HERMANN STODTE

KOHLHAMMER

Das Nibelungenlied

Das
Nibelungenlied

Nach dem Urtext
erneuert
von Hermann Stodte

W. Kohlhammer Verlag

Nachdruck verboten – Alle Rechte vorbehalten
© Copyright by Verlag W. Kohlhammer GmbH, erstmalig 1956
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Druck: W. Kohlhammer Stuttgart 1956

 1917 in Flandern) . Gerda und dem Andenken an Gerhard († 4. Richardsen). X. Gertrud (geb.Meinen Kindern Gunther.

.

Jugendglück. Ehe über Tatenruhm und herrliche Feste bis zu Verrat. war jahrhundertelang versunken.Vorwort   Die mittelhochdeutsche Dichtung. zerstört wird. das wohl merkwürdig und wertvoll. als eine ganze reiche Welt damit versinkt. Eine unerbittliche Folgerichtigkeit. fehlt kein Zug des menschlichen Zusammenlebens. Von ihrem Stand aus galt diese Dichtung als ein Erbe. Die germanistische Wissenschaft des letzten Jahrhunderts hat das Verdienst. Aber zum L e b e n ist diese Dichtung noch nicht erweckt. . Sie wußten um das Wesen der Gemeinschaft. und zwar des Kerns aller Gemeinschaft. Denn von Kindheit. um die Gefahren. die sich aus einem Zwiespalt zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft ergeben. Um so erschütternder ist der Untergang.   Das N i b e l u n g e n l i e d ist das große Sinnbild für den Zusammenbruch des Ganzen.  Erst nachdem das Bild des Mittelalters deutlicher in unser Bewußtsein getreten ist. Mord. die dem Einzelnen als höhere Lebensordnung zugeordnet ist. hat sich unser Blick geschärft für den zeitlosen Gehalt auch jener dichterischen Meisterwerke. aber doch im heutigen Lebenssinn tot sei. erzwingt den tragischen Ablauf. Renaissance und Humanismus haben in ihren Auswirkungen das alte Bild überdeckt. der reinste Ausdruck des deutschen Lebens in seiner kulturellen Hochblüte um 1200. daß es den Schöpfern der großen epischen Dichtungen auf mehr angekommen ist als auf mächtige Gestalten und großartige Vorgänge. das sich in und mit dem Mittelalter abgelebt habe. Liebe. wenn durch die Tat eines Einzelnen die Ordnung der Gemeinschaft. das Dunkel der Sprache und Form erhellt zu haben. Wir spüren unsere nahe Verwandtschaft mit den Menschen jener Vergangenheit und ahnen. Kampf und Tod. aus den sittlichen Bindungen wachsend. der Sippe. Erst die Romantik hat sie wieder entdeckt und als etwas Großes und sonderlich Deutsches gewürdigt.

daß dieses Wunderwerk. d. einen neuen Versuch zu machen. – Der erste Übersetzer des Liedes. das nach Goethe’s Wort zu „einer Bildungsstufe der Nation“ gehört. sagte nicht zuviel. als er in seiner Einleitung (1807) „das Lied der Nibelungen. Dietrich. Dramen. heldische Reinheit und doch Betrug am Heiligsten eines Weibes. mit dem „kolossalen Wunderbau Erwin von Steinbachs“ verglich. Dabei haben alle Bearbeitungen. Denn zu einem echten Organismus sind wie tragende Säulen die polaren Gegensätze zueinander geordnet: Mädchenzarte Liebe zu dem stärksten und schönsten Helden und teuflische Weibesrache für seinen Verlust. und dann nur aus zweiter Hand. Rüdeger. Friedr. bildet für das große Volk die trennende Schranke. Hagen. Iring. aus Simrocks dankenswerter Übersetzung gewonnen. Heinrich v. Nicht einmal alle die großartigen Motive sind ihm vertraut. meist Siegfried und sein Schicksal in der Vordergrund gerückt. das sich zwar dem unausweichlichen Schicksal beugt. als sei der Wille des Schicksals nur der Triumph des eigenen Willens. Noch immer steht es so. der Glanz feinster höfischer Kultur und die elementarsten menschlichen Leidenschaften. reinste Gefolgstreue gesteigert zu Heimtücke und hinterhaltigem Mord. Die alte Sprache. . grausige Todesnot und dabei grimmiger Humor bis zum Trinken des Feindesblutes. Gedichte. die nur auf dem wissenschaftlichen Wege zugänglich ist. männliche Lebensfreude bei Kampfspiel und Jagd neben furchtbarstem Mord zwischen Quell und Blumen.   Wir wissen seit langem um diesen kostbaren Schatz. denn unser Volk hat zu dem Liede keinen u n m i t t e l b a r e n Zugang. Ein letzter Gipfel menschlichen Stolzes wird sichtbar in dem t r a g i s c h e n Lebensgefühl. Volker. dem Volke fremd ist. Etzel und Hildebrand im Schatten geblieben sind. den alten Schatz zu heben.   Heute ist es an der Zeit. Annahme des verhängten Schicksals und doch Kampf um den letzten Blutstropfen. aber gehoben ist er nicht.8   Die „innere Form“ des Liedes aber stempelt dieses Bild zu einem der größten Wunderwerke dichterischer Kunst. unbedenklich eins der größten und wunderwürdigsten Werke aller Zeiten und Völker“. Giselher. während die großen Gestalten wie Hagen. aber es in heldischem Trotz herausfordert.

dann muß das Neue aus eigenem Gesetz ein selbständiges Leben besitzen. habe ich Strophen zusammengezogen oder ganz weggelassen. daß jede altertümelnde sprachliche Annäherung an das Alte vermieden wurde. Die wiederkehrenden epischen Beiwörter können nicht organisch eingeschmolzen werden.und Formgefühl lebend. ganz unabhängigen Stil verschwinden. Das alte Wort und die alte Wort. Eine solche müßte aber eine wirkliche Nachdichtung werden. Die naive Breite der alten Erzählkunst mit ihren Wiederholungen und Füllseln. dem Gesamtstil der alten Dichtung nahe zu bleiben. Man sollte eher von Erneuerung sprechen. dem Leben des Alten nicht gerecht wird. Wo der Gehalt infolge der stärkeren Dichtigkeit des Neuen nicht für die ganze Strophe ausreichte. nicht völlig in einem neuen. Ich habe mich bemüht. der schließlich Lebensausdruck der alten Dichtung ist. so wirkt doch alle Entfernung von unserer Gegenwartssprache zugunsten altertümlichen Eindrucks als künstliche Patinierung.  Aus diesen Grundsätzen ergibt sich das Problematische alles Übersetzens. deutlich ausgesprochen.und Satzfolge lassen sich nicht erhalten. läßt sich in der neuen Fassung nicht bewahren. Nichts Fremdartiges darf die Unmittelbarkeit des Nacherlebens stören. wenn ein Motiv kräftig und lebendig wirken soll. die das Original verschweigt.9   Die Aufgabe hat Wilhelm S c h ä f e r bei seinem Versuch. An wenigen Stellen habe ich die Idee. Wo die zu große Breite die Einheitlichkeit und Kraft des Eindrucks zu stören schien. Soll die neue Gestalt das Alte lebendig machen. richtig gesehen. Ich bin daher treu dem Sinn des Originals Strophe für Strophe nachgegangen. was man unter „freier Nachdichtung“ versteht. . Unser Stilgefühl verlangt eine viel größere sprachliche Dichte. Aus diesen Forderungen folgte. Das Neue. den ältesten Kern des Liedes zu erfassen. war eine vorsichtige Auffüllung aus dem Sinn erforderlich. daß die reine Wortübertragung das Eigenleben des Neuen zerstören müßte. während das. aus unserem Sprach. widerstreitet dem Alten so sehr. Andererseits dürfte der Stil des Alten. Bringt alle Entfernung vom Original zwar Verlust.“ Mit dem vorliegenden Versuch bin ich diesen Weg gegangen. Er sagt in der Einleitung: „V o l k s g u t kann unser Nationalepos nur in der Übersetzung werden. wie sie noch heute im Volksmunde üblich ist.

10   Die Nibelungenstrophe ist erhalten geblieben. habe ich genutzt. Auch die Freiheit des Originals. wozu schon der Zwang. Hermann Stodte .  Als Vorlage wurde benutzt die Ausgabe des Nibelungenliedes von Karl Bartsch. Häufiger als im alten Liede greift der Satz aus einem Verse in den nächsten über. nötigte. Die zusammengezogenen und ausgelassenen Strophen sind nachgewiesen in einem Register am Schluß. Leipzig 1866. einen möglichst natürlichen Reim zu gewinnen. den Auftakt und die erste Senkung des zweiten Halbverses gelegentlich fehlen zu lassen.

von kühnstem Mannesmut. Und Giselher. Im Schutze dreier Könige die junge Kriemhild stand. Freigebige Herren. Zum Weibe wuchs blühend sie heran. Der hoffte.11 I. – sie alle drei bedacht. des edlen Sinnes. hätt’ andere Frauen reich gemacht. Männer von altem Stamm und Blut. Manch hochgesinnter Ritter fand sich am Hofe ein. Ja. Von Kriemhild Aus grauen Zeiten kündet uns eine alte Mär Von Kämpfen kühner Helden. weithin rühmlich bekannt. der jüngste. Nun hört das wundersame Lied! Es war ein edles Mädchen fern im Burgundenland. Ein wenig nur des Reizes. Sie walteten als Herrscher stolz im Burgundenland. Von Tagen. womit Kriemhild bedacht. Reich an Gefolgschaft saßen die Herrn zu Worms am Rhein. Der Zucht. 1–6 . Und doch zu frühem Tode bestimmt durch zweier Frauen Streit. Gewaltige Taten machten sie einst in Etzels Reich bekannt. ihre Neigung und Huld beglücke ihn. Verwegene Kämpfer waren’s. mancher war so kühn. da die Herzen vor Lebenslust geglüht. Sie mußte jedem lieb sein. In Ehren dort zu dienen die ganze Lebenszeit. Schön. von Mühsal und Beschwer. Die Schwester treu zu hüten mit ihrer brüderlichen Macht. Von Tränen auch und Jammer. Um ihretwillen büßte sein Leben ein manch tapferer Mann. Gernot. wie man keine andere in allen Landen fand. Die hießen Gunther. Kriemhild genannt.

Herr von Alzey. wie zwei Adler ihn schlugen mit den Krallen. sie alle lang im Dienst erprobt. Will schön wie heute bleiben und glücklich. auf Form und Fug bedacht. den du aufzogst. Marschall des Hofs war Dankwart. Herr über Stall und Haus. wie man sie nirgends sah. der Küchenmeister. Das Amt des Truchseß übte sein Neffe Ortwin aus. Und wie in tiefe Trauer sie dann durch dieses Leid gefallen.“ „Was sprecht Ihr mir vom Manne. Hunolt erfahrner Kämmerer. Volker. Ortwin von Metz. doch der schied früh dahin Und hinterließ zum Erbe den Kindern reiches Gut. nimmt sich der Herr nicht seiner an. Du wirst ihn einst verlieren. es ist ein edler Mann.12 Frau Ute hieß die Mutter. Sie fragte Mutter Ute nach ihres Traumes Sinn. Sie zög’ sich einen Falken schön und stark und wild. Und sähe. Sindolt und Hunolt galten bei aller Ritterschaft Als Wahrer höfischen Wesens. bis ich tot. liebes Mütterlein! Ohne dessen Liebe will ich im Leben sein. Hagen von Tronje lebte mit seinem Bruder da. ein Mann von seltener Kraft. Sindolt war Schenk und dennoch als Kämpe weit gelobt. als mächtige Königin Ehmals die Gattin Dancrats. die Grafen Gere und Echewart. der vielgewandte Dankwart. Denn keine war ja klüger als Träumedeuterin: „Der Falke. Und nicht von Mannes Liebe erfahren Weibes Leid und Not!“ 7–15 (12) . Inmitten solchen Glanzes träumte einst Kriemhild. Die besten aller Helden. Berühmt auch er vor Zeiten in seiner Jugend Kraft und Mut. Und viele andere hatten des hohen Königsdienstes acht. Rumolt.

13
„Verred es nicht!“ sprach Ute. „Wenn dir ein guter Tag
Auf Erden Herzensfreude in Fülle bringen mag,
Ist es von Mannes Liebe! Ja, dann erst bist du schön,
Hat Gott zu deinem Gatten dir einen edlen Mann ersehn.“
„Berede mich nicht, Mutter“, erwiderte Kriemhild,
„Hat nicht an vielen Frauen sich jenes Wort erfüllt:
Die Liebe lohnt mit Leide, sie bringt nur Weh zuletzt?
Ich will nicht Leid, nicht Liebe. Dann bleib ich froh und schön wie jetzt.“
So aller Liebe wehrend, blieb unberührt ihr Sinn.
Dem edlen Mädchen flossen die Tage hell dahin.
Sie wollte niemals wissen von Liebe und vom Mann,
Bis einst der ritterlichste von allen Männern sie gewann.
Das war der wilde Falke, den sie im Traume sah,
Und dem nach Utes Deutung es eines Tags geschah,
Daß ihm die Blutsverwandten zu Mördern worden sind.
Wie furchtbar sie ihn rächte! Ihm nach starb mancher Mutter Kind.

16–19

14

II. Von Siegfried
Es wuchs in Niederlanden ein edles Königskind,
Den Vater hieß man Siegmund, die Mutter war Sieglind.
Am Niederrhein gelegen, weit schauend in das Land,
Stand ihre mächtige Feste, und Xanten war die Burg genannt.
Ihr beider Sohn war Siegfried, schon früh erprobt als Held,
Und später zog er kämpfend kühn in die weite Welt.
Die Stärke seines Leibes, sein Mut war allbekannt.
Zu Worms erst war’s am Rheine, wo Siegfried seinesgleichen fand.
Aus seiner frühen Jugend, die er im Kampf gestählt,
Hat Wunderdinge mancher von Siegfrieds Kraft erzählt,
Wie herrlich an Gestalt er, an edlen Gaben reich,
Wie er dem Blick der Frauen gefiel, so ehr- und anmutreich.
Ob er nach Art und Blute gut war und hochgesinnt,
Erzog man doch mit Sorgfalt das junge Königskind.
So, Liebling aller Menschen und sonderlich der Frau’n,
Ging sehnlich jedes Auge, nach seinem Anblick auszuschaun.
Die Eltern sah’n ihn gerne in herrlichem Gewand.
Sie ließen ihn behüten, ritt er hinaus ins Land.
Auch lehrten ihn die Alten, was Pflicht erheischt und Ehr,
In Zukunft zu beherrschen die Leute und das Land umher.
Nun gab der König Siegmund einst allenthalben kund,
Ein Fest sei zugerüstet für seiner Freunde Rund.
Den Eigenen und den Fremden gab Siegmund Roß und Kleid,
Und sandte zu den Königen ringsum mit freundlichem Bescheid.

20–27 (26)

15
Wo junge Söhne waren, gereift zum Ritterschlag,
Befreundete, Verwandte, die lud man auf den Tag,
Die Schwertleite zu feiern mit Siegfried insgemein,
Schwertbrüder sollten diese in Zukunft all zusammen sein.
Von jenem Feste wurde im Lande rings erzählt,
Und Siegmunds und Sieglindes Hochsinn ward nicht verhehlt,
War doch ihr großer Reichtum, ihr gutes Herz bekannt.
Zahllose Gäste ritten zu ihrem Fest nach Niederland.
Vierhundert Knappen warben um Ritter-Schlag und -Kleid
Mit Siegfried, ihrem Sohne. Und manche junge Maid
– Dem edlen Siegfried heimlich in ihrem Herzen hold –
War da am Werk. Sie reihten viel edle Steine auf und Gold
Als Borten für der jungen Schwertbrüder Festgewand.
Nichts fehlte, was geziemte dem künftigen Ritterstand.
Schon standen Tisch und Bänke. Dann kam der Sonnwendtag,
Mit ihm das Fest, zu feiern des edlen Siegfrieds Ritterschlag.
Zum Münster schritt im Zuge der Knappen edle Schar.
Die Alten nahmen willig den Dienst der Jungen wahr,
Wie sie voreinst ihn selber als Schildknappen versehn,
Und danach sollten Freuden von aller Art die Lust erhöhn.
Gesattelt zum Turniere zog man die Pferde schon,
Und Siegmunds Hof erdröhnte vom lauten Splitterton,
Der von den Lanzenstößen in Saal und Palas drang,
Vom Jubelschrei der Freude und von dem hellen Waffenklang.
Es prüften Alt’ und Junge sich eifrig im Turnier.
Die Lanzensplitter flogen bis an die Palastür.
Sie rannten aufeinander schäumend vor Lust und Kraft,
Daß hell im Prall erkrachend zerbrach manch guter Lanzenschaft.

28–35 (33)

16
Am Boden lagen Schilde, verbeult und herrenlos,
Im Gras viel edle Steine, von gut gezieltem Stoß
Aus ihren hellen Spangen am Schildrand abgesprengt.
Nun ließ der Burgherr enden. Die Pferde wurden heimgelenkt.
Man führte zu der Tafel die Gäste. Jeder fand
In Fülle alles Schöne, wonach die Neigung stand.
Von edelstem Geschmacke die Speisen und der Wein,
Denn hochgeehrt, willkommen und fröhlich sollte jeder sein.
Und allerlei an Kurzweil bot man den ganzen Tag,
Fahrende Sänger traten heran beim Trinkgelag.
Mit Lied und Spiel erwarben sie sich Geschenk und Dank.
Oft priesen Siegmunds Reichtum und Glück sie später im Gesang.
Zu seinem künftigen Erben erhob Siegmund den Sohn,
Ihn feierlich belehnend mit Burg und Land und Thron.
Der junge Siegfried schenkte viel Güter aller Art
An seine Schwertgenossen. Wie freute sie die frohe Fahrt!
Nach sieben freudenreichen Festtagen schieden dann
Die Gäste, deren Herzen Siegfried so ganz gewann,
Daß sie ihn gar begehrten zum Könige für das Land.
Das wies er ab, da längst ihm der Sinn nach anderen Dingen stand
So lange beide lebten, Siegmund und Siegelind,
Wollt’ ungekrönt er bleiben, nur seiner Eltern Kind.
Doch wollte er bezwingen als rechter Herr und Held
Gewalt und Not, der keiner zu wehren wagte in der Welt.

36–43 (41)

17

III. Wie Siegfried nach Worms kam
Noch unbekannt war Siegfried mit Herzens-Lieb und Leid.
Da hört’ er eines Tages, man lobe weit und breit
Ein Königskind, das schöner, als je ein Aug’ gesehn.
Ihm sollte reichste Freude und schwerste Not um sie geschehn.
Man pries ihm Kriemhilds Schönheit, überreich gepaart
Mit edlem Frauensinne und fürstlich-stolzer Art.
Um ihretwillen zogen, gelockt von nah und fern,
Nach Worms zu Gunthers Hofe viel edle ritterliche Herrn.
Wie viele sich auch mühten, von ihrem Reiz verführt,
Von keiner Werbung wurde des Mädchens Sinn berührt.
Sie wehrte sich und glaubte, ihr Herz sei liebgefeit,
Noch fremd war ihr der eine, der sie gewann in späterer Zeit.
Siegfrieds Verwandte kamen und rieten ihm zur Eh’,
Er solle, falls es jemals aus rechter Lieb geschäh’,
Nur einer, die ihm zieme, zum Manne sich vermählen.
Da war für ihn kein Zögern: „Kriemhild will ich zum Weibe wählen!
Nur eine rings im Lande, die ist – das ward mir kund –
Schön über alle Maßen, die Jungfrau von Burgund,
Und selbst ein Kaiser, möcht’ er auch noch so mächtig sein,
Stünd’ nicht zu hoch, er dürfte um jene schöne Königin frei’n.“
Als Siegmund aus dem Munde der Mannen das vernahm,
Erschrak er, denn im stillen war er dem Plane gram.
Auch Sieglind ahnte Sorge und Unglück von der Fahrt.
Sie hätten beide gerne vor dieser Werbung ihn bewahrt.

44–50 (47)

18
„Schenk mir, mein lieber Vater“, bat Siegfried, „dein Vertrau’n!
Entbehren will ich eher die Liebe edler Frau’n,
Wenn nicht aus reiner Neigung mein Herz mich werben läßt!
Was ihr auch sagen möget, ich wag’s, und mein Entschluß steht fest.“
Da sprach der König: „Bist du im Ernste so gewillt,
Will ich mich wahrlich freuen, wenn sich dein Wunsch erfüllt.
Zum guten Ende helf ich mit allem, was ich kann.
Doch hör! Der König Gunther hat manchen überstolzen Mann,
Und wär’ es auch nur Hagen, sein maßlos wilder Mut,
Hochfahrend und gewaltsam in allem, was er tut, –
Von solcher Art, das fürcht’ ich, wird allen uns noch leid,
Daß wir jemals geworben um diese königliche Maid.“
„Was tut’s?“ sprach Siegfried kühnlich, „wenn man mir schroff verwehrt,
Was ich als Gunst erbitte, und gütlich nicht gewährt,
Gewinn’ ich es im Kampfe mit eigener starker Hand.
Ich trau’ mir’s zu, dann nehm’ ich zu Kriemhild auch noch Leut’ und Land!“
Doch Siegmund blieb in Sorge: „Das höre ich nicht gern!
Vernähmen es am Rheine die burgundischen Herrn,
Verwehrten sie dir sicher den Eingang in ihr Land.
Seit langem sind mir Gunther und Gernot allzu gut bekannt.
Denk nicht, daß deine Waffe dir diese Braut gewinnt,
Sie weigern jedem Fremden ihr schönes Königskind.
Soll eine Schar von Helden begleiten deinen Ritt,
Beruf ich unsere Freunde, sie reiten dir zum Schutze mit.“
Siegfried hingegen meinte: „Das hab ich nicht im Sinn,
Mit einem Heer zu zwingen die edle Königin.
Nicht Feinde will ich führen zum Kampfe an den Rhein,
Denn es soll eine Brautfahrt, kein Krieg und keine Heerfahrt sein.

52–58 (51)

ob wohl jemals bei froher Wiederkehr Ihr Aug’ die Helden sähe gesund im Vaterland. Hilf mit. An Kleidern. Versank um ihren Sohn sie in einen tiefen Gram. mit lieber Sorg’ bedacht. Siegfrieds Gewand zu nähen. nicht so zu Herzen dir! Mich schrecken keine Feinde. Da lag die Sorge schwer Auf allen. daß rühmlich wir Versehn sind mit Gewändern und ritterlicher Waffenzier!“ „Kann ich dich hier nicht halten“. Zwölf Kameraden führ’ ich hinauf in Gunthers Land. Wie frohen Abschied bot Siegfried mit den Gefährten! Nie zog mit leichterem Sinn Zu kühn verwegenen Taten ein Ritter in die Fremde hin. – alles ward fertig bald in großer Zahl. wie nie ein Ritter trug. 66) . Gewändern manches Saumroß stand. Nun kam die Abschiedsstunde. Als nun die Mutter Sieglind von dieser Fahrt vernahm. Verlor sie ihn? War’s Gunther. Die breiten Schilde. Waffen. „So helf’ ich dir zur Reise. Auch silberhelle Brünnen und Helme hart von Stahl. der ihm Verderben sann? So quälte sie sich lange. herrlich kostbar.19 Sonst könnt’ ich Kriemhild holen allein mit eigener Hand. Mit grauer und bunter Herrentracht Versah man die Begleiter. auf Ehr’ und Würde klug bedacht. mein einzig liebes Kind. Bepackt mit Rüstung. das Zaumzeug gelb und rot Von zierlich-hellem Goldschmuck. sprach gefaßt Sieglind. An Zierat schaff ich allen.“ Und so geschah’s. dir und den Freunden Glanz genug!“ Es waren schöne Frauen rastlos bei Tag und Nacht. liebe Mutter. 59–68 (64. Herrliche Pferde harrten. Doch Siegfried neigte zärtlich voll Güte sich zu ihr: „Nimm es doch. daß schmerzlich ihre Träne rann.

Die Pferdehälse trugen statt Riemen seidenes Band. wie’s gute Sitt’ und Art. Die Schilde und die Pferde zu nehmen aus der Müden Hand. Wunderbar.und Lebensnot bleib’ ich bewahrt. Zusammen lief die Menge und gaffte.“ Die Frau’n und Mädchen weinten. erzenem Schilde war jeder Arm bewehrt. Sie führten spitze Lanzen. Mit breitem. Laßt eure Arbeit ungetan! 69–76 . Noch heute woll’n wir weiter. zum Tode gefährlich jedem Mann im Streit Goldfarbige Zäume lagen den Reitern in der Hand. Schon wollten sie die Rosse wegführen in das Haus. Ihr goldenes Gewand Erstrahlte licht. sie ahnten alle im Herzen böse Zeit. Zur linken bis zum Sporne hernieder hing das Schwert. Den Gästen beizustehen nach ihrer langen Fahrt. Liebreich und tröstend kam noch zurück ein letztes Wort: „Ihr sollt um mich nicht weinen. Schon nahten Gunthers Mannen. Abwehrend sagte Siegfried: „Die Fahrt ist noch nicht aus! Laßt unsre Rosse stehen! Es ist mein fester Plan. ich zieh’ auf frohe Fahrt! Sorgt nicht! Vor aller Leibes. Wie recht die Ahnung hatte! Wie wahr sprach ihre Herzensnot! Fest lag am siebenten Morgen ihr Schiff zu Worms am Strand. Mich deucht. und funkelnd hing Zügelzeug und Zaum. die Männer trugen Leid. Wie niemals man gesehen. Sie stiegen schnell zu Pferde. Willkommen sie zu heißen in ihres Fürsten Land. wohl zweier Spannen breit War Siegfrieds Ger. Sie sah’n im Geiste alle die Freunde bleich und tot. Wie sie im Zuge langsam hinritten an dem Ufersaum. erschien die fremde Ritterschar.20 Ungern und traurig ließen ihn seine Eltern fort.

da blieb er forschend stehn. Mit seinen Rittern kam Hagen zum Hof des Königs. Wie ihm die stolze Mannschaft gefiel. Die Rosse wie die Kleider sind vornehm. Da riet Ortwin von Metz ihm: Hagen. der sag. Geht nur hinein. Vom Fenster aus genauer die Unbekannten anzusehn. „Woher sie auch gekommen“. Ein Kreis Seiner Gefolgschaft wartet. Dort in der Palashalle hab’ ich ihn sitzen sehn Inmitten seiner Helden. daß keiner der Helden kundig war. das mag gar leicht geschehn. Doch keiner der Burgunden hab’ jemals sie im Land gesehn. Die doch der höchsten Ehren so würdig offenbar. Ein Fähnlein Ritter wäre vom Schiff gesetzt ans Land. der des Hofes kund: „Wollt ihr zu König Gunther. Er musterte sie lange nach Waffen und Gewand. sah man ihm an. vielleicht gar Fürsten sein. „an den Rhein. Mit goldig hellen Brünnen. Er ließ sein Auge schweifen scharf über Roß und Mann. der wisse Rat. woher sie kommen auch der Fahrt. Als er den Grund vernahm. 77–85 . Und was man von ihm wollte. den Herrscher hier im Reich. so sprach er. die Rüstung wunderschön. Es dürften Fürstenboten. Gebt mir Bescheid: Wo find’ ich den König von Burgund?“ Da drängte durch die Menge sich einer. Hochsinnige Männer sind es. Doch war auch ihm der Helden Herkunft und Name unbekannt. Ihn wunderte. Gunther ließ ihn laden. versammelt dort auf sein Geheiß!“ Nun war dem König Gunther die Botschaft schon bekannt. Wer jene Fremden wären. stolzer Art. wo ich sogleich Den Fürsten finden möge. woher sie diesem Land genaht.21 Wer kann mir Kunde geben.

22 Zwar hab’ ich niemals Siegfried gesehen. Dazu noch Prunkgeräte und Schmuck in goldenroter Glut. Und dessen Wuchs und Adel den Herrn von Niederland verrät. denn Unrecht sei geschehn. Wißt! Sie hatten eigens den Schatz ans Licht geschafft. 86–93 . Schilbung und Nibelung waren’s. Schilbung und Nibelung Erbaten seine Hilfe. ein Märchen hierzuland: Er schlug die Nibelungen nach hartem Widerstand. einsam. Sie riefen beide: ‚Seht doch! Der Held vom Niederland! Zu schlichten unsere Sache. Die hießen Nibelungen. daß e r danach der erste aller Kämpfer war. doch ich mein’. im Berge sonst verhehlt. jener ist’s. Sie fortzuschaffen. Sie gaben ihm zum Danke das Nibelungenschwert. war Siegfried gleich dazu bereit. Das alles sollte Siegfried verteilen recht und gut. dem Helden unbekannt bisher. Da lag ein Schatz zu Tage. Ein überreicher Hort war’s. Ein schlimmer Lohn! Sie hätten’s ihm besser nicht gewährt. ein grobes Brüderpaar. wie dort in Haufen die edlen Steine lagen. Seht. Sie ließen ihn nicht enden. Er sah. der herrlich dort vor den Seinen steht. daß er zur Einigung Den reichen Hort verteile nach Recht und Billigkeit. brauchte man mehr als hundert Wagen. scheint seltsam. sei Siegfrieds Urteil anerkannt!‘ Freundlichen Gruß empfing er. Einst ritt er durchs Gebirge. Ihn unter sich zu teilen gerecht und ehrenhaft. Nach Stolz und edler Haltung kann es kein andrer sein. Was er getan. wie man erzählt. Kein Wunder. und Männer trugen schwer. In hellem Zorn begannen sie drohend auf ihn loszugehn. Da dringend sie’s begehrten.

Der mußte Eide schwören. Wie stark sich wehren mochte der wutergrimmte Zwerg. Schilbung und Nibelung beide. Geriet jedoch durch Alberich. Er schlug den Lindwurm tot. Jenes Schwert tat Wunder.“ So sprach Hagen von Tronje. vor dem die stärkste Macht erblich. Der rings in jenem Lande viel Unheil schuf und Not. schlug er tot. Ja. der Held. „Das ist Siegfried. Wo er im dunklen Berge verborgen lag zuletzt. Wie löwenwild verbissen sie kämpften dort am Berg. und Burgen. den starken Zwerg. die Haß und Streit geschürt. Der seine beiden Herren zu rächen unternahm. Nun war er Herr des Hortes. 94–100 . mehr ist mir bekannt noch. Erschlug sie oder zwang sie zu schneller Flucht mit seiner Hand. ward seine Haut zum Kleid Von hartem Horn. getreu im Dienst zu sein Und gut im Berg zu hüten das Gold mit Schmuck und Stein. Das nannten Balmung sie. die wurden Siegfried Untertan. Als ihn die Nibelungen unüberwindlich sah’n. Doch selbst durch Siegfrieds Angriff in übelste Bedrängnis kam.23 Zwölf kühne Riesenkerle. Floh’n sie. Es lagen tot im Felde. Es schnitt. die Könige. Im Drachenblut gebadet. als ob’s dem Arme gewaltige Kräfte lieh. doch Siegfried widerstand. Und Alberich der Starke ward als sein Wächter eingesetzt. Er riß die Zauberkappe vom Haupt des Alberich. Der mächtiger und reicher als irgend einer in der Welt. vor jedem Waffenhieb gefeit. die drangen auf ihn ein Mit siebenhundert Männern. in Not. – und trotzdem schwach und klein – Freunde der Nibelungen. vor Wunden. Länder. Nach Siegfrieds Worten wurde der Schatz dorthin geführt.

Niemals uns gegenüber mag stehn als unser Feind. wie edle Sitte sich ritterlich erzeigt. Auch heldenhafter wäre kein König sonst als Ihr. daß es in Eurem Land Die kühnsten Männer gäbe. daß er. Wie streitbar-kühn geartet der ritterliche Mann Dort steht bei den Gefährten! – So soll es gleich geschehn! Wir woll’n zu ihm hinunter als Freunde ihm entgegengehn. Es dürfte sich wohl lohnen. in Freundschaft uns vereint. sprach der König. daß alle Leute sagen. Und diese gaben dankend nach gutem Brauch den Gruß zurück. Es scheint. Als ob ein Freund gekommen war.“ „Geht nur!“ versetzte Hagen. nicht um geringer Ursache kam er her. Selber erfahren will ich’s hier. Mein Haupt und meine Ehre setz’ ich für diesen Ruhm zum Pfand. sehr. Entbot er Siegfried gütigen Willkommensgruß und neigt’ Das Haupt. Was Euch hierhergeführt hat.24 Heißt ihn willkommen. ein mächtiger Königssohn. „die Ehr erlaubt es schon. leiht er als Freund uns Schwert und Rat. Er hat sich ausgewiesen an mancher Wundertat. Siegfrieds Gefährten grüßt’ er mit hoheitsvollem Blick. Das hätt’ ich gern erkannt. Auch ich fühl Heldenkräfte. Die Krone soll ich tragen! Und ich will dafür sorgen. Welch’ Ursach euch verlockte zur Fahrt nach Worms am Rhein?“ Da sprach der Gast zum Könige: „Das soll Euch nicht verschwiegen sein! Mir ward daheim berichtet. Von edlem Stamm ist Siegfried.“ Da sprach der König: „Wahrlich! So sei’s! Seht ihn nur an. Daß mir zu Recht gebühre das Herrscheramt im Land. Die Leute mögen reden. „vieledler Siegfried. „Mich wundert“. 101–109 .“ Gunther ging ihm entgegen. und gerne wüßt’ ich mehr.

Mein Erbteil und das deine seien der Siegespreis Und stärkster Männerkräfte vollgültiger Beweis. gar übel stünd’ es danach um unsere Ritterehr. Soll dir zurecht als Sieger mein Land und Erbe eigen sein. erblühn! Ich selber will’s besitzen. sagte Gunther. „uns ein Reich Von anderen zu erkämpfen. wie’s lautet im Lande weit und breit. Und er ein Königskriegsheer herführte. Wir Brüder sind ja reich An Land und Gut. „Es mag dein Land in Frieden. so lange seiner Macht.“ 110–117 . Ortwin von Metz nur sagte: „Nun sieht man wohl. sei’s lieb Euch oder leid. Bis wir zuletzt zum Schweigen den eitlen Übermut gebracht. Wird nichts mich daran hindern. das uns zu Recht gehört. Da ohne Grund uns Siegfried statt Freundschaft offenen Kampf ansagt. stark und groß. an Volk auch. „Was tat ich“. Ob Ihr und Eure Brüder wär’t schwach und waffenlos. „Wir denken nicht daran“.“ Grimmigen Sinnes standen die Freunde alle stumm. „daß man mir frevelhaft Das nähme. reicht deine Kraft.25 Seid Ihr so kühn. sprach Gernot. zornig die Ritterschaft. Wer siegt. zu nehmen unverwehrt Burgen und Länder –. Dem wir getreu. was mein Vater besaß von alters her? Geschäh’s. denk ich. Wir widerständen. und das sich in unserem Dienste treu bewährt. Als eigen zu erkämpfen. was an Besitz Euch angehört!“ Verwundert hört’s der König. alles.“ „Ich kann dir’s nicht erlassen“. dem seien Leute und Lande Untertan!“ Da widersetzten Hagen und Gernot zornig sich dem Plan. warum Nach Eurem Angebote der Freundschaft keiner fragt. sprach Siegfried dazu kühn. Doch bleibts im Kampfe dein.

„Wie ziemte unserer Würde Streit gegen Euch und Haß? Und lägen noch so viele der Helden tot im Gras. hört und wißt.“ 118–124 . Wie wenig Nutzen brächte das Eurem Heldentum! Und wir Burgunden büßten damit nur ein an Ehr’ und Ruhm. du. Ich bin gewillt. schon so verdrießlich ist. Käm’ Siegfried. Streit zu suchen. Weshalb ihr ehrenhalber auf Waffen müßt bestehn. die Herrschaft und Macht zu üben in Burgund!“ „Ich ganz allein verhüt’ es!“ fuhr Gernot heftig fort. Indessen Hagen still war. Wenn Euch.26 Da sprach in hellem Zorne der Held von Niederland: „Wag’ nicht zum Kampf zu heben. Wir wahrten Siegfrieds Freundschaft. was ich gesagt hab’. Zu drohen einem König. Viel besser stünd’ uns an. Des hätten unsere Herren sich wahrlich nie erkühnt. Wir wollenes gütlich schlichten. Vermessener. Zu größerem Verdrusse tu ich euch allen kund.“ Der starke Hagen stand und sann. Nur Gernot widersetzte sich Ortwin vorwurfsvoll und sprach: „Ihr sollt den Zorn bezähmen.“ Da rief nach Waffen Ortwin. deine Hand. nur ein Eigenmann! Ein Dutzend deinesgleichen. zu uns ins Land hierher. wir ertrügen’s schwer. Und schlecht wär’ unserer Ehre und seinem Ruhm damit gedient. denn noch ist nichts geschehn. des Tronjers Schwestersohn. Er schwieg zu lange schon. Und wehrte seinen Rittern ein jedes weitere Wort Und trotziges Benehmen: „Ihr tätet’s mir zu Leid!“ Auch Siegfried schwieg und dachte im stillen an die schöne Maid. Dem unzufriedenen Könige erschien es fast wie Schmach.“ Siegfried gab derbe Antwort: „Herr Hagen. die nähm ich nicht als Gegner an. Dann sprach er ernsten Tones: „Nein.

Zu jedem guten Dienste bereit für Euch! Schlagt ein!“ Nach einem Winke Gunthers bot man den Gästen edlen Wein. Wo feine Sitte glänzte in zierlicher Gestalt. – der beste war Siegfried stets darin. Doch war er in Gedanken oft bei der schönen Maid. war Siegfried gleich bereit. Man suchte Unterkünfte. – So heiß er sich sehnte auch danach. Den Kampf mit mir zu wagen. was man vorschlug. Für das Gepäck und Waffen in Kammern allerhand. War’s Spiel. Wie sie bei ihm. im Schießen mit dem Ger. die heimlich bewundernd von dem Fremdling sprach.27 Doch Siegfried: „Warum zögern denn Hagen. Doch Gernot. Und wo es Frauendienste und höfisches Wesen galt. 125–135 (129) . gebricht es ihnen doch An Freunden nicht!“ Schon wallte erneuter Zorn herauf. Wir sind zum Freundschaftsbund. Turnier. Da sah’n die Augen gerne auf den vom Niederland. Das Eure sei’s. schöner Eintracht wich so in kurzer Zeit der erste Haß. Im Steinwurf wie im Laufen. in Burgund Mit Euren Kameraden. Nun gaben sie sich häufig männlicher Kurzweil hin. Er sah sie nie. Und Gunther selber nahm nun das Wort: „Was uns gehört. Ortwin noch. die besten. beschwichtigte und sprach darauf: „Noch einmal seid willkommen. Zu allem. Herr Siegfried. So wollen wir gemeinsam genießen alles Gut!“ Da sank doch in Beschämung ein wenig Siegfrieds Übermut. In allen Ritterspielen und Kämpfen war der erste er. allen wehrend. Dem doch der Sinn im stillen nach reiner Herzensneigung stand. Und auch die Knappen fanden ihr freundliches Gelaß. die man fand. Ja. wenn Ihr es geziemend nur begehrt.

im Plaudern auszuruhn. Daß meine Augen endlich die edle Kriemhild sehn? Die ich nun schon so lange in Sinn und Herzen trag’.28 Denn wenn die Männer übten. Im Dienste der Könige zog er mit. So liebenswert und strahlend und fröhlich schien er dann. Hätt’ er geahnt. Dann war ihr Sinn gefangen. Viel Glück und Not erfuhr er um ihretwill’n in späterer Zeit. Weit mit den anderen streifend durchs Land auf manchem Ritt. 133–138 . Dann trauerte Kriemhilde. In heimliches Betrachten des Helden ganz versenkt. – Das ist mein Leid! Die ist mir so fern noch wie am ersten Tag!“ Ein Jahr verlief. Wär’ ihm die Welt erschienen besonnt vom allerreinsten Glück. wie die Männer nach ihren Spielen tun. Oft sah sie. Doch hätte er sie jemals erreicht mit einem Blick. Auch Siegfried war es leid. von anderen Freuden abgelenkt. trat sie herzu und stand Versteckt an ihrem Fenster und blickte unverwandt. Er grübelte und sann oft: „Wie soll es nur geschehn. wie sie ihn betrachtete beim Spiel. Genug an Freude hätt’ er gehabt und Frohgefühl. Ihn auf dem Hof verweilen. Daß manches Mädchen damals ihn still im Herzen liebgewann.

was ihr von dort mir bringen sollt! Wes Boten seid ihr? Redet!“ Vor seinem harten Blick Und seiner strengen Würde schraken sie in Scheu zurück. Es waren Abgesandte vom Sachsen Lüdeger Und König Lüdegast am fernen dänischen Meer.29 IV. Nichts Gutes. „Erlaubt uns. Daß ich erfahre. der höflich sie willkommen hieß: „Seid mir gegrüßt! Wer schickt euch? Laßt hören. Zwölf Wochen gehn ins Land noch. die mit Botschaft zu Euch uns hergesandt. in Euer Land hinein. Sie hegen Haß und rüsten. Nun wißt. Nach Heimat und Verlangen befragt’ man sie und wies Sie zu dem König Gunther. beide gleich feindlich Euch gesinnt. Die Könige. Im Auftrag ferner Feinde in das Burgundenland. zu schützen Burg und Land. An den Grenzen des Reiches stand ein Feindesheer. Ein schwerer Krieg beginnt. Haß drohte. zahllos. was ihr wollt. So seid gewarnt! Kampf gilt es bis an des Schildes Rand! 139–145 . zu reden und wollt mit Gunst geruhn. und jeden traf es schwer. Sie planten schon seit langem die Heerfahrt nach dem Rhein. Euch unserer Herren Auftrag ganz offen kundzutun. Sie fallen feindlich Euch ins Land. Bis dahin werbt und sammelt und rüstet Roß und Mann! Zusammen ruft die Freunde. Wie er mit den Sachsen stritt Nun kamen einstmals Boten. Verbündet sind sie. dann hebt der Feldzug an. Herr. das sie brachten. sie führen Krieger. Sind Lüdegast und Lüdeger. fremdartig. unbekannt.

der auf dem trüben Antlitz stand. Ihn wurmte im geheimen der räuberische Überfall. scheint mir zu kurz die Zeit. Sonst sinken Eure Ritter in blutig harter Männerschlacht. dann macht ein Angebot! Dann spart Ihr Euren Leuten und Euch die ärgste Not. der falle! Doch unverletzt und rein Bleibt unsere Ritterehre! Die Feinde soll’n willkommen sein!“ Hagen von Tronje sagte mit Ernst: „Mich dünkt es schlimm! Nicht unterschätzt ich Lüdegasts und Lüdegers bösen Grimm.“ Hagen und Gernot rief er und seine Ritter all. wie Ehre heischt und Pflicht. Doch niemals wich der Kummer. Fern bleibt von Euren Grenzen die starke Heeresmacht. Daß Euch bis an mein Ende zu helfen meine Ehre ist. was Gunther verkündete. was Ihr an Sorgen tragt? Und wenn Ihr einen Freund braucht. Bis ich mich erst entschlossen zu gültigem Bescheid. – nun denn. Versorgte man sie freilich.“ Den Boten gab man Herberg. Zu sammeln Volk und Pferde. Als jene nun. Zu tragen und zu wenden. Rief Gernot jäh: „Wir wehren den Räubern mit dem Schwert! Wem Tod bestimmt. ob er uns Hilf und Beistand leiht. Wohl sandte Gunther eilig das Aufgebot ins Land. was ihn so sehr bedrück’: „Wie lebten wir doch früher in sorgenlosem Glück! Wer Freunde hat. der teile mit ihnen seine Not. Wie es von jeher ehrlich die wahre Freundespflicht gebot.“ 146–156 . gehört.“ Der König sprach: „Verweilt noch am Hofe einige Zeit. ich bin’s. Verwundert fragte Siegfried. Ihr wißt. Darum befragt doch Siegfried. Hab’ ich Euch nicht freiwillig von Herzen zugesagt. So feindlich ihr Bericht.30 Doch wollt Ihr unterhandeln.

In Frieden bleiben Leute und Land und Burgen dann!“ – Verwandten. bald sähen sie uns dort. Und dann verlaßt Euch einzig auf mich! Ich steh’ dafür. Zur Heerfahrt nach dem Rheine böswillig rüsten sie. Man rief die Boten Lüdegers. Da waren sie sehr froh. – Es sei. mir fehlten Freunde –. sonst habt ihr einen harten Stand. Erhielten sie Geschenke. Wollt ihr mit einem Heere einfallen in mein Land. Weg mit dem Kummer! Wehrt Euch! Verachtet ihren Grimm! Laßt mich für Eure Ehre einstehen. Gebt tausend mir! Ich habe doch nur die zwölf Gesellen. der unser Glück zerstört: Wir haben schlimme Botschaft von droh’ndem Krieg gehört. Eh’ man sie ziehen ließ. Freunden sagte der König nun die Heerfahrt an. Die Drohung schreckt uns nicht. Herr Siegfried! Wie tat dies Wort mir gut! Versagt Ihr dieses Mal auch mir Euren Arm und Mut Daß Ihr so treu ergeben mir seid. Ruft den Bund Eurer vereinten Freunde zum Schutz für Euch und für Burgund! Und sollten Eure Feinde auch dreißigtausend stellen. Zuletzt erging des Königs Abschied gar stolz und würdig so: „Sagt euren Herrn.“ Siegfried sprach zuversichtlich: „Ihr nehmt es allzu schlimm. So dreisten Räubereinfall erlebte unser Land noch nie. – wie rührt es mich! So lang ich lebe. Wir schützen Eure Lande und wehren ihrer Beutegier. Des Feindes Boten sendet mit dieser Botschaft fort: Wir brächten Antwort selber. Der König selbst verhieß Ein sicheres Geleite.31 „Das lohn’ Euch Gott.“ 157–165 (163) . dank’ ich dafür Euch immer brüderlich! Vernehmt den schweren Kummer. sie täten wohl besser ganz Verzicht Auf ihre schlimme Heerfahrt.

Doch Lüdegast empfing Ungern die üble Botschaft. Erbittert hörten’s beide. Unglaublich schien sie fast.32 Reiche Geschenke nahmen sie fröhlich. Eilig ging Nach Dänemark die Reise. War doch auf trotzige Abwehr der stolze Däne nicht gefaßt. Da schätzten sie mit Brennen und Raub durchs Land umher. die freund ihm und verwandt. Auch Gunther ließ entbieten. auch daß sich ein Held darunter fand. wie es verlangt die Ritterpflicht!“ Man nahm vom Rhein nach Norden die Fahrt durchs Hessenland Bis eines Tags die Heerschar an Sachsens Grenzmark stand. Von manchem kühnen Manne fern im Burgundenland Erzählten sie. 166–181 (175) . des Landes Schützer sein! Verweilt hier bei den Frauen in guter Zuversicht. Er zog auf Kundschaft weiter. Die Kunde war verhaßt Mehr noch als jede andere dem Dänenkönig Lüdegast. Auch Lüdeger. mahnte Siegfried. Siegfried hielt Gernots Mannen und Hagens Heer zurück. Allein ins Land der Sachsen reitend. Indes wir für Euch einstehn. Siegfried sei er geheißen. sollte der Fahnenträger sein. Volker. Das Aufgebot der Seinen betrieb er um so mehr. der Sachse. der Spielmann. vertrauend auf sein Glück. „Herr König“. berief zum Heeresbann Für den Burgundenfeldzug wohl mehr als vierzigtausend Mann. Lüdegast und Lüdeger. erspähte er Plötzlich zu vielen Tausend versammelt rings das Sachsenheer. Es stießen zwanzigtausend an Kämpfern zu dem Heer. So wollten sie die Heerfahrt von Worms antreten über’n Rhein. Hagen von Tronje wurde zum Scharmeister ernannt. „bleibt Ihr daheim am Rhein! Laßt uns der Ehre Hüter.

182–189 . verpfändete sein Land. Sprang plötzlich in den Sattel. Gleich wendeten die Pferde sich wieder unterm Zaum. Einander heimlich prüfend erwogen Angriff sie und Hut. Bis ihre Reiter wieder im Laufe sich erjagt. Der Boden dröhnte zitternd vom harten Sprung und Hieb. Und wie geweht vom Winde durchflogen sie den Raum. Er sei der Dänenkönig. Die Blicke beider trafen sich scharf in grimmer Glut. Daß Lüdegast drei Wunden von Schwerthieben empfing. die Lanzen gefällt in jähem Schwung Tief auf die breiten Schilde. Da schlug Herr Siegfried wuchtig. die Pferde hoch zum Sprung Gereizt vom Sporn. die schon von fern gesehen. Was zwischen beiden Spähern hier auf der Warte war geschehen. Der eben noch von drüben herspähte unverwandt. daß rings das Feld erklang. Es nahten dänische Ritter. der Dänenkönig Lüdegast! Heran schon sprengten beide. Doch fiel ihn Siegfried wilder und grimmiger nur an. der gleichfalls auf Späherposten stand. Zwar eilten dreißig Männer zur Hilfe schnell heran. Ein wackerer Wächter war es. Es prallte Schaft auf Schaft. Der feuerrot von Golde erglüht’ in hellem Glast.33 Da hob von seiner Warte jenseits am Hügelrand Ein Ritter sich. den Schild zur linken Hand. Dem stolzen Dänen bangte alsbald um seine Ritterschaft. Und sich der rote Blutstrom ergoß durch Brünn’ und Panzerring. Nun war erhobenen Schwertes der letzte Angriff wild gewagt. Da keiner von den beiden dem Gegner etwas schuldig blieb. Lüdegast genannt. Da bat er um sein Leben. Daß hell die Feuergarbe vom Helm des Feindes sprang.

Die Dänen stürmten an. ja schlug im Kampf sie tot. Als alles Volk vernommen. Sie taten wahre Wunder und brachten bald den Feind in Not. Der lag im Hinterhalt. – kehrte sich keiner dran. daß es der Dänenkönig sei. laut im Felde erschwoll ein Jubelschrei. tödlich gekränkt von Grimm und Schand Ihr Herr gefangen! Geisel in ihres Feindes Hand! Der Sachsenkönig tobte in Zorn und heißer Wut. – bleibt mir nur meine Kraft. Nur einen ließ er leben.34 Siegfried griff den Gefangenen. Hoch unter Rosseshufen flog rings die Erde auf. Die dreißig Dänen nieder. Und ihre Schilde blitzten lichtfunkelnd in dem Reiterhauf. So übermächtig brannte die giftige Scham in seinem Blut. Doch. Jäh traf die Feindesseite der wilde Angriffsstoß. Doch waren schnell die Schneiden der Sachsenschwerter bloß. rang er. Ortwin und Hagen. Wahrhaftig. 190–201 . der eine Mann. seinen Geisel wahrend. zu künden seines Herren Not. Und herrlich mit der Fahne ritt Volker vor den Männern her. mit ihm das ganze Heer. Dazu Siegfrieds Gefährten. Die Dänen schäumten. Doch Siegfried rief dazwischen: „Heut bleibt noch mehr zu tun! Wohlan! Das Fähnlein bindet fest an die Stange nun! Eh’ dieser Tag sich endet. Ob ihre kleine Truppe nur zählte tausend Mann. Volker mit Dankwart und Gernot. in Siegfrieds Kriegsgewalt. Ward hingeführt zu Hagen. – Beweint manch edle Sächsin noch ihre frühe Witwenschaft! Helden vom Rhein! Zu Pferde! Folgt mir und schaut auf mich! Mitten in Lüdegers Scharen vernichtend stoße ich!“ Schon saß Gernot im Sattel. Der König Lüdegast.

doch nahmen dann die Bedingung an. Da gellte seine Stimme: „Siegfried hab’ ich erkannt! Den hat der Teufel selber uns hergeschickt ins Sachsenland! Gebt’s auf! Laßt ab vom Kampfe! Die Fähnlein ziehet ein! Gebt Frieden!“ bat er dringend. durch wen so heillos Verderben hier geschah. Den König selbst zu stellen – der sah. dem sicheren Frieden zum Gewähr. Mutlos hinsinken ließen sie alle Schild und Schwert. wie fürchterlich Der breite Balmung mähte. Sie zogen einen Streifen. die Dänen hielten stand.35 Streitkühne Sachsen wehrten. Daß von der Wucht der Schläge ins Knie fast brach sein Pferd. Da stießen Lanzenspitzen in harten Schildesrand. Gern hätten sie wohl länger der letzten Schmach gewehrt. Bis endlich im Gewühle es Siegfrieds Blick gelang. 202–220 (219) . als ob’s ein roter Blutbach sei. Im Prall der Waffen toste Gelärm und Fluch und Schrei. Da schlugen Schwerterschneiden auf Helm und Eisenring. Dreimal durchkämpften quer sie den tiefen Menschendrang. Da – wie ein Sturmwind brach Siegfried in das Gewühl ein. Doch als er auf des Gegners Erzschild die Krone sah. So hieb der Sachse hitzig. Wußt’ er. drin mancher Todeswunde hing. daß von dem Schild Der Schmuck der edlen Spangen flog hell erblitzend ins Gefild. „und laßt uns Freunde sein!“ Zuerst verwehrt’ es Siegfried. blindwütend mit dem Schwert. So stand des Kampfes Wage. Gefangene Geiseln folgten dem Lüdeger fünfhundert Mann. Das Blut floß von den Sätteln. und seine Zwölf ihm nach. Berieten sich. von dessen Blitz so mancher blich. eh’ sich nicht Lüdeger Als Geisel ihm ergäbe. Ingrimmig fiel er Siegfried so an.

Die sollten dort die Freunde von ihrer Angst befrei’n Und frohe Meldung bringen. Er hatte mit den Seinen das Beste doch getan. Die Knappen trabten fröhlich nach Haus. Im ernsten Kampf vollbrachte die größten Wunder seine Hand. Wenn du mir wahr berichtest. Es fehlte wenig. Gernot? Wie all die andern Freunde? Blieb mancher draußen tot? Wer tat das Beste? Sage!“ Stolz hub der Bote an: „Wir hatten keinen Zagen und keinen pflichtvergessenen Mann! Doch. Ihr Kriegsbericht Erheiterte am Rheine manch trauriges Gesicht. Die Kampfgenossen machten aus Siegfrieds Lob kein Hehl. dem ihr Sinnen längst heimlich zugewendet war. Begrüßte sie ihn freundlich: „Erzähl! Ich lohne dir. Wie hielt im Kampfgewühle mein Bruder sich. den ich noch höher rühmen mag. die im Krieg geschah’n. den edlen Siegfried vom Niederland. In ihre Kemenate ward er sogleich geführt. 221–227 . Gernot entsandte schnelle Berittene an den Rhein. Die edlen Frau’n besonders erfragten unverwandt Das Schicksal ihrer Männer. daß sie ihm Sorg’ und Wunsch verriet. Sie durfte ja nicht zeigen.36 Zum Aufbruch nach dem Rheine ging nun der Marschbefehl. daß in der tapferen Schar Ein Mann war. Königin. Und wie es Freudebringern ja überall gebührt. wie hohe Ehren man Und Sieg und Glück im Kampfe mit kühner Mannestat gewann. mit Gold und Gaben gut dafür. Von all den Wundertaten die größten. Wie schnell nun alle Sorge schwand! Auch Kriemhild einen Boten sich insgeheim beschied. Als Euren Gast. Weiß ich doch keinen. wenn ich treulich die volle Wahrheit sag’.

Die Dänen und die Sachsen. Sein Tatenruhm ist herrlich. das kühne Kämpferpaar. Wie Hagen stritt und Dankwart. Empfange zum Lohn ein reiches Kleid! Nimm dazu noch in Golde zehn Mark als Botenlohn. Und mancher von den Feinden hat ihn darum verklagt. Die alte Ritterehre die Streiter von Burgund. und wenn auch todeswund. was sie von Siegfrieds Ruhm vernahm! „Fünfhundert Feinde folgen als Geiseln unserem Heer. Und fröhlich sprach das Mädchen: „Willkommenen Bescheid Hast du gebracht. Leer wurde mancher Sattel. nur Schimpf an Leib und Ehr’. so ehrenvoll es war. – das lohnt sich schon!“ 228–242 (241) . Die Männer von dem Rheine hinstürmten in den Feind. sein Kriegsglück wundersam. edle Königin. Wohl mocht’ es Lüdeger schon längst verleidet sein. Denn dies ist. So gute Nachricht bringen zu reichen Frau’n. Daß deinen Brüdern frevelnd er frech den Frieden aufgesagt. Der Tronjer wie auch Gernots Gefährten hieben drein. In Sturm und Angriff wahrten. die beste Neuigkeit: Als Geiseln dienen beide zu unseres Friedens Sicherheit. Und achtzig weitere trägt man verwundet hinterher. des Reiter heut ein Weib beweint. So männlich sie auch fochten – nichts ist es gegen ihn. Besiegt und als Gefangene führt man zum Rheine sie. Mit Recht erlitten beide schließlich mit ihrem Heer. des Kampfglück ein wahres Himmelswunder schien.37 Was all die andern taten. Mit eigener Hand zwang Siegfried die Gegner in die Knie. So sind die Friedensstörer in unserer Gewalt.“ Da ging durch Kriemhilds Antlitz das Glück in rosiger Gestalt.“ Wie lieb war Kriemhild alles. Den Siegmundssohn.

gab er in Pfleg’ und Hut. Verbeult und arg durchlöchert die Schilde an der Hand. das sollten selbst die Feinde sehn. Zu Lüdegast begann er: „Auch Ihr seid mir willkommen! Zwar hab’ ich schweren Schaden durch Eure Schuld genommen. Stolz nahten die Gesunden. höchster Ehre wert. Ward still um sie getrauert. daß gut und ehrenhaft Sie dort in hartem Kampfe ihm seinen schönsten Sieg verschafft. Doch wird. Wie königlich er dachte. Fröhlich ritt König Gunther entgegen seinem Heer. das den Verlust entschädigen soll. wie stets man tote Helden ehrt. Willkommen ihm zu bieten zur schönen Wiederkehr. Nur sechzig blieben draußen.“ 243–250 . Da nahten die Gesunden. Die Gäste ließ er reichlich nach Will’ und Wunsch versehn. dann die von Wunden krank. zerhaun der Helme Rand. „Behielt so edle Geiseln doch nie ein Fürst bisher. Da lief das Volk zusammen in lautem Überschwang Und scharte sich am Palas zu fröhlich-festlichem Empfang. Zu danken allen Freunden. doch. Doch galt die erste Frage den Toten. Es grüßte heller Zuruf und Jubel alle zum Empfang.“ Das nun – Gott lohnt’s den Freunden! – mein Volk in reichem Maß „Wohl mögt Ihr ihnen danken!“ versetzte Lüdeger. Die schwerverwundet waren. was Ihr getan habt. Nun schaffte man Quartiere. Der König sorgte gut. Verfahret Ihr in Gnaden mit uns und ehrenvoll. Woll’n Lösegeld wir zahlen.38 Es warteten am Fenster die Mädchen und die Frau’n. vom Friedensglück gebüßt. die im Streit Gefallen für die Heimat und ihre Sicherheit. Der Krieger frohe Heimkehr mit eigenem Aug’ zu schaun.  [genießt.

daß nicht in Traurigkeit Der Frauen Tränen flossen. „gern Eurer Fesseln frei. wird dann gesund vom Bett erstehn. den Met und hellen Wein. daß jeder bleibt im Land. Zu heilen gab’s genug! Mit reichem Solde lohnte der König ihre Kunst. Auch seinen Gästen bot er verschwenderisch nun Gold und Gunst. Da mochten Knecht und Knappen bei Scherz und Trunk wohl fröhlich sein! Die schwer zerhauenen Schilde. wie man’s immer den Freunden sagt zur Ehr’. wer es immer sei. das binnen sechs Wochen wir begehn! Manch einer. Doch wehrte Gunther innig. hielt er und bat vielmehr Zu bleiben. 251–258 (254) . sprach der König. Daß ihre heitere Miene kampfmüden Männern Tröstung bot. war doch viel eher not. Die schwer von Wunden litten. Doch hätte nicht Kriemhild In seinem eigenen Sinn gelegen. Und sann. Nach Kampf und langem Marsche. daß keiner. die ihm den großen Sieg errang. Bis wir ihn einst entlassen!“ Darauf gab Lüdeger die Hand. er hätte nicht den Wunsch erfüllt. der noch wund liegt. Er bat und widerstand Und flehte ihn zu bleiben. Die wieder heimwärts wollten. Die blutigen Sättel barg man. wie er am Ende noch schöneren Lohn und Dank Für ihre Treue fände.39 „Ich laß Euch“. Sich seiner Haft entziehe. Wenn Ihr mir bürgt. Die Meister der Arzneikunst versorgten gut und klug. Da riet Herr Gernot dringend: „Laßt sie nur reiten jetzt! Doch sei für sie schon heute die Rückkehr festgesetzt Zu einem Fest. die schaffte man beiseit’. wie ruhte es sich süß! Den Wunden gab man Betten und den Gesunden ließ Der König Labung reichen.“ Da bat ihn auch um Urlaub Siegfried von Niederland.

Gewandt im Kampf. Sie mühten sich geschäftig mit Nadel. Zulieb den Freunden wollte Gunther das Fest begehn. 260–264 . ritterlichen Herrn. begierig nach hohem Siegespreis. Kriemhild erfuhr mit Freude vom nahen Siegestag. wie sie gern Gefallen möchten allen den edlen. Nun winkte die Erfüllung. so glücklich wie sein Traum gewähnt. ganz naher Zukunft lag.40 Nur ein Gedanke hielt ihn. Nun galt’s auch für die Frauen. Auch ließ er Zelte bauen vor Worms am grünen Rhein. Der hoffnungsvoll in schöner. Zwirn und Band. Frau Ute auch benutzte vorsorglich noch die Zeit.und Festgewand. Die schöne Schwester hofft’ er zu sehn beim Siegesfest. ein Wunsch am Hofe fest. War doch für all die Gäste die weite Stadt noch viel zu klein. Mädchen und Frau’n zu zieren mit Putz und Schmuck und Kleid. mit Sorgen nicht zurückzustehn. Zu nähen und zu fälteln an Kopfschmuck und Gewand! Dabei der stolzen Helden gedenkend. wie er sie längst ersehnt. Auch Xanten sah er später. Schon übten sich die Knappen auf ihres Herrn Geheiß. Aus Liebe zu den Kindern ließ sie manch fleißige Hand Für Knappen und für Fremde herrichten Prunk.

wie sehr ihr Reiz die Welt entzückt’. Da standen Kamerad und Kampfgenoß. 265–272 (270) . – So leuchtenden Gepränges begann das Fest am Rhein. wie hart. Ihn wie auch Gernot ließen die Sorgen gar nicht ruhn. gab es nun viel zu tun. Empfang der vielen Gäste. Das Fest in vollen Zügen mit zu genießen war ihr Traum. wie es mit Siegfrieds Herzen stand.41 V. Wie Sinne er und Seele Kriemhilden zugewandt. Die Kranken selbst entbehrten der anderen Mitleid kaum. Wie’s königliche Würde und feiner Sitte Zwang gebot. wie nah der Tod. Gute Quartiere waren zur Unterkunft bereit. Indes die schönen Frauen wetteiferten in Zier und Kleid. Fünftausend oder mehr noch. Die Siechen auf dem Lager in ihrer Wunden Not. Für Giselher. Bewirtung waren not. Längst wußte Gunther. Wie Siegfried Kriemhild zum erstenmal sah Nun ritten alle Tage die edlen Gäste ein. Pfingstmorgen war’s. der Hofgewänder Prunk. Sie durften fast vergessen. Ob er bisher sie niemals mit Augen je erblickt. Nur daß er sagen hörte. Zweiunddreißig Fürsten kamen an den Rhein. unübersehbar floß Der feierliche Festzug heran zur Burg. jung. den Jüngsten. und weit Ergoß in Hof und Palas sich Jubel rings und Fröhlichkeit. Die Kranken und die Wunden sah’n glücklich in den Glanz hinein. Prachtvoller Schilde Goldglanz. Mit Gold beschlagene Sättel auf Pferden feurig.

wählten lange. alles. was freute Seel’ und Leib. Wie alle Augen glänzten! Sah’n sie die Schönen doch noch nie! Ein stattliches Gefolge auf König Gunthers Wink. Es hoffte mancher junge. 273–280 . aus feinstem Gold gefügt. er tauschte gerne ein Königreich für sie. als stolzes Ehrgeleit. noch unerfahrene Mann. So stolzer Brauch war üblich an Gunthers Hof seit alter Zeit. Die Zierde Eures Hofes. dann seid auf eins bedacht: Laßt uns zur Augenfreude die Mädchen und die Frau’n. Damit doch jedes Auge die herrlichen Gestalten fand. bis eines lag bereit. Gunther ließ entbieten die Mutter und Kriemhild Mit ihren Frau’n. als sei ganz eigens ihm dieses Glück beschert. Armringe. Wenn nicht der Mädchen Zauber. War froh. Und jeder. Das Schwert in jungen Händen. der’s gehört. Wie gerne ward dieser Wunsch sogleich erfüllt! Vor ihren Schreinen prüften sie da das schönste Kleid. – An hundert nah Verwandte – stand schon bereit und ging. daß Eure Schwester hier unter uns erscheint!“ Der Rat war gut. Sie suchten. umgab Die beiden Königinnen. Gewiß. in ihrem ganzen Reiz erschaun. die vom Gemach herab Die Treppe niederstiegen. künstlich runde. Borten und Zierat. was Mädchen sonst im Sinne liegt.42 Da riet ihm Ortwin: „Soll sich diesmal in vollster Pracht Das schöne Fest entfalten. Die schönen Frauen sähen auch ihn mit Neigung an. der Reiz am schönen Weib! Erlaubt. an hundert wohl. Ein Schwarm von schönen Frauen. Was wäre Mannes Wonne. Dichtes Gedräng’ entstand. wie mancher für sich in stiller Freude meint’! „Es soll geschehn!“ sprach Gunther.

Da endete die Not! Der sie so lang im Herzen getragen. umringt von ihren Frau’n. Daß jeder in ihr Antlitz nur einen Blick gewann. als ständ’ Ein Bildnis da. So kam sie gleichen Glanzes. Ein schöner Leuchten schien es. Siegfried stand tief betroffen. Muß ich dich aber meiden. wovon man sagte zwar. Hier war das Allerschönste. vor den Sternen steht. 281–288 (287) . Wie mild sein reines Leuchten durch die Wolken geht. Dich jemals zu gewinnen! Es war ein eitler Wahn. alles Schöne auf Erden möcht’ er sehn. Froh war ihm und doch leid. Ihr seid in seiner Schuld. dann wär’ ich lieber tot!“ In solcherlei Gedanken ward seine Wange blaß und rot. der so viel für Euch tat Und Euch so treu gedient hat. als Schmuck und Edelstein. Von ihren roten Wangen erging ein zarter Schein. So stand nun Siegmunds Sohn da. – das mußte jeder zugestehn. Wer wünschte. Erweist vor allen Leuten zum Dank ihm heute Eure Huld. der helle. so schön und wunderbar. Wie der Mond. ein schönes.43 Da nahte nun die Jungfrau. Von allen Seiten drängten die Ritter sich heran. Es wandte sich an Gunther Gernot mit gutem Rat: „Gedenket jetzt an Siegfried. das auf ein Pergament Ein großer Meister malte. – so wunderlich. Er dacht’ in seinem Sinne: „Wie töricht war der Plan. sie anzuschaun. wie erstes Morgenrot Tritt aus den trüben Wolken. Es gäbe keinen Helden wie den. so herrlich war sie anzusehn. So wunderlich befangen stand er vor Kriemhilds Lieblichkeit. sah sie stehn. Und wie ein schönes Wunder. Und höher schwoll den Helden das Herz vom Glück.

Sie soll den Helden grüßen zu unserem Nutz und Dank! Die niemals Blick und Rede noch einem Mann gewährt. Nun Kriemhild. wir werden nur um so mehr ihm lieb und wert. Doch heimlich. Ward eine weiße Hand da wohl liebevoll gedrückt? Ich weiß nicht. Zu Siegfried. Denn deutlich war’s. Kriemhild soll Euch empfangen. der vor ihr in edlem Stolze stand. Wie freudig schritten beide. ist sein Plan. vertraulich ging an seiner Hand. ein tapferer Ritter wäret Ihr. die Ersehnte. daß man es unterließ. als hielte sie ein Band! Mit lieben Blicken sahen sie eins das andere an. Denn Euch zu ehren. Sie sah ihn an. 289–295 . Verflogen. da er den Blick verstand. Zu erfahren ist es mir nicht geglückt. ihm und dem Hof zu nah’n. Die schöne Kriemhild sagte: „Seid recht willkommen mir!“ – Wie ward er froh! – „Man rühmt Euch. Vor Utes schönem Kinde zu stehn – nun war’s so weit! – Die Liebliche begrüßt’ ihn mit aller höfischen Sittsamkeit. mag junges Maiengrün Ein junges Herz berauschen – nicht freudiger kann’s erglühn.“ Er neigte tief sich. die Gunther nah verwandt. Mag Sommerluft entzücken. Wenn sie ihm dankt. wie man anders es nicht vor fremden Leuten kann.“ Es gingen einige Männer. Als Siegfrieds Freude brannte. Da stieg in seine Wangen ein glühend heller Brand. wie Kriemhild ihm ihre Zuneigung bewies. dahin.“ Da zuckte jähe Freude Siegfried durch Herz und Sinn. ihn zu laden. Doch kann ich mir nicht denken. was ihn bedrückt’. was ihn schmerzte. Gütig ergriff sie seine Hand.44 Laßt Siegfried freundlich bitten zu Kriemhild zum Empfang. und gaben ihm bekannt: „Der König läßt Euch bitten.

Doch konnt’ er kaum erwarten den frohen Schlußgesang. Er dachte seines Glückes wahrlich mit tiefem Dank. daß Eure Treue ihr ganzes Herz gewann!“ Mit freudehellen Augen blickt’ er die junge Kriemhild an: 296–303 (299) . ging ich ebenso An ihrer Hand wie Siegfried. daß er je Wiederkehr’ in unser Land!“ In feierlichem Zuge hob nun der Kirchgang an. Der Dänenkönig aber sprach nachdenklich für sich: „Um dieses Kusses willen mancher von uns erblich Mir zu Verlust und Schaden von Siegfrieds starker Hand. „Das lohn’ Euch Gott. was er da empfand. Das Süßeste der Erde schien Siegfried. Siegfried führte Kriemhild bis an den Dom heran. Gott mag verhüten. daß alle hier Eure Freunde sind. so fürstlich schritt das junge Paar. „Ihr habt’s verdient. Siegfried stand an der Tür. Herr Siegfried!“ So sprach das schöne Kind. Auf schöneren Dank für Siegfried ging Gunthers Wunsch und Sinn: Zum Kusse reichte Kriemhild ihm ihre Lippen hin. So schied auch Siegfried dort von ihr. der längst er herzlich zugetan! Kriemhild verließ das Münster. Wie selig sein Geschick sei. – des Glückes wär’ ich froh! Den Arm um sie zu legen – das ließ ich nicht. Da hing ein jedes Auge an ihnen wie gebannt. Dann trennten sich die Frauen und Männer an der Tür. daß ihm nach Wunsch und Wahn Die Liebliche geneigt war. den er errang. Wie es der Brauch verlangte. Und zum Geleit beschied man ihn wiederum zu ihr. Man sagt. fürwahr!“ So lieblich anzusehen. Aus ihrem Mund erhielt er nun erst den vollen Dank Für seine Freundeshilfe und für den Sieg.45 Im stillen dachte mancher: „Ei.

So lange sie mich brauchen. und ich am Leben bin. und jeder war beglückt. Dringend bat er auch jetzt um seinen Rat. Fröhlichkeit Erfüllten Gunthers Halle und Hof die ganze Zeit. ins Heimatland entlaßt.“ Geheilt war Lüdegast. Was einer wünschen mochte. Ein Friedenspfand zu bieten. wenn ihr zum Abschied von mir geht!“ Es baten ihn die Dänen: „Wir sind darauf gefaßt. Selbst die verwundet waren. ging Gunther durch den Saal: „Ich muß euch ewig danken. nichts fehlte. Eh’ Ihr uns in die Freiheit. Spiele. wie sich’s schickt. die Kämpfer grüßend. Die Erde von Burgund Barg viele tote Feinde. Indes. wie nicht eines je von dem anderen wich. Zwölf schöne Tage sah Man beide. Denn wahrlich. Traf manchen lieben Freund doch von Euren Kämpfern früher Tod. einzig mein Gewinn!“ Zwölf ganze Tage blieben sie sich einander nah Im Kreise der Verwandten. Vergnügen. drum verschmäht Nicht meine Gastgeschenke. hochedle Frau Kriemhild. Sei Eure Huld. Hier drinnen und da draußen gab man mit Herz und Sinn In hochgemuter Stimmung sich allen Festeswonnen hin. das ist not. Doch König Gunther tat Nichts ohne Siegfried.46 „Ich diene ihnen gerne. Herrliche Freuden. noch kein Verlangen trag’. mein Haupt zu ruhen. 304–312 . Siegfried zu Lieb’ und Ehre und Dank geschah’s geflissentlich. Da ich. ihr Freunde. so lange ich’s vermag. genesen und gesund War auch der Sachsenkönig. Die schönsten Speisen boten die Köche auf beim Mahl. Ortwin und Hagen sorgten. im Traum der alten Kraft Vergnügten hinter Schilden sich schon am Spiel mit Schwert und Schaft.

47
„Was soll ich tun? Die Feinde versprechen Lösegeld,
Fünfhundert Pferdelasten an Gold, wenn mir’s gefällt,
Sie frei und los zu lassen.“ Kaum, daß er sich besann,
Gab Siegfried fest zur Antwort: „Der Handel stünd’ uns übel an!
Laßt ledig die Gefangenen von hinnen ziehn nach Haus,
Auch ohne Geld. Nur eines bedingt Euch dafür aus:
Zusagen sollen beide, daß niemals Euer Land
Sie je wieder befehden, und dies versprechen in die Hand!“
„Den Rat will ich befolgen.“ Damit ging er und sprach:
„Dem Gold, das ihr uns bietet, – wir fragen nichts danach.
Versprecht es in die Hand mir, daß ihr den Frieden wahrt.
Dann lenkt zur Heimat wieder, die euch erwartet, eure Fahrt!“
Abschied erbaten endlich die Gäste. Von Kriemhild
Und Ute nahmen Urlaub sie alle dankerfüllt.
Die Zelte wurden stille, die Kammern mählich leer.
Nur die Verwandten blieben vereint zu freundlichem Verkehr.
Urlaub erbat auch Siegfried. Er tat es aus Verzicht,
Denn wonach er verlangte, zu halten wagt’ er’s nicht.
Als Gunther seine Absicht, er wolle fort, vernahm,
Da sandt’ er Giselher, der eilends ihn zu bitten kam.
Da Siegfried schon zur Reise bereit, drang ungestüm
Giselher der junge in ihn und sprach zu ihm:
„Wohin willst du schon reiten? Nein, edler Siegfried, bleib!
Wir würden dich vermissen, wir Freunde und manch schönes Weib!“
Da sagte Siegfried: „Stellt nur die Rosse wieder ein!
Ich reite nicht! Wir wollen noch froh beisammen sein.
Bergt auch die Schilde. Fern sei noch unser Abschiedstag.“
Was doch ein Wort des Freundes, wie Giselher es sprach, vermag!

313–322 (317)

48
So blieb der Held am Rheine. War ihm doch nirgendwo
Das Herz wie hier so sorglos, so leicht und lebensfroh.
Es hielten ihn die Freunde, treu brüderlich gesinnt,
Ihn zwang mit seinem Zauber das schöne königliche Kind.
Wenn man bei Spiel und Kurzweil fröhlich die Zeit vertrieb,
Sah er ihr Antlitz täglich, sie wurde ihm so lieb,
Daß Seel und Sinn’ ihm glühten in immer neuer Not.
Um ihretwillen sank er dereinst in jammervollen Tod.

323–324

49

VI. Wie Gunther zur Brünnhild nach Island fuhr
Weit über fernem Meere saß eine Königin,
Nie sah man ihresgleichen so kühn als Kämpferin,
Zwar makellos an Schönheit, doch maßlos auch an Kraft.
Wer um sie warb, dem wehrte sie kampfbereit und heldenhaft.
Sie schleuderte die Lanze, fernhin warf sie den Stein
Und sprang ihm nach. Gewinnen erst konnte sie allein,
Wer über sie im Dreikampf Herr ward. Wer sie nicht zwang,
Wer nur ein Spiel verloren, büßt’ mit dem Kopfe seinen Drang.
Es sagte König Gunther: „Wie es mir auch ergeh’,
Nach Brünnhild, dieser Königin, fahr’ ich über See.
Um ihrer Liebe willen wag ich daran den Leib,
Den will ich eh’ verlieren, wird jene Brünnhild nicht mein Weib.“
„Das widerrat’ ich“, sagte Siegfried, „denn furchtbar ist
Ihr wilder Brauch, wenn einer zu werben sich vermißt.
Wer Liebe von ihr fordert, der spielt ein hohes Spiel.
Daher gebt’s auf. Ich rate Euch ab. Ihr wagt dabei zuviel!“
Doch Hagen meinte: „Siegfried mag helfen. Denn er kennt
Brünnhilde; er bringt fertig, was ihr allein nicht könnt!“
So bat ihn Gunther offen: „Ich wage Ehr’ und Leib,
Wenn du mir beistehst, werb’ ich um jenes herrlich-kühne Weib.“
„Ich will es tun“, sprach Siegfried, „gibst du zum Lohn dafür
als Gattin deine Schwester, die schöne Kriemhild, mir.
Denn wisse, daß ich sonst nichts und keinen Dank begehr’,
Wird sie nach Kampf und Mühsal mein Weib bei unserer Wiederkehr.“

326–333 (325, 328)

50
„Das will ich dir in Treuen geloben in die Hand!“
Sprach Gunther. „Kommt die schöne Brünnhilde hier ins Land,
So will ich gern die Schwester dir zum Weibe geben.
Dann magst du mit der Schönen dereinst in reinem Glücke leben.“
Mit Handschlag und mit Eiden beschworen sie den Bund.
Noch stand viel Not dazwischen, eh’ sie heim nach Burgund
Die schöne Brünnhild brachten, viel Sorge, eh’s gelang,
Und er im harten Kampfe die Heldenkönigin bezwang.
Nun rüstete man sorglich die weite Meeresfahrt.
Die Kappe, die den Träger vor jedem Blick verwahrt
Und ihm zu seiner Stärke Zwölf-Männer-Kraft verleiht,
Von Alberich erbeutet, hielt Siegfried klug im Schiff bereit.
„Uns folgen zur Begleitung an dreißigtausend Mann,
Daß ich mit vollen Ehren vor ihr bestehen kann!“
So meinte König Gunther. Doch Siegfried widerriet:
„Ihr Brauch ist so, daß keiner jemals die Heimat wiedersieht.
Wir ziehn nach Ritterweise des Rheines Lauf zutal,
Mit wenigen Gefährten anstatt der großen Zahl.
Nimm Dankwart mit und Hagen! Nicht mehr! Allein wir vier –
Was dann auch kommen möge, – die Königsbraut gewinnen wir.“
Auf ihres Bruders Bitte war Kriemhild gleich bereit,
Zu nähen und zu schmücken Gewand und Wams und Kleid,
Daß sie, so ausgestattet, in Brünnhilds Land zu Gast
Erschienen, wie sich’s ziemte und für Burgundenkönige paßt.
Sie nahm arabische Seide, so weiß wie frischer Schnee,
Dazu noch Zasamanker, grasgrün wie junger Klee.
Gefüttert mit den Häuten von Fischen, und zuletzt
Mit schönen Edelsteinen, wie Feuer blitzend, reich besetzt.

334–363

51
Libysche, marokkanische Gewänder, farbig bunt,
Mit kohlenschwarzer Seide verbrämt als dunklem Grund,
Denn Hermelin erschien ihr daneben zu gering.
Wie gern die Schwester sorgte und liebevoll zu Werke ging!
Nun kam die Abschiedsstunde. Gar nahe ging es ihr.
Sie sagte: „Lieber Bruder, warum ersehnst du dir
Ein Glück in fernster Weite? Du fändest in der Näh
Auch eine edle Gattin, von der dir nicht Gefahr geschah.“
Und Siegfried bat sie: „Laßt ihn Euch anbefohlen sein!
Ihr seid so treu und tüchtig und Ihr vermögt allein,
Vor Schaden ihn zu hüten in Brünnhilds rauhem Land!“
Der Held versprach’s und reichte ihr zum Gelöbnis seine Hand:
„So lang ich lebe“, sagt’ er, „braucht Ihr, vieledle Frau,
Euch nicht zu sorgen. Bleibt nur getrost! Denn ich vertrau’,
Gesund bring’ ich den Bruder zum Rheine sicherlich.
Ihr könnt fest auf mich bauen!“ Da neigte sie zum Danke sich.
Nun brachte man die Waffen, die Rüstung, das Gewand,
Schilde mit rotem Golde hinab zum Ufersand.
Sie zogen ihre Rosse ins Schiff. Die Fahrt begann,
Und manche Abschiedsträne aus schönen Frauenaugen rann.
Im Fenster stehend winkte hinab manch lieblich Kind,
Bis prall die Segel schwollen, gefüllt von günstigem Wind.
Der trug die Fahrtgenossen hinab den hellen Rhein,
Der König Gunther fragte: „Wer soll jetzt Schiffmeister sein?“
Siegfried erbot sich: „Wie es hier steht mit Flut und Sand,
Der Lauf der Wasserstraßen ist mir gar gut bekannt!“
Er griff zur Stange. Kundig und kraftvoll hielt er ab.
Gunther nahm selbst ein Ruder, leicht glitt das Schiff den Strom hinab.

364–379 (367–371, 373)

52
Sie waren wohl versehen mit Speisen und mit Wein,
Gewächs vom allerbesten im ganzen Land am Rhein.
Das Schiff lief glatt und ruhig. Am breiten Steven war
Für die vier edlen Pferde Gelaß und sicheres Verwahr.
Von günstigem Wind getrieben, sah’n sie am zwölften Tag
Brünnhildes Land. Am hohen Steiluferrande lag
Der Isenstein, auf Felsen die Feste, sturmumtobt,
Siegfried bekannt seit langem, der früher schon die Fahrt erprobt.
So gab auf Gunthers Fragen er gut Bescheid: „Das Land,
So weit Ihr seht, ist Brünnhilds, und jene steile Wand,
Gekrönt mit Burg und Türmen, das ist der Isenstein.
Dort landen wir. Noch heute wird unsere Fahrt zu Ende sein.
Doch rate ich, wir kommen fest überein darin,
Wir sagen, daß ich Gunthers Vasall und Lehnsmann bin,
Und er mein Herr.“ Sie dachten noch nicht an Not und Schuld.
Und sagten’s zu. Vor Gunther stand nur der schönen Königin Huld
„Um deiner Freundschaft willen“, sprach Siegfried, „tu’ ich’s nicht.
Nur deiner Schwester wegen gelob ich Dienst und Pflicht.
Wie meine eigene Seele ruht tief ihr Bild in mir,
Als wären eins wir beide; nur darum dien und helf ich dir.“

380–388 (381)

“ „Es gab dein helles Auge der Wahl ein gut Geleit. Dann suchten im geheimen sie Fenster. Wie Gunther Brünnhilde gewann Das Schiff kam schnell geschwommen. Die Königin ließ gebieten.53 VII. die schöne Königsmaid. Daß man im Fensterrahmen manch schönes Mädchen sah. Der König fragte Siegfried: „Wer sind die schönen Frau’n. schmal genug. Schon auf den ersten Blick hin – die nähm’ ich. Nach der sich deine Seele. Es ist die edle Brünnhild. Zu der die eigene Neigung Euch zöge. sein höchster Wunsch gekrönt. Sie zieht mein Auge lockend auf ihre Wunschgestalt. dein Herz und Sinn gesehnt. Was hübsche Mädchen immer für Fremde tun mit Lust. hätt’ ich die Gewalt. schon war’s der Burg so nah. Dahinter sich zu bergen und doch zu schaun der Helden Zug. wäre sie In Eure Macht gegeben!“ – „Gut“. doch wie berichtet ward. Die ist so einzig schön. schien alles erfüllt. Sie wichen zwar gehorsam. 389–395 . die Mädchen sollten nicht Hinab vom Fenster gaffen den Fremden ins Gesicht. „ich will’s tun“. „In jenem hohen Fenster dort seh’ ich eine stehn In schneeweißem Gewande. sprach er. wie es der klugen Frauen Art. Sie putzten sich und schmückten erst zierlich Haar und Brust. Sie fanden einen Ausweg. Die neugierig von droben zu uns ins Schiff hernieder schaun?“ Da sagte Siegfried: „Wählet und sucht im stillen die. Und ließ die Blicke forschend auf den Gesichtern droben ruhn.“ Wie sie dort stand.

Erspähten es die Mädchen dort oben und die hohe Frau. Zur Seite bis zum Sporne hinab das Ritterschwert. schwankend beim Rosseschritt im Licht. ein hehres schönes Frauenbild. Umleuchteten von Helmrand und Rüstung ihr Gesicht. wie im Gang Der Pferde zierlich leise ein Spiel von Glöckchen klang.54 Nun sah’n sie. glänzend schwarzen Schild. Lichtweiß wie Schnee die Rosse. Metallene Schilder glänzten an ihrer linken Hand. wo die Burg auf Felsenhöhen stand. Und jeder trug am Arme den breiten. Sie ließen sorglos liegen ihr Schifflein in dem Sand Und ritten aufwärts. gelbrot von lichtem Gold. 396–403 . genau. Von reichem Zierrat leuchtend – das alles sah Brünnhild. – Ein Dienst. in stolzem Waffenschein. Gleich herrlich beide Männer und beide gleich an Art und Stand. stahlglänzend. Worauf sich König Gunther leicht in den Sattel schwang. Wie Siegfried an dem Zügel ein Roß zog auf den Sand. Prunkend auch sie im Schmucke. Mit neu geschliffenen Speeren. Indische Steine. gut bewehrt. Von Zaun und Riemen läutend. der nur die Fremden trog – Wie er dem König Gunther den Bügel hielt. ein ungewohnter. Wie er sein eigenes Roß dann heraus ans Ufer zog. Man hörte. wie vier Ritter anlegten an das Land. Hagen und Dankwart ritten langsamer hinterdrein. wie es ihr Ritterstolz gewollt. Im Fensterrahmen stehend. schneeweiß ihr Ritterkleid Ganz gleich gewandet ritten sie hin den Weg zu zweit. Am Sattel blitzten Steine. So ritten sie ins Land ein. Als Herr erschien er dadurch und Siegfried nur von niederem Rang. Nur ganz von rabenschwarzer Stahlrüstung streng verhüllt.

Ein Kämmerer sagte: „Reicht mir die Gere und das Schwert. Eifrig entgegen kam Ein Dienerschwarm. Dann bot man Wein zum Willkomm den Gästen freundlich an. die Schilde vom Arm zu nehmen. Der gleicht dem edlen Siegfried.55 Von sechsundachtzig Türmen sah’n sie ein weites Rund. daß drunten Männer gelandet sei’n. Ein hoher Saal von edlem grasgrünem Marmorstein Schloß die Gemächer Brünnhilds und ihrer Dienerinnen ein. Sie fragte. Und dienstbereit. „Wer sind die fremden Ritter. Doch schauten alle einzig nach jenen stolzen Fremden aus. Brünnhild erfuhr. Stattlich und gut gerüstet. „Man hat am Isensteine von je den Brauch gehegt. die Sitte bleibe hier gewahrt. gewiß fürstlicher Art. wer sie seien. Weit offen Tor und Türen. Daß nie ein Gast die Waffen behält und bei sich trägt. Doch war es nicht nach Hagens Sinn. Das ist so unsere Art!“ Doch Siegfried mahnte dringend. stand. Die Brünnen auch!“ Doch Hagen lehnt’ ab: „Das sei verwehrt! Die tragen wir stets selber. Gelaß und Ruhstatt wiesen sie Roß und Rittersmann. Gebührend zu empfangen die Gäste in der Herrin Land. doch fremd am Isenstein. die heut in voller Wehr Ins Tor geritten kamen? Wes Freundschaft lockt sie her?“ Da sagte eins der Mädchen: „Nur einer scheint bekannt. So fügt euch dieser Sitte und gebt sie willig hin!“ Darauf gab man die Waffen. Wohl gingen Brünnhilds Männer geschmückt durch Hof und Haus. der höflich die Pferdezügel nahm. woher sie kämen wohl der Fahrt. Drin drei Paläste ragten auf grauem Felsengrund. Ganz herrrlich anzuschauen. Empfangt ihn freundlich hier im Land! 404–411 .

Der erste Blick der Königin traf Siegfried. wie es verlangt die Gastlichkeit. Mich zu gewinnen. Der jüngste unter ihnen scheint milde mir und zart. So schwarz sein Kleid. Dann schritt sie mit den Jungfrau’n – an hundert mochten’s sein – Hinab die Stufen. Von züchtig-edler Haltung und herrlich anzusehn. so sprach sie. zu hören. Auf standen von den Sitzen vor ihr die Herren von Burgund. herrlich im Reiz von Schmuck und Kleid. er scheint ein königlicher Mann! Der dritte. „seid mir willkommen hier im Land! Wie kam’s. daß ich freiwillig werd’ sein Weib. und kam er in das Land. dem möcht’ es schlimm ergehn. so grimmig. Und doch ein Held. als sei ihm die ganze Welt verhaßt. ist der düstere Gast.“ Die Königin rief den Mädchen: „Nun bringt mir mein Gewand! Ist Siegfried jener Fremde. was Brünnhild da bewegt’.56 Der zweite der Gefährten. „Siegfried“. ist stattlich von Gestalt. Er überprunkt sie alle. Ein Mann – und dennoch zierlich. Die Fremden zu begrüßen. – so würdig schaut er drein. befürcht’ ich. – nun ihr mögt Neugierig sein. die Schwerter in der Hand. daß Euer Schiff lein zum Isenstein die Wege fand?“ 412–419 (415) . Und funkeln Zorn. Gebieter weiter Länder. An ihrer Seite gingen. kostet es leicht ihn Blut und Leib! Mir ist noch nicht so bange. Zu stattlichem Geleite Männer vom Isenland. das stünde ihm wohl an. Wenn ihm die Macht gehörte.“ In kostbare Gewänder hüllte man Brünnhild ein. Fünfhundert oder mehr noch. fast wie nach Mädchenart. Verletzt ihn ein Feind. Das gab nichts Gutes kund. ein Herrscher könnt’ er sein. Doch seine Augen blitzen furchtbar und eiseskalt. edle Königin.

“ Sie sprach: „Ist er Gebieter. folg’ er in weitem Sprung. Und meistert mich im Siege. Bescheid! Was spielt Ihr denn so Schlimmes. Weithin waltet als König er. Bedenket. vermieden hätt ich gern die Fahrt. Er ist am Rhein geboren. entbehrte er nichts mehr. unbeugsam hält. dann werde ich sein Weib. Bedenkt es recht. Gewann er Eure Liebe. so schön wie Ihr. Sein Nam’ ist Gunther. Er hat den Zug befohlen nach seiner kühnen Art. nennt Euer Willkomm mich Zuerst vor diesem Edlen. und auch der Sieg im Spiel sind mein. Was soll ich sagen mehr? Um Euretwillen fuhren wir drei mit ihm hierher. Der kühne Siegfried wandte sich leis zu Gunther hin Und bat ihn. wie auch das Los ihm fällt. daß er ein Mädchen. so geht’s euch allen an den Leib!“ Da sprach Hagen von Tronje: „Gebt.“ 420–426 . bist du sein Eigenmann. was er beschloß. daß mein Herr. Fürstin. worauf die Königin sann. Er will die Werbung wagen. den er geworfen. Jedoch wenn ich obsiege. daß Ihr gefährlich seid? Es müßte arg schon kommen. denn ihn verehre ich Als meinen Herrn und König. Er sollte ohne Sorge vor ihrer Drohung sein. zu entgegnen beherzt nach seinem Sinn. edle Frau. Daß Euer Gruß und Willkomm zu hohe Ehre für mich ist. ließ Euch mein Herr den Preis. zu zwingen weiß.57 „Zu gnädig seid Ihr. Glaubt mir. Seid nicht zu schnell!“ So schlimm war. „Ich schütze Euch! Die Klugheit. wie ich es lieb’.“ „Dem Stein. Erst prüfen wir im Schießen den Ger mit hartem Schwung. Wagt er sich an das Kampfspiel. denn Ehre und Leben hängt daran. Hätt ich’s im weigern können. Darum gedenkt und wißt. heran.

darin im Rund umher Die Männer standen. harrend auf ihrer Königin Wink. Sie alle gut bewaffnet. Die Brust umschloß von Seide ein Waffenhemd. doch keiner bemerkte. Doch sei Euch nicht verhehlt: Verlangt die schwerste Probe. und ungesehen trat Er unter sie. Dann stieg er eilends aufwärts. Hagen und Dankwart dachten betrübt: Das geht nicht gut! Die Sorge um den König bedrückte ihr Gemüt. Zu richten. So leuchtend in der Rüstung stand kühn und kampfbereit Brünnhild. Versammelt schon im Ring Fand er die Männer. und schimmernd schlang um sie Sich bunte lybische Seide. mit Borten reich umhüllt. Nun war er für Menschenaugen unsichtbar. ein wahrer Kennerkreis.“ Doch Siegfried war inzwischen. Wie’s ihrer seltsam strengen. das lag dem Ufer nah. Das Haupt will ich verlieren. 427–433 . und eilig brachte man Den starken Schild und legt’ ihr zuletzt die goldene Brünne an. sieben mal hundert oder mehr. Sie sagten: „Nun erweist sich’s wie uns die schlimme Fahrt mißriet. wem gebühre zu Recht des Kampfes Siegespreis. Rief nach dem Waffenkleide. Das hohe Spiel erwartend.58 Da sprach der König Gunther: „Auf. edle Königin. heldischen Art gefiel. was er trieb und tat. Nun steckte man den Platz ab. eh’ jemand es noch sah. ich setze alles ein. siegt Ihr und werdet Ihr nicht mein!“ Auf diese Worte Gunthers befahl sie schnell das Spiel. Den Gästen drohte mancher in Spaß und Übermut. wählt Nach Eurem Wunsch die Spiele. Hinabgeeilt zum Schiffe. Er griff die Zauberhülle. die drin verborgen war Und schlüpft’ hinein. das nie Bisher ein Schwert durchschnitten.

Denn unter seinem Buckel maß fast drei Spannen er. wie man erzählte. wie mühsam man trug den mächtigen Schild. daß seine Schneide stahlscharf des Gegners Schild durchschnitt. Schien sie bereit zum Kampfe um aller Könige Land. König Gunther? Es geht um Seel’ und Leib! Die Ihr zu werben dachtet – gebt’s auf! – die ist des Teufels Weib!“ Nun brachten ihre Leute der Königin den Ger. ist’s mit ihr so bestellt? Den Teufel selber treibt sie. Die ihn zum Platze trugen. Der Schaft war lang und schwer. wie wuchtig.59 Gewaffnet kam die Königin. Wie sie dort drohend stand. Mit dem sie schoß im Kampfe. aus allem Waffenprunk Sah fraulich zart ihr Antlitz mit Wangen licht und mädchenjung. Der mit stahlharten Spangen zum Schutz umschmiedet war. wenn es ihr nur gefällt. Der Schild. Da sprach der Tronjer warnend. war jedem Arm zu schwer. Wie schwer er war. und wenn sie warf damit. Geschah’s. Wie bang Ward Gunther im Gedanken an seinen nahen. Schon kamen ihre Diener. die hielten griffbereit Den Schild von rotem Golde. Genügten doch drei Leute zum Tragen kaum. Von Stahl und reichem Golde. Ein ungefüges Ding war’s. 439) . von grimmiger Wut erfüllt: „Was wird nun. man daran messen kann: Viertehalb Lasten Erzes verschmolz ein Schmied daran. Die Liebliche! – So spielte sie kühn mit Not und Todgefahr. gewaltig lang und breit. schweren Gang! „Wie soll das Spiel sich enden. Als Hagen sah. Aus seiner Hölle! Wär’ ich zu Hause nur am Rhein! Vor meiner Liebe sollte sie noch lange sicher sein!“ 434–442 (436. So übergroß war seine Last. Und doch – aus ihrer Rüstung. vier Männer beugt’ er fast.

wir mäßigten ihn schon! Und hätt’ ich tausend Eide geschworen. Sorgt. 443–449 . „die Rüstung bei der Hand. Und Hagen auch das seine! Den übermütigen Hohn Brünnhilds und ihrer Mannen. Daß wir zu diesem Hofe die Reise nicht gescheut! Man kannte uns als Helden. Eh tötet’ ich die Jungfrau. Und für den schlimmsten Fall auch noch unser gutes Schwert. Und über ihre Achsel sah sie ihn lächelnd an: „Wenn der sich so erdreistet. Am Hohn des stolzen Weibes hätt’ ich sein Eisen gern bewährt.60 Da sagte Hagens Bruder Dankwart: „Wie es mich reut. Ein schwerer Stein ward mühsam jetzt in den Ring geschafft. In Schande enden wir In diesem Land und fallen schmachvoll von Weiberhänden hier. so kühner Art sich dünkt. erlebt’ ich’s. doch wie ein Felsen kantig und ungestalt. Kaum wälzten ihn zwölf Männer heran mit äußerster Gewalt. daß man ihm und Dankwart die scharfen Waffen wiederbringt!“ Als er sein Schwert erhalten. daß er hier sterben müßt’. wie hoch der Einsatz sei! Gunther bleibt unbezwungen.“ „Noch könnten wir in Freiheit verlassen Hof und Land. was Hagen sprach und sann. Wär’ ich doch nie gekommen in dieses fremde Land! Hätt’ ich mein Waffenzeug erst wieder in der Hand.“ Die edle Frau vernahm es. – fürwahr. Da wurde Dankwarts Wange in heller Freude rot. sagt’ ich doch Den Frieden auf! Und wahrlich – vielleicht geschieht es noch! Mein lieber Herr –. so lang ich und mein Schwert dabei!“ Noch stärker offenbarte sich Brünnhilds mächtige Kraft. Rundlich. so hehr und wunderschön sie ist. Hätten wir“. sprach Hagen. „Nun mag das Spiel beginnen. wie Brünnhild es gebot.

das Werk tu ich!“ Nun er den Helfer kannte. Da hört’ er leis: „Ich. was ins Ohr ich dir verstohlen sag: Du übst nur die Gebärde zum Schein. als Freund steh ich bei dir Und helf dir gegen Brünnhild. daß einer heimlich bei ihm stand. schien es den Burgunden. es war doch niemand da. wenn im Kampfe der Ger verschossen war. Erschrocken fühlte Gunther. Sieh hin. wie sorglos drüben die kriegerische Jungfrau steht!“ Nun griff zum Ger und warf ihn die heldenhafte Maid. „Was rührte meine Hand an?“ fragt’ er sich und sah Und dreht sich um und merkte. wie hart das Spiel und schwer. Gunther und Siegfried ahnten nun doch. Nur Mut! Hab keine Angst vor ihr! Den Schild gib mir zu Händen. Siegfried griff ungesehen zum Trost nach seiner Hand. Er prallte auf den Schild ihm. Hätt’ Siegfried nicht geholfen. wuchs schrecklich die Gefahr. ihr wilder Wunsch doch geht. so wäre es geschehn. „ein Liebchen hold und traut! Der Teufel in der Hölle. Vom Stahle sprangen Funken wie ein vom Wind geschürter Brand. Und merke. Wonach ihr harter Wille. „Wahrhaftig!“ sagte Hagen. doch der lag schutzbereit In Siegfrieds Faust zur Abwehr und hielt dem Stoße stand.61 Den warf sie. Sie griff den Schild und hob ihn leicht auf mit einer Hand Und zückte mit der andern den stahlbewehrten Ger. Siegfried. Nun. der sollte wählen sie zur Braut!“ Hinauf an weißen Armen Brünnhild die Ärmel wand. „Verhehle unsere Schlauheit vor ihr und jedermann. faßt’ er ein Herz und freute sich. 450–456 . daß ich allein ihn trag. Gar wenig von dem Ruhme gewinnt die Königin dann. Man hätte Gunther schmählich am End’ erliegen sehn.

Aus ihrem Panzer stob es. Man sah. daß ihm beistand ein überstarker Kampfgenoß. Dann warf er mit dem Schafte. Er riß am Speer gewaltig. Der Stoß traf sie gewaltig. ein Kämpe. Da ging und holte Siegfried den Block. Ohne die Zauberhülle.62 Zwar brach die harte Spitze scharf durch den erzenen Schild. gedrungen in den Schild. Der Wurf und Schuß war gut Und warf mit seiner Wucht sie nach rückwärts in den Sand. „Für diesen Gerschuß. Sie griff den Stein und wog ihn. Daß von dem Stoß und Pralle ein krachend-heller Klang entstand. Nicht ahnend. zoll’ ich dir Lob und Dank!“ Sie rief’s im Wahn. Doch dacht’ er: „Schießen will ich ihn nicht. Gunther. war er in grimmem Zorn gewillt. 457–463 . Weit flog er hin. schnell auf die Füße sprang. sie ist zu schön!“ So wandte er die Spitze. Noch weiter sprang die Maid. – sie lebten beide schon nicht mehr. In zorniger Erbitterung erglühte ihre Wang’. Den Schuß ihr heimzuzahlen. dann hob sie ihn und schwang Mit urgewaltigem Stoße ihn in die Luft hinein. Wahrhaftig! Nicht gelungen wär’ Gunther das mit eigener Hand. nach rückwärts sie zu drehn. von Gunther allein käm’ das Geschoß. doch Siegfried erhob und trug ihn ganz allein. Vom wuchtigen Anprall schwankten sie strauchelnd hin und her. Er lag zum Schein In Gunthers Hand. kaum am Boden. Zwar troff aus Siegfrieds Munde das Blut. Die Panzerringe lohten von Funken eingehüllt. Der traf auf ihr Gewand. Dann sprang sie mit mächtigem Satze hinterdrein Ihr Kleid erklang vom Sprunge. als schürt’ ein Wind die Glut. zwölf Klafter weit Geflogen war der Steinblock. doch unverzagt Sprang er nach vorn. Doch Brünnhild. der selbst das Schwerste wagt.

Er grüßte dankend. die Königin ersann? Wohlan denn! Laßt uns schauen. Er kam zurück und fragte – mit voller List geschah’s – Den König. von allen rings gehört: „Ihr Mannen und Verwandte. Mit edlem Anstand bat sie ihn. Schließlich nahm Brünnhild seine Hand Und hieß. ihn Herrscher über Volk und Land. wer überlegen ist!“ Als wüßt’ er nichts.“ Da legten alle Männer die Waffen auf die Erd’. Eure Kraft zu prüfen. Zu ehrendem Empfange einluden hohe Hallen. Ja. Die Tarnkappe zu bergen. Dankwart und Hagen ließen am End’ sich alles gern gefallen. Brünnhilde sah’s. Und alle sah’n. am Ziele stand Gunther ganz allein. Das. Mit tiefgebeugten Knien ward Gunther nun geehrt. Da rief sie. Indes war Siegfried klüglich allein und unverweilt. verstellte er sich mit klug erdachter List. Am fernsten Rand des Ringes stand Gunther unversehrt. Daß er den König Gunther als Last im Sprunge mit sich trug. Der schönen Brünnhild Antlitz erbrannte zornig rot.63 Die mächtige Kraft und Kühnheit ward nun erst offenbar. So war’s geschehn! Vollendet der Sprung! Es lag der Stein. der dort fröhlich und plaudernd bei den Frauen saß: „Worauf noch wollt Ihr warten? Wann fängt das Kampfspiel an. zu Hagens Freude. Er warf den Stein viel weiter und übersprang ihn gar. Daß Gunther von Burgund nun euer Herr und König ist. als willkommener Gast Zur Seite ihr zu bleiben im weiten Prunkpalast. So half Siegfried dem Freunde und wandte von ihm Not und Tod. 464–417 . zum Schiff hinabgeeilt. seines Leibes Stärke und Kunst war groß genug. heran! Vernehmt und wißt.

die Frau bringt Unheil. Worin mich Euer König als Sieger überwand?“ Darauf versetzte Hagen. die List verstehend. gar nichts von unserem Spiel gesehn. als Ihr je gesehn! Ihr sollt nicht nach mir forschen. Daß doch ein Mann noch da ist. Nicht lange währt’s. den Sinn uns arg beschwert. edle Herrin. Herr Siegfried. unverwandt: „Als Ihr. Die ritten spät und früh. Gott hüte eure Ehre in dieser Zwischenzeit. War Siegfried fern am Ufer. als unsere Königin an den Rhein!“ Da sprach sie: „Nein. daß unser König Euch besiegt!“ „Die schönste Kunde!“ sagte Siegfried. Mir schwant. „Wahrhaftig“. dann geht’s uns allen schlecht. für uns und unser ganz Geschlecht!“ Da sprach der kühne Siegfried: „Verlaßt euch nur auf mich! Wenn euch Gefahren drohen –. so eilig verlass’ ich nicht das Land. sagte Hagen. Und tausend tapfere Männer. Eh’ die es nicht erfahren. die allerbesten. folgen mir!“ 472–480 . ein starker. Daß Ihr. die freund mir und verwandt!“ Sie sandte schnelle Boten. dann seht ihr gesund mich wieder hier. Des jungfräulichen Stolzes Meister und Herr zu sein! Nun folgt uns. „nun sieht es übel aus! Was mag die Königin planen? Kommt diese Schar ins Haus.64 Da sprach erstaunt die Königin: „Wie konnte es geschehn. wißt. „da ziemt uns Dank. in Not euch beizustehn. vieledle Herrin. Und brütet Brünnhild Rache. ich fahre allzu weit. Erlesene Männer sind es und kühner. Die Freunde und die Sippen zum Isensteine luden sie. So ist ihm unbekannt noch. die bestehe ich! Heran führ’ ich euch Helfer. wo unser Schifflein liegt. dem’s gelang. Als unser Herr vom Rheine so tapfer sich gewehrt.

“ 481 .65 Der König bat ihn: „Bleibt nur da draußen nicht zu lang! Da Ihr uns helft. Ihr hättet Siegfried ausgesandt. so sind wir nicht länger sorgenbang!“ Siegfried rief zuversichtlich: „Bald kehr’ ich heim ins Land! Sagt Brünnhild nur zum Scheine.

Worin sein Schatz verwahrt lag. Die es vom Ufer sahn. ein großes Land. – Rief laut: „Wer ist da draußen. An einer großen Insel zog er das Schiff aufs Land Und band es fest am Ufer. Vermeinten wohl. Sie sichern ihre Ehre. den er im Kampfe dort errang. Kein Steuermann war sichtbar. Stets bei der Hand die Waffen. und geschwind Flog unter seinen Händen das Schiff. täuschte Siegfried ihm einen Fremden vor. auf diese Art. als triebe es ein Wind. Wie Siegfried zu seinen Nibelungenhelden fuhr Durchs Burgtor niedersteigend zum nahen Uferrand Fand Siegfried wohlgeborgen das Schiff im weißen Sand. wie wir. Doch das war gut behütet von einem reckenhaften Mann. Das Reich der Nibelungen. Lag vor ihm schon das Ende der Fahrt. Bald sank die Nacht hernieder. Er rüttelte am Tore. – stark bewehrt. Auf einem Berge stand Hoch eine Burg mit Zinnen. Ein ungeheurer Riese der Wächter. wie’s alle Wegemüden tun. wer klopft so hart ans Tor?“ Verstellung übend. wohl hundert Meilen lang. Gelenkt von Siegfrieds Fäusten. das kleine Fahrzeug schoß Wie ein durch Flut und Wogen gerittenes Wellenroß. daß er sie nie entbehrt. verschlossen und verwahrt. Da wehrt’ ein Tor den Eingang. Doch als sie wieder schwand. zu ruhn Und Herberg zu erbitten.66 VIII. er klopfte heftig an. Er löst’ es. ein Sturmwind entführe sich zum Spiel den Kahn. 482–487 . Die Tarnkappe verbarg ihn. Er stieg hinan.

doch fremd hier. und auch der Zwerg. so wild er schäumte. Im besten Schlaf zu stören Gesind und Rittersmann. dem er in voller Wut entgegenspringt. Und ging ihm scharf zu Leibe mit einer Eisenstang’. Es wies sich doch. 488–496 . In Händen eine Geißel. Erblickt er Siegfried. Ein Kampf. Er warf ihn weg und barg auch das Schwert. Ob wild der Riese dreinschlug. Griff hurtig zu den Waffen und kam im Lauf heran Im Augenblick. zu seinem Helm und nimmt Den Schild zur Hand. Wie er es wagen dürfe. nicht töten wollt’ er Alberich. Daß Siegfried an dem Arme zersplitterte der Schild. Und wie er das Burgtor seitwärts schwingt. daß Siegfried ihm überlegen war Und ihn. kostbar mit Gold beschwert. Der wilde Alberich. Die sieben langen Stränge mit schweren Knöpfen gut bewehrt. so herrschte er ihn an. So grimmig sich Der Zwerg zur Wehre setzte.67 Mit falscher Stimme rief er: „Hallo! Mach auf die Tür! Es steht noch mancher müde und zornig hinter mir. wie groß auch die Gefahr. vernahm es tief im Berg. den Leib geborgen in hartem Panzerring. Daß Siegfrieds Schildgespänge krachend vom harten Stoß zersprang. die Kühnheit nicht gering. Der Einlaß wünscht und gerne zur Nacht gebettet wär’! Ein Held bin ich. Mit riesenhaften Kräften. Es drang das Kampfgetöse weithin.“ Auf diesen dreisten Anruf greift jener zornergrimmt In Eile zu den Waffen. Aus weiter Ferne komm ich her. da Siegfried in Fesseln schlug den starken Mann. Behelmt. an Hand und Füßen band. So kam der Zwerg gelaufen und schlug damit so wild. noch oft bewundernd erzählt im Nibelungenland.

Froh grüßte er die Schar. – zwar rang und ächzte der. 497–503 . Die soll’n mich hier erwarten!“ Bedacht verschwieg sein Mund Dem Zwerge seine Absicht. er strich durch Tal und Berg Und rief die Nibelungen sogleich: „Macht euch bereit. Und Alberich enteilte. Doch zweien Herren kann Ich nimmer dienen. wie ritterlich das Werk. Eh’ ich hier ganz verdürbe. Wähnt’ ich doch sonst.68 War’s doch sein treuer Kämmerer. und mit Recht. die ihr zu leisten schuldig seid!“ Von Bett und Bank aufsprangen so Herr wie Knecht geschwind. Und diese brachte Huldigung und Treuschwur ihrem Herren dar. ich sei dir gut bekannt!“ „Lieb ist mir diese Kunde!“ sprach Alberich. wie wirst du genannt?“ – „Ich heiße Siegfried. Nun löste er die Fesseln dem Riesen und dem Zwerg. stattlich gewaffnet. Viel tausend Ritter. der ihm den Schatz verwahrt’. gut gesinnt.“ „Nun gut. des mächtigen Aufgebotes Grund. wie gut Ihr kämpfet. der Zwerg. „brecht auf und bringt heran Der Nibelungenhelden die besten tausend Mann. So packte er den Alten bei seinem grauen Bart Und zerrte ihn und zog ihn. – Wie er den wilden Riesen gebunden schon vorher. schwor ich doch Treue einem edlen Mann. „Ich sah. es sei!“ sprach Siegfried. Ihr seid des Nibelungenlandes Gebieter. daß er in Schmerzen jäh Von solcher Strafe jammernd aufschrie vor Schmerz in Angst und Weh. Vereinten sich im Zuge. Verwundert fragte Alberich: „Sag. Siegfried verlangt Gefolgschaft.“ Doch Siegfried band den Kleinen. Er rief: „Laßt los! Verschont mich! Reißt nicht zu Tode mich! Euch lieber treu zu eigen gehorsam diente ich. Laßt mich nur los! Befehlt mir! Ich folg’ Euch als getreuer Knecht.

so fuhren sie zum Isenstein. Die dort zu Schiffe kommen von ferne über See? Die Segel.“ Fast unabsehbar nahte die Flotte. Daneben stolz geschmückte Gefährten noch genug. stolz und wohlbekannt. da gingen sie an Bord. oder geziemt ein solcher Gruß nicht mir?“ „An des Palastes Stufen“. Die Königin Brünnhild fragte: „Wißt ihr. „mögt Ihr sie willkommen heißen. die gekommen. Wenn gute Freunde kommen. Auf hoher Zinne standen die Mädchen hell im Wind. Fast ohne Gruß blieb Siegfried. der Mädchen Blick begegnet ihr!“ Schon dämmerte der Morgen. die sie führen. Ein guter Fahrwind trug sie vom Heimathafen fort. Nun aber ist’s mir lieb.“ So tat die Königin dann. Es schien. wie man zu grüßen pflegt. 504–511 . Doch wurden davon tausend der besten ausgewählt. riet Siegfried fröhlich. Sie holen als Geleite mich ab vom Isenland. sprach König Gunther. Da fragte Brünnhild: „Soll ich die fremden Gäste hier Am Tor empfangen. Für ihre schnelle Ankunft bot Siegfried seinen Dank: „Ihr sollt mit auf die Reise von hinnen übers Meer!“ Laut jubelte entgegen dem Ruf das ganze Heldenheer. Schon sah man Siegfried stehen am hochgeschwungenen Bug.“ Der König Gunther nahte: „Meine Gefolgschaft blieb Entfernt von Eurem Lande. wer jene sind. „mit ritterlicher Zier! Den Augen schöner Frauen. Die kühnen Fahrtgenossen in hellem Waffenschein. Im Schiffe ihre Pferde.69 In hellem Kerzenscheine saß fröhlich man und trank. sind weißer noch als frischer Schnee. Dreitausend. „Schmückt euch“. zwar hatte man gezählt. als säh’ sie ihn kaum an.

“ Daß er freigebig teile. das wurde nur zu offenbar. Ich hätte selbst nichts nötig und sei dem Tode nah? Verschwenden könnt’ ich selber. rief Brünnhild. dankbar wär’ ich des Helfers eingedenk. „der erst gerecht und klug Silber und Gold verteile. Bedenklich schien’s der Königin. Ein Tor verstreut als Kämmerer wahllos mein Gut und Geld. Indes wie stets bei solcher gewaltigen Zahl entstand Doch überall Bedrängnis. Die köstlichsten Gewänder umhüllten wunderbar Manch einen.70 Man gab Quartier. Und wirklich. Wo nicht. schuf Obhut für Waffen und Gewand.“ Da meldete sich Dankwart: „Vertraut die Schlüssel mir! Es richtig zu verteilen. dem ward so viel verliehn. Zu schenken Schmuck und Kleider und Gold mit offener Hand. Wer eine Mark begehrte. Die längst nach Haus verlangten. Daß noch für arme Leute der Überfluß zu reichen schien. Wenn ein Gewand am Ende auch mir noch übrig blieb. Viel Dank bin ich dem schuldig. An hundert Pfund verschwendet’ er an die Gästeschar. – das hab’ ich ja genug – An meine und des Königs Gastfreunde als Geschenk. Wer’s recht entschiede. der noch niemals zu solchem Glanze kam. der hemmend in den Arm ihm fällt! Mit vollen Händen wirft er es weg. trag’ ich den Vorwurf. „Nennt einen mir“. man trete bald die Heimfahrt an. Denkt er etwa. die Schande ganz und gar. Ob einer Königin Kämmerer sich je so leichtsinnig erwies?“ 512–518 . Drum hofften Herr und Mann. Dankwart erhielt die Schlüssel. er verstand. als sie den Streich Dankwarts vernahm Zu König Gunther sprach sie: „Es wäre mir doch lieb. ich bürge Euch dafür. was mir mein Vater ließ.

bis Gunther herrscht als König hier. Treuer. An unserer Statt zu herrschen. komm ich in König Gunthers Land. das Weh der Treuen dort am Strand. Brünnhild mißtraute Dankwart. Der hätte sicherlich Sie noch verschwendet.“ „Und doch – tut mir’s zuliebe!“ erwiderte Brünnhild. Bei seinem Überflusse nichts wohl vermißtet Ihr.71 Da sprach Hagen von Tronje: „Seid deshalb sorgenlos! Der Reichtum meines Königs am Rheine ist so groß. Nähmt Ihr von all den Kleidern auch nicht ein einziges mit von hier. So wimmelte das Ufer von frohen Menschen weit und breit. gut gefüllt Mit Gold und seidenen Stoffen. Doch tat ihr eigener Kämmerer klug diesen Dienst allein. Sprach Gunther. der Mutter Bruder. Ein letzter Schmerz die Tränen.“ Zweitausend Männer wählte Brünnhild. vom Isenstein Sie würdig zu begleiten ins ferne Land am Rhein. „Mitführen möcht’ ich Kisten an zwanzig. So würdiger Weis’ und Sitte verließ Brünnhild ihr Land. schien Der Würdigste von allen. Land und Burgen befehl’ ich. Noch eins war zu entscheiden. Die möcht’ aus eigener Hand Ich teilen nach der Meerfahrt. „werde einem das hohe Amt verliehn. Auch sechsundachtzig Frauen entbot sie zu der Fahrt. Sprach Brünnhild. Die tausend Nibelungen verharrten fahrtbereit.“ Nun lud man edle Steine in reicher Fülle ein. Gunther und Hagen lachten still für sich.“ – „Dies ganze Land ist dein“. „wen du auswählst. 519–525 .“ Ein Nahverwandter Brünnhilds. dir! üb du Gericht und Herrschaft. den setzen wir als Schirmherrn ein. „Eh’ wir von hinnen ziehn“. So bat die Königin ihn: „Die Leute. Dazu an hundert Mägde von auserlesener Art.

und dann sah sie den Heimatfelsen niemals mehr. So legten sie schnell den Weg zurück. Die sollte aufgespart Ihn erst daheim beglücken. Die sie mit letztem Kusse verlassen. Wie schnell das weiße Segel sie hintrug übers Meer. Es wurde eine frohe Meerfahrt mit Lied und Sang Und aller Arten Kurzweil. wenn beide erst allein. Ein Blick noch. sah’n vom Land. Voll in die Segel drang Ein günstiger Wind. Brünnhilde stillen Sinnes verwehrte auf der Fahrt Noch jede Gunst dem Könige. Nach harter Müh vor Augen die Heimat und der Heimat Glück. Die nah ihr und verwandt. Und eine frohe Hochzeit gefeiert wär’ zu Worms am Rhein. 526–528 .72 Brünnhilde stand am Bordrand.

Denn er versteht’s und richtet gern Eure Botschaft aus. die wird es dir wie ich Mit reichem Dank vergelten. die Ankunft ihnen kundzutun. sprach Hagen. Da sprach Hagen von Tronje: „Es geht mir durch den Sinn. „laßt mich hier! Des Kämmerers Amt und Arbeit ziemt einem Mann wie mir. vergäße ich den Dienst dir nicht. Macht Euch sogleich zur Fahrt bereit! Denn niemand ist des Auftrags wohl würdiger. Schickt ihn damit nach Haus. zur Freude Kriemhilds möcht’ er Euch den Gefallen tun.73 IX. Bring meiner lieben Mutter. Versagt auch er es. ich hüte ihr Gewand Und ihre reiche Habe.“ Als Siegfried sich erst wehrte. zu reiten. Drum bittet ihn. Der Mann dazu ist Siegfried. wir sind schuldig“. der Schwester auch Bericht. – nun Dann sagt. Als Euch.“ Siegfried berief er: „Näher kommt unser Schiff dem Rhein. „nun wohlan! Zur Botenreise weiß ich mir keinen besseren Mann. Die Unsern läßt die Sorge um uns daheim nicht ruhn. Gewährtest du die Bitte. Indes wir ganz versäumen.“ In Sehnsucht nach der Maid Verflogen die Bedenken. sprach Gunther. als Ihr es seid!“ „Ich tauge nicht zum Boten“. bis unser Schiff daheim am Strand. bat Gunther flehentlich: „Um Kriemhilds Willen tu es. Ich bleibe bei den Frauen. Freund Hagen.“ „Wahrhaftig. und augenblicks war er bereit: 529–535 . Wie Siegfried nach Worms gesandt wurde Neun volle Tage gingen in guter Fahrt dahin. Der Bote meines Glückes sollst du zu Hause sein.

die mir so lieb und hold. Den Brüdern und den Freunden. Sie möchte meines Herzens Geliebte schwesterlich Und aufmerksam empfangen. Stieg eilends in den Sattel mit vierundzwanzig Mann. „Willkommen seid uns.“ „Sag meiner Mutter Ute. Bring meiner Schwester Grüße von Brünnhild. Sorg. Rings im Land Sag allen. meinem Neffen. Verwandte laden läßt. Sag Ortwin. wie hart wir uns gemüht. wo und warum Verließt Ihr unseren Bruder? Kehrt er nicht mit Euch um? War Brünnhild übermächtig. die gutes Obdach leihn. der ich so zugetan? Geschieht es ihretwillen. wie’s nur ein Freudenbote kann. wonach mein Herzverlangen stand. ist alles gleich wie schon getan. Nach Worms. im Wiesenplan am Rhein Soll er die Zelte rüsten. Er unterbrach die Fahrt. und überwand sie ihn? Zu schwerem Unheil wäre ihr Liebesstolz uns dann gediehn. wie’s gelungen.“ Siegfried nahm schnellen Abschied nach ritterlicher Art Von Brünnhild und den Frauen. Siegfried! Doch sagt. wie schön die Fahrt geriet. was Ihr befehlt und wollt. Mit mir und Brünnhild fröhlich zu sein beim großen Hochzeitsfest. daß er unsere Freunde. Ich tu’s um Kriemhilds willen. Sag Kriemhild. Wie sollt’ ich sie verleugnen.“ 536–544 . Er ritt so eilig. Mit Dank daran gedächte ich.74 „Ausrichten werd’ ich alles. Vom Rosse steigend sahen sie in manch trüb Gesicht Und hörten sorgend fragen: „Warum kommt Gunther nicht?“ Bekümmert waren Gernot und mit ihm Giselher. wenn man Botschaft rechtzeitig ihr gesandt. Vermißten sie den Bruder doch bang bei Siegfrieds Wiederkehr. Daß ich mit meinen Gästen gestiegen sei ans Land.

verkünde ich.“ Zur Mutter und zur Schwester eilte Giselher: „Siegfried ist da! Zu sorgen braucht ihr euch nun nicht mehr! Als Boten sandte Gunther ihn her. als Ihr ihn dort verließt?“ „Er war gesund“. Die Sorgen. die freund ihm und verwandt. sprach Siegfried. die je das Schicksal ihr beschied. war doch die Not vorbei. „Ihr weintet ohne Not.“ Die Tränen wischte Kriemhild mit dem schneeweißen Saum Des Kleides ab vom Auge. waren sie beide gleich bereit. Die Sorge langer Tage. Brünnhild. Kriemhild sieht gern Euch wieder. Hat er als Freudenboten mich eilends hergesandt. Was dort im Isenlande geschehen ist. Das glaubt mir sicherlich. als Kriemhild ihm entgegenkam! „Willkommen seid. Gesund verließ ich Gunther. dafür verbürg’ ich mich. bedrückte mütterlich. Wie gerne ihre Wünsche Siegfried alsbald vernahm! Wie war beglückt sein Auge. Dem Boten Dank zu sagen. die im stillen das Schwesterherz erfüllt. von Herzen uns gegrüßt! War Gunther wohlbehalten. Führt zu der Königin mich! Kriemhild und ihr. Erlaubt ihm nun. Herr Siegfried.“ „Ich führe Euch zur Schwester. vieledle Königin. und mit ihm naht sein Weib. wie herrlich die Sache steht. Für gute Kunde hoff’ ich auf Euer freundlich Botenbrot. Er grüßt und läßt entbieten Brünnhildens Gruß durch mich. Die größte Freude bringt Ihr. Auch härmt sich um den Bruder ihr schwesterlich Gemüt. Vergeßt sie! Gunther naht schon. Siegfried zu sehen. 545–555 (548) . euch kundzutun!“ Da warfen sich die Frauen eilig in Schmuck und Kleid. das Herz von Sorgen wieder frei. Sie fand die Worte kaum.75 „Habt keine Angst! Euch allen. Was Euch.

doch Siegfried neu begann: „Noch einen Wunsch hat Gunther. Sie hätte gern geküßt ihn. nehmt neben mir doch Platz! Wie gern möcht’ ich erschöpfen das Gold in meinem Schatz Für Euch als Botengabe. hätt’ es sich nur geschickt. Nie ward ein Fürstenbote mit solchem Dank beglückt. wie hell die Freude die Farbe ihr ins Antlitz trieb. Was wir zu tun vermögen. vierundzwanzig.“ Da sagte Kriemhild eifrig: „Was Liebes er begehrt. und weit War schon das sandige Ufer erfüllt von lauter Tätigkeit. Sie schlugen weiße Zelte am Strande auf. Mit edlem Anstand nahm er von ihnen Abschied dann. Was noch zu tun war. in Palas und Gemach. von edlen Steinen schwer. Rumolt. Auf andere Weise will ich Euch schenken Huld und Dank zugleich. sie mühten mannigfach Sich ab im Hof und Keller. 556–563 . Kommt am Gestad’ er an. wies er die harrenden Burgunden an. Nun dankte ihm auch Ute. „empfing ich dennoch die Botengabe gern!“ Da sagte sie errötend: „Mit Freuden soll’s geschehn!“ Die herrlichsten Geschenke ließ sie den Kämmerer ausersehn. Die ihm und seinen Gästen entgegenreiten an den Rhein. Kriemhildes Dienerinnen rief Siegfried. Sindolt und Hunolt.“ Er sah. sollt ihr die ersten sein. läßt er bitten. Bot sie ihm zur Belohnung. Doch Ihr seid selber reich. Und unter sie verteilte er all das prächtige Geschmeid. Sprach er. Aus treuem Herzen soll es geschehen ihm zulieb. Zum Willkomm. doch freundlich wehrte er.76 Sie lud ihn ein: „Herr Siegfried.“ „Und wären dreißig Länder auch pflichtig mir als Herrn“. Frau und Maid. sei alles ihm gewährt. Armringe.

Das Volk stand in den Straßen. 564–571 . in strahlend reicher Tracht. lang eh’ das Hochzeitsfest begann. Zum Ritt der Frau’n von Worms aus hinunter an des Rheines Strand. bewundernd all die Festespracht. Sie schickten schnelle Boten rings zu der Freunde Kreis. Der Frauen Pferde wurden jetzt auf den Hof geführt. Wie strahlten licht die Steine am Zaumzeug von dem Glanz An Rossen. schmal und glänzend von allerfeinster Seidenart. Das hohe Paar zu feiern. Kriemhild berief die Mädchen: „Nun macht euch schnell bereit. Schon ritten allenthalben mit stattlichem Geleit Die Freunde und Verwandten in großer Freudigkeit. besäumt mit goldnem Rand. Aus Schall und Lärm stieg rauschend der Hochzeitsfreude Vorgefühl. Wie es sich schmücken wollte. Man zimmerte im Saale an Tischen und Gestühl. Man brachte sie den Frauen. Man sah um Hals und Nacken der Rosse schön gepaart Brustriemen. Geschwind sucht aus den Schränken das allerbeste Kleid! Die Gäste zu empfangen. Mit Schmuck und Stoffen waren sie bunt und reich geziert. Schon trug man hinterdrein Die reichen roten Sättel. die schon in voller Fröhlichkeit. die vom Warten gereizt zu leichtem Tanz! Die goldenen Schemel standen auf Teppichen bereit. geht anmutig gepaart. Dann wird auch von den Gästen an unserem Lobe nicht gespart!“ Nun kamen die Burgunden in vollem Waffenschein Herab die Palasstufen. Manch junges Mägdlein sann.77 Ortwin und Gere taten nach ihres Herrn Geheiß. Zur Hochzeit sie zu laden. Bunt leuchtend von den Wänden zierten den Palast Hellfarbige Gehänge zum Gruß für Freund und Gast.

Man zählte sechsundachtzig. Das Brustgeschmeide blinkte so hell. In weichem Glanze schillernd. Für Gunther selbst. Der vierundfünfzig Mädchen. umwand zierlich den Kleiderrand. 572–578 (574) . wie er ihn wünschte. stolz genug Köstlicher Pelz von Zobel und Hermelin lag warm Um reich verzierte Kleider. Manch weißer Frauenarm War unter gelbem Goldspangenschmuck verwahrt Und hüllte sich in dünnen. Gerahmt von bunten Borten. den König.78 In lichten Festgewändern nahten die Frau’n bereits. Dazu kam noch die Schar. hellseidenen Stoff von feinster Art. Die schönsten wohl des Landes. hellblond das offene Haar. daß manche Maid Fast bang war. in ihrer Schönheit Reiz. Ferrandinisch Seidenband. dazu noch manche Maid. Da nahten schon die Ritter mit eschenem Schaft und Schild Und leiteten die Frauen im Sattel sorglich durchs Gefild. – wahrlich ein Hochzeitszug. es verdunkle der Wangen Lieblichkeit. Von deren hellen Kleidern erstrahlte herrliches Geschmeid. Gestickte Gürtel hingen kunstreich besetzt und lang Herab auf weite Röcke. die Pelzbesatz umschlang Arabischer Herkunft. Das Haar zierlich gebunden.

Der König nahm Brünhild an der Hand Und half der bräutlich schönen. Dann griff er in die Zügel. Dort hoben sie die Frauen behend herab vom Pferd. Kam man im Volksgewimmel am Ufersaum des Rheines an. Das ward ihm auf dem Wege aus Blick und Worten offenbar.79 X. Mit Kuß und guten Worten sie schwesterlich empfing. Nun schaute man auf Kriemhild. im Geleit Der Mädchen. Dort nahte Mutter Ute. Gelegener Augenblick War es für Frau’n und Ritter zu Wiedersehn und zartem Glück. denn da drüben stand wartend mancher Freund am Strand. Der König von Burgund Inmitten seiner Gäste betrat den heimischen Grund Jenseits am anderen Ufer. Doch duldete es Siegfried bis an das Burgtor kaum. die Pferde dienstbereit Geführt von jungen Knappen. Um sie viel Ritter. Denn schon war Gunthers Nachen dem Ufer zugekehrt. Indes sich rings zuweilen ein Ritterspiel entspann. Nun legt’ er an. Frauen und Jungfrauen im Geleit. 579–587 . die Königin. Wie lieb es Kriemhild war. Wie Brünnhild in Worms empfangen wurde Die Schiffe warfen Anker. Zum Ehrendienst ritt Ortwin an Königin Utes Seit’. Mit weißen Händen bogen sie ihren Kranz zurück. die sittig zu ihr ging. Rüstig griff manche Hand Ins Ruder. Den Augen zu gewähren den ersten Gruß und Liebesblick. herrlich geschmückten Frau ans Land. Der Markgraf Gere hatte Kriemhildes Pferd am Zaum. langsam reitend.

Der Zug der Nibelungen. Die schönen Kinder schützten sich und die Kleider kaum. Manch rosenfarbene Lippe fand lieblichen Willkommenskuß. Darauf manch schattiges Lager und seidene Hütten. Als wollten sie beflissen der Braut das Liebste tun. flutend. Umfangen nun lag Brünnhild in beider Frauen Arm. Ließ keine ihre Worte und lieben Zärtlichkeiten ruhn. Der Zug der Paare wand sich im hellen Sonnenschein Dahin. Wie mir und meiner Mutter. Zelt an Zelt. Drum zügelten die Gäste die Pferde schnell mit Wort und Zaum. In Wolken hellen Staubes stob rauschend hin die Reiterei. wo weit sich öffnend ergrünte rings ein Feld. Der endete das Spiel. Denn in die Höhe stieg schon der helle Staub und fiel. die anderen Gunthers Glück. nichts Schöneres war zu schaun. Die einen lobten Kriemhild. Wie Ute küßte Kriemhild sie schwesterlich und warm. nahmen Brünnhildes Frau’n die Hand Der hilfreichen Burgunden. von Siegfried angeführt. Kriemhild und Brünnhild beide. willkommen jedermann Und allen unseren Freunden!“ Gerührt sah’n sie einander an. kein falscher Reiz betrog den Blick Zum Aufbruch endlich luden die Herrn des Hofes ein. Nun standen sie am Land. Dort wurde vor den Frauen geritten und turniert. 588–598 . Sprach sie alsdann: „Seid herzlich willkommen hier im Land. Auf Gunthers Wunsch kam Hagen. stromgleich zog es vorbei. Vor aller Augen standen die königlichen Frau’n. Ein Grüßen und Umfangen geschah dann längs dem Fluß. Bewundernd sah’n die Kenner.80 Mit höfischer Verneigung Brünnhilde zugewandt. Und all die Gäste. Vom Schiff zu steigen.

Man rüstete im Saal Die Tische schon zum Abend zum feierlichen Hochzeitsmahl. Nicht wenige Kleider wiesen die Spur von Stoß und Stich. Darin klang’s weit und breit Von Lachen. Inzwischen woll’n wir gehn. Der Kampf nach Landessitte war kühn und ritterlich. Dann ritten Frau’n und Ritter den Pfad zur Burg hinan. als Gunther abstieg am Palast. Wobei das Herz der Männer auf Gunst und Huld der Schönen sann. der helle Wein geschenkt. Rings an den Tischen saßen die Fröhlichen gedrängt. Die Frau’n zu unterhalten.“ Nun das Turnier zu Ende und ruhig lag das Feld. Den edlen Frau’n zu dienen. Lärm und Scherzen und lauter Freudigkeit. 599–606 . Sobald der König reitet. Die Königinnen schieden. Da ging es durch die Räume wie heller Ehrenglanz. Herein trat nun der König. In goldenen Becken reichten das Wasser kühl und frisch Die aufmerksamen Diener zum Waschen allen rund am Tisch. Vertrieben sie die Stunden mit Lust und Kurzweil aller Art. in frohem Scherz gepaart. Und schon die erste Kühle sie abendlich umfing. wie’s Helden ziemt und paßt. Doch gleicher Brauch verlangte. Doch haltet euch bereit. Der leuchtend überstrahlte der Gäste farbig bunten Kranz. zu folgen ihm als Ehrgeleit. Bis an dem fernen Himmel die Sonne niederging. zur Königsbraut geweiht. Schon war das Fleisch geboten. an seiner rechten Seit’ Brünnhilde mit der Krone. Da gingen zu den Frauen die Ritter ins Gezelt. Dann ging der Zug zum Burghof. In freundlichen Gesprächen.81 Herr Gernot auch ermahnte: „Laßt nun die Rosse stehn Bis zu der Abendkühle.

Kriemhild kam näher zagen Schritts. und Stille ward ringsum. Gunther.82 Eh Gunther von dem Wasser genommen. daß du mir damit den liebsten Wunsch erfüllst. Gebietet! Was Ihr wollt. Da schwiegen die Gespräche. Nicht brech’ ich meinen Eid.“ Da sprach die edle Kriemhild: „Ihr. Gedenke. „Der König lud allein. Dann sei gewiß. du mahnst zur rechten Zeit! Ich habe dir geschworen. Auf ihrem Platz saß Brünnhild erwartungsvoll und lauschte stumm. neigte sich Zu seinem Ohre Siegfried: „Nun. Dann wolltest du gewähren mir deiner Schwester Hand. Dann sprach der König Gunther: „Hör. die ich bestand und litt. Ich füge alles heute. daß ich einzig um Kriemhilds willen für dich stritt!“ Der König rief: „Wahrhaftig. Zwiesprach mit ihr zu halten. nur seine Schwester Kriemhild ein. ließ freundlich bitten er Kriemhild. dem Ihr mich anvermählt.“ 607–613 . die wir voreinst getauscht. eh wir Zum Isenlande zogen? Und was versprachst du damals mir? Wenn du Brünnhild als Königin heimführtest in dein Land. mahn ich dich. mich! Mein Eid versprach zum Weibe jüngst einem Helden dich. Denkst du der Eide.“ Im Rund der edlen Herren auf seinem hohen Sitz Saß König Gunther. daß sich dein Wunsch erfüllt.“ Zur Tafel zu erscheinen. Die Mädchen hieß er bleiben. Wenn du ihn heut zum Gatten von mir empfangen willst. lieber Bruder. Im Kreis der Mädchen nahte die Liebliche. liebe Schwester. sollt Mich niemals etwas bitten. Das soll geschehn. Er ist gewiß so würdig. War es doch harte Mühsal. daß auch mein Herz ihn auserwählt. Da sprang Schnell Giselher zur Treppe und hemmte ihren Gang. Der Gatte.

Verbunden nun zu Gatten sah man das schöne Paar. daß ihm das Glück getreu Und sie ihn nicht verschmähte. Wie lieb einander beide. Wohl stand in ihrem Antlitz schamhafte Mädchenscheu. Schon standen dienstbereit Die Nibelungenhelden an ihres Herren Seit. Da glühte seine Wange in freudehellem Brand. dort saß zusammen Siegfried mit Kriemhild. Doch Siegfrieds Schicksal wollte. Da fragte man Kriemhild. Mich dauert ihr Geschick. Da fielen heiße Tränen die lichte Wang’ hinab Von einem Leid. leibeigen ist der Mann. Sie griff nach seiner Hand. Dem Ihr sie anvermählet. ward allen offenbar.“ 614–620 . Auf seinem Hochsitz thronte der König mit Brünnhild. was ihr denn widerfuhr. Sie sah. Da fragte Gunther gütig. Zum Tische gegenüber dem Königssitz im Saal Geleiteten sie Siegfried mit seinem schönen Ehgemahl. Mit Eid und Hand verlobte sich ihr der Held vom Niederland. der Städt’ und Burgen Königin!“ „Mit Fug schon muß ich klagen“. Seid Ihr doch meines Landes. „Ich wein’ um Eure Schwester. Nun standen sie im Ringe. seh’ ich die edle Schwester an. Man löste sich vom Ringe.83 Siegfried sah ihre Augen ihm liebreich zugewandt. wie’s niemals ein größeres für Brünnhild gab. „Warum lischt Euer Auge von trüber Tränenspur? Fügt dieser Augenblick doch all unseres Glücks Beginn. Die Schmach muß ich beweinen. Ob sie den edlen Siegfried zum Mann zu nehmen sei gewillt. Und Kriemhild selbstvergessen an ihres Gatten Lippen hing. Als er zum ersten Male das Königskind umfing. gab Brünnhild ihm zurück.

Auf halber Treppe trafen einander beide Frau’n. Daß ich ihm meine Schwester vermählte. neidlos geneigt noch freundlich zum Vertrau’n Die Diener und die Kämmerer erfüllten ihre Pflicht. als er so sprach. Da draußen im Turniere zu Roß mit Schild und Schaft In ritterlichem Spiele zu prüfen Aug’ und Arm und Kraft. Der Gäste müd war Gunther. An Burgen. ich möchte weit fort und von Euch gehn. Der König wolle weilen allein bei seinem Weib. Drum hab’ ich gern die Schwester als Gattin Siegfried zugesellt.“ Da fiel in tiefes Sinnen Brünnhild. Dann trennten sich die Paare. so reich wie ich an Land. Warum Ihr Eure Schwester gabt einem Eigenmanne preis. sie ist so gut und schön. mächtig als Ritter. Herr und Held. Sein schönes Weib im Sinn. sprach Gunther. Die Gäste hieß man enden den lauten Zeitvertreib. Umgab ihn ein Gefolge von Helden wie ein stolzer Ring. „den guten Grund bekannt. Als Siegfried scheidend ging. Den Aufbruch zu begleiten mit hellem Kerzenlicht. 621–627 . wie es kam. eh ich den Grund nicht weiß. Es müsse ihm viel Liebes aus schuldiger Gunst geschehn.84 Der König sprach: „Seid ruhig! Das ist kein Grund zum Gram. – Nun stand man auf vom Tische.“ „Gern geb’ ich Euch“. Mannen. Man sehnte sich danach. Wisset bloß: Ihr wird an Siegfrieds Seite ein freudevolles Lebenslos.“ Sie sprach: „Wie es mich jammert. Euch nimmer angehören. Ein andermal erzähle ich gern Euch. Brünnhild und Kriemhild. Mit liebevollen Blicken begann er Brünnhild anzusehn. Wüßt’ ich wohin. Siegfried ist selbst ein König. Gab er sich in Gedanken der schönen Hoffnung hin.

wie es Gunther erging mit Frau Brünnhild. Doch hört nun.85 Für beide Herren nahte die schöne Stunde nun. Wie sie von zartem Leinen die Glieder weiß umhüllt. wofür Ihr zahltet diesen Preis!“ 628–635 . als er’s bei seinem Weibe fand. Wie glücklich Herz und Sinn! Die Huld Kriemhilds nahm Siegfried als Ziel der schönsten Wünsche hin. Da dünkte ihre Gunst ihn des höchsten Glücks Ertrag. Längst waren die Begleiter entlassen. Er war im Wahn. Wie kränkte Gunther das! Auf Freude stand sein Sinnen und traf auf feindlich bösen Haß. Sie liebend zu besitzen. das schlagt Euch aus dem Sinn! Das sollt Ihr nur erfahren: Ich bleibe. Ruhig lag Die Kemenate. sein Weib! Nichts weiß ich mehr zu sagen von Siegfried und Kriemhild. sie gäbe liebwillig sich ihm hin. was ich bin. Als Siegfried an der Seite des lieben Weibes lag. bei ihrem Weib zu ruhn. Bei mancher anderen hätte er ohne Widerstand Viel sanfter wohl gelegen. Ferne verklang der Hochzeitstag. Mein Magdtum will ich wahren. schien ihm das holde Frauenbild Der höchsten Lebensfreude Gewinn und Preis zu sein. Da sie im still’n gedachten. Was er so lang ersehnte. Sein Weib zu werden aber verwehrte noch ihr harter Sinn. besaß er jetzt für sich allein. in jähem Zorne wich Zurück vor ihm die Stolze. Sie sprach: „Was Ihr gewähnt habt. Verschmäht hätt’ er wohl tausend um diese einzige. Sich niederlegte. Doch als der König sich Zu der Geliebten neigte. bis ich die Wahrheit weiß Von Kriemhild und von Siegfried. Und teurer ward die Frau ihm noch als sein eigener Leib. Er barg das Licht zur Seite.

fest gewirkt und herrlich bestickt. Die Liebe ihm zu wehren. Wenn Eure Kämmerer sähen. Sie nahm das Gürtelband Das. zu sichern Schlaf und Ruh. Bin ich Euch so verhaßt. „brächte dann Schande Euer Widerstand Und mir nur wenig Ehre. den Schein zu wahren. sprach Gunther. ich wag’ es nimmermehr. Die Füße und die Hände sie ihm zusammenband. die Hüften ihr umwand. ist es dein Begehr!“ Sein Fleh’n ließ unbekümmert Brünnhild. War Gunther jemals mächtig. So sanft sie lag. Sie fragte ihn erwachend: „Herr Gunther. er bat und flehte nun: „Lös’ mich von dieser Fessel! Willst ungestört du ruhn. wie gut ich mich gerächt. Doch litt sie ihn nicht nahe. wär’s Euch recht.86 In Zorn erglühend dachte der König mit Gewalt Sein Weib sich zu erzwingen. Sie hätt’ ihn fast getötet. auch nicht den Saum von Eurem Kleid. bis hell der neue Tag Brach durch die hohen Fenster mit seinem goldenen Schein.“ Sie lockerte die Fessel. Ihr Widerstand vergalt Ihm das mit schlimmer Rache. Der sich als Herr schon träumte. Dein Lager will ich künftig vermeiden. kraftvoll war sie dazu. Schön war der Tag. Trug ihn zu einem Nagel und hängt’ ihn an die Wand. Ist meine Liebe Eurem lieblosen Herzen leid. vor Brünnhild war er schwach und klein. Und Euch gebunden fänden von einer Frauenhand?“ – „Nur Euch“. So qualvoll hing er oben. Da kamen schon die Diener mit neuem Festgewand. Er rührte kaum ihr Kleid. ob Gunther auch seinen Kummer nicht verwand. Um Euretwillen laßt Mich frei. Dann lag er ihr zur Seit. Zur Liebe dich zu zwingen. 636–643 . Will ich Euch nicht berühren.

mit Begier Zu schauen und zu preisen die Sieger nach Gebühr. Freund. 644–650 . denn alle Augen suchten ihn. die Kronen auf dem Haar. Und feierlich empfingen die Frauen Kron’ und Kleid. Wie es seit alten Zeiten am Hofe Sitte war. Die beiden Paare standen.“ Da sprach der starke Siegfried: „Das tut mir recht von Herzen leid. Den schlimmsten Teufel hab ich als Weib ins Haus gebracht. das Euch bekümmert? Vertraut mir. Dort hing ich zorn. meine Traurigkeit. Als Siegfried dort erschien. Wie anders Siegfried! Alles schien ihm wie Glücksbeginn! Er sah den König leiden. In all der lauten Lust Beschwerten Zorn und Trauer und trübe Sorge seine Brust. Mit Festturnier und allem. sie aber nahm und band Und hängte mich zur Schande auf einen Haken an der Wand. was Euch drückt! Brünnhildes Huld. was jungen Helden nur gefiel. Ich hofft’ auf ihre Liebe. Sechshundert Knappen nahmen das Schwert am selben Tag Und voller Stolz empfingen sie ihren Ritterschlag.87 Zum Münster ging am Morgen das neue Königspaar. Mit königlichen Ehren ward ihre Eh’ geweiht. Allein stand König Gunther. Da saßen in den Fenstern die Mädchen. so hoff’ ich. Dir klag’ ich im Vertrauen. Umdrängte ihn die Menge. Zum Himmel schwoll’n Gesänge. Mitfühlend ging er hin: „Was ist’s. Indes sie ruhig schlummernd in sanftem Schlafe lag.und angstvoll bis an den hellen Tag. hat Euch doch diese Nacht beglückt!“ Da sagte Gunther: „Schande und Schimpf litt ich zur Nacht. Dann hob ein freudevolles Getriebe an mit Spiel. In hehrer Königswürde und jugendstrahlend am Altar.

die ihr gleicht?“ Gern glaubte ihm das Gunther. Der Abend kam. soll sie noch heute Nacht Als Gattin sich Euch fügen. Dir soll sie heut gehören. „mein Mannesrecht nur ehrst. Daß sie sich Eurer Liebe nicht länger mehr erwehrt!“ Leicht wurde Gunthers Kummer.88 Und doch. ist mir von allen Frau’n Die liebste auf der Erde. Wo ist sie. sprach Gunther zweifelnd. Es liegt in meiner Macht. auch wenn du sie versehrst. Denn drängend stand die Menge. Die Tarnkappe verbirgt mich. „darfst du bau’n! Denn Kriemhild. Daß keiner von den Kämmerern bei euch im Räume ist. als er des Freundes Wort gehört. dann zwinge ich dein Weib. Gestalten stolz und ritterlich. seid Ihr’s zufrieden. sein schweres Herz war froh und leicht. verlieren will ich sonst den Leib.“ „Auf meine Freundestreue“. Von Rossen und von Menschen war bald der Burghof leer. Sie scheint ein wildes Wesen und nicht ein menschlich Weib zu sein. Bin ich damit zufrieden. deine Schwester. Dann bin ich dir zur Seite. verhallt Lärm und Geschrei. sprach Siegfried. Turnier und Spiel zu Ende. ich könnte es verzeihn. „Noch heute abend schleich’ ich verstohlen ins Gemach. die Frauen in der Näh’ zu sehn. 651–658 (652) . Die Kurzweil im Hofe war vorbei. Du sorge nur und mach. Ahnt niemand meinen Zauber. Daß ich die Lichter lösche vor euch mit eigener Hand.“ „Wenn du“. Ein stattliches Gefolge. was widerstünde meiner List! Daß ich mit euch im Zimmer. Ein Bischof schritt zur Seite der Königsfrau’n einher. Ja. wird dir daraus bekannt. Die Kämmerer hießen alle weit aus dem Wege gehn. Im weiten Saale reihten die Herrn und Mannen sich. nähmst du ihr das Leben.

Er fiel auf eine Bank Und stieß an einen Schemel. Was Siegfried ihm versprochen. Das Gunther sich gewonnen und doch zu eigen nicht besaß. Er stellte sich. Noch lag die weiße Hand Kriemhildes in der seinen. Doch als er mit den Armen den schönen Leib umspann. 659–668 (667) . Der ließ die Kämmerer gehn. Kaum nahte er im Dunkel der Jungfrau. als wär’ er der König und ihr Mann. Und dann begann ein Kampfspiel – nicht ging es ohne Zwang –. so sehnlich war ihm zumut und liebesbang.“ Doch blieb es bei dem Fragen. wer die Hand ihm aus meiner heimlich nahm. Gedachte er im stillen doch immerfort daran. als plötzlich ihr sein Bild entschwand. Die Leuchter barg er sorglich dicht hinterm Bettvorhang. In seinem Glück vergaß Er nicht des Königs Kummer. Wie war es zugegangen? Aus dem verliebten Spiel Entrissen schien er Kriemhild. Schier dreißig Tage lang Schien dieser Tag. Daran der starke Siegfried sich mit dem Weibe maß. So ging das Mahl zu Ende. Wie du sie gestern littest?“ Mit einem harten Stoß Ihn schmerzlich treffend rang sie sich wild aus seinen Armen los. Wohin Siegfried gegangen und plötzlich schwand so wundersam. daß ihm der Kopf vom Sturze klang. als sie sprach: „Verlangt dich heute wieder nach jener gleichen Schmach. Das Licht erlosch. Die Mädchen und die Frauen.89 Schon saß auch König Gunther in neuem Hoffnungswahn. Man schied und Siegfried saß Bei seinem schönen Weibe. Siegfried ging ungesehn In Gunthers Kemenate. Sie sucht’ und fragte viel: „Mich wundert. Warf sie ihn aus dem Bette. und schnell Mit zwei getreuen Riegeln verwahrte Gunther Tür und Schwell’.

Da dachte er im stillen: O weh. verlier ich so In diesem Frauenkampfe. Manch eine. Sie rief: „So groben Angriff entgelt’ ich nach Gebühr! Habt acht. Doch wilden Ungestümes nahm er nun alle Kräfte wahr. In Fesseln ihn zu legen. Zwar griff sie nach dem Gürtel. bis er sie endlich zwang. Gewillt war sie zu sorgen. Es währte eine Weile. Wird sich ihm widersetzen in Trotz und frechem Übermut! Beklommen lauschte Gunther und bangte schon um ihn. Er wagte neuen Angriff – in stiller Sorge zwar –. Was half ihm seine Kühnheit. Sie preßte ihm die Hände. und Brünnhild wurde Gunthers Weib! 669–677 (676) . Siegfried jedoch begann jetzt vor Scham und Zorn zu glühn. daß er sie ruhig schlafen ließ. sind alle Weiber froh. Daß er ihr Kleid nur rührte.90 Doch kraftvoll auf den Füßen aufs neue stritt und rang Siegfried erbittert kämpfend in wildem Zornesdrang. zur Rache reizte sie’s. Da war der Kampf entschieden. was seine Riesenkraft? Erwies sich doch im Ringen des Weibes Meisterschaft. Gewillt. Doch ob das Blut auch sprang. daß Eure Hand nicht mein weißes Hemde nur berühr’!“ Sie griff mit starken Armen und preßte Hand an Hand. den sie am Leibe trug. Sie sollte bald verleugnen ihr widerwillig Mädchenherz. wie sie den König band. Sie hielt die mächtigen Arme um ihn gespannt und zwang Und preßte mit Gewalt ihn am Ende zwischen Wand und Schrank. Sie schrie vor Schmerz. die sonst fügsam des Mannes Willen tut. auch ihn zu binden. Doch wehrt’ er sich und schlug Und traf sie so gewaltig. als bräch’ er Glied und Leib. Er schleuderte sie jählings aufs Bett.

als ginge er beiseit. An Gunthers Seite wurde sie milde. Die Gäste. Erfuhr sie doch von Gunther. – wahrlich. die er einlud. mit Recht darfst du es sein! Nun wehr ich deiner Liebe mich länger nicht. Herr eines Weibes. Auch barg er die Geschenke. daß König Gunther endlich sein Weib gewann. Hätt’ es nur Gott verhütet. als andere Frauen sind.91 Sie bat: „Laß mich am Leben. ein schön gesticktes Band. die er ihr zugedacht. der es sich nicht verdrießen läßt. und alles sei gesühnt. vielfältig zu erfreun Und ihre Lust nur schöner an jedem Morgen zu erneu’n. und was ich zu Recht um dich verdient. Ein liebreich hingegebenes Ehweib fand nun der helle Tag. des er sich unterstand? Er gab ihn seinem Weibe. sanft und lind. So kam’s. das wurde nicht erhört. Dann erst von Herzen glücklich beging Gunther das Fest. – Nun erst lag auch der König an seines schönen Weibes Seit. Ein rechter König. – Wär’s nie geschehn! – bis er sie daheim zur Königin gemacht. In aller Heimlichkeit Zog er ein goldnes Ringlein von ihrer weißen Hand. wie Zorn und Scham zerrann. Siegfried war längst zu Kriemhild unsichtbar heimgekehrt. Das ward ihm einst noch leid. daß er das Kleinod ihr entwand! Dazu nahm er den Gürtel. was Manneslieb vermag. Doch was sie bat und fragte. Nun bin ich dein!“ Siegfried ließ ab und tat so. Fortan war sie nicht stärker. In seinem Arm erfuhr sie. 678–685 . Wie mit der Wange Glut auch der alte Stolz erblich. Was ich getan. Wie aus dem Frauenleibe ihr alle Heldenkraft entwich. War’s ritterlich und edel. Die Kleider abzulegen.

686–689 . Die Sättel. den Wirt zu ehren. So herrlich unbekümmert war Siegfried. Auch die Verwandten schenkten verschwenderisch Geld und Gut – Wie man’s bei jedem Feste. Wie’s einem König zukommt. der mit dem Gold nicht sparen soll. Kleid und Pferd. Was er und seine Ritter einst mitgebracht von Haus. Kaum blieb ein kleiner Rest. da alles reichlich ward gewährt! Mit vollen Händen streute Siegfried die Gaben aus. Da unbeschenkt nicht einer von dannen durfte gehn. Wahrhaftig. Silber. die sie gelenkt. So endete die Hochzeit. besser wurden nie Gäste noch versehn. und Gunther schloß das schöne Fest. Wie fröhlich war der Abschied. alles ward verschenkt.92 Festlich verflossen waren zwei volle Wochen nun Wechselnd mit Spiel und Gastmahl und fröhlich lautem Tun. Das hell in Stadt und Burghof aus tausend Stimmen scholl. ja die Rosse sogar. tut – Den armen Fahrenden Gold. Fort waren schon die meisten.

gehöre wie uns daheim auch euch zugleich!“ Als er vernahm. mein Recht an Leut’ und Land. es schien ihr zur Heimkehr endlich hohe Zeit Sie fragte ihren Gatten: „Wann. womit ihr liebevoll Die Schwester wollt beschenken. Auch ihre Brüder kamen und sagten alle drei: „Bevor ihr scheidet. fahren wir? Nicht scheiden will ich. daß niemals euch mein Herz vergißt. Trägt sie die Krone. So gab er den Befehl aus: „Macht euch zur Fahrt bereit!“ Kriemhild war’s lieb. soll Sie reicher sein.93 XI. was sein Wille verliehen euch an Land und Gut! Mein Weib mag des entraten. Siegfried gedachte sehnend der Heimat Ruh und Rast. was unser eigen ist An Land und Leut’ und Burgen! Was rings im weiten Reich Uns Untertan. Doch braucht ihr mich. Da sprach der edle Siegfried: „Gott möge immerdar Euch euer Erbe lassen und treu in seiner Hut Bewahren. als irgend ein Weib auf Erden ist. Wie Siegfried mit seinem Weibe nach Haus kam Abschied genommen hatte schon längst der letzte Gast.“ 690–695 . für alle Zeiten sei Euch unsre Freundestreue versprochen bis zum Tod!“ Er neigte sich zum Danke für dieses edle Angebot. eh nicht von meinen Brüdern mir Mein Erbe zugeteilt ist. dann wisset. daß sie darauf bestand.“ Ungern in seinem Stolze hört’ er. Noch dringender sprach Giselher: „Ihr als Geschwister müßt Alles mit uns teilen. wie freundlich der Fürsten Absicht war. willst du. wisset.

“ Sie ließen ihn gewähren. Such dir von dreißigtausend die tausend besten aus. wen du willst. Dazu. Grimmig verwehrte das der Held: „Verschenken kann uns Gunther an keinen in der ganzen Welt! Nehmt andere mit! Wir bleiben im Lande. wurde nicht verfehlt. zu fragen den Tronjer und Ortwin. schätz’ ich eines vor allen Gütern wert: Reiche Gefolgschaft führt doch ein König gern nach Haus.“ Es bat Kriemhild. Das Lager zur Nacht war stets bereit. davon gibt’s viele hier. Vom Marschall. und danach stiegen sie zu Pferd. Doch die Verwandten gaben den Scheidenden Geleit Noch weit ins Land. Und fröhlich schieden Ritter und Frauen. Graf Eckewart fuhr mit ihr. Kriemhilde wählte dann Zweiunddreißig Mädchen. ihr Brüder. sorgfältig ausgewählt. dazu fünfhundert Mann. mitzuziehn. der vorausritt. Auch Botschaft zu bestellen an Siegmund. Man hatte das letzte Wort gesagt. Denn unser gutes Recht Ist Dienst an unseren Königen und dem burgundischen Geschlecht. Knecht und Magd. Gefolgschaft ihr zu leisten die Fahrt hinab den Rhein. für sie ein treuer Schutz zu sein. die lieb und wert Einander stets gewesen. Die euch als stolz Geleite umgeben auf der Fahrt nach Haus. wählt uns die edelsten Burgunden aus!“ Mit raschem Wort sprach Gernot: „Nimm. wo wir schwuren. Noch einmal küßten manche sich schnell. Nun kam der Tag. Ob sie und ihre Mannen bereit sei’n. Was mein ist. mit dir! Die gerne mit euch reiten. Da zürnte Hagen. Daß es von je der Tronjer Gesetz und Weise ist: Wir bleiben. 696–702 .94 Da sprach Kriemhild zum Gatten: „Wenn Ihr auch leicht entbehrt. denn ihr wißt.

703–709 . Nun wird mein Erbe künftig noch herrlicher gedeihn. Die Burg sah hoch und weit Herab ins Land. Hier thronten als Herrscher sie in späterer Zeit. wie er das reichste Glück Gewonnen mit Kriemhilde. sorgenledig. Nie schönere Kunde hörten jemals Siegmund und Sieglind. Mein Sohn. Und zur Begrüßung sandte der König eine Ritterschar. die ihr das Herz erquickt’! In Ehrenkleidern gingen am Hof die Diener. von dem erzählt wird aus König Siegmunds Land? Sieglind. Die Müh’ war nicht gering. von seiner Fahrt zurück Kam Siegfried in die Heimat. „Wohl mir!“ sprach König Siegmund. der edle Siegfried. „daß ich erleben mag Des Sohnes und der schönen Kriemhilde Krönungstag. sie kämen bald daher. Der Mund der Eltern lachte. soll selber Herr und König sein!“ Sieglind in ihrem Glücke nahm Sammet. im Glücke Mund und Wang’ Der lieben Tochter küßten. als Kriemhild sie umschlang. kam zu Pferd Im Schutze ihrer Ritter. ihr Arm den Sohn umschloß. Eifrig gerüstet wurde zu Siegfrieds Wiederkehr. – das war ihr Botenbrot. hochgeehrt Empfangen werden sollte. weich und rot. Ein freundliches Willkommen entboten sie dem Rittertroß. von schönen Frauen umgeben. Gab’s schöneren Empfang je – mir ist es unbekannt – Als der. Frau Utes liebem Kind. Eh’ sie nach Xanten kamen. Ein langer Tag verging. Der Lohn der lieben Kunde. Beim Krönungsfest zu feiern das junge Königspaar. wie sich’s schickt. Nahm schweres Gold und Silber. Dann sahen sie die Gäste. Als beide.95 Daß er und Sieglind wüßten. Im Lande ward verkündet. daß Kriemhild würdig.

ein Pfand Und Band des Glücks für alle.“ So wurde Siegfried König. Nach echter Herrenart Hielt er Gericht und Herrschaft in fester Hand bewahrt. „Den Freunden und Verwandten. Siegfried und sein Gemahl Und alle Gäste schritten vereint in Siegmunds hohen Saal. wie man es immer tut. der im Burgundenland Als Heldenbild geliebt war und oft vor Brünnhilds Seele stand. die Eltern und das ganze Land. Wobei aus schönen Augen manch einer Dank gewann Für ritterliche Hilfe. Man schwieg auf sein Geheiß. die sie liebten. Der König stand vom Sitze. er ist der Herr von dieser Stund. Sein schönes Weib gebar ihm den ersten Sohn. eilte man. Gab man ihm Siegfrieds Namen. Auch Brünnhild hatte damals dem Gatten fern am Rhein Den ersten Sohn geboren. Will man nach edlem Vorbild sich gute Kinder ziehn. dem Volke tu ich kund: Siegfried trägt meine Krone –. Zu jener Zeit starb Sieglind. und daß er geriete stolz und gut. wie’s dem Sohne des Königs ziemt. Und wo er richten mußte. Ihm Ruhm und Glanz zu leihn. 710–718 (711) . geschah’s gerecht und hart. Wie’s ehrenvoll der Königin des Reichs mit Fug und Recht geschah. Dort saßen sie zusammen. Sorgfältig. In hohen Ehren glänzte sein Name. erzog man ihn. Man taufte ihn. Benannte man ihn Gunther. So stand seit dieser Zeit Kriemhilde als die erste der Frau’n im Lande da. Daß sein Gericht von allen im Niederland gefürchtet ward.96 Die Jungfrauen aus dem Sattel zu heben. ein stolzer Freundeskreis. Sorgenbar Verfloß die Zeit für beide bis in das zehnte Jahr. vermißt in großem Leid Von vielen.

Wuchs er in ritterlicher. wenn man Männer nach höchstem Werte maß. da pries man allgemein. mannhafter Zucht heran. Doch keiner rings auf Erden an Ruhm und Macht bestand Vor Siegfried. Besitz und reiche Macht Umglänzten seine Krone. Als ihrem Könige dienten auch Schilbungs Helden ihm allein. 719–723 . Auch ohne diese Pracht Der erste. Der tüchtigste und stärkste.97 Nach Gunthers Hoffnung künftig ein wohlerzogener Mann. Der Stolz der höchsten Ehre. der je auf einem Rosse saß. dem zu eigen das Nibelungenland. Der größte Schatz. war sein. – Wo man davon erzählte. Wie schön das Leben fließe in Xanten und zu Worms am Rhein. den jemals ein Mensch besaß.

unmöglich scheint es mir. was sie quält’. Sie drang: „Tu’s mir zuliebe! Seit langem seh’n ich mich Nach Siegfried und Kriemhilde. Wenn Siegfried zu ihm käme.“ Da lächelte der König. mit listigen Worten keine Ruh: „Wie hoch ein Mann des Königs in Macht und Würde prangt. – das war es. Vasall des Königs war er nicht. bald wiedersehen mag. Er dürfte doch nicht weigern. Daß sie ihr fremd geblieben. was sie im Sinne trug. die mir so lieb sind. Sie wohnen gar zu ferne. Könnt’ es geschehn. was man von ihm verlangt. Daß wir Kriemhild und Siegfried hier einmal wiedersäh’n?“ Sie sagte ihm vertraulich. Doch ihre Worte dünkten den König wenig gut und klug.98 XII. ihn bedrängend. Doch hat er uns seit langem nicht den geringsten Dienst getan. es wäre für mich ein freudevoller Tag! 724–729 . Er sprach: „Was du ersonnen. ob sie es auch verhehlt’. Drum gib mir nach! Versprich. War Siegfrieds Land nicht pflichtig zu Zins und Dienstbarkeit? Gern hätte sie erfahren: Warum blieb er davon befreit? Sie forschte bei dem Könige: „Wie könnt’ es nur geschehn.“ Doch gab sie. Weit ist ihr Weg von hier. Wie Gunther Siegfried zum Sonnwendfeste nach Worms    einlud Es war Brünnhilds Gedanke schon lange früh und spät: Wie sehr Kriemhildes Sinn doch auf stolzen Hochmut steht! Als Eigenmann ist Siegfried des Königs Untertan. War es doch keine Pflicht. Es nagte ihr am Herzen. Die lange Reise mut’ ich den Freunden nicht gern zu. Daß ich.

Es bracht’ ihr Glück und Ehre. Bis sie ans Ziel gelangten. Wie jeder meiner Freunde mit mir ihn liebt und ehrt. beide jung vermählt. Wie wir beisammen saßen. Säh’n wir sie beide wieder am heimatlichen Rhein. das gab er ihnen mit. die Frau’n und Mädchen auch Entboten ihre Grüße.“ Sie bat und bat. Dann machten sie sich auf die Fahrt. Die Boten sollen gleich nach Xanten reiten.“ Dreißig seiner Mannen berief er zu dem Ritt.99 Wie zog ihr edles Wesen. und sagt. wohin man sie gesandt.“ Brünnhild und Mutter Ute. Grüßt auch den König Siegmund. bis Gunther Erfüllung ihr versprach: „Denn liebere Gäste wüßt’ ich mir nicht. 738) . sie möge unverwandt Die Rosse rüsten lassen zum schönsten Fest im Heimatland. Und meine Schwester bittet. denke ich daran. Die Ross’ und Männer waren vom weiten Wege müd. „Von unser aller Liebe zu Siegfried und zu ihr. ihr sanft Gemüt mich an! Wie war mir wohl zumute. wie er uns wert. daß sie solchen Mann gewählt. Die Sonnenwende wäre die rechte Zeit dafür. Drei Wochen scharfen Trabes nach Nibelungenland. Und daß wir sie in Sehnsucht erwarteten am Rheine hier. Da man zum Königssitze im fernen Norden sie beschied. wie’s Sitte ist und Brauch. Der Rat der Königsfreunde gab erst nach alter Art Die Zustimmung zur Reise. „Sagt meiner lieben Schwester“. Du brauchst mich nicht zu bitten. Willkommen hießen gern wir die Freunde und Verwandten hier. Das würde eine Stunde des hohen Glückes sein. beide zu laden ins Burgundenreich. So geb ich nach. 730–739 (732.

burgundisch ihre Tracht. Und jeder tat. Auf einem Bette ruhte sie grade aus. Gekommen seien Ritter. „Erlaubt uns erst. Diese sah auf dem Hofe stehn Den starken Markgraf Gere und die mit ihm gesandt. Sie schickte schnell ein Mädchen ans Fenster.100 So wurde eines Tages Kriemhild Bescheid gebracht. mit ihm sein Hofgesind! Gewiß. den Auftrag Euch kundzutun und laßt So lang uns stehn. Auf stand der König Siegfried. Und sprach mit Gruß und Fragen im Eifer auf sie ein. um zu sehn. Die Rosse aus den Händen nahm man und wies danach Die Unterkunft den Boten in Saal und Schlafgemach. doch sprang Sie auf. Von Gunther und von Brünnhild – ihr Glück steht hoch und fest! – Hört. was Euch ihre Liebe durch unseren Mund verkünden läßt. als diese Kunde plötzlich an ihre Ohren drang. Sie rief nach Siegfried: „Sieh doch! Dort auf dem Hofe sind Burgundenherren! Gere. Da ward ihr altes Heimweh von jäher Freude übermannt. ihr freudig Auge blickt’ Gerührt zuerst auf Gere. die schickt’ mit Botschaft mein Bruder her vom Rhein!“ Erfreut gab Siegfried Antwort: „Dann soll’n sie uns willkommen sein!“ Von allen Seiten liefen die Leute rasch herbei. als ob nur für ihn die Botschaft sei. Dann luden sie Herrn Gere und seine Schar zu Gast Bei Siegfried und Kriemhilde in ihren hohen Burgpalast. Gunthers bewährten Mann. Auch Siegmund schien im stillen der lieben Gaste froh zu sein. die Königin ging beglückt Den Landsleuten entgegen. Nahm seine Hand und führte zum Hochsitz ihren Gast hinan. 740–746 . verlangt auch der Leib nach Ruh und Rast. Was es dort gäbe.

“ Doch Gere schloß: „Bedenkt es! Auch Mutter Ute lädt Und läßt Euch mahnen.101 Auch das. die Freundschaft zu erneu’n. wenn erst vorbei die Winterzeit. 747–753 . „für diesen schönen Tag! Kriemhild und ich. Mit meiner Herrin Brünnhild die Frau’n und Mädchen freun Sich innig in der Hoffnung.“ Da sprach der Markgraf Gere: „Sie hegen unversehrt Den alten stolzen Hochsinn. Glücklich mit Euch zu feiern ein frohes Wiedersehn am Rhein. Zur Sonnenwende hoffen sie. Daß meiner Freunde Gegner mein eigner Feind und Gegner wär. die Freunde insgemein Mit Gruß und Wunsch bestellten. Der Giselher und Gernot so lang im Herzen lag. hat einer feindlich je. Sie bitten auch die Königin. von Glück und Macht umwehrt. daß Ihr dem Wunsch nicht widersteht. Sind gesund Und hochgestimmt wie früher die stolzen Freunde in Burgund? Seit wir von ihnen schieden. was Eure Mutter. Und auf die schöne Stunde. schien doch dies Heimatbild ihr wunderschön. ihnen Leid zugefügt und Weh? Ich nähm’s auf mich! Und wahrlich erleben sollte der. Was die Verwandten alle. Bedacht auf Schaden. die Klage hör’ ich jeden Tag. soll alles Euch berichtet sein. Gernot und Giselher Uns herzlich aufgetragen für unsere Fahrt hierher. Erwarteten nur Gutes von ihnen. Euch daheim zu sehn. Daß Ihr so fern vom Rheine.“ „Belohn Euch Gott“. Zu einem Fest entbieten und laden sie Euch ein. wie’s jeder von Freunden hoffen mag. ins Antlitz Euch zu sehn!“ Kriemhild erglühte. sprach Siegfried. in Euerem Geleit Nach Worms zu kommen.“ Nachdenklich sagte Siegfried: „Das wird wohl leider schwerlich gehn.

Dann faßte sie doch Heimweh. Zuvor trat noch zusammen der Freundesrat auf Siegfrieds Ruf.102 Am Ehrenplatz saß Gere. Rüstung. Man schenkte goldenen Wein. dann raten wir: Fahrt hin! Nehmt eine Schar von tausend Begleitern. Die verrät Gleich Eure Macht. Wie gern Säh ich die Brüder wieder! Doch liegt ihr schönes Land zu fern. Kriemhild zuliebe tät’ ich’s gern.“ 754–762 (756) . wozu seid ihr gewillt? Und müßt’ ich dreißig Länder durchqueren weit und fern Um der Verwandten willen. Bedenkt. Hätt’ man Euch gerne öfter gesehn im Nibelungenland!“ Neun volle Tage blieben die Sendeboten dort.“ Von Niederland Herr Siegmund kam fragend: „Wollt Ihr mich Mitnehmen auf die Reise nach Worms? Dann wähle ich Hundert meiner Männer. Gewand und Roß empfängt. liebe Freunde. Und mächtigeres Ansehn gewinnt der Nibelungen Wert. Und habt Ihr Lust zur Reise. „wenn du entschlossen bist. dem es mangelt. So wird die Schar gemehrt. Sie wollten wieder fort. Nun ratet. lud man auch Kriemhild. sprach Siegfried. Und Siegmund hob den Becher: „Ihr sollt willkommen sein! Seit Siegfried einst gewonnen der schönen Kriemhild Hand. Die Reise mitzumachen. damit Ihr in Ehren dort am Rhein besteht. Er fragte. Durch seine Boten lud Zu einem Freudenfeste er mich nach Worms. Da kurz die Spanne ist. wie gut Er mir als Freund gesonnen.“ „Es ist mir lieb“. was sie rieten: „Gunther bewies. Daß jeder. Obgleich bei Trank und Speise man reiche Kurzweil schuf. Die Reise mitzumachen.“ Die Freunde sagten: „Liegt Euch das schöne Fest im Sinn. Muß innerhalb zwölf Tagen gerüstet sein.

Da liefen Weib und Mann. Wohl keiner solch gute Worte bot.“ Alsbald berief auch Ute die Boten zu sich her. schnell zu wissen.“ So eilten die Burgunden. 766) . der mir so große Freundlichkeit erwies?“ Gere gab schnelle Antwort: „Vor Freude ward er rot.“ Man führte sie zu Gunther. 763–772 (765.“ Die schöne Brünnhild fragte: „Sagt. Nach Gunthers Halle strömend. In großer Freude sprang Er auf von seinem Sitze: „Ihr rittet schnell. so schön und zart?“ „Ja!“ sagte Markgraf Gere. „Und teilen wird sie seine Fahrt. wird auch Frau Kriemhild Siegfried hierher begleiten? Ist sie noch lieb und mild. auch daß sie käme nach Burgund. Wie jeder immer Neues gern zu erfahren denkt. Und vor der Burg zu Worms erst gebot Herr Gere Halt. So frohen edlen Wesens wie einst. mit den Freunden im Wiedersehensglück Das Sonnwendfest zu feiern. ob Kriemhild noch gesund. heim an den Rhein. Und auch Kriemhild. Sie stiegen von den Rossen. Habt Dank!“ Dann fragte er die Boten: „Vor allem sagt mir dies: Wie geht es Siegfried. wie sehr Sie wünschte.103 Bescheid gab er den Boten: „Kehrt nun nach Worms zurück! Wir kommen. Doch Gere sprach: „Erlaßt mir’s! Ich muß zum Könige gehn. was geschehn. Die Jungen und die Alten umringten sie gedrängt. noch reich beschenkt. Gern wurde es bestätigt. bei ihnen froh zu sein. Wie ich sie dort als Zeichen der alten Lieb’ und Treu vernahm. Kommt mit zu ihm! Dort werdet auch ihr erfahren. Wenn einer von den Freunden aus ferner Heimat kam. von allen Seiten rasch heran. Im scharfen Trabe ritten sie quer durch Berg und Wald. An ihren vielen Fragen ersahen sie.

und lebte ewig er. „Er kann gar leicht verschenken“. Zu richten und zu rüsten. Hunolt und Sindolt mühten sich schwer. sprach Hagen. Topf und Pfann’! 773–777 . Der Nibelungenhort liegt ja allein in seiner Hand! Hei! Käme der doch einmal zu uns in das Burgundenland!“ Doch allgemeine Freude erweckte das Gerücht Von Siegfrieds naher Ankunft. – es gab nicht Rast. das verdiene Dank. Die Männer säumten nicht. „Nimmermehr Könnt’ er sein Gut verschwenden. wie Siegfried überreich Die Boten dort beschenkte mit Kleid und Gold zugleich. nicht Ruh – Was nötig war an Speise und Trank und Unterkunft dazu. Die Ritter und die Mannen am Hof beschauten lang Die herrlichen Kleinodien und meinten. Truchseß und Schenk Geboten. auf dem Anger zu zimmern Tisch und Bänk’! Der Küchenmeister Rumolt regierte Weib und Mann. Hei! Wie es bei ihm klirrte und klang von Kessel.104 Es ward auch nicht verschwiegen.

Von Kriemhild und den Mädchen erzählen wir dafür. von Worms gesandt. 778–785 (782. Wie sie zum Rheine fuhren vom Nibelungenland. Womit man Kist’ und Kasten reichlich angefüllt.105 XIII. Vergangen wäre König Siegmund die Reiselust. Als du dereinst ins Land kamst. Willkommensgrüße brachten den Gästen sie vom Heimatland. 784) . Doch davon schweigen wir. Die Reisepferde trugen Gepäck und Kleider allerhand. daß ich’s aus eigenem Antrieb tu. Hätt’ er des Sonnwendfestes Ausgang vorher gewußt. Von freudiger Erwartung war ihr Gemüt erhellt. Burgundische Boten kamen in Sicht. die Mutter niemals wiedersah.“ Brünnhilde stimmte zu: „Ich bin es ihr wohl schuldig. Brünnhilden gab inzwischen der König diesen Rat: „Empfange meine Schwester grad so. Wie sie zum Sonnwendfeste nach Worms reisten Unruhige Tage gab es.“ Die Frauen und die Mädchen berief sie: „Gehet gleich. Daß er den lieben Vater. Kriemhild und Siegfried ließen den Sohn daheim zurück. und schmückt euch festlich reich! Ihr sollt mir Ehre machen vor unserer Gäste Blick!“ Wie gern geschah’s! Man kennt ja der hübschen Mädchen liebstes Glück. Da von der Fahrt der Eltern das schwerste Leid geschah. Es mußte wohl so kommen! Wie trüb war sein Geschick. – So ritten mit den Freunden Siegfried und Frau Kriemhild. Von keiner trüben Ahnung ward ihre Hoffnung noch vergällt. wie sie es tat. Nehmt eure besten Kleider.

„der ich dankbar bin!“ Da jedes Herz bewundernd Siegfried entgegenschlug. Dazwischen Mädchen. daß eure Liebe den Weg hierher zum Rheine fand. Frohgemut Hinunter ritten alle bis an des Rheines Flut. Euch zu besuchen. In ihrer Mitte Brünnhild. Manch schöne Frau ward sorglich – wie gerne sah sie das! – Zärtlich vom Pferd gehoben herab ins grüne Gras. Galt’s doch. lebendig mir im Sinn!“ „Nun kam die Stunde endlich“. 786–792 . Die übergroße Freude in aller Herzen schwoll. lag jahrelang Der Wunsch. Ward glanzvoll er geleitet in ehrenvollem Zug. recht fürstlich anzusehn. Freu’n sich. Der. Siegfried und Siegmund hielten vor König Gunther an. Als Brünnhild kam. wie nie empfangen ward ein Gast. Wer früher nichts gewußt Von hochgemuten Menschen. und Kriemhild am Ufer liebevoll Sie innig hielt umfangen. Daß ihrer Pferde Hufschlag weithin die Erde warf. traulich im Plaudern Arm in Arm gehängt. Von ritterlichen Herren wetteifernd rings umdrängt. Der stolze Siegfried nahte. Die Ritter spornten scharf. „den freundlichen Empfang! Seit Siegfried Euch zum Freunde gewann.106 Auch Gunther ließ versammeln die Mannen. sprach Gunther. erfuhr und sah es heut mit Lust. Siegfried zu ehren.“ „Gott lohn’“. beide herzlich grüßend. sprach Siegmund dankbar. Daß jedes Wort im Klirren der silberblanken Waffen schwieg. Auf Giselher und Gernot lag alle Müh und Last. Sie stiegen ab und winkten den Gästen im Entgegengehn. mit gütigem Wort begann: „Seid hochwillkommen alle! Die freund uns und verwandt. Und heller Staub in Wolken hoch in die Lüfte stieg.

Der König saß zufrieden am Tisch. Viel hundert Helden saßen um ihn im Ehrenring. Sie sorgten auch. Dankwart besorgte rührig den Gästen Ruh und Rast. daß jeder sein Wohngemach gewann. Brünnhilde dacht’ im stillen. Und Gunthers Mannen kamen. sie zu empfangen am Palast. – Brünnhild sah immer Kriemhild aus großen Augen an. Auf deren schönem Antlitz das zarte Farbenglühn Der Freude stand. Hier im Palaste drinnen saß Gunther mit Brünnhild. Auf feste Schilde trafen im Pralle Stich und Stoß. – Gewogen doch und hold War sie ihm noch geblieben. war manches Wams vom Weine naß. die Lust war groß. Nie hätt’ sie seinen Tod gewollt. der Vasall sei. Draußen auf dem Anger stand längst ein Mahl bereit. Dann führte man den Frauen die Pferde wieder vor. Und als es Abend wurde. Liebliche Frauen tauschten Küsse und Zärtlichkeit. Die Sättel bunt von Decken. Mit höfischer Verbeugung man zueinander fand. Vorm nahen Burgtor harrte der Gäste ein Turnier. 793–804 (800) . Die Gäste schmausten eifrig in lauter Fröhlichkeit. daß matt nur und blaß ihr Goldgeschmeid erschien.107 Voraus die Königinnen. der Glanz war nicht gering Für einen. Und gegenüber ihnen wie ehmals Siegfried und Kriemhild. Gut achteten die Schenken auf jedes leere Glas. Aus allen Augen strahlte die seligste Zufriedenheit. Ortwin und Hagen sorgten und hielten Ordnung hier. die Paare Hand in Hand. der Zuruf scholl. Man ritt durchs mächtige Tor. Nichts sollte ihm fehlen und entgehn. Der laute Beifall jauchzte. und gut versehn War jeder Gast.

Schon prüften im geheimen die Frauen ihr Gewand. Wer im Turnier den anderen abwerfen möchte in den Sand. Trompeten stiegen auf. Bei solcher Kurzweil dünkte sie nicht die Zeit zu lang. froh gespannt. Dann hob sich aus dem Tauglanz ein sommerlicher Tag. Da ward es still im Hofe. Sie ritten heim.108 Die Sommernacht war kurz nur und fröhlich das Gelag. Die Mädchen. Da sah man schon Bewegung und vollen Menschendrang. das niemals zu Ende gehen mag. In heiterer Lust verlief so das Fest bis an den elften Tag. Nun spornten auch die Reiter die Pferde an zu raschem Lauf. saßen im Fenster. 806–813 (805) . so schien’s. Schilde ritten. Und welcher Stein am schönsten zu ihrem eigenen Reize stand In aller Morgenfrühe hielt schon vor Gunthers Saal Ein Kreis von edlen Sängern. die Kronen auf dem Haar. Die jungen Heldensöhne. Vor dem Portal des Münsters hob man sie auf das Gras. noch laut Gefeiert von den Menschen. Hell klang ein Festchoral. Posaunen. In stolzem Zug zu Roß Erschienen beide Königinnen mit zahlreichem Troß. blitzend im Silberschein Der Helme. Den Sängern und den Rittern sagte der König Dank. Freundlich vereint – noch hegte Brünnhilde keinen Haß – Betraten sie das Münster. den hellen Glanz im Blick herein. zarte Flöten. Nur tiefer Zwist vermochte zu trennen erst dies edle Paar! Die Messe war zu Ende. Dann saßen sie vertraut Im Glück. blütenweiß Die Festgewänder. Da nahte hoch zu Pferde im stolzen Freundeskreis Der König Gunther selber. Bis das Geläut zur Messe vom Dom herab erklang.

und dennoch reicht sein Wert Bei weitem nicht an Gunther! So kann wohl ihm allein Das Recht zustehn. daß ich auf Erden die Glücklichste der Frauen bin. Gesteh. Der Zank der Königinnen An einem Nachmittage. Siegfried ist allen. wird das ja nimmermehr geschehn. der ist so hehr. Lief bald von allen Seiten schaulustiges Volk genug heran.“ Ins Freie blickte Kriemhild: „Schau hin. Als sie zum Angriff ritten im Spiel Mann gegen Mann. als Lärm und Waffenklang Von einem Lanzenstechen herauf vom Hofe drang.109 XIV. auch Gunther gleich. dessen Mannheit oft herrlich sich erwies. An Vorzügen und Ehren ist er so überreich. Bis Kriemhild sinnend sagte: „Mein Mann.“ Doch Frau Brünnhild versetzte: „Dein Mann mag unverwehrt Herrlich vor anderen gelten. Dann könnte dieses Land ihm die Herrschaft zugestehn.“ Darauf Brünnhild erwidernd: „Wie ginge das wohl zu? Wenn niemand mehr am Leben. Daß er mit Fug der Herrscher auch aller dieser Länder war. der König und Herr der ganzen Welt zu sein!“ Da widersprach ihr Kriemhild: „Nicht ohne Ursach’ pries Ich Siegfried. wie’s oft geschah und gern. So lang mein Mann am Leben. Die beiden Königinnen und dachten ihrer Herrn.“ 814–819 . Welch männlich-stolzen Hochsinn sein Herrenschritt verrät! So geht der Mond am Himmel vor matten Sternen hin! Gib zu. wie er dort steht. den Besten selbst. Da saßen beieinander. als er allein und du.

Es nimmt mich wunder. sagte Brünnhilde da zu ihr. mein Königsrecht dahin Auf alle seine Ritter. Und Gunther mich als erster im Wettkampf heldenhaft bestand. Als ich zum ersten Male sie sah im Isenland. Mit eigenen Ohren hört’ ich’s. 820–816 . Was ich von dir vernommen.110 „Verarg’ es mir nicht“. Brünnhild. ob man wie mir die gleiche Ehr Auch dir am Hof erweise!“ In volles Übermaß War schon der Zorn gestiegen. Da nannte Siegfried selber sich Gunthers Eigenmann. und wenn auch dein Hochmut noch so herrisch prahlt!“ Brünnhild sprach: „Überhebe dich deiner nicht zu sehr! Ich will doch sehen. ich hör’ es niemals wieder an. mit ihm uns Untertan!“ Da hub die schöne Kriemhild mit scharfem Wort zu zürnen an: „Aufgeben wirst du willig den Wahn. Als mich der Ritterliche zu seinem Weib gewann. er sei in Pflicht Dir hörig und zu eigen. so halt ich ihn dafür!“ Da sagte Kriemhild bebend: „Wie ziemte ein Leibeigener mir! Glaubst du. daß du in Zukunft nimmermehr Behauptest. Du also unser beider als Herrin mächtig bist. Er steht und weicht auch nicht An Hoheit meinem Bruder. „Daß ich ihn minder achte. Mich triffst du nicht.“ „Ich kann’s nicht unterlassen“. Daß er seit langen Zeiten dir keinen Zins gezahlt. „Gäb’ ich doch sonst den Anspruch. wenn er doch Gunthers Lehnsmann ist. so vornehm auch dein Mann. sprach hart die Königin. daß ich eines unfreien Mannes Gattin wär. der ihnen heiß im Herzen saß. ich habe Grund dafür. es hätten schmählich die edlen Brüder mich Verschenkt einem Vasallen? Inständig bitte ich In Freundschaft.

Willst Siegfried du als unfrei und als Leibeigenen schmähn. das eine arge Schmähung war. Noch edler als die höchste. der Königin.111 Da sprach Kriemhild: „Noch heute soll’s öffentlich geschehn. Mit dreiundvierzig Mädchen schritt sie den Weg einher. warum es wohl geschah.“ „Das ist mir lieb“. 827–834 . Die Leute nahm es wunder. als selbst der deine sei. „es soll nach deinem Wunsch geschehn. und sehn sollst du genau.“ Wie gerne sie gehorchten! Auch Kriemhild war bedacht Auf ihr Gewand. Daß ich vor dir. Da doch bisher so innig. Am Dom erwiesen Siegfrieds Gefährten ihr die Königsehr’. Drauf Brünnhild: „Hältst du wirklich dich und ihn für frei. wenn wir zur Messe gehn. Dann sorg.“ So schieden sie. Knecht und Mann. Mich kann kein Vorwurf treffen. Noch heute sollst du sehen. Daß man die Königinnen nicht beieinander sah. Soll’n beider Könige Ritter es sehen. Zu eigenem Leid erfahren hat mancher dann den schlimmen Grund. Heut noch beweis’ ich das!“ So standen gegenüber einander sie in heißem Haß. Und daß mein Mann noch würdiger. zuerst den Dom betreten kann.und Vasallenfrau Im Stolz vor den Burgunden auf ihrem Rang beharrt. daß dein Gefolge streng abgesondert sei Von meinen eigenen Frauen. unlöslich schien ihr Bund. Wie heut vor aller Augen die Eigen. wie edel ich und frei. sprach Kriemhild. die je hier Königin ward. Dünk’ ich mit Recht mich selber. Die Mädchen rief Kriemhild rasch heran: „Zieht eure schönsten Kleider zur Messe heute an! Ihr sollt mir Ehre machen! Brünnhilde soll fürwahr Ihr Schimpfwort schwer bereuen. auf Zierat und alle Art von Pracht.

„Dich nenn’ ich so“. Wo blieb denn deine Klugheit bei jener argen List? Wie ließest du’s geschehen. Daß dich vor Gunther Siegfried bezwang. wie besser wäre das! Hast du doch selbst geschändet den jungfräulichen Leib! Wie könnte eine Kebsfrau heißen eines Königs Weib!“ „Wen nennst du eine Kebsfrau?“ Bleich stand die Königin. „wenn du dich drum beklagst!“ Die Königin drohte: „Gunther soll gleich erfahren. nicht Gunther. zu kürzen so die Zeit. Sie rief: „Kriemhild! Ich habe den Vortritt! Bleibe stehn! Die Eigenfrau darf niemals vor ihres Königs Gattin gehn!“ In ihrem Zorn rief Kriemhild – sie brannte ganz vor Haß –: „Wenn du nur schweigen könntest. Vor solcher Pracht vermochte nichts anderes zu bestehn. Da kam Kriemhild geschritten in prunkend herrlichem Geleit. sprach Kriemhild. Daß er es war. sie pflegten noch einmal Vertraute Zwiesprach vorher. Wohl dreißig Königinnen hell überstrahlte sie. Die Königinnen trafen einander vor dem Tor.112 Schon stand mit ihren Frauen Brünnhilde am Portal. „da ich des kundig bin. sprach Kriemhild. Da brach aus Brünnhilds Worten die Eifersucht hervor. Wo einer Glanz und Reichtum jemals enthüllt gesehn. was du sagts!“ „Auch das soll mich nicht hindern! Wenn das dein Stolz erlog. mein lieber Mann. Damit ihr Prunk vor Brünnhild ihr höheren Rang und Anspruch lieh. Wie man es sonst gewohnt war. ob’s mir auch ewig leid: Dahin ist unsere Liebe und Freundschaft nun für alle Zeit!“ 835–842 . die schlimme Rede trog! Das sollst du wahrlich wissen. Ich stünd’ in deinem Dienste. wenn er dir eigen ist? Ich bin nicht schuld“. der dir dein Magdtum abgewann.

heut betete und sang. Sie sprach: „Gestohlen wurde mir dieser edle Ring. wer mich arglistig drum betrog. Kriemhild fiel hart ins Wort ihr: „Verklagst du mich als Dieb? Geschwiegen hätt’st du ewig. der wie Funken flog. Brünnhild mit ihren Frauen stand draußen vor der Tür: „Alles will ich erfahren! Sie soll beweisen hier. Das sollte einst entgelten manch ritterliches Männerherz. Und nach ihr das Gefolge. wie dir der böse Schimpf zu Ohren kam. Wie man auch. den ich am Finger hab. – Daraus hob sich ein Haß. Denn Siegfried gewann ihn.113 Da weinte Brünnhild. Den gab mir mein Geliebter nach jener ersten Nacht. Mich brennt die Scham. Und mir bis heut verholen. Da sprach Frau Brünnhild: „Höre mich an und bleibe stehn! Du hast mich als ein Kebsweib geschmäht. Er besiegte dich!“ 843–849 . um heimzugehn. Es dauerte Brünnhilde die Messe viel zu lang.“ Das war die schlimmste Stunde. wär’ deine Ehr dir lieb. So gib ein Zeugnis. doch wisse. versank in Scham und Schmerz. dann ist es Siegfrieds Tod!“ Nun kam auch mit den Ihren Kriemhild. – zeugt er genug für mich? Ich lüge nicht.“ Da sprach Kriemhild: „Erzwingst du’s. – Achtlos schritt Kriemhild eilends hin Ins Münster hohen Hauptes stolz vor der Königin.“ Nur immer heißer lohte der Zorn auf. Gott zu dienen. die jemals Brünnhild zugedacht. In düsteres Sinnen fiel sie. ich erzwing’ Mir das Geheimnis. dann leg ich Zeugnis ab Mit diesem goldnen Ringe. Daß manches helle Auge gar trübe ward und tränennaß. Der Gürtel. Hat er sich solcher Schandtat gerühmt. den ich trage. Was mit gehässigen Worten sie mir als Schmähung bot.

114
Dabei wies sie den Gürtel, Seide von Ninive,
Gestickt mit edlen Steinen. Aufs neu in ihrem Weh
Begann Brünnhild zu weinen, als sie den Gürtel sah.
Das mußte Gunther wissen! Um seine Ehre ging es ja.
Die Königin rief die Kämmerer: „Den König holt herbei!
Erzählen will ich Gunther von Kriemhilds Prahlerei,
Mit der sie mich gehöhnt hat vor allen öffentlich,
Erst Siegfrieds Weib und danach des Königs Kebsweib wäre ich!“
Mit seinen Freunden kam er. Als er sie weinend sah,
Die ihm so lieb war, – milde, begütend sprach er da:
„Geliebte Frau, erzähle, wer tat dir was zuleid?“
Sie sagte zu dem Könige: „Mir ziemt nichts mehr als Traurigkeit.
Was ich besaß an Ehre, – das, König, klag’ ich dir –
Hat Kriemhild mir genommen, zur Schmach sagt sie von mir,
Zu deiner Kebsfrau habe Siegfried mich einst gemacht.“
Er sprach: „Verleumdung ist es, und schlimmere wurde nie erdacht!“
„Ich sah, sie trägt den Gürtel, den ich damals verlor,
Den Goldring auch, mir listig entwendet, wies sie vor.
Verteidige mich! Ich stürbe viel lieber, als entehrt
Mit dieser Schmach zu leben. Hilf mir, ich denk’, ich bin es wert.“
„Siegfried soll hier erscheinen!“ befahl der König. „Weh,
Wenn er sich des gerühmt hat. Entweder er gesteh’
Oder er kann bezeugen, daß er unschuldig ist.“
Siegfried ward hergerufen und trat herein nach kurzer Frist.
Als Kriemhilds Mann die schwere Betrübnis Brünnhilds sah,
Nicht ahnend, was geschehen war, betroffen stand er da.
„Was gibt es, warum weinst du? Was hattet ihr für Grund,
Anklagend mich zu rufen? Und warum zögert euer Mund?“

850–856

115
Drauf Gunther: „Schwerste Kränkung geschah hier, die mich quält.
Mein Weib hat, was Kriemhilde gesagt hat, mir erzählt,
Du habest dich gebrüstet, in Liebe sei mein Weib
Verbunden dir gewesen, bevor sie mein mit Seel’ und Leib.“
Siegfried erglühte zornig: „Hat Kriemhild das gesagt,
Will ich nicht ruhen, eh sie das schlimme Wort beklagt.
Vor allen deinen Männern mit heiligem Eide schwör’
Ich und beteure: Niemals hab’ ich gesagt, daß es so wär.“
Der König rief: „Gewährst du vollgültiges Zeugnis mir,
Und leistest du den Eidschwur, dann nehme ich von dir
Jeden Verdacht der Untreu und meiner Klage Grund.“
Sogleich den Ring zu bilden, rief er die Männer von Burgund.
Siegfried erhob inmitten zum Schwure schon die Hand.
Da, schuldbewußt, sprach Gunther: „Mir ist gar wohl bekannt:
Rein bist du! Alles, was man dir Schuld gibt, ist ein Wahn.
Wes Kriemhild dich geziehen, du hast es nimmermehr getan!“
Siegfried versetzte: „Hat sie das schadenfroh gesagt
Und Brünnhild so bekümmert, daß sie sich drum beklagt,
Das schmerzt mich, wie mir niemals etwas weh tun kann!“
Da blickten rings die Ritter einander tief verwundert an.
„Die Frauen und ihre Zungen sollte der Mann erziehn,
Im Übermute reden sie sonst gern allzu kühn.
Laßt Brünnhild schweigen. Schweigen soll ferner Kriemhild dann.
Sie hat nicht recht gehandelt. Die Schuld erkenn’ ich schamvoll an.“
Oft haben Frau’n durch Worte feindselig sich getrennt.
Brünnhild in ihrem Schmerze schien gar kein Trost vergönnt,
Daß Mitleid und Erbarmen in Gunthers Männern quoll.
Da kam Hagen von Tronje und sah ihr Auge tränenvoll.

857–863

116
Er fragte, was es gäbe, woher die Tränenspur.
Da sagte sie ihm alles. Dann tat er diesen Schwur:
„Die Tränen, die Ihr weintet, werd’ ich niemals verzeihn.
Er soll sie büßen, oder ich will nie wieder fröhlich sein!“
Es fanden im Gespräche sich Ortwin und Gernot.
Da ward das Wort gesprochen: Wir raten Siegfrieds Tod!
Giselher kam näher, zu hören, was man sprach.
So jung er war, so treu auch, so wehrte er der grausen Schmach:
„Ihr Helden, welche Untat, unsühnbar wäre das!
Verdient der edle Siegfried doch niemals solchen Haß
Und nicht den Tod. Viel eher ziemt uns Treu und Dank!
Leicht nur wiegt dagegen der neiderzeugte Weiberzank!“
„Soll’n wir Bastarde ziehen am Hofe von Burgund?“
Sprach Hagen. „Mit der Ehre gingen wir selbst zugrund!
Gerühmt hat er sich Brünnhilds und so den Tod verdient.
Lieber will ich sterben, wird dieser Frevel nicht gesühnt!“
Der König selber warnte: „Nur Gutes, reiche Ehr’
Erfuhren wir von Siegfried. Drum schweigt, denn nimmermehr
Gebiet’ ich, ihn zu töten. Womit verdient er das?
Er hielt uns feste Treue. Erwidern sollt’ ich das mit Haß?“
Da widersprach ihm Ortwin. „So treu er zu uns stand,
Damit ist diese Schande nicht von uns abgewandt.
Laßt Ihr es, Herr, geschehen, büßt er die Prahlerei!“
So schuldlos Siegfried, war es mit aller Brüderschaft vorbei.
Zwar ließ man noch die Sache beruhn. Doch Hagen lag
Dem Könige in den Ohren in jeder Stund’ am Tag.
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, welch Erbe, reich und weit,
Fiel ihm dann zu! Der König hört’s an und schwieg in Traurigkeit.

864–870

117
Noch wehrte er: „Entsaget dem mörderischen Plan!
Viel ruhmeswürdige Wohltat hat er uns einst getan!
Auch ist so stark im Grimme der heldenkühne Mann,
Daß, ahnt er nur die Feindschaft, ihn keiner überwinden kann.“
„Er soll nichts ahnen“, sagte der Tronjer. „Schweigt nur still!
Geheimen Plan ersinn’ ich, wie ich ihn treffen will.
Er soll für Brünnhild büßen, sie hat um ihn geweint.
Solange Hagen atmet, so lange ist er Siegfrieds Feind!“
Da fragte Gunther dringend: „Sag, was ersannest du?“
„Ich will es dir vertrauen“, sprach Hagen, „höre zu:
Wir lassen Feindesboten, im Lande unbekannt,
Den Frieden aufzusagen, gelangen ins Burgundenland.
Dann kündet Ihr den Gästen, zum Kriege zögt Ihr aus
Mit allen Euren Mannen. Siegfried bleibt nicht zu Haus.
Er tritt in Eure Dienste. Er kämpft, er siegt, er – fällt!
Wo er verwundbar, kündet mir Kriemhild an. Dann stirbt der Held!“
Der Sinn des Königs schwankte. Das böse Wort verfing.
So hub das üble Werk an, das treulos man beging.
Noch blieb der Plan verschwiegen, bis der Verrat gelang.
Doch viele edle Männer entgalten zweier Frauen Zank.

872–876 (871)

118

XV. Wie Siegfried verraten ward
Am vierten Morgen sah man zweiunddreißig Mann
Einreiten in den Burghof. Laut kündeten sie an,
Es sei dem mächtigen Gunther der Friede aufgesagt.
Wie manche Frau hat später die Lüge tränenschwer beklagt!
Man fragte, wer sie schicke, nach Namen und woher.
Sie seien Sachsenboten, gesandt von Lüdeger,
Den Siegfried überwunden in jener Sachsenschlacht,
Als Geisel für den Frieden gefangen nach Burgund gebracht.
Der König Gunther lud sie freundlich zum Sitzen ein.
Sie wehrten ab: „Wir werden Euch unwillkommen sein,
Denn wisset, unsere Botschaft bringt Euch die schlimmste Not.
Von mächtigen Feinden seid Ihr mit nahem Untergang bedroht.
Euch kündigen den Frieden Lüdeger und Lüdegast,
Die Euch, seit Ihr sie finget, aufs grimmigste gehaßt.
Sie rüsten schon die Heerfahrt, ihr Ziel ist Euer Land!“
Der König schien betroffen und wie von jähem Zorn entbrannt.
„Meineidige Verräter“, so fluchte man, doch wies
Man ihnen Unterkünfte, wo man sie warten hieß.
Wer hätte solcher Tücke argwöhnisch sich versehn?
Auch Siegfried nicht. So konnte, was ihm verhängt war, denn geschehn.
Mit Raunen und mit Flüstern beriet sich immerzu
Der König mit den Freunden. Denn Hagen ließ nicht Ruh.
Zu schlichten, zu versöhnen bemühte mancher sich.
Nur Hagen blieb in seinem Ingrimme unerschütterlich.

877–882

119
So standen eines Tages beisammen sie, da trat
Siegfried, ob ihrem Kummer erstaunt, mit in den Rat:
„Was gibt’s? Was ficht den König und euch mit Sorgen an?
Ihr wißt doch, gilt’s zu handeln, daß Gunther auf mich zählen kann!“
Da sprach der König: „Ursach’ zur Sorge ist genug.
Die Eure Hand vor Zeiten im Sachsenkriege schlug,
Die alten Feinde rüsten, Lüdegast und Lüdeger,
Und neu zu überfallen, entsenden sie ein mächtig Heer.“
Aufbrausend sagte Siegfried: „Das werde so gedankt,
Wie es des Königs Ehre, des Landes Schutz verlangt.
Ich treffe sie wie damals. Wüst lege ich ihr Land!
Nicht eher ruh’ ich! Setzen will ich mein eigen Haupt zum Pfand!
Bleibt Ihr mit Euren Männern daheim. Ich will allein
Mit meinen Nibelungen des Landes Schützer sein.
Bewähren will ich wieder die alte Treu’ darin.
Ich breche den Verrätern den tückisch-hinterhältigen Sinn!“
„Dank für das gute Wort dir!“ sprach Gunther gradeso,
Als wäre er im Ernste der Hilfe Siegfrieds froh.
Er neigte sich, der Falsche, der seinen Freund verriet.
„Laßt alle Sorgen ruhen“, sprach Siegfried, „die Euch quält und müht.“
Siegfried listig zu täuschen, beluden sie den Troß.
Auch Siegfried ging zu sammeln die Seinen, Mann und Roß.
Dem Vater riet er: „Bleibt nur zu Haus! Gibt Gott uns Glück,
Dann kehren wir als Sieger bald wieder an den Rhein zurück.“
Sie banden an die Stange das Fähnlein voller Lust.
Zwar vielen Männern Gunthers war nichts davon bewußt,
Daß alles, was sie trieben, nur Schein und Täuschung war.
Schon drängte sich die Menge, umringend Siegfrieds Kriegerschar.

883–890

ging Hagen. „Wie gut“. könnt’ ich den Schutz versehn? Gern bleib ich ihm zur Seite. wenn ihm ein Feind Verderben sann’?“ „Ich hätte keine Sorge“. So gab er vor. Freund Hagen. ja hart geschlagen. in Kriemhilds Saal. da Siegfried es mir nicht verzeiht. Heut bitt’ ich: Laßt ihn ja nicht entgelten. ihr schuf es bitteres Leid Und mir die schlimmste Strafe. was ich Brünnhild tat! Längst quält es mich mit Reue. Und wie ich’s keinem anderen als mir allein vergönn’. sprach sie. wo wir auch reiten oder gehn. „daß mir ein Freund noch blieb.“ – „Gar bald ist Eure Feindschaft zu Ende und gesühnt! Wie aber könnt’ ich Siegfried so. „daß in des Kampfes Not Dem Allzukühnen Schaden und gar Verwundung droht. Wie Siegfried Eure Sache in steter Treu verficht. Wär er nur nicht so tollkühn und nicht im Überschwang Des Mutes unbekümmert um Todgefahr und Untergang!“ „Befürchtet Ihr“. „daß Siegfried je Im Kampf an Leib und Leben ein tödlich Leid geschäh’. die wert mir sind und lieb. sprach Hagen. Steht Ihr zu mir. sprach Kriemhild dankbar. Gedenkt daran.120 Aufpackten sie behende den Saumrossen als Last Die Helme und die Brünnen. Zum Abschied noch einmal. Genau im Aug behalten. Auch hat mich Siegfried schwer Gestraft. wie er es verdient. Zum Heer stieß mancher Gast Aus dem Burgundenlande. Wenn’s nie geschehen wär! Was frevelnd ich geredet. Der sich getraut zu schützen.“ 891–897 . Mit welchen Mitteln. Anrechnen mögt Ihr’s Siegfried! Und ob ich niemals bat. Des tröste ich mich in guter Zuversicht. wie treulich immerdar Ich hold Euch und gewogen und zu Gefallen war. Verrat im Sinn. sagt mir.

ich weiß.“ Und dann aus Lieb und Sorge – hätt’ sie’s nur nicht getan! – Vertraute sie ihm dieses Geheimnis seines Leibes an: „Mein Mann besitzt an Stärke. Und er die harte Hornhaut im heißen Bad gewann. Ich bin um ihn so bange. ob es nicht einem Feind geläng’. Nun schneidet ihn kein Schwerthieb. Und doch bin ich in Sorge. vertraue ich dir an. Freund Hagen? – Ach.“ Da sprach Hagen von Tronje: „Näht doch auf sein Gewand Ein klein Erkennungszeichen. Als er den bösen Lindwurm im Felsental erschlug. wenn scharf im Kampfgedräng Die Gere fliegen. als ob er schon verloren wär! Sag ich es dir.121 Sie zögerte: „Der Treuste bist du und mir verwandt. Da tauchte er zum Bade ins heiße Drachenblut. Das ist die Stelle. stehn wir in Kampf und Not. Die harte Hornhaut schützt ihn gut. wo man Siegfried zu Tode treffen kann. sie gilt auch mir. Drum geb’ ich den geliebten Mann ganz in deine Hand. wo sich der Tod den Weg gelassen hat. an Kühnheit wohl genug.“ – Sie wähnte ihm zu helfen. – Hab acht darauf! – Was niemand gewußt. ich vertraue dir! Die Treue zu den Deinen. wenn dann am heißen Tag Die Feinde ihn bestürmen in heißer Schlacht mit Stich und Schlag. Ihn tödlich so zu treffen.“ 898–904 . Fiel zwischen seine Schultern herab ein Lindenblatt. Wo ich ihn decken müßte. Die Stelle. Als aus dem Drachenleibe das Blut in Strömen rann. Die Stelle mußt du hüten. sonst bleibt mir unbekannt. Sie sagte rasch: „Ein kleines Kreuzlein aus Seidenband Näh’ ich für dich zum Zeichen ihm heimlich aufs Gewand. und half nur mit zu seinem Tod. daß ich ihn doch verlör’.

122 „Vielliebe Frau“. Lüdeger sei nun Geneigt zu neuem Frieden. Entgegen ritt ihm grüßend der König: „Sei bedankt. an Siegfrieds Weg zu harr’n. Die ihm erzählen mußten. Dicht neben ihm ritt Hagen und schaute auf das Kreuz im Kleid. In erster Morgenfrühe ritt Siegfried fröhlich fort Mit tausend Mann. freundwillig und bereit! Ich werde dir’s vergelten. Zu Hilfe mir zu kommen. Blick und Eid.“ Das hatte Hagen weislich zum Schein empfohlen und gesagt. – Drauf sandt’ er falsche Boten. ihn zu hüten. Das Kriemhild. „Ich lade meine Gäste und tue allen kund. zu rächen das frech gebrochene Wort. sprach Hagen. Wie ungern kehrte Siegfried zurück! Mit rascher Tat Hätt’ er gern geahndet den Meineid und Verrat. dachte Kriemhilde still für sich. Ich weiß. die Zwietracht solle wieder ruhn. Ingrimmig froh. daß du zu jeder Zeit. Sind wir der Heerfahrt ledig. wo ich so oft gejagt. Freund Siegfried. – Hagen schied. Daß du in meinem Dienste niemals gezögert und gewankt! Gott lohne dir. so laßt uns fröhlich sein! Zu Pferd! Ausreiten will ich zur Jagd auf Bär und Schwein Zum nahen Wasgenwalde. wie’s recht und billig ist. daß du von allen Getreuen der Getreuste bist. genäht mit seidenem Garn. Wer mit mir jagen möchte im grünen Waldesgrund. Der sei in aller Frühe bereit! Doch wer dafür Den schönen Frau’n zuliebe verweilen will. der bleibe hier!“ 905–912 (906) . daß Kriemhild den eigenen Gatten ihm verriet. „ich tu’ es. Und doch war Siegfried damit verraten. zählt auf mich!“ „Das wird ihm helfen“. Das einst geschworen wurde mit Handschlag.

Gebt mir nur einige Bracken und einen kundigen Mann. wenn etwa ein Jägersmann weit abgeriet. wohin das Wild sich zieht. dann reif ich gerne mit. bewandert im ganzen Jagdbereich. im geheimen am besten nachzustell’n. Hagen sann Mit Gunther.“ „Wollt Ihr nur einen haben?“ versprach der König gleich. wo Tiere stehn im dunklen Tann.123 Da sprach Herr Siegfried lachend: „Gilt es bei frohem Ritt Ein edles Wild zu jagen.“ Zu seinem Weib noch einmal ritt Siegfried. Und ihn – zu ewiger Schande – aus einem Hinterhalt zu fäll’n. wie man listig dem überstarken Mann Vermöchte. Sie kennen alle Stellen. „Ich geb’ Euch vier. 913–915 . Die Steige auch. Der überall Bescheid weiß.

Gar reichlich Trank und Speise befahl man für die Fahrt. Zum Abschied küßte Siegfried sanft der Geliebten Mund: „Gott füg’s froh kehr’ ich wieder. doch fing sie an zu klagen Und weint’ an seinem Halse maßlos in wildem Leid. 916–921 . Genieß du mit den Deinen indessen frohe Zeit zu Haus!“ Da dachte sie an alles. Und mich dein liebes Auge! Mich treibt die Lust hinaus. Sie wollten über’n Rhein.124 XVI. den wilden Bär! Mit ihnen ritt auch Siegfried in seiner stolzen Art. als mit dem scharfen Ger Das Wisent anzugehen. nur heut die Jagd! Zwei wilde Schweine sah ich im Traume letzte Nacht. so quält mich meine Angst und Not. Weithin war rings die Heide rot. Wie sie dich hetzten. doch Arglist lag darin. Brünnhilds Wort. Wie Siegfried erschlagen ward Zur Pürschjagd rief der König. Dann flehte sie zu Siegfried: „Laß heut. Indes man draußen auflud Gerät und Pürschgewand. Was wäre Helden lieber. Mit seiner Frau noch einmal saß Siegfried Hand in Hand. die grobe Sau. Danach erfuhr Kriemhilde nie Schlimmeres an Not und Pein. Der angestiftet wurde durch eines Weibes. ich sehe dich gesund. Nun muß ich immer weinen. Auch der Gefährten Kleider. An einem kalten Borne geschah danach der Mord. Dem eignen Leben fluchte die Frau in lauter Traurigkeit. Das war nach Hagens Sinn. – nur scheute sie’s zu sagen – Was Hagen sie vertraute. Gar männlich Ding erschien es.

mit Brot und Fleisch und Wein Und anderen guten Dingen beladen. waren nicht dabei. Ob wir auch keinen kränkten und jedem Treu bewahrt. Meute und Jägersmann. Zwei Berge brachen jäh über dir zusammen. Dann ging er schnellen Fußes. Giselher und Gernot. der lebensfrohe Held. Es sorgt doch solch ein König.“ Zum Abschied schloß die Arme er um den edlen Leib. nein. Und niemand dich und mich auch feindselig hassen kann. ward es dem König Gunther angesagt. Ich denk auch. „Denn wieder bald vereint Bin ich mit dir. Nun eilten sie von dannen in einen tiefen Tann. Ich hatte schlimme Träume. ich verdient’ es. Sind mir doch die Verwandten. mein Herr.125 Ich fürchte. über’n Rhein. Zum Tröste küßt’ er innig das ahnungsbange Weib. Mein Herz beschwört dich innig: Bleib’ heut daheim. denn voll von Tränen ist mir das Herz und sorgenschwer. 922–928 . Mein Blick fand dich nicht mehr. Man wählte klug am Waldrand den Anstand. Als Siegfried nahte. Ach.“ „Nein. mir schwant ein furchtbar Weh. Dahinter die Gefolgschaft. Doch fehlten ihrer zwei. Schon vorher gingen Rosse. Auch hab’ ich hier keinen einzigen Feind. Ein Anger dehnte weithin sich breit und gut zur Jagd. Daß keiner seiner Jäger an Freuden irgend was entbehrt. daß alle meine Freunde sind. Bleib hier. so reich und ehrenwert. mein Siegfried. die Brüder wohlgesinnt. irgend einer plant etwas schlimmer Art. Jagdlustigen Sinnes Ritter. die Brüder. Liebste!“ sprach er. wo das Wild Dem Jäger gut zum Schusse herausbricht ins Gefild. niemals sah die Frau ihn lebend wieder in der Welt. du lieber Mann!“ „Sorg dich nicht.

der klug des Wildes Spur Durch Tann und Sumpf und Dickicht sicher verfolgen kann. die am Ende der heutigen Jagd die besten sind. der glücklich ein Tier zu Tode schlug. Ein jeder mag sich wenden.126 Dann wurden ihre Plätze den Jägern zugeteilt. schnob und führte Siegfried in ein Bereich. das er allein bestand. daß ihm kein Stück entrann. Ein starkes Einhornfohlen. Der suchte. Und wer durchstreift zum Jagen das Waldrevier zu Roß. 929–935 . Es können dann erkennen Herren und Gesind Die Schützen. Kein Wunder. Sein Roß flog unterm Sporne. Ein alter Jäger griff sich den besten Spürhund gleich. der Held vom Niederland. wer hier verweilt. sei erster Jagdgesell!“ Nun galt kein länger Warten. Siegfried schlug vor und sagte: „Bestimmt. Wo allerlei Getier sich vom Lager hob zur Flucht. Da ging es hinterher gleich nach Jägerart durch Berg und Schlucht. Aufs Pferd! Die Jäger schieden schnell. Bis er darauf im Dickicht gleich einen grimmigen Löwen fand. daß er schließlich den höchsten Ruhm des Tags gewann In allen Männertaten war er erprobt und klug. Viel Glück zur Jagd!“ Dann sprengte von dannen Kriemhilds edler Mann. Siegfried ging mit den Worten: „Nehmt ihr die Hunde nur! Laßt mir bloß einen Bracken. Der erste heut. Bis wir auf diesem Platze uns schließlich wiedersehn.“ Da riet Herr Hagen: „Laßt uns getrennt zum Jagen gehn. Das scheue Wild zu spüren im Tann mit Hunden und Geschoß. Und wer das beste mitbringt. wohin es ihm gefällt. Das schlug der kühne Siegfried. Was bei des Bracken Ansprang den Weg ins Freie fand. Den Männern wird die Meute zu gleichem Teil gesellt.

und der Löwe sprang dreimal noch und sank. 936–943 (942) . hielt inne und ruhte von der Jagd einmal.127 Als den der Bracke ansprang. Ein Riesenhirsch ging bäumend. hob Siegfried seinen Bogen. Vier Auerochsen fielen. Getos’ und Klang Von Hunden. die Spur ihm abgewann. Ein lautes Echo drang Von Bergeshängen hallend aus Busch und Waldesschoß. das Treiben war vorbei. Da griff der Mann der Kriemhild zum Schwert. Nun ging’s dem End’ entgegen. Hei! Braten gab’s genug. Die Jäger standen lachend: „Da es die Ehre gilt. Herr Siegfried. Rossen. Der Pfeil. Reh entrann. Ihr rottet ja die Tiere fast aus in Berg und Tal!“ Er lächelte. Zu dem das Ingesinde das Fleisch zur nahen Küche trug. stürmisch folgend. ein eisenscharfer. So überlaßt. Flog schwirrend. Gleich lag er tot im Tann. Ging jäh im Todesmute das wilde Schwein ihn wütend an. ein Wisent brach zugrund Ein mächtiger Elchbulle getroffen stürzte todeswund. uns auch noch einiges Wild. Leuten. Von allen Seiten hörten sie Lärm. und die Burgunden sah’n. Einen großen Eber aufstöberte der Hund Und hetzte auf der Flucht ihn tief in des Waldes Grund. Schnell trug das Pferd ihn weiter. Nicht Hinde. Als Siegfried. ein Stich Tief ins Genick dem Eber! Wer jagt so meisterlich! Den Bracken fing man wieder. Denn vierundzwanzig Hunde waren von den Leinen los. Ein Schlag. Da jubelten die Jäger dem Helden zu mit lautem Dank. Was Siegfried sich zur Freude bei dieser Jagd allein getan. Zur Feuerstätte brachte man Häute allerlei Und Wild in reicher Fülle. mit Macht zurückgezogen.

Das rief die Jagdgesell’n. Worin er sich versteckend vor Pfeil und Hunden sicher stand. Doch Siegfried reckt’ sich in die Höh Und rief nach rückwärts: „Bindet den Bracken los! Ein Bär! Für unsre Jagdgenossen zum Spaß begleitet er Als Gast uns in das Lager. Da sagte Siegfried heiter: „Nun. aufgesessen dann!“ Und langsam trug sein Roß ihn durch Dickicht hin und Tann.“ Er stand und horcht’ und blies. Er weicht! Doch drauf und dran Und hinterher dem Tiere. Die Jäger sollen kommen. Vom Königsstande rief es. Ein Jäger Siegfrieds lauschte: „Ein Horn hab’ ich vernommen. daß es uns nicht entwischen kann!“ Man hetzte drauf den Bracken. Die horchten nach der Gegend. das grimmig brummend jäh Verschwand in einem Busche. Da könnt’ er nicht entrinnen. Nun ward ein Horn geblasen. Doch aus dem Sattel springend durch Busch und Zweige schnell Drang Siegfried nach und folgte ins dunkle Erdgefäll. Der König lud zu Speis’ und Trank. Kriemhildes Ehegemahl. wie’s Männern auf der Jagd gefällt. 944–950 . woher der Hornstoß drang. Bis auf der Flucht im Dickicht der Bär ein Erdloch fand. Zum Feuer bracht’ es lachend im Übermut der Held. Bis hin und her im Blasen das Königshorn die Richtung wies. Doch schneller noch war Siegfried.128 Der König hieß den Dienern. Ein kühnes Spiel wahrhaftig. die Tafel zu bestellen. Nun konnte er nicht beißen noch kratzen. Vom Lagerplatze kam er. da floh der Bär zu Tal. Da störten sie ein Tier auf. Mit seiner bloßen Hand Zwang Siegfried um die Tatzen und um das Maul ein festes Band. Siegfried ritt Und nahm das Tier am Sattel fest angebunden mit. Bescheid will ich ihm geben.

von solcher Kraft erfüllt.129 Ein herrlich Bild – der Reiter im hohen Tannenwald! Der Ger im Bügel stählern von mächtiger Gestalt. Und wenn ich euch noch weiter von ihm berichten soll: Es stak sein prächtiger Köcher von spitzen Pfeilen voll. Daß sich vor seinem Hiebe kein Eisenhelm bewahrt. Dem Jäger stolzer Jagdschmuck und gute Manneswehr zumal. Zur Seite zierten Fibeln. So ritt der stolze Weidmann dahin auf starkem Roß. handbreit ihr scharfes Blatt. Es lag in Fell vom Panther der Köcher eingehüllt. zwang sie allein mit seiner bloßen Hand. 951–957 . die Schneide harter Stahl. Auch führt’ er Balmung mit sich. Von seiner Schulter hing ihm ein Otterfell. Zu Tode sank. In goldnen Röhren liegend. Nur einer. liefen die Leute von dem Troß Ihm schnell entgegen. Siegfried. Das Schwert mit reichem Zierat hing nieder bis zum Sporn. So ging ein heller Lichtglanz mit ihm als leuchtendes Geleit. Ein Wams von schwarzer Seide dem Reiter prächtig stand. wen jemals ein Schuß damit getroffen hat. golden gespannt. Daß sie mit einer Winde nur mühsam ward gespannt. ein Schwert von solcher Art. Ein Band Von hellem Pelz verbrämte sein ritterlich Gewand. Straff war des Bogens Sehne. ganz mit Perlen und bunten Borten rings bestickt. Am Gürtel sonnenblinkend von rotem Gold ein schönes Horn. Da sah’n sie: An den Sattel gebunden war ein starker Bär. Wie man es selten sehn mag. So breit wie scharf geschmiedet. Als er sich nahte. nahmen ihm Zügel ab und Ger. Sein Hut aus dunklem Zobel zur Jagd zierlich geschmückt. war fein das Pürschgewand. das Kleid. Der Köcher.

die an den Leinen lag. doch fand er keine freie Bahn. Der Bär entsetzlich brummte. wie froh verlaufen war der Tag! Nun säumte man nicht länger mit Bogen und mit Spieß. Und all die guten Speisen fielen in den Aschensand. zur Küche kam das Tier. Der wandte sich zum Walde. Man trug den toten Bären zum Feuer an den Küchenherd. die’s gesehen. Da lobten. Bis von den kühnen Jägern der Bär sich scheuchen ließ. Geheul. Der König laut befahl. Nun aber lud zum Schmause man ein die Jägerschaft. Getos’. Da kamen angerannt Ganz toll vor Wut die Hunde. Welch eine Fülle schöner Gerichte hatten sie zur Wahl! Doch schienen noch zu zögern die Schenken mit dem Wein. Wär nicht dabei gewesen so böse Hinterlist. 958–964 . Der Bär lief vor der Meute und floh den Berg hinan. verstreut lag rings der Brand. Das pflegen durstige Jäger nur selten zu verzeihn. Die Männer wären ledig der Schuld. Siegfrieds gewaltige Kraft. als sie den Bären sah’n. bald hier! Die vollen Kessel stürzten. O wie die Köche liefen! Bald war es dort. Da sprangen auf die Herren. Vorbei war’s mit dem Mahl. die niemand je vergißt. War alles gut gegangen.130 Nun stieg Siegfried vom Pferde und löst’ des Bären Band Vom Maul und von den Tatzen. Auf grünem Anger saßen sie nieder froh zum Mahl. Doch kam vor lauter Hunden kein Jäger recht zu Schuß und Stoß. Die Meute loszulassen. Ihm konnte keiner folgen als nur Kriemhildes Mann. Es hallte in den Bergen von Lärm. Der lief ihn an und traf ihn zu Tode mit dem Schwert. Die Leute schrien ängstlich.

So gut bestellt mit Speisen auch Eure Küche war. Dann hätten wir uns besser gelagert näher an den Rhein. So hab’ ich auch das Weinfaß ans falsche Ziel geschickt. Verlangend nach der Quelle. Da sprach Hagen von Tronje: „Mir wurde angesagt.“ Zu großem Leid und Unheil erwuchs des Tronjers schlimmer Rat. meinen Durst zu löschen. ich hätt’ es wohl verdient!“ Der König rief vom Tische: „Der Fehler wird gesühnt! Verdursten wir. kaum begonnen. Verhüten werd’ ich künftig. die ihm verlockend wies den Trank. Drum hob er. mag ich nicht wieder Jagdgeselle sein! Daß man mich besser pflegte. der König sprach trügerisch es nur zum Schein. Es war die schlimmste Tücke. Die durstigen Männer brachen zur großen Linde auf. daß im Lauf Dem schnellen Siegfried keiner wetteifernd folgen kann. ob er den Ruhm mit Recht gewann. in Eile auf das Mahl.“ Hagen von Tronje sagte: „Nun zürnt mir nicht zu schnell! Es springt ganz in der Nähe ein eiseskühler Quell. so ist es des Tronjers Schuld allein. daß uns wie heut kein Wein erquickt. Da sagte Hagen Tronje: „Man rühmt doch. Doch bringen uns die Schenken nicht einen Tropfen Wein. Siegfried litt arge Drangsal von seines Durstes Qual. Sorgt Ihr nicht besser. ihr edlen Herren. Dahin. die frisch dem Berg entsprang.“ 965–972 (971) .131 Herr Siegfried sprach im Scherze: „Es wundert mich fürwahr. weiß ich den nächsten Pfad. Er soll es heut beweisen. Doch konnte es nicht sein.“ Das Wort war falsch. Zum Spessartwalde ginge an diesem Tag die Jagd.“ Herr Siegfried sprach voll Ärgers: „Seid schön bedankt dafür! An sieben Lasten Rotwein und Met genügten schier Kaum.

wer von uns dreien am schnellsten laufen kann! Und wer. dieses Wort! „Ja. Hing um den Schild. mehr noch!“ rief der Kühne. Er löste seinen Köcher. Der Quell war kalt und lauter. Jetzt beugte sich der König hinunter auf die Flut. Lauft ihr nur vor mir fort!“ Wie lieb war König Gunther. Und als er so getrunken. In weißen Hemden standen sie da zum Lauf bereit. Doch ward ihm dafür schlimmer Dank. im Wettlauf Meister. In allen Dingen war er den Besten stets voran. „im vollen Pürschgewand Will ich den Lauf versuchen!“ Er nahm den Ger zur Hand. Wie wilde Panther rannten sie durch den Klee bergan. Gunther und Hagen warfen Waffen und Kleid beiseit. das Schwert vom Gürtel dann Und lehnte seinen Jagdspeer an einen Lindenast. Wie ihn der Durst auch quälte. eh’ vor ihm nicht König Gunther trank. den Köcher. 973–979 .132 Der Held vom Niederlande erwiderte: „Wohlan! Laßt sehn. daß er völlig gewaffnet und gerüstet stand. erhob er sich vom Grund. er gürtete und band Das Schwert um. Und doch kam Siegfried früher als sie beim Lindenbrunnen an. Das Brunnenrauschen lockte den Durstigen zu Trank und Rast. Nun hätte Siegfried gerne am Quell geletzt den durstigen Mund. Dem sei von uns die Ehre des schnellsten Läufers zuerkannt!“ „Die Wette gilt!“ rief Hagen. Noch trank er nicht. Auf Zucht und höfische Sitte stand Siegfrieds edler Sinn. zuerst die Quelle fand. Er legte Schild und Köcher am Brunnenrande hin. als er es hörte. Doch Siegfried lachte hell: „Ich gebe euch noch Vorsprung! Hier an der gleichen Stell’ Verweil’ ich noch im Grase. das Wasser rein und gut.

980–986 . Vor keinem Menschen war er jemals geflüchtet so. hätt’ er den Todesstreich geführt! Da wankte Hagen rückwärts. die dessen Rand geziert. Auf sprang er wild in letzter Wut. sonst läge Hagen tot im Feld. Der Todeswunde raste und suchte seine Wehr. schwere Ger. Doch als er weder Balmung noch seinen Bogen fand. Das Blut sprang aus der Wunde herauf an Hagens Kleid. Nun konnte ihm nicht länger entrinnen König Gunthers Mann. Ihm mangelte das Schwert nur. Da blieb ihm keine Waffe. Der Schild nur lag zur Hand. Trotz seiner Todeswunde schlug er mit solcher Kraft. Wie vor dem wunden Helden. Indes Siegfried am Brunnen sich trinkend niederließ. er strauchelte und sank. Nie wieder ist ein Held wohl zu solcher schlimmen Tat bereit. Daß fast der Schild in Stücke zerbrach. Das Schwert mitsamt dem Bogen trug Hagen ins Gebüsch. Den Ger an Siegfrieds Herzen ließ stecken er und floh. Im Augenblick wär Hagen sicher nach Verdienst geschehn. In grimmigem Zorne raste der todgetroffene Held. Den Balmung und den Bogen. Von Siegfrieds Schlägen hallte ringsum der Widerklang. Daß er zu Tod getroffen. sich zu rächen. Er rafft’ ihn auf vom Brunnen und rannte Hagen an. Warf Hagen in den Rücken ihm seinen eigenen Spieß.133 Sein ritterlich Benehmen vergalt man mörderisch. das Siegfried trug am Jagdgewand. Doch Siegfried fühlte gut. Sprang dann zurück und faßte den Ger mit fester Hand Und spähte nach dem Zeichen. Hätt’ er sie jetzt gesehn. und aus der Haft Die Edelsteine sprangen. Wie gerne. Ihm ragte aus dem Rücken der lange.

Auch der Burgundenkönig beklagte seinen Tod. Und handelt so am Freunde. Dann sank er in die Blumen. die ihm schufen den tückisch-meuchlerischen Tod: „So habt ihr meine Dienste gedankt! Wie schlecht ihr lohnt! Ein feiger Streich. Die Treugesinnten klagten und trauerten um ihn. Er konnte nicht mehr stehn. Gar viele. Du hättest ihn viel besser verhindert. Gunther. der nichts verbrach. ein Mord war’s. Man sah. Nun er des Todes Zeichen fahl auf den Wangen trug.“ Der grimme Hagen prahlte: „Was soll das Klagen noch! Ist unsere Not und Sorge mit ihm zu Ende doch! Wer wagt uns drum zu strafen? Niemand! Es ist mir lieb. was ihr getan habt an mir. Noch einmal sprach er bitter in letzter Todesnot Zu denen.“ 987–993 . Daß ich in steter Treue an eurer Seite stand. Nur allzu billig habt ihr den Haß an mir bewährt. wie reich der Blutstrom aus seiner Wunde rann. wo man noch Helden ehrt!“ Nun eilten alle Ritter dahin. der immer fröhlich war und kühn. Wie er es wohl verdiente. Dazu bin ich euch nah verwandt! Noch eure Kindeskinder trifft diese ekle Schmach Für das. Daß du am Schaden jammerst. Doch Siegfried sprach im Sterben: „Dir. den du selbst mit verübt. ist nicht not. verfluchten diesen Tag. tief bekümmert. Daß über seinen Hochmut und Herrensinn ich Sieger blieb. Kriemhildes edler Mann.134 Nun blich sein edles Antlitz. Gemieden und geschändet seid ihr. wo Siegfried lag. Ihr alle war’t gewohnt. Er ward von schönen Frauen in späterer Zeit beweint genug. Es schien die Kraft des Leibes in Ohnmacht zu vergehn. als dich jetzt betrübt.

War sie mir doch das Liebste. Darum verschweigen wir es am besten. läg’ ich nicht todesmatt und wund!“ Nun wandte sich an Gunther der todwunde Mann: „Gibt es für dich noch Treue. laß sie dir teuer sein. Nicht lange währte das. Da meinten einige Männer: Es ist ein schlimmes Ding. wie es ging. sprach Siegfried.135 „Leicht mögt Ihr Euch wohl rühmen“. Vergeblich harrt mein Vater. Ich hätte wahrlich Grund. Nun dauert mich auf Erden kein Mensch mehr als mein armes Weib.und jammervoll Verwandte ihn erschlugen. Ich hätte wohl bewahrt mir das Leben und den Leib. 994–1000 . Ist dir ein Mensch noch teuer. dann nimm dich Kriemhilds an. daß es Hagen tat. Kriemhildes edler Mann Sei tückisch überfallen von Räubern auf der Jagd im Tann. Und sagen gleicherweise. Sein Schicksal zu beklagen. wie dir’s zukommt. die deine Schwester ist. Nun rang er mit dem Tode. Dann gingen miteinander sie insgeheim zu Rat. das auf der ganzen Erde mein! Sei brüderlich zu Kriemhild. Und meinen Sohn befehl’ ich in Gottes Hut. Als nun die Ritter sahen. harren die Leute mein. Sei gütig. der glänzte goldenrot. Wie man’s verhehlen könnte zu Hause. und dann starb der Held. Legten sie auf den Schild ihn. wie schmach. Doch größer als Kriemhildes Herzleid wird nie ein anderes sein!“ Die Blumen allenthalben waren vom Blute naß. der edle Mann war tot. Da hatte ihn die Waffe des Todes schon gefällt. da du ein König bist. Hätt’ ich nur ahnen können den meuchlerischen Rat. Man soll Vom Vater ihm erzählen. „dieser Tat. Es kam von seinen Lippen kein Wort mehr.

Mag sie ruhig weinen. Mir ist es gleich.136 Doch Hagen sprach dagegen: „Ich bring’ ihn heim ins Land. – was tut’s! – das achte ich gering!“ 1001 . der Königin verging. Ihr. die sich schwer an Brünnhild. wird Kriemhild auch meine Tat bekannt.

ingrimmiger Rachetat Erzählt das Lied. „ein Toter liegt im Gang. Nie gab es wohl schlimmere Jagd als die. „Geht nicht hinaus!“ so rief er. So sollte er. lange vorm ersten Tageslicht. vom Blut gerötet war das Gewand und feucht. Vernehmt nun.“ Da schrie Kriemhild erschreckt auf mit maßlos wildem Klagelaut. wenn mit den Mädchen sie Zur Messe ginge. In erster Morgenfrüh Sollte Kriemhild ihn finden. Sie weckte ihre Mädchen und rief sie ins Gemach. und wie er     begraben ward Sie harrten bis zum Abend. Es flossen um dies Wild noch viel Tränen tausendfach. Die folgten dem ersten Glockenklang. Im Dunklen querten sie Den breiten Strom. Er sah. Er traf die Frau’n. Sie legte zum Gang die Kleider an. ward Siegfried heimgebracht. Der fand dort von ihrer Tür den toten Mann. 1002–1007 . So ließ ihn Hagen legen vor Kriemhilds Tür in dunkler Nacht. Sie war schon wach. Ein Fremder vielleicht.137 XVII. Erschlagen auf dem Schilde und rot von Blut betaut. Denn selten nur versäumte Kriemhilde diese fromme Pflicht. Auf seinem Schilde ruhend. Der Kämmerer kam. Das Licht in seinen Händen gab einen matten Schein. Von hartem Hohn und heißer. Und mancher gute Kämpfer entgalt es schwer und starb ihm nach. Wie Kriemhild ihren Mann beweinte. wie es ihn deucht’. Licht ward gebracht. Die Münsterglocken klangen wie sonst. Er kannt’ ihn nicht. des schwersten Leids Verkünder sein. In Heimlichkeit geschah es. was Hagen riet und tat. nichts ahnend.

– So lag sie.138 Eh nur ihr Sinn erfaßte. er möge mir nahe sein in meinem Leid. Das Unglück. wie leblos. Da lag in Todesblässe der stolze Held von Niederland. wie er vor Todgefahr Den Helden schützen möchte. Sagt allen! Gebt auch Siegmund. Da schrie sie: „Keine Scharte – seht her! – verrät der Schild. wie wenn ein Licht in Nacht verglüht. Sie sprach: „Siegfried ist es. – dann neu das Herz bedrängt Zu ihrem Weh erwachend. wer jener Tote war. Da sank ihr Glück zusammen. Drang ihr die Frage Hagens. sie hat ihn gleich erkannt.“ Vor seinem Leichnam kniend. stumm. Geraten hat es Brünnhild. – Aber Hagen hat’s getan. es wär’ sein Tod!“ All ihre Frau’n und Mädchen weinten nun und schrie’n Um ihren edlen Herren. erpreßt von grimmer Pein. Und bittet ihn. Wie rot es war vom Blute. daß Brünnhild geweint! In ihrem Jammer sagte Kriemhild: „Aus ihrem Schlaf Weckt schnell die Mannen Siegfrieds. Es war ein böser Plan. Sie schaute schmerzversunken still auf das grause Bild. Das war Hagens Rache! So straft’ er. in Ohnmacht tief versenkt. Von Sinnen. gleich Bescheid.“ 1008–1014 . schrie sie so schmerzensbang. erschütternd ins Gemüt. schön und schweigend. vom Schmerze übermannt. dem Vater. Die Mädchen sagten tröstend: „Es kann ein Fremder sein!“ Ihr sprang das Blut vom Munde. Kein Streich hat ihn zerhauen! Wehrlos traf dich die Not! Ermordet bist du! Wüßt’ ich. das mich traf. Hob sie sein schönes Haupt mit ihrer weißen Hand. Sie wehklagten um ihn Mit ihrer lieben Herrin in Schmerz und Gram vereint. wer es getan. Daß ihres Jammers Stimme klagend das ganze Haus durchdrang.

seid ihr nah! Helft ihr. 1022) . wie Kriemhild schluchzt und weint. bis man das Wehgeschrei vernahm. da wir doch hier unter guten Freunden sind?“ 1015–1023 (1016. rief hundert von seinen Rittern her. Wie ihre Frauen klagen um ihres Herren Tod. sag’s geschwind mir. In blinden Wüten griffen sie wild nach ihrer Wehr. wo Jammer erscholl und Wehgeschrei. da Euch das gleiche. Siegmund nahm schmerzbewältigt in Trauer Kriemhilds Hand: „Verflucht sei diese Reise. der nach dem Hause lief. Siegfrieds Gefolgschaft eilte mit tausend Männern auch herbei.“ Da preßte jäher Schrecken des Vaters Herz zu heißer Not. Wie überfiel die Nachricht sie jäh mit Schreck und Gram! Sie wollten es nicht glauben. schrecklich. in Bosheit sich vermaß? Ob’s wahr ist. Er sprang vom Bett. wenn es dein Mund vermag. dann hört nur. die uns gebracht ins Land! Wer hat’s getan. Sie bittet. Des. wie keins bisher. Und kummerschwer für Kriemhild. Herr Siegmund! Die Herrin schickt mich her. unseliger Ahnung voll: „Welch Leid und welches Unheil? Sag. ob’s auch unfaßbar scheint! Glaubt Ihr mir nicht. Wo noch die treue Mannschaft der Nibelungen schlief. den Gatten dir Armen. Ein Unheil ist geschehen. Hin liefen sie. „Erwacht! Steht auf.“ Da sprach Herr Siegmund zornig: „Ist das ein übler Spaß. Beweinen müßt’ ich Siegfried dann bis an meinen letzten Tag!“ „Es ist die volle Wahrheit. mir mein Kind Durch Mord geraubt.139 Ein Bote ward beschieden. einer mich zu schrecken. furchtbare Herzeleid geschah!“ Siegmund saß auf im Bette. was ich hören soll!“ Es jammerte in Tranen der Bote: „In der Nacht – Dürft’ ich es doch verschweigen! – ward Siegfried tot ins Haus gebracht.

Mit Schwertern und mit Schilden. unschlüssig. 1031) . entschlossen offenbar. Dann ward er aufgebahrt. War’s Gunther mit den Seinen. Es wurde nun entkleidet des Helden schöner Leib. 1025–1032 (1024. Zu sühnen ihres Königs heimlichen Meuchelmord. wuterfüllt. Ja.140 Den Sohn umfing der Vater. Kein Wort gab’s. Bekümmerte die Herzen und hallte dumpf durch jedes Haus. Der Freunde Klage drang Durch Saal und Halle. So wehrte sie und bat Und warnte. um Haupt und Nacken schlang Zum Abschied er die Hände. die Treuen wollten’s doch nicht tun. den Herren von Burgund. Zu lösen mit dem Tode des Mörders das beschworene Wort. das zu trösten vermochte Siegfrieds Weib. weilt sicher verborgen im Palast!“ Sie eilten. Elfhundert kehrten wieder. Mit denen Siegfried gestern zur Jagd geritten war? Die Waffen all der Männer ward Kriemhild voller Angst gewahr. weiter. Da bat. sich zu waffnen und stürmten fort in wilder Hast. Die Nibelungen hoben die Hand zu einem Eid: „Wir rächen unseren König! Wir rächen Kriemhilds Leid! Der es getan. Stand ihr doch schon vor Augen der Nibelungen Tod Im Kampf mit den Burgunden. die Waffen sollten ruhn. Man wusch ihm seine Wunde. Nach Kampf und Blut verlangend. Noch standen sie. Herrn Siegmunds ganze Schar. beschwor Kriemhild. Wie sehr sie litt vom Kummer und ihrer eigenen Not. Noch einmal standen weinend die Seinen rings um ihn geschart. sie gebot am Ende. war ihnen doch nicht kund. wie ein Freund wohl dem Freunde hilft mit gutem Rat Doch hoben sie die Schilde im Trotze. ja in die Stadt hinaus. Doch ob sie droht’ und flehte.

wie es Pflicht. Mit seinen Herrn und Mannen. Sie fühlten mit im stillen der Herrin unermeßlich Leid. wo meine Rache ihn vergißt. Mit ihren Frauen standen die Bürger weit und breit. Denn überlegen sind Die Kräfte der Burgunden. Fügt es sich einst. bleibt und schweiget. wodurch Siegfried schuldlos solch Ende nahm. Den Leichnam ihres Fürsten. der vielen Pfaffen Sang. bis endlich der Rache Tag anbricht. Mit Spangen. Ich rate ab vom Streite. Man hieß die Schmiede fügen in Eile einen Sarg Von Silber und von Golde. Weithin war schon die Kunde gedrungen. wollen mit Eurer Hilfe wir In seinen Sarg einbetten meinen lieben Mann!“ Auf diese Worte nahmen sie ihren Rat gehorsam an. Dann seid gewiß. In Trauer weinend ging Manch einer mit. ganz wie ein König ruht. den Toten zu ehren. Das nächtig trübe Dunkel zerfloß beim ersten Strahl. wer Siegfrieds Mörder ist. kein Tag geht. Wenn Euer Kampf beginnt. Doch bei der Arbeit war es den Leuten schwer und trüb zumut. Mancher kam. Auch Gunther kam. Sobald es Tag wird. Auch Hagen fehlte dabei nicht. Sie trugen in das Münster. leistet nur heute erst Verzicht Und schiebt es auf. wie Kriemhild es befahl. des Treue noch innig an dem Toten hing. 1033–1040 .141 Sie sprach: „Herr Siegmund. Zu wissen. Dann trifft ein Mann der Euren auf dreißig! Gott allein Wird ihnen nach Verdienste vergelten und ihr Richter sein! Ich bitt’ Euch. und duldet still mit mir. und weiß ich. glutgehärtet. Dem Zuge schwoll entgegen der düstere Trauerklang Der tiefen Münsterglocken. stahlfest und eichenstark.

weh dieser großen Not. Der mag hier vor den Leuten an seine Bahre gehn! Heran soll jeder treten! Dann wird man schnell die Wahrheit sehn!“ Ein Wunder nämlich gibt es.142 Er sagte: „Liebe Schwester. wenn ich ihn nur erwecken könnt’!“ Sie wehrten sich mit Leugnen. Gunther und Hagen –.“ Da sprach im Zorne Kriemhild: „Du hast dazu gar keinen Grund! Wär’s nicht dein Wunsch gewesen. beklagt ihn unser Mund. ich stürbe. es war eure Mörderhand! Doch Gott wird es einst fügen. Wir woll’n. uns allen. Die nicht nur dir. gerächt wird dieses Blut!“ Da brausten Siegfrieds Ritter von neuem auf in heller Wut. Doch Kriemhild wehrte ihnen: „Laßt eure Rache ruhn!“ Zur Schwester kamen Giselher und Gernot nun: „Nimm Trost an! Tot ist Siegfried. die Räuber erschlugen ihn im dunklen Tann!“ „Mir sind die Räuber“. beschied Verlust und Tod! Ewig beweint das Auge. Es wollte sein Geschick. Da wuchs noch die Trauer und die Not. Wie’s gestern floß. dann sieht Man frisch die Wunde fließen. ersetzen dein verlorenes Glück. Als von dem lieben Manne ihr grausam mich getrennt. wollte Gott. sagte Kriemhilde. Er trat hin an die Bahre. Der König Gunther aber trat hin vor seinen Mann: „Nicht Hagen war’s. Das Blut floß reich und rot. er lebte! Nimmermehr Wär diese Tat geschehen! Mein dachtet ihr nicht mehr. So ward auch Hagens Schuld hier vor aller Augen offenbar. Doch Kriemhild stand und sprach: „Beweist es! Wer unschuldig und rein von Schuld und Schmach. wie es noch oft geschieht: Wenn unbekannt ein Mörder dem Opfer naht. so lang wir leben. „gut bekannt.“ 1041–1049 (1048) . Ach. und wer der Täter war.

traten still herein. mit Siegfried vereinte mich der Tod! Das war ein Trost! Zu Ende war dann der armen Kriemhild Not. Der Glocke Schlag Verriet. Die ihn geliebt im Leben. Sie hüllte seine Glieder in weiche Seide ein. Ach. wollte Gott. Und dennoch sollt ihr allen. Dem gab man Geld zum Opfer in seine Kinderhand. Drei Tage und drei Nächte laßt mir den lieben Mann. mir und dem Toten hold. Der Sarg ward nun am Mittag im Münster aufgestellt. sieht ungern. das Volk zerstreute sich. argwöhnisch mancher Mann. Laut weinend wehrte Kriemhild. Laßt mich zur Nacht nicht einsam. Da Siegfrieds Heil den Freunden in treuem Sinn und Herzen lag. daß man Siegfried schon jetzt begrub. Daß ich mich seiner Nähe zum Trost ersättigen kann.“ 1050–1056 . Da draußen drängte murmelnd das Volk. Dem Toten bin ich nah. Hinein von seiner Bahre man sanft den Leichnam hub. Liegt auch mit ihm im Sarge all meine Lebensfreude da.“ Kein Kind so klein. daß nun im Sarge der edle Tote lag. die Herzen alle voller Gram. Um Siegfrieds Seele willen austeilen reichlich Gut und Gold. Die Glockentöne schwiegen. War doch geliebt von vielen. In Tränen ganz zerflossen auch Mutter Ute kam Begleitet von den Frauen.143 Doch gab es keinen Trost mehr für Kriemhild auf der Welt. Kriemhild sprach zu den Freunden: „Bei Siegfried bleibe ich. wenn’s eben des Opfers Sinn verstand. von seinen Feinden selbst der Held. Die arme Kriemhild sandte und wies die Kämmerer an: „Wie man mich liebt. Zum Heile seiner Seele floß reiches Messegeld. Man sang wohl hundert Messen an diesem Trauertag.

Eh im Geleit des Sarges der Zug zum Grabe kam. Als Wache seine Ritter bei ihrem Herrn zum letzten Mal. Da er doch einst im Leben ihr einziger Gedanke war. Für Seelenmessen alles zu opfern. Die sollten Ursach’ sein. so leidbeladen und jeden Wunsches bar. die es wollten. Verschmähten Trank und Speise und Ruh. Siegfrieds Bild und Gedächtnis zu wahren Jahr für Jahr.144 Die Bürger gingen heimwärts. wie es die Pflicht befahl. Daß sie wie sinnverloren ohnmächtig niedersank. Und ihre Frauen halfen der Armen. Gebefroh Wohl tausend Mark an Golde und mehr noch spendete man so. Die Armen nahmen reiche Geschenke in Empfang. was ihr als Nibelungentreue preist! 1057–1067 (1063–1065) . Man lief und holte Wasser. ein letztes Mal erweist Der Gattin Siegfrieds. – Ein Wunder fast – als sei ihr die alte Kraft verliehn: „Ihr Nibelungenhelden. An Siegfrieds Sarge standen. erlagen sie doch fast der Not. Stand Kriemhild machtlos ringend mit ihrem tiefen Gram. Drei volle Tage tönte durchs Münster der Gesang. Den Klöstern schenkte Kriemhild fruchtbare Länderei’n. zu trinken reichlich bot Er allen. Doch es schien. benetzte Stirne ihr und Wang’. Am dritten Tag zur Messe in aller Morgenfrüh Durch weite Münsterhallen zum Kirchhof trugen sie Den schweren Sarg. die Geistlichen sich mühn. Mit Beten und mit Knien Sah man die frommen Mönche. Den Armen Gold und Kleider. Doch Siegmund kam. – so trostlos war Ihr Herz. Und wieder stieg neu das heiße Leid In alle Augen. Zu essen. Jammer war überall und Traurigkeit.

als ströme in Tränen aus ihr letztes Blut. Siegfried lag nun im Grabe. das bleiche.145 Laßt eine kleine Freude mir Armen noch geschehn. Man stützte sie im Gehen. flehte und jammerte danach. sie taumelte und sank. der trauernd vergaß drei Tage lang. Sie hob das Haupt. mit ihrer weißen Hand Und küßte es. vom Leid zum Sterben krank. bis nah sie vor ihm stand. Daß man den Sarg am Ende noch einmal aus den Fugen brach. Manch einen gab’s. unfroh des Lebens. verwaist. Laßt Siegfrieds schönes Antlitz mich nur noch einmal sehn!“ So lange bat sie. Doch die so froh gereist. Ihr dunkelten die Sinne. der einst ihr Schützer war! Auch Siegmund war im Alter der letzten einzigen Freude bar. So traurig war am Ende der Abschied Siegfrieds von Kriemhild. als nähme sie es in sanfte Hut. So lag die schöne Königin. Die Nibelungen standen nun führerlos. Doch dann verlangten alle – so geht’s auch heute noch – Nach guter Speise. Da trug man sie beiseite – ein blasses Leidensbild –. Von Leid befangen. Speis’ und Trank. Dann weinte sie. Verloren und begraben. Lockt uns das Leben immer wieder doch! 1068–1072 .

Verbleiben dir.“ Die Knechte. Da uns hier in Burgunden der Haß das Schlimmste tat. war er das Liebste doch auf Erden mir. War ihnen doch das Leben im Lande hier seit langem leid. Mach dich bereit zur Fahrt. Die Siegfried dir vor Zeiten als Königin zugedacht. Du sollst auch aller Herrschaft genießen und der Macht. Sie weigerte sich zornig und sprach: „Wie könnte das wohl sein! Wie möchte ich mit Augen den sehen. froh der Kunde. Das Land und auch die Krone. Die Frauen und die Mädchen verpackten Schmuck und Kleid. ich rechne fest Auf deine Treue. dein eigen ungestört. Will ich für dich besorgt sein und doppelt gut zu dir Um Siegfrieds willen. Der Abschied kam. Da drängten die Verwandten und baten Kriemhild sehr. Sie möchte nicht die Mutter verlassen hier am Rhein. vom Schwerte der Nibelungen gut bewehrt. daß du die Mutter nicht im Stiche läßt.146 XVIII. Wie Siegmund wieder nach Hause ritt Siegmund beschloß zur Rückkehr die Fahrt nach Niederland Und sprach zu Kriemhild: „Heimwärts ist längst mein Herz gewandt Unliebe Gäste sind wir. der so roh Mir armen Weib das Schlimmste getan! Nie wär’ ich froh!“ Der junge Giselher sprach: „Schwester. Du deinen Mann verlorest durch Untreu und Verrat. Die Kammern. Daheim bei uns in Xanten bist du vor jeder Not bewahrt. – ging’s endlich doch nach Haus! – Zogen schnell die Pferde aus Stall und Hof heraus. 1073–1078 . die Ställe wurden leer.

Bei euch im fernen Land Wär ich stets eine Fremde. froh ihrer Fahrt ins Heimatland. deren Feindschaft dich tödlich hat gekränkt. Bedarfst du nicht.“ Sie wehrte: „Nein. Erwartungsvoll die Leute. das wär’ mir not!“ Mit Giselher bat Gernot sie innig ebenfalls. „So ertrag Dein schweres Leid. liebe Schwester. Für jeden kommt ja ein letzter Tag! Wir alle müssen sterben. flehten inständig: „Bleib im Land! Dort hast du wenige Menschen. die lieb dir sind und nah verwandt. Bleib hier bei uns! Dein Bruder Giselher bin ich Und schaff dir Glück. Die Kriemhild liebten. davor behüt’ ich dich. obwohl dir die liebste Freude tot. Auf Saumtiere gepackt war schon Rüstung und Gewand.“ „Sie sind dir alle fremd dort!“ sprach Gernot.“ „Vertrau mir. Als daß ich jemals wieder in Hagens kalte Augen säh. So zögere denn nicht länger! Denn jeder Augenblick. Und bitter weinte Ute an ihrer Tochter Hals. Nun kam Siegmund zu Kriemhild und mahnte: „Es ist Zeit! Die Nibelungen stehen mit Mann und Roß bereit.147 Denn jener. ich kann nicht! Gewiß ich stürbe eh.“ Da sprach die Gottverlassene in Tränen: „Ach. ist mir doch keiner dort verwandt. Den ich noch hier verweile. das ist auch dir geschenkt.“ 1079–1085 . Was mein ist. So tröste dich und geh Nicht von uns fort! Bist du uns doch doppelt lieb in deinem Weh!“ Da Giselher zuliebe sprach sie: „Ich bleibe hier!“ – – Längst standen ungeduldig die Rosse vor der Tür. daß ich dem Drangen wich Und mich entschloß zu bleiben. mahnt mich an mein verlorenes Glück!“ Da mußte sie es sagen: „Inständig baten mich Die mir im Blut die nächsten.

Kehr mit zurück. Nicht büßen. Wird keinem Könige wieder und seinem Volk geschehn. das arme. wartet dein. und wie unstillbar sein Verlust und Gram! „Fluch diesem bösen Feste. – ist’s doch noch klein – Laßt eurer Lieb und Treue Siegfrieds Söhnlein empfohlen sein!“ Im Aug’ die Tränen. Dies bitt’ ich euch zuletzt noch: Mein Kind.148 Siegmund versetzte bittend: „Mich schmerzt dein hartes Wort. Siegmund auch fühlte jetzt erst. in Ehren sollst du dort Die Macht und Herrschaft üben. wie sie uns hier geriet. hier zu bleiben. dem eines Trost nur bringt. Laß es so früh nicht einsam. Sie klagten bitter: „Nun erst ist unser Unglück voll. Gab’s eine Fahrt. Euch keiner wiedersieht. Sorg’ ich. laßt mich! Denn übermäßig zwingt Mein Herz mich. die schlimmer als diese Unglücksfahrt geriet?“ „So reist mit Gott! Und daß ihr in gutem Schutze seid. daß die Deinen nicht meinen lieben Sohn verschont. Und mich die Meinen trösten. dann leuchtet jeder Tag Dir in dein Herz und Auge und schenkt dir neuen Glücks Ertrag!“ Sie sprach: „Herr Siegmund. Verwanden sie im stillen ihr Abschiedsweh doch nicht. wie du es sonst gewohnt. Uns soll man nimmer wieder hier im Burgundenlande sehn!“ 1086–1092 . So üble Lust und Kurzweil.“ – Die Männer hörten’s ungern an. für ritterlich Geleit. bargen die Männer ihr Gesicht. Dein Kindlein. bleibt Ihr bei den Feinden. euch zu behüten. zu dem man uns beschied. Wenn ich an Siegfrieds Grabe verweilend weinen kann. als es zur Trennung kam. Wie lieb ihm Kriemhild. Wenn unser Land die Königin für immer missen soll Und. Die Krone soll dir bleiben. verwaist bei Fremden sein! Siehst du es fröhlich wachsen.

Sie soll’n es wissen: Kennen wir ihn dereinst. Nur ungern hätte Giselher sich ohne Gruß getrennt. Auch war uns unbekannt. der ewig um ihn weint. die sich vom Feinde Weg und Pfad Erzwänge. Die Rache an dem Mörder des lieben. Verschmähten das Geleite. Gernot. Der war ihr getreu und immer gut und lieb.“ Nun stiegen sie zu Rosse und reihten sich im Zug. wir kommen gern!“ Fest stand – das sah nun Siegmund – der traurige Entschluß. wenn’s drauf ankäm’. das sie freute. wir holten unser Recht. Auch Gernot kam. toten Herrn. Ein Gruß noch. Zu zeigen. zu sagen weiß ich nicht. daß trotz allem die alte Freundschaft noch bestand. was Leid und Kummer sind. ein Druck der Hand. War ihm doch niemand feind! So bleibt uns nur die Trauer. nahm König Siegmunds Hand: „Gott weiß.149 Doch drohend vor den Leuten laut riefen Mann und Knecht: „Einmal könnt’ es geschehen. ein Wort. Als Giselher. mit rascher Nibelungentat! Kein Abschied ward dem stolzen burgundischen Herrn vergönnt. Daß Siegfried sterben sollte.“ Der junge Giselher ritt mit an Siegmunds Seit Zu Schutz und Ehr’. fremd war uns Feindschaft. 1093–1099 . Nie trockneten die Tränen in Kriemhilds Angesicht. Wo nach der trüben Ankunft die sorgenschwerste Not entstand. Ja. der Schmerz. Umfangen hielt er Kriemhild zu einem letzten Kuß: „Nun habe ich erfahren. im Drang zu trösten. war doch Geleit genug Die eigene Kühnheit. Wie’s weiter ging in Xanten. Nichts gab es. willig gab er das Ehrgeleit Dem Könige mit den Männern bis hin nach Niederland. Nach Hause ohne Tochter reit’ ich und ohne Sohn und Kind. – Kein anderer Trost verblieb.

das Kriemhild ihr schaffen sollte. kam die Zeit. Zu keinem guten Worte. 1100 .150 Die schöne Brünnhild thronte im alten Stolz und Prunk. lieblos sah sie Kriemhilds Erniedrigung. Gleichgültig. Auch für ihr Leid. zu keinem Trost bereit.

“ Drauf Gunther: „Meine Brüder verstehn sich gut mit ihr. ihren Todfeind. Recht königlich geräumig und stattlich sah es aus. Daß Ihr Kriemhildes Starrsinn erweicht. Gern ging sie in die Kirche.“  [glückt. Auch Hagen. der edlen Witwe Siegfrieds. So lebte. Und ihre Tränen rannen und rannen Jahr und Tag. Wie der Nibelungenhort nach Worms kam Kriemhild. Daß sie. nach ihrem Horte schickt. Indes für seine Seele sie flehend im Gebete lag. weil sie darin am liebsten war. Die sollten es versuchen. der ihr steter. Dort stand sie. All ihr Sinnen ging still zu ihm hinab. Es war kein Tag. So saß er gern Bei ihr und sprach von Siegfried. Dann sorgen die dafür. von seinem lieben. Am Dom zu Worms erbaute man ihr ein Witwenhaus. daß der Plan uns 1101–1108 (1104/05) . Auch seine Mannen hielten zu ihr. Ins Land heimbringen könnten wir Siegfrieds Nibelungengold.151 XIX. toten Herrn. Hier saß sie mit den Frauen.“ Doch Hagen sprach im Zweifel: „Ich glaub’ nicht. doch aller Freude bar. stand Eckewart Zur Seite. der Kriemhild nicht fand an Siegfrieds Grab. getreuer Helfer ward. Indes sie Gunther niemals das kleinste Wörtchen lieh. Doch eines Tags sprach Hagen: „Sollt’ es nicht besser sein. Euch zu verzeihn? Wir könnten viel gewinnen. Nach ihres Mannes Tode sie dreieinhalbes Jahr. sich uns versöhnend. nah dem Grabe und nahe dem Altar. wär sie uns wieder hold. sah sie in diesen Jahren nie.

Schwester. für sich allein Vom Nibelungenlande herholen lassen an den Rhein. Vergeben kann ich nimmer. Niemals jedoch dem Tronjer. die hier zustande kam Mit Schmerz und vielen Tränen? Kriemhild in ihrem Gram Blieb unversöhnt dem Einen. Vertrauend tat ich’s.“ Da flehte Giselher: „Nimm meinen Vorschlag freundlich an! Ich will dem König sagen. Sein Anblick hätte sie allzu tief verletzt. Seiner Mörderwaffe hätt’ ich niemals den Weg gebahnt. nie wäre jene Tat verübt. dazu verstand sie sich. der Siegfried schlug. sagte Kriemhild. Der ihr als Morgengabe verliehn. was sie mir angetan.152 Zu Kriemhild kamen Ortwin mit Gere. gewährte sie zuletzt. Sie hätte freundschaftlich Auch ihm verziehn. Ihm Gruß und Blick zu schenken. Er wäre ihr ohne Scheu genaht. bin schuldig des Verrats. Mit ewigen Tränen büß’ ich dafür. Nur Hagen nicht. die Gattin Siegfrieds. Dieser sagte: „Soll. der sie zu Tod betrübt. Giselher Und Gernot. Daß er durch mein Verschulden so Leben ließ und Leib. den Nibelungenhort. Unüberwindbar aber stand zwischen ihnen Hagens Tat. Wär dir das nicht genug?“ „Des zeiht ihn niemand“. Hätt’ ich je seinen Haß geahnt. „denn Hagen tat’s! Und ich. Wär Hagen nicht gewesen. Beweisen vor dem Richter will er’s. War’s ehrliche Versöhnung. nimmermehr Die Klage enden? Gunther war’s nicht. ich armes Weib. Sie solle ihre Schätze. 1109–1116 . empfangen wolltest du Den Bruder mit den Freunden. Sich Gunther zu versöhnen. Nicht lang danach beriet man Kriemhild mit klugem Wort.“ – Sie nickte stumm dazu.

Damit nach Haus zu segeln in langer Bergfahrt auf dem Rhein. Die klugen Burgunden säumten nicht. – ein Wunder ist es fast. Der seit uralten Zeiten schlief in des Berges Nacht. Doch ward nichts draus. Wie’s mit dem Hort beschaffen. denn er war Kriemhild als Morgengabe bestimmt vor manchem Tag und Jahr. Wenn einer mit dem Schatze die Welt bezahlen wollt’. verwahrte am geheimen Platz. bis schließlich er entschied: „Wir dürfen ihr den Hort nicht versagen. Den Alberich. Dreimal ein jeder zwischen dem Berg und Schiffe hin und her. hoch beladen mit übervoller Last.153 Vertrauensvoll erließ auch Kriemhild das Gebot Und sandte ihre Brüder. Kaum eine Mark an Werte bedeutete der Schwund. War Hagen danach gierig. er war’s nicht ohne Grund. So hat nur schweres Unheil der Zauber ihm gebracht. Die Zauberhülle ist es. da beriet Sich Alberich mit den Freunden. unseren Gebieter. treu im Dienste. Nur eines davon verloren wir. Als die vom Rhein die Schätze verlangten. – wahrlich. schwer. denn er trug Sie viele Male. 1117–1123 . Verborgene Kräfte. Vier Tage und vier Nächte hin rollten langsam. bis man Kriemhildes lieben Mann erschlug. die Tarnkappe. Stärke und Reichtum. Aus hohlem Berg ans Licht Hob man den Schatz.“ Der Kämmerer nahm den Schlüssel. Die Kostbarkeiten schafften sie in das Schiff hinein. mit ihr Den kühnen Siegfried. Giselher. – doch er starb daran. Zwölf Wagen. Gernot Mit vielen hundert Mannen zur Suche nach dem Schatz. Und alles war nur edles Gestein und gelbes Gold. Die Nibelungenlande gewann der kühne Mann.

„Geht’s weiter so. Zahllose Kammern. „auch die Schuld sei mein!“ 1124–1131 . Zu lohnen und zu werben. Ein Schatz. ja Türme füllte man damit. Doch Gunther wies zurück ihn: „Da ihr der Schatz gehört. Zu schenken und zu spenden nach gütiger Frauenart. oft ersehnt. Und sie ist meine Schwester! Der Eid soll heilig sein!“ – „Mein ist die Sorge“. Gewinnt als Herr und Meister die größte Macht und Kraft der Welt. Wie’s ihr beliebt. was sie mit ihrem Golde tut.“ Hagen riet dem Könige: „Es sollt’ ein kluger Mann Verwehren einem Weibe. daß sie verschwenden kann. bis uns ein schlimmer Tag – Zu spät kam dann die Reue! – verrät. Ich tat ihr niemals wieder das allerkleinste Leid. – Vor Kriemhild lag er strahlend. Daß sie – galt ihm die Absicht? – gar manchen Mann damit gewann. sagte der Tronjer. ob einer reich war. was ihr im Sinne lag. Kann ich es nicht verhindern. Auf ihren Schiffen führten den Hort sie nach Burgund. Schreine. sah er mißtrauisch doch mit an. Sie hätt’ in leeren Händen am letzten Ende nichts bewahrt.154 Da war das Zauberstäbchen von Gold. Noch kaum versöhnt und gut Mit ihr. – Kriemhild war nur bedacht.“ Da sprach der König Gunther: „Ich schwur ihr einen Eid. was sie verschenkt. Sie gab. Hätt’ Siegfried auch gelebt noch. Doch war der ganze Hort auch an Wert vertausendfacht. Wer diesen Schatz erhält. gewinnt sie mit dem. So bleib ihr unverwehrt. Die Wünschelrute ist es. der den Vergleich wohl mit keinem anderen litt.“ So sagte Hagen. das. ob arm und notbedrängt. farbenbunt. Den kühnsten Traum des Menschen schnell mit Erfüllung krönt. lichtblitzend. zu schenken. soll’s mich nicht kümmern.

wär’ er mir nicht verwandt. sah er auf Kriemhilds Gold und Macht. 1132–1138 . Und Giselher sprach drohend: „So viel und schweres Leid Hat Kriemhild nun gelitten. Eh Gunther noch zurück war. mir schwant. Da klagte Kriemhild. der heimlich die Schlüssel an sich riß. entwandt. mein Leib.“ So kam’s. der reiche Schatz. doch hielten sie nicht stand. Als jene von der Reise nach Hause heimgekehrt. ließ er den ganzen Hort Heimlich aus Worms entführen. wie immer hilfsbereit. dann sorg’ ich treu für dich!“ Mit Freunden und Verwandten. Ich bitte dich innig. Wo er den Schatz im Rheine versenkte. Mißtrauisch. Hagen war’s. – Vergeblich zwar – ihm nütze das Gold wohl eines Tages noch. eh wir uns drum entzwei’n. mein Gut Sind in Gefahr. Böses witternd. Hofft’ er doch. War doch sein Grimm erwacht. Sie bat: „Viellieber Bruder. daß nie die Träne aus Kriemhilds Leidensantlitz schwand. hüt mich gut!“ Da sprach er zu der Schwester: „Rechne du fest auf mich! Wir reiten fort. Es wäre endlich Zeit. Gernot schlug vor: „Wir sollten. alles. Knechten ritt Der König in die Weite. mit Knappen. Der Witwe ward ihr Erbe. Ob Gernot ihm auch wehrte in zorniger Bekümmernis. Das verfluchte Gold versenken in den Rhein. Nur Hagen ritt nicht mit.155 Geschworen waren Eide. Sei ihr geraubt von Hagen. Und brüderlich stand Giselher ihr bei. was ihr bisher gehört. Von Furcht und Haß gefesselt. von Sorg’ und Angst beschwert. Lochheim heißt der Ort. Ich ginge ihm zu Leibe.“ Zu Giselher kam klagend Kriemhild. – Den Königen war es leid. Wo’s stumm und arglos keinem auf Erden angehört. und sind wir zurück.

1139–1142 . „ist geschehn. da keiner je den Platz erfuhr. Nur Kriemhilds Haß ging wuchernd reich auf wie eine böse Saat Eh noch der Schatz versenkt ward. kein Trost im Kummer mehr. So ward mit neuem Leiden Kriemhilds Gemüt beschwert. Man schwieg. Er ward niemals gehoben. so lang einer der Brüder lebte nur.156 „Ein schlimmer Streich!“ so sagten die Brüder. daß sie die Stelle nie Verrieten. hatten vertraulich sie Mit heiligem Eid geschworen. Dahin die reichen Güter. Das sich an seiner Klage nun bis zum Ende nährt. Bis aller Zorn verraucht war.“ Hagen entwich und ließ sich so lange nicht mehr sehn. So blieb durch dreizehn Jahre ihr Leben arm und freudenleer. man litt die Tat.

“ Die Freunde widersprachen: „Herr Etzel. Sind ihre Brüder. der solltet Ihr Eure Krone anvertraun. Und wer mag dort der Lande und Leute kundig sein?“ Da meldete sich Rüdeger. Wenn sie sich mir verlobte. wie sie das Volk begehrt? Gleicht sie dem Wunschbild.“ „Nun gut“. ich sah sie. der junge Giselher. ein Kind noch.“ Da fragte König Etzel: „Wer war jemals am Rhein. schon vor vielen Jahren. Da fiel der Freunde Wahl Auf Kriemhild von Burgund: „Wollt Ihr von allen Frau’n Die Edelste. „ist Kriemhild Euch so wert. während Kriemhild doch eine Christin ist.157 XX. Wir sollten es versuchen. An stolzer Mannestugend. Wie Ihr ein Weib begehrt. So reich an Frauenschönheit. wie es die Freunde hier gehegt. seid Ihr auch kein Christ. sprach König Etzel.“ Bedenklich sprach der König: „Das wäre wunderlich. Alles an königlicher Ehr’. Ist sie als Königin würdig. Wie König Etzel um Kriemhild werben ließ Es war dem König Etzel Frau Helche. was je gepriesen ward. Als Ahnenerbe wahren sie es noch in der Gegenwart. Liebt doch die Frau den reichen und hochberühmten Mann. Vielleicht nimmt Kriemhild dennoch Eure Bewerbung an. als Gattin schön und liebenswert. Gernot und König Gunther. der Herr von Bechelaren: „Die Königin. denn ungetauft bin ich. Daß sie einst meine Krone würdig auf ihrem Haupte trägt?“ 1143–1149 . sein Gemahl In jener Zeit gestorben. Ein Heide.

und Reisegeld. Doch fröhlich sollt ihr leben. Weit ist der Weg. erhält. Am Tage. vor Drangsal. wie nur ein König ihn verleiht und fügt. 1150–1157 . daß Ihr ein mächtiger König seid. einst pracht.und glanzgewohnt An Siegfrieds Seite lange als Königin gethront. gilt es doch eine Werbefahrt!“ Abwehrend sagte Rüdeger: „Das schiene mir nicht gut. Auf Erden gibt es keine schönere Königin. was mein eigen. Ein Zauber strahlt aus Haltung und Gang ihr und Gesicht. sagte der Markgraf. Ein Mann war er. Gefahren nicht bewahrt. dem schenkt sie des Lebens köstlichsten Gewinn. Daß ihr in Worms in Ehren besteht. Daß jeder Kleider. „Roß und Kleid Soll’n draußen weisen. wo als Weib sie an meinem Herzen liegt. Fünfhundert Männer stünden als Ehrgeleit uns an Zum Zeichen. weil Kriemhild.“ „Gewand und Waffen“. Und überreich an Ehren. Ihm glich wohl keiner in der Welt. nun gut! Fahrt glücklich. Dich soll einst. Und wen sie liebt.“ Der König sagte: „Nimmst du von mir nichts an. Verlangt’ ich für die Reise von dir noch Geld und Gut. Kam alles. und Gott nehme in Gnade euch und Hut. Doch wahrlich! Frau Kriemhild weicht ihr nicht. und – will’s das Glück – Bringt von der schönen Kriemhild mir günstige Kunde mit zurück. Ein Dank belohnen. doch nur aus deiner Hand! Auf meine Kosten fahr’ ich für dich in das Burgundenland. daß kein König in größerem Glanz erscheinen kann. gewinnst du Kriemhild mir. Auch deshalb schon. Aus meiner Kammer nimm dir das Zehr.158 „Helche war schön.“ „Dann wirb für mich!“ sprach Etzel. ein Held. Rosse und was du willst. Du hast ihn hier gesehen. „bin ich seit langem dir Ja lieb und wert.

versahen reichlich ihn Mit Waffen und Gewändern. Er hegt die frohe Hoffnung. Als sie mit ihrem Manne in stiller Nacht allein. Auf ihren lieben Mann Sah Gotelind. daß sie mit ihm den Thron besteigt. Er säh’ von Herzen gern. liebe Frau“. Da fragte sie: „Wozu soll die weite Reise sein? Mit welchem Auftrag hat dich der König ausgesandt?“ „Hör. In Bechelaren harrte des Gatten Gotelind Und auch die junge Gräfin. Bereit stand Roß und Mann. all ihr Herrn!“ Mit Dank und Gegengrüßen erwiderten sie gern Der jungen Gräfin Worte. sein einziges liebes Kind In ihrem Kreis von Jungfrau’n. 1164) . Man war am Ort. Dort soll ein Weib ich werben für Etzel. So trat zu Etzels Freude Herr Rüdeger die Reise an. Wohin er reisen wollte. nach all der Reisemüh Bei ihm Quartier zu nehmen. und Rüdeger als guter Wirt bat sie. „wir reiten ins Burgundenland. Vernahm in Schmerz und Trauer die Kunde von der Fahrt. Am siebenten Tag kam Rüdeger von Ungarn bis nach Wien. Manch sehnlich weiter Blick Ging fernhin voller Freude auf nahes Wiedersehensglück. Was Rüdegers Absicht war. das ward Gotelinde bald gewahr. meinen Herrn. Saumrosse. Wär Kriemhild seiner Werbung und seinem Wunsch geneigt. entsend’ ich Botschaft. Denn Helche liegt im Grabe. reich bepackte. Vater! Willkommen. indessen beglückt ihr Töchterchen begann: „Sei uns willkommen. Mein Weib. sprach Rüdeger. Die ihn begleitet hatten.“ 1159–1169 (1158. Hatte sie doch Helches Bild und Gedächtnis stets bewahrt. treu gesinnt.“ – Die Gattin.159 Laßt vierundzwanzig Tage uns noch! An Gotelind.

umstrahlt von Glanz und Waffenpracht.“ 1170–1180 .“ „Das tu ich gern“. Worms war erreicht. Säh’n wir. Zwölf Tage schwanden. Ließ Hagen schnell befragen. wer da gekommen war. „sie ist es wert. dann erst ist jede Reise schön. vom Hunnenlande käme er. Der an der Spitze reitet. „denn jeder nimmt Mit Freuden. schwillt doch recht freudig erst der Mut. strahlend in reicher Tracht Auf edlen Rossen Männer. von Ort zu Ort. Rings lief das Volk zusammen. Auf Raubgesindel trafen die Reiter selten dort. Nur Ehrenvolles hab’ ich bisher von ihr gehört. Auch der war erst im Zweifel.160 „Gott mag es geben“. sprach Gotelind. Verwundert staunend stand Die Menge. Am Donauufer aufwärts durchs Bayernland zu fahren.“ Nun bat er Gotelinde: „Geliebte. sagte Gotelind. jubelnd erblickten sie den Rhein. dann ist es Rüdeger. Am siebenten Morgen ritten sie ab von Bechelaren. sorge gut Für unsere Ritter. Wer mochten die stolzen Helden sein? Saumrosse. Braucht man sich nicht zu sorgen. war der Fremden Herkunft doch unbekannt. daß Helche starb. Aus allerfernstem Osten. Ist man mit Geld und Gute und Nahrung reich versehn. schwer bepackte. Wir könnten es vergessen künftig. daß unsere Krone ein neues würdiges Haupt erwarb. Gunther im ungewissen. ob er was wisse von der Schar.“ So wurden alle sorglich mit feinster Tracht versehn. Vom Hals zum Sporn ein Schimmer und Prunk. – so konnten sie bestehn. was ihm willig von gütiger Hand bestimmt. „Ich habe selber den. Doch trügt mich nicht der Anschein. seit langem nicht gesehn. So ging die frohe Reise von Land zu Land.

so köstlich. 1188/89) . der uns so lieb gewesen wär!“ Die Gäste dankten höflich. wie er wohl nur im Land am Rhein gerät. dann schweig’ ich länger nicht Und sage. und Ortwin sprach zu den fremden Herrn: „Das muß ich wahrlich sagen. Daß uns Besuch gekommen. Sagt. und Hand schlug fest in Hand. sprach er: „Wollt Ihr in Gnaden mich Anhören. leben sie vergnügt? Wie geht es ihnen beiden im Hunnenlande dort?“ Das war für Rüdeger der Augenblick. was ich willig als Auftrag übernahm und Pflicht. Dann aber trug man auf – – Wie gerne trank man einmal mit Freunden! – süßen Met Und Wein. Dann führte man zum Saale sie alle unverwandt.“ 1182–1192 (1181. wo er die Gäste freundlich und ehrenvoll empfing. Erlaub’ ich gern zu sagen.“ Der König sprach: „Ich brauche nicht erst der Freunde Rat. was Euch ehrt. Was an mich auszurichten man Euch zu Hause bat. Da fragte im Gespräche Gunther: „Zu lange schwiegt Von Etzel Ihr und Helche. recht lange ist es her. edler König. An seiner Rechten nahm er den Gast mit sich hinauf Zum Platz an seiner Seite. versäumt’ ich gern. Dort stand von seinem Hochsitz der König auf und ging Zur Tür. Von ferne entbot er seinen Gruß Mit lautem Freudenrufe: „Seid hochwillkommen hier! Den Herrn von Bechelaren und seine Männer grüßen wir!“ Die Brüder und Verwandten des Königs boten gern Zum Gruß die Hand.161 Es setzten aus dem Bügel die Fremden kaum den Fuß. Er nahm das Wort. Indes er mit den Seinen förmlich und feierlich Sich hob vom Sitze. Kam Hagen schon. Was bringt Ihr uns von fern Mir und zugleich den Meinen? Nichts.

Erwartet unsere Antwort. – sein Weib. wär es Leids genug. Verwaist sind all die Jungfrauen. Was mir mein großer Herrscher Euch zu bestellen gesagt. wie sein Herz ihm rät. wenn Ihr’s vergönntet. sie möchte einst gekrönt An seiner Seite stehen. einst meines Herren geliebtes Weib. eh noch der dritte Tag verfließt. Die edlen Fürstenkinder. sprach Hagen. verdüstern ihr Gemüt. Doch wieder griff zum Worte der edle Rüdeger: „Erlaubt Ihr. Das ist’s.“ „Vergelte Gott“. Vertrauern ihre Jugend. daß sie gern sich nach meinem Wunsch entschließt. im Grab. So drang in sein Gemüt Der Wunsch. mit denen Helche sich umgab. wahrlich. wie er es mir gebot. ob Ihr Kriemhild damit willkommen seid. berichte ich Euch mehr. sprach Gunther. der meines Königs Herz bewegt. und seine Botschaft geht An Euch und Eure Freunde so redlich. ich klag’ es.“ 1193–1200 . Daß Helche starb!“ Ja. denn unsere Frau ist tot. in ihrer Zucht erblüht. der sie berät und pflegt. und Siegfried. Helche. Es ist der gleiche Kummer. Sein ganzes Volk ist freudlos. verwitwet sei Kriemhild. Da er in seiner Trauer um Helche doch vergeblich klagt. Ich hoffe. Was ihn bedrückt. Ihr edler Mann gestorben. „Herrn Etzels Gruß! Wie gern Erwidere ich mit gleicher Gesinnung deinem Herrn!“ Und Gernot sagte: „Klagen sollte die Welt mit Fug. was er ersehnt!“ Der König sprach mit aller gebotenen Höflichkeit: „Ich weiß nicht. Da ist niemand am Hofe. König Gunther.162 Da sprach der edle Bote: „Euch allen hier am Rhein Soll ich der Überbringer der schönsten Grüße sein Von meinem großen König. Mein Herr erfuhr.

solltet ihr hindern diesen Plan. doch klang die Sorge aus seinem Wort bereits: „Selbst wenn sie möchte. er blieb bei seinem harten Nein. 1201–1207 . Nur Hagen stand unmutig abseits. wird Sorge und Argwohn nimmer ruhn. Er sprach. Wenn Kriemhild Königin würde.“ Doch Hagen wiederholte: „Denkt dran. Ließe man die Schwester als Königin zu den Hunnen ziehn. Was auch die anderen meinten. hier im Lande war er als Freund geliebt.163 Fürsorglich nahm sich jeder der lieben Gäste an. Und Frieden will ich wahren. So blieb Rüdeger drei Tage am Hofe.“ „Warum sollt ich’s versagen. wär’s Kriemhild wirklich lieb?“ Sprach Gunther. „kenn ich doch keinen Haß. Nur Hagen stand allein. daß ich dagegen bin!“ Man schickte auch zu Gernot um Rat und Giselher. helfen sollt’ ich ihr zu so schönem Los.“ Doch Hagen sagte: „Wüßtet ihr anderen wenig nur Von dem. Sie meinten gleicherweise. Mein Freund bleibt Etzel. Froh verlief Die kurze Zeit den Gästen. Euch Tag und Nacht mit Fragen zu quälen: Was wird Kriemhild tun?“ „Warum?“ sprach Gunther ruhig. nehmt ihr den Vorschlag niemals an. daß es nur billig war. wie er sie früher schon geübt. Ich bin ihr Bruder. Brüder. würde sie mächtig auch und groß. Wenn ihr es recht bedenket. „Was im Leben ihr noch an Freude blieb. Gern tat ihm Hagen Dienste. ob’s wohl geraten schien. Sollt’ ich ihr gönnen. was ich von Etzels gewaltiger Macht erfuhr! Ist sie sein Weib. Sah Rüdeger. Aus all den Freundlichkeiten. Zu ernstem Rat berief Gunther die Freunde. Sie rieten zu. die man für ihn ersann. wenn ich ihn nur in Frieden laß. wird sie auch Königin.

Den Vorschlag machte Gere: „Ich gebe ihr bekannt. Daß uns von dieser Heirat die schwerste Not geschieht. „Ihr selber solltet mild Nach so viel Leid bedacht sein auf Tröstung für Kriemhild. – Steigt sie auch hoch an Ehren. wer weiß es? Sie trifft uns. Die Brüder rieten. Wie sie es fügt. behalte ich einst recht. Will ich mich drüber freuen. so helft nun mit zu ihrem Glück!“ „Ich sage. werde er ihr entgelten überreich. Eh uns das Schicksal tödlich mit ihr verfeinden kann. Laßt sie hier! Seid klug und hart. auf unseren Tod!“ Doch Gernot fiel ins Wort ihm: „Vielleicht geschieht es nie.“ 1208–1215 .“ Ungern vernahm es Hagen. mächtig und riesengroß sein Reich. Versagt. sagte Giselher. Er war des Unmuts voll. Daß Etzel Boten schickte und warb um ihre Hand. Trägt Kriemhild Etzels Krone.“ Noch einmal warnte Hagen: „Wenn ihr auch widersprecht. Sein Volk sei zahllos.“ Da wallte auf im Zorne und Eifer Giselher: „Wir sollten nichts beschließen. Ihr Gram war Euer Werk einst. Erfuhr doch keine Frau je ein solches Wehgeschick. So sterben wir und sie. was in weitem voraus mein Auge sieht. – sagt. Denkt! Unsere Ehre hängt daran. Sie wollten es gewähren der Schwester ohne Widerstand. was hinterhältig wär. Was sie erlitten. sinnt sie auf eines nur. Uns ziemt. verwehrt es ihr. wenn Ihr auch ängstlich wehrt und grollt. wie’s Männern geziemt. Viel tausend Männer stehn ihr dann willig zu Gebot. für sie zu sorgen. Gewinnt sie Etzel. was Ihr wollt –. Hagen.164 „Freund Hagen“. Daß wir sie dort besuchen. wenn sie der Werbung folgen woll’ Als Königin und Gattin ins ferne Hunnenland.

erwarten wollt’ ich ihn morgen. Von Eurem Bruder meld’ ich’s. machtvoll. erreichten auch nicht mehr. Der weiß. wie Weibesliebe auf dieser Welt beglücken kann?“ Sie wehrte sich mit Abscheu.“ Da wehrte Kriemhild traurig! „Verhüten sollte Gott. der seine Werbung gern empfing. neu gefühlt. Zu sagen ihr. Daß Ihr und Eure Freunde so übtet euren Spott An einem armen Weibe! Was sollt’ ich einem Mann. Wie könnte Siegfrieds Gattin je eines anderen sein! „Dann laßt doch“. Dann gab es keinen Boten. Und sag ihm. Die ihr mit Zuspruch nahten. Möge er Im Wohngemach mich finden. den rechten Ton. Dort geb ich ihm Gehör. sein erfahrenes Gemüt verstünde schon Zu klugem Rat zu finden das rechte Wort. „Verdienen möcht ich gerne ein schönes Botenbrot. Giselher. Nichts anders war im stillen auch Rüdegers Begehr. bezwungen vom alten Schmerze. kamen am Hofe Werber an Von einem Herrn. warum er nach Worms gekommen war. Daß er in Wort und Mienen so seltsam fröhlich war. 1216–1223 . Euch zu gewinnen. der mir nicht unwillkommen wär! Sagt ihm. Mich schickt das Glück. was die Stimme im Herzen mir befiehlt!“ Sie blieb allein. „den Boten freundlich zu Euch ein!“ „Das will ich nicht versagen!“ erging ihr Wort. erhaben. wie nie ein Mann Als Herrscher unter einer fürstlichen Krone ging. sehr in Verwunderung zwar. Er wußte. Selbst Gernot. „Wie gern Seh ich von Bechelaren den vielgetreuen Herrn! Weit reicht sein Ruf und Name! Käm er nicht zu uns her. bat man schließlich.165 Kriemhild empfing ihn gütig. Beenden will’s endlich Eure alte Not.

die anderen verstanden doch. sprach mild die Königin. „Da ich solch edlem Boten gerne zu Willen bin. aller Hunnen Beherrscher. Sie merkten. Die von den Abgesandten. Von ihren Wangen perlten die Tränen auf die Brust. wie’s zukam ihrem edlen Rang. unruhevoll und tief bewegt. immer nährte den alten Gram noch ihr Verlust.“ So gütig klang’s. die Boten seiner Liebe sein. Mein Herr an Euch in Ehrfurcht durch meine Zunge läßt ergehn!“ „Gern sei’s erlaubt. Was Ihr mir bringt.166 Zur Messezeit am Morgen in aller Früh erschien Der edle Bote. worauf sie sann. Als Künder seiner Neigung und Freundschaft an den Rhein. so ist sein Auftrag. Eckewart Und Markgraf Gere standen vor Kriemhild ernst und hart. Ringsum das Volk umdrängte ihn. daß Ihr die Botschaft hört. ich hör es um Euretwillen an. Zur Tür entgegen schritt sie Herrn Rüdeger und lieh Ihm Worte der Begrüßung. Wie all der anderen Antlitz auch ihres kummerblaß. Sie sah’n Kriemhild umgeben von ihren schönen Frau’n. Zum Ehrensitze wies man die Männer. Vom alten Leid ihr Auge wie das der Herrin tränennaß. Doch sie in ihrem Leide war traurig anzuschaun. Zu würdigem Empfang War alles aufgeboten. Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdeger: „Herr Etzel. Kriemhild im Trauerkleide. Dann nahm der edle Rüdeger zuerst das Wort: „Gewährt Die Gunst uns. dann gütig wandte sie Sich zu den zwölf Begleitern. die hier versammelt stehn. Saß wartend in Gedanken. Wir soll’n. 1224–1231 . schickt uns her. hohe Königin. Herr Rüdeger“. noch niemals abgelegt.

Da neigte sich Frau Kriemhild: „Herr Markgraf Rüdeger. Wüßt’ einer. Als Morgengabe schenkte er Euch das ganze Land Von dreißig Fürsten. wie es Frau Helche genoß in alter Zeit. Wie ihre Stimme galt Im Rate seiner Männer. All das wird Euch Herr Etzel als seiner Königin verleihn. Euch zu schenken Lieb ohne Leid. – ein Glück. Und wäre es mein König. Bleibt mir bis an mein Ende nichts anderes als Weh und Gram. Da ihn der Tod mir nahm. und Mädchen. die Helche dienten jahrelang. Als ihrer Herrin diente Euch jene Ritterschar. So reich.167 Ihm lebt ein Wunsch im Herzen: Ein gütiges Geschick Gewähr’ ihm. Die Helche einst besessen. Verlor ich doch den besten. Sie starb. Mit zwölf der schönsten Kronen wär’ Euer Haupt bereift. ich könne beglücken einen Mann. wie mein Leben trüb ist und kummerschwer. des Hand Ihr willig greift. Die schon zu Helches Zeiten ihr Ehrgeleite war. Dazu verspricht mein Herr Euch die volle Herrschgewalt. die er zu Boden zwang mit starker Hand. und keine Stunde des Glücks vergönnte ihm sein Leid. Der hoffte nicht. Als neu in einem anderen zum Glücke auferstehn. Wenn es in rechter Liebe zu ihm sich neigt und fügt? Dann blüht das Leben wieder. sollt Ihr entscheidend sein.“ 1232–1238 .“ „Was kann ein Herz im Leide wohl Besseres ersehn. den in der Welt ein Weib gewann. und alles Herzeleid versiegt. Frau’n fürstlichen Geblütes von königlichem Rang Umgäben Euch.“ Kriemhild gab trübe Antwort: „Wie lockte künftig mich Noch Weibesglück! Das alles genoß in Fülle ich In eines Einzigen Liebe.

denn den anderen vertraute sie nicht mehr: „Ich bin zu arm für Etzel. Die Trauer wird vergehn.“ Da sagte Giselher: „Was auch ein anderer rät. hab’ ich doch nur noch dies.168 Sie sprachen trotzdem weiter: „Vieledle Königin. Du wirst noch einmal glücklich.“ Dem fügten sich die Hunnen. wird Euer Leben wieder schön.“ „Warum. mein Bruder. So groß und mächtig steht Kein Königreich wie Etzels! Das ganze Land ist sein Vom fernen Meer zur Elbe und von der Rhone bis zum Rhein. das mich mit Siegfried einst verließ. laßt Euch raten! Es wird noch alles wieder gut!“ Zart wich sie aus: „Laßt heute die Sache noch beruhn. Kommt morgen früh. Antwort und Rede stehen auf euren Wunsch und Plan. An Etzels Hof erheitert sich selbst der trübste Sinn. mein liebes Kind. ward es auch gar ungern getan. Da gibt es frohe Jugend. Als sie gegangen. das tu! Dann wird vielleicht am Ende noch alles wieder gut. Wie soll ich dort am Hofe bestehn bei Spiel und Tanz? Und war ich schön vor Zeiten. Drum. Königin. dann will ich euch voll Genüge tun. fließt die Tränenflut. verblichen ist die Schönheit ganz. Wenn Eure schönen Jungfrau’n ein neues Freundschaftsband Vereint mit Helches Mädchen daheim in unserem Land. Dann werden unsere Männer auch wieder frohgemut.“ Frau Ute sprach der Tochter mit guten Worten zu: „Was deine Brüder raten. bat sie den Bruder Giselher Und Ute. Daß ich das Glück beweine. allzu lange dauert die Trauer. werd’ ich nie wieder froh. Ist Etzel Euer Mann erst.“ 1239–1246 . rühmst du mit Macht und Reichtum so? Zwingt ich nicht meine Tränen. Ach.

Da sprach der Markgraf tadelnd: „Falsch tätet Ihr daran! Wohl könnt Ihr noch beglücken in Ehren einen Mann! Wozu ward Euch die schöne und frauliche Gestalt? Warum dem Glück entsagen. und jeder sprach und riet Ihr wieder zu. bevor Ihr lebenssatt und alt?“ Auch das half nicht. – ich tu es nicht!“ So schien es denn beschlossen. Ach. 1247–1255 . dann bin ich Euer Mann Und räche. daß sie sich für Etzels Wunsch entschied’.“ Getröstet hörte sie ihn an. ob gut. bis Rüdeger heimlich zu ihr geneigt Vertraulich sprach: „Wenn künftig Ihr je mir sagt und zeigt. Erfüllung oder Leid?“ Wehmütig gab sie Antwort.169 Da wünschte sie. an Kleidern reich zu sein. – Herr Rüdeger fand ein trüb’ Gesicht. keine frohe Stunde ließ ihr seitdem das alte Leid. was geschehen ist. Noch einmal bat er innig: „Gebt endlich mir Bescheid! Was soll ich dort verkünden. Sie lag im Bette wach Und hing bis an den Morgen ihren Gedanken nach. Dereinst an Gold und Silber. Nur trauern. Gott möge ihr seinen Beistand leihn. Daß meiner Ihr bedürftet. weinen dürfe sie. ob nicht Die Werbung ihnen glückte. Dann kamen ihre Brüder. Kriemhild erwog im stillen: „Ich bin ein christlich Weib. Die Hunnen wären gerne gereist. sie werd’ im Leben nie Mehr eines Mannes Gattin. Soll ich an einen Heiden verschenken Seel’ und Leib? Und Schande wär’s verriet ich damit die Christenpflicht. Gäb’ er mir alle Reiche der ganzen Welt. Sie sann und rang in Tränen Stunde um Stunde hin Um rechten Rat und Willen bis zu der Frühmette Beginn. Die sie verschenken könne wie einst zu Siegfrieds Zeit.

“ 1256–1262 . Wer weiß. Ich und die Meinen stünden stets für Euch ein. „ist keine große Sorge wert. Wird Mannes Herz so leicht doch von Weibesliebe umgestimmt. Vielleicht könnt Ihr ihn leiten. wenn künftig je Für Kriemhilds Leib und Ehre von irgendwem Gefahr entsteh’. zahllos wie Meeressand. Was auch die Leute reden. von dem jemals Euch das geringste Leid geschäh’!“ Das sank wie Trost und Hoffnung in ihrer Seele Grund. die gute Christen sind. Er hat so viele Ritter. gewinnen.“ Sie sann: „Hat Etzel Männer. Dann tu ich.“ Sie wandte sich an Rüdeger: „Wenn ich nur eines wüßt’. der nächste dazu seid!“ Da willigte der Markgraf schnell ein: „Nehmt darauf meinen Eid!“ So schwur mit allen seinen Gefährten Rüdeger.“ „Dies fromm’ Bedenken“. wie es sein Wunsch begehrt. die Treue: „Werd’ ich einmal so reich An Freunden und Beschützern. das Schicksal rüstet die Rachestunde schon für mich. fehlt mir der Rächer. dann gilt mir alles gleich. werben mag. Ich nähme ihn zum Manne. was ich will! Dann füllt sich meine Hand Mit Gütern. Sie dachte nach. und weh Dem Feinde. was reich in meinen Händen lag. Drum sagte sie: „Dann soll mir beschwören Euer Mund. sprach er. Niemals versagen werde sein Schwert. Mit Blut und Leben stünde zu ihrem Dienste er. Ob Hagen mir auch raubte. daß ich schenken.170 So fuhr er fort: „Vertraut mir und weint nicht! Hättet Ihr Im Hunnenlande keinen Beschützer außer mir. – Dann folgte ich Euch gerne – Herr Etzel wär ein Christ. Daß Ihr. Mit denen Ihr gemeinsam des Glaubens Trost gewinnt. daß er die Taufe nimmt. Zu grausam leide ich.

Hagen woll’ ihn behalten. Er sprach: „Ich weiß. Zäume von Siegfrieds Zeiten her. Führt mich zu Eurem Herren. Drum soll im Lande bleiben Siegfrieds gefährlich Gold! Wie töricht. Kostbare Sättel. Nur Rüdeger wurde fröhlich. Facht gegen mich zu Flammen damit den Hunnenhaß. gespart.171 Die Brüder baten. so sehr. ihn fortzuschaffen duld’ er nicht. – Gedachten sie’s zu wenden? – Sie schwiegen. Fünfhundert meiner Sippen und Männer folgen mir Als Euer Brautgeleite. sein Haß und Argwohn ruhten nie. wer es fortschaffen wollt’! Den Hunnen einst die Schätze zu schenken dachte sie. was Hagen unternahm. Hagen erriet die Absicht. als ging es ihm nicht nah: 1263–1274 (1267) . seit langem wohlverwahrt. Hundert Pferde brauchte. Und mahnt Ihr je daran. Geschmeid’ und Kleider lagen. Sagt ihr. Kriemhild besaß genug noch vom Nibelungengold. Hier meine Hand! Und damit nehmt mein Verlöbnis an. ja sagt ihr ins Gesicht. geleitet mich zu meinem Mann!“ Froh rief der Markgraf: „Rüstet! Nicht länger zögern wir. nichts geschah. ließ als Waffe dem Feind ich solches Gut! Ich weiß genau.“ Kriemhild erfuhr erbittert. ich halte furchtlos mein Wort als treuer Mann. bis Kriemhild sich ergab: „Ich will es tun! Ich ziehe ins Hunnenland hinab. schürt sie ohn Unterlaß.“ Da schloß man auf die Kisten. daß Kriemhild mir feindlich zürnt und grollt. – Was ich versprach. Doch ob auch den drei Brüdern der Plan zu Ohren kam. worin geschont. es fehl’ an Rossen. drängten. Daß alles für die Reise recht ehrenvoll und stattlich war. Behält sie ihn in Händen. was Kriemhild mit diesem Horte plant und tut.

daß ich Euch ferner bis an mein Ende dien’ –. Laßt alles hier! Sind wir doch mit allem reich versehn. Der soll von meinem Schatze beschaffen Rosse und Gewand. er gönnt Euch überreiche Schätze. hohe Königin? Was Ihr hier eingebüßt.“ Schweigend dankte Kriemhild für das willkommene Angebot. bedacht auf Eure Hut. laßt mich mit Euch ziehn. 1275–1284 (1276) . Drum. Stolz wehrte ihm Herr Rüdeger: „Wär’ auch der ganze Hort Ihr eigen noch. Auch nehm’ ich Männer mit mir. Daß wir die lange Heimfahrt ohn’ alle Not und Sorg’ bestehn. Die Treue kann nicht wählen. Königin. Nichts soll mich von Euch scheiden. – – „Wer“. Das sollte reich und hold Als Frauenzierde dienen zu Fahrt. Nahm dreißigtausend Mark und mehr an Geld heraus Und gab’s zu Gunthers Freude verschwenderisch an die Gäste aus. der mir zur Seite stand. sei es denn der Tod. die Ihr niemals verschwenden könnt. „wird begleiten mich in die fremde Welt? Hatt’ ich doch manchen Freund hier. den letzten Rest. ich schwöre es. als Ihr verließet. fünfhundert. – Vielleicht.“ Gernot allein ergrimmte ob dieser Ungebühr. Empfang und Fest. wir ließen ihn gern an seinem Ort. Ersetzen wird Euch Etzel weit mehr. Des Königs eigene Schlüssel stieß selbst er in die Tür.“ Da trat Graf Eckewart zu ihr: „Weil manches Jahr Ich Euer erster Diener und treuer Schützer war. Zum Seelenheile Siegfrieds als Meß. sprach sie.“ Doch Kriemhilds Mägde hatten zwölf Schreine voll mit Gold. Ruht erst auf Euch sein Auge.und Opfergeld. treu und gut. Noch tausend Mark ließ Kriemhild zurück. Für jeden Fall gerüstet. Mit Schmuck gefüllt und Steinen.172 „Was klagt Ihr.

sein Wunsch sei schon erfüllt. wie man sie geliebt. bis an der Donau grün Gestad’. Ein wenig nur ritt Gunther mit ihr zur Stadt hinaus. In vielen nassen Augen sah Kriemhild. Bald führe Markgraf Rüdeger ihm zu die edle Frau Kriemhild. Als man am Rhein noch weilte. 1285–1289 (1286) . Mit Giselher kam Gernot. Ortwin und Gere eilten mit Rumolt weit voraus. Die Schwester zu begleiten zu Liebe ihr und Dank. und wie die Ehrenpflicht Und Sitte es gebieten.173 Man ließ die Rosse satteln. Nachtlager zu bestellen. Dem Könige zu künden. Die schnellsten Reiter waren bereits vorausgesandt. sie unterließen nicht. Nun kam der letzte Tag. den Reisenden mit Rat Und Tat getreu zu helfen. Auch tausend Reiter folgten zum Schutz den weiten Weg entlang. Zur Seite ihr stand Ute und weinte still betrübt. Des trübe Abschiedsstimmung auf allen Mienen lag. voraus ins Hunnenland.

Wie Rüdeger befohlen. Kriemhild. wo man Pilgrim.174 XXI. und weiterhin Nach Passau. Schon kam in schnellem Trabe heran die Reiterschar. Jenseits der Traun und Enns hin dehnt sich ein weites Feld. Man sah. Woran im Land die Leute gewöhnt sind überall. Dort sollten fröhlich sie In Ruhe sich erholen nach ihrer langen Reisemüh’. Die Pferde trabten schnell. 1291–1305 (1290. du rufst mich nicht vergeblich her. Der Markgraf hatte sorglich entboten Gotelind Mit ihren edlen Frauen und reichem Hofgesind. Zur Schwester sagte Giselher: „Wenn du zu Schutz und Wehr Mich jemals brauchst. war er doch Kriemhild nah verwandt. 1296–1301) . Wenn Gotelind als erste ihr Gunst und Gruß entgegenbrächt’. so meint’ er. den Bischof. wie lieb es Rüdeger war. da’s lange Trennung galt. 1293/94. die in Bayern droht’ mit Raub und Streit. dann rufe. Gar zierlich an den Zäumen erklangen Glöckchen hell. Dorthin kam Gotelinde. wartend fand Zu freundlichem Empfange. Dort waren kühle Hütten errichtet und Gezelt. Doch hätte Rüdeger wahrlich verhindert jeden Überfall. Die Gäste zu empfangen. Wie Kriemhild zu den Hunnen reiste Bei Vergen an der Donau machten die Brüder Halt Zu letztem schweren Abschied. nun befreit Von Sorge. wo weiß der Inn Sich in die breite Donau ergießt. wäre es lieb gewiß und recht. Dann kamen sie nach Everdingen.“ Ins Bayernland gelangten sie dann.

Ihr erster Blick ersah. Sah ich doch schon seit langem nichts lieberes als Ihr es seid. Da ritt Kriemhild entgegen der edlen Markgräfin Inmitten ihrer Frauen. doch nah im Herzensgrund Umfingen sich die Frauen und küßten sich auf Wang’ und Mund. daß ich Euch schon heut erschauen kann In Eurer reinen Schönheit und stolzen Weiblichkeit. Man saß im grünen Klee Und fragte. bis er nah Anhielt vor Gotelinde. Sie grüßten sich. Vom Pferde sprang der edle Mann Und hob sie auf den Rasen. Es hielt die Königin Ihr Pferd am Zaume zügelnd. Da wich das Volk. Die jungen Ritter suchten beflissen werbend nun Den Frauen ihre Freude und Zärtlichkeiten kundzutun. So taten’s alle dann. 1314) .“ Mit feinem Anstand grüßten und fanden sich bereits Die Mädchen zueinander. Gemeinsam brachen alle dann auf. was an neuen Geschichten in der Welt geschäh’. nahm eines Ritters Hand Und ließ sich aus dem Sattel hernieder heben auf den Sand. Die Gräfin nahm sich Kriemhilds mit guten Worten an: „Wie lieb ist mir. Der Tag verging. Die Ritter ihrerseits Umgaben sie mit Plaudern.175 Der Markgraf ritt dem Zuge entgegen. – Noch fremd wohl. Da schwand ein Teil der Sorge. 1309–1316 (1305–1308. Man schenkte in die Becher den dunklen Ungarwein Und freute bis zum Mittag sich am Zusammensein. die ihr das Herz so lang beschwert. Bis wiederum am Abend manch Lagerzelt sie kühl umfing. Daß er gesund und fröhlich vom Rhein zurückgekehrt. Der Bischof Pilgrim brachte sein liebes Schwesterkind Kriemhild mit Eckewart zugleich zu Gotelind.

Daß man nicht weiterreiste. Bei Euch zu sein. wenn Ihr’s gewährt“. Daß hier in Bechelaren schon allzu lange Zeit verrann. Die Kämmerer nahmen wahr Die Sorge für der lieben Gastfreunde Ruh und Rast. Da fanden schnell vertrauend einander Hand und Hand. Empfingen edle Steine und herrliches Gewand. Doch Rüdeger war um jeden freundschaftlich bemüht. Von stolzer Höh’ empor Sah sie ins Blau. Bald saßen sie im Saale. der war ihr gewogen gleich und hold. Das schöne Kind des Hauses bat Kriemhild leis und sprach: „Erlaubt Ihr mir’s. Gerührt versprach es Kriemhild. war doch das Kind so liebenswert. Genug an Kurzweil gab es. Wie man die Zeit vertrieb. die Luft ging rein und kühl. – weit und breit In Ställen und in Kammern war alles schon zur Rast bereit. die sie bis dahin nie gekannt. weit offen die Fenster. So wenig ihr geblieben von Siegfrieds Nibelungengold. Am Tor mit den Gespielen die Tochter Rüdegers stand. Kann ich hier nicht berichten. Verdrießlich klagte man. Den Pfad hinan. dann komm’ ich ins Hunnenreich Euch nach. Tür und Tor. die Brücke. Tief unten floß im Grunde die Donau nach dem fernen Ziel. Nun kam die Burg in Sicht schon. Auch Kriemhild gab und schenkte aus dankbarem Gemüt Gotelindes Tochter Ringe. In Bechelaren war Schon alles vorbereitet.176 Dort ruhten sie die Nacht durch. der Dienerschar Gewand Vom besten. Wer sie nur sah. der Burghof. Doch manchem war’s nicht lieb. das sie mit sich genommen in das Hunnenland. Auch fremde Leute. 1317–1326 (1324/25) . Mein Vater gibt nach. Behaglichkeit zum Ausruhn schuf Rüdeger für Freund und Gast.

und später ward sie hochverehrt. Nun kehrte Bischof Pilgrim um mit gütigem Wort. ins Hunnenland zu fahren. Zu trösten und zu schenken. Das war für lange Jahre der letzte Gruß und Abschiedsblick. Dort war ein Mann. Die allerkühnsten Helden. Die Königin nahm Abschied. Hier hatte König Etzel sich eine Burg erbaut. Der Wein kredenzt zum Willkomm in goldenem Gefäß. die je in weiter Welt Sich Ehr’ und Ruhm gewannen. Nur Kriemhild war ihr ähnlich. – Helche hatte von hier geschaut Ins grüne Land. hieß Astol. Bei Melk war an der Straße. dem alten Brauch gemäß.177 Schon warteten die Pferde am Tor zu Bechelaren. Bald sahen sie die Treisam. Es möge Kriemhild gut gehn im fremden Lande dort. Die ganze Zeit bisher Stand Kriemhild im Geleite. 1327–1335 . Noch einmal schaute Kriemhild zu beiden Frau’n zurück. die hatte er sich zugesellt. Die Traisenmauer. Aufs Wohl der Christen. da sie es gut verstand. im treuen Schutz von Rüdeger. Heiden war er stets gleich bedacht. und darin Freude fand Nach ihrem langen Leide. So war auch bald gemehrt Ihr Ansehn bei den Hunnen. Geglichen hatte keine ihr je an höchstem Frauenwert. Fern über all die Länder hin reichte Etzels Macht. dem war der Weg bekannt Nach Mautern donauabwärts bis in das ferne Osterland. von allen gepriesen und geehrt.

getrennt nach Wort und Brauch. Dort sah sie wogengleich Viel fremdes Volk sich drängen. Erreichten in den Lüften die Vögel selbst im raschen Flug. Erschienen sie. Da waren Russen. Dort ritt von Etzels Horden manch wildverwegener Reiterhauf’. war tapfer nur der Mann.178 XXII. Unübersehbar. Griechen. Wie Etzel mit Kriemhild Hochzeit feierte Auf Traisenmauer weilte Kriemhild drei Tage lang. Das Land weit überschauend. Fern unaufhörlich drang Der Staub von weißen Straßen wie Brandrauch hoch hinauf. ritt rasch heran. die Rüstung glänzend silberweiß 1336–1343 (1337) . stolz in Gestalt und Sinn. aus Fernen des Ostens kamen sie. die Kriemhild nie bisher gewahrt. gleich schien’s. Dann Gibich. So ritterlich und fröhlich. Und ihm als Führer folgten an siebenhundert Mann. Ramunc. die edelsten fürwahr. Der Herzog der Walachen. Im Ritte fehlten die Niemals das Ziel. ob Heide. Polen sah man auch. Aus Kiew selbst. gespannt vom harten Zug. Walachen. Nach Tulln am Donauufer im Lande Österreich Ward Kriemhild nun geleitet. begierig zu schaun die neue Königin. mit ihm Scharen. Ob Christ. Sie ritten wie von Vögeln ein Schwarm entschwirrt im Kreis. Gewandte Reiter waren’s. seltsam verschiedener Art An Sitten und Gesichtern. Die wilden Petschenegen. Die Pfeile. Aus der Gefolgschaft Etzels kam eine prächtige Schar Von vierundzwanzig Fürsten. zahllos zog buntes Volk heran.

Sag ich Euch. Iring. Da überstrahlte licht Der Zauber ihrer Augen das liebliche Gesicht. ein Empfang war’s. Zwölfhundert Reiter folgten. daneben sein Genoß Dietrich von Bern mit reicher Gefolgschaft. Nun wandte sie sich weiter zu Blödelin. 1344–1351 . wie keiner Königin mehr geschieht. Da kam mit seinen Freunden der König und umfing Sein Weib. Ihr nahte glanzvoll der königliche Zug. In raschem und königlichem Gang Schritt er heran. Nun sah man.179 Die Tausendschaft Hornbogens. der Thüring Irnefried. – mit Lärm und Waffenklang Nach Landessitte brauste vor Kriemhild sie entlang. Nun ging sie ihm entgegen. Höher schlug Kriemhild das Herz. Erblickte er doch heute zum erstenmal sein Weib Kriemhild. daß sie so schön wie Helche sei. Da meinten viele. Weithin erfunkelten die Reih’n Hell im Vorüberfluten von Rossesschmuck und Waffenschein. Nun sprang Auch Etzel ab. wie inmitten von Fürsten hoch zu Roß Daher kam König Etzel. Ein edles Fürstenpaar Trug ihr die Schleppe. Der stand dabei. Zu Kriemhild sprach Herr Rüdeger: „Laßt uns hier den Empfang Des Königs nur erwarten. da nicht jeder die gleiche höchste Gunst genießt. Die Dänen Hawart. das nun den Gatten freundlich mit einem Kuß empfing. Wahrhaftig. das Auge von frohem Glanz erfüllt. Des Brauches seid nicht bang! Wen Ihr nach unserer Sitte mit einem Kusse grüßt. Sie hob dazu den Schleier.“ Man hob von ihrem Rosse die Königin. Der Bruder Etzels. Zu allerletzt erschien Voran dreitausend Pferden reitend Herr Blödelin. wie es am Hofe Sitte war.

Man kam nach Wien. Ein fröhliches Turnieren begann mit Schaft und Schild. Rings im Feld. Versuchten. Fröhlich verlief der Tag. Heut galt dem schönsten Ziele der Ritt. 1362–1364) . Dann fanden in den Hütten sie endlich Ruh und Schlaf. Und man mit großem Aufwand empfing das königliche Paar. Sprach er mit ihr und Rüdeger. daß sie mit ihrem Reichtum Wunder tut. Das dort zu Siegfrieds Zeiten in Pflicht und Dienst des Fürsten stand. erbaut war Zelt an Zelt. daß Frau Kriemhild arm sei an Geld und Gut. Die Ritter führten höflich die Frauen. Jetzt rühmte man den Gästen der Königin offene Hand: „Wir glaubten. sich zu messen. Gedachten sie doch länger in Tulln nicht zu verziehn.180 Ihn küßte sie auf Rüdegers Geheiß. Wie gut sie schenken konnte. Wie Rüdeger befohlen. Nun aber zeigt sich. Und sonderlich die Jungen. Und dann noch zwölf der ersten aus Etzels Heldenkreis Als ihrer freundschaftlichen Gesinnung ersten Gunstbeweis. Bis früh die Sonne aufstieg und alle schon im Aufbruch traf. war manchem nicht bekannt. darauf Herrn Dietrich auch. ganz gleich ob Heide oder Christ. Und neben ihr gab Etzel sich ganz der ersten Freude hin. Wo schon die frohe Hochzeit voraus gerüstet war. An einem Pfingsttag war es. Indes die Hand Kriemhildes in seiner Rechten lag. dann nach dem Brauch Den edlen König Gibich. Dort saß auf weich gewirktem Hochsitz die Königin. Nun blieben Seit an Seite Herr Etzel und Kriemhild. da Etzel hielt in Wien Das Beilager mit Kriemhild. wie’s heut noch üblich ist. Der neuen Königin schien Zahllos das Volk und größer als das in Niederland.“ 1352–1366 (1353–1355.

Im Übermaß der Freude war man des Glückes froh. Nun ließen sich’s die Frauen an Bord wohl und zufrieden sein. war fest ein weiß Gezelt. Herr Dietrich tat noch mehr. Nach achtzehn Tagen brach man von Wien nach Ungarn auf. Dort standen schöne Jungfrau’n. Die sieben Königstöchter. An tausend Mark erhielten wohl Swemmel. Von Etzels Burgturm schaute manch wartend Auge her. Zuweilen quoll im Herzen ihr die Erinnerung An ihren edlen Siegfried. Als unter ihrer Krone Kriemhild zum erstenmal erschien.181 Ob andere reichlich gaben. am Steven aufgestellt. in Helches Dienst bisher. Die Fahrenden und Armen. Und neben ihnen Herrat. der Helche Schwesterkind. der künftigen besseren Zeit. Bei Wind und Wetter sicher zu wehren jedem Wogendrang. Wärbelin. Der neuen Herrin harrend. Als wäre man zu Lande. wie sie vor Jahren jung Am Rhein bei ihm gesessen. zahlreichem Hofgesind. Volle siebzehn Tage verliefen festlich so. Im schönen Wieselburg erst schifften sie sich ein. Nach einer Nacht in Heimburg sah man den Donaulauf. Dietrich als Gattin bald vermählt. Näntwinens Tochter. die vielen Fremden auch Erhielten reiche Gaben nach dem uralten Hochzeitsbrauch. Die Hitze abzuwehren. doch barg sie die nahen Wehmutstränen gut. dann stieg die heiße Glut Ins Auge ihr. 1367–1381 (1368–1370) . Mit Recht wurden die beiden zum höchsten Glanz des Hofs gezählt. Wetteifernd schenkten Blödel und auch Herr Rüdeger. Die Schiffe waren kräftig vertäut am Bord entlang. bestimmt zu Kriemhilds Ehrgeleit. Als Herrin hier gebietend.

1383–1386 (1382) . Die Menge der Geschenke und Geld ward unverweilt Aus Kriemhilds reichem Schatze an viele Tausende verteilt. In Ehren stand und Ansehn des Königs Hof und Land. Der fand dahin die Wege.182 Das Königspaar kam reitend herauf vom Uferrand. Wes Herz nach stolzen Taten und Lebensfreude stand. getreu zu sein bis in den Tod. Auf Etzels Burg saß Kriemhild als Königin. Zu Huldigung und Treuschwur im Kreise ringsumher Die Mannen und Verwandten. Man machte das Gefolge der Königin bekannt. Mit Blick und Handschlag bot Ihr jeder sein Gelöbnis. Vor seinem Blick den Reichtum. die Huld der schönen Königin. des Königs Ruhm im Sinn. schön und hehr.

lebte vor manchem Tag und Jahr. zwar heimlich. blieb doch sein reiches Gut Und seines Landes Krone bei seinem alten Stamm und Blut. Bedacht war Kriemhild immer. Nach ihrem Wunsche wurde das Kind Ortlieb genannt. solch edle Königin Gäb’ es in keinem Lande. Ob künftig je Die Stunde käme. Daß es nach alter Sitte getauft und christlich ward. Damals gebar Kriemhilde dem Gatten einen Sohn. denn reich und mild War ihre Hand für Arme und Bittende gefüllt. Sie wußte jetzt. war doch ihr Schmerz wie immer neu. Des Glückes und der Größe. zu sein. wie Helche war.183 XXIII. Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen dachte So stand im Glanz des Ruhmes durch sieben Jahr ihr Thron. da er die Strafe büßte für ihr Weh? 1387–1392 . Doch hatte sie mit starrem Entschluß darauf beharrt. gewonnen war aller Menschen Herz. So flossen dreizehn Jahr dahin. In aller Munde war es. Auch dachte sie der Zeiten im alten Heimatland. die immer noch ihr Leid Um Helche trug. Das lehrte sie Frau Herrat. als er Siegfried totschlug. Es wird zwar manche Fürstin geliebt auch anderwärts. die ihr durch Hagens Hand Genommen. Längst war Kriemhild von allen geliebt. Der Eltern Freude teilte das ganze Volk im Hunnenland. Zwölf Könige aber waren zum Tode ihr getreu. Wie Helche dachte. jedoch in steter Traurigkeit. Das nährte ihre Pläne. Froh war er seines Kindes.

Fest Hand in Hand geschlungen. Die Brüder einzuladen hierher ins Hunnenland. Und während eines Abends Kriemhild mit ihm allein. liebend bei seiner Frau zu sein. Wie anders kam’s. gewaltiges Gut ist mein. War sie bei ihrem Hasse. Daß sie sich einem Heiden zur Ehe angetraut? „Um seiner Mörder willen ward ich zu einer Heidenbraut!“ Nie schlief in ihrem Herzen der Haßgedanke ein: „Ich bin so groß und mächtig. – wie es und wann’s geschehen mag. wie sie den schlimmen Wunsch verstand. scheint mir. wie hart und wen ich möcht’. Sie küßte ihn im Schlaf.“ Sie dachte oft: Erbitten will ich’s von meinem Mann. der Kriemhild zwang Zur Feindschaft gegen Gunther. Ich rächte den Geliebten. Und sonderlich am Tronjer hätt’ ich mich allzu gern gerächt! Die mir getreu geblieben. Wie fern von ihm war doch sein Weib! 1393–1400 (1398) . Ich könnte sühnen. sie ginge mit Giselher einher. Und ewig neu der Haß ihr die Tränen in die Augen trieb. als beide zuletzt das grause Schicksal traf! Es war der Teufel selber. Ob er in seiner Güte den Wunsch gewähren kann. obgleich sie schon so lang Mit ihm versöhnt.184 Wie war es möglich? Wodurch brächt’ ich ins Land ihn her? Sie träumte oft. doch trotzdem stets unversöhnlich blieb. Argwöhnen konnte niemand. strafen. Da sie ihm ja so teuer wie kaum sein eigener Leib. Es ging ihr spät und frühe die Frage durch den Sinn: Wie brachte man sie ohne Zuneigung nur dahin. Denn jeder neue Tag Quält mich mit gleicher Frage. Und Etzel froh war. – wie sehn’ ich sie herbei! Mit ihnen käm auch Hagen! Dann wär’s mir einerlei.

mich quält Schon lange eine Sehnsucht. denk ich daran. Gewährst du. was mir fehlt? Das bitt’ ich dich. ihm teuer und sonderlich vertraut. zur Fahrt vom Rhein hierher. „Entbietet meine Grüße den Freunden in Burgund! Ich wünsche den Verwandten – das tut gefällig kund – Des Glücks die reiche Fülle. Dann solltest deine Boten du senden an den Rhein. die lieb mir sind und nah verwandt. Daß ich mit deinem Herzen der Brüder Freundesherz gewann. wie er war: „Warum sollt’ ich’s versagen? Es wäre undankbar. lieb wäre mir Und Kriemhild. Daß deine Huld beglücke.“ Er stimmte zu: „Schon lange geht es mir durch den Sinn. Wie mächtig sie. sprach die Königin.“ „Du weißt es“.“ Zwei Spielleute. Vierundzwanzig Männer zu schützendem Geleit Gab Etzel seinen Boten. das tut mir leid für mich und dich. „daß ferne in Burgund Mir die Verwandten leben.“ Sie freute sich. Daß sie uns nie besuchten.“ Da sagte Etzel offen und ehrlich. Schon reifte ihr Wunsch zu künftiger Gewähr. dann lüde ich sie gern. ihrer Schwester. säh’n wir sie bald als Gäste hier. Die wurden mit dem Auftrag der Einladung betraut. doch vielen ist nicht kund.“ „Vielliebe Frau“.185 Sie sagte zu dem König: „Mein lieber Mann. so nennt man hier oft „die Fremde“ mich. Daß du sie wiedersähest. Beglückt mich deine Liebe doch reich. sprach Etzel. ich möchte erleben hier im Land. ist dieser Wunsch auch dein. versah sie gut mit Roß und Kleid. 1401–1410 . Warum ich deinen Brüdern noch immer fremd geblieben bin. „wär’ nur nicht allzu fern Für sie das Ziel der Reise. Sie bat: „Mein Herr und Gatte. Dann sagt.

ein Held! Und saget meinem Bruder Gernot. Wie trüb mir oft zumute. an seine Bruderlieb’ und Treu. versprach: „Was Ihr gesagt.“ Zur Königin berief man die beiden bald danach Ins Wohngemach. Die Leute glauben nämlich. wie gut es mir ergeht. Erinnert. – sah man sie hier doch nie – Ganz ohne edle Sippe stünd’ Kriemhild in der Welt. so lieb wie er Wär keiner mir von allen in weiter Welt umher. kennt er ihn doch seit Jahr und Tag!“ 1412–1419 (1411) . Auch bittet sie recht dringend. Und Giselher. ich dächte an jedem Tage neu. Ich sei vergnügt und ginge im Glücke lebensfroh einher. Verhütet. Dann soll das Fest erhöhen die Sommerlust und Fröhlichkeit. Erzählt auch meiner Mutter.186 Da sprach der eine Spielmann. Längst war ich dort gewesen. wo Kriemhild vertraulich noch zu ihnen sprach: „Nun hört mir zu und dient mir nach Wunsche recht und gut! Wenn ihr geschickt und sorglich nach meinem Willen tut. Besteht darauf! Nicht fehlen darf Hagen! Wer vermag Den Weg wie er zu weisen. das ist die schönste Zeit. daß ihr einem Burgunden je gesteht. Wen ihr von den Verwandten auch dort am Rheine seht. Getreulich ausführt alles. Swemmelin genannt: „Wann wird das schöne Fest denn gefeiert hier im Land?“ „Wenn sich die Sonne wendet. daß man Hagens Erfahrung nicht verschmäht. Wärbelin. Mach’ ich euch reich und schenke euch alles.“ Der andere. Verlaßt Euch drauf! – bestellen wir und reisen unverzagt. dann sagt und prahlt vielmehr. herkommen möchten sie. was ihr nur begehrt. wie es mein Wort euch lehrt. war ich wie sie ein Mann. Wie er mich nie verletzt hat.

warum sie so bestand Auf Hagen. Gewänder. zu rüsten unverwandt.187 Die Boten ahnten wenig. Geld genug. – Doch nun galt es. Die Sporen dann dem Pferde. Rosse. 1420/21 . Briefe mit Botschaft. das eilig sie von dannen trug.

Als seien sie im Auftrag Kriemhilds hierher gereist.188 XXIV. Er fragte rasch: „Wie steht es bei euch. dann kam bereits in Sicht Der Dom zu Worms. beschenkt nach kurzer Rast. „Es gibt was Neues!“ rief er. Woher. Komm ich in meinem Leben doch kaum zu ihnen an den Rhein. Ihr Silber und Gewand War gut geschützt vor Räubern. Es sieht mir ganz so aus. Spielleute Etzels sind es. Das wußte keiner. Und von den Boten wurde gleich höflich ihm gedankt. „Besuch kommt hier ins Haus. Dann schieden sie von Rüdeger erquickt. Der ihnen Gruß und Wünsche für die Verwandten gab: „Sie sollen mir auf der Reise lieb und willkommen sein. Bald stiegen sie in Passau beim Bischof Pilgrim ab. Voraus lief zum Hofe das Gerücht. Wie Wärbel und Swemmel die Botschaft ausrichteten Bald war das Fest des Königs in aller Leute Mund. von wem gesandt. Hagen allein war Tracht und Art bekannt. Sie brauchten nur zwölf Tage. denn Etzels Ansehn galt So viel. Auch daß schon auf dem Wege die Boten nach Burgund. und mit Recht!“ 1422–1437 (1433–1435) . sobald sie angelangt. daß man sie willkommen heißt!“ Herr Hagen grüßte beide. daß jeder scheute des Königs Zorn und Herrschgewalt.“ Den Reiseweg zum Rheine weit durch das fremde Land Kann ich hier nicht beschreiben. Es kämen fremde Boten. In Bechelaren blieben sie für die Nacht zu Gast. Um ihres Königs willen sorgt. gut oder schlecht?“ Sie lachten: „Herrlich! Niemals war man so froh dort.

Was bringt ihr von Etzel. 1443) . Den Freunden und Verwandten am Hofe geht es ebenso. wie ruhmvoll sie thronen herzensfroh.“ „Gern glauben wir’s“. Er grüßte sie und sagte: „Willkommen heiß’ ich gern Euch hier im Land.“ Der König sprach bedächtig: „Laßt bis zur siebenten Nacht Den Wunsch mich überlegen.“ Auch Giselher und Gernot erschienen froh erregt. das deutlich von aller Lieb’ erzählt. den schimmernd ihre Krone trägt. Mit der sie euch entbehrten.und Freundespflicht. Bestürmten sie mit Fragen. Die Freunde will ich fragen. wär’s eure Lieb. Dies euch zu sagen. ward uns von Etzel auferlegt: Tat er euch was zuleide? Er fragt. und all der Ungeduld. indes in Ruhe ihr Euch pflegt nach aller Mühe der langen Reise im Quartier. „doch meiner Zunge fehlt Das rechte Wort. wie sie die Liebe hegt: „Warum kommt ihr nicht öfter an unsern Rhein? Ihr wärt Willkommen und wie Freunde besonders lieb und hochbegehrt.189 Man führte sie zu Gunther. Euch und dem Könige gilt Ihr Wunsch. Der saß im hohen Saal. sprach Swemmel. Ihr möchtet drum gedenken der alten Lieb’ und Huld.“ 1438–1450 (1439/40. Und wär auch Kriemhild nicht So nahe euch verbunden. was euch bewegt. den ihr mir überbracht. besuchen möchtet ihr König Etzel und Kriemhild. Die Etzel und Frau Kriemhild von je für euch gehegt Und von dem Ruhmesglanze. Sein Angesicht zu meiden. Der nahen Blutsverwandtschaft. Kein Wort Beschreibt genug. Rings um ihn der Vasallen und Ritter große Zahl. eurem edlen Herrn? Wie geht es meiner Schwester in eurem Lande dort?“ Da sagte Wärbelin: „Ihr Glück ist groß.

was wir taten. Indes berief der König den engen Freundesring. Frau Ute sehen laßt?“ Gefällig brachte Giselher sie hin. was hier geschehen ist. daß Kriemhild es nimmer uns vergißt. Nur Hagen stand allein. Ingrimmig sprach er: „Nein!“ Heimlich gewandt zu Gunther die Stimme sorgenschwer: „Ihr sagt damit Euch selber den Frieden auf!“ So warnte er. Dem war der Plan zuwider. Ich war’s. wie’s seine Art war. als wenn sie euch alle einmal wiedersäh’. Mit dem. Wie freudig sah Die Mutter auf die Boten. Nichts Lieberes geschäh’ Auf Erden ihr. der Siegfried totschlug mit dieser meiner Hand! Wie dürftet Ihr erkühnen Euch dieser Fahrt ins Hunnenland?“ 1451–1459 . Nun nach der schweren Müh’ Bedacht auf Rast und Ruhe. wenn ihr zum Abschied uns verlaßt. Wie herzlich auch verlangend zu ihr die Sehnsucht geht. Zu weit.“ Wehmütig sagte Ute: „Es ist für mich zu spät. zu schwer die Wege. So liebe Boten waren hier lange nicht zu Gast!“ Sie sagten’s zu und schieden. verlangten nach der Herberg sie.190 Da fragte Wärbelin: „Wär’s möglich vor der Rast. „Ihr wißt doch. er stets zu Rate ging. So geht mein Wunsch allein Und mein Gebet zur Tochter: Mög’ sie mit Etzel glücklich sein! Laßt mich’s erfahren. und was meint Ihr zu dem Vorschlag Etzels? Sagt mir. was euch geraten scheint!“ Sie rieten zu der Reise. besuchen möchtet Ihr Mit Euren Söhnen Kriemhild. Daß Ihr uns Eure Mutter. als wäre sie der Tochter nah! „Der Herrin Herzensgrüße und Wünsche bringen wir Und ihre heiße Bitte. Denkt immer dran. „Wie hat euch ihre Botschaft gefallen.

eh’ sie geschieden. der Schwester Angesicht Je wieder anzuschauen? Nein. verzieh.191 Dagegen meinte Gunther: „Kriemhild vergaß. Soll ich was sagen. Langlebig ist die Rache und ungestillt in Etzels Weib!“ Da widersprach ihm Gernot: „Wenn jene Schuld erneut Euch schreckt. sie feindlich noch gesonnen sein. Eurem Rate folg’ ich nicht!“ Es höhnte Giselher ihn: „Da Ihr Euch schuldig wißt. Womit sie durch die Boten Euch freundlich laden ließ. Und ihr bleibt hier zu Hause. mit Freunden gütlich tun! War Hagens Rat doch immer der beste! So befolgt ihn nun! Und wollt ihr ihm nicht folgen. Hat sie Euch dort. Nur Hagen. unversöhnt im Herzen. dir allein Mag. vor aller Not bewahrt. Soll’n wir darum entsagen. Was kümmert’s mich!“ Der Küchenmeister Rumolt sprach warnend: „Bleibt zu Haus! Wie sieht hier doch das Leben freundlich für jeden aus! Könnt euch mit euren Gästen.“ „Laßt Euch ihr Wort nicht trügen. teilen unsere Fahrt!“ Der Tronjer wallte grimmig verletzt auf. Wo ist es schöner als am Rhein? 1460–1466 . rot vor Zorn: „Den will ich sehn. die es kühnlich dran wagen. dann hört auf Rumolts Rat. Und laßt nur. wagmutiger als ich! Wollt Ihr’s nicht lassen. Was einst ihr angetan ward. Der euch von jeher immer die besten Dienste tat. – laßt doch Kriemhild bei Etzel sein. denn längst versöhnte sie Sich mir. – gut dann! Ich bin bereit. und wenn Ihr selber den Tod im stillen scheut. Und Euch die Hunnenreise allzu gefährlich ist. war es auch sanft und süß. dann geht es an Ehre Euch und Leib. So bleibt doch hier zu Hause. der immer als Euer Führer vorn Den Zug geleiten könnte.

ob Unheil und Verrat Nicht auf euch lauern. zu Gunther an den Rhein. Der sang und strich gewandt Die zarten Fiedelsaiten. Sein Bruder Dankwart führte auf Hagens Marschbefehl Die achtzig besten Männer. bleibt zurück! Wer weiß. Wer hat in aller Welt wohl ein schöneres Glück erlost? Wo wären Schätze. „Da Kriemhild uns ja lud Mit schwesterlichen Worten. Die sollten bei den Hunnen getreulich ihm zur Seite sein. um eurer Frauen Glück! Wagt nicht so unbesonnen das Leben. Der Helden Kampfgewand War herrlich. daß euch Böses von Kriemhilds Arglist widerfährt. Güter. – nun gut! der sag’s und bleibe hier!“ Drauf mahnte Hagen düster: „Ich warne vor Gefahr! Wollt ihr’s nicht lassen.“ „Wir bleiben nicht!“ sprach Gernot. 1467–1477 . Und ebenso auch Etzel. Dreitausend Helden stiegen zu Pferd und folgten flink. Bleibet im Lande! Das ist Rumolts Rat. so reich wie hier zu schaun? Trinkt Wein vom allerbesten! Freut euch der Liebe eurer Frau’n! Bleibt hier um ihretwillen. Wie jeder gern den Aufruf zu froher Fahrt vernimmt. So edel Volkers Blut war. und dennoch war ihnen Not und Tod bestimmt. daß es allen fast königlich erschien.192 Vor euren Feinden sicher sitzt warm ihr und getrost.“ Der Rat war gut. den Spielmann nannte jeder ihn. Mit dreißig Mann kam Volker. Sorglos ihr Herz. die ohne Furcht und Fehl In Helm und Harnisch blitzten. Ich rat’ euch: Tausend Ritter mit ihrem guten Schwert Verhüten. Warum entsagten wir? Doch wer nicht gerne mit will. Sie meint es mit uns gut. wie es dort stehn mag. Die Ladung zum Aufgebot erging. schützt euch und nehmt der Waffen wahr.

“ Endlich gewährte Gunther. Er tat es ihr zulieb. Der sprach: „Wir nehmen dankbar Herrn Etzels Vorschlag an. Erlesen und erprobt schon in mancherlei Gefahr. Eh’ wir das Land verlassen.’’ Die Zeit war da. Doch Hagen – klug bedachte er seine Weigerung – schlug es aus. Es fehlt uns ja nichts. „Nicht in der Stimmung ist sie heut abend“. Es waren harte Kämpfer. Die jedem guten Worte in hartem Trotz verschlossen blieb. Doch sagt. Die Boten Kriemhilds standen verdrießlich wartend schon. „laden sie Euch ein. Behaltet sie. Wird gegen euch ein Anschlag heimtückisch dort geplant. Urlaub verlangten täglich sie zu der Fahrt nach Haus. Frau Brünnhild noch zu sehn. sagte Swemmel. Doch Volker hintertrieb es. Doch wehrten sie: „Da Etzel. Wir leiden keine Not. Den Boten Etzels freundlich. gab er vor. Dann wird sie euch empfangen. Dann seid gesichert ihr. wann soll’n wir kommen. woran es lag. Zu Gunther rief man die Boten dann. „Kommt morgen! Wenn bis dahin ihr Unmut sich verlor.“ 1478–1489 (1482) . Er riet: „Nur sieben Tage als Vorsprung geben wir. Da ihr Verzug nur Tadel erwarb statt Dank und Lohn. es verbot. was bisher nicht geschehn.“ Doch auch am anderen Tag Gab’s wieder Hindernisse. Seid stark und überlegen beim Angriff. Vor ihrem Abschied sollten nach alter Botenart Sie Dankgeschenke nehmen als Lohn für ihre Fahrt. eine Schar. eh’ Kriemhild es ahnt. wann soll der Festtag sein?“ „Zur Sonnenwende“. gar oft in früherer Zeit Bewährt in manchem Streite in ihrer wilden Tapferkeit. der König. Sie wußten nicht.193 Aus allen wählte Hagen nur tausend.

Sie nahmen’s an. Hierher zu reisen hieß So viel ihm wie Verderben. Beim Bischof erst rasteten sie kurze Zeit.194 Als König Gunther zürnte. geschah es aus Liebe doch um Kriemhilds will’n Dann schieden beide fröhlich von Worms. Sich rüsteten zur Reise ins Hunnenland zur Sonnwendzeit. wie Tod und Untergang. daß er nicht fehlt!“ 1490–1501 . so sagten sie. Bereit. schien sie doch froh zu sein. Freigebig dankte Kriemhild. beteuerte. Rasch ging die Fahrt. Herr Volker. Mit Gold und seidenen Borten der Boten Hand zu füll’n. So reisefroh die anderen. Von ihren Lippen kam Aus Worms die schöne Kunde. Ist unbekannt geblieben und ward uns nicht erzählt. Wer aber noch dabei. Dann standen sie vor Etzel. als er von unserer Einladung gehört?“ „An einem Morgen war es“. Der Spielmann nur. Bis Schwaben ritt Von Giselhers Gefolgschaft ein Schutzgeleite mit. da willigten sie ein. Spornten sie die Rosse zu schärfstem Trabe an. der König sei in Gran. hierher zu reisen. ihm war wie vor dem Tode bang. Gastfreundlich aufgenommen im Schloß zu Bechelaren. Ließen sie es Rüdeger und alle dort erfahren. die jeder hocherfreut vernahm. Auch Mutter Ute ließ es gern ihre Sorge sein. Doch ihres Herren Name war mehr als gut Geleit. Doch drang sie wißbegierig rasch auf die Boten ein: „Wer kommt von all den Meinen? – Wer hat den Plan gewehrt? Was sagte Hagen. Daß die Burgundenkönige. Doch als sie dort erfuhren. „er ließ Kein gutes Haar an allem. in kurzem fahrtbereit. Doch Eure Brüder waren entschlossen alle drei.

hörte er ihren Worten an: „Mein lieber Herr. „fehlte doch Auch mir der nah Verwandten vertraute Freundschaft noch. War keiner doch von allen gefaßt auf künftigen Kampf und Haß. daß diese Sorg’ ein Ende nahm. Um ihretwillen freut’s mich. sprach Etzel. Weil keiner von den deinen uns zu besuchen kam.195 „Den könnt’ ich leicht entbehren“. 1502–1505 . sagte die Königin. Wie sie beglückt war.“ Die Amtleute des Königs gingen voll Eifer nun Ans Werk. daß mir sein Anblick nicht entgeht!“ Dann wandte sich die Königin und ging zu ihrem Mann. Denn ihm bin ich gewogen. Zu rüsten und zu schaffen für Herberg und Gelaß. „Doch Hagen hier zu haben. das war nach meinem Sinn. denn viel gab es zu tun. die Hände regend. All mein Verlangen steht Auf diese eine Hoffnung. gefällt Euch die Nachricht ebenso? Wie bin ich der Erfüllung all meiner Wünsche endlich froh!“ „Dein Wunsch ist meine Freude“.

Dem Schutze unserer Könige dient dort manch tapfere Hand. Das Traumbild hat mir angst gemacht. Laßt uns nur ruhig reiten in König Etzels Land. doch hat ihn die Reise später sehr gereut. „der vergißt Oft leicht. was falsch ist oder klug. Da aber wies ihn Gernot mit hartem Wort zurecht: „Wie Eurem eigenen Rate Ihr heute widersprecht! Ihr warntet vor der Reise!“ – Und zornig schloß er dann: „Ihr scheut die Fahrt. Nie fuhr noch eine Mannschaft mit schönerer Hoffnung aus Und reicher ausgestattet zur Fahrt in fernes Land. Wie die Herren alle zu den Hunnen reisten Wir schweigen von dem Leben. Am Tage vor dem Abschied sprach Ute tief betrübt: „Es wäre mir viel lieber. sprach Hagen. wie’s ging und stand zu Haus. der sie heut fröhlich scheiden sah. daß seine Ehre dabei gefährdet ist Und kann schwer unterscheiden. Zum Feste ging es ja. Dazu die sechzig Helden.196 XXV. Sei’n tot herabgefallen. tausend Knechten. denn immer denkt Ihr an Kriemhilds toten Mann. Gut waren sie versehen nach Wunsch mit Waffen und Gewand. wie Kriemhild an ihrem Fest sich freut!“ So riet er zu. Von Rittern.“ 1506–1512 (1508) . Geht es nach meinem Wunsche. Die Vögel in den Lüften. Wir woll’n doch sehn. wenn Ihr zu Hause bliebt. Manch einer weinte später. Lebendig ward’s am Hofe zu Worms von Mann und Roß. und ihrem ganzen Troß. so träumt’ ich letzte Nacht. dann unternimmt mein Herr den Zug.“ „Kehrt einer sich an Träume“.

Wenn Ihr es wollt. Behielt ihr Auge ewig. Am frühen Morgen brauste der Feldposaunen Klang. Doch sagt. Der warnte Gunther heimlich nochmals vor künftiger Reu: „War doch nach meinem Sinne die Reise nicht. beweint’ es einst im Übermaß. Schlimm ist so lange Trennung. Wie keiner sonst war Rumolt dem Könige getreu. dessen Hieben kein Schild und Helm einst widerstand. eh’ er aufs Roß sich schwang. Wie weh tat ihren Herzen der letzte schwere Augenblick! 1513–1521 (1514) . Kam über alle Frauen die Abschiedstraurigkeit. Wir kommen wieder. „da du der Treuste bist.“ Schon standen Knecht’ und Pferde bereit. wer zögernd in liebem Arme lag. Wie er so lebensfreudig und stolz im Sattel saß. zu Pferd im Zug gereiht. „riet ich Euch nicht dazu. Ein Lager deckte drüben weithin das grüne Feld. daß mein Kind vor Fährnis und Weh geborgen ist. Gespannt am Ufer standen rings Hütten und Gezelt. Sie nagt und zehrt am Glück. Beim Anblick ihrer Männer. Noch mancher schlang Den Arm um die Geliebte. Ging heller Flötenjubel den Uferrand entlang. Wem Ihr indes die Sorge für Land und Leute übertragt. Da riß sich los. sprach Hagen.197 „Furcht war es nicht“. Brünnhilde bat den König: „Bleib hier!“ Die Nacht vorher Liebkoste sie den Gatten. da tröste sein Gemüt. Wo einer weint und leidet. da uns von Kriemhild nichts zuleid geschieht.“ So sprach er. das Herz von trüber Ahnung schwer. Sorg.“ „Dir!“ sagte Gunther herzlich. Zum Scheiden – nach dem Plane Kriemhilds zum letzten Scheidetag. gebietet! Dann greift nur wacker zu! Gern sitz’ ich auf und reite mit Euch in Etzels Land.

War doch die Landschaft fremd oft. Such eine Furt. und doch Vergeblich stets. Jetzt sprang er dicht am Ufer vom Sattel in den Sand. Ostfranken blieb zurück. Den Strom zu überqueren.“ 1522–1529 . „Denn die Donau führt Hochwasser.“ Sprach Hagen. Tausend Mann im Panzer sprengten sie heran. was still und traurig blieb zu Haus. Die Reise ging zum Mainstrom. Zu Kreisen schwell’n die Strudel und reißen in den Grund Womöglich heute manchen. Als allererste Spitze ritt Hagen weit voran. Landkundig. vergessend. ihr Blick ging hell voraus Ins ferne Blau. Ringsum kein Schiff zu sehen. Bis über Schwanenfelde man an das Donauufer kam. „du bist klug. „Übel steht’s.198 Doch die Burgunden hielt es im Lande nun nicht mehr. tapfer. war er dazu der rechte Mann. Der König mit den Seinen stand zaudernd. wo sanfter das seichte Wasser geht Und einen Übergang dir für Mann und Pferd und Troß verrät. weithin geschwollen ging Die Flut in breiten Wogen. Jenseits das fremde Land Lag fern und unerreichbar. die Straßen unwegsam. Indes er nah zum Grasen sein Pferd an eine Weide band. ihr seht’s. Sie saßen ab am Uferrand. wie bang und kummerschwer Die Abschiedstränen flossen. Wie es auch stand zu Hause. Als Führer durch die Gaue wies Hagen sein Geschick. Die Hoffnung war gering. der gestern fröhlich und gesund. Bald schlossen sich dem Zuge die Nibelungen an. Wie oft sah’n ihre Frauen nach ihnen aus.“ „Wozu die Sorge?“ sagte der König. In Kriemhild brannte ja Siegfrieds Wunde noch. Auswege weißt du immer zu unserem Heil genug.

Es plätscherte ein Brunnen. was er zu hören begehrte. Hell blinkend in der Brünne schritt Hagen frei und unbeschwert. Doch kaum. Hadburg mit Namen. schicksalkund. ihn: „Herr Hagen. Aufhorchend blieb er stehn. Bleibt hier! Ich streif’ indessen entlang am Uferrand Und suche einen Fergen für unsere Fahrt ans Land. Sie sagte: „Reitet weiter getrost in Etzels Land. So wahr mein Wort und Wesen – ich setze es zum Pfand –. Noch niemals unternommen ward eine solche Fahrt. Drei Meerfrau’n. Da hörte er ein Rauschen. So ward. Es schienen ihm die Worte geheimniskund und gut. Hinauf. schnell ihm offenbar. „mein Leben ist mir noch Zu schade zum Ertränken in diesem Wasserloch.“ Er raffte behende Schild und Schwert.“ 1530–1537 (1532) . Die höhere Ehre brachte und größeren Ruhm. daß sie ihm entrannen. Um so gewisser hielt er die Weissagung für wahr.“ Sie schwebten wie die Vögel vor Hagen auf der Flut. Entflohen sie und bargen sich schnell auf grünem Plan.199 „Das geht nicht“. bevor ich selber sterben kann. Das Hagen ihnen hurtig mit einem Griff entwand. Wir künden Euch. daß sie ihn sah’n. Da bat das eine Meerweib. Das ist mein heiß’ Verlangen – erst muß noch mancher Mann Mir in den Tod vorangehn. uns Frauen ward Weissagung verliehn. Wo Gelfrat herrscht. hinab am Ufer – kein Fährmann war zu sehn. Erlabten sich im Wasser beim Bade auf dem kühlen Grund. lachte Hagen. Froh. Heimlich schlich er näher. Wenn ihr dafür zum Danke uns unsere Kleider wiedergebt. wißt. was dort Ihr im Hunnenland erlebt. Da lag noch ihr Gewand. als Ihr erfahrt.

200 Das waren Worte. kluge Frau. Dann sagten sie erst deutlich. Denn tödlichem Verderben bist du im Hunnenland geweiht. Alle. Denn wisse. wie es mit ihrem Wort bewandt. Betört hat meine Muhme dich listig um ihr Kleid. Willst du zur Heimat wieder. die zweite. daß ihr dorthin nur eingeladen seid. Nun sage. Als Sigelind. kehrt gesund Von eurer Todesreise glücklich gerettet nach Burgund. sagte Hagen. Daß wir zugrunde gehen. Um dort zu sterben. Ein einziger. „wenn Ihr betrügerisch droht. Aldrianes Sproß. 1538–1544 . Drum gab er ohne Zögern die Kleider wieder hin. ein schwanengleich Gewand. wer wünschte unseren Tod? Sagt an. Hagen. noch ist zur Umkehr Zeit. wer will uns treffen? Wer haßt uns denn so sehr?“ Da offenbarten beide von künftigen Dingen ihm noch mehr: „Es ist gefügt vom Schicksal und kann nicht anders sein: Keiner von euch allen wird wiedersehn den Rhein. Wie sollte das wohl kommen. vernimm den guten Rat: Flußaufwärts zu dem Fährhaus führt dich der Uferpfad. Wie kommen wir hinüber? Zeig mir den Weg dahin genau!“ Sie sprach: „Willst du’s nicht anders. der Worte Sinn erschloß: „Dich will ich warnen. die hat der Tod schon in der Hand!“ „Zwecklos ist“. Sie schlüpften in die Hülle. eigens nach Hagens Wunsch und Sinn.“ Unmutig kehrte Hagen sich ab und fragte gar nicht mehr.“ Da sann der Tronjer lange und fiel in düsteren Grimm: „Ich muß es meinem Herrn verhehlen. steht’s so schlimm. die mit ins Hunnenland Als frohe Gäste reiten. sonst keiner weit umher. der Kaplan nur des Königs. Dort oben wohnt ein Ferge.

Dann ruft laut übers Wasser.201 Da rief das eine Meerweib: „Herr Hagen. so laut er konnte. Denn er ist zornigen Sinnes. seid wachsam. auf Widerstand gefaßt! Behandelt gut den Fergen. Jenseits des breiten Wassers am hohen Strande lag es da. Der diese Mark behütet. Ihr wäret Amelrich. Hagen stand hilflos vor der weiten Flut. Gelfrat. der brausend rauh über’s Wasser schwillt: „Hol über! Hier ist Amelrich! Ich bin der Mann. wartet doch! Voreilig geht Ihr fehl sonst. die Stimme von Zorn und Grimm erfüllt – Wie Sturmeslaut. Vom besten roten Gold Ein Armring soll dir werden als Dank und guter Fergensold!“ Groß war des Fährmanns Reichtum. Dann hütet Euch. Die überfahrt zu zwingen. Gleich wird er sich bequemen. Er rief. Hier ist ein Herr im Land. Sein Bruder herrscht in Bayern. Auch seine Knechte hielten zum Dienste sich zu gut. um Geldlohn fuhr er nicht. hin über Strom und Flut: „Hol über. der glücklich dem Feind und seinem Haß entrann. Ihn kümmerte kein Bitten. So kam denn keiner. Und zeigt er nirgend sich. Wollt Ihr die Mark durchqueren.“ 1545–1552 . ein kühner Held. Spart nicht das Fergengeld. Da rief er laut. sonst seid Ihr ihm als Feind verhaßt. Denn Gelfrat hat zum Hüter des Donaustromes ihn bestellt. Er ist Herr Else genannt. Denn ich belehr’ Euch noch. auch wenn’s ihm nicht gefällt. Bis er am anderen Ufer das Fährhaus ragen sah. Er schwieg und weiter schritt er den sandigen Weg entlang. Sein Dienst war keine Pflicht.“ Der stolze Hagen neigte den Frauen sich zum Dank. Ferge! Hol mich! Dich lohnen will ich gut! Denn schnell muß ich hinüber. Elses Vasall.

Daß er mit Heuchelworten von Hagen überlistet ward. Wenn dir dein Leben lieb ist. ein falscher Ruf genarrt. daß ihn ein Trugwort. Da schalt der Ferge zornig: „Soll’s nicht dein Schaden sein. Fremd bin ich hier. „zum Dank nimm diesen Ring! Ich bin in Not und Sorge. dann räume gleich den Kahn! Uns haben fremde Feinde genug des Übels angetan!“ „Versag es nicht!“ rief Hagen. Enttäuscht. Ich will nie Euch diesen Dienst vergessen. goldig rot. Mit einer Stange hieb er dem Tronjer übers Haupt. Nehmt guten Sold für Eure Müh’!“ Mit mächtigem Satz sprang Hagen ins schwanke Schiff hinein. Doch kam es für den Fährmann viel schlimmer. Geschwister waren wir. als er je geglaubt. Gierig war er danach. denn einen ganz anderen meinte ich. „Ich lohne es Euch gern. Von gleichen Eltern stammend. ein lockend Angebot. Mit deinem Schiffe bring’ Hinüber tausend Männer mit Rossen und Gerät!“ Der höhnte: „Nie geschieht es. Doch große Sucht nach Schätzen erwirbt am End’ nur Tod und Schmach. Führt mich um Gottes willen hinüber. Zum Ruder griff der Ferge. Bleibe hier!“ „Verweigert’s nicht!“ rief Hagen. Mit starken Schlägen brachte er schnell das Boot heran. Mir bist du fremd. 1553–1561 . daß ihr ans andere Ufer geht!“ Ein langes Ruder griff er. Doch als es lag am Ufer. da sah er Hagen an. Da du mich trogst. daß Hagen hinstrauchelnd sank ins Knie. Ingrimmig schalt der Ferge: „Heißt du auch Amelrich. „Gebt Raum!“ so tobt’ und schrie Und schlug er drein. und sorgen muß ich für meine Herrn. Und hob ihn in die Sonne.202 An seinen Schwertknauf band er den Armring. so fahr’ ich dich nicht hinüber.

was geschah? Kein Fährmann ist zu sehen. legt ins Gras Die Sättel und Geschirre. Von einem Fährmann hab’ ich rings keine Spur gesehn. In Sorgen ihn befragte: „Sag.“ Doch laut befahl schon Hagen: „Ihr Knechte. Endlich gelangte Hagen dahin. der verwundert das Blut im Schiffe sah. es sank ihm fast der Mut. Doch trieb das Schiff indessen im Strome mit der Flut. Und habt auf mich Verlaß! War ich doch sonst am Rheine als Steuermann bekannt! Ich trau’ mir’s zu. Dort fand er die Fahrtgenossen bald.“ Unmutig klagte Gernot: „Die schlimmste Not beginnt. Die sah’n wie von dem Boden des kleinen Schiffes stieg Der Rauch des frischen Blutes. Das er mit einem Schildband dann mühevoll zusammenband. wo sich ein Wald Am Ufer hob. Bis Gunther. Die Tat gab er erst später den Freunden in der Ferne kund. der uns durch Flut und Wind Ans ferne Ufer drüben hinübersteuern mag. Das nahm er und versenkt’ es im tiefen Stromesgrund. Kein Fährmann in der Nähe. Sie fragten.203 In grimmigem Zorn griff Hagen nach seinem Schwert und schwang Es. So stark er rudern mochte. Ich fürchte fast. daß dem Fährmann das Haupt vom Rumpfe sprang. du schlugst ihn tot. aber Hagen schwieg.“ Er leugnete und sagte: „Ich fand das Schiff am Strand. Was kümmert’s mich! Ist keinem doch heut ein Leid von mir geschehn. das Schicksal rüstet uns allen einen bösen Tag. und doch schwimmt hier ein Boot Mit roter Last im Kiele. Hagen. Mir schwant. Vom harten Schwunge brach ihm das Ruder in der Hand. Wo ich’s – verlassen schien es – von einer Weide band. Hinüber bring’ ich Euch heut in Gelfrats Land!“ 1562–1570 .

versunken im Gebet. Dann ward das Schiff beladen mit der kostbaren Fracht An Waffen. Doch sann er finster nach Dem Wort. Nun griff zum Ruder Hagen. Mit einem harten Griff Hob er ihn hoch und warf ihn im Schwunge aus dem Schiff. Ob zwar die starke Strömung auch einige abwärts trug. Er fand den frommen Pfaffen. Er wandte sich zum Lande. endlich das ganze Heer Bracht’ er gesund hinüber. Gold und Kleidern. Griff aus nach Freundeshänden. und meisterlich gewandt Hielt er das Schiff im Strome zur Fahrt ins unbekannte Land. der still sein Weihgerät Umschlossen hielt in Händen. Hagen sah’s und sann. Schien allen doch im Schiffe sinnlos die Tat und grauenvoll. Die Ritter und die Knechte. leicht bemannt. Sie schwammen gut. von Hause mitgebracht. und sicher erreichten sie den Sand.204 Die Pferde trieb man eilig ins Wasser. Den ganzen Tag lang ging es die Ufer hin und her. errett’ ihn!“ Heftig schalt Giselher. doch trieb er glücklich an das Land 1571–1579 . Verzweifelnd an der Hilfe rang hart er mit dem Schwall. Er konnte zwar nicht schwimmen. der Tod schien überall. Schnell packte ihn der Tronjer. das vom Kaplane das fremde weise Meerweib sprach. mit ihm war Gottes Hand. Doch kümmerte sich Hagen um ihn und Gernots Zorn nicht mehr. Blieb ihnen doch zum Kampfe mit Strom und Wellen Kraft genug. doch Hagen stieß und zwang Zurück ihn in die Fluten. Es wartete das Unheil schon auf den armen Gottesmann. Er sah sich um und suchte. Das sollte ihm nichts nützen. Sie schrien: „O Herr. Der Pfaffe schwamm und kämpfte im grausen Wogendrang. Der Männer Unmut schwoll.

nutzlos das gute Boot? Wir brauchend doch zur Rückfahrt!“ – „Damit hat’s keine Not!“ Sprach Hagen: „Schrecken soll es den Mann. 1580–1585 . gefiel. vergeht dem Feigen sein Gelüst. – Gerettet! Hagen sah es und wußte nun Bescheid! Die Wahrheit sprach am Brunnen der Weiber weiser Mund. Zum Schwert griff Hagen. Fehlt für die Flucht das Boot ihm. Gunthers Kaplan allein Mußte einsam heimwärts zu Fuße wandern an den Rhein. Das fügte er in Worte zu einem zierlich hübschen Spiel. Das Schiff entzweizuschlagen. der bange ist. Bruder. Alles war gut gegangen. bis es in Stücke brach. was ihm behagt’. was immer auch geschah. Wir alle müssen sterben. am Ufer Roß und Mann.“ Die meisten waren zornig. Aber Dankwart sprach: „Warum zerstörst du. Und was er sann und dachte. Volker. sah Man stets auf Hagens Seite.205 Da stand der arme Priester und schüttelte das Kleid. Die Saumtiere beladen mit ihrer reichen Last. Dann warf er all die Trümmer ins Wasser. Gesattelt waren wieder die Pferde nach der Rast. und keiner kehrt heim nach Burgund! Das Schiff war bald entladen. schwang es aus Kräften und begann. Nur einen.

206

XXVI. Wie Gelfrat von Dankwart erschlagen wurde
Am Ufer stand zum Aufbruch bereit das ganze Heer.
In Sorge fragte Gunther: „Wer soll uns kreuz und quer
Durchs Land die Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?“
„Ich!“ meldete sich Volker, „ich will den Führerdienst versehn.“
„Steht still!“ befahl da Hagen. „Ihr Herrn und Knechte, hört!
An einem Brunnen haben zwei Meerfrau’n mich gelehrt:
Wir alle säh’n die Heimat nicht wieder! Nun, so laßt
Uns um so tapferer kämpfend begegnen jedem, der uns haßt!
Ich glaubte, aus den Weibern sprach’ Lüge nur und Trug.
Sie sagten, keiner kehre nach Haus von unserem Zug
Als der Kaplan. Dem bliebe allein das Glück verhängt,
Am Rhein zu sterben. Wahrlich! Ich hätte gerne ihn ertränkt.“
Das Wort durchflog die Reihen und ging von Schar zu Schar.
Kein Wunder, daß manch Antlitz bleich ward und traurig war.
Das Grauen spürten alle. Sie sah’n bei diesem Zug
Den sicheren Tod vor Augen. Die Not war groß, die jeder trug.
Hagen rief: „Zu Feindschaft und Haß hab’ ich entflammt
Gelfrat und Else beide. Der treu das Fergenamt
Für sie versah, – ich schlug ihn zu Tode. Seid gefaßt,
Sie greifen an. Dann achtet, daß ihr sie nicht entrinnen laßt!
Sie schäumen, werden beide, was ich getan, gewahr.
Laßt langsam gehn die Pferde, sonst meinen sie wohl gar,
Wir eilten, uns zu retten durch hastige Flucht ins Land.“
„Der Rat ist gut!“ sprach Giselher, „es brächte Schmach und Schand.“

1586–1593

207
Als Führer an der Spitze saß Volker schon zu Pferd.
Der Straßen war er kundig, auf Fahrten oft bewährt.
Die stählern blanke Brünne, die stand dem Spielmann gut.
Er band an eine Stange ein helles Fähnlein, rot wie Blut.
Gelfrat und Else hatten, zu hitziger Wut entfacht,
Ein Heer, den Mord zu rächen, eilig herangebracht,
Tatengewöhnte Männer, bewährt in manchem Streit,
An siebenhundert standen zu schneller Hilfe kampfbereit.
Sie saßen auf und folgten gefügig ihren Herrn.
Die spornten ihre Rosse. Sie hätten gar zu gern
Schnell eingeholt die Feinde, den Zorn, die Wut gekühlt.
Doch wurden sie bald inne, gefährlich Spiel ward hier gespielt.
Denn Hagen hatte klüglich mit vorbedachtem Rat
(Wer sorgte für die Freunde besser, als Hagen tat?)
Vorsorglich schon die Nachhut besonders stark gemacht.
Mit Dankwart und den Seinen hielt Hagen selbst die Rückenwacht.
Der Tag war hingegangen, die kühle Nacht brach an.
Die Not wuchs mit dem Dunkel, darin das Licht zerrann.
Sie ritten still und wachsam, den Schild fest in der Hand.
Der nahe Angriff drohte. Im Dunkeln lag das Bayernland.
Da, rings zu beiden Seiten, im Rücken klang es auf
Von dumpfen Rosseshufen. Ein großer Reiterhauf’
Kam eilends nahe. Dankwart rief laut: „Nun geht es an!
Bindet die Helme fester! Und kommen sie, dann drauf und dran!“
Die kleine Schar der Nachhut, wie’s üblich ist, hielt ein.
Schon blinkte aus dem Dunkel der Schilde lichter Schein.
Da schwieg Hagen nicht länger: „Wes Männer seid ihr, sagt,
Daß ihr uns auf der Straße im Dunkeln anzufallen wagt?“

1594–1602

208
Da gellte aus dem Haufen Gelfrats Stimme hell:
„Wir suchen einen Fremden – drum ritten wir so schnell –,
Der meinen Fergen heute erschlug. Wir suchen hier
Nach diesem Feind, denn unseren getreuen Mann betrauern wir.“
Hagen rief hinüber: „Der Ferge war dein Mann?
Der wollte uns nicht fahren. Ja, ich bin schuld daran,
Ist er nicht mehr am Leben. Er hat mich hart bedroht,
Ich mußte mich doch wehren, er schlug mich selber beinah tot.
Gold bot ich, wie es üblich und Fergen wohl gebührt,
Hätt’ über Strom und Fluten er willig uns geführt.
Doch nahm er eine Stange, griff an und hieb und schlug
Gewaltig mich zu Boden, bis es mein Grimm nicht mehr ertrug.
Zum Schwerte griff ich, wehrte mich hart und traf und hieb
Ihm eine Todeswunde, daß jener liegen blieb.
Und dünkt’s Euch gut, zur Sühne bin ich sofort bereit.“
Schon brannten beide Gegner in tapferem Drang auf Kampf und Streit.
„Wir wissen wohl“, rief Gelfrat, „an diesem Ort vorbei
Ritt Gunther mit dem Heere. An seiner Stelle sei
Hagen von Tronje Bürge für jenen üblen Schlag,
Der mir den Fergen raubte, und den er tödlich büßen mag.’’
Dann senkten beide Gegner die Lanzen auf den Schild.
Gelfrat und Hagen stürmten heran gereizt und wild.
Else und Dankwart trieben vorwärts mit Zaum und Sporn
Die Rosse aufeinander, erglühend ganz in Wut und Zorn.
Wo hätten bessere Helden gemessen ihre Kraft?
Getroffen stürzte Hagen im Prall von Gelfrats Schaft.
Das Brustzeug seines Pferdes zerriß. Er sank ins Gras.
Was Sturz und Fall bedeuten, erfuhr er hier in vollem Maß.

1603–1609

209
Denn Gelfrat, abgesessen, kam jäh im Sturm heran.
Doch als nach hartem Sturze Hagen die Kraft gewann,
Erhob er sich und wehrte dem Gegner. Gelfrat schwang 
[zersprang.
Das Schwert auf ihn, daß klirrend vom wuchtigen Schlag sein Schild
„Zu Hilfe, lieber Bruder!“ so rief er Dankwart an.
„Ein wahrer Held, mein Gegner! Hilf mir und komm heran,
Sonst muß ich ihm erliegen!“ Dankwart sprang brüderlich
Ihm bei und drohte Gelfrat: „Ein Ende mach’ ich! Hüte dich!“
Er hob die scharfe Schneide und traf mit hartem Schlag
Gelfrat aufs Haupt, daß dieser im Blut am Boden lag.
Es hätte Else gerne des Bruders Fall gerächt.
Doch war er selbst verwundet. Um seine Sache stand es schlecht.
Der Bruder und noch achtzig der Seinen hingerafft,
Und auch die anderen alle am Ende ihrer Kraft.
Sie wichen und entkamen zuletzt mit knapper Not,
Verfolgt noch von den Tronjern, bis Dankwart endlich Halt gebot.
An hundert Bayern lagen im Gras. Die büßten hart
Für vier Burgunden, deren Verlust betrauert ward.
Nun fanden sich die Männer allmählich wieder an,
Kampfmüd und wund, im Arme den Schild, von dem das Blut noch rann.
Es floß aus nächtigen Wolken das Mondlicht trüb und falb.
„Verschweigt dem lieben Herren, warum wir seinethalb
Hier in der Nacht gefochten“, sprach Hagen. „Mögen sie
Im Schlafe sorglos ruhen. So hören sie’s erst morgen früh.“
Doch mancher war vom Kampfe ermüdet, matt und wund.
„Wie lange soll’n wir reiten?“ ging es von Mund zu Mund.
Auch Volker, der die Sorge für Knecht’ und Pferde trug,
Ließ fragen: „Wann gibt’s Ruhe? Für heute haben wir genug!“

1610–1622 (1611)

210
Doch barsch versetzte Dankwart: „Das weiß ich selber nicht.
Wir halten erst und ruhen im neuen Tageslicht.
Und wie wir es dann finden, da ruhen wir im Gras.“
Das hörte mancher ungern und ritt verdrossenen Sinns fürbaß.
Wie schlimm sie zugerichtet in heißer Kampfesnot,
Wies sich, als über’m Berge aufstieg das Morgenrot.
Verwundert sah’s der König und fragte vorwurfsvoll:
„Seid ihr so stolz, daß keiner von uns im Kampf euch helfen soll?
Wie geht es zu, Freund Hagen, daß Ihr im Kampfe steht
Und dabei jede Hilfe der anderen verschmäht?
Voll Blut ist Euer Panzer. Wer hat’s Euch beigebracht?“
Er sagte: „Das tat Else. Der überfiel uns diese Nacht.“
Die Fahrt ging weiter. Passau war nächstes Reiseziel,
Wo’s ihnen bei Herrn Pilgrim, dem Bischof, gut gefiel,
War doch der Oheim glücklich, die Neffen dort zu sehn.
Sie ließen sich zur Freude den Tag vergnügt vorübergehn.
Dann nahten sie den Grenzen der Mark, wo Rüdeger
Das Land weithin beherrschte. Als Grenzwacht hielt die Wehr
Ein Mann, den Hagen liegend, in Schlaf versunken, fand,
Und dem er dabei listig die Waffe aus den Händen wand.
Es war der Ritter Eckewart, der, überrascht erwacht,
Nun sah, wie er als Wächter schlecht auf sein Amt bedacht:
„Weh mir der Schande! Rüdeger, mein Herr, was tat ich dir!
Seit Siegfried tot, gedeihen zum Unheil alle Tage mir.“
Das rührte Hagen: „Nimm hier zurück dein gutes Schwert,
Sechs Armringe dazu noch! Du bist mir allzu wert.
Die alte Lieb’ und Freundschaft bleib’ zwischen uns bewahrt.
Auch schwach und einsam wachend bist du ein Mann von rechter Art!

1623–1634 (1626/27)

211
„Gott lohn’ Euch Eure Ringe!“ versetzte Eckewart.
„Doch wißt, daß hier im Lande nichts Gutes Eurer harrt.
Ihr schluget Siegfried. Wahrt Euch! Das ist mein guter Rat.
In einem harten Herzen blieb unvergessen Eure Tat.“
„Nun, Gott mag darum wissen und geben, was uns frommt!
Uns kümmert mehr, ob endlich wohl eine Herberg kommt,
Denn unsere armen Leute, die Könige zugleich,
Sind müde von der Reise und lägen gerne warm und weich.
Lahm sind die Rosse, steinig war unser Weg hierher.
Auch hungert uns, zu essen gab’s lange schon nicht mehr.
Nichts gibt es auch zu kaufen. Ein guter Wirt war not,
Der gütig zur Erquickung den Tisch versah mit Fleisch und Brot.“
„So einen weiß ich“, sagte der Grenzwart, „einen Wirt,
Wo jeder Gast von Herzen gern aufgenommen wird.
So reich der Mai mit Blüten bestirnt den Wiesenhang,
So gütig ist Herr Rüdeger besorgt für Ruhe, Speis’ und Trank.“
Da bat ihn Gunther: „Wollt Ihr dahin mein Bote sein?
Wenn er es uns vergönnte, gern kehrt’ ich bei ihm ein.
Ist er mein guter Freund doch. Ich dank’ ihm immerdar,
Wenn er uns gastlich aufnimmt, die Brüder, mich und meine Schar.“
„So schöne Botschaft melde ich gern!“ Und unverwandt
Nahm Eckewart zu Rüdeger den nahen Weg ins Land.
Vom hohen Fenster schaute der Burgherr unruhvoll:
„Der Grenzwart kommt! Was gibt es? Ob das Gefahr bedeuten soll?“
Er eilte ihm entgegen, empfing ihn schon am Tor.
Der stand, das Schwert entgürtend, und grüßte ihn zuvor:
„Ich bringe gute Kunde, es trafen Gäste ein.
Sie möchten deiner Gnade und Freundeshuld empfohlen sein.

1635–1643

Mann und Knecht. Was Rüdeger befohlen. „Willkommen sind sie!“ rief er. Entgegen sollt ihr reiten! Drum sattelt! Auf mit Mann und Roß! Es eilten zu den Pferden Ritter. 1644–1649 . das dünkte allen recht. „die Herren von Burgund! Wie wenig könnt’ ich lohnen. Auch bittet Euch Herr Volker um Kost für Mann und Tier.212 Die Könige von Burgund sind schon unterwegs hierher Mit Hagen und mit Volker und ihrem ganzen Heer.“ Da ging ein frohes Lachen um Rüdegers Aug’ und Mund. Denn seine guten Knechte verlangt nach Essen und Quartier. Nur um so schneller zog es sie fort zu froher Pflicht. In ihrer Kammer wußte Gotelind die Neuigkeit noch nicht. was ich dort einst genoß.

mein Töchterlein. So wollten sie den Fremden festlich entgegengehn. Vom Huf die Erde stob. Den grüßt besonders schön. Da kam der Zug in Sicht schon. Dem Winde auch. Mit feinem Anstand ihnen freundwillig und gefällig sein!“ Das zu versprechen waren die Frauen gern bereit. die Wangen glühten echt. 1650–1657 . Wie sie nach Bechelaren kamen Zu Weib und Tochter eilte der Markgraf: „Seid gefaßt Heut auf Besuch! Es kommen drei Könige zu Gast Mit ihren Herrn und Knechten. Mit Gunther kommt auch Hagen. Der ihm von früher lieb war. Mit sonderlichem Gruße empfing er Hagen dann. Die sechse sollt ihr küssen. und fröhlich winkend hob Zum Gruß die Hand Herr Rüdeger: „Willkommen. Und neben ihnen werden Dankwart und Volker stehn. edle Herrn! Euch und Eure Leute begrüß ich hier im Lande gern! Als Freunde seid willkommen bei uns im Freundesland!“ Erst bot er hellen Blickes den Königen die Hand. auch du. Sie kehren bei mir ein. Da gab es keine Schminke. Gleich aus den Laden suchten sie her das schönste Kleid. und sah auch Volker freundlich an. Hin flog der Schwarm der Reiter. Sie hatten viel zu schaffen. zum Schutz.213 XXVII. Und würdigen Empfanges müßt beide ihr gewärtig sein. um gut und würdig zu bestehn. der gerne das Haar durchwühlt und löst. Ein goldenlichtes Bändchen zog sich durch’s Haargeflecht Als ihres schönen Hauptes einziger Schmuck und Putz.

Ringsum vergnügte Mienen. Aus ihren Sätteln sprangen die Gäste auf den Sand. In ritterlicher Haltung den Frauen zugewandt Erwiesen ihren Gruß sie nach höfisch feiner Art. war doch die Mannschaft gut verwahrt. Da ging zu ihm ihr Blick. Doch mußte sie ihn küssen. der sich Sorgen gemacht um Knecht und Pferd. an sechsunddreißig. Nach Dankwart kam am Ende auch Volker an die Reih’. Den Pferden nehmt die Zäume von Hals und Maul und laßt Sie draußen weiden!“ Niemals ward ihnen solche schöne Rast. Die Herren ritten weiter. 1658–1666 . Gotelind. ringsum ihr Hof gesind. Nun spannt erst eure Zelte. die edle Gräfin. Dann bot auch ihre Tochter zum Gruß den holden Mund. und was an losem Gut Ihr mitgebracht. Der Vater wies auf Hagen.214 Herrn Dankwart. grüßten scheu und zart. die Frauen. Die Gräfin küßte alle drei Könige von Burgund. strahlend ganz In herrlichen Gewändern. für alles leist’ ich euch Entgelt. Was im Feld Verloren ging. Mit Recht ging sie ihm nicht vorbei. Ich schaffe Unterkünfte. So grimmig düster schien er. ich berg’ es. Kam’s ihnen doch zu paß! Sie machten sich’s gemütlich und warfen sich ins Gras. ihr Knechte. Beschwichtigt’ er: „Sie werden gepflegt hier und ernährt. Da seinem Gast zuliebe der Vater es gebot. ward sie auch bleich und rot. So gut war’s nicht geworden auf ihrer ganzen Fahrt. Der war so stolz und tapfer. Scheu wich sie drum vor ihm zurück. Die Mädchen auch. den letzten Sporn nehm’ ich in Hut. mit ihrem schönen Kind Stand wartend schon am Tore. Liebreizend schöne Mädchen. in edler Steine buntem Glanz.

verwehrte das Geschick. Und geht zu Eurem Kinde mein Blick. Mit lustigen Scherzen wurde. um Eure Tochter würb’ ich gleich!“ 1667–1675 (1668) . Ihr Töchterchen vor allen zog jeden Blick auf sich. Doch was sich mancher träumte. Besonders froh schien Volker. das nach Sitte und Brauch geschieden war. Bei ihren Gästen weilte die Markgräfin. Ein Leben. mit Lachen nicht gespart. reich an Gütern. Hätt’ ich ein Königreich Und trüge eine Krone. Die weite Halle faßte die Gäste kaum. Und mancher Ritter träumte: Ach. Und beider Blick verriet es. Manch einem war das wenig lieb. getrennt Die Frauen von den Männern. So saß man im Gespräche und trank den allerbesten Wein. Und an des Helden Seite schritt zierlich sie einher. So schön sie ist. dächte sie an mich. Und gäb sich mir zu eigen! So schön sie von Gestalt. so gut auch. Die Gräfin Gotelinde nahm König Gunthers Hand. dann neidesvoll Preis’ ich das Glück des Gatten. Das uns wie Himmelsgnade hier wunderreich umfängt. daß jeder Wunsch und Blick ihr galt. Hinüber und herüber begegnend flog der Blick. wie’s nur ein Traum beschert. Doch nach dem Essen endlich vereinte manches Paar Sich wieder. dem sie gehören soll. ein hohes Glück geschenkt. an Ruhm und jedem höchsten Wert. Ein Weib. was freudig ihr Gemüt empfand. Da trugen schon behend Die Diener große Kannen heran und schenkten ein. doch blieb Ihr Kind am Mädchentische. edler Markgraf. so schön und edel. Ihr edler Sinn verdiente.215 Dann nahm die junge Gräfin die Hand von Giselher. Der sprach ein Lied nach Spielmannsart: „Gott hat Euch.

Sie kam in scheuem Gang. Man einte ihre Hände. schien es. wäre Giselher an der Reih’. Mir fehlen eigene Länder. und wie’s auch Giselhers Begehr. Auch er verlobte sich der Maid. Und was sich fügen möchte. wer hemmte dessen Zwang? Man rief die junge Gräfin. und Gernot stimmte ein. und feste Burgen hab ich nicht. Mit altem Spruch und Eid Empfing er sie zu eigen. Von edler Abkunft ist ja die Gräfin. Der König Gunther schwor es. Laß ich zur Eh’ als Mitgift der Tochter so viel Gold Und Silber. Es sollten Land und Burgen dereinst ihr eigen sein. wie man fortführt als hochgepackte Last Auf hundert Rossen. Zu schöner Wahrheit. nachdem er vor sich hingeblickt: „Ein Weib zu nehmen. Doch daß ihr gleiche Treue an mir erkennen sollt.“ 1676–1682 . Da warben beide Brüder um sie für Giselher. Gern und frei Trät’ ich in ihre Dienste. Nähm’ sie mit Giselher die Krone der Burgunden an. Wie sich’s geziemt für Könige. Ich wählte sie und wäre mein Leben lang beglückt!“ Da sprach Hagen herzlich.216 Da lachte Markgraf Rüdeger im Scherz abwehrend: „Nein! Wie könnte meine Tochter wohl eine Königin sein. Der Markgraf sprach: „Ich stehe in meines Königs Pflicht. daß sie als Braut auch den Verwandten paßt.“ Wie Rüdeger drang Gotelind des Tronjers Wort ins Herz. Da wir doch hier nicht seßhaft und nur Vasallen sind? Was nützt die größte Schönheit so einem armen Ritterkind!“ Doch Gernot widersprach ihm in edlem Zartgefühl: „Wenn mir ein Weib mit Augen und Herzen wohlgefiel’. mit mir manch treuer Mann. erwuchs des Spielmanns Scherz.

Und daß du gern ihn nähmest.“ Ihm wehrte Dankwart höflich: „Wahrlich. So geht’s den Mädchen heute noch. War sie es doch zufrieden. wie es der jungen Leute Art.“ Auf diese Worte lachte Herr Rüdeger: „Ich hab noch mehr! 1683–1689 . Gemeinsam aßen sie Das Nachtmahl noch und dachten bereits der nächsten Morgenfrüh. Zwar noch ein wenig scheu. Nun fragte man die Jungfrau auch öffentlich aufs neu.217 Dann schlossen sie um beide einen lebendigen Ring. Da riet ihr Vater Rüdeger: „So sage dreist nur Ja.“ – Da stand ihr zärtlich nah Schon Giselher. „Das leid’ ich nicht!“ sprach Rüdeger in freundschaftlichem Ton. Die standen froh gepaart Und machten sich Gedanken. der schnell sie mit Arm und Hand umschloß. Wie gern man noch zusammen gelacht. Sie billigten es gerne. Nur schämte sie sich doch Im stillen vor der Frage. Von Jünglingen und Mädchen. geplaudert hätt’. Die Mädchen mußten frühe ins Kämmerlein zu Bett. Ob sie den Bräutigam wolle. gewärtig froher Wiederkehr. Wer ahnte wohl. Der nach dem Brauch das junge verlobte Paar umfing. Müd waren auch die Gäste. So liebe Gäste sah ich hier nie und seh’ ich selten mehr. „Ihr müßt noch bleiben! Ruhe bedarf noch Roß und Heer. das kann nicht sein! Woher nähmt Ihr zu essen. Zum Aufbruch nämlich mahnten sie streng einander schon. So fügt’ es Rüdeger. woher noch Brot und Wein? Müßt Ihr doch heut schon sorgen für unser ganzes Heer. Dann sollte Giselher mit seinem Weib zu zwei’n Heimreiten nach Burgund. daß keines jemals des anderen Lieb’ genoß? Käm’ erst die Zeit der Rückkehr zur Heimat nach dem Rhein.

Er blickte auf die Wand hin: „Mir ziemt hinfort nicht bloße Zier Was nur das Aug’ zu freuen vermag. begehr’ ich nicht. In ihrem Drang zu schenken ward ihre Hand nicht leer. Was konnte Hagen freuen als Gunst von Rüdeger? Nahm doch der König selber ein Gastgeschenk von ihr. Still gingen die Gedanken zu Notung. Daß König Etzels Güte und Reichtum unermeßlich ist. Erneuerte sich wehvoll ein alter Herzensgram. Es fehlte nicht am Brote. Und eure Leute wären reichlich versorgt.“ Der edlen Gotelinde. Der Tag kam. 1690–1699 (1692/94) . der ihn trug. als sollt’ ihn meine Hand Heimführen auf die Walstatt. Womit er sich gewaltig im späteren Kampf gewehrt. ihr tränkt den Wein nicht aus. der hell im Sonnenlicht Von jener Wand mich anblickt. als sie den Wunsch vernahm. Doch vorher gab es noch Geschenke. denn wißt. Da neigte König Gunther sich ritterlich zum Dank. Sie gab ihm ein lichtes Stahlgewand. ein hartgeschmiedet Schwert. Er trug die schöne Brünne in hohen Ehren lebenslang. Roß und Kleider. den trüg ich gern in Etzels Land. Als ihn der kühne Witigis in jenem harten Kampf erschlug. Gernot nahm eine Waffe. Aus Gotelindes Händen nahm er es in Empfang. Es fehlte ja an vielem doch! Nahm Gunther auch nur selten Geschenke. Nun ward es Zeit zum Abschied.218 Und bliebt ihr vierzehn Tage und länger hier im Haus. Bis an den vierten Morgen genossen sie die Ruh. Doch jenen guten Schild dort. er ließ es doch nicht zu.“ Wenn sie sich auch noch wehrten. – Rüdegers Hand Wies er nicht ab. da es ihres geliebten Gatten Herzblut trank.

Die nahm zum Angedenken Herr Volker mit ins Hunnenland. der Treue ist nicht mehr. denn er. hätt’ er zu kaufen ihn begehrt. Ach. wollte Gott. Es war in lichte Stoffe sein festes Holz gehüllt. „Bringt mir die alte Lade!“ rief sie dem Hofgesind. Wie zierlich ging der Bogen. Noch immer muß ich Arme beweinen seinen frühen Tod.219 Sie sprach zu Hagen: „Gerne geb’ ich ihn Euch. Wie Ihr mir als mein Ritter gehuldigt habt. „Zu meiner Ehre tragt sie bei Etzel! Euer Lied Mag dort zu meinen Gunsten gewinnen manch Gemüt. wie süß erquoll das Lied! So spielte er und sang er. das mögt Ihr mir berichten.“ Sie stand auf von dem Sitze und nahm ihn von der Wand Mit ihren weißen Händen. Auch Dankwart sah sich gütig und überreich bedacht. daß ihre Feindschaft ihn trieb in jämmerlichen Tod? Zuletzt nahm seine Fiedel der Spielmann. Wohl tausend Mark an Wert Hätt’ einer bieten müssen. Sie legt’ in Hagens Hand Den teuren Schild. Die junge Gräfin gab ihm ein Kleid von reicher Pracht. als er von Bechelaren schied! Volkers weiche Töne ergriffen Gotelind. Nie funkelte im Lichte des Tags ein besserer Schild Vom Schmuck der edlen Steine.“ 1700–1707 . Dem er am Arm gehangen. daß die Gabe die höchsten Ehren ihm gewann. wenn einst des Wiedersehens Stunde schlägt. Daraus nahm sie zwölf Ringe als Zier für seine Hand. Wie gern es Rüdeger bot! Wie kam’s. Er trug ihn in späteren Tagen dann So ruhmvoll. er lebte! Er fiel in Kampfesnot. strich und sang Und spielte Rüdeger und Gotelind zum Dank. Das trug er bei den Hunnen.

1708–1717 . Schon sah sie manches Antlitz. Wie schön die Zeit der Ruhe in Bechelaren rann. Als man zum Ritt ins Weite fröhlich die Sporen gab. Herr Etzel rief erfreut: „Nun kommen deine Brüder. Es leuchten Halsberge. Die Nibelungen kämen. Wie viele Tränen rannen in Zukunft diesem letzten Glück! Noch aus den Fenstern sahen sie auf den Hof hinab. „Dort kommen sie. Wie sehnsuchtsvoll ein Freund tut. Den mach’ ich reich. und auch Giselher schlang inniglich Den Arm um die Geliebte. vertraut aus alter Zeit. Fünfhundert Männer mit ihm zu sicherem Schutz von Mann und Troß Die Stunde schlug. die Herzen waren von trüber Ahnung schwer. Wer meines Leids gedenkt. Kriemhild. Herrn Etzels Augen lachten und waren voller Fröhlichkeit. Ich glaub. So ward die frohe Kunde im Lande bald bekannt. Zwar dachten auch die Männer oft unterwegs daran. Doch freudig lief ihr Sinnen dem Aug’ voraus ans Ziel Ins Hunnenland und weilte bei Festturnier und frohem Spiel. mancher Schild Erblinkt im Sonnenlichte. Auf Rüdegers Vorschlag wurde Botschaft vorausgesandt. Er nehme gleich all mein Hab und Gut geschenkt.220 Herr Rüdeger erklärte: „An Eurer Seite reit’ Ich selber als Begleitung. dein Ehrentag ist heut!“ Von einem hohen Fenster sah Kriemhild weit hinaus.“ Fröhlich stieg er zu Roß. Die Frau’n und Mädchen sahen still weinend hinter ihnen her. Sie gab den Kuß zurück. kommt ihm ein Freund ins Haus. „Nun kommt der Tag der Freude!“ sprach nachdenklich Kriemhild. daß Ihr in Sicherheit Die Straße fahren möget. Mit Handschlag und Kusse schieden sich Die Gatten.

Ihr Stolz und Hochsinn steht So fest wie ihre Freundschaft. Volker und euer ganzes Heer! Zu euch ist nicht die Kunde gedrungen. Hagen erkannte Dietrichs Gestalt schon ganz von fern.221 XXVIII. mit reichlichem Gezelt Für Knecht und Troß zum Schutze in kühler Nacht auf offenem Feld. Steht ihnen bei mit gutem Rat!“ Dietrich mit seinen Männern und Knechten stieg zu Pferd. haltet! Steigt ab. Verhehlte ihnen aber die Sorge nicht. zu künden seinem Herrn. Die Herrn wie ihre Mannschaft vom Amelungenland. Der Alte riet und bat: „Mir bangt um die Burgunden. Von Bern Herr Dietrich führt sie. Wie Wolfhart es befohlen. Entgegen den Burgunden! Manch Saumroß ward beschwert. und laßt zu Fuß Uns hingehn und den Bernern erwidern ihren Freundesgruß. Gernot und Giselher. Dankwart und Hagen. Auch Dietrich hielt sein Pferd an. daß Ihr sie nicht verschmäht. Daß Kriemhild alle Tage noch Siegfried. ihren Mann.“ 1718–1724 . Drum seht. des Herrn Dietrich von Bern Getreuster Mann. ging eilig. Die Nibelungen kämen. hätte Herr Rüdeger sie gewarnt vorher. Er hielt und lenkte langsam herum zu seinem Herrn: „Soll ich Euch raten. Wie die Burgunden nach Etzelburg kamen Der alte Hildebrand. wie mir scheint. Freundlich nahm er sie in Empfang. „Willkommen seid uns. Denn tüchtige Männer sind es. Ihm wär Es lieb gewesen. Gunther. beweint. und wie die Seinen sprang Er aus dem Sattel. seit langem mir bekannt.

„manches Jahr Verging. der damals Siegfried vom Niederland erschlug. der einst ihr Gatte war. schauten. der nun so lang begraben liegt. milden Sinnes. Auch hat ja meine Schwester uns gleiche Botschaft zugesandt. und sehen. ging die Rede mit Flüstern hin und her. sprach Hagen.“ Doch forschten die drei Könige: „Wie ist Kriemhild gestimmt? Ist weich sie. Dazu erzählten andere: Der hoch dort ritt im Zug. er ist ein toter Mann. „kein neuer Morgen tagt. Daß im Gebet zum Himmel sie nicht um Siegfried weint und klagt. damit ihr Schmerz versiegt! Siegfried kommt nicht wieder. Der von den fremden Helden der allerstärkste war. Wonach dann frag’ ich noch? Wir folgten seiner Bitte und kamen in sein Land. Das war der Mann. Gunther. Die Hunnen drängten. wie’s dort steht.“ Dann ritten die Burgunden an Etzels Hof.“ Dietrich von Bern indessen hub warnend wieder an: „Siegfried soll uns nicht kümmern. Mag sie doch Etzel lieben. seit er erschlagen. Der sei es. sprach Dietrich. – ist hart sie. den Ihr nicht ändern könnt! Laßt an den Hof uns reiten. nach Art Und altem Brauch der Heimat zu stolzem Zug geschart.222 „Dann weinte sie ja lange“. beschütze selber dich!“ „Wovor soll ich mich hüten? Herr Etzel hat uns doch Durch Boten eingeladen. haßergrimmt?“ „Kein Abend geht“. 1725–1733 (1728) . Wozu man solche Männer wie uns ins Land zu Gaste lädt.“ Da wandte sich der Spielmann unmutig: „Dann vergönnt Dem Schicksal seinen Willen. und all ihr Fragen galt Nur Hagens grimmig düsterer und herrischer Gestalt. Doch Kriemhild lebt und sinnt doch auf Rache lediglich. Du Nibelungenschützer.

von dem mir gleich Freundliches geschieht. grau sein Haar. Der Hort der Nibelungen. Daß keinem seiner Leute zum Nachteil irgendwas geschah. Seid auf der Hut. nicht mitgebracht ins Hunnenland?“ 1734–1741 . den Ihr mir einst entwandt? Warum habt Ihr. Die Könige ehrt und ihre Gefährten ganz vergißt. Von ihren Herren wurden gesondert Knecht und Mann. ich hätte wahrlich schon Genug für Euch an Schätzen. So hatte es Kriemhilde gefügt. Doch Dankwart sah. „Daß Gaben Ihr erwartet. Zu ihren Unterkünften fort führte man sie dann. Da band er fester nur seinen Helm und sprach: „Seltsam liebt man zu grüßen. der ja mein eigen ist. Sie küßte Giselher und keinen sonst danach. wenn jemand euch ohne Willkomm läßt. gab Hagen höhnisch zurück den Hohn. Ihr wißt. der herrlich anzusehen war. Daß Ihr im Hunnenlande mir solltet so willkommen sein?“ „Hätt’ ich gewußt“. Wohin ist er gekommen. da man den einen küßt. was mein ist. Wie grimmig auch. nicht gut geraten wird diese Fahrt zum Hunnenfest. Ich hätte mich bedacht Und Euch zulieb Geschenke in Fülle mit hierher gebracht!“ „Von diesen Schätzen wüßte ich gern noch mehr. Die Brust. sein Blick ein grauser Blitz. Es barg In all der offenen Freude sich ihres Herzens Arg. Der Tronjer sah’s. Was bringt Ihr mir denn Gutes und Freundliches vom Rhein. Mir scheint. – ein Recke. die breiten Schultern gewaltig. wer Euch hier gerne sieht.223 Von edlem hohem Wüchse ragte im Sattelsitz Die mächtige Gestalt auf. umgeben von ihren Frau’n.“ Sie sprach: „Heiß’ Euch willkommen. Den grüß’ ich nur. Da kam Kriemhild.

“ 1742–1748 . „die Mühe sei Euch gern erspart! Ihr meint es gut. Obwohl er doch mein eigen als Witwenerbe war. Darum. ich bin der Mann. Wüßt’ ich. daß sie zur Herberg bringt Mein Schwert wie meine Brünne. „daß man sie gut verwahrt. Nur zu. höhnte sie der Tronjer. es ward seit manchem Jahr Des Nibelungenhortes mein Auge nicht gewahr. Weigr’ ich dem Fürstenliebchen. wenn ich mein eigener Kämmerer bin.“ „Weh’ mir des neuen Hohnes!“ So jammerte Kriemhild. doch da mich der Ehrgeiz wenig dringt. du Teufelin! Ich bin gefaßt auf deinen Lohn. man dürfe keine Schwerter mitbringen in den Saal. ich strafte tödlich ihn dafür. wer es getan hat. „Genug hatt’ ich zu tragen allein an meinem Schild Und an der schweren Brünne. edle Königin. „Gebt ab die Waffen!“ rief sie. „Warum woll’n meine Brüder. Ihr seid ja Königin! Von meinem Vater lernt’ ichs. Mein Helm. will Hagen nicht den Schild.“ An all die Männer wandte sich Kriemhild und befahl. Den hießen meine Herren versenken in den Rhein.224 „Wahrhaftig. der ist so licht Wie in der Hand mein Schild hier. Daß Ihr von meinem Horte nichts mit ins Land gebracht. Ich warnte die Burgunden. willst du mir drohn. Das Schwert aus Händen geben? Sie sind gewarnt vor mir.“ „Nein“.“ Da trat von Bern Herr Dietrich zornig an sie heran: „Wer sie vor dir gewarnt hat? Vernimm. Von mir bekommt Ihr beides nicht. Das hat mich schwer bekümmert seit manchem üblen Tag und Jahr. Bis zu dem Jüngsten Tage mag er denn dort verborgen sein!“ Die Königin sprach bitter: „Das hab’ ich mir gedacht.“ „Zum Teufel! Gar nichts bring’ ich!“ so wehrte Hagen wild.

Sie schwieg und ging von dannen.“ „Hagen von Tronje ist es“. Der Berner sagte offen: „Es ist mir wahrhaft leid. Erinnerung kommt mir wieder.“ Hagen von Tronje aber rief aus: „Das findet sich!“ So sprachen sie wie Freunde. Daß Ihr von Eurem Rheine ins Hunnenland gekommen seid. der Haß Kriemhildes ist unveränderlich. der in Haltung und Blick absonderlich. sprach einer. erglüht auch das Aug in stolzem Widerschein. Nur einen Hassesblick Warf sie im Weiterschreiten auf ihre Feinde noch zurück.225 In Scham und bitterem Zorne wandte sich Kriemhild. sein Vater Aldrian. „Untertan Dem Könige der Burgunden. Sprach Etzel. „der viel Ansehn und Ehre hier gewann. wen empfing dort Herr Dietrich freundschaftlich? Ein Gast scheint’s. – Verwundert fragte Etzel. Wer mag sein Vater sein? Ein seltener Mann. den tüchtigen Mann“. Es war die treue Helche dem Aldrian besonders hold. Hagen sandt’ ich heimwärts.“ 1749–1756 (1754) . daß Aug in Aug sich fand. Sie wuchsen hier heran. Ihn und Walther von Spanien. die mich dran denken läßt: Zwei schöne Knaben hielt ich ehmals als Geiseln fest. Ihr seht. der beide so von fern gesehn: „Gern wüßt’ ich. Ich schlug ihn einst zum Ritter und schenkte ihm mein Gold. Da gingen zueinander und schlugen Hand in Hand Dietrich und Hagen beide. Doch stolzen Sinnes auftritt. Vor dem gestrengen Dietrich entwich sie furchterfüllt. Ist er in seinem Grimm doch der stärkste Gegner auf der Welt!“ „An Aldrian gedenke ich gern. die sich sogleich verstehn. Wie er in Mien’ und Haltung sich hier auch freundlich stellt. Walther mit Hildegund entrann.

die der Jüngling in früherer Zeit ihm bot. Im Alter nun sann Hagen auf seiner Freunde Not und Tod.226 Als Etzel so den Tronjer. 1757 . An Dienste. Da dachte er an manches. was ehemals geschah. den Freund hier wiedersah.

dem Spielmann. denn leuchtend lag Um sie der Glanz der Waffen.“ „Wie hat Euch Hagens Anblick verwandelt?“ fragten sie. Wenn Ihr’s befehlt. Wie er nicht vor ihr aufstand Von Dietrich schied sich Hagen. so traurig wie jetzt sah’n wir Euch nie. daß Volker hart und kühn wie er. Als wären’s wilde Tiere. Sie ließen die Herrn zusammen stehn Und schickten sich zu zweien an. Er rief ihn an. gaffte man sie an. So trüb war ihr dabei. Kriemhild sah durch das Fenster. Sie setzten vor dem Hause sich breit auf eine Bank Grad gegenüber Kriemhilds Gemächern. Wer durfte Euch verletzen? Noch keiner war so kühn. Wir rächen Eure Tränen. Der Stolz und Gleichmut beider hielt alle ganz im Bann. Denn frisch aus ihrem Grunde war alte Glut entbrannt. „Sonst wart Ihr froh. Sie schritten durch die Menge gemächlich ohne Furcht und Scheu. Als ob zum alten Leide noch neuer Hohn gekommen sei. wenn ich in Hagens Antlitz seh. auf den Hof zu gehn. ein stattliches Gebäu.227 XXIX. Er ging und blickte sich Nach Volker um. Er kannte ihn und wußte. In jähem Schmerze ward sie von Tränen übermannt. wie ihn das Volk gern sehen mag. Doch schon drang Die Menge zu den beiden heran. Da fragten ihre Leute bestürzt: „Wer tat Euch weh?“ Sie sprach: „Ich leide Qualen. Der stand noch freundschaftlich Beisammen zum Gespräche im Hof mit Giselher. Dort lag die weite Halle. wir töten ihn!“ 1758–1764 .

Wie groß und übermächtig die Stärke Hagens sei. So sammelten sich bald Vierhundert ihrer Männer. ich fleh. Rächt mich an Hagen!“ sprach sie. euch kühn mit Hagens Kraft vergleicht. wahrhaftig. Die Schwerter in den Händen. Seht hin. Sie geht so stolz einher. ein solches Häuflein. Die Falsche. was er Erdenkliches begehrt. Daß ihr. gesteht. er sitzt dabei.“ Mit Schrecken hörten’s alle. und wenn er dran zugrunde geht!“ Vom Saal herab die Treppe gekrönt die Königin schritt. Der Spielmann Volker ist es. „Ich bitte euch. als ob sie treu gesonnen wär. von Rache für Kriemhild. Als Kriemhild sah. Mein Leid und seine Schandtat erkennt ihr dann daran. Was kommt. was er getan. Daß er in stolzem Hochmut. Viel kühner ist der andere. wie winzig die Zahl der Männer war. wär jeder Wunsch gewährt. Dem Tronjer und dem Spielmann galt ihre Wut. Und Volker sagte: „Seht doch. sie bringt sich Kämpfer mit. will ich hinuntergehn Und selber Aug in Auge den Feinden gegenüberstehn. Und gnad’ euch Gott vor dem! Ihr träfet Hagen niemals. Ich leg mich euch zu Füßen: Geht! Tötet Hagen! Rächt mein Weh!“ Da rüsteten sich sechzig der Ihren. Ich schenkte alles. heiß erfüllt Von einem einzigen Wunsche. die uns einlud. Wies sie mit grimmigen Worten hin auf die Gefahr: „Gebt’s auf! Ihr seid zu wenige! Das Spiel ist nicht so leicht. Vorwerfen will ich Hagen. Dennoch gebot sie Halt: „Die Krone auf dem Haupte.228 „Wer’s täte –. mich kümmerts wenig. was er mir angetan. 1765–1773 . dem. wenn der ihm noch zu Hilfe käm. und gleich Ganz ohne Kampfansage jäh führen wollten sie den Streich.

ist es Zeit. keine Furcht und Feigheit trennt mich von Euch. und ihres Angriffs muß ich mich jetzt versehn. geht alles nur auf mich! Und doch in ihren Händen vergeblich blinkt der Stahl.“ „Laßt uns auf stehn!“ riet Volker. mein edler Kamerad! Was brauch ich mehr.“ In zornigem Tone sagte der Tronjer: „Sicherlich. wie’s schicklich. ist sie so haß. nötig scheint es mir. auch wenn mir das Allerschlimmste naht. Ich wiche keinen Fuß breit. Ob ich Euch so viel wert bin als Euer Freund. Freund Volker. „und stünde drohend gar Der König gegenüber mit seiner Kämpferschar. kämt Ihr dabei in Not. woll’n wir uns schützen. die Heimat säh’ ich trotz allem noch einmal. Bin Eures Arms ich sicher. Wir geben ihr. Was sie sich ausgesonnen. Wär’s weiter nichts.und racherfüllt? Dann will ich Euch nur raten. Auf wen es abgesehn ist. „solange sie hier nah An unserem Sitz vorbeigeht. sprach Volker. Freund Hagen.“ 1774–1780 . denn Königin ist sie ja. Nichts. dann scheint mir. dann gilt ihr Haß uns beiden hier. Darum. Wohlan! Dann bleibt und laßt Uns Rücken stehn an Rücken. Einige von ihnen sind um die Brust so weit. sagt an! Dann soll die Treue dauern ewig zwischen Mann und Mann!“ „Ich steh Euch bei“. die ritterliche Ehr’ Und wahren so am besten die eigene Ehre wie bisher. wahrt hinter Eurem Schild Den Leib und auch die Ehre. wollt Ihr an meiner Seite stehn? Mir gilt’s. Ja. Ich glaub sie tragen heimlich die Brünnen im Gewand. auf jede Übermacht gefaßt. das zwar ist mir noch unbekannt. Wenn ich es recht erkenne. Nun sagt.229 Wißt Ihr. allein der Tod!“ „Das lohn Euch Gott im Himmel.

So lang ich lebe. was kümmert’s mich!“ In wildem Hochmut legte er breit sein Schwert aufs Bein. Ganz wie ein Schwert beschaffen. wärt Ihr bei Sinnen. die Stirnen hoch –. Es dünkten sich die beiden von solcher Herrenart. was Ihr getan habt. Ich tät’s aus Angst vor ihnen. und mein Wille bleibt unveränderlich. so saßen sie. Sie fing zu weinen an. Wahrlich. Der goldene Griff. Absichtlich. nie hättet Ihr die Fahrt gewagt!“ 1781–1787 . Daß Ihr Euch dreist erkühntet der Reise in dies Land. ich erspare mir die Müh. da lag Balmung. dann sagten höhnisch sie. Furchtlos die beiden Männer. Er legte ihn aufs Knie. grasgrün und wunderklar. glaub ich. Das steht uns besser an. Die selbst vor Königinnen das Aufstehn sich erspart. Ihr wißt. Nein. der mich nur hassen kann? Ich tu’s nicht. Warum sollt’ ich den ehren. der ihres Siegfrieds Waffe war. hatte es Hagen ihr zum Hohn getan. mir zulieb bleibt sitzen!“ Der Tronjer widersprach. breit und lang. wer hat nach Euch gesandt. Um keine Furcht zu zeigen. Aus goldenrotem Knaufe aufleuchtend kam ein Schein Von einem hellen Jaspis. Mag sie mich hassen nur. Sie sah’s mit einem Blicke. Stünd’ ich von meinem Platze. Der kühne Spielmann langte heran von seiner Bank Sich einen Fiedelbogen.230 „Nein. Herr Hagen. indes sie schroffen Tons begann: „Erklärt mir doch. „Sie legten unsere Ehrung nur aus zu unserer Schmach. und wes man Euch verklagt. die Scheide in goldenes Band gefaßt. Da fiel des Leides Last Ins Herz wie eine Mahnung. Die Königin trat heran Ganz nah vor ihre Füße. Scharf war er. Wir bleiben achtlos sitzen. Sie wußte.

sprach Hagen. Und soll auch heut und niemals in Furcht verhohlen sein. ich gebe lieber nach. das Schwert zu ziehn.231 Hagen versetzte grimmig: „Gar niemand lud mich ein. Wie schlimm er es entgalt. Wie er uns angeblitzt hat? – um keinen Preis im Kampf bestehn. ihn einzubüßen in diesem Kampf für Etzels Weib. hart klage ich Euch an: Ihr habt Siegfried erschlagen. Der eine sah den anderen scheu an. der komm heran!“ Sie wandte sich: „Habt ihr nun. bis einer sprach: „Ob ich auch Hilfe anbot. „warum ersann’t Ihr das. meinen geliebten. was er gestand. was geschehn mag!“ – Doch jene. die Schuld ist mein. sagte Kriemhild. gehört? Macht. Gleichgültig. Daß Kriemhild einst die schöne Brünnhilde eine Kebse schalt! Warum soll’t ich es leugnen? Gewiß.“ Ein anderer sprach: „Ich denke ganz ebenso wie Ihr. – ich bin ihr Mann – der lädt auch mich!“ „Wie kam es“. Und was mir einer schenkte. mir ist mein eigener Leib Zu lieb. Wodurch Ihr mich gezwungen zu lebenslangem Haß? Daß Ihr Euch dran erinnert. 1788–1795 (1793) . Weib oder Mann. die Könige. der gleiche Hagen. edlen Mann!“ „Des ewigen Geredes“. Doch laß ich meine Herren. der tu es. nur selten fehlte ich. Möcht’ ich doch diesen Spielmann – habt Ihr den Blick gesehn. Und gäb’ mir einer Türme mit rotem Gold dafür. nicht allein. Wozu bestritt’ ich. – Mit dieser Hand geschah es. die so kühn Bei ihr gestanden. was ihr wollt mit Hagen! Es sei euch nichts verwehrt. „ist genug! Ich bin’s. sorgten und zögerten. So oft sie reisen mochten. der Siegfried Euch erschlug. Lädt einer meine Herren. daß ich viel Leid Euch angetan? Wer’s rächen will.

Daß wir zu unseren Herren da draußen wieder gehn. 1796–1803 . Der sagte still zu Hagen: „Nun wissen wir Bescheid! Wir sind im Feindeslande. Die Männer gingen heimwärts. wie Hagen stritt. sie beide treu vereint. Als Etzels Männer fochten sie mit in manchem Strauß Dem Könige zu Ehren. das ehmals golden war. was manche Witwe an Herzeleid durch ihn erlitt. Und wie er uns gesonnen. ob ihr willkommen seid. Walther von Spanien ritt oft mit Hagen weit hinaus.“ Drauf schritten sie zum Zug gereiht.232 Auch kenn ich Hagen lange von seiner Jugend her. doch auch ein grimmiger Mann. und Kriemhild litt Die schlimmste Qual. Von dem erzählt mir keiner so leicht was Neues mehr. wagt keiner sie dreist im Kampfe zu bestehn. Drum. Wenn er zum eigenen Heile so großer Treue Macht vermißt. Wenn Freund und Freund einander in Treu’ verbunden sind! Er handelt auch besonnen und meidet schon den Zwist. Den Balmung Siegfrieds führt er. Es war der Blick des Spielmanns. Sie fürchteten für sich. daß einer sich ängstlich noch besinnt. scheint mir. In zweiundzwanzig Schlachten sah ich. Sie gingen zu den Herren: „Wie lange wollt ihr stehn Hier mitten im Gedränge? Ihr solltet lieber gehn. Ein kluger und erfahrener. ist er doch gar nicht unser Feind! Ein Jüngling war er damals. den er durch arge Tat gewann. Vom Könige zu hören. Drum ehren wir auch Hagen. vor dem ihr Heldenmut erblich.“ Wie oft geschieht’s. indes sie hinauf zum Saale schritt.“ So war es mit dem Streite vorbei. Sind wir dabei. ist es Zeit. Und weiß. Nach manchem Tag und Jahr Ist grau sein Haar geworden.

um herzlich Freund und Gast Zu grüßen: „Seid willkommen. die beiden sah man nie Geschieden von einander. die Hagens stolze Mannschaft war. Nun hob das Glas Herr Etzel! „Herzlich willkommen sollt ihr sein! Es konnte in der Welt mir nichts Lieberes geschehn. Viel Tränen flossen später von edler Frauen Herzeleid. Allein wär’ ich gekommen. In so glanzvollem Zuge schritt Gunther zum Palast. dann die erlesene Schar Von sechzig tapferen Rittern. daß ihr alle die Reise nicht gescheut. Ich dank euch. endlich bei mir zu sehn. Zusammen standen sie. Ihr schönster Freudentag ist heut. sprach Hagen. Gunther und Giselher Und Gernot. endlich ein Freundespaar. Irnfried und Gernot folgten. Volker und Hagen beide. und dann im trauten Bund Mit Rüdeger ging Giselher. Als euch. „gemerkt auch ohne dies. Dahinter tausend Männer. das eins wie Herz und Seele war. Wie andere sich gesellten. der Maulbeersaft und Ungarwein. Hawart und Iring reihten sich als die nächsten ein. 1804–1813 .“ Nun lud der König heiter die Gäste an den Tisch.233 Voran von Bern Herr Dietrich mit Gunther von Burgund. Vorbei ist Kriemhilds Heimweh. So ging der Zug zu zwei’n. Volker und Hagen beide! Gern sehen wir euch hier!“ „Das haben wir“. Von seinem Sitz sprang Etzel. Freunde. Dankwart und Wolfhart folgten. mit euch alle! Ich grüße euer ganzes Heer! Auch ihr seid hochwillkommen. der Königin und mir. Bis erst der Tod sie trennte im letzten schweren Streit. wenn mich mein Herr nicht folgen ließ. In großen goldnen Schalen erschäumte süß und frisch Der starke Met. Verwandte.

So festlicher Empfang War lange nicht erlebt mehr. die freund mir und verwandt! Ihm dankte Markgraf Rüdeger: „Zur Freude habt Ihr Grund! Denn höchster Ehren wert sind die Herren von Burgund. das Treue hegt und hält. was sie wünschten. Man aß vergnügt und trank.234 Ich sorgte schon seit langem um eure Freundschaft mich. Daß niemals ihr gesattelt zum Ritt hierher ins Land? Nun sorg’ ich mich nicht länger. Euch ganz mir zu gewinnen. Heil euch. 1814–1817 . Und fest an ihrer Seite steht mancher wackere Herr und Held!“ Es war am Sonnenwendabend. was nur versäumte ich. Nie sorgte für die Gäste ein Wirt so gebefroh und mild. ward augenblicks erfüllt. Und alles. Es ist das Blut der Königin.

so rief er. wir sehnen uns nach Ruh. Bis morgen früh.235 XXX. Schon dämmerte die Nacht. Zu Bett zu gehn. Wird’s bald? Fort. Kommt morgen. Ging ihr Verlangen endlich nach Ruhe und nach Schlaf. froh bewegt. Ich fürchte. Nächtlicher Anschlag ziemte mannhaften Helden nie. Sah Hagen sich im Kreise verächtlich um und sprach: „Der Spielmann rät zum Guten. „geht’s euch schlecht! Dann schlag ich mit der Geige dem Dreisten solchen Schlag. Es kam so nah. Wenn ihr was plant. die sie traf! „Nun Gott befohlen!“ Gunther riefs heiter Etzel zu. „Erlaubt uns. Daß eines Überfalles sich Volker gar versah: „Wenn ihr uns auf die Füße zu treten euch erfrecht. aus dem Wege! Sonst bring ich euch zur Ruh! Ihr prahlt und nennt euch Helden. aufzustehen. Daß jeder. riet Hagen. vom Weine in guter Stimmung. Wie sie Schildwacht hielten So ging der Tag zu Ende. wenn ihr nicht gleich zu Bette geht. wogte draußen das Volk. wenn wir wieder wach!“ 1818–1823 . ihn wohl bedauern mag. – ich glaub’s kaum – kommt wieder morgen früh. der ihn lieb hat. Und uns nicht weit vom Leibe wegbleibt“. so bald Ihr uns wiedersehen mögt!“ So schieden sie. Willkommene Mahnung. vom Ritte müd gemacht. Von langer Reise sind wir heut abend müd und schwach. Nach mühevoller Reise. Drum laßt uns ruhig schlafen. Noch drängte. euch gerät Zum Schaden seine Wut nur. doch habt ihr nicht das Herz dazu!“ Indes der zornige Spielmann die Rede unterbrach.

Herr Volker! Denn. wenn zur Nacht ich als Wächter bei Euch blieb? So stehen wir bis morgen wie stets vereint zu zwei’n. Sie gingen zu den Betten. Indes versah sich Hagen mit Waffen. Der euch. Der Spielmann stand noch zögernd und fragte: „Wär’s Euch lieb. die mitgereist hierher! Wie lud uns meine Schwester so gut und freundlich ein! Was sinnt sie nur? Ich fürchte. mit neuer Sonne grüßen mag. „Das lohn Euch Gott. Decken von Seide. Ein wahres Königslager. die Schwerter in die Hand Und traten aus dem Hause.236 Man führte nun die Gäste in einen weiten Saal Mit prächtigen Betten. Besetzt mit schwarzem Zobel und weißem Hermelin. wenn ihr geruht habt. Dann streckten sie sich müde aufs weiche Lager hin. ihr Plan wird unser Unglück sein!“ „Getrost!“ versetzte Hagen. wachsam auf jeden Feind gefaßt. der Freunde Schlaf und Rast In Treuen zu behüten. das allen ruhverlockend schien. reich an Zahl. Als Ihr allein! Und käm’ es zu Tod und Untergang. Sie nahmen ihre Schilde. Doch vor der Pracht stand klagend der junge Giselher: „Weh uns und allen Freunden. was mich sorgt und quält Zu mindern.“ Hagen sprach. „laßt alle Sorge mir! Ich halte heute abend die Schildwacht an der Tür Und hüte euren Schlummer bis an den hellen Tag. Es dauerte nicht lang. Freund Hagen. 1824–1832 . ihren Schutz im Sinn. er werde für seinen Beistand dankbar sein. Im letzten Augenblick noch bewährt’ ich meinen Freundesdank!“ Nun hüllten sich die beiden in schimmerndes Gewand. hat mir keiner von allen sonst gefehlt.“ Sie nickten dem Getreuen still zu und sagten Dank.

Da sie in Waffen sind. um dort bereitzustehn. Von Kriemhilds Mannen drohte den Freunden dort im Saal Gefahr. Es schien. Nun schlummerten die Müden. Dann lehnte er die Geige in seinen Arm und ließ Den Bogen darauf gleiten. „Laßt näher sie heran! Eh’ sich zum Schutz noch einer des Streichs versehen kann. Im fernen Dunkel sah Er einen Helm aufblitzen. Wo sah man einen Geiger mit solchem Heldensinn? Den Freunden auf dem Lager. daß sie im Herzen still entschlief. süßer wie Tröstung lind und tief Und wiegte jede Sorge. geschickt zum Saitenklang. Der Spielmann sprach: „Freund Hagen. Ging aus dem Saal zum Turme. von jener Schar. Dann wieder sanfter. Wird ihm von unserem Schwerte der Helm zurechtgerückt. daß die Weise den ganzen Saal durchdrang. Und übel zugerichtet wird er zu Kriemhild heimgeschickt. Da nahm er von der Wand Den Schild und faßte wieder ihn fest mit seiner Hand. Der weckte Töne klar und süß. – Gewahrte er Gestalten. – ich weiß nicht.“ 1833–1839 . Kühn war sein Arm im Kampfe.“ „Schweigt still!“ sprach Hagen leise.237 Noch einmal nahm der Spielmann den Schild von seiner Hand. Gemeinsam tragen ja Wir beide diese Sorge. Auf einen Stein ganz nahe der Tür setzt’ er sich hin. laßt uns vor denen da Getreu zusammenhalten. Um Mitternacht. ob’s früher noch geschah. und daß ihr Angriff bald beginnt. Vermut’ ich. es sind Feinde. fremd hier und ahnungsbang. Wuchs Mut und Stolz im Herzen. Sie sagten ihm im stillen Dank. Er kehrte um und stellte ihn an des Saales Wand. Er spielte. Von Kriemhilds Leuten mußte er eines Angriffs sich versehn.

Daß ich Euch helfen müßte. „Tut’s mir zuliebe nicht! Seid Ihr entfernt vom Hause.238 Ein Hunne sah. Volker sah’s und sprach: „Laßt mich hinweg! Ich setze den üblen Helden nach. befürchte ich. Der Spielmann wacht am Eingang. Daß wir das Nachtgesindel beim Überfall gesehn. daß sorgsam die Tür behütet war. Und warnte schnell die anderen vor drohender Gefahr: „Dort sitzt der wilde Spielmann. Sonst leugnen sie nur später den meuchlerischen Plan. Nun. riet Volker. wie sein Helm von Stahl Vom Haupte drohend leuchtet. Schnell hätten von den Hunnen sich einige erfrecht Und drängen in den Saal ein zu tödlicher Gefahr Den schlafenden Gefährten.“ „Gebt wenigstens“. Bestreiten höhnisch alles. mein Freund und ich. Seht. Die blanke Brünne blitzt Wie Feuerlohe. Wahrt euch vor dem auch.“ „Ja nicht!“ so warnte Hagen. Nun haben ihre Ruhe die Schläfer dort im Saal. Was sie für Neuigkeiten mir bringen wollten von Kriemhild. scheint mir. und sagen soll’n sie mir unverhüllt. der daneben sitzt!“ Sie schlichen wieder rückwärts. „den Hunnen zu verstehn. umringen sie Euch dicht Und setzen Euch mit Waffen so zu. was hinterlistig sie getan. Ich stelle sie. Das wär das Ende sicherlich! Gerieten wir zu zweien mit ihnen ins Gefecht. der sichere Schildwacht hält. wie nie eins war. seid ihr unterwegs Zu rauben und zu stehlen auf einem Diebesritt? Wir woll’n euch dabei helfen. Das gäb’ ein Leid. So nehmt uns mit!“ 1840–1846 .“ Er rief sie an: „Ihr Leute! Hallo! Wohin des Wegs? Warum zur Nacht in Waffen? Sagt. ist uns Hunnen der ganze Angriffsplan vergällt.

Doch sann in ihrem Grimme sie anderen Plänen nach. der Anschlag sei mißglückt. wenn erst das Unheil niederbrach! 1847–1848 . Daß ihr die Schläfer mordet? Was anderswo gemein.“ Berichtet war der Königin. ihr feigen Wichte! Wie.239 Sie gaben keine Antwort. Da kam er ganz in Wut: „Pfui. Die sollten besser glücken. Zwar war sie von der Nachricht enttäuscht erst und bedrückt. Das scheint im Hunnenlande ja Sitt’ und übler Brauch zu sein. ist das euer Mut.

buntfarbig.240 XXXI. Die kurze Sommernacht Ist bald vorbei“. Sie sprangen von den Betten. Hagen betrat den Saal Und weckte die Gefährten. ist es gewiß das letztemal!“ Die edlen Fürsten schritten zum Münstertor hinan. 1849–1857 . Hagen hielt auf dem Friedhof an. Gott anzuflehen geht nur zur Messe noch einmal! Fügt er es nicht noch anders. Der Morgenschein erglänzte. Zur Messe in das Münster ruft euch der helle Glockenton!“ Gesang ertönte. indes der Saal noch ruhig lag. „Bleibt alle gut zusammen!“ befahl er. Die alte Frömmigkeit Rief sie zur Morgenandacht wie sonst zu früher Messezeit. dann ist es Tag. pelzverbrämt. Wie sie zur Kirche gingen „Es wird schon kalt im Panzer. Denn anders scholl der Christen. Die schönsten Prunkgewänder erwählten sie dafür. sprach Volker. Nicht lang. Uneins erschien der Stimmen Klang.“ Sie fröstelten und wachten. Doch Hagen mahnte: „Laßt doch die überflüssige Zier! Statt Rosenkranz die Waffe! Kriemhild läßt keine Wahl. „denn getrennt Seid doppelt ihr gefährdet vom Hunnenplan. Statt des Baretts mit Steinen nehmt euren guten Helm von Stahl Statt eurer Seidenhemden – Halsberge! Wachsam nehmt Die Schilde statt der Mäntel. den niemand kennt. „Wacht auf! Es läutet schon. anders der Heiden Sang. „Es weht schon kühl und sacht Der Morgenhauch vom Felde. Der Sonne erster Strahl Traf auf die stillen Schläfer. Die Leute folgten.

hätt’ ich es strafend hart gebüßt. Ihr würdet schon erfahren. 1858–1869 (1859. Dahinter ihr Gefolge. Da stob schon aus der Ferne heran die Reiterei. herein zog Schar um Schar.241 Stellt eure Schilde ruhig zur Drohung an den Fuß! Antwortet. wenn man uns nicht in Frieden läßt.“ Er sah den Haß. Kein Mittel wirkt so gut. Doch schwieg sie. Sie wußte. Sonst hätte Etzel sicher verhindern können. Euch Ansehn zu verschaffen. Auch die anderen verharrten schweigend da. Es wimmelte im Hofe. 1866–1868) . mit ihm sein edles Weib. der glimmend in Kriemhilds Auge stand. daß er heuchelnd den falschen Brauch erfand. In reiche Prachtgewänder gehüllt den schönen Leib.“ Da kam der Herr des Landes. als so ein schneller Hieb es tut.“ Darauf versetzte Hagen: „Nichts Arges ist geschehn. Sie sollten guten Glaubens vertrau’n. Die Messe war vorbei. Sofort mit tiefen Wunden. ich wär bereit. Verwundert hub er an: „Warum seh’ ich die Freunde im Helm zur Kirche gehn? Leid wär mir. wie Gunther und mit ihm Knecht und Mann Gewaffnet vor ihm standen. das Königspaar. Auf jeden Wunsch zu hören und abzuwenden jedes Leid. daß wir gewaffnet gehn Mit Schwert und Schild drei Tage hindurch bei jedem Fest. wenn ein Frecher entbietet seinen Gruß. Hoch wirbelnd stiegen Wolken von hellem Staube weithin auf. Wie’s ihnen gut dünkt. sollte einer sich bösen Willens unterstehn. Im hohen Fenster saß schon. was sie mit Recht verdrießt. ein stolzer Reiterhauf. Herr Etzel sah. Gesang und Glocken schwiegen. umringt vom Hof. Und war etwas geschehen. Es ist bei uns so Sitte. was geschah.

und mancher Sattel wurde bloß. Skrutan und Gibeke. Lanzensplitter. Führt weg die Rosse! Wartet! Wenn’s Abend wird. Thüringer kamen. aufgebracht. als ob den Kampfpreis die Nibelungenschar gewann. in der Sorge für seine Mannschaft. Doch dem war’s gleichfalls leid. Die Könige ritten ein.242 Dankwart kam mit den Knechten. Etzel sah froh die Seinen den Fremden widerstehn. Die Hunnen zeigten deutlich den Haß in offenem Streit. So hell vom Hals der Pferde der Schweiß in Perlen rann. Dann stellten sich die Mannen Rüdegers zum Streit Mit den burgundischen Gästen. Wie meisterlich gewandt Anritten sie! Es flogen viel Schäfte splitternd an die Wand. Dann trat Herr Blödelin an. Die Nibelungen wären unmutig. gewandt und heldenstark. ihr nähmt vor ihnen euch in acht. „Es wäre mir viel lieber. Doch alles war ein Spiel nur. Und Kriemhild hätte gerne der Nibelungen Sturz gesehn. Hornbogen stürmten scharf im Galopp heran Und stellten sich den Gästen. Doch Dietrich. Ramunc. Männer. dann hört. dreitausend hinter sich. Die Männer Dietrichs wünschten. den fremden Herrn vom Rhein Turnierend zu begegnen in Siegeszuversicht. so laut der Eisenklang Der Waffen und der Hufe durch Hof und Palas drang.“ 1870–1884 .“ Drauf ritten in die Schranken die Herrn von Dänemark. Es schien. Und weiter ging das Kampf spiel mit wuchtigem Prall und Stich. Gern sahen’s die Burgunden! Da gab’s vom harten Stoß Schildbeulen. litt es nicht. Ob Kriemhild uns den ehrlich verdienten Siegespreis gewährt. Unmutig sprach der Spielmann: „Nun war Gelegenheit. die standen ihren Mann.

Ihm sah wohl eine Liebste vom Fenster zu. Da sah man an den Fenstern in Tränen manches schöne Weib. des Toten Sippe kam. Daß er nicht wieder aufsteht. „zu erhöhn. umgab ihn weibischer Prunk. ganz strahlend in blankem Waffenschein. Als ging’s zu einer Hochzeit. Dem Spielmann beizustehn. Da höhnte Volker: „Wahrlich! Mich reizt der Gernegroß. so scheint mir. und auch die tausend Mann Des Nibelungenheeres sprengten in die Bahn. dann tadeln uns Etzels Leute nur. als er den Plan erfuhr: „Geht Ihr ihn an.“ Der kühne Volker spornte sein Pferd zu scharfem Prall. Schnell galoppierten Hagens sechzig Ritter an. Was kümmert’s mich. kommt bald. Wie wir in Stoß und Reiten bewähren unsere Kunst. Volker. der diese üble Tat verbrach!“ 1885–1892 (1891) . Ich geh ihm an den Leib. Es wird uns doch wahrscheinlich kein Siegespreis und keine Gunst.243 Zuletzt noch sprengte prahlerisch ein Hunnenritter ein In bunter Tracht. Kriemhild und Etzel sahen genau die Dinge. Da jammerten die Frauen. der ihn zu Tode stach? Der Spielmann war es. verliebt und jung. die geschahen. Und sein Gefolge klagte und schrie in lautem Gram: „Wer hat’s getan. So überlaßt den Hunnen die offene Gewalt. Diesem Frauenliebling versetz ich einen Stoß.“ „Die Lust am Lanzenstechen“. Der Augenblick. wer war es. erzürnt sich darüber König Etzels Weib!“ Doch Gunther wehrte dringend. Laßt nur die Hunnenfrauen und Ritter einmal sehn. da es sich besser fügt. sprach Hagen. Bald trauerten die Frauen um ihres Lieblings Fall. Denn Volker stach dem Hunnen die Lanze durch den Leib.

Doch die Burgunden wußten: Feinde ringsherum! Zu Tische ging der König. wie er der Hunnen Zorn gestillt. gehorchte stumm. Noch eh’ die Herren saßen. Ich zeuge. Zahlen mit seinem Blute sollte er. Der meinem Schutz vertraut ist? Der sei auf meinen Zorn gefaßt! Erschlüget ihr den Fremden. Des Toten Freunde kamen. Geschrei. dann steht es schlimm für mich. der tät es ohne mich. und man erführe üblen Dank!“ 1893–1900 . daß der Spielmann nicht auf Verletzung sann. Der ihn erstochen. so sprach sie. ging Kriemhild ganz allein Zu Dietrich. Man winkte und befahl. sich zu vergreifen an einem Freund und Gast. mit Hilfe und Gunst. Schuldlos ist er. Ruhlos quälte sie sich mit ihrer Pein. Der König hielt im Bann Mit seinem Blick die Menge. denn strauchelnd in hartem Anprall stieß Er ungeschickt dem Gegner scharf durch die Ringe seinen Spieß. das stünd’ uns übel an. Drum büßen sollte schwer. Verwandt mit dem Erschlagenen. dem riß er zornentbrannt Herab die scharfe Waffe aus der erhobenen Hand.244 „Die Schilde her! Die Schwerter heraus!“ So ging der Schrei. Darum befehl ich Frieden!“ Man wich. „Hochedler Fürst“. Gedräng. „steht Ihr nicht freundschaftlich Mit Rat mir bei. Um Geld und Gutes willen?! Noch nie ein Mensch bezwang Die edlen Nibelungen. Ein Markgraf war der Tote. die Sippe lief herbei. Die Rosse fortzuführen.“ Antwort gab Hildebrand ihr: „Erkühnte einer sich Des Kampfes mit den Gästen. und einem rachegierigen Mann. – Herr Etzel stieg eilends von dem Saal. Absaßen die Burgunden. „Wer wagt. und wieder schien er mild Vor seinen edlen Gästen.

dazu gewinnt Ihr nimmer meine Hand!“ Da Dietrich ihr verloren. – Herr Dankwart sorgte. – Verwandtenmord –. Die Gäste an im Kampfe mit heimlicher Gewalt und Not. Daß Etzel Euren Feinden freundlich gewogen ist. Dann soll Hagen ernten. wie wenig der Euch ehrt! Sie sind mir lieb. Geht in den Saal indes. Was ich dir heut verspreche.“ Vor Blödels Aug’ und Sinnen lockte der reiche Lohn. Er nähm es übel. vertrauend betraten sie das Land. der König werde ihn Belohnen mit den Ländern.“ „O nein! Hör zu! Ich bleibe dir trotzdem gut und hold. fiel ich. Ihr wißt. Ihm in die Hand versprach sie. was blutig er gesät. verletzend sein Gebot. die Notung einst besaß. daß Ihr Hagen gebunden. Blödel sprach: „Da draußen – niemand vermutet es – Erreg’ ich ein Getümmel.245 Gemessen wehrte Dietrich: „Was. machtlos vor Euch seht!“ 1901–1909 (1904) . Ich sorge. daß er Kriemhilds Belohnung bald vergaß. Erst weigerte sich Blödel: „Vieledle Frau. Das weite Land. Dir schenkt’ ich reiche Schätze von Silber und von Gold. Ward sie ihm nun zuteil? Zum Kampf entschlossen sagte er zu. Gewännest du die Marken. Doch nicht zu seinem Heil. ein Frevel. erhieltest du im Übermaß. Ihr begehrt. ging sie zu Blödelin. das alles wäre dein! Ein herrlich Leben würde dir dann beschieden sein. Heimlich ersehnt im stillen trug er seit langem schon Das Bild des schönen Weibes. die Burgen. Siegfried zu rächen. Die schöne Braut des Notung vermählte ich dir an. die Notung einst besaß. Du hättest deine Freude und alle Erdenlust daran. Königin.

man solle zur Tafel bringen Etzels Kind. sollt ihr mir Beistand leih’n. ein Mann. Das Kind ist’s eurer Schwester. das ist mein einziger Sohn. Und ist er einst in Ehren erwachsen. Denn eurer Lieb und Sorge vertrau’ ich gerne ihn. Voll Grimm sein Blick. Für der Verwandten Sache in Treuen einzustehn!“ Nachdenklich hört’ es Kriemhild. als säh’ er.246 Zufrieden ging die Königin. daß ihr mit ihm zufrieden seid. indem er stolz ihn pries: „Seht hier. Zu eurem Ruhme blüh’ sein Thron! Schlägt er nach seinen Ahnen. ihn mit euch an den Rhein. wird er einst stark und kühn. Zwölf Länder soll er erben. Bedrohten euch Gefahren. ihr lieben Freunde.und racheblind? – Sie gab Befehl. so blieb ihr keine Wahl: War denn ein Weib wohl jemals so haß. wie wohl stünd es ihm an. stark. Hagen saß dicht dabei. Und eure Gunst und Treue wird gut das Schwesterkind erziehn. Den jungen König Ortlieb behutsam in den Saal Und zu dem Fürstentische. Und doch nur eins im Sinne: ihr Plan möcht in Erfüllung gehn. ihr lieben Freunde. Dann kann euch Ortlieb dienen. Zum Streite war kein Anlaß. Darum. Das sollte nimmermehr geschehn! 1911–1917 (1910) . Da schaute König Etzel auf seinen Sohn und wies Ihn väterlich den Gästen. Nehmt. Sie saß an Etzels Seit’ Inmitten seiner Helden am Tische hehr und schön. wenn ihr wieder heimkehrt. leb’ ich noch einige Zeit. Im Herzen wie begraben lag ihr die alte Qual. wie nah der Tod des Kindes sei. Vier Edelleute trugen. wie Kriemhild es befahl. Den Kampf auf sich zu nehmen. Den großen Sinn verleiht ihm sein Blut und adelt ihn. war einer doch bereit.

Doch scheint er mir zu schwächlich. daß er so grausam sprach.“ Still wandte König Etzel den Blick zu ihm herum. daß Ortlieb tüchtig war. Sie mochten’s kaum ertragen. Mir blüht an Ortliebs Hofe wohl kaum ein froher Aufenthalt. Und auch den Fürsten tat es wie ihrem Könige weh. wohl vertraut’ ich. Die heitere Laune rings war fort. er wird nicht alt. Ich glaub. wüchse er Zum Manne. Wer ahnte das Verhängnis. Erbitterten Gemütes. das unheilvoll geschah danach? 1918–1920 .247 Man hörte Hagen reden: „Wahrhaftig. jedoch sein Mund blieb stumm. Das düstere Wort fiel schwer ihm ins Herz und quälte dort Mit ahnungsdunkler Sorge. Als ob mit Hagens Worte dem Kind ein Leid geschäh.

Doch deine Sippe! Hagen erschlug ihn. Indes er empor vom Sitze sprang. Herr Blödelin!“ sprach Dankwart ruhevoll.“ „Nicht doch. „Denn endlich ist zur Sühne die alte Schuld gedieh’n. Erhob sich ein Getümmel. Fuhr unversehens sein Schwert heraus. denn Bitten liegt nicht in unserer Art. 1921–1927 . Befliessen grüßte der Und sagte: „Lieber Blödel. Aus dichtem Menschendrang Trat Blödel nah zu Dankwart. des Notung Braut. das sie Euch rächen hieß?’’ „Wozu noch weiter reden! Ich klage dich nicht an. Ihr büßt Die Tat mit Eurem Blute. „Wollt Ihr. zur Mitgift bringt. Gunthers Mann. Erschlagen lag Herr Blödelin. sprach Blödelin. Was Schlimmes wirft mir Kriemhild denn vor. Sie reu’n mich längst. Nun wehrt euch.“ So sprach Dankwart. Der lachte grimmig: „Seht doch. daß er’s schwang. das heute zur Vergeltung fließt. Wie Blödelin erschlagen wurde Als Dankwart mit den Knechten am Tische aß und trank. Unglückselige! Hier geht es um ein Pfand. willkommen! Doch was führt Euch her?“ „Mir liegt an Eurem Gruße nicht viel“. Vom jähen Hieb Das Haupt flog rollend. Den Tod! Es einzulösen hat uns die Königin hergesandt. Kaum.“ „Wollt ihr’s nicht anders. daß uns die Reise so schwer gereuen soll? Ich war ein Kind. Das Ende naht. hätt’ ich die Worte gern gespart.248 XXXII. als Siegfried im Wald das Leben ließ. bis es vor Dankwarts Füßen blieb. Daß Hagen Siegfried erschlug. Die Blödel seiner Liebsten. die Morgengabe blinkt.

wichen. Verbeulte Helme gab es. Womit Kriemhild uns gütig ins Hunnenland entbot? Wehrt eurer Haut euch. Mit schweren Stühlen hieb man drein. Eh’s noch der König wußte. Sie stürzten aus dem Hause. Zweitausend Männer scharten sich schnell und stürmten an. ob sie auch grimmig sich Noch wehrten gegen Stühle und Schemel. sie alle tot im Blut. Wohl standen die Burgunden. denn nun beginnt die letzte Not!“ Fand einer keine Waffe. endlich das grause Spiel. Am Sieg verzweifelnd hielten sie aus bis auf den letzten Mann. Bis schließlich ihre Menge im Kampf die Oberhand gewann. Furchtlos und fest zusammen. Kein Friede war mehr möglich. Er ganz allein stand aufrecht in ungebrochenem Mannesmut. versammelten vorher Die rachegierigen Hunnen vor’m Haus ein ganzes Heer. Schnell ward man handgemein.249 Vermählte man sie morgen auch einem anderen Mann. doch härter stets bedrängt. dann langte er im Nu Nach irgend einem Schemel. 1933) . und damit schlug er zu. Was half die Heldenkühnheit? Die schwerste Not begann. Daß Kriemhild angestiftet. Freunde. 1928–1936 (1929. Doch von der Rachewut Lagen in dem Saale fünfhundert Hunnen tot im Blut. Hieb und Stich. Dazu zwölf Ritter Dankwarts. in dichtem Knäul gezwängt. Ein Brautgeschenk wie Blödel gewänne der daran!“ Ein treu ergebener Hunne hatte es gesagt. was Blödel unheilvoll gewagt. Die Hunnen wankten. Die laute Stimme Dankwarts drang schneidend durchs Gewühl: „Erkennt ihr. Von furchtbarem Verhängnis erzählt die grause Mär: Erschlagen lag am Boden das Nibelungenheer. Nibelungen.

des du dich erkühnt!“ „Auf eure Drohung geb’ ich nur eine Antwort: Weicht! Kommt nicht zu nah. Doch als er. müd vom Kampfe. Das Schildband tief nach unten. kaum von der Schwelle sprang.250 Das Kampfgetös’ verhallte. wie gründlich du gesühnt Den Schaden unseres Königs. – wie arm ich bin!“ Schon drangen immer dichter die Waffen auf ihn ein. und will mein eigener Bote sein!“ 1937–1943 . den Schild selbst hochgerückt. „Weh mir! Wie mag dies enden!“ Laut rief er es hinaus. sein Bruder wäre von Tausenden bedroht. oder er stürbe gleichen Tod!“ Die Hunnen höhnten: „Selber wirst du dein Bote sein! Wir tragen dich dem Bruder tot in den Saal hinein. um ihn. Er hülfe mir heraus wohl. Manch ein Panzer bewies. zu bestehn. Hagen zu vermelden. und stünde Gott mir bei. So stand er. was ich getan hab. ich warn’ euch! Es röteten sich leicht Noch viele Panzerringe. der Lärm versiegte stumm. Sprangen ihm entgegen. wie gut sein Hieb geglückt. den letzten. „Hätt’ ich nur einen Boten. „Zurück ihr Hunnenhelden! Weicht! Laßt mich aus dem Haus! Gebt Raum. ihr lieben Freunde. daß ich mich kühle! Laßt mich in Luft und Licht!“ In festem Gange schritt er dahin. Denn alle Schläge zielten im Kampf auf ihn allein. Sie hinderten ihn nicht. den Angriff. gingt alle ihr dahin? Nun unter tausend Feinden steh ich allein. Da sah sich Dankwart traurig nach den Gefallenen um: „O weh. in welcher Not ich sei! Wüßt’ er. Wie viele neue Schwerter hemmten seinen Gang! Die noch von seinen Wunden im Kampfe nichts gesehn. Ich selber stehe ein Für das. Dann wird er es erfahren.

dazu sein Waffenglück. Truchseß und Diener hatten schon längst den Lärm gehört. Er hatte seinen Mut noch. Von beiden Seiten drängend wie Jäger trieben sie Ihn in die Enge. Und er bis an die Treppe des hohen Fürstensaales drang. er hieb und stach und traf. Daß man dem Vielgewandten ängstlich vom Leibe blieb. Er schlug sich durch die Menge. – Ein herrlich kühnes Mannesbild! Und wo er hieb. So haut ein Eber wild Im Wald sich durch die Hunde. Macht Platz! Gebt frei den Gang!“ Dem einen. doch schlug er um sich mit klugem Hieb. Ein Wunder schien’s. Erschrocken hatten viele den Becher nicht geleert. Drum schossen sie mit Speeren. die anderen schlug und trieb Er immer höher. Bis endlich ihm der Durchbruch des Menschenwalls gelang. er hatte selber den Botengang vollbracht! 1944–1950 . der gefährlich von oben drängte. bis er sich endlich Bahn gemacht. gespitzt und schlank. So drang er immer weiter. Schildlos erschien er ihnen ein leichtes Beutestück.251 Sie griffen an. Wie manchem da der Bissen im Munde steckenblieb! Man hörte schon. da sanken die Gegner neben ihm. Er sprang in ihre Mitte. Am Treppenaufgang nämlich standen die Schenken schon. Daß der gespickte Schild ihm zuletzt aus müden Händen sank. Daß jäh von seiner Klinge noch mancher fiel in tiefen Schlaf. ungestüm. wie Dankwart die Gegner von der Treppe trieb. verwegen. zahllos. dennoch frohlockten sie zu früh. hieb er eine Todeswunde. Er fuhr sie an und drohte mit lautem Herrenton: „Was steht ihr hier? Schenkt lieber den Gästen Speis’ und Trank! Botschaft für meine Herren bring’ ich.

Wie viele es sind. wovon seid Ihr so rot? Wer war so dreist und bracht’ Euch in solche Wundennot? Kann ich den Frechen fassen? Wo steckt er? Zum Entgelt Schlag ich ihn tot. Die Ritter und die Knechte in ihrer Herberg liegen tot!“ Hagen sprang vom Sitze: „Sag. und man beklagt ihn nicht. doch sind es wohl für den ersten Schlag genug!“ 1951–1956 . „wird ein Held In offenem Männerkampfe von Heldenhand gefällt. Vom Blut bespritzt die Kleider. verweilt Ihr schon beim Mahl. gerötet von anderer Blut. Bruder. der Helm verbeult. wer hat das gewagt?“ „Herr Blödel mit den Seinen! Doch sei es Euch gesagt: Er mußte schnell es büßen.252 XXXIII. Man rühmt ihn um so länger. Wie die Burgunden mit den Hunnen stritten Dankwart setzt’ in die Türe den Fuß und schob und stieß Den Kämmerer beiseite. Wie hallend Erz erdröhnte die Stimme durch den Saal: „Zu lange. Ich weiß es nicht. Es sprang Aus Wunden unserer Feinde. sagte der Tronjer. die ich erschlug. sagt mir. wenn ihm nicht der Teufel gar die Stange hält. zerhau’n. Ihr aber. Ich selbst schlug ihm das Haupt ab mit dieser meiner eigenen Hand. der ihn gewähren ließ. Bruder Hagen. ihm klag’ ich unsere Not. Die Tränen trocknen schneller in ihrer Frauen Angesicht. des er sich unterstand. „Das will nichts heißen“. furchtbar anzuschaun. Gott im Himmel hört es.“ „Ich bin gesund. die ich zu Boden zwang. Heiß ging es her. Mit bloßem Schwerte stand er im Saale.

soll ich Kämmerer werden. widersteht und wehrt. Hagen. „Sorgt. Es ward zu schwer. Vom Schwert auf seine Hände hoch sprang es heiß und rot. der daneben für Ortlieb Sorge trug. Für alle Müh des edlen Getreuen – ein gar schlimmer Sold! Der Spielmann Etzels lehnte am Tisch. Daß keinem Ihr den Ausgang aus diesem Saal gewährt!“ „Gut. schlug Dem Hüter. Das Haupt ab. „Was tat ich Dir. Der wie ein Blitz ihm trennte vom Arm die rechte Hand. Das war der grause Anfang. stünde der nicht hier. Der Hüter an der Tür. Ich kam in guter Absicht. Es flüstern miteinander die Hunnen hin und her. zu strafen. Hagen nahm die Waffe in beide Hände. Wenn ich solch mächtige Könige als Türhüter bedienen soll!“ Hagen trat zu Gunther und sprach: „Mich wundert sehr. Die Geige lag In seiner Hand noch. Sie möchten wohl ins Freie. Hagen versetzt’ ihm einen Schlag. meine Hand! O weh mir!“ rief Werbel. Der Botschaft brachte – lieber wär’s ihnen. leg’ ich die Hand nicht mehr daran?“ 1957–1964 . Das zarte Haupt fiel blutig in seiner Mutter Schoß. wie kann Die Geige wieder tönen. „Das melde. bringst du wieder mal Botschaft ins Burgundenland!“ „Ach. daß vom Rumpfe es an den Boden rollt’. So trinken wir Kriemhildes roten Königswein Zum Liebestrunk: Der junge König soll der erste sein!“ Mit einem raschen Hiebe schlug Hagen Ortlieb tot. Sie trachtet. Nun weiß ich nicht. Kriemhild läßt – lange wüßt’ ich’s – ihr Leid nicht ungesühnt. es ist nur ehrenvoll.253 „Verwahrt die Tür!“ rief Hagen. die’s verdient. je zuleide? Mein König sandte mich. Nun mordete man schonungslos.

Doch Dankwart wußte wacker die Türe zu versperrn. An Hagens Seite eilte auch Volker. den Feind im Antlitz. Daß ihm der Kopf erdröhnte und ganz von Tönen klang. so kühn war er und hart. „Nimm du dich Dankwarts an! Sieh. eh er im Schwall versinkt!“ „Verlaß dich drauf!“ rief Volker. Froh sahen seine Freunde. Seine Hand tat Wunder. rang Und hieb und traf und wehrte. Und wie er fiedelnd ging. Nun kamen Etzels Männer zum Sterben an die Reih! Zu Leibe ging er ihnen in wallend-wilder Wut. 1965–1976 (1972) . Dem wehrten die drei Könige. Manch einer von dem Schwerte solch einen Streich empfing. den Feind im Rücken. so jung er. rasch heran!“ So gellte seine Stimme. Da’s aber ganz unmöglich war. Die Überzahl war groß. Besiegelt schien des Hüters Los. Von drinnen stürmten andere den Ausgang. das merkte mancher Widerpart. wie er von dem Knäuel umschlungen wütend ringt! Hilf. Griff Gunther selbst zum Schwerte. Hagen war’s einerlei. daß er den Weg zur Tür erzwang. Doch immer wilder wurde und wütender der Drang. denn Dankwart ließ keinen ein und keinen aus. Sie hätten gerne zwar Die Kämpfenden getrennt noch. die ihm einst Rüdeger verlieh’n. zu helfen ihren Herrn. doch das Haus War gut verwahrt. – „Volker. Volker. und er schwang Den blanken Fiedelbogen. Verzweifelnd kämpfend sanken die Hunnenhelden in ihr Blut. Gernot beschützte ihn Mit seiner Waffe. daß rauh sein Ton erklang. Sie drängten an von draußen. Und Giselher. Hagen sah die Drangsal.254 Könnt’ er auch nie mehr fiedeln. hau den Bruder heraus. So stand es schlimm um Dankwart. Dankwart.

255 Nun stand er neben Dankwart: „Ihr trugt die schlimmste Last. bedenket Ehr’ und Blut Der Amelungenfürsten! Helft mir vor dieser Wut Des grimmen Hagen! Rettet. Bin ich des Todes. So bitt’ ich. Nur Eure Kraft allein Vermag zu retten. und jedes war ein Todesstreich. Da sprang der Amelungen Gebieter auf die Bank: „Weh. Wie seine treusten Freunde hinsanken in den Tod. wie mancher Freund erlag. Laßt Euch die Königin empfohlen sein!“ 1977–1985 (1978) .und schreckensbleich Ihm kam vor seine Klinge. So halten wir uns beide das üble Hunnenpack vom Leib. Ja. Zwei tapfere Kerle stehn Statt tausend fester Riegel. wie klirrend von Hagens Hand und Schlag Die Eisenhelme barsten.“ Als Hagen so die Saaltür gesichert sah. was angst. nein. Hagen! Heute schenkst du von deinem allerschlimmsten Trank!“ Der König selber bebte. Herr Dietrich. vor der Türe ist fertig unser Wall. ihn selbst bedrohend. Was half ihm seine Würde vor Hagens blutig-wildem Groll? Da schrie Kriemhild: „Herr Dietrich. schwoll. Herrn Etzels Saal verschlossen. Der Berner sah. will eine Tür man gut versehn. Ein gnadenloser Rächer. „denn es droht Mir selber doch von ihnen Gefahr und Todesnot!“ „Nein. indes ich drinnen bleib.“ So taten sie. sah er doch rings die Not. da warf Den Schild er auf den Rücken. Dann schlug er hart und scharf. daß Ihr mir nun die Hälfte überlaßt. wie das grause Unheil. Steht mir doch bei! In Tränen flehe ich!“ „Wie kann ich anderen helfen?“ sprach Dietrich. helft mir! Erreicht er mich. helft mir. Der Spielmann rief mächtig in den Schwall: „Freund Hagen. Wehrt Ihr dem Sturm von draußen.

Den einen Arm um Kriemhild. Nur laßt mir meine Feinde! Die Hunnen soll’n im Saal Noch büßen. jedoch wir öffnen sie Und reißen sie für alle weit auf!“ Doch Dietrich sprach: „Schweigt! Was Ihr alles tun wollt – den Teufel frage ich danach!“ Gunther gab sein Wort ihm: „Weit offen steht das Haus. Gunther vernahm den Anruf: „Seid still! Hört Dietrich an! Er winkt dort von dem Tische. verbissenen Männerstreit. Will er uns einen Vorschlag tun?“ Er rief ihn an: „Herr Dietrich. Daß wir den Saal verlassen in Freiheit ungekränkt. Laßt Eure Waffen ruhn Und hört. daß er sie fest umfaßt’.256 „Ich will’s versuchen“.“ Dietrich begann: „Die Meinigen sind heil und unversehrt. Die war zu Tod erblaßt. Für immer seid versichert. Dann schlang er. Zu Buße und Versöhnung mit Euch sind alle wir bereit. Doch gebt freiwillig Frieden! Verschont uns und gewährt. daß unser Dank Euch das gedenkt!“ Wolfhart rief wild und höhnisch: „So fleht doch nicht zu früh! Der Spielmann sperrt die Tür wohl.“ Dietrich vernahm’s. worauf er auch seine Mannschaft folgen hieß. was ihm geschehn ist. sprach er. Davon erbebten alle. Das Kampfgebraus zerrann. „gab’s auch seit langer Zeit Nicht solchen haßgeschürten. Und seine Stimme dröhnte rauh wie aus einem Wisenthorn. ist Euch etwas geschehn Von einem meiner Freunde? Ich strafte sein Vergehn. Und mit dem anderen führt’ er Herrn Etzel. Führt wenige oder viele an Freunden mit hinaus.“ Da schütterte die Halle von Dietrichs lautem Zorn. So verließ Dietrich den Saal. Geschah Euch das Geringste. mir war es bitter leid. was sie frevelnd mir angetan an schlimmer Qual. 1986–1995 (1990) .

Es kam die Zeit einmal. was immer die Gastfreundschaft gebot. Den um der Eintracht willen ein Freund dem Freunde gern gewährt. Ganz gleiche Treu und Frieden. daß blitzschnell sein Haupt vor Etzels Füßen lag. mit Gewalt Zurück kam und die Güte des Königs Gunther schlimm vergalt. Nie ward ein Wirt belohnt noch mit solcher mörderischen Not!“ „Ein übles Fest!“ sprach Etzel. die niemals den Freund im Stiche läßt. Dem gab der Spielmann Volker zum Abschied einen Schlag. Daß der von Bechelaren bewaffnet. „da drinnen haust ein Gast. Von solcher Art. So bleibe der Friede ungestört. Ihr hieltet fest An wahrer Treu. Weshalb er uns so züchtigt. der statt im Weine in unserem Blute praßt. Ein wilder Eber scheint er und ist ein Spielmann doch. Volker. Ein Hunne hatte klug sich in Dietrichs Näh’ gedrückt. Zu meinem Heil entrann ich vor diesem tollen Teufel noch! Gar wilde Melodien singt er zum Geigenstrich. Und zu entwischen wäre ihm beinah auch geglückt. doch schlimmer hat sich noch nie ein Gast bedankt!“ 1996–2002 . Ich weiß es nicht.“ Zur Antwort gab ihm Giselher: „Wahrlich.257 Auch Markgraf Rüdeger sagte: „Gebt Ihr noch andere frei. Von dessen scharfem Schwunge schon mancher Held erblich. was seine Wut verlangt. Uns trennt ja nichts. Versöhnung bieten wir. Geht ungefährdet! Niemand verwehrt Euch feindlich mehr die Tür!“ Mit Rüdeger. ihrem Herren. Die nah Euch und verbunden? Dann laßt auch uns vorbei. Da wandte sich der König herum und stand und maß Mit langem Blick den Spielmann: „Weh! Nie bisher vergaß Ein Gast so ganz. räumten dann den Saal Fünfhundert seiner Mannen.

dann bleiben ein Herz und eine Seele wir. durch Schilde. er fiedelt an der Tür. stumm gereiht. brach im Saal Laut wieder los der Kampflärm. Er fiedelt sie zu Tode und sorgt. die er litt. stählerne Melodie? Rot jeder Strich. Ein Roß sollt’ man ihm schenken. So wacker stand kein Spielmann. Als dein Gefolgsmann Gnade und Gunst dir gut vergilt. „daß ich nicht bei ihm bin. Am Boden alle Hunnen nach letztem Widerstand. die manchen Helm durchschnitt. Und den Burgunden fielen die Schwerter aus der müden Hand. den Volker mit seinem Bogen zieht. Er war mein Kamerad ja und bleibt’s auch fernerhin. Und jeder Gast nahm Rache für Hieb und Schläge. Brünnen ins Geblüt. Kein Geigenklang durch Helme. kein Lied. Auf Volker blickte Gunther: „Freund Hagen. hört Ihr sie. so drang kein Spiel. Funkelnd wie Wetterstrahl Erblitzte Volkers Waffe. Sind wir zu Haus. Schau.258 Kaum waren die Befreiten gerettet. wie er getreu den Dienst erfüllt. sagte Hagen. 2003–2008 . Nun steh’ ich hier im Saale. Des Spielmanns schneidend wilde. dazu ein herrlich Kleid!“ – Nun ward es still im Saale.“ „Nur schade“. Da lagen. König Gunther. daß keiner mehr entflieht.

Im Saal indes sprach Giselher: „Ruht noch nicht aus! Ich rate. Den hätte gute Pflege gerettet wohl vom Tod. Da standen viele drunten. Er streckte seine Hand. Das so vergossene Blut Erpreßte ihnen Tränen und reizte sie zu wilder Wut. Sie warfen wie ins Grab Die Toten von der Treppe nach unten steil hinab. Nun seh ich. Daß sie uns vor den Füßen hier nicht im Wege sind. den Toten nah verwandt. Da höhnte Volker bitter: „Schon lange hört’ ich zwar. geschah es. Wenn wieder frisch der Ansturm der Hunnen auf den Saal beginnt. wenn sie den toten Mann erkannt.“ Und wie er riet.“ Ein Wort. Allein Volker und Hagen standen treu an der Tür zu zwein. Sah einen seiner Sippe. der es ernstlich in solchem Sinn verstand. Gelehnt auf ihre Schilde begannen sie voll Hohn Im Kreis sich umzublicken und dreist zu spotten und zu drohn. Sie jammern wie die Weiber. das gut und redlich schien. Die Hunnen seien feige. Wie sie die Toten hinabwarfen Kampfmüde sanken alle auf Stuhl und Bank. Ein Markgraf. statt daß sie sich bemühn Um ihre wunden Leute. es ist wahr. Die schrien vor Empörung. und beide lagen tot. werft die Toten hinab erst aus dem Haus. Da traf der Schuß des Spielmanns auch ihn. zu lindern seine Not. Noch mancher war am Leben und litt nur Wundennot.259 XXXIV. Der stürzte da zu Tode. 2009–2016 (2012) . Umschloß ihn mit den Armen.

feiger König.260 Volker verfluchend rannte das Volk. flog dicht zu Volker her. in ihrer Ehre gekränkt. und – wilder ward die Flucht – Warf mitten ins Gedränge den Stahl mit urgewaltiger Wucht. Ich ließe ganze Länder und Burgen ihm als Dank dafür!“ Drauf spottete der Spielmann: „Nun möcht’ ich wissen doch. Entfernt und lose zwar Scheint mir. worauf sie warten noch. Nie sah ich Helden solchen Kampfpreis zaghaft verschmähn. Viel Tausende von Kämpfern traten draußen an Vor Etzel. der erbittert auf Tod und Sühne sann. Am Schildband hielt man Etzel zurück. Der Hagens Haupt abschlüge und käm und brächt’ es mir. wog ihn. Da lacht’ ihn aus Der Tronjer und rief offen ihn höhnend ins Gewühl hinaus: „Verwandt ist König Etzel mit Siegfried. Er nahm ihn ruhig. Mit besseren Männern sollte der König Etzel sich versehn! 2017–2026 (2021) . Der war ein tapferer Held! Warum hast. Hohn und riefen zum Spott dem Könige ins Gesicht: „Es ziemte wohl den Fürsten – die Völker säh’n es gern – Kämpften an der Spitze sie mit wie unsere Herrn.“ – Fließt auch das Blut vom Schwerte – selbst durch die Feindeshelme So kühn war König Etzel. Kriemhild war Die Liebste ja des Toten. Heut denken Könige selten an ihre Fürstenpflicht. Warum die Hunnen zögern. Ingrimmig lächelnd sparten Volker und Hagen nicht Reizrede. rief laut im Kreis: „Der nähme Etzels Schild voll von reinem Gold als Preis. zurückstehn wollt’ er nicht. Die alle bei uns stehen und ohne Furcht und Grau’n  [haun. ist die Verwandtschaft. du mir durch andere nachgestellt?“ Kriemhild. Ein scharfer Ger. Geworfen aus der Menge.

jedoch beiseite stehn. Versagen aber schmählich.“ 2027 . kommt er einmal in Not.261 Da stehn sie nun. Wenn’s Ernst wird. Sie essen zwar ihres Fürsten Brot. Mit Heldenmut zu prahlen. solcher Schimpf soll als Hunnenschande nie vergehn.

Am schärfsten schnitt sie dann. im Geleit. Die schlossen sich an Iring. laßt nur weit Die Hunnen mir vom Leibe! Kommt Ihr etwa zu zweit. Markgraf von Dänemark: „Ging es um Ehrensachen. Will ich den Kampf versuchen. kaum erst zur Männlichkeit erblüht. In manchem schlimmeren Gange hab ich mich schon versucht. schaut. das hielte ich lügnerisch nicht ein. Euch zu bestehn im Streit. Erlaßt mir diese Schmach. wenn Ihr Euch auch die Knochen brecht!“ „Mich schreckt es nicht“. ich fürchte nichts. dann verbarg Ich niemals meine Klinge. dann bring’ ich Herrn und Knecht Die Treppe schnell hinunter. Hör auf zu prahlen endlich! Denn Worte tun es nicht. an tausend. Wie Iring erschlagen wurde Erbittert sagte Iring. Ich komme! Nicht die Zunge. wie hält Nun Iring Wort? Das tadl’ ich. kampfbereit. „wenn einer droht und flucht. „rat ich Euch dringend. Befremdet sah’s der Spielmann. Hawart. Der Thüring Irnefried. Bringt mir die Waffen! Gegen den Tronjer steh ich meinen Mann!“ „Dann“. „Freund Hagen. Ein kühner Jüngling.“ Iring bat seine Freunde: „Allein. nur meine gute Waffe spricht!“ Iring war bald gewaffnet. wie ich’s versprach. Seit wann denn lügt ein Held? Allein gelobte er doch. sprach Iring. Was ich gesagt. Nun hat er tausend Männer und mehr zum Schutz an seiner Seit. Zu dritt mir allzu nahe. sagte Hagen. ihm beizustehen. So grausig Hagen wütet. der Starke. Laßt mich allein!“ 2028–2034 . Männer.262 XXXV. wahrhaftig.

unerschütterlich. daß sie von Haus und Wand Und Türmen widerhallten. Mit König Gunther stritt Er heftig. Schon ging’s ihm schlecht. Doch der ergriff die Waffe. Der hätte ihn beinahe gefällt. Daß sinnberaubt im Blute Iring vor seinen Füßen lag. Drum ließ er von dem Tronjer und sprang den Spielmann an. So blieb er hart. ungern und traurig zwar. So ehrenvoll der Vorsatz. Zum Schwerte griffen beide. und Flammen schlug das Erz Aus Helm und Brünnen.263 So bat und drängte Iring die Freunde flehentlich. Von Dänemark Herr Iring. den Schild zur linken Hand. Die Schilde barsten krachend und nützten schon nichts mehr. Der schlug das Schildgespänge ihm ab. Nachgaben sie ihm schließlich. Hin wirbelnd flog der Ger. Herr Iring. Er flog zerschmetternd schier Mit voller Wucht hernieder auf Hagen an des Saales Tür. Doch Hagen widerstand Und trotzte unerschüttert des Gegners Rachedrang. daß an Hagen sein schweres Werk ihm nicht gelang. Vier Männer der Burgunden fiel er im Rückzug an. Doch hitzig dann Drang Iring in den Saal ein. Die hieb in schnellem Kampfe er nieder bis zum letzten Mann. Der sah bald. Um Ehre ging’s. Hart prallten ihre Schläge. daß Ihr diese Gefallenen büßen müßt!“ Er holte aus zum Hiebe und gab ihm solchen Schlag. Da schäumte Giselher in hellem Zorn: „Ihr wißt. Mit Gernot kam er danach in hitziges Gefecht. Heißer erflammte beider Kämpfer Herz. 2035–2045 . Hob seinen Ger und wog ihn und lief und warf gewandt Ihn in gewaltigem Bogen. wobei keiner von beiden einen Schaden litt. er ging in tödliche Gefahr.

264 Für tot ließ man ihn liegen. So strömte des Tronjers Blut zum erstenmal Als er die Wunde spürte an ihrer heißen Glut. bedachte Hagen still: Dich töt’ ich. das hat mich Giselher gelehrt!“ Er hielt sich still. Wenn er sich rührte. bis ihm die Flucht nach draußen schnell geglückt Heil zu den Seinen kehrte Iring. Er hörte Giselher. „Käm er aus eigener Wahl. Er warf sich auf den Dänen. was ihm geschehen war. Hell prasselnd gingen so Auf Hagens Helm die Schläge. der betäubt war vom harten Schlag und Stoß. kein Ruhm für ihn. der zornigen Tones sprach. Doch was ein Mann vermöchte. als flammte Feuer lichterloh. zum Saale noch einmal – Das ziemte einem Helden! Dann hielt ich ihn für kühn. sann klug er und besonnen nach. Den zweiten Gang zu wagen. wüßt’ er. der schutzlos beim raschen Überfall Des Angriffs nicht gewärtig. Schnitt durch den Helm. Der wich und sprang geschickt Die Stufen abwärts. Wie’s um ihn stob von Funken. Doch nur besinnungslos Lag Iring. Die kleine Wunde ist Euch kein großer Trost. „Gott lohn dir’s! Was ein Trost doch im Unglück Wunder tut! Es hofft mein Herz! Nun sah ich zum ersten Male Hagens Blut!“ „Dankt nicht zu früh!“ rief Hagen. Er fühlte im Erwachen: „Noch bin ich unversehrt. und Frau Kriemhild Nahm selber voller Freude vom Arme ihm den Schild. Wie er sich retten könne. Da lohte ihm viel heißer der wilde Zorn im Blut. 2046–2056 (2053) . Blitzschnell vom Boden sprang er empor und warf im Prall Auf Hagen sich. wenn der Teufel nicht selbst dich retten will! Doch Irings Waffe – Waske genannt – ein guter Stahl. Es standen die Feinde um ihn her.

Den Stärksten aller Gegner. das wär mir lieb!“ Iring. Ein feuerroter Brand Stob aus den Helmen. denn Balmung schnitt wie ein Blitz von Stahl Durch Schild und Brünne. Iring stand fest. Ringsum die Menge pries. Er rief nach einem Schilde. Sie möchte ich ersättigen! Käm er heran. Zu Leibe ging ihm Hagen. wund und leichenfahl.265 Das bißchen Blut. ganz erglühend in flammender Begier. daß Iring an Kraft ihm nicht gewachsen war. Er sah vor seinen Füßen den Ger. den Iring warf. Die kleine Scharte schmerzt nicht. Sein Zorn wuchs in Gefahr. löste den Helm vom Haupt und ließ Sich kühlen von dem Winde. 2057–2064 . Daß Iring für den Gerwurf nicht Raum genug gewann. ein Tropfen. Der Markgraf sann: Noch einmal versuch’ ich’s kühn mit höchster Kraft. Den hob er auf und zielte und traf den Gegner scharf. Iring wich taumelnd. und schlimm vergalt er ihm dafür. Es zeigte sich. doch überwand Ihn Hagens Schwert. Er sei vor allen anderen kraftvoll und heldenhaft. Etzels schlimmsten Gast. Dem aber galt kein Warten. Er wog ihn und grimmig dachte er Damit den Feind zu treffen. zu vergelten ihm jeden Streich und Hieb. nun sei die Reih’ an ihm. den Tronjer. der Däne. der tödlich ihm verhaßt. Daß ihm die Stange ragend hoch aus dem Haupte stand. Er stürmte rasend an. Die wuchtigen Hiebe schallten. Doch Hagen war sein Meister. Ein furchtbar Ende fand so der edle Held vom Dänenland. Er rückte seinen Schild hoch und warf sich ungestüm Auf Hagen. Doch wähnte er noch einmal. der durch die Ringe quillt. Ein langer scharfer Ger Ward ihm gereicht. Nur um so grimmiger schwillt Die Lust mir.

266 Im Arm der Seinen lag er. ward aus der Wunde die Lanze sanft gelöst. Da drang es hageldicht Von Speeren und von Schäften auf beide Freunde ein. fallend im Angesicht Der Thüringer und Dänen. Der tapfere Recke wehrte und sagte: „Weint nicht mehr! Gern hätte ich gedient Euch und Etzel lebenslang. Doch stärker als die Treue des Mannes ist des Todes Zwang. Ihr wählt den Tod. Der Widerschlag des Dänen durchtrennte scharf und schnitt Die Eisenringe Volkers. Von Hagens Hand sank Hawart. Der schlug so eisenhart. In roten Funken glitt Der Kettenpanzer nieder. Nun aber galt es Sühne. In brausendem Getose hub neu der Kampflärm an. wenn kämpfend ihr Hagen zu begegnen denkt!“ Sein Antlitz war erblichen im kalten Todeshauch. wie es uralter Brauch. Irnfried und Hawart kamen. Eh noch das Haupt entblößt Vom Helm.“ Den Thüringern und Dänen vertraulich zugewandt. Der zwang die dänischen Männer. und neuer Streit begann. In Tränen beugte Kriemhild sich über Iring her. und eure Hand Wird Kriemhilds Gold nicht ernten. daß Irnfried fiel und schnell erblich. denn das bleibt unverschenkt. Da sank er hin. Sprach er: „Vergeblich ist es! Gebt’s auf. Aber des Spielmanns Strich Ging schneidend durch die Lüfte. Irnfried traf auf den Spielmann. Eh sie die Tür erreichten. Die Dänen und Burgunden bekämpften sich Mann gegen Mann. Die Freunde rings in Jammer und Tränen traf sein letzter Blick. mit ihnen tausend Mann. 2065–2074 . schon nahte des Todes Wehgeschick. Daß jäh von seinem Hiebe der Helm Irnfrieds gespalten ward. ward man im Kampf schon handgemein.

bald. als ob er noch gar nicht kampfesmüde wär. So schaute wartend er Nach Feinden aus.“ Es drangen nacheinander an tausend in das Haus. „Zurück! Dort finden sie. In die Dielenlöcher strömte das Blut hinein. Hin sanken sie erschlagen. der wilde Lärm schlief ein. Bis in den Rinnstein floß es im Rauche heiß und rot.267 „Geht in den Saal!“ rief Volker. 2075–2080 . in Tränen auch Kriemhild. – sie blieben Herrn ob Not und Tod. Da blitzte und erklang es von Klingen-Schwung und -Saus. Jammernd stand König Etzel. Entgehen solle keiner von allen seiner letzten Not. Mich dünkt. Die Schwerter der Burgunden taten noch Wunder an Gewalt. Die Waffen glitten nieder. Dann ward es atemstille. die Kriemhildes Todhaß in ihre Brust gesät. qualerfüllt. Doch saßen sie und ruhten von Qual ermüdet aus. die tapferen Gegner. es habe strenge verschworen sich der Tod. Die Männer von dem Rheine. Die Frauen und Mädchen rauften die Haare. noch allzu früh! Nicht einer soll entrinnen! Zu blutiger Frucht gerät Die Saat nun. Nur draußen vor dem Haus Stand noch der kühne Spielmann. Worum sie sich so lange gemüht.

Die Herzen. War man um ihn schon bange. Wie schlecht der Wirt doch sorgte für seinen müden Gast! Wie leer und kahl die Tafel. „Aber wir. Das war der Sonnwendabend. Nach Frieden aber lechzten all ihre armen Sinne doch. Wie die Königin den Saal in Brand stecken ließ „Nun bindet los die Helme!“ sprach Hagen. und Dankwart sorgte gut. die stolzen. schlugen noch. Und haben Etzels Mannen Gelüst nach neuem Streit. besser sei selbst ein schneller Tod. Alles. so drückend auch die Last. was An Rachedurst und Trauer geweckt war. da wuchs im Saal die Not. das die Ihren gezündet und geschürt. bewachen Trepp’ und Tür. Er rang sich immer wieder heraus. daß Rache nie zum Glücke führt. Der Tag sank. Die Männer dachten. wie hart ihr Sitz zu Ruh und Rast! Schon dunkelte der Abend. ruhig und stumm wie die. still verdämmernd. Da Kriemhild ihre Rache verlangte als Ertrag Des Leidens. 2081–2087 (2085) . der große Todestag. Dann sichr’ ich euch und warne vor Überfall zu rechter Zeit. Vergeblich immer höher wogte die Hunnenflut. Sie saßen auf den Toten. schien er versunken fast. Doch sie erfuhr mit Etzel. „Noch einen Sturm befehl’ ich!“ rief Etzel. Als solche Qual. Die Tür versorgte Dankwart.268 XXXVI. Ich und mein Kamerad hier.“ Sie kühlten sich die Häupter nach all der harten Müh. stärkte nur den Haß. da scharten noch einmal Sich Tausende von Hunnen zusammen vor dem Saal.

stolz und hehr. als gern gesehener. Wo war ein Herz und Auge.269 Sie hofften. sie alle tot im Grab. Frieden lehn’ ich ab. und hinter ihnen weit Und weiter schwoll die Menge in Unermeßlichkeit. Der König fragte strenge: „Was wollt ihr von mir? Sprecht! Ihr möchtet Frieden schließen? Nur schwerlich tat ich daran recht. Etzel leihe nur einmal noch Gehör.“ Doch vorwurfsvoll sprach Gunther: „Aus bitterer Not geschah’s. Mit allem Argen. Wodurch meine Gefolgschaft ein tückisch Ende fand? Litt ich’s nicht unverschuldet? Vertrauend kam ich doch ins Land. Erfuhr ich nicht als erster des Hasses Übermaß. käme ich. wahrhaftig. von Staub und Blut beschmiert. Wärst du mit deinen Brüdern niemals vom Rhein hierhergereist!“ Mit Bitterkeit versetzte Herr Gunther: „Nun. Mein Kind. möge zu Ende gehn versöhnt und gut. was wir taten. Wenn auch aschfahl das Antlitz. – Euch sollt’ ich schonen? Niemals! Versöhnung. habe ich mit Absicht gefrevelt und woran? Als Freund. die Verwandten. von solchem Leide ungerührt? Kriemhild und Etzel kamen. das tot. Die Freunde. ist deine Freundlichkeit Zu gut nur kund geworden im Lande weit und breit! Von deiner Güte liegt ja das ganze Land verwaist. so dacht’ ich.“ Sie sagten: „Ja. Was schlimm begonnen. so laßt Ausgleichen. Drum traten aus dem Hause die Könige. erschlagen von euren Händen liegt. weswegen Ihr uns haßt.“ Es fragte Giselher: „Wes klaget ihr mich an? Sagt. das uns Herr Etzel grundlos tut. Was ihr mir mörderisch wütend an Schaden zugefügt. Und gütiger Verwandten liebreiche Gunst empfinge mich.“ 2088–2094 .

„Laßt sie heraus! Es wird ja nur unsere Ehr gemehrt. Fall’n sie in offenem Kampfe auf grünem Wiesenplan.“ Da wandte Giselher sich einmal noch gefaßt An Kriemhild: „Liebe Schwester. Kein Wagnis ist’s. Wenn sie nur atmen können. Die Welt sah keine Helden wie diese Könige von Burgund.270 Dem widersprach Herr Etzel: „Wer all mein Leid ermißt. was Ihr tatet zu meinem Schaden. Genug an frischen Kämpfern zählt Eure Übermacht. daß es Eurem doch allzu ungleich ist. Womit verdien ich das. Schimpf und Hohn. es wäre Heldenpflicht? Aufrichtig rat’ ich: Weigert es ihnen! Tut es nicht! Laßt ihr die Rachegierigen erst aus dem Saal. daß Ihr uns bald von dieser Qual befreit!“ Die Hunnen hatten’s schweigend in Achtung angehört. Drum macht ein Ende. ich kam zu dir als Gast In brüderlichem Zutrau’n. geht ihr daran zugrund. dann seid Mit Freunden und Verwandten ihr alle schnellem Tod geweiht. Ermattet sind wir und todbereit. will Euren Tod als Lohn Für alles. Erkennt gut. Macht’s kurz. mich aufzuopfern deinem Haß? 2095–2101 .“ Doch zornig wehrte Kriemhild: „Gar schlimm geriet’ euch dieser Wahn! Meint ihr. Daß du mich hierher ludest. Ehrt Euch der Sieg und wird auch das Sterben leicht und frei gefühlt. laßt uns ins Freie gehn! Auf grünem Feld. Nur eine Sühne will ich. es brächt’ euch Ehre. wo lieblich die frische Luft uns kühlt.“ Da bat Gernot den König: „Habt Ihr es abgesehn Auf Untergang der Unseren. was Ihr uns Müden an Schlimmem zugedacht. Im kühlen Windhauch wüchsen die letzten Kräfte doch. Und wären meine Brüder allein am Leben noch.

verrieten unser Herrenamt!“ „Wenn wir doch sterben müssen“.“ Auch Dankwart schien das Schweigen nicht ziemlich mehr zu sein. Eh wir. wie er ihnen zu eigenem Schaden nur gedeiht. „Wo Hagen steht. Denn wir sind ja Geschwister und einer Mutter Kind. versetzte Giselher. Solang ich atmen kann. da ’s an Gnade für Euch mir nicht gebricht. da steht er nicht allein! Die solchen Frieden bieten. Bis seine Tat gesühnt ist. Wir stürben allesamt.271 Von je war ich getreu dir. mein Bruder. ungnadenreich Ward ich durch Hagens Härte. da uns Brüder doch gleiches Blut mit dir verband!“ „Verarmt bin ich an Gnade. gäben wir keinen einzigen doch Dir preis von unseren Mannen. – gut dann! Hier sind wir noch! Man hieß Treu immer einen Freund nur. Dann zündet an vier Ecken den Saal an! Drin erstick’ Ich Hagens wilden Hochmut. Und hart. Daß keiner aus dem Saale dem Tod entrinnen kann. Denk’ ich auf Rache. die soll’n zu ihrem Leid Erfahren. daß ihr anderen Etzels Versöhnung auch gewinnt. Dann sorg’ ich. Nie tat ich dir ein Arg. So ritt ich im Vertrauen zur Schwester in das Land. der nie den Freund im Stiche ließ. und nimmer werd’ ich weich. Üb Gnade. Büßen sollt ihr bis auf den letzten Mann! Gebt Hagen mir heraus! – Dann weigre ich Euch nicht Das Leben. uns selbst zu retten. mit ihm mein ganzes Wehgeschick!“ 2102–2109 . Und soll gekämpft sein. In meinem Herzen barg Ich nie die kleinste Falschheit.“ Schroff wehrte Gernot: „Wären wir selbst auch tausend noch An Blutverwandten.“ Da rief Kriemhild: „So treibt sie zurück die Trepp’ hinan. „So wahren bis zuletzt wir die ritterliche Ehr.

Die Männer standen drinnen.272 Noch einmal schwoll es tosend von Lärm und Schuß und Schlag. Die Zeit ist schlimm. Sie schrien laut und riefen: „O weh der grausen Not! Viel lieber lägen draußen wir nun. gedenk’ ich es Euch lebenslang!“ 2110–2116 . Und wie es floß und strömte. Er setzte seinen Helm ab und fing das Blut darin. umflammt von Glut und Graus. Von Flammen rings umhüllt. So kann es denn einmal heut nichts Besseres sein!“ Es kniete einer nahe an einen Toten hin. – nicht einer löste sich Vom anderen los. wer draußen nicht erlag.“ Und einer rief laut jammernd: „Das Ende kommt! Der Tod! Was hilft der schöne Willkomm. es dünkte ihn doch gut genug. trank er’s in langem Zug. Hätt’ ich nur solchen Durst nicht in dieser Hitze auszustehn!“ Da rief Hagen von Tronje: „Ihr Ritter. tot! Erbarm sich Gott! Verloren sind wir. Herr Hagen!“ so sprach der durstige Mann. Denn heut erfüllt Sich furchtbar an uns allen der Zorn der Königin Kriemhild. So guten Wein wie diesen trank selten ich. Da hieß Kriemhild die Knechte anstecken Saal und Haus. „Daß ich erfuhr. Verbargen sich die Armen verzweifelnd hinter ihrem Schild. Der Wind blies in das Feuer. „Das dank Euch Gott. wo labend ein guter Tropfen rann. erschlagen. der trinke hier das Blut! Das ist in solcher Hitze viel besser noch als Wein. So ungewohnt es schmeckte. wen die Glut Und Qual des Durstes nötigt. unerschütterlich. so mag das Leben in dieser Qual vergehn. Habt Dank! Leb’ ich noch eine Weile. Die Treue stand trotzig. Zurück wich nach dem Saale. Die Fürsten und die Mannen. den uns Herr Etzel bot? Nun denn.

So feierten die Männer ein grausiges Gelag. gepeinigt. begegnen wir rasch mit sicherem Hieb Und zeigen ihnen. Gelehnt auf ihre Schilde. Dann tretet mit den Füßen ihn in das nasse Blut. bis endlich der Dämmerung wich die Nacht. Doch vielen edlen Frauen ward später es zum Trauertag. zu dem uns die gütige Hunnenkönigin lud!“ So litten sie. Schön wär’s. Schon halb erstickt vom Rauche. Da mahnte Hagen: „Drängt euch dicht an des Saales Wand. der Tag beginnt. Ein schönes Fest. von Hitze fast versengt.“ Darauf erwidert’ einer: „Rot steigt herauf der Tag. Da riet zur List der Spielmann: „Nun gehn wir in den Saal. Barg sich ihr Leib. Noch einmal nehmt die Waffen. daß hier doch mancher noch am Leben blieb.“ 2117–2123 . noch einmal trotzt und wehrt Und kämpft bis auf das Letzte.273 Auch andere tranken. Und wie von einem Wunder ward ihre Kraft gemehrt. Dicht fielen Feuerbrände. wie’s unsere Heldenehre wert. so hielten beide wacker stand. da sie des Blutes Lob gehört. als es das Sonnwendfest der Schwester war. Noch hielt der Spielmann draußen mit Hagen treulich Wacht. Allein vom Schild gedeckt. Und kommen sie. Schon weht herein vom Felde ein kühler Morgenwind. von Todesnot geschreckt. Und wenn er auch nichts Besseres uns Armen bringen mag. Den scharfen Blick zum Feinde. gab Gott uns gnädig zu leben Tag und Jahr Und schönere Feste. Schützt euer Helmgebände! Und fällt herab ein Brand. Auf allen Seiten drohend von gierigen Flammen eingeengt. die Waffen in der Hand. Dann wähnen uns die Hunnen besiegt von dieser Qual.“ Es seufzte Giselher: „Mir scheint.

2124–2132 (2125) .274 Nun sei. Versprechungen und Gaben. Zu züchtigen. Im ersten Tageslichte begrüßten schon von fern Die Hunnen sie mit Speeren von Etzel. sechshundert oder mehr Burgunden lebten. Von Wundennot erloschen das Leben in dem Saal. fähig noch immer harter Gegenwehr. Kriemhild erfuhr. Ihr Mut war nun geschwollen. von Feuers-Glut und -Qual. Und dennoch todbereit – Da nirgendwo mehr Gnade zu finden – ging ihr Sinn Auf Rache für ihr Sterben als ihren letzten Ehrgewinn. Was Etzel wünschte. und kommt heran! Nur näher! Soll’n wir sterben. die mit Golde erhöhen ihren Mannesmut!“ Und andere riefen: „Macht es nur kurz. im Überflusse warf Kriemhild es hin. Sie sprach enttäuscht: „Wie sollte solch Wunder möglich sein? Wie hätten wohl die Männer vor dieser Feuersnot Ihr Leben noch gerettet? Verbrannt sind sie gewiß und tot!“ Zwar sehnten die Burgunden in ihrer Müdigkeit Nach Frieden sich und Gnade. die Herzen scharf. gewaffnet. In breiten Schilden rotes. Doch seine Wache sagte. ihrem Herrn. ein überreicher Sold. hoch aufgehäuftes Gold. sie wären gesund trotz aller Pein. Die Schilde krachten von der Wucht. Da rief der Spielmann höhnisch: „Schaut her! Wir sind noch hier! Nie brannt’ ich mehr aufs Fechten. wird nicht ein einziger Mann Hier weichen von dem Platze!“ Da schwirrte eine Flucht Von Geren durch die Lüfte. Nie traf es sich so gut. so hoffte Etzel. Was Kriemhild zugesagt. Ein starker Bann von Männern. – Leben und Leib ward mutig dran gewagt. kam zur Tür. Sie machte die Hände reich. Was einer sich nur wünschte.

Die tapferen Männer Etzels – sie sanken alle in den Tod.275 Was soll ich noch erzählen? Zwölfhundert wagten sich An Haus und Saal. So wogte unentschieden der Kampf. An manches Herz griff gierig der schneidend scharfe Stahl. Dort brach ein Freundesauge in allerletzter Not. Hier trug ein Freund im Antlitz ein blutig brennend Mal. Die Menge schwoll an und ebbte. dennoch kühlten an ihren Feinden sie den Mut. wich. Das rote Blut Rann stromgleich. 2133–2134 .

Wie beiderseits man willig das beste Blut vergoß. daß eine Mutter“. ihn soll nicht kümmern. „mich gebar! Ist dieser Haß und Jammer denn ganz unwandelbar? Wie gern ich Frieden schüfe. „Weh mir. als sonst kein anderer mehr.276 XXXVII. Dem doch die größte Macht hier bei Etzel zu Gebote steht! Zahlreiche Mannen folgen gehorsam seinem Ruf. Da litt Es Rüdeger nicht länger. wie kaum sich Rüdeger Erwehrte seiner Tränen. Man preist ihn. In dieser Not vergaß wohl sein kühnes Herz Herr Rüdeger!“ 2135–2140 . So hart die anderen kämpften. er tat nicht einen einzigen Schlag. was auf dem Spiele steht. Die Könige zu retten. indes sein Auge überfloß. will Etzel keinen Frieden doch!“ Da sah ein Hunnenführer. Laut tadeln sagte er Zur Königin: „Seht den Markgraf. Wenn es nach seinen Wünschen ihm selber gut ergeht. kühner sei er. Wie Markgraf Rüdeger erschlagen wurde Den ganzen Morgen hielten die Armen stand. Etzel bleibt ungerührt. den einzig des Königs Gnade schuf. wie er heut müßig geht. Wie man verzweifelt stritt. so rief er. An Burgen und an Gütern. Reich sein Besitz. Ihm brach das Herz in Trauer. Da er die liebsten Freunde in mörderischem Kampf verliert. so viel er haben mag.“ Sein Mitleid trieb ihn bittend zu Dietrich: „Zügelt Ihr. Mir scheint. des Hasses wilde Gier!“ Doch der von Bern versagte sich ihm: „Wer möchte noch Abwenden das Verhängnis.

als Ihr mich dermaleinst gewannt Und Euren Dienst versprächet. Alles für uns zu wagen. zu laut gesagt! Es ballte sich die Faust ihm. etwas schlecht bekam!“ Auch Kriemhild kam und klagte in Tränen: „Habt Ihr nicht Gelobt und zugesagt mir als Eure Treuepflicht. bis einer von uns tot. Sein Manneszorn erbrauste: „Du feiger Wicht. Nun ist es Zeit! Nun seht Ihr mich armes Weib in höchster Not!“ 2141–2149 . fahr hin! Was weißt denn du. selbst Leben. Ich führte als Geleitsmann sie selber her ins Land. die tausend niederschwang. warum ich von Leid und Trauer elend bin? Mit Arm und Herzen hätte ich gern gekämpft wie ihr. nennst du mich feige und verzagt? Du hast hier deine Sprüche. Daß tot der Hunne nieder vor seine Füße sank. die als Pfand Ihr mir geschworen. Hätt’ ich nur Grund zum Hasse! Doch sie vertrauten mir. der Freundschaft. Gilt Eure Treue nun nicht mehr? Ich mahne Euch des Eides. Leib und Ehr? Euch pries man als den Treu’sten. Verleumdung war es. dem Lügner. nicht in Feindeshand!“ Etzel verwies mit harter Scheltrede Rüdeger: „War dieses deiner Hilfe die einzige Gewähr? Ist unser Weh und Elend nicht so schon groß genug? Mehr war nicht nötig! Wenig half mir.277 Wie traf das böse Wort ihn. Er warf mir vor. den vielgetreuen Mann! In Zorn und Trauer blickte er jenen Schwätzer an: Dich soll’s gereuen. die ihm. Und meine Waffe liegt ja in Freundes-. der meinen Mann erschlug!“ Der Markgraf sagte traurig: „Sein Tadel traf mich schwer. Die ich in reichem Maße aus Euren Händen nahm. ich trüge zu Unrecht Gut und Ehr. zum Schaden dir.

um schnelles Sterben bitt’ ich ihn. daß ich Gottverlassener in dieser Welt noch bin! Das Höchste. der alten Lieb und Treu. nehmt in Gnaden zurück. Rüdeger. Nun laß den rechten Weg mich erkennen. Der edle Sinn. rächst du. daß es dich nie gereu. da mir alles gleich schändlich gilt. Des heiligen Eides denke. – dann wahrlich. dein Manneswort bereit!“ – „Das hielt ich!“ sagte Rüdeger. Ja. die Lande. die Treue. sei belehnt Mit höchster Macht und Würde! Als König sei mit mir gekrönt!“ 2150–2158 (2155/56) . womit Ihr mich Beschenkt habt! Nehmet alles. Die Hände rang der Markgraf. Ehr und Leib. Mit seinem Weibe fiel er aufs Knie vor seinem Mann. die ehmals er so heiß geliebt! „Weh. Gott im Himmelreich!“ An Etzel wandte bittend der edle Markgraf sich: „Herr König.278 „Das leugn’ ich nicht.“ Sie bat: „Gedenke. vom gütigen Gott verliehn. Nimmt er mir die. nur komm zu Hilfe mir. Wie sollt’ er tödlich hassen. Die Seele zu verlieren. edles Weib. Und dann laßt mich am Stabe zu Fuße in die Fremde gehn!“ Unmutig wehrte Etzel: „Dein Leben geb’ ich dir Zu eigen. was die Feinde mir taten. Was ich nun tu und lasse. – das aber schwor ich nicht! Ich hab’ sie hergeleitet. das ich hatte. Um Euretwill’n zu wagen das Leben. bis in den Tod betrübt. keines von beiden stillt Mir das Gewissen. Einst war. die Ehre ist dahin. Burg und Länder. schelten sie alle mich zugleich. Burg und Lehn. mein Leid zu rächen. Und laß ich beides. ihr Schutz ist meine Treuepflicht. Ich habe geschworen. „war ich getreu doch allezeit!“ Inständig bittend fleht’ ihn der mächtige Etzel an.

daß es dich schützt vor Schlag und Hieb. Um seine Sache stand es – so wähnte Etzel – gut. noch heut entgilt Mein Leib die Königsgnade von Etzel und Kriemhild. Zurück zahl’ ich es heute. wie in dem jungen Giselher!“ Da widersprach ihm Kriemhild: „Gedenke. im Wahn. was ich litt! Was Etzel traf. ich sei verzagt.279 Noch einmal flehte Rüdeger: „Weis mir den Weg dazu! Ich lud sie in mein Haus ein zu Gast. Drum leg’ ich Eurer Gnade ans Herz mein Weib und Kind Und meine armen Leute.“ 2159–2165 . die dort in Bechelaren sind!“ „Gott lohne es dir. wo sich mit Glut und Ehr Die Zucht und Treue einte. der deinen König brennt. Rüdeger!“ sprach Etzel frohgemut. Ich weiß. erledigt wird heut mein Lehen. Wo höhere Tugend glänzte. Hat er als rechter Herr dir doch alles Gute einst gegönnt!“ Da fügte sich der Markgraf: „Ich weiß. „Laß mir die Sorg’ für alle. Was ihr an Gunst und Güte. an Glück mir einst gewährt. Mein Kind verlobt’ ich Giselher zum Ehgemahl. Den Freunden hab’ ich niemals den Frieden aufgesagt. Burg und Land Durch meinen Tod von eines getreuen Freundes Hand. Erbarme dich des Jammers. Verbunden bin ich ihnen fest durch ein liebes Band. Nie träfe in der Welt sie eine bessere Wahl. die teuer dir und lieb! Auch trau’ ich meinem Glücke. das traf dich und all die Deinen mit. Das ist ein tapferes Sterben wert. Aus Freundesherzen bot Ich ihnen Gastgeschenke. Zu allem Jammer ward ich mit den Burgunden nah verwandt. und nun – schlüg’ ich die Freunde tot? Leicht tadeln mich die Leute. in sicherer Ruh An meinem Tisch zu essen.

die uns auf dieser Fahrt Geschenkt ward. rief er frohgemut: „Wünscht Glück mir zur Verwandtschaft. es ginge alles gut. Die hofften Preis und Ehre und rasches Siegerglück. verhängt ist ihnen Kampf und Streit!“ Gewaffnet ward der Markgraf. Knecht und Mann. sah Volker in den Glanz hinein. Die lieb einander waren. Das weiß ich nicht.280 Wie auf der Waage prüfte da Rüdeger Seel’ und Leib. Doch weinend stand vor ihm Etzels Weib. Da sagte er: „Nun will ich erfüll’n. Im Helm und fester Brünne. todtraurig an sein Amt. Von ihren breiten Schilden kam heller Widerschein. die Hand vor Augen. In seiner Nähe harrten die Seinen allesamt. Sie dachten nicht an Sterben. doppelt lieb ist mir nun das schöne Liebesband!“ Der Spielmann mahnte: „Was Euch so frohe Hoffnung gibt. wenn er liebt. Zwölf starke Helden schlossen sich ihm zur Hilfe an. als harrte nicht schon ihr Geschick. die einst ich in Bechelaren fand. wie ungern ich den Frieden brach!“ Der Markgraf ging entschlossen. Wie sollte er wohl anders den Waffengang verstehn? Das konnte nur bedeuten. Was schwerer wog.“ 2166–2173 (2168) . in Händen die Schwerter. mit ihm fünfhundert Mann. das Schwert blank in der Hand? An uns gewinnt der Markgraf vom Könige heute Burg und Land. Doch Giselher sah freudig den lieben Schwäher gehn. Kommt einer in Waffen. was ich versprach! Erführen nur die Freunde. „Alle meine Leute! Zum Kampf! Es kam die Zeit. Wahrhaftig. Da kamen Freunde! Hilfe erwartend. Trübe. Da schritt in Helm und Waffen Herr Rüdeger voran. Und hinter ihm. die sich heute gar herrlich offenbart! Euch hilft die Braut.

Euch müßte Gott es lohnen.281 Kaum endete der Spielmann. so fest die Treue steht. Den guten Schild vom Arme setzt’ er an seinen Fuß. Ich gab mein Wort zum Pfand. was ihnen nur gefiel. Steht ab. rief Gunther schmerzbewegt.“ „Ihr kündet uns den Kampf an“. die schon genug bedrängt. „Das mag doch Gott nicht wollen“. Statt Hilfe war den Armen nur größere Not verhängt. Ist euch das Leben teuer. sprach Gunther. was Ihr schon geschenkt!“ 2174–2180 . Als Ihr ins Land uns brachtet. „doch zu spät! Da doch so frisch die Liebe. da stand Herr Rüdeger Draußen vor dem Hause. die Ihr für uns gehegt. der ihnen einst so lieb. So bleibt mir keine andere Wahl. [dafür!“ Aufkünd’ ich euch die Freundschaft! Nehmt Kampf und Feindschaft nun Vor seinem Wort erschraken. Stumm erst verharrte er. Es kann nicht sein. und laßt uns leben! Wir danken Euch so viel. Nun muß ich mit euch kämpfen. Ihr sinnt nicht auf Untergang und Todesnot. hört! Ich mahn’ euch. Wenn schon der Feind im Sturme sie zur Verzweiflung trieb. Nun kam der Freund! Kampf galt es mit dem. dann wehrt euch! Mir befahl Den Kampf die harte Königin. Das kann nicht sein. doch nun schützt euch vor mir. Kein Trug war’s. „Daß Ihr der Huld entsagtet. Auf Eure Lieb und Treue verließen wir uns ja. daß ihr meines Angriffes euch erwehrt! Zwar Schutz war ich euch schuldig. Er mußte gar versagen den lieben Freunden Wort und Gruß. Der alten Treu gedenkt! Schenkt uns nun auch das Leben zu allem. Dann hallte seine Stimme: „Ihr Nibelungen. Ihr schenktet ja den Meinen. der Euch aus treuem Auge sah!“ „Hört auf! Ich kann nicht anders! Wie gut es mit uns stand. was Euer Herz uns bot.

ihr lieben Gunther und Gernot. Ihr wärt mit Giselher am Rhein. 2189) . Was ohne Haß im Herzen ihr Vater tat an Freund und Gast!“ „Sie war es wert“. von Eurer Tochter scheid’ ich mich. wollte Gott. Daß meine edlen Brüder hinsänken. „Gott gönne Euch den Tag Der Rückkehr nach dem Rheine. sprach Gernot. „diesen Stahl. Herr Gernot. und ich war tot. Doch wenn zu solchem Hasse Euch Eure Feindschaft trieb’. geschützt in der Burgunden Hut.282 „Ach. bliebet Ihr Verschont mit Euren Freunden. „sie war mir lieb. sprach Giselher. So leid es mir auch wäre um Euch und Euer edles Weib. versetzte Giselher: „Was wollt Ihr tun. daß die Jungfrau Ihr nicht entgelten laßt.“ 2183–2191 (2181/82. die hier noch übrig sind. sage ich Mich los von der Verwandtschaft. eh ich euch hier besteh. Wenn Ihr jedoch nicht ablaßt und ernstlich darauf sinnt. Wär ehrenvoll gefallen. Die Freunde uns zu töten. Was Euer Herz vermag. dann wüßte ich Weib und Tochter gut.“ „So möchte Gott es fügen. Wenn meiner sie beraubt sind.“ Zum Markgrafen gewendet. Wohl nie erfuhren Helden von einem Freunde solches Weh!“ „Das Schwert mag Gott Euch lohnen“. Bewahrt es. sagte Rüdeger. Versagt hat er im Kampfe nicht ein einzig Mal. Wie wir Euch zugetan sind? Wie Euer Herz doch irrt. So hart Und herrlich ist die Waffe. und wäre selber mir Der Tod verhängt. Es liegt von seiner Schneide manch einer tot. Mit Eurem eigenen Schwerte ging ich Euch an den Leib. Herr Rüdeger? Gedenkt Ihr denn nicht mehr. Daß Eure schöne Tochter durch Euch zu früh zur Witwe wird!“ „Nein“. die mir von Euch verliehen ward.

Dann brauchte ich in Zukunft wahrhaftig keinen Panzer mehr. das Schwert hoch zum Sturm. Daß solche Mannestugend – Gott füg es! – nie verfällt! An Euch wird man ermessen den Heldenadel in der Welt. „Der Himmel lohn Euch. Die edle Gabe Rüdegers. Daß Freunde sich bekämpfen? Ob das wohl Gott verzeiht?“ Der Markgraf sagte traurig: „Auch mir ist es von Herzen leid. An anderer Mühsal trugen wir schon hart und überschwer. vieledler Rüdeger. da hörte er. Was hilft denn dem Könige dieser Freundesmord? Schwer bin ich in Bedrängnis.“ „Aushelfen möcht’ ich gerne dir gleich mit meinem Schild. Doch ist ein solcher Jammer jemals erhört wie der.“ 2192–2200 (2197) . Gewänne ich – dem Himmel Dank sagte ich dafür! – So einen Schild zum Schutze für mich wie diesen hier. dann sei Gott uns gnädig!“ schloß nun Rüdeger.283 „Nun. Der Schild. Wie Hagen rief: „Halt ein noch! Vernimm ein letztes Wort! Uns zwingt die Not. Der wurde mir in Stücke zerhauen hier an meiner Hand. Den du da trägst am Arme. Den mir Frau Gotelinde als Gastgeschenk verehrt. nimm ihn und führe ihn gesund Im Andenken an Rüdeger heil in die Heimat nach Burgund!“ Wie rauh und grimmig Hagens Gemüt und Art auch war. Rüdeger! Ein solch herrlich Geschenk Wird niemals einem Helden künftig zum Angedenk. Die Helden rings in Tränen verharrten stumm in wehem Schmerz. Hagen. Er hob den Schild. der mich bewehrt’. Und den in Fried’ und Freundschaft ich führte in das Land. Dürft’ ich es hier nur wagen im Antlitz von Kriemhild! Doch sei’s! Hier. die ihn vor Todgefahr Beschützen sollte. rührte sogar sein hartes Herz.

Jetzt harrte er nicht länger. Er sprang und raste wild In heldenhaftem Ansturm. Mir schenkte Gotelinde Armringe. daß ich treu sie in Ehren trug in Kampf und Streit. Die beiden standen gut Zu ihrem Wort. Ihr sollt mein Bote werden.“ Der Markgraf neigte tief sich in ritterlicher Art. Die sollte ich hier tragen beim Sonnwendfest. lieg’ ich erschlagen tot.284 „Für diese Gabe dank ich Euch ewig. Nur Gernot blieb Mit Gunther eng zusammen bedacht auf Hieb und Gegenhieb. Auch Volker vor dem Hause versprach: „Mein Kamerad Hat Frieden Euch geboten. So blieb denn die Türe ohne Hut. Seh ich sie einmal wieder. Rüdeger! Wie Euch begegnen mögen die anderen. Und wie es Hagen tat. Gelobe ich das gleiche. Seid unbesorgt. „sie könnte mehr Euch an Geschenken geben bei Eurer Wiederkehr.“ Nach diesen Worten raffte Herr Rüdeger den Schild. Der Vater aller Mannestugend starb mit Rüdeger.“ „Ach. Auch Giselher vermied noch den Kampf. In Bechelaren habt Ihr uns gewonnen. Ihr seid Mein Zeuge. Da weinten viele. als Ihr uns Eure Gastgeschenke gabt. ich richte gern Eure Botschaft aus. Volker und Hagen wichen. goldenrot. sprach Rüdeger. wollte Gott“. Sein Schwert im Niederschwung Traf hier und dort und hieb sich durch Schild und Helm und Panzerung. kehr ich gesund zu ihr nach Haus. nimmermehr Hebt gegen Euch sich meine so reich beschenkte Hand. Erschlüget Ihr auch alle die Unseren aus Burgundenland. Wurde doch nichts an Leid erspart Solch edlen Männerherzen! Der Hüter stolzer Ehr. 2201–2208 .

der kein Erz widerstand. rot sein Pfad. Rings sinkende Burgunden. bis er Gernot genaht Bis an den Leib im Sprunge.“ 2209–2222 (2212–2214) . Wohl wies sich Rüdeger gewandt und stark genug. „Das kann ich nicht mehr ansehn. Zum Schutz die Schneide quer. Ward eine Gabe jemals schlimmer gedankt als die? Gernot und Rüdeger beide. daß Blut und Leben rasch zerrann.285 Die Mannschaft Rüdegers sprang schützend hinterdrein. Da stürzte. Sie schonten keinen anderen als nur den einen teuren Mann. Kommt erst zu mir heran! So teuer es zu stehn kommt. sank der Mann Der schönen Gotelinde. Nun griffen auch der Tronjer und Volker grimmig an. Traf den Burgunderkönig zu Tode. Hei. Hagen rief klagend: „Mancherlei Unheil geschah. dem schwollen Zorn und Wut. hob der zum Gegenschlag den Stahl. der Preis des Gastgeschenkes wär’t!“ Da schlug sich durch die Menge der Markgraf. ich zahle Euer Schwert. „Wollt Ihr mir keinen lassen?“ So rief er Rüdeger an. Noch einmal. Das Gastgeschenk des edlen Rüdeger erzwang Durch Schild und Helmgefüge sich einen Weg und drang Tief in den Hals dem Geber. Durch Gernots Eisenhaube. wen er alles schlug! Doch einer war. Da schlug man aus den Schilden viel Spangen und Gestein. der sah es. Herr Rüdeger. So kühn wie gut bewaffnet. – im Kampf erschlugen sie Sich gegenseitig. Dann blitzend fuhr die Klinge. Und wenn Ihr selbst. ein heißer Feuerbrand. Eh ganz das Blut verströmte. – Die Ehre war im Spiele – stand Gernot gegen Rüdeger. Den starken Gernot reizte ingrimmig das vergossene Blut. doch keinen betrau’r ich mehr als diese zwei.

der lehnte an der Wand. Will er gar Als Freund sie heimgeleiten? Untreu und schändlich war’s fürwahr!“ Das hörte Volker: „Leider betrügt Euch falscher Schein. was sich im Haß geliebt. nicht mehr lange gönnt. „Wie arm der Tod uns machte!“ so seufzte Giselher. Wohin er trat und schritt. Gernot und Rüdeger. Tot lagen Rüdegers Helden. und waffenmatt die Hand. Da Gott uns doch das Leben.“ Auf seinen toten Schwäher sah Giselher voll Gram. Nun schwankt er und verhandelt mit ihnen.286 „Mein armer Bruder!“ klagte Giselher betrübt. 2223–2230 . In tiefem Jammer standen sie um die beiden Toten her. „Nun laßt den kühlen Windhauch herein und weint nicht mehr. Da zürnte jäh Die Königin: „Sie ruhen! Wie dienen sie uns schlecht! Wir hofften. „Hier hat der Tod geerntet. Rüdeger hätte unsere Qual gerächt. Der Tod ging auf die Suche. Daß sich die Panzer kühlen. darin das Blut uns brennt.“ Der eine saß und ruhte. Die Not wuchs. Der Lärm erstarb im Weh. Kampfmüde alle. als es drinnen zu neuem Kampfe kam. Was soll noch Schlimmeres kommen? Wie geht dein Tod mir nah! Mit dir und Rüdeger liegt Ehr und Treu beisammen da. sinnend. Dürft’ eine solche Königin ich einer Lüge zeih’n. Nie mehr versöhnt sich Rüdeger! Der Tod nur hindert ihn daran. wo tot im Saal Die besten Männer lagen. Nahm er die Bechelarer sich alle zur Gefolgschaft mit. Teuflisch verleumdet hättet Ihr diesen edlen Mann. Mit Giselher und Gunther ging Hagen noch einmal Wie Volker auch und Dankwart dahin. – Die lange Stille weckte Herrn Etzels Angst. so fürcht’ ich.

Er und die Seinen alle liegen im Saale tot. ob’s besser dem vielleicht gerät! Wollt Ihr es mir nicht glauben. wehklagend Weib und Mann In wildem Schmerz um Rüdeger vor Herzeleid zu schrei’n begann. wie man den Toten hoch auf den Schultern trug. Nun sucht und seht Euch um nach einem anderen. Wie ungebärdig weinend. Kein Schreiber zu beschreiben ist wohl kunstreich genug. Der Anblick überkam Mit Grausen König Etzel und mit Erschütterung und Gram. Sie sah’n. 2231–2234 . Der Jammer übermannte den König. die Schmerz und Qual ihm lieh. Er hat Euch bis ans Ende gedient. Ein schreckensvolles Bild war’s. Und heiße Tränen weinte Kriemhild. zerschunden und zerhau’n. vom Gram verzehrt.287 Gehorsam tat er alles. was Etzel ihm gebot. so mögt Ihr selber schau’n!“ Man trug den toten Helden. – Noch heut gilt Rüdegers Treue als höchster Ruhm und Manneswert. Etzel schrie Mit eines Löwen Stimme.

“ Doch Dietrich sprach: „Wenn jene ein Übermütiger fragt. der ihm zur Seite stritt. Wie Herrn Dietrichs Helden erschlagen wurden Der Schall des Jammers gellte zurück von Turm und Wand. Sei Kampf auf Tod und Leben den Fremden angesagt! Ertrügen wir’s.“ Er sandte Helphrich eilends. Der hörte.288 XXXVIII.“ So böse Nachricht brachte Helphrich seinem Herren mit. daß sie ihm nicht behagt. und ohne alle Fehl und Schuld. Ihr Herzensfreund. so scharf. Nicht einer ist am Leben.“ Wolfhart. Erhält er eine Antwort. den ich den edlen Männern bot. Verwandter. War keiner doch wie Rüdeger mit Leib und Seele uns getreu!“ 2235–2246 . Zu sehn. drängte: „Laßt mich hinuntergehn. als ob dort der König selbst gefallen wär.“ In Wut aufwallte Wolfhart: „Wenn jene das gewagt. wie es stand: „Gefallen ist Herr Rüdeger von der Burgunden Hand. der Kühne. War Rüdeger doch den Gästen vereint in Gunst und Huld. was Ungeheures im Saale ist geschehn. Erschüttert rief der Berner: „War das gefügt von Gott? Das hat der üble Teufel verübt in höhnischem Spott. Laßt sie in Ruh! Gewähret in ihrer letzten Not Den Frieden bis zum Tode. die Schande und Schmach war ewig neu. Ein Amelunge nahte: „Von Schmerzen übermannt Schrei’n sie mit schrillem Wehlaut furchtbar vom Saale her So schreckensvoll. – Welch anderes Unglück klagte mit solchem Wehgeschrei!“ Dietrich von Bern versetzte: „Was auch die Ursach’ sei.

Zwar war es ihm nicht recht. Nun wird’s uns Armen schlimm ergehn!“ Im nächsten Augenblicke erschien auch Hildebrand. Der Spielmann an der Treppe erblickte sie von fern. kamen nach altem Brauch Gewaffnet Dietrichs Mannen. „Wir bleiben. Vernahm er. Und wie er da. zu warnen seine Herrn. so tat der Alte auch. Mit einer höhnischen Antwort nur kehrt Ihr wieder her.“ Da fügte sich der Alte und nahm die Männer Dietrichs mit. Drum rief er Hildebrand her.“ Und wie ihm riet der Junge. unsicher. Wie mancher das von seiner gewandten Zunge litt. Eh er’s verhindern konnte. der sollte selber gehn. stand. sie erwidern Euch das mit schlimmem Dank. wo Ihr bleibt. Nehmt Schild und Schwert. „Die Mannen Dietrichs sind es. daß ihr den Mann erschlugt?“ 2247–2254 . Kampfkühn genug und furchtlos war Meister Hildebrand. Auf ruhige Begegnung und nicht auf Kampf bedacht. was bei den Gästen im Saale Schlimmes sei geschehn. „Die Berner kommen!“ rief er. Er fragte. Viel lieber wär allein er gegangen ohne Mann und Knecht. wie es stand. Sie wollen uns bestehn. wie sein Neffe Wolfhart ihm einen Vorwurf macht’: „So ohne Wehr und Waffe geht Ihr den üblen Gang? Seid sicher. Begann er: „Was geschah hier. Saß unruhig und traurig an einem Fensterrand.289 Der Amelungenkönig. Damit nicht seine Späße der Tronjer mit Euch treibt. dann hüten sie ihre Zunge um so mehr. Zu sehn. In Wehr und Waffen sind sie. noch Schild in seine Hand. daß ihr es nicht ertrugt! Was hat der edle Rüdeger getan. So nahm er weder Waffe. den Schildrand an seinen Füßen. was sie wollten.

mit ihnen auch Helmnot Und alle ihre Freunde beweinten seinen Tod. er stünde hier. Es werden Frau’n und Männer beweinen ihn wie Ihr und wir Als sie die Wahrheit hörten.290 Da sprach Hagen von Tronje: „Die Kunde trog Euch nicht. Euch löge ein Gerücht. Wolfwin. Burgunden. Der Treue. Gebt uns heraus. es drückte mich doch kein größer Leid! Wer soll sein Weib nun trösten in ihrer Herzenstraurigkeit?“ Zornmütig fragte Wolfhart: „Wer führt uns künftig an Und reitet auf der Heerfahrt dem Zuge kühn voran. des Teuren. wie er uns treu war lebenslang. Der Heimatlosen Tröster. soll er zu unserer Ehr Im Tode noch genießen. Wie gerne ich Euch gönnte. Wie es der Markgraf manchmal getan? Ach. 2256–2262 (2255) . und die sie ihm bewahrt. Der Berner Herzog Sigestap sprach trüben Blicks: „Nun ging für uns zu Ende die Zeit des reinen Glücks. von Seufzern halb erstickt: „Uns hat mit dieser Bitte Herr Dietrich zu euch hergeschickt. schnitt sie in ihr Gemüt. die er ihnen. wünscht’ ich. was wir als Lohn und Dank Ihm schuldig sind für alles. Die Rüdeger uns schenkte als langer Qual Gewinn. er ging mit Rüdeger dahin!“ Ein anderer Amelunge. Dann sagte Hildebrand. den toten Rüdeger! Im Leben unsere Freude. Säh’ ich ihn tot. Um seinetwill’n. Sie jammerten und dachten der reichen Herzensgut’. rief todbetrübt: „Wie sehr ich meinen Vater als guter Sohn geliebt. niemals mehr Zieht er als stolzer Führer vorn an der Spitze vor uns her!“ Wolfprant und Helphrich beide. Von ihrem Schmerze rannen die Tränen über Kinn und Bart.

“ Da sprach der König Gunther: „Kein Dank. wir wagten’s freiwillig unverzagt. Das wär der rechte Dank erst. Nach so viel Liebe ist er wahrhaftig eures Dankes wert.“ Der Spielmann höhnte spöttisch: „Wer niemals etwas tut. kein Dienst so gut. Kommt her! Mit vielen anderen liegt Rüdeger hier im Blut. Den eure Hand uns raubte. Laßt uns nicht lange bitten. daß wir die teure Last Wegführen. und die Freundschaft im Tode ihm mit Dank Erwidern. wie es ihm gebührt. Wir dürfen’s nicht. dem mangelt es an Mut. geht heimwärts Eure Fahrt. wenn ihr das für den Helden tut!“ Der kühne Wolfhart zürnte: „Gott weiß. „daß ihr endlich den letzten Trost uns gönnt. beständig und bewährt. Das nenn’ ich feste Treue. Das ist nicht Art der Helden! So denkt und spricht ein Knecht!“ Das Wort des Kameraden schien Hagen gut gesagt und recht. Als den ein Freund dem Freunde nach seinem Tode tut. Reizt uns nicht schlimmer noch! Euch weh zu tun. „Mut auf Verlangen zeigen. Wenn er uns nicht mehr führt. Woll’n wir zum Grabe führen den Helden. Was man ihm nicht erlaubt hat. daß unsere Ehre Euch solchen Hohn nicht übelnimmt!“ 2263–2269 . Habt acht. wie es leider im Leben uns nicht mehr gelang. Herr Dietrich hat uns den Kampf mit euch versagt. das ist nicht unsere Art. wenn’s euch nicht an Mut dazu gebricht.291 Auch wir sind fremd wie Rüdeger und selber nur zu Gast.“ „Wie lange soll’n wir warten und flehen? Macht ein End’!“ Sprach Wolfhart. Würd’ Euer Saitenspiel auch arg dabei verstimmt. Doch hätt’ ich Lust zu fechten. ihr habt uns doch Genug getan an Schmerzen.“ Darauf versetzte Volker: „Kehrt um! Wir tun es nicht! Holt ihn euch doch.

Wolfhart sprang. Doch Wolfwin trennte beide. die Berner folgten ihm. Den Schild erhoben. Meister!“ rief Volker voller Hohn. vorwärts. In scharfem Kampfe stand Selbst Gunther mit den Männern vom Amelungenland. Ein wilder Löwe. und als erster nahm er’s mit Hagen auf. Von ihren Helmen stob die Glut.“ Wolfhart stand auf dem Sprunge. ob nicht. Und Wolfprants Schläge fielen wie Hagel dicht und blitzgeschwind. Helphrich und Wichart hatten wie Ritschart und Gerbart Mit ihrer Freundeshilfe im Kampfe nicht gespart. Entflammt in gleichem Zorne. Ob ich nach Hause komme. Doch Meister Hildebrand Riß ihn zurück: „Verliere nicht Sinne und Verstand! Mit deiner Wut und Dummheit und tollen Ungeduld Bringst du dich noch am Ende um unseres Herren Gunst und Huld!’ „Laßt los den Löwen. „Rennt er mir in die Hände. so Dankwart. Zum Schwert griff Hildebrand in jäh erwachtem Ungestüm.292 Da sagte Volker lachend: „Wenn’s Euch einmal gelingt. ich bändige ihn schon! Schlüg’ er die ganze Welt tot bis auf den letzten Mann. Der alte Waffenmeister erstürmte wild im Lauf Die Treppe. Ich sorge. 2270–2281 (2276/77) . Sie brachten’s den Burgunden gut bei. Daß Ihr mir meine Töne arg in Verwirrung bringt. das ist mir einerlei. lischt auch sein Glanz dabei. daß er nachher nichts mehr davon berichten kann!“ Da standen schwer erbittert die Berner. er setzte wütend sich zur Wehr. im Überschwang an Mut Wild schwangen sie die Klingen. Verbeule ich den Helm Euch. Wie Giselher sich wehrte. wie sie gesinnt. Der bisher Schon Wunder tat im Angriff. drang Er stürmisch gegen Volker.

wie Sigestap sie in die Enge trieb. als Volker ihm entgegendrang. Daß Schild und Helmgespänge hin flogen an die Wand. rasend ging Er Volker hart zu Leibe. Die Panzerringe klirrten. Nie stritt er so wie dieses Mal. dennoch trotzend in letzter Not. Er spielt’ ihm eine Weise und spielte ihn ins Grab. Denn von des Spielmanns Bogen sank nieder Sigestap. Da brannte Hildebrand In Schmerzen um den Toten. Den Spielmann traf so wuchtig der alte Hildebrand. Gespalten ihre Helme. Dennoch war er verloren. Der alte Waffenmeister schlug da den kühnen Spielmann tot. Nun stand er schutzlos. Wie hier und dort er einem den Panzer so zerhieb. Der tötet von nun ab keinen mehr! Er selber soll dran glauben!“ Wutschäumend.293 Wie rasend focht und tobte der alte Hildebrand. Daß aus den blutigen Ringen ein roter Bach entsprang. Den heißen Quell. Der edle Sigestap. der hoch auf als roter Bach dem Haupt entsprang. Die Dietrichsmannen drängten sich wilder ins Gewühl. der höhnisch ihn und kühn empfing. von Strömen Bluts benetzt. So schien’s den Amelungen. Nicht ruhten er und Wolfhart. Hier galt es Rache unverwandt! „O weh des lieben Herren! Dahin! Nun starb auch der! Der Spielmann tat’s. die Rache glückte doch zuletzt. Im dichtesten Gewühle rang Dietrichs Schwestersohn. Tot lag der Amelunge. und blutig fand ihr Ziel Manch gute Degenklinge. bis tot von ihrer Hand Rings die Burgunden lagen. 2282–2288 . die scharfen Schwunges sank. Zusammen schmolzen schon Und sanken die Burgunden vom Amelungenstahl. Volker sah.

“ Wolfhart lief durch den Saal hin. zu Tode getroffen. Daß Giselher. Dreimal schon hatte dieser den blutigen Gang getan Breit zwischen den gesunkenen Burgunden hin und her. Doch dieser stand Ob todeswund. von keinem Stahl versehrt. Doch schwer ihr Herz von Trauer. Da flammte seine Rache empor wie Feuerbrand: „Den besten Kameraden verlor ich. Lag tot im Saal. Den Schild vom Arme ließ er hingleiten in den Saal. Was kam nun. Und nun auch er. 2289–2297 . Und durch die Brünne schlug er Wolfhart.294 Der Tronjer sah erstarrend. daß von dem harten Gang Das rote Blut vom Boden aufspritzend um das Haupt ihm sprang. sein Kamerad. der schnitt und mähte und brachte Tod. Volker. Der von dem mächtigen Hiebe durch Helm und Brünne drang. das ihm noch weher tat? Die Freunde und Verwandten dahin! Das schmerzte zwar. schlecht sei es oder gut. So jung er war. der mit ihm ein Herz und eine Seele war. wohin er drang. lautlos niedersank.  [Schwert. als Dankwart fiel von Helphrichs Indes hieb durch den Saal hin sich Wolfhart eine Bahn. Er hatte seinen Tod schon voraus gerächt. Da wandte sich und rief hin bedrohlich an Herr Giselher: „Heran zu mir! Hier wartet ein Ziel auf deine Wut! Heraus fordr’ ich das Ende. so tapfer und schwertgeschickt war er. – Hildebrand! Du sollst es büßen!“ Höher den Schild! Er hob und schwang Den Stahl. Mit beiden Händen schwang er hoch überm Haupt den Stahl. Mit blitzgeschwinden Schlägen empfing ihn Giselher. Zur Seite ihm fiel Dankwart. Noch stand Mit Giselher der König. Er sank von Helphrichs Hand. noch aufrecht und hob zum letzten Hieb die Hand.

von Euch bezahlt. wie dem Schlag Des alten Waffenmeisters sein Kampfgesell erlag. daß dieser noch jetzt für ihn auf Rettung sann. Zu spät. der ihm so lieb und nah verwandt. der schnell den Schild dagegen warf. Ich ruh’ nicht. den Hagen einst gewann. Tot lagen Gunthers Mannen. Es klagt mit nassen Augen manch guten Ritters Weib. Nicht Tränen soll’n sie weinen. nein. Sterbend in seinem Blute sah er den Oheim an Dankbaren Blicks. Sagt. – nichts nützte sie mir doch. daneben überall Die Amelungen Dietrichs. Der alte Hildebrand Bog jammernd sich zu Wolfhart. Vergeblich. Am Ton erkannte man Den edlen Balmung Siegfrieds. herrlich sei mein Ende. Er schloß ihn in die Arme. Er zürnte: „Ihr seid schuld dran! So mancher Held sank hin.295 So rächte einer sterbend am anderen seinen Fall. denn Eure Hilfe. mit meiner eigenen Hand Hätt’ ich wohl hundert Feinde voraus mir in den Tod gesandt. gefallen wäre ich Von eines Königs Händen. Als er den Helden totschlug. In dieser Not frommt mir Eure Lieb nicht mehr. Doch hütet Euch vor Hagen! Furchtbar in seinem Zorn ist der! Beklagen sich die Meinen. Sie haben auch gar teuer bezahlt für meinen Leib. Wolfhart war viel zu schwer. sagt nur. „Laßt ab. Mitnehmen wollte er Den wunden Mann. vom tapferen Giselher. zufrieden bin!“ Jählings hob er die Schneide. und weinen sie um mich.“ In grimmer Trauer dachte der Tronjer. „Mein lieber Oheim“. Im Schwunge blank und scharf Bedrohte er den Alten. bis ich endlich. Und fragt Euch einer. 2298–2305 . rühmen soll’n sie mich vielmehr. sagte der Todwunde noch.

Ist Gotelind.“ Dietrich fuhr auf: „Ist Rüdeger dahin. Herr Dietrich! Denn unser Leidenslos Ist schwer genug. blutig die Rüstung. Wir forderten die Leiche des edlen Rüdeger. Die Hagen aber blitzschnell mit seinem Balmung fing. wie ich Euch anbefahl. eine Not ist’s vor aller anderen Not. das Gesicht. Wer von den Gästen brachte Euch diese Wunden bei im Saal?“ Da sagte Hildebrand: „Von Hagen hab’ ich sie. doch meiner Base Kind! Weh allen. kein Hieb gelang. die edle. der einzige Mann! Von den Burgundenhelden blieb nur den letzten zwei’n Das Leben. Von allen Amelungen er übrig noch. Erschrocken fragte Dietrich: „Wovon seid Ihr so rot? Gehandelt habt Ihr. Schnell auf den Rücken warf er den Schild sich und entrann.“ „Zürnt nicht zu früh. gewißlich tot? Ein Jammer. Habt nicht den Kampf gemieden. die Trauer allzu groß. Der Waffenmeister. Da höhnten sie uns grimmig und weigerten sie hinterher. die verlassen. Nun stand Gunther mit Hagen ganz allein. Und während Hildebrand kein Schlag. in Not und Sorgen war Vor neuem härterem Angriff. da Ihr den Frieden bracht. fürcht’ ich.296 Und nun mit klugen Streichen ihm hart zu Leibe ging. Ging heim und kam zu Dietrich mit seinem traurigen Bericht. schon schwach an Kräften. breit genug und lang. Den ich geboten hatte. Und diesem grimmen Teufel entrann ich nur mit Müh. vor tödlicher Gefahr.“ Der Berner schalt: „Gerecht war’s. und den auch Ihr zugleich verspracht. zuwider dem Verbot. und wahrlich. Schlug Balmung eine Wunde dem Alten. verwaist zu Bechelaren sind!“ 2306–2314 . Daß er.

Wer hilft mir. Ich ganz allein bin übrig. bis es in Tränen rann. Die anderen sind nicht mehr. Sigestap. Wer lebt noch? Ließ von keinem denn Tod und Schicksal ab?“ Da sagte Meister Hildebrand: „Gott weiß. Wolfwin und Wolfprant. Hagen von Tronje. die mir lieb.“ Zornwallend brauste Dietrich: „Auf! Waffnet. Auf harte Fragen soll’n sie mir selber Red und Antwort stehn!“ Da fragte Hildebrand: „Wen ruft und waffnet Ihr? Die noch gesund am Leben. daß ich geboren bin. Alle meine Leute! Bringt mir mein Kampfgewand! Ich selber will in Waffen zu unseren Gästen gehn. ihr. daß mich armen Dietrich Gott vergaß.“ Das traf ihn so. woher kam ihre Kraft? Mein Unglücks Schicksal war es. Sprach Hildebrand. daß alle. drum stürzte es mich so tief hinab. der ihn erschlagen?“ – „Der König tat’s Gernot“. „Nun habe ich verloren den allertreusten Mann! Wer war’s. war reich und stark im Übermaß. Ich war ein mächtiger König. Dann weiß ich. In diesem Kampf gefallen.297 Heiß strömt’ es ihm zu Herzen. als wäre die Welt für Dietrich öd und leer. das all die Meinen weggerafft. Er sprach: „Und liegen alle die Meinen nun gefällt. „doch dieser liegt auch von Rüdegers Händen tot. Wie konnt’ es nur geschehen.“ Da klagte Dietrich: „Freunde. Nur Gunther. daß nur ein einziger blieb? Die kampfmüden Burgunden. noch leben zwei. und sein Treuster. steht ihm bei. Wolfhart. Hildebrand. Niemals erfuhr Herr Dietrich so Schlimmes in der Welt. sänket ihr alle denn hinab? Nun könnte mich gereuen. die stehen alle hier. daß ich wieder mein Amelungenland gewinn? 2315–2322 . Ich stand zu hoch.

298 Auch Helphrich tot. der Kühne? Wohin mit allem Leid? Ist’s wahr. daß ihr verloren seid? Daß mich der Tod doch träfe wie sie auf einen Schlag! Für meine Erdenfreude war das der allerletzte Tag!“ 2323 . Gerbart und Wichart.

Wie Gunther. An mir. Heut weist sich. zur Seite der alte Waffenmeister mit. als er kam Und. Den mächtigen Schild am Arme. Dennoch. Gunther von Burgund. Von weitem sah ihn Hagen: „Nun kommt der Herr von Bern! Der hat es abgesehen auf mich und meinen Herrn. die Brünne brachte ihm Meister Hildebrand. In seinem Grimme stand er. Hagen und Kriemhild erschlagen wurden Dann aber brach des Berners Manneszorn heraus. Sein grimmer Wut. Ihn brennt das Blut der Seinen. Nach seinen Waffen griff er. die Stärke im Zorne löwenhaft. Leidvolle Worte kamen von Dietrichs Lipp und Mund: „Wie habt Ihr schlimm gehandelt. tränenlos. Schrecklich sein Grimm. beide sich nah. den Schild vom Arme nahm. Ihn dünkt unüberwindlich die eigene Riesenkraft. – will er als Rächer und Feind an mich heran. Das helle Kampfgewand. wer als einziger von allen nicht zu sterben braucht. aufrecht wie sonst und groß. Gunther und Hagen. Er soll nur kommen! Trotzend auch Dietrich steh ich meinen Mann!“ Die kühne Drohung hörte Herr Dietrich. Verwundet wohl vom Schmerze. Daß Ihr von allem Glücke mir in der Welt nichts übrig ließ’t? 2324–2329 . doch kraftvoll wieder. standen kampfmüde an die Wand gelehnt. das hier im Saale raucht. Den Helm. schritt Dietrich dahin.299 XXXIX. dem Landvertriebenen! Wofür hab’ ich gebüßt.und Wehschrei erschütterte das Haus. das Schwert in Händen. vor dem Hause haltend. wie sie gewöhnt Stets beieinander.

habt Ihr vergällt!“ „Zu Unrecht gebt“. gewaffnet. was Ihr selber erlittet. nur Etzeln vergönnten wir ihn nicht. das ist die reine Wahrheit nicht. Was Ihr mir angetan habt. Die Eurigen erregten hier Wortzank und Tumult. doch das versagte ich. Was Euch erzählt ward. dich selbst und deinen Mann! Dann sorge und verhindr’ ich. scheint mir. Drauf schalt und drohte Wolfhart uns spöttisch dreist ins Angesicht.“ Da endete der Berner: „Nicht anders löst es sich.300 War’s nicht genug des Unglücks an einem.“ „Was soll ich anders glauben? Kam sie nicht bittend her. Ergib dich mir als Geisel. Sie kamen her in Scharen. daß Ihr alle die Meinen roh Und grausam ausgetilgt habt? Hätt’ ich an Euch gehandelt so? Gedenkt doch. wie ringsum Von Qual und Not die Freunde da liegen tot und stumm. was ich an Glück besaß. erfuhr in aller Welt Noch keiner! Alles. kampferpicht. Zu reich das Leben. Die Schar der Amelungen. freiwillig leiste mir Gerechte Sühne. Auf deinen edlen Sinn. so gut ich immer kann. sprach Hagen. Rühmen werd’ ich es allezeit an dir. Nicht Euch zuleid. den toten Rüdeger Hier aus dem blutigen Saale zu führen in sein Grab? Und lehntet Ihr nicht höhnisch der Amelungen Bitte ab?“ Da sprach der König Gunther: „Sie forderten für sich Den Leib des edlen Rüdeger. Daß sich an euch kein Hunne heranwagt. Rüdeger? Erschien Euch diese Erde nicht arm genug und leer. vertraue ich. Was du mir angetan hast. Gunther. „Ihr uns allein die Schuld. Nimm dafür Als Bürgen mich! In Treuen gewähr’ ich Schutz und Hilfe dir!“ 2330–2337 .

das geziemte sich!“ Erbost versetzte Hildebrand: „Wer war es. Dann alles zu vergessen. Hildebrand. Ihr sühntet leicht. „daß dir zwei Helden sich Ergäben. Der Freunde. bin gerne ich bereit. Zu groß mein Leid. rief Hagen. von Feinden unbesiegt. Euch. wie sie Helden ziemt. Und in die Heimat gebe ich selber euch das Schutzgeleit.“ „Hört auf!“ rief Hagen heftig. es kommt die Zeit. der vergaß. Daß ihr zu diesem Frieden bereit und willig seid Und meines Herrn Verlangen als billige Sühne rühmt. Sich freiwillig nur zweien ergeben sollen ohne Not!“ Da mahnte Hildebrand sie: „Gott weiß. die Herr Walther von Spanien ihm erschlug? Zu lästern hätte Hagen sich freilich selbst Ursach’ genug!“ Da aber sprach Herr Dietrich: „Laßt Eure Zunge ruhn! Es ziemt sich nicht zu schimpfen. daß einer spricht. verbiete ich das Wort! Denn allzu schwer. was recht und billig wär.“ „Ja“. Dem Feinde standzuhalten im Kampfe.301 „Verhüte Gott“. „die Zumutung ziemt nicht Dem Könige! Unziemlich ist schon. als daß es so kleinen Zankes würdig war! 2338–2345 . Daß zwei so kühne Männer. die gesund noch und unerschütterlich In Freiheit kämpfen können. Da er hier aus dem Saale mir allzu schnell entwich. wie alte Weiber tun. sagte Hagen. Als er am Wasgensteine auf seinem Schilde saß. indessen mein Leid so überschwer. Als schmählich mich zu retten. Solange ihre Waffe kampflos in ihren Händen liegt!“ „Verweigert nicht zu eilig. flüchtend wie Hildebrand. Denn ehrliche Versöhnung rät Dietrich. „eher gäb’ ich mich selbst als Pfand. allein von Euch bedroht.

Ihr. mir zu stehen in einem Waffengang zu zweien.302 Doch sagt mir. Als ich gewaffnet herkam. Nach kurzem Kampfe sank es aus Hagens Hand zur Erd’. 2346–2352 .“ „Das leugn’ ich nicht“. wäre nicht ehrenvoll und recht. Mit bloßer Faust. ganz allein Gedachtet. Hagen. sprach Hagen. Da rückte seinen Schild hoch der Amelungenheld. das Herz von Stolz geschwellt. das mag geschehn. grämte. mir bräche im Kampf das Nibelungenschwert. Niemals! Es sei. dünkt mich. Vielleicht kann ich dich zwingen. Wir beide Eure Geiseln? Das Wort hat mich empört. habt Ihr Euch nicht gerühmt. Die Wunde klaffte tief und lang.“ So trotzte Hagen grimmig. Sein Gegner übermenschlich sich schlug und furchtlos stand Und ihm gefährlich harte Schwerthiebe abgewann. Der Hagen schwer verletzte. Hagen. Sausend schwang Den Balmung er. Mit ihm verlor den Letzten er. damit du lebendige Geisel für mich bist. Schon sprang hinab die Treppe der Tronjer. wenn’s auch gefährlich ist. indes sich Gunther. Wer Hagen war. der krachend von Dietrichs Panzer widerklang. erkannte Herr Dietrich jetzt. „Im Zweikampf Euch zu stehnr Das will ich gern versuchen. Mit mächtiger Armgewalt Umklammert hielt er eisern die riesige Gestalt Und zwang sie an den Boden. wie grimmig. Dietrich sah bald. Dich töten. von Todesmut entbrannt. Ihr wärt Bereit mit mir zu kämpfen? Hab’ ich es doch gehört. Er warf den Schild zur Erde. schwer Um Hagen trauernd. Als Dietrichs meisterhafter Schwertkunst ein Hieb gelang. – ein Held! ein Mann! Wie fürchterlich auch mähte das Nibelungenschwert. Was kommt. Da dachte bei sich Dietrich: Du bist vom Kampf geschwächt.

wie mich mein Glück durchdringt. Zwar wehrte sich der König mannhaft genug und kühn. In jähem Anprall wurden die beiden Kämpfer handgemein. Der Berner zwang auch ihn. In einen dunklen Kerker. Sei du so glückgesegnet. Gebunden führte Dietrich ihn hin zur Königin. 2353–2360 . „Straft ihn nicht! Steht er hier auch gebunden vor Eurem Angesicht. Keiner sah seine Qual. hielt sich Gunther männlich und widerstand. Doch war er matt vom Kampfe. Vielleicht läßt er Euch künftig nach allem Leid zuletzt In treuem Dienst vergessen. womit er Euch so schwer verletzt. Doch ging’s ihm wie dem Tronjer. Der je ein Schwert geschwungen mit Ehren in der Welt.“ Man führte Hagen.303 Gebunden stand der Tronjer. Des Berners Schneide fuhr Scharf durch die Panzerringe. Der Herzenshaß nach allem Erlittenen stählte ihn Mit wilder Kraft. In schnellem Laufe kam Der König von der Treppe und drang auf Dietrich ein. – Einsam war jetzt auch Gunther. Hagen gefangen! Bebend vor Freude stand die Rächerin.“ „Er soll nicht sterben!“ sagte Herr Dietrich. Weithin erscholl sein Ruf: „Wo bleibt von Bern Herr Dietrich. Der Schall kam weithin hallend zurück von Turm und Wand. daß Dietrich ihm gar zu unterliegen schien. Rot wies ein Blutstrom ihre Spur. der allerkühnste Held. gütig ihm Haupt und Blick geneigt. bis mich der Tod zu schweigen zwingt. Dir will ich ewig danken. Sie sprach zu Dietrich. wie es die Königin befahl. „Du hast in meiner Not mir den besten Dienst erzeigt. der mir so schlimmes Unheil schuf? Zum Todessaal ging Dietrich und stand in tiefem Gram Dem Letzten gegenüber. Bedrängt zwar.

geführt von Dietrich. Und heilig sei der Eidschwur für alle Zeit und Frist. das Auge kalt wie Stahl. und Dietrich nahm ihn mit. Mit nassen Augen schied Der Held von Bern. Denn Ihr habt keine Gnade. jedoch ich will’s nicht tun. Ich war’s. Nur Feindschaft statt Gegengruß empfinge ich. – Doch steinhart und kalt blieb ihr Gemüt. Der Berner dachte: Laß ich die beiden wieder frei? Er wußte. Das du mir nahmst? Dann kommst du lebendig noch einmal nach Haus.“ Der Held von Bern ermahnte Kriemhild: „So teures Pfand Hielt niemals eine Königin als Geisel in der Hand.“ Da wehrte Hagen: „Nutzlos ist jedes weitere Wort. Geschworen hab’ ich. Haßvoll ihr Wort und drohend: „Zum allerletztenmal Befrag’ ich dich: Gibst du mir mein Eigentum heraus. entfernt von Hagen. Wie niemals wohl ein König noch solche Schmach erlitt. – Sie fühlte. wie ihr Kummer vor Gunthers Unglück schwand.“ 2361–2368 . Auch er ward eingekerkert. demütig sollt’ ich nun Mich flehend vor Euch neigen. gnadenlos. bald vor der Königin. Auf Hagen und auf mich Zielt Euer Haß. der Eurer Gnade die edlen Pfänder lieh! Drum handelt gut an ihnen! Um meinetwillen hütet sie!“ Die Königin versprach es. Und rief ihm zu: „Willkommen. niemals verriete ich den Hort. Kriemhild trat vor den Tronjer. ihre Rache ging dann an keinem mehr vorbei.304 Auch Gunther ward gebunden. Herr Gunther von Burgundenland!“ Er sagte: „Edle Schwester. Dietrich ging neben Gunther. Mit Hagen litt auch Gunther das gleiche harte Los. Der schritt gebunden hin Und stand. Solange nur noch einer von meinen Herrn am Leben ist.

Am Haare trug und wies Sie König Gunthers Haupt dem Tronjer. doch betrau’r ich ihn. Sein Ende sollt’ es sein. den weiß nun niemand. In tiefem Leide stand er da. Hast. Mit ihm der junge Giselher. Der je ein Schwert getragen. Bei diesem Anblick sprach er. Sie soll ihr Herz nicht weiden an diesem letzten Schlag! Wohl brachte er mich selber in allerschlimmste Not. Zu Kriemhild: „Nun geschah es. So will ich als Entgelt denn behalten Siegfrieds Schwert. Wehrlos allein Stand Hagen vor der Königin. Nun liegt vor dir der edle Burgundenkönig tot.“ Sie zog aus seiner Scheide das Schwert. Er tat mir weh. als ihn das letztemal Mein Auge sah. – In Trauer klagte schreckensbleich Der König Etzel: „Weh uns! Nun liegt der beste Held.“ Da rief der alte Hildebrand: „Was mir geschehen mag. verhohlen sein!“ Sie sprach: „Was Ihr gezahlt habt. worum du dich bemüht. Und dir soll er auf ewig. Gernot. als ich und Gott allein. Sie hob’s mit beiden Händen und hieb mit einem Streich Das Haupt ihm ab vom Rumpfe. du Teufelin. Traurig sah Ihm Hagen in das Antlitz. Und alles ist gekommen. erschüttert im Gemüt.305 „Ich muß ein Ende machen!“ Die edle Fürstin ließ Den eigenen Bruder töten. grausam zu End’ gebracht. – gleich auf der Stelle räch’ ich des kühnen Tronjers Tod!“ 2369–2375 . der im Sturme den Schild hob. sein Bruder auch. und niemals dann mehr zu meiner ewigen Qual. von Weibeshand gefällt. das ist nur wenig wert. was du dir ersonnen. Und doch. Kein anderer. Den Schatz. genau wie ich es mir gedacht. Das trug mein trauter Liebster. Ich mußte ihn hassen. war so kühn.

Was konnte es ihr helfen. – Ehre und Ruhm im Tod gepaart. Das ist der Nibelungen Not. Der König Etzel nahm Des Berners Hand. Nur daß man all die Frauen und Ritter weinen sah. was nachher noch geschah. daß sie in Furcht und Ängsten schrie? – Das Schicksal zwang sie alle mit Todes-Not und -Graun. Die Knappen und die Knechte um ihrer Freunde Tod. 2376–2379 . Den wilden Schmerz des Alten büßen mußte sie. So ging das Fest des Königs in bitterem Weh zu End. Ich kann euch nicht berichten. Laut jammerten die Leute.306 In jähem Zorne sprang er auf Kriemhild ein und schwang Die schwere Eisenschneide. zerhaun. Wie Liebe lohnt mit Leide und uns zuletzt nur Tränen gönnt. Hier hat das Lied ein Ende. Sie standen und weinten beide stumm vor Gram Da lag nun alles. Nur in des Volkes Trauer für immer aufbewahrt. daß sie darnieder sank. Der Leib des edlen Weibes lag da zerstückt.

1735–36. 1141–42. 754–55. 1451–53. 244–45. 1662–63. 218–20. 1493–95. 1224–25. 343–61. 579–80. 1772–73 . 204–05. 383–84. 1291–92 1319–20. 1427–28. 1243–44. 61–62. 1379–80. 385–87. 169–70. 1280–81. 1582–83. 577–78. 397–98 410–11. 1656–57. 236–37. 1490–92. 534–35. 1430–31. 1159–61. 660–61. 712–13. 1165–66. 795–97 801–02. 1417–18. 166–68. 1560–61. 669–70. 1621–22. 468–69. 389–90. 279–80 306–07. 1632–33. 545–46. 683–84. 178–80. 1219–20. 1476–77. 1596–97 1610–12. 80–81. 475–76. 585–86. 1591–92. 309–10. Bartsch) In e i n e Strophe sind zusammengezogen die Strophen 8–9. 1436–37. 1178–80. 140–41. 1420–21. 1524–25. 265–66. 195–96 198–201. 836–37. 210–14. 82–83. 560–61. 633–34. 148–49. 362–63. 832–33. 215–16. 1250–52. 1759–60. 1422–26. 341–42. 1565–66. 1383–84 1405–07. 490–91. 566–67. 552–53. 364–66. 642–43. 1441–42. 1553–54. 1182–83. 1047–49. 1615–19. 152–53. 23–24. 1143–44. 1338–39. 313–14. 591–93. 111–12. 1576–77. 719–20. 72–73. 230–35. 1334–35. 1483–84. 1587–88. 477–78. 1658–59. 1573–74. 190–91. 1563–64. 1186–87 1196–97 1208–09. 1641–42. 154–56. 202–03. 763–64. 733–34. 1356–57. 239–40. 1268–70. 1644–45. 663–64. 1708–09. 537–38. 1155–56. 541–42. 1448–49. 1328–29. 1628–30. 1713–15. 176–77. 1265–66. 1059–60 1109–10. 888–89 1036–37. 1408–09. 1769–70. 331–32. 1444–45. 1330–31.307 Nachweis der Kürzungen (Numerierung nach der Ausgabe von K. 1127–28. 776–77. 1670–71 1703–04. 339–40. 1729–30. 1480–81. 793–94. 89–90 104–05. 1372–74. 1473–74. 1638–39. 1175–76. 721–22. 595–97 605–06. 1468–69. 378–79. 318–19. 583–84. 1471–72. 40–42. 807–08. 494–95 505–06. 1358–60. 160–61. 1547–48. 1375–77. 1646–48. 171–73. 1498–99 1517–18. 336–38. 206–09. 1594–95. 187–88. 107–08. 549–50. 1278–79. 1487–89. 1344–45. 1722–23. 137–38. 1650–51. 1263–64.

1986–87. 1314. 2252–53. 175. 1016. 2315 bis 2316. 738. 1022. 1883–84. 1508. 1754. 1866–67. 2012. 2276–77 . 732. 2125. 711. 2295–96 2299–2300. 1957–58. 64. 2182. 2235–36. 2085. 1276. 1031. 1158. 241. 652. 1728. 871. 1164. 2241–44. 2212–14. 1293. 2239–40. 1482. 805. 1398. 219. 2035–36. 1532. 1362–64. 1105. 1816–17. 1626. 328. 1929. 971. 1877–78. 1296–1301. 766. 1988–89 2006–07. 2228–29. 1305–08. 2010–11. 287. 765. 1439–40. 1891. 1870–74. 784. 41. 1967–71. 1808–09. 2155. 66. 2255. 1433–35. 1881–82. 2209–11. 51. 2192–93. 548. 2059–60. 2129–30. 2070–71. 1286. 1353–55. 33. 1188. 2189. 1324. 1864–65. 2024–25. 1411. 1189. 1793. 2365–66 Weggelassen (unter dem Text eingeklammert) sind die Strophen 12. 2053. 1368–70. 163. 1627. 373. 2181. 1063. 1294. 1854–56. 439. 1065. 1443. 2278–80. 1868–69. 1921–22. 299. 2040–42. 325. 2358 bis 2359. 1382. 2076–77 2108–09. 756. 800. 2221–22. 667. 1325. 2184–85. 2237–38. 1806–07. 574. 381. 254. 1897–98 1901–02. 1337. 2309–10. 2197–98 2207–08. 2331–32. 1024. 1267. 1692–94. 2142–43. 2046–48. 1514. 2066–67. 906. 2339–40. 942. 270. 1611. 1668. 415. 1978. 26. 2073–74. 1859. 2021. 2311–12. 259. 2168. 1910. 1824–26. 2032–33. 2216–17. 1990. 47. 2274–75. 1181. 2017–18. 782. 1048. 367–71. 1064. 1984–85. 1290. 1933. 2156. 1852–53. 1904. 436. 129. 2147–48. 1972. 2054–55. 1104. 317. 2043–44. 1810–11. 2293–94.308 1802–03. 676. 1875–76.