstes acht. Hagen von Tronje lebte mit seinem Bruder da. wie man sie nirgends sah. es ist ein edler Mann. den du aufzogst. wie zwei Adler ihn schlugen mit den Krallen. Ortwin von Metz. Hunolt erfahrner Kämmerer. Das Amt des Truchseß übte sein Neffe Ortwin aus. Die besten aller Helden. bis ich tot. Und wie in tiefe Trauer sie dann durch dieses Leid gefallen. Und sähe. Sie zög’ sich einen Falken schön und stark und wild. Inmitten solchen Glanzes träumte einst Kriemhild. Sindolt und Hunolt galten bei aller Ritterschaft Als Wahrer höfischen Wesens.12 Frau Ute hieß die Mutter. auf Form und Fug bedacht. die Grafen Gere und Echewart. der vielgewandte Dankwart. der Küchenmeister. Marschall des Hofs war Dankwart. Sindolt war Schenk und dennoch als Kämpe weit gelobt. Herr von Alzey. Sie fragte Mutter Ute nach ihres Traumes Sinn. Berühmt auch er vor Zeiten in seiner Jugend Kraft und Mut. doch der schied früh dahin Und hinterließ zum Erbe den Kindern reiches Gut. Du wirst ihn einst verlieren. liebes Mütterlein! Ohne dessen Liebe will ich im Leben sein. sie alle lang im Dienst erprobt. Denn keine war ja klüger als Träumedeuterin: „Der Falke. nimmt sich der Herr nicht seiner an. Herr über Stall und Haus. Volker. als mächtige Königin Ehmals die Gattin Dancrats.“ „Was sprecht Ihr mir vom Manne. Rumolt. Und nicht von Mannes Liebe erfahren Weibes Leid und Not!“ 7–15 (12) . ein Mann von seltener Kraft. Will schön wie heute bleiben und glücklich.

13
„Verred es nicht!“ sprach Ute. „Wenn dir ein guter Tag
Auf Erden Herzensfreude in Fülle bringen mag,
Ist es von Mannes Liebe! Ja, dann erst bist du schön,
Hat Gott zu deinem Gatten dir einen edlen Mann ersehn.“
„Berede mich nicht, Mutter“, erwiderte Kriemhild,
„Hat nicht an vielen Frauen sich jenes Wort erfüllt:
Die Liebe lohnt mit Leide, sie bringt nur Weh zuletzt?
Ich will nicht Leid, nicht Liebe. Dann bleib ich froh und schön wie jetzt.“
So aller Liebe wehrend, blieb unberührt ihr Sinn.
Dem edlen Mädchen flossen die Tage hell dahin.
Sie wollte niemals wissen von Liebe und vom Mann,
Bis einst der ritterlichste von allen Männern sie gewann.
Das war der wilde Falke, den sie im Traume sah,
Und dem nach Utes Deutung es eines Tags geschah,
Daß ihm die Blutsverwandten zu Mördern worden sind.
Wie furchtbar sie ihn rächte! Ihm nach starb mancher Mutter Kind.

16–19

14

II. Von Siegfried
Es wuchs in Niederlanden ein edles Königskind,
Den Vater hieß man Siegmund, die Mutter war Sieglind.
Am Niederrhein gelegen, weit schauend in das Land,
Stand ihre mächtige Feste, und Xanten war die Burg genannt.
Ihr beider Sohn war Siegfried, schon früh erprobt als Held,
Und später zog er kämpfend kühn in die weite Welt.
Die Stärke seines Leibes, sein Mut war allbekannt.
Zu Worms erst war’s am Rheine, wo Siegfried seinesgleichen fand.
Aus seiner frühen Jugend, die er im Kampf gestählt,
Hat Wunderdinge mancher von Siegfrieds Kraft erzählt,
Wie herrlich an Gestalt er, an edlen Gaben reich,
Wie er dem Blick der Frauen gefiel, so ehr- und anmutreich.
Ob er nach Art und Blute gut war und hochgesinnt,
Erzog man doch mit Sorgfalt das junge Königskind.
So, Liebling aller Menschen und sonderlich der Frau’n,
Ging sehnlich jedes Auge, nach seinem Anblick auszuschaun.
Die Eltern sah’n ihn gerne in herrlichem Gewand.
Sie ließen ihn behüten, ritt er hinaus ins Land.
Auch lehrten ihn die Alten, was Pflicht erheischt und Ehr,
In Zukunft zu beherrschen die Leute und das Land umher.
Nun gab der König Siegmund einst allenthalben kund,
Ein Fest sei zugerüstet für seiner Freunde Rund.
Den Eigenen und den Fremden gab Siegmund Roß und Kleid,
Und sandte zu den Königen ringsum mit freundlichem Bescheid.

20–27 (26)

15
Wo junge Söhne waren, gereift zum Ritterschlag,
Befreundete, Verwandte, die lud man auf den Tag,
Die Schwertleite zu feiern mit Siegfried insgemein,
Schwertbrüder sollten diese in Zukunft all zusammen sein.
Von jenem Feste wurde im Lande rings erzählt,
Und Siegmunds und Sieglindes Hochsinn ward nicht verhehlt,
War doch ihr großer Reichtum, ihr gutes Herz bekannt.
Zahllose Gäste ritten zu ihrem Fest nach Niederland.
Vierhundert Knappen warben um Ritter-Schlag und -Kleid
Mit Siegfried, ihrem Sohne. Und manche junge Maid
– Dem edlen Siegfried heimlich in ihrem Herzen hold –
War da am Werk. Sie reihten viel edle Steine auf und Gold
Als Borten für der jungen Schwertbrüder Festgewand.
Nichts fehlte, was geziemte dem künftigen Ritterstand.
Schon standen Tisch und Bänke. Dann kam der Sonnwendtag,
Mit ihm das Fest, zu feiern des edlen Siegfrieds Ritterschlag.
Zum Münster schritt im Zuge der Knappen edle Schar.
Die Alten nahmen willig den Dienst der Jungen wahr,
Wie sie voreinst ihn selber als Schildknappen versehn,
Und danach sollten Freuden von aller Art die Lust erhöhn.
Gesattelt zum Turniere zog man die Pferde schon,
Und Siegmunds Hof erdröhnte vom lauten Splitterton,
Der von den Lanzenstößen in Saal und Palas drang,
Vom Jubelschrei der Freude und von dem hellen Waffenklang.
Es prüften Alt’ und Junge sich eifrig im Turnier.
Die Lanzensplitter flogen bis an die Palastür.
Sie rannten aufeinander schäumend vor Lust und Kraft,
Daß hell im Prall erkrachend zerbrach manch guter Lanzenschaft.

28–35 (33)

16
Am Boden lagen Schilde, verbeult und herrenlos,
Im Gras viel edle Steine, von gut gezieltem Stoß
Aus ihren hellen Spangen am Schildrand abgesprengt.
Nun ließ der Burgherr enden. Die Pferde wurden heimgelenkt.
Man führte zu der Tafel die Gäste. Jeder fand
In Fülle alles Schöne, wonach die Neigung stand.
Von edelstem Geschmacke die Speisen und der Wein,
Denn hochgeehrt, willkommen und fröhlich sollte jeder sein.
Und allerlei an Kurzweil bot man den ganzen Tag,
Fahrende Sänger traten heran beim Trinkgelag.
Mit Lied und Spiel erwarben sie sich Geschenk und Dank.
Oft priesen Siegmunds Reichtum und Glück sie später im Gesang.
Zu seinem künftigen Erben erhob Siegmund den Sohn,
Ihn feierlich belehnend mit Burg und Land und Thron.
Der junge Siegfried schenkte viel Güter aller Art
An seine Schwertgenossen. Wie freute sie die frohe Fahrt!
Nach sieben freudenreichen Festtagen schieden dann
Die Gäste, deren Herzen Siegfried so ganz gewann,
Daß sie ihn gar begehrten zum Könige für das Land.
Das wies er ab, da längst ihm der Sinn nach anderen Dingen stand
So lange beide lebten, Siegmund und Siegelind,
Wollt’ ungekrönt er bleiben, nur seiner Eltern Kind.
Doch wollte er bezwingen als rechter Herr und Held
Gewalt und Not, der keiner zu wehren wagte in der Welt.

36–43 (41)

17

III. Wie Siegfried nach Worms kam
Noch unbekannt war Siegfried mit Herzens-Lieb und Leid.
Da hört’ er eines Tages, man lobe weit und breit
Ein Königskind, das schöner, als je ein Aug’ gesehn.
Ihm sollte reichste Freude und schwerste Not um sie geschehn.
Man pries ihm Kriemhilds Schönheit, überreich gepaart
Mit edlem Frauensinne und fürstlich-stolzer Art.
Um ihretwillen zogen, gelockt von nah und fern,
Nach Worms zu Gunthers Hofe viel edle ritterliche Herrn.
Wie viele sich auch mühten, von ihrem Reiz verführt,
Von keiner Werbung wurde des Mädchens Sinn berührt.
Sie wehrte sich und glaubte, ihr Herz sei liebgefeit,
Noch fremd war ihr der eine, der sie gewann in späterer Zeit.
Siegfrieds Verwandte kamen und rieten ihm zur Eh’,
Er solle, falls es jemals aus rechter Lieb geschäh’,
Nur einer, die ihm zieme, zum Manne sich vermählen.
Da war für ihn kein Zögern: „Kriemhild will ich zum Weibe wählen!
Nur eine rings im Lande, die ist – das ward mir kund –
Schön über alle Maßen, die Jungfrau von Burgund,
Und selbst ein Kaiser, möcht’ er auch noch so mächtig sein,
Stünd’ nicht zu hoch, er dürfte um jene schöne Königin frei’n.“
Als Siegmund aus dem Munde der Mannen das vernahm,
Erschrak er, denn im stillen war er dem Plane gram.
Auch Sieglind ahnte Sorge und Unglück von der Fahrt.
Sie hätten beide gerne vor dieser Werbung ihn bewahrt.

44–50 (47)

18
„Schenk mir, mein lieber Vater“, bat Siegfried, „dein Vertrau’n!
Entbehren will ich eher die Liebe edler Frau’n,
Wenn nicht aus reiner Neigung mein Herz mich werben läßt!
Was ihr auch sagen möget, ich wag’s, und mein Entschluß steht fest.“
Da sprach der König: „Bist du im Ernste so gewillt,
Will ich mich wahrlich freuen, wenn sich dein Wunsch erfüllt.
Zum guten Ende helf ich mit allem, was ich kann.
Doch hör! Der König Gunther hat manchen überstolzen Mann,
Und wär’ es auch nur Hagen, sein maßlos wilder Mut,
Hochfahrend und gewaltsam in allem, was er tut, –
Von solcher Art, das fürcht’ ich, wird allen uns noch leid,
Daß wir jemals geworben um diese königliche Maid.“
„Was tut’s?“ sprach Siegfried kühnlich, „wenn man mir schroff verwehrt,
Was ich als Gunst erbitte, und gütlich nicht gewährt,
Gewinn’ ich es im Kampfe mit eigener starker Hand.
Ich trau’ mir’s zu, dann nehm’ ich zu Kriemhild auch noch Leut’ und Land!“
Doch Siegmund blieb in Sorge: „Das höre ich nicht gern!
Vernähmen es am Rheine die burgundischen Herrn,
Verwehrten sie dir sicher den Eingang in ihr Land.
Seit langem sind mir Gunther und Gernot allzu gut bekannt.
Denk nicht, daß deine Waffe dir diese Braut gewinnt,
Sie weigern jedem Fremden ihr schönes Königskind.
Soll eine Schar von Helden begleiten deinen Ritt,
Beruf ich unsere Freunde, sie reiten dir zum Schutze mit.“
Siegfried hingegen meinte: „Das hab ich nicht im Sinn,
Mit einem Heer zu zwingen die edle Königin.
Nicht Feinde will ich führen zum Kampfe an den Rhein,
Denn es soll eine Brautfahrt, kein Krieg und keine Heerfahrt sein.

52–58 (51)

Waffen. Doch Siegfried neigte zärtlich voll Güte sich zu ihr: „Nimm es doch. der ihm Verderben sann? So quälte sie sich lange. Verlor sie ihn? War’s Gunther. Da lag die Sorge schwer Auf allen. Als nun die Mutter Sieglind von dieser Fahrt vernahm. Wie frohen Abschied bot Siegfried mit den Gefährten! Nie zog mit leichterem Sinn Zu kühn verwegenen Taten ein Ritter in die Fremde hin.“ Und so geschah’s. Hilf mit. mein einzig liebes Kind. wie nie ein Ritter trug. An Kleidern. – alles ward fertig bald in großer Zahl. nicht so zu Herzen dir! Mich schrecken keine Feinde. daß rühmlich wir Versehn sind mit Gewändern und ritterlicher Waffenzier!“ „Kann ich dich hier nicht halten“. das Zaumzeug gelb und rot Von zierlich-hellem Goldschmuck. liebe Mutter. Die breiten Schilde. Herrliche Pferde harrten. Versank um ihren Sohn sie in einen tiefen Gram. Zwölf Kameraden führ’ ich hinauf in Gunthers Land. ob wohl jemals bei froher Wiederkehr Ihr Aug’ die Helden sähe gesund im Vaterland. Mit grauer und bunter Herrentracht Versah man die Begleiter. Siegfrieds Gewand zu nähen. 66) . 59–68 (64. herrlich kostbar. Auch silberhelle Brünnen und Helme hart von Stahl. Bepackt mit Rüstung. An Zierat schaff ich allen. Nun kam die Abschiedsstunde. Gewändern manches Saumroß stand. daß schmerzlich ihre Träne rann. dir und den Freunden Glanz genug!“ Es waren schöne Frauen rastlos bei Tag und Nacht. auf Ehr’ und Würde klug bedacht. mit lieber Sorg’ bedacht. „So helf’ ich dir zur Reise.19 Sonst könnt’ ich Kriemhild holen allein mit eigener Hand. sprach gefaßt Sieglind.

Wie sie im Zuge langsam hinritten an dem Ufersaum. Sie stiegen schnell zu Pferde. wohl zweier Spannen breit War Siegfrieds Ger. Zusammen lief die Menge und gaffte.20 Ungern und traurig ließen ihn seine Eltern fort. Wie recht die Ahnung hatte! Wie wahr sprach ihre Herzensnot! Fest lag am siebenten Morgen ihr Schiff zu Worms am Strand. Willkommen sie zu heißen in ihres Fürsten Land. Laßt eure Arbeit ungetan! 69–76 .“ Die Frau’n und Mädchen weinten. Sie führten spitze Lanzen. Noch heute woll’n wir weiter. die Männer trugen Leid. erzenem Schilde war jeder Arm bewehrt. Die Pferdehälse trugen statt Riemen seidenes Band. Ihr goldenes Gewand Erstrahlte licht.und Lebensnot bleib’ ich bewahrt. Mit breitem. Sie sah’n im Geiste alle die Freunde bleich und tot. Die Schilde und die Pferde zu nehmen aus der Müden Hand. Wie niemals man gesehen. Wunderbar. zum Tode gefährlich jedem Mann im Streit Goldfarbige Zäume lagen den Reitern in der Hand. Schon nahten Gunthers Mannen. Liebreich und tröstend kam noch zurück ein letztes Wort: „Ihr sollt um mich nicht weinen. und funkelnd hing Zügelzeug und Zaum. Abwehrend sagte Siegfried: „Die Fahrt ist noch nicht aus! Laßt unsre Rosse stehen! Es ist mein fester Plan. ich zieh’ auf frohe Fahrt! Sorgt nicht! Vor aller Leibes. wie’s gute Sitt’ und Art. erschien die fremde Ritterschar. Zur linken bis zum Sporne hernieder hing das Schwert. sie ahnten alle im Herzen böse Zeit. Mich deucht. Schon wollten sie die Rosse wegführen in das Haus. Den Gästen beizustehen nach ihrer langen Fahrt.

Die doch der höchsten Ehren so würdig offenbar. versammelt dort auf sein Geheiß!“ Nun war dem König Gunther die Botschaft schon bekannt. Mit seinen Rittern kam Hagen zum Hof des Königs. „an den Rhein. Wer jene Fremden wären. Wie ihm die stolze Mannschaft gefiel. stolzer Art. Hochsinnige Männer sind es. 77–85 . Vom Fenster aus genauer die Unbekannten anzusehn. woher sie kommen auch der Fahrt. die Rüstung wunderschön. Er musterte sie lange nach Waffen und Gewand. Gunther ließ ihn laden. Doch war auch ihm der Helden Herkunft und Name unbekannt. Ihn wunderte. Und was man von ihm wollte. Doch keiner der Burgunden hab’ jemals sie im Land gesehn. sah man ihm an. Als er den Grund vernahm. vielleicht gar Fürsten sein. woher sie diesem Land genaht.21 Wer kann mir Kunde geben. Da riet Ortwin von Metz ihm: Hagen. „Woher sie auch gekommen“. den Herrscher hier im Reich. Die Rosse wie die Kleider sind vornehm. Ein Fähnlein Ritter wäre vom Schiff gesetzt ans Land. daß keiner der Helden kundig war. der wisse Rat. der sag. Mit goldig hellen Brünnen. Er ließ sein Auge schweifen scharf über Roß und Mann. so sprach er. da blieb er forschend stehn. der des Hofes kund: „Wollt ihr zu König Gunther. Geht nur hinein. das mag gar leicht geschehn. wo ich sogleich Den Fürsten finden möge. Ein Kreis Seiner Gefolgschaft wartet. Dort in der Palashalle hab’ ich ihn sitzen sehn Inmitten seiner Helden. Es dürften Fürstenboten. Gebt mir Bescheid: Wo find’ ich den König von Burgund?“ Da drängte durch die Menge sich einer.

Schilbung und Nibelung Erbaten seine Hilfe. daß e r danach der erste aller Kämpfer war. Ihn unter sich zu teilen gerecht und ehrenhaft. war Siegfried gleich dazu bereit. Wißt! Sie hatten eigens den Schatz ans Licht geschafft. scheint seltsam. Die hießen Nibelungen. Sie riefen beide: ‚Seht doch! Der Held vom Niederland! Zu schlichten unsere Sache. daß er zur Einigung Den reichen Hort verteile nach Recht und Billigkeit. wie man erzählt. sei Siegfrieds Urteil anerkannt!‘ Freundlichen Gruß empfing er. Was er getan. Ein schlimmer Lohn! Sie hätten’s ihm besser nicht gewährt. 86–93 . Sie ließen ihn nicht enden. Ein überreicher Hort war’s. Das alles sollte Siegfried verteilen recht und gut. Da dringend sie’s begehrten. Seht. Dazu noch Prunkgeräte und Schmuck in goldenroter Glut. der herrlich dort vor den Seinen steht. Er sah. Schilbung und Nibelung waren’s. Einst ritt er durchs Gebirge. Kein Wunder. jener ist’s. brauchte man mehr als hundert Wagen. im Berge sonst verhehlt. denn Unrecht sei geschehn. doch ich mein’. ein grobes Brüderpaar. Und dessen Wuchs und Adel den Herrn von Niederland verrät. Sie fortzuschaffen. In hellem Zorn begannen sie drohend auf ihn loszugehn. Sie gaben ihm zum Danke das Nibelungenschwert.22 Zwar hab’ ich niemals Siegfried gesehen. und Männer trugen schwer. Da lag ein Schatz zu Tage. ein Märchen hierzuland: Er schlug die Nibelungen nach hartem Widerstand. einsam. Nach Stolz und edler Haltung kann es kein andrer sein. dem Helden unbekannt bisher. wie dort in Haufen die edlen Steine lagen.

vor jedem Waffenhieb gefeit. Wo er im dunklen Berge verborgen lag zuletzt. doch Siegfried widerstand. Er riß die Zauberkappe vom Haupt des Alberich. Als ihn die Nibelungen unüberwindlich sah’n. Und Alberich der Starke ward als sein Wächter eingesetzt. Nach Siegfrieds Worten wurde der Schatz dorthin geführt.“ So sprach Hagen von Tronje. „Das ist Siegfried. Er schlug den Lindwurm tot. Jenes Schwert tat Wunder. Länder. schlug er tot. Das nannten Balmung sie. und Burgen. Der rings in jenem Lande viel Unheil schuf und Not. Es schnitt. Geriet jedoch durch Alberich. vor Wunden. getreu im Dienst zu sein Und gut im Berg zu hüten das Gold mit Schmuck und Stein. in Not. den starken Zwerg. die Könige. Schilbung und Nibelung beide. Der mächtiger und reicher als irgend einer in der Welt. die Haß und Streit geschürt. Wie stark sich wehren mochte der wutergrimmte Zwerg. Wie löwenwild verbissen sie kämpften dort am Berg. Der seine beiden Herren zu rächen unternahm. die drangen auf ihn ein Mit siebenhundert Männern. Im Drachenblut gebadet. Ja. mehr ist mir bekannt noch. ward seine Haut zum Kleid Von hartem Horn. Es lagen tot im Felde. 94–100 . als ob’s dem Arme gewaltige Kräfte lieh. Doch selbst durch Siegfrieds Angriff in übelste Bedrängnis kam. der Held. die wurden Siegfried Untertan.23 Zwölf kühne Riesenkerle. Der mußte Eide schwören. vor dem die stärkste Macht erblich. Floh’n sie. Erschlug sie oder zwang sie zu schneller Flucht mit seiner Hand. Nun war er Herr des Hortes. – und trotzdem schwach und klein – Freunde der Nibelungen.

Welch’ Ursach euch verlockte zur Fahrt nach Worms am Rhein?“ Da sprach der Gast zum Könige: „Das soll Euch nicht verschwiegen sein! Mir ward daheim berichtet. ein mächtiger Königssohn. Das hätt’ ich gern erkannt. Mein Haupt und meine Ehre setz’ ich für diesen Ruhm zum Pfand. sehr. daß alle Leute sagen. und gerne wüßt’ ich mehr. Entbot er Siegfried gütigen Willkommensgruß und neigt’ Das Haupt. Die Krone soll ich tragen! Und ich will dafür sorgen. Auch heldenhafter wäre kein König sonst als Ihr. „die Ehr erlaubt es schon. Von edlem Stamm ist Siegfried.“ Da sprach der König: „Wahrlich! So sei’s! Seht ihn nur an. daß es in Eurem Land Die kühnsten Männer gäbe. Wie streitbar-kühn geartet der ritterliche Mann Dort steht bei den Gefährten! – So soll es gleich geschehn! Wir woll’n zu ihm hinunter als Freunde ihm entgegengehn. Und diese gaben dankend nach gutem Brauch den Gruß zurück. nicht um geringer Ursache kam er her. Es scheint.“ „Geht nur!“ versetzte Hagen. 101–109 . daß er. Niemals uns gegenüber mag stehn als unser Feind.24 Heißt ihn willkommen. Es dürfte sich wohl lohnen. Daß mir zu Recht gebühre das Herrscheramt im Land. Siegfrieds Gefährten grüßt’ er mit hoheitsvollem Blick. Auch ich fühl Heldenkräfte. Selber erfahren will ich’s hier. Was Euch hierhergeführt hat. in Freundschaft uns vereint. Er hat sich ausgewiesen an mancher Wundertat. Als ob ein Freund gekommen war. „vieledler Siegfried. wie edle Sitte sich ritterlich erzeigt. Die Leute mögen reden. sprach der König.“ Gunther ging ihm entgegen. „Mich wundert“. leiht er als Freund uns Schwert und Rat.

Da ohne Grund uns Siegfried statt Freundschaft offenen Kampf ansagt. Soll dir zurecht als Sieger mein Land und Erbe eigen sein. Ob Ihr und Eure Brüder wär’t schwach und waffenlos. erblühn! Ich selber will’s besitzen. Mein Erbteil und das deine seien der Siegespreis Und stärkster Männerkräfte vollgültiger Beweis. sei’s lieb Euch oder leid. was mein Vater besaß von alters her? Geschäh’s. „daß man mir frevelhaft Das nähme. und das sich in unserem Dienste treu bewährt.“ „Ich kann dir’s nicht erlassen“. „Was tat ich“. sagte Gunther. dem seien Leute und Lande Untertan!“ Da widersetzten Hagen und Gernot zornig sich dem Plan. an Volk auch. warum Nach Eurem Angebote der Freundschaft keiner fragt. Dem wir getreu.“ 110–117 . denk ich. so lange seiner Macht.“ Grimmigen Sinnes standen die Freunde alle stumm. zornig die Ritterschaft. wie’s lautet im Lande weit und breit. Wird nichts mich daran hindern. „Wir denken nicht daran“. sprach Gernot. „Es mag dein Land in Frieden. stark und groß. zu nehmen unverwehrt Burgen und Länder –. Wir Brüder sind ja reich An Land und Gut. Als eigen zu erkämpfen.25 Seid Ihr so kühn. Wer siegt. Ortwin von Metz nur sagte: „Nun sieht man wohl. sprach Siegfried dazu kühn. das uns zu Recht gehört. reicht deine Kraft. „uns ein Reich Von anderen zu erkämpfen. Wir widerständen. Bis wir zuletzt zum Schweigen den eitlen Übermut gebracht. Doch bleibts im Kampfe dein. Und er ein Königskriegsheer herführte. was an Besitz Euch angehört!“ Verwundert hört’s der König. alles. gar übel stünd’ es danach um unsere Ritterehr.

du. hört und wißt. die nähm ich nicht als Gegner an.26 Da sprach in hellem Zorne der Held von Niederland: „Wag’ nicht zum Kampf zu heben. Streit zu suchen. Des hätten unsere Herren sich wahrlich nie erkühnt. Nur Gernot widersetzte sich Ortwin vorwurfsvoll und sprach: „Ihr sollt den Zorn bezähmen. die Herrschaft und Macht zu üben in Burgund!“ „Ich ganz allein verhüt’ es!“ fuhr Gernot heftig fort. was ich gesagt hab’. Und schlecht wär’ unserer Ehre und seinem Ruhm damit gedient. Wenn Euch. nur ein Eigenmann! Ein Dutzend deinesgleichen. Wir wahrten Siegfrieds Freundschaft. Weshalb ihr ehrenhalber auf Waffen müßt bestehn. denn noch ist nichts geschehn. Vermessener. Zu größerem Verdrusse tu ich euch allen kund.“ Da rief nach Waffen Ortwin. Wir wollenes gütlich schlichten. Käm’ Siegfried. deine Hand. schon so verdrießlich ist. Und wehrte seinen Rittern ein jedes weitere Wort Und trotziges Benehmen: „Ihr tätet’s mir zu Leid!“ Auch Siegfried schwieg und dachte im stillen an die schöne Maid. Indessen Hagen still war. des Tronjers Schwestersohn. wir ertrügen’s schwer. Dem unzufriedenen Könige erschien es fast wie Schmach. Dann sprach er ernsten Tones: „Nein. Zu drohen einem König.“ 118–124 . Viel besser stünd’ uns an.“ Siegfried gab derbe Antwort: „Herr Hagen. Wie wenig Nutzen brächte das Eurem Heldentum! Und wir Burgunden büßten damit nur ein an Ehr’ und Ruhm. Ich bin gewillt. Er schwieg zu lange schon.“ Der starke Hagen stand und sann. zu uns ins Land hierher. „Wie ziemte unserer Würde Streit gegen Euch und Haß? Und lägen noch so viele der Helden tot im Gras.

– So heiß er sich sehnte auch danach. Man suchte Unterkünfte. Und wo es Frauendienste und höfisches Wesen galt. Und Gunther selber nahm nun das Wort: „Was uns gehört. Wo feine Sitte glänzte in zierlicher Gestalt. schöner Eintracht wich so in kurzer Zeit der erste Haß. In allen Ritterspielen und Kämpfen war der erste er. 125–135 (129) . Dem doch der Sinn im stillen nach reiner Herzensneigung stand. Doch Gernot. Doch war er in Gedanken oft bei der schönen Maid. allen wehrend. Wir sind zum Freundschaftsbund. Turnier. Den Kampf mit mir zu wagen. Ja. die heimlich bewundernd von dem Fremdling sprach. gebricht es ihnen doch An Freunden nicht!“ Schon wallte erneuter Zorn herauf. Das Eure sei’s. Wie sie bei ihm. im Schießen mit dem Ger. Für das Gepäck und Waffen in Kammern allerhand. in Burgund Mit Euren Kameraden. war Siegfried gleich bereit.27 Doch Siegfried: „Warum zögern denn Hagen. die man fand. Und auch die Knappen fanden ihr freundliches Gelaß. Zu jedem guten Dienste bereit für Euch! Schlagt ein!“ Nach einem Winke Gunthers bot man den Gästen edlen Wein. beschwichtigte und sprach darauf: „Noch einmal seid willkommen. die besten. Er sah sie nie. wenn Ihr es geziemend nur begehrt. So wollen wir gemeinsam genießen alles Gut!“ Da sank doch in Beschämung ein wenig Siegfrieds Übermut. Ortwin noch. Nun gaben sie sich häufig männlicher Kurzweil hin. Da sah’n die Augen gerne auf den vom Niederland. Herr Siegfried. was man vorschlug. Zu allem. Im Steinwurf wie im Laufen. War’s Spiel. – der beste war Siegfried stets darin.

Er grübelte und sann oft: „Wie soll es nur geschehn. 133–138 . Im Dienste der Könige zog er mit. Daß meine Augen endlich die edle Kriemhild sehn? Die ich nun schon so lange in Sinn und Herzen trag’. Viel Glück und Not erfuhr er um ihretwill’n in späterer Zeit.28 Denn wenn die Männer übten. Dann trauerte Kriemhilde. Auch Siegfried war es leid. In heimliches Betrachten des Helden ganz versenkt. Daß manches Mädchen damals ihn still im Herzen liebgewann. Ihn auf dem Hof verweilen. wie sie ihn betrachtete beim Spiel. – Das ist mein Leid! Die ist mir so fern noch wie am ersten Tag!“ Ein Jahr verlief. Doch hätte er sie jemals erreicht mit einem Blick. trat sie herzu und stand Versteckt an ihrem Fenster und blickte unverwandt. Wär’ ihm die Welt erschienen besonnt vom allerreinsten Glück. von anderen Freuden abgelenkt. im Plaudern auszuruhn. Hätt’ er geahnt. Genug an Freude hätt’ er gehabt und Frohgefühl. wie die Männer nach ihren Spielen tun. Weit mit den anderen streifend durchs Land auf manchem Ritt. Dann war ihr Sinn gefangen. So liebenswert und strahlend und fröhlich schien er dann. Oft sah sie.

zu reden und wollt mit Gunst geruhn. Herr. zu schützen Burg und Land. Die Könige. was ihr wollt. was ihr von dort mir bringen sollt! Wes Boten seid ihr? Redet!“ Vor seinem harten Blick Und seiner strengen Würde schraken sie in Scheu zurück. Sie hegen Haß und rüsten. Euch unserer Herren Auftrag ganz offen kundzutun.29 IV. Es waren Abgesandte vom Sachsen Lüdeger Und König Lüdegast am fernen dänischen Meer. An den Grenzen des Reiches stand ein Feindesheer. Zwölf Wochen gehn ins Land noch. So seid gewarnt! Kampf gilt es bis an des Schildes Rand! 139–145 . Verbündet sind sie. Nun wißt. beide gleich feindlich Euch gesinnt. Bis dahin werbt und sammelt und rüstet Roß und Mann! Zusammen ruft die Freunde. das sie brachten. Sind Lüdegast und Lüdeger. sie führen Krieger. Ein schwerer Krieg beginnt. Sie fallen feindlich Euch ins Land. Sie planten schon seit langem die Heerfahrt nach dem Rhein. Im Auftrag ferner Feinde in das Burgundenland. Daß ich erfahre. Nichts Gutes. fremdartig. dann hebt der Feldzug an. die mit Botschaft zu Euch uns hergesandt. zahllos. unbekannt. Haß drohte. in Euer Land hinein. Nach Heimat und Verlangen befragt’ man sie und wies Sie zu dem König Gunther. der höflich sie willkommen hieß: „Seid mir gegrüßt! Wer schickt euch? Laßt hören. und jeden traf es schwer. „Erlaubt uns. Wie er mit den Sachsen stritt Nun kamen einstmals Boten.

scheint mir zu kurz die Zeit.“ Der König sprach: „Verweilt noch am Hofe einige Zeit. ob er uns Hilf und Beistand leiht. Zu sammeln Volk und Pferde. was ihn so sehr bedrück’: „Wie lebten wir doch früher in sorgenlosem Glück! Wer Freunde hat. Wohl sandte Gunther eilig das Aufgebot ins Land. Zu tragen und zu wenden.“ Hagen und Gernot rief er und seine Ritter all. Rief Gernot jäh: „Wir wehren den Räubern mit dem Schwert! Wem Tod bestimmt. Als jene nun.30 Doch wollt Ihr unterhandeln. wie Ehre heischt und Pflicht. was Gunther verkündete. Versorgte man sie freilich. Darum befragt doch Siegfried. Verwundert fragte Siegfried. ich bin’s. Sonst sinken Eure Ritter in blutig harter Männerschlacht. gehört.“ Den Boten gab man Herberg. was Ihr an Sorgen tragt? Und wenn Ihr einen Freund braucht. dann macht ein Angebot! Dann spart Ihr Euren Leuten und Euch die ärgste Not. der auf dem trüben Antlitz stand. Doch niemals wich der Kummer. – nun denn. Wie es von jeher ehrlich die wahre Freundespflicht gebot. Fern bleibt von Euren Grenzen die starke Heeresmacht. Ihn wurmte im geheimen der räuberische Überfall. Daß Euch bis an mein Ende zu helfen meine Ehre ist.“ 146–156 . der falle! Doch unverletzt und rein Bleibt unsere Ritterehre! Die Feinde soll’n willkommen sein!“ Hagen von Tronje sagte mit Ernst: „Mich dünkt es schlimm! Nicht unterschätzt ich Lüdegasts und Lüdegers bösen Grimm. So feindlich ihr Bericht. der teile mit ihnen seine Not. Bis ich mich erst entschlossen zu gültigem Bescheid. Hab’ ich Euch nicht freiwillig von Herzen zugesagt. Ihr wißt.

dank’ ich dafür Euch immer brüderlich! Vernehmt den schweren Kummer. bald sähen sie uns dort. Zuletzt erging des Königs Abschied gar stolz und würdig so: „Sagt euren Herrn. In Frieden bleiben Leute und Land und Burgen dann!“ – Verwandten. Die Drohung schreckt uns nicht. Weg mit dem Kummer! Wehrt Euch! Verachtet ihren Grimm! Laßt mich für Eure Ehre einstehen. Zur Heerfahrt nach dem Rheine böswillig rüsten sie. Des Feindes Boten sendet mit dieser Botschaft fort: Wir brächten Antwort selber. Da waren sie sehr froh. Man rief die Boten Lüdegers. Und dann verlaßt Euch einzig auf mich! Ich steh’ dafür. Ruft den Bund Eurer vereinten Freunde zum Schutz für Euch und für Burgund! Und sollten Eure Feinde auch dreißigtausend stellen.“ Siegfried sprach zuversichtlich: „Ihr nehmt es allzu schlimm. Eh’ man sie ziehen ließ. Freunden sagte der König nun die Heerfahrt an.31 „Das lohn’ Euch Gott. sie täten wohl besser ganz Verzicht Auf ihre schlimme Heerfahrt. Erhielten sie Geschenke. Wollt ihr mit einem Heere einfallen in mein Land. mir fehlten Freunde –. der unser Glück zerstört: Wir haben schlimme Botschaft von droh’ndem Krieg gehört. So dreisten Räubereinfall erlebte unser Land noch nie. sonst habt ihr einen harten Stand. Der König selbst verhieß Ein sicheres Geleite.“ 157–165 (163) . Herr Siegfried! Wie tat dies Wort mir gut! Versagt Ihr dieses Mal auch mir Euren Arm und Mut Daß Ihr so treu ergeben mir seid. – Es sei. Gebt tausend mir! Ich habe doch nur die zwölf Gesellen. Wir schützen Eure Lande und wehren ihrer Beutegier. – wie rührt es mich! So lang ich lebe.

berief zum Heeresbann Für den Burgundenfeldzug wohl mehr als vierzigtausend Mann. sollte der Fahnenträger sein. Doch Lüdegast empfing Ungern die üble Botschaft. War doch auf trotzige Abwehr der stolze Däne nicht gefaßt. Siegfried hielt Gernots Mannen und Hagens Heer zurück. auch daß sich ein Held darunter fand. Von manchem kühnen Manne fern im Burgundenland Erzählten sie. 166–181 (175) . Siegfried sei er geheißen. Die Kunde war verhaßt Mehr noch als jede andere dem Dänenkönig Lüdegast. Volker. Eilig ging Nach Dänemark die Reise. Da schätzten sie mit Brennen und Raub durchs Land umher. Auch Gunther ließ entbieten. Es stießen zwanzigtausend an Kämpfern zu dem Heer. „bleibt Ihr daheim am Rhein! Laßt uns der Ehre Hüter. „Herr König“. der Spielmann. erspähte er Plötzlich zu vielen Tausend versammelt rings das Sachsenheer. So wollten sie die Heerfahrt von Worms antreten über’n Rhein. die freund ihm und verwandt.32 Reiche Geschenke nahmen sie fröhlich. Das Aufgebot der Seinen betrieb er um so mehr. Lüdegast und Lüdeger. mahnte Siegfried. Allein ins Land der Sachsen reitend. vertrauend auf sein Glück. des Landes Schützer sein! Verweilt hier bei den Frauen in guter Zuversicht. der Sachse. Hagen von Tronje wurde zum Scharmeister ernannt. Erbittert hörten’s beide. wie es verlangt die Ritterpflicht!“ Man nahm vom Rhein nach Norden die Fahrt durchs Hessenland Bis eines Tags die Heerschar an Sachsens Grenzmark stand. Indes wir für Euch einstehn. Er zog auf Kundschaft weiter. Unglaublich schien sie fast. Auch Lüdeger.

Es prallte Schaft auf Schaft. Dem stolzen Dänen bangte alsbald um seine Ritterschaft. Und sich der rote Blutstrom ergoß durch Brünn’ und Panzerring. Doch fiel ihn Siegfried wilder und grimmiger nur an. Er sei der Dänenkönig.33 Da hob von seiner Warte jenseits am Hügelrand Ein Ritter sich. Nun war erhobenen Schwertes der letzte Angriff wild gewagt. die Pferde hoch zum Sprung Gereizt vom Sporn. Lüdegast genannt. Was zwischen beiden Spähern hier auf der Warte war geschehen. Der feuerrot von Golde erglüht’ in hellem Glast. der gleichfalls auf Späherposten stand. Es nahten dänische Ritter. Da schlug Herr Siegfried wuchtig. Der Boden dröhnte zitternd vom harten Sprung und Hieb. 182–189 . Bis ihre Reiter wieder im Laufe sich erjagt. daß rings das Feld erklang. den Schild zur linken Hand. Sprang plötzlich in den Sattel. Daß Lüdegast drei Wunden von Schwerthieben empfing. Daß hell die Feuergarbe vom Helm des Feindes sprang. verpfändete sein Land. Gleich wendeten die Pferde sich wieder unterm Zaum. Ein wackerer Wächter war es. Einander heimlich prüfend erwogen Angriff sie und Hut. Der eben noch von drüben herspähte unverwandt. der Dänenkönig Lüdegast! Heran schon sprengten beide. Zwar eilten dreißig Männer zur Hilfe schnell heran. die Lanzen gefällt in jähem Schwung Tief auf die breiten Schilde. Die Blicke beider trafen sich scharf in grimmer Glut. Und wie geweht vom Winde durchflogen sie den Raum. Da bat er um sein Leben. Da keiner von den beiden dem Gegner etwas schuldig blieb. die schon von fern gesehen.

– bleibt mir nur meine Kraft. Hoch unter Rosseshufen flog rings die Erde auf. Doch. rang er. Sie taten wahre Wunder und brachten bald den Feind in Not. – kehrte sich keiner dran. seinen Geisel wahrend. Dazu Siegfrieds Gefährten. Die dreißig Dänen nieder. Die Dänen stürmten an. Die Dänen schäumten. Ob ihre kleine Truppe nur zählte tausend Mann. – Beweint manch edle Sächsin noch ihre frühe Witwenschaft! Helden vom Rhein! Zu Pferde! Folgt mir und schaut auf mich! Mitten in Lüdegers Scharen vernichtend stoße ich!“ Schon saß Gernot im Sattel. 190–201 . Ward hingeführt zu Hagen. Doch waren schnell die Schneiden der Sachsenschwerter bloß. laut im Felde erschwoll ein Jubelschrei. mit ihm das ganze Heer.34 Siegfried griff den Gefangenen. Doch Siegfried rief dazwischen: „Heut bleibt noch mehr zu tun! Wohlan! Das Fähnlein bindet fest an die Stange nun! Eh’ dieser Tag sich endet. Als alles Volk vernommen. in Siegfrieds Kriegsgewalt. Der König Lüdegast. tödlich gekränkt von Grimm und Schand Ihr Herr gefangen! Geisel in ihres Feindes Hand! Der Sachsenkönig tobte in Zorn und heißer Wut. Wahrhaftig. daß es der Dänenkönig sei. So übermächtig brannte die giftige Scham in seinem Blut. Der lag im Hinterhalt. Ortwin und Hagen. zu künden seines Herren Not. Nur einen ließ er leben. Und ihre Schilde blitzten lichtfunkelnd in dem Reiterhauf. ja schlug im Kampf sie tot. der eine Mann. Und herrlich mit der Fahne ritt Volker vor den Männern her. Volker mit Dankwart und Gernot. Jäh traf die Feindesseite der wilde Angriffsstoß.

Da stießen Lanzenspitzen in harten Schildesrand. Gefangene Geiseln folgten dem Lüdeger fünfhundert Mann. Da gellte seine Stimme: „Siegfried hab’ ich erkannt! Den hat der Teufel selber uns hergeschickt ins Sachsenland! Gebt’s auf! Laßt ab vom Kampfe! Die Fähnlein ziehet ein! Gebt Frieden!“ bat er dringend. dem sicheren Frieden zum Gewähr. Da – wie ein Sturmwind brach Siegfried in das Gewühl ein. Mutlos hinsinken ließen sie alle Schild und Schwert. daß von dem Schild Der Schmuck der edlen Spangen flog hell erblitzend ins Gefild.35 Streitkühne Sachsen wehrten. Wußt’ er. Berieten sich. drin mancher Todeswunde hing. eh’ sich nicht Lüdeger Als Geisel ihm ergäbe. blindwütend mit dem Schwert. Gern hätten sie wohl länger der letzten Schmach gewehrt. Sie zogen einen Streifen. die Dänen hielten stand. Da schlugen Schwerterschneiden auf Helm und Eisenring. Ingrimmig fiel er Siegfried so an. wie fürchterlich Der breite Balmung mähte. So stand des Kampfes Wage. Im Prall der Waffen toste Gelärm und Fluch und Schrei. Doch als er auf des Gegners Erzschild die Krone sah. und seine Zwölf ihm nach. Dreimal durchkämpften quer sie den tiefen Menschendrang. Das Blut floß von den Sätteln. Daß von der Wucht der Schläge ins Knie fast brach sein Pferd. 202–220 (219) . So hieb der Sachse hitzig. von dessen Blitz so mancher blich. „und laßt uns Freunde sein!“ Zuerst verwehrt’ es Siegfried. Den König selbst zu stellen – der sah. durch wen so heillos Verderben hier geschah. als ob’s ein roter Blutbach sei. Bis endlich im Gewühle es Siegfrieds Blick gelang. doch nahmen dann die Bedingung an.

Königin. Es fehlte wenig. Gernot? Wie all die andern Freunde? Blieb mancher draußen tot? Wer tat das Beste? Sage!“ Stolz hub der Bote an: „Wir hatten keinen Zagen und keinen pflichtvergessenen Mann! Doch.36 Zum Aufbruch nach dem Rheine ging nun der Marschbefehl. den ich noch höher rühmen mag. Von all den Wundertaten die größten. mit Gold und Gaben gut dafür. Die Knappen trabten fröhlich nach Haus. dem ihr Sinnen längst heimlich zugewendet war. Sie durfte ja nicht zeigen. wenn ich treulich die volle Wahrheit sag’. Wenn du mir wahr berichtest. Begrüßte sie ihn freundlich: „Erzähl! Ich lohne dir. Wie hielt im Kampfgewühle mein Bruder sich. Und wie es Freudebringern ja überall gebührt. Wie schnell nun alle Sorge schwand! Auch Kriemhild einen Boten sich insgeheim beschied. Die Kampfgenossen machten aus Siegfrieds Lob kein Hehl. 221–227 . Im ernsten Kampf vollbrachte die größten Wunder seine Hand. daß in der tapferen Schar Ein Mann war. Ihr Kriegsbericht Erheiterte am Rheine manch trauriges Gesicht. Die sollten dort die Freunde von ihrer Angst befrei’n Und frohe Meldung bringen. Er hatte mit den Seinen das Beste doch getan. Gernot entsandte schnelle Berittene an den Rhein. den edlen Siegfried vom Niederland. Die edlen Frau’n besonders erfragten unverwandt Das Schicksal ihrer Männer. Als Euren Gast. wie hohe Ehren man Und Sieg und Glück im Kampfe mit kühner Mannestat gewann. Weiß ich doch keinen. daß sie ihm Sorg’ und Wunsch verriet. die im Krieg geschah’n. In ihre Kemenate ward er sogleich geführt.

Mit eigener Hand zwang Siegfried die Gegner in die Knie. Der Tronjer wie auch Gernots Gefährten hieben drein. Leer wurde mancher Sattel.“ Da ging durch Kriemhilds Antlitz das Glück in rosiger Gestalt. Die Männer von dem Rheine hinstürmten in den Feind. So gute Nachricht bringen zu reichen Frau’n. sein Kriegsglück wundersam. Empfange zum Lohn ein reiches Kleid! Nimm dazu noch in Golde zehn Mark als Botenlohn. nur Schimpf an Leib und Ehr’. edle Königin. Wie Hagen stritt und Dankwart. Die Dänen und die Sachsen. und wenn auch todeswund. was sie von Siegfrieds Ruhm vernahm! „Fünfhundert Feinde folgen als Geiseln unserem Heer. Mit Recht erlitten beide schließlich mit ihrem Heer. Und achtzig weitere trägt man verwundet hinterher. Sein Tatenruhm ist herrlich. das kühne Kämpferpaar. des Kampfglück ein wahres Himmelswunder schien. Denn dies ist. – das lohnt sich schon!“ 228–242 (241) . so ehrenvoll es war. So männlich sie auch fochten – nichts ist es gegen ihn. die beste Neuigkeit: Als Geiseln dienen beide zu unseres Friedens Sicherheit.“ Wie lieb war Kriemhild alles. des Reiter heut ein Weib beweint. Den Siegmundssohn. Und mancher von den Feinden hat ihn darum verklagt. Daß deinen Brüdern frevelnd er frech den Frieden aufgesagt. Und fröhlich sprach das Mädchen: „Willkommenen Bescheid Hast du gebracht. So sind die Friedensstörer in unserer Gewalt. Wohl mocht’ es Lüdeger schon längst verleidet sein.37 Was all die andern taten. In Sturm und Angriff wahrten. Die alte Ritterehre die Streiter von Burgund. Besiegt und als Gefangene führt man zum Rheine sie.

Zu Lüdegast begann er: „Auch Ihr seid mir willkommen! Zwar hab’ ich schweren Schaden durch Eure Schuld genommen. Stolz nahten die Gesunden. Ward still um sie getrauert. Wie königlich er dachte. Verbeult und arg durchlöchert die Schilde an der Hand. die im Streit Gefallen für die Heimat und ihre Sicherheit. Zu danken allen Freunden. Der König sorgte gut. das sollten selbst die Feinde sehn. Willkommen ihm zu bieten zur schönen Wiederkehr. doch. Der Krieger frohe Heimkehr mit eigenem Aug’ zu schaun. Die Gäste ließ er reichlich nach Will’ und Wunsch versehn.“ 243–250 . vom Friedensglück gebüßt.“ Das nun – Gott lohnt’s den Freunden! – mein Volk in reichem Maß „Wohl mögt Ihr ihnen danken!“ versetzte Lüdeger. was Ihr getan habt. Fröhlich ritt König Gunther entgegen seinem Heer.  [genießt. „Behielt so edle Geiseln doch nie ein Fürst bisher.38 Es warteten am Fenster die Mädchen und die Frau’n. Woll’n Lösegeld wir zahlen. Es grüßte heller Zuruf und Jubel alle zum Empfang. Doch wird. höchster Ehre wert. gab er in Pfleg’ und Hut. daß gut und ehrenhaft Sie dort in hartem Kampfe ihm seinen schönsten Sieg verschafft. zerhaun der Helme Rand. Da lief das Volk zusammen in lautem Überschwang Und scharte sich am Palas zu fröhlich-festlichem Empfang. Da nahten die Gesunden. dann die von Wunden krank. Die schwerverwundet waren. das den Verlust entschädigen soll. Nur sechzig blieben draußen. Nun schaffte man Quartiere. Verfahret Ihr in Gnaden mit uns und ehrenvoll. Doch galt die erste Frage den Toten. wie stets man tote Helden ehrt.

„gern Eurer Fesseln frei. der noch wund liegt. Die schwer von Wunden litten. die schaffte man beiseit’. er hätte nicht den Wunsch erfüllt. 251–258 (254) . das binnen sechs Wochen wir begehn! Manch einer. Doch wehrte Gunther innig. Zu heilen gab’s genug! Mit reichem Solde lohnte der König ihre Kunst. wird dann gesund vom Bett erstehn. wer es immer sei.39 „Ich laß Euch“. Die Meister der Arzneikunst versorgten gut und klug. daß jeder bleibt im Land. war doch viel eher not. Er bat und widerstand Und flehte ihn zu bleiben. sprach der König. hielt er und bat vielmehr Zu bleiben. Auch seinen Gästen bot er verschwenderisch nun Gold und Gunst. daß keiner. Da riet Herr Gernot dringend: „Laßt sie nur reiten jetzt! Doch sei für sie schon heute die Rückkehr festgesetzt Zu einem Fest. Da mochten Knecht und Knappen bei Scherz und Trunk wohl fröhlich sein! Die schwer zerhauenen Schilde. Nach Kampf und langem Marsche. Doch hätte nicht Kriemhild In seinem eigenen Sinn gelegen. wie er am Ende noch schöneren Lohn und Dank Für ihre Treue fände. den Met und hellen Wein. Daß ihre heitere Miene kampfmüden Männern Tröstung bot. Die wieder heimwärts wollten. daß nicht in Traurigkeit Der Frauen Tränen flossen. Die blutigen Sättel barg man. wie man’s immer den Freunden sagt zur Ehr’. Bis wir ihn einst entlassen!“ Darauf gab Lüdeger die Hand. die ihm den großen Sieg errang. Und sann. wie ruhte es sich süß! Den Wunden gab man Betten und den Gesunden ließ Der König Labung reichen. Wenn Ihr mir bürgt. Sich seiner Haft entziehe.“ Da bat ihn auch um Urlaub Siegfried von Niederland.

so glücklich wie sein Traum gewähnt. Gewandt im Kampf. Zulieb den Freunden wollte Gunther das Fest begehn.40 Nur ein Gedanke hielt ihn. ein Wunsch am Hofe fest. Zu nähen und zu fälteln an Kopfschmuck und Gewand! Dabei der stolzen Helden gedenkend. Mädchen und Frau’n zu zieren mit Putz und Schmuck und Kleid. ritterlichen Herrn. mit Sorgen nicht zurückzustehn. Nun galt’s auch für die Frauen. wie sie gern Gefallen möchten allen den edlen. Die schöne Schwester hofft’ er zu sehn beim Siegesfest. Frau Ute auch benutzte vorsorglich noch die Zeit. begierig nach hohem Siegespreis. Sie mühten sich geschäftig mit Nadel. Auch ließ er Zelte bauen vor Worms am grünen Rhein. Der hoffnungsvoll in schöner. ganz naher Zukunft lag. wie er sie längst ersehnt. Zwirn und Band. Aus Liebe zu den Kindern ließ sie manch fleißige Hand Für Knappen und für Fremde herrichten Prunk. Kriemhild erfuhr mit Freude vom nahen Siegestag. Nun winkte die Erfüllung. Schon übten sich die Knappen auf ihres Herrn Geheiß. War doch für all die Gäste die weite Stadt noch viel zu klein. 260–264 . Auch Xanten sah er später.und Festgewand.

Ihn wie auch Gernot ließen die Sorgen gar nicht ruhn. Längst wußte Gunther. Wie Siegfried Kriemhild zum erstenmal sah Nun ritten alle Tage die edlen Gäste ein. Gute Quartiere waren zur Unterkunft bereit. Da standen Kamerad und Kampfgenoß. wie hart. Zweiunddreißig Fürsten kamen an den Rhein. Pfingstmorgen war’s. gab es nun viel zu tun. Ob er bisher sie niemals mit Augen je erblickt. Fünftausend oder mehr noch. Empfang der vielen Gäste. jung. Nur daß er sagen hörte. und weit Ergoß in Hof und Palas sich Jubel rings und Fröhlichkeit. Bewirtung waren not. der Hofgewänder Prunk. Für Giselher. unübersehbar floß Der feierliche Festzug heran zur Burg. Wie’s königliche Würde und feiner Sitte Zwang gebot. 265–272 (270) . Wie Sinne er und Seele Kriemhilden zugewandt. – So leuchtenden Gepränges begann das Fest am Rhein.41 V. Die Siechen auf dem Lager in ihrer Wunden Not. Mit Gold beschlagene Sättel auf Pferden feurig. Prachtvoller Schilde Goldglanz. Die Kranken selbst entbehrten der anderen Mitleid kaum. wie sehr ihr Reiz die Welt entzückt’. Sie durften fast vergessen. Die Kranken und die Wunden sah’n glücklich in den Glanz hinein. Das Fest in vollen Zügen mit zu genießen war ihr Traum. Indes die schönen Frauen wetteiferten in Zier und Kleid. wie es mit Siegfrieds Herzen stand. den Jüngsten. wie nah der Tod.

Damit doch jedes Auge die herrlichen Gestalten fand. die vom Gemach herab Die Treppe niederstiegen. umgab Die beiden Königinnen. Gunther ließ entbieten die Mutter und Kriemhild Mit ihren Frau’n. Dichtes Gedräng’ entstand. Ein Schwarm von schönen Frauen. er tauschte gerne ein Königreich für sie. der Reiz am schönen Weib! Erlaubt. aus feinstem Gold gefügt. 273–280 . als sei ganz eigens ihm dieses Glück beschert. Was wäre Mannes Wonne. wählten lange. der’s gehört. Gewiß. Das Schwert in jungen Händen. Und jeder. Die Zierde Eures Hofes. dann seid auf eins bedacht: Laßt uns zur Augenfreude die Mädchen und die Frau’n. als stolzes Ehrgeleit. was Mädchen sonst im Sinne liegt. So stolzer Brauch war üblich an Gunthers Hof seit alter Zeit. noch unerfahrene Mann. Borten und Zierat. an hundert wohl. Die schönen Frauen sähen auch ihn mit Neigung an.42 Da riet ihm Ortwin: „Soll sich diesmal in vollster Pracht Das schöne Fest entfalten. Wenn nicht der Mädchen Zauber. alles. daß Eure Schwester hier unter uns erscheint!“ Der Rat war gut. bis eines lag bereit. künstlich runde. Sie suchten. wie mancher für sich in stiller Freude meint’! „Es soll geschehn!“ sprach Gunther. Wie gerne ward dieser Wunsch sogleich erfüllt! Vor ihren Schreinen prüften sie da das schönste Kleid. was freute Seel’ und Leib. War froh. Wie alle Augen glänzten! Sah’n sie die Schönen doch noch nie! Ein stattliches Gefolge auf König Gunthers Wink. in ihrem ganzen Reiz erschaun. Es hoffte mancher junge. – An hundert nah Verwandte – stand schon bereit und ging. Armringe.

– das mußte jeder zugestehn. 281–288 (287) . Siegfried stand tief betroffen. das auf ein Pergament Ein großer Meister malte. der so viel für Euch tat Und Euch so treu gedient hat. Ihr seid in seiner Schuld. wie erstes Morgenrot Tritt aus den trüben Wolken. Dich jemals zu gewinnen! Es war ein eitler Wahn. als ständ’ Ein Bildnis da. so herrlich war sie anzusehn. Und höher schwoll den Helden das Herz vom Glück. Wer wünschte. Erweist vor allen Leuten zum Dank ihm heute Eure Huld. Von allen Seiten drängten die Ritter sich heran. Wie mild sein reines Leuchten durch die Wolken geht. So stand nun Siegmunds Sohn da. sie anzuschaun. sah sie stehn. Von ihren roten Wangen erging ein zarter Schein. ein schönes. dann wär’ ich lieber tot!“ In solcherlei Gedanken ward seine Wange blaß und rot. als Schmuck und Edelstein. umringt von ihren Frau’n. Wie der Mond. Ein schöner Leuchten schien es. wovon man sagte zwar. So wunderlich befangen stand er vor Kriemhilds Lieblichkeit. Daß jeder in ihr Antlitz nur einen Blick gewann. der helle. – so wunderlich.43 Da nahte nun die Jungfrau. Es gäbe keinen Helden wie den. so schön und wunderbar. Er dacht’ in seinem Sinne: „Wie töricht war der Plan. So kam sie gleichen Glanzes. Froh war ihm und doch leid. alles Schöne auf Erden möcht’ er sehn. Und wie ein schönes Wunder. Es wandte sich an Gunther Gernot mit gutem Rat: „Gedenket jetzt an Siegfried. Hier war das Allerschönste. vor den Sternen steht. Muß ich dich aber meiden. Da endete die Not! Der sie so lang im Herzen getragen.

Ward eine weiße Hand da wohl liebevoll gedrückt? Ich weiß nicht. wie man anders es nicht vor fremden Leuten kann. die Gunther nah verwandt. ihn zu laden. Die schöne Kriemhild sagte: „Seid recht willkommen mir!“ – Wie ward er froh! – „Man rühmt Euch. was ihn schmerzte. Da stieg in seine Wangen ein glühend heller Brand. 289–295 . Zu Siegfried. mag junges Maiengrün Ein junges Herz berauschen – nicht freudiger kann’s erglühn. Vor Utes schönem Kinde zu stehn – nun war’s so weit! – Die Liebliche begrüßt’ ihn mit aller höfischen Sittsamkeit. wir werden nur um so mehr ihm lieb und wert. ist sein Plan. Mag Sommerluft entzücken. dahin. Sie sah ihn an. da er den Blick verstand.44 Laßt Siegfried freundlich bitten zu Kriemhild zum Empfang. ein tapferer Ritter wäret Ihr. Wie freudig schritten beide. Kriemhild soll Euch empfangen. Wenn sie ihm dankt. ihm und dem Hof zu nah’n.“ Er neigte tief sich. Nun Kriemhild. Doch kann ich mir nicht denken. Zu erfahren ist es mir nicht geglückt. Denn deutlich war’s. Sie soll den Helden grüßen zu unserem Nutz und Dank! Die niemals Blick und Rede noch einem Mann gewährt. vertraulich ging an seiner Hand. was ihn bedrückt’. Als Siegfrieds Freude brannte. und gaben ihm bekannt: „Der König läßt Euch bitten. als hielte sie ein Band! Mit lieben Blicken sahen sie eins das andere an. daß man es unterließ. die Ersehnte. Doch heimlich.“ Es gingen einige Männer. wie Kriemhild ihm ihre Zuneigung bewies. Verflogen. der vor ihr in edlem Stolze stand.“ Da zuckte jähe Freude Siegfried durch Herz und Sinn. Gütig ergriff sie seine Hand. Denn Euch zu ehren.

daß er je Wiederkehr’ in unser Land!“ In feierlichem Zuge hob nun der Kirchgang an. den er errang. So schied auch Siegfried dort von ihr. Auf schöneren Dank für Siegfried ging Gunthers Wunsch und Sinn: Zum Kusse reichte Kriemhild ihm ihre Lippen hin. Der Dänenkönig aber sprach nachdenklich für sich: „Um dieses Kusses willen mancher von uns erblich Mir zu Verlust und Schaden von Siegfrieds starker Hand. Siegfried führte Kriemhild bis an den Dom heran. daß ihm nach Wunsch und Wahn Die Liebliche geneigt war. Doch konnt’ er kaum erwarten den frohen Schlußgesang. „Das lohn’ Euch Gott. Wie es der Brauch verlangte.45 Im stillen dachte mancher: „Ei. ging ich ebenso An ihrer Hand wie Siegfried. Man sagt. daß Eure Treue ihr ganzes Herz gewann!“ Mit freudehellen Augen blickt’ er die junge Kriemhild an: 296–303 (299) . was er da empfand. Das Süßeste der Erde schien Siegfried. Wie selig sein Geschick sei. Herr Siegfried!“ So sprach das schöne Kind. Gott mag verhüten. Da hing ein jedes Auge an ihnen wie gebannt. Und zum Geleit beschied man ihn wiederum zu ihr. – des Glückes wär’ ich froh! Den Arm um sie zu legen – das ließ ich nicht. Er dachte seines Glückes wahrlich mit tiefem Dank. Siegfried stand an der Tür. fürwahr!“ So lieblich anzusehen. Dann trennten sich die Frauen und Männer an der Tür. daß alle hier Eure Freunde sind. der längst er herzlich zugetan! Kriemhild verließ das Münster. Aus ihrem Mund erhielt er nun erst den vollen Dank Für seine Freundeshilfe und für den Sieg. so fürstlich schritt das junge Paar. „Ihr habt’s verdient.

Hier drinnen und da draußen gab man mit Herz und Sinn In hochgemuter Stimmung sich allen Festeswonnen hin. Die schönsten Speisen boten die Köche auf beim Mahl. einzig mein Gewinn!“ Zwölf ganze Tage blieben sie sich einander nah Im Kreise der Verwandten. Spiele.46 „Ich diene ihnen gerne. Herrliche Freuden. Indes. ging Gunther durch den Saal: „Ich muß euch ewig danken. ins Heimatland entlaßt. 304–312 . Selbst die verwundet waren.“ Geheilt war Lüdegast. Ein Friedenspfand zu bieten. Was einer wünschen mochte. und jeder war beglückt. Eh’ Ihr uns in die Freiheit. mein Haupt zu ruhen. Vergnügen. ihr Freunde. Fröhlichkeit Erfüllten Gunthers Halle und Hof die ganze Zeit. Doch König Gunther tat Nichts ohne Siegfried. Da ich. So lange sie mich brauchen. die Kämpfer grüßend. wie nicht eines je von dem anderen wich. im Traum der alten Kraft Vergnügten hinter Schilden sich schon am Spiel mit Schwert und Schaft. noch kein Verlangen trag’. Traf manchen lieben Freund doch von Euren Kämpfern früher Tod. wie sich’s schickt. Siegfried zu Lieb’ und Ehre und Dank geschah’s geflissentlich. wenn ihr zum Abschied von mir geht!“ Es baten ihn die Dänen: „Wir sind darauf gefaßt. drum verschmäht Nicht meine Gastgeschenke. hochedle Frau Kriemhild. das ist not. und ich am Leben bin. Die Erde von Burgund Barg viele tote Feinde. Ortwin und Hagen sorgten. Dringend bat er auch jetzt um seinen Rat. Denn wahrlich. genesen und gesund War auch der Sachsenkönig. Sei Eure Huld. so lange ich’s vermag. nichts fehlte. Zwölf schöne Tage sah Man beide.

47
„Was soll ich tun? Die Feinde versprechen Lösegeld,
Fünfhundert Pferdelasten an Gold, wenn mir’s gefällt,
Sie frei und los zu lassen.“ Kaum, daß er sich besann,
Gab Siegfried fest zur Antwort: „Der Handel stünd’ uns übel an!
Laßt ledig die Gefangenen von hinnen ziehn nach Haus,
Auch ohne Geld. Nur eines bedingt Euch dafür aus:
Zusagen sollen beide, daß niemals Euer Land
Sie je wieder befehden, und dies versprechen in die Hand!“
„Den Rat will ich befolgen.“ Damit ging er und sprach:
„Dem Gold, das ihr uns bietet, – wir fragen nichts danach.
Versprecht es in die Hand mir, daß ihr den Frieden wahrt.
Dann lenkt zur Heimat wieder, die euch erwartet, eure Fahrt!“
Abschied erbaten endlich die Gäste. Von Kriemhild
Und Ute nahmen Urlaub sie alle dankerfüllt.
Die Zelte wurden stille, die Kammern mählich leer.
Nur die Verwandten blieben vereint zu freundlichem Verkehr.
Urlaub erbat auch Siegfried. Er tat es aus Verzicht,
Denn wonach er verlangte, zu halten wagt’ er’s nicht.
Als Gunther seine Absicht, er wolle fort, vernahm,
Da sandt’ er Giselher, der eilends ihn zu bitten kam.
Da Siegfried schon zur Reise bereit, drang ungestüm
Giselher der junge in ihn und sprach zu ihm:
„Wohin willst du schon reiten? Nein, edler Siegfried, bleib!
Wir würden dich vermissen, wir Freunde und manch schönes Weib!“
Da sagte Siegfried: „Stellt nur die Rosse wieder ein!
Ich reite nicht! Wir wollen noch froh beisammen sein.
Bergt auch die Schilde. Fern sei noch unser Abschiedstag.“
Was doch ein Wort des Freundes, wie Giselher es sprach, vermag!

313–322 (317)

48
So blieb der Held am Rheine. War ihm doch nirgendwo
Das Herz wie hier so sorglos, so leicht und lebensfroh.
Es hielten ihn die Freunde, treu brüderlich gesinnt,
Ihn zwang mit seinem Zauber das schöne königliche Kind.
Wenn man bei Spiel und Kurzweil fröhlich die Zeit vertrieb,
Sah er ihr Antlitz täglich, sie wurde ihm so lieb,
Daß Seel und Sinn’ ihm glühten in immer neuer Not.
Um ihretwillen sank er dereinst in jammervollen Tod.

323–324

49

VI. Wie Gunther zur Brünnhild nach Island fuhr
Weit über fernem Meere saß eine Königin,
Nie sah man ihresgleichen so kühn als Kämpferin,
Zwar makellos an Schönheit, doch maßlos auch an Kraft.
Wer um sie warb, dem wehrte sie kampfbereit und heldenhaft.
Sie schleuderte die Lanze, fernhin warf sie den Stein
Und sprang ihm nach. Gewinnen erst konnte sie allein,
Wer über sie im Dreikampf Herr ward. Wer sie nicht zwang,
Wer nur ein Spiel verloren, büßt’ mit dem Kopfe seinen Drang.
Es sagte König Gunther: „Wie es mir auch ergeh’,
Nach Brünnhild, dieser Königin, fahr’ ich über See.
Um ihrer Liebe willen wag ich daran den Leib,
Den will ich eh’ verlieren, wird jene Brünnhild nicht mein Weib.“
„Das widerrat’ ich“, sagte Siegfried, „denn furchtbar ist
Ihr wilder Brauch, wenn einer zu werben sich vermißt.
Wer Liebe von ihr fordert, der spielt ein hohes Spiel.
Daher gebt’s auf. Ich rate Euch ab. Ihr wagt dabei zuviel!“
Doch Hagen meinte: „Siegfried mag helfen. Denn er kennt
Brünnhilde; er bringt fertig, was ihr allein nicht könnt!“
So bat ihn Gunther offen: „Ich wage Ehr’ und Leib,
Wenn du mir beistehst, werb’ ich um jenes herrlich-kühne Weib.“
„Ich will es tun“, sprach Siegfried, „gibst du zum Lohn dafür
als Gattin deine Schwester, die schöne Kriemhild, mir.
Denn wisse, daß ich sonst nichts und keinen Dank begehr’,
Wird sie nach Kampf und Mühsal mein Weib bei unserer Wiederkehr.“

326–333 (325, 328)

50
„Das will ich dir in Treuen geloben in die Hand!“
Sprach Gunther. „Kommt die schöne Brünnhilde hier ins Land,
So will ich gern die Schwester dir zum Weibe geben.
Dann magst du mit der Schönen dereinst in reinem Glücke leben.“
Mit Handschlag und mit Eiden beschworen sie den Bund.
Noch stand viel Not dazwischen, eh’ sie heim nach Burgund
Die schöne Brünnhild brachten, viel Sorge, eh’s gelang,
Und er im harten Kampfe die Heldenkönigin bezwang.
Nun rüstete man sorglich die weite Meeresfahrt.
Die Kappe, die den Träger vor jedem Blick verwahrt
Und ihm zu seiner Stärke Zwölf-Männer-Kraft verleiht,
Von Alberich erbeutet, hielt Siegfried klug im Schiff bereit.
„Uns folgen zur Begleitung an dreißigtausend Mann,
Daß ich mit vollen Ehren vor ihr bestehen kann!“
So meinte König Gunther. Doch Siegfried widerriet:
„Ihr Brauch ist so, daß keiner jemals die Heimat wiedersieht.
Wir ziehn nach Ritterweise des Rheines Lauf zutal,
Mit wenigen Gefährten anstatt der großen Zahl.
Nimm Dankwart mit und Hagen! Nicht mehr! Allein wir vier –
Was dann auch kommen möge, – die Königsbraut gewinnen wir.“
Auf ihres Bruders Bitte war Kriemhild gleich bereit,
Zu nähen und zu schmücken Gewand und Wams und Kleid,
Daß sie, so ausgestattet, in Brünnhilds Land zu Gast
Erschienen, wie sich’s ziemte und für Burgundenkönige paßt.
Sie nahm arabische Seide, so weiß wie frischer Schnee,
Dazu noch Zasamanker, grasgrün wie junger Klee.
Gefüttert mit den Häuten von Fischen, und zuletzt
Mit schönen Edelsteinen, wie Feuer blitzend, reich besetzt.

334–363

51
Libysche, marokkanische Gewänder, farbig bunt,
Mit kohlenschwarzer Seide verbrämt als dunklem Grund,
Denn Hermelin erschien ihr daneben zu gering.
Wie gern die Schwester sorgte und liebevoll zu Werke ging!
Nun kam die Abschiedsstunde. Gar nahe ging es ihr.
Sie sagte: „Lieber Bruder, warum ersehnst du dir
Ein Glück in fernster Weite? Du fändest in der Näh
Auch eine edle Gattin, von der dir nicht Gefahr geschah.“
Und Siegfried bat sie: „Laßt ihn Euch anbefohlen sein!
Ihr seid so treu und tüchtig und Ihr vermögt allein,
Vor Schaden ihn zu hüten in Brünnhilds rauhem Land!“
Der Held versprach’s und reichte ihr zum Gelöbnis seine Hand:
„So lang ich lebe“, sagt’ er, „braucht Ihr, vieledle Frau,
Euch nicht zu sorgen. Bleibt nur getrost! Denn ich vertrau’,
Gesund bring’ ich den Bruder zum Rheine sicherlich.
Ihr könnt fest auf mich bauen!“ Da neigte sie zum Danke sich.
Nun brachte man die Waffen, die Rüstung, das Gewand,
Schilde mit rotem Golde hinab zum Ufersand.
Sie zogen ihre Rosse ins Schiff. Die Fahrt begann,
Und manche Abschiedsträne aus schönen Frauenaugen rann.
Im Fenster stehend winkte hinab manch lieblich Kind,
Bis prall die Segel schwollen, gefüllt von günstigem Wind.
Der trug die Fahrtgenossen hinab den hellen Rhein,
Der König Gunther fragte: „Wer soll jetzt Schiffmeister sein?“
Siegfried erbot sich: „Wie es hier steht mit Flut und Sand,
Der Lauf der Wasserstraßen ist mir gar gut bekannt!“
Er griff zur Stange. Kundig und kraftvoll hielt er ab.
Gunther nahm selbst ein Ruder, leicht glitt das Schiff den Strom hinab.

364–379 (367–371, 373)

52
Sie waren wohl versehen mit Speisen und mit Wein,
Gewächs vom allerbesten im ganzen Land am Rhein.
Das Schiff lief glatt und ruhig. Am breiten Steven war
Für die vier edlen Pferde Gelaß und sicheres Verwahr.
Von günstigem Wind getrieben, sah’n sie am zwölften Tag
Brünnhildes Land. Am hohen Steiluferrande lag
Der Isenstein, auf Felsen die Feste, sturmumtobt,
Siegfried bekannt seit langem, der früher schon die Fahrt erprobt.
So gab auf Gunthers Fragen er gut Bescheid: „Das Land,
So weit Ihr seht, ist Brünnhilds, und jene steile Wand,
Gekrönt mit Burg und Türmen, das ist der Isenstein.
Dort landen wir. Noch heute wird unsere Fahrt zu Ende sein.
Doch rate ich, wir kommen fest überein darin,
Wir sagen, daß ich Gunthers Vasall und Lehnsmann bin,
Und er mein Herr.“ Sie dachten noch nicht an Not und Schuld.
Und sagten’s zu. Vor Gunther stand nur der schönen Königin Huld
„Um deiner Freundschaft willen“, sprach Siegfried, „tu’ ich’s nicht.
Nur deiner Schwester wegen gelob ich Dienst und Pflicht.
Wie meine eigene Seele ruht tief ihr Bild in mir,
Als wären eins wir beide; nur darum dien und helf ich dir.“

380–388 (381)

Sie wichen zwar gehorsam. Dann suchten im geheimen sie Fenster. Was hübsche Mädchen immer für Fremde tun mit Lust. Nach der sich deine Seele. Dahinter sich zu bergen und doch zu schaun der Helden Zug. hätt’ ich die Gewalt. Und ließ die Blicke forschend auf den Gesichtern droben ruhn. wie es der klugen Frauen Art. die schöne Königsmaid. 389–395 . Daß man im Fensterrahmen manch schönes Mädchen sah.“ „Es gab dein helles Auge der Wahl ein gut Geleit. die Mädchen sollten nicht Hinab vom Fenster gaffen den Fremden ins Gesicht. Schon auf den ersten Blick hin – die nähm’ ich. dein Herz und Sinn gesehnt. Zu der die eigene Neigung Euch zöge. Die ist so einzig schön. schien alles erfüllt.“ Wie sie dort stand. schmal genug. Sie fanden einen Ausweg. doch wie berichtet ward.53 VII. Der König fragte Siegfried: „Wer sind die schönen Frau’n. sein höchster Wunsch gekrönt. Es ist die edle Brünnhild. Sie zieht mein Auge lockend auf ihre Wunschgestalt. Wie Gunther Brünnhilde gewann Das Schiff kam schnell geschwommen. „ich will’s tun“. Sie putzten sich und schmückten erst zierlich Haar und Brust. sprach er. Die Königin ließ gebieten. schon war’s der Burg so nah. wäre sie In Eure Macht gegeben!“ – „Gut“. „In jenem hohen Fenster dort seh’ ich eine stehn In schneeweißem Gewande. Die neugierig von droben zu uns ins Schiff hernieder schaun?“ Da sagte Siegfried: „Wählet und sucht im stillen die.

gut bewehrt. wie im Gang Der Pferde zierlich leise ein Spiel von Glöckchen klang. ein hehres schönes Frauenbild. Sie ließen sorglos liegen ihr Schifflein in dem Sand Und ritten aufwärts. Wie Siegfried an dem Zügel ein Roß zog auf den Sand. Als Herr erschien er dadurch und Siegfried nur von niederem Rang. wo die Burg auf Felsenhöhen stand. Und jeder trug am Arme den breiten. in stolzem Waffenschein. Lichtweiß wie Schnee die Rosse. Nur ganz von rabenschwarzer Stahlrüstung streng verhüllt. Im Fensterrahmen stehend. Erspähten es die Mädchen dort oben und die hohe Frau. schwankend beim Rosseschritt im Licht. Von Zaun und Riemen läutend. – Ein Dienst. schneeweiß ihr Ritterkleid Ganz gleich gewandet ritten sie hin den Weg zu zweit. Zur Seite bis zum Sporne hinab das Ritterschwert. Umleuchteten von Helmrand und Rüstung ihr Gesicht. Man hörte. Am Sattel blitzten Steine. Von reichem Zierrat leuchtend – das alles sah Brünnhild. Metallene Schilder glänzten an ihrer linken Hand. genau. Hagen und Dankwart ritten langsamer hinterdrein. Wie er sein eigenes Roß dann heraus ans Ufer zog. Mit neu geschliffenen Speeren. So ritten sie ins Land ein. Worauf sich König Gunther leicht in den Sattel schwang. wie es ihr Ritterstolz gewollt. Indische Steine. der nur die Fremden trog – Wie er dem König Gunther den Bügel hielt. stahlglänzend. Prunkend auch sie im Schmucke. 396–403 . Gleich herrlich beide Männer und beide gleich an Art und Stand. ein ungewohnter. wie vier Ritter anlegten an das Land. glänzend schwarzen Schild. gelbrot von lichtem Gold.54 Nun sah’n sie.

stand. Ein Kämmerer sagte: „Reicht mir die Gere und das Schwert. Gebührend zu empfangen die Gäste in der Herrin Land. So fügt euch dieser Sitte und gebt sie willig hin!“ Darauf gab man die Waffen. woher sie kämen wohl der Fahrt. Sie fragte. doch fremd am Isenstein. daß drunten Männer gelandet sei’n. Doch war es nicht nach Hagens Sinn. „Man hat am Isensteine von je den Brauch gehegt. die Sitte bleibe hier gewahrt. Gelaß und Ruhstatt wiesen sie Roß und Rittersmann. Brünnhild erfuhr. Und dienstbereit. Die Brünnen auch!“ Doch Hagen lehnt’ ab: „Das sei verwehrt! Die tragen wir stets selber. Daß nie ein Gast die Waffen behält und bei sich trägt. gewiß fürstlicher Art. Drin drei Paläste ragten auf grauem Felsengrund. Ein hoher Saal von edlem grasgrünem Marmorstein Schloß die Gemächer Brünnhilds und ihrer Dienerinnen ein. Empfangt ihn freundlich hier im Land! 404–411 . „Wer sind die fremden Ritter. Wohl gingen Brünnhilds Männer geschmückt durch Hof und Haus. Ganz herrrlich anzuschauen. die heut in voller Wehr Ins Tor geritten kamen? Wes Freundschaft lockt sie her?“ Da sagte eins der Mädchen: „Nur einer scheint bekannt. Eifrig entgegen kam Ein Dienerschwarm. Weit offen Tor und Türen. die Schilde vom Arm zu nehmen. wer sie seien. der höflich die Pferdezügel nahm. Doch schauten alle einzig nach jenen stolzen Fremden aus.55 Von sechsundachtzig Türmen sah’n sie ein weites Rund. Dann bot man Wein zum Willkomm den Gästen freundlich an. Stattlich und gut gerüstet. Der gleicht dem edlen Siegfried. Das ist so unsere Art!“ Doch Siegfried mahnte dringend.

ist der düstere Gast. ist stattlich von Gestalt. daß ich freiwillig werd’ sein Weib. und kam er in das Land. – nun ihr mögt Neugierig sein. An ihrer Seite gingen. „seid mir willkommen hier im Land! Wie kam’s. Von züchtig-edler Haltung und herrlich anzusehn. Die Fremden zu begrüßen. herrlich im Reiz von Schmuck und Kleid. die Schwerter in der Hand. zu hören.56 Der zweite der Gefährten. Der jüngste unter ihnen scheint milde mir und zart. Doch seine Augen blitzen furchtbar und eiseskalt. Auf standen von den Sitzen vor ihr die Herren von Burgund. dem möcht’ es schlimm ergehn. befürcht’ ich. Dann schritt sie mit den Jungfrau’n – an hundert mochten’s sein – Hinab die Stufen. als sei ihm die ganze Welt verhaßt. Das gab nichts Gutes kund. edle Königin. Fünfhundert oder mehr noch. „Siegfried“. was Brünnhild da bewegt’. daß Euer Schiff lein zum Isenstein die Wege fand?“ 412–419 (415) .“ Die Königin rief den Mädchen: „Nun bringt mir mein Gewand! Ist Siegfried jener Fremde. so grimmig. Gebieter weiter Länder. fast wie nach Mädchenart. ein Herrscher könnt’ er sein. Verletzt ihn ein Feind. Mich zu gewinnen. so sprach sie. Wenn ihm die Macht gehörte. er scheint ein königlicher Mann! Der dritte. kostet es leicht ihn Blut und Leib! Mir ist noch nicht so bange. das stünde ihm wohl an.“ In kostbare Gewänder hüllte man Brünnhild ein. Zu stattlichem Geleite Männer vom Isenland. Er überprunkt sie alle. So schwarz sein Kleid. Der erste Blick der Königin traf Siegfried. Und doch ein Held. Ein Mann – und dennoch zierlich. wie es verlangt die Gastlichkeit. Und funkeln Zorn. – so würdig schaut er drein.

heran. nennt Euer Willkomm mich Zuerst vor diesem Edlen.“ 420–426 . Er will die Werbung wagen. Er sollte ohne Sorge vor ihrer Drohung sein. Bedenkt es recht. Sein Nam’ ist Gunther. zu entgegnen beherzt nach seinem Sinn. den er geworfen. entbehrte er nichts mehr. Er hat den Zug befohlen nach seiner kühnen Art. Seid nicht zu schnell!“ So schlimm war. wie auch das Los ihm fällt. Wagt er sich an das Kampfspiel. edle Frau. so geht’s euch allen an den Leib!“ Da sprach Hagen von Tronje: „Gebt. ließ Euch mein Herr den Preis. Jedoch wenn ich obsiege. zu zwingen weiß. was er beschloß. wie ich es lieb’. denn ihn verehre ich Als meinen Herrn und König. Erst prüfen wir im Schießen den Ger mit hartem Schwung. so schön wie Ihr. Bedenket. unbeugsam hält. Daß Euer Gruß und Willkomm zu hohe Ehre für mich ist.57 „Zu gnädig seid Ihr. und auch der Sieg im Spiel sind mein. folg’ er in weitem Sprung. „Ich schütze Euch! Die Klugheit. Weithin waltet als König er. dann werde ich sein Weib. Glaubt mir. worauf die Königin sann. Darum gedenkt und wißt. Fürstin. Und meistert mich im Siege. Hätt ich’s im weigern können.“ Sie sprach: „Ist er Gebieter. Was soll ich sagen mehr? Um Euretwillen fuhren wir drei mit ihm hierher. daß er ein Mädchen. bist du sein Eigenmann. vermieden hätt ich gern die Fahrt. Gewann er Eure Liebe. Der kühne Siegfried wandte sich leis zu Gunther hin Und bat ihn. denn Ehre und Leben hängt daran. daß mein Herr. daß Ihr gefährlich seid? Es müßte arg schon kommen. Er ist am Rhein geboren. Bescheid! Was spielt Ihr denn so Schlimmes.“ „Dem Stein.

heldischen Art gefiel. und ungesehen trat Er unter sie. Rief nach dem Waffenkleide. Hinabgeeilt zum Schiffe. das nie Bisher ein Schwert durchschnitten. Er griff die Zauberhülle. Hagen und Dankwart dachten betrübt: Das geht nicht gut! Die Sorge um den König bedrückte ihr Gemüt. darin im Rund umher Die Männer standen.“ Doch Siegfried war inzwischen. 427–433 . Nun steckte man den Platz ab. So leuchtend in der Rüstung stand kühn und kampfbereit Brünnhild. Sie sagten: „Nun erweist sich’s wie uns die schlimme Fahrt mißriet. doch keiner bemerkte. Das hohe Spiel erwartend. mit Borten reich umhüllt. Nun war er für Menschenaugen unsichtbar. was er trieb und tat.58 Da sprach der König Gunther: „Auf. edle Königin. und schimmernd schlang um sie Sich bunte lybische Seide. eh’ jemand es noch sah. Wie’s ihrer seltsam strengen. Den Gästen drohte mancher in Spaß und Übermut. und eilig brachte man Den starken Schild und legt’ ihr zuletzt die goldene Brünne an. Doch sei Euch nicht verhehlt: Verlangt die schwerste Probe. Versammelt schon im Ring Fand er die Männer. Zu richten. das lag dem Ufer nah. sieben mal hundert oder mehr. harrend auf ihrer Königin Wink. die drin verborgen war Und schlüpft’ hinein. Das Haupt will ich verlieren. Dann stieg er eilends aufwärts. ich setze alles ein. wählt Nach Eurem Wunsch die Spiele. ein wahrer Kennerkreis. siegt Ihr und werdet Ihr nicht mein!“ Auf diese Worte Gunthers befahl sie schnell das Spiel. Sie alle gut bewaffnet. Die Brust umschloß von Seide ein Waffenhemd. wem gebühre zu Recht des Kampfes Siegespreis.

Wie schwer er war. war jedem Arm zu schwer. Geschah’s. König Gunther? Es geht um Seel’ und Leib! Die Ihr zu werben dachtet – gebt’s auf! – die ist des Teufels Weib!“ Nun brachten ihre Leute der Königin den Ger. Aus seiner Hölle! Wär’ ich zu Hause nur am Rhein! Vor meiner Liebe sollte sie noch lange sicher sein!“ 434–442 (436. Als Hagen sah. Die ihn zum Platze trugen. von grimmiger Wut erfüllt: „Was wird nun. Von Stahl und reichem Golde. wie mühsam man trug den mächtigen Schild. ist’s mit ihr so bestellt? Den Teufel selber treibt sie. Die Liebliche! – So spielte sie kühn mit Not und Todgefahr. vier Männer beugt’ er fast. schweren Gang! „Wie soll das Spiel sich enden. man daran messen kann: Viertehalb Lasten Erzes verschmolz ein Schmied daran. Schon kamen ihre Diener. Der Schild. Der Schaft war lang und schwer. wie wuchtig. Wie sie dort drohend stand. Da sprach der Tronjer warnend. Ein ungefüges Ding war’s. daß seine Schneide stahlscharf des Gegners Schild durchschnitt. wenn es ihr nur gefällt. Schien sie bereit zum Kampfe um aller Könige Land. die hielten griffbereit Den Schild von rotem Golde.59 Gewaffnet kam die Königin. Denn unter seinem Buckel maß fast drei Spannen er. So übergroß war seine Last. Genügten doch drei Leute zum Tragen kaum. Und doch – aus ihrer Rüstung. gewaltig lang und breit. aus allem Waffenprunk Sah fraulich zart ihr Antlitz mit Wangen licht und mädchenjung. und wenn sie warf damit. 439) . wie man erzählte. Der mit stahlharten Spangen zum Schutz umschmiedet war. Mit dem sie schoß im Kampfe. Wie bang Ward Gunther im Gedanken an seinen nahen.

443–449 . Da wurde Dankwarts Wange in heller Freude rot. erlebt’ ich’s. Und über ihre Achsel sah sie ihn lächelnd an: „Wenn der sich so erdreistet. „Nun mag das Spiel beginnen. Wär’ ich doch nie gekommen in dieses fremde Land! Hätt’ ich mein Waffenzeug erst wieder in der Hand. so lang ich und mein Schwert dabei!“ Noch stärker offenbarte sich Brünnhilds mächtige Kraft. sagt’ ich doch Den Frieden auf! Und wahrlich – vielleicht geschieht es noch! Mein lieber Herr –.“ „Noch könnten wir in Freiheit verlassen Hof und Land. daß man ihm und Dankwart die scharfen Waffen wiederbringt!“ Als er sein Schwert erhalten.60 Da sagte Hagens Bruder Dankwart: „Wie es mich reut. sprach Hagen. was Hagen sprach und sann. „die Rüstung bei der Hand. so hehr und wunderschön sie ist. Ein schwerer Stein ward mühsam jetzt in den Ring geschafft. wie hoch der Einsatz sei! Gunther bleibt unbezwungen. In Schande enden wir In diesem Land und fallen schmachvoll von Weiberhänden hier. Hätten wir“. – fürwahr. doch wie ein Felsen kantig und ungestalt. Am Hohn des stolzen Weibes hätt’ ich sein Eisen gern bewährt. Sorgt. Daß wir zu diesem Hofe die Reise nicht gescheut! Man kannte uns als Helden.“ Die edle Frau vernahm es. Und Hagen auch das seine! Den übermütigen Hohn Brünnhilds und ihrer Mannen. daß er hier sterben müßt’. wir mäßigten ihn schon! Und hätt’ ich tausend Eide geschworen. Eh tötet’ ich die Jungfrau. so kühner Art sich dünkt. Und für den schlimmsten Fall auch noch unser gutes Schwert. wie Brünnhild es gebot. Rundlich. Kaum wälzten ihn zwölf Männer heran mit äußerster Gewalt.

schien es den Burgunden. Sieh hin. ihr wilder Wunsch doch geht. das Werk tu ich!“ Nun er den Helfer kannte.61 Den warf sie. daß einer heimlich bei ihm stand. Sie griff den Schild und hob ihn leicht auf mit einer Hand Und zückte mit der andern den stahlbewehrten Ger. Gar wenig von dem Ruhme gewinnt die Königin dann. „Verhehle unsere Schlauheit vor ihr und jedermann. wie hart das Spiel und schwer. Erschrocken fühlte Gunther. wuchs schrecklich die Gefahr. so wäre es geschehn. doch der lag schutzbereit In Siegfrieds Faust zur Abwehr und hielt dem Stoße stand. was ins Ohr ich dir verstohlen sag: Du übst nur die Gebärde zum Schein. „ein Liebchen hold und traut! Der Teufel in der Hölle. der sollte wählen sie zur Braut!“ Hinauf an weißen Armen Brünnhild die Ärmel wand. es war doch niemand da. Gunther und Siegfried ahnten nun doch. Wonach ihr harter Wille. Siegfried griff ungesehen zum Trost nach seiner Hand. Hätt’ Siegfried nicht geholfen. Da hört’ er leis: „Ich. „Was rührte meine Hand an?“ fragt’ er sich und sah Und dreht sich um und merkte. Man hätte Gunther schmählich am End’ erliegen sehn. Er prallte auf den Schild ihm. daß ich allein ihn trag. als Freund steh ich bei dir Und helf dir gegen Brünnhild. Vom Stahle sprangen Funken wie ein vom Wind geschürter Brand. faßt’ er ein Herz und freute sich. wie sorglos drüben die kriegerische Jungfrau steht!“ Nun griff zum Ger und warf ihn die heldenhafte Maid. Nur Mut! Hab keine Angst vor ihr! Den Schild gib mir zu Händen. Siegfried. „Wahrhaftig!“ sagte Hagen. Und merke. wenn im Kampfe der Ger verschossen war. Nun. 450–456 .

„Für diesen Gerschuß. Dann warf er mit dem Schafte. Sie griff den Stein und wog ihn. Aus ihrem Panzer stob es. Der Wurf und Schuß war gut Und warf mit seiner Wucht sie nach rückwärts in den Sand. nach rückwärts sie zu drehn. schnell auf die Füße sprang.62 Zwar brach die harte Spitze scharf durch den erzenen Schild. Nicht ahnend. dann hob sie ihn und schwang Mit urgewaltigem Stoße ihn in die Luft hinein. Daß von dem Stoß und Pralle ein krachend-heller Klang entstand. Der Stoß traf sie gewaltig. Doch Brünnhild. ein Kämpe. Er riß am Speer gewaltig. daß ihm beistand ein überstarker Kampfgenoß. Weit flog er hin. Den Schuß ihr heimzuzahlen. zwölf Klafter weit Geflogen war der Steinblock. Noch weiter sprang die Maid. war er in grimmem Zorn gewillt. kaum am Boden. Vom wuchtigen Anprall schwankten sie strauchelnd hin und her. Ohne die Zauberhülle. von Gunther allein käm’ das Geschoß. zoll’ ich dir Lob und Dank!“ Sie rief’s im Wahn. doch unverzagt Sprang er nach vorn. Gunther. Wahrhaftig! Nicht gelungen wär’ Gunther das mit eigener Hand. Er lag zum Schein In Gunthers Hand. der selbst das Schwerste wagt. 457–463 . gedrungen in den Schild. Dann sprang sie mit mächtigem Satze hinterdrein Ihr Kleid erklang vom Sprunge. als schürt’ ein Wind die Glut. sie ist zu schön!“ So wandte er die Spitze. doch Siegfried erhob und trug ihn ganz allein. Da ging und holte Siegfried den Block. – sie lebten beide schon nicht mehr. Zwar troff aus Siegfrieds Munde das Blut. Man sah. Die Panzerringe lohten von Funken eingehüllt. In zorniger Erbitterung erglühte ihre Wang’. Doch dacht’ er: „Schießen will ich ihn nicht. Der traf auf ihr Gewand.

So half Siegfried dem Freunde und wandte von ihm Not und Tod. Brünnhilde sah’s. heran! Vernehmt und wißt. Der schönen Brünnhild Antlitz erbrannte zornig rot. Daß Gunther von Burgund nun euer Herr und König ist. die Königin ersann? Wohlan denn! Laßt uns schauen. Das. Indes war Siegfried klüglich allein und unverweilt. als willkommener Gast Zur Seite ihr zu bleiben im weiten Prunkpalast. ihn Herrscher über Volk und Land. Mit edlem Anstand bat sie ihn. Er kam zurück und fragte – mit voller List geschah’s – Den König. wer überlegen ist!“ Als wüßt’ er nichts. Daß er den König Gunther als Last im Sprunge mit sich trug. So war’s geschehn! Vollendet der Sprung! Es lag der Stein. Dankwart und Hagen ließen am End’ sich alles gern gefallen. Und alle sah’n. zu Hagens Freude. zum Schiff hinabgeeilt. Schließlich nahm Brünnhild seine Hand Und hieß. Eure Kraft zu prüfen. Da rief sie. von allen rings gehört: „Ihr Mannen und Verwandte. seines Leibes Stärke und Kunst war groß genug. 464–417 . Die Tarnkappe zu bergen. Er grüßte dankend. der dort fröhlich und plaudernd bei den Frauen saß: „Worauf noch wollt Ihr warten? Wann fängt das Kampfspiel an.63 Die mächtige Kraft und Kühnheit ward nun erst offenbar. Er warf den Stein viel weiter und übersprang ihn gar. Am fernsten Rand des Ringes stand Gunther unversehrt. Mit tiefgebeugten Knien ward Gunther nun geehrt. Ja. Zu ehrendem Empfange einluden hohe Hallen.“ Da legten alle Männer die Waffen auf die Erd’. verstellte er sich mit klug erdachter List. am Ziele stand Gunther ganz allein.

in Not euch beizustehn. edle Herrin. ich fahre allzu weit. Des jungfräulichen Stolzes Meister und Herr zu sein! Nun folgt uns. sagte Hagen. als unsere Königin an den Rhein!“ Da sprach sie: „Nein. Erlesene Männer sind es und kühner. Die ritten spät und früh. die Frau bringt Unheil. Eh’ die es nicht erfahren. die freund mir und verwandt!“ Sie sandte schnelle Boten. dem’s gelang. Daß doch ein Mann noch da ist. unverwandt: „Als Ihr. daß unser König Euch besiegt!“ „Die schönste Kunde!“ sagte Siegfried. gar nichts von unserem Spiel gesehn. „da ziemt uns Dank. Nicht lange währt’s. die bestehe ich! Heran führ’ ich euch Helfer. den Sinn uns arg beschwert. wißt. Als unser Herr vom Rheine so tapfer sich gewehrt. Mir schwant. War Siegfried fern am Ufer. wo unser Schifflein liegt. Gott hüte eure Ehre in dieser Zwischenzeit. dann geht’s uns allen schlecht. Herr Siegfried. Die Freunde und die Sippen zum Isensteine luden sie. als Ihr je gesehn! Ihr sollt nicht nach mir forschen.64 Da sprach erstaunt die Königin: „Wie konnte es geschehn. die allerbesten. Und brütet Brünnhild Rache. Worin mich Euer König als Sieger überwand?“ Darauf versetzte Hagen. so eilig verlass’ ich nicht das Land. die List verstehend. Daß Ihr. So ist ihm unbekannt noch. für uns und unser ganz Geschlecht!“ Da sprach der kühne Siegfried: „Verlaßt euch nur auf mich! Wenn euch Gefahren drohen –. folgen mir!“ 472–480 . „Wahrhaftig“. „nun sieht es übel aus! Was mag die Königin planen? Kommt diese Schar ins Haus. vieledle Herrin. Und tausend tapfere Männer. dann seht ihr gesund mich wieder hier. ein starker.

65 Der König bat ihn: „Bleibt nur da draußen nicht zu lang! Da Ihr uns helft.“ 481 . Ihr hättet Siegfried ausgesandt. so sind wir nicht länger sorgenbang!“ Siegfried rief zuversichtlich: „Bald kehr’ ich heim ins Land! Sagt Brünnhild nur zum Scheine.

Lag vor ihm schon das Ende der Fahrt. Sie sichern ihre Ehre. den er im Kampfe dort errang. täuschte Siegfried ihm einen Fremden vor. zu ruhn Und Herberg zu erbitten. Bald sank die Nacht hernieder. An einer großen Insel zog er das Schiff aufs Land Und band es fest am Ufer. Das Reich der Nibelungen. Wie Siegfried zu seinen Nibelungenhelden fuhr Durchs Burgtor niedersteigend zum nahen Uferrand Fand Siegfried wohlgeborgen das Schiff im weißen Sand. daß er sie nie entbehrt. Da wehrt’ ein Tor den Eingang. ein Sturmwind entführe sich zum Spiel den Kahn. verschlossen und verwahrt. wie wir. Er löst’ es. – stark bewehrt. Die Tarnkappe verbarg ihn. Die es vom Ufer sahn. das kleine Fahrzeug schoß Wie ein durch Flut und Wogen gerittenes Wellenroß. wie’s alle Wegemüden tun. Auf einem Berge stand Hoch eine Burg mit Zinnen. er klopfte heftig an. Stets bei der Hand die Waffen. wer klopft so hart ans Tor?“ Verstellung übend. Worin sein Schatz verwahrt lag. Doch das war gut behütet von einem reckenhaften Mann. auf diese Art.66 VIII. und geschwind Flog unter seinen Händen das Schiff. – Rief laut: „Wer ist da draußen. Er rüttelte am Tore. wohl hundert Meilen lang. ein großes Land. Doch als sie wieder schwand. Er stieg hinan. Vermeinten wohl. 482–487 . Ein ungeheurer Riese der Wächter. Kein Steuermann war sichtbar. als triebe es ein Wind. Gelenkt von Siegfrieds Fäusten.

noch oft bewundernd erzählt im Nibelungenland. zu seinem Helm und nimmt Den Schild zur Hand. Wie er es wagen dürfe. Behelmt. Erblickt er Siegfried. Es wies sich doch. Die sieben langen Stränge mit schweren Knöpfen gut bewehrt. So grimmig sich Der Zwerg zur Wehre setzte. die Kühnheit nicht gering. kostbar mit Gold beschwert. Ob wild der Riese dreinschlug. Der Einlaß wünscht und gerne zur Nacht gebettet wär’! Ein Held bin ich. So kam der Zwerg gelaufen und schlug damit so wild.“ Auf diesen dreisten Anruf greift jener zornergrimmt In Eile zu den Waffen. Daß Siegfrieds Schildgespänge krachend vom harten Stoß zersprang. Aus weiter Ferne komm ich her.67 Mit falscher Stimme rief er: „Hallo! Mach auf die Tür! Es steht noch mancher müde und zornig hinter mir. dem er in voller Wut entgegenspringt. Und wie er das Burgtor seitwärts schwingt. so wild er schäumte. Im besten Schlaf zu stören Gesind und Rittersmann. Ein Kampf. Griff hurtig zu den Waffen und kam im Lauf heran Im Augenblick. Mit riesenhaften Kräften. vernahm es tief im Berg. 488–496 . Der wilde Alberich. Er warf ihn weg und barg auch das Schwert. doch fremd hier. an Hand und Füßen band. Es drang das Kampfgetöse weithin. daß Siegfried ihm überlegen war Und ihn. so herrschte er ihn an. da Siegfried in Fesseln schlug den starken Mann. In Händen eine Geißel. Und ging ihm scharf zu Leibe mit einer Eisenstang’. Daß Siegfried an dem Arme zersplitterte der Schild. nicht töten wollt’ er Alberich. wie groß auch die Gefahr. den Leib geborgen in hartem Panzerring. und auch der Zwerg.

des mächtigen Aufgebotes Grund. „Ich sah. daß er in Schmerzen jäh Von solcher Strafe jammernd aufschrie vor Schmerz in Angst und Weh. Siegfried verlangt Gefolgschaft. Laßt mich nur los! Befehlt mir! Ich folg’ Euch als getreuer Knecht. die ihr zu leisten schuldig seid!“ Von Bett und Bank aufsprangen so Herr wie Knecht geschwind. es sei!“ sprach Siegfried. So packte er den Alten bei seinem grauen Bart Und zerrte ihn und zog ihn. wie ritterlich das Werk. stattlich gewaffnet. und mit Recht. wie gut Ihr kämpfet. wie wirst du genannt?“ – „Ich heiße Siegfried. Und diese brachte Huldigung und Treuschwur ihrem Herren dar. „brecht auf und bringt heran Der Nibelungenhelden die besten tausend Mann. Viel tausend Ritter. Er rief: „Laßt los! Verschont mich! Reißt nicht zu Tode mich! Euch lieber treu zu eigen gehorsam diente ich. Verwundert fragte Alberich: „Sag. Eh’ ich hier ganz verdürbe. Wähnt’ ich doch sonst. der Zwerg.“ „Nun gut. – zwar rang und ächzte der. 497–503 . Doch zweien Herren kann Ich nimmer dienen. schwor ich doch Treue einem edlen Mann. Ihr seid des Nibelungenlandes Gebieter.68 War’s doch sein treuer Kämmerer. er strich durch Tal und Berg Und rief die Nibelungen sogleich: „Macht euch bereit. ich sei dir gut bekannt!“ „Lieb ist mir diese Kunde!“ sprach Alberich. Die soll’n mich hier erwarten!“ Bedacht verschwieg sein Mund Dem Zwerge seine Absicht. Und Alberich enteilte. Vereinten sich im Zuge. der ihm den Schatz verwahrt’.“ Doch Siegfried band den Kleinen. – Wie er den wilden Riesen gebunden schon vorher. Nun löste er die Fesseln dem Riesen und dem Zwerg. gut gesinnt. Froh grüßte er die Schar.

„mit ritterlicher Zier! Den Augen schöner Frauen. Ein guter Fahrwind trug sie vom Heimathafen fort. „Schmückt euch“. Sie holen als Geleite mich ab vom Isenland. sprach König Gunther. Fast ohne Gruß blieb Siegfried. die sie führen. Auf hoher Zinne standen die Mädchen hell im Wind. Wenn gute Freunde kommen. oder geziemt ein solcher Gruß nicht mir?“ „An des Palastes Stufen“. die gekommen. Da fragte Brünnhild: „Soll ich die fremden Gäste hier Am Tor empfangen. zwar hatte man gezählt. so fuhren sie zum Isenstein.“ So tat die Königin dann. als säh’ sie ihn kaum an.“ Der König Gunther nahte: „Meine Gefolgschaft blieb Entfernt von Eurem Lande. Daneben stolz geschmückte Gefährten noch genug. Die kühnen Fahrtgenossen in hellem Waffenschein.69 In hellem Kerzenscheine saß fröhlich man und trank. „mögt Ihr sie willkommen heißen. da gingen sie an Bord. Dreitausend. Schon sah man Siegfried stehen am hochgeschwungenen Bug. Die dort zu Schiffe kommen von ferne über See? Die Segel. stolz und wohlbekannt. Im Schiffe ihre Pferde. sind weißer noch als frischer Schnee. wer jene sind. wie man zu grüßen pflegt. riet Siegfried fröhlich. der Mädchen Blick begegnet ihr!“ Schon dämmerte der Morgen. Für ihre schnelle Ankunft bot Siegfried seinen Dank: „Ihr sollt mit auf die Reise von hinnen übers Meer!“ Laut jubelte entgegen dem Ruf das ganze Heldenheer. Nun aber ist’s mir lieb. Doch wurden davon tausend der besten ausgewählt. 504–511 . Die Königin Brünnhild fragte: „Wißt ihr. Es schien.“ Fast unabsehbar nahte die Flotte.

Indes wie stets bei solcher gewaltigen Zahl entstand Doch überall Bedrängnis.“ Da meldete sich Dankwart: „Vertraut die Schlüssel mir! Es richtig zu verteilen. trag’ ich den Vorwurf. dem ward so viel verliehn. Wer’s recht entschiede. der hemmend in den Arm ihm fällt! Mit vollen Händen wirft er es weg. Ob einer Königin Kämmerer sich je so leichtsinnig erwies?“ 512–518 . das wurde nur zu offenbar. Die längst nach Haus verlangten. Wo nicht. er verstand. „Nennt einen mir“. Wer eine Mark begehrte. Bedenklich schien’s der Königin.70 Man gab Quartier. dankbar wär’ ich des Helfers eingedenk. ich bürge Euch dafür. als sie den Streich Dankwarts vernahm Zu König Gunther sprach sie: „Es wäre mir doch lieb. schuf Obhut für Waffen und Gewand. Wenn ein Gewand am Ende auch mir noch übrig blieb. Ein Tor verstreut als Kämmerer wahllos mein Gut und Geld. Zu schenken Schmuck und Kleider und Gold mit offener Hand. An hundert Pfund verschwendet’ er an die Gästeschar. Dankwart erhielt die Schlüssel. Viel Dank bin ich dem schuldig. die Schande ganz und gar. Und wirklich. – das hab’ ich ja genug – An meine und des Königs Gastfreunde als Geschenk. Drum hofften Herr und Mann.“ Daß er freigebig teile. was mir mein Vater ließ. der noch niemals zu solchem Glanze kam. Daß noch für arme Leute der Überfluß zu reichen schien. „der erst gerecht und klug Silber und Gold verteile. Denkt er etwa. rief Brünnhild. Die köstlichsten Gewänder umhüllten wunderbar Manch einen. Ich hätte selbst nichts nötig und sei dem Tode nah? Verschwenden könnt’ ich selber. man trete bald die Heimfahrt an.

Ein letzter Schmerz die Tränen. Auch sechsundachtzig Frauen entbot sie zu der Fahrt. Die tausend Nibelungen verharrten fahrtbereit. bis Gunther herrscht als König hier. Brünnhild mißtraute Dankwart. schien Der Würdigste von allen. „wen du auswählst. „Mitführen möcht’ ich Kisten an zwanzig.71 Da sprach Hagen von Tronje: „Seid deshalb sorgenlos! Der Reichtum meines Königs am Rheine ist so groß. An unserer Statt zu herrschen. der Mutter Bruder. dir! üb du Gericht und Herrschaft. Treuer.“ Zweitausend Männer wählte Brünnhild. Der hätte sicherlich Sie noch verschwendet. 519–525 . Sprach Gunther. Nähmt Ihr von all den Kleidern auch nicht ein einziges mit von hier. Sprach Brünnhild. gut gefüllt Mit Gold und seidenen Stoffen.“ – „Dies ganze Land ist dein“. Doch tat ihr eigener Kämmerer klug diesen Dienst allein.“ Ein Nahverwandter Brünnhilds. So wimmelte das Ufer von frohen Menschen weit und breit. Gunther und Hagen lachten still für sich.“ „Und doch – tut mir’s zuliebe!“ erwiderte Brünnhild. Die möcht’ aus eigener Hand Ich teilen nach der Meerfahrt. Bei seinem Überflusse nichts wohl vermißtet Ihr.“ Nun lud man edle Steine in reicher Fülle ein. den setzen wir als Schirmherrn ein. So würdiger Weis’ und Sitte verließ Brünnhild ihr Land. Land und Burgen befehl’ ich. So bat die Königin ihn: „Die Leute. komm ich in König Gunthers Land. Dazu an hundert Mägde von auserlesener Art. vom Isenstein Sie würdig zu begleiten ins ferne Land am Rhein. das Weh der Treuen dort am Strand. „Eh’ wir von hinnen ziehn“. „werde einem das hohe Amt verliehn. Noch eins war zu entscheiden.

Ein Blick noch. Wie schnell das weiße Segel sie hintrug übers Meer. So legten sie schnell den Weg zurück. und dann sah sie den Heimatfelsen niemals mehr. Die sollte aufgespart Ihn erst daheim beglücken. Die sie mit letztem Kusse verlassen. Nach harter Müh vor Augen die Heimat und der Heimat Glück. sah’n vom Land.72 Brünnhilde stand am Bordrand. Voll in die Segel drang Ein günstiger Wind. Und eine frohe Hochzeit gefeiert wär’ zu Worms am Rhein. Die nah ihr und verwandt. Es wurde eine frohe Meerfahrt mit Lied und Sang Und aller Arten Kurzweil. 526–528 . Brünnhilde stillen Sinnes verwehrte auf der Fahrt Noch jede Gunst dem Könige. wenn beide erst allein.

sprach Gunther. Wie Siegfried nach Worms gesandt wurde Neun volle Tage gingen in guter Fahrt dahin. Die Unsern läßt die Sorge um uns daheim nicht ruhn. vergäße ich den Dienst dir nicht. „laßt mich hier! Des Kämmerers Amt und Arbeit ziemt einem Mann wie mir. bis unser Schiff daheim am Strand. Der Mann dazu ist Siegfried. Bring meiner lieben Mutter.“ „Wahrhaftig. Versagt auch er es. Drum bittet ihn. sprach Hagen. Macht Euch sogleich zur Fahrt bereit! Denn niemand ist des Auftrags wohl würdiger. Als Euch. Gewährtest du die Bitte. zu reiten.“ Als Siegfried sich erst wehrte. die wird es dir wie ich Mit reichem Dank vergelten. Indes wir ganz versäumen. Freund Hagen. Ich bleibe bei den Frauen. Der Bote meines Glückes sollst du zu Hause sein.“ Siegfried berief er: „Näher kommt unser Schiff dem Rhein. Schickt ihn damit nach Haus. und augenblicks war er bereit: 529–535 . wir sind schuldig“. Denn er versteht’s und richtet gern Eure Botschaft aus. ich hüte ihr Gewand Und ihre reiche Habe. die Ankunft ihnen kundzutun.“ In Sehnsucht nach der Maid Verflogen die Bedenken. zur Freude Kriemhilds möcht’ er Euch den Gefallen tun.73 IX. „nun wohlan! Zur Botenreise weiß ich mir keinen besseren Mann. Da sprach Hagen von Tronje: „Es geht mir durch den Sinn. bat Gunther flehentlich: „Um Kriemhilds Willen tu es. als Ihr es seid!“ „Ich tauge nicht zum Boten“. der Schwester auch Bericht. – nun Dann sagt.

Er unterbrach die Fahrt. wie schön die Fahrt geriet. Vom Rosse steigend sahen sie in manch trüb Gesicht Und hörten sorgend fragen: „Warum kommt Gunther nicht?“ Bekümmert waren Gernot und mit ihm Giselher. „Willkommen seid uns. Ich tu’s um Kriemhilds willen. die mir so lieb und hold. Rings im Land Sag allen. wonach mein Herzverlangen stand. Den Brüdern und den Freunden. der ich so zugetan? Geschieht es ihretwillen. und überwand sie ihn? Zu schwerem Unheil wäre ihr Liebesstolz uns dann gediehn. Wie sollt’ ich sie verleugnen. Sorg. im Wiesenplan am Rhein Soll er die Zelte rüsten.“ Siegfried nahm schnellen Abschied nach ritterlicher Art Von Brünnhild und den Frauen. Siegfried! Doch sagt. meinem Neffen. was Ihr befehlt und wollt. wie’s gelungen. wo und warum Verließt Ihr unseren Bruder? Kehrt er nicht mit Euch um? War Brünnhild übermächtig. Nach Worms. die gutes Obdach leihn. Bring meiner Schwester Grüße von Brünnhild. Verwandte laden läßt.“ „Sag meiner Mutter Ute. daß er unsere Freunde.74 „Ausrichten werd’ ich alles. Sag Ortwin. Daß ich mit meinen Gästen gestiegen sei ans Land. Er ritt so eilig. ist alles gleich wie schon getan. Mit Dank daran gedächte ich. Mit mir und Brünnhild fröhlich zu sein beim großen Hochzeitsfest. wenn man Botschaft rechtzeitig ihr gesandt. wie hart wir uns gemüht. Sie möchte meines Herzens Geliebte schwesterlich Und aufmerksam empfangen. wie’s nur ein Freudenbote kann. Vermißten sie den Bruder doch bang bei Siegfrieds Wiederkehr. Sag Kriemhild. Stieg eilends in den Sattel mit vierundzwanzig Mann.“ 536–544 .

die je das Schicksal ihr beschied. Die Sorgen. als Kriemhild ihm entgegenkam! „Willkommen seid. Das glaubt mir sicherlich. Die Sorge langer Tage. das Herz von Sorgen wieder frei. Führt zu der Königin mich! Kriemhild und ihr. Wie gerne ihre Wünsche Siegfried alsbald vernahm! Wie war beglückt sein Auge. Herr Siegfried. war doch die Not vorbei. Kriemhild sieht gern Euch wieder. die freund ihm und verwandt. vieledle Königin. verkünde ich. Was Euch. euch kundzutun!“ Da warfen sich die Frauen eilig in Schmuck und Kleid.“ Die Tränen wischte Kriemhild mit dem schneeweißen Saum Des Kleides ab vom Auge.“ Zur Mutter und zur Schwester eilte Giselher: „Siegfried ist da! Zu sorgen braucht ihr euch nun nicht mehr! Als Boten sandte Gunther ihn her.“ „Ich führe Euch zur Schwester. Vergeßt sie! Gunther naht schon. die im stillen das Schwesterherz erfüllt. Hat er als Freudenboten mich eilends hergesandt. von Herzen uns gegrüßt! War Gunther wohlbehalten. Gesund verließ ich Gunther. Siegfried zu sehen. als Ihr ihn dort verließt?“ „Er war gesund“. dafür verbürg’ ich mich. „Ihr weintet ohne Not. Für gute Kunde hoff’ ich auf Euer freundlich Botenbrot. und mit ihm naht sein Weib. bedrückte mütterlich. Brünnhild. Dem Boten Dank zu sagen. waren sie beide gleich bereit. Erlaubt ihm nun.75 „Habt keine Angst! Euch allen. Sie fand die Worte kaum. wie herrlich die Sache steht. Er grüßt und läßt entbieten Brünnhildens Gruß durch mich. sprach Siegfried. Die größte Freude bringt Ihr. 545–555 (548) . Was dort im Isenlande geschehen ist. Auch härmt sich um den Bruder ihr schwesterlich Gemüt.

Die ihm und seinen Gästen entgegenreiten an den Rhein. in Palas und Gemach.“ „Und wären dreißig Länder auch pflichtig mir als Herrn“. Sie schlugen weiße Zelte am Strande auf. Kommt am Gestad’ er an. hätt’ es sich nur geschickt. von edlen Steinen schwer. Rumolt. „empfing ich dennoch die Botengabe gern!“ Da sagte sie errötend: „Mit Freuden soll’s geschehn!“ Die herrlichsten Geschenke ließ sie den Kämmerer ausersehn. Armringe.“ Da sagte Kriemhild eifrig: „Was Liebes er begehrt. Was wir zu tun vermögen. Nie ward ein Fürstenbote mit solchem Dank beglückt.“ Er sah. Und unter sie verteilte er all das prächtige Geschmeid. wies er die harrenden Burgunden an. Doch Ihr seid selber reich. Sindolt und Hunolt. doch Siegfried neu begann: „Noch einen Wunsch hat Gunther.76 Sie lud ihn ein: „Herr Siegfried. sie mühten mannigfach Sich ab im Hof und Keller. wie hell die Freude die Farbe ihr ins Antlitz trieb. Aus treuem Herzen soll es geschehen ihm zulieb. Nun dankte ihm auch Ute. Kriemhildes Dienerinnen rief Siegfried. Bot sie ihm zur Belohnung. sei alles ihm gewährt. doch freundlich wehrte er. Auf andere Weise will ich Euch schenken Huld und Dank zugleich. läßt er bitten. Frau und Maid. Zum Willkomm. und weit War schon das sandige Ufer erfüllt von lauter Tätigkeit. sollt ihr die ersten sein. Sie hätte gern geküßt ihn. Was noch zu tun war. Mit edlem Anstand nahm er von ihnen Abschied dann. vierundzwanzig. 556–563 . Sprach er. nehmt neben mir doch Platz! Wie gern möcht’ ich erschöpfen das Gold in meinem Schatz Für Euch als Botengabe.

geht anmutig gepaart. Zum Ritt der Frau’n von Worms aus hinunter an des Rheines Strand. Der Frauen Pferde wurden jetzt auf den Hof geführt. Dann wird auch von den Gästen an unserem Lobe nicht gespart!“ Nun kamen die Burgunden in vollem Waffenschein Herab die Palasstufen. Manch junges Mägdlein sann. Wie es sich schmücken wollte. Wie strahlten licht die Steine am Zaumzeug von dem Glanz An Rossen. Man zimmerte im Saale an Tischen und Gestühl. bewundernd all die Festespracht.77 Ortwin und Gere taten nach ihres Herrn Geheiß. in strahlend reicher Tracht. Schon trug man hinterdrein Die reichen roten Sättel. Man brachte sie den Frauen. Geschwind sucht aus den Schränken das allerbeste Kleid! Die Gäste zu empfangen. die vom Warten gereizt zu leichtem Tanz! Die goldenen Schemel standen auf Teppichen bereit. besäumt mit goldnem Rand. Kriemhild berief die Mädchen: „Nun macht euch schnell bereit. Aus Schall und Lärm stieg rauschend der Hochzeitsfreude Vorgefühl. Das hohe Paar zu feiern. Bunt leuchtend von den Wänden zierten den Palast Hellfarbige Gehänge zum Gruß für Freund und Gast. Das Volk stand in den Straßen. Sie schickten schnelle Boten rings zu der Freunde Kreis. schmal und glänzend von allerfeinster Seidenart. die schon in voller Fröhlichkeit. Zur Hochzeit sie zu laden. Mit Schmuck und Stoffen waren sie bunt und reich geziert. Man sah um Hals und Nacken der Rosse schön gepaart Brustriemen. lang eh’ das Hochzeitsfest begann. Schon ritten allenthalben mit stattlichem Geleit Die Freunde und Verwandten in großer Freudigkeit. 564–571 .

Gerahmt von bunten Borten. in ihrer Schönheit Reiz. Da nahten schon die Ritter mit eschenem Schaft und Schild Und leiteten die Frauen im Sattel sorglich durchs Gefild. daß manche Maid Fast bang war.78 In lichten Festgewändern nahten die Frau’n bereits. Das Brustgeschmeide blinkte so hell. Man zählte sechsundachtzig. Das Haar zierlich gebunden. 572–578 (574) . – wahrlich ein Hochzeitszug. hellseidenen Stoff von feinster Art. Manch weißer Frauenarm War unter gelbem Goldspangenschmuck verwahrt Und hüllte sich in dünnen. umwand zierlich den Kleiderrand. es verdunkle der Wangen Lieblichkeit. Ferrandinisch Seidenband. wie er ihn wünschte. die Pelzbesatz umschlang Arabischer Herkunft. Von deren hellen Kleidern erstrahlte herrliches Geschmeid. Für Gunther selbst. den König. stolz genug Köstlicher Pelz von Zobel und Hermelin lag warm Um reich verzierte Kleider. Die schönsten wohl des Landes. Dazu kam noch die Schar. hellblond das offene Haar. Gestickte Gürtel hingen kunstreich besetzt und lang Herab auf weite Röcke. Der vierundfünfzig Mädchen. In weichem Glanze schillernd. dazu noch manche Maid.

langsam reitend. Das ward ihm auf dem Wege aus Blick und Worten offenbar. Den Augen zu gewähren den ersten Gruß und Liebesblick. Mit weißen Händen bogen sie ihren Kranz zurück. 579–587 . herrlich geschmückten Frau ans Land. Indes sich rings zuweilen ein Ritterspiel entspann. Gelegener Augenblick War es für Frau’n und Ritter zu Wiedersehn und zartem Glück. Dort hoben sie die Frauen behend herab vom Pferd. denn da drüben stand wartend mancher Freund am Strand. Rüstig griff manche Hand Ins Ruder. im Geleit Der Mädchen. Zum Ehrendienst ritt Ortwin an Königin Utes Seit’. Wie lieb es Kriemhild war. Der Markgraf Gere hatte Kriemhildes Pferd am Zaum. die Pferde dienstbereit Geführt von jungen Knappen. Der König von Burgund Inmitten seiner Gäste betrat den heimischen Grund Jenseits am anderen Ufer.79 X. Denn schon war Gunthers Nachen dem Ufer zugekehrt. Der König nahm Brünhild an der Hand Und half der bräutlich schönen. Dort nahte Mutter Ute. Kam man im Volksgewimmel am Ufersaum des Rheines an. Doch duldete es Siegfried bis an das Burgtor kaum. Mit Kuß und guten Worten sie schwesterlich empfing. Nun legt’ er an. Frauen und Jungfrauen im Geleit. Nun schaute man auf Kriemhild. Um sie viel Ritter. Dann griff er in die Zügel. Wie Brünnhild in Worms empfangen wurde Die Schiffe warfen Anker. die sittig zu ihr ging. die Königin.

Der Zug der Paare wand sich im hellen Sonnenschein Dahin. Kriemhild und Brünnhild beide. Drum zügelten die Gäste die Pferde schnell mit Wort und Zaum. von Siegfried angeführt. Manch rosenfarbene Lippe fand lieblichen Willkommenskuß. 588–598 . kein falscher Reiz betrog den Blick Zum Aufbruch endlich luden die Herrn des Hofes ein. Ein Grüßen und Umfangen geschah dann längs dem Fluß. Umfangen nun lag Brünnhild in beider Frauen Arm. Zelt an Zelt. Ließ keine ihre Worte und lieben Zärtlichkeiten ruhn. Vor aller Augen standen die königlichen Frau’n. Und all die Gäste. Als wollten sie beflissen der Braut das Liebste tun. stromgleich zog es vorbei. wo weit sich öffnend ergrünte rings ein Feld. Vom Schiff zu steigen. Dort wurde vor den Frauen geritten und turniert. Denn in die Höhe stieg schon der helle Staub und fiel. Die schönen Kinder schützten sich und die Kleider kaum. flutend. die anderen Gunthers Glück. Wie mir und meiner Mutter. Auf Gunthers Wunsch kam Hagen. Darauf manch schattiges Lager und seidene Hütten.80 Mit höfischer Verneigung Brünnhilde zugewandt. Bewundernd sah’n die Kenner. Nun standen sie am Land. nichts Schöneres war zu schaun. Der Zug der Nibelungen. In Wolken hellen Staubes stob rauschend hin die Reiterei. Sprach sie alsdann: „Seid herzlich willkommen hier im Land. willkommen jedermann Und allen unseren Freunden!“ Gerührt sah’n sie einander an. nahmen Brünnhildes Frau’n die Hand Der hilfreichen Burgunden. Wie Ute küßte Kriemhild sie schwesterlich und warm. Der endete das Spiel. Die einen lobten Kriemhild.

“ Nun das Turnier zu Ende und ruhig lag das Feld. Man rüstete im Saal Die Tische schon zum Abend zum feierlichen Hochzeitsmahl. an seiner rechten Seit’ Brünnhilde mit der Krone. Und schon die erste Kühle sie abendlich umfing. In goldenen Becken reichten das Wasser kühl und frisch Die aufmerksamen Diener zum Waschen allen rund am Tisch. Dann ritten Frau’n und Ritter den Pfad zur Burg hinan. als Gunther abstieg am Palast. Die Königinnen schieden. Dann ging der Zug zum Burghof. Sobald der König reitet. Der leuchtend überstrahlte der Gäste farbig bunten Kranz. Den edlen Frau’n zu dienen. Schon war das Fleisch geboten. zur Königsbraut geweiht. Darin klang’s weit und breit Von Lachen. Herein trat nun der König. Lärm und Scherzen und lauter Freudigkeit. 599–606 . der helle Wein geschenkt. Wobei das Herz der Männer auf Gunst und Huld der Schönen sann. Der Kampf nach Landessitte war kühn und ritterlich. Die Frau’n zu unterhalten. Inzwischen woll’n wir gehn. In freundlichen Gesprächen. Vertrieben sie die Stunden mit Lust und Kurzweil aller Art. wie’s Helden ziemt und paßt. Da gingen zu den Frauen die Ritter ins Gezelt. zu folgen ihm als Ehrgeleit. Da ging es durch die Räume wie heller Ehrenglanz. Nicht wenige Kleider wiesen die Spur von Stoß und Stich. Doch haltet euch bereit. Doch gleicher Brauch verlangte. Rings an den Tischen saßen die Fröhlichen gedrängt.81 Herr Gernot auch ermahnte: „Laßt nun die Rosse stehn Bis zu der Abendkühle. Bis an dem fernen Himmel die Sonne niederging. in frohem Scherz gepaart.

sollt Mich niemals etwas bitten. mich! Mein Eid versprach zum Weibe jüngst einem Helden dich. nur seine Schwester Kriemhild ein. und Stille ward ringsum. Gedenke. Wenn du ihn heut zum Gatten von mir empfangen willst. „Der König lud allein. Im Kreis der Mädchen nahte die Liebliche. Das soll geschehn.“ Zur Tafel zu erscheinen. Nicht brech’ ich meinen Eid. daß sich dein Wunsch erfüllt. Da schwiegen die Gespräche. daß du mir damit den liebsten Wunsch erfüllst. Zwiesprach mit ihr zu halten. daß ich einzig um Kriemhilds willen für dich stritt!“ Der König rief: „Wahrhaftig. lieber Bruder. Der Gatte. Gunther. liebe Schwester. dem Ihr mich anvermählt. Da sprang Schnell Giselher zur Treppe und hemmte ihren Gang. Gebietet! Was Ihr wollt. Die Mädchen hieß er bleiben. mahn ich dich. die ich bestand und litt. neigte sich Zu seinem Ohre Siegfried: „Nun. Kriemhild kam näher zagen Schritts.82 Eh Gunther von dem Wasser genommen. Dann wolltest du gewähren mir deiner Schwester Hand. Dann sprach der König Gunther: „Hör.“ Im Rund der edlen Herren auf seinem hohen Sitz Saß König Gunther. daß auch mein Herz ihn auserwählt. Dann sei gewiß. Ich füge alles heute.“ Da sprach die edle Kriemhild: „Ihr. War es doch harte Mühsal. du mahnst zur rechten Zeit! Ich habe dir geschworen.“ 607–613 . ließ freundlich bitten er Kriemhild. Auf ihrem Platz saß Brünnhild erwartungsvoll und lauschte stumm. Denkst du der Eide. die wir voreinst getauscht. eh wir Zum Isenlande zogen? Und was versprachst du damals mir? Wenn du Brünnhild als Königin heimführtest in dein Land. Er ist gewiß so würdig.

Da fragte man Kriemhild. der Städt’ und Burgen Königin!“ „Mit Fug schon muß ich klagen“. Wie lieb einander beide. „Warum lischt Euer Auge von trüber Tränenspur? Fügt dieser Augenblick doch all unseres Glücks Beginn. seh’ ich die edle Schwester an. Wohl stand in ihrem Antlitz schamhafte Mädchenscheu. ward allen offenbar. Da fielen heiße Tränen die lichte Wang’ hinab Von einem Leid.83 Siegfried sah ihre Augen ihm liebreich zugewandt. Zum Tische gegenüber dem Königssitz im Saal Geleiteten sie Siegfried mit seinem schönen Ehgemahl. Man löste sich vom Ringe. daß ihm das Glück getreu Und sie ihn nicht verschmähte. Und Kriemhild selbstvergessen an ihres Gatten Lippen hing. Dem Ihr sie anvermählet. Seid Ihr doch meines Landes. Doch Siegfrieds Schicksal wollte. gab Brünnhild ihm zurück. Auf seinem Hochsitz thronte der König mit Brünnhild. „Ich wein’ um Eure Schwester. Nun standen sie im Ringe. wie’s niemals ein größeres für Brünnhild gab. leibeigen ist der Mann. Verbunden nun zu Gatten sah man das schöne Paar. dort saß zusammen Siegfried mit Kriemhild. Als er zum ersten Male das Königskind umfing. Da fragte Gunther gütig.“ 614–620 . Mich dauert ihr Geschick. was ihr denn widerfuhr. Sie griff nach seiner Hand. Schon standen dienstbereit Die Nibelungenhelden an ihres Herren Seit. Sie sah. Da glühte seine Wange in freudehellem Brand. Mit Eid und Hand verlobte sich ihr der Held vom Niederland. Ob sie den edlen Siegfried zum Mann zu nehmen sei gewillt. Die Schmach muß ich beweinen.

Auf halber Treppe trafen einander beide Frau’n. An Burgen. Drum hab’ ich gern die Schwester als Gattin Siegfried zugesellt. Es müsse ihm viel Liebes aus schuldiger Gunst geschehn. wie es kam. Ein andermal erzähle ich gern Euch. Den Aufbruch zu begleiten mit hellem Kerzenlicht. Man sehnte sich danach. sie ist so gut und schön. Mannen. Umgab ihn ein Gefolge von Helden wie ein stolzer Ring. Gab er sich in Gedanken der schönen Hoffnung hin. mächtig als Ritter. sprach Gunther. Siegfried ist selbst ein König. – Nun stand man auf vom Tische.“ Sie sprach: „Wie es mich jammert. eh ich den Grund nicht weiß. als er so sprach. Brünnhild und Kriemhild. Sein schönes Weib im Sinn. Da draußen im Turniere zu Roß mit Schild und Schaft In ritterlichem Spiele zu prüfen Aug’ und Arm und Kraft. Daß ich ihm meine Schwester vermählte. ich möchte weit fort und von Euch gehn. Wisset bloß: Ihr wird an Siegfrieds Seite ein freudevolles Lebenslos.“ „Gern geb’ ich Euch“. Euch nimmer angehören. 621–627 . Der König wolle weilen allein bei seinem Weib. Wüßt’ ich wohin. neidlos geneigt noch freundlich zum Vertrau’n Die Diener und die Kämmerer erfüllten ihre Pflicht. „den guten Grund bekannt. Der Gäste müd war Gunther. Mit liebevollen Blicken begann er Brünnhild anzusehn. Herr und Held.84 Der König sprach: „Seid ruhig! Das ist kein Grund zum Gram.“ Da fiel in tiefes Sinnen Brünnhild. Warum Ihr Eure Schwester gabt einem Eigenmanne preis. so reich wie ich an Land. Dann trennten sich die Paare. Als Siegfried scheidend ging. Die Gäste hieß man enden den lauten Zeitvertreib.

besaß er jetzt für sich allein. sie gäbe liebwillig sich ihm hin. bis ich die Wahrheit weiß Von Kriemhild und von Siegfried. als er’s bei seinem Weibe fand. wie es Gunther erging mit Frau Brünnhild. Er war im Wahn.85 Für beide Herren nahte die schöne Stunde nun. Sie liebend zu besitzen. wofür Ihr zahltet diesen Preis!“ 628–635 . Bei mancher anderen hätte er ohne Widerstand Viel sanfter wohl gelegen. Längst waren die Begleiter entlassen. Sie sprach: „Was Ihr gewähnt habt. Da sie im still’n gedachten. Sein Weib zu werden aber verwehrte noch ihr harter Sinn. Doch hört nun. Ruhig lag Die Kemenate. Verschmäht hätt’ er wohl tausend um diese einzige. was ich bin. sein Weib! Nichts weiß ich mehr zu sagen von Siegfried und Kriemhild. Sich niederlegte. Wie kränkte Gunther das! Auf Freude stand sein Sinnen und traf auf feindlich bösen Haß. Ferne verklang der Hochzeitstag. Da dünkte ihre Gunst ihn des höchsten Glücks Ertrag. Was er so lang ersehnte. Mein Magdtum will ich wahren. bei ihrem Weib zu ruhn. in jähem Zorne wich Zurück vor ihm die Stolze. Wie sie von zartem Leinen die Glieder weiß umhüllt. Er barg das Licht zur Seite. das schlagt Euch aus dem Sinn! Das sollt Ihr nur erfahren: Ich bleibe. schien ihm das holde Frauenbild Der höchsten Lebensfreude Gewinn und Preis zu sein. Doch als der König sich Zu der Geliebten neigte. Als Siegfried an der Seite des lieben Weibes lag. Und teurer ward die Frau ihm noch als sein eigener Leib. Wie glücklich Herz und Sinn! Die Huld Kriemhilds nahm Siegfried als Ziel der schönsten Wünsche hin.

Wenn Eure Kämmerer sähen. Dein Lager will ich künftig vermeiden. bis hell der neue Tag Brach durch die hohen Fenster mit seinem goldenen Schein. Die Liebe ihm zu wehren. So qualvoll hing er oben. ist es dein Begehr!“ Sein Fleh’n ließ unbekümmert Brünnhild. sprach Gunther. Schön war der Tag. So sanft sie lag. Um Euretwillen laßt Mich frei.“ Sie lockerte die Fessel. Zur Liebe dich zu zwingen. Sie hätt’ ihn fast getötet. Will ich Euch nicht berühren. War Gunther jemals mächtig.86 In Zorn erglühend dachte der König mit Gewalt Sein Weib sich zu erzwingen. 636–643 . kraftvoll war sie dazu. den Schein zu wahren. die Hüften ihr umwand. auch nicht den Saum von Eurem Kleid. Trug ihn zu einem Nagel und hängt’ ihn an die Wand. fest gewirkt und herrlich bestickt. Bin ich Euch so verhaßt. Die Füße und die Hände sie ihm zusammenband. Sie fragte ihn erwachend: „Herr Gunther. ob Gunther auch seinen Kummer nicht verwand. Sie nahm das Gürtelband Das. zu sichern Schlaf und Ruh. wie gut ich mich gerächt. Da kamen schon die Diener mit neuem Festgewand. Und Euch gebunden fänden von einer Frauenhand?“ – „Nur Euch“. Dann lag er ihr zur Seit. Ihr Widerstand vergalt Ihm das mit schlimmer Rache. ich wag’ es nimmermehr. „brächte dann Schande Euer Widerstand Und mir nur wenig Ehre. wär’s Euch recht. er bat und flehte nun: „Lös’ mich von dieser Fessel! Willst ungestört du ruhn. Er rührte kaum ihr Kleid. Ist meine Liebe Eurem lieblosen Herzen leid. vor Brünnhild war er schwach und klein. Der sich als Herr schon träumte. Doch litt sie ihn nicht nahe.

Mitfühlend ging er hin: „Was ist’s. Den schlimmsten Teufel hab ich als Weib ins Haus gebracht. Dort hing ich zorn. die Kronen auf dem Haar.87 Zum Münster ging am Morgen das neue Königspaar. Wie anders Siegfried! Alles schien ihm wie Glücksbeginn! Er sah den König leiden. Dann hob ein freudevolles Getriebe an mit Spiel. Mit königlichen Ehren ward ihre Eh’ geweiht.und angstvoll bis an den hellen Tag. das Euch bekümmert? Vertraut mir. hat Euch doch diese Nacht beglückt!“ Da sagte Gunther: „Schande und Schimpf litt ich zur Nacht. Umdrängte ihn die Menge. mit Begier Zu schauen und zu preisen die Sieger nach Gebühr. Dir klag’ ich im Vertrauen. Da saßen in den Fenstern die Mädchen. Freund. In all der lauten Lust Beschwerten Zorn und Trauer und trübe Sorge seine Brust. Mit Festturnier und allem. so hoff’ ich.“ Da sprach der starke Siegfried: „Das tut mir recht von Herzen leid. Und feierlich empfingen die Frauen Kron’ und Kleid. In hehrer Königswürde und jugendstrahlend am Altar. Die beiden Paare standen. 644–650 . sie aber nahm und band Und hängte mich zur Schande auf einen Haken an der Wand. Wie es seit alten Zeiten am Hofe Sitte war. Allein stand König Gunther. was Euch drückt! Brünnhildes Huld. Indes sie ruhig schlummernd in sanftem Schlafe lag. was jungen Helden nur gefiel. Sechshundert Knappen nahmen das Schwert am selben Tag Und voller Stolz empfingen sie ihren Ritterschlag. denn alle Augen suchten ihn. Zum Himmel schwoll’n Gesänge. meine Traurigkeit. Ich hofft’ auf ihre Liebe. Als Siegfried dort erschien.

Turnier und Spiel zu Ende. ist mir von allen Frau’n Die liebste auf der Erde. „darfst du bau’n! Denn Kriemhild. wird dir daraus bekannt. dann zwinge ich dein Weib. Ahnt niemand meinen Zauber. „mein Mannesrecht nur ehrst. die Frauen in der Näh’ zu sehn. Wo ist sie. Der Abend kam. ich könnte es verzeihn. Die Tarnkappe verbirgt mich.“ „Wenn du“. die ihr gleicht?“ Gern glaubte ihm das Gunther. Von Rossen und von Menschen war bald der Burghof leer. Ein stattliches Gefolge. Dir soll sie heut gehören. Dann bin ich dir zur Seite. nähmst du ihr das Leben. Die Kämmerer hießen alle weit aus dem Wege gehn. Die Kurzweil im Hofe war vorbei. deine Schwester. sein schweres Herz war froh und leicht. Daß keiner von den Kämmerern bei euch im Räume ist. verlieren will ich sonst den Leib. sprach Siegfried. Gestalten stolz und ritterlich. 651–658 (652) . sprach Gunther zweifelnd. seid Ihr’s zufrieden. Im weiten Saale reihten die Herrn und Mannen sich. als er des Freundes Wort gehört. verhallt Lärm und Geschrei. Du sorge nur und mach. Daß ich die Lichter lösche vor euch mit eigener Hand. auch wenn du sie versehrst. Daß sie sich Eurer Liebe nicht länger mehr erwehrt!“ Leicht wurde Gunthers Kummer. Bin ich damit zufrieden.88 Und doch. was widerstünde meiner List! Daß ich mit euch im Zimmer. Es liegt in meiner Macht. Denn drängend stand die Menge. Sie scheint ein wildes Wesen und nicht ein menschlich Weib zu sein. soll sie noch heute Nacht Als Gattin sich Euch fügen. Ein Bischof schritt zur Seite der Königsfrau’n einher.“ „Auf meine Freundestreue“. Ja. „Noch heute abend schleich’ ich verstohlen ins Gemach.

Was Siegfried ihm versprochen. Die Leuchter barg er sorglich dicht hinterm Bettvorhang.89 Schon saß auch König Gunther in neuem Hoffnungswahn. Noch lag die weiße Hand Kriemhildes in der seinen. Sie sucht’ und fragte viel: „Mich wundert. Kaum nahte er im Dunkel der Jungfrau. In seinem Glück vergaß Er nicht des Königs Kummer. Er stellte sich. Daran der starke Siegfried sich mit dem Weibe maß. als plötzlich ihr sein Bild entschwand. Die Mädchen und die Frauen. und schnell Mit zwei getreuen Riegeln verwahrte Gunther Tür und Schwell’. als wär’ er der König und ihr Mann.“ Doch blieb es bei dem Fragen. daß ihm der Kopf vom Sturze klang. so sehnlich war ihm zumut und liebesbang. Wie war es zugegangen? Aus dem verliebten Spiel Entrissen schien er Kriemhild. Wohin Siegfried gegangen und plötzlich schwand so wundersam. Er fiel auf eine Bank Und stieß an einen Schemel. Doch als er mit den Armen den schönen Leib umspann. Siegfried ging ungesehn In Gunthers Kemenate. Das Gunther sich gewonnen und doch zu eigen nicht besaß. Gedachte er im stillen doch immerfort daran. Der ließ die Kämmerer gehn. Wie du sie gestern littest?“ Mit einem harten Stoß Ihn schmerzlich treffend rang sie sich wild aus seinen Armen los. Warf sie ihn aus dem Bette. So ging das Mahl zu Ende. 659–668 (667) . wer die Hand ihm aus meiner heimlich nahm. Das Licht erlosch. Und dann begann ein Kampfspiel – nicht ging es ohne Zwang –. Man schied und Siegfried saß Bei seinem schönen Weibe. als sie sprach: „Verlangt dich heute wieder nach jener gleichen Schmach. Schier dreißig Tage lang Schien dieser Tag.

zur Rache reizte sie’s. wie sie den König band.90 Doch kraftvoll auf den Füßen aufs neue stritt und rang Siegfried erbittert kämpfend in wildem Zornesdrang. Gewillt war sie zu sorgen. Es währte eine Weile. Er wagte neuen Angriff – in stiller Sorge zwar –. Gewillt. sind alle Weiber froh. Doch wehrt’ er sich und schlug Und traf sie so gewaltig. Doch wilden Ungestümes nahm er nun alle Kräfte wahr. Was half ihm seine Kühnheit. und Brünnhild wurde Gunthers Weib! 669–677 (676) . daß er sie ruhig schlafen ließ. bis er sie endlich zwang. Sie sollte bald verleugnen ihr widerwillig Mädchenherz. den sie am Leibe trug. was seine Riesenkraft? Erwies sich doch im Ringen des Weibes Meisterschaft. verlier ich so In diesem Frauenkampfe. Zwar griff sie nach dem Gürtel. Da dachte er im stillen: O weh. Daß er ihr Kleid nur rührte. als bräch’ er Glied und Leib. Siegfried jedoch begann jetzt vor Scham und Zorn zu glühn. Er schleuderte sie jählings aufs Bett. Wird sich ihm widersetzen in Trotz und frechem Übermut! Beklommen lauschte Gunther und bangte schon um ihn. Doch ob das Blut auch sprang. daß Eure Hand nicht mein weißes Hemde nur berühr’!“ Sie griff mit starken Armen und preßte Hand an Hand. Sie hielt die mächtigen Arme um ihn gespannt und zwang Und preßte mit Gewalt ihn am Ende zwischen Wand und Schrank. Sie schrie vor Schmerz. Sie preßte ihm die Hände. Manch eine. die sonst fügsam des Mannes Willen tut. auch ihn zu binden. Da war der Kampf entschieden. Sie rief: „So groben Angriff entgelt’ ich nach Gebühr! Habt acht. In Fesseln ihn zu legen.

als andere Frauen sind. mit Recht darfst du es sein! Nun wehr ich deiner Liebe mich länger nicht. – Nun erst lag auch der König an seines schönen Weibes Seit. daß König Gunther endlich sein Weib gewann. Wie aus dem Frauenleibe ihr alle Heldenkraft entwich. des er sich unterstand? Er gab ihn seinem Weibe. ein schön gesticktes Band. die er einlud. Fortan war sie nicht stärker. Dann erst von Herzen glücklich beging Gunther das Fest. und alles sei gesühnt. An Gunthers Seite wurde sie milde. die er ihr zugedacht. Die Gäste. Ein rechter König. Die Kleider abzulegen. War’s ritterlich und edel. So kam’s. Das ward ihm einst noch leid. und was ich zu Recht um dich verdient. daß er das Kleinod ihr entwand! Dazu nahm er den Gürtel. als ginge er beiseit. der es sich nicht verdrießen läßt. Siegfried war längst zu Kriemhild unsichtbar heimgekehrt. In aller Heimlichkeit Zog er ein goldnes Ringlein von ihrer weißen Hand. Ein liebreich hingegebenes Ehweib fand nun der helle Tag.91 Sie bat: „Laß mich am Leben. Nun bin ich dein!“ Siegfried ließ ab und tat so. vielfältig zu erfreun Und ihre Lust nur schöner an jedem Morgen zu erneu’n. – Wär’s nie geschehn! – bis er sie daheim zur Königin gemacht. Wie mit der Wange Glut auch der alte Stolz erblich. sanft und lind. 678–685 . das wurde nicht erhört. Herr eines Weibes. Doch was sie bat und fragte. was Manneslieb vermag. – wahrlich. Was ich getan. Erfuhr sie doch von Gunther. In seinem Arm erfuhr sie. Hätt’ es nur Gott verhütet. Auch barg er die Geschenke. wie Zorn und Scham zerrann.

den Wirt zu ehren. Wie’s einem König zukommt. da alles reichlich ward gewährt! Mit vollen Händen streute Siegfried die Gaben aus. ja die Rosse sogar. Das hell in Stadt und Burghof aus tausend Stimmen scholl. Kaum blieb ein kleiner Rest. Was er und seine Ritter einst mitgebracht von Haus. 686–689 .92 Festlich verflossen waren zwei volle Wochen nun Wechselnd mit Spiel und Gastmahl und fröhlich lautem Tun. Fort waren schon die meisten. die sie gelenkt. So herrlich unbekümmert war Siegfried. tut – Den armen Fahrenden Gold. und Gunther schloß das schöne Fest. So endete die Hochzeit. der mit dem Gold nicht sparen soll. besser wurden nie Gäste noch versehn. alles ward verschenkt. Auch die Verwandten schenkten verschwenderisch Geld und Gut – Wie man’s bei jedem Feste. Die Sättel. Wahrhaftig. Wie fröhlich war der Abschied. Da unbeschenkt nicht einer von dannen durfte gehn. Kleid und Pferd. Silber.

was sein Wille verliehen euch an Land und Gut! Mein Weib mag des entraten. daß niemals euch mein Herz vergißt. Doch braucht ihr mich. was unser eigen ist An Land und Leut’ und Burgen! Was rings im weiten Reich Uns Untertan. für alle Zeiten sei Euch unsre Freundestreue versprochen bis zum Tod!“ Er neigte sich zum Danke für dieses edle Angebot. daß sie darauf bestand.“ Ungern in seinem Stolze hört’ er. Da sprach der edle Siegfried: „Gott möge immerdar Euch euer Erbe lassen und treu in seiner Hut Bewahren. willst du. dann wisset. als irgend ein Weib auf Erden ist. Siegfried gedachte sehnend der Heimat Ruh und Rast. Trägt sie die Krone.“ 690–695 . womit ihr liebevoll Die Schwester wollt beschenken. Noch dringender sprach Giselher: „Ihr als Geschwister müßt Alles mit uns teilen. es schien ihr zur Heimkehr endlich hohe Zeit Sie fragte ihren Gatten: „Wann. Wie Siegfried mit seinem Weibe nach Haus kam Abschied genommen hatte schon längst der letzte Gast. wisset. Auch ihre Brüder kamen und sagten alle drei: „Bevor ihr scheidet. wie freundlich der Fürsten Absicht war.93 XI. eh nicht von meinen Brüdern mir Mein Erbe zugeteilt ist. mein Recht an Leut’ und Land. fahren wir? Nicht scheiden will ich. soll Sie reicher sein. So gab er den Befehl aus: „Macht euch zur Fahrt bereit!“ Kriemhild war’s lieb. gehöre wie uns daheim auch euch zugleich!“ Als er vernahm.

Dazu. Man hatte das letzte Wort gesagt. 696–702 . Grimmig verwehrte das der Held: „Verschenken kann uns Gunther an keinen in der ganzen Welt! Nehmt andere mit! Wir bleiben im Lande. ihr Brüder. Daß es von je der Tronjer Gesetz und Weise ist: Wir bleiben. Was mein ist. schätz’ ich eines vor allen Gütern wert: Reiche Gefolgschaft führt doch ein König gern nach Haus. Die euch als stolz Geleite umgeben auf der Fahrt nach Haus. Da zürnte Hagen. Und fröhlich schieden Ritter und Frauen. denn ihr wißt.“ Es bat Kriemhild. wurde nicht verfehlt. Knecht und Magd. die lieb und wert Einander stets gewesen. Gefolgschaft ihr zu leisten die Fahrt hinab den Rhein. Noch einmal küßten manche sich schnell. und danach stiegen sie zu Pferd. sorgfältig ausgewählt. dazu fünfhundert Mann. mit dir! Die gerne mit euch reiten. wen du willst. Vom Marschall.“ Sie ließen ihn gewähren. für sie ein treuer Schutz zu sein. Auch Botschaft zu bestellen an Siegmund. zu fragen den Tronjer und Ortwin.94 Da sprach Kriemhild zum Gatten: „Wenn Ihr auch leicht entbehrt. Das Lager zur Nacht war stets bereit. wo wir schwuren. der vorausritt. Doch die Verwandten gaben den Scheidenden Geleit Noch weit ins Land. Denn unser gutes Recht Ist Dienst an unseren Königen und dem burgundischen Geschlecht. Nun kam der Tag. Such dir von dreißigtausend die tausend besten aus. davon gibt’s viele hier. wählt uns die edelsten Burgunden aus!“ Mit raschem Wort sprach Gernot: „Nimm. Ob sie und ihre Mannen bereit sei’n. Kriemhilde wählte dann Zweiunddreißig Mädchen. Graf Eckewart fuhr mit ihr. mitzuziehn.

Dann sahen sie die Gäste. „Wohl mir!“ sprach König Siegmund. sie kämen bald daher. Nahm schweres Gold und Silber. Nun wird mein Erbe künftig noch herrlicher gedeihn.95 Daß er und Sieglind wüßten. Der Mund der Eltern lachte. die ihr das Herz erquickt’! In Ehrenkleidern gingen am Hof die Diener. wie er das reichste Glück Gewonnen mit Kriemhilde. Die Müh’ war nicht gering. Ein freundliches Willkommen entboten sie dem Rittertroß. Eh’ sie nach Xanten kamen. Gab’s schöneren Empfang je – mir ist es unbekannt – Als der. „daß ich erleben mag Des Sohnes und der schönen Kriemhilde Krönungstag. Hier thronten als Herrscher sie in späterer Zeit. Als beide. wie sich’s schickt. Nie schönere Kunde hörten jemals Siegmund und Sieglind. sorgenledig. Frau Utes liebem Kind. Im Lande ward verkündet. Mein Sohn. Die Burg sah hoch und weit Herab ins Land. Und zur Begrüßung sandte der König eine Ritterschar. ihr Arm den Sohn umschloß. der edle Siegfried. von dem erzählt wird aus König Siegmunds Land? Sieglind. Beim Krönungsfest zu feiern das junge Königspaar. hochgeehrt Empfangen werden sollte. weich und rot. soll selber Herr und König sein!“ Sieglind in ihrem Glücke nahm Sammet. von seiner Fahrt zurück Kam Siegfried in die Heimat. Ein langer Tag verging. von schönen Frauen umgeben. 703–709 . im Glücke Mund und Wang’ Der lieben Tochter küßten. – das war ihr Botenbrot. als Kriemhild sie umschlang. daß Kriemhild würdig. kam zu Pferd Im Schutze ihrer Ritter. Eifrig gerüstet wurde zu Siegfrieds Wiederkehr. Der Lohn der lieben Kunde.

710–718 (711) . vermißt in großem Leid Von vielen. Daß sein Gericht von allen im Niederland gefürchtet ward. er ist der Herr von dieser Stund. der im Burgundenland Als Heldenbild geliebt war und oft vor Brünnhilds Seele stand. Zu jener Zeit starb Sieglind. Sorgenbar Verfloß die Zeit für beide bis in das zehnte Jahr. „Den Freunden und Verwandten. geschah’s gerecht und hart. ein Pfand Und Band des Glücks für alle. dem Volke tu ich kund: Siegfried trägt meine Krone –. Siegfried und sein Gemahl Und alle Gäste schritten vereint in Siegmunds hohen Saal. Benannte man ihn Gunther. wie man es immer tut. erzog man ihn. Der König stand vom Sitze. wie’s dem Sohne des Königs ziemt. So stand seit dieser Zeit Kriemhilde als die erste der Frau’n im Lande da. die sie liebten. Ihm Ruhm und Glanz zu leihn. die Eltern und das ganze Land. Wie’s ehrenvoll der Königin des Reichs mit Fug und Recht geschah. Sein schönes Weib gebar ihm den ersten Sohn. eilte man. ein stolzer Freundeskreis. In hohen Ehren glänzte sein Name. Nach echter Herrenart Hielt er Gericht und Herrschaft in fester Hand bewahrt.96 Die Jungfrauen aus dem Sattel zu heben. Will man nach edlem Vorbild sich gute Kinder ziehn. Wobei aus schönen Augen manch einer Dank gewann Für ritterliche Hilfe. Sorgfältig. Man taufte ihn. Auch Brünnhild hatte damals dem Gatten fern am Rhein Den ersten Sohn geboren. Man schwieg auf sein Geheiß. Und wo er richten mußte. Dort saßen sie zusammen. und daß er geriete stolz und gut. Gab man ihm Siegfrieds Namen.“ So wurde Siegfried König.

Auch ohne diese Pracht Der erste. Besitz und reiche Macht Umglänzten seine Krone. 719–723 . Wie schön das Leben fließe in Xanten und zu Worms am Rhein. mannhafter Zucht heran. den jemals ein Mensch besaß. der je auf einem Rosse saß. dem zu eigen das Nibelungenland. Doch keiner rings auf Erden an Ruhm und Macht bestand Vor Siegfried. – Wo man davon erzählte. Der größte Schatz. Wuchs er in ritterlicher. Der Stolz der höchsten Ehre.97 Nach Gunthers Hoffnung künftig ein wohlerzogener Mann. wenn man Männer nach höchstem Werte maß. da pries man allgemein. war sein. Als ihrem Könige dienten auch Schilbungs Helden ihm allein. Der tüchtigste und stärkste.

was sie im Sinne trug.98 XII. Es nagte ihr am Herzen. Wie Gunther Siegfried zum Sonnwendfeste nach Worms    einlud Es war Brünnhilds Gedanke schon lange früh und spät: Wie sehr Kriemhildes Sinn doch auf stolzen Hochmut steht! Als Eigenmann ist Siegfried des Königs Untertan. War es doch keine Pflicht. unmöglich scheint es mir. Sie wohnen gar zu ferne. Drum gib mir nach! Versprich. Doch ihre Worte dünkten den König wenig gut und klug. Sie drang: „Tu’s mir zuliebe! Seit langem seh’n ich mich Nach Siegfried und Kriemhilde. Weit ist ihr Weg von hier. was man von ihm verlangt. bald wiedersehen mag.“ Da lächelte der König. mit listigen Worten keine Ruh: „Wie hoch ein Mann des Königs in Macht und Würde prangt. Die lange Reise mut’ ich den Freunden nicht gern zu. ob sie es auch verhehlt’. Daß ich. Wenn Siegfried zu ihm käme. Doch hat er uns seit langem nicht den geringsten Dienst getan. ihn bedrängend. – das war es. es wäre für mich ein freudevoller Tag! 724–729 . Er sprach: „Was du ersonnen. Könnt’ es geschehn. Daß wir Kriemhild und Siegfried hier einmal wiedersäh’n?“ Sie sagte ihm vertraulich. Er dürfte doch nicht weigern. War Siegfrieds Land nicht pflichtig zu Zins und Dienstbarkeit? Gern hätte sie erfahren: Warum blieb er davon befreit? Sie forschte bei dem Könige: „Wie könnt’ es nur geschehn. Vasall des Königs war er nicht. was sie quält’. die mir so lieb sind.“ Doch gab sie. Daß sie ihr fremd geblieben.

wohin man sie gesandt. 738) . Willkommen hießen gern wir die Freunde und Verwandten hier.“ Dreißig seiner Mannen berief er zu dem Ritt. Es bracht’ ihr Glück und Ehre. Wie wir beisammen saßen. Die Sonnenwende wäre die rechte Zeit dafür. Und daß wir sie in Sehnsucht erwarteten am Rheine hier. beide jung vermählt.“ Sie bat und bat. das gab er ihnen mit. Die Ross’ und Männer waren vom weiten Wege müd. daß sie solchen Mann gewählt. wie’s Sitte ist und Brauch. Drei Wochen scharfen Trabes nach Nibelungenland. Wie jeder meiner Freunde mit mir ihn liebt und ehrt. Die Boten sollen gleich nach Xanten reiten. sie möge unverwandt Die Rosse rüsten lassen zum schönsten Fest im Heimatland. bis Gunther Erfüllung ihr versprach: „Denn liebere Gäste wüßt’ ich mir nicht. denke ich daran. Und meine Schwester bittet. Du brauchst mich nicht zu bitten. „Sagt meiner lieben Schwester“. und sagt.“ Brünnhild und Mutter Ute. Dann machten sie sich auf die Fahrt. wie er uns wert. Der Rat der Königsfreunde gab erst nach alter Art Die Zustimmung zur Reise. „Von unser aller Liebe zu Siegfried und zu ihr. Grüßt auch den König Siegmund. 730–739 (732. Das würde eine Stunde des hohen Glückes sein. So geb ich nach. Bis sie ans Ziel gelangten. Da man zum Königssitze im fernen Norden sie beschied. beide zu laden ins Burgundenreich.99 Wie zog ihr edles Wesen. ihr sanft Gemüt mich an! Wie war mir wohl zumute. Säh’n wir sie beide wieder am heimatlichen Rhein. die Frau’n und Mädchen auch Entboten ihre Grüße.

Von Gunther und von Brünnhild – ihr Glück steht hoch und fest! – Hört. Diese sah auf dem Hofe stehn Den starken Markgraf Gere und die mit ihm gesandt. Dann luden sie Herrn Gere und seine Schar zu Gast Bei Siegfried und Kriemhilde in ihren hohen Burgpalast. Nahm seine Hand und führte zum Hochsitz ihren Gast hinan. Sie schickte schnell ein Mädchen ans Fenster. Und sprach mit Gruß und Fragen im Eifer auf sie ein. Da ward ihr altes Heimweh von jäher Freude übermannt. Gunthers bewährten Mann. „Erlaubt uns erst. mit ihm sein Hofgesind! Gewiß. Auf einem Bette ruhte sie grade aus. 740–746 . als diese Kunde plötzlich an ihre Ohren drang. ihr freudig Auge blickt’ Gerührt zuerst auf Gere. die schickt’ mit Botschaft mein Bruder her vom Rhein!“ Erfreut gab Siegfried Antwort: „Dann soll’n sie uns willkommen sein!“ Von allen Seiten liefen die Leute rasch herbei. burgundisch ihre Tracht. verlangt auch der Leib nach Ruh und Rast. Auch Siegmund schien im stillen der lieben Gaste froh zu sein. Die Rosse aus den Händen nahm man und wies danach Die Unterkunft den Boten in Saal und Schlafgemach. Und jeder tat. den Auftrag Euch kundzutun und laßt So lang uns stehn. um zu sehn. was Euch ihre Liebe durch unseren Mund verkünden läßt. als ob nur für ihn die Botschaft sei. Auf stand der König Siegfried. die Königin ging beglückt Den Landsleuten entgegen.100 So wurde eines Tages Kriemhild Bescheid gebracht. doch sprang Sie auf. Sie rief nach Siegfried: „Sieh doch! Dort auf dem Hofe sind Burgundenherren! Gere. Was es dort gäbe. Gekommen seien Ritter.

“ Da sprach der Markgraf Gere: „Sie hegen unversehrt Den alten stolzen Hochsinn. die Freundschaft zu erneu’n. Daß Ihr so fern vom Rheine. Sind gesund Und hochgestimmt wie früher die stolzen Freunde in Burgund? Seit wir von ihnen schieden. die Klage hör’ ich jeden Tag.“ „Belohn Euch Gott“.“ Doch Gere schloß: „Bedenkt es! Auch Mutter Ute lädt Und läßt Euch mahnen. was Eure Mutter. Daß meiner Freunde Gegner mein eigner Feind und Gegner wär. Glücklich mit Euch zu feiern ein frohes Wiedersehn am Rhein. soll alles Euch berichtet sein. ins Antlitz Euch zu sehn!“ Kriemhild erglühte. von Glück und Macht umwehrt. in Euerem Geleit Nach Worms zu kommen. „für diesen schönen Tag! Kriemhild und ich. Der Giselher und Gernot so lang im Herzen lag. Bedacht auf Schaden. wie’s jeder von Freunden hoffen mag. 747–753 . daß Ihr dem Wunsch nicht widersteht. wenn erst vorbei die Winterzeit. Euch daheim zu sehn.101 Auch das. die Freunde insgemein Mit Gruß und Wunsch bestellten. Erwarteten nur Gutes von ihnen. Zur Sonnenwende hoffen sie. Mit meiner Herrin Brünnhild die Frau’n und Mädchen freun Sich innig in der Hoffnung. schien doch dies Heimatbild ihr wunderschön.“ Nachdenklich sagte Siegfried: „Das wird wohl leider schwerlich gehn. Was die Verwandten alle. Gernot und Giselher Uns herzlich aufgetragen für unsere Fahrt hierher. Zu einem Fest entbieten und laden sie Euch ein. hat einer feindlich je. Sie bitten auch die Königin. ihnen Leid zugefügt und Weh? Ich nähm’s auf mich! Und wahrlich erleben sollte der. Und auf die schöne Stunde. sprach Siegfried.

Und mächtigeres Ansehn gewinnt der Nibelungen Wert. Gewand und Roß empfängt. Bedenkt. Zuvor trat noch zusammen der Freundesrat auf Siegfrieds Ruf. dem es mangelt.102 Am Ehrenplatz saß Gere.“ Die Freunde sagten: „Liegt Euch das schöne Fest im Sinn. sprach Siegfried. Sie wollten wieder fort.“ „Es ist mir lieb“. Daß jeder. liebe Freunde. Er fragte. wozu seid ihr gewillt? Und müßt’ ich dreißig Länder durchqueren weit und fern Um der Verwandten willen. Nun ratet. Rüstung.“ 754–762 (756) . „wenn du entschlossen bist. Und habt Ihr Lust zur Reise. Wie gern Säh ich die Brüder wieder! Doch liegt ihr schönes Land zu fern. was sie rieten: „Gunther bewies. Dann faßte sie doch Heimweh. lud man auch Kriemhild. Da kurz die Spanne ist. Die Reise mitzumachen. Durch seine Boten lud Zu einem Freudenfeste er mich nach Worms. Muß innerhalb zwölf Tagen gerüstet sein. Obgleich bei Trank und Speise man reiche Kurzweil schuf. wie gut Er mir als Freund gesonnen. dann raten wir: Fahrt hin! Nehmt eine Schar von tausend Begleitern. Die verrät Gleich Eure Macht. Kriemhild zuliebe tät’ ich’s gern. Die Reise mitzumachen. Hätt’ man Euch gerne öfter gesehn im Nibelungenland!“ Neun volle Tage blieben die Sendeboten dort. So wird die Schar gemehrt. Und Siegmund hob den Becher: „Ihr sollt willkommen sein! Seit Siegfried einst gewonnen der schönen Kriemhild Hand.“ Von Niederland Herr Siegmund kam fragend: „Wollt Ihr mich Mitnehmen auf die Reise nach Worms? Dann wähle ich Hundert meiner Männer. damit Ihr in Ehren dort am Rhein besteht. Man schenkte goldenen Wein.

766) . Gern wurde es bestätigt. auch daß sie käme nach Burgund. Nach Gunthers Halle strömend. mit den Freunden im Wiedersehensglück Das Sonnwendfest zu feiern. so schön und zart?“ „Ja!“ sagte Markgraf Gere. der mir so große Freundlichkeit erwies?“ Gere gab schnelle Antwort: „Vor Freude ward er rot. Und vor der Burg zu Worms erst gebot Herr Gere Halt. Und auch Kriemhild. Wie ich sie dort als Zeichen der alten Lieb’ und Treu vernahm. ob Kriemhild noch gesund. bei ihnen froh zu sein. „Und teilen wird sie seine Fahrt. Doch Gere sprach: „Erlaßt mir’s! Ich muß zum Könige gehn.103 Bescheid gab er den Boten: „Kehrt nun nach Worms zurück! Wir kommen.“ Alsbald berief auch Ute die Boten zu sich her. Da liefen Weib und Mann. In großer Freude sprang Er auf von seinem Sitze: „Ihr rittet schnell. wird auch Frau Kriemhild Siegfried hierher begleiten? Ist sie noch lieb und mild. So frohen edlen Wesens wie einst.“ Man führte sie zu Gunther.“ Die schöne Brünnhild fragte: „Sagt.“ So eilten die Burgunden. von allen Seiten rasch heran. Habt Dank!“ Dann fragte er die Boten: „Vor allem sagt mir dies: Wie geht es Siegfried. schnell zu wissen. Kommt mit zu ihm! Dort werdet auch ihr erfahren. Die Jungen und die Alten umringten sie gedrängt. heim an den Rhein. An ihren vielen Fragen ersahen sie. wie sehr Sie wünschte. Wohl keiner solch gute Worte bot. Wie jeder immer Neues gern zu erfahren denkt. noch reich beschenkt. Im scharfen Trabe ritten sie quer durch Berg und Wald. 763–772 (765. Wenn einer von den Freunden aus ferner Heimat kam. was geschehn. Sie stiegen von den Rossen.

104 Es ward auch nicht verschwiegen. das verdiene Dank. Der Nibelungenhort liegt ja allein in seiner Hand! Hei! Käme der doch einmal zu uns in das Burgundenland!“ Doch allgemeine Freude erweckte das Gerücht Von Siegfrieds naher Ankunft. Topf und Pfann’! 773–777 . – es gab nicht Rast. „Er kann gar leicht verschenken“. Truchseß und Schenk Geboten. nicht Ruh – Was nötig war an Speise und Trank und Unterkunft dazu. wie Siegfried überreich Die Boten dort beschenkte mit Kleid und Gold zugleich. Hunolt und Sindolt mühten sich schwer. Die Männer säumten nicht. „Nimmermehr Könnt’ er sein Gut verschwenden. Die Ritter und die Mannen am Hof beschauten lang Die herrlichen Kleinodien und meinten. Hei! Wie es bei ihm klirrte und klang von Kessel. sprach Hagen. und lebte ewig er. Zu richten und zu rüsten. auf dem Anger zu zimmern Tisch und Bänk’! Der Küchenmeister Rumolt regierte Weib und Mann.

“ Die Frauen und die Mädchen berief sie: „Gehet gleich. Wie sie zum Rheine fuhren vom Nibelungenland. Als du dereinst ins Land kamst. Brünnhilden gab inzwischen der König diesen Rat: „Empfange meine Schwester grad so. Von Kriemhild und den Mädchen erzählen wir dafür. 778–785 (782. Hätt’ er des Sonnwendfestes Ausgang vorher gewußt. Vergangen wäre König Siegmund die Reiselust. Die Reisepferde trugen Gepäck und Kleider allerhand. – So ritten mit den Freunden Siegfried und Frau Kriemhild. Womit man Kist’ und Kasten reichlich angefüllt. daß ich’s aus eigenem Antrieb tu. und schmückt euch festlich reich! Ihr sollt mir Ehre machen vor unserer Gäste Blick!“ Wie gern geschah’s! Man kennt ja der hübschen Mädchen liebstes Glück. Daß er den lieben Vater. von Worms gesandt. Doch davon schweigen wir. Nehmt eure besten Kleider. 784) . Wie sie zum Sonnwendfeste nach Worms reisten Unruhige Tage gab es. Willkommensgrüße brachten den Gästen sie vom Heimatland. wie sie es tat. Es mußte wohl so kommen! Wie trüb war sein Geschick. Da von der Fahrt der Eltern das schwerste Leid geschah. Kriemhild und Siegfried ließen den Sohn daheim zurück.“ Brünnhilde stimmte zu: „Ich bin es ihr wohl schuldig. Von freudiger Erwartung war ihr Gemüt erhellt. Von keiner trüben Ahnung ward ihre Hoffnung noch vergällt. die Mutter niemals wiedersah. Burgundische Boten kamen in Sicht.105 XIII.

Sie stiegen ab und winkten den Gästen im Entgegengehn. sprach Siegmund dankbar. sprach Gunther. Dazwischen Mädchen. „den freundlichen Empfang! Seit Siegfried Euch zum Freunde gewann. 786–792 . traulich im Plaudern Arm in Arm gehängt.“ „Gott lohn’“. beide herzlich grüßend. Daß jedes Wort im Klirren der silberblanken Waffen schwieg. Wer früher nichts gewußt Von hochgemuten Menschen. Und heller Staub in Wolken hoch in die Lüfte stieg. Ward glanzvoll er geleitet in ehrenvollem Zug. Als Brünnhild kam. Galt’s doch. „der ich dankbar bin!“ Da jedes Herz bewundernd Siegfried entgegenschlug. Siegfried und Siegmund hielten vor König Gunther an. Die Ritter spornten scharf. lag jahrelang Der Wunsch. Daß ihrer Pferde Hufschlag weithin die Erde warf. Auf Giselher und Gernot lag alle Müh und Last. Der stolze Siegfried nahte. Euch zu besuchen. daß eure Liebe den Weg hierher zum Rheine fand. In ihrer Mitte Brünnhild. Frohgemut Hinunter ritten alle bis an des Rheines Flut. lebendig mir im Sinn!“ „Nun kam die Stunde endlich“. Die übergroße Freude in aller Herzen schwoll. erfuhr und sah es heut mit Lust. Siegfried zu ehren. Von ritterlichen Herren wetteifernd rings umdrängt.106 Auch Gunther ließ versammeln die Mannen. Freu’n sich. recht fürstlich anzusehn. Manch schöne Frau ward sorglich – wie gerne sah sie das! – Zärtlich vom Pferd gehoben herab ins grüne Gras. wie nie empfangen ward ein Gast. Der. und Kriemhild am Ufer liebevoll Sie innig hielt umfangen. mit gütigem Wort begann: „Seid hochwillkommen alle! Die freund uns und verwandt.

Dankwart besorgte rührig den Gästen Ruh und Rast. Und als es Abend wurde. Draußen auf dem Anger stand längst ein Mahl bereit. der Glanz war nicht gering Für einen. Viel hundert Helden saßen um ihn im Ehrenring. Liebliche Frauen tauschten Küsse und Zärtlichkeit. – Gewogen doch und hold War sie ihm noch geblieben. Gut achteten die Schenken auf jedes leere Glas. Dann führte man den Frauen die Pferde wieder vor. die Lust war groß. Hier im Palaste drinnen saß Gunther mit Brünnhild. der Vasall sei. Der König saß zufrieden am Tisch. Vorm nahen Burgtor harrte der Gäste ein Turnier. Man ritt durchs mächtige Tor. Die Sättel bunt von Decken. Nichts sollte ihm fehlen und entgehn. Und Gunthers Mannen kamen. Auf feste Schilde trafen im Pralle Stich und Stoß. und gut versehn War jeder Gast. der Zuruf scholl. Sie sorgten auch. Brünnhilde dacht’ im stillen. 793–804 (800) . Nie hätt’ sie seinen Tod gewollt.107 Voraus die Königinnen. die Paare Hand in Hand. Und gegenüber ihnen wie ehmals Siegfried und Kriemhild. daß jeder sein Wohngemach gewann. war manches Wams vom Weine naß. Aus allen Augen strahlte die seligste Zufriedenheit. Die Gäste schmausten eifrig in lauter Fröhlichkeit. – Brünnhild sah immer Kriemhild aus großen Augen an. Auf deren schönem Antlitz das zarte Farbenglühn Der Freude stand. Ortwin und Hagen sorgten und hielten Ordnung hier. Mit höfischer Verbeugung man zueinander fand. daß matt nur und blaß ihr Goldgeschmeid erschien. Der laute Beifall jauchzte. sie zu empfangen am Palast.

Da ward es still im Hofe. In stolzem Zug zu Roß Erschienen beide Königinnen mit zahlreichem Troß. froh gespannt. Schon prüften im geheimen die Frauen ihr Gewand. Hell klang ein Festchoral. Bei solcher Kurzweil dünkte sie nicht die Zeit zu lang. Wer im Turnier den anderen abwerfen möchte in den Sand. Posaunen. Dann saßen sie vertraut Im Glück. blitzend im Silberschein Der Helme. 806–813 (805) . Die Mädchen. Nun spornten auch die Reiter die Pferde an zu raschem Lauf. saßen im Fenster. Schilde ritten. Sie ritten heim. blütenweiß Die Festgewänder. Den Sängern und den Rittern sagte der König Dank. Trompeten stiegen auf. Und welcher Stein am schönsten zu ihrem eigenen Reize stand In aller Morgenfrühe hielt schon vor Gunthers Saal Ein Kreis von edlen Sängern. Da nahte hoch zu Pferde im stolzen Freundeskreis Der König Gunther selber. Freundlich vereint – noch hegte Brünnhilde keinen Haß – Betraten sie das Münster. Da sah man schon Bewegung und vollen Menschendrang. Dann hob sich aus dem Tauglanz ein sommerlicher Tag. das niemals zu Ende gehen mag. noch laut Gefeiert von den Menschen. Vor dem Portal des Münsters hob man sie auf das Gras.108 Die Sommernacht war kurz nur und fröhlich das Gelag. zarte Flöten. Die jungen Heldensöhne. so schien’s. Bis das Geläut zur Messe vom Dom herab erklang. In heiterer Lust verlief so das Fest bis an den elften Tag. Nur tiefer Zwist vermochte zu trennen erst dies edle Paar! Die Messe war zu Ende. den hellen Glanz im Blick herein. die Kronen auf dem Haar.

wie er dort steht. Lief bald von allen Seiten schaulustiges Volk genug heran.“ 814–819 . als er allein und du. der ist so hehr. der König und Herr der ganzen Welt zu sein!“ Da widersprach ihr Kriemhild: „Nicht ohne Ursach’ pries Ich Siegfried. Welch männlich-stolzen Hochsinn sein Herrenschritt verrät! So geht der Mond am Himmel vor matten Sternen hin! Gib zu. Dann könnte dieses Land ihm die Herrschaft zugestehn. Siegfried ist allen. Bis Kriemhild sinnend sagte: „Mein Mann. den Besten selbst. So lang mein Mann am Leben. Die beiden Königinnen und dachten ihrer Herrn.109 XIV. Da saßen beieinander. Daß er mit Fug der Herrscher auch aller dieser Länder war. wie’s oft geschah und gern.“ Darauf Brünnhild erwidernd: „Wie ginge das wohl zu? Wenn niemand mehr am Leben. wird das ja nimmermehr geschehn. auch Gunther gleich. An Vorzügen und Ehren ist er so überreich. daß ich auf Erden die Glücklichste der Frauen bin.“ Doch Frau Brünnhild versetzte: „Dein Mann mag unverwehrt Herrlich vor anderen gelten. Gesteh.“ Ins Freie blickte Kriemhild: „Schau hin. Als sie zum Angriff ritten im Spiel Mann gegen Mann. Der Zank der Königinnen An einem Nachmittage. als Lärm und Waffenklang Von einem Lanzenstechen herauf vom Hofe drang. dessen Mannheit oft herrlich sich erwies. und dennoch reicht sein Wert Bei weitem nicht an Gunther! So kann wohl ihm allein Das Recht zustehn.

Was ich von dir vernommen. mit ihm uns Untertan!“ Da hub die schöne Kriemhild mit scharfem Wort zu zürnen an: „Aufgeben wirst du willig den Wahn. der ihnen heiß im Herzen saß. Er steht und weicht auch nicht An Hoheit meinem Bruder. daß du in Zukunft nimmermehr Behauptest. Brünnhild.110 „Verarg’ es mir nicht“. Daß er seit langen Zeiten dir keinen Zins gezahlt. sagte Brünnhilde da zu ihr. Als ich zum ersten Male sie sah im Isenland. so vornehm auch dein Mann. Mich triffst du nicht. daß ich eines unfreien Mannes Gattin wär. Du also unser beider als Herrin mächtig bist. sprach hart die Königin. Mit eigenen Ohren hört’ ich’s. mein Königsrecht dahin Auf alle seine Ritter. Da nannte Siegfried selber sich Gunthers Eigenmann. und wenn auch dein Hochmut noch so herrisch prahlt!“ Brünnhild sprach: „Überhebe dich deiner nicht zu sehr! Ich will doch sehen. wenn er doch Gunthers Lehnsmann ist. es hätten schmählich die edlen Brüder mich Verschenkt einem Vasallen? Inständig bitte ich In Freundschaft.“ „Ich kann’s nicht unterlassen“. so halt ich ihn dafür!“ Da sagte Kriemhild bebend: „Wie ziemte ein Leibeigener mir! Glaubst du. er sei in Pflicht Dir hörig und zu eigen. „Daß ich ihn minder achte. ich hör’ es niemals wieder an. Und Gunther mich als erster im Wettkampf heldenhaft bestand. Es nimmt mich wunder. 820–816 . ob man wie mir die gleiche Ehr Auch dir am Hof erweise!“ In volles Übermaß War schon der Zorn gestiegen. „Gäb’ ich doch sonst den Anspruch. Als mich der Ritterliche zu seinem Weib gewann. ich habe Grund dafür.

Heut noch beweis’ ich das!“ So standen gegenüber einander sie in heißem Haß. 827–834 . Am Dom erwiesen Siegfrieds Gefährten ihr die Königsehr’. „es soll nach deinem Wunsch geschehn. Willst Siegfried du als unfrei und als Leibeigenen schmähn. der Königin. unlöslich schien ihr Bund.“ So schieden sie. und sehn sollst du genau. Zu eigenem Leid erfahren hat mancher dann den schlimmen Grund.“ „Das ist mir lieb“.111 Da sprach Kriemhild: „Noch heute soll’s öffentlich geschehn. wie edel ich und frei. Die Mädchen rief Kriemhild rasch heran: „Zieht eure schönsten Kleider zur Messe heute an! Ihr sollt mir Ehre machen! Brünnhilde soll fürwahr Ihr Schimpfwort schwer bereuen. Mit dreiundvierzig Mädchen schritt sie den Weg einher. zuerst den Dom betreten kann. Dünk’ ich mit Recht mich selber. Mich kann kein Vorwurf treffen. Daß ich vor dir. Noch heute sollst du sehen. Soll’n beider Könige Ritter es sehen. die je hier Königin ward. sprach Kriemhild.“ Wie gerne sie gehorchten! Auch Kriemhild war bedacht Auf ihr Gewand. Dann sorg.und Vasallenfrau Im Stolz vor den Burgunden auf ihrem Rang beharrt. Wie heut vor aller Augen die Eigen. daß dein Gefolge streng abgesondert sei Von meinen eigenen Frauen. Knecht und Mann. Daß man die Königinnen nicht beieinander sah. Die Leute nahm es wunder. Drauf Brünnhild: „Hältst du wirklich dich und ihn für frei. das eine arge Schmähung war. auf Zierat und alle Art von Pracht. warum es wohl geschah. wenn wir zur Messe gehn. als selbst der deine sei. Da doch bisher so innig. Noch edler als die höchste. Und daß mein Mann noch würdiger.

der dir dein Magdtum abgewann. Damit ihr Prunk vor Brünnhild ihr höheren Rang und Anspruch lieh. „wenn du dich drum beklagst!“ Die Königin drohte: „Gunther soll gleich erfahren. zu kürzen so die Zeit. „da ich des kundig bin. Sie rief: „Kriemhild! Ich habe den Vortritt! Bleibe stehn! Die Eigenfrau darf niemals vor ihres Königs Gattin gehn!“ In ihrem Zorn rief Kriemhild – sie brannte ganz vor Haß –: „Wenn du nur schweigen könntest. Wie man es sonst gewohnt war. wie besser wäre das! Hast du doch selbst geschändet den jungfräulichen Leib! Wie könnte eine Kebsfrau heißen eines Königs Weib!“ „Wen nennst du eine Kebsfrau?“ Bleich stand die Königin. was du sagts!“ „Auch das soll mich nicht hindern! Wenn das dein Stolz erlog. ob’s mir auch ewig leid: Dahin ist unsere Liebe und Freundschaft nun für alle Zeit!“ 835–842 . Da kam Kriemhild geschritten in prunkend herrlichem Geleit. Da brach aus Brünnhilds Worten die Eifersucht hervor. die schlimme Rede trog! Das sollst du wahrlich wissen. „Dich nenn’ ich so“. sprach Kriemhild. mein lieber Mann.112 Schon stand mit ihren Frauen Brünnhilde am Portal. nicht Gunther. Wohl dreißig Königinnen hell überstrahlte sie. Die Königinnen trafen einander vor dem Tor. sprach Kriemhild. sie pflegten noch einmal Vertraute Zwiesprach vorher. Wo einer Glanz und Reichtum jemals enthüllt gesehn. Daß dich vor Gunther Siegfried bezwang. Vor solcher Pracht vermochte nichts anderes zu bestehn. Daß er es war. Ich stünd’ in deinem Dienste. Wo blieb denn deine Klugheit bei jener argen List? Wie ließest du’s geschehen. wenn er dir eigen ist? Ich bin nicht schuld“.

den ich am Finger hab. wie dir der böse Schimpf zu Ohren kam. heut betete und sang. Brünnhild mit ihren Frauen stand draußen vor der Tür: „Alles will ich erfahren! Sie soll beweisen hier. Und mir bis heut verholen. Er besiegte dich!“ 843–849 . Und nach ihr das Gefolge. ich erzwing’ Mir das Geheimnis. Gott zu dienen.“ Nur immer heißer lohte der Zorn auf. Es dauerte Brünnhilde die Messe viel zu lang. den ich trage. Der Gürtel. Mich brennt die Scham.“ Das war die schlimmste Stunde. dann ist es Siegfrieds Tod!“ Nun kam auch mit den Ihren Kriemhild. – zeugt er genug für mich? Ich lüge nicht. So gib ein Zeugnis. doch wisse. Sie sprach: „Gestohlen wurde mir dieser edle Ring. die jemals Brünnhild zugedacht. der wie Funken flog. Was mit gehässigen Worten sie mir als Schmähung bot. Das sollte einst entgelten manch ritterliches Männerherz. Wie man auch. Kriemhild fiel hart ins Wort ihr: „Verklagst du mich als Dieb? Geschwiegen hätt’st du ewig. Denn Siegfried gewann ihn. um heimzugehn. In düsteres Sinnen fiel sie. – Daraus hob sich ein Haß.“ Da sprach Kriemhild: „Erzwingst du’s. – Achtlos schritt Kriemhild eilends hin Ins Münster hohen Hauptes stolz vor der Königin. versank in Scham und Schmerz. wär’ deine Ehr dir lieb. wer mich arglistig drum betrog. Den gab mir mein Geliebter nach jener ersten Nacht. dann leg ich Zeugnis ab Mit diesem goldnen Ringe.113 Da weinte Brünnhild. Daß manches helle Auge gar trübe ward und tränennaß. Hat er sich solcher Schandtat gerühmt. Da sprach Frau Brünnhild: „Höre mich an und bleibe stehn! Du hast mich als ein Kebsweib geschmäht.

114
Dabei wies sie den Gürtel, Seide von Ninive,
Gestickt mit edlen Steinen. Aufs neu in ihrem Weh
Begann Brünnhild zu weinen, als sie den Gürtel sah.
Das mußte Gunther wissen! Um seine Ehre ging es ja.
Die Königin rief die Kämmerer: „Den König holt herbei!
Erzählen will ich Gunther von Kriemhilds Prahlerei,
Mit der sie mich gehöhnt hat vor allen öffentlich,
Erst Siegfrieds Weib und danach des Königs Kebsweib wäre ich!“
Mit seinen Freunden kam er. Als er sie weinend sah,
Die ihm so lieb war, – milde, begütend sprach er da:
„Geliebte Frau, erzähle, wer tat dir was zuleid?“
Sie sagte zu dem Könige: „Mir ziemt nichts mehr als Traurigkeit.
Was ich besaß an Ehre, – das, König, klag’ ich dir –
Hat Kriemhild mir genommen, zur Schmach sagt sie von mir,
Zu deiner Kebsfrau habe Siegfried mich einst gemacht.“
Er sprach: „Verleumdung ist es, und schlimmere wurde nie erdacht!“
„Ich sah, sie trägt den Gürtel, den ich damals verlor,
Den Goldring auch, mir listig entwendet, wies sie vor.
Verteidige mich! Ich stürbe viel lieber, als entehrt
Mit dieser Schmach zu leben. Hilf mir, ich denk’, ich bin es wert.“
„Siegfried soll hier erscheinen!“ befahl der König. „Weh,
Wenn er sich des gerühmt hat. Entweder er gesteh’
Oder er kann bezeugen, daß er unschuldig ist.“
Siegfried ward hergerufen und trat herein nach kurzer Frist.
Als Kriemhilds Mann die schwere Betrübnis Brünnhilds sah,
Nicht ahnend, was geschehen war, betroffen stand er da.
„Was gibt es, warum weinst du? Was hattet ihr für Grund,
Anklagend mich zu rufen? Und warum zögert euer Mund?“

850–856

115
Drauf Gunther: „Schwerste Kränkung geschah hier, die mich quält.
Mein Weib hat, was Kriemhilde gesagt hat, mir erzählt,
Du habest dich gebrüstet, in Liebe sei mein Weib
Verbunden dir gewesen, bevor sie mein mit Seel’ und Leib.“
Siegfried erglühte zornig: „Hat Kriemhild das gesagt,
Will ich nicht ruhen, eh sie das schlimme Wort beklagt.
Vor allen deinen Männern mit heiligem Eide schwör’
Ich und beteure: Niemals hab’ ich gesagt, daß es so wär.“
Der König rief: „Gewährst du vollgültiges Zeugnis mir,
Und leistest du den Eidschwur, dann nehme ich von dir
Jeden Verdacht der Untreu und meiner Klage Grund.“
Sogleich den Ring zu bilden, rief er die Männer von Burgund.
Siegfried erhob inmitten zum Schwure schon die Hand.
Da, schuldbewußt, sprach Gunther: „Mir ist gar wohl bekannt:
Rein bist du! Alles, was man dir Schuld gibt, ist ein Wahn.
Wes Kriemhild dich geziehen, du hast es nimmermehr getan!“
Siegfried versetzte: „Hat sie das schadenfroh gesagt
Und Brünnhild so bekümmert, daß sie sich drum beklagt,
Das schmerzt mich, wie mir niemals etwas weh tun kann!“
Da blickten rings die Ritter einander tief verwundert an.
„Die Frauen und ihre Zungen sollte der Mann erziehn,
Im Übermute reden sie sonst gern allzu kühn.
Laßt Brünnhild schweigen. Schweigen soll ferner Kriemhild dann.
Sie hat nicht recht gehandelt. Die Schuld erkenn’ ich schamvoll an.“
Oft haben Frau’n durch Worte feindselig sich getrennt.
Brünnhild in ihrem Schmerze schien gar kein Trost vergönnt,
Daß Mitleid und Erbarmen in Gunthers Männern quoll.
Da kam Hagen von Tronje und sah ihr Auge tränenvoll.

857–863

116
Er fragte, was es gäbe, woher die Tränenspur.
Da sagte sie ihm alles. Dann tat er diesen Schwur:
„Die Tränen, die Ihr weintet, werd’ ich niemals verzeihn.
Er soll sie büßen, oder ich will nie wieder fröhlich sein!“
Es fanden im Gespräche sich Ortwin und Gernot.
Da ward das Wort gesprochen: Wir raten Siegfrieds Tod!
Giselher kam näher, zu hören, was man sprach.
So jung er war, so treu auch, so wehrte er der grausen Schmach:
„Ihr Helden, welche Untat, unsühnbar wäre das!
Verdient der edle Siegfried doch niemals solchen Haß
Und nicht den Tod. Viel eher ziemt uns Treu und Dank!
Leicht nur wiegt dagegen der neiderzeugte Weiberzank!“
„Soll’n wir Bastarde ziehen am Hofe von Burgund?“
Sprach Hagen. „Mit der Ehre gingen wir selbst zugrund!
Gerühmt hat er sich Brünnhilds und so den Tod verdient.
Lieber will ich sterben, wird dieser Frevel nicht gesühnt!“
Der König selber warnte: „Nur Gutes, reiche Ehr’
Erfuhren wir von Siegfried. Drum schweigt, denn nimmermehr
Gebiet’ ich, ihn zu töten. Womit verdient er das?
Er hielt uns feste Treue. Erwidern sollt’ ich das mit Haß?“
Da widersprach ihm Ortwin. „So treu er zu uns stand,
Damit ist diese Schande nicht von uns abgewandt.
Laßt Ihr es, Herr, geschehen, büßt er die Prahlerei!“
So schuldlos Siegfried, war es mit aller Brüderschaft vorbei.
Zwar ließ man noch die Sache beruhn. Doch Hagen lag
Dem Könige in den Ohren in jeder Stund’ am Tag.
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, welch Erbe, reich und weit,
Fiel ihm dann zu! Der König hört’s an und schwieg in Traurigkeit.

864–870

117
Noch wehrte er: „Entsaget dem mörderischen Plan!
Viel ruhmeswürdige Wohltat hat er uns einst getan!
Auch ist so stark im Grimme der heldenkühne Mann,
Daß, ahnt er nur die Feindschaft, ihn keiner überwinden kann.“
„Er soll nichts ahnen“, sagte der Tronjer. „Schweigt nur still!
Geheimen Plan ersinn’ ich, wie ich ihn treffen will.
Er soll für Brünnhild büßen, sie hat um ihn geweint.
Solange Hagen atmet, so lange ist er Siegfrieds Feind!“
Da fragte Gunther dringend: „Sag, was ersannest du?“
„Ich will es dir vertrauen“, sprach Hagen, „höre zu:
Wir lassen Feindesboten, im Lande unbekannt,
Den Frieden aufzusagen, gelangen ins Burgundenland.
Dann kündet Ihr den Gästen, zum Kriege zögt Ihr aus
Mit allen Euren Mannen. Siegfried bleibt nicht zu Haus.
Er tritt in Eure Dienste. Er kämpft, er siegt, er – fällt!
Wo er verwundbar, kündet mir Kriemhild an. Dann stirbt der Held!“
Der Sinn des Königs schwankte. Das böse Wort verfing.
So hub das üble Werk an, das treulos man beging.
Noch blieb der Plan verschwiegen, bis der Verrat gelang.
Doch viele edle Männer entgalten zweier Frauen Zank.

872–876 (871)

118

XV. Wie Siegfried verraten ward
Am vierten Morgen sah man zweiunddreißig Mann
Einreiten in den Burghof. Laut kündeten sie an,
Es sei dem mächtigen Gunther der Friede aufgesagt.
Wie manche Frau hat später die Lüge tränenschwer beklagt!
Man fragte, wer sie schicke, nach Namen und woher.
Sie seien Sachsenboten, gesandt von Lüdeger,
Den Siegfried überwunden in jener Sachsenschlacht,
Als Geisel für den Frieden gefangen nach Burgund gebracht.
Der König Gunther lud sie freundlich zum Sitzen ein.
Sie wehrten ab: „Wir werden Euch unwillkommen sein,
Denn wisset, unsere Botschaft bringt Euch die schlimmste Not.
Von mächtigen Feinden seid Ihr mit nahem Untergang bedroht.
Euch kündigen den Frieden Lüdeger und Lüdegast,
Die Euch, seit Ihr sie finget, aufs grimmigste gehaßt.
Sie rüsten schon die Heerfahrt, ihr Ziel ist Euer Land!“
Der König schien betroffen und wie von jähem Zorn entbrannt.
„Meineidige Verräter“, so fluchte man, doch wies
Man ihnen Unterkünfte, wo man sie warten hieß.
Wer hätte solcher Tücke argwöhnisch sich versehn?
Auch Siegfried nicht. So konnte, was ihm verhängt war, denn geschehn.
Mit Raunen und mit Flüstern beriet sich immerzu
Der König mit den Freunden. Denn Hagen ließ nicht Ruh.
Zu schlichten, zu versöhnen bemühte mancher sich.
Nur Hagen blieb in seinem Ingrimme unerschütterlich.

877–882

119
So standen eines Tages beisammen sie, da trat
Siegfried, ob ihrem Kummer erstaunt, mit in den Rat:
„Was gibt’s? Was ficht den König und euch mit Sorgen an?
Ihr wißt doch, gilt’s zu handeln, daß Gunther auf mich zählen kann!“
Da sprach der König: „Ursach’ zur Sorge ist genug.
Die Eure Hand vor Zeiten im Sachsenkriege schlug,
Die alten Feinde rüsten, Lüdegast und Lüdeger,
Und neu zu überfallen, entsenden sie ein mächtig Heer.“
Aufbrausend sagte Siegfried: „Das werde so gedankt,
Wie es des Königs Ehre, des Landes Schutz verlangt.
Ich treffe sie wie damals. Wüst lege ich ihr Land!
Nicht eher ruh’ ich! Setzen will ich mein eigen Haupt zum Pfand!
Bleibt Ihr mit Euren Männern daheim. Ich will allein
Mit meinen Nibelungen des Landes Schützer sein.
Bewähren will ich wieder die alte Treu’ darin.
Ich breche den Verrätern den tückisch-hinterhältigen Sinn!“
„Dank für das gute Wort dir!“ sprach Gunther gradeso,
Als wäre er im Ernste der Hilfe Siegfrieds froh.
Er neigte sich, der Falsche, der seinen Freund verriet.
„Laßt alle Sorgen ruhen“, sprach Siegfried, „die Euch quält und müht.“
Siegfried listig zu täuschen, beluden sie den Troß.
Auch Siegfried ging zu sammeln die Seinen, Mann und Roß.
Dem Vater riet er: „Bleibt nur zu Haus! Gibt Gott uns Glück,
Dann kehren wir als Sieger bald wieder an den Rhein zurück.“
Sie banden an die Stange das Fähnlein voller Lust.
Zwar vielen Männern Gunthers war nichts davon bewußt,
Daß alles, was sie trieben, nur Schein und Täuschung war.
Schon drängte sich die Menge, umringend Siegfrieds Kriegerschar.

883–890

ging Hagen. Mit welchen Mitteln. in Kriemhilds Saal. Und wie ich’s keinem anderen als mir allein vergönn’. Verrat im Sinn. Steht Ihr zu mir. die wert mir sind und lieb. wie treulich immerdar Ich hold Euch und gewogen und zu Gefallen war. „daß mir ein Freund noch blieb. wie er es verdient.“ 891–897 . ihr schuf es bitteres Leid Und mir die schlimmste Strafe. „daß Siegfried je Im Kampf an Leib und Leben ein tödlich Leid geschäh’. Wie Siegfried Eure Sache in steter Treu verficht. Wenn’s nie geschehen wär! Was frevelnd ich geredet. sprach sie.120 Aufpackten sie behende den Saumrossen als Last Die Helme und die Brünnen. Zum Abschied noch einmal. da Siegfried es mir nicht verzeiht. was ich Brünnhild tat! Längst quält es mich mit Reue. sagt mir. wenn ihm ein Feind Verderben sann’?“ „Ich hätte keine Sorge“. Der sich getraut zu schützen. Anrechnen mögt Ihr’s Siegfried! Und ob ich niemals bat. Genau im Aug behalten. wo wir auch reiten oder gehn. sprach Kriemhild dankbar. „daß in des Kampfes Not Dem Allzukühnen Schaden und gar Verwundung droht.“ – „Gar bald ist Eure Feindschaft zu Ende und gesühnt! Wie aber könnt’ ich Siegfried so. sprach Hagen. So gab er vor. Wär er nur nicht so tollkühn und nicht im Überschwang Des Mutes unbekümmert um Todgefahr und Untergang!“ „Befürchtet Ihr“. Des tröste ich mich in guter Zuversicht. Auch hat mich Siegfried schwer Gestraft. „Wie gut“. Gedenkt daran. könnt’ ich den Schutz versehn? Gern bleib ich ihm zur Seite. Heut bitt’ ich: Laßt ihn ja nicht entgelten. Zum Heer stieß mancher Gast Aus dem Burgundenlande. ja hart geschlagen. Freund Hagen.

ob es nicht einem Feind geläng’. ich vertraue dir! Die Treue zu den Deinen. Als aus dem Drachenleibe das Blut in Strömen rann. Und doch bin ich in Sorge. Das ist die Stelle. Und er die harte Hornhaut im heißen Bad gewann. vertraue ich dir an. an Kühnheit wohl genug. Die Stelle mußt du hüten. ich weiß. Drum geb’ ich den geliebten Mann ganz in deine Hand. und half nur mit zu seinem Tod. Da tauchte er zum Bade ins heiße Drachenblut.“ 898–904 . stehn wir in Kampf und Not. sie gilt auch mir. wenn scharf im Kampfgedräng Die Gere fliegen. Freund Hagen? – Ach. Ihn tödlich so zu treffen. Die harte Hornhaut schützt ihn gut.“ – Sie wähnte ihm zu helfen. Sie sagte rasch: „Ein kleines Kreuzlein aus Seidenband Näh’ ich für dich zum Zeichen ihm heimlich aufs Gewand. daß ich ihn doch verlör’.“ Und dann aus Lieb und Sorge – hätt’ sie’s nur nicht getan! – Vertraute sie ihm dieses Geheimnis seines Leibes an: „Mein Mann besitzt an Stärke. Wo ich ihn decken müßte. wenn dann am heißen Tag Die Feinde ihn bestürmen in heißer Schlacht mit Stich und Schlag. Nun schneidet ihn kein Schwerthieb.“ Da sprach Hagen von Tronje: „Näht doch auf sein Gewand Ein klein Erkennungszeichen. – Hab acht darauf! – Was niemand gewußt.121 Sie zögerte: „Der Treuste bist du und mir verwandt. sonst bleibt mir unbekannt. Die Stelle. wo man Siegfried zu Tode treffen kann. Fiel zwischen seine Schultern herab ein Lindenblatt. als ob er schon verloren wär! Sag ich es dir. Ich bin um ihn so bange. Als er den bösen Lindwurm im Felsental erschlug. wo sich der Tod den Weg gelassen hat.

ihn zu hüten. die Zwietracht solle wieder ruhn. Sind wir der Heerfahrt ledig. dachte Kriemhilde still für sich. freundwillig und bereit! Ich werde dir’s vergelten.122 „Vielliebe Frau“. Das Kriemhild. zählt auf mich!“ „Das wird ihm helfen“. zu rächen das frech gebrochene Wort.“ Das hatte Hagen weislich zum Schein empfohlen und gesagt. daß Kriemhild den eigenen Gatten ihm verriet. – Hagen schied. Die ihm erzählen mußten. Der sei in aller Frühe bereit! Doch wer dafür Den schönen Frau’n zuliebe verweilen will. „Ich lade meine Gäste und tue allen kund. Freund Siegfried. Zu Hilfe mir zu kommen. daß du zu jeder Zeit. an Siegfrieds Weg zu harr’n. Und doch war Siegfried damit verraten. Wie ungern kehrte Siegfried zurück! Mit rascher Tat Hätt’ er gern geahndet den Meineid und Verrat. Blick und Eid. daß du von allen Getreuen der Getreuste bist. Dicht neben ihm ritt Hagen und schaute auf das Kreuz im Kleid. genäht mit seidenem Garn. Ich weiß. Das einst geschworen wurde mit Handschlag. Daß du in meinem Dienste niemals gezögert und gewankt! Gott lohne dir. Wer mit mir jagen möchte im grünen Waldesgrund. „ich tu’ es. sprach Hagen. Entgegen ritt ihm grüßend der König: „Sei bedankt. Lüdeger sei nun Geneigt zu neuem Frieden. – Drauf sandt’ er falsche Boten. so laßt uns fröhlich sein! Zu Pferd! Ausreiten will ich zur Jagd auf Bär und Schwein Zum nahen Wasgenwalde. In erster Morgenfrühe ritt Siegfried fröhlich fort Mit tausend Mann. Ingrimmig froh. wo ich so oft gejagt. der bleibe hier!“ 905–912 (906) . wie’s recht und billig ist.

Hagen sann Mit Gunther. 913–915 . wenn etwa ein Jägersmann weit abgeriet. dann reif ich gerne mit.123 Da sprach Herr Siegfried lachend: „Gilt es bei frohem Ritt Ein edles Wild zu jagen. bewandert im ganzen Jagdbereich. im geheimen am besten nachzustell’n. „Ich geb’ Euch vier.“ „Wollt Ihr nur einen haben?“ versprach der König gleich. Die Steige auch. wo Tiere stehn im dunklen Tann. Gebt mir nur einige Bracken und einen kundigen Mann. wie man listig dem überstarken Mann Vermöchte. Der überall Bescheid weiß.“ Zu seinem Weib noch einmal ritt Siegfried. wohin das Wild sich zieht. Und ihn – zu ewiger Schande – aus einem Hinterhalt zu fäll’n. Sie kennen alle Stellen.

Brünnhilds Wort. Dem eignen Leben fluchte die Frau in lauter Traurigkeit. Gar reichlich Trank und Speise befahl man für die Fahrt. Und mich dein liebes Auge! Mich treibt die Lust hinaus. Auch der Gefährten Kleider. Danach erfuhr Kriemhilde nie Schlimmeres an Not und Pein. Was wäre Helden lieber. ich sehe dich gesund. Dann flehte sie zu Siegfried: „Laß heut. 916–921 . doch Arglist lag darin. Mit seiner Frau noch einmal saß Siegfried Hand in Hand. den wilden Bär! Mit ihnen ritt auch Siegfried in seiner stolzen Art. Das war nach Hagens Sinn.124 XVI. Genieß du mit den Deinen indessen frohe Zeit zu Haus!“ Da dachte sie an alles. die grobe Sau. Indes man draußen auflud Gerät und Pürschgewand. so quält mich meine Angst und Not. Gar männlich Ding erschien es. Zum Abschied küßte Siegfried sanft der Geliebten Mund: „Gott füg’s froh kehr’ ich wieder. Der angestiftet wurde durch eines Weibes. – nur scheute sie’s zu sagen – Was Hagen sie vertraute. Wie Siegfried erschlagen ward Zur Pürschjagd rief der König. als mit dem scharfen Ger Das Wisent anzugehen. Wie sie dich hetzten. nur heut die Jagd! Zwei wilde Schweine sah ich im Traume letzte Nacht. doch fing sie an zu klagen Und weint’ an seinem Halse maßlos in wildem Leid. An einem kalten Borne geschah danach der Mord. Nun muß ich immer weinen. Weithin war rings die Heide rot. Sie wollten über’n Rhein.

denn voll von Tränen ist mir das Herz und sorgenschwer. du lieber Mann!“ „Sorg dich nicht. Daß keiner seiner Jäger an Freuden irgend was entbehrt. der lebensfrohe Held.“ Zum Abschied schloß die Arme er um den edlen Leib. ich verdient’ es. „Denn wieder bald vereint Bin ich mit dir. Man wählte klug am Waldrand den Anstand. Jagdlustigen Sinnes Ritter. Dann ging er schnellen Fußes. Bleib hier. Ein Anger dehnte weithin sich breit und gut zur Jagd. Giselher und Gernot. Ich denk auch. waren nicht dabei. 922–928 . Sind mir doch die Verwandten. Als Siegfried nahte. Doch fehlten ihrer zwei. wo das Wild Dem Jäger gut zum Schusse herausbricht ins Gefild. daß alle meine Freunde sind. mein Siegfried. Meute und Jägersmann. nein. mir schwant ein furchtbar Weh. Ich hatte schlimme Träume. irgend einer plant etwas schlimmer Art. Ach. niemals sah die Frau ihn lebend wieder in der Welt. Ob wir auch keinen kränkten und jedem Treu bewahrt. Zum Tröste küßt’ er innig das ahnungsbange Weib. Es sorgt doch solch ein König. Schon vorher gingen Rosse. ward es dem König Gunther angesagt. die Brüder wohlgesinnt.125 Ich fürchte.“ „Nein. so reich und ehrenwert. Mein Blick fand dich nicht mehr. die Brüder. Auch hab’ ich hier keinen einzigen Feind. mit Brot und Fleisch und Wein Und anderen guten Dingen beladen. über’n Rhein. mein Herr. Liebste!“ sprach er. Zwei Berge brachen jäh über dir zusammen. Nun eilten sie von dannen in einen tiefen Tann. Und niemand dich und mich auch feindselig hassen kann. Dahinter die Gefolgschaft. Mein Herz beschwört dich innig: Bleib’ heut daheim.

Das scheue Wild zu spüren im Tann mit Hunden und Geschoß. die am Ende der heutigen Jagd die besten sind. Kein Wunder. sei erster Jagdgesell!“ Nun galt kein länger Warten. Wo allerlei Getier sich vom Lager hob zur Flucht. wer hier verweilt. Siegfried ging mit den Worten: „Nehmt ihr die Hunde nur! Laßt mir bloß einen Bracken. 929–935 .126 Dann wurden ihre Plätze den Jägern zugeteilt. daß er schließlich den höchsten Ruhm des Tags gewann In allen Männertaten war er erprobt und klug. Ein alter Jäger griff sich den besten Spürhund gleich. daß ihm kein Stück entrann. Sein Roß flog unterm Sporne. Bis wir auf diesem Platze uns schließlich wiedersehn. Den Männern wird die Meute zu gleichem Teil gesellt. Der erste heut. das er allein bestand. Und wer durchstreift zum Jagen das Waldrevier zu Roß. Siegfried schlug vor und sagte: „Bestimmt. Ein jeder mag sich wenden. Was bei des Bracken Ansprang den Weg ins Freie fand. Und wer das beste mitbringt. wohin es ihm gefällt. Viel Glück zur Jagd!“ Dann sprengte von dannen Kriemhilds edler Mann. Das schlug der kühne Siegfried. Bis er darauf im Dickicht gleich einen grimmigen Löwen fand. Es können dann erkennen Herren und Gesind Die Schützen. Ein starkes Einhornfohlen. der glücklich ein Tier zu Tode schlug. der klug des Wildes Spur Durch Tann und Sumpf und Dickicht sicher verfolgen kann. Aufs Pferd! Die Jäger schieden schnell. Da ging es hinterher gleich nach Jägerart durch Berg und Schlucht. Der suchte. schnob und führte Siegfried in ein Bereich.“ Da riet Herr Hagen: „Laßt uns getrennt zum Jagen gehn. der Held vom Niederland.

Zu dem das Ingesinde das Fleisch zur nahen Küche trug. Ein Riesenhirsch ging bäumend. Rossen. ein Stich Tief ins Genick dem Eber! Wer jagt so meisterlich! Den Bracken fing man wieder. das Treiben war vorbei. und der Löwe sprang dreimal noch und sank. Flog schwirrend. ein eisenscharfer. hielt inne und ruhte von der Jagd einmal. Von allen Seiten hörten sie Lärm. Hei! Braten gab’s genug. und die Burgunden sah’n. uns auch noch einiges Wild. Herr Siegfried. Da griff der Mann der Kriemhild zum Schwert. Ihr rottet ja die Tiere fast aus in Berg und Tal!“ Er lächelte. stürmisch folgend. Als Siegfried. ein Wisent brach zugrund Ein mächtiger Elchbulle getroffen stürzte todeswund. mit Macht zurückgezogen. Reh entrann. Getos’ und Klang Von Hunden. Da jubelten die Jäger dem Helden zu mit lautem Dank. Denn vierundzwanzig Hunde waren von den Leinen los. Schnell trug das Pferd ihn weiter. Gleich lag er tot im Tann. Ein Schlag. 936–943 (942) . Der Pfeil. Einen großen Eber aufstöberte der Hund Und hetzte auf der Flucht ihn tief in des Waldes Grund. So überlaßt. Was Siegfried sich zur Freude bei dieser Jagd allein getan. Leuten. Zur Feuerstätte brachte man Häute allerlei Und Wild in reicher Fülle. Die Jäger standen lachend: „Da es die Ehre gilt. Nun ging’s dem End’ entgegen. die Spur ihm abgewann. Vier Auerochsen fielen. Nicht Hinde. hob Siegfried seinen Bogen. Ging jäh im Todesmute das wilde Schwein ihn wütend an.127 Als den der Bracke ansprang. Ein lautes Echo drang Von Bergeshängen hallend aus Busch und Waldesschoß.

Mit seiner bloßen Hand Zwang Siegfried um die Tatzen und um das Maul ein festes Band. Die Jäger sollen kommen. Da könnt’ er nicht entrinnen. Zum Feuer bracht’ es lachend im Übermut der Held. Da sagte Siegfried heiter: „Nun.128 Der König hieß den Dienern. daß es uns nicht entwischen kann!“ Man hetzte drauf den Bracken. Nun ward ein Horn geblasen. Vom Lagerplatze kam er. Bis hin und her im Blasen das Königshorn die Richtung wies. das grimmig brummend jäh Verschwand in einem Busche. Siegfried ritt Und nahm das Tier am Sattel fest angebunden mit. Doch Siegfried reckt’ sich in die Höh Und rief nach rückwärts: „Bindet den Bracken los! Ein Bär! Für unsre Jagdgenossen zum Spaß begleitet er Als Gast uns in das Lager. Vom Königsstande rief es. Das rief die Jagdgesell’n. Ein kühnes Spiel wahrhaftig. Nun konnte er nicht beißen noch kratzen. Ein Jäger Siegfrieds lauschte: „Ein Horn hab’ ich vernommen. Kriemhildes Ehegemahl. Er weicht! Doch drauf und dran Und hinterher dem Tiere. Doch schneller noch war Siegfried. Doch aus dem Sattel springend durch Busch und Zweige schnell Drang Siegfried nach und folgte ins dunkle Erdgefäll. Worin er sich versteckend vor Pfeil und Hunden sicher stand. Da störten sie ein Tier auf. Die horchten nach der Gegend. Bis auf der Flucht im Dickicht der Bär ein Erdloch fand. woher der Hornstoß drang.“ Er stand und horcht’ und blies. die Tafel zu bestellen. da floh der Bär zu Tal. aufgesessen dann!“ Und langsam trug sein Roß ihn durch Dickicht hin und Tann. wie’s Männern auf der Jagd gefällt. 944–950 . Bescheid will ich ihm geben. Der König lud zu Speis’ und Trank.

Von seiner Schulter hing ihm ein Otterfell. von solcher Kraft erfüllt. Es lag in Fell vom Panther der Köcher eingehüllt. Zur Seite zierten Fibeln. So ritt der stolze Weidmann dahin auf starkem Roß. liefen die Leute von dem Troß Ihm schnell entgegen. zwang sie allein mit seiner bloßen Hand. Der Köcher. Am Gürtel sonnenblinkend von rotem Gold ein schönes Horn. wen jemals ein Schuß damit getroffen hat. In goldnen Röhren liegend. Auch führt’ er Balmung mit sich. Wie man es selten sehn mag. 951–957 . So breit wie scharf geschmiedet. Ein Wams von schwarzer Seide dem Reiter prächtig stand. Nur einer. Ein Band Von hellem Pelz verbrämte sein ritterlich Gewand. So ging ein heller Lichtglanz mit ihm als leuchtendes Geleit. golden gespannt. handbreit ihr scharfes Blatt. ganz mit Perlen und bunten Borten rings bestickt. nahmen ihm Zügel ab und Ger. Dem Jäger stolzer Jagdschmuck und gute Manneswehr zumal. Daß sie mit einer Winde nur mühsam ward gespannt. das Kleid. Straff war des Bogens Sehne. Und wenn ich euch noch weiter von ihm berichten soll: Es stak sein prächtiger Köcher von spitzen Pfeilen voll. Siegfried. Zu Tode sank. war fein das Pürschgewand. Daß sich vor seinem Hiebe kein Eisenhelm bewahrt. Sein Hut aus dunklem Zobel zur Jagd zierlich geschmückt. die Schneide harter Stahl. Da sah’n sie: An den Sattel gebunden war ein starker Bär. ein Schwert von solcher Art.129 Ein herrlich Bild – der Reiter im hohen Tannenwald! Der Ger im Bügel stählern von mächtiger Gestalt. Als er sich nahte. Das Schwert mit reichem Zierat hing nieder bis zum Sporn.

Da sprangen auf die Herren. Nun aber lud zum Schmause man ein die Jägerschaft. Getos’. Wär nicht dabei gewesen so böse Hinterlist. Der wandte sich zum Walde.130 Nun stieg Siegfried vom Pferde und löst’ des Bären Band Vom Maul und von den Tatzen. Ihm konnte keiner folgen als nur Kriemhildes Mann. Der Bär lief vor der Meute und floh den Berg hinan. Die Männer wären ledig der Schuld. Das pflegen durstige Jäger nur selten zu verzeihn. Es hallte in den Bergen von Lärm. Der König laut befahl. verstreut lag rings der Brand. wie froh verlaufen war der Tag! Nun säumte man nicht länger mit Bogen und mit Spieß. Die Leute schrien ängstlich. Welch eine Fülle schöner Gerichte hatten sie zur Wahl! Doch schienen noch zu zögern die Schenken mit dem Wein. Man trug den toten Bären zum Feuer an den Küchenherd. War alles gut gegangen. bald hier! Die vollen Kessel stürzten. Vorbei war’s mit dem Mahl. Siegfrieds gewaltige Kraft. Da lobten. Geheul. die an den Leinen lag. Der lief ihn an und traf ihn zu Tode mit dem Schwert. Da kamen angerannt Ganz toll vor Wut die Hunde. Und all die guten Speisen fielen in den Aschensand. als sie den Bären sah’n. doch fand er keine freie Bahn. Doch kam vor lauter Hunden kein Jäger recht zu Schuß und Stoß. die niemand je vergißt. 958–964 . die’s gesehen. Bis von den kühnen Jägern der Bär sich scheuchen ließ. Der Bär entsetzlich brummte. Auf grünem Anger saßen sie nieder froh zum Mahl. zur Küche kam das Tier. Die Meute loszulassen. O wie die Köche liefen! Bald war es dort.

Sorgt Ihr nicht besser. mag ich nicht wieder Jagdgeselle sein! Daß man mich besser pflegte. die ihm verlockend wies den Trank. ob er den Ruhm mit Recht gewann. So hab’ ich auch das Weinfaß ans falsche Ziel geschickt. Doch bringen uns die Schenken nicht einen Tropfen Wein.“ Zu großem Leid und Unheil erwuchs des Tronjers schlimmer Rat. der König sprach trügerisch es nur zum Schein. Die durstigen Männer brachen zur großen Linde auf. Dann hätten wir uns besser gelagert näher an den Rhein. Siegfried litt arge Drangsal von seines Durstes Qual. Er soll es heut beweisen. ihr edlen Herren. weiß ich den nächsten Pfad. Es war die schlimmste Tücke. daß im Lauf Dem schnellen Siegfried keiner wetteifernd folgen kann. Da sagte Hagen Tronje: „Man rühmt doch.“ Hagen von Tronje sagte: „Nun zürnt mir nicht zu schnell! Es springt ganz in der Nähe ein eiseskühler Quell.“ 965–972 (971) . Doch konnte es nicht sein. so ist es des Tronjers Schuld allein.“ Herr Siegfried sprach voll Ärgers: „Seid schön bedankt dafür! An sieben Lasten Rotwein und Met genügten schier Kaum. daß uns wie heut kein Wein erquickt. So gut bestellt mit Speisen auch Eure Küche war.131 Herr Siegfried sprach im Scherze: „Es wundert mich fürwahr. Verlangend nach der Quelle. ich hätt’ es wohl verdient!“ Der König rief vom Tische: „Der Fehler wird gesühnt! Verdursten wir. Drum hob er.“ Das Wort war falsch. in Eile auf das Mahl. meinen Durst zu löschen. Zum Spessartwalde ginge an diesem Tag die Jagd. die frisch dem Berg entsprang. kaum begonnen. Dahin. Da sprach Hagen von Tronje: „Mir wurde angesagt. Verhüten werd’ ich künftig.

das Wasser rein und gut. erhob er sich vom Grund. In allen Dingen war er den Besten stets voran. wer von uns dreien am schnellsten laufen kann! Und wer. Auf Zucht und höfische Sitte stand Siegfrieds edler Sinn. Nun hätte Siegfried gerne am Quell geletzt den durstigen Mund. dieses Wort! „Ja. Das Brunnenrauschen lockte den Durstigen zu Trank und Rast. Noch trank er nicht. Hing um den Schild. Doch ward ihm dafür schlimmer Dank. er gürtete und band Das Schwert um. Der Quell war kalt und lauter. Lauft ihr nur vor mir fort!“ Wie lieb war König Gunther. Er löste seinen Köcher. Gunther und Hagen warfen Waffen und Kleid beiseit. Er legte Schild und Köcher am Brunnenrande hin. Doch Siegfried lachte hell: „Ich gebe euch noch Vorsprung! Hier an der gleichen Stell’ Verweil’ ich noch im Grase. Wie ihn der Durst auch quälte.132 Der Held vom Niederlande erwiderte: „Wohlan! Laßt sehn. als er es hörte. Wie wilde Panther rannten sie durch den Klee bergan. im Wettlauf Meister. In weißen Hemden standen sie da zum Lauf bereit. Dem sei von uns die Ehre des schnellsten Läufers zuerkannt!“ „Die Wette gilt!“ rief Hagen. 973–979 . „im vollen Pürschgewand Will ich den Lauf versuchen!“ Er nahm den Ger zur Hand. Und doch kam Siegfried früher als sie beim Lindenbrunnen an. zuerst die Quelle fand. das Schwert vom Gürtel dann Und lehnte seinen Jagdspeer an einen Lindenast. eh’ vor ihm nicht König Gunther trank. Jetzt beugte sich der König hinunter auf die Flut. Und als er so getrunken. daß er völlig gewaffnet und gerüstet stand. den Köcher. mehr noch!“ rief der Kühne.

Doch Siegfried fühlte gut. Wie gerne. sonst läge Hagen tot im Feld. Das Blut sprang aus der Wunde herauf an Hagens Kleid. Daß er zu Tod getroffen. schwere Ger. und aus der Haft Die Edelsteine sprangen. Von Siegfrieds Schlägen hallte ringsum der Widerklang. Daß fast der Schild in Stücke zerbrach. Nun konnte ihm nicht länger entrinnen König Gunthers Mann. Nie wieder ist ein Held wohl zu solcher schlimmen Tat bereit. Trotz seiner Todeswunde schlug er mit solcher Kraft. er strauchelte und sank. Warf Hagen in den Rücken ihm seinen eigenen Spieß. Er rafft’ ihn auf vom Brunnen und rannte Hagen an. das Siegfried trug am Jagdgewand. In grimmigem Zorne raste der todgetroffene Held. Auf sprang er wild in letzter Wut. Der Schild nur lag zur Hand. Sprang dann zurück und faßte den Ger mit fester Hand Und spähte nach dem Zeichen. Vor keinem Menschen war er jemals geflüchtet so. Wie vor dem wunden Helden. 980–986 . sich zu rächen. Den Ger an Siegfrieds Herzen ließ stecken er und floh. die dessen Rand geziert. Das Schwert mitsamt dem Bogen trug Hagen ins Gebüsch. Im Augenblick wär Hagen sicher nach Verdienst geschehn. Den Balmung und den Bogen. Indes Siegfried am Brunnen sich trinkend niederließ.133 Sein ritterlich Benehmen vergalt man mörderisch. Der Todeswunde raste und suchte seine Wehr. Da blieb ihm keine Waffe. Hätt’ er sie jetzt gesehn. Ihm mangelte das Schwert nur. hätt’ er den Todesstreich geführt! Da wankte Hagen rückwärts. Doch als er weder Balmung noch seinen Bogen fand. Ihm ragte aus dem Rücken der lange.

Er ward von schönen Frauen in späterer Zeit beweint genug. Nun er des Todes Zeichen fahl auf den Wangen trug. Nur allzu billig habt ihr den Haß an mir bewährt. Daß über seinen Hochmut und Herrensinn ich Sieger blieb. Es schien die Kraft des Leibes in Ohnmacht zu vergehn. der nichts verbrach. Du hättest ihn viel besser verhindert. was ihr getan habt an mir. Wie er es wohl verdiente. wo Siegfried lag. Man sah. verfluchten diesen Tag. Ihr alle war’t gewohnt. Gemieden und geschändet seid ihr. Daß du am Schaden jammerst. Auch der Burgundenkönig beklagte seinen Tod. die ihm schufen den tückisch-meuchlerischen Tod: „So habt ihr meine Dienste gedankt! Wie schlecht ihr lohnt! Ein feiger Streich. Kriemhildes edler Mann.“ 987–993 . tief bekümmert. Dazu bin ich euch nah verwandt! Noch eure Kindeskinder trifft diese ekle Schmach Für das. den du selbst mit verübt. Dann sank er in die Blumen. Er konnte nicht mehr stehn. als dich jetzt betrübt.134 Nun blich sein edles Antlitz. der immer fröhlich war und kühn. Die Treugesinnten klagten und trauerten um ihn. ist nicht not. Und handelt so am Freunde. Gar viele.“ Der grimme Hagen prahlte: „Was soll das Klagen noch! Ist unsere Not und Sorge mit ihm zu Ende doch! Wer wagt uns drum zu strafen? Niemand! Es ist mir lieb. Daß ich in steter Treue an eurer Seite stand. ein Mord war’s. wie reich der Blutstrom aus seiner Wunde rann. wo man noch Helden ehrt!“ Nun eilten alle Ritter dahin. Gunther. Noch einmal sprach er bitter in letzter Todesnot Zu denen. Doch Siegfried sprach im Sterben: „Dir.

Nun rang er mit dem Tode. der edle Mann war tot. wie es ging. Da hatte ihn die Waffe des Todes schon gefällt. Man soll Vom Vater ihm erzählen. Doch größer als Kriemhildes Herzleid wird nie ein anderes sein!“ Die Blumen allenthalben waren vom Blute naß. „dieser Tat. Und sagen gleicherweise. harren die Leute mein. sprach Siegfried. War sie mir doch das Liebste. 994–1000 . Wie man’s verhehlen könnte zu Hause. Kriemhildes edler Mann Sei tückisch überfallen von Räubern auf der Jagd im Tann. Nicht lange währte das. Darum verschweigen wir es am besten. die deine Schwester ist.135 „Leicht mögt Ihr Euch wohl rühmen“. Sein Schicksal zu beklagen. Vergeblich harrt mein Vater. Nun dauert mich auf Erden kein Mensch mehr als mein armes Weib. daß es Hagen tat. da du ein König bist. Als nun die Ritter sahen. Ich hätte wahrlich Grund. wie dir’s zukommt. Sei gütig. das auf der ganzen Erde mein! Sei brüderlich zu Kriemhild. Ich hätte wohl bewahrt mir das Leben und den Leib. Ist dir ein Mensch noch teuer. Es kam von seinen Lippen kein Wort mehr.und jammervoll Verwandte ihn erschlugen. Hätt’ ich nur ahnen können den meuchlerischen Rat. wie schmach. Da meinten einige Männer: Es ist ein schlimmes Ding. der glänzte goldenrot. dann nimm dich Kriemhilds an. Dann gingen miteinander sie insgeheim zu Rat. läg’ ich nicht todesmatt und wund!“ Nun wandte sich an Gunther der todwunde Mann: „Gibt es für dich noch Treue. und dann starb der Held. laß sie dir teuer sein. Und meinen Sohn befehl’ ich in Gottes Hut. Legten sie auf den Schild ihn.

der Königin verging. Mag sie ruhig weinen. Mir ist es gleich. wird Kriemhild auch meine Tat bekannt. – was tut’s! – das achte ich gering!“ 1001 . die sich schwer an Brünnhild. Ihr.136 Doch Hagen sprach dagegen: „Ich bring’ ihn heim ins Land.

wenn mit den Mädchen sie Zur Messe ginge. des schwersten Leids Verkünder sein. wie es ihn deucht’. Sie weckte ihre Mädchen und rief sie ins Gemach. Im Dunklen querten sie Den breiten Strom. Der fand dort von ihrer Tür den toten Mann. Erschlagen auf dem Schilde und rot von Blut betaut. Er traf die Frau’n. Die folgten dem ersten Glockenklang. In erster Morgenfrüh Sollte Kriemhild ihn finden. Denn selten nur versäumte Kriemhilde diese fromme Pflicht. Die Münsterglocken klangen wie sonst. Sie legte zum Gang die Kleider an. Auf seinem Schilde ruhend. Sie war schon wach. lange vorm ersten Tageslicht.137 XVII. So sollte er. Von hartem Hohn und heißer.“ Da schrie Kriemhild erschreckt auf mit maßlos wildem Klagelaut. „ein Toter liegt im Gang. Er sah. Nie gab es wohl schlimmere Jagd als die. 1002–1007 . Er kannt’ ihn nicht. So ließ ihn Hagen legen vor Kriemhilds Tür in dunkler Nacht. Es flossen um dies Wild noch viel Tränen tausendfach. ward Siegfried heimgebracht. und wie er     begraben ward Sie harrten bis zum Abend. „Geht nicht hinaus!“ so rief er. Und mancher gute Kämpfer entgalt es schwer und starb ihm nach. Wie Kriemhild ihren Mann beweinte. vom Blut gerötet war das Gewand und feucht. In Heimlichkeit geschah es. Der Kämmerer kam. Vernehmt nun. nichts ahnend. was Hagen riet und tat. Licht ward gebracht. Ein Fremder vielleicht. ingrimmiger Rachetat Erzählt das Lied. Das Licht in seinen Händen gab einen matten Schein.

– So lag sie. dem Vater.“ 1008–1014 . daß Brünnhild geweint! In ihrem Jammer sagte Kriemhild: „Aus ihrem Schlaf Weckt schnell die Mannen Siegfrieds. Von Sinnen. Da sank ihr Glück zusammen.138 Eh nur ihr Sinn erfaßte. vom Schmerze übermannt. erpreßt von grimmer Pein. – Aber Hagen hat’s getan. – dann neu das Herz bedrängt Zu ihrem Weh erwachend. es wär’ sein Tod!“ All ihre Frau’n und Mädchen weinten nun und schrie’n Um ihren edlen Herren. Es war ein böser Plan. gleich Bescheid. Sie wehklagten um ihn Mit ihrer lieben Herrin in Schmerz und Gram vereint. wie leblos. erschütternd ins Gemüt. stumm.“ Vor seinem Leichnam kniend. Und bittet ihn. wie er vor Todgefahr Den Helden schützen möchte. das mich traf. Daß ihres Jammers Stimme klagend das ganze Haus durchdrang. schrie sie so schmerzensbang. Sagt allen! Gebt auch Siegmund. Drang ihr die Frage Hagens. Sie sprach: „Siegfried ist es. Wie rot es war vom Blute. Das Unglück. Da lag in Todesblässe der stolze Held von Niederland. er möge mir nahe sein in meinem Leid. in Ohnmacht tief versenkt. Sie schaute schmerzversunken still auf das grause Bild. Hob sie sein schönes Haupt mit ihrer weißen Hand. Das war Hagens Rache! So straft’ er. Kein Streich hat ihn zerhauen! Wehrlos traf dich die Not! Ermordet bist du! Wüßt’ ich. Geraten hat es Brünnhild. Die Mädchen sagten tröstend: „Es kann ein Fremder sein!“ Ihr sprang das Blut vom Munde. wer jener Tote war. wer es getan. wie wenn ein Licht in Nacht verglüht. sie hat ihn gleich erkannt. Da schrie sie: „Keine Scharte – seht her! – verrät der Schild. schön und schweigend.

da wir doch hier unter guten Freunden sind?“ 1015–1023 (1016. wo Jammer erscholl und Wehgeschrei. Sie bittet. mir mein Kind Durch Mord geraubt. rief hundert von seinen Rittern her. In blinden Wüten griffen sie wild nach ihrer Wehr.“ Da preßte jäher Schrecken des Vaters Herz zu heißer Not. Ein Unheil ist geschehen. bis man das Wehgeschrei vernahm. schrecklich. Und kummerschwer für Kriemhild. unseliger Ahnung voll: „Welch Leid und welches Unheil? Sag. sag’s geschwind mir. wie keins bisher. Beweinen müßt’ ich Siegfried dann bis an meinen letzten Tag!“ „Es ist die volle Wahrheit. seid ihr nah! Helft ihr. Er sprang vom Bett. Wie überfiel die Nachricht sie jäh mit Schreck und Gram! Sie wollten es nicht glauben. ob’s auch unfaßbar scheint! Glaubt Ihr mir nicht. dann hört nur.“ Da sprach Herr Siegmund zornig: „Ist das ein übler Spaß. der nach dem Hause lief. Wie ihre Frauen klagen um ihres Herren Tod. die uns gebracht ins Land! Wer hat’s getan. was ich hören soll!“ Es jammerte in Tranen der Bote: „In der Nacht – Dürft’ ich es doch verschweigen! – ward Siegfried tot ins Haus gebracht. wie Kriemhild schluchzt und weint. furchtbare Herzeleid geschah!“ Siegmund saß auf im Bette. Wo noch die treue Mannschaft der Nibelungen schlief. Siegfrieds Gefolgschaft eilte mit tausend Männern auch herbei. in Bosheit sich vermaß? Ob’s wahr ist. da Euch das gleiche. wenn es dein Mund vermag. Des. 1022) . Herr Siegmund! Die Herrin schickt mich her. Siegmund nahm schmerzbewältigt in Trauer Kriemhilds Hand: „Verflucht sei diese Reise. Hin liefen sie. einer mich zu schrecken. den Gatten dir Armen.139 Ein Bote ward beschieden. „Erwacht! Steht auf.

war ihnen doch nicht kund. wie ein Freund wohl dem Freunde hilft mit gutem Rat Doch hoben sie die Schilde im Trotze. Da bat. Nach Kampf und Blut verlangend. weilt sicher verborgen im Palast!“ Sie eilten. Noch einmal standen weinend die Seinen rings um ihn geschart. entschlossen offenbar. Doch ob sie droht’ und flehte. das zu trösten vermochte Siegfrieds Weib.140 Den Sohn umfing der Vater. Mit denen Siegfried gestern zur Jagd geritten war? Die Waffen all der Männer ward Kriemhild voller Angst gewahr. Der Freunde Klage drang Durch Saal und Halle. War’s Gunther mit den Seinen. Ja. Die Nibelungen hoben die Hand zu einem Eid: „Wir rächen unseren König! Wir rächen Kriemhilds Leid! Der es getan. die Treuen wollten’s doch nicht tun. Noch standen sie. Elfhundert kehrten wieder. Mit Schwertern und mit Schilden. unschlüssig. Bekümmerte die Herzen und hallte dumpf durch jedes Haus. die Waffen sollten ruhn. sich zu waffnen und stürmten fort in wilder Hast. um Haupt und Nacken schlang Zum Abschied er die Hände. Wie sehr sie litt vom Kummer und ihrer eigenen Not. Dann ward er aufgebahrt. weiter. Stand ihr doch schon vor Augen der Nibelungen Tod Im Kampf mit den Burgunden. wuterfüllt. Man wusch ihm seine Wunde. So wehrte sie und bat Und warnte. Es wurde nun entkleidet des Helden schöner Leib. sie gebot am Ende. Zu lösen mit dem Tode des Mörders das beschworene Wort. Zu sühnen ihres Königs heimlichen Meuchelmord. 1031) . den Herren von Burgund. beschwor Kriemhild. Herrn Siegmunds ganze Schar. 1025–1032 (1024. ja in die Stadt hinaus. Kein Wort gab’s.

Ich rate ab vom Streite. glutgehärtet. stahlfest und eichenstark. wer Siegfrieds Mörder ist. Sobald es Tag wird. bis endlich der Rache Tag anbricht. Mit Spangen. der vielen Pfaffen Sang. Weithin war schon die Kunde gedrungen. In Trauer weinend ging Manch einer mit. Fügt es sich einst. Dem Zuge schwoll entgegen der düstere Trauerklang Der tiefen Münsterglocken. und weiß ich. Das nächtig trübe Dunkel zerfloß beim ersten Strahl. Auch Gunther kam. Man hieß die Schmiede fügen in Eile einen Sarg Von Silber und von Golde. wodurch Siegfried schuldlos solch Ende nahm. den Toten zu ehren. Mancher kam. Dann seid gewiß. Den Leichnam ihres Fürsten. Denn überlegen sind Die Kräfte der Burgunden. leistet nur heute erst Verzicht Und schiebt es auf. Auch Hagen fehlte dabei nicht. bleibt und schweiget. kein Tag geht. Sie fühlten mit im stillen der Herrin unermeßlich Leid. Mit ihren Frauen standen die Bürger weit und breit. wollen mit Eurer Hilfe wir In seinen Sarg einbetten meinen lieben Mann!“ Auf diese Worte nahmen sie ihren Rat gehorsam an. 1033–1040 .141 Sie sprach: „Herr Siegmund. ganz wie ein König ruht. und duldet still mit mir. Wenn Euer Kampf beginnt. des Treue noch innig an dem Toten hing. Dann trifft ein Mann der Euren auf dreißig! Gott allein Wird ihnen nach Verdienste vergelten und ihr Richter sein! Ich bitt’ Euch. Zu wissen. wo meine Rache ihn vergißt. Sie trugen in das Münster. Mit seinen Herrn und Mannen. wie es Pflicht. Doch bei der Arbeit war es den Leuten schwer und trüb zumut. wie Kriemhild es befahl.

gerächt wird dieses Blut!“ Da brausten Siegfrieds Ritter von neuem auf in heller Wut. Doch Kriemhild wehrte ihnen: „Laßt eure Rache ruhn!“ Zur Schwester kamen Giselher und Gernot nun: „Nimm Trost an! Tot ist Siegfried. ich stürbe. sagte Kriemhilde. es war eure Mörderhand! Doch Gott wird es einst fügen. Doch Kriemhild stand und sprach: „Beweist es! Wer unschuldig und rein von Schuld und Schmach. beklagt ihn unser Mund. Als von dem lieben Manne ihr grausam mich getrennt. So ward auch Hagens Schuld hier vor aller Augen offenbar. uns allen. er lebte! Nimmermehr Wär diese Tat geschehen! Mein dachtet ihr nicht mehr. ersetzen dein verlorenes Glück. Er trat hin an die Bahre. wollte Gott. Gunther und Hagen –. so lang wir leben. Der König Gunther aber trat hin vor seinen Mann: „Nicht Hagen war’s. die Räuber erschlugen ihn im dunklen Tann!“ „Mir sind die Räuber“.“ Da sprach im Zorne Kriemhild: „Du hast dazu gar keinen Grund! Wär’s nicht dein Wunsch gewesen. Da wuchs noch die Trauer und die Not. wie es noch oft geschieht: Wenn unbekannt ein Mörder dem Opfer naht. weh dieser großen Not. „gut bekannt. dann sieht Man frisch die Wunde fließen.142 Er sagte: „Liebe Schwester. Die nicht nur dir.“ 1041–1049 (1048) . Ach. wenn ich ihn nur erwecken könnt’!“ Sie wehrten sich mit Leugnen. beschied Verlust und Tod! Ewig beweint das Auge. Es wollte sein Geschick. Wie’s gestern floß. Wir woll’n. Der mag hier vor den Leuten an seine Bahre gehn! Heran soll jeder treten! Dann wird man schnell die Wahrheit sehn!“ Ein Wunder nämlich gibt es. und wer der Täter war. Das Blut floß reich und rot.

wenn’s eben des Opfers Sinn verstand. War doch geliebt von vielen. Kriemhild sprach zu den Freunden: „Bei Siegfried bleibe ich. Die arme Kriemhild sandte und wies die Kämmerer an: „Wie man mich liebt. Liegt auch mit ihm im Sarge all meine Lebensfreude da.143 Doch gab es keinen Trost mehr für Kriemhild auf der Welt.“ Kein Kind so klein. Zum Heile seiner Seele floß reiches Messegeld. Die Glockentöne schwiegen. Man sang wohl hundert Messen an diesem Trauertag. Laut weinend wehrte Kriemhild. mit Siegfried vereinte mich der Tod! Das war ein Trost! Zu Ende war dann der armen Kriemhild Not. Hinein von seiner Bahre man sanft den Leichnam hub. In Tränen ganz zerflossen auch Mutter Ute kam Begleitet von den Frauen. Dem gab man Geld zum Opfer in seine Kinderhand. wollte Gott. Ach. Da Siegfrieds Heil den Freunden in treuem Sinn und Herzen lag. Die ihn geliebt im Leben. Laßt mich zur Nacht nicht einsam. daß nun im Sarge der edle Tote lag. mir und dem Toten hold. von seinen Feinden selbst der Held. die Herzen alle voller Gram. traten still herein. das Volk zerstreute sich. Der Sarg ward nun am Mittag im Münster aufgestellt. Und dennoch sollt ihr allen. Dem Toten bin ich nah. Da draußen drängte murmelnd das Volk. sieht ungern. daß man Siegfried schon jetzt begrub. Um Siegfrieds Seele willen austeilen reichlich Gut und Gold. Der Glocke Schlag Verriet. Daß ich mich seiner Nähe zum Trost ersättigen kann. Drei Tage und drei Nächte laßt mir den lieben Mann. Sie hüllte seine Glieder in weiche Seide ein. argwöhnisch mancher Mann.“ 1050–1056 .

Jammer war überall und Traurigkeit. Stand Kriemhild machtlos ringend mit ihrem tiefen Gram. was ihr als Nibelungentreue preist! 1057–1067 (1063–1065) . An Siegfrieds Sarge standen. benetzte Stirne ihr und Wang’. so leidbeladen und jeden Wunsches bar. Verschmähten Trank und Speise und Ruh. Siegfrieds Bild und Gedächtnis zu wahren Jahr für Jahr. Zu essen. Den Klöstern schenkte Kriemhild fruchtbare Länderei’n. wie es die Pflicht befahl. Als Wache seine Ritter bei ihrem Herrn zum letzten Mal. die Geistlichen sich mühn. zu trinken reichlich bot Er allen. Drei volle Tage tönte durchs Münster der Gesang. Man lief und holte Wasser. ein letztes Mal erweist Der Gattin Siegfrieds. die es wollten. Und wieder stieg neu das heiße Leid In alle Augen. Mit Beten und mit Knien Sah man die frommen Mönche. erlagen sie doch fast der Not. Am dritten Tag zur Messe in aller Morgenfrüh Durch weite Münsterhallen zum Kirchhof trugen sie Den schweren Sarg. Und ihre Frauen halfen der Armen. Die sollten Ursach’ sein. Die Armen nahmen reiche Geschenke in Empfang. Den Armen Gold und Kleider. Doch Siegmund kam.144 Die Bürger gingen heimwärts. Für Seelenmessen alles zu opfern. Eh im Geleit des Sarges der Zug zum Grabe kam. Daß sie wie sinnverloren ohnmächtig niedersank. – Ein Wunder fast – als sei ihr die alte Kraft verliehn: „Ihr Nibelungenhelden. Gebefroh Wohl tausend Mark an Golde und mehr noch spendete man so. Da er doch einst im Leben ihr einziger Gedanke war. Doch es schien. – so trostlos war Ihr Herz.

145 Laßt eine kleine Freude mir Armen noch geschehn. So traurig war am Ende der Abschied Siegfrieds von Kriemhild. Verloren und begraben. Manch einen gab’s. Lockt uns das Leben immer wieder doch! 1068–1072 . Dann weinte sie. Speis’ und Trank. Laßt Siegfrieds schönes Antlitz mich nur noch einmal sehn!“ So lange bat sie. So lag die schöne Königin. als ströme in Tränen aus ihr letztes Blut. Doch dann verlangten alle – so geht’s auch heute noch – Nach guter Speise. Die Nibelungen standen nun führerlos. mit ihrer weißen Hand Und küßte es. bis nah sie vor ihm stand. der trauernd vergaß drei Tage lang. der einst ihr Schützer war! Auch Siegmund war im Alter der letzten einzigen Freude bar. Da trug man sie beiseite – ein blasses Leidensbild –. flehte und jammerte danach. Daß man den Sarg am Ende noch einmal aus den Fugen brach. Ihr dunkelten die Sinne. Doch die so froh gereist. als nähme sie es in sanfte Hut. Sie hob das Haupt. Von Leid befangen. verwaist. unfroh des Lebens. das bleiche. Siegfried lag nun im Grabe. Man stützte sie im Gehen. sie taumelte und sank. vom Leid zum Sterben krank.

Die Frauen und die Mädchen verpackten Schmuck und Kleid. Wie Siegmund wieder nach Hause ritt Siegmund beschloß zur Rückkehr die Fahrt nach Niederland Und sprach zu Kriemhild: „Heimwärts ist längst mein Herz gewandt Unliebe Gäste sind wir. – ging’s endlich doch nach Haus! – Zogen schnell die Pferde aus Stall und Hof heraus. Will ich für dich besorgt sein und doppelt gut zu dir Um Siegfrieds willen. Die Siegfried dir vor Zeiten als Königin zugedacht. Da drängten die Verwandten und baten Kriemhild sehr. Sie möchte nicht die Mutter verlassen hier am Rhein. Mach dich bereit zur Fahrt. froh der Kunde. Die Kammern.146 XVIII. war er das Liebste doch auf Erden mir. Da uns hier in Burgunden der Haß das Schlimmste tat. Das Land und auch die Krone.“ Die Knechte. dein eigen ungestört. Du sollst auch aller Herrschaft genießen und der Macht. 1073–1078 . War ihnen doch das Leben im Lande hier seit langem leid. der so roh Mir armen Weib das Schlimmste getan! Nie wär’ ich froh!“ Der junge Giselher sprach: „Schwester. daß du die Mutter nicht im Stiche läßt. ich rechne fest Auf deine Treue. Verbleiben dir. Du deinen Mann verlorest durch Untreu und Verrat. Der Abschied kam. Sie weigerte sich zornig und sprach: „Wie könnte das wohl sein! Wie möchte ich mit Augen den sehen. vom Schwerte der Nibelungen gut bewehrt. die Ställe wurden leer. Daheim bei uns in Xanten bist du vor jeder Not bewahrt.

ich kann nicht! Gewiß ich stürbe eh. Und bitter weinte Ute an ihrer Tochter Hals.“ „Sie sind dir alle fremd dort!“ sprach Gernot. Als daß ich jemals wieder in Hagens kalte Augen säh. So zögere denn nicht länger! Denn jeder Augenblick. obwohl dir die liebste Freude tot.147 Denn jener. davor behüt’ ich dich. Erwartungsvoll die Leute.“ Da sprach die Gottverlassene in Tränen: „Ach. So tröste dich und geh Nicht von uns fort! Bist du uns doch doppelt lieb in deinem Weh!“ Da Giselher zuliebe sprach sie: „Ich bleibe hier!“ – – Längst standen ungeduldig die Rosse vor der Tür. Bleib hier bei uns! Dein Bruder Giselher bin ich Und schaff dir Glück. liebe Schwester. Bedarfst du nicht. „So ertrag Dein schweres Leid. mahnt mich an mein verlorenes Glück!“ Da mußte sie es sagen: „Inständig baten mich Die mir im Blut die nächsten. die lieb dir sind und nah verwandt. Für jeden kommt ja ein letzter Tag! Wir alle müssen sterben. daß ich dem Drangen wich Und mich entschloß zu bleiben. deren Feindschaft dich tödlich hat gekränkt. Auf Saumtiere gepackt war schon Rüstung und Gewand. Nun kam Siegmund zu Kriemhild und mahnte: „Es ist Zeit! Die Nibelungen stehen mit Mann und Roß bereit.“ Sie wehrte: „Nein.“ 1079–1085 . Was mein ist. Den ich noch hier verweile. das wär’ mir not!“ Mit Giselher bat Gernot sie innig ebenfalls. ist mir doch keiner dort verwandt. Bei euch im fernen Land Wär ich stets eine Fremde. froh ihrer Fahrt ins Heimatland. flehten inständig: „Bleib im Land! Dort hast du wenige Menschen.“ „Vertrau mir. Die Kriemhild liebten. das ist auch dir geschenkt.

“ – Die Männer hörten’s ungern an. Euch keiner wiedersieht. daß die Deinen nicht meinen lieben Sohn verschont. Uns soll man nimmer wieder hier im Burgundenlande sehn!“ 1086–1092 . Kehr mit zurück. Wenn ich an Siegfrieds Grabe verweilend weinen kann. die schlimmer als diese Unglücksfahrt geriet?“ „So reist mit Gott! Und daß ihr in gutem Schutze seid. und wie unstillbar sein Verlust und Gram! „Fluch diesem bösen Feste. dann leuchtet jeder Tag Dir in dein Herz und Auge und schenkt dir neuen Glücks Ertrag!“ Sie sprach: „Herr Siegmund. dem eines Trost nur bringt. Und mich die Meinen trösten. hier zu bleiben. Verwanden sie im stillen ihr Abschiedsweh doch nicht. Laß es so früh nicht einsam. das arme. Sorg’ ich. laßt mich! Denn übermäßig zwingt Mein Herz mich. bleibt Ihr bei den Feinden. Dein Kindlein. bargen die Männer ihr Gesicht. So üble Lust und Kurzweil. Wird keinem Könige wieder und seinem Volk geschehn. Nicht büßen. Sie klagten bitter: „Nun erst ist unser Unglück voll. verwaist bei Fremden sein! Siehst du es fröhlich wachsen. wie sie uns hier geriet.148 Siegmund versetzte bittend: „Mich schmerzt dein hartes Wort. Die Krone soll dir bleiben. wie du es sonst gewohnt. Wenn unser Land die Königin für immer missen soll Und. für ritterlich Geleit. Siegmund auch fühlte jetzt erst. wartet dein. Dies bitt’ ich euch zuletzt noch: Mein Kind. zu dem man uns beschied. euch zu behüten. als es zur Trennung kam. in Ehren sollst du dort Die Macht und Herrschaft üben. – ist’s doch noch klein – Laßt eurer Lieb und Treue Siegfrieds Söhnlein empfohlen sein!“ Im Aug’ die Tränen. Wie lieb ihm Kriemhild. Gab’s eine Fahrt.

Nichts gab es. das sie freute. Wie’s weiter ging in Xanten. Nach Hause ohne Tochter reit’ ich und ohne Sohn und Kind. Gernot. Nur ungern hätte Giselher sich ohne Gruß getrennt. nahm König Siegmunds Hand: „Gott weiß. mit rascher Nibelungentat! Kein Abschied ward dem stolzen burgundischen Herrn vergönnt. Umfangen hielt er Kriemhild zu einem letzten Kuß: „Nun habe ich erfahren. Der war ihr getreu und immer gut und lieb. Verschmähten das Geleite. Nie trockneten die Tränen in Kriemhilds Angesicht. fremd war uns Feindschaft. Zu zeigen. 1093–1099 . war doch Geleit genug Die eigene Kühnheit. toten Herrn. zu sagen weiß ich nicht. wir kommen gern!“ Fest stand – das sah nun Siegmund – der traurige Entschluß.“ Nun stiegen sie zu Rosse und reihten sich im Zug. willig gab er das Ehrgeleit Dem Könige mit den Männern bis hin nach Niederland. im Drang zu trösten. Auch war uns unbekannt.149 Doch drohend vor den Leuten laut riefen Mann und Knecht: „Einmal könnt’ es geschehen. der Schmerz. Daß Siegfried sterben sollte. wir holten unser Recht. Auch Gernot kam. Die Rache an dem Mörder des lieben. was Leid und Kummer sind. War ihm doch niemand feind! So bleibt uns nur die Trauer. der ewig um ihn weint. ein Druck der Hand. Als Giselher. Ja. daß trotz allem die alte Freundschaft noch bestand. Ein Gruß noch. Wo nach der trüben Ankunft die sorgenschwerste Not entstand. die sich vom Feinde Weg und Pfad Erzwänge. ein Wort. – Kein anderer Trost verblieb. wenn’s drauf ankäm’. Sie soll’n es wissen: Kennen wir ihn dereinst.“ Der junge Giselher ritt mit an Siegmunds Seit Zu Schutz und Ehr’.

zu keinem Trost bereit. das Kriemhild ihr schaffen sollte. Gleichgültig.150 Die schöne Brünnhild thronte im alten Stolz und Prunk. Zu keinem guten Worte. 1100 . lieblos sah sie Kriemhilds Erniedrigung. Auch für ihr Leid. kam die Zeit.

Daß sie. nah dem Grabe und nahe dem Altar. der Kriemhild nicht fand an Siegfrieds Grab. Und ihre Tränen rannen und rannen Jahr und Tag. daß der Plan uns 1101–1108 (1104/05) . Gern ging sie in die Kirche. von seinem lieben. Die sollten es versuchen. Ins Land heimbringen könnten wir Siegfrieds Nibelungengold. Daß Ihr Kriemhildes Starrsinn erweicht. Indes für seine Seele sie flehend im Gebete lag.“ Drauf Gunther: „Meine Brüder verstehn sich gut mit ihr. sich uns versöhnend. So lebte. ihren Todfeind. wär sie uns wieder hold. Recht königlich geräumig und stattlich sah es aus. Am Dom zu Worms erbaute man ihr ein Witwenhaus. Nach ihres Mannes Tode sie dreieinhalbes Jahr.“  [glückt.“ Doch Hagen sprach im Zweifel: „Ich glaub’ nicht. Euch zu verzeihn? Wir könnten viel gewinnen.151 XIX. Dann sorgen die dafür. sah sie in diesen Jahren nie. Indes sie Gunther niemals das kleinste Wörtchen lieh. Auch Hagen. Es war kein Tag. So saß er gern Bei ihr und sprach von Siegfried. stand Eckewart Zur Seite. All ihr Sinnen ging still zu ihm hinab. Auch seine Mannen hielten zu ihr. Dort stand sie. Wie der Nibelungenhort nach Worms kam Kriemhild. Doch eines Tags sprach Hagen: „Sollt’ es nicht besser sein. nach ihrem Horte schickt. getreuer Helfer ward. der ihr steter. doch aller Freude bar. weil sie darin am liebsten war. Hier saß sie mit den Frauen. toten Herrn. der edlen Witwe Siegfrieds.

für sich allein Vom Nibelungenlande herholen lassen an den Rhein. Sie hätte freundschaftlich Auch ihm verziehn. Vertrauend tat ich’s. dazu verstand sie sich. gewährte sie zuletzt. 1109–1116 . Dieser sagte: „Soll. Mit ewigen Tränen büß’ ich dafür. ich armes Weib. Wär dir das nicht genug?“ „Des zeiht ihn niemand“. empfangen wolltest du Den Bruder mit den Freunden. „denn Hagen tat’s! Und ich. Ihm Gruß und Blick zu schenken. Unüberwindbar aber stand zwischen ihnen Hagens Tat.“ Da flehte Giselher: „Nimm meinen Vorschlag freundlich an! Ich will dem König sagen. den Nibelungenhort. Sie solle ihre Schätze. nimmermehr Die Klage enden? Gunther war’s nicht. bin schuldig des Verrats. Beweisen vor dem Richter will er’s. nie wäre jene Tat verübt. die hier zustande kam Mit Schmerz und vielen Tränen? Kriemhild in ihrem Gram Blieb unversöhnt dem Einen. sagte Kriemhild. Giselher Und Gernot. der Siegfried schlug. Sein Anblick hätte sie allzu tief verletzt. der sie zu Tod betrübt. Seiner Mörderwaffe hätt’ ich niemals den Weg gebahnt. Der ihr als Morgengabe verliehn. was sie mir angetan. Hätt’ ich je seinen Haß geahnt. Schwester. Nur Hagen nicht. Niemals jedoch dem Tronjer.“ – Sie nickte stumm dazu.152 Zu Kriemhild kamen Ortwin mit Gere. Er wäre ihr ohne Scheu genaht. Vergeben kann ich nimmer. War’s ehrliche Versöhnung. Wär Hagen nicht gewesen. Daß er durch mein Verschulden so Leben ließ und Leib. Nicht lang danach beriet man Kriemhild mit klugem Wort. die Gattin Siegfrieds. Sich Gunther zu versöhnen.

Wie’s mit dem Hort beschaffen. Der seit uralten Zeiten schlief in des Berges Nacht. War Hagen danach gierig. verwahrte am geheimen Platz. Die klugen Burgunden säumten nicht. Die Zauberhülle ist es. unseren Gebieter. – doch er starb daran. – wahrlich. Wenn einer mit dem Schatze die Welt bezahlen wollt’. bis schließlich er entschied: „Wir dürfen ihr den Hort nicht versagen. mit ihr Den kühnen Siegfried. So hat nur schweres Unheil der Zauber ihm gebracht. schwer. die Tarnkappe. Damit nach Haus zu segeln in langer Bergfahrt auf dem Rhein. – ein Wunder ist es fast.“ Der Kämmerer nahm den Schlüssel. hoch beladen mit übervoller Last. Doch ward nichts draus. Die Kostbarkeiten schafften sie in das Schiff hinein. Dreimal ein jeder zwischen dem Berg und Schiffe hin und her. er war’s nicht ohne Grund. Aus hohlem Berg ans Licht Hob man den Schatz. Als die vom Rhein die Schätze verlangten. Zwölf Wagen. Verborgene Kräfte. denn er trug Sie viele Male. Giselher. 1117–1123 . da beriet Sich Alberich mit den Freunden. Gernot Mit vielen hundert Mannen zur Suche nach dem Schatz. Kaum eine Mark an Werte bedeutete der Schwund. treu im Dienste. Den Alberich. Stärke und Reichtum. Vier Tage und vier Nächte hin rollten langsam.153 Vertrauensvoll erließ auch Kriemhild das Gebot Und sandte ihre Brüder. denn er war Kriemhild als Morgengabe bestimmt vor manchem Tag und Jahr. bis man Kriemhildes lieben Mann erschlug. Nur eines davon verloren wir. Die Nibelungenlande gewann der kühne Mann. Und alles war nur edles Gestein und gelbes Gold.

oft ersehnt. Zahllose Kammern. Und sie ist meine Schwester! Der Eid soll heilig sein!“ – „Mein ist die Sorge“.“ Da sprach der König Gunther: „Ich schwur ihr einen Eid. Auf ihren Schiffen führten den Hort sie nach Burgund.“ Hagen riet dem Könige: „Es sollt’ ein kluger Mann Verwehren einem Weibe. Schreine. der den Vergleich wohl mit keinem anderen litt. Noch kaum versöhnt und gut Mit ihr. Zu lohnen und zu werben. – Kriemhild war nur bedacht. Wie’s ihr beliebt. das. ja Türme füllte man damit. Daß sie – galt ihm die Absicht? – gar manchen Mann damit gewann. Sie gab. was sie verschenkt. zu schenken. Den kühnsten Traum des Menschen schnell mit Erfüllung krönt. farbenbunt. „auch die Schuld sei mein!“ 1124–1131 . So bleib ihr unverwehrt. Doch war der ganze Hort auch an Wert vertausendfacht. Gewinnt als Herr und Meister die größte Macht und Kraft der Welt. Zu schenken und zu spenden nach gütiger Frauenart. ob arm und notbedrängt. soll’s mich nicht kümmern. was ihr im Sinne lag. Ein Schatz. sah er mißtrauisch doch mit an. „Geht’s weiter so. Sie hätt’ in leeren Händen am letzten Ende nichts bewahrt. Kann ich es nicht verhindern. gewinnt sie mit dem. was sie mit ihrem Golde tut. Wer diesen Schatz erhält. bis uns ein schlimmer Tag – Zu spät kam dann die Reue! – verrät. Die Wünschelrute ist es. sagte der Tronjer. lichtblitzend. Hätt’ Siegfried auch gelebt noch.“ So sagte Hagen.154 Da war das Zauberstäbchen von Gold. – Vor Kriemhild lag er strahlend. daß sie verschwenden kann. Doch Gunther wies zurück ihn: „Da ihr der Schatz gehört. Ich tat ihr niemals wieder das allerkleinste Leid. ob einer reich war.

Sie bat: „Viellieber Bruder. Als jene von der Reise nach Hause heimgekehrt. Sei ihr geraubt von Hagen. mit Knappen. Das verfluchte Gold versenken in den Rhein. hüt mich gut!“ Da sprach er zu der Schwester: „Rechne du fest auf mich! Wir reiten fort. Eh Gunther noch zurück war.“ Zu Giselher kam klagend Kriemhild. Knechten ritt Der König in die Weite. – Den Königen war es leid. von Sorg’ und Angst beschwert. der heimlich die Schlüssel an sich riß. entwandt. und sind wir zurück. dann sorg’ ich treu für dich!“ Mit Freunden und Verwandten. Und Giselher sprach drohend: „So viel und schweres Leid Hat Kriemhild nun gelitten. Ich bitte dich innig. Wo er den Schatz im Rheine versenkte. mein Gut Sind in Gefahr. Böses witternd. Nur Hagen ritt nicht mit. Der Witwe ward ihr Erbe. was ihr bisher gehört. 1132–1138 .155 Geschworen waren Eide. alles. sah er auf Kriemhilds Gold und Macht. Mißtrauisch. eh wir uns drum entzwei’n. Hofft’ er doch. Hagen war’s. Es wäre endlich Zeit. Lochheim heißt der Ort. War doch sein Grimm erwacht. doch hielten sie nicht stand. ließ er den ganzen Hort Heimlich aus Worms entführen. mir schwant. Ich ginge ihm zu Leibe. mein Leib. Gernot schlug vor: „Wir sollten.“ So kam’s. Von Furcht und Haß gefesselt. Ob Gernot ihm auch wehrte in zorniger Bekümmernis. – Vergeblich zwar – ihm nütze das Gold wohl eines Tages noch. Wo’s stumm und arglos keinem auf Erden angehört. Und brüderlich stand Giselher ihr bei. daß nie die Träne aus Kriemhilds Leidensantlitz schwand. wie immer hilfsbereit. wär’ er mir nicht verwandt. Da klagte Kriemhild. der reiche Schatz.

Das sich an seiner Klage nun bis zum Ende nährt. Nur Kriemhilds Haß ging wuchernd reich auf wie eine böse Saat Eh noch der Schatz versenkt ward. Bis aller Zorn verraucht war. So ward mit neuem Leiden Kriemhilds Gemüt beschwert. da keiner je den Platz erfuhr. so lang einer der Brüder lebte nur. 1139–1142 . hatten vertraulich sie Mit heiligem Eid geschworen.156 „Ein schlimmer Streich!“ so sagten die Brüder.“ Hagen entwich und ließ sich so lange nicht mehr sehn. Man schwieg. kein Trost im Kummer mehr. „ist geschehn. Dahin die reichen Güter. Er ward niemals gehoben. daß sie die Stelle nie Verrieten. man litt die Tat. So blieb durch dreizehn Jahre ihr Leben arm und freudenleer.

wie es die Freunde hier gehegt. als Gattin schön und liebenswert. sein Gemahl In jener Zeit gestorben. Wie Ihr ein Weib begehrt. Wenn sie sich mir verlobte. seid Ihr auch kein Christ. Alles an königlicher Ehr’.“ „Nun gut“. Wie König Etzel um Kriemhild werben ließ Es war dem König Etzel Frau Helche.“ Bedenklich sprach der König: „Das wäre wunderlich. „ist Kriemhild Euch so wert. So reich an Frauenschönheit. der solltet Ihr Eure Krone anvertraun. der Herr von Bechelaren: „Die Königin. Gernot und König Gunther.“ Die Freunde widersprachen: „Herr Etzel.157 XX. An stolzer Mannestugend. Wir sollten es versuchen. sprach König Etzel. was je gepriesen ward. Liebt doch die Frau den reichen und hochberühmten Mann. Ist sie als Königin würdig. Sind ihre Brüder. wie sie das Volk begehrt? Gleicht sie dem Wunschbild. während Kriemhild doch eine Christin ist. ein Kind noch. der junge Giselher. ich sah sie. Vielleicht nimmt Kriemhild dennoch Eure Bewerbung an. Da fiel der Freunde Wahl Auf Kriemhild von Burgund: „Wollt Ihr von allen Frau’n Die Edelste. Daß sie einst meine Krone würdig auf ihrem Haupte trägt?“ 1143–1149 . denn ungetauft bin ich.“ Da fragte König Etzel: „Wer war jemals am Rhein. Als Ahnenerbe wahren sie es noch in der Gegenwart. Und wer mag dort der Lande und Leute kundig sein?“ Da meldete sich Rüdeger. Ein Heide. schon vor vielen Jahren.

“ Der König sagte: „Nimmst du von mir nichts an. Kam alles. und Gott nehme in Gnade euch und Hut. einst pracht. wie nur ein König ihn verleiht und fügt. Und wen sie liebt. Ein Mann war er. Daß jeder Kleider.“ „Dann wirb für mich!“ sprach Etzel. sagte der Markgraf. dem schenkt sie des Lebens köstlichsten Gewinn. wo als Weib sie an meinem Herzen liegt. Doch wahrlich! Frau Kriemhild weicht ihr nicht. daß kein König in größerem Glanz erscheinen kann. vor Drangsal. Rosse und was du willst. Auch deshalb schon. nun gut! Fahrt glücklich. Daß ihr in Worms in Ehren besteht.“ „Gewand und Waffen“. Fünfhundert Männer stünden als Ehrgeleit uns an Zum Zeichen. doch nur aus deiner Hand! Auf meine Kosten fahr’ ich für dich in das Burgundenland. „bin ich seit langem dir Ja lieb und wert. Am Tage. Ihm glich wohl keiner in der Welt. Aus meiner Kammer nimm dir das Zehr. Doch fröhlich sollt ihr leben. gewinnst du Kriemhild mir. Ein Dank belohnen. Dich soll einst. und – will’s das Glück – Bringt von der schönen Kriemhild mir günstige Kunde mit zurück. was mein eigen. Du hast ihn hier gesehen. Weit ist der Weg. „Roß und Kleid Soll’n draußen weisen.und glanzgewohnt An Siegfrieds Seite lange als Königin gethront. gilt es doch eine Werbefahrt!“ Abwehrend sagte Rüdeger: „Das schiene mir nicht gut. daß Ihr ein mächtiger König seid.158 „Helche war schön. Verlangt’ ich für die Reise von dir noch Geld und Gut.und Reisegeld. Gefahren nicht bewahrt. weil Kriemhild. 1150–1157 . erhält. Ein Zauber strahlt aus Haltung und Gang ihr und Gesicht. Und überreich an Ehren. ein Held. Auf Erden gibt es keine schönere Königin.

“ – Die Gattin. Er säh’ von Herzen gern. Mein Weib. Denn Helche liegt im Grabe. So trat zu Etzels Freude Herr Rüdeger die Reise an. Saumrosse. Wohin er reisen wollte. Die ihn begleitet hatten. treu gesinnt.159 Laßt vierundzwanzig Tage uns noch! An Gotelind. Hatte sie doch Helches Bild und Gedächtnis stets bewahrt. liebe Frau“. und Rüdeger als guter Wirt bat sie. meinen Herrn. In Bechelaren harrte des Gatten Gotelind Und auch die junge Gräfin. sein einziges liebes Kind In ihrem Kreis von Jungfrau’n.“ 1159–1169 (1158. indessen beglückt ihr Töchterchen begann: „Sei uns willkommen. „wir reiten ins Burgundenland. Vater! Willkommen. nach all der Reisemüh Bei ihm Quartier zu nehmen. Manch sehnlich weiter Blick Ging fernhin voller Freude auf nahes Wiedersehensglück. Er hegt die frohe Hoffnung. Man war am Ort. Vernahm in Schmerz und Trauer die Kunde von der Fahrt. Am siebenten Tag kam Rüdeger von Ungarn bis nach Wien. reich bepackte. Da fragte sie: „Wozu soll die weite Reise sein? Mit welchem Auftrag hat dich der König ausgesandt?“ „Hör. sprach Rüdeger. entsend’ ich Botschaft. versahen reichlich ihn Mit Waffen und Gewändern. Was Rüdegers Absicht war. Bereit stand Roß und Mann. Als sie mit ihrem Manne in stiller Nacht allein. daß sie mit ihm den Thron besteigt. Wär Kriemhild seiner Werbung und seinem Wunsch geneigt. Auf ihren lieben Mann Sah Gotelind. Dort soll ein Weib ich werben für Etzel. das ward Gotelinde bald gewahr. 1164) . all ihr Herrn!“ Mit Dank und Gegengrüßen erwiderten sie gern Der jungen Gräfin Worte.

Vom Hals zum Sporn ein Schimmer und Prunk. sprach Gotelind. dann erst ist jede Reise schön. Wer mochten die stolzen Helden sein? Saumrosse. sorge gut Für unsere Ritter. ob er was wisse von der Schar. Gunther im ungewissen. „sie ist es wert. So ging die frohe Reise von Land zu Land. Am Donauufer aufwärts durchs Bayernland zu fahren. daß Helche starb. Worms war erreicht.“ 1170–1180 . Der an der Spitze reitet. was ihm willig von gütiger Hand bestimmt. Auf Raubgesindel trafen die Reiter selten dort. „Ich habe selber den. Säh’n wir.160 „Gott mag es geben“. Doch trügt mich nicht der Anschein. war der Fremden Herkunft doch unbekannt. schwillt doch recht freudig erst der Mut. Am siebenten Morgen ritten sie ab von Bechelaren. wer da gekommen war. vom Hunnenlande käme er. Zwölf Tage schwanden. Aus allerfernstem Osten. – so konnten sie bestehn. Nur Ehrenvolles hab’ ich bisher von ihr gehört. Rings lief das Volk zusammen. Auch der war erst im Zweifel. dann ist es Rüdeger.“ So wurden alle sorglich mit feinster Tracht versehn. „denn jeder nimmt Mit Freuden. Braucht man sich nicht zu sorgen. von Ort zu Ort. Ist man mit Geld und Gute und Nahrung reich versehn. Verwundert staunend stand Die Menge. schwer bepackte.“ „Das tu ich gern“. daß unsere Krone ein neues würdiges Haupt erwarb. sagte Gotelind. umstrahlt von Glanz und Waffenpracht. Ließ Hagen schnell befragen. strahlend in reicher Tracht Auf edlen Rossen Männer. jubelnd erblickten sie den Rhein. Wir könnten es vergessen künftig. seit langem nicht gesehn.“ Nun bat er Gotelinde: „Geliebte.

“ Der König sprach: „Ich brauche nicht erst der Freunde Rat. wie er wohl nur im Land am Rhein gerät. Von ferne entbot er seinen Gruß Mit lautem Freudenrufe: „Seid hochwillkommen hier! Den Herrn von Bechelaren und seine Männer grüßen wir!“ Die Brüder und Verwandten des Königs boten gern Zum Gruß die Hand. Was an mich auszurichten man Euch zu Hause bat. Sagt. edler König. leben sie vergnügt? Wie geht es ihnen beiden im Hunnenlande dort?“ Das war für Rüdeger der Augenblick. versäumt’ ich gern. Was bringt Ihr uns von fern Mir und zugleich den Meinen? Nichts. Da fragte im Gespräche Gunther: „Zu lange schwiegt Von Etzel Ihr und Helche. Dort stand von seinem Hochsitz der König auf und ging Zur Tür.“ 1182–1192 (1181. und Ortwin sprach zu den fremden Herrn: „Das muß ich wahrlich sagen. Kam Hagen schon. wo er die Gäste freundlich und ehrenvoll empfing. was ich willig als Auftrag übernahm und Pflicht. Daß uns Besuch gekommen. Indes er mit den Seinen förmlich und feierlich Sich hob vom Sitze. 1188/89) . was Euch ehrt. dann schweig’ ich länger nicht Und sage. Er nahm das Wort. so köstlich. und Hand schlug fest in Hand. Dann führte man zum Saale sie alle unverwandt.161 Es setzten aus dem Bügel die Fremden kaum den Fuß. recht lange ist es her. sprach er: „Wollt Ihr in Gnaden mich Anhören. Erlaub’ ich gern zu sagen. An seiner Rechten nahm er den Gast mit sich hinauf Zum Platz an seiner Seite. der uns so lieb gewesen wär!“ Die Gäste dankten höflich. Dann aber trug man auf – – Wie gerne trank man einmal mit Freunden! – süßen Met Und Wein.

mit denen Helche sich umgab. Doch wieder griff zum Worte der edle Rüdeger: „Erlaubt Ihr. Daß Helche starb!“ Ja. Vertrauern ihre Jugend. Sein ganzes Volk ist freudlos. eh noch der dritte Tag verfließt. Helche. Was mir mein großer Herrscher Euch zu bestellen gesagt. wie sein Herz ihm rät.“ „Vergelte Gott“. Ich hoffe. berichte ich Euch mehr. Die edlen Fürstenkinder.“ 1193–1200 . der meines Königs Herz bewegt. Es ist der gleiche Kummer. sie möchte einst gekrönt An seiner Seite stehen. ich klag’ es. Was ihn bedrückt. der sie berät und pflegt. verdüstern ihr Gemüt. wahrlich. Mein Herr erfuhr. ob Ihr Kriemhild damit willkommen seid. daß sie gern sich nach meinem Wunsch entschließt. einst meines Herren geliebtes Weib. verwitwet sei Kriemhild. und seine Botschaft geht An Euch und Eure Freunde so redlich. wie er es mir gebot.162 Da sprach der edle Bote: „Euch allen hier am Rhein Soll ich der Überbringer der schönsten Grüße sein Von meinem großen König. wär es Leids genug. Verwaist sind all die Jungfrauen. denn unsere Frau ist tot. König Gunther. Ihr edler Mann gestorben. Da er in seiner Trauer um Helche doch vergeblich klagt. was er ersehnt!“ Der König sprach mit aller gebotenen Höflichkeit: „Ich weiß nicht. in ihrer Zucht erblüht. Das ist’s. sprach Hagen. So drang in sein Gemüt Der Wunsch. wenn Ihr’s vergönntet. – sein Weib. „Herrn Etzels Gruß! Wie gern Erwidere ich mit gleicher Gesinnung deinem Herrn!“ Und Gernot sagte: „Klagen sollte die Welt mit Fug. und Siegfried. sprach Gunther. im Grab. Erwartet unsere Antwort. Da ist niemand am Hofe.

Zu ernstem Rat berief Gunther die Freunde. doch klang die Sorge aus seinem Wort bereits: „Selbst wenn sie möchte. Sie rieten zu. ob’s wohl geraten schien. So blieb Rüdeger drei Tage am Hofe. daß ich dagegen bin!“ Man schickte auch zu Gernot um Rat und Giselher. was ich von Etzels gewaltiger Macht erfuhr! Ist sie sein Weib. die man für ihn ersann. „kenn ich doch keinen Haß. er blieb bei seinem harten Nein. nehmt ihr den Vorschlag niemals an. wenn ich ihn nur in Frieden laß. Was auch die anderen meinten. hier im Lande war er als Freund geliebt. Er sprach. Nur Hagen stand unmutig abseits. wie er sie früher schon geübt. würde sie mächtig auch und groß. Ich bin ihr Bruder. solltet ihr hindern diesen Plan. Brüder. daß es nur billig war. wär’s Kriemhild wirklich lieb?“ Sprach Gunther. Sollt’ ich ihr gönnen. Mein Freund bleibt Etzel. Und Frieden will ich wahren. Gern tat ihm Hagen Dienste. Froh verlief Die kurze Zeit den Gästen. wird sie auch Königin. Ließe man die Schwester als Königin zu den Hunnen ziehn.163 Fürsorglich nahm sich jeder der lieben Gäste an. Sah Rüdeger. Nur Hagen stand allein. Wenn Kriemhild Königin würde. 1201–1207 . Aus all den Freundlichkeiten. Sie meinten gleicherweise.“ Doch Hagen wiederholte: „Denkt dran. wird Sorge und Argwohn nimmer ruhn. Euch Tag und Nacht mit Fragen zu quälen: Was wird Kriemhild tun?“ „Warum?“ sprach Gunther ruhig. Wenn ihr es recht bedenket. helfen sollt’ ich ihr zu so schönem Los.“ „Warum sollt ich’s versagen.“ Doch Hagen sagte: „Wüßtet ihr anderen wenig nur Von dem. „Was im Leben ihr noch an Freude blieb.

Gewinnt sie Etzel. Die Brüder rieten. Versagt. „Ihr selber solltet mild Nach so viel Leid bedacht sein auf Tröstung für Kriemhild. Hagen. für sie zu sorgen. behalte ich einst recht. was hinterhältig wär. Denkt! Unsere Ehre hängt daran. was Ihr wollt –. Eh uns das Schicksal tödlich mit ihr verfeinden kann. sinnt sie auf eines nur.“ 1208–1215 . Sein Volk sei zahllos. wenn Ihr auch ängstlich wehrt und grollt. Den Vorschlag machte Gere: „Ich gebe ihr bekannt. mächtig und riesengroß sein Reich.164 „Freund Hagen“. Laßt sie hier! Seid klug und hart. Was sie erlitten. werde er ihr entgelten überreich. Will ich mich drüber freuen. So sterben wir und sie. so helft nun mit zu ihrem Glück!“ „Ich sage. Sie wollten es gewähren der Schwester ohne Widerstand. auf unseren Tod!“ Doch Gernot fiel ins Wort ihm: „Vielleicht geschieht es nie. was in weitem voraus mein Auge sieht. sagte Giselher. Ihr Gram war Euer Werk einst.“ Ungern vernahm es Hagen. verwehrt es ihr. Wie sie es fügt. Erfuhr doch keine Frau je ein solches Wehgeschick. – Steigt sie auch hoch an Ehren. wer weiß es? Sie trifft uns. Daß Etzel Boten schickte und warb um ihre Hand.“ Da wallte auf im Zorne und Eifer Giselher: „Wir sollten nichts beschließen. Daß wir sie dort besuchen. Trägt Kriemhild Etzels Krone. Viel tausend Männer stehn ihr dann willig zu Gebot. Daß uns von dieser Heirat die schwerste Not geschieht. Er war des Unmuts voll. wie’s Männern geziemt.“ Noch einmal warnte Hagen: „Wenn ihr auch widersprecht. Uns ziemt. wenn sie der Werbung folgen woll’ Als Königin und Gattin ins ferne Hunnenland. – sagt.

der mir nicht unwillkommen wär! Sagt ihm. neu gefühlt. Giselher. Möge er Im Wohngemach mich finden. Wie könnte Siegfrieds Gattin je eines anderen sein! „Dann laßt doch“. Daß Ihr und Eure Freunde so übtet euren Spott An einem armen Weibe! Was sollt’ ich einem Mann. Die ihr mit Zuspruch nahten. den rechten Ton. Selbst Gernot. Von Eurem Bruder meld’ ich’s. sein erfahrenes Gemüt verstünde schon Zu klugem Rat zu finden das rechte Wort. Der weiß. erwarten wollt’ ich ihn morgen. Zu sagen ihr. der seine Werbung gern empfing. Daß er in Wort und Mienen so seltsam fröhlich war. „Verdienen möcht ich gerne ein schönes Botenbrot.“ Da wehrte Kriemhild traurig! „Verhüten sollte Gott. Dort geb ich ihm Gehör. Dann gab es keinen Boten. wie nie ein Mann Als Herrscher unter einer fürstlichen Krone ging. sehr in Verwunderung zwar. erhaben. „Wie gern Seh ich von Bechelaren den vielgetreuen Herrn! Weit reicht sein Ruf und Name! Käm er nicht zu uns her. Mich schickt das Glück. 1216–1223 . Euch zu gewinnen. Und sag ihm. Er wußte. wie Weibesliebe auf dieser Welt beglücken kann?“ Sie wehrte sich mit Abscheu. „den Boten freundlich zu Euch ein!“ „Das will ich nicht versagen!“ erging ihr Wort. was die Stimme im Herzen mir befiehlt!“ Sie blieb allein. machtvoll. Beenden will’s endlich Eure alte Not. kamen am Hofe Werber an Von einem Herrn. bat man schließlich. warum er nach Worms gekommen war. erreichten auch nicht mehr. Nichts anders war im stillen auch Rüdegers Begehr.165 Kriemhild empfing ihn gütig. bezwungen vom alten Schmerze.

Zur Tür entgegen schritt sie Herrn Rüdeger und lieh Ihm Worte der Begrüßung. die anderen verstanden doch. Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdeger: „Herr Etzel. schickt uns her. Zu würdigem Empfang War alles aufgeboten. worauf sie sann. Von ihren Wangen perlten die Tränen auf die Brust. wie’s zukam ihrem edlen Rang. unruhevoll und tief bewegt. noch niemals abgelegt. Wir soll’n. sprach mild die Königin. daß Ihr die Botschaft hört. Als Künder seiner Neigung und Freundschaft an den Rhein. Sie sah’n Kriemhild umgeben von ihren schönen Frau’n. Wie all der anderen Antlitz auch ihres kummerblaß. Kriemhild im Trauerkleide.“ So gütig klang’s. Ringsum das Volk umdrängte ihn. „Da ich solch edlem Boten gerne zu Willen bin. die hier versammelt stehn. die Boten seiner Liebe sein. ich hör es um Euretwillen an. Doch sie in ihrem Leide war traurig anzuschaun. Mein Herr an Euch in Ehrfurcht durch meine Zunge läßt ergehn!“ „Gern sei’s erlaubt. aller Hunnen Beherrscher. hohe Königin. Eckewart Und Markgraf Gere standen vor Kriemhild ernst und hart. Vom alten Leid ihr Auge wie das der Herrin tränennaß. Zum Ehrensitze wies man die Männer. Saß wartend in Gedanken. Die von den Abgesandten. immer nährte den alten Gram noch ihr Verlust. so ist sein Auftrag. Was Ihr mir bringt.166 Zur Messezeit am Morgen in aller Früh erschien Der edle Bote. Dann nahm der edle Rüdeger zuerst das Wort: „Gewährt Die Gunst uns. dann gütig wandte sie Sich zu den zwölf Begleitern. Sie merkten. Herr Rüdeger“. 1224–1231 .

Wie ihre Stimme galt Im Rate seiner Männer.“ Kriemhild gab trübe Antwort: „Wie lockte künftig mich Noch Weibesglück! Das alles genoß in Fülle ich In eines Einzigen Liebe. und alles Herzeleid versiegt. wie es Frau Helche genoß in alter Zeit.“ 1232–1238 . Als Morgengabe schenkte er Euch das ganze Land Von dreißig Fürsten. den in der Welt ein Weib gewann. So reich. Frau’n fürstlichen Geblütes von königlichem Rang Umgäben Euch. Und wäre es mein König. Da ihn der Tod mir nahm. die er zu Boden zwang mit starker Hand. Bleibt mir bis an mein Ende nichts anderes als Weh und Gram. die Helche dienten jahrelang. Als neu in einem anderen zum Glücke auferstehn. ich könne beglücken einen Mann. All das wird Euch Herr Etzel als seiner Königin verleihn. wie mein Leben trüb ist und kummerschwer. Die schon zu Helches Zeiten ihr Ehrgeleite war. Der hoffte nicht. Mit zwölf der schönsten Kronen wär’ Euer Haupt bereift. Sie starb. Dazu verspricht mein Herr Euch die volle Herrschgewalt. und Mädchen. Euch zu schenken Lieb ohne Leid. Wenn es in rechter Liebe zu ihm sich neigt und fügt? Dann blüht das Leben wieder. Die Helche einst besessen. des Hand Ihr willig greift. Als ihrer Herrin diente Euch jene Ritterschar. Da neigte sich Frau Kriemhild: „Herr Markgraf Rüdeger. und keine Stunde des Glücks vergönnte ihm sein Leid. Wüßt’ einer. Verlor ich doch den besten.“ „Was kann ein Herz im Leide wohl Besseres ersehn.167 Ihm lebt ein Wunsch im Herzen: Ein gütiges Geschick Gewähr’ ihm. – ein Glück. sollt Ihr entscheidend sein.

Daß ich das Glück beweine. dann will ich euch voll Genüge tun.“ Dem fügten sich die Hunnen. Dann werden unsere Männer auch wieder frohgemut. allzu lange dauert die Trauer. fließt die Tränenflut. werd’ ich nie wieder froh. rühmst du mit Macht und Reichtum so? Zwingt ich nicht meine Tränen. mein Bruder. hab’ ich doch nur noch dies. verblichen ist die Schönheit ganz. Da gibt es frohe Jugend. Du wirst noch einmal glücklich.“ Frau Ute sprach der Tochter mit guten Worten zu: „Was deine Brüder raten.“ „Warum. Ach. Ist Etzel Euer Mann erst. Die Trauer wird vergehn. Drum. Königin. Kommt morgen früh. bat sie den Bruder Giselher Und Ute. mein liebes Kind. An Etzels Hof erheitert sich selbst der trübste Sinn. Antwort und Rede stehen auf euren Wunsch und Plan. das tu! Dann wird vielleicht am Ende noch alles wieder gut. Wie soll ich dort am Hofe bestehn bei Spiel und Tanz? Und war ich schön vor Zeiten.“ 1239–1246 .168 Sie sprachen trotzdem weiter: „Vieledle Königin. wird Euer Leben wieder schön. So groß und mächtig steht Kein Königreich wie Etzels! Das ganze Land ist sein Vom fernen Meer zur Elbe und von der Rhone bis zum Rhein. Als sie gegangen. ward es auch gar ungern getan. Wenn Eure schönen Jungfrau’n ein neues Freundschaftsband Vereint mit Helches Mädchen daheim in unserem Land.“ Da sagte Giselher: „Was auch ein anderer rät. laßt Euch raten! Es wird noch alles wieder gut!“ Zart wich sie aus: „Laßt heute die Sache noch beruhn. denn den anderen vertraute sie nicht mehr: „Ich bin zu arm für Etzel. das mich mit Siegfried einst verließ.

was geschehen ist. daß sie sich für Etzels Wunsch entschied’. bis Rüdeger heimlich zu ihr geneigt Vertraulich sprach: „Wenn künftig Ihr je mir sagt und zeigt. Nur trauern. Noch einmal bat er innig: „Gebt endlich mir Bescheid! Was soll ich dort verkünden.“ Getröstet hörte sie ihn an. Soll ich an einen Heiden verschenken Seel’ und Leib? Und Schande wär’s verriet ich damit die Christenpflicht. Daß meiner Ihr bedürftet. bevor Ihr lebenssatt und alt?“ Auch das half nicht. Dann kamen ihre Brüder. sie werd’ im Leben nie Mehr eines Mannes Gattin. Die Hunnen wären gerne gereist. Ach. Dereinst an Gold und Silber. 1247–1255 . – ich tu es nicht!“ So schien es denn beschlossen. – Herr Rüdeger fand ein trüb’ Gesicht. Gott möge ihr seinen Beistand leihn. weinen dürfe sie. Die sie verschenken könne wie einst zu Siegfrieds Zeit. ob gut. Sie sann und rang in Tränen Stunde um Stunde hin Um rechten Rat und Willen bis zu der Frühmette Beginn. und jeder sprach und riet Ihr wieder zu. ob nicht Die Werbung ihnen glückte. Sie lag im Bette wach Und hing bis an den Morgen ihren Gedanken nach. dann bin ich Euer Mann Und räche. Erfüllung oder Leid?“ Wehmütig gab sie Antwort. keine frohe Stunde ließ ihr seitdem das alte Leid. Gäb’ er mir alle Reiche der ganzen Welt. an Kleidern reich zu sein. Kriemhild erwog im stillen: „Ich bin ein christlich Weib. Da sprach der Markgraf tadelnd: „Falsch tätet Ihr daran! Wohl könnt Ihr noch beglücken in Ehren einen Mann! Wozu ward Euch die schöne und frauliche Gestalt? Warum dem Glück entsagen.169 Da wünschte sie.

daß ich schenken. das Schicksal rüstet die Rachestunde schon für mich. zahllos wie Meeressand.“ Sie sann: „Hat Etzel Männer. und weh Dem Feinde. der nächste dazu seid!“ Da willigte der Markgraf schnell ein: „Nehmt darauf meinen Eid!“ So schwur mit allen seinen Gefährten Rüdeger. werben mag. wenn künftig je Für Kriemhilds Leib und Ehre von irgendwem Gefahr entsteh’. Er hat so viele Ritter. von dem jemals Euch das geringste Leid geschäh’!“ Das sank wie Trost und Hoffnung in ihrer Seele Grund. Daß Ihr. gewinnen. Ich nähme ihn zum Manne.“ „Dies fromm’ Bedenken“. was ich will! Dann füllt sich meine Hand Mit Gütern. sprach er. dann gilt mir alles gleich. Mit Blut und Leben stünde zu ihrem Dienste er. wie es sein Wunsch begehrt. Wer weiß. Drum sagte sie: „Dann soll mir beschwören Euer Mund. die gute Christen sind.170 So fuhr er fort: „Vertraut mir und weint nicht! Hättet Ihr Im Hunnenlande keinen Beschützer außer mir. Sie dachte nach. Niemals versagen werde sein Schwert.“ 1256–1262 . Ich und die Meinen stünden stets für Euch ein. Mit denen Ihr gemeinsam des Glaubens Trost gewinnt. Wird Mannes Herz so leicht doch von Weibesliebe umgestimmt. fehlt mir der Rächer. die Treue: „Werd’ ich einmal so reich An Freunden und Beschützern. Ob Hagen mir auch raubte. – Dann folgte ich Euch gerne – Herr Etzel wär ein Christ. was reich in meinen Händen lag. Dann tu ich.“ Sie wandte sich an Rüdeger: „Wenn ich nur eines wüßt’. „ist keine große Sorge wert. Zu grausam leide ich. Vielleicht könnt Ihr ihn leiten. Was auch die Leute reden. daß er die Taufe nimmt.

so sehr. ließ als Waffe dem Feind ich solches Gut! Ich weiß genau. – Gedachten sie’s zu wenden? – Sie schwiegen. Doch ob auch den drei Brüdern der Plan zu Ohren kam. bis Kriemhild sich ergab: „Ich will es tun! Ich ziehe ins Hunnenland hinab. Hier meine Hand! Und damit nehmt mein Verlöbnis an.“ Kriemhild erfuhr erbittert. es fehl’ an Rossen. Und mahnt Ihr je daran.171 Die Brüder baten. Nur Rüdeger wurde fröhlich. geleitet mich zu meinem Mann!“ Froh rief der Markgraf: „Rüstet! Nicht länger zögern wir. Drum soll im Lande bleiben Siegfrieds gefährlich Gold! Wie töricht. Führt mich zu Eurem Herren. Hagen erriet die Absicht. sein Haß und Argwohn ruhten nie. Geschmeid’ und Kleider lagen. ihn fortzuschaffen duld’ er nicht. worin geschont. Facht gegen mich zu Flammen damit den Hunnenhaß. Er sprach: „Ich weiß. was Hagen unternahm. Sagt ihr. gespart. drängten. Kostbare Sättel. was Kriemhild mit diesem Horte plant und tut. Hagen woll’ ihn behalten. Behält sie ihn in Händen. – Was ich versprach. schürt sie ohn Unterlaß. als ging es ihm nicht nah: 1263–1274 (1267) . daß Kriemhild mir feindlich zürnt und grollt.“ Da schloß man auf die Kisten. Kriemhild besaß genug noch vom Nibelungengold. Hundert Pferde brauchte. Zäume von Siegfrieds Zeiten her. ja sagt ihr ins Gesicht. ich halte furchtlos mein Wort als treuer Mann. Fünfhundert meiner Sippen und Männer folgen mir Als Euer Brautgeleite. Daß alles für die Reise recht ehrenvoll und stattlich war. seit langem wohlverwahrt. wer es fortschaffen wollt’! Den Hunnen einst die Schätze zu schenken dachte sie. nichts geschah.

Auch nehm’ ich Männer mit mir. Empfang und Fest. Drum. als Ihr verließet. sprach sie. – Vielleicht. daß ich Euch ferner bis an mein Ende dien’ –. er gönnt Euch überreiche Schätze. – – „Wer“. „wird begleiten mich in die fremde Welt? Hatt’ ich doch manchen Freund hier.und Opfergeld. Laßt alles hier! Sind wir doch mit allem reich versehn. sei es denn der Tod. treu und gut. Für jeden Fall gerüstet. der mir zur Seite stand. Ersetzen wird Euch Etzel weit mehr. 1275–1284 (1276) . Daß wir die lange Heimfahrt ohn’ alle Not und Sorg’ bestehn. ich schwöre es. Zum Seelenheile Siegfrieds als Meß. Des Königs eigene Schlüssel stieß selbst er in die Tür. wir ließen ihn gern an seinem Ort.“ Da trat Graf Eckewart zu ihr: „Weil manches Jahr Ich Euer erster Diener und treuer Schützer war.“ Schweigend dankte Kriemhild für das willkommene Angebot. fünfhundert. Ruht erst auf Euch sein Auge. Nahm dreißigtausend Mark und mehr an Geld heraus Und gab’s zu Gunthers Freude verschwenderisch an die Gäste aus.172 „Was klagt Ihr. laßt mich mit Euch ziehn. die Ihr niemals verschwenden könnt. hohe Königin? Was Ihr hier eingebüßt. bedacht auf Eure Hut. Der soll von meinem Schatze beschaffen Rosse und Gewand. Nichts soll mich von Euch scheiden. Noch tausend Mark ließ Kriemhild zurück. Stolz wehrte ihm Herr Rüdeger: „Wär’ auch der ganze Hort Ihr eigen noch.“ Gernot allein ergrimmte ob dieser Ungebühr. Das sollte reich und hold Als Frauenzierde dienen zu Fahrt.“ Doch Kriemhilds Mägde hatten zwölf Schreine voll mit Gold. Die Treue kann nicht wählen. Königin. Mit Schmuck gefüllt und Steinen. den letzten Rest.

bis an der Donau grün Gestad’. Des trübe Abschiedsstimmung auf allen Mienen lag. sein Wunsch sei schon erfüllt. voraus ins Hunnenland. 1285–1289 (1286) . Auch tausend Reiter folgten zum Schutz den weiten Weg entlang. sie unterließen nicht. und wie die Ehrenpflicht Und Sitte es gebieten. Ortwin und Gere eilten mit Rumolt weit voraus. Bald führe Markgraf Rüdeger ihm zu die edle Frau Kriemhild. In vielen nassen Augen sah Kriemhild. den Reisenden mit Rat Und Tat getreu zu helfen. Die Schwester zu begleiten zu Liebe ihr und Dank.173 Man ließ die Rosse satteln. Nachtlager zu bestellen. Dem Könige zu künden. Mit Giselher kam Gernot. Die schnellsten Reiter waren bereits vorausgesandt. Zur Seite ihr stand Ute und weinte still betrübt. Als man am Rhein noch weilte. wie man sie geliebt. Ein wenig nur ritt Gunther mit ihr zur Stadt hinaus. Nun kam der letzte Tag.

wo man Pilgrim. Dort waren kühle Hütten errichtet und Gezelt. Doch hätte Rüdeger wahrlich verhindert jeden Überfall. Zur Schwester sagte Giselher: „Wenn du zu Schutz und Wehr Mich jemals brauchst. Dann kamen sie nach Everdingen. Dorthin kam Gotelinde. wie lieb es Rüdeger war. 1291–1305 (1290. Jenseits der Traun und Enns hin dehnt sich ein weites Feld. Dort sollten fröhlich sie In Ruhe sich erholen nach ihrer langen Reisemüh’. so meint’ er. wo weiß der Inn Sich in die breite Donau ergießt.“ Ins Bayernland gelangten sie dann. nun befreit Von Sorge. dann rufe. wäre es lieb gewiß und recht. wartend fand Zu freundlichem Empfange. da’s lange Trennung galt. Wie Rüdeger befohlen. Kriemhild. den Bischof. die in Bayern droht’ mit Raub und Streit. Schon kam in schnellem Trabe heran die Reiterschar. Woran im Land die Leute gewöhnt sind überall. war er doch Kriemhild nah verwandt. Der Markgraf hatte sorglich entboten Gotelind Mit ihren edlen Frauen und reichem Hofgesind. 1296–1301) . du rufst mich nicht vergeblich her. Man sah. Die Pferde trabten schnell.174 XXI. Die Gäste zu empfangen. 1293/94. Gar zierlich an den Zäumen erklangen Glöckchen hell. und weiterhin Nach Passau. Wenn Gotelind als erste ihr Gunst und Gruß entgegenbrächt’. Wie Kriemhild zu den Hunnen reiste Bei Vergen an der Donau machten die Brüder Halt Zu letztem schweren Abschied.

die ihr das Herz so lang beschwert. 1314) . Da schwand ein Teil der Sorge. Der Tag verging. Sah ich doch schon seit langem nichts lieberes als Ihr es seid. Bis wiederum am Abend manch Lagerzelt sie kühl umfing. 1309–1316 (1305–1308. daß ich Euch schon heut erschauen kann In Eurer reinen Schönheit und stolzen Weiblichkeit. Vom Pferde sprang der edle Mann Und hob sie auf den Rasen.175 Der Markgraf ritt dem Zuge entgegen. bis er nah Anhielt vor Gotelinde. Die jungen Ritter suchten beflissen werbend nun Den Frauen ihre Freude und Zärtlichkeiten kundzutun. doch nah im Herzensgrund Umfingen sich die Frauen und küßten sich auf Wang’ und Mund. was an neuen Geschichten in der Welt geschäh’. Da ritt Kriemhild entgegen der edlen Markgräfin Inmitten ihrer Frauen.“ Mit feinem Anstand grüßten und fanden sich bereits Die Mädchen zueinander. Da wich das Volk. Ihr erster Blick ersah. Man schenkte in die Becher den dunklen Ungarwein Und freute bis zum Mittag sich am Zusammensein. Daß er gesund und fröhlich vom Rhein zurückgekehrt. Die Gräfin nahm sich Kriemhilds mit guten Worten an: „Wie lieb ist mir. nahm eines Ritters Hand Und ließ sich aus dem Sattel hernieder heben auf den Sand. Die Ritter ihrerseits Umgaben sie mit Plaudern. Gemeinsam brachen alle dann auf. So taten’s alle dann. Sie grüßten sich. Es hielt die Königin Ihr Pferd am Zaume zügelnd. – Noch fremd wohl. Der Bischof Pilgrim brachte sein liebes Schwesterkind Kriemhild mit Eckewart zugleich zu Gotelind. Man saß im grünen Klee Und fragte.

Verdrießlich klagte man. Genug an Kurzweil gab es. dann komm’ ich ins Hunnenreich Euch nach. Nun kam die Burg in Sicht schon. In Bechelaren war Schon alles vorbereitet. – weit und breit In Ställen und in Kammern war alles schon zur Rast bereit. der Burghof. Behaglichkeit zum Ausruhn schuf Rüdeger für Freund und Gast. Doch manchem war’s nicht lieb. Auch Kriemhild gab und schenkte aus dankbarem Gemüt Gotelindes Tochter Ringe. Doch Rüdeger war um jeden freundschaftlich bemüht. Bei Euch zu sein. Die Kämmerer nahmen wahr Die Sorge für der lieben Gastfreunde Ruh und Rast. Auch fremde Leute. Da fanden schnell vertrauend einander Hand und Hand. Von stolzer Höh’ empor Sah sie ins Blau. die Brücke. Bald saßen sie im Saale. weit offen die Fenster. Wer sie nur sah. Mein Vater gibt nach. Wie man die Zeit vertrieb. Das schöne Kind des Hauses bat Kriemhild leis und sprach: „Erlaubt Ihr mir’s. So wenig ihr geblieben von Siegfrieds Nibelungengold. der war ihr gewogen gleich und hold. die sie bis dahin nie gekannt. der Dienerschar Gewand Vom besten. Tür und Tor. war doch das Kind so liebenswert. Gerührt versprach es Kriemhild. wenn Ihr’s gewährt“. 1317–1326 (1324/25) . Empfingen edle Steine und herrliches Gewand. Kann ich hier nicht berichten. die Luft ging rein und kühl. Daß man nicht weiterreiste.176 Dort ruhten sie die Nacht durch. Am Tor mit den Gespielen die Tochter Rüdegers stand. Tief unten floß im Grunde die Donau nach dem fernen Ziel. Daß hier in Bechelaren schon allzu lange Zeit verrann. das sie mit sich genommen in das Hunnenland. Den Pfad hinan.

da sie es gut verstand. 1327–1335 . Das war für lange Jahre der letzte Gruß und Abschiedsblick. Zu trösten und zu schenken. im treuen Schutz von Rüdeger. ins Hunnenland zu fahren. Es möge Kriemhild gut gehn im fremden Lande dort. Heiden war er stets gleich bedacht. Bei Melk war an der Straße. Hier hatte König Etzel sich eine Burg erbaut. und darin Freude fand Nach ihrem langen Leide. Die allerkühnsten Helden. Aufs Wohl der Christen. Nun kehrte Bischof Pilgrim um mit gütigem Wort. und später ward sie hochverehrt. Der Wein kredenzt zum Willkomm in goldenem Gefäß. von allen gepriesen und geehrt. Bald sahen sie die Treisam. dem war der Weg bekannt Nach Mautern donauabwärts bis in das ferne Osterland. hieß Astol. Die ganze Zeit bisher Stand Kriemhild im Geleite. Noch einmal schaute Kriemhild zu beiden Frau’n zurück. die hatte er sich zugesellt. So war auch bald gemehrt Ihr Ansehn bei den Hunnen.177 Schon warteten die Pferde am Tor zu Bechelaren. – Helche hatte von hier geschaut Ins grüne Land. dem alten Brauch gemäß. Die Königin nahm Abschied. Nur Kriemhild war ihr ähnlich. Fern über all die Länder hin reichte Etzels Macht. die je in weiter Welt Sich Ehr’ und Ruhm gewannen. Geglichen hatte keine ihr je an höchstem Frauenwert. Die Traisenmauer. Dort war ein Mann.

Im Ritte fehlten die Niemals das Ziel. Erschienen sie. Unübersehbar. Dort ritt von Etzels Horden manch wildverwegener Reiterhauf’.178 XXII. Erreichten in den Lüften die Vögel selbst im raschen Flug. Aus Kiew selbst. Nach Tulln am Donauufer im Lande Österreich Ward Kriemhild nun geleitet. Die Pfeile. Die wilden Petschenegen. ob Heide. Dort sah sie wogengleich Viel fremdes Volk sich drängen. Das Land weit überschauend. Walachen. begierig zu schaun die neue Königin. zahllos zog buntes Volk heran. gleich schien’s. Dann Gibich. Und ihm als Führer folgten an siebenhundert Mann. mit ihm Scharen. die Rüstung glänzend silberweiß 1336–1343 (1337) . Wie Etzel mit Kriemhild Hochzeit feierte Auf Traisenmauer weilte Kriemhild drei Tage lang. Polen sah man auch. die edelsten fürwahr. Aus der Gefolgschaft Etzels kam eine prächtige Schar Von vierundzwanzig Fürsten. aus Fernen des Ostens kamen sie. Da waren Russen. Griechen. seltsam verschiedener Art An Sitten und Gesichtern. Fern unaufhörlich drang Der Staub von weißen Straßen wie Brandrauch hoch hinauf. Ramunc. war tapfer nur der Mann. die Kriemhild nie bisher gewahrt. So ritterlich und fröhlich. Sie ritten wie von Vögeln ein Schwarm entschwirrt im Kreis. Gewandte Reiter waren’s. Ob Christ. ritt rasch heran. gespannt vom harten Zug. getrennt nach Wort und Brauch. stolz in Gestalt und Sinn. Der Herzog der Walachen.

Nun sah man.179 Die Tausendschaft Hornbogens. Da kam mit seinen Freunden der König und umfing Sein Weib. Sie hob dazu den Schleier. Die Dänen Hawart. ein Empfang war’s. Ihr nahte glanzvoll der königliche Zug. Nun wandte sie sich weiter zu Blödelin. Iring. Zu allerletzt erschien Voran dreitausend Pferden reitend Herr Blödelin. Höher schlug Kriemhild das Herz. Erblickte er doch heute zum erstenmal sein Weib Kriemhild. 1344–1351 . das Auge von frohem Glanz erfüllt. Zu Kriemhild sprach Herr Rüdeger: „Laßt uns hier den Empfang Des Königs nur erwarten. daneben sein Genoß Dietrich von Bern mit reicher Gefolgschaft. daß sie so schön wie Helche sei. Zwölfhundert Reiter folgten. Der Bruder Etzels. Der stand dabei. In raschem und königlichem Gang Schritt er heran.“ Man hob von ihrem Rosse die Königin. da nicht jeder die gleiche höchste Gunst genießt. wie es am Hofe Sitte war. Da meinten viele. Ein edles Fürstenpaar Trug ihr die Schleppe. Nun ging sie ihm entgegen. Des Brauches seid nicht bang! Wen Ihr nach unserer Sitte mit einem Kusse grüßt. wie inmitten von Fürsten hoch zu Roß Daher kam König Etzel. Wahrhaftig. das nun den Gatten freundlich mit einem Kuß empfing. Nun sprang Auch Etzel ab. der Thüring Irnefried. – mit Lärm und Waffenklang Nach Landessitte brauste vor Kriemhild sie entlang. wie keiner Königin mehr geschieht. Sag ich Euch. Da überstrahlte licht Der Zauber ihrer Augen das liebliche Gesicht. Weithin erfunkelten die Reih’n Hell im Vorüberfluten von Rossesschmuck und Waffenschein.

Und sonderlich die Jungen. An einem Pfingsttag war es. Indes die Hand Kriemhildes in seiner Rechten lag. Fröhlich verlief der Tag. ganz gleich ob Heide oder Christ. darauf Herrn Dietrich auch. erbaut war Zelt an Zelt. Dort saß auf weich gewirktem Hochsitz die Königin. sich zu messen. Bis früh die Sonne aufstieg und alle schon im Aufbruch traf. daß Frau Kriemhild arm sei an Geld und Gut. 1362–1364) . Und man mit großem Aufwand empfing das königliche Paar. da Etzel hielt in Wien Das Beilager mit Kriemhild. war manchem nicht bekannt. daß sie mit ihrem Reichtum Wunder tut. Wie Rüdeger befohlen.180 Ihn küßte sie auf Rüdegers Geheiß. Nun aber zeigt sich. Die Ritter führten höflich die Frauen. Wo schon die frohe Hochzeit voraus gerüstet war. Und neben ihr gab Etzel sich ganz der ersten Freude hin. Sprach er mit ihr und Rüdeger. Ein fröhliches Turnieren begann mit Schaft und Schild. Wie gut sie schenken konnte. Rings im Feld. Heut galt dem schönsten Ziele der Ritt. Nun blieben Seit an Seite Herr Etzel und Kriemhild. dann nach dem Brauch Den edlen König Gibich. Jetzt rühmte man den Gästen der Königin offene Hand: „Wir glaubten. Dann fanden in den Hütten sie endlich Ruh und Schlaf. Der neuen Königin schien Zahllos das Volk und größer als das in Niederland. Man kam nach Wien. Gedachten sie doch länger in Tulln nicht zu verziehn.“ 1352–1366 (1353–1355. Versuchten. Und dann noch zwölf der ersten aus Etzels Heldenkreis Als ihrer freundschaftlichen Gesinnung ersten Gunstbeweis. Das dort zu Siegfrieds Zeiten in Pflicht und Dienst des Fürsten stand. wie’s heut noch üblich ist.

der künftigen besseren Zeit.181 Ob andere reichlich gaben. Näntwinens Tochter. der Helche Schwesterkind. Herr Dietrich tat noch mehr. Als Herrin hier gebietend. 1367–1381 (1368–1370) . Als unter ihrer Krone Kriemhild zum erstenmal erschien. Und neben ihnen Herrat. Die Fahrenden und Armen. Die Hitze abzuwehren. Zuweilen quoll im Herzen ihr die Erinnerung An ihren edlen Siegfried. war fest ein weiß Gezelt. Der neuen Herrin harrend. Die sieben Königstöchter. doch barg sie die nahen Wehmutstränen gut. Dort standen schöne Jungfrau’n. Wetteifernd schenkten Blödel und auch Herr Rüdeger. die vielen Fremden auch Erhielten reiche Gaben nach dem uralten Hochzeitsbrauch. Volle siebzehn Tage verliefen festlich so. An tausend Mark erhielten wohl Swemmel. wie sie vor Jahren jung Am Rhein bei ihm gesessen. Von Etzels Burgturm schaute manch wartend Auge her. Im schönen Wieselburg erst schifften sie sich ein. bestimmt zu Kriemhilds Ehrgeleit. Nach achtzehn Tagen brach man von Wien nach Ungarn auf. Nun ließen sich’s die Frauen an Bord wohl und zufrieden sein. Wärbelin. dann stieg die heiße Glut Ins Auge ihr. in Helches Dienst bisher. Die Schiffe waren kräftig vertäut am Bord entlang. Als wäre man zu Lande. zahlreichem Hofgesind. Bei Wind und Wetter sicher zu wehren jedem Wogendrang. am Steven aufgestellt. Dietrich als Gattin bald vermählt. Mit Recht wurden die beiden zum höchsten Glanz des Hofs gezählt. Nach einer Nacht in Heimburg sah man den Donaulauf. Im Übermaß der Freude war man des Glückes froh.

die Huld der schönen Königin. Die Menge der Geschenke und Geld ward unverweilt Aus Kriemhilds reichem Schatze an viele Tausende verteilt. Zu Huldigung und Treuschwur im Kreise ringsumher Die Mannen und Verwandten. des Königs Ruhm im Sinn. getreu zu sein bis in den Tod. 1383–1386 (1382) . Auf Etzels Burg saß Kriemhild als Königin. Man machte das Gefolge der Königin bekannt. Wes Herz nach stolzen Taten und Lebensfreude stand.182 Das Königspaar kam reitend herauf vom Uferrand. Der fand dahin die Wege. schön und hehr. In Ehren stand und Ansehn des Königs Hof und Land. Vor seinem Blick den Reichtum. Mit Blick und Handschlag bot Ihr jeder sein Gelöbnis.

Froh war er seines Kindes. zu sein.183 XXIII. wie Helche war. Sie wußte jetzt. Das lehrte sie Frau Herrat. Daß es nach alter Sitte getauft und christlich ward. gewonnen war aller Menschen Herz. Das nährte ihre Pläne. zwar heimlich. da er die Strafe büßte für ihr Weh? 1387–1392 . lebte vor manchem Tag und Jahr. denn reich und mild War ihre Hand für Arme und Bittende gefüllt. Auch dachte sie der Zeiten im alten Heimatland. Der Eltern Freude teilte das ganze Volk im Hunnenland. Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen dachte So stand im Glanz des Ruhmes durch sieben Jahr ihr Thron. Bedacht war Kriemhild immer. als er Siegfried totschlug. war doch ihr Schmerz wie immer neu. die ihr durch Hagens Hand Genommen. So flossen dreizehn Jahr dahin. blieb doch sein reiches Gut Und seines Landes Krone bei seinem alten Stamm und Blut. In aller Munde war es. Doch hatte sie mit starrem Entschluß darauf beharrt. Längst war Kriemhild von allen geliebt. Nach ihrem Wunsche wurde das Kind Ortlieb genannt. Es wird zwar manche Fürstin geliebt auch anderwärts. jedoch in steter Traurigkeit. Ob künftig je Die Stunde käme. solch edle Königin Gäb’ es in keinem Lande. Des Glückes und der Größe. die immer noch ihr Leid Um Helche trug. Damals gebar Kriemhilde dem Gatten einen Sohn. Wie Helche dachte. Zwölf Könige aber waren zum Tode ihr getreu.

Und sonderlich am Tronjer hätt’ ich mich allzu gern gerächt! Die mir getreu geblieben. gewaltiges Gut ist mein. Sie küßte ihn im Schlaf. Argwöhnen konnte niemand. scheint mir. – wie sehn’ ich sie herbei! Mit ihnen käm auch Hagen! Dann wär’s mir einerlei. Es ging ihr spät und frühe die Frage durch den Sinn: Wie brachte man sie ohne Zuneigung nur dahin. als beide zuletzt das grause Schicksal traf! Es war der Teufel selber. Da sie ihm ja so teuer wie kaum sein eigener Leib. Fest Hand in Hand geschlungen. wie sie den schlimmen Wunsch verstand. Wie fern von ihm war doch sein Weib! 1393–1400 (1398) . – wie es und wann’s geschehen mag. Denn jeder neue Tag Quält mich mit gleicher Frage. Ich rächte den Geliebten. War sie bei ihrem Hasse.184 Wie war es möglich? Wodurch brächt’ ich ins Land ihn her? Sie träumte oft. Und während eines Abends Kriemhild mit ihm allein. Daß sie sich einem Heiden zur Ehe angetraut? „Um seiner Mörder willen ward ich zu einer Heidenbraut!“ Nie schlief in ihrem Herzen der Haßgedanke ein: „Ich bin so groß und mächtig. obgleich sie schon so lang Mit ihm versöhnt. Die Brüder einzuladen hierher ins Hunnenland. sie ginge mit Giselher einher. strafen. wie hart und wen ich möcht’. liebend bei seiner Frau zu sein. Wie anders kam’s. Ob er in seiner Güte den Wunsch gewähren kann. der Kriemhild zwang Zur Feindschaft gegen Gunther. Ich könnte sühnen. doch trotzdem stets unversöhnlich blieb. Und Etzel froh war. Und ewig neu der Haß ihr die Tränen in die Augen trieb.“ Sie dachte oft: Erbitten will ich’s von meinem Mann.

versah sie gut mit Roß und Kleid. denk ich daran. Daß deine Huld beglücke. ihrer Schwester. Daß du sie wiedersähest.“ „Du weißt es“. „Entbietet meine Grüße den Freunden in Burgund! Ich wünsche den Verwandten – das tut gefällig kund – Des Glücks die reiche Fülle. säh’n wir sie bald als Gäste hier. 1401–1410 . „wär’ nur nicht allzu fern Für sie das Ziel der Reise.“ Zwei Spielleute. ich möchte erleben hier im Land. Vierundzwanzig Männer zu schützendem Geleit Gab Etzel seinen Boten. Daß ich mit deinem Herzen der Brüder Freundesherz gewann. sprach Etzel. doch vielen ist nicht kund. Daß sie uns nie besuchten. Sie bat: „Mein Herr und Gatte. das tut mir leid für mich und dich. was mir fehlt? Das bitt’ ich dich. so nennt man hier oft „die Fremde“ mich. die lieb mir sind und nah verwandt. ihm teuer und sonderlich vertraut. lieb wäre mir Und Kriemhild. ist dieser Wunsch auch dein. Wie mächtig sie.“ Sie freute sich.“ „Vielliebe Frau“. zur Fahrt vom Rhein hierher. wie er war: „Warum sollt’ ich’s versagen? Es wäre undankbar. mich quält Schon lange eine Sehnsucht.185 Sie sagte zu dem König: „Mein lieber Mann. Beglückt mich deine Liebe doch reich. Dann sagt. Gewährst du. Warum ich deinen Brüdern noch immer fremd geblieben bin. „daß ferne in Burgund Mir die Verwandten leben.“ Da sagte Etzel offen und ehrlich. sprach die Königin. Dann solltest deine Boten du senden an den Rhein.“ Er stimmte zu: „Schon lange geht es mir durch den Sinn. Schon reifte ihr Wunsch zu künftiger Gewähr. dann lüde ich sie gern. Die wurden mit dem Auftrag der Einladung betraut.

Swemmelin genannt: „Wann wird das schöne Fest denn gefeiert hier im Land?“ „Wenn sich die Sonne wendet. Besteht darauf! Nicht fehlen darf Hagen! Wer vermag Den Weg wie er zu weisen. so lieb wie er Wär keiner mir von allen in weiter Welt umher. Die Leute glauben nämlich. Erinnert. Wie er mich nie verletzt hat. dann sagt und prahlt vielmehr. – sah man sie hier doch nie – Ganz ohne edle Sippe stünd’ Kriemhild in der Welt. kennt er ihn doch seit Jahr und Tag!“ 1412–1419 (1411) . wie es mein Wort euch lehrt. Erzählt auch meiner Mutter. Ich sei vergnügt und ginge im Glücke lebensfroh einher. an seine Bruderlieb’ und Treu. ich dächte an jedem Tage neu.“ Der andere. Und Giselher. Wärbelin. Längst war ich dort gewesen. was ihr nur begehrt. Wie trüb mir oft zumute. Dann soll das Fest erhöhen die Sommerlust und Fröhlichkeit. versprach: „Was Ihr gesagt. ein Held! Und saget meinem Bruder Gernot. wo Kriemhild vertraulich noch zu ihnen sprach: „Nun hört mir zu und dient mir nach Wunsche recht und gut! Wenn ihr geschickt und sorglich nach meinem Willen tut. wie gut es mir ergeht. daß man Hagens Erfahrung nicht verschmäht. das ist die schönste Zeit. daß ihr einem Burgunden je gesteht. Wen ihr von den Verwandten auch dort am Rheine seht. Verhütet. Auch bittet sie recht dringend. war ich wie sie ein Mann. herkommen möchten sie.“ Zur Königin berief man die beiden bald danach Ins Wohngemach. Getreulich ausführt alles. Mach’ ich euch reich und schenke euch alles. Verlaßt Euch drauf! – bestellen wir und reisen unverzagt.186 Da sprach der eine Spielmann.

Geld genug. Die Sporen dann dem Pferde.187 Die Boten ahnten wenig. zu rüsten unverwandt. Gewänder. 1420/21 . warum sie so bestand Auf Hagen. – Doch nun galt es. Rosse. Briefe mit Botschaft. das eilig sie von dannen trug.

Als seien sie im Auftrag Kriemhilds hierher gereist. sobald sie angelangt. Er fragte rasch: „Wie steht es bei euch.“ Den Reiseweg zum Rheine weit durch das fremde Land Kann ich hier nicht beschreiben. von wem gesandt. daß jeder scheute des Königs Zorn und Herrschgewalt. Ihr Silber und Gewand War gut geschützt vor Räubern. Voraus lief zum Hofe das Gerücht. beschenkt nach kurzer Rast. Wie Wärbel und Swemmel die Botschaft ausrichteten Bald war das Fest des Königs in aller Leute Mund. daß man sie willkommen heißt!“ Herr Hagen grüßte beide. und mit Recht!“ 1422–1437 (1433–1435) . Hagen allein war Tracht und Art bekannt. In Bechelaren blieben sie für die Nacht zu Gast. Spielleute Etzels sind es. gut oder schlecht?“ Sie lachten: „Herrlich! Niemals war man so froh dort. Dann schieden sie von Rüdeger erquickt. Bald stiegen sie in Passau beim Bischof Pilgrim ab. Und von den Boten wurde gleich höflich ihm gedankt. dann kam bereits in Sicht Der Dom zu Worms.188 XXIV. Woher. Es sieht mir ganz so aus. Es kämen fremde Boten. „Es gibt was Neues!“ rief er. Der ihnen Gruß und Wünsche für die Verwandten gab: „Sie sollen mir auf der Reise lieb und willkommen sein. Das wußte keiner. denn Etzels Ansehn galt So viel. Sie brauchten nur zwölf Tage. „Besuch kommt hier ins Haus. Auch daß schon auf dem Wege die Boten nach Burgund. Komm ich in meinem Leben doch kaum zu ihnen an den Rhein. Um ihres Königs willen sorgt.

indes in Ruhe ihr Euch pflegt nach aller Mühe der langen Reise im Quartier. den ihr mir überbracht.“ 1438–1450 (1439/40. Der nahen Blutsverwandtschaft. Kein Wort Beschreibt genug. Und wär auch Kriemhild nicht So nahe euch verbunden. ward uns von Etzel auferlegt: Tat er euch was zuleide? Er fragt. das deutlich von aller Lieb’ erzählt. den schimmernd ihre Krone trägt. Dies euch zu sagen. Bestürmten sie mit Fragen. was euch bewegt. besuchen möchtet ihr König Etzel und Kriemhild. Mit der sie euch entbehrten.189 Man führte sie zu Gunther.“ Auch Giselher und Gernot erschienen froh erregt. Was bringt ihr von Etzel. Rings um ihn der Vasallen und Ritter große Zahl. wie ruhmvoll sie thronen herzensfroh. wie sie die Liebe hegt: „Warum kommt ihr nicht öfter an unsern Rhein? Ihr wärt Willkommen und wie Freunde besonders lieb und hochbegehrt. Sein Angesicht zu meiden. sprach Swemmel. Die Freunde will ich fragen. eurem edlen Herrn? Wie geht es meiner Schwester in eurem Lande dort?“ Da sagte Wärbelin: „Ihr Glück ist groß. Der saß im hohen Saal. Er grüßte sie und sagte: „Willkommen heiß’ ich gern Euch hier im Land. Die Etzel und Frau Kriemhild von je für euch gehegt Und von dem Ruhmesglanze. wär’s eure Lieb. Ihr möchtet drum gedenken der alten Lieb’ und Huld.“ „Gern glauben wir’s“. 1443) . Euch und dem Könige gilt Ihr Wunsch.und Freundespflicht. Den Freunden und Verwandten am Hofe geht es ebenso. „doch meiner Zunge fehlt Das rechte Wort. und all der Ungeduld.“ Der König sprach bedächtig: „Laßt bis zur siebenten Nacht Den Wunsch mich überlegen.

“ Wehmütig sagte Ute: „Es ist für mich zu spät. besuchen möchtet Ihr Mit Euren Söhnen Kriemhild. Nun nach der schweren Müh’ Bedacht auf Rast und Ruhe. Ich war’s. verlangten nach der Herberg sie. wenn ihr zum Abschied uns verlaßt. So geht mein Wunsch allein Und mein Gebet zur Tochter: Mög’ sie mit Etzel glücklich sein! Laßt mich’s erfahren. Wie herzlich auch verlangend zu ihr die Sehnsucht geht. Ingrimmig sprach er: „Nein!“ Heimlich gewandt zu Gunther die Stimme sorgenschwer: „Ihr sagt damit Euch selber den Frieden auf!“ So warnte er. So liebe Boten waren hier lange nicht zu Gast!“ Sie sagten’s zu und schieden. Frau Ute sehen laßt?“ Gefällig brachte Giselher sie hin. und was meint Ihr zu dem Vorschlag Etzels? Sagt mir. „Ihr wißt doch. Nur Hagen stand allein. als wäre sie der Tochter nah! „Der Herrin Herzensgrüße und Wünsche bringen wir Und ihre heiße Bitte. was wir taten. „Wie hat euch ihre Botschaft gefallen. Wie freudig sah Die Mutter auf die Boten. Nichts Lieberes geschäh’ Auf Erden ihr. was hier geschehen ist. der Siegfried totschlug mit dieser meiner Hand! Wie dürftet Ihr erkühnen Euch dieser Fahrt ins Hunnenland?“ 1451–1459 . was euch geraten scheint!“ Sie rieten zu der Reise. Dem war der Plan zuwider. zu schwer die Wege. Zu weit. wie’s seine Art war. daß Kriemhild es nimmer uns vergißt. Daß Ihr uns Eure Mutter. Denkt immer dran. er stets zu Rate ging. als wenn sie euch alle einmal wiedersäh’. Mit dem. Indes berief der König den engen Freundesring.190 Da fragte Wärbelin: „Wär’s möglich vor der Rast.

denn längst versöhnte sie Sich mir. Langlebig ist die Rache und ungestillt in Etzels Weib!“ Da widersprach ihm Gernot: „Wenn jene Schuld erneut Euch schreckt. Eurem Rate folg’ ich nicht!“ Es höhnte Giselher ihn: „Da Ihr Euch schuldig wißt. Was kümmert’s mich!“ Der Küchenmeister Rumolt sprach warnend: „Bleibt zu Haus! Wie sieht hier doch das Leben freundlich für jeden aus! Könnt euch mit euren Gästen. rot vor Zorn: „Den will ich sehn. Nur Hagen. Wo ist es schöner als am Rhein? 1460–1466 . – laßt doch Kriemhild bei Etzel sein. mit Freunden gütlich tun! War Hagens Rat doch immer der beste! So befolgt ihn nun! Und wollt ihr ihm nicht folgen. der Schwester Angesicht Je wieder anzuschauen? Nein. Soll ich was sagen. Und Euch die Hunnenreise allzu gefährlich ist. Was einst ihr angetan ward. der immer als Euer Führer vorn Den Zug geleiten könnte. dir allein Mag.“ „Laßt Euch ihr Wort nicht trügen. dann hört auf Rumolts Rat. unversöhnt im Herzen. Soll’n wir darum entsagen. Der euch von jeher immer die besten Dienste tat. verzieh. die es kühnlich dran wagen.191 Dagegen meinte Gunther: „Kriemhild vergaß. Und laßt nur. eh’ sie geschieden. Womit sie durch die Boten Euch freundlich laden ließ. teilen unsere Fahrt!“ Der Tronjer wallte grimmig verletzt auf. Und ihr bleibt hier zu Hause. dann geht es an Ehre Euch und Leib. wagmutiger als ich! Wollt Ihr’s nicht lassen. – gut dann! Ich bin bereit. und wenn Ihr selber den Tod im stillen scheut. Hat sie Euch dort. war es auch sanft und süß. vor aller Not bewahrt. sie feindlich noch gesonnen sein. So bleibt doch hier zu Hause.

daß euch Böses von Kriemhilds Arglist widerfährt. um eurer Frauen Glück! Wagt nicht so unbesonnen das Leben. Und ebenso auch Etzel. bleibt zurück! Wer weiß.192 Vor euren Feinden sicher sitzt warm ihr und getrost. Wer hat in aller Welt wohl ein schöneres Glück erlost? Wo wären Schätze. Wie jeder gern den Aufruf zu froher Fahrt vernimmt. die ohne Furcht und Fehl In Helm und Harnisch blitzten. den Spielmann nannte jeder ihn. Der sang und strich gewandt Die zarten Fiedelsaiten. 1467–1477 . wie es dort stehn mag. Sorglos ihr Herz. Güter. Dreitausend Helden stiegen zu Pferd und folgten flink. und dennoch war ihnen Not und Tod bestimmt. Mit dreißig Mann kam Volker. Sie meint es mit uns gut. So edel Volkers Blut war. Die sollten bei den Hunnen getreulich ihm zur Seite sein. Bleibet im Lande! Das ist Rumolts Rat. – nun gut! der sag’s und bleibe hier!“ Drauf mahnte Hagen düster: „Ich warne vor Gefahr! Wollt ihr’s nicht lassen. so reich wie hier zu schaun? Trinkt Wein vom allerbesten! Freut euch der Liebe eurer Frau’n! Bleibt hier um ihretwillen. daß es allen fast königlich erschien. Ich rat’ euch: Tausend Ritter mit ihrem guten Schwert Verhüten. schützt euch und nehmt der Waffen wahr. „Da Kriemhild uns ja lud Mit schwesterlichen Worten. Der Helden Kampfgewand War herrlich. Sein Bruder Dankwart führte auf Hagens Marschbefehl Die achtzig besten Männer.“ „Wir bleiben nicht!“ sprach Gernot. Warum entsagten wir? Doch wer nicht gerne mit will. zu Gunther an den Rhein.“ Der Rat war gut. Die Ladung zum Aufgebot erging. ob Unheil und Verrat Nicht auf euch lauern.

was bisher nicht geschehn. Sie wußten nicht. sagte Swemmel. Wird gegen euch ein Anschlag heimtückisch dort geplant. Doch Hagen – klug bedachte er seine Weigerung – schlug es aus. Er riet: „Nur sieben Tage als Vorsprung geben wir.’’ Die Zeit war da. Da ihr Verzug nur Tadel erwarb statt Dank und Lohn. Der sprach: „Wir nehmen dankbar Herrn Etzels Vorschlag an.“ Doch auch am anderen Tag Gab’s wieder Hindernisse. Seid stark und überlegen beim Angriff. Erlesen und erprobt schon in mancherlei Gefahr. Eh’ wir das Land verlassen. gab er vor. gar oft in früherer Zeit Bewährt in manchem Streite in ihrer wilden Tapferkeit. Doch wehrten sie: „Da Etzel. Doch sagt. wann soll der Festtag sein?“ „Zur Sonnenwende“. Dann seid gesichert ihr. Behaltet sie. eine Schar. Frau Brünnhild noch zu sehn. es verbot. Doch Volker hintertrieb es. woran es lag.“ Endlich gewährte Gunther. wann soll’n wir kommen. Urlaub verlangten täglich sie zu der Fahrt nach Haus. „Nicht in der Stimmung ist sie heut abend“. Vor ihrem Abschied sollten nach alter Botenart Sie Dankgeschenke nehmen als Lohn für ihre Fahrt. Die Boten Kriemhilds standen verdrießlich wartend schon. Zu Gunther rief man die Boten dann. „laden sie Euch ein. Den Boten Etzels freundlich. Wir leiden keine Not.193 Aus allen wählte Hagen nur tausend. Dann wird sie euch empfangen. Es waren harte Kämpfer. Die jedem guten Worte in hartem Trotz verschlossen blieb. Er tat es ihr zulieb.“ 1478–1489 (1482) . Es fehlt uns ja nichts. „Kommt morgen! Wenn bis dahin ihr Unmut sich verlor. der König. eh’ Kriemhild es ahnt.

Doch ihres Herren Name war mehr als gut Geleit. geschah es aus Liebe doch um Kriemhilds will’n Dann schieden beide fröhlich von Worms. Von ihren Lippen kam Aus Worms die schöne Kunde. Ließen sie es Rüdeger und alle dort erfahren. Freigebig dankte Kriemhild. „er ließ Kein gutes Haar an allem. Der Spielmann nur. als er von unserer Einladung gehört?“ „An einem Morgen war es“.194 Als König Gunther zürnte. Bereit. in kurzem fahrtbereit. schien sie doch froh zu sein. die jeder hocherfreut vernahm. Beim Bischof erst rasteten sie kurze Zeit. So reisefroh die anderen. Doch drang sie wißbegierig rasch auf die Boten ein: „Wer kommt von all den Meinen? – Wer hat den Plan gewehrt? Was sagte Hagen. Dann standen sie vor Etzel. Doch Eure Brüder waren entschlossen alle drei. Hierher zu reisen hieß So viel ihm wie Verderben. Rasch ging die Fahrt. da willigten sie ein. so sagten sie. der König sei in Gran. Sie nahmen’s an. beteuerte. Herr Volker. Daß die Burgundenkönige. Ist unbekannt geblieben und ward uns nicht erzählt. Spornten sie die Rosse zu schärfstem Trabe an. wie Tod und Untergang. ihm war wie vor dem Tode bang. Bis Schwaben ritt Von Giselhers Gefolgschaft ein Schutzgeleite mit. hierher zu reisen. daß er nicht fehlt!“ 1490–1501 . Mit Gold und seidenen Borten der Boten Hand zu füll’n. Auch Mutter Ute ließ es gern ihre Sorge sein. Sich rüsteten zur Reise ins Hunnenland zur Sonnwendzeit. Gastfreundlich aufgenommen im Schloß zu Bechelaren. Wer aber noch dabei. Doch als sie dort erfuhren.

„Doch Hagen hier zu haben. Zu rüsten und zu schaffen für Herberg und Gelaß. hörte er ihren Worten an: „Mein lieber Herr. Denn ihm bin ich gewogen. 1502–1505 . daß diese Sorg’ ein Ende nahm. Weil keiner von den deinen uns zu besuchen kam. die Hände regend. All mein Verlangen steht Auf diese eine Hoffnung. denn viel gab es zu tun. das war nach meinem Sinn.“ Die Amtleute des Königs gingen voll Eifer nun Ans Werk. „fehlte doch Auch mir der nah Verwandten vertraute Freundschaft noch. Um ihretwillen freut’s mich. daß mir sein Anblick nicht entgeht!“ Dann wandte sich die Königin und ging zu ihrem Mann.195 „Den könnt’ ich leicht entbehren“. Wie sie beglückt war. sagte die Königin. War keiner doch von allen gefaßt auf künftigen Kampf und Haß. sprach Etzel. gefällt Euch die Nachricht ebenso? Wie bin ich der Erfüllung all meiner Wünsche endlich froh!“ „Dein Wunsch ist meine Freude“.

Wie die Herren alle zu den Hunnen reisten Wir schweigen von dem Leben. Laßt uns nur ruhig reiten in König Etzels Land.“ „Kehrt einer sich an Träume“. wie’s ging und stand zu Haus. Wir woll’n doch sehn. was falsch ist oder klug.“ 1506–1512 (1508) . Manch einer weinte später. dann unternimmt mein Herr den Zug. Gut waren sie versehen nach Wunsch mit Waffen und Gewand. Die Vögel in den Lüften. doch hat ihn die Reise später sehr gereut. Zum Feste ging es ja. Dazu die sechzig Helden. Geht es nach meinem Wunsche.196 XXV. denn immer denkt Ihr an Kriemhilds toten Mann. Nie fuhr noch eine Mannschaft mit schönerer Hoffnung aus Und reicher ausgestattet zur Fahrt in fernes Land. Lebendig ward’s am Hofe zu Worms von Mann und Roß. wie Kriemhild an ihrem Fest sich freut!“ So riet er zu. sprach Hagen. und ihrem ganzen Troß. Das Traumbild hat mir angst gemacht. so träumt’ ich letzte Nacht. Von Rittern. der sie heut fröhlich scheiden sah. tausend Knechten. Dem Schutze unserer Könige dient dort manch tapfere Hand. „der vergißt Oft leicht. Am Tage vor dem Abschied sprach Ute tief betrübt: „Es wäre mir viel lieber. daß seine Ehre dabei gefährdet ist Und kann schwer unterscheiden. Da aber wies ihn Gernot mit hartem Wort zurecht: „Wie Eurem eigenen Rate Ihr heute widersprecht! Ihr warntet vor der Reise!“ – Und zornig schloß er dann: „Ihr scheut die Fahrt. wenn Ihr zu Hause bliebt. Sei’n tot herabgefallen.

Noch mancher schlang Den Arm um die Geliebte. eh’ er aufs Roß sich schwang. da uns von Kriemhild nichts zuleid geschieht.“ So sprach er. Wenn Ihr es wollt. Da riß sich los. Wie weh tat ihren Herzen der letzte schwere Augenblick! 1513–1521 (1514) . Der warnte Gunther heimlich nochmals vor künftiger Reu: „War doch nach meinem Sinne die Reise nicht. daß mein Kind vor Fährnis und Weh geborgen ist. Wem Ihr indes die Sorge für Land und Leute übertragt. wer zögernd in liebem Arme lag. gebietet! Dann greift nur wacker zu! Gern sitz’ ich auf und reite mit Euch in Etzels Land. Gespannt am Ufer standen rings Hütten und Gezelt. Doch sagt. Sie nagt und zehrt am Glück. Behielt ihr Auge ewig. das Herz von trüber Ahnung schwer.“ „Dir!“ sagte Gunther herzlich. „riet ich Euch nicht dazu. Zum Scheiden – nach dem Plane Kriemhilds zum letzten Scheidetag. „da du der Treuste bist. beweint’ es einst im Übermaß.197 „Furcht war es nicht“. sprach Hagen. Wie er so lebensfreudig und stolz im Sattel saß. Ein Lager deckte drüben weithin das grüne Feld. Wir kommen wieder. Beim Anblick ihrer Männer. Wo einer weint und leidet. da tröste sein Gemüt. Sorg. Am frühen Morgen brauste der Feldposaunen Klang. Kam über alle Frauen die Abschiedstraurigkeit. Ging heller Flötenjubel den Uferrand entlang.“ Schon standen Knecht’ und Pferde bereit. Schlimm ist so lange Trennung. Brünnhilde bat den König: „Bleib hier!“ Die Nacht vorher Liebkoste sie den Gatten. dessen Hieben kein Schild und Helm einst widerstand. zu Pferd im Zug gereiht. Wie keiner sonst war Rumolt dem Könige getreu.

wie bang und kummerschwer Die Abschiedstränen flossen.“ 1522–1529 . Ringsum kein Schiff zu sehen. Tausend Mann im Panzer sprengten sie heran. War doch die Landschaft fremd oft. die Straßen unwegsam. vergessend. Den Strom zu überqueren. Landkundig. Indes er nah zum Grasen sein Pferd an eine Weide band. wo sanfter das seichte Wasser geht Und einen Übergang dir für Mann und Pferd und Troß verrät. „Übel steht’s. Die Reise ging zum Mainstrom. Als allererste Spitze ritt Hagen weit voran. Der König mit den Seinen stand zaudernd. war er dazu der rechte Mann. Bald schlossen sich dem Zuge die Nibelungen an. Wie es auch stand zu Hause. was still und traurig blieb zu Haus. Such eine Furt. ihr Blick ging hell voraus Ins ferne Blau. Bis über Schwanenfelde man an das Donauufer kam. der gestern fröhlich und gesund. Wie oft sah’n ihre Frauen nach ihnen aus.“ Sprach Hagen. und doch Vergeblich stets. „Denn die Donau führt Hochwasser. Als Führer durch die Gaue wies Hagen sein Geschick. Ostfranken blieb zurück. Jenseits das fremde Land Lag fern und unerreichbar. In Kriemhild brannte ja Siegfrieds Wunde noch. Auswege weißt du immer zu unserem Heil genug. „du bist klug. tapfer. Sie saßen ab am Uferrand. ihr seht’s.198 Doch die Burgunden hielt es im Lande nun nicht mehr. Die Hoffnung war gering. weithin geschwollen ging Die Flut in breiten Wogen. Zu Kreisen schwell’n die Strudel und reißen in den Grund Womöglich heute manchen.“ „Wozu die Sorge?“ sagte der König. Jetzt sprang er dicht am Ufer vom Sattel in den Sand.

So wahr mein Wort und Wesen – ich setze es zum Pfand –. Aufhorchend blieb er stehn. Sie sagte: „Reitet weiter getrost in Etzels Land. Da bat das eine Meerweib. was dort Ihr im Hunnenland erlebt. uns Frauen ward Weissagung verliehn. Noch niemals unternommen ward eine solche Fahrt. Entflohen sie und bargen sich schnell auf grünem Plan.“ 1530–1537 (1532) . Erlabten sich im Wasser beim Bade auf dem kühlen Grund. „mein Leben ist mir noch Zu schade zum Ertränken in diesem Wasserloch. Da hörte er ein Rauschen. bevor ich selber sterben kann. Doch kaum. Wir künden Euch. schnell ihm offenbar. Hell blinkend in der Brünne schritt Hagen frei und unbeschwert. wißt. Da lag noch ihr Gewand. Hadburg mit Namen. Wenn ihr dafür zum Danke uns unsere Kleider wiedergebt. Hinauf. Froh. Heimlich schlich er näher. Bleibt hier! Ich streif’ indessen entlang am Uferrand Und suche einen Fergen für unsere Fahrt ans Land.“ Sie schwebten wie die Vögel vor Hagen auf der Flut.“ Er raffte behende Schild und Schwert. Wo Gelfrat herrscht. lachte Hagen. Um so gewisser hielt er die Weissagung für wahr. Es schienen ihm die Worte geheimniskund und gut. daß sie ihn sah’n.199 „Das geht nicht“. Die höhere Ehre brachte und größeren Ruhm. was er zu hören begehrte. schicksalkund. Drei Meerfrau’n. Es plätscherte ein Brunnen. daß sie ihm entrannen. ihn: „Herr Hagen. Das Hagen ihnen hurtig mit einem Griff entwand. Das ist mein heiß’ Verlangen – erst muß noch mancher Mann Mir in den Tod vorangehn. hinab am Ufer – kein Fährmann war zu sehn. als Ihr erfahrt. So ward.

wie es mit ihrem Wort bewandt. sonst keiner weit umher.200 Das waren Worte. Denn tödlichem Verderben bist du im Hunnenland geweiht. eigens nach Hagens Wunsch und Sinn. Betört hat meine Muhme dich listig um ihr Kleid. Um dort zu sterben. Als Sigelind. Aldrianes Sproß. Wie kommen wir hinüber? Zeig mir den Weg dahin genau!“ Sie sprach: „Willst du’s nicht anders. ein schwanengleich Gewand. die mit ins Hunnenland Als frohe Gäste reiten. kehrt gesund Von eurer Todesreise glücklich gerettet nach Burgund. „wenn Ihr betrügerisch droht. Nun sage. die zweite. sagte Hagen.“ Da sann der Tronjer lange und fiel in düsteren Grimm: „Ich muß es meinem Herrn verhehlen. Hagen. Wie sollte das wohl kommen. Dort oben wohnt ein Ferge. wer wünschte unseren Tod? Sagt an. Sie schlüpften in die Hülle. die hat der Tod schon in der Hand!“ „Zwecklos ist“. Ein einziger.“ Unmutig kehrte Hagen sich ab und fragte gar nicht mehr. Willst du zur Heimat wieder. 1538–1544 . daß ihr dorthin nur eingeladen seid. Daß wir zugrunde gehen. Drum gab er ohne Zögern die Kleider wieder hin. steht’s so schlimm. der Kaplan nur des Königs. kluge Frau. Dann sagten sie erst deutlich. vernimm den guten Rat: Flußaufwärts zu dem Fährhaus führt dich der Uferpfad. noch ist zur Umkehr Zeit. wer will uns treffen? Wer haßt uns denn so sehr?“ Da offenbarten beide von künftigen Dingen ihm noch mehr: „Es ist gefügt vom Schicksal und kann nicht anders sein: Keiner von euch allen wird wiedersehn den Rhein. der Worte Sinn erschloß: „Dich will ich warnen. Alle. Denn wisse.

Hier ist ein Herr im Land. ein kühner Held. Dann ruft laut übers Wasser. Jenseits des breiten Wassers am hohen Strande lag es da. der brausend rauh über’s Wasser schwillt: „Hol über! Hier ist Amelrich! Ich bin der Mann. Die überfahrt zu zwingen. Spart nicht das Fergengeld. sonst seid Ihr ihm als Feind verhaßt. Dann hütet Euch. Elses Vasall. Er ist Herr Else genannt. Denn Gelfrat hat zum Hüter des Donaustromes ihn bestellt. Hagen stand hilflos vor der weiten Flut. Gleich wird er sich bequemen. So kam denn keiner. Auch seine Knechte hielten zum Dienste sich zu gut. der glücklich dem Feind und seinem Haß entrann. Ihr wäret Amelrich. Ferge! Hol mich! Dich lohnen will ich gut! Denn schnell muß ich hinüber. Er schwieg und weiter schritt er den sandigen Weg entlang. Wollt Ihr die Mark durchqueren. Gelfrat.201 Da rief das eine Meerweib: „Herr Hagen. Sein Bruder herrscht in Bayern. Denn ich belehr’ Euch noch. seid wachsam. Denn er ist zornigen Sinnes. so laut er konnte. Und zeigt er nirgend sich. auf Widerstand gefaßt! Behandelt gut den Fergen. Vom besten roten Gold Ein Armring soll dir werden als Dank und guter Fergensold!“ Groß war des Fährmanns Reichtum. Der diese Mark behütet. wartet doch! Voreilig geht Ihr fehl sonst. hin über Strom und Flut: „Hol über. die Stimme von Zorn und Grimm erfüllt – Wie Sturmeslaut. Da rief er laut.“ Der stolze Hagen neigte den Frauen sich zum Dank. Sein Dienst war keine Pflicht. Ihn kümmerte kein Bitten. um Geldlohn fuhr er nicht. auch wenn’s ihm nicht gefällt. Bis er am anderen Ufer das Fährhaus ragen sah. Er rief.“ 1545–1552 .

dann räume gleich den Kahn! Uns haben fremde Feinde genug des Übels angetan!“ „Versag es nicht!“ rief Hagen. so fahr’ ich dich nicht hinüber. daß ihn ein Trugwort. Doch als es lag am Ufer.202 An seinen Schwertknauf band er den Armring. denn einen ganz anderen meinte ich. ein falscher Ruf genarrt. Ingrimmig schalt der Ferge: „Heißt du auch Amelrich. „Gebt Raum!“ so tobt’ und schrie Und schlug er drein. „Ich lohne es Euch gern. und sorgen muß ich für meine Herrn. Bleibe hier!“ „Verweigert’s nicht!“ rief Hagen. da sah er Hagen an. daß ihr ans andere Ufer geht!“ Ein langes Ruder griff er. Mit starken Schlägen brachte er schnell das Boot heran. Nehmt guten Sold für Eure Müh’!“ Mit mächtigem Satz sprang Hagen ins schwanke Schiff hinein. Zum Ruder griff der Ferge. Doch kam es für den Fährmann viel schlimmer. Enttäuscht. goldig rot. Führt mich um Gottes willen hinüber. daß Hagen hinstrauchelnd sank ins Knie. Mit einer Stange hieb er dem Tronjer übers Haupt. Daß er mit Heuchelworten von Hagen überlistet ward. Mit deinem Schiffe bring’ Hinüber tausend Männer mit Rossen und Gerät!“ Der höhnte: „Nie geschieht es. Da du mich trogst. Geschwister waren wir. ein lockend Angebot. Mir bist du fremd. Doch große Sucht nach Schätzen erwirbt am End’ nur Tod und Schmach. Da schalt der Ferge zornig: „Soll’s nicht dein Schaden sein. Gierig war er danach. Und hob ihn in die Sonne. Wenn dir dein Leben lieb ist. Fremd bin ich hier. 1553–1561 . Ich will nie Euch diesen Dienst vergessen. als er je geglaubt. Von gleichen Eltern stammend. „zum Dank nimm diesen Ring! Ich bin in Not und Sorge.

Und habt auf mich Verlaß! War ich doch sonst am Rheine als Steuermann bekannt! Ich trau’ mir’s zu. legt ins Gras Die Sättel und Geschirre. es sank ihm fast der Mut. aber Hagen schwieg. das Schicksal rüstet uns allen einen bösen Tag. Hagen. Sie fragten. der verwundert das Blut im Schiffe sah. Kein Fährmann in der Nähe. Die sah’n wie von dem Boden des kleinen Schiffes stieg Der Rauch des frischen Blutes. Ich fürchte fast. der uns durch Flut und Wind Ans ferne Ufer drüben hinübersteuern mag.“ Er leugnete und sagte: „Ich fand das Schiff am Strand. Vom harten Schwunge brach ihm das Ruder in der Hand. Endlich gelangte Hagen dahin. Das nahm er und versenkt’ es im tiefen Stromesgrund. In Sorgen ihn befragte: „Sag. was geschah? Kein Fährmann ist zu sehen. So stark er rudern mochte.“ Doch laut befahl schon Hagen: „Ihr Knechte.“ Unmutig klagte Gernot: „Die schlimmste Not beginnt. Von einem Fährmann hab’ ich rings keine Spur gesehn. Hinüber bring’ ich Euch heut in Gelfrats Land!“ 1562–1570 . Was kümmert’s mich! Ist keinem doch heut ein Leid von mir geschehn. wo sich ein Wald Am Ufer hob. Das er mit einem Schildband dann mühevoll zusammenband. und doch schwimmt hier ein Boot Mit roter Last im Kiele. Bis Gunther. daß dem Fährmann das Haupt vom Rumpfe sprang. Doch trieb das Schiff indessen im Strome mit der Flut. Dort fand er die Fahrtgenossen bald. Die Tat gab er erst später den Freunden in der Ferne kund. Mir schwant.203 In grimmigem Zorn griff Hagen nach seinem Schwert und schwang Es. Wo ich’s – verlassen schien es – von einer Weide band. du schlugst ihn tot.

Die Ritter und die Knechte. Doch sann er finster nach Dem Wort. und sicher erreichten sie den Sand. Gold und Kleidern. Griff aus nach Freundeshänden. von Hause mitgebracht. versunken im Gebet. Der Pfaffe schwamm und kämpfte im grausen Wogendrang. Blieb ihnen doch zum Kampfe mit Strom und Wellen Kraft genug. Mit einem harten Griff Hob er ihn hoch und warf ihn im Schwunge aus dem Schiff. doch Hagen stieß und zwang Zurück ihn in die Fluten. Der Männer Unmut schwoll. Es wartete das Unheil schon auf den armen Gottesmann. Verzweifelnd an der Hilfe rang hart er mit dem Schwall. das vom Kaplane das fremde weise Meerweib sprach. Das sollte ihm nichts nützen. Doch kümmerte sich Hagen um ihn und Gernots Zorn nicht mehr. Er wandte sich zum Lande. der Tod schien überall. der still sein Weihgerät Umschlossen hielt in Händen. Er fand den frommen Pfaffen. leicht bemannt. Er sah sich um und suchte. Er konnte zwar nicht schwimmen. Nun griff zum Ruder Hagen. Sie schrien: „O Herr. Hagen sah’s und sann. Schien allen doch im Schiffe sinnlos die Tat und grauenvoll. errett’ ihn!“ Heftig schalt Giselher. und meisterlich gewandt Hielt er das Schiff im Strome zur Fahrt ins unbekannte Land. Sie schwammen gut. Schnell packte ihn der Tronjer. Den ganzen Tag lang ging es die Ufer hin und her. Ob zwar die starke Strömung auch einige abwärts trug. mit ihm war Gottes Hand.204 Die Pferde trieb man eilig ins Wasser. Dann ward das Schiff beladen mit der kostbaren Fracht An Waffen. doch trieb er glücklich an das Land 1571–1579 . endlich das ganze Heer Bracht’ er gesund hinüber.

Gunthers Kaplan allein Mußte einsam heimwärts zu Fuße wandern an den Rhein. Aber Dankwart sprach: „Warum zerstörst du. sah Man stets auf Hagens Seite. vergeht dem Feigen sein Gelüst. Nur einen. am Ufer Roß und Mann. und keiner kehrt heim nach Burgund! Das Schiff war bald entladen. Volker. Alles war gut gegangen. schwang es aus Kräften und begann. bis es in Stücke brach. gefiel. der bange ist. Und was er sann und dachte. was ihm behagt’. Bruder. Gesattelt waren wieder die Pferde nach der Rast. Das Schiff entzweizuschlagen. – Gerettet! Hagen sah es und wußte nun Bescheid! Die Wahrheit sprach am Brunnen der Weiber weiser Mund. nutzlos das gute Boot? Wir brauchend doch zur Rückfahrt!“ – „Damit hat’s keine Not!“ Sprach Hagen: „Schrecken soll es den Mann. Fehlt für die Flucht das Boot ihm.205 Da stand der arme Priester und schüttelte das Kleid. Die Saumtiere beladen mit ihrer reichen Last.“ Die meisten waren zornig. Wir alle müssen sterben. Das fügte er in Worte zu einem zierlich hübschen Spiel. Dann warf er all die Trümmer ins Wasser. Zum Schwert griff Hagen. 1580–1585 . was immer auch geschah.

206

XXVI. Wie Gelfrat von Dankwart erschlagen wurde
Am Ufer stand zum Aufbruch bereit das ganze Heer.
In Sorge fragte Gunther: „Wer soll uns kreuz und quer
Durchs Land die Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?“
„Ich!“ meldete sich Volker, „ich will den Führerdienst versehn.“
„Steht still!“ befahl da Hagen. „Ihr Herrn und Knechte, hört!
An einem Brunnen haben zwei Meerfrau’n mich gelehrt:
Wir alle säh’n die Heimat nicht wieder! Nun, so laßt
Uns um so tapferer kämpfend begegnen jedem, der uns haßt!
Ich glaubte, aus den Weibern sprach’ Lüge nur und Trug.
Sie sagten, keiner kehre nach Haus von unserem Zug
Als der Kaplan. Dem bliebe allein das Glück verhängt,
Am Rhein zu sterben. Wahrlich! Ich hätte gerne ihn ertränkt.“
Das Wort durchflog die Reihen und ging von Schar zu Schar.
Kein Wunder, daß manch Antlitz bleich ward und traurig war.
Das Grauen spürten alle. Sie sah’n bei diesem Zug
Den sicheren Tod vor Augen. Die Not war groß, die jeder trug.
Hagen rief: „Zu Feindschaft und Haß hab’ ich entflammt
Gelfrat und Else beide. Der treu das Fergenamt
Für sie versah, – ich schlug ihn zu Tode. Seid gefaßt,
Sie greifen an. Dann achtet, daß ihr sie nicht entrinnen laßt!
Sie schäumen, werden beide, was ich getan, gewahr.
Laßt langsam gehn die Pferde, sonst meinen sie wohl gar,
Wir eilten, uns zu retten durch hastige Flucht ins Land.“
„Der Rat ist gut!“ sprach Giselher, „es brächte Schmach und Schand.“

1586–1593

207
Als Führer an der Spitze saß Volker schon zu Pferd.
Der Straßen war er kundig, auf Fahrten oft bewährt.
Die stählern blanke Brünne, die stand dem Spielmann gut.
Er band an eine Stange ein helles Fähnlein, rot wie Blut.
Gelfrat und Else hatten, zu hitziger Wut entfacht,
Ein Heer, den Mord zu rächen, eilig herangebracht,
Tatengewöhnte Männer, bewährt in manchem Streit,
An siebenhundert standen zu schneller Hilfe kampfbereit.
Sie saßen auf und folgten gefügig ihren Herrn.
Die spornten ihre Rosse. Sie hätten gar zu gern
Schnell eingeholt die Feinde, den Zorn, die Wut gekühlt.
Doch wurden sie bald inne, gefährlich Spiel ward hier gespielt.
Denn Hagen hatte klüglich mit vorbedachtem Rat
(Wer sorgte für die Freunde besser, als Hagen tat?)
Vorsorglich schon die Nachhut besonders stark gemacht.
Mit Dankwart und den Seinen hielt Hagen selbst die Rückenwacht.
Der Tag war hingegangen, die kühle Nacht brach an.
Die Not wuchs mit dem Dunkel, darin das Licht zerrann.
Sie ritten still und wachsam, den Schild fest in der Hand.
Der nahe Angriff drohte. Im Dunkeln lag das Bayernland.
Da, rings zu beiden Seiten, im Rücken klang es auf
Von dumpfen Rosseshufen. Ein großer Reiterhauf’
Kam eilends nahe. Dankwart rief laut: „Nun geht es an!
Bindet die Helme fester! Und kommen sie, dann drauf und dran!“
Die kleine Schar der Nachhut, wie’s üblich ist, hielt ein.
Schon blinkte aus dem Dunkel der Schilde lichter Schein.
Da schwieg Hagen nicht länger: „Wes Männer seid ihr, sagt,
Daß ihr uns auf der Straße im Dunkeln anzufallen wagt?“

1594–1602

208
Da gellte aus dem Haufen Gelfrats Stimme hell:
„Wir suchen einen Fremden – drum ritten wir so schnell –,
Der meinen Fergen heute erschlug. Wir suchen hier
Nach diesem Feind, denn unseren getreuen Mann betrauern wir.“
Hagen rief hinüber: „Der Ferge war dein Mann?
Der wollte uns nicht fahren. Ja, ich bin schuld daran,
Ist er nicht mehr am Leben. Er hat mich hart bedroht,
Ich mußte mich doch wehren, er schlug mich selber beinah tot.
Gold bot ich, wie es üblich und Fergen wohl gebührt,
Hätt’ über Strom und Fluten er willig uns geführt.
Doch nahm er eine Stange, griff an und hieb und schlug
Gewaltig mich zu Boden, bis es mein Grimm nicht mehr ertrug.
Zum Schwerte griff ich, wehrte mich hart und traf und hieb
Ihm eine Todeswunde, daß jener liegen blieb.
Und dünkt’s Euch gut, zur Sühne bin ich sofort bereit.“
Schon brannten beide Gegner in tapferem Drang auf Kampf und Streit.
„Wir wissen wohl“, rief Gelfrat, „an diesem Ort vorbei
Ritt Gunther mit dem Heere. An seiner Stelle sei
Hagen von Tronje Bürge für jenen üblen Schlag,
Der mir den Fergen raubte, und den er tödlich büßen mag.’’
Dann senkten beide Gegner die Lanzen auf den Schild.
Gelfrat und Hagen stürmten heran gereizt und wild.
Else und Dankwart trieben vorwärts mit Zaum und Sporn
Die Rosse aufeinander, erglühend ganz in Wut und Zorn.
Wo hätten bessere Helden gemessen ihre Kraft?
Getroffen stürzte Hagen im Prall von Gelfrats Schaft.
Das Brustzeug seines Pferdes zerriß. Er sank ins Gras.
Was Sturz und Fall bedeuten, erfuhr er hier in vollem Maß.

1603–1609

209
Denn Gelfrat, abgesessen, kam jäh im Sturm heran.
Doch als nach hartem Sturze Hagen die Kraft gewann,
Erhob er sich und wehrte dem Gegner. Gelfrat schwang 
[zersprang.
Das Schwert auf ihn, daß klirrend vom wuchtigen Schlag sein Schild
„Zu Hilfe, lieber Bruder!“ so rief er Dankwart an.
„Ein wahrer Held, mein Gegner! Hilf mir und komm heran,
Sonst muß ich ihm erliegen!“ Dankwart sprang brüderlich
Ihm bei und drohte Gelfrat: „Ein Ende mach’ ich! Hüte dich!“
Er hob die scharfe Schneide und traf mit hartem Schlag
Gelfrat aufs Haupt, daß dieser im Blut am Boden lag.
Es hätte Else gerne des Bruders Fall gerächt.
Doch war er selbst verwundet. Um seine Sache stand es schlecht.
Der Bruder und noch achtzig der Seinen hingerafft,
Und auch die anderen alle am Ende ihrer Kraft.
Sie wichen und entkamen zuletzt mit knapper Not,
Verfolgt noch von den Tronjern, bis Dankwart endlich Halt gebot.
An hundert Bayern lagen im Gras. Die büßten hart
Für vier Burgunden, deren Verlust betrauert ward.
Nun fanden sich die Männer allmählich wieder an,
Kampfmüd und wund, im Arme den Schild, von dem das Blut noch rann.
Es floß aus nächtigen Wolken das Mondlicht trüb und falb.
„Verschweigt dem lieben Herren, warum wir seinethalb
Hier in der Nacht gefochten“, sprach Hagen. „Mögen sie
Im Schlafe sorglos ruhen. So hören sie’s erst morgen früh.“
Doch mancher war vom Kampfe ermüdet, matt und wund.
„Wie lange soll’n wir reiten?“ ging es von Mund zu Mund.
Auch Volker, der die Sorge für Knecht’ und Pferde trug,
Ließ fragen: „Wann gibt’s Ruhe? Für heute haben wir genug!“

1610–1622 (1611)

210
Doch barsch versetzte Dankwart: „Das weiß ich selber nicht.
Wir halten erst und ruhen im neuen Tageslicht.
Und wie wir es dann finden, da ruhen wir im Gras.“
Das hörte mancher ungern und ritt verdrossenen Sinns fürbaß.
Wie schlimm sie zugerichtet in heißer Kampfesnot,
Wies sich, als über’m Berge aufstieg das Morgenrot.
Verwundert sah’s der König und fragte vorwurfsvoll:
„Seid ihr so stolz, daß keiner von uns im Kampf euch helfen soll?
Wie geht es zu, Freund Hagen, daß Ihr im Kampfe steht
Und dabei jede Hilfe der anderen verschmäht?
Voll Blut ist Euer Panzer. Wer hat’s Euch beigebracht?“
Er sagte: „Das tat Else. Der überfiel uns diese Nacht.“
Die Fahrt ging weiter. Passau war nächstes Reiseziel,
Wo’s ihnen bei Herrn Pilgrim, dem Bischof, gut gefiel,
War doch der Oheim glücklich, die Neffen dort zu sehn.
Sie ließen sich zur Freude den Tag vergnügt vorübergehn.
Dann nahten sie den Grenzen der Mark, wo Rüdeger
Das Land weithin beherrschte. Als Grenzwacht hielt die Wehr
Ein Mann, den Hagen liegend, in Schlaf versunken, fand,
Und dem er dabei listig die Waffe aus den Händen wand.
Es war der Ritter Eckewart, der, überrascht erwacht,
Nun sah, wie er als Wächter schlecht auf sein Amt bedacht:
„Weh mir der Schande! Rüdeger, mein Herr, was tat ich dir!
Seit Siegfried tot, gedeihen zum Unheil alle Tage mir.“
Das rührte Hagen: „Nimm hier zurück dein gutes Schwert,
Sechs Armringe dazu noch! Du bist mir allzu wert.
Die alte Lieb’ und Freundschaft bleib’ zwischen uns bewahrt.
Auch schwach und einsam wachend bist du ein Mann von rechter Art!

1623–1634 (1626/27)

211
„Gott lohn’ Euch Eure Ringe!“ versetzte Eckewart.
„Doch wißt, daß hier im Lande nichts Gutes Eurer harrt.
Ihr schluget Siegfried. Wahrt Euch! Das ist mein guter Rat.
In einem harten Herzen blieb unvergessen Eure Tat.“
„Nun, Gott mag darum wissen und geben, was uns frommt!
Uns kümmert mehr, ob endlich wohl eine Herberg kommt,
Denn unsere armen Leute, die Könige zugleich,
Sind müde von der Reise und lägen gerne warm und weich.
Lahm sind die Rosse, steinig war unser Weg hierher.
Auch hungert uns, zu essen gab’s lange schon nicht mehr.
Nichts gibt es auch zu kaufen. Ein guter Wirt war not,
Der gütig zur Erquickung den Tisch versah mit Fleisch und Brot.“
„So einen weiß ich“, sagte der Grenzwart, „einen Wirt,
Wo jeder Gast von Herzen gern aufgenommen wird.
So reich der Mai mit Blüten bestirnt den Wiesenhang,
So gütig ist Herr Rüdeger besorgt für Ruhe, Speis’ und Trank.“
Da bat ihn Gunther: „Wollt Ihr dahin mein Bote sein?
Wenn er es uns vergönnte, gern kehrt’ ich bei ihm ein.
Ist er mein guter Freund doch. Ich dank’ ihm immerdar,
Wenn er uns gastlich aufnimmt, die Brüder, mich und meine Schar.“
„So schöne Botschaft melde ich gern!“ Und unverwandt
Nahm Eckewart zu Rüdeger den nahen Weg ins Land.
Vom hohen Fenster schaute der Burgherr unruhvoll:
„Der Grenzwart kommt! Was gibt es? Ob das Gefahr bedeuten soll?“
Er eilte ihm entgegen, empfing ihn schon am Tor.
Der stand, das Schwert entgürtend, und grüßte ihn zuvor:
„Ich bringe gute Kunde, es trafen Gäste ein.
Sie möchten deiner Gnade und Freundeshuld empfohlen sein.

1635–1643

das dünkte allen recht. „Willkommen sind sie!“ rief er. In ihrer Kammer wußte Gotelind die Neuigkeit noch nicht. Denn seine guten Knechte verlangt nach Essen und Quartier.“ Da ging ein frohes Lachen um Rüdegers Aug’ und Mund.212 Die Könige von Burgund sind schon unterwegs hierher Mit Hagen und mit Volker und ihrem ganzen Heer. Entgegen sollt ihr reiten! Drum sattelt! Auf mit Mann und Roß! Es eilten zu den Pferden Ritter. „die Herren von Burgund! Wie wenig könnt’ ich lohnen. Auch bittet Euch Herr Volker um Kost für Mann und Tier. Mann und Knecht. Nur um so schneller zog es sie fort zu froher Pflicht. 1644–1649 . Was Rüdeger befohlen. was ich dort einst genoß.

Mit sonderlichem Gruße empfing er Hagen dann. 1650–1657 . mein Töchterlein. Den grüßt besonders schön. edle Herrn! Euch und Eure Leute begrüß ich hier im Lande gern! Als Freunde seid willkommen bei uns im Freundesland!“ Erst bot er hellen Blickes den Königen die Hand. auch du. Hin flog der Schwarm der Reiter. Vom Huf die Erde stob. Ein goldenlichtes Bändchen zog sich durch’s Haargeflecht Als ihres schönen Hauptes einziger Schmuck und Putz. Sie kehren bei mir ein. der gerne das Haar durchwühlt und löst. Da gab es keine Schminke. Dem Winde auch. und sah auch Volker freundlich an. Der ihm von früher lieb war. die Wangen glühten echt. So wollten sie den Fremden festlich entgegengehn. Sie hatten viel zu schaffen.213 XXVII. Die sechse sollt ihr küssen. Und würdigen Empfanges müßt beide ihr gewärtig sein. Gleich aus den Laden suchten sie her das schönste Kleid. um gut und würdig zu bestehn. Und neben ihnen werden Dankwart und Volker stehn. Mit Gunther kommt auch Hagen. Mit feinem Anstand ihnen freundwillig und gefällig sein!“ Das zu versprechen waren die Frauen gern bereit. Da kam der Zug in Sicht schon. Wie sie nach Bechelaren kamen Zu Weib und Tochter eilte der Markgraf: „Seid gefaßt Heut auf Besuch! Es kommen drei Könige zu Gast Mit ihren Herrn und Knechten. und fröhlich winkend hob Zum Gruß die Hand Herr Rüdeger: „Willkommen. zum Schutz.

Kam’s ihnen doch zu paß! Sie machten sich’s gemütlich und warfen sich ins Gras. 1658–1666 . grüßten scheu und zart. Was im Feld Verloren ging. Ich schaffe Unterkünfte. Der Vater wies auf Hagen. an sechsunddreißig. den letzten Sporn nehm’ ich in Hut. Nun spannt erst eure Zelte. Aus ihren Sätteln sprangen die Gäste auf den Sand. die edle Gräfin. in edler Steine buntem Glanz. strahlend ganz In herrlichen Gewändern. die Frauen. war doch die Mannschaft gut verwahrt. Die Gräfin küßte alle drei Könige von Burgund. und was an losem Gut Ihr mitgebracht.214 Herrn Dankwart. Den Pferden nehmt die Zäume von Hals und Maul und laßt Sie draußen weiden!“ Niemals ward ihnen solche schöne Rast. Scheu wich sie drum vor ihm zurück. Nach Dankwart kam am Ende auch Volker an die Reih’. In ritterlicher Haltung den Frauen zugewandt Erwiesen ihren Gruß sie nach höfisch feiner Art. mit ihrem schönen Kind Stand wartend schon am Tore. Liebreizend schöne Mädchen. Doch mußte sie ihn küssen. So grimmig düster schien er. Da seinem Gast zuliebe der Vater es gebot. für alles leist’ ich euch Entgelt. ich berg’ es. ward sie auch bleich und rot. Da ging zu ihm ihr Blick. Die Mädchen auch. Der war so stolz und tapfer. Beschwichtigt’ er: „Sie werden gepflegt hier und ernährt. Mit Recht ging sie ihm nicht vorbei. ihr Knechte. Dann bot auch ihre Tochter zum Gruß den holden Mund. So gut war’s nicht geworden auf ihrer ganzen Fahrt. Die Herren ritten weiter. Ringsum vergnügte Mienen. ringsum ihr Hof gesind. Gotelind. der sich Sorgen gemacht um Knecht und Pferd.

Und an des Helden Seite schritt zierlich sie einher. Das uns wie Himmelsgnade hier wunderreich umfängt. reich an Gütern. Und mancher Ritter träumte: Ach. Doch was sich mancher träumte. daß jeder Wunsch und Blick ihr galt. Hätt’ ich ein Königreich Und trüge eine Krone. an Ruhm und jedem höchsten Wert. Besonders froh schien Volker. Der sprach ein Lied nach Spielmannsart: „Gott hat Euch. So schön sie ist. doch blieb Ihr Kind am Mädchentische. Mit lustigen Scherzen wurde. was freudig ihr Gemüt empfand. wie’s nur ein Traum beschert. das nach Sitte und Brauch geschieden war. Hinüber und herüber begegnend flog der Blick. dem sie gehören soll. Da trugen schon behend Die Diener große Kannen heran und schenkten ein. Und geht zu Eurem Kinde mein Blick. So saß man im Gespräche und trank den allerbesten Wein. Bei ihren Gästen weilte die Markgräfin. ein hohes Glück geschenkt. edler Markgraf. Doch nach dem Essen endlich vereinte manches Paar Sich wieder. Und gäb sich mir zu eigen! So schön sie von Gestalt. dann neidesvoll Preis’ ich das Glück des Gatten. mit Lachen nicht gespart. so gut auch. dächte sie an mich. so schön und edel. Ihr Töchterchen vor allen zog jeden Blick auf sich. Die Gräfin Gotelinde nahm König Gunthers Hand. Ihr edler Sinn verdiente. Ein Leben. Und beider Blick verriet es. Ein Weib. Manch einem war das wenig lieb.215 Dann nahm die junge Gräfin die Hand von Giselher. Die weite Halle faßte die Gäste kaum. um Eure Tochter würb’ ich gleich!“ 1667–1675 (1668) . verwehrte das Geschick. getrennt Die Frauen von den Männern.

wer hemmte dessen Zwang? Man rief die junge Gräfin. Wie sich’s geziemt für Könige. Da warben beide Brüder um sie für Giselher. Man einte ihre Hände. Mir fehlen eigene Länder. und Gernot stimmte ein. Da wir doch hier nicht seßhaft und nur Vasallen sind? Was nützt die größte Schönheit so einem armen Ritterkind!“ Doch Gernot widersprach ihm in edlem Zartgefühl: „Wenn mir ein Weib mit Augen und Herzen wohlgefiel’. Sie kam in scheuem Gang. Mit altem Spruch und Eid Empfing er sie zu eigen. Von edler Abkunft ist ja die Gräfin. Der König Gunther schwor es. Auch er verlobte sich der Maid.“ 1676–1682 . Zu schöner Wahrheit. schien es. Es sollten Land und Burgen dereinst ihr eigen sein. Ich wählte sie und wäre mein Leben lang beglückt!“ Da sprach Hagen herzlich. mit mir manch treuer Mann. Laß ich zur Eh’ als Mitgift der Tochter so viel Gold Und Silber. daß sie als Braut auch den Verwandten paßt. und wie’s auch Giselhers Begehr. und feste Burgen hab ich nicht. Gern und frei Trät’ ich in ihre Dienste. wäre Giselher an der Reih’. Doch daß ihr gleiche Treue an mir erkennen sollt. Nähm’ sie mit Giselher die Krone der Burgunden an. Und was sich fügen möchte. nachdem er vor sich hingeblickt: „Ein Weib zu nehmen. erwuchs des Spielmanns Scherz.“ Wie Rüdeger drang Gotelind des Tronjers Wort ins Herz. wie man fortführt als hochgepackte Last Auf hundert Rossen. Der Markgraf sprach: „Ich stehe in meines Königs Pflicht.216 Da lachte Markgraf Rüdeger im Scherz abwehrend: „Nein! Wie könnte meine Tochter wohl eine Königin sein.

“ Ihm wehrte Dankwart höflich: „Wahrlich.217 Dann schlossen sie um beide einen lebendigen Ring. daß keines jemals des anderen Lieb’ genoß? Käm’ erst die Zeit der Rückkehr zur Heimat nach dem Rhein. Müd waren auch die Gäste. gewärtig froher Wiederkehr. War sie es doch zufrieden. „Das leid’ ich nicht!“ sprach Rüdeger in freundschaftlichem Ton. der schnell sie mit Arm und Hand umschloß. Da riet ihr Vater Rüdeger: „So sage dreist nur Ja. So liebe Gäste sah ich hier nie und seh’ ich selten mehr. So fügt’ es Rüdeger. Gemeinsam aßen sie Das Nachtmahl noch und dachten bereits der nächsten Morgenfrüh. Und daß du gern ihn nähmest. Die standen froh gepaart Und machten sich Gedanken. geplaudert hätt’. Nur schämte sie sich doch Im stillen vor der Frage. Der nach dem Brauch das junge verlobte Paar umfing. Wie gern man noch zusammen gelacht. Zwar noch ein wenig scheu. Wer ahnte wohl. Nun fragte man die Jungfrau auch öffentlich aufs neu. Die Mädchen mußten frühe ins Kämmerlein zu Bett. Dann sollte Giselher mit seinem Weib zu zwei’n Heimreiten nach Burgund.“ Auf diese Worte lachte Herr Rüdeger: „Ich hab noch mehr! 1683–1689 . Von Jünglingen und Mädchen. woher noch Brot und Wein? Müßt Ihr doch heut schon sorgen für unser ganzes Heer. Sie billigten es gerne. Ob sie den Bräutigam wolle. Zum Aufbruch nämlich mahnten sie streng einander schon.“ – Da stand ihr zärtlich nah Schon Giselher. wie es der jungen Leute Art. das kann nicht sein! Woher nähmt Ihr zu essen. „Ihr müßt noch bleiben! Ruhe bedarf noch Roß und Heer. So geht’s den Mädchen heute noch.

Was konnte Hagen freuen als Gunst von Rüdeger? Nahm doch der König selber ein Gastgeschenk von ihr. begehr’ ich nicht. als sollt’ ihn meine Hand Heimführen auf die Walstatt. Und eure Leute wären reichlich versorgt. Es fehlte ja an vielem doch! Nahm Gunther auch nur selten Geschenke. Sie gab ihm ein lichtes Stahlgewand.218 Und bliebt ihr vierzehn Tage und länger hier im Haus. Still gingen die Gedanken zu Notung. Als ihn der kühne Witigis in jenem harten Kampf erschlug. Aus Gotelindes Händen nahm er es in Empfang. Er trug die schöne Brünne in hohen Ehren lebenslang. den trüg ich gern in Etzels Land. Roß und Kleider. ihr tränkt den Wein nicht aus. da es ihres geliebten Gatten Herzblut trank. Es fehlte nicht am Brote. der ihn trug. Daß König Etzels Güte und Reichtum unermeßlich ist. denn wißt. Bis an den vierten Morgen genossen sie die Ruh. Da neigte König Gunther sich ritterlich zum Dank. Er blickte auf die Wand hin: „Mir ziemt hinfort nicht bloße Zier Was nur das Aug’ zu freuen vermag. Doch jenen guten Schild dort. Doch vorher gab es noch Geschenke. Nun ward es Zeit zum Abschied. als sie den Wunsch vernahm. Womit er sich gewaltig im späteren Kampf gewehrt. Gernot nahm eine Waffe. der hell im Sonnenlicht Von jener Wand mich anblickt.“ Der edlen Gotelinde. Erneuerte sich wehvoll ein alter Herzensgram. – Rüdegers Hand Wies er nicht ab. ein hartgeschmiedet Schwert. 1690–1699 (1692/94) . Der Tag kam.“ Wenn sie sich auch noch wehrten. In ihrem Drang zu schenken ward ihre Hand nicht leer. er ließ es doch nicht zu.

das mögt Ihr mir berichten. Ach. denn er. wollte Gott. Wie zierlich ging der Bogen. strich und sang Und spielte Rüdeger und Gotelind zum Dank. Wie gern es Rüdeger bot! Wie kam’s. Das trug er bei den Hunnen. Nie funkelte im Lichte des Tags ein besserer Schild Vom Schmuck der edlen Steine. wenn einst des Wiedersehens Stunde schlägt. Sie legt’ in Hagens Hand Den teuren Schild. „Zu meiner Ehre tragt sie bei Etzel! Euer Lied Mag dort zu meinen Gunsten gewinnen manch Gemüt. „Bringt mir die alte Lade!“ rief sie dem Hofgesind. Auch Dankwart sah sich gütig und überreich bedacht.219 Sie sprach zu Hagen: „Gerne geb’ ich ihn Euch. Noch immer muß ich Arme beweinen seinen frühen Tod. daß die Gabe die höchsten Ehren ihm gewann.“ 1700–1707 . Wie Ihr mir als mein Ritter gehuldigt habt. er lebte! Er fiel in Kampfesnot. Er trug ihn in späteren Tagen dann So ruhmvoll. Wohl tausend Mark an Wert Hätt’ einer bieten müssen. Es war in lichte Stoffe sein festes Holz gehüllt. Dem er am Arm gehangen. Die junge Gräfin gab ihm ein Kleid von reicher Pracht. der Treue ist nicht mehr. hätt’ er zu kaufen ihn begehrt. wie süß erquoll das Lied! So spielte er und sang er. als er von Bechelaren schied! Volkers weiche Töne ergriffen Gotelind. daß ihre Feindschaft ihn trieb in jämmerlichen Tod? Zuletzt nahm seine Fiedel der Spielmann.“ Sie stand auf von dem Sitze und nahm ihn von der Wand Mit ihren weißen Händen. Die nahm zum Angedenken Herr Volker mit ins Hunnenland. Daraus nahm sie zwölf Ringe als Zier für seine Hand.

Mit Handschlag und Kusse schieden sich Die Gatten. kommt ihm ein Freund ins Haus. Wie schön die Zeit der Ruhe in Bechelaren rann.“ Fröhlich stieg er zu Roß. Fünfhundert Männer mit ihm zu sicherem Schutz von Mann und Troß Die Stunde schlug. „Nun kommt der Tag der Freude!“ sprach nachdenklich Kriemhild. Wie viele Tränen rannen in Zukunft diesem letzten Glück! Noch aus den Fenstern sahen sie auf den Hof hinab. Es leuchten Halsberge. Den mach’ ich reich. Doch freudig lief ihr Sinnen dem Aug’ voraus ans Ziel Ins Hunnenland und weilte bei Festturnier und frohem Spiel. „Dort kommen sie. Wie sehnsuchtsvoll ein Freund tut. Herrn Etzels Augen lachten und waren voller Fröhlichkeit. Kriemhild. daß Ihr in Sicherheit Die Straße fahren möget. Die Nibelungen kämen. Als man zum Ritt ins Weite fröhlich die Sporen gab. 1708–1717 . mancher Schild Erblinkt im Sonnenlichte. Sie gab den Kuß zurück. Die Frau’n und Mädchen sahen still weinend hinter ihnen her. Schon sah sie manches Antlitz. So ward die frohe Kunde im Lande bald bekannt. und auch Giselher schlang inniglich Den Arm um die Geliebte. Zwar dachten auch die Männer oft unterwegs daran. Auf Rüdegers Vorschlag wurde Botschaft vorausgesandt. Ich glaub. vertraut aus alter Zeit. Herr Etzel rief erfreut: „Nun kommen deine Brüder. dein Ehrentag ist heut!“ Von einem hohen Fenster sah Kriemhild weit hinaus. Wer meines Leids gedenkt.220 Herr Rüdeger erklärte: „An Eurer Seite reit’ Ich selber als Begleitung. Er nehme gleich all mein Hab und Gut geschenkt. die Herzen waren von trüber Ahnung schwer.

Auch Dietrich hielt sein Pferd an. beweint. Von Bern Herr Dietrich führt sie. Die Nibelungen kämen. Dankwart und Hagen. daß Ihr sie nicht verschmäht. des Herrn Dietrich von Bern Getreuster Mann. Volker und euer ganzes Heer! Zu euch ist nicht die Kunde gedrungen.“ 1718–1724 . zu künden seinem Herrn.221 XXVIII. und wie die Seinen sprang Er aus dem Sattel. haltet! Steigt ab. hätte Herr Rüdeger sie gewarnt vorher. Der Alte riet und bat: „Mir bangt um die Burgunden. ging eilig. Ihr Stolz und Hochsinn steht So fest wie ihre Freundschaft. Hagen erkannte Dietrichs Gestalt schon ganz von fern. Steht ihnen bei mit gutem Rat!“ Dietrich mit seinen Männern und Knechten stieg zu Pferd. wie mir scheint. Gernot und Giselher. seit langem mir bekannt. Drum seht. Die Herrn wie ihre Mannschaft vom Amelungenland. Ihm wär Es lieb gewesen. Daß Kriemhild alle Tage noch Siegfried. Verhehlte ihnen aber die Sorge nicht. Freundlich nahm er sie in Empfang. Denn tüchtige Männer sind es. und laßt zu Fuß Uns hingehn und den Bernern erwidern ihren Freundesgruß. Wie Wolfhart es befohlen. mit reichlichem Gezelt Für Knecht und Troß zum Schutze in kühler Nacht auf offenem Feld. Entgegen den Burgunden! Manch Saumroß ward beschwert. ihren Mann. Gunther. Er hielt und lenkte langsam herum zu seinem Herrn: „Soll ich Euch raten. Wie die Burgunden nach Etzelburg kamen Der alte Hildebrand. „Willkommen seid uns.

und all ihr Fragen galt Nur Hagens grimmig düsterer und herrischer Gestalt. Der sei es. Die Hunnen drängten.“ Da wandte sich der Spielmann unmutig: „Dann vergönnt Dem Schicksal seinen Willen. Der von den fremden Helden der allerstärkste war. ging die Rede mit Flüstern hin und her. sprach Hagen. beschütze selber dich!“ „Wovor soll ich mich hüten? Herr Etzel hat uns doch Durch Boten eingeladen. Das war der Mann. der damals Siegfried vom Niederland erschlug.“ Dann ritten die Burgunden an Etzels Hof. und sehen. wie’s dort steht. Du Nibelungenschützer. Mag sie doch Etzel lieben. „kein neuer Morgen tagt.“ Dietrich von Bern indessen hub warnend wieder an: „Siegfried soll uns nicht kümmern. Dazu erzählten andere: Der hoch dort ritt im Zug.222 „Dann weinte sie ja lange“. Auch hat ja meine Schwester uns gleiche Botschaft zugesandt. sprach Dietrich. der nun so lang begraben liegt. der einst ihr Gatte war. haßergrimmt?“ „Kein Abend geht“. er ist ein toter Mann. schauten. 1725–1733 (1728) . „manches Jahr Verging. – ist hart sie. nach Art Und altem Brauch der Heimat zu stolzem Zug geschart. Wonach dann frag’ ich noch? Wir folgten seiner Bitte und kamen in sein Land. Gunther. den Ihr nicht ändern könnt! Laßt an den Hof uns reiten. seit er erschlagen. Doch Kriemhild lebt und sinnt doch auf Rache lediglich. Daß im Gebet zum Himmel sie nicht um Siegfried weint und klagt. Wozu man solche Männer wie uns ins Land zu Gaste lädt. damit ihr Schmerz versiegt! Siegfried kommt nicht wieder.“ Doch forschten die drei Könige: „Wie ist Kriemhild gestimmt? Ist weich sie. milden Sinnes.

Wie grimmig auch. Seid auf der Hut. Der Tronjer sah’s. Die Brust. da man den einen küßt. Doch Dankwart sah. Da kam Kriemhild. ich hätte wahrlich schon Genug für Euch an Schätzen. den Ihr mir einst entwandt? Warum habt Ihr. was mein ist. Ihr wißt. die breiten Schultern gewaltig. Die Könige ehrt und ihre Gefährten ganz vergißt. Den grüß’ ich nur. Daß keinem seiner Leute zum Nachteil irgendwas geschah. der herrlich anzusehen war. Sie küßte Giselher und keinen sonst danach. wer Euch hier gerne sieht. „Daß Gaben Ihr erwartet. sein Blick ein grauser Blitz. der ja mein eigen ist. nicht gut geraten wird diese Fahrt zum Hunnenfest. Daß Ihr im Hunnenlande mir solltet so willkommen sein?“ „Hätt’ ich gewußt“. Da band er fester nur seinen Helm und sprach: „Seltsam liebt man zu grüßen. grau sein Haar. Wohin ist er gekommen. wenn jemand euch ohne Willkomm läßt. Zu ihren Unterkünften fort führte man sie dann. von dem mir gleich Freundliches geschieht. Der Hort der Nibelungen. gab Hagen höhnisch zurück den Hohn.223 Von edlem hohem Wüchse ragte im Sattelsitz Die mächtige Gestalt auf. Mir scheint. Ich hätte mich bedacht Und Euch zulieb Geschenke in Fülle mit hierher gebracht!“ „Von diesen Schätzen wüßte ich gern noch mehr. nicht mitgebracht ins Hunnenland?“ 1734–1741 .“ Sie sprach: „Heiß’ Euch willkommen. umgeben von ihren Frau’n. Was bringt Ihr mir denn Gutes und Freundliches vom Rhein. So hatte es Kriemhilde gefügt. Es barg In all der offenen Freude sich ihres Herzens Arg. Von ihren Herren wurden gesondert Knecht und Mann. – ein Recke.

„daß man sie gut verwahrt.“ Da trat von Bern Herr Dietrich zornig an sie heran: „Wer sie vor dir gewarnt hat? Vernimm. der ist so licht Wie in der Hand mein Schild hier. „Warum woll’n meine Brüder. „die Mühe sei Euch gern erspart! Ihr meint es gut.“ „Zum Teufel! Gar nichts bring’ ich!“ so wehrte Hagen wild. edle Königin. doch da mich der Ehrgeiz wenig dringt. Darum. willst du mir drohn. „Gebt ab die Waffen!“ rief sie. „Genug hatt’ ich zu tragen allein an meinem Schild Und an der schweren Brünne. ich bin der Mann.“ „Weh’ mir des neuen Hohnes!“ So jammerte Kriemhild. Mein Helm. du Teufelin! Ich bin gefaßt auf deinen Lohn. Weigr’ ich dem Fürstenliebchen. will Hagen nicht den Schild.“ An all die Männer wandte sich Kriemhild und befahl. Ich warnte die Burgunden. ich strafte tödlich ihn dafür.“ „Nein“. Nur zu. man dürfe keine Schwerter mitbringen in den Saal. Wüßt’ ich. Bis zu dem Jüngsten Tage mag er denn dort verborgen sein!“ Die Königin sprach bitter: „Das hab’ ich mir gedacht. Das hat mich schwer bekümmert seit manchem üblen Tag und Jahr. Den hießen meine Herren versenken in den Rhein. Ihr seid ja Königin! Von meinem Vater lernt’ ichs. Von mir bekommt Ihr beides nicht. höhnte sie der Tronjer. wenn ich mein eigener Kämmerer bin. Obwohl er doch mein eigen als Witwenerbe war. wer es getan hat. Daß Ihr von meinem Horte nichts mit ins Land gebracht.224 „Wahrhaftig. es ward seit manchem Jahr Des Nibelungenhortes mein Auge nicht gewahr. Das Schwert aus Händen geben? Sie sind gewarnt vor mir. daß sie zur Herberg bringt Mein Schwert wie meine Brünne.“ 1742–1748 .

Walther mit Hildegund entrann. Da gingen zueinander und schlugen Hand in Hand Dietrich und Hagen beide. Sprach Etzel. Wer mag sein Vater sein? Ein seltener Mann. daß Aug in Aug sich fand. „der viel Ansehn und Ehre hier gewann. Sie schwieg und ging von dannen.“ Hagen von Tronje aber rief aus: „Das findet sich!“ So sprachen sie wie Freunde. Sie wuchsen hier heran. – Verwundert fragte Etzel.“ 1749–1756 (1754) . Ist er in seinem Grimm doch der stärkste Gegner auf der Welt!“ „An Aldrian gedenke ich gern.225 In Scham und bitterem Zorne wandte sich Kriemhild. Doch stolzen Sinnes auftritt. der beide so von fern gesehn: „Gern wüßt’ ich. die sich sogleich verstehn. erglüht auch das Aug in stolzem Widerschein. sein Vater Aldrian. Ihr seht. Ihn und Walther von Spanien.“ „Hagen von Tronje ist es“. Wie er in Mien’ und Haltung sich hier auch freundlich stellt. Daß Ihr von Eurem Rheine ins Hunnenland gekommen seid. der Haß Kriemhildes ist unveränderlich. „Untertan Dem Könige der Burgunden. der in Haltung und Blick absonderlich. den tüchtigen Mann“. Nur einen Hassesblick Warf sie im Weiterschreiten auf ihre Feinde noch zurück. Erinnerung kommt mir wieder. Ich schlug ihn einst zum Ritter und schenkte ihm mein Gold. Hagen sandt’ ich heimwärts. wen empfing dort Herr Dietrich freundschaftlich? Ein Gast scheint’s. Vor dem gestrengen Dietrich entwich sie furchterfüllt. sprach einer. die mich dran denken läßt: Zwei schöne Knaben hielt ich ehmals als Geiseln fest. Es war die treue Helche dem Aldrian besonders hold. Der Berner sagte offen: „Es ist mir wahrhaft leid.

Im Alter nun sann Hagen auf seiner Freunde Not und Tod. was ehemals geschah. den Freund hier wiedersah. die der Jüngling in früherer Zeit ihm bot. 1757 .226 Als Etzel so den Tronjer. Da dachte er an manches. An Dienste.

wie ihn das Volk gern sehen mag. In jähem Schmerze ward sie von Tränen übermannt. dem Spielmann. daß Volker hart und kühn wie er. Sie schritten durch die Menge gemächlich ohne Furcht und Scheu. Kriemhild sah durch das Fenster. Wie er nicht vor ihr aufstand Von Dietrich schied sich Hagen. Sie ließen die Herrn zusammen stehn Und schickten sich zu zweien an. Er kannte ihn und wußte. So trüb war ihr dabei. ein stattliches Gebäu. Als wären’s wilde Tiere. Da fragten ihre Leute bestürzt: „Wer tat Euch weh?“ Sie sprach: „Ich leide Qualen. wir töten ihn!“ 1758–1764 . Wir rächen Eure Tränen. Er rief ihn an. Doch schon drang Die Menge zu den beiden heran. Der Stolz und Gleichmut beider hielt alle ganz im Bann. Denn frisch aus ihrem Grunde war alte Glut entbrannt. wenn ich in Hagens Antlitz seh. Sie setzten vor dem Hause sich breit auf eine Bank Grad gegenüber Kriemhilds Gemächern. so traurig wie jetzt sah’n wir Euch nie. denn leuchtend lag Um sie der Glanz der Waffen. Als ob zum alten Leide noch neuer Hohn gekommen sei. auf den Hof zu gehn. Der stand noch freundschaftlich Beisammen zum Gespräche im Hof mit Giselher.227 XXIX.“ „Wie hat Euch Hagens Anblick verwandelt?“ fragten sie. Wenn Ihr’s befehlt. Er ging und blickte sich Nach Volker um. Wer durfte Euch verletzen? Noch keiner war so kühn. gaffte man sie an. „Sonst wart Ihr froh. Dort lag die weite Halle.

was er Erdenkliches begehrt. Rächt mich an Hagen!“ sprach sie.228 „Wer’s täte –. Der Spielmann Volker ist es. Die Falsche. sie bringt sich Kämpfer mit. was er getan. Ich leg mich euch zu Füßen: Geht! Tötet Hagen! Rächt mein Weh!“ Da rüsteten sich sechzig der Ihren. wahrhaftig. dem. will ich hinuntergehn Und selber Aug in Auge den Feinden gegenüberstehn. heiß erfüllt Von einem einzigen Wunsche. Wie groß und übermächtig die Stärke Hagens sei. Und Volker sagte: „Seht doch. Dem Tronjer und dem Spielmann galt ihre Wut. Als Kriemhild sah. wär jeder Wunsch gewährt. Daß ihr. er sitzt dabei. Mein Leid und seine Schandtat erkennt ihr dann daran. euch kühn mit Hagens Kraft vergleicht. 1765–1773 . Dennoch gebot sie Halt: „Die Krone auf dem Haupte. was er mir angetan. gesteht.“ Mit Schrecken hörten’s alle. Was kommt. „Ich bitte euch. von Rache für Kriemhild. So sammelten sich bald Vierhundert ihrer Männer. Die Schwerter in den Händen. Viel kühner ist der andere. wie winzig die Zahl der Männer war. wenn der ihm noch zu Hilfe käm. Wies sie mit grimmigen Worten hin auf die Gefahr: „Gebt’s auf! Ihr seid zu wenige! Das Spiel ist nicht so leicht. Sie geht so stolz einher. Daß er in stolzem Hochmut. als ob sie treu gesonnen wär. Und gnad’ euch Gott vor dem! Ihr träfet Hagen niemals. und wenn er dran zugrunde geht!“ Vom Saal herab die Treppe gekrönt die Königin schritt. ein solches Häuflein. mich kümmerts wenig. Vorwerfen will ich Hagen. ich fleh. und gleich Ganz ohne Kampfansage jäh führen wollten sie den Streich. die uns einlud. Seht hin. Ich schenkte alles.

Ob ich Euch so viel wert bin als Euer Freund. und ihres Angriffs muß ich mich jetzt versehn. Wenn ich es recht erkenne. die ritterliche Ehr’ Und wahren so am besten die eigene Ehre wie bisher. allein der Tod!“ „Das lohn Euch Gott im Himmel. Ich wiche keinen Fuß breit. Nun sagt. „und stünde drohend gar Der König gegenüber mit seiner Kämpferschar. wahrt hinter Eurem Schild Den Leib und auch die Ehre. wie’s schicklich.“ „Laßt uns auf stehn!“ riet Volker.229 Wißt Ihr. woll’n wir uns schützen. die Heimat säh’ ich trotz allem noch einmal.“ 1774–1780 . ist sie so haß. denn Königin ist sie ja. auch wenn mir das Allerschlimmste naht. Darum. dann scheint mir. Auf wen es abgesehn ist. Nichts. keine Furcht und Feigheit trennt mich von Euch. wollt Ihr an meiner Seite stehn? Mir gilt’s. Wohlan! Dann bleibt und laßt Uns Rücken stehn an Rücken. ist es Zeit.“ In zornigem Tone sagte der Tronjer: „Sicherlich. Freund Volker. sagt an! Dann soll die Treue dauern ewig zwischen Mann und Mann!“ „Ich steh Euch bei“. Einige von ihnen sind um die Brust so weit.und racherfüllt? Dann will ich Euch nur raten. mein edler Kamerad! Was brauch ich mehr. Wär’s weiter nichts. Freund Hagen. Was sie sich ausgesonnen. dann gilt ihr Haß uns beiden hier. „solange sie hier nah An unserem Sitz vorbeigeht. Wir geben ihr. nötig scheint es mir. kämt Ihr dabei in Not. geht alles nur auf mich! Und doch in ihren Händen vergeblich blinkt der Stahl. auf jede Übermacht gefaßt. sprach Volker. Bin Eures Arms ich sicher. das zwar ist mir noch unbekannt. Ja. Ich glaub sie tragen heimlich die Brünnen im Gewand.

„Sie legten unsere Ehrung nur aus zu unserer Schmach. was kümmert’s mich!“ In wildem Hochmut legte er breit sein Schwert aufs Bein. der ihres Siegfrieds Waffe war. Wir bleiben achtlos sitzen. wärt Ihr bei Sinnen. dann sagten höhnisch sie. Die Königin trat heran Ganz nah vor ihre Füße. indes sie schroffen Tons begann: „Erklärt mir doch. was Ihr getan habt. mir zulieb bleibt sitzen!“ Der Tronjer widersprach. Ihr wißt. Das steht uns besser an. und wes man Euch verklagt. die Stirnen hoch –. breit und lang. der mich nur hassen kann? Ich tu’s nicht. Die selbst vor Königinnen das Aufstehn sich erspart. glaub ich. und mein Wille bleibt unveränderlich. Warum sollt’ ich den ehren. hatte es Hagen ihr zum Hohn getan. Nein. Stünd’ ich von meinem Platze. Ganz wie ein Schwert beschaffen. Daß Ihr Euch dreist erkühntet der Reise in dies Land. Es dünkten sich die beiden von solcher Herrenart. Aus goldenrotem Knaufe aufleuchtend kam ein Schein Von einem hellen Jaspis. Der kühne Spielmann langte heran von seiner Bank Sich einen Fiedelbogen. Furchtlos die beiden Männer. Wahrlich. Der goldene Griff. Ich tät’s aus Angst vor ihnen. Da fiel des Leides Last Ins Herz wie eine Mahnung. Sie fing zu weinen an. Sie wußte. ich erspare mir die Müh. so saßen sie. grasgrün und wunderklar. Scharf war er. So lang ich lebe. Absichtlich. Er legte ihn aufs Knie. da lag Balmung. Mag sie mich hassen nur. Herr Hagen.230 „Nein. die Scheide in goldenes Band gefaßt. nie hättet Ihr die Fahrt gewagt!“ 1781–1787 . wer hat nach Euch gesandt. Sie sah’s mit einem Blicke. Um keine Furcht zu zeigen.

was ihr wollt mit Hagen! Es sei euch nichts verwehrt. nur selten fehlte ich. der gleiche Hagen. der Siegfried Euch erschlug. – Mit dieser Hand geschah es. das Schwert zu ziehn. Lädt einer meine Herren. ihn einzubüßen in diesem Kampf für Etzels Weib. ich gebe lieber nach. 1788–1795 (1793) . Daß Kriemhild einst die schöne Brünnhilde eine Kebse schalt! Warum soll’t ich es leugnen? Gewiß. Weib oder Mann. Doch laß ich meine Herren. der tu es.“ Ein anderer sprach: „Ich denke ganz ebenso wie Ihr. die Schuld ist mein. der komm heran!“ Sie wandte sich: „Habt ihr nun. sprach Hagen. hart klage ich Euch an: Ihr habt Siegfried erschlagen. Der eine sah den anderen scheu an. sorgten und zögerten. die Könige. Wozu bestritt’ ich. „ist genug! Ich bin’s. mir ist mein eigener Leib Zu lieb. Wie er uns angeblitzt hat? – um keinen Preis im Kampf bestehn. – ich bin ihr Mann – der lädt auch mich!“ „Wie kam es“. Gleichgültig. Und soll auch heut und niemals in Furcht verhohlen sein. daß ich viel Leid Euch angetan? Wer’s rächen will. Wodurch Ihr mich gezwungen zu lebenslangem Haß? Daß Ihr Euch dran erinnert. was geschehn mag!“ – Doch jene. gehört? Macht. edlen Mann!“ „Des ewigen Geredes“. Und was mir einer schenkte. So oft sie reisen mochten. Und gäb’ mir einer Türme mit rotem Gold dafür. die so kühn Bei ihr gestanden.231 Hagen versetzte grimmig: „Gar niemand lud mich ein. Wie schlimm er es entgalt. was er gestand. sagte Kriemhild. meinen geliebten. „warum ersann’t Ihr das. bis einer sprach: „Ob ich auch Hilfe anbot. nicht allein. Möcht’ ich doch diesen Spielmann – habt Ihr den Blick gesehn.

Der sagte still zu Hagen: „Nun wissen wir Bescheid! Wir sind im Feindeslande. 1796–1803 . Sie gingen zu den Herren: „Wie lange wollt ihr stehn Hier mitten im Gedränge? Ihr solltet lieber gehn. Daß wir zu unseren Herren da draußen wieder gehn. doch auch ein grimmiger Mann. das ehmals golden war. Vom Könige zu hören. Sind wir dabei. Ein kluger und erfahrener. Den Balmung Siegfrieds führt er.232 Auch kenn ich Hagen lange von seiner Jugend her. und Kriemhild litt Die schlimmste Qual. daß einer sich ängstlich noch besinnt. den er durch arge Tat gewann. Und wie er uns gesonnen. vor dem ihr Heldenmut erblich. Drum ehren wir auch Hagen. indes sie hinauf zum Saale schritt. Wenn er zum eigenen Heile so großer Treue Macht vermißt. Wenn Freund und Freund einander in Treu’ verbunden sind! Er handelt auch besonnen und meidet schon den Zwist. Als Etzels Männer fochten sie mit in manchem Strauß Dem Könige zu Ehren.“ Wie oft geschieht’s. Sie fürchteten für sich. Die Männer gingen heimwärts.“ Drauf schritten sie zum Zug gereiht. Walther von Spanien ritt oft mit Hagen weit hinaus. Nach manchem Tag und Jahr Ist grau sein Haar geworden. ob ihr willkommen seid. sie beide treu vereint. wie Hagen stritt. ist er doch gar nicht unser Feind! Ein Jüngling war er damals. Drum. Es war der Blick des Spielmanns. Und weiß. ist es Zeit. Von dem erzählt mir keiner so leicht was Neues mehr. wagt keiner sie dreist im Kampfe zu bestehn. scheint mir.“ So war es mit dem Streite vorbei. In zweiundzwanzig Schlachten sah ich. was manche Witwe an Herzeleid durch ihn erlitt.

Ich dank euch. 1804–1813 . sprach Hagen. das eins wie Herz und Seele war. Allein wär’ ich gekommen. dann die erlesene Schar Von sechzig tapferen Rittern. Freunde. In so glanzvollem Zuge schritt Gunther zum Palast. Als euch. endlich ein Freundespaar. endlich bei mir zu sehn. der Maulbeersaft und Ungarwein. In großen goldnen Schalen erschäumte süß und frisch Der starke Met. Gunther und Giselher Und Gernot. der Königin und mir. Irnfried und Gernot folgten. Zusammen standen sie. Volker und Hagen beide. Hawart und Iring reihten sich als die nächsten ein. Bis erst der Tod sie trennte im letzten schweren Streit. daß ihr alle die Reise nicht gescheut.“ Nun lud der König heiter die Gäste an den Tisch. Dankwart und Wolfhart folgten. Von seinem Sitz sprang Etzel. mit euch alle! Ich grüße euer ganzes Heer! Auch ihr seid hochwillkommen. die Hagens stolze Mannschaft war. wenn mich mein Herr nicht folgen ließ. Dahinter tausend Männer. Nun hob das Glas Herr Etzel! „Herzlich willkommen sollt ihr sein! Es konnte in der Welt mir nichts Lieberes geschehn. und dann im trauten Bund Mit Rüdeger ging Giselher. die beiden sah man nie Geschieden von einander. um herzlich Freund und Gast Zu grüßen: „Seid willkommen. Volker und Hagen beide! Gern sehen wir euch hier!“ „Das haben wir“. „gemerkt auch ohne dies. Vorbei ist Kriemhilds Heimweh. Wie andere sich gesellten. Verwandte. So ging der Zug zu zwei’n. Ihr schönster Freudentag ist heut.233 Voran von Bern Herr Dietrich mit Gunther von Burgund. Viel Tränen flossen später von edler Frauen Herzeleid.

ward augenblicks erfüllt. Und fest an ihrer Seite steht mancher wackere Herr und Held!“ Es war am Sonnenwendabend. Euch ganz mir zu gewinnen. So festlicher Empfang War lange nicht erlebt mehr. Und alles. 1814–1817 .234 Ich sorgte schon seit langem um eure Freundschaft mich. Daß niemals ihr gesattelt zum Ritt hierher ins Land? Nun sorg’ ich mich nicht länger. die freund mir und verwandt! Ihm dankte Markgraf Rüdeger: „Zur Freude habt Ihr Grund! Denn höchster Ehren wert sind die Herren von Burgund. Heil euch. was nur versäumte ich. Man aß vergnügt und trank. Es ist das Blut der Königin. was sie wünschten. Nie sorgte für die Gäste ein Wirt so gebefroh und mild. das Treue hegt und hält.

„geht’s euch schlecht! Dann schlag ich mit der Geige dem Dreisten solchen Schlag. vom Weine in guter Stimmung. Drum laßt uns ruhig schlafen. so bald Ihr uns wiedersehen mögt!“ So schieden sie. Bis morgen früh. Wenn ihr was plant. Wird’s bald? Fort. froh bewegt.235 XXX. Sah Hagen sich im Kreise verächtlich um und sprach: „Der Spielmann rät zum Guten. Daß jeder. Ging ihr Verlangen endlich nach Ruhe und nach Schlaf. Schon dämmerte die Nacht. euch gerät Zum Schaden seine Wut nur. wogte draußen das Volk. Von langer Reise sind wir heut abend müd und schwach. wir sehnen uns nach Ruh. Daß eines Überfalles sich Volker gar versah: „Wenn ihr uns auf die Füße zu treten euch erfrecht. „Erlaubt uns. Willkommene Mahnung. Und uns nicht weit vom Leibe wegbleibt“. so rief er. Ich fürchte. wenn ihr nicht gleich zu Bette geht. aufzustehen. Zu Bett zu gehn. Noch drängte. Es kam so nah. – ich glaub’s kaum – kommt wieder morgen früh. aus dem Wege! Sonst bring ich euch zur Ruh! Ihr prahlt und nennt euch Helden. die sie traf! „Nun Gott befohlen!“ Gunther riefs heiter Etzel zu. Nach mühevoller Reise. wenn wir wieder wach!“ 1818–1823 . ihn wohl bedauern mag. der ihn lieb hat. Kommt morgen. riet Hagen. Nächtlicher Anschlag ziemte mannhaften Helden nie. vom Ritte müd gemacht. Wie sie Schildwacht hielten So ging der Tag zu Ende. doch habt ihr nicht das Herz dazu!“ Indes der zornige Spielmann die Rede unterbrach.

„laßt alle Sorge mir! Ich halte heute abend die Schildwacht an der Tür Und hüte euren Schlummer bis an den hellen Tag.“ Hagen sprach. Sie nahmen ihre Schilde. Als Ihr allein! Und käm’ es zu Tod und Untergang. wenn zur Nacht ich als Wächter bei Euch blieb? So stehen wir bis morgen wie stets vereint zu zwei’n. das allen ruhverlockend schien.236 Man führte nun die Gäste in einen weiten Saal Mit prächtigen Betten. er werde für seinen Beistand dankbar sein. Freund Hagen. der Freunde Schlaf und Rast In Treuen zu behüten. ihr Plan wird unser Unglück sein!“ „Getrost!“ versetzte Hagen. Der Spielmann stand noch zögernd und fragte: „Wär’s Euch lieb. „Das lohn Euch Gott. Es dauerte nicht lang. hat mir keiner von allen sonst gefehlt. Doch vor der Pracht stand klagend der junge Giselher: „Weh uns und allen Freunden. wenn ihr geruht habt. ihren Schutz im Sinn. Sie gingen zu den Betten. was mich sorgt und quält Zu mindern. Dann streckten sie sich müde aufs weiche Lager hin. die Schwerter in die Hand Und traten aus dem Hause. 1824–1832 . Decken von Seide. wachsam auf jeden Feind gefaßt. Ein wahres Königslager. mit neuer Sonne grüßen mag. Im letzten Augenblick noch bewährt’ ich meinen Freundesdank!“ Nun hüllten sich die beiden in schimmerndes Gewand. Besetzt mit schwarzem Zobel und weißem Hermelin. Indes versah sich Hagen mit Waffen. Der euch. reich an Zahl. Herr Volker! Denn. die mitgereist hierher! Wie lud uns meine Schwester so gut und freundlich ein! Was sinnt sie nur? Ich fürchte.“ Sie nickten dem Getreuen still zu und sagten Dank.

Ging aus dem Saal zum Turme. Und übel zugerichtet wird er zu Kriemhild heimgeschickt. Nun schlummerten die Müden. von jener Schar. Von Kriemhilds Leuten mußte er eines Angriffs sich versehn. Er spielte. es sind Feinde. Es schien. Er kehrte um und stellte ihn an des Saales Wand. Kühn war sein Arm im Kampfe. Gemeinsam tragen ja Wir beide diese Sorge. – Gewahrte er Gestalten. Im fernen Dunkel sah Er einen Helm aufblitzen. fremd hier und ahnungsbang.237 Noch einmal nahm der Spielmann den Schild von seiner Hand. Da sie in Waffen sind. Von Kriemhilds Mannen drohte den Freunden dort im Saal Gefahr. Sie sagten ihm im stillen Dank. „Laßt näher sie heran! Eh’ sich zum Schutz noch einer des Streichs versehen kann. Dann wieder sanfter. Wuchs Mut und Stolz im Herzen. geschickt zum Saitenklang. daß sie im Herzen still entschlief. Der weckte Töne klar und süß. Wird ihm von unserem Schwerte der Helm zurechtgerückt. – ich weiß nicht. ob’s früher noch geschah. Dann lehnte er die Geige in seinen Arm und ließ Den Bogen darauf gleiten. süßer wie Tröstung lind und tief Und wiegte jede Sorge. Wo sah man einen Geiger mit solchem Heldensinn? Den Freunden auf dem Lager. Der Spielmann sprach: „Freund Hagen.“ 1833–1839 . daß die Weise den ganzen Saal durchdrang.“ „Schweigt still!“ sprach Hagen leise. Auf einen Stein ganz nahe der Tür setzt’ er sich hin. um dort bereitzustehn. Vermut’ ich. Um Mitternacht. Da nahm er von der Wand Den Schild und faßte wieder ihn fest mit seiner Hand. und daß ihr Angriff bald beginnt. laßt uns vor denen da Getreu zusammenhalten.

riet Volker. Das wär das Ende sicherlich! Gerieten wir zu zweien mit ihnen ins Gefecht. Sonst leugnen sie nur später den meuchlerischen Plan. Volker sah’s und sprach: „Laßt mich hinweg! Ich setze den üblen Helden nach. der daneben sitzt!“ Sie schlichen wieder rückwärts. Die blanke Brünne blitzt Wie Feuerlohe. ist uns Hunnen der ganze Angriffsplan vergällt.“ „Ja nicht!“ so warnte Hagen. Bestreiten höhnisch alles. umringen sie Euch dicht Und setzen Euch mit Waffen so zu. „den Hunnen zu verstehn. mein Freund und ich. und sagen soll’n sie mir unverhüllt. Nun. Das gäb’ ein Leid. Wahrt euch vor dem auch. Daß wir das Nachtgesindel beim Überfall gesehn. „Tut’s mir zuliebe nicht! Seid Ihr entfernt vom Hause.“ Er rief sie an: „Ihr Leute! Hallo! Wohin des Wegs? Warum zur Nacht in Waffen? Sagt. befürchte ich. Nun haben ihre Ruhe die Schläfer dort im Saal. Ich stelle sie. wie nie eins war. Seht. der sichere Schildwacht hält. Der Spielmann wacht am Eingang.“ „Gebt wenigstens“. seid ihr unterwegs Zu rauben und zu stehlen auf einem Diebesritt? Wir woll’n euch dabei helfen. daß sorgsam die Tür behütet war. was hinterlistig sie getan.238 Ein Hunne sah. Und warnte schnell die anderen vor drohender Gefahr: „Dort sitzt der wilde Spielmann. Schnell hätten von den Hunnen sich einige erfrecht Und drängen in den Saal ein zu tödlicher Gefahr Den schlafenden Gefährten. So nehmt uns mit!“ 1840–1846 . scheint mir. wie sein Helm von Stahl Vom Haupte drohend leuchtet. Was sie für Neuigkeiten mir bringen wollten von Kriemhild. Daß ich Euch helfen müßte.

ist das euer Mut.239 Sie gaben keine Antwort. Da kam er ganz in Wut: „Pfui. Zwar war sie von der Nachricht enttäuscht erst und bedrückt. Das scheint im Hunnenlande ja Sitt’ und übler Brauch zu sein.“ Berichtet war der Königin. Daß ihr die Schläfer mordet? Was anderswo gemein. wenn erst das Unheil niederbrach! 1847–1848 . Die sollten besser glücken. der Anschlag sei mißglückt. ihr feigen Wichte! Wie. Doch sann in ihrem Grimme sie anderen Plänen nach.

Die kurze Sommernacht Ist bald vorbei“. Nicht lang.240 XXXI.“ Sie fröstelten und wachten. ist es gewiß das letztemal!“ Die edlen Fürsten schritten zum Münstertor hinan. Statt des Baretts mit Steinen nehmt euren guten Helm von Stahl Statt eurer Seidenhemden – Halsberge! Wachsam nehmt Die Schilde statt der Mäntel. „Bleibt alle gut zusammen!“ befahl er. buntfarbig. Die schönsten Prunkgewänder erwählten sie dafür. anders der Heiden Sang. Doch Hagen mahnte: „Laßt doch die überflüssige Zier! Statt Rosenkranz die Waffe! Kriemhild läßt keine Wahl. „Es weht schon kühl und sacht Der Morgenhauch vom Felde. „denn getrennt Seid doppelt ihr gefährdet vom Hunnenplan. sprach Volker. Denn anders scholl der Christen. Hagen betrat den Saal Und weckte die Gefährten. dann ist es Tag. Hagen hielt auf dem Friedhof an. Die Leute folgten. Sie sprangen von den Betten. den niemand kennt. 1849–1857 . „Wacht auf! Es läutet schon. Wie sie zur Kirche gingen „Es wird schon kalt im Panzer. Der Morgenschein erglänzte. pelzverbrämt. Gott anzuflehen geht nur zur Messe noch einmal! Fügt er es nicht noch anders. indes der Saal noch ruhig lag. Zur Messe in das Münster ruft euch der helle Glockenton!“ Gesang ertönte. Der Sonne erster Strahl Traf auf die stillen Schläfer. Die alte Frömmigkeit Rief sie zur Morgenandacht wie sonst zu früher Messezeit. Uneins erschien der Stimmen Klang.

daß er heuchelnd den falschen Brauch erfand. Sie sollten guten Glaubens vertrau’n. wenn man uns nicht in Frieden läßt. Kein Mittel wirkt so gut. 1858–1869 (1859. als so ein schneller Hieb es tut. daß wir gewaffnet gehn Mit Schwert und Schild drei Tage hindurch bei jedem Fest. Da stob schon aus der Ferne heran die Reiterei. Herr Etzel sah. 1866–1868) . was geschah. Verwundert hub er an: „Warum seh’ ich die Freunde im Helm zur Kirche gehn? Leid wär mir. Und war etwas geschehen.241 Stellt eure Schilde ruhig zur Drohung an den Fuß! Antwortet. wenn ein Frecher entbietet seinen Gruß. Hoch wirbelnd stiegen Wolken von hellem Staube weithin auf. umringt vom Hof. In reiche Prachtgewänder gehüllt den schönen Leib. hätt’ ich es strafend hart gebüßt. Ihr würdet schon erfahren. Wie’s ihnen gut dünkt. Sonst hätte Etzel sicher verhindern können. was sie mit Recht verdrießt. Im hohen Fenster saß schon. herein zog Schar um Schar. mit ihm sein edles Weib. Es wimmelte im Hofe. Euch Ansehn zu verschaffen. Auch die anderen verharrten schweigend da.“ Er sah den Haß. Gesang und Glocken schwiegen. Sie wußte. der glimmend in Kriemhilds Auge stand. Es ist bei uns so Sitte.“ Da kam der Herr des Landes. wie Gunther und mit ihm Knecht und Mann Gewaffnet vor ihm standen. ich wär bereit. Auf jeden Wunsch zu hören und abzuwenden jedes Leid. ein stolzer Reiterhauf. das Königspaar. Sofort mit tiefen Wunden.“ Darauf versetzte Hagen: „Nichts Arges ist geschehn. sollte einer sich bösen Willens unterstehn. Die Messe war vorbei. Doch schwieg sie. Dahinter ihr Gefolge.

Gern sahen’s die Burgunden! Da gab’s vom harten Stoß Schildbeulen. Dann stellten sich die Mannen Rüdegers zum Streit Mit den burgundischen Gästen. litt es nicht. ihr nähmt vor ihnen euch in acht. Wie meisterlich gewandt Anritten sie! Es flogen viel Schäfte splitternd an die Wand. Thüringer kamen. den fremden Herrn vom Rhein Turnierend zu begegnen in Siegeszuversicht. Die Könige ritten ein. Doch alles war ein Spiel nur. Führt weg die Rosse! Wartet! Wenn’s Abend wird. Männer. Die Männer Dietrichs wünschten. Die Hunnen zeigten deutlich den Haß in offenem Streit. Lanzensplitter. Es schien. Unmutig sprach der Spielmann: „Nun war Gelegenheit. in der Sorge für seine Mannschaft. so laut der Eisenklang Der Waffen und der Hufe durch Hof und Palas drang. Doch dem war’s gleichfalls leid. Und Kriemhild hätte gerne der Nibelungen Sturz gesehn. als ob den Kampfpreis die Nibelungenschar gewann.242 Dankwart kam mit den Knechten. aufgebracht. Doch Dietrich.“ Drauf ritten in die Schranken die Herrn von Dänemark.“ 1870–1884 . Die Nibelungen wären unmutig. Etzel sah froh die Seinen den Fremden widerstehn. dann hört. Hornbogen stürmten scharf im Galopp heran Und stellten sich den Gästen. Ramunc. Ob Kriemhild uns den ehrlich verdienten Siegespreis gewährt. und mancher Sattel wurde bloß. Und weiter ging das Kampf spiel mit wuchtigem Prall und Stich. die standen ihren Mann. „Es wäre mir viel lieber. Dann trat Herr Blödelin an. dreitausend hinter sich. gewandt und heldenstark. Skrutan und Gibeke. So hell vom Hals der Pferde der Schweiß in Perlen rann.

Schnell galoppierten Hagens sechzig Ritter an. der ihn zu Tode stach? Der Spielmann war es. erzürnt sich darüber König Etzels Weib!“ Doch Gunther wehrte dringend. verliebt und jung. Ich geh ihm an den Leib. sprach Hagen. Was kümmert’s mich. kommt bald. Dem Spielmann beizustehn. So überlaßt den Hunnen die offene Gewalt. ganz strahlend in blankem Waffenschein. Da jammerten die Frauen. Kriemhild und Etzel sahen genau die Dinge. Der Augenblick. Diesem Frauenliebling versetz ich einen Stoß. Denn Volker stach dem Hunnen die Lanze durch den Leib. umgab ihn weibischer Prunk. dann tadeln uns Etzels Leute nur. Wie wir in Stoß und Reiten bewähren unsere Kunst. Laßt nur die Hunnenfrauen und Ritter einmal sehn. und auch die tausend Mann Des Nibelungenheeres sprengten in die Bahn. der diese üble Tat verbrach!“ 1885–1892 (1891) . Da höhnte Volker: „Wahrlich! Mich reizt der Gernegroß. da es sich besser fügt. wer war es. Als ging’s zu einer Hochzeit. Volker. Ihm sah wohl eine Liebste vom Fenster zu. Da sah man an den Fenstern in Tränen manches schöne Weib. „zu erhöhn.243 Zuletzt noch sprengte prahlerisch ein Hunnenritter ein In bunter Tracht. Daß er nicht wieder aufsteht. so scheint mir. Und sein Gefolge klagte und schrie in lautem Gram: „Wer hat’s getan.“ Der kühne Volker spornte sein Pferd zu scharfem Prall. die geschahen. Bald trauerten die Frauen um ihres Lieblings Fall. des Toten Sippe kam.“ „Die Lust am Lanzenstechen“. Es wird uns doch wahrscheinlich kein Siegespreis und keine Gunst. als er den Plan erfuhr: „Geht Ihr ihn an.

Gedräng. gehorchte stumm. und einem rachegierigen Mann. Ein Markgraf war der Tote. „steht Ihr nicht freundschaftlich Mit Rat mir bei. Der ihn erstochen. dem riß er zornentbrannt Herab die scharfe Waffe aus der erhobenen Hand. Schuldlos ist er. Um Geld und Gutes willen?! Noch nie ein Mensch bezwang Die edlen Nibelungen. Die Rosse fortzuführen. so sprach sie. „Hochedler Fürst“. dann steht es schlimm für mich. Absaßen die Burgunden. das stünd’ uns übel an. denn strauchelnd in hartem Anprall stieß Er ungeschickt dem Gegner scharf durch die Ringe seinen Spieß. und man erführe üblen Dank!“ 1893–1900 . Ruhlos quälte sie sich mit ihrer Pein. sich zu vergreifen an einem Freund und Gast.244 „Die Schilde her! Die Schwerter heraus!“ So ging der Schrei. Drum büßen sollte schwer. die Sippe lief herbei. Zahlen mit seinem Blute sollte er. Geschrei. mit Hilfe und Gunst. Der meinem Schutz vertraut ist? Der sei auf meinen Zorn gefaßt! Erschlüget ihr den Fremden. Der König hielt im Bann Mit seinem Blick die Menge. „Wer wagt. Des Toten Freunde kamen. daß der Spielmann nicht auf Verletzung sann. Ich zeuge. der tät es ohne mich.“ Antwort gab Hildebrand ihr: „Erkühnte einer sich Des Kampfes mit den Gästen. Man winkte und befahl. Noch eh’ die Herren saßen. – Herr Etzel stieg eilends von dem Saal. wie er der Hunnen Zorn gestillt. und wieder schien er mild Vor seinen edlen Gästen. Darum befehl ich Frieden!“ Man wich. Doch die Burgunden wußten: Feinde ringsherum! Zu Tische ging der König. Verwandt mit dem Erschlagenen. ging Kriemhild ganz allein Zu Dietrich.

fiel ich. Heimlich ersehnt im stillen trug er seit langem schon Das Bild des schönen Weibes. die Notung einst besaß. machtlos vor Euch seht!“ 1901–1909 (1904) . vertrauend betraten sie das Land. verletzend sein Gebot. die Burgen. Das weite Land. Dir schenkt’ ich reiche Schätze von Silber und von Gold. dazu gewinnt Ihr nimmer meine Hand!“ Da Dietrich ihr verloren. Die schöne Braut des Notung vermählte ich dir an.“ Vor Blödels Aug’ und Sinnen lockte der reiche Lohn. daß Ihr Hagen gebunden. Siegfried zu rächen. erhieltest du im Übermaß. – Herr Dankwart sorgte. Du hättest deine Freude und alle Erdenlust daran. die Notung einst besaß. Geht in den Saal indes. der König werde ihn Belohnen mit den Ländern. Erst weigerte sich Blödel: „Vieledle Frau. Ihr begehrt. ging sie zu Blödelin.“ „O nein! Hör zu! Ich bleibe dir trotzdem gut und hold. Daß Etzel Euren Feinden freundlich gewogen ist. – Verwandtenmord –. Dann soll Hagen ernten. Die Gäste an im Kampfe mit heimlicher Gewalt und Not. das alles wäre dein! Ein herrlich Leben würde dir dann beschieden sein. was blutig er gesät. Ihr wißt. daß er Kriemhilds Belohnung bald vergaß. Er nähm es übel. Ward sie ihm nun zuteil? Zum Kampf entschlossen sagte er zu. Blödel sprach: „Da draußen – niemand vermutet es – Erreg’ ich ein Getümmel. Ihm in die Hand versprach sie. Doch nicht zu seinem Heil. ein Frevel. Königin. Gewännest du die Marken. Was ich dir heut verspreche. wie wenig der Euch ehrt! Sie sind mir lieb. Ich sorge.245 Gemessen wehrte Dietrich: „Was.

war einer doch bereit. als säh’ er. Und eure Gunst und Treue wird gut das Schwesterkind erziehn. stark. Vier Edelleute trugen. Bedrohten euch Gefahren. Und ist er einst in Ehren erwachsen. Für der Verwandten Sache in Treuen einzustehn!“ Nachdenklich hört’ es Kriemhild. indem er stolz ihn pries: „Seht hier. Den großen Sinn verleiht ihm sein Blut und adelt ihn. ihr lieben Freunde. Da schaute König Etzel auf seinen Sohn und wies Ihn väterlich den Gästen. Denn eurer Lieb und Sorge vertrau’ ich gerne ihn. Zwölf Länder soll er erben. das ist mein einziger Sohn. Darum.246 Zufrieden ging die Königin. wenn ihr wieder heimkehrt. wie wohl stünd es ihm an. ihn mit euch an den Rhein. Voll Grimm sein Blick. Und doch nur eins im Sinne: ihr Plan möcht in Erfüllung gehn. so blieb ihr keine Wahl: War denn ein Weib wohl jemals so haß. Das Kind ist’s eurer Schwester. Den Kampf auf sich zu nehmen. wird er einst stark und kühn. leb’ ich noch einige Zeit. Dann kann euch Ortlieb dienen. Zu eurem Ruhme blüh’ sein Thron! Schlägt er nach seinen Ahnen. sollt ihr mir Beistand leih’n. wie nah der Tod des Kindes sei.und racheblind? – Sie gab Befehl. daß ihr mit ihm zufrieden seid. wie Kriemhild es befahl. ein Mann. Das sollte nimmermehr geschehn! 1911–1917 (1910) . Sie saß an Etzels Seit’ Inmitten seiner Helden am Tische hehr und schön. Im Herzen wie begraben lag ihr die alte Qual. man solle zur Tafel bringen Etzels Kind. ihr lieben Freunde. Nehmt. Den jungen König Ortlieb behutsam in den Saal Und zu dem Fürstentische. Zum Streite war kein Anlaß. Hagen saß dicht dabei.

wüchse er Zum Manne. Die heitere Laune rings war fort. Das düstere Wort fiel schwer ihm ins Herz und quälte dort Mit ahnungsdunkler Sorge. Sie mochten’s kaum ertragen. wohl vertraut’ ich. Mir blüht an Ortliebs Hofe wohl kaum ein froher Aufenthalt. Erbitterten Gemütes. daß Ortlieb tüchtig war.247 Man hörte Hagen reden: „Wahrhaftig. das unheilvoll geschah danach? 1918–1920 . Als ob mit Hagens Worte dem Kind ein Leid geschäh. Doch scheint er mir zu schwächlich. jedoch sein Mund blieb stumm. Und auch den Fürsten tat es wie ihrem Könige weh. er wird nicht alt.“ Still wandte König Etzel den Blick zu ihm herum. Ich glaub. Wer ahnte das Verhängnis. daß er so grausam sprach.

Herr Blödelin!“ sprach Dankwart ruhevoll.248 XXXII. „Denn endlich ist zur Sühne die alte Schuld gedieh’n. Der lachte grimmig: „Seht doch. sprach Blödelin. 1921–1927 . Erschlagen lag Herr Blödelin. Daß Hagen Siegfried erschlug. Gunthers Mann. Sie reu’n mich längst. bis es vor Dankwarts Füßen blieb. daß uns die Reise so schwer gereuen soll? Ich war ein Kind.“ So sprach Dankwart. Erhob sich ein Getümmel. das sie Euch rächen hieß?’’ „Wozu noch weiter reden! Ich klage dich nicht an. denn Bitten liegt nicht in unserer Art. „Wollt Ihr. des Notung Braut. als Siegfried im Wald das Leben ließ. willkommen! Doch was führt Euch her?“ „Mir liegt an Eurem Gruße nicht viel“. das heute zur Vergeltung fließt.“ „Wollt ihr’s nicht anders. Nun wehrt euch. daß er’s schwang. Indes er empor vom Sitze sprang. Doch deine Sippe! Hagen erschlug ihn. Unglückselige! Hier geht es um ein Pfand. hätt’ ich die Worte gern gespart. Aus dichtem Menschendrang Trat Blödel nah zu Dankwart. Ihr büßt Die Tat mit Eurem Blute. die Morgengabe blinkt. zur Mitgift bringt. Vom jähen Hieb Das Haupt flog rollend. Fuhr unversehens sein Schwert heraus. Wie Blödelin erschlagen wurde Als Dankwart mit den Knechten am Tische aß und trank. Was Schlimmes wirft mir Kriemhild denn vor. Die Blödel seiner Liebsten. Befliessen grüßte der Und sagte: „Lieber Blödel. Das Ende naht.“ „Nicht doch. Den Tod! Es einzulösen hat uns die Königin hergesandt. Kaum.

Womit Kriemhild uns gütig ins Hunnenland entbot? Wehrt eurer Haut euch. Die Hunnen wankten. versammelten vorher Die rachegierigen Hunnen vor’m Haus ein ganzes Heer. Von furchtbarem Verhängnis erzählt die grause Mär: Erschlagen lag am Boden das Nibelungenheer. was Blödel unheilvoll gewagt. Ein Brautgeschenk wie Blödel gewänne der daran!“ Ein treu ergebener Hunne hatte es gesagt. und damit schlug er zu. Freunde. 1928–1936 (1929. Daß Kriemhild angestiftet. Eh’s noch der König wußte. Er ganz allein stand aufrecht in ungebrochenem Mannesmut. Nibelungen. Hieb und Stich. Was half die Heldenkühnheit? Die schwerste Not begann. wichen. Mit schweren Stühlen hieb man drein.249 Vermählte man sie morgen auch einem anderen Mann. Sie stürzten aus dem Hause. Schnell ward man handgemein. Am Sieg verzweifelnd hielten sie aus bis auf den letzten Mann. Furchtlos und fest zusammen. Doch von der Rachewut Lagen in dem Saale fünfhundert Hunnen tot im Blut. Wohl standen die Burgunden. doch härter stets bedrängt. ob sie auch grimmig sich Noch wehrten gegen Stühle und Schemel. in dichtem Knäul gezwängt. 1933) . endlich das grause Spiel. Bis schließlich ihre Menge im Kampf die Oberhand gewann. dann langte er im Nu Nach irgend einem Schemel. Zweitausend Männer scharten sich schnell und stürmten an. sie alle tot im Blut. denn nun beginnt die letzte Not!“ Fand einer keine Waffe. Die laute Stimme Dankwarts drang schneidend durchs Gewühl: „Erkennt ihr. Verbeulte Helme gab es. Kein Friede war mehr möglich. Dazu zwölf Ritter Dankwarts.

Ich selber stehe ein Für das. und stünde Gott mir bei. „Weh mir! Wie mag dies enden!“ Laut rief er es hinaus. „Zurück ihr Hunnenhelden! Weicht! Laßt mich aus dem Haus! Gebt Raum. kaum von der Schwelle sprang. Wie viele neue Schwerter hemmten seinen Gang! Die noch von seinen Wunden im Kampfe nichts gesehn. – wie arm ich bin!“ Schon drangen immer dichter die Waffen auf ihn ein. ihr lieben Freunde. So stand er. Sprangen ihm entgegen. müd vom Kampfe. Hagen zu vermelden. der Lärm versiegte stumm. des du dich erkühnt!“ „Auf eure Drohung geb’ ich nur eine Antwort: Weicht! Kommt nicht zu nah. in welcher Not ich sei! Wüßt’ er. Da sah sich Dankwart traurig nach den Gefallenen um: „O weh. daß ich mich kühle! Laßt mich in Luft und Licht!“ In festem Gange schritt er dahin. Manch ein Panzer bewies. „Hätt’ ich nur einen Boten. Das Schildband tief nach unten. wie gut sein Hieb geglückt. den Schild selbst hochgerückt. um ihn. gingt alle ihr dahin? Nun unter tausend Feinden steh ich allein. Er hülfe mir heraus wohl. Sie hinderten ihn nicht. Denn alle Schläge zielten im Kampf auf ihn allein.250 Das Kampfgetös’ verhallte. Doch als er. sein Bruder wäre von Tausenden bedroht. Dann wird er es erfahren. ich warn’ euch! Es röteten sich leicht Noch viele Panzerringe. den letzten. was ich getan hab. und will mein eigener Bote sein!“ 1937–1943 . den Angriff. zu bestehn. wie gründlich du gesühnt Den Schaden unseres Königs. oder er stürbe gleichen Tod!“ Die Hunnen höhnten: „Selber wirst du dein Bote sein! Wir tragen dich dem Bruder tot in den Saal hinein.

Er schlug sich durch die Menge. Er hatte seinen Mut noch. die anderen schlug und trieb Er immer höher. Erschrocken hatten viele den Becher nicht geleert. Macht Platz! Gebt frei den Gang!“ Dem einen.251 Sie griffen an. Schildlos erschien er ihnen ein leichtes Beutestück. doch schlug er um sich mit klugem Hieb. er hatte selber den Botengang vollbracht! 1944–1950 . gespitzt und schlank. bis er sich endlich Bahn gemacht. ungestüm. er hieb und stach und traf. Und er bis an die Treppe des hohen Fürstensaales drang. dennoch frohlockten sie zu früh. hieb er eine Todeswunde. dazu sein Waffenglück. der gefährlich von oben drängte. So drang er immer weiter. So haut ein Eber wild Im Wald sich durch die Hunde. Ein Wunder schien’s. Daß man dem Vielgewandten ängstlich vom Leibe blieb. – Ein herrlich kühnes Mannesbild! Und wo er hieb. Wie manchem da der Bissen im Munde steckenblieb! Man hörte schon. Er fuhr sie an und drohte mit lautem Herrenton: „Was steht ihr hier? Schenkt lieber den Gästen Speis’ und Trank! Botschaft für meine Herren bring’ ich. Von beiden Seiten drängend wie Jäger trieben sie Ihn in die Enge. Bis endlich ihm der Durchbruch des Menschenwalls gelang. verwegen. Daß der gespickte Schild ihm zuletzt aus müden Händen sank. Drum schossen sie mit Speeren. zahllos. da sanken die Gegner neben ihm. Daß jäh von seiner Klinge noch mancher fiel in tiefen Schlaf. wie Dankwart die Gegner von der Treppe trieb. Er sprang in ihre Mitte. Truchseß und Diener hatten schon längst den Lärm gehört. Am Treppenaufgang nämlich standen die Schenken schon.

Man rühmt ihn um so länger. wenn ihm nicht der Teufel gar die Stange hält. Die Ritter und die Knechte in ihrer Herberg liegen tot!“ Hagen sprang vom Sitze: „Sag. zerhau’n. wer hat das gewagt?“ „Herr Blödel mit den Seinen! Doch sei es Euch gesagt: Er mußte schnell es büßen. Ich weiß es nicht. „wird ein Held In offenem Männerkampfe von Heldenhand gefällt. der ihn gewähren ließ. des er sich unterstand. Mit bloßem Schwerte stand er im Saale. ihm klag’ ich unsere Not. doch sind es wohl für den ersten Schlag genug!“ 1951–1956 . Wie die Burgunden mit den Hunnen stritten Dankwart setzt’ in die Türe den Fuß und schob und stieß Den Kämmerer beiseite. Bruder Hagen. „Das will nichts heißen“. Ich selbst schlug ihm das Haupt ab mit dieser meiner eigenen Hand. Vom Blut bespritzt die Kleider. wovon seid Ihr so rot? Wer war so dreist und bracht’ Euch in solche Wundennot? Kann ich den Frechen fassen? Wo steckt er? Zum Entgelt Schlag ich ihn tot. Gott im Himmel hört es. Die Tränen trocknen schneller in ihrer Frauen Angesicht. der Helm verbeult. Wie viele es sind. verweilt Ihr schon beim Mahl. und man beklagt ihn nicht. Wie hallend Erz erdröhnte die Stimme durch den Saal: „Zu lange. Bruder. furchtbar anzuschaun. Heiß ging es her.252 XXXIII. sagte der Tronjer.“ „Ich bin gesund. Ihr aber. Es sprang Aus Wunden unserer Feinde. sagt mir. die ich zu Boden zwang. die ich erschlug. gerötet von anderer Blut.

leg’ ich die Hand nicht mehr daran?“ 1957–1964 . Es ward zu schwer. So trinken wir Kriemhildes roten Königswein Zum Liebestrunk: Der junge König soll der erste sein!“ Mit einem raschen Hiebe schlug Hagen Ortlieb tot. Für alle Müh des edlen Getreuen – ein gar schlimmer Sold! Der Spielmann Etzels lehnte am Tisch. die’s verdient. stünde der nicht hier. Der wie ein Blitz ihm trennte vom Arm die rechte Hand. der daneben für Ortlieb Sorge trug. es ist nur ehrenvoll. Nun weiß ich nicht. Wenn ich solch mächtige Könige als Türhüter bedienen soll!“ Hagen trat zu Gunther und sprach: „Mich wundert sehr. je zuleide? Mein König sandte mich. Es flüstern miteinander die Hunnen hin und her. Hagen nahm die Waffe in beide Hände. Das war der grause Anfang. Kriemhild läßt – lange wüßt’ ich’s – ihr Leid nicht ungesühnt. Das zarte Haupt fiel blutig in seiner Mutter Schoß. Nun mordete man schonungslos. Das Haupt ab. „Sorgt. Sie möchten wohl ins Freie. soll ich Kämmerer werden. Daß keinem Ihr den Ausgang aus diesem Saal gewährt!“ „Gut. Der Hüter an der Tür. meine Hand! O weh mir!“ rief Werbel. Hagen. schlug Dem Hüter. Vom Schwert auf seine Hände hoch sprang es heiß und rot. daß vom Rumpfe es an den Boden rollt’. Sie trachtet. Der Botschaft brachte – lieber wär’s ihnen. „Das melde. widersteht und wehrt. Die Geige lag In seiner Hand noch. wie kann Die Geige wieder tönen. zu strafen. Ich kam in guter Absicht.253 „Verwahrt die Tür!“ rief Hagen. bringst du wieder mal Botschaft ins Burgundenland!“ „Ach. „Was tat ich Dir. Hagen versetzt’ ihm einen Schlag.

eh er im Schwall versinkt!“ „Verlaß dich drauf!“ rief Volker. Und Giselher. – „Volker. so kühn war er und hart. Hagen war’s einerlei. Daß ihm der Kopf erdröhnte und ganz von Tönen klang. den Feind im Antlitz. rang Und hieb und traf und wehrte. Dankwart. Da’s aber ganz unmöglich war. doch das Haus War gut verwahrt. Nun kamen Etzels Männer zum Sterben an die Reih! Zu Leibe ging er ihnen in wallend-wilder Wut. Manch einer von dem Schwerte solch einen Streich empfing. hau den Bruder heraus. denn Dankwart ließ keinen ein und keinen aus. Gernot beschützte ihn Mit seiner Waffe. Dem wehrten die drei Könige. wie er von dem Knäuel umschlungen wütend ringt! Hilf. daß rauh sein Ton erklang. Die Überzahl war groß. den Feind im Rücken. 1965–1976 (1972) . Besiegelt schien des Hüters Los. Und wie er fiedelnd ging. Sie hätten gerne zwar Die Kämpfenden getrennt noch. die ihm einst Rüdeger verlieh’n. Doch immer wilder wurde und wütender der Drang. Hagen sah die Drangsal. „Nimm du dich Dankwarts an! Sieh. Verzweifelnd kämpfend sanken die Hunnenhelden in ihr Blut. An Hagens Seite eilte auch Volker. Doch Dankwart wußte wacker die Türe zu versperrn. Griff Gunther selbst zum Schwerte. Sie drängten an von draußen. das merkte mancher Widerpart. So stand es schlimm um Dankwart. Von drinnen stürmten andere den Ausgang. Froh sahen seine Freunde. Seine Hand tat Wunder. rasch heran!“ So gellte seine Stimme. daß er den Weg zur Tür erzwang. so jung er. Volker. zu helfen ihren Herrn.254 Könnt’ er auch nie mehr fiedeln. und er schwang Den blanken Fiedelbogen.

helft mir! Erreicht er mich. Der Berner sah. wie das grause Unheil. Zwei tapfere Kerle stehn Statt tausend fester Riegel. Bin ich des Todes. Laßt Euch die Königin empfohlen sein!“ 1977–1985 (1978) .255 Nun stand er neben Dankwart: „Ihr trugt die schlimmste Last. was angst. Nur Eure Kraft allein Vermag zu retten. Ein gnadenloser Rächer. da warf Den Schild er auf den Rücken. Hagen! Heute schenkst du von deinem allerschlimmsten Trank!“ Der König selber bebte. ihn selbst bedrohend. „denn es droht Mir selber doch von ihnen Gefahr und Todesnot!“ „Nein. Was half ihm seine Würde vor Hagens blutig-wildem Groll? Da schrie Kriemhild: „Herr Dietrich.“ So taten sie. So bitt’ ich. Wehrt Ihr dem Sturm von draußen. schwoll. Herrn Etzels Saal verschlossen. bedenket Ehr’ und Blut Der Amelungenfürsten! Helft mir vor dieser Wut Des grimmen Hagen! Rettet. So halten wir uns beide das üble Hunnenpack vom Leib. sah er doch rings die Not. helft mir. Wie seine treusten Freunde hinsanken in den Tod. will eine Tür man gut versehn. Dann schlug er hart und scharf. wie mancher Freund erlag.und schreckensbleich Ihm kam vor seine Klinge. wie klirrend von Hagens Hand und Schlag Die Eisenhelme barsten. indes ich drinnen bleib. Da sprang der Amelungen Gebieter auf die Bank: „Weh. daß Ihr mir nun die Hälfte überlaßt. nein. Steht mir doch bei! In Tränen flehe ich!“ „Wie kann ich anderen helfen?“ sprach Dietrich. Der Spielmann rief mächtig in den Schwall: „Freund Hagen.“ Als Hagen so die Saaltür gesichert sah. Herr Dietrich. vor der Türe ist fertig unser Wall. Ja. und jedes war ein Todesstreich.

“ Da schütterte die Halle von Dietrichs lautem Zorn. Will er uns einen Vorschlag tun?“ Er rief ihn an: „Herr Dietrich. Führt wenige oder viele an Freunden mit hinaus. worauf er auch seine Mannschaft folgen hieß. mir war es bitter leid. ist Euch etwas geschehn Von einem meiner Freunde? Ich strafte sein Vergehn. So verließ Dietrich den Saal. Dann schlang er.256 „Ich will’s versuchen“. Gunther vernahm den Anruf: „Seid still! Hört Dietrich an! Er winkt dort von dem Tische. Und seine Stimme dröhnte rauh wie aus einem Wisenthorn.“ Dietrich begann: „Die Meinigen sind heil und unversehrt. jedoch wir öffnen sie Und reißen sie für alle weit auf!“ Doch Dietrich sprach: „Schweigt! Was Ihr alles tun wollt – den Teufel frage ich danach!“ Gunther gab sein Wort ihm: „Weit offen steht das Haus. Davon erbebten alle. Doch gebt freiwillig Frieden! Verschont uns und gewährt. Die war zu Tod erblaßt. 1986–1995 (1990) . Nur laßt mir meine Feinde! Die Hunnen soll’n im Saal Noch büßen. was sie frevelnd mir angetan an schlimmer Qual. Laßt Eure Waffen ruhn Und hört. Das Kampfgebraus zerrann. Den einen Arm um Kriemhild. sprach er. Und mit dem anderen führt’ er Herrn Etzel. daß unser Dank Euch das gedenkt!“ Wolfhart rief wild und höhnisch: „So fleht doch nicht zu früh! Der Spielmann sperrt die Tür wohl. was ihm geschehn ist. daß er sie fest umfaßt’. Für immer seid versichert. „gab’s auch seit langer Zeit Nicht solchen haßgeschürten.“ Dietrich vernahm’s. Daß wir den Saal verlassen in Freiheit ungekränkt. Geschah Euch das Geringste. verbissenen Männerstreit. Zu Buße und Versöhnung mit Euch sind alle wir bereit.

daß blitzschnell sein Haupt vor Etzels Füßen lag. Ganz gleiche Treu und Frieden.257 Auch Markgraf Rüdeger sagte: „Gebt Ihr noch andere frei. Dem gab der Spielmann Volker zum Abschied einen Schlag. Da wandte sich der König herum und stand und maß Mit langem Blick den Spielmann: „Weh! Nie bisher vergaß Ein Gast so ganz. mit Gewalt Zurück kam und die Güte des Königs Gunther schlimm vergalt. doch schlimmer hat sich noch nie ein Gast bedankt!“ 1996–2002 . Von dessen scharfem Schwunge schon mancher Held erblich. Zu meinem Heil entrann ich vor diesem tollen Teufel noch! Gar wilde Melodien singt er zum Geigenstrich. was seine Wut verlangt. ihrem Herren. Daß der von Bechelaren bewaffnet. „da drinnen haust ein Gast. der statt im Weine in unserem Blute praßt. Ein Hunne hatte klug sich in Dietrichs Näh’ gedrückt. Den um der Eintracht willen ein Freund dem Freunde gern gewährt.“ Zur Antwort gab ihm Giselher: „Wahrlich. Ich weiß es nicht. räumten dann den Saal Fünfhundert seiner Mannen. Von solcher Art. Volker. Ihr hieltet fest An wahrer Treu. die niemals den Freund im Stiche läßt. Die nah Euch und verbunden? Dann laßt auch uns vorbei. Weshalb er uns so züchtigt. Nie ward ein Wirt belohnt noch mit solcher mörderischen Not!“ „Ein übles Fest!“ sprach Etzel. Ein wilder Eber scheint er und ist ein Spielmann doch. Es kam die Zeit einmal. Und zu entwischen wäre ihm beinah auch geglückt. Versöhnung bieten wir. Uns trennt ja nichts. So bleibe der Friede ungestört. was immer die Gastfreundschaft gebot. Geht ungefährdet! Niemand verwehrt Euch feindlich mehr die Tür!“ Mit Rüdeger.

Kein Geigenklang durch Helme. hört Ihr sie. Nun steh’ ich hier im Saale. Und jeder Gast nahm Rache für Hieb und Schläge. stählerne Melodie? Rot jeder Strich. kein Lied. daß keiner mehr entflieht. dann bleiben ein Herz und eine Seele wir. so drang kein Spiel. dazu ein herrlich Kleid!“ – Nun ward es still im Saale. Als dein Gefolgsmann Gnade und Gunst dir gut vergilt. er fiedelt an der Tür.“ „Nur schade“. Er war mein Kamerad ja und bleibt’s auch fernerhin. wie er getreu den Dienst erfüllt. stumm gereiht. Und den Burgunden fielen die Schwerter aus der müden Hand. Sind wir zu Haus. Er fiedelt sie zu Tode und sorgt. den Volker mit seinem Bogen zieht. So wacker stand kein Spielmann. Des Spielmanns schneidend wilde. König Gunther. Funkelnd wie Wetterstrahl Erblitzte Volkers Waffe. durch Schilde. Schau. 2003–2008 . Am Boden alle Hunnen nach letztem Widerstand. Auf Volker blickte Gunther: „Freund Hagen. Da lagen. brach im Saal Laut wieder los der Kampflärm. Ein Roß sollt’ man ihm schenken. Brünnen ins Geblüt. „daß ich nicht bei ihm bin. die manchen Helm durchschnitt.258 Kaum waren die Befreiten gerettet. die er litt. sagte Hagen.

wenn sie den toten Mann erkannt. Umschloß ihn mit den Armen.“ Ein Wort. Da traf der Schuß des Spielmanns auch ihn. Die schrien vor Empörung. 2009–2016 (2012) . zu lindern seine Not. Den hätte gute Pflege gerettet wohl vom Tod. das gut und redlich schien. Die Hunnen seien feige. Sah einen seiner Sippe. den Toten nah verwandt.“ Und wie er riet. geschah es.259 XXXIV. Der stürzte da zu Tode. Da höhnte Volker bitter: „Schon lange hört’ ich zwar. Ein Markgraf. Da standen viele drunten. Das so vergossene Blut Erpreßte ihnen Tränen und reizte sie zu wilder Wut. Wie sie die Toten hinabwarfen Kampfmüde sanken alle auf Stuhl und Bank. Sie jammern wie die Weiber. Sie warfen wie ins Grab Die Toten von der Treppe nach unten steil hinab. Wenn wieder frisch der Ansturm der Hunnen auf den Saal beginnt. Er streckte seine Hand. es ist wahr. und beide lagen tot. Im Saal indes sprach Giselher: „Ruht noch nicht aus! Ich rate. Noch mancher war am Leben und litt nur Wundennot. Gelehnt auf ihre Schilde begannen sie voll Hohn Im Kreis sich umzublicken und dreist zu spotten und zu drohn. der es ernstlich in solchem Sinn verstand. Allein Volker und Hagen standen treu an der Tür zu zwein. werft die Toten hinab erst aus dem Haus. Nun seh ich. statt daß sie sich bemühn Um ihre wunden Leute. Daß sie uns vor den Füßen hier nicht im Wege sind.

rief laut im Kreis: „Der nähme Etzels Schild voll von reinem Gold als Preis. Viel Tausende von Kämpfern traten draußen an Vor Etzel. Da lacht’ ihn aus Der Tronjer und rief offen ihn höhnend ins Gewühl hinaus: „Verwandt ist König Etzel mit Siegfried. wog ihn. Entfernt und lose zwar Scheint mir. und – wilder ward die Flucht – Warf mitten ins Gedränge den Stahl mit urgewaltiger Wucht. in ihrer Ehre gekränkt.260 Volker verfluchend rannte das Volk. Kriemhild war Die Liebste ja des Toten. Die alle bei uns stehen und ohne Furcht und Grau’n  [haun. ist die Verwandtschaft. worauf sie warten noch. Der war ein tapferer Held! Warum hast. Ingrimmig lächelnd sparten Volker und Hagen nicht Reizrede. Ein scharfer Ger. du mir durch andere nachgestellt?“ Kriemhild. Heut denken Könige selten an ihre Fürstenpflicht. Ich ließe ganze Länder und Burgen ihm als Dank dafür!“ Drauf spottete der Spielmann: „Nun möcht’ ich wissen doch. Hohn und riefen zum Spott dem Könige ins Gesicht: „Es ziemte wohl den Fürsten – die Völker säh’n es gern – Kämpften an der Spitze sie mit wie unsere Herrn. Er nahm ihn ruhig. Der Hagens Haupt abschlüge und käm und brächt’ es mir. Warum die Hunnen zögern. Geworfen aus der Menge. der erbittert auf Tod und Sühne sann.“ – Fließt auch das Blut vom Schwerte – selbst durch die Feindeshelme So kühn war König Etzel. feiger König. zurückstehn wollt’ er nicht. Am Schildband hielt man Etzel zurück. Nie sah ich Helden solchen Kampfpreis zaghaft verschmähn. Mit besseren Männern sollte der König Etzel sich versehn! 2017–2026 (2021) . flog dicht zu Volker her.

jedoch beiseite stehn. Wenn’s Ernst wird. solcher Schimpf soll als Hunnenschande nie vergehn. Versagen aber schmählich. kommt er einmal in Not. Mit Heldenmut zu prahlen.“ 2027 . Sie essen zwar ihres Fürsten Brot.261 Da stehn sie nun.

Euch zu bestehn im Streit. das hielte ich lügnerisch nicht ein. sagte Hagen. wie hält Nun Iring Wort? Das tadl’ ich. Zu dritt mir allzu nahe. „Freund Hagen. der Starke. Hawart. Laßt mich allein!“ 2028–2034 . Seit wann denn lügt ein Held? Allein gelobte er doch. Erlaßt mir diese Schmach. ich fürchte nichts. sprach Iring. an tausend. „wenn einer droht und flucht. dann bring’ ich Herrn und Knecht Die Treppe schnell hinunter. schaut. Die schlossen sich an Iring.“ Iring bat seine Freunde: „Allein. Was ich gesagt. kaum erst zur Männlichkeit erblüht. So grausig Hagen wütet. Hör auf zu prahlen endlich! Denn Worte tun es nicht. im Geleit. Männer. kampfbereit. wie ich’s versprach. Der Thüring Irnefried. Wie Iring erschlagen wurde Erbittert sagte Iring. Ein kühner Jüngling. wahrhaftig. Ich komme! Nicht die Zunge. Am schärfsten schnitt sie dann. dann verbarg Ich niemals meine Klinge. Markgraf von Dänemark: „Ging es um Ehrensachen. In manchem schlimmeren Gange hab ich mich schon versucht. Will ich den Kampf versuchen. ihm beizustehen. Nun hat er tausend Männer und mehr zum Schutz an seiner Seit.262 XXXV. laßt nur weit Die Hunnen mir vom Leibe! Kommt Ihr etwa zu zweit. nur meine gute Waffe spricht!“ Iring war bald gewaffnet. Bringt mir die Waffen! Gegen den Tronjer steh ich meinen Mann!“ „Dann“. Befremdet sah’s der Spielmann. wenn Ihr Euch auch die Knochen brecht!“ „Mich schreckt es nicht“. „rat ich Euch dringend.

So ehrenvoll der Vorsatz. wobei keiner von beiden einen Schaden litt. er ging in tödliche Gefahr. Hin wirbelnd flog der Ger. Doch hitzig dann Drang Iring in den Saal ein. Er flog zerschmetternd schier Mit voller Wucht hernieder auf Hagen an des Saales Tür. Vier Männer der Burgunden fiel er im Rückzug an. Hart prallten ihre Schläge. ungern und traurig zwar. Herr Iring. Hob seinen Ger und wog ihn und lief und warf gewandt Ihn in gewaltigem Bogen. Zum Schwerte griffen beide. unerschütterlich. Da schäumte Giselher in hellem Zorn: „Ihr wißt. Mit König Gunther stritt Er heftig. Doch der ergriff die Waffe. Der schlug das Schildgespänge ihm ab. Doch Hagen widerstand Und trotzte unerschüttert des Gegners Rachedrang. Von Dänemark Herr Iring. Daß sinnberaubt im Blute Iring vor seinen Füßen lag. Die Schilde barsten krachend und nützten schon nichts mehr. Nachgaben sie ihm schließlich. den Schild zur linken Hand. Drum ließ er von dem Tronjer und sprang den Spielmann an. 2035–2045 . Schon ging’s ihm schlecht. Mit Gernot kam er danach in hitziges Gefecht. und Flammen schlug das Erz Aus Helm und Brünnen. Die hieb in schnellem Kampfe er nieder bis zum letzten Mann. daß sie von Haus und Wand Und Türmen widerhallten. daß Ihr diese Gefallenen büßen müßt!“ Er holte aus zum Hiebe und gab ihm solchen Schlag. Heißer erflammte beider Kämpfer Herz. daß an Hagen sein schweres Werk ihm nicht gelang. Um Ehre ging’s. So blieb er hart. Der hätte ihn beinahe gefällt.263 So bat und drängte Iring die Freunde flehentlich. Der sah bald.

Wie er sich retten könne. Wie’s um ihn stob von Funken. als flammte Feuer lichterloh. Doch was ein Mann vermöchte. das hat mich Giselher gelehrt!“ Er hielt sich still. Er fühlte im Erwachen: „Noch bin ich unversehrt. Die kleine Wunde ist Euch kein großer Trost. Er warf sich auf den Dänen. 2046–2056 (2053) . Er hörte Giselher. was ihm geschehen war. Schnitt durch den Helm. Wenn er sich rührte. Den zweiten Gang zu wagen. zum Saale noch einmal – Das ziemte einem Helden! Dann hielt ich ihn für kühn. Doch nur besinnungslos Lag Iring. bis ihm die Flucht nach draußen schnell geglückt Heil zu den Seinen kehrte Iring. wenn der Teufel nicht selbst dich retten will! Doch Irings Waffe – Waske genannt – ein guter Stahl. Es standen die Feinde um ihn her. sann klug er und besonnen nach. Hell prasselnd gingen so Auf Hagens Helm die Schläge.264 Für tot ließ man ihn liegen. wüßt’ er. bedachte Hagen still: Dich töt’ ich. der schutzlos beim raschen Überfall Des Angriffs nicht gewärtig. „Käm er aus eigener Wahl. Da lohte ihm viel heißer der wilde Zorn im Blut. der betäubt war vom harten Schlag und Stoß. „Gott lohn dir’s! Was ein Trost doch im Unglück Wunder tut! Es hofft mein Herz! Nun sah ich zum ersten Male Hagens Blut!“ „Dankt nicht zu früh!“ rief Hagen. Blitzschnell vom Boden sprang er empor und warf im Prall Auf Hagen sich. der zornigen Tones sprach. kein Ruhm für ihn. Der wich und sprang geschickt Die Stufen abwärts. und Frau Kriemhild Nahm selber voller Freude vom Arme ihm den Schild. So strömte des Tronjers Blut zum erstenmal Als er die Wunde spürte an ihrer heißen Glut.

das wär mir lieb!“ Iring. Der Markgraf sann: Noch einmal versuch’ ich’s kühn mit höchster Kraft. doch überwand Ihn Hagens Schwert. Ringsum die Menge pries.265 Das bißchen Blut. Er sah vor seinen Füßen den Ger. Er rief nach einem Schilde. ein Tropfen. Den hob er auf und zielte und traf den Gegner scharf. Sein Zorn wuchs in Gefahr. Zu Leibe ging ihm Hagen. Den Stärksten aller Gegner. denn Balmung schnitt wie ein Blitz von Stahl Durch Schild und Brünne. der Däne. der tödlich ihm verhaßt. Er wog ihn und grimmig dachte er Damit den Feind zu treffen. Ein langer scharfer Ger Ward ihm gereicht. Er sei vor allen anderen kraftvoll und heldenhaft. zu vergelten ihm jeden Streich und Hieb. den Iring warf. Es zeigte sich. Dem aber galt kein Warten. Daß ihm die Stange ragend hoch aus dem Haupte stand. Die wuchtigen Hiebe schallten. nun sei die Reih’ an ihm. und schlimm vergalt er ihm dafür. wund und leichenfahl. der durch die Ringe quillt. Sie möchte ich ersättigen! Käm er heran. Iring stand fest. löste den Helm vom Haupt und ließ Sich kühlen von dem Winde. Ein furchtbar Ende fand so der edle Held vom Dänenland. Iring wich taumelnd. Nur um so grimmiger schwillt Die Lust mir. Daß Iring für den Gerwurf nicht Raum genug gewann. Etzels schlimmsten Gast. Er rückte seinen Schild hoch und warf sich ungestüm Auf Hagen. daß Iring an Kraft ihm nicht gewachsen war. Doch wähnte er noch einmal. ganz erglühend in flammender Begier. Die kleine Scharte schmerzt nicht. Ein feuerroter Brand Stob aus den Helmen. 2057–2064 . den Tronjer. Er stürmte rasend an. Doch Hagen war sein Meister.

“ Den Thüringern und Dänen vertraulich zugewandt. Irnfried und Hawart kamen. Eh noch das Haupt entblößt Vom Helm. wenn kämpfend ihr Hagen zu begegnen denkt!“ Sein Antlitz war erblichen im kalten Todeshauch. Die Freunde rings in Jammer und Tränen traf sein letzter Blick. Da drang es hageldicht Von Speeren und von Schäften auf beide Freunde ein.266 Im Arm der Seinen lag er. Der schlug so eisenhart. In Tränen beugte Kriemhild sich über Iring her. denn das bleibt unverschenkt. mit ihnen tausend Mann. fallend im Angesicht Der Thüringer und Dänen. 2065–2074 . Der Widerschlag des Dänen durchtrennte scharf und schnitt Die Eisenringe Volkers. daß Irnfried fiel und schnell erblich. und neuer Streit begann. Irnfried traf auf den Spielmann. schon nahte des Todes Wehgeschick. Doch stärker als die Treue des Mannes ist des Todes Zwang. Da sank er hin. Die Dänen und Burgunden bekämpften sich Mann gegen Mann. wie es uralter Brauch. Nun aber galt es Sühne. In brausendem Getose hub neu der Kampflärm an. ward aus der Wunde die Lanze sanft gelöst. Ihr wählt den Tod. Von Hagens Hand sank Hawart. und eure Hand Wird Kriemhilds Gold nicht ernten. Daß jäh von seinem Hiebe der Helm Irnfrieds gespalten ward. Der tapfere Recke wehrte und sagte: „Weint nicht mehr! Gern hätte ich gedient Euch und Etzel lebenslang. Der zwang die dänischen Männer. In roten Funken glitt Der Kettenpanzer nieder. Eh sie die Tür erreichten. Sprach er: „Vergeblich ist es! Gebt’s auf. ward man im Kampf schon handgemein. Aber des Spielmanns Strich Ging schneidend durch die Lüfte.

qualerfüllt. Da blitzte und erklang es von Klingen-Schwung und -Saus. Die Schwerter der Burgunden taten noch Wunder an Gewalt. als ob er noch gar nicht kampfesmüde wär. Die Waffen glitten nieder. die Kriemhildes Todhaß in ihre Brust gesät. Die Frauen und Mädchen rauften die Haare. Doch saßen sie und ruhten von Qual ermüdet aus. „Zurück! Dort finden sie. So schaute wartend er Nach Feinden aus. Hin sanken sie erschlagen. Bis in den Rinnstein floß es im Rauche heiß und rot. Mich dünkt. Dann ward es atemstille.“ Es drangen nacheinander an tausend in das Haus. Jammernd stand König Etzel. 2075–2080 . bald. noch allzu früh! Nicht einer soll entrinnen! Zu blutiger Frucht gerät Die Saat nun. Worum sie sich so lange gemüht. – sie blieben Herrn ob Not und Tod. die tapferen Gegner. In die Dielenlöcher strömte das Blut hinein. Nur draußen vor dem Haus Stand noch der kühne Spielmann. Entgehen solle keiner von allen seiner letzten Not. in Tränen auch Kriemhild. der wilde Lärm schlief ein.267 „Geht in den Saal!“ rief Volker. es habe strenge verschworen sich der Tod. Die Männer von dem Rheine.

Alles. die stolzen. Er rang sich immer wieder heraus. Ich und mein Kamerad hier. Nach Frieden aber lechzten all ihre armen Sinne doch. Der Tag sank. Wie schlecht der Wirt doch sorgte für seinen müden Gast! Wie leer und kahl die Tafel. Doch sie erfuhr mit Etzel. schien er versunken fast. Die Tür versorgte Dankwart. 2081–2087 (2085) . da wuchs im Saal die Not. und Dankwart sorgte gut. Als solche Qual. das die Ihren gezündet und geschürt. schlugen noch. der große Todestag. „Noch einen Sturm befehl’ ich!“ rief Etzel. War man um ihn schon bange.“ Sie kühlten sich die Häupter nach all der harten Müh. so drückend auch die Last. wie hart ihr Sitz zu Ruh und Rast! Schon dunkelte der Abend. Das war der Sonnwendabend. ruhig und stumm wie die.268 XXXVI. Sie saßen auf den Toten. still verdämmernd. Die Herzen. was An Rachedurst und Trauer geweckt war. stärkte nur den Haß. da scharten noch einmal Sich Tausende von Hunnen zusammen vor dem Saal. Vergeblich immer höher wogte die Hunnenflut. Und haben Etzels Mannen Gelüst nach neuem Streit. Dann sichr’ ich euch und warne vor Überfall zu rechter Zeit. „Aber wir. daß Rache nie zum Glücke führt. Da Kriemhild ihre Rache verlangte als Ertrag Des Leidens. bewachen Trepp’ und Tür. Die Männer dachten. Wie die Königin den Saal in Brand stecken ließ „Nun bindet los die Helme!“ sprach Hagen. besser sei selbst ein schneller Tod.

weswegen Ihr uns haßt. Was ihr mir mörderisch wütend an Schaden zugefügt.“ Es fragte Giselher: „Wes klaget ihr mich an? Sagt. als gern gesehener. von Staub und Blut beschmiert. Frieden lehn’ ich ab. was wir taten. – Euch sollt’ ich schonen? Niemals! Versöhnung. Und gütiger Verwandten liebreiche Gunst empfinge mich. möge zu Ende gehn versöhnt und gut. das tot. Die Freunde. käme ich. so laßt Ausgleichen. habe ich mit Absicht gefrevelt und woran? Als Freund. ist deine Freundlichkeit Zu gut nur kund geworden im Lande weit und breit! Von deiner Güte liegt ja das ganze Land verwaist. Wodurch meine Gefolgschaft ein tückisch Ende fand? Litt ich’s nicht unverschuldet? Vertrauend kam ich doch ins Land. so dacht’ ich. sie alle tot im Grab.“ Sie sagten: „Ja.“ Doch vorwurfsvoll sprach Gunther: „Aus bitterer Not geschah’s. Mit allem Argen. erschlagen von euren Händen liegt. stolz und hehr.“ 2088–2094 . die Verwandten. Erfuhr ich nicht als erster des Hasses Übermaß. von solchem Leide ungerührt? Kriemhild und Etzel kamen. Wenn auch aschfahl das Antlitz. Etzel leihe nur einmal noch Gehör. Was schlimm begonnen. und hinter ihnen weit Und weiter schwoll die Menge in Unermeßlichkeit. wahrhaftig. Mein Kind. Der König fragte strenge: „Was wollt ihr von mir? Sprecht! Ihr möchtet Frieden schließen? Nur schwerlich tat ich daran recht. Wärst du mit deinen Brüdern niemals vom Rhein hierhergereist!“ Mit Bitterkeit versetzte Herr Gunther: „Nun. Wo war ein Herz und Auge. das uns Herr Etzel grundlos tut. Drum traten aus dem Hause die Könige.269 Sie hofften.

Im kühlen Windhauch wüchsen die letzten Kräfte doch. es wäre Heldenpflicht? Aufrichtig rat’ ich: Weigert es ihnen! Tut es nicht! Laßt ihr die Rachegierigen erst aus dem Saal. mich aufzuopfern deinem Haß? 2095–2101 . Womit verdien ich das. daß Ihr uns bald von dieser Qual befreit!“ Die Hunnen hatten’s schweigend in Achtung angehört.“ Da wandte Giselher sich einmal noch gefaßt An Kriemhild: „Liebe Schwester.“ Doch zornig wehrte Kriemhild: „Gar schlimm geriet’ euch dieser Wahn! Meint ihr. Fall’n sie in offenem Kampfe auf grünem Wiesenplan. Die Welt sah keine Helden wie diese Könige von Burgund. es brächt’ euch Ehre. Ehrt Euch der Sieg und wird auch das Sterben leicht und frei gefühlt. Daß du mich hierher ludest. geht ihr daran zugrund. Erkennt gut. wo lieblich die frische Luft uns kühlt. Wenn sie nur atmen können. Und wären meine Brüder allein am Leben noch. Schimpf und Hohn. laßt uns ins Freie gehn! Auf grünem Feld. „Laßt sie heraus! Es wird ja nur unsere Ehr gemehrt. will Euren Tod als Lohn Für alles. dann seid Mit Freunden und Verwandten ihr alle schnellem Tod geweiht. was Ihr tatet zu meinem Schaden. ich kam zu dir als Gast In brüderlichem Zutrau’n. Nur eine Sühne will ich.270 Dem widersprach Herr Etzel: „Wer all mein Leid ermißt. Drum macht ein Ende. daß es Eurem doch allzu ungleich ist. Kein Wagnis ist’s. Macht’s kurz. was Ihr uns Müden an Schlimmem zugedacht.“ Da bat Gernot den König: „Habt Ihr es abgesehn Auf Untergang der Unseren. Ermattet sind wir und todbereit. Genug an frischen Kämpfern zählt Eure Übermacht.

Wir stürben allesamt. Dann sorg’ ich.271 Von je war ich getreu dir. Solang ich atmen kann. ungnadenreich Ward ich durch Hagens Härte. verrieten unser Herrenamt!“ „Wenn wir doch sterben müssen“. „So wahren bis zuletzt wir die ritterliche Ehr. „Wo Hagen steht. So ritt ich im Vertrauen zur Schwester in das Land. In meinem Herzen barg Ich nie die kleinste Falschheit. Dann zündet an vier Ecken den Saal an! Drin erstick’ Ich Hagens wilden Hochmut. Und soll gekämpft sein. die soll’n zu ihrem Leid Erfahren. mein Bruder. wie er ihnen zu eigenem Schaden nur gedeiht. Denk’ ich auf Rache. da ’s an Gnade für Euch mir nicht gebricht. Bis seine Tat gesühnt ist. mit ihm mein ganzes Wehgeschick!“ 2102–2109 .“ Auch Dankwart schien das Schweigen nicht ziemlich mehr zu sein. – gut dann! Hier sind wir noch! Man hieß Treu immer einen Freund nur. da uns Brüder doch gleiches Blut mit dir verband!“ „Verarmt bin ich an Gnade.“ Schroff wehrte Gernot: „Wären wir selbst auch tausend noch An Blutverwandten. Nie tat ich dir ein Arg. daß ihr anderen Etzels Versöhnung auch gewinnt. gäben wir keinen einzigen doch Dir preis von unseren Mannen. Denn wir sind ja Geschwister und einer Mutter Kind. Und hart. Üb Gnade. und nimmer werd’ ich weich. Daß keiner aus dem Saale dem Tod entrinnen kann. da steht er nicht allein! Die solchen Frieden bieten. versetzte Giselher.“ Da rief Kriemhild: „So treibt sie zurück die Trepp’ hinan. uns selbst zu retten. der nie den Freund im Stiche ließ. Eh wir. Büßen sollt ihr bis auf den letzten Mann! Gebt Hagen mir heraus! – Dann weigre ich Euch nicht Das Leben.

So ungewohnt es schmeckte. Er setzte seinen Helm ab und fing das Blut darin. so mag das Leben in dieser Qual vergehn.272 Noch einmal schwoll es tosend von Lärm und Schuß und Schlag. „Das dank Euch Gott. den uns Herr Etzel bot? Nun denn. Herr Hagen!“ so sprach der durstige Mann. Zurück wich nach dem Saale. wo labend ein guter Tropfen rann. Sie schrien laut und riefen: „O weh der grausen Not! Viel lieber lägen draußen wir nun. unerschütterlich. So guten Wein wie diesen trank selten ich. trank er’s in langem Zug. Und wie es floß und strömte. umflammt von Glut und Graus. Von Flammen rings umhüllt. es dünkte ihn doch gut genug. erschlagen. Denn heut erfüllt Sich furchtbar an uns allen der Zorn der Königin Kriemhild. Habt Dank! Leb’ ich noch eine Weile.“ Und einer rief laut jammernd: „Das Ende kommt! Der Tod! Was hilft der schöne Willkomm. Der Wind blies in das Feuer. der trinke hier das Blut! Das ist in solcher Hitze viel besser noch als Wein. wen die Glut Und Qual des Durstes nötigt. Hätt’ ich nur solchen Durst nicht in dieser Hitze auszustehn!“ Da rief Hagen von Tronje: „Ihr Ritter. – nicht einer löste sich Vom anderen los. Die Zeit ist schlimm. „Daß ich erfuhr. Verbargen sich die Armen verzweifelnd hinter ihrem Schild. Die Fürsten und die Mannen. tot! Erbarm sich Gott! Verloren sind wir. Die Männer standen drinnen. gedenk’ ich es Euch lebenslang!“ 2110–2116 . Da hieß Kriemhild die Knechte anstecken Saal und Haus. wer draußen nicht erlag. Die Treue stand trotzig. So kann es denn einmal heut nichts Besseres sein!“ Es kniete einer nahe an einen Toten hin.

“ Es seufzte Giselher: „Mir scheint. noch einmal trotzt und wehrt Und kämpft bis auf das Letzte. Dann wähnen uns die Hunnen besiegt von dieser Qual. als es das Sonnwendfest der Schwester war. Und kommen sie. Da mahnte Hagen: „Drängt euch dicht an des Saales Wand. So feierten die Männer ein grausiges Gelag. bis endlich der Dämmerung wich die Nacht. Und wenn er auch nichts Besseres uns Armen bringen mag. die Waffen in der Hand. Barg sich ihr Leib. Schon halb erstickt vom Rauche. Da riet zur List der Spielmann: „Nun gehn wir in den Saal. Dicht fielen Feuerbrände. Allein vom Schild gedeckt. Auf allen Seiten drohend von gierigen Flammen eingeengt. gepeinigt. Schon weht herein vom Felde ein kühler Morgenwind. Schön wär’s. von Todesnot geschreckt. so hielten beide wacker stand. da sie des Blutes Lob gehört.273 Auch andere tranken. wie’s unsere Heldenehre wert. daß hier doch mancher noch am Leben blieb. Gelehnt auf ihre Schilde. Ein schönes Fest. Dann tretet mit den Füßen ihn in das nasse Blut. Doch vielen edlen Frauen ward später es zum Trauertag. Schützt euer Helmgebände! Und fällt herab ein Brand.“ Darauf erwidert’ einer: „Rot steigt herauf der Tag. zu dem uns die gütige Hunnenkönigin lud!“ So litten sie. Und wie von einem Wunder ward ihre Kraft gemehrt. Noch hielt der Spielmann draußen mit Hagen treulich Wacht. von Hitze fast versengt. begegnen wir rasch mit sicherem Hieb Und zeigen ihnen. Noch einmal nehmt die Waffen. Den scharfen Blick zum Feinde. gab Gott uns gnädig zu leben Tag und Jahr Und schönere Feste. der Tag beginnt.“ 2117–2123 .

fähig noch immer harter Gegenwehr. Ein starker Bann von Männern. von Feuers-Glut und -Qual. Sie sprach enttäuscht: „Wie sollte solch Wunder möglich sein? Wie hätten wohl die Männer vor dieser Feuersnot Ihr Leben noch gerettet? Verbrannt sind sie gewiß und tot!“ Zwar sehnten die Burgunden in ihrer Müdigkeit Nach Frieden sich und Gnade. ihrem Herrn. sie wären gesund trotz aller Pein. so hoffte Etzel. Ihr Mut war nun geschwollen. Da rief der Spielmann höhnisch: „Schaut her! Wir sind noch hier! Nie brannt’ ich mehr aufs Fechten. ein überreicher Sold. 2124–2132 (2125) . Von Wundennot erloschen das Leben in dem Saal. Was Etzel wünschte. – Leben und Leib ward mutig dran gewagt. Zu züchtigen. im Überflusse warf Kriemhild es hin. Nie traf es sich so gut. wird nicht ein einziger Mann Hier weichen von dem Platze!“ Da schwirrte eine Flucht Von Geren durch die Lüfte. Was einer sich nur wünschte. die mit Golde erhöhen ihren Mannesmut!“ Und andere riefen: „Macht es nur kurz. und kommt heran! Nur näher! Soll’n wir sterben.274 Nun sei. sechshundert oder mehr Burgunden lebten. Kriemhild erfuhr. kam zur Tür. hoch aufgehäuftes Gold. Was Kriemhild zugesagt. In breiten Schilden rotes. die Herzen scharf. Doch seine Wache sagte. Im ersten Tageslichte begrüßten schon von fern Die Hunnen sie mit Speeren von Etzel. Versprechungen und Gaben. gewaffnet. Die Schilde krachten von der Wucht. Und dennoch todbereit – Da nirgendwo mehr Gnade zu finden – ging ihr Sinn Auf Rache für ihr Sterben als ihren letzten Ehrgewinn. Sie machte die Hände reich.

Die tapferen Männer Etzels – sie sanken alle in den Tod. Dort brach ein Freundesauge in allerletzter Not. An manches Herz griff gierig der schneidend scharfe Stahl. Die Menge schwoll an und ebbte. Hier trug ein Freund im Antlitz ein blutig brennend Mal. 2133–2134 . dennoch kühlten an ihren Feinden sie den Mut.275 Was soll ich noch erzählen? Zwölfhundert wagten sich An Haus und Saal. wich. Das rote Blut Rann stromgleich. So wogte unentschieden der Kampf.

“ Sein Mitleid trieb ihn bittend zu Dietrich: „Zügelt Ihr. des Hasses wilde Gier!“ Doch der von Bern versagte sich ihm: „Wer möchte noch Abwenden das Verhängnis. ihn soll nicht kümmern. Etzel bleibt ungerührt. Da litt Es Rüdeger nicht länger. Mir scheint. Wenn es nach seinen Wünschen ihm selber gut ergeht. Dem doch die größte Macht hier bei Etzel zu Gebote steht! Zahlreiche Mannen folgen gehorsam seinem Ruf. Reich sein Besitz. Ihm brach das Herz in Trauer. Wie Markgraf Rüdeger erschlagen wurde Den ganzen Morgen hielten die Armen stand. An Burgen und an Gütern.276 XXXVII. Wie beiderseits man willig das beste Blut vergoß. er tat nicht einen einzigen Schlag. wie kaum sich Rüdeger Erwehrte seiner Tränen. So hart die anderen kämpften. was auf dem Spiele steht. so viel er haben mag. Die Könige zu retten. daß eine Mutter“. In dieser Not vergaß wohl sein kühnes Herz Herr Rüdeger!“ 2135–2140 . so rief er. „Weh mir. wie er heut müßig geht. indes sein Auge überfloß. Man preist ihn. Laut tadeln sagte er Zur Königin: „Seht den Markgraf. will Etzel keinen Frieden doch!“ Da sah ein Hunnenführer. „mich gebar! Ist dieser Haß und Jammer denn ganz unwandelbar? Wie gern ich Frieden schüfe. kühner sei er. Wie man verzweifelt stritt. als sonst kein anderer mehr. den einzig des Königs Gnade schuf. Da er die liebsten Freunde in mörderischem Kampf verliert.

dem Lügner. zu laut gesagt! Es ballte sich die Faust ihm. als Ihr mich dermaleinst gewannt Und Euren Dienst versprächet. zum Schaden dir. Sein Manneszorn erbrauste: „Du feiger Wicht. die als Pfand Ihr mir geschworen. Alles für uns zu wagen.277 Wie traf das böse Wort ihn. Daß tot der Hunne nieder vor seine Füße sank. selbst Leben. nennst du mich feige und verzagt? Du hast hier deine Sprüche. Leib und Ehr? Euch pries man als den Treu’sten. Verleumdung war es. bis einer von uns tot. Die ich in reichem Maße aus Euren Händen nahm. der Freundschaft. der meinen Mann erschlug!“ Der Markgraf sagte traurig: „Sein Tadel traf mich schwer. nicht in Feindeshand!“ Etzel verwies mit harter Scheltrede Rüdeger: „War dieses deiner Hilfe die einzige Gewähr? Ist unser Weh und Elend nicht so schon groß genug? Mehr war nicht nötig! Wenig half mir. ich trüge zu Unrecht Gut und Ehr. Hätt’ ich nur Grund zum Hasse! Doch sie vertrauten mir. Und meine Waffe liegt ja in Freundes-. Gilt Eure Treue nun nicht mehr? Ich mahne Euch des Eides. etwas schlecht bekam!“ Auch Kriemhild kam und klagte in Tränen: „Habt Ihr nicht Gelobt und zugesagt mir als Eure Treuepflicht. fahr hin! Was weißt denn du. den vielgetreuen Mann! In Zorn und Trauer blickte er jenen Schwätzer an: Dich soll’s gereuen. Nun ist es Zeit! Nun seht Ihr mich armes Weib in höchster Not!“ 2141–2149 . die tausend niederschwang. Er warf mir vor. Ich führte als Geleitsmann sie selber her ins Land. die ihm. warum ich von Leid und Trauer elend bin? Mit Arm und Herzen hätte ich gern gekämpft wie ihr.

278 „Das leugn’ ich nicht. Und laß ich beides. Ehr und Leib. daß es dich nie gereu. nehmt in Gnaden zurück. Burg und Lehn. rächst du. da mir alles gleich schändlich gilt. Nun laß den rechten Weg mich erkennen. die Lande. mein Leid zu rächen. Ich habe geschworen. daß ich Gottverlassener in dieser Welt noch bin! Das Höchste. womit Ihr mich Beschenkt habt! Nehmet alles. Mit seinem Weibe fiel er aufs Knie vor seinem Mann. Des heiligen Eides denke. „war ich getreu doch allezeit!“ Inständig bittend fleht’ ihn der mächtige Etzel an. Der edle Sinn. Die Hände rang der Markgraf. die Treue. die Ehre ist dahin. Gott im Himmelreich!“ An Etzel wandte bittend der edle Markgraf sich: „Herr König. Um Euretwill’n zu wagen das Leben. bis in den Tod betrübt. dein Manneswort bereit!“ – „Das hielt ich!“ sagte Rüdeger. schelten sie alle mich zugleich. nur komm zu Hilfe mir. – dann wahrlich. Burg und Länder. um schnelles Sterben bitt’ ich ihn. die ehmals er so heiß geliebt! „Weh. Was ich nun tu und lasse. ihr Schutz ist meine Treuepflicht. Wie sollt’ er tödlich hassen. Ja. was die Feinde mir taten. der alten Lieb und Treu. Nimmt er mir die. vom gütigen Gott verliehn. das ich hatte. edles Weib. – das aber schwor ich nicht! Ich hab’ sie hergeleitet. Einst war. Die Seele zu verlieren. keines von beiden stillt Mir das Gewissen. sei belehnt Mit höchster Macht und Würde! Als König sei mit mir gekrönt!“ 2150–2158 (2155/56) . Rüdeger. Und dann laßt mich am Stabe zu Fuße in die Fremde gehn!“ Unmutig wehrte Etzel: „Dein Leben geb’ ich dir Zu eigen.“ Sie bat: „Gedenke.

im Wahn. Aus Freundesherzen bot Ich ihnen Gastgeschenke. an Glück mir einst gewährt. Hat er als rechter Herr dir doch alles Gute einst gegönnt!“ Da fügte sich der Markgraf: „Ich weiß. Wo höhere Tugend glänzte. noch heut entgilt Mein Leib die Königsgnade von Etzel und Kriemhild. Um seine Sache stand es – so wähnte Etzel – gut. daß es dich schützt vor Schlag und Hieb. „Laß mir die Sorg’ für alle. Erbarme dich des Jammers. Den Freunden hab’ ich niemals den Frieden aufgesagt. die dort in Bechelaren sind!“ „Gott lohne es dir. Das ist ein tapferes Sterben wert. der deinen König brennt. wo sich mit Glut und Ehr Die Zucht und Treue einte. ich sei verzagt. Burg und Land Durch meinen Tod von eines getreuen Freundes Hand.“ 2159–2165 . Was ihr an Gunst und Güte. Rüdeger!“ sprach Etzel frohgemut. und nun – schlüg’ ich die Freunde tot? Leicht tadeln mich die Leute. Drum leg’ ich Eurer Gnade ans Herz mein Weib und Kind Und meine armen Leute. Zurück zahl’ ich es heute. Ich weiß. Mein Kind verlobt’ ich Giselher zum Ehgemahl.279 Noch einmal flehte Rüdeger: „Weis mir den Weg dazu! Ich lud sie in mein Haus ein zu Gast. Verbunden bin ich ihnen fest durch ein liebes Band. was ich litt! Was Etzel traf. Nie träfe in der Welt sie eine bessere Wahl. wie in dem jungen Giselher!“ Da widersprach ihm Kriemhild: „Gedenke. erledigt wird heut mein Lehen. das traf dich und all die Deinen mit. die teuer dir und lieb! Auch trau’ ich meinem Glücke. Zu allem Jammer ward ich mit den Burgunden nah verwandt. in sicherer Ruh An meinem Tisch zu essen.

Wie sollte er wohl anders den Waffengang verstehn? Das konnte nur bedeuten. Sie dachten nicht an Sterben. Trübe. die sich heute gar herrlich offenbart! Euch hilft die Braut. Und hinter ihm. wie ungern ich den Frieden brach!“ Der Markgraf ging entschlossen. verhängt ist ihnen Kampf und Streit!“ Gewaffnet ward der Markgraf. Kommt einer in Waffen. Die lieb einander waren. Was schwerer wog. es ginge alles gut. Im Helm und fester Brünne. In seiner Nähe harrten die Seinen allesamt. Zwölf starke Helden schlossen sich ihm zur Hilfe an. mit ihm fünfhundert Mann. Die hofften Preis und Ehre und rasches Siegerglück. Doch Giselher sah freudig den lieben Schwäher gehn. Wahrhaftig.280 Wie auf der Waage prüfte da Rüdeger Seel’ und Leib. Da sagte er: „Nun will ich erfüll’n. das Schwert blank in der Hand? An uns gewinnt der Markgraf vom Könige heute Burg und Land. „Alle meine Leute! Zum Kampf! Es kam die Zeit. Doch weinend stand vor ihm Etzels Weib. Knecht und Mann. Da schritt in Helm und Waffen Herr Rüdeger voran. wenn er liebt. die einst ich in Bechelaren fand. Da kamen Freunde! Hilfe erwartend. die uns auf dieser Fahrt Geschenkt ward. Das weiß ich nicht. in Händen die Schwerter. rief er frohgemut: „Wünscht Glück mir zur Verwandtschaft. doppelt lieb ist mir nun das schöne Liebesband!“ Der Spielmann mahnte: „Was Euch so frohe Hoffnung gibt.“ 2166–2173 (2168) . was ich versprach! Erführen nur die Freunde. todtraurig an sein Amt. die Hand vor Augen. Von ihren breiten Schilden kam heller Widerschein. sah Volker in den Glanz hinein. als harrte nicht schon ihr Geschick.

sprach Gunther. der ihnen einst so lieb. Wenn schon der Feind im Sturme sie zur Verzweiflung trieb. „doch zu spät! Da doch so frisch die Liebe. da stand Herr Rüdeger Draußen vor dem Hause. Den guten Schild vom Arme setzt’ er an seinen Fuß. Ist euch das Leben teuer. Als Ihr ins Land uns brachtet. Der alten Treu gedenkt! Schenkt uns nun auch das Leben zu allem. was ihnen nur gefiel. Nun muß ich mit euch kämpfen. Ihr schenktet ja den Meinen. daß ihr meines Angriffes euch erwehrt! Zwar Schutz war ich euch schuldig. Er mußte gar versagen den lieben Freunden Wort und Gruß. so fest die Treue steht. was Ihr schon geschenkt!“ 2174–2180 . was Euer Herz uns bot. [dafür!“ Aufkünd’ ich euch die Freundschaft! Nehmt Kampf und Feindschaft nun Vor seinem Wort erschraken. hört! Ich mahn’ euch. So bleibt mir keine andere Wahl. „Daß Ihr der Huld entsagtet. Ihr sinnt nicht auf Untergang und Todesnot. die Ihr für uns gehegt. Kein Trug war’s. doch nun schützt euch vor mir. dann wehrt euch! Mir befahl Den Kampf die harte Königin. der Euch aus treuem Auge sah!“ „Hört auf! Ich kann nicht anders! Wie gut es mit uns stand. Dann hallte seine Stimme: „Ihr Nibelungen. die schon genug bedrängt. Nun kam der Freund! Kampf galt es mit dem. Euch müßte Gott es lohnen. Steht ab. Es kann nicht sein. rief Gunther schmerzbewegt. und laßt uns leben! Wir danken Euch so viel. Das kann nicht sein. „Das mag doch Gott nicht wollen“. Stumm erst verharrte er.“ „Ihr kündet uns den Kampf an“. Ich gab mein Wort zum Pfand. Auf Eure Lieb und Treue verließen wir uns ja.281 Kaum endete der Spielmann. Statt Hilfe war den Armen nur größere Not verhängt.

sagte Rüdeger. „Gott gönne Euch den Tag Der Rückkehr nach dem Rheine. bliebet Ihr Verschont mit Euren Freunden. Herr Gernot. Doch wenn zu solchem Hasse Euch Eure Feindschaft trieb’. von Eurer Tochter scheid’ ich mich. ihr lieben Gunther und Gernot. Ihr wärt mit Giselher am Rhein. die mir von Euch verliehen ward. die hier noch übrig sind. Wenn meiner sie beraubt sind. Daß meine edlen Brüder hinsänken. Wär ehrenvoll gefallen. Wenn Ihr jedoch nicht ablaßt und ernstlich darauf sinnt. „sie war mir lieb. Was Euer Herz vermag. So hart Und herrlich ist die Waffe. Bewahrt es.“ Zum Markgrafen gewendet. Was ohne Haß im Herzen ihr Vater tat an Freund und Gast!“ „Sie war es wert“. sprach Giselher. Daß Eure schöne Tochter durch Euch zu früh zur Witwe wird!“ „Nein“. sage ich Mich los von der Verwandtschaft. Versagt hat er im Kampfe nicht ein einzig Mal. geschützt in der Burgunden Hut.“ 2183–2191 (2181/82. Es liegt von seiner Schneide manch einer tot. und wäre selber mir Der Tod verhängt. dann wüßte ich Weib und Tochter gut. daß die Jungfrau Ihr nicht entgelten laßt. Die Freunde uns zu töten.“ „So möchte Gott es fügen. „diesen Stahl. wollte Gott. sprach Gernot. 2189) . versetzte Giselher: „Was wollt Ihr tun. So leid es mir auch wäre um Euch und Euer edles Weib. Mit Eurem eigenen Schwerte ging ich Euch an den Leib.282 „Ach. Wohl nie erfuhren Helden von einem Freunde solches Weh!“ „Das Schwert mag Gott Euch lohnen“. Herr Rüdeger? Gedenkt Ihr denn nicht mehr. Wie wir Euch zugetan sind? Wie Euer Herz doch irrt. eh ich euch hier besteh. und ich war tot.

Dürft’ ich es hier nur wagen im Antlitz von Kriemhild! Doch sei’s! Hier. Gewänne ich – dem Himmel Dank sagte ich dafür! – So einen Schild zum Schutze für mich wie diesen hier.283 „Nun. die ihn vor Todgefahr Beschützen sollte. der mich bewehrt’. das Schwert hoch zum Sturm. Was hilft denn dem Könige dieser Freundesmord? Schwer bin ich in Bedrängnis. Und den in Fried’ und Freundschaft ich führte in das Land. Den du da trägst am Arme. nimm ihn und führe ihn gesund Im Andenken an Rüdeger heil in die Heimat nach Burgund!“ Wie rauh und grimmig Hagens Gemüt und Art auch war. Doch ist ein solcher Jammer jemals erhört wie der.“ „Aushelfen möcht’ ich gerne dir gleich mit meinem Schild. Daß solche Mannestugend – Gott füg es! – nie verfällt! An Euch wird man ermessen den Heldenadel in der Welt. Er hob den Schild. Wie Hagen rief: „Halt ein noch! Vernimm ein letztes Wort! Uns zwingt die Not. Der Schild. Die Helden rings in Tränen verharrten stumm in wehem Schmerz. vieledler Rüdeger. An anderer Mühsal trugen wir schon hart und überschwer. Daß Freunde sich bekämpfen? Ob das wohl Gott verzeiht?“ Der Markgraf sagte traurig: „Auch mir ist es von Herzen leid. da hörte er. Die edle Gabe Rüdegers. Hagen. Rüdeger! Ein solch herrlich Geschenk Wird niemals einem Helden künftig zum Angedenk. Den mir Frau Gotelinde als Gastgeschenk verehrt.“ 2192–2200 (2197) . dann sei Gott uns gnädig!“ schloß nun Rüdeger. Der wurde mir in Stücke zerhauen hier an meiner Hand. Dann brauchte ich in Zukunft wahrhaftig keinen Panzer mehr. „Der Himmel lohn Euch. rührte sogar sein hartes Herz.

Da weinten viele. Auch Volker vor dem Hause versprach: „Mein Kamerad Hat Frieden Euch geboten. Volker und Hagen wichen. Seh ich sie einmal wieder. Nur Gernot blieb Mit Gunther eng zusammen bedacht auf Hieb und Gegenhieb.“ Nach diesen Worten raffte Herr Rüdeger den Schild. Erschlüget Ihr auch alle die Unseren aus Burgundenland. Der Vater aller Mannestugend starb mit Rüdeger. 2201–2208 . So blieb denn die Türe ohne Hut. Wurde doch nichts an Leid erspart Solch edlen Männerherzen! Der Hüter stolzer Ehr. „sie könnte mehr Euch an Geschenken geben bei Eurer Wiederkehr. Gelobe ich das gleiche. Jetzt harrte er nicht länger. wollte Gott“.284 „Für diese Gabe dank ich Euch ewig. Rüdeger! Wie Euch begegnen mögen die anderen. Ihr seid Mein Zeuge.“ „Ach. Mir schenkte Gotelinde Armringe. Seid unbesorgt. ich richte gern Eure Botschaft aus. Auch Giselher vermied noch den Kampf. In Bechelaren habt Ihr uns gewonnen. Ihr sollt mein Bote werden. lieg’ ich erschlagen tot. nimmermehr Hebt gegen Euch sich meine so reich beschenkte Hand. Sein Schwert im Niederschwung Traf hier und dort und hieb sich durch Schild und Helm und Panzerung. goldenrot. kehr ich gesund zu ihr nach Haus. Die sollte ich hier tragen beim Sonnwendfest. Die beiden standen gut Zu ihrem Wort. sprach Rüdeger. Und wie es Hagen tat. Er sprang und raste wild In heldenhaftem Ansturm. als Ihr uns Eure Gastgeschenke gabt.“ Der Markgraf neigte tief sich in ritterlicher Art. daß ich treu sie in Ehren trug in Kampf und Streit.

der kein Erz widerstand. Den starken Gernot reizte ingrimmig das vergossene Blut. hob der zum Gegenschlag den Stahl. Wohl wies sich Rüdeger gewandt und stark genug. Sie schonten keinen anderen als nur den einen teuren Mann. Traf den Burgunderkönig zu Tode. – Die Ehre war im Spiele – stand Gernot gegen Rüdeger. Da schlug man aus den Schilden viel Spangen und Gestein. Zum Schutz die Schneide quer. „Wollt Ihr mir keinen lassen?“ So rief er Rüdeger an. Dann blitzend fuhr die Klinge. der Preis des Gastgeschenkes wär’t!“ Da schlug sich durch die Menge der Markgraf. Eh ganz das Blut verströmte. der sah es. dem schwollen Zorn und Wut. bis er Gernot genaht Bis an den Leib im Sprunge. sank der Mann Der schönen Gotelinde.“ 2209–2222 (2212–2214) . Hagen rief klagend: „Mancherlei Unheil geschah. Hei. wen er alles schlug! Doch einer war. Noch einmal. rot sein Pfad. Durch Gernots Eisenhaube. Rings sinkende Burgunden. ein heißer Feuerbrand. Herr Rüdeger. daß Blut und Leben rasch zerrann. „Das kann ich nicht mehr ansehn. Kommt erst zu mir heran! So teuer es zu stehn kommt.285 Die Mannschaft Rüdegers sprang schützend hinterdrein. – im Kampf erschlugen sie Sich gegenseitig. doch keinen betrau’r ich mehr als diese zwei. ich zahle Euer Schwert. Nun griffen auch der Tronjer und Volker grimmig an. Ward eine Gabe jemals schlimmer gedankt als die? Gernot und Rüdeger beide. So kühn wie gut bewaffnet. Das Gastgeschenk des edlen Rüdeger erzwang Durch Schild und Helmgefüge sich einen Weg und drang Tief in den Hals dem Geber. Und wenn Ihr selbst. Da stürzte.

Rüdeger hätte unsere Qual gerächt.“ Der eine saß und ruhte. so fürcht’ ich. Tot lagen Rüdegers Helden.“ Auf seinen toten Schwäher sah Giselher voll Gram. Der Tod ging auf die Suche. wo tot im Saal Die besten Männer lagen. Wohin er trat und schritt. was sich im Haß geliebt. Gernot und Rüdeger. Nie mehr versöhnt sich Rüdeger! Der Tod nur hindert ihn daran. 2223–2230 . sinnend. Dürft’ eine solche Königin ich einer Lüge zeih’n. – Die lange Stille weckte Herrn Etzels Angst. nicht mehr lange gönnt. Kampfmüde alle. Was soll noch Schlimmeres kommen? Wie geht dein Tod mir nah! Mit dir und Rüdeger liegt Ehr und Treu beisammen da. Daß sich die Panzer kühlen. Der Lärm erstarb im Weh. In tiefem Jammer standen sie um die beiden Toten her. Da Gott uns doch das Leben. Will er gar Als Freund sie heimgeleiten? Untreu und schändlich war’s fürwahr!“ Das hörte Volker: „Leider betrügt Euch falscher Schein. „Hier hat der Tod geerntet. und waffenmatt die Hand.286 „Mein armer Bruder!“ klagte Giselher betrübt. Da zürnte jäh Die Königin: „Sie ruhen! Wie dienen sie uns schlecht! Wir hofften. darin das Blut uns brennt. „Nun laßt den kühlen Windhauch herein und weint nicht mehr. Nahm er die Bechelarer sich alle zur Gefolgschaft mit. der lehnte an der Wand. „Wie arm der Tod uns machte!“ so seufzte Giselher. Mit Giselher und Gunther ging Hagen noch einmal Wie Volker auch und Dankwart dahin. Nun schwankt er und verhandelt mit ihnen. Teuflisch verleumdet hättet Ihr diesen edlen Mann. als es drinnen zu neuem Kampfe kam. Die Not wuchs.

Er und die Seinen alle liegen im Saale tot. zerschunden und zerhau’n. Sie sah’n. Und heiße Tränen weinte Kriemhild. ob’s besser dem vielleicht gerät! Wollt Ihr es mir nicht glauben. vom Gram verzehrt.287 Gehorsam tat er alles. Der Jammer übermannte den König. die Schmerz und Qual ihm lieh. Etzel schrie Mit eines Löwen Stimme. Der Anblick überkam Mit Grausen König Etzel und mit Erschütterung und Gram. wie man den Toten hoch auf den Schultern trug. – Noch heut gilt Rüdegers Treue als höchster Ruhm und Manneswert. wehklagend Weib und Mann In wildem Schmerz um Rüdeger vor Herzeleid zu schrei’n begann. was Etzel ihm gebot. Nun sucht und seht Euch um nach einem anderen. so mögt Ihr selber schau’n!“ Man trug den toten Helden. Wie ungebärdig weinend. 2231–2234 . Kein Schreiber zu beschreiben ist wohl kunstreich genug. Er hat Euch bis ans Ende gedient. Ein schreckensvolles Bild war’s.

Erhält er eine Antwort. Zu sehn. Sei Kampf auf Tod und Leben den Fremden angesagt! Ertrügen wir’s. so scharf. Nicht einer ist am Leben.“ Wolfhart. daß sie ihm nicht behagt.“ In Wut aufwallte Wolfhart: „Wenn jene das gewagt. Wie Herrn Dietrichs Helden erschlagen wurden Der Schall des Jammers gellte zurück von Turm und Wand. Verwandter. der ihm zur Seite stritt. War Rüdeger doch den Gästen vereint in Gunst und Huld. als ob dort der König selbst gefallen wär.288 XXXVIII. der Kühne. was Ungeheures im Saale ist geschehn.“ So böse Nachricht brachte Helphrich seinem Herren mit. War keiner doch wie Rüdeger mit Leib und Seele uns getreu!“ 2235–2246 . Laßt sie in Ruh! Gewähret in ihrer letzten Not Den Frieden bis zum Tode. Erschüttert rief der Berner: „War das gefügt von Gott? Das hat der üble Teufel verübt in höhnischem Spott.“ Er sandte Helphrich eilends. die Schande und Schmach war ewig neu. Ein Amelunge nahte: „Von Schmerzen übermannt Schrei’n sie mit schrillem Wehlaut furchtbar vom Saale her So schreckensvoll. drängte: „Laßt mich hinuntergehn. den ich den edlen Männern bot. und ohne alle Fehl und Schuld. – Welch anderes Unglück klagte mit solchem Wehgeschrei!“ Dietrich von Bern versetzte: „Was auch die Ursach’ sei. Ihr Herzensfreund.“ Doch Dietrich sprach: „Wenn jene ein Übermütiger fragt. Der hörte. wie es stand: „Gefallen ist Herr Rüdeger von der Burgunden Hand.

“ Da fügte sich der Alte und nahm die Männer Dietrichs mit. daß ihr den Mann erschlugt?“ 2247–2254 . Auf ruhige Begegnung und nicht auf Kampf bedacht. sie erwidern Euch das mit schlimmem Dank. „Die Mannen Dietrichs sind es. wo Ihr bleibt. Zwar war es ihm nicht recht. noch Schild in seine Hand. was bei den Gästen im Saale Schlimmes sei geschehn. Zu sehn. der sollte selber gehn. was sie wollten. zu warnen seine Herrn. wie sein Neffe Wolfhart ihm einen Vorwurf macht’: „So ohne Wehr und Waffe geht Ihr den üblen Gang? Seid sicher. Saß unruhig und traurig an einem Fensterrand. Er fragte. „Die Berner kommen!“ rief er. Kampfkühn genug und furchtlos war Meister Hildebrand. unsicher. „Wir bleiben. Vernahm er. Eh er’s verhindern konnte. stand.289 Der Amelungenkönig. Nehmt Schild und Schwert. Mit einer höhnischen Antwort nur kehrt Ihr wieder her. Und wie er da. daß ihr es nicht ertrugt! Was hat der edle Rüdeger getan. Viel lieber wär allein er gegangen ohne Mann und Knecht. So nahm er weder Waffe. Drum rief er Hildebrand her.“ Und wie ihm riet der Junge. den Schildrand an seinen Füßen. In Wehr und Waffen sind sie. Damit nicht seine Späße der Tronjer mit Euch treibt. kamen nach altem Brauch Gewaffnet Dietrichs Mannen. Sie wollen uns bestehn. Begann er: „Was geschah hier. dann hüten sie ihre Zunge um so mehr. Nun wird’s uns Armen schlimm ergehn!“ Im nächsten Augenblicke erschien auch Hildebrand. Der Spielmann an der Treppe erblickte sie von fern. Wie mancher das von seiner gewandten Zunge litt. so tat der Alte auch. wie es stand.

die er ihnen. und die sie ihm bewahrt. es drückte mich doch kein größer Leid! Wer soll sein Weib nun trösten in ihrer Herzenstraurigkeit?“ Zornmütig fragte Wolfhart: „Wer führt uns künftig an Und reitet auf der Heerfahrt dem Zuge kühn voran. was wir als Lohn und Dank Ihm schuldig sind für alles. Gebt uns heraus. Wolfwin. wie er uns treu war lebenslang. schnitt sie in ihr Gemüt.290 Da sprach Hagen von Tronje: „Die Kunde trog Euch nicht. Sie jammerten und dachten der reichen Herzensgut’. Von ihrem Schmerze rannen die Tränen über Kinn und Bart. des Teuren. wünscht’ ich. Wie gerne ich Euch gönnte. von Seufzern halb erstickt: „Uns hat mit dieser Bitte Herr Dietrich zu euch hergeschickt. den toten Rüdeger! Im Leben unsere Freude. Euch löge ein Gerücht. 2256–2262 (2255) . Burgunden. er ging mit Rüdeger dahin!“ Ein anderer Amelunge. Der Berner Herzog Sigestap sprach trüben Blicks: „Nun ging für uns zu Ende die Zeit des reinen Glücks. Um seinetwill’n. Säh’ ich ihn tot. rief todbetrübt: „Wie sehr ich meinen Vater als guter Sohn geliebt. Der Treue. Dann sagte Hildebrand. Es werden Frau’n und Männer beweinen ihn wie Ihr und wir Als sie die Wahrheit hörten. mit ihnen auch Helmnot Und alle ihre Freunde beweinten seinen Tod. soll er zu unserer Ehr Im Tode noch genießen. Wie es der Markgraf manchmal getan? Ach. er stünde hier. niemals mehr Zieht er als stolzer Führer vorn an der Spitze vor uns her!“ Wolfprant und Helphrich beide. Der Heimatlosen Tröster. Die Rüdeger uns schenkte als langer Qual Gewinn.

Woll’n wir zum Grabe führen den Helden. ihr habt uns doch Genug getan an Schmerzen. Herr Dietrich hat uns den Kampf mit euch versagt. Würd’ Euer Saitenspiel auch arg dabei verstimmt. wenn ihr das für den Helden tut!“ Der kühne Wolfhart zürnte: „Gott weiß. dem mangelt es an Mut. kein Dienst so gut. Was man ihm nicht erlaubt hat. wenn’s euch nicht an Mut dazu gebricht. Laßt uns nicht lange bitten. wie es ihm gebührt. Nach so viel Liebe ist er wahrhaftig eures Dankes wert. Kommt her! Mit vielen anderen liegt Rüdeger hier im Blut.“ Da sprach der König Gunther: „Kein Dank. daß wir die teure Last Wegführen. wie es leider im Leben uns nicht mehr gelang. Das nenn’ ich feste Treue. Habt acht. geht heimwärts Eure Fahrt. Reizt uns nicht schlimmer noch! Euch weh zu tun. beständig und bewährt. Wenn er uns nicht mehr führt. Das ist nicht Art der Helden! So denkt und spricht ein Knecht!“ Das Wort des Kameraden schien Hagen gut gesagt und recht. Doch hätt’ ich Lust zu fechten.“ Darauf versetzte Volker: „Kehrt um! Wir tun es nicht! Holt ihn euch doch.291 Auch wir sind fremd wie Rüdeger und selber nur zu Gast. „daß ihr endlich den letzten Trost uns gönnt. Als den ein Freund dem Freunde nach seinem Tode tut. das ist nicht unsere Art. Den eure Hand uns raubte. „Mut auf Verlangen zeigen.“ Der Spielmann höhnte spöttisch: „Wer niemals etwas tut. und die Freundschaft im Tode ihm mit Dank Erwidern.“ „Wie lange soll’n wir warten und flehen? Macht ein End’!“ Sprach Wolfhart. wir wagten’s freiwillig unverzagt. Das wär der rechte Dank erst. Wir dürfen’s nicht. daß unsere Ehre Euch solchen Hohn nicht übelnimmt!“ 2263–2269 .

Wolfhart sprang. und als erster nahm er’s mit Hagen auf. im Überschwang an Mut Wild schwangen sie die Klingen. Meister!“ rief Volker voller Hohn. Den Schild erhoben. Ob ich nach Hause komme. Doch Meister Hildebrand Riß ihn zurück: „Verliere nicht Sinne und Verstand! Mit deiner Wut und Dummheit und tollen Ungeduld Bringst du dich noch am Ende um unseres Herren Gunst und Huld!’ „Laßt los den Löwen. Der alte Waffenmeister erstürmte wild im Lauf Die Treppe. ich bändige ihn schon! Schlüg’ er die ganze Welt tot bis auf den letzten Mann. Daß Ihr mir meine Töne arg in Verwirrung bringt. das ist mir einerlei. Ein wilder Löwe.292 Da sagte Volker lachend: „Wenn’s Euch einmal gelingt. Von ihren Helmen stob die Glut. ob nicht. Doch Wolfwin trennte beide. Sie brachten’s den Burgunden gut bei. er setzte wütend sich zur Wehr. Wie Giselher sich wehrte. so Dankwart. 2270–2281 (2276/77) . lischt auch sein Glanz dabei. die Berner folgten ihm. Zum Schwert griff Hildebrand in jäh erwachtem Ungestüm.“ Wolfhart stand auf dem Sprunge. drang Er stürmisch gegen Volker. Ich sorge. wie sie gesinnt. Und Wolfprants Schläge fielen wie Hagel dicht und blitzgeschwind. vorwärts. In scharfem Kampfe stand Selbst Gunther mit den Männern vom Amelungenland. Helphrich und Wichart hatten wie Ritschart und Gerbart Mit ihrer Freundeshilfe im Kampfe nicht gespart. Entflammt in gleichem Zorne. daß er nachher nichts mehr davon berichten kann!“ Da standen schwer erbittert die Berner. Der bisher Schon Wunder tat im Angriff. „Rennt er mir in die Hände. Verbeule ich den Helm Euch.

Hier galt es Rache unverwandt! „O weh des lieben Herren! Dahin! Nun starb auch der! Der Spielmann tat’s. Nun stand er schutzlos. Tot lag der Amelunge. Zusammen schmolzen schon Und sanken die Burgunden vom Amelungenstahl. die Rache glückte doch zuletzt. rasend ging Er Volker hart zu Leibe. Daß aus den blutigen Ringen ein roter Bach entsprang. Daß Schild und Helmgespänge hin flogen an die Wand. Nicht ruhten er und Wolfhart. dennoch trotzend in letzter Not. Volker sah. Gespalten ihre Helme. und blutig fand ihr Ziel Manch gute Degenklinge. Die Panzerringe klirrten. Den heißen Quell. der höhnisch ihn und kühn empfing. Wie hier und dort er einem den Panzer so zerhieb. Dennoch war er verloren. So schien’s den Amelungen. Der edle Sigestap. von Strömen Bluts benetzt. wie Sigestap sie in die Enge trieb. Der tötet von nun ab keinen mehr! Er selber soll dran glauben!“ Wutschäumend. Er spielt’ ihm eine Weise und spielte ihn ins Grab. als Volker ihm entgegendrang. Im dichtesten Gewühle rang Dietrichs Schwestersohn.293 Wie rasend focht und tobte der alte Hildebrand. Die Dietrichsmannen drängten sich wilder ins Gewühl. bis tot von ihrer Hand Rings die Burgunden lagen. Den Spielmann traf so wuchtig der alte Hildebrand. der hoch auf als roter Bach dem Haupt entsprang. Da brannte Hildebrand In Schmerzen um den Toten. die scharfen Schwunges sank. 2282–2288 . Nie stritt er so wie dieses Mal. Denn von des Spielmanns Bogen sank nieder Sigestap. Der alte Waffenmeister schlug da den kühnen Spielmann tot.

als Dankwart fiel von Helphrichs Indes hieb durch den Saal hin sich Wolfhart eine Bahn. der mit ihm ein Herz und eine Seele war. Noch stand Mit Giselher der König. Volker. Zur Seite ihm fiel Dankwart. Doch dieser stand Ob todeswund. Mit blitzgeschwinden Schlägen empfing ihn Giselher. Doch schwer ihr Herz von Trauer. sein Kamerad. Dreimal schon hatte dieser den blutigen Gang getan Breit zwischen den gesunkenen Burgunden hin und her.  [Schwert. schlecht sei es oder gut.“ Wolfhart lief durch den Saal hin. 2289–2297 . Da flammte seine Rache empor wie Feuerbrand: „Den besten Kameraden verlor ich. Er sank von Helphrichs Hand. so tapfer und schwertgeschickt war er. lautlos niedersank. Da wandte sich und rief hin bedrohlich an Herr Giselher: „Heran zu mir! Hier wartet ein Ziel auf deine Wut! Heraus fordr’ ich das Ende. daß von dem harten Gang Das rote Blut vom Boden aufspritzend um das Haupt ihm sprang. So jung er war. zu Tode getroffen. – Hildebrand! Du sollst es büßen!“ Höher den Schild! Er hob und schwang Den Stahl. Und durch die Brünne schlug er Wolfhart. Der von dem mächtigen Hiebe durch Helm und Brünne drang. Er hatte seinen Tod schon voraus gerächt. Und nun auch er. Mit beiden Händen schwang er hoch überm Haupt den Stahl. das ihm noch weher tat? Die Freunde und Verwandten dahin! Das schmerzte zwar. Daß Giselher. von keinem Stahl versehrt. Den Schild vom Arme ließ er hingleiten in den Saal. Was kam nun. Lag tot im Saal. wohin er drang. noch aufrecht und hob zum letzten Hieb die Hand. der schnitt und mähte und brachte Tod.294 Der Tronjer sah erstarrend.

vom tapferen Giselher. Tot lagen Gunthers Mannen. herrlich sei mein Ende. den Hagen einst gewann. Er zürnte: „Ihr seid schuld dran! So mancher Held sank hin. Als er den Helden totschlug. mit meiner eigenen Hand Hätt’ ich wohl hundert Feinde voraus mir in den Tod gesandt.295 So rächte einer sterbend am anderen seinen Fall. von Euch bezahlt. In dieser Not frommt mir Eure Lieb nicht mehr. Im Schwunge blank und scharf Bedrohte er den Alten. rühmen soll’n sie mich vielmehr. Nicht Tränen soll’n sie weinen. nein. denn Eure Hilfe. Und fragt Euch einer. Ich ruh’ nicht. wie dem Schlag Des alten Waffenmeisters sein Kampfgesell erlag. „Laßt ab. sagte der Todwunde noch. Zu spät. Sagt. der schnell den Schild dagegen warf. daß dieser noch jetzt für ihn auf Rettung sann.“ In grimmer Trauer dachte der Tronjer. der ihm so lieb und nah verwandt. „Mein lieber Oheim“. – nichts nützte sie mir doch. Mitnehmen wollte er Den wunden Mann. Er schloß ihn in die Arme. Vergeblich. sagt nur. bis ich endlich. und weinen sie um mich. Sie haben auch gar teuer bezahlt für meinen Leib. Sterbend in seinem Blute sah er den Oheim an Dankbaren Blicks. gefallen wäre ich Von eines Königs Händen. Doch hütet Euch vor Hagen! Furchtbar in seinem Zorn ist der! Beklagen sich die Meinen. 2298–2305 . Am Ton erkannte man Den edlen Balmung Siegfrieds. Es klagt mit nassen Augen manch guten Ritters Weib. daneben überall Die Amelungen Dietrichs. Der alte Hildebrand Bog jammernd sich zu Wolfhart. zufrieden bin!“ Jählings hob er die Schneide. Wolfhart war viel zu schwer.

Erschrocken fragte Dietrich: „Wovon seid Ihr so rot? Gehandelt habt Ihr. und den auch Ihr zugleich verspracht. Herr Dietrich! Denn unser Leidenslos Ist schwer genug. Schnell auf den Rücken warf er den Schild sich und entrann.“ Der Berner schalt: „Gerecht war’s. Nun stand Gunther mit Hagen ganz allein.“ „Zürnt nicht zu früh. Von allen Amelungen er übrig noch. doch meiner Base Kind! Weh allen. in Not und Sorgen war Vor neuem härterem Angriff. breit genug und lang. Und während Hildebrand kein Schlag. zuwider dem Verbot. schon schwach an Kräften. kein Hieb gelang. die Trauer allzu groß. Die Hagen aber blitzschnell mit seinem Balmung fing. da Ihr den Frieden bracht. Habt nicht den Kampf gemieden.“ Dietrich fuhr auf: „Ist Rüdeger dahin. vor tödlicher Gefahr. das Gesicht. Wir forderten die Leiche des edlen Rüdeger. Und diesem grimmen Teufel entrann ich nur mit Müh. und wahrlich. die edle. wie ich Euch anbefahl.296 Und nun mit klugen Streichen ihm hart zu Leibe ging. Ist Gotelind. der einzige Mann! Von den Burgundenhelden blieb nur den letzten zwei’n Das Leben. blutig die Rüstung. Den ich geboten hatte. verwaist zu Bechelaren sind!“ 2306–2314 . die verlassen. Schlug Balmung eine Wunde dem Alten. Da höhnten sie uns grimmig und weigerten sie hinterher. gewißlich tot? Ein Jammer. eine Not ist’s vor aller anderen Not. Wer von den Gästen brachte Euch diese Wunden bei im Saal?“ Da sagte Hildebrand: „Von Hagen hab’ ich sie. fürcht’ ich. Der Waffenmeister. Ging heim und kam zu Dietrich mit seinem traurigen Bericht. Daß er.

daß nur ein einziger blieb? Die kampfmüden Burgunden. die mir lieb. woher kam ihre Kraft? Mein Unglücks Schicksal war es. In diesem Kampf gefallen. noch leben zwei. Dann weiß ich. Wer hilft mir. Nur Gunther. und sein Treuster.“ Da klagte Dietrich: „Freunde. daß alle. Er sprach: „Und liegen alle die Meinen nun gefällt. die stehen alle hier. Ich stand zu hoch. Alle meine Leute! Bringt mir mein Kampfgewand! Ich selber will in Waffen zu unseren Gästen gehn.“ Das traf ihn so. Wolfwin und Wolfprant.297 Heiß strömt’ es ihm zu Herzen. der ihn erschlagen?“ – „Der König tat’s Gernot“. Hagen von Tronje. das all die Meinen weggerafft. Hildebrand. daß ich wieder mein Amelungenland gewinn? 2315–2322 .“ Zornwallend brauste Dietrich: „Auf! Waffnet. war reich und stark im Übermaß. Sprach Hildebrand. Ich war ein mächtiger König. Wie konnt’ es nur geschehen. daß mich armen Dietrich Gott vergaß. „doch dieser liegt auch von Rüdegers Händen tot. Auf harte Fragen soll’n sie mir selber Red und Antwort stehn!“ Da fragte Hildebrand: „Wen ruft und waffnet Ihr? Die noch gesund am Leben. ihr. Wolfhart. bis es in Tränen rann. Wer lebt noch? Ließ von keinem denn Tod und Schicksal ab?“ Da sagte Meister Hildebrand: „Gott weiß. Ich ganz allein bin übrig. als wäre die Welt für Dietrich öd und leer. Sigestap. Die anderen sind nicht mehr. steht ihm bei. drum stürzte es mich so tief hinab. „Nun habe ich verloren den allertreusten Mann! Wer war’s. sänket ihr alle denn hinab? Nun könnte mich gereuen. daß ich geboren bin. Niemals erfuhr Herr Dietrich so Schlimmes in der Welt.

Gerbart und Wichart.298 Auch Helphrich tot. der Kühne? Wohin mit allem Leid? Ist’s wahr. daß ihr verloren seid? Daß mich der Tod doch träfe wie sie auf einen Schlag! Für meine Erdenfreude war das der allerletzte Tag!“ 2323 .

wer als einziger von allen nicht zu sterben braucht. Heut weist sich. – will er als Rächer und Feind an mich heran. die Brünne brachte ihm Meister Hildebrand. die Stärke im Zorne löwenhaft. beide sich nah. den Schild vom Arme nahm. Hagen und Kriemhild erschlagen wurden Dann aber brach des Berners Manneszorn heraus. Leidvolle Worte kamen von Dietrichs Lipp und Mund: „Wie habt Ihr schlimm gehandelt. zur Seite der alte Waffenmeister mit. als er kam Und. das Schwert in Händen. Gunther von Burgund. Den mächtigen Schild am Arme. Das helle Kampfgewand. Er soll nur kommen! Trotzend auch Dietrich steh ich meinen Mann!“ Die kühne Drohung hörte Herr Dietrich. Von weitem sah ihn Hagen: „Nun kommt der Herr von Bern! Der hat es abgesehen auf mich und meinen Herrn. Ihn dünkt unüberwindlich die eigene Riesenkraft. Dennoch. Ihn brennt das Blut der Seinen. dem Landvertriebenen! Wofür hab’ ich gebüßt. Schrecklich sein Grimm. Gunther und Hagen. aufrecht wie sonst und groß. Verwundet wohl vom Schmerze. Sein grimmer Wut. An mir. In seinem Grimme stand er. Den Helm.und Wehschrei erschütterte das Haus. Wie Gunther. doch kraftvoll wieder. wie sie gewöhnt Stets beieinander. Nach seinen Waffen griff er. standen kampfmüde an die Wand gelehnt. tränenlos. vor dem Hause haltend. Daß Ihr von allem Glücke mir in der Welt nichts übrig ließ’t? 2324–2329 . das hier im Saale raucht. schritt Dietrich dahin.299 XXXIX.

nur Etzeln vergönnten wir ihn nicht. daß Ihr alle die Meinen roh Und grausam ausgetilgt habt? Hätt’ ich an Euch gehandelt so? Gedenkt doch. Daß sich an euch kein Hunne heranwagt. so gut ich immer kann.“ Da endete der Berner: „Nicht anders löst es sich. Was du mir angetan hast. Zu reich das Leben. Nicht Euch zuleid. Gunther.“ „Was soll ich anders glauben? Kam sie nicht bittend her. erfuhr in aller Welt Noch keiner! Alles. Rüdeger? Erschien Euch diese Erde nicht arm genug und leer. Die Eurigen erregten hier Wortzank und Tumult. dich selbst und deinen Mann! Dann sorge und verhindr’ ich. Drauf schalt und drohte Wolfhart uns spöttisch dreist ins Angesicht. Was Euch erzählt ward. vertraue ich. sprach Hagen. Die Schar der Amelungen. Auf deinen edlen Sinn. kampferpicht. gewaffnet. freiwillig leiste mir Gerechte Sühne. doch das versagte ich. Was Ihr mir angetan habt.300 War’s nicht genug des Unglücks an einem. Rühmen werd’ ich es allezeit an dir. scheint mir. Sie kamen her in Scharen. das ist die reine Wahrheit nicht. habt Ihr vergällt!“ „Zu Unrecht gebt“. wie ringsum Von Qual und Not die Freunde da liegen tot und stumm. den toten Rüdeger Hier aus dem blutigen Saale zu führen in sein Grab? Und lehntet Ihr nicht höhnisch der Amelungen Bitte ab?“ Da sprach der König Gunther: „Sie forderten für sich Den Leib des edlen Rüdeger. was Ihr selber erlittet. Nimm dafür Als Bürgen mich! In Treuen gewähr’ ich Schutz und Hilfe dir!“ 2330–2337 . „Ihr uns allein die Schuld. was ich an Glück besaß. Ergib dich mir als Geisel.

verbiete ich das Wort! Denn allzu schwer. was recht und billig wär.“ „Hört auf!“ rief Hagen heftig. Und in die Heimat gebe ich selber euch das Schutzgeleit. von Feinden unbesiegt. daß einer spricht. als daß es so kleinen Zankes würdig war! 2338–2345 . wie sie Helden ziemt.301 „Verhüte Gott“. Als er am Wasgensteine auf seinem Schilde saß. Denn ehrliche Versöhnung rät Dietrich. Daß ihr zu diesem Frieden bereit und willig seid Und meines Herrn Verlangen als billige Sühne rühmt. allein von Euch bedroht. rief Hagen. Ihr sühntet leicht. Als schmählich mich zu retten. Dann alles zu vergessen. das geziemte sich!“ Erbost versetzte Hildebrand: „Wer war es. Solange ihre Waffe kampflos in ihren Händen liegt!“ „Verweigert nicht zu eilig. „daß dir zwei Helden sich Ergäben. flüchtend wie Hildebrand. Hildebrand. Dem Feinde standzuhalten im Kampfe. die gesund noch und unerschütterlich In Freiheit kämpfen können. sagte Hagen. „eher gäb’ ich mich selbst als Pfand. die Herr Walther von Spanien ihm erschlug? Zu lästern hätte Hagen sich freilich selbst Ursach’ genug!“ Da aber sprach Herr Dietrich: „Laßt Eure Zunge ruhn! Es ziemt sich nicht zu schimpfen. bin gerne ich bereit. Da er hier aus dem Saale mir allzu schnell entwich. der vergaß. Zu groß mein Leid. Der Freunde.“ „Ja“. Sich freiwillig nur zweien ergeben sollen ohne Not!“ Da mahnte Hildebrand sie: „Gott weiß. Euch. es kommt die Zeit. indessen mein Leid so überschwer. „die Zumutung ziemt nicht Dem Könige! Unziemlich ist schon. Daß zwei so kühne Männer. wie alte Weiber tun.

Als ich gewaffnet herkam. Mit bloßer Faust. mir bräche im Kampf das Nibelungenschwert. 2346–2352 . Mit ihm verlor den Letzten er. der krachend von Dietrichs Panzer widerklang. habt Ihr Euch nicht gerühmt.302 Doch sagt mir. Da rückte seinen Schild hoch der Amelungenheld. schwer Um Hagen trauernd. erkannte Herr Dietrich jetzt. Er warf den Schild zur Erde. Ihr. Wer Hagen war. damit du lebendige Geisel für mich bist. Schon sprang hinab die Treppe der Tronjer. Der Hagen schwer verletzte. dünkt mich. „Im Zweikampf Euch zu stehnr Das will ich gern versuchen. wie grimmig. Da dachte bei sich Dietrich: Du bist vom Kampf geschwächt.“ So trotzte Hagen grimmig. indes sich Gunther. Nach kurzem Kampfe sank es aus Hagens Hand zur Erd’. mir zu stehen in einem Waffengang zu zweien. Wir beide Eure Geiseln? Das Wort hat mich empört. Mit mächtiger Armgewalt Umklammert hielt er eisern die riesige Gestalt Und zwang sie an den Boden. Als Dietrichs meisterhafter Schwertkunst ein Hieb gelang. sprach Hagen. Hagen. Hagen. das Herz von Stolz geschwellt. Die Wunde klaffte tief und lang. grämte. Ihr wärt Bereit mit mir zu kämpfen? Hab’ ich es doch gehört. Was kommt.“ „Das leugn’ ich nicht“. Dich töten. Dietrich sah bald. Sein Gegner übermenschlich sich schlug und furchtlos stand Und ihm gefährlich harte Schwerthiebe abgewann. das mag geschehn. Sausend schwang Den Balmung er. ganz allein Gedachtet. – ein Held! ein Mann! Wie fürchterlich auch mähte das Nibelungenschwert. wäre nicht ehrenvoll und recht. wenn’s auch gefährlich ist. Vielleicht kann ich dich zwingen. von Todesmut entbrannt. Niemals! Es sei.

Hagen gefangen! Bebend vor Freude stand die Rächerin.“ Man führte Hagen. bis mich der Tod zu schweigen zwingt. wie es die Königin befahl. Doch war er matt vom Kampfe. wie mich mein Glück durchdringt.“ „Er soll nicht sterben!“ sagte Herr Dietrich. womit er Euch so schwer verletzt. hielt sich Gunther männlich und widerstand. Gebunden führte Dietrich ihn hin zur Königin. Sie sprach zu Dietrich. 2353–2360 . Der je ein Schwert geschwungen mit Ehren in der Welt. Dir will ich ewig danken. Vielleicht läßt er Euch künftig nach allem Leid zuletzt In treuem Dienst vergessen. Rot wies ein Blutstrom ihre Spur. – Einsam war jetzt auch Gunther. „Straft ihn nicht! Steht er hier auch gebunden vor Eurem Angesicht. Weithin erscholl sein Ruf: „Wo bleibt von Bern Herr Dietrich. Des Berners Schneide fuhr Scharf durch die Panzerringe. Der Schall kam weithin hallend zurück von Turm und Wand. der allerkühnste Held. daß Dietrich ihm gar zu unterliegen schien. der mir so schlimmes Unheil schuf? Zum Todessaal ging Dietrich und stand in tiefem Gram Dem Letzten gegenüber. Zwar wehrte sich der König mannhaft genug und kühn.303 Gebunden stand der Tronjer. Doch ging’s ihm wie dem Tronjer. In einen dunklen Kerker. „Du hast in meiner Not mir den besten Dienst erzeigt. gütig ihm Haupt und Blick geneigt. Sei du so glückgesegnet. Keiner sah seine Qual. Der Herzenshaß nach allem Erlittenen stählte ihn Mit wilder Kraft. In schnellem Laufe kam Der König von der Treppe und drang auf Dietrich ein. Bedrängt zwar. Der Berner zwang auch ihn. In jähem Anprall wurden die beiden Kämpfer handgemein.

Dietrich ging neben Gunther. der Eurer Gnade die edlen Pfänder lieh! Drum handelt gut an ihnen! Um meinetwillen hütet sie!“ Die Königin versprach es. jedoch ich will’s nicht tun.304 Auch Gunther ward gebunden. Wie niemals wohl ein König noch solche Schmach erlitt. Kriemhild trat vor den Tronjer. Auf Hagen und auf mich Zielt Euer Haß. entfernt von Hagen. Auch er ward eingekerkert. und Dietrich nahm ihn mit. Und heilig sei der Eidschwur für alle Zeit und Frist. Das du mir nahmst? Dann kommst du lebendig noch einmal nach Haus. bald vor der Königin. Geschworen hab’ ich. Herr Gunther von Burgundenland!“ Er sagte: „Edle Schwester. – Sie fühlte. ihre Rache ging dann an keinem mehr vorbei. wie ihr Kummer vor Gunthers Unglück schwand.“ 2361–2368 . Ich war’s.“ Der Held von Bern ermahnte Kriemhild: „So teures Pfand Hielt niemals eine Königin als Geisel in der Hand. das Auge kalt wie Stahl. Nur Feindschaft statt Gegengruß empfinge ich. Solange nur noch einer von meinen Herrn am Leben ist. demütig sollt’ ich nun Mich flehend vor Euch neigen. Mit Hagen litt auch Gunther das gleiche harte Los. Der Berner dachte: Laß ich die beiden wieder frei? Er wußte. gnadenlos. Denn Ihr habt keine Gnade. geführt von Dietrich. niemals verriete ich den Hort. Haßvoll ihr Wort und drohend: „Zum allerletztenmal Befrag’ ich dich: Gibst du mir mein Eigentum heraus. Mit nassen Augen schied Der Held von Bern. Der schritt gebunden hin Und stand.“ Da wehrte Hagen: „Nutzlos ist jedes weitere Wort. Und rief ihm zu: „Willkommen. – Doch steinhart und kalt blieb ihr Gemüt.

als ich und Gott allein. verhohlen sein!“ Sie sprach: „Was Ihr gezahlt habt. und niemals dann mehr zu meiner ewigen Qual. – gleich auf der Stelle räch’ ich des kühnen Tronjers Tod!“ 2369–2375 . Sie hob’s mit beiden Händen und hieb mit einem Streich Das Haupt ihm ab vom Rumpfe. den weiß nun niemand. Zu Kriemhild: „Nun geschah es. Nun liegt vor dir der edle Burgundenkönig tot. war so kühn. Bei diesem Anblick sprach er. Und dir soll er auf ewig. So will ich als Entgelt denn behalten Siegfrieds Schwert. Kein anderer. Der je ein Schwert getragen. Hast. Mit ihm der junge Giselher. Ich mußte ihn hassen. Den Schatz. Und alles ist gekommen.“ Sie zog aus seiner Scheide das Schwert. doch betrau’r ich ihn. Sie soll ihr Herz nicht weiden an diesem letzten Schlag! Wohl brachte er mich selber in allerschlimmste Not. Wehrlos allein Stand Hagen vor der Königin. erschüttert im Gemüt. grausam zu End’ gebracht. was du dir ersonnen. Traurig sah Ihm Hagen in das Antlitz. von Weibeshand gefällt. du Teufelin. Am Haare trug und wies Sie König Gunthers Haupt dem Tronjer. In tiefem Leide stand er da. Gernot. – In Trauer klagte schreckensbleich Der König Etzel: „Weh uns! Nun liegt der beste Held. worum du dich bemüht.305 „Ich muß ein Ende machen!“ Die edle Fürstin ließ Den eigenen Bruder töten. genau wie ich es mir gedacht. Und doch. als ihn das letztemal Mein Auge sah. das ist nur wenig wert. Sein Ende sollt’ es sein.“ Da rief der alte Hildebrand: „Was mir geschehen mag. sein Bruder auch. der im Sturme den Schild hob. Er tat mir weh. Das trug mein trauter Liebster.

2376–2379 . was nachher noch geschah. Der König Etzel nahm Des Berners Hand. Was konnte es ihr helfen. Nur daß man all die Frauen und Ritter weinen sah. daß sie in Furcht und Ängsten schrie? – Das Schicksal zwang sie alle mit Todes-Not und -Graun. Sie standen und weinten beide stumm vor Gram Da lag nun alles. zerhaun. Laut jammerten die Leute. Den wilden Schmerz des Alten büßen mußte sie. Ich kann euch nicht berichten. Die Knappen und die Knechte um ihrer Freunde Tod. So ging das Fest des Königs in bitterem Weh zu End. Hier hat das Lied ein Ende.306 In jähem Zorne sprang er auf Kriemhild ein und schwang Die schwere Eisenschneide. – Ehre und Ruhm im Tod gepaart. Nur in des Volkes Trauer für immer aufbewahrt. Das ist der Nibelungen Not. Wie Liebe lohnt mit Leide und uns zuletzt nur Tränen gönnt. daß sie darnieder sank. Der Leib des edlen Weibes lag da zerstückt.

1658–59. 1417–18. 1560–61. 244–45. 660–61. 1573–74. 215–16. 239–40. 1159–61. 230–35. 1408–09. 1594–95. 206–09. 152–53. 1047–49. 107–08. 1444–45. 72–73. 1644–45. 1662–63. 1178–80. 343–61. 364–66. 1587–88. 683–84. 733–34. 560–61. 1729–30. 140–41. 1175–76. 1451–53. 669–70. 1735–36. 195–96 198–201. Bartsch) In e i n e Strophe sind zusammengezogen die Strophen 8–9.307 Nachweis der Kürzungen (Numerierung nach der Ausgabe von K. 1563–64. 383–84. 166–68. 663–64. 313–14. 1591–92. 1708–09. 719–20. 1224–25. 160–61. 1338–39. 1632–33. 339–40. 279–80 306–07. 1448–49. 549–50. 832–33. 336–38. 1059–60 1109–10. 265–66. 111–12. 1268–70. 318–19. 595–97 605–06. 1330–31. 1143–44. 1646–48. 494–95 505–06. 1358–60. 1165–66. 545–46. 1263–64. 1641–42. 579–80. 385–87. 1344–45. 1379–80. 1547–48. 1328–29. 1713–15. 795–97 801–02. 23–24. 1280–81. 148–49. 807–08. 712–13. 1383–84 1405–07. 154–56. 793–94. 1476–77. 1553–54. 1441–42. 585–86. 236–37. 171–73. 1524–25. 1250–52. 1372–74. 1487–89. 61–62. 1427–28. 1480–81. 1759–60. 1498–99 1517–18. 763–64. 1127–28. 1628–30. 534–35. 1490–92. 1422–26. 537–38. 1265–66. 1219–20. 1375–77. 187–88. 1596–97 1610–12. 1420–21. 204–05. 1493–95. 1638–39. 89–90 104–05. 1334–35. 178–80. 475–76. 1582–83. 490–91. 331–32. 1141–42. 477–78. 309–10. 1291–92 1319–20. 202–03. 1670–71 1703–04. 190–91. 1483–84. 721–22. 552–53. 1155–56. 210–14. 1243–44. 583–84. 1473–74. 362–63. 1436–37. 137–38. 566–67. 468–69. 1576–77. 1722–23. 1650–51. 577–78. 1468–69. 1471–72. 1278–79. 888–89 1036–37. 1430–31. 776–77. 378–79. 1186–87 1196–97 1208–09. 1772–73 . 642–43. 1356–57. 1615–19. 82–83. 176–77. 218–20. 1621–22. 80–81. 389–90. 541–42. 591–93. 1565–66. 1182–83. 1656–57. 1769–70. 169–70. 397–98 410–11. 633–34. 341–42. 836–37. 754–55. 40–42.

2216–17. 1188. 2024–25. 2241–44. 1866–67. 1728. 1627. 1824–26. 2010–11. 1532. 2035–36. 732. 2070–71. 1362–64. 1293. 2315 bis 2316. 574. 2059–60. 287. 1891. 1904. 2276–77 . 1910. 1897–98 1901–02. 415. 1064. 1158. 1626. 1482. 1852–53. 1881–82. 784. 1104. 2046–48. 1854–56. 47. 2221–22. 2252–53. 1508. 942. 2181. 1984–85. 51. 2197–98 2207–08. 1048. 871. 1514. 2076–77 2108–09. 1398. 1337. 1921–22. 2309–10. 325. 2017–18. 1978. 2147–48. 2295–96 2299–2300. 1793. 2212–14. 2142–43. 2255. 439. 756. 1368–70. 2237–38. 765. 219. 64. 259. 2155. 2192–93. 2239–40. 1870–74. 66. 1668. 1933. 1611. 41. 2189. 1806–07. 33. 652. 1411. 1433–35. 241. 1929. 328. 2168. 1294. 1988–89 2006–07. 1016. 2066–67. 254. 1024. 2311–12. 2278–80. 667. 1296–1301. 163. 1875–76. 1267. 1816–17. 711. 2156. 1031. 2129–30. 1353–55. 2331–32. 805. 800. 1967–71. 2184–85. 270. 1810–11. 782. 1189. 2053. 1859. 1063. 971. 129. 1877–78. 1065. 1382. 2293–94. 2182. 2274–75. 1286. 2125. 2358 bis 2359. 1290. 175. 317. 1957–58. 1324. 766. 1276. 1990. 2339–40. 1325. 1883–84.308 1802–03. 906. 1439–40. 1754. 373. 2228–29. 299. 2040–42. 2209–11. 381. 1181. 1864–65. 1868–69. 1808–09. 2032–33. 1986–87. 436. 1692–94. 2043–44. 676. 1022. 1972. 2085. 1443. 2365–66 Weggelassen (unter dem Text eingeklammert) sind die Strophen 12. 1305–08. 367–71. 1164. 2235–36. 2073–74. 2021. 738. 1314. 1105. 2054–55. 548. 26. 2012.