HERMANN STODTE

KOHLHAMMER

Das Nibelungenlied

Das
Nibelungenlied

Nach dem Urtext
erneuert
von Hermann Stodte

W. Kohlhammer Verlag

Nachdruck verboten – Alle Rechte vorbehalten
© Copyright by Verlag W. Kohlhammer GmbH, erstmalig 1956
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Druck: W. Kohlhammer Stuttgart 1956

Richardsen). Gerda und dem Andenken an Gerhard († 4. Gertrud (geb.Meinen Kindern Gunther. X. 1917 in Flandern) .

.

das wohl merkwürdig und wertvoll. Mord. der reinste Ausdruck des deutschen Lebens in seiner kulturellen Hochblüte um 1200. Wir spüren unsere nahe Verwandtschaft mit den Menschen jener Vergangenheit und ahnen. Von ihrem Stand aus galt diese Dichtung als ein Erbe. Renaissance und Humanismus haben in ihren Auswirkungen das alte Bild überdeckt. die sich aus einem Zwiespalt zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft ergeben.  Erst nachdem das Bild des Mittelalters deutlicher in unser Bewußtsein getreten ist. Ehe über Tatenruhm und herrliche Feste bis zu Verrat. Liebe. Jugendglück. Die germanistische Wissenschaft des letzten Jahrhunderts hat das Verdienst. die dem Einzelnen als höhere Lebensordnung zugeordnet ist. erzwingt den tragischen Ablauf. Eine unerbittliche Folgerichtigkeit. aus den sittlichen Bindungen wachsend.   Das N i b e l u n g e n l i e d ist das große Sinnbild für den Zusammenbruch des Ganzen. aber doch im heutigen Lebenssinn tot sei. daß es den Schöpfern der großen epischen Dichtungen auf mehr angekommen ist als auf mächtige Gestalten und großartige Vorgänge. . Um so erschütternder ist der Untergang. fehlt kein Zug des menschlichen Zusammenlebens. Kampf und Tod.Vorwort   Die mittelhochdeutsche Dichtung. als eine ganze reiche Welt damit versinkt. hat sich unser Blick geschärft für den zeitlosen Gehalt auch jener dichterischen Meisterwerke. das Dunkel der Sprache und Form erhellt zu haben. der Sippe. zerstört wird. war jahrhundertelang versunken. und zwar des Kerns aller Gemeinschaft. Sie wußten um das Wesen der Gemeinschaft. Aber zum L e b e n ist diese Dichtung noch nicht erweckt. um die Gefahren. Erst die Romantik hat sie wieder entdeckt und als etwas Großes und sonderlich Deutsches gewürdigt. Denn von Kindheit. das sich in und mit dem Mittelalter abgelebt habe. wenn durch die Tat eines Einzelnen die Ordnung der Gemeinschaft.

während die großen Gestalten wie Hagen. Volker. als er in seiner Einleitung (1807) „das Lied der Nibelungen. dem Volke fremd ist. meist Siegfried und sein Schicksal in der Vordergrund gerückt. und dann nur aus zweiter Hand. Hagen. Die alte Sprache. d. Etzel und Hildebrand im Schatten geblieben sind. Dietrich. Dabei haben alle Bearbeitungen. als sei der Wille des Schicksals nur der Triumph des eigenen Willens. aber es in heldischem Trotz herausfordert. die nur auf dem wissenschaftlichen Wege zugänglich ist. denn unser Volk hat zu dem Liede keinen u n m i t t e l b a r e n Zugang. Gedichte. – Der erste Übersetzer des Liedes. Friedr. reinste Gefolgstreue gesteigert zu Heimtücke und hinterhaltigem Mord. unbedenklich eins der größten und wunderwürdigsten Werke aller Zeiten und Völker“.8   Die „innere Form“ des Liedes aber stempelt dieses Bild zu einem der größten Wunderwerke dichterischer Kunst. Rüdeger. sagte nicht zuviel. einen neuen Versuch zu machen. Heinrich v. daß dieses Wunderwerk.   Wir wissen seit langem um diesen kostbaren Schatz. . Noch immer steht es so. Dramen. Nicht einmal alle die großartigen Motive sind ihm vertraut. das sich zwar dem unausweichlichen Schicksal beugt. grausige Todesnot und dabei grimmiger Humor bis zum Trinken des Feindesblutes. Iring. Annahme des verhängten Schicksals und doch Kampf um den letzten Blutstropfen. mit dem „kolossalen Wunderbau Erwin von Steinbachs“ verglich. aus Simrocks dankenswerter Übersetzung gewonnen. Denn zu einem echten Organismus sind wie tragende Säulen die polaren Gegensätze zueinander geordnet: Mädchenzarte Liebe zu dem stärksten und schönsten Helden und teuflische Weibesrache für seinen Verlust. Ein letzter Gipfel menschlichen Stolzes wird sichtbar in dem t r a g i s c h e n Lebensgefühl. männliche Lebensfreude bei Kampfspiel und Jagd neben furchtbarstem Mord zwischen Quell und Blumen. bildet für das große Volk die trennende Schranke. heldische Reinheit und doch Betrug am Heiligsten eines Weibes. der Glanz feinster höfischer Kultur und die elementarsten menschlichen Leidenschaften. den alten Schatz zu heben. das nach Goethe’s Wort zu „einer Bildungsstufe der Nation“ gehört. Giselher. aber gehoben ist er nicht.   Heute ist es an der Zeit.

Die naive Breite der alten Erzählkunst mit ihren Wiederholungen und Füllseln. Andererseits dürfte der Stil des Alten. dem Leben des Alten nicht gerecht wird. Ich bin daher treu dem Sinn des Originals Strophe für Strophe nachgegangen. die das Original verschweigt. so wirkt doch alle Entfernung von unserer Gegenwartssprache zugunsten altertümlichen Eindrucks als künstliche Patinierung. was man unter „freier Nachdichtung“ versteht. Soll die neue Gestalt das Alte lebendig machen. Bringt alle Entfernung vom Original zwar Verlust.und Satzfolge lassen sich nicht erhalten. Das Neue. aus unserem Sprach. war eine vorsichtige Auffüllung aus dem Sinn erforderlich. Eine solche müßte aber eine wirkliche Nachdichtung werden. Das alte Wort und die alte Wort. . der schließlich Lebensausdruck der alten Dichtung ist. An wenigen Stellen habe ich die Idee. widerstreitet dem Alten so sehr.“ Mit dem vorliegenden Versuch bin ich diesen Weg gegangen. wie sie noch heute im Volksmunde üblich ist. den ältesten Kern des Liedes zu erfassen. dem Gesamtstil der alten Dichtung nahe zu bleiben. Unser Stilgefühl verlangt eine viel größere sprachliche Dichte. Man sollte eher von Erneuerung sprechen. Er sagt in der Einleitung: „V o l k s g u t kann unser Nationalepos nur in der Übersetzung werden. dann muß das Neue aus eigenem Gesetz ein selbständiges Leben besitzen. daß die reine Wortübertragung das Eigenleben des Neuen zerstören müßte. Die wiederkehrenden epischen Beiwörter können nicht organisch eingeschmolzen werden. daß jede altertümelnde sprachliche Annäherung an das Alte vermieden wurde. während das.  Aus diesen Grundsätzen ergibt sich das Problematische alles Übersetzens. deutlich ausgesprochen. läßt sich in der neuen Fassung nicht bewahren.und Formgefühl lebend. Wo der Gehalt infolge der stärkeren Dichtigkeit des Neuen nicht für die ganze Strophe ausreichte. Nichts Fremdartiges darf die Unmittelbarkeit des Nacherlebens stören. ganz unabhängigen Stil verschwinden. nicht völlig in einem neuen. richtig gesehen. habe ich Strophen zusammengezogen oder ganz weggelassen.9   Die Aufgabe hat Wilhelm S c h ä f e r bei seinem Versuch. wenn ein Motiv kräftig und lebendig wirken soll. Aus diesen Forderungen folgte. Wo die zu große Breite die Einheitlichkeit und Kraft des Eindrucks zu stören schien. Ich habe mich bemüht.

10   Die Nibelungenstrophe ist erhalten geblieben. nötigte. den Auftakt und die erste Senkung des zweiten Halbverses gelegentlich fehlen zu lassen. Leipzig 1866. Hermann Stodte . Auch die Freiheit des Originals. habe ich genutzt. Die zusammengezogenen und ausgelassenen Strophen sind nachgewiesen in einem Register am Schluß.  Als Vorlage wurde benutzt die Ausgabe des Nibelungenliedes von Karl Bartsch. wozu schon der Zwang. Häufiger als im alten Liede greift der Satz aus einem Verse in den nächsten über. einen möglichst natürlichen Reim zu gewinnen.

Gewaltige Taten machten sie einst in Etzels Reich bekannt. Nun hört das wundersame Lied! Es war ein edles Mädchen fern im Burgundenland. Schön. Ein wenig nur des Reizes. Um ihretwillen büßte sein Leben ein manch tapferer Mann. womit Kriemhild bedacht. Kriemhild genannt. Im Schutze dreier Könige die junge Kriemhild stand.11 I. Reich an Gefolgschaft saßen die Herrn zu Worms am Rhein. Die hießen Gunther. wie man keine andere in allen Landen fand. Freigebige Herren. Manch hochgesinnter Ritter fand sich am Hofe ein. Die Schwester treu zu hüten mit ihrer brüderlichen Macht. mancher war so kühn. Ja. Sie mußte jedem lieb sein. Von Tagen. 1–6 . Verwegene Kämpfer waren’s. Der hoffte. Und doch zu frühem Tode bestimmt durch zweier Frauen Streit. Und Giselher. Männer von altem Stamm und Blut. Von Kriemhild Aus grauen Zeiten kündet uns eine alte Mär Von Kämpfen kühner Helden. da die Herzen vor Lebenslust geglüht. der jüngste. von kühnstem Mannesmut. Sie walteten als Herrscher stolz im Burgundenland. von Mühsal und Beschwer. des edlen Sinnes. – sie alle drei bedacht. Der Zucht. Von Tränen auch und Jammer. ihre Neigung und Huld beglücke ihn. Zum Weibe wuchs blühend sie heran. hätt’ andere Frauen reich gemacht. weithin rühmlich bekannt. In Ehren dort zu dienen die ganze Lebenszeit. Gernot.

Herr von Alzey. Sindolt war Schenk und dennoch als Kämpe weit gelobt. auf Form und Fug bedacht. Hunolt erfahrner Kämmerer. Ortwin von Metz. ein Mann von seltener Kraft. es ist ein edler Mann. als mächtige Königin Ehmals die Gattin Dancrats. Du wirst ihn einst verlieren. Und nicht von Mannes Liebe erfahren Weibes Leid und Not!“ 7–15 (12) . Herr über Stall und Haus. Die besten aller Helden. Berühmt auch er vor Zeiten in seiner Jugend Kraft und Mut. Hagen von Tronje lebte mit seinem Bruder da. bis ich tot. Rumolt. Sie fragte Mutter Ute nach ihres Traumes Sinn. nimmt sich der Herr nicht seiner an. Denn keine war ja klüger als Träumedeuterin: „Der Falke. Marschall des Hofs war Dankwart. liebes Mütterlein! Ohne dessen Liebe will ich im Leben sein. Und viele andere hatten des hohen Königsdienstes acht. Sindolt und Hunolt galten bei aller Ritterschaft Als Wahrer höfischen Wesens. wie zwei Adler ihn schlugen mit den Krallen. den du aufzogst. die Grafen Gere und Echewart. Volker. Das Amt des Truchseß übte sein Neffe Ortwin aus. doch der schied früh dahin Und hinterließ zum Erbe den Kindern reiches Gut. Inmitten solchen Glanzes träumte einst Kriemhild. Sie zög’ sich einen Falken schön und stark und wild. der vielgewandte Dankwart. Und wie in tiefe Trauer sie dann durch dieses Leid gefallen.“ „Was sprecht Ihr mir vom Manne. Und sähe.12 Frau Ute hieß die Mutter. sie alle lang im Dienst erprobt. Will schön wie heute bleiben und glücklich. der Küchenmeister. wie man sie nirgends sah.

13
„Verred es nicht!“ sprach Ute. „Wenn dir ein guter Tag
Auf Erden Herzensfreude in Fülle bringen mag,
Ist es von Mannes Liebe! Ja, dann erst bist du schön,
Hat Gott zu deinem Gatten dir einen edlen Mann ersehn.“
„Berede mich nicht, Mutter“, erwiderte Kriemhild,
„Hat nicht an vielen Frauen sich jenes Wort erfüllt:
Die Liebe lohnt mit Leide, sie bringt nur Weh zuletzt?
Ich will nicht Leid, nicht Liebe. Dann bleib ich froh und schön wie jetzt.“
So aller Liebe wehrend, blieb unberührt ihr Sinn.
Dem edlen Mädchen flossen die Tage hell dahin.
Sie wollte niemals wissen von Liebe und vom Mann,
Bis einst der ritterlichste von allen Männern sie gewann.
Das war der wilde Falke, den sie im Traume sah,
Und dem nach Utes Deutung es eines Tags geschah,
Daß ihm die Blutsverwandten zu Mördern worden sind.
Wie furchtbar sie ihn rächte! Ihm nach starb mancher Mutter Kind.

16–19

14

II. Von Siegfried
Es wuchs in Niederlanden ein edles Königskind,
Den Vater hieß man Siegmund, die Mutter war Sieglind.
Am Niederrhein gelegen, weit schauend in das Land,
Stand ihre mächtige Feste, und Xanten war die Burg genannt.
Ihr beider Sohn war Siegfried, schon früh erprobt als Held,
Und später zog er kämpfend kühn in die weite Welt.
Die Stärke seines Leibes, sein Mut war allbekannt.
Zu Worms erst war’s am Rheine, wo Siegfried seinesgleichen fand.
Aus seiner frühen Jugend, die er im Kampf gestählt,
Hat Wunderdinge mancher von Siegfrieds Kraft erzählt,
Wie herrlich an Gestalt er, an edlen Gaben reich,
Wie er dem Blick der Frauen gefiel, so ehr- und anmutreich.
Ob er nach Art und Blute gut war und hochgesinnt,
Erzog man doch mit Sorgfalt das junge Königskind.
So, Liebling aller Menschen und sonderlich der Frau’n,
Ging sehnlich jedes Auge, nach seinem Anblick auszuschaun.
Die Eltern sah’n ihn gerne in herrlichem Gewand.
Sie ließen ihn behüten, ritt er hinaus ins Land.
Auch lehrten ihn die Alten, was Pflicht erheischt und Ehr,
In Zukunft zu beherrschen die Leute und das Land umher.
Nun gab der König Siegmund einst allenthalben kund,
Ein Fest sei zugerüstet für seiner Freunde Rund.
Den Eigenen und den Fremden gab Siegmund Roß und Kleid,
Und sandte zu den Königen ringsum mit freundlichem Bescheid.

20–27 (26)

15
Wo junge Söhne waren, gereift zum Ritterschlag,
Befreundete, Verwandte, die lud man auf den Tag,
Die Schwertleite zu feiern mit Siegfried insgemein,
Schwertbrüder sollten diese in Zukunft all zusammen sein.
Von jenem Feste wurde im Lande rings erzählt,
Und Siegmunds und Sieglindes Hochsinn ward nicht verhehlt,
War doch ihr großer Reichtum, ihr gutes Herz bekannt.
Zahllose Gäste ritten zu ihrem Fest nach Niederland.
Vierhundert Knappen warben um Ritter-Schlag und -Kleid
Mit Siegfried, ihrem Sohne. Und manche junge Maid
– Dem edlen Siegfried heimlich in ihrem Herzen hold –
War da am Werk. Sie reihten viel edle Steine auf und Gold
Als Borten für der jungen Schwertbrüder Festgewand.
Nichts fehlte, was geziemte dem künftigen Ritterstand.
Schon standen Tisch und Bänke. Dann kam der Sonnwendtag,
Mit ihm das Fest, zu feiern des edlen Siegfrieds Ritterschlag.
Zum Münster schritt im Zuge der Knappen edle Schar.
Die Alten nahmen willig den Dienst der Jungen wahr,
Wie sie voreinst ihn selber als Schildknappen versehn,
Und danach sollten Freuden von aller Art die Lust erhöhn.
Gesattelt zum Turniere zog man die Pferde schon,
Und Siegmunds Hof erdröhnte vom lauten Splitterton,
Der von den Lanzenstößen in Saal und Palas drang,
Vom Jubelschrei der Freude und von dem hellen Waffenklang.
Es prüften Alt’ und Junge sich eifrig im Turnier.
Die Lanzensplitter flogen bis an die Palastür.
Sie rannten aufeinander schäumend vor Lust und Kraft,
Daß hell im Prall erkrachend zerbrach manch guter Lanzenschaft.

28–35 (33)

16
Am Boden lagen Schilde, verbeult und herrenlos,
Im Gras viel edle Steine, von gut gezieltem Stoß
Aus ihren hellen Spangen am Schildrand abgesprengt.
Nun ließ der Burgherr enden. Die Pferde wurden heimgelenkt.
Man führte zu der Tafel die Gäste. Jeder fand
In Fülle alles Schöne, wonach die Neigung stand.
Von edelstem Geschmacke die Speisen und der Wein,
Denn hochgeehrt, willkommen und fröhlich sollte jeder sein.
Und allerlei an Kurzweil bot man den ganzen Tag,
Fahrende Sänger traten heran beim Trinkgelag.
Mit Lied und Spiel erwarben sie sich Geschenk und Dank.
Oft priesen Siegmunds Reichtum und Glück sie später im Gesang.
Zu seinem künftigen Erben erhob Siegmund den Sohn,
Ihn feierlich belehnend mit Burg und Land und Thron.
Der junge Siegfried schenkte viel Güter aller Art
An seine Schwertgenossen. Wie freute sie die frohe Fahrt!
Nach sieben freudenreichen Festtagen schieden dann
Die Gäste, deren Herzen Siegfried so ganz gewann,
Daß sie ihn gar begehrten zum Könige für das Land.
Das wies er ab, da längst ihm der Sinn nach anderen Dingen stand
So lange beide lebten, Siegmund und Siegelind,
Wollt’ ungekrönt er bleiben, nur seiner Eltern Kind.
Doch wollte er bezwingen als rechter Herr und Held
Gewalt und Not, der keiner zu wehren wagte in der Welt.

36–43 (41)

17

III. Wie Siegfried nach Worms kam
Noch unbekannt war Siegfried mit Herzens-Lieb und Leid.
Da hört’ er eines Tages, man lobe weit und breit
Ein Königskind, das schöner, als je ein Aug’ gesehn.
Ihm sollte reichste Freude und schwerste Not um sie geschehn.
Man pries ihm Kriemhilds Schönheit, überreich gepaart
Mit edlem Frauensinne und fürstlich-stolzer Art.
Um ihretwillen zogen, gelockt von nah und fern,
Nach Worms zu Gunthers Hofe viel edle ritterliche Herrn.
Wie viele sich auch mühten, von ihrem Reiz verführt,
Von keiner Werbung wurde des Mädchens Sinn berührt.
Sie wehrte sich und glaubte, ihr Herz sei liebgefeit,
Noch fremd war ihr der eine, der sie gewann in späterer Zeit.
Siegfrieds Verwandte kamen und rieten ihm zur Eh’,
Er solle, falls es jemals aus rechter Lieb geschäh’,
Nur einer, die ihm zieme, zum Manne sich vermählen.
Da war für ihn kein Zögern: „Kriemhild will ich zum Weibe wählen!
Nur eine rings im Lande, die ist – das ward mir kund –
Schön über alle Maßen, die Jungfrau von Burgund,
Und selbst ein Kaiser, möcht’ er auch noch so mächtig sein,
Stünd’ nicht zu hoch, er dürfte um jene schöne Königin frei’n.“
Als Siegmund aus dem Munde der Mannen das vernahm,
Erschrak er, denn im stillen war er dem Plane gram.
Auch Sieglind ahnte Sorge und Unglück von der Fahrt.
Sie hätten beide gerne vor dieser Werbung ihn bewahrt.

44–50 (47)

18
„Schenk mir, mein lieber Vater“, bat Siegfried, „dein Vertrau’n!
Entbehren will ich eher die Liebe edler Frau’n,
Wenn nicht aus reiner Neigung mein Herz mich werben läßt!
Was ihr auch sagen möget, ich wag’s, und mein Entschluß steht fest.“
Da sprach der König: „Bist du im Ernste so gewillt,
Will ich mich wahrlich freuen, wenn sich dein Wunsch erfüllt.
Zum guten Ende helf ich mit allem, was ich kann.
Doch hör! Der König Gunther hat manchen überstolzen Mann,
Und wär’ es auch nur Hagen, sein maßlos wilder Mut,
Hochfahrend und gewaltsam in allem, was er tut, –
Von solcher Art, das fürcht’ ich, wird allen uns noch leid,
Daß wir jemals geworben um diese königliche Maid.“
„Was tut’s?“ sprach Siegfried kühnlich, „wenn man mir schroff verwehrt,
Was ich als Gunst erbitte, und gütlich nicht gewährt,
Gewinn’ ich es im Kampfe mit eigener starker Hand.
Ich trau’ mir’s zu, dann nehm’ ich zu Kriemhild auch noch Leut’ und Land!“
Doch Siegmund blieb in Sorge: „Das höre ich nicht gern!
Vernähmen es am Rheine die burgundischen Herrn,
Verwehrten sie dir sicher den Eingang in ihr Land.
Seit langem sind mir Gunther und Gernot allzu gut bekannt.
Denk nicht, daß deine Waffe dir diese Braut gewinnt,
Sie weigern jedem Fremden ihr schönes Königskind.
Soll eine Schar von Helden begleiten deinen Ritt,
Beruf ich unsere Freunde, sie reiten dir zum Schutze mit.“
Siegfried hingegen meinte: „Das hab ich nicht im Sinn,
Mit einem Heer zu zwingen die edle Königin.
Nicht Feinde will ich führen zum Kampfe an den Rhein,
Denn es soll eine Brautfahrt, kein Krieg und keine Heerfahrt sein.

52–58 (51)

Versank um ihren Sohn sie in einen tiefen Gram. wie nie ein Ritter trug. Wie frohen Abschied bot Siegfried mit den Gefährten! Nie zog mit leichterem Sinn Zu kühn verwegenen Taten ein Ritter in die Fremde hin. nicht so zu Herzen dir! Mich schrecken keine Feinde. „So helf’ ich dir zur Reise. Da lag die Sorge schwer Auf allen.“ Und so geschah’s. Gewändern manches Saumroß stand. Nun kam die Abschiedsstunde. An Kleidern. Zwölf Kameraden führ’ ich hinauf in Gunthers Land. liebe Mutter. Doch Siegfried neigte zärtlich voll Güte sich zu ihr: „Nimm es doch. dir und den Freunden Glanz genug!“ Es waren schöne Frauen rastlos bei Tag und Nacht. Die breiten Schilde. auf Ehr’ und Würde klug bedacht. Als nun die Mutter Sieglind von dieser Fahrt vernahm. daß schmerzlich ihre Träne rann. Bepackt mit Rüstung. ob wohl jemals bei froher Wiederkehr Ihr Aug’ die Helden sähe gesund im Vaterland. daß rühmlich wir Versehn sind mit Gewändern und ritterlicher Waffenzier!“ „Kann ich dich hier nicht halten“. mein einzig liebes Kind.19 Sonst könnt’ ich Kriemhild holen allein mit eigener Hand. herrlich kostbar. Siegfrieds Gewand zu nähen. sprach gefaßt Sieglind. Verlor sie ihn? War’s Gunther. der ihm Verderben sann? So quälte sie sich lange. Hilf mit. Herrliche Pferde harrten. 66) . Waffen. – alles ward fertig bald in großer Zahl. mit lieber Sorg’ bedacht. Auch silberhelle Brünnen und Helme hart von Stahl. Mit grauer und bunter Herrentracht Versah man die Begleiter. An Zierat schaff ich allen. das Zaumzeug gelb und rot Von zierlich-hellem Goldschmuck. 59–68 (64.

Schon wollten sie die Rosse wegführen in das Haus. erschien die fremde Ritterschar. Wie recht die Ahnung hatte! Wie wahr sprach ihre Herzensnot! Fest lag am siebenten Morgen ihr Schiff zu Worms am Strand. Noch heute woll’n wir weiter. die Männer trugen Leid.20 Ungern und traurig ließen ihn seine Eltern fort. Zur linken bis zum Sporne hernieder hing das Schwert. wie’s gute Sitt’ und Art. Sie stiegen schnell zu Pferde. ich zieh’ auf frohe Fahrt! Sorgt nicht! Vor aller Leibes. sie ahnten alle im Herzen böse Zeit. Wunderbar. Mich deucht. zum Tode gefährlich jedem Mann im Streit Goldfarbige Zäume lagen den Reitern in der Hand. Wie sie im Zuge langsam hinritten an dem Ufersaum. Die Pferdehälse trugen statt Riemen seidenes Band. Die Schilde und die Pferde zu nehmen aus der Müden Hand. wohl zweier Spannen breit War Siegfrieds Ger. Willkommen sie zu heißen in ihres Fürsten Land. Sie sah’n im Geiste alle die Freunde bleich und tot. Zusammen lief die Menge und gaffte. Abwehrend sagte Siegfried: „Die Fahrt ist noch nicht aus! Laßt unsre Rosse stehen! Es ist mein fester Plan. und funkelnd hing Zügelzeug und Zaum.“ Die Frau’n und Mädchen weinten. Wie niemals man gesehen. Sie führten spitze Lanzen. Mit breitem. Laßt eure Arbeit ungetan! 69–76 . Den Gästen beizustehen nach ihrer langen Fahrt. Ihr goldenes Gewand Erstrahlte licht. erzenem Schilde war jeder Arm bewehrt. Schon nahten Gunthers Mannen. Liebreich und tröstend kam noch zurück ein letztes Wort: „Ihr sollt um mich nicht weinen.und Lebensnot bleib’ ich bewahrt.

stolzer Art. Mit goldig hellen Brünnen. der sag. Mit seinen Rittern kam Hagen zum Hof des Königs. den Herrscher hier im Reich. Doch war auch ihm der Helden Herkunft und Name unbekannt. so sprach er. sah man ihm an. wo ich sogleich Den Fürsten finden möge. Als er den Grund vernahm. Hochsinnige Männer sind es. Ein Kreis Seiner Gefolgschaft wartet. die Rüstung wunderschön. Ihn wunderte. der wisse Rat. 77–85 . „an den Rhein. Gebt mir Bescheid: Wo find’ ich den König von Burgund?“ Da drängte durch die Menge sich einer. Wer jene Fremden wären. „Woher sie auch gekommen“. das mag gar leicht geschehn. Dort in der Palashalle hab’ ich ihn sitzen sehn Inmitten seiner Helden. Die Rosse wie die Kleider sind vornehm. Ein Fähnlein Ritter wäre vom Schiff gesetzt ans Land. woher sie diesem Land genaht. Vom Fenster aus genauer die Unbekannten anzusehn. Wie ihm die stolze Mannschaft gefiel. Er ließ sein Auge schweifen scharf über Roß und Mann. vielleicht gar Fürsten sein. Er musterte sie lange nach Waffen und Gewand. Es dürften Fürstenboten. Da riet Ortwin von Metz ihm: Hagen. Geht nur hinein. da blieb er forschend stehn. daß keiner der Helden kundig war.21 Wer kann mir Kunde geben. woher sie kommen auch der Fahrt. Und was man von ihm wollte. versammelt dort auf sein Geheiß!“ Nun war dem König Gunther die Botschaft schon bekannt. Gunther ließ ihn laden. Doch keiner der Burgunden hab’ jemals sie im Land gesehn. der des Hofes kund: „Wollt ihr zu König Gunther. Die doch der höchsten Ehren so würdig offenbar.

war Siegfried gleich dazu bereit. Ein schlimmer Lohn! Sie hätten’s ihm besser nicht gewährt. ein grobes Brüderpaar. Sie riefen beide: ‚Seht doch! Der Held vom Niederland! Zu schlichten unsere Sache. doch ich mein’. denn Unrecht sei geschehn. Dazu noch Prunkgeräte und Schmuck in goldenroter Glut. sei Siegfrieds Urteil anerkannt!‘ Freundlichen Gruß empfing er. und Männer trugen schwer. Da lag ein Schatz zu Tage. daß e r danach der erste aller Kämpfer war. Kein Wunder. Nach Stolz und edler Haltung kann es kein andrer sein. Er sah. Sie gaben ihm zum Danke das Nibelungenschwert. Seht. Was er getan. daß er zur Einigung Den reichen Hort verteile nach Recht und Billigkeit. scheint seltsam. jener ist’s. Ihn unter sich zu teilen gerecht und ehrenhaft. Wißt! Sie hatten eigens den Schatz ans Licht geschafft. Schilbung und Nibelung waren’s. brauchte man mehr als hundert Wagen. In hellem Zorn begannen sie drohend auf ihn loszugehn.22 Zwar hab’ ich niemals Siegfried gesehen. Einst ritt er durchs Gebirge. Das alles sollte Siegfried verteilen recht und gut. Schilbung und Nibelung Erbaten seine Hilfe. ein Märchen hierzuland: Er schlug die Nibelungen nach hartem Widerstand. wie man erzählt. Ein überreicher Hort war’s. Da dringend sie’s begehrten. im Berge sonst verhehlt. Sie fortzuschaffen. Sie ließen ihn nicht enden. 86–93 . einsam. Und dessen Wuchs und Adel den Herrn von Niederland verrät. der herrlich dort vor den Seinen steht. dem Helden unbekannt bisher. Die hießen Nibelungen. wie dort in Haufen die edlen Steine lagen.

die Könige. Der mußte Eide schwören. Doch selbst durch Siegfrieds Angriff in übelste Bedrängnis kam. Es lagen tot im Felde. Schilbung und Nibelung beide. in Not. Und Alberich der Starke ward als sein Wächter eingesetzt. Der rings in jenem Lande viel Unheil schuf und Not. Es schnitt. vor dem die stärkste Macht erblich. den starken Zwerg. die wurden Siegfried Untertan. ward seine Haut zum Kleid Von hartem Horn. der Held. Nun war er Herr des Hortes. „Das ist Siegfried. 94–100 . Geriet jedoch durch Alberich. vor Wunden. Der seine beiden Herren zu rächen unternahm. Das nannten Balmung sie.“ So sprach Hagen von Tronje. die drangen auf ihn ein Mit siebenhundert Männern. Erschlug sie oder zwang sie zu schneller Flucht mit seiner Hand. Wie stark sich wehren mochte der wutergrimmte Zwerg. vor jedem Waffenhieb gefeit. Er schlug den Lindwurm tot. mehr ist mir bekannt noch. Im Drachenblut gebadet. – und trotzdem schwach und klein – Freunde der Nibelungen. Floh’n sie. schlug er tot. Als ihn die Nibelungen unüberwindlich sah’n. doch Siegfried widerstand. Länder. die Haß und Streit geschürt. getreu im Dienst zu sein Und gut im Berg zu hüten das Gold mit Schmuck und Stein.23 Zwölf kühne Riesenkerle. Ja. Der mächtiger und reicher als irgend einer in der Welt. Er riß die Zauberkappe vom Haupt des Alberich. Wo er im dunklen Berge verborgen lag zuletzt. und Burgen. Nach Siegfrieds Worten wurde der Schatz dorthin geführt. Wie löwenwild verbissen sie kämpften dort am Berg. als ob’s dem Arme gewaltige Kräfte lieh. Jenes Schwert tat Wunder.

Entbot er Siegfried gütigen Willkommensgruß und neigt’ Das Haupt. Selber erfahren will ich’s hier. Auch ich fühl Heldenkräfte.24 Heißt ihn willkommen. daß es in Eurem Land Die kühnsten Männer gäbe. Niemals uns gegenüber mag stehn als unser Feind. daß alle Leute sagen. Als ob ein Freund gekommen war. „die Ehr erlaubt es schon. „vieledler Siegfried. daß er. Die Leute mögen reden. wie edle Sitte sich ritterlich erzeigt. nicht um geringer Ursache kam er her. Es dürfte sich wohl lohnen. Daß mir zu Recht gebühre das Herrscheramt im Land. sprach der König. Siegfrieds Gefährten grüßt’ er mit hoheitsvollem Blick. und gerne wüßt’ ich mehr.“ Gunther ging ihm entgegen. Wie streitbar-kühn geartet der ritterliche Mann Dort steht bei den Gefährten! – So soll es gleich geschehn! Wir woll’n zu ihm hinunter als Freunde ihm entgegengehn. in Freundschaft uns vereint. Auch heldenhafter wäre kein König sonst als Ihr. „Mich wundert“. ein mächtiger Königssohn. Was Euch hierhergeführt hat. Die Krone soll ich tragen! Und ich will dafür sorgen. 101–109 .“ Da sprach der König: „Wahrlich! So sei’s! Seht ihn nur an. Das hätt’ ich gern erkannt. Und diese gaben dankend nach gutem Brauch den Gruß zurück. sehr.“ „Geht nur!“ versetzte Hagen. Er hat sich ausgewiesen an mancher Wundertat. Welch’ Ursach euch verlockte zur Fahrt nach Worms am Rhein?“ Da sprach der Gast zum Könige: „Das soll Euch nicht verschwiegen sein! Mir ward daheim berichtet. leiht er als Freund uns Schwert und Rat. Mein Haupt und meine Ehre setz’ ich für diesen Ruhm zum Pfand. Von edlem Stamm ist Siegfried. Es scheint.

„daß man mir frevelhaft Das nähme. alles. an Volk auch. Doch bleibts im Kampfe dein. erblühn! Ich selber will’s besitzen. Als eigen zu erkämpfen. sei’s lieb Euch oder leid. stark und groß. „uns ein Reich Von anderen zu erkämpfen. Dem wir getreu. was mein Vater besaß von alters her? Geschäh’s. Soll dir zurecht als Sieger mein Land und Erbe eigen sein. so lange seiner Macht. was an Besitz Euch angehört!“ Verwundert hört’s der König. sprach Gernot. sprach Siegfried dazu kühn. sagte Gunther. Da ohne Grund uns Siegfried statt Freundschaft offenen Kampf ansagt. Mein Erbteil und das deine seien der Siegespreis Und stärkster Männerkräfte vollgültiger Beweis. und das sich in unserem Dienste treu bewährt. Wird nichts mich daran hindern.“ „Ich kann dir’s nicht erlassen“.“ 110–117 . Wer siegt. „Es mag dein Land in Frieden. „Wir denken nicht daran“. Ob Ihr und Eure Brüder wär’t schwach und waffenlos. wie’s lautet im Lande weit und breit. reicht deine Kraft.25 Seid Ihr so kühn. zu nehmen unverwehrt Burgen und Länder –. Ortwin von Metz nur sagte: „Nun sieht man wohl. dem seien Leute und Lande Untertan!“ Da widersetzten Hagen und Gernot zornig sich dem Plan. Wir Brüder sind ja reich An Land und Gut.“ Grimmigen Sinnes standen die Freunde alle stumm. Wir widerständen. das uns zu Recht gehört. warum Nach Eurem Angebote der Freundschaft keiner fragt. Und er ein Königskriegsheer herführte. denk ich. „Was tat ich“. Bis wir zuletzt zum Schweigen den eitlen Übermut gebracht. zornig die Ritterschaft. gar übel stünd’ es danach um unsere Ritterehr.

“ Siegfried gab derbe Antwort: „Herr Hagen. „Wie ziemte unserer Würde Streit gegen Euch und Haß? Und lägen noch so viele der Helden tot im Gras. denn noch ist nichts geschehn. des Tronjers Schwestersohn. du. die nähm ich nicht als Gegner an.26 Da sprach in hellem Zorne der Held von Niederland: „Wag’ nicht zum Kampf zu heben. zu uns ins Land hierher. Streit zu suchen. Und wehrte seinen Rittern ein jedes weitere Wort Und trotziges Benehmen: „Ihr tätet’s mir zu Leid!“ Auch Siegfried schwieg und dachte im stillen an die schöne Maid. Er schwieg zu lange schon. hört und wißt. Nur Gernot widersetzte sich Ortwin vorwurfsvoll und sprach: „Ihr sollt den Zorn bezähmen. Dann sprach er ernsten Tones: „Nein. schon so verdrießlich ist. wir ertrügen’s schwer. Indessen Hagen still war. Zu größerem Verdrusse tu ich euch allen kund. Wie wenig Nutzen brächte das Eurem Heldentum! Und wir Burgunden büßten damit nur ein an Ehr’ und Ruhm. Dem unzufriedenen Könige erschien es fast wie Schmach. Ich bin gewillt. Zu drohen einem König. deine Hand. Wir wahrten Siegfrieds Freundschaft. Des hätten unsere Herren sich wahrlich nie erkühnt. Wir wollenes gütlich schlichten. die Herrschaft und Macht zu üben in Burgund!“ „Ich ganz allein verhüt’ es!“ fuhr Gernot heftig fort. Weshalb ihr ehrenhalber auf Waffen müßt bestehn. Viel besser stünd’ uns an.“ 118–124 . Käm’ Siegfried. Vermessener.“ Der starke Hagen stand und sann. was ich gesagt hab’. Wenn Euch. nur ein Eigenmann! Ein Dutzend deinesgleichen. Und schlecht wär’ unserer Ehre und seinem Ruhm damit gedient.“ Da rief nach Waffen Ortwin.

die besten. Für das Gepäck und Waffen in Kammern allerhand. war Siegfried gleich bereit. allen wehrend. Man suchte Unterkünfte. Den Kampf mit mir zu wagen. im Schießen mit dem Ger.27 Doch Siegfried: „Warum zögern denn Hagen. Nun gaben sie sich häufig männlicher Kurzweil hin. Turnier. Zu jedem guten Dienste bereit für Euch! Schlagt ein!“ Nach einem Winke Gunthers bot man den Gästen edlen Wein. schöner Eintracht wich so in kurzer Zeit der erste Haß. Dem doch der Sinn im stillen nach reiner Herzensneigung stand. In allen Ritterspielen und Kämpfen war der erste er. was man vorschlug. 125–135 (129) . Und wo es Frauendienste und höfisches Wesen galt. Im Steinwurf wie im Laufen. Ortwin noch. So wollen wir gemeinsam genießen alles Gut!“ Da sank doch in Beschämung ein wenig Siegfrieds Übermut. Doch war er in Gedanken oft bei der schönen Maid. wenn Ihr es geziemend nur begehrt. Wir sind zum Freundschaftsbund. Er sah sie nie. Ja. Herr Siegfried. Und Gunther selber nahm nun das Wort: „Was uns gehört. Wo feine Sitte glänzte in zierlicher Gestalt. Da sah’n die Augen gerne auf den vom Niederland. – der beste war Siegfried stets darin. War’s Spiel. Das Eure sei’s. beschwichtigte und sprach darauf: „Noch einmal seid willkommen. die heimlich bewundernd von dem Fremdling sprach. in Burgund Mit Euren Kameraden. gebricht es ihnen doch An Freunden nicht!“ Schon wallte erneuter Zorn herauf. Wie sie bei ihm. Und auch die Knappen fanden ihr freundliches Gelaß. die man fand. Zu allem. – So heiß er sich sehnte auch danach. Doch Gernot.

Im Dienste der Könige zog er mit. Auch Siegfried war es leid. Wär’ ihm die Welt erschienen besonnt vom allerreinsten Glück. im Plaudern auszuruhn. Doch hätte er sie jemals erreicht mit einem Blick. 133–138 . Dann trauerte Kriemhilde. von anderen Freuden abgelenkt. trat sie herzu und stand Versteckt an ihrem Fenster und blickte unverwandt. Daß meine Augen endlich die edle Kriemhild sehn? Die ich nun schon so lange in Sinn und Herzen trag’. Er grübelte und sann oft: „Wie soll es nur geschehn. Ihn auf dem Hof verweilen. wie die Männer nach ihren Spielen tun. Oft sah sie. Weit mit den anderen streifend durchs Land auf manchem Ritt. – Das ist mein Leid! Die ist mir so fern noch wie am ersten Tag!“ Ein Jahr verlief.28 Denn wenn die Männer übten. wie sie ihn betrachtete beim Spiel. Daß manches Mädchen damals ihn still im Herzen liebgewann. Hätt’ er geahnt. So liebenswert und strahlend und fröhlich schien er dann. In heimliches Betrachten des Helden ganz versenkt. Viel Glück und Not erfuhr er um ihretwill’n in späterer Zeit. Genug an Freude hätt’ er gehabt und Frohgefühl. Dann war ihr Sinn gefangen.

Im Auftrag ferner Feinde in das Burgundenland. das sie brachten. zahllos. Sie hegen Haß und rüsten. An den Grenzen des Reiches stand ein Feindesheer. „Erlaubt uns. Euch unserer Herren Auftrag ganz offen kundzutun. die mit Botschaft zu Euch uns hergesandt. sie führen Krieger. Haß drohte. Nun wißt. Zwölf Wochen gehn ins Land noch. Die Könige. dann hebt der Feldzug an. was ihr von dort mir bringen sollt! Wes Boten seid ihr? Redet!“ Vor seinem harten Blick Und seiner strengen Würde schraken sie in Scheu zurück. Sie planten schon seit langem die Heerfahrt nach dem Rhein. beide gleich feindlich Euch gesinnt. fremdartig. und jeden traf es schwer. Es waren Abgesandte vom Sachsen Lüdeger Und König Lüdegast am fernen dänischen Meer. So seid gewarnt! Kampf gilt es bis an des Schildes Rand! 139–145 . zu reden und wollt mit Gunst geruhn. Ein schwerer Krieg beginnt. Verbündet sind sie. Sie fallen feindlich Euch ins Land. was ihr wollt. unbekannt. in Euer Land hinein. Nichts Gutes. der höflich sie willkommen hieß: „Seid mir gegrüßt! Wer schickt euch? Laßt hören.29 IV. Daß ich erfahre. zu schützen Burg und Land. Herr. Wie er mit den Sachsen stritt Nun kamen einstmals Boten. Sind Lüdegast und Lüdeger. Nach Heimat und Verlangen befragt’ man sie und wies Sie zu dem König Gunther. Bis dahin werbt und sammelt und rüstet Roß und Mann! Zusammen ruft die Freunde.

der auf dem trüben Antlitz stand.“ Der König sprach: „Verweilt noch am Hofe einige Zeit.“ Hagen und Gernot rief er und seine Ritter all. ob er uns Hilf und Beistand leiht. Fern bleibt von Euren Grenzen die starke Heeresmacht. Darum befragt doch Siegfried.“ Den Boten gab man Herberg.“ 146–156 . Zu sammeln Volk und Pferde. wie Ehre heischt und Pflicht. Rief Gernot jäh: „Wir wehren den Räubern mit dem Schwert! Wem Tod bestimmt. gehört. – nun denn. Zu tragen und zu wenden. was ihn so sehr bedrück’: „Wie lebten wir doch früher in sorgenlosem Glück! Wer Freunde hat. Ihn wurmte im geheimen der räuberische Überfall. was Gunther verkündete. ich bin’s. Ihr wißt.30 Doch wollt Ihr unterhandeln. der teile mit ihnen seine Not. So feindlich ihr Bericht. Sonst sinken Eure Ritter in blutig harter Männerschlacht. Doch niemals wich der Kummer. Wie es von jeher ehrlich die wahre Freundespflicht gebot. was Ihr an Sorgen tragt? Und wenn Ihr einen Freund braucht. Versorgte man sie freilich. Als jene nun. Bis ich mich erst entschlossen zu gültigem Bescheid. Wohl sandte Gunther eilig das Aufgebot ins Land. Hab’ ich Euch nicht freiwillig von Herzen zugesagt. scheint mir zu kurz die Zeit. Daß Euch bis an mein Ende zu helfen meine Ehre ist. der falle! Doch unverletzt und rein Bleibt unsere Ritterehre! Die Feinde soll’n willkommen sein!“ Hagen von Tronje sagte mit Ernst: „Mich dünkt es schlimm! Nicht unterschätzt ich Lüdegasts und Lüdegers bösen Grimm. dann macht ein Angebot! Dann spart Ihr Euren Leuten und Euch die ärgste Not. Verwundert fragte Siegfried.

Herr Siegfried! Wie tat dies Wort mir gut! Versagt Ihr dieses Mal auch mir Euren Arm und Mut Daß Ihr so treu ergeben mir seid. Freunden sagte der König nun die Heerfahrt an. dank’ ich dafür Euch immer brüderlich! Vernehmt den schweren Kummer. Gebt tausend mir! Ich habe doch nur die zwölf Gesellen. Die Drohung schreckt uns nicht. sonst habt ihr einen harten Stand. Und dann verlaßt Euch einzig auf mich! Ich steh’ dafür. Erhielten sie Geschenke. – Es sei.“ 157–165 (163) . Da waren sie sehr froh. Man rief die Boten Lüdegers. So dreisten Räubereinfall erlebte unser Land noch nie. Des Feindes Boten sendet mit dieser Botschaft fort: Wir brächten Antwort selber. Wollt ihr mit einem Heere einfallen in mein Land. Der König selbst verhieß Ein sicheres Geleite. sie täten wohl besser ganz Verzicht Auf ihre schlimme Heerfahrt. Zuletzt erging des Königs Abschied gar stolz und würdig so: „Sagt euren Herrn. In Frieden bleiben Leute und Land und Burgen dann!“ – Verwandten. bald sähen sie uns dort. – wie rührt es mich! So lang ich lebe. mir fehlten Freunde –. Weg mit dem Kummer! Wehrt Euch! Verachtet ihren Grimm! Laßt mich für Eure Ehre einstehen.“ Siegfried sprach zuversichtlich: „Ihr nehmt es allzu schlimm. Ruft den Bund Eurer vereinten Freunde zum Schutz für Euch und für Burgund! Und sollten Eure Feinde auch dreißigtausend stellen.31 „Das lohn’ Euch Gott. Eh’ man sie ziehen ließ. der unser Glück zerstört: Wir haben schlimme Botschaft von droh’ndem Krieg gehört. Wir schützen Eure Lande und wehren ihrer Beutegier. Zur Heerfahrt nach dem Rheine böswillig rüsten sie.

War doch auf trotzige Abwehr der stolze Däne nicht gefaßt. 166–181 (175) . Eilig ging Nach Dänemark die Reise. Auch Gunther ließ entbieten. „Herr König“.32 Reiche Geschenke nahmen sie fröhlich. Siegfried hielt Gernots Mannen und Hagens Heer zurück. Unglaublich schien sie fast. Das Aufgebot der Seinen betrieb er um so mehr. Auch Lüdeger. Er zog auf Kundschaft weiter. berief zum Heeresbann Für den Burgundenfeldzug wohl mehr als vierzigtausend Mann. So wollten sie die Heerfahrt von Worms antreten über’n Rhein. die freund ihm und verwandt. sollte der Fahnenträger sein. der Sachse. Lüdegast und Lüdeger. Die Kunde war verhaßt Mehr noch als jede andere dem Dänenkönig Lüdegast. Siegfried sei er geheißen. wie es verlangt die Ritterpflicht!“ Man nahm vom Rhein nach Norden die Fahrt durchs Hessenland Bis eines Tags die Heerschar an Sachsens Grenzmark stand. vertrauend auf sein Glück. des Landes Schützer sein! Verweilt hier bei den Frauen in guter Zuversicht. Allein ins Land der Sachsen reitend. Da schätzten sie mit Brennen und Raub durchs Land umher. Von manchem kühnen Manne fern im Burgundenland Erzählten sie. Volker. Indes wir für Euch einstehn. erspähte er Plötzlich zu vielen Tausend versammelt rings das Sachsenheer. Erbittert hörten’s beide. mahnte Siegfried. Doch Lüdegast empfing Ungern die üble Botschaft. Hagen von Tronje wurde zum Scharmeister ernannt. der Spielmann. auch daß sich ein Held darunter fand. Es stießen zwanzigtausend an Kämpfern zu dem Heer. „bleibt Ihr daheim am Rhein! Laßt uns der Ehre Hüter.

Und wie geweht vom Winde durchflogen sie den Raum. Da bat er um sein Leben. Da keiner von den beiden dem Gegner etwas schuldig blieb. die schon von fern gesehen. Einander heimlich prüfend erwogen Angriff sie und Hut. Sprang plötzlich in den Sattel. Er sei der Dänenkönig. Und sich der rote Blutstrom ergoß durch Brünn’ und Panzerring. Doch fiel ihn Siegfried wilder und grimmiger nur an. Bis ihre Reiter wieder im Laufe sich erjagt. die Pferde hoch zum Sprung Gereizt vom Sporn. Gleich wendeten die Pferde sich wieder unterm Zaum. die Lanzen gefällt in jähem Schwung Tief auf die breiten Schilde. der gleichfalls auf Späherposten stand. Ein wackerer Wächter war es. daß rings das Feld erklang. Da schlug Herr Siegfried wuchtig. Dem stolzen Dänen bangte alsbald um seine Ritterschaft. Was zwischen beiden Spähern hier auf der Warte war geschehen. verpfändete sein Land. Der eben noch von drüben herspähte unverwandt. Daß Lüdegast drei Wunden von Schwerthieben empfing. den Schild zur linken Hand. Daß hell die Feuergarbe vom Helm des Feindes sprang. Der feuerrot von Golde erglüht’ in hellem Glast. Lüdegast genannt.33 Da hob von seiner Warte jenseits am Hügelrand Ein Ritter sich. Es prallte Schaft auf Schaft. 182–189 . Die Blicke beider trafen sich scharf in grimmer Glut. Der Boden dröhnte zitternd vom harten Sprung und Hieb. der Dänenkönig Lüdegast! Heran schon sprengten beide. Nun war erhobenen Schwertes der letzte Angriff wild gewagt. Zwar eilten dreißig Männer zur Hilfe schnell heran. Es nahten dänische Ritter.

ja schlug im Kampf sie tot. Die dreißig Dänen nieder. – bleibt mir nur meine Kraft. Dazu Siegfrieds Gefährten. Wahrhaftig. – Beweint manch edle Sächsin noch ihre frühe Witwenschaft! Helden vom Rhein! Zu Pferde! Folgt mir und schaut auf mich! Mitten in Lüdegers Scharen vernichtend stoße ich!“ Schon saß Gernot im Sattel. Doch waren schnell die Schneiden der Sachsenschwerter bloß. Doch Siegfried rief dazwischen: „Heut bleibt noch mehr zu tun! Wohlan! Das Fähnlein bindet fest an die Stange nun! Eh’ dieser Tag sich endet. Jäh traf die Feindesseite der wilde Angriffsstoß. So übermächtig brannte die giftige Scham in seinem Blut. Der König Lüdegast. Doch. Ward hingeführt zu Hagen. – kehrte sich keiner dran. rang er. Nur einen ließ er leben. zu künden seines Herren Not. Als alles Volk vernommen. daß es der Dänenkönig sei. Ob ihre kleine Truppe nur zählte tausend Mann.34 Siegfried griff den Gefangenen. Der lag im Hinterhalt. Ortwin und Hagen. seinen Geisel wahrend. Und herrlich mit der Fahne ritt Volker vor den Männern her. Sie taten wahre Wunder und brachten bald den Feind in Not. 190–201 . Die Dänen schäumten. mit ihm das ganze Heer. der eine Mann. in Siegfrieds Kriegsgewalt. Volker mit Dankwart und Gernot. Und ihre Schilde blitzten lichtfunkelnd in dem Reiterhauf. Die Dänen stürmten an. Hoch unter Rosseshufen flog rings die Erde auf. tödlich gekränkt von Grimm und Schand Ihr Herr gefangen! Geisel in ihres Feindes Hand! Der Sachsenkönig tobte in Zorn und heißer Wut. laut im Felde erschwoll ein Jubelschrei.

So stand des Kampfes Wage. „und laßt uns Freunde sein!“ Zuerst verwehrt’ es Siegfried. Da – wie ein Sturmwind brach Siegfried in das Gewühl ein. Da stießen Lanzenspitzen in harten Schildesrand. Bis endlich im Gewühle es Siegfrieds Blick gelang. Sie zogen einen Streifen. Wußt’ er. Gern hätten sie wohl länger der letzten Schmach gewehrt. So hieb der Sachse hitzig. Berieten sich. Das Blut floß von den Sätteln. Den König selbst zu stellen – der sah. Im Prall der Waffen toste Gelärm und Fluch und Schrei. daß von dem Schild Der Schmuck der edlen Spangen flog hell erblitzend ins Gefild.35 Streitkühne Sachsen wehrten. Da gellte seine Stimme: „Siegfried hab’ ich erkannt! Den hat der Teufel selber uns hergeschickt ins Sachsenland! Gebt’s auf! Laßt ab vom Kampfe! Die Fähnlein ziehet ein! Gebt Frieden!“ bat er dringend. Ingrimmig fiel er Siegfried so an. von dessen Blitz so mancher blich. Daß von der Wucht der Schläge ins Knie fast brach sein Pferd. wie fürchterlich Der breite Balmung mähte. die Dänen hielten stand. Gefangene Geiseln folgten dem Lüdeger fünfhundert Mann. als ob’s ein roter Blutbach sei. Mutlos hinsinken ließen sie alle Schild und Schwert. und seine Zwölf ihm nach. Da schlugen Schwerterschneiden auf Helm und Eisenring. Doch als er auf des Gegners Erzschild die Krone sah. doch nahmen dann die Bedingung an. blindwütend mit dem Schwert. eh’ sich nicht Lüdeger Als Geisel ihm ergäbe. Dreimal durchkämpften quer sie den tiefen Menschendrang. dem sicheren Frieden zum Gewähr. 202–220 (219) . drin mancher Todeswunde hing. durch wen so heillos Verderben hier geschah.

Und wie es Freudebringern ja überall gebührt. mit Gold und Gaben gut dafür. Gernot? Wie all die andern Freunde? Blieb mancher draußen tot? Wer tat das Beste? Sage!“ Stolz hub der Bote an: „Wir hatten keinen Zagen und keinen pflichtvergessenen Mann! Doch. Begrüßte sie ihn freundlich: „Erzähl! Ich lohne dir. Es fehlte wenig. wie hohe Ehren man Und Sieg und Glück im Kampfe mit kühner Mannestat gewann. Die sollten dort die Freunde von ihrer Angst befrei’n Und frohe Meldung bringen. die im Krieg geschah’n. Weiß ich doch keinen. Die edlen Frau’n besonders erfragten unverwandt Das Schicksal ihrer Männer. Wenn du mir wahr berichtest. Königin. Die Kampfgenossen machten aus Siegfrieds Lob kein Hehl.36 Zum Aufbruch nach dem Rheine ging nun der Marschbefehl. daß sie ihm Sorg’ und Wunsch verriet. wenn ich treulich die volle Wahrheit sag’. Von all den Wundertaten die größten. Als Euren Gast. Wie schnell nun alle Sorge schwand! Auch Kriemhild einen Boten sich insgeheim beschied. Gernot entsandte schnelle Berittene an den Rhein. dem ihr Sinnen längst heimlich zugewendet war. den edlen Siegfried vom Niederland. 221–227 . den ich noch höher rühmen mag. Wie hielt im Kampfgewühle mein Bruder sich. daß in der tapferen Schar Ein Mann war. Die Knappen trabten fröhlich nach Haus. Er hatte mit den Seinen das Beste doch getan. Sie durfte ja nicht zeigen. In ihre Kemenate ward er sogleich geführt. Ihr Kriegsbericht Erheiterte am Rheine manch trauriges Gesicht. Im ernsten Kampf vollbrachte die größten Wunder seine Hand.

Und achtzig weitere trägt man verwundet hinterher. was sie von Siegfrieds Ruhm vernahm! „Fünfhundert Feinde folgen als Geiseln unserem Heer. des Reiter heut ein Weib beweint. Wohl mocht’ es Lüdeger schon längst verleidet sein. nur Schimpf an Leib und Ehr’. Die alte Ritterehre die Streiter von Burgund. Die Männer von dem Rheine hinstürmten in den Feind. so ehrenvoll es war.37 Was all die andern taten. Daß deinen Brüdern frevelnd er frech den Frieden aufgesagt. Sein Tatenruhm ist herrlich. edle Königin. Der Tronjer wie auch Gernots Gefährten hieben drein. und wenn auch todeswund. In Sturm und Angriff wahrten. Denn dies ist. des Kampfglück ein wahres Himmelswunder schien. Mit eigener Hand zwang Siegfried die Gegner in die Knie.“ Da ging durch Kriemhilds Antlitz das Glück in rosiger Gestalt. Leer wurde mancher Sattel. So männlich sie auch fochten – nichts ist es gegen ihn. Besiegt und als Gefangene führt man zum Rheine sie. Und mancher von den Feinden hat ihn darum verklagt. – das lohnt sich schon!“ 228–242 (241) .“ Wie lieb war Kriemhild alles. So gute Nachricht bringen zu reichen Frau’n. So sind die Friedensstörer in unserer Gewalt. Mit Recht erlitten beide schließlich mit ihrem Heer. Die Dänen und die Sachsen. das kühne Kämpferpaar. sein Kriegsglück wundersam. Und fröhlich sprach das Mädchen: „Willkommenen Bescheid Hast du gebracht. Wie Hagen stritt und Dankwart. Den Siegmundssohn. die beste Neuigkeit: Als Geiseln dienen beide zu unseres Friedens Sicherheit. Empfange zum Lohn ein reiches Kleid! Nimm dazu noch in Golde zehn Mark als Botenlohn.

Stolz nahten die Gesunden. Zu danken allen Freunden. Verbeult und arg durchlöchert die Schilde an der Hand.38 Es warteten am Fenster die Mädchen und die Frau’n. gab er in Pfleg’ und Hut. Nun schaffte man Quartiere. Da lief das Volk zusammen in lautem Überschwang Und scharte sich am Palas zu fröhlich-festlichem Empfang. zerhaun der Helme Rand. Ward still um sie getrauert. die im Streit Gefallen für die Heimat und ihre Sicherheit. Der Krieger frohe Heimkehr mit eigenem Aug’ zu schaun. das sollten selbst die Feinde sehn. das den Verlust entschädigen soll. dann die von Wunden krank. wie stets man tote Helden ehrt. Nur sechzig blieben draußen. daß gut und ehrenhaft Sie dort in hartem Kampfe ihm seinen schönsten Sieg verschafft.  [genießt. Fröhlich ritt König Gunther entgegen seinem Heer. „Behielt so edle Geiseln doch nie ein Fürst bisher.“ Das nun – Gott lohnt’s den Freunden! – mein Volk in reichem Maß „Wohl mögt Ihr ihnen danken!“ versetzte Lüdeger. Der König sorgte gut. Da nahten die Gesunden. Doch galt die erste Frage den Toten. Willkommen ihm zu bieten zur schönen Wiederkehr. Die schwerverwundet waren. Woll’n Lösegeld wir zahlen. vom Friedensglück gebüßt. Wie königlich er dachte. was Ihr getan habt. Es grüßte heller Zuruf und Jubel alle zum Empfang. Die Gäste ließ er reichlich nach Will’ und Wunsch versehn. Doch wird. Verfahret Ihr in Gnaden mit uns und ehrenvoll. Zu Lüdegast begann er: „Auch Ihr seid mir willkommen! Zwar hab’ ich schweren Schaden durch Eure Schuld genommen.“ 243–250 . doch. höchster Ehre wert.

daß nicht in Traurigkeit Der Frauen Tränen flossen. Die Meister der Arzneikunst versorgten gut und klug. Er bat und widerstand Und flehte ihn zu bleiben. daß keiner. der noch wund liegt. den Met und hellen Wein. Bis wir ihn einst entlassen!“ Darauf gab Lüdeger die Hand. sprach der König. er hätte nicht den Wunsch erfüllt. Da mochten Knecht und Knappen bei Scherz und Trunk wohl fröhlich sein! Die schwer zerhauenen Schilde. Doch wehrte Gunther innig. Und sann. daß jeder bleibt im Land. hielt er und bat vielmehr Zu bleiben. war doch viel eher not. die schaffte man beiseit’. Die schwer von Wunden litten.39 „Ich laß Euch“. wer es immer sei. die ihm den großen Sieg errang. wie ruhte es sich süß! Den Wunden gab man Betten und den Gesunden ließ Der König Labung reichen. das binnen sechs Wochen wir begehn! Manch einer. Nach Kampf und langem Marsche. 251–258 (254) .“ Da bat ihn auch um Urlaub Siegfried von Niederland. wie er am Ende noch schöneren Lohn und Dank Für ihre Treue fände. „gern Eurer Fesseln frei. wie man’s immer den Freunden sagt zur Ehr’. Auch seinen Gästen bot er verschwenderisch nun Gold und Gunst. Daß ihre heitere Miene kampfmüden Männern Tröstung bot. Wenn Ihr mir bürgt. Zu heilen gab’s genug! Mit reichem Solde lohnte der König ihre Kunst. wird dann gesund vom Bett erstehn. Die wieder heimwärts wollten. Da riet Herr Gernot dringend: „Laßt sie nur reiten jetzt! Doch sei für sie schon heute die Rückkehr festgesetzt Zu einem Fest. Doch hätte nicht Kriemhild In seinem eigenen Sinn gelegen. Die blutigen Sättel barg man. Sich seiner Haft entziehe.

Sie mühten sich geschäftig mit Nadel. so glücklich wie sein Traum gewähnt. mit Sorgen nicht zurückzustehn. Frau Ute auch benutzte vorsorglich noch die Zeit. Nun winkte die Erfüllung. Zulieb den Freunden wollte Gunther das Fest begehn. Kriemhild erfuhr mit Freude vom nahen Siegestag. Gewandt im Kampf. Nun galt’s auch für die Frauen. begierig nach hohem Siegespreis. ganz naher Zukunft lag. Zwirn und Band. wie er sie längst ersehnt. Zu nähen und zu fälteln an Kopfschmuck und Gewand! Dabei der stolzen Helden gedenkend. Auch Xanten sah er später.und Festgewand. ein Wunsch am Hofe fest. wie sie gern Gefallen möchten allen den edlen. Aus Liebe zu den Kindern ließ sie manch fleißige Hand Für Knappen und für Fremde herrichten Prunk. Die schöne Schwester hofft’ er zu sehn beim Siegesfest. Mädchen und Frau’n zu zieren mit Putz und Schmuck und Kleid. War doch für all die Gäste die weite Stadt noch viel zu klein. Schon übten sich die Knappen auf ihres Herrn Geheiß. 260–264 . Auch ließ er Zelte bauen vor Worms am grünen Rhein. ritterlichen Herrn. Der hoffnungsvoll in schöner.40 Nur ein Gedanke hielt ihn.

Die Kranken selbst entbehrten der anderen Mitleid kaum. Die Siechen auf dem Lager in ihrer Wunden Not. jung. Da standen Kamerad und Kampfgenoß. unübersehbar floß Der feierliche Festzug heran zur Burg. Die Kranken und die Wunden sah’n glücklich in den Glanz hinein. wie es mit Siegfrieds Herzen stand. Wie’s königliche Würde und feiner Sitte Zwang gebot. Sie durften fast vergessen. wie nah der Tod. Fünftausend oder mehr noch. Pfingstmorgen war’s. Prachtvoller Schilde Goldglanz. Wie Siegfried Kriemhild zum erstenmal sah Nun ritten alle Tage die edlen Gäste ein. wie sehr ihr Reiz die Welt entzückt’. wie hart. Ob er bisher sie niemals mit Augen je erblickt.41 V. und weit Ergoß in Hof und Palas sich Jubel rings und Fröhlichkeit. Nur daß er sagen hörte. den Jüngsten. Empfang der vielen Gäste. Indes die schönen Frauen wetteiferten in Zier und Kleid. Längst wußte Gunther. Mit Gold beschlagene Sättel auf Pferden feurig. Ihn wie auch Gernot ließen die Sorgen gar nicht ruhn. Das Fest in vollen Zügen mit zu genießen war ihr Traum. 265–272 (270) . Für Giselher. gab es nun viel zu tun. Zweiunddreißig Fürsten kamen an den Rhein. Bewirtung waren not. – So leuchtenden Gepränges begann das Fest am Rhein. Gute Quartiere waren zur Unterkunft bereit. der Hofgewänder Prunk. Wie Sinne er und Seele Kriemhilden zugewandt.

die vom Gemach herab Die Treppe niederstiegen. 273–280 . Wie gerne ward dieser Wunsch sogleich erfüllt! Vor ihren Schreinen prüften sie da das schönste Kleid. Gewiß. Borten und Zierat. in ihrem ganzen Reiz erschaun. künstlich runde. Was wäre Mannes Wonne. was Mädchen sonst im Sinne liegt. wählten lange. Armringe. noch unerfahrene Mann. Es hoffte mancher junge. als sei ganz eigens ihm dieses Glück beschert. der Reiz am schönen Weib! Erlaubt. alles. So stolzer Brauch war üblich an Gunthers Hof seit alter Zeit. – An hundert nah Verwandte – stand schon bereit und ging. Die schönen Frauen sähen auch ihn mit Neigung an. er tauschte gerne ein Königreich für sie. Dichtes Gedräng’ entstand. als stolzes Ehrgeleit. Sie suchten. bis eines lag bereit. wie mancher für sich in stiller Freude meint’! „Es soll geschehn!“ sprach Gunther. Das Schwert in jungen Händen. dann seid auf eins bedacht: Laßt uns zur Augenfreude die Mädchen und die Frau’n. Gunther ließ entbieten die Mutter und Kriemhild Mit ihren Frau’n. aus feinstem Gold gefügt. der’s gehört. Damit doch jedes Auge die herrlichen Gestalten fand. Und jeder. daß Eure Schwester hier unter uns erscheint!“ Der Rat war gut. Wenn nicht der Mädchen Zauber. an hundert wohl. umgab Die beiden Königinnen.42 Da riet ihm Ortwin: „Soll sich diesmal in vollster Pracht Das schöne Fest entfalten. Wie alle Augen glänzten! Sah’n sie die Schönen doch noch nie! Ein stattliches Gefolge auf König Gunthers Wink. was freute Seel’ und Leib. Ein Schwarm von schönen Frauen. War froh. Die Zierde Eures Hofes.

– so wunderlich. Wer wünschte. alles Schöne auf Erden möcht’ er sehn. Dich jemals zu gewinnen! Es war ein eitler Wahn. Und höher schwoll den Helden das Herz vom Glück. Von ihren roten Wangen erging ein zarter Schein. wie erstes Morgenrot Tritt aus den trüben Wolken. 281–288 (287) . Er dacht’ in seinem Sinne: „Wie töricht war der Plan. So wunderlich befangen stand er vor Kriemhilds Lieblichkeit. Siegfried stand tief betroffen. als Schmuck und Edelstein. Ihr seid in seiner Schuld. Wie der Mond. das auf ein Pergament Ein großer Meister malte. so herrlich war sie anzusehn. – das mußte jeder zugestehn. sah sie stehn. vor den Sternen steht. Wie mild sein reines Leuchten durch die Wolken geht. Daß jeder in ihr Antlitz nur einen Blick gewann. Muß ich dich aber meiden. So stand nun Siegmunds Sohn da. Es gäbe keinen Helden wie den. Und wie ein schönes Wunder. So kam sie gleichen Glanzes. so schön und wunderbar. Von allen Seiten drängten die Ritter sich heran. Da endete die Not! Der sie so lang im Herzen getragen. Froh war ihm und doch leid. Es wandte sich an Gunther Gernot mit gutem Rat: „Gedenket jetzt an Siegfried. der helle. ein schönes. dann wär’ ich lieber tot!“ In solcherlei Gedanken ward seine Wange blaß und rot. sie anzuschaun. als ständ’ Ein Bildnis da. wovon man sagte zwar.43 Da nahte nun die Jungfrau. Hier war das Allerschönste. umringt von ihren Frau’n. der so viel für Euch tat Und Euch so treu gedient hat. Erweist vor allen Leuten zum Dank ihm heute Eure Huld. Ein schöner Leuchten schien es.

Ward eine weiße Hand da wohl liebevoll gedrückt? Ich weiß nicht. Sie soll den Helden grüßen zu unserem Nutz und Dank! Die niemals Blick und Rede noch einem Mann gewährt. Wie freudig schritten beide.“ Er neigte tief sich. Kriemhild soll Euch empfangen. vertraulich ging an seiner Hand. Doch heimlich.“ Da zuckte jähe Freude Siegfried durch Herz und Sinn. wie man anders es nicht vor fremden Leuten kann. und gaben ihm bekannt: „Der König läßt Euch bitten. Als Siegfrieds Freude brannte.“ Es gingen einige Männer. die Gunther nah verwandt. Da stieg in seine Wangen ein glühend heller Brand. was ihn bedrückt’. wie Kriemhild ihm ihre Zuneigung bewies. der vor ihr in edlem Stolze stand. Doch kann ich mir nicht denken. wir werden nur um so mehr ihm lieb und wert. mag junges Maiengrün Ein junges Herz berauschen – nicht freudiger kann’s erglühn. Zu erfahren ist es mir nicht geglückt. Die schöne Kriemhild sagte: „Seid recht willkommen mir!“ – Wie ward er froh! – „Man rühmt Euch. Denn Euch zu ehren.44 Laßt Siegfried freundlich bitten zu Kriemhild zum Empfang. als hielte sie ein Band! Mit lieben Blicken sahen sie eins das andere an. was ihn schmerzte. da er den Blick verstand. dahin. Sie sah ihn an. daß man es unterließ. 289–295 . Denn deutlich war’s. Nun Kriemhild. Zu Siegfried. ist sein Plan. ihm und dem Hof zu nah’n. ihn zu laden. Mag Sommerluft entzücken. Gütig ergriff sie seine Hand. ein tapferer Ritter wäret Ihr. die Ersehnte. Wenn sie ihm dankt. Verflogen. Vor Utes schönem Kinde zu stehn – nun war’s so weit! – Die Liebliche begrüßt’ ihn mit aller höfischen Sittsamkeit.

Man sagt.45 Im stillen dachte mancher: „Ei. Der Dänenkönig aber sprach nachdenklich für sich: „Um dieses Kusses willen mancher von uns erblich Mir zu Verlust und Schaden von Siegfrieds starker Hand. Siegfried stand an der Tür. daß ihm nach Wunsch und Wahn Die Liebliche geneigt war. „Das lohn’ Euch Gott. ging ich ebenso An ihrer Hand wie Siegfried. „Ihr habt’s verdient. fürwahr!“ So lieblich anzusehen. der längst er herzlich zugetan! Kriemhild verließ das Münster. Gott mag verhüten. Auf schöneren Dank für Siegfried ging Gunthers Wunsch und Sinn: Zum Kusse reichte Kriemhild ihm ihre Lippen hin. Er dachte seines Glückes wahrlich mit tiefem Dank. Siegfried führte Kriemhild bis an den Dom heran. was er da empfand. den er errang. Wie selig sein Geschick sei. so fürstlich schritt das junge Paar. Wie es der Brauch verlangte. Aus ihrem Mund erhielt er nun erst den vollen Dank Für seine Freundeshilfe und für den Sieg. daß er je Wiederkehr’ in unser Land!“ In feierlichem Zuge hob nun der Kirchgang an. Herr Siegfried!“ So sprach das schöne Kind. Da hing ein jedes Auge an ihnen wie gebannt. Doch konnt’ er kaum erwarten den frohen Schlußgesang. daß alle hier Eure Freunde sind. Und zum Geleit beschied man ihn wiederum zu ihr. Dann trennten sich die Frauen und Männer an der Tür. So schied auch Siegfried dort von ihr. – des Glückes wär’ ich froh! Den Arm um sie zu legen – das ließ ich nicht. Das Süßeste der Erde schien Siegfried. daß Eure Treue ihr ganzes Herz gewann!“ Mit freudehellen Augen blickt’ er die junge Kriemhild an: 296–303 (299) .

nichts fehlte. im Traum der alten Kraft Vergnügten hinter Schilden sich schon am Spiel mit Schwert und Schaft. und ich am Leben bin. Fröhlichkeit Erfüllten Gunthers Halle und Hof die ganze Zeit.46 „Ich diene ihnen gerne. Spiele. Vergnügen.“ Geheilt war Lüdegast. die Kämpfer grüßend. Herrliche Freuden. noch kein Verlangen trag’. das ist not. Traf manchen lieben Freund doch von Euren Kämpfern früher Tod. drum verschmäht Nicht meine Gastgeschenke. Was einer wünschen mochte. mein Haupt zu ruhen. Sei Eure Huld. Da ich. Hier drinnen und da draußen gab man mit Herz und Sinn In hochgemuter Stimmung sich allen Festeswonnen hin. wie sich’s schickt. Selbst die verwundet waren. Denn wahrlich. Siegfried zu Lieb’ und Ehre und Dank geschah’s geflissentlich. Die Erde von Burgund Barg viele tote Feinde. so lange ich’s vermag. genesen und gesund War auch der Sachsenkönig. ging Gunther durch den Saal: „Ich muß euch ewig danken. wie nicht eines je von dem anderen wich. wenn ihr zum Abschied von mir geht!“ Es baten ihn die Dänen: „Wir sind darauf gefaßt. Die schönsten Speisen boten die Köche auf beim Mahl. und jeder war beglückt. Indes. So lange sie mich brauchen. Doch König Gunther tat Nichts ohne Siegfried. einzig mein Gewinn!“ Zwölf ganze Tage blieben sie sich einander nah Im Kreise der Verwandten. Ortwin und Hagen sorgten. Eh’ Ihr uns in die Freiheit. hochedle Frau Kriemhild. Ein Friedenspfand zu bieten. ins Heimatland entlaßt. Zwölf schöne Tage sah Man beide. Dringend bat er auch jetzt um seinen Rat. ihr Freunde. 304–312 .

47
„Was soll ich tun? Die Feinde versprechen Lösegeld,
Fünfhundert Pferdelasten an Gold, wenn mir’s gefällt,
Sie frei und los zu lassen.“ Kaum, daß er sich besann,
Gab Siegfried fest zur Antwort: „Der Handel stünd’ uns übel an!
Laßt ledig die Gefangenen von hinnen ziehn nach Haus,
Auch ohne Geld. Nur eines bedingt Euch dafür aus:
Zusagen sollen beide, daß niemals Euer Land
Sie je wieder befehden, und dies versprechen in die Hand!“
„Den Rat will ich befolgen.“ Damit ging er und sprach:
„Dem Gold, das ihr uns bietet, – wir fragen nichts danach.
Versprecht es in die Hand mir, daß ihr den Frieden wahrt.
Dann lenkt zur Heimat wieder, die euch erwartet, eure Fahrt!“
Abschied erbaten endlich die Gäste. Von Kriemhild
Und Ute nahmen Urlaub sie alle dankerfüllt.
Die Zelte wurden stille, die Kammern mählich leer.
Nur die Verwandten blieben vereint zu freundlichem Verkehr.
Urlaub erbat auch Siegfried. Er tat es aus Verzicht,
Denn wonach er verlangte, zu halten wagt’ er’s nicht.
Als Gunther seine Absicht, er wolle fort, vernahm,
Da sandt’ er Giselher, der eilends ihn zu bitten kam.
Da Siegfried schon zur Reise bereit, drang ungestüm
Giselher der junge in ihn und sprach zu ihm:
„Wohin willst du schon reiten? Nein, edler Siegfried, bleib!
Wir würden dich vermissen, wir Freunde und manch schönes Weib!“
Da sagte Siegfried: „Stellt nur die Rosse wieder ein!
Ich reite nicht! Wir wollen noch froh beisammen sein.
Bergt auch die Schilde. Fern sei noch unser Abschiedstag.“
Was doch ein Wort des Freundes, wie Giselher es sprach, vermag!

313–322 (317)

48
So blieb der Held am Rheine. War ihm doch nirgendwo
Das Herz wie hier so sorglos, so leicht und lebensfroh.
Es hielten ihn die Freunde, treu brüderlich gesinnt,
Ihn zwang mit seinem Zauber das schöne königliche Kind.
Wenn man bei Spiel und Kurzweil fröhlich die Zeit vertrieb,
Sah er ihr Antlitz täglich, sie wurde ihm so lieb,
Daß Seel und Sinn’ ihm glühten in immer neuer Not.
Um ihretwillen sank er dereinst in jammervollen Tod.

323–324

49

VI. Wie Gunther zur Brünnhild nach Island fuhr
Weit über fernem Meere saß eine Königin,
Nie sah man ihresgleichen so kühn als Kämpferin,
Zwar makellos an Schönheit, doch maßlos auch an Kraft.
Wer um sie warb, dem wehrte sie kampfbereit und heldenhaft.
Sie schleuderte die Lanze, fernhin warf sie den Stein
Und sprang ihm nach. Gewinnen erst konnte sie allein,
Wer über sie im Dreikampf Herr ward. Wer sie nicht zwang,
Wer nur ein Spiel verloren, büßt’ mit dem Kopfe seinen Drang.
Es sagte König Gunther: „Wie es mir auch ergeh’,
Nach Brünnhild, dieser Königin, fahr’ ich über See.
Um ihrer Liebe willen wag ich daran den Leib,
Den will ich eh’ verlieren, wird jene Brünnhild nicht mein Weib.“
„Das widerrat’ ich“, sagte Siegfried, „denn furchtbar ist
Ihr wilder Brauch, wenn einer zu werben sich vermißt.
Wer Liebe von ihr fordert, der spielt ein hohes Spiel.
Daher gebt’s auf. Ich rate Euch ab. Ihr wagt dabei zuviel!“
Doch Hagen meinte: „Siegfried mag helfen. Denn er kennt
Brünnhilde; er bringt fertig, was ihr allein nicht könnt!“
So bat ihn Gunther offen: „Ich wage Ehr’ und Leib,
Wenn du mir beistehst, werb’ ich um jenes herrlich-kühne Weib.“
„Ich will es tun“, sprach Siegfried, „gibst du zum Lohn dafür
als Gattin deine Schwester, die schöne Kriemhild, mir.
Denn wisse, daß ich sonst nichts und keinen Dank begehr’,
Wird sie nach Kampf und Mühsal mein Weib bei unserer Wiederkehr.“

326–333 (325, 328)

50
„Das will ich dir in Treuen geloben in die Hand!“
Sprach Gunther. „Kommt die schöne Brünnhilde hier ins Land,
So will ich gern die Schwester dir zum Weibe geben.
Dann magst du mit der Schönen dereinst in reinem Glücke leben.“
Mit Handschlag und mit Eiden beschworen sie den Bund.
Noch stand viel Not dazwischen, eh’ sie heim nach Burgund
Die schöne Brünnhild brachten, viel Sorge, eh’s gelang,
Und er im harten Kampfe die Heldenkönigin bezwang.
Nun rüstete man sorglich die weite Meeresfahrt.
Die Kappe, die den Träger vor jedem Blick verwahrt
Und ihm zu seiner Stärke Zwölf-Männer-Kraft verleiht,
Von Alberich erbeutet, hielt Siegfried klug im Schiff bereit.
„Uns folgen zur Begleitung an dreißigtausend Mann,
Daß ich mit vollen Ehren vor ihr bestehen kann!“
So meinte König Gunther. Doch Siegfried widerriet:
„Ihr Brauch ist so, daß keiner jemals die Heimat wiedersieht.
Wir ziehn nach Ritterweise des Rheines Lauf zutal,
Mit wenigen Gefährten anstatt der großen Zahl.
Nimm Dankwart mit und Hagen! Nicht mehr! Allein wir vier –
Was dann auch kommen möge, – die Königsbraut gewinnen wir.“
Auf ihres Bruders Bitte war Kriemhild gleich bereit,
Zu nähen und zu schmücken Gewand und Wams und Kleid,
Daß sie, so ausgestattet, in Brünnhilds Land zu Gast
Erschienen, wie sich’s ziemte und für Burgundenkönige paßt.
Sie nahm arabische Seide, so weiß wie frischer Schnee,
Dazu noch Zasamanker, grasgrün wie junger Klee.
Gefüttert mit den Häuten von Fischen, und zuletzt
Mit schönen Edelsteinen, wie Feuer blitzend, reich besetzt.

334–363

51
Libysche, marokkanische Gewänder, farbig bunt,
Mit kohlenschwarzer Seide verbrämt als dunklem Grund,
Denn Hermelin erschien ihr daneben zu gering.
Wie gern die Schwester sorgte und liebevoll zu Werke ging!
Nun kam die Abschiedsstunde. Gar nahe ging es ihr.
Sie sagte: „Lieber Bruder, warum ersehnst du dir
Ein Glück in fernster Weite? Du fändest in der Näh
Auch eine edle Gattin, von der dir nicht Gefahr geschah.“
Und Siegfried bat sie: „Laßt ihn Euch anbefohlen sein!
Ihr seid so treu und tüchtig und Ihr vermögt allein,
Vor Schaden ihn zu hüten in Brünnhilds rauhem Land!“
Der Held versprach’s und reichte ihr zum Gelöbnis seine Hand:
„So lang ich lebe“, sagt’ er, „braucht Ihr, vieledle Frau,
Euch nicht zu sorgen. Bleibt nur getrost! Denn ich vertrau’,
Gesund bring’ ich den Bruder zum Rheine sicherlich.
Ihr könnt fest auf mich bauen!“ Da neigte sie zum Danke sich.
Nun brachte man die Waffen, die Rüstung, das Gewand,
Schilde mit rotem Golde hinab zum Ufersand.
Sie zogen ihre Rosse ins Schiff. Die Fahrt begann,
Und manche Abschiedsträne aus schönen Frauenaugen rann.
Im Fenster stehend winkte hinab manch lieblich Kind,
Bis prall die Segel schwollen, gefüllt von günstigem Wind.
Der trug die Fahrtgenossen hinab den hellen Rhein,
Der König Gunther fragte: „Wer soll jetzt Schiffmeister sein?“
Siegfried erbot sich: „Wie es hier steht mit Flut und Sand,
Der Lauf der Wasserstraßen ist mir gar gut bekannt!“
Er griff zur Stange. Kundig und kraftvoll hielt er ab.
Gunther nahm selbst ein Ruder, leicht glitt das Schiff den Strom hinab.

364–379 (367–371, 373)

52
Sie waren wohl versehen mit Speisen und mit Wein,
Gewächs vom allerbesten im ganzen Land am Rhein.
Das Schiff lief glatt und ruhig. Am breiten Steven war
Für die vier edlen Pferde Gelaß und sicheres Verwahr.
Von günstigem Wind getrieben, sah’n sie am zwölften Tag
Brünnhildes Land. Am hohen Steiluferrande lag
Der Isenstein, auf Felsen die Feste, sturmumtobt,
Siegfried bekannt seit langem, der früher schon die Fahrt erprobt.
So gab auf Gunthers Fragen er gut Bescheid: „Das Land,
So weit Ihr seht, ist Brünnhilds, und jene steile Wand,
Gekrönt mit Burg und Türmen, das ist der Isenstein.
Dort landen wir. Noch heute wird unsere Fahrt zu Ende sein.
Doch rate ich, wir kommen fest überein darin,
Wir sagen, daß ich Gunthers Vasall und Lehnsmann bin,
Und er mein Herr.“ Sie dachten noch nicht an Not und Schuld.
Und sagten’s zu. Vor Gunther stand nur der schönen Königin Huld
„Um deiner Freundschaft willen“, sprach Siegfried, „tu’ ich’s nicht.
Nur deiner Schwester wegen gelob ich Dienst und Pflicht.
Wie meine eigene Seele ruht tief ihr Bild in mir,
Als wären eins wir beide; nur darum dien und helf ich dir.“

380–388 (381)

Die neugierig von droben zu uns ins Schiff hernieder schaun?“ Da sagte Siegfried: „Wählet und sucht im stillen die. die Mädchen sollten nicht Hinab vom Fenster gaffen den Fremden ins Gesicht.“ Wie sie dort stand. Nach der sich deine Seele. „ich will’s tun“. Dahinter sich zu bergen und doch zu schaun der Helden Zug.“ „Es gab dein helles Auge der Wahl ein gut Geleit. Es ist die edle Brünnhild. dein Herz und Sinn gesehnt. „In jenem hohen Fenster dort seh’ ich eine stehn In schneeweißem Gewande. Dann suchten im geheimen sie Fenster. Sie wichen zwar gehorsam. Schon auf den ersten Blick hin – die nähm’ ich. doch wie berichtet ward. Sie putzten sich und schmückten erst zierlich Haar und Brust. die schöne Königsmaid. schon war’s der Burg so nah. Und ließ die Blicke forschend auf den Gesichtern droben ruhn. Die Königin ließ gebieten.53 VII. sein höchster Wunsch gekrönt. Sie fanden einen Ausweg. wäre sie In Eure Macht gegeben!“ – „Gut“. wie es der klugen Frauen Art. schien alles erfüllt. Daß man im Fensterrahmen manch schönes Mädchen sah. sprach er. Der König fragte Siegfried: „Wer sind die schönen Frau’n. Wie Gunther Brünnhilde gewann Das Schiff kam schnell geschwommen. 389–395 . Die ist so einzig schön. schmal genug. hätt’ ich die Gewalt. Sie zieht mein Auge lockend auf ihre Wunschgestalt. Was hübsche Mädchen immer für Fremde tun mit Lust. Zu der die eigene Neigung Euch zöge.

Wie Siegfried an dem Zügel ein Roß zog auf den Sand. Im Fensterrahmen stehend. Sie ließen sorglos liegen ihr Schifflein in dem Sand Und ritten aufwärts. stahlglänzend. So ritten sie ins Land ein. Lichtweiß wie Schnee die Rosse. Man hörte. gut bewehrt. der nur die Fremden trog – Wie er dem König Gunther den Bügel hielt. Als Herr erschien er dadurch und Siegfried nur von niederem Rang. wo die Burg auf Felsenhöhen stand. wie es ihr Ritterstolz gewollt. 396–403 . Nur ganz von rabenschwarzer Stahlrüstung streng verhüllt. Am Sattel blitzten Steine. Prunkend auch sie im Schmucke. Metallene Schilder glänzten an ihrer linken Hand. Gleich herrlich beide Männer und beide gleich an Art und Stand. glänzend schwarzen Schild. Und jeder trug am Arme den breiten. Zur Seite bis zum Sporne hinab das Ritterschwert. Worauf sich König Gunther leicht in den Sattel schwang. Erspähten es die Mädchen dort oben und die hohe Frau. Umleuchteten von Helmrand und Rüstung ihr Gesicht. Hagen und Dankwart ritten langsamer hinterdrein. Indische Steine. Von Zaun und Riemen läutend. Wie er sein eigenes Roß dann heraus ans Ufer zog.54 Nun sah’n sie. gelbrot von lichtem Gold. schwankend beim Rosseschritt im Licht. – Ein Dienst. ein hehres schönes Frauenbild. ein ungewohnter. wie im Gang Der Pferde zierlich leise ein Spiel von Glöckchen klang. schneeweiß ihr Ritterkleid Ganz gleich gewandet ritten sie hin den Weg zu zweit. in stolzem Waffenschein. Von reichem Zierrat leuchtend – das alles sah Brünnhild. wie vier Ritter anlegten an das Land. genau. Mit neu geschliffenen Speeren.

die Sitte bleibe hier gewahrt. Gebührend zu empfangen die Gäste in der Herrin Land. Weit offen Tor und Türen. Sie fragte. Doch schauten alle einzig nach jenen stolzen Fremden aus. „Man hat am Isensteine von je den Brauch gehegt. woher sie kämen wohl der Fahrt. Stattlich und gut gerüstet. Der gleicht dem edlen Siegfried. stand. der höflich die Pferdezügel nahm. die heut in voller Wehr Ins Tor geritten kamen? Wes Freundschaft lockt sie her?“ Da sagte eins der Mädchen: „Nur einer scheint bekannt. „Wer sind die fremden Ritter. Dann bot man Wein zum Willkomm den Gästen freundlich an. Wohl gingen Brünnhilds Männer geschmückt durch Hof und Haus. Empfangt ihn freundlich hier im Land! 404–411 . Ein hoher Saal von edlem grasgrünem Marmorstein Schloß die Gemächer Brünnhilds und ihrer Dienerinnen ein. daß drunten Männer gelandet sei’n. doch fremd am Isenstein.55 Von sechsundachtzig Türmen sah’n sie ein weites Rund. Ganz herrrlich anzuschauen. wer sie seien. Brünnhild erfuhr. Eifrig entgegen kam Ein Dienerschwarm. Und dienstbereit. gewiß fürstlicher Art. Die Brünnen auch!“ Doch Hagen lehnt’ ab: „Das sei verwehrt! Die tragen wir stets selber. Das ist so unsere Art!“ Doch Siegfried mahnte dringend. Gelaß und Ruhstatt wiesen sie Roß und Rittersmann. Doch war es nicht nach Hagens Sinn. Ein Kämmerer sagte: „Reicht mir die Gere und das Schwert. Drin drei Paläste ragten auf grauem Felsengrund. So fügt euch dieser Sitte und gebt sie willig hin!“ Darauf gab man die Waffen. Daß nie ein Gast die Waffen behält und bei sich trägt. die Schilde vom Arm zu nehmen.

ein Herrscher könnt’ er sein. so sprach sie. ist stattlich von Gestalt. Und funkeln Zorn. das stünde ihm wohl an. edle Königin. Auf standen von den Sitzen vor ihr die Herren von Burgund. kostet es leicht ihn Blut und Leib! Mir ist noch nicht so bange.56 Der zweite der Gefährten. Doch seine Augen blitzen furchtbar und eiseskalt. Ein Mann – und dennoch zierlich. so grimmig. „Siegfried“. wie es verlangt die Gastlichkeit. dem möcht’ es schlimm ergehn. was Brünnhild da bewegt’. Er überprunkt sie alle. „seid mir willkommen hier im Land! Wie kam’s. Von züchtig-edler Haltung und herrlich anzusehn. und kam er in das Land. Und doch ein Held. befürcht’ ich. ist der düstere Gast. – so würdig schaut er drein. herrlich im Reiz von Schmuck und Kleid. er scheint ein königlicher Mann! Der dritte. Zu stattlichem Geleite Männer vom Isenland. die Schwerter in der Hand. Verletzt ihn ein Feind. Dann schritt sie mit den Jungfrau’n – an hundert mochten’s sein – Hinab die Stufen. An ihrer Seite gingen. Der erste Blick der Königin traf Siegfried. Das gab nichts Gutes kund. als sei ihm die ganze Welt verhaßt. So schwarz sein Kleid. Wenn ihm die Macht gehörte. Gebieter weiter Länder. daß Euer Schiff lein zum Isenstein die Wege fand?“ 412–419 (415) . daß ich freiwillig werd’ sein Weib. fast wie nach Mädchenart. Fünfhundert oder mehr noch. – nun ihr mögt Neugierig sein.“ In kostbare Gewänder hüllte man Brünnhild ein. Der jüngste unter ihnen scheint milde mir und zart.“ Die Königin rief den Mädchen: „Nun bringt mir mein Gewand! Ist Siegfried jener Fremde. zu hören. Mich zu gewinnen. Die Fremden zu begrüßen.

dann werde ich sein Weib. daß er ein Mädchen. denn ihn verehre ich Als meinen Herrn und König. Bedenket.“ 420–426 . worauf die Königin sann. Jedoch wenn ich obsiege. edle Frau. denn Ehre und Leben hängt daran. Darum gedenkt und wißt. Daß Euer Gruß und Willkomm zu hohe Ehre für mich ist. folg’ er in weitem Sprung. daß Ihr gefährlich seid? Es müßte arg schon kommen. heran. Glaubt mir. Bedenkt es recht. Er hat den Zug befohlen nach seiner kühnen Art. so schön wie Ihr. und auch der Sieg im Spiel sind mein. zu entgegnen beherzt nach seinem Sinn. vermieden hätt ich gern die Fahrt. Seid nicht zu schnell!“ So schlimm war. Wagt er sich an das Kampfspiel. Weithin waltet als König er. unbeugsam hält. Er sollte ohne Sorge vor ihrer Drohung sein. bist du sein Eigenmann. wie ich es lieb’. wie auch das Los ihm fällt. Er will die Werbung wagen. ließ Euch mein Herr den Preis.57 „Zu gnädig seid Ihr. Sein Nam’ ist Gunther. Hätt ich’s im weigern können. Fürstin. Erst prüfen wir im Schießen den Ger mit hartem Schwung. „Ich schütze Euch! Die Klugheit. Der kühne Siegfried wandte sich leis zu Gunther hin Und bat ihn. daß mein Herr. den er geworfen. Bescheid! Was spielt Ihr denn so Schlimmes. so geht’s euch allen an den Leib!“ Da sprach Hagen von Tronje: „Gebt. Und meistert mich im Siege.“ Sie sprach: „Ist er Gebieter. nennt Euer Willkomm mich Zuerst vor diesem Edlen. zu zwingen weiß. was er beschloß.“ „Dem Stein. Was soll ich sagen mehr? Um Euretwillen fuhren wir drei mit ihm hierher. Gewann er Eure Liebe. entbehrte er nichts mehr. Er ist am Rhein geboren.

Nun war er für Menschenaugen unsichtbar. siegt Ihr und werdet Ihr nicht mein!“ Auf diese Worte Gunthers befahl sie schnell das Spiel. heldischen Art gefiel. edle Königin. Er griff die Zauberhülle. und eilig brachte man Den starken Schild und legt’ ihr zuletzt die goldene Brünne an. harrend auf ihrer Königin Wink. Das hohe Spiel erwartend. Sie alle gut bewaffnet. sieben mal hundert oder mehr. So leuchtend in der Rüstung stand kühn und kampfbereit Brünnhild. Versammelt schon im Ring Fand er die Männer. Dann stieg er eilends aufwärts. und ungesehen trat Er unter sie. das nie Bisher ein Schwert durchschnitten. Sie sagten: „Nun erweist sich’s wie uns die schlimme Fahrt mißriet. Zu richten. wem gebühre zu Recht des Kampfes Siegespreis. was er trieb und tat. doch keiner bemerkte. Nun steckte man den Platz ab. Wie’s ihrer seltsam strengen. Doch sei Euch nicht verhehlt: Verlangt die schwerste Probe. darin im Rund umher Die Männer standen.“ Doch Siegfried war inzwischen. und schimmernd schlang um sie Sich bunte lybische Seide. Hagen und Dankwart dachten betrübt: Das geht nicht gut! Die Sorge um den König bedrückte ihr Gemüt.58 Da sprach der König Gunther: „Auf. Die Brust umschloß von Seide ein Waffenhemd. Das Haupt will ich verlieren. 427–433 . eh’ jemand es noch sah. Den Gästen drohte mancher in Spaß und Übermut. wählt Nach Eurem Wunsch die Spiele. Rief nach dem Waffenkleide. Hinabgeeilt zum Schiffe. ein wahrer Kennerkreis. ich setze alles ein. die drin verborgen war Und schlüpft’ hinein. mit Borten reich umhüllt. das lag dem Ufer nah.

wie mühsam man trug den mächtigen Schild. Ein ungefüges Ding war’s. Der Schaft war lang und schwer. Die ihn zum Platze trugen. Schon kamen ihre Diener. man daran messen kann: Viertehalb Lasten Erzes verschmolz ein Schmied daran. die hielten griffbereit Den Schild von rotem Golde. Da sprach der Tronjer warnend. wie man erzählte. wenn es ihr nur gefällt. 439) . Geschah’s. wie wuchtig. war jedem Arm zu schwer. Der mit stahlharten Spangen zum Schutz umschmiedet war. Genügten doch drei Leute zum Tragen kaum. Mit dem sie schoß im Kampfe. Wie schwer er war. daß seine Schneide stahlscharf des Gegners Schild durchschnitt. und wenn sie warf damit. König Gunther? Es geht um Seel’ und Leib! Die Ihr zu werben dachtet – gebt’s auf! – die ist des Teufels Weib!“ Nun brachten ihre Leute der Königin den Ger. Die Liebliche! – So spielte sie kühn mit Not und Todgefahr. Wie bang Ward Gunther im Gedanken an seinen nahen. Denn unter seinem Buckel maß fast drei Spannen er. aus allem Waffenprunk Sah fraulich zart ihr Antlitz mit Wangen licht und mädchenjung. vier Männer beugt’ er fast. Als Hagen sah. Und doch – aus ihrer Rüstung. Wie sie dort drohend stand. von grimmiger Wut erfüllt: „Was wird nun. Von Stahl und reichem Golde. schweren Gang! „Wie soll das Spiel sich enden. Aus seiner Hölle! Wär’ ich zu Hause nur am Rhein! Vor meiner Liebe sollte sie noch lange sicher sein!“ 434–442 (436. gewaltig lang und breit. Schien sie bereit zum Kampfe um aller Könige Land. ist’s mit ihr so bestellt? Den Teufel selber treibt sie. So übergroß war seine Last.59 Gewaffnet kam die Königin. Der Schild.

60 Da sagte Hagens Bruder Dankwart: „Wie es mich reut. – fürwahr. Und über ihre Achsel sah sie ihn lächelnd an: „Wenn der sich so erdreistet. Und Hagen auch das seine! Den übermütigen Hohn Brünnhilds und ihrer Mannen. „Nun mag das Spiel beginnen. wir mäßigten ihn schon! Und hätt’ ich tausend Eide geschworen. In Schande enden wir In diesem Land und fallen schmachvoll von Weiberhänden hier. Ein schwerer Stein ward mühsam jetzt in den Ring geschafft. wie Brünnhild es gebot. so lang ich und mein Schwert dabei!“ Noch stärker offenbarte sich Brünnhilds mächtige Kraft. wie hoch der Einsatz sei! Gunther bleibt unbezwungen.“ „Noch könnten wir in Freiheit verlassen Hof und Land. erlebt’ ich’s. Eh tötet’ ich die Jungfrau. sprach Hagen. daß er hier sterben müßt’. was Hagen sprach und sann. doch wie ein Felsen kantig und ungestalt. sagt’ ich doch Den Frieden auf! Und wahrlich – vielleicht geschieht es noch! Mein lieber Herr –.“ Die edle Frau vernahm es. so kühner Art sich dünkt. Sorgt. Wär’ ich doch nie gekommen in dieses fremde Land! Hätt’ ich mein Waffenzeug erst wieder in der Hand. 443–449 . Am Hohn des stolzen Weibes hätt’ ich sein Eisen gern bewährt. Hätten wir“. Rundlich. so hehr und wunderschön sie ist. daß man ihm und Dankwart die scharfen Waffen wiederbringt!“ Als er sein Schwert erhalten. Kaum wälzten ihn zwölf Männer heran mit äußerster Gewalt. Daß wir zu diesem Hofe die Reise nicht gescheut! Man kannte uns als Helden. Da wurde Dankwarts Wange in heller Freude rot. „die Rüstung bei der Hand. Und für den schlimmsten Fall auch noch unser gutes Schwert.

daß einer heimlich bei ihm stand. Gar wenig von dem Ruhme gewinnt die Königin dann. ihr wilder Wunsch doch geht. Hätt’ Siegfried nicht geholfen. Und merke. Erschrocken fühlte Gunther. 450–456 . wenn im Kampfe der Ger verschossen war. Er prallte auf den Schild ihm. das Werk tu ich!“ Nun er den Helfer kannte. Sieh hin. wuchs schrecklich die Gefahr. faßt’ er ein Herz und freute sich. „Verhehle unsere Schlauheit vor ihr und jedermann. was ins Ohr ich dir verstohlen sag: Du übst nur die Gebärde zum Schein. „ein Liebchen hold und traut! Der Teufel in der Hölle. Siegfried. Nun. doch der lag schutzbereit In Siegfrieds Faust zur Abwehr und hielt dem Stoße stand. es war doch niemand da. Sie griff den Schild und hob ihn leicht auf mit einer Hand Und zückte mit der andern den stahlbewehrten Ger. so wäre es geschehn. Vom Stahle sprangen Funken wie ein vom Wind geschürter Brand.61 Den warf sie. der sollte wählen sie zur Braut!“ Hinauf an weißen Armen Brünnhild die Ärmel wand. wie hart das Spiel und schwer. schien es den Burgunden. als Freund steh ich bei dir Und helf dir gegen Brünnhild. „Was rührte meine Hand an?“ fragt’ er sich und sah Und dreht sich um und merkte. daß ich allein ihn trag. Da hört’ er leis: „Ich. Siegfried griff ungesehen zum Trost nach seiner Hand. „Wahrhaftig!“ sagte Hagen. Man hätte Gunther schmählich am End’ erliegen sehn. Gunther und Siegfried ahnten nun doch. Nur Mut! Hab keine Angst vor ihr! Den Schild gib mir zu Händen. Wonach ihr harter Wille. wie sorglos drüben die kriegerische Jungfrau steht!“ Nun griff zum Ger und warf ihn die heldenhafte Maid.

Dann sprang sie mit mächtigem Satze hinterdrein Ihr Kleid erklang vom Sprunge. Daß von dem Stoß und Pralle ein krachend-heller Klang entstand. „Für diesen Gerschuß. zoll’ ich dir Lob und Dank!“ Sie rief’s im Wahn. Aus ihrem Panzer stob es. Dann warf er mit dem Schafte. sie ist zu schön!“ So wandte er die Spitze. Ohne die Zauberhülle. gedrungen in den Schild. In zorniger Erbitterung erglühte ihre Wang’. Der Wurf und Schuß war gut Und warf mit seiner Wucht sie nach rückwärts in den Sand. war er in grimmem Zorn gewillt. Sie griff den Stein und wog ihn. von Gunther allein käm’ das Geschoß. als schürt’ ein Wind die Glut. Doch Brünnhild. schnell auf die Füße sprang. daß ihm beistand ein überstarker Kampfgenoß. Er lag zum Schein In Gunthers Hand.62 Zwar brach die harte Spitze scharf durch den erzenen Schild. doch Siegfried erhob und trug ihn ganz allein. Noch weiter sprang die Maid. Zwar troff aus Siegfrieds Munde das Blut. Den Schuß ihr heimzuzahlen. dann hob sie ihn und schwang Mit urgewaltigem Stoße ihn in die Luft hinein. Die Panzerringe lohten von Funken eingehüllt. Man sah. 457–463 . Da ging und holte Siegfried den Block. doch unverzagt Sprang er nach vorn. kaum am Boden. Gunther. – sie lebten beide schon nicht mehr. Der traf auf ihr Gewand. Doch dacht’ er: „Schießen will ich ihn nicht. Nicht ahnend. der selbst das Schwerste wagt. zwölf Klafter weit Geflogen war der Steinblock. nach rückwärts sie zu drehn. Vom wuchtigen Anprall schwankten sie strauchelnd hin und her. Weit flog er hin. Er riß am Speer gewaltig. ein Kämpe. Wahrhaftig! Nicht gelungen wär’ Gunther das mit eigener Hand. Der Stoß traf sie gewaltig.

464–417 .“ Da legten alle Männer die Waffen auf die Erd’. Er warf den Stein viel weiter und übersprang ihn gar. Indes war Siegfried klüglich allein und unverweilt. Und alle sah’n. zum Schiff hinabgeeilt. Daß Gunther von Burgund nun euer Herr und König ist. Mit edlem Anstand bat sie ihn.63 Die mächtige Kraft und Kühnheit ward nun erst offenbar. So half Siegfried dem Freunde und wandte von ihm Not und Tod. Ja. zu Hagens Freude. Er kam zurück und fragte – mit voller List geschah’s – Den König. Daß er den König Gunther als Last im Sprunge mit sich trug. verstellte er sich mit klug erdachter List. seines Leibes Stärke und Kunst war groß genug. ihn Herrscher über Volk und Land. Das. Da rief sie. Dankwart und Hagen ließen am End’ sich alles gern gefallen. wer überlegen ist!“ Als wüßt’ er nichts. Der schönen Brünnhild Antlitz erbrannte zornig rot. Eure Kraft zu prüfen. Am fernsten Rand des Ringes stand Gunther unversehrt. der dort fröhlich und plaudernd bei den Frauen saß: „Worauf noch wollt Ihr warten? Wann fängt das Kampfspiel an. So war’s geschehn! Vollendet der Sprung! Es lag der Stein. Schließlich nahm Brünnhild seine Hand Und hieß. am Ziele stand Gunther ganz allein. Er grüßte dankend. Die Tarnkappe zu bergen. Mit tiefgebeugten Knien ward Gunther nun geehrt. die Königin ersann? Wohlan denn! Laßt uns schauen. als willkommener Gast Zur Seite ihr zu bleiben im weiten Prunkpalast. Zu ehrendem Empfange einluden hohe Hallen. heran! Vernehmt und wißt. von allen rings gehört: „Ihr Mannen und Verwandte. Brünnhilde sah’s.

unverwandt: „Als Ihr. die bestehe ich! Heran führ’ ich euch Helfer. Mir schwant. dem’s gelang. gar nichts von unserem Spiel gesehn. Daß doch ein Mann noch da ist. daß unser König Euch besiegt!“ „Die schönste Kunde!“ sagte Siegfried. wo unser Schifflein liegt. ein starker. „da ziemt uns Dank. Worin mich Euer König als Sieger überwand?“ Darauf versetzte Hagen. dann geht’s uns allen schlecht. als unsere Königin an den Rhein!“ Da sprach sie: „Nein. für uns und unser ganz Geschlecht!“ Da sprach der kühne Siegfried: „Verlaßt euch nur auf mich! Wenn euch Gefahren drohen –. sagte Hagen. wißt. die freund mir und verwandt!“ Sie sandte schnelle Boten. Des jungfräulichen Stolzes Meister und Herr zu sein! Nun folgt uns. die Frau bringt Unheil. Und tausend tapfere Männer. die allerbesten.64 Da sprach erstaunt die Königin: „Wie konnte es geschehn. die List verstehend. Die ritten spät und früh. edle Herrin. Die Freunde und die Sippen zum Isensteine luden sie. so eilig verlass’ ich nicht das Land. Eh’ die es nicht erfahren. ich fahre allzu weit. So ist ihm unbekannt noch. folgen mir!“ 472–480 . Erlesene Männer sind es und kühner. Gott hüte eure Ehre in dieser Zwischenzeit. den Sinn uns arg beschwert. vieledle Herrin. Nicht lange währt’s. Als unser Herr vom Rheine so tapfer sich gewehrt. Daß Ihr. dann seht ihr gesund mich wieder hier. War Siegfried fern am Ufer. als Ihr je gesehn! Ihr sollt nicht nach mir forschen. „Wahrhaftig“. in Not euch beizustehn. Herr Siegfried. Und brütet Brünnhild Rache. „nun sieht es übel aus! Was mag die Königin planen? Kommt diese Schar ins Haus.

“ 481 .65 Der König bat ihn: „Bleibt nur da draußen nicht zu lang! Da Ihr uns helft. Ihr hättet Siegfried ausgesandt. so sind wir nicht länger sorgenbang!“ Siegfried rief zuversichtlich: „Bald kehr’ ich heim ins Land! Sagt Brünnhild nur zum Scheine.

wer klopft so hart ans Tor?“ Verstellung übend. Er stieg hinan. Vermeinten wohl. Wie Siegfried zu seinen Nibelungenhelden fuhr Durchs Burgtor niedersteigend zum nahen Uferrand Fand Siegfried wohlgeborgen das Schiff im weißen Sand. Lag vor ihm schon das Ende der Fahrt. ein großes Land. zu ruhn Und Herberg zu erbitten. Ein ungeheurer Riese der Wächter. Er löst’ es. als triebe es ein Wind. wohl hundert Meilen lang. auf diese Art. er klopfte heftig an.66 VIII. Die es vom Ufer sahn. Worin sein Schatz verwahrt lag. Auf einem Berge stand Hoch eine Burg mit Zinnen. und geschwind Flog unter seinen Händen das Schiff. wie wir. Stets bei der Hand die Waffen. An einer großen Insel zog er das Schiff aufs Land Und band es fest am Ufer. Da wehrt’ ein Tor den Eingang. Bald sank die Nacht hernieder. den er im Kampfe dort errang. Die Tarnkappe verbarg ihn. ein Sturmwind entführe sich zum Spiel den Kahn. das kleine Fahrzeug schoß Wie ein durch Flut und Wogen gerittenes Wellenroß. verschlossen und verwahrt. Doch als sie wieder schwand. Kein Steuermann war sichtbar. Gelenkt von Siegfrieds Fäusten. Er rüttelte am Tore. – stark bewehrt. täuschte Siegfried ihm einen Fremden vor. Sie sichern ihre Ehre. 482–487 . Doch das war gut behütet von einem reckenhaften Mann. daß er sie nie entbehrt. Das Reich der Nibelungen. wie’s alle Wegemüden tun. – Rief laut: „Wer ist da draußen.

Die sieben langen Stränge mit schweren Knöpfen gut bewehrt. Griff hurtig zu den Waffen und kam im Lauf heran Im Augenblick. Und ging ihm scharf zu Leibe mit einer Eisenstang’. dem er in voller Wut entgegenspringt. Erblickt er Siegfried. Und wie er das Burgtor seitwärts schwingt. In Händen eine Geißel.67 Mit falscher Stimme rief er: „Hallo! Mach auf die Tür! Es steht noch mancher müde und zornig hinter mir. Daß Siegfrieds Schildgespänge krachend vom harten Stoß zersprang. Aus weiter Ferne komm ich her.“ Auf diesen dreisten Anruf greift jener zornergrimmt In Eile zu den Waffen. Der Einlaß wünscht und gerne zur Nacht gebettet wär’! Ein Held bin ich. zu seinem Helm und nimmt Den Schild zur Hand. nicht töten wollt’ er Alberich. kostbar mit Gold beschwert. daß Siegfried ihm überlegen war Und ihn. vernahm es tief im Berg. so herrschte er ihn an. So grimmig sich Der Zwerg zur Wehre setzte. so wild er schäumte. an Hand und Füßen band. 488–496 . Er warf ihn weg und barg auch das Schwert. Es drang das Kampfgetöse weithin. Ob wild der Riese dreinschlug. Es wies sich doch. die Kühnheit nicht gering. noch oft bewundernd erzählt im Nibelungenland. Im besten Schlaf zu stören Gesind und Rittersmann. Behelmt. den Leib geborgen in hartem Panzerring. Daß Siegfried an dem Arme zersplitterte der Schild. Ein Kampf. und auch der Zwerg. wie groß auch die Gefahr. Der wilde Alberich. doch fremd hier. Mit riesenhaften Kräften. So kam der Zwerg gelaufen und schlug damit so wild. da Siegfried in Fesseln schlug den starken Mann. Wie er es wagen dürfe.

die ihr zu leisten schuldig seid!“ Von Bett und Bank aufsprangen so Herr wie Knecht geschwind. Eh’ ich hier ganz verdürbe. So packte er den Alten bei seinem grauen Bart Und zerrte ihn und zog ihn. „brecht auf und bringt heran Der Nibelungenhelden die besten tausend Mann. Die soll’n mich hier erwarten!“ Bedacht verschwieg sein Mund Dem Zwerge seine Absicht. ich sei dir gut bekannt!“ „Lieb ist mir diese Kunde!“ sprach Alberich. Und diese brachte Huldigung und Treuschwur ihrem Herren dar. Ihr seid des Nibelungenlandes Gebieter. und mit Recht. Vereinten sich im Zuge. Wähnt’ ich doch sonst. es sei!“ sprach Siegfried. des mächtigen Aufgebotes Grund.68 War’s doch sein treuer Kämmerer. Froh grüßte er die Schar. der ihm den Schatz verwahrt’. gut gesinnt. er strich durch Tal und Berg Und rief die Nibelungen sogleich: „Macht euch bereit. wie ritterlich das Werk. stattlich gewaffnet. Nun löste er die Fesseln dem Riesen und dem Zwerg. Und Alberich enteilte.“ „Nun gut. der Zwerg. schwor ich doch Treue einem edlen Mann. wie gut Ihr kämpfet. wie wirst du genannt?“ – „Ich heiße Siegfried. – zwar rang und ächzte der. 497–503 . – Wie er den wilden Riesen gebunden schon vorher. Viel tausend Ritter. Doch zweien Herren kann Ich nimmer dienen. Laßt mich nur los! Befehlt mir! Ich folg’ Euch als getreuer Knecht. „Ich sah. Siegfried verlangt Gefolgschaft.“ Doch Siegfried band den Kleinen. daß er in Schmerzen jäh Von solcher Strafe jammernd aufschrie vor Schmerz in Angst und Weh. Er rief: „Laßt los! Verschont mich! Reißt nicht zu Tode mich! Euch lieber treu zu eigen gehorsam diente ich. Verwundert fragte Alberich: „Sag.

Ein guter Fahrwind trug sie vom Heimathafen fort. 504–511 . wer jene sind. „Schmückt euch“.“ Der König Gunther nahte: „Meine Gefolgschaft blieb Entfernt von Eurem Lande.“ So tat die Königin dann. Die dort zu Schiffe kommen von ferne über See? Die Segel. wie man zu grüßen pflegt. da gingen sie an Bord. Die Königin Brünnhild fragte: „Wißt ihr. Doch wurden davon tausend der besten ausgewählt. riet Siegfried fröhlich. Sie holen als Geleite mich ab vom Isenland. die gekommen. Auf hoher Zinne standen die Mädchen hell im Wind. Dreitausend. als säh’ sie ihn kaum an. Die kühnen Fahrtgenossen in hellem Waffenschein. Es schien. stolz und wohlbekannt.“ Fast unabsehbar nahte die Flotte. „mögt Ihr sie willkommen heißen. oder geziemt ein solcher Gruß nicht mir?“ „An des Palastes Stufen“. Im Schiffe ihre Pferde. Für ihre schnelle Ankunft bot Siegfried seinen Dank: „Ihr sollt mit auf die Reise von hinnen übers Meer!“ Laut jubelte entgegen dem Ruf das ganze Heldenheer. Daneben stolz geschmückte Gefährten noch genug. der Mädchen Blick begegnet ihr!“ Schon dämmerte der Morgen. so fuhren sie zum Isenstein. Schon sah man Siegfried stehen am hochgeschwungenen Bug. sind weißer noch als frischer Schnee.69 In hellem Kerzenscheine saß fröhlich man und trank. zwar hatte man gezählt. Wenn gute Freunde kommen. „mit ritterlicher Zier! Den Augen schöner Frauen. Da fragte Brünnhild: „Soll ich die fremden Gäste hier Am Tor empfangen. sprach König Gunther. Fast ohne Gruß blieb Siegfried. die sie führen. Nun aber ist’s mir lieb.

schuf Obhut für Waffen und Gewand. – das hab’ ich ja genug – An meine und des Königs Gastfreunde als Geschenk.“ Da meldete sich Dankwart: „Vertraut die Schlüssel mir! Es richtig zu verteilen. der noch niemals zu solchem Glanze kam. die Schande ganz und gar. Wenn ein Gewand am Ende auch mir noch übrig blieb. der hemmend in den Arm ihm fällt! Mit vollen Händen wirft er es weg. „der erst gerecht und klug Silber und Gold verteile. Daß noch für arme Leute der Überfluß zu reichen schien. Wer eine Mark begehrte. dankbar wär’ ich des Helfers eingedenk. man trete bald die Heimfahrt an. ich bürge Euch dafür. trag’ ich den Vorwurf. Drum hofften Herr und Mann. Ein Tor verstreut als Kämmerer wahllos mein Gut und Geld. er verstand. als sie den Streich Dankwarts vernahm Zu König Gunther sprach sie: „Es wäre mir doch lieb. Wer’s recht entschiede. Ich hätte selbst nichts nötig und sei dem Tode nah? Verschwenden könnt’ ich selber. Denkt er etwa. das wurde nur zu offenbar. Und wirklich. Viel Dank bin ich dem schuldig. dem ward so viel verliehn. „Nennt einen mir“.70 Man gab Quartier. Bedenklich schien’s der Königin. Indes wie stets bei solcher gewaltigen Zahl entstand Doch überall Bedrängnis. Dankwart erhielt die Schlüssel. An hundert Pfund verschwendet’ er an die Gästeschar. Die köstlichsten Gewänder umhüllten wunderbar Manch einen. Die längst nach Haus verlangten. Wo nicht. Zu schenken Schmuck und Kleider und Gold mit offener Hand. rief Brünnhild.“ Daß er freigebig teile. Ob einer Königin Kämmerer sich je so leichtsinnig erwies?“ 512–518 . was mir mein Vater ließ.

Brünnhild mißtraute Dankwart. bis Gunther herrscht als König hier.71 Da sprach Hagen von Tronje: „Seid deshalb sorgenlos! Der Reichtum meines Königs am Rheine ist so groß. So bat die Königin ihn: „Die Leute. „wen du auswählst. Treuer. Noch eins war zu entscheiden. „Mitführen möcht’ ich Kisten an zwanzig. An unserer Statt zu herrschen. Land und Burgen befehl’ ich. „werde einem das hohe Amt verliehn. Auch sechsundachtzig Frauen entbot sie zu der Fahrt. Ein letzter Schmerz die Tränen. das Weh der Treuen dort am Strand. Gunther und Hagen lachten still für sich. Nähmt Ihr von all den Kleidern auch nicht ein einziges mit von hier. vom Isenstein Sie würdig zu begleiten ins ferne Land am Rhein. gut gefüllt Mit Gold und seidenen Stoffen. „Eh’ wir von hinnen ziehn“.“ – „Dies ganze Land ist dein“. Die möcht’ aus eigener Hand Ich teilen nach der Meerfahrt. So wimmelte das Ufer von frohen Menschen weit und breit. schien Der Würdigste von allen. komm ich in König Gunthers Land.“ Nun lud man edle Steine in reicher Fülle ein. Sprach Brünnhild. Der hätte sicherlich Sie noch verschwendet. den setzen wir als Schirmherrn ein.“ Zweitausend Männer wählte Brünnhild.“ Ein Nahverwandter Brünnhilds. Doch tat ihr eigener Kämmerer klug diesen Dienst allein. dir! üb du Gericht und Herrschaft. Sprach Gunther. 519–525 . So würdiger Weis’ und Sitte verließ Brünnhild ihr Land.“ „Und doch – tut mir’s zuliebe!“ erwiderte Brünnhild. Bei seinem Überflusse nichts wohl vermißtet Ihr. Die tausend Nibelungen verharrten fahrtbereit. der Mutter Bruder. Dazu an hundert Mägde von auserlesener Art.

72 Brünnhilde stand am Bordrand. Die sollte aufgespart Ihn erst daheim beglücken. Brünnhilde stillen Sinnes verwehrte auf der Fahrt Noch jede Gunst dem Könige. 526–528 . So legten sie schnell den Weg zurück. Voll in die Segel drang Ein günstiger Wind. sah’n vom Land. Die nah ihr und verwandt. und dann sah sie den Heimatfelsen niemals mehr. Wie schnell das weiße Segel sie hintrug übers Meer. Und eine frohe Hochzeit gefeiert wär’ zu Worms am Rhein. wenn beide erst allein. Nach harter Müh vor Augen die Heimat und der Heimat Glück. Ein Blick noch. Es wurde eine frohe Meerfahrt mit Lied und Sang Und aller Arten Kurzweil. Die sie mit letztem Kusse verlassen.

Schickt ihn damit nach Haus. „laßt mich hier! Des Kämmerers Amt und Arbeit ziemt einem Mann wie mir. zu reiten. Versagt auch er es.“ „Wahrhaftig. der Schwester auch Bericht. vergäße ich den Dienst dir nicht. als Ihr es seid!“ „Ich tauge nicht zum Boten“. zur Freude Kriemhilds möcht’ er Euch den Gefallen tun. die Ankunft ihnen kundzutun. Der Bote meines Glückes sollst du zu Hause sein. Indes wir ganz versäumen. „nun wohlan! Zur Botenreise weiß ich mir keinen besseren Mann. die wird es dir wie ich Mit reichem Dank vergelten. bat Gunther flehentlich: „Um Kriemhilds Willen tu es. sprach Hagen.“ Siegfried berief er: „Näher kommt unser Schiff dem Rhein. Der Mann dazu ist Siegfried.“ Als Siegfried sich erst wehrte. Als Euch. – nun Dann sagt. Drum bittet ihn. ich hüte ihr Gewand Und ihre reiche Habe.73 IX. Freund Hagen. Ich bleibe bei den Frauen. bis unser Schiff daheim am Strand. und augenblicks war er bereit: 529–535 . Wie Siegfried nach Worms gesandt wurde Neun volle Tage gingen in guter Fahrt dahin. Gewährtest du die Bitte. Bring meiner lieben Mutter. wir sind schuldig“. Da sprach Hagen von Tronje: „Es geht mir durch den Sinn. Denn er versteht’s und richtet gern Eure Botschaft aus.“ In Sehnsucht nach der Maid Verflogen die Bedenken. Macht Euch sogleich zur Fahrt bereit! Denn niemand ist des Auftrags wohl würdiger. Die Unsern läßt die Sorge um uns daheim nicht ruhn. sprach Gunther.

Vom Rosse steigend sahen sie in manch trüb Gesicht Und hörten sorgend fragen: „Warum kommt Gunther nicht?“ Bekümmert waren Gernot und mit ihm Giselher. Mit Dank daran gedächte ich. ist alles gleich wie schon getan. Stieg eilends in den Sattel mit vierundzwanzig Mann. Ich tu’s um Kriemhilds willen. meinem Neffen.“ „Sag meiner Mutter Ute. Daß ich mit meinen Gästen gestiegen sei ans Land. wenn man Botschaft rechtzeitig ihr gesandt. wie’s gelungen. Er unterbrach die Fahrt. Sag Ortwin. Vermißten sie den Bruder doch bang bei Siegfrieds Wiederkehr. wie schön die Fahrt geriet. die gutes Obdach leihn. was Ihr befehlt und wollt. wo und warum Verließt Ihr unseren Bruder? Kehrt er nicht mit Euch um? War Brünnhild übermächtig. Er ritt so eilig. die mir so lieb und hold. Verwandte laden läßt. Wie sollt’ ich sie verleugnen. Sag Kriemhild. Sorg. wie’s nur ein Freudenbote kann. Den Brüdern und den Freunden. daß er unsere Freunde. Bring meiner Schwester Grüße von Brünnhild.“ Siegfried nahm schnellen Abschied nach ritterlicher Art Von Brünnhild und den Frauen. im Wiesenplan am Rhein Soll er die Zelte rüsten.74 „Ausrichten werd’ ich alles. Siegfried! Doch sagt. Sie möchte meines Herzens Geliebte schwesterlich Und aufmerksam empfangen. wonach mein Herzverlangen stand. der ich so zugetan? Geschieht es ihretwillen. Rings im Land Sag allen. „Willkommen seid uns. und überwand sie ihn? Zu schwerem Unheil wäre ihr Liebesstolz uns dann gediehn. wie hart wir uns gemüht.“ 536–544 . Nach Worms. Mit mir und Brünnhild fröhlich zu sein beim großen Hochzeitsfest.

Wie gerne ihre Wünsche Siegfried alsbald vernahm! Wie war beglückt sein Auge. von Herzen uns gegrüßt! War Gunther wohlbehalten. euch kundzutun!“ Da warfen sich die Frauen eilig in Schmuck und Kleid. Hat er als Freudenboten mich eilends hergesandt. war doch die Not vorbei.“ Die Tränen wischte Kriemhild mit dem schneeweißen Saum Des Kleides ab vom Auge. Erlaubt ihm nun. die im stillen das Schwesterherz erfüllt. Die Sorge langer Tage. wie herrlich die Sache steht. das Herz von Sorgen wieder frei. 545–555 (548) . bedrückte mütterlich. die freund ihm und verwandt. dafür verbürg’ ich mich. Dem Boten Dank zu sagen. Die Sorgen. Für gute Kunde hoff’ ich auf Euer freundlich Botenbrot. Siegfried zu sehen. Das glaubt mir sicherlich.75 „Habt keine Angst! Euch allen. Sie fand die Worte kaum. Er grüßt und läßt entbieten Brünnhildens Gruß durch mich. Gesund verließ ich Gunther. Die größte Freude bringt Ihr. vieledle Königin. sprach Siegfried. verkünde ich. Auch härmt sich um den Bruder ihr schwesterlich Gemüt. die je das Schicksal ihr beschied.“ „Ich führe Euch zur Schwester. Was dort im Isenlande geschehen ist. Was Euch. als Ihr ihn dort verließt?“ „Er war gesund“. Führt zu der Königin mich! Kriemhild und ihr. Brünnhild. Vergeßt sie! Gunther naht schon.“ Zur Mutter und zur Schwester eilte Giselher: „Siegfried ist da! Zu sorgen braucht ihr euch nun nicht mehr! Als Boten sandte Gunther ihn her. und mit ihm naht sein Weib. „Ihr weintet ohne Not. waren sie beide gleich bereit. Kriemhild sieht gern Euch wieder. als Kriemhild ihm entgegenkam! „Willkommen seid. Herr Siegfried.

Frau und Maid.“ Da sagte Kriemhild eifrig: „Was Liebes er begehrt.76 Sie lud ihn ein: „Herr Siegfried. Sie hätte gern geküßt ihn. Was wir zu tun vermögen. Kommt am Gestad’ er an. wies er die harrenden Burgunden an. Was noch zu tun war. Die ihm und seinen Gästen entgegenreiten an den Rhein. Kriemhildes Dienerinnen rief Siegfried. Aus treuem Herzen soll es geschehen ihm zulieb. Nun dankte ihm auch Ute. Nie ward ein Fürstenbote mit solchem Dank beglückt. Bot sie ihm zur Belohnung. 556–563 . hätt’ es sich nur geschickt. „empfing ich dennoch die Botengabe gern!“ Da sagte sie errötend: „Mit Freuden soll’s geschehn!“ Die herrlichsten Geschenke ließ sie den Kämmerer ausersehn. Und unter sie verteilte er all das prächtige Geschmeid. vierundzwanzig. läßt er bitten. Armringe. sei alles ihm gewährt. Zum Willkomm. Auf andere Weise will ich Euch schenken Huld und Dank zugleich. nehmt neben mir doch Platz! Wie gern möcht’ ich erschöpfen das Gold in meinem Schatz Für Euch als Botengabe. doch freundlich wehrte er. doch Siegfried neu begann: „Noch einen Wunsch hat Gunther. Mit edlem Anstand nahm er von ihnen Abschied dann. Doch Ihr seid selber reich. wie hell die Freude die Farbe ihr ins Antlitz trieb. sollt ihr die ersten sein.“ „Und wären dreißig Länder auch pflichtig mir als Herrn“. von edlen Steinen schwer. Sie schlugen weiße Zelte am Strande auf. Rumolt. in Palas und Gemach. und weit War schon das sandige Ufer erfüllt von lauter Tätigkeit.“ Er sah. Sindolt und Hunolt. Sprach er. sie mühten mannigfach Sich ab im Hof und Keller.

Man zimmerte im Saale an Tischen und Gestühl.77 Ortwin und Gere taten nach ihres Herrn Geheiß. Geschwind sucht aus den Schränken das allerbeste Kleid! Die Gäste zu empfangen. 564–571 . Schon trug man hinterdrein Die reichen roten Sättel. Kriemhild berief die Mädchen: „Nun macht euch schnell bereit. Der Frauen Pferde wurden jetzt auf den Hof geführt. geht anmutig gepaart. Aus Schall und Lärm stieg rauschend der Hochzeitsfreude Vorgefühl. besäumt mit goldnem Rand. Mit Schmuck und Stoffen waren sie bunt und reich geziert. die schon in voller Fröhlichkeit. Zum Ritt der Frau’n von Worms aus hinunter an des Rheines Strand. Man brachte sie den Frauen. lang eh’ das Hochzeitsfest begann. die vom Warten gereizt zu leichtem Tanz! Die goldenen Schemel standen auf Teppichen bereit. Sie schickten schnelle Boten rings zu der Freunde Kreis. Bunt leuchtend von den Wänden zierten den Palast Hellfarbige Gehänge zum Gruß für Freund und Gast. Schon ritten allenthalben mit stattlichem Geleit Die Freunde und Verwandten in großer Freudigkeit. bewundernd all die Festespracht. Das hohe Paar zu feiern. Man sah um Hals und Nacken der Rosse schön gepaart Brustriemen. Dann wird auch von den Gästen an unserem Lobe nicht gespart!“ Nun kamen die Burgunden in vollem Waffenschein Herab die Palasstufen. Manch junges Mägdlein sann. Das Volk stand in den Straßen. Wie es sich schmücken wollte. schmal und glänzend von allerfeinster Seidenart. Zur Hochzeit sie zu laden. Wie strahlten licht die Steine am Zaumzeug von dem Glanz An Rossen. in strahlend reicher Tracht.

Das Haar zierlich gebunden. – wahrlich ein Hochzeitszug. umwand zierlich den Kleiderrand. Manch weißer Frauenarm War unter gelbem Goldspangenschmuck verwahrt Und hüllte sich in dünnen. den König. Gerahmt von bunten Borten. Der vierundfünfzig Mädchen. Das Brustgeschmeide blinkte so hell. hellseidenen Stoff von feinster Art. Gestickte Gürtel hingen kunstreich besetzt und lang Herab auf weite Röcke. Da nahten schon die Ritter mit eschenem Schaft und Schild Und leiteten die Frauen im Sattel sorglich durchs Gefild. daß manche Maid Fast bang war. dazu noch manche Maid. Von deren hellen Kleidern erstrahlte herrliches Geschmeid. stolz genug Köstlicher Pelz von Zobel und Hermelin lag warm Um reich verzierte Kleider. in ihrer Schönheit Reiz.78 In lichten Festgewändern nahten die Frau’n bereits. die Pelzbesatz umschlang Arabischer Herkunft. wie er ihn wünschte. Ferrandinisch Seidenband. Man zählte sechsundachtzig. 572–578 (574) . Dazu kam noch die Schar. In weichem Glanze schillernd. es verdunkle der Wangen Lieblichkeit. Die schönsten wohl des Landes. Für Gunther selbst. hellblond das offene Haar.

Mit Kuß und guten Worten sie schwesterlich empfing. 579–587 . Nun schaute man auf Kriemhild. denn da drüben stand wartend mancher Freund am Strand. Wie lieb es Kriemhild war. Der Markgraf Gere hatte Kriemhildes Pferd am Zaum. Nun legt’ er an. Kam man im Volksgewimmel am Ufersaum des Rheines an. herrlich geschmückten Frau ans Land. Wie Brünnhild in Worms empfangen wurde Die Schiffe warfen Anker. Dort hoben sie die Frauen behend herab vom Pferd. Mit weißen Händen bogen sie ihren Kranz zurück. langsam reitend. die Königin. Doch duldete es Siegfried bis an das Burgtor kaum. im Geleit Der Mädchen. Frauen und Jungfrauen im Geleit. die sittig zu ihr ging. Rüstig griff manche Hand Ins Ruder. Den Augen zu gewähren den ersten Gruß und Liebesblick. Zum Ehrendienst ritt Ortwin an Königin Utes Seit’. Das ward ihm auf dem Wege aus Blick und Worten offenbar. die Pferde dienstbereit Geführt von jungen Knappen. Gelegener Augenblick War es für Frau’n und Ritter zu Wiedersehn und zartem Glück. Denn schon war Gunthers Nachen dem Ufer zugekehrt. Dann griff er in die Zügel. Um sie viel Ritter. Der König nahm Brünhild an der Hand Und half der bräutlich schönen. Indes sich rings zuweilen ein Ritterspiel entspann.79 X. Dort nahte Mutter Ute. Der König von Burgund Inmitten seiner Gäste betrat den heimischen Grund Jenseits am anderen Ufer.

Ein Grüßen und Umfangen geschah dann längs dem Fluß. Drum zügelten die Gäste die Pferde schnell mit Wort und Zaum. Die einen lobten Kriemhild. flutend. Bewundernd sah’n die Kenner. Manch rosenfarbene Lippe fand lieblichen Willkommenskuß. stromgleich zog es vorbei. 588–598 . Vom Schiff zu steigen. Der endete das Spiel. nichts Schöneres war zu schaun. Wie mir und meiner Mutter. Sprach sie alsdann: „Seid herzlich willkommen hier im Land. wo weit sich öffnend ergrünte rings ein Feld. Nun standen sie am Land. Der Zug der Paare wand sich im hellen Sonnenschein Dahin. Dort wurde vor den Frauen geritten und turniert. die anderen Gunthers Glück. Umfangen nun lag Brünnhild in beider Frauen Arm. willkommen jedermann Und allen unseren Freunden!“ Gerührt sah’n sie einander an. kein falscher Reiz betrog den Blick Zum Aufbruch endlich luden die Herrn des Hofes ein. Zelt an Zelt. Darauf manch schattiges Lager und seidene Hütten. Denn in die Höhe stieg schon der helle Staub und fiel. Auf Gunthers Wunsch kam Hagen. Der Zug der Nibelungen. Als wollten sie beflissen der Braut das Liebste tun.80 Mit höfischer Verneigung Brünnhilde zugewandt. Ließ keine ihre Worte und lieben Zärtlichkeiten ruhn. nahmen Brünnhildes Frau’n die Hand Der hilfreichen Burgunden. In Wolken hellen Staubes stob rauschend hin die Reiterei. Die schönen Kinder schützten sich und die Kleider kaum. Kriemhild und Brünnhild beide. Vor aller Augen standen die königlichen Frau’n. Und all die Gäste. von Siegfried angeführt. Wie Ute küßte Kriemhild sie schwesterlich und warm.

Bis an dem fernen Himmel die Sonne niederging. Sobald der König reitet. Herein trat nun der König. Die Königinnen schieden. Da gingen zu den Frauen die Ritter ins Gezelt. wie’s Helden ziemt und paßt. Man rüstete im Saal Die Tische schon zum Abend zum feierlichen Hochzeitsmahl. Dann ging der Zug zum Burghof. In freundlichen Gesprächen. Doch haltet euch bereit. zur Königsbraut geweiht. Vertrieben sie die Stunden mit Lust und Kurzweil aller Art. Und schon die erste Kühle sie abendlich umfing. Den edlen Frau’n zu dienen. Nicht wenige Kleider wiesen die Spur von Stoß und Stich. Dann ritten Frau’n und Ritter den Pfad zur Burg hinan. Doch gleicher Brauch verlangte. zu folgen ihm als Ehrgeleit. Der leuchtend überstrahlte der Gäste farbig bunten Kranz.81 Herr Gernot auch ermahnte: „Laßt nun die Rosse stehn Bis zu der Abendkühle. Rings an den Tischen saßen die Fröhlichen gedrängt. an seiner rechten Seit’ Brünnhilde mit der Krone. Wobei das Herz der Männer auf Gunst und Huld der Schönen sann. 599–606 . Darin klang’s weit und breit Von Lachen. In goldenen Becken reichten das Wasser kühl und frisch Die aufmerksamen Diener zum Waschen allen rund am Tisch. Schon war das Fleisch geboten. in frohem Scherz gepaart. als Gunther abstieg am Palast.“ Nun das Turnier zu Ende und ruhig lag das Feld. Inzwischen woll’n wir gehn. Die Frau’n zu unterhalten. Lärm und Scherzen und lauter Freudigkeit. der helle Wein geschenkt. Da ging es durch die Räume wie heller Ehrenglanz. Der Kampf nach Landessitte war kühn und ritterlich.

sollt Mich niemals etwas bitten. Im Kreis der Mädchen nahte die Liebliche. daß du mir damit den liebsten Wunsch erfüllst. dem Ihr mich anvermählt. Wenn du ihn heut zum Gatten von mir empfangen willst. mahn ich dich. Kriemhild kam näher zagen Schritts. die wir voreinst getauscht. eh wir Zum Isenlande zogen? Und was versprachst du damals mir? Wenn du Brünnhild als Königin heimführtest in dein Land. daß auch mein Herz ihn auserwählt. „Der König lud allein.“ Im Rund der edlen Herren auf seinem hohen Sitz Saß König Gunther. Nicht brech’ ich meinen Eid. Das soll geschehn. Er ist gewiß so würdig. War es doch harte Mühsal. liebe Schwester. Auf ihrem Platz saß Brünnhild erwartungsvoll und lauschte stumm. Denkst du der Eide.“ Da sprach die edle Kriemhild: „Ihr. die ich bestand und litt. Dann sprach der König Gunther: „Hör. Gunther. neigte sich Zu seinem Ohre Siegfried: „Nun. Gedenke. lieber Bruder. daß ich einzig um Kriemhilds willen für dich stritt!“ Der König rief: „Wahrhaftig.82 Eh Gunther von dem Wasser genommen. Dann sei gewiß.“ Zur Tafel zu erscheinen. daß sich dein Wunsch erfüllt. Zwiesprach mit ihr zu halten.“ 607–613 . Da sprang Schnell Giselher zur Treppe und hemmte ihren Gang. ließ freundlich bitten er Kriemhild. Da schwiegen die Gespräche. und Stille ward ringsum. Dann wolltest du gewähren mir deiner Schwester Hand. mich! Mein Eid versprach zum Weibe jüngst einem Helden dich. Die Mädchen hieß er bleiben. du mahnst zur rechten Zeit! Ich habe dir geschworen. nur seine Schwester Kriemhild ein. Ich füge alles heute. Der Gatte. Gebietet! Was Ihr wollt.

Da fragte Gunther gütig. Ob sie den edlen Siegfried zum Mann zu nehmen sei gewillt. Nun standen sie im Ringe. „Warum lischt Euer Auge von trüber Tränenspur? Fügt dieser Augenblick doch all unseres Glücks Beginn. Mit Eid und Hand verlobte sich ihr der Held vom Niederland. Sie griff nach seiner Hand. Zum Tische gegenüber dem Königssitz im Saal Geleiteten sie Siegfried mit seinem schönen Ehgemahl. Dem Ihr sie anvermählet. Als er zum ersten Male das Königskind umfing. Die Schmach muß ich beweinen. Man löste sich vom Ringe. der Städt’ und Burgen Königin!“ „Mit Fug schon muß ich klagen“. Verbunden nun zu Gatten sah man das schöne Paar. Sie sah. Doch Siegfrieds Schicksal wollte. ward allen offenbar. Seid Ihr doch meines Landes. „Ich wein’ um Eure Schwester. Und Kriemhild selbstvergessen an ihres Gatten Lippen hing. gab Brünnhild ihm zurück. Wie lieb einander beide. Mich dauert ihr Geschick. seh’ ich die edle Schwester an. dort saß zusammen Siegfried mit Kriemhild. Schon standen dienstbereit Die Nibelungenhelden an ihres Herren Seit. was ihr denn widerfuhr.83 Siegfried sah ihre Augen ihm liebreich zugewandt. leibeigen ist der Mann. wie’s niemals ein größeres für Brünnhild gab. Wohl stand in ihrem Antlitz schamhafte Mädchenscheu. Auf seinem Hochsitz thronte der König mit Brünnhild.“ 614–620 . Da fragte man Kriemhild. Da glühte seine Wange in freudehellem Brand. daß ihm das Glück getreu Und sie ihn nicht verschmähte. Da fielen heiße Tränen die lichte Wang’ hinab Von einem Leid.

ich möchte weit fort und von Euch gehn. Man sehnte sich danach. sprach Gunther. Ein andermal erzähle ich gern Euch. Dann trennten sich die Paare. neidlos geneigt noch freundlich zum Vertrau’n Die Diener und die Kämmerer erfüllten ihre Pflicht. Euch nimmer angehören. Gab er sich in Gedanken der schönen Hoffnung hin. 621–627 . Brünnhild und Kriemhild. Siegfried ist selbst ein König. – Nun stand man auf vom Tische. Es müsse ihm viel Liebes aus schuldiger Gunst geschehn. so reich wie ich an Land. eh ich den Grund nicht weiß. Herr und Held. Auf halber Treppe trafen einander beide Frau’n.84 Der König sprach: „Seid ruhig! Das ist kein Grund zum Gram. Umgab ihn ein Gefolge von Helden wie ein stolzer Ring. Wüßt’ ich wohin. Drum hab’ ich gern die Schwester als Gattin Siegfried zugesellt. Da draußen im Turniere zu Roß mit Schild und Schaft In ritterlichem Spiele zu prüfen Aug’ und Arm und Kraft. Als Siegfried scheidend ging. Mannen. als er so sprach. Warum Ihr Eure Schwester gabt einem Eigenmanne preis. An Burgen. Mit liebevollen Blicken begann er Brünnhild anzusehn. wie es kam. Der Gäste müd war Gunther. Die Gäste hieß man enden den lauten Zeitvertreib. Den Aufbruch zu begleiten mit hellem Kerzenlicht. Daß ich ihm meine Schwester vermählte. mächtig als Ritter.“ Da fiel in tiefes Sinnen Brünnhild.“ „Gern geb’ ich Euch“. Der König wolle weilen allein bei seinem Weib. Wisset bloß: Ihr wird an Siegfrieds Seite ein freudevolles Lebenslos. „den guten Grund bekannt. Sein schönes Weib im Sinn. sie ist so gut und schön.“ Sie sprach: „Wie es mich jammert.

85 Für beide Herren nahte die schöne Stunde nun. Und teurer ward die Frau ihm noch als sein eigener Leib. das schlagt Euch aus dem Sinn! Das sollt Ihr nur erfahren: Ich bleibe. Längst waren die Begleiter entlassen. bis ich die Wahrheit weiß Von Kriemhild und von Siegfried. Er war im Wahn. Wie kränkte Gunther das! Auf Freude stand sein Sinnen und traf auf feindlich bösen Haß. schien ihm das holde Frauenbild Der höchsten Lebensfreude Gewinn und Preis zu sein. als er’s bei seinem Weibe fand. Er barg das Licht zur Seite. Doch als der König sich Zu der Geliebten neigte. besaß er jetzt für sich allein. in jähem Zorne wich Zurück vor ihm die Stolze. Ruhig lag Die Kemenate. Wie glücklich Herz und Sinn! Die Huld Kriemhilds nahm Siegfried als Ziel der schönsten Wünsche hin. Wie sie von zartem Leinen die Glieder weiß umhüllt. Ferne verklang der Hochzeitstag. bei ihrem Weib zu ruhn. wofür Ihr zahltet diesen Preis!“ 628–635 . was ich bin. Mein Magdtum will ich wahren. Da sie im still’n gedachten. Was er so lang ersehnte. Da dünkte ihre Gunst ihn des höchsten Glücks Ertrag. Sie sprach: „Was Ihr gewähnt habt. Sich niederlegte. Sein Weib zu werden aber verwehrte noch ihr harter Sinn. wie es Gunther erging mit Frau Brünnhild. Doch hört nun. Verschmäht hätt’ er wohl tausend um diese einzige. sie gäbe liebwillig sich ihm hin. sein Weib! Nichts weiß ich mehr zu sagen von Siegfried und Kriemhild. Bei mancher anderen hätte er ohne Widerstand Viel sanfter wohl gelegen. Als Siegfried an der Seite des lieben Weibes lag. Sie liebend zu besitzen.

ich wag’ es nimmermehr. So sanft sie lag. bis hell der neue Tag Brach durch die hohen Fenster mit seinem goldenen Schein. wär’s Euch recht. „brächte dann Schande Euer Widerstand Und mir nur wenig Ehre. Sie nahm das Gürtelband Das. Dann lag er ihr zur Seit. Trug ihn zu einem Nagel und hängt’ ihn an die Wand. Schön war der Tag. Sie hätt’ ihn fast getötet. ob Gunther auch seinen Kummer nicht verwand. Dein Lager will ich künftig vermeiden.“ Sie lockerte die Fessel. Und Euch gebunden fänden von einer Frauenhand?“ – „Nur Euch“. den Schein zu wahren. Ihr Widerstand vergalt Ihm das mit schlimmer Rache. War Gunther jemals mächtig. sprach Gunther. zu sichern Schlaf und Ruh. er bat und flehte nun: „Lös’ mich von dieser Fessel! Willst ungestört du ruhn. wie gut ich mich gerächt. 636–643 . auch nicht den Saum von Eurem Kleid. vor Brünnhild war er schwach und klein. Um Euretwillen laßt Mich frei. Wenn Eure Kämmerer sähen. Bin ich Euch so verhaßt. Da kamen schon die Diener mit neuem Festgewand. Sie fragte ihn erwachend: „Herr Gunther. Ist meine Liebe Eurem lieblosen Herzen leid. Die Liebe ihm zu wehren. die Hüften ihr umwand. kraftvoll war sie dazu. Der sich als Herr schon träumte. ist es dein Begehr!“ Sein Fleh’n ließ unbekümmert Brünnhild. Doch litt sie ihn nicht nahe. Will ich Euch nicht berühren. Zur Liebe dich zu zwingen. Die Füße und die Hände sie ihm zusammenband. fest gewirkt und herrlich bestickt.86 In Zorn erglühend dachte der König mit Gewalt Sein Weib sich zu erzwingen. So qualvoll hing er oben. Er rührte kaum ihr Kleid.

was jungen Helden nur gefiel. Freund. Dort hing ich zorn. Wie anders Siegfried! Alles schien ihm wie Glücksbeginn! Er sah den König leiden. Umdrängte ihn die Menge. Mit königlichen Ehren ward ihre Eh’ geweiht. Wie es seit alten Zeiten am Hofe Sitte war. Zum Himmel schwoll’n Gesänge. Dann hob ein freudevolles Getriebe an mit Spiel. In hehrer Königswürde und jugendstrahlend am Altar. Ich hofft’ auf ihre Liebe. denn alle Augen suchten ihn.87 Zum Münster ging am Morgen das neue Königspaar. Und feierlich empfingen die Frauen Kron’ und Kleid. 644–650 . Allein stand König Gunther. Da saßen in den Fenstern die Mädchen. so hoff’ ich.und angstvoll bis an den hellen Tag. meine Traurigkeit. Als Siegfried dort erschien. mit Begier Zu schauen und zu preisen die Sieger nach Gebühr. Die beiden Paare standen. Mitfühlend ging er hin: „Was ist’s. was Euch drückt! Brünnhildes Huld. In all der lauten Lust Beschwerten Zorn und Trauer und trübe Sorge seine Brust. Sechshundert Knappen nahmen das Schwert am selben Tag Und voller Stolz empfingen sie ihren Ritterschlag. Mit Festturnier und allem. das Euch bekümmert? Vertraut mir. sie aber nahm und band Und hängte mich zur Schande auf einen Haken an der Wand. die Kronen auf dem Haar. hat Euch doch diese Nacht beglückt!“ Da sagte Gunther: „Schande und Schimpf litt ich zur Nacht. Dir klag’ ich im Vertrauen. Indes sie ruhig schlummernd in sanftem Schlafe lag. Den schlimmsten Teufel hab ich als Weib ins Haus gebracht.“ Da sprach der starke Siegfried: „Das tut mir recht von Herzen leid.

651–658 (652) . wird dir daraus bekannt. ich könnte es verzeihn. die Frauen in der Näh’ zu sehn. Sie scheint ein wildes Wesen und nicht ein menschlich Weib zu sein. dann zwinge ich dein Weib. Daß ich die Lichter lösche vor euch mit eigener Hand. „darfst du bau’n! Denn Kriemhild. Die Kurzweil im Hofe war vorbei. Du sorge nur und mach.88 Und doch. „mein Mannesrecht nur ehrst. verhallt Lärm und Geschrei. als er des Freundes Wort gehört. sprach Gunther zweifelnd. seid Ihr’s zufrieden.“ „Auf meine Freundestreue“. die ihr gleicht?“ Gern glaubte ihm das Gunther. soll sie noch heute Nacht Als Gattin sich Euch fügen. Ein Bischof schritt zur Seite der Königsfrau’n einher. Bin ich damit zufrieden. Die Tarnkappe verbirgt mich. Daß sie sich Eurer Liebe nicht länger mehr erwehrt!“ Leicht wurde Gunthers Kummer. Dann bin ich dir zur Seite. nähmst du ihr das Leben. „Noch heute abend schleich’ ich verstohlen ins Gemach. Ahnt niemand meinen Zauber. Der Abend kam. verlieren will ich sonst den Leib. Dir soll sie heut gehören. Im weiten Saale reihten die Herrn und Mannen sich. ist mir von allen Frau’n Die liebste auf der Erde. deine Schwester. Es liegt in meiner Macht.“ „Wenn du“. Die Kämmerer hießen alle weit aus dem Wege gehn. sein schweres Herz war froh und leicht. Daß keiner von den Kämmerern bei euch im Räume ist. auch wenn du sie versehrst. Ein stattliches Gefolge. Von Rossen und von Menschen war bald der Burghof leer. Wo ist sie. Turnier und Spiel zu Ende. Gestalten stolz und ritterlich. Denn drängend stand die Menge. was widerstünde meiner List! Daß ich mit euch im Zimmer. Ja. sprach Siegfried.

Daran der starke Siegfried sich mit dem Weibe maß. als sie sprach: „Verlangt dich heute wieder nach jener gleichen Schmach. Siegfried ging ungesehn In Gunthers Kemenate. In seinem Glück vergaß Er nicht des Königs Kummer. Noch lag die weiße Hand Kriemhildes in der seinen. Der ließ die Kämmerer gehn. Wie war es zugegangen? Aus dem verliebten Spiel Entrissen schien er Kriemhild. Das Gunther sich gewonnen und doch zu eigen nicht besaß. Er stellte sich. Sie sucht’ und fragte viel: „Mich wundert. Gedachte er im stillen doch immerfort daran. Man schied und Siegfried saß Bei seinem schönen Weibe. Die Leuchter barg er sorglich dicht hinterm Bettvorhang. so sehnlich war ihm zumut und liebesbang. daß ihm der Kopf vom Sturze klang. wer die Hand ihm aus meiner heimlich nahm. Wohin Siegfried gegangen und plötzlich schwand so wundersam. Und dann begann ein Kampfspiel – nicht ging es ohne Zwang –. und schnell Mit zwei getreuen Riegeln verwahrte Gunther Tür und Schwell’. Die Mädchen und die Frauen. Wie du sie gestern littest?“ Mit einem harten Stoß Ihn schmerzlich treffend rang sie sich wild aus seinen Armen los. als wär’ er der König und ihr Mann. 659–668 (667) . So ging das Mahl zu Ende. Kaum nahte er im Dunkel der Jungfrau. Schier dreißig Tage lang Schien dieser Tag. als plötzlich ihr sein Bild entschwand. Er fiel auf eine Bank Und stieß an einen Schemel. Warf sie ihn aus dem Bette. Doch als er mit den Armen den schönen Leib umspann. Das Licht erlosch. Was Siegfried ihm versprochen.89 Schon saß auch König Gunther in neuem Hoffnungswahn.“ Doch blieb es bei dem Fragen.

In Fesseln ihn zu legen. Sie rief: „So groben Angriff entgelt’ ich nach Gebühr! Habt acht. verlier ich so In diesem Frauenkampfe. und Brünnhild wurde Gunthers Weib! 669–677 (676) . die sonst fügsam des Mannes Willen tut. Gewillt. Zwar griff sie nach dem Gürtel. daß Eure Hand nicht mein weißes Hemde nur berühr’!“ Sie griff mit starken Armen und preßte Hand an Hand. Siegfried jedoch begann jetzt vor Scham und Zorn zu glühn. Was half ihm seine Kühnheit. daß er sie ruhig schlafen ließ. Sie schrie vor Schmerz. Da war der Kampf entschieden. auch ihn zu binden. Doch wehrt’ er sich und schlug Und traf sie so gewaltig. Er wagte neuen Angriff – in stiller Sorge zwar –. Daß er ihr Kleid nur rührte. wie sie den König band. Da dachte er im stillen: O weh. Wird sich ihm widersetzen in Trotz und frechem Übermut! Beklommen lauschte Gunther und bangte schon um ihn. Doch ob das Blut auch sprang. Gewillt war sie zu sorgen. Doch wilden Ungestümes nahm er nun alle Kräfte wahr.90 Doch kraftvoll auf den Füßen aufs neue stritt und rang Siegfried erbittert kämpfend in wildem Zornesdrang. sind alle Weiber froh. zur Rache reizte sie’s. Sie sollte bald verleugnen ihr widerwillig Mädchenherz. bis er sie endlich zwang. als bräch’ er Glied und Leib. Sie preßte ihm die Hände. Es währte eine Weile. Manch eine. Sie hielt die mächtigen Arme um ihn gespannt und zwang Und preßte mit Gewalt ihn am Ende zwischen Wand und Schrank. Er schleuderte sie jählings aufs Bett. den sie am Leibe trug. was seine Riesenkraft? Erwies sich doch im Ringen des Weibes Meisterschaft.

was Manneslieb vermag. War’s ritterlich und edel. des er sich unterstand? Er gab ihn seinem Weibe. Doch was sie bat und fragte. als andere Frauen sind. und was ich zu Recht um dich verdient. und alles sei gesühnt. Erfuhr sie doch von Gunther. – Nun erst lag auch der König an seines schönen Weibes Seit. das wurde nicht erhört. daß er das Kleinod ihr entwand! Dazu nahm er den Gürtel. die er einlud. Auch barg er die Geschenke. Hätt’ es nur Gott verhütet. Dann erst von Herzen glücklich beging Gunther das Fest. vielfältig zu erfreun Und ihre Lust nur schöner an jedem Morgen zu erneu’n. An Gunthers Seite wurde sie milde. mit Recht darfst du es sein! Nun wehr ich deiner Liebe mich länger nicht. Die Gäste. Nun bin ich dein!“ Siegfried ließ ab und tat so. Das ward ihm einst noch leid. als ginge er beiseit. Die Kleider abzulegen. Ein liebreich hingegebenes Ehweib fand nun der helle Tag. – Wär’s nie geschehn! – bis er sie daheim zur Königin gemacht. ein schön gesticktes Band. Wie mit der Wange Glut auch der alte Stolz erblich.91 Sie bat: „Laß mich am Leben. der es sich nicht verdrießen läßt. – wahrlich. In aller Heimlichkeit Zog er ein goldnes Ringlein von ihrer weißen Hand. sanft und lind. 678–685 . Fortan war sie nicht stärker. daß König Gunther endlich sein Weib gewann. die er ihr zugedacht. Was ich getan. wie Zorn und Scham zerrann. Ein rechter König. In seinem Arm erfuhr sie. So kam’s. Siegfried war längst zu Kriemhild unsichtbar heimgekehrt. Wie aus dem Frauenleibe ihr alle Heldenkraft entwich. Herr eines Weibes.

der mit dem Gold nicht sparen soll. Die Sättel. ja die Rosse sogar. besser wurden nie Gäste noch versehn. Auch die Verwandten schenkten verschwenderisch Geld und Gut – Wie man’s bei jedem Feste. Wie fröhlich war der Abschied. Wie’s einem König zukommt. den Wirt zu ehren. Kleid und Pferd.92 Festlich verflossen waren zwei volle Wochen nun Wechselnd mit Spiel und Gastmahl und fröhlich lautem Tun. Was er und seine Ritter einst mitgebracht von Haus. Fort waren schon die meisten. So endete die Hochzeit. da alles reichlich ward gewährt! Mit vollen Händen streute Siegfried die Gaben aus. tut – Den armen Fahrenden Gold. Kaum blieb ein kleiner Rest. Da unbeschenkt nicht einer von dannen durfte gehn. alles ward verschenkt. 686–689 . Wahrhaftig. So herrlich unbekümmert war Siegfried. und Gunther schloß das schöne Fest. Silber. Das hell in Stadt und Burghof aus tausend Stimmen scholl. die sie gelenkt.

es schien ihr zur Heimkehr endlich hohe Zeit Sie fragte ihren Gatten: „Wann. dann wisset. soll Sie reicher sein. wisset. Da sprach der edle Siegfried: „Gott möge immerdar Euch euer Erbe lassen und treu in seiner Hut Bewahren. fahren wir? Nicht scheiden will ich. willst du. gehöre wie uns daheim auch euch zugleich!“ Als er vernahm. für alle Zeiten sei Euch unsre Freundestreue versprochen bis zum Tod!“ Er neigte sich zum Danke für dieses edle Angebot. daß niemals euch mein Herz vergißt. So gab er den Befehl aus: „Macht euch zur Fahrt bereit!“ Kriemhild war’s lieb. als irgend ein Weib auf Erden ist. eh nicht von meinen Brüdern mir Mein Erbe zugeteilt ist.93 XI. Auch ihre Brüder kamen und sagten alle drei: „Bevor ihr scheidet. womit ihr liebevoll Die Schwester wollt beschenken. Wie Siegfried mit seinem Weibe nach Haus kam Abschied genommen hatte schon längst der letzte Gast. daß sie darauf bestand. Trägt sie die Krone. wie freundlich der Fürsten Absicht war. Noch dringender sprach Giselher: „Ihr als Geschwister müßt Alles mit uns teilen. was sein Wille verliehen euch an Land und Gut! Mein Weib mag des entraten. Doch braucht ihr mich. was unser eigen ist An Land und Leut’ und Burgen! Was rings im weiten Reich Uns Untertan. mein Recht an Leut’ und Land. Siegfried gedachte sehnend der Heimat Ruh und Rast.“ 690–695 .“ Ungern in seinem Stolze hört’ er.

für sie ein treuer Schutz zu sein. Ob sie und ihre Mannen bereit sei’n. Vom Marschall. mit dir! Die gerne mit euch reiten. 696–702 . Dazu. wo wir schwuren. Auch Botschaft zu bestellen an Siegmund. wurde nicht verfehlt. davon gibt’s viele hier. Was mein ist. Doch die Verwandten gaben den Scheidenden Geleit Noch weit ins Land. zu fragen den Tronjer und Ortwin. Das Lager zur Nacht war stets bereit. wählt uns die edelsten Burgunden aus!“ Mit raschem Wort sprach Gernot: „Nimm. Die euch als stolz Geleite umgeben auf der Fahrt nach Haus. schätz’ ich eines vor allen Gütern wert: Reiche Gefolgschaft führt doch ein König gern nach Haus. denn ihr wißt. Da zürnte Hagen. dazu fünfhundert Mann. mitzuziehn. Nun kam der Tag. Such dir von dreißigtausend die tausend besten aus. Knecht und Magd. Und fröhlich schieden Ritter und Frauen. Kriemhilde wählte dann Zweiunddreißig Mädchen. die lieb und wert Einander stets gewesen. Gefolgschaft ihr zu leisten die Fahrt hinab den Rhein. Noch einmal küßten manche sich schnell. Grimmig verwehrte das der Held: „Verschenken kann uns Gunther an keinen in der ganzen Welt! Nehmt andere mit! Wir bleiben im Lande. Denn unser gutes Recht Ist Dienst an unseren Königen und dem burgundischen Geschlecht. Graf Eckewart fuhr mit ihr. Man hatte das letzte Wort gesagt. sorgfältig ausgewählt.“ Es bat Kriemhild. wen du willst.“ Sie ließen ihn gewähren. und danach stiegen sie zu Pferd. der vorausritt. ihr Brüder. Daß es von je der Tronjer Gesetz und Weise ist: Wir bleiben.94 Da sprach Kriemhild zum Gatten: „Wenn Ihr auch leicht entbehrt.

703–709 . Hier thronten als Herrscher sie in späterer Zeit. als Kriemhild sie umschlang. ihr Arm den Sohn umschloß. Die Müh’ war nicht gering. weich und rot. soll selber Herr und König sein!“ Sieglind in ihrem Glücke nahm Sammet. von dem erzählt wird aus König Siegmunds Land? Sieglind. „daß ich erleben mag Des Sohnes und der schönen Kriemhilde Krönungstag. sie kämen bald daher. Der Lohn der lieben Kunde. der edle Siegfried. Die Burg sah hoch und weit Herab ins Land. Ein freundliches Willkommen entboten sie dem Rittertroß. Nun wird mein Erbe künftig noch herrlicher gedeihn. Beim Krönungsfest zu feiern das junge Königspaar. Im Lande ward verkündet. daß Kriemhild würdig.95 Daß er und Sieglind wüßten. im Glücke Mund und Wang’ Der lieben Tochter küßten. wie sich’s schickt. Gab’s schöneren Empfang je – mir ist es unbekannt – Als der. – das war ihr Botenbrot. „Wohl mir!“ sprach König Siegmund. Eifrig gerüstet wurde zu Siegfrieds Wiederkehr. sorgenledig. Und zur Begrüßung sandte der König eine Ritterschar. Dann sahen sie die Gäste. Mein Sohn. kam zu Pferd Im Schutze ihrer Ritter. die ihr das Herz erquickt’! In Ehrenkleidern gingen am Hof die Diener. Nahm schweres Gold und Silber. Frau Utes liebem Kind. Der Mund der Eltern lachte. Eh’ sie nach Xanten kamen. Als beide. von seiner Fahrt zurück Kam Siegfried in die Heimat. von schönen Frauen umgeben. hochgeehrt Empfangen werden sollte. wie er das reichste Glück Gewonnen mit Kriemhilde. Nie schönere Kunde hörten jemals Siegmund und Sieglind. Ein langer Tag verging.

Sein schönes Weib gebar ihm den ersten Sohn. eilte man. So stand seit dieser Zeit Kriemhilde als die erste der Frau’n im Lande da. dem Volke tu ich kund: Siegfried trägt meine Krone –. Auch Brünnhild hatte damals dem Gatten fern am Rhein Den ersten Sohn geboren. Sorgenbar Verfloß die Zeit für beide bis in das zehnte Jahr. Und wo er richten mußte. geschah’s gerecht und hart. und daß er geriete stolz und gut. Sorgfältig. Daß sein Gericht von allen im Niederland gefürchtet ward. Benannte man ihn Gunther. Gab man ihm Siegfrieds Namen. wie man es immer tut. vermißt in großem Leid Von vielen.“ So wurde Siegfried König. er ist der Herr von dieser Stund. Der König stand vom Sitze. der im Burgundenland Als Heldenbild geliebt war und oft vor Brünnhilds Seele stand. wie’s dem Sohne des Königs ziemt. ein stolzer Freundeskreis. Dort saßen sie zusammen. Ihm Ruhm und Glanz zu leihn. erzog man ihn. 710–718 (711) .96 Die Jungfrauen aus dem Sattel zu heben. die sie liebten. Wobei aus schönen Augen manch einer Dank gewann Für ritterliche Hilfe. ein Pfand Und Band des Glücks für alle. Man schwieg auf sein Geheiß. „Den Freunden und Verwandten. Will man nach edlem Vorbild sich gute Kinder ziehn. In hohen Ehren glänzte sein Name. Nach echter Herrenart Hielt er Gericht und Herrschaft in fester Hand bewahrt. Wie’s ehrenvoll der Königin des Reichs mit Fug und Recht geschah. die Eltern und das ganze Land. Man taufte ihn. Siegfried und sein Gemahl Und alle Gäste schritten vereint in Siegmunds hohen Saal. Zu jener Zeit starb Sieglind.

Doch keiner rings auf Erden an Ruhm und Macht bestand Vor Siegfried. Der größte Schatz. Auch ohne diese Pracht Der erste. 719–723 . da pries man allgemein. Der tüchtigste und stärkste. dem zu eigen das Nibelungenland. Der Stolz der höchsten Ehre. der je auf einem Rosse saß. Wie schön das Leben fließe in Xanten und zu Worms am Rhein. wenn man Männer nach höchstem Werte maß. mannhafter Zucht heran. – Wo man davon erzählte. Als ihrem Könige dienten auch Schilbungs Helden ihm allein. Besitz und reiche Macht Umglänzten seine Krone. den jemals ein Mensch besaß.97 Nach Gunthers Hoffnung künftig ein wohlerzogener Mann. Wuchs er in ritterlicher. war sein.

“ Doch gab sie. Wie Gunther Siegfried zum Sonnwendfeste nach Worms    einlud Es war Brünnhilds Gedanke schon lange früh und spät: Wie sehr Kriemhildes Sinn doch auf stolzen Hochmut steht! Als Eigenmann ist Siegfried des Königs Untertan. Doch ihre Worte dünkten den König wenig gut und klug. Vasall des Königs war er nicht. was sie quält’. Wenn Siegfried zu ihm käme. mit listigen Worten keine Ruh: „Wie hoch ein Mann des Königs in Macht und Würde prangt. unmöglich scheint es mir. Er sprach: „Was du ersonnen. Doch hat er uns seit langem nicht den geringsten Dienst getan. Er dürfte doch nicht weigern. Die lange Reise mut’ ich den Freunden nicht gern zu. War es doch keine Pflicht. Daß ich. Drum gib mir nach! Versprich. bald wiedersehen mag. Sie wohnen gar zu ferne.“ Da lächelte der König. ob sie es auch verhehlt’. Es nagte ihr am Herzen. Daß sie ihr fremd geblieben. die mir so lieb sind. Sie drang: „Tu’s mir zuliebe! Seit langem seh’n ich mich Nach Siegfried und Kriemhilde. Weit ist ihr Weg von hier. War Siegfrieds Land nicht pflichtig zu Zins und Dienstbarkeit? Gern hätte sie erfahren: Warum blieb er davon befreit? Sie forschte bei dem Könige: „Wie könnt’ es nur geschehn.98 XII. Könnt’ es geschehn. was man von ihm verlangt. was sie im Sinne trug. Daß wir Kriemhild und Siegfried hier einmal wiedersäh’n?“ Sie sagte ihm vertraulich. – das war es. es wäre für mich ein freudevoller Tag! 724–729 . ihn bedrängend.

“ Brünnhild und Mutter Ute. „Sagt meiner lieben Schwester“. Der Rat der Königsfreunde gab erst nach alter Art Die Zustimmung zur Reise.99 Wie zog ihr edles Wesen. Wie wir beisammen saßen. wie’s Sitte ist und Brauch. Die Sonnenwende wäre die rechte Zeit dafür.“ Sie bat und bat.“ Dreißig seiner Mannen berief er zu dem Ritt. ihr sanft Gemüt mich an! Wie war mir wohl zumute. die Frau’n und Mädchen auch Entboten ihre Grüße. Die Boten sollen gleich nach Xanten reiten. wie er uns wert. daß sie solchen Mann gewählt. Grüßt auch den König Siegmund. wohin man sie gesandt. „Von unser aller Liebe zu Siegfried und zu ihr. beide zu laden ins Burgundenreich. So geb ich nach. denke ich daran. Da man zum Königssitze im fernen Norden sie beschied. und sagt. beide jung vermählt. Du brauchst mich nicht zu bitten. Bis sie ans Ziel gelangten. Wie jeder meiner Freunde mit mir ihn liebt und ehrt. Drei Wochen scharfen Trabes nach Nibelungenland. Willkommen hießen gern wir die Freunde und Verwandten hier. sie möge unverwandt Die Rosse rüsten lassen zum schönsten Fest im Heimatland. 730–739 (732. Die Ross’ und Männer waren vom weiten Wege müd. Säh’n wir sie beide wieder am heimatlichen Rhein. Und meine Schwester bittet. bis Gunther Erfüllung ihr versprach: „Denn liebere Gäste wüßt’ ich mir nicht. Und daß wir sie in Sehnsucht erwarteten am Rheine hier. das gab er ihnen mit. Es bracht’ ihr Glück und Ehre. Dann machten sie sich auf die Fahrt. 738) . Das würde eine Stunde des hohen Glückes sein.

Die Rosse aus den Händen nahm man und wies danach Die Unterkunft den Boten in Saal und Schlafgemach. doch sprang Sie auf. als diese Kunde plötzlich an ihre Ohren drang. Sie rief nach Siegfried: „Sieh doch! Dort auf dem Hofe sind Burgundenherren! Gere. Und jeder tat. Da ward ihr altes Heimweh von jäher Freude übermannt. als ob nur für ihn die Botschaft sei. Was es dort gäbe. Und sprach mit Gruß und Fragen im Eifer auf sie ein. die schickt’ mit Botschaft mein Bruder her vom Rhein!“ Erfreut gab Siegfried Antwort: „Dann soll’n sie uns willkommen sein!“ Von allen Seiten liefen die Leute rasch herbei. Sie schickte schnell ein Mädchen ans Fenster. Nahm seine Hand und führte zum Hochsitz ihren Gast hinan. „Erlaubt uns erst. ihr freudig Auge blickt’ Gerührt zuerst auf Gere. Auf einem Bette ruhte sie grade aus. burgundisch ihre Tracht.100 So wurde eines Tages Kriemhild Bescheid gebracht. um zu sehn. die Königin ging beglückt Den Landsleuten entgegen. Dann luden sie Herrn Gere und seine Schar zu Gast Bei Siegfried und Kriemhilde in ihren hohen Burgpalast. den Auftrag Euch kundzutun und laßt So lang uns stehn. Gekommen seien Ritter. Gunthers bewährten Mann. verlangt auch der Leib nach Ruh und Rast. mit ihm sein Hofgesind! Gewiß. Diese sah auf dem Hofe stehn Den starken Markgraf Gere und die mit ihm gesandt. Auch Siegmund schien im stillen der lieben Gaste froh zu sein. was Euch ihre Liebe durch unseren Mund verkünden läßt. Auf stand der König Siegfried. Von Gunther und von Brünnhild – ihr Glück steht hoch und fest! – Hört. 740–746 .

Der Giselher und Gernot so lang im Herzen lag. Und auf die schöne Stunde. 747–753 . Gernot und Giselher Uns herzlich aufgetragen für unsere Fahrt hierher. Sie bitten auch die Königin. daß Ihr dem Wunsch nicht widersteht. schien doch dies Heimatbild ihr wunderschön. Euch daheim zu sehn. Zu einem Fest entbieten und laden sie Euch ein. Daß meiner Freunde Gegner mein eigner Feind und Gegner wär. „für diesen schönen Tag! Kriemhild und ich. ins Antlitz Euch zu sehn!“ Kriemhild erglühte. Was die Verwandten alle.101 Auch das. soll alles Euch berichtet sein. sprach Siegfried. Mit meiner Herrin Brünnhild die Frau’n und Mädchen freun Sich innig in der Hoffnung. ihnen Leid zugefügt und Weh? Ich nähm’s auf mich! Und wahrlich erleben sollte der. hat einer feindlich je. von Glück und Macht umwehrt. Glücklich mit Euch zu feiern ein frohes Wiedersehn am Rhein.“ Doch Gere schloß: „Bedenkt es! Auch Mutter Ute lädt Und läßt Euch mahnen. die Freunde insgemein Mit Gruß und Wunsch bestellten. Zur Sonnenwende hoffen sie. Sind gesund Und hochgestimmt wie früher die stolzen Freunde in Burgund? Seit wir von ihnen schieden. Bedacht auf Schaden.“ Da sprach der Markgraf Gere: „Sie hegen unversehrt Den alten stolzen Hochsinn. Daß Ihr so fern vom Rheine. die Klage hör’ ich jeden Tag. in Euerem Geleit Nach Worms zu kommen. wie’s jeder von Freunden hoffen mag. die Freundschaft zu erneu’n.“ „Belohn Euch Gott“.“ Nachdenklich sagte Siegfried: „Das wird wohl leider schwerlich gehn. wenn erst vorbei die Winterzeit. Erwarteten nur Gutes von ihnen. was Eure Mutter.

Zuvor trat noch zusammen der Freundesrat auf Siegfrieds Ruf. wie gut Er mir als Freund gesonnen. Rüstung. Dann faßte sie doch Heimweh. „wenn du entschlossen bist. Nun ratet. So wird die Schar gemehrt. sprach Siegfried.“ Die Freunde sagten: „Liegt Euch das schöne Fest im Sinn. damit Ihr in Ehren dort am Rhein besteht. Sie wollten wieder fort. Da kurz die Spanne ist. Obgleich bei Trank und Speise man reiche Kurzweil schuf. dem es mangelt.“ „Es ist mir lieb“. Man schenkte goldenen Wein. Hätt’ man Euch gerne öfter gesehn im Nibelungenland!“ Neun volle Tage blieben die Sendeboten dort. Muß innerhalb zwölf Tagen gerüstet sein. was sie rieten: „Gunther bewies. Die Reise mitzumachen. Die verrät Gleich Eure Macht.“ 754–762 (756) . Die Reise mitzumachen. Und mächtigeres Ansehn gewinnt der Nibelungen Wert. Bedenkt. Durch seine Boten lud Zu einem Freudenfeste er mich nach Worms. Er fragte. Und habt Ihr Lust zur Reise.102 Am Ehrenplatz saß Gere. Daß jeder. Gewand und Roß empfängt. dann raten wir: Fahrt hin! Nehmt eine Schar von tausend Begleitern.“ Von Niederland Herr Siegmund kam fragend: „Wollt Ihr mich Mitnehmen auf die Reise nach Worms? Dann wähle ich Hundert meiner Männer. liebe Freunde. Kriemhild zuliebe tät’ ich’s gern. Wie gern Säh ich die Brüder wieder! Doch liegt ihr schönes Land zu fern. wozu seid ihr gewillt? Und müßt’ ich dreißig Länder durchqueren weit und fern Um der Verwandten willen. Und Siegmund hob den Becher: „Ihr sollt willkommen sein! Seit Siegfried einst gewonnen der schönen Kriemhild Hand. lud man auch Kriemhild.

mit den Freunden im Wiedersehensglück Das Sonnwendfest zu feiern. Habt Dank!“ Dann fragte er die Boten: „Vor allem sagt mir dies: Wie geht es Siegfried.“ Man führte sie zu Gunther. Wohl keiner solch gute Worte bot. Wie jeder immer Neues gern zu erfahren denkt. bei ihnen froh zu sein. 766) . „Und teilen wird sie seine Fahrt. schnell zu wissen. Kommt mit zu ihm! Dort werdet auch ihr erfahren.“ Alsbald berief auch Ute die Boten zu sich her. wird auch Frau Kriemhild Siegfried hierher begleiten? Ist sie noch lieb und mild. Und vor der Burg zu Worms erst gebot Herr Gere Halt. der mir so große Freundlichkeit erwies?“ Gere gab schnelle Antwort: „Vor Freude ward er rot. Nach Gunthers Halle strömend. ob Kriemhild noch gesund. Und auch Kriemhild. von allen Seiten rasch heran. was geschehn. Sie stiegen von den Rossen. Wie ich sie dort als Zeichen der alten Lieb’ und Treu vernahm. An ihren vielen Fragen ersahen sie. Wenn einer von den Freunden aus ferner Heimat kam. noch reich beschenkt. Doch Gere sprach: „Erlaßt mir’s! Ich muß zum Könige gehn.103 Bescheid gab er den Boten: „Kehrt nun nach Worms zurück! Wir kommen. wie sehr Sie wünschte.“ Die schöne Brünnhild fragte: „Sagt. Da liefen Weib und Mann. 763–772 (765. auch daß sie käme nach Burgund. So frohen edlen Wesens wie einst. In großer Freude sprang Er auf von seinem Sitze: „Ihr rittet schnell. Gern wurde es bestätigt. Im scharfen Trabe ritten sie quer durch Berg und Wald. heim an den Rhein. Die Jungen und die Alten umringten sie gedrängt. so schön und zart?“ „Ja!“ sagte Markgraf Gere.“ So eilten die Burgunden.

und lebte ewig er.104 Es ward auch nicht verschwiegen. Zu richten und zu rüsten. Hei! Wie es bei ihm klirrte und klang von Kessel. Truchseß und Schenk Geboten. Topf und Pfann’! 773–777 . wie Siegfried überreich Die Boten dort beschenkte mit Kleid und Gold zugleich. Der Nibelungenhort liegt ja allein in seiner Hand! Hei! Käme der doch einmal zu uns in das Burgundenland!“ Doch allgemeine Freude erweckte das Gerücht Von Siegfrieds naher Ankunft. Hunolt und Sindolt mühten sich schwer. „Er kann gar leicht verschenken“. Die Männer säumten nicht. auf dem Anger zu zimmern Tisch und Bänk’! Der Küchenmeister Rumolt regierte Weib und Mann. sprach Hagen. – es gab nicht Rast. „Nimmermehr Könnt’ er sein Gut verschwenden. Die Ritter und die Mannen am Hof beschauten lang Die herrlichen Kleinodien und meinten. das verdiene Dank. nicht Ruh – Was nötig war an Speise und Trank und Unterkunft dazu.

die Mutter niemals wiedersah. Willkommensgrüße brachten den Gästen sie vom Heimatland. Von keiner trüben Ahnung ward ihre Hoffnung noch vergällt. Brünnhilden gab inzwischen der König diesen Rat: „Empfange meine Schwester grad so. Burgundische Boten kamen in Sicht. wie sie es tat.“ Brünnhilde stimmte zu: „Ich bin es ihr wohl schuldig. 778–785 (782. Als du dereinst ins Land kamst. Vergangen wäre König Siegmund die Reiselust. Hätt’ er des Sonnwendfestes Ausgang vorher gewußt. von Worms gesandt.“ Die Frauen und die Mädchen berief sie: „Gehet gleich. Wie sie zum Sonnwendfeste nach Worms reisten Unruhige Tage gab es. Da von der Fahrt der Eltern das schwerste Leid geschah. und schmückt euch festlich reich! Ihr sollt mir Ehre machen vor unserer Gäste Blick!“ Wie gern geschah’s! Man kennt ja der hübschen Mädchen liebstes Glück. – So ritten mit den Freunden Siegfried und Frau Kriemhild. Wie sie zum Rheine fuhren vom Nibelungenland. Von freudiger Erwartung war ihr Gemüt erhellt.105 XIII. Es mußte wohl so kommen! Wie trüb war sein Geschick. 784) . daß ich’s aus eigenem Antrieb tu. Die Reisepferde trugen Gepäck und Kleider allerhand. Von Kriemhild und den Mädchen erzählen wir dafür. Daß er den lieben Vater. Kriemhild und Siegfried ließen den Sohn daheim zurück. Nehmt eure besten Kleider. Doch davon schweigen wir. Womit man Kist’ und Kasten reichlich angefüllt.

„der ich dankbar bin!“ Da jedes Herz bewundernd Siegfried entgegenschlug. Sie stiegen ab und winkten den Gästen im Entgegengehn.106 Auch Gunther ließ versammeln die Mannen. „den freundlichen Empfang! Seit Siegfried Euch zum Freunde gewann. Dazwischen Mädchen. beide herzlich grüßend. Die Ritter spornten scharf. Frohgemut Hinunter ritten alle bis an des Rheines Flut. erfuhr und sah es heut mit Lust. und Kriemhild am Ufer liebevoll Sie innig hielt umfangen. Galt’s doch.“ „Gott lohn’“. Daß jedes Wort im Klirren der silberblanken Waffen schwieg. Daß ihrer Pferde Hufschlag weithin die Erde warf. lebendig mir im Sinn!“ „Nun kam die Stunde endlich“. sprach Siegmund dankbar. Von ritterlichen Herren wetteifernd rings umdrängt. mit gütigem Wort begann: „Seid hochwillkommen alle! Die freund uns und verwandt. 786–792 . Wer früher nichts gewußt Von hochgemuten Menschen. Euch zu besuchen. Auf Giselher und Gernot lag alle Müh und Last. traulich im Plaudern Arm in Arm gehängt. Der stolze Siegfried nahte. Manch schöne Frau ward sorglich – wie gerne sah sie das! – Zärtlich vom Pferd gehoben herab ins grüne Gras. daß eure Liebe den Weg hierher zum Rheine fand. Siegfried zu ehren. sprach Gunther. Ward glanzvoll er geleitet in ehrenvollem Zug. In ihrer Mitte Brünnhild. Siegfried und Siegmund hielten vor König Gunther an. recht fürstlich anzusehn. Der. Freu’n sich. Die übergroße Freude in aller Herzen schwoll. wie nie empfangen ward ein Gast. lag jahrelang Der Wunsch. Und heller Staub in Wolken hoch in die Lüfte stieg. Als Brünnhild kam.

Die Sättel bunt von Decken. und gut versehn War jeder Gast. Dann führte man den Frauen die Pferde wieder vor. Vorm nahen Burgtor harrte der Gäste ein Turnier. der Zuruf scholl. Der König saß zufrieden am Tisch. Viel hundert Helden saßen um ihn im Ehrenring. sie zu empfangen am Palast. Gut achteten die Schenken auf jedes leere Glas. Dankwart besorgte rührig den Gästen Ruh und Rast. Auf deren schönem Antlitz das zarte Farbenglühn Der Freude stand. Auf feste Schilde trafen im Pralle Stich und Stoß. Und als es Abend wurde. Brünnhilde dacht’ im stillen. Nichts sollte ihm fehlen und entgehn. Und Gunthers Mannen kamen. war manches Wams vom Weine naß. Sie sorgten auch. Ortwin und Hagen sorgten und hielten Ordnung hier. Draußen auf dem Anger stand längst ein Mahl bereit. daß jeder sein Wohngemach gewann. der Vasall sei. Aus allen Augen strahlte die seligste Zufriedenheit. die Paare Hand in Hand.107 Voraus die Königinnen. daß matt nur und blaß ihr Goldgeschmeid erschien. Die Gäste schmausten eifrig in lauter Fröhlichkeit. Der laute Beifall jauchzte. die Lust war groß. der Glanz war nicht gering Für einen. 793–804 (800) . Liebliche Frauen tauschten Küsse und Zärtlichkeit. Und gegenüber ihnen wie ehmals Siegfried und Kriemhild. Nie hätt’ sie seinen Tod gewollt. Hier im Palaste drinnen saß Gunther mit Brünnhild. – Gewogen doch und hold War sie ihm noch geblieben. – Brünnhild sah immer Kriemhild aus großen Augen an. Man ritt durchs mächtige Tor. Mit höfischer Verbeugung man zueinander fand.

Nun spornten auch die Reiter die Pferde an zu raschem Lauf. Vor dem Portal des Münsters hob man sie auf das Gras. die Kronen auf dem Haar. Nur tiefer Zwist vermochte zu trennen erst dies edle Paar! Die Messe war zu Ende. Bei solcher Kurzweil dünkte sie nicht die Zeit zu lang. noch laut Gefeiert von den Menschen. Wer im Turnier den anderen abwerfen möchte in den Sand. Die Mädchen. Den Sängern und den Rittern sagte der König Dank. Trompeten stiegen auf. In heiterer Lust verlief so das Fest bis an den elften Tag. blütenweiß Die Festgewänder. zarte Flöten. Schon prüften im geheimen die Frauen ihr Gewand. 806–813 (805) . den hellen Glanz im Blick herein. Dann saßen sie vertraut Im Glück.108 Die Sommernacht war kurz nur und fröhlich das Gelag. In stolzem Zug zu Roß Erschienen beide Königinnen mit zahlreichem Troß. Bis das Geläut zur Messe vom Dom herab erklang. so schien’s. blitzend im Silberschein Der Helme. Freundlich vereint – noch hegte Brünnhilde keinen Haß – Betraten sie das Münster. Posaunen. Sie ritten heim. Hell klang ein Festchoral. Da nahte hoch zu Pferde im stolzen Freundeskreis Der König Gunther selber. saßen im Fenster. Da ward es still im Hofe. froh gespannt. Die jungen Heldensöhne. Dann hob sich aus dem Tauglanz ein sommerlicher Tag. das niemals zu Ende gehen mag. Schilde ritten. Da sah man schon Bewegung und vollen Menschendrang. Und welcher Stein am schönsten zu ihrem eigenen Reize stand In aller Morgenfrühe hielt schon vor Gunthers Saal Ein Kreis von edlen Sängern.

wie’s oft geschah und gern. Daß er mit Fug der Herrscher auch aller dieser Länder war.“ Darauf Brünnhild erwidernd: „Wie ginge das wohl zu? Wenn niemand mehr am Leben. Die beiden Königinnen und dachten ihrer Herrn. und dennoch reicht sein Wert Bei weitem nicht an Gunther! So kann wohl ihm allein Das Recht zustehn. An Vorzügen und Ehren ist er so überreich. Lief bald von allen Seiten schaulustiges Volk genug heran. Welch männlich-stolzen Hochsinn sein Herrenschritt verrät! So geht der Mond am Himmel vor matten Sternen hin! Gib zu. So lang mein Mann am Leben. der König und Herr der ganzen Welt zu sein!“ Da widersprach ihr Kriemhild: „Nicht ohne Ursach’ pries Ich Siegfried. Bis Kriemhild sinnend sagte: „Mein Mann. Als sie zum Angriff ritten im Spiel Mann gegen Mann. Siegfried ist allen. Gesteh. der ist so hehr. dessen Mannheit oft herrlich sich erwies. als Lärm und Waffenklang Von einem Lanzenstechen herauf vom Hofe drang. daß ich auf Erden die Glücklichste der Frauen bin. als er allein und du.“ Doch Frau Brünnhild versetzte: „Dein Mann mag unverwehrt Herrlich vor anderen gelten.“ 814–819 . Dann könnte dieses Land ihm die Herrschaft zugestehn.“ Ins Freie blickte Kriemhild: „Schau hin. Der Zank der Königinnen An einem Nachmittage.109 XIV. wie er dort steht. wird das ja nimmermehr geschehn. den Besten selbst. auch Gunther gleich. Da saßen beieinander.

110 „Verarg’ es mir nicht“. 820–816 . Du also unser beider als Herrin mächtig bist. so halt ich ihn dafür!“ Da sagte Kriemhild bebend: „Wie ziemte ein Leibeigener mir! Glaubst du. sagte Brünnhilde da zu ihr. Brünnhild.“ „Ich kann’s nicht unterlassen“. Mit eigenen Ohren hört’ ich’s. „Daß ich ihn minder achte. Als mich der Ritterliche zu seinem Weib gewann. ich hör’ es niemals wieder an. sprach hart die Königin. Er steht und weicht auch nicht An Hoheit meinem Bruder. ich habe Grund dafür. mit ihm uns Untertan!“ Da hub die schöne Kriemhild mit scharfem Wort zu zürnen an: „Aufgeben wirst du willig den Wahn. mein Königsrecht dahin Auf alle seine Ritter. wenn er doch Gunthers Lehnsmann ist. ob man wie mir die gleiche Ehr Auch dir am Hof erweise!“ In volles Übermaß War schon der Zorn gestiegen. Mich triffst du nicht. es hätten schmählich die edlen Brüder mich Verschenkt einem Vasallen? Inständig bitte ich In Freundschaft. Als ich zum ersten Male sie sah im Isenland. so vornehm auch dein Mann. Daß er seit langen Zeiten dir keinen Zins gezahlt. und wenn auch dein Hochmut noch so herrisch prahlt!“ Brünnhild sprach: „Überhebe dich deiner nicht zu sehr! Ich will doch sehen. der ihnen heiß im Herzen saß. Was ich von dir vernommen. daß ich eines unfreien Mannes Gattin wär. Es nimmt mich wunder. Da nannte Siegfried selber sich Gunthers Eigenmann. Und Gunther mich als erster im Wettkampf heldenhaft bestand. er sei in Pflicht Dir hörig und zu eigen. daß du in Zukunft nimmermehr Behauptest. „Gäb’ ich doch sonst den Anspruch.

und sehn sollst du genau. Wie heut vor aller Augen die Eigen. sprach Kriemhild. Soll’n beider Könige Ritter es sehen.und Vasallenfrau Im Stolz vor den Burgunden auf ihrem Rang beharrt. Noch heute sollst du sehen. Noch edler als die höchste. Zu eigenem Leid erfahren hat mancher dann den schlimmen Grund. zuerst den Dom betreten kann. Mich kann kein Vorwurf treffen. „es soll nach deinem Wunsch geschehn.111 Da sprach Kriemhild: „Noch heute soll’s öffentlich geschehn. als selbst der deine sei. auf Zierat und alle Art von Pracht.“ So schieden sie. die je hier Königin ward. Daß ich vor dir. das eine arge Schmähung war.“ „Das ist mir lieb“. Dann sorg. Dünk’ ich mit Recht mich selber. warum es wohl geschah. wie edel ich und frei. 827–834 . Am Dom erwiesen Siegfrieds Gefährten ihr die Königsehr’. Daß man die Königinnen nicht beieinander sah. daß dein Gefolge streng abgesondert sei Von meinen eigenen Frauen. Die Mädchen rief Kriemhild rasch heran: „Zieht eure schönsten Kleider zur Messe heute an! Ihr sollt mir Ehre machen! Brünnhilde soll fürwahr Ihr Schimpfwort schwer bereuen. Willst Siegfried du als unfrei und als Leibeigenen schmähn. Mit dreiundvierzig Mädchen schritt sie den Weg einher. Und daß mein Mann noch würdiger. unlöslich schien ihr Bund. Die Leute nahm es wunder. Heut noch beweis’ ich das!“ So standen gegenüber einander sie in heißem Haß. Knecht und Mann.“ Wie gerne sie gehorchten! Auch Kriemhild war bedacht Auf ihr Gewand. wenn wir zur Messe gehn. Da doch bisher so innig. der Königin. Drauf Brünnhild: „Hältst du wirklich dich und ihn für frei.

zu kürzen so die Zeit. Ich stünd’ in deinem Dienste. sie pflegten noch einmal Vertraute Zwiesprach vorher. Daß dich vor Gunther Siegfried bezwang. Wo einer Glanz und Reichtum jemals enthüllt gesehn. wenn er dir eigen ist? Ich bin nicht schuld“. Da brach aus Brünnhilds Worten die Eifersucht hervor. wie besser wäre das! Hast du doch selbst geschändet den jungfräulichen Leib! Wie könnte eine Kebsfrau heißen eines Königs Weib!“ „Wen nennst du eine Kebsfrau?“ Bleich stand die Königin. Wohl dreißig Königinnen hell überstrahlte sie. was du sagts!“ „Auch das soll mich nicht hindern! Wenn das dein Stolz erlog. Wie man es sonst gewohnt war. Sie rief: „Kriemhild! Ich habe den Vortritt! Bleibe stehn! Die Eigenfrau darf niemals vor ihres Königs Gattin gehn!“ In ihrem Zorn rief Kriemhild – sie brannte ganz vor Haß –: „Wenn du nur schweigen könntest. Wo blieb denn deine Klugheit bei jener argen List? Wie ließest du’s geschehen. „Dich nenn’ ich so“.112 Schon stand mit ihren Frauen Brünnhilde am Portal. mein lieber Mann. „da ich des kundig bin. sprach Kriemhild. sprach Kriemhild. „wenn du dich drum beklagst!“ Die Königin drohte: „Gunther soll gleich erfahren. ob’s mir auch ewig leid: Dahin ist unsere Liebe und Freundschaft nun für alle Zeit!“ 835–842 . Die Königinnen trafen einander vor dem Tor. nicht Gunther. Vor solcher Pracht vermochte nichts anderes zu bestehn. der dir dein Magdtum abgewann. Damit ihr Prunk vor Brünnhild ihr höheren Rang und Anspruch lieh. Da kam Kriemhild geschritten in prunkend herrlichem Geleit. die schlimme Rede trog! Das sollst du wahrlich wissen. Daß er es war.

“ Nur immer heißer lohte der Zorn auf. der wie Funken flog. – zeugt er genug für mich? Ich lüge nicht.“ Da sprach Kriemhild: „Erzwingst du’s. In düsteres Sinnen fiel sie. Wie man auch. Das sollte einst entgelten manch ritterliches Männerherz. um heimzugehn. dann ist es Siegfrieds Tod!“ Nun kam auch mit den Ihren Kriemhild. Sie sprach: „Gestohlen wurde mir dieser edle Ring. wer mich arglistig drum betrog. Daß manches helle Auge gar trübe ward und tränennaß. Gott zu dienen. Kriemhild fiel hart ins Wort ihr: „Verklagst du mich als Dieb? Geschwiegen hätt’st du ewig. versank in Scham und Schmerz.113 Da weinte Brünnhild. Und nach ihr das Gefolge. Hat er sich solcher Schandtat gerühmt. doch wisse. Den gab mir mein Geliebter nach jener ersten Nacht. Der Gürtel. – Achtlos schritt Kriemhild eilends hin Ins Münster hohen Hauptes stolz vor der Königin. Er besiegte dich!“ 843–849 . Da sprach Frau Brünnhild: „Höre mich an und bleibe stehn! Du hast mich als ein Kebsweib geschmäht. die jemals Brünnhild zugedacht. Denn Siegfried gewann ihn.“ Das war die schlimmste Stunde. So gib ein Zeugnis. ich erzwing’ Mir das Geheimnis. Was mit gehässigen Worten sie mir als Schmähung bot. Brünnhild mit ihren Frauen stand draußen vor der Tür: „Alles will ich erfahren! Sie soll beweisen hier. wie dir der böse Schimpf zu Ohren kam. Es dauerte Brünnhilde die Messe viel zu lang. wär’ deine Ehr dir lieb. den ich am Finger hab. heut betete und sang. dann leg ich Zeugnis ab Mit diesem goldnen Ringe. – Daraus hob sich ein Haß. den ich trage. Mich brennt die Scham. Und mir bis heut verholen.

114
Dabei wies sie den Gürtel, Seide von Ninive,
Gestickt mit edlen Steinen. Aufs neu in ihrem Weh
Begann Brünnhild zu weinen, als sie den Gürtel sah.
Das mußte Gunther wissen! Um seine Ehre ging es ja.
Die Königin rief die Kämmerer: „Den König holt herbei!
Erzählen will ich Gunther von Kriemhilds Prahlerei,
Mit der sie mich gehöhnt hat vor allen öffentlich,
Erst Siegfrieds Weib und danach des Königs Kebsweib wäre ich!“
Mit seinen Freunden kam er. Als er sie weinend sah,
Die ihm so lieb war, – milde, begütend sprach er da:
„Geliebte Frau, erzähle, wer tat dir was zuleid?“
Sie sagte zu dem Könige: „Mir ziemt nichts mehr als Traurigkeit.
Was ich besaß an Ehre, – das, König, klag’ ich dir –
Hat Kriemhild mir genommen, zur Schmach sagt sie von mir,
Zu deiner Kebsfrau habe Siegfried mich einst gemacht.“
Er sprach: „Verleumdung ist es, und schlimmere wurde nie erdacht!“
„Ich sah, sie trägt den Gürtel, den ich damals verlor,
Den Goldring auch, mir listig entwendet, wies sie vor.
Verteidige mich! Ich stürbe viel lieber, als entehrt
Mit dieser Schmach zu leben. Hilf mir, ich denk’, ich bin es wert.“
„Siegfried soll hier erscheinen!“ befahl der König. „Weh,
Wenn er sich des gerühmt hat. Entweder er gesteh’
Oder er kann bezeugen, daß er unschuldig ist.“
Siegfried ward hergerufen und trat herein nach kurzer Frist.
Als Kriemhilds Mann die schwere Betrübnis Brünnhilds sah,
Nicht ahnend, was geschehen war, betroffen stand er da.
„Was gibt es, warum weinst du? Was hattet ihr für Grund,
Anklagend mich zu rufen? Und warum zögert euer Mund?“

850–856

115
Drauf Gunther: „Schwerste Kränkung geschah hier, die mich quält.
Mein Weib hat, was Kriemhilde gesagt hat, mir erzählt,
Du habest dich gebrüstet, in Liebe sei mein Weib
Verbunden dir gewesen, bevor sie mein mit Seel’ und Leib.“
Siegfried erglühte zornig: „Hat Kriemhild das gesagt,
Will ich nicht ruhen, eh sie das schlimme Wort beklagt.
Vor allen deinen Männern mit heiligem Eide schwör’
Ich und beteure: Niemals hab’ ich gesagt, daß es so wär.“
Der König rief: „Gewährst du vollgültiges Zeugnis mir,
Und leistest du den Eidschwur, dann nehme ich von dir
Jeden Verdacht der Untreu und meiner Klage Grund.“
Sogleich den Ring zu bilden, rief er die Männer von Burgund.
Siegfried erhob inmitten zum Schwure schon die Hand.
Da, schuldbewußt, sprach Gunther: „Mir ist gar wohl bekannt:
Rein bist du! Alles, was man dir Schuld gibt, ist ein Wahn.
Wes Kriemhild dich geziehen, du hast es nimmermehr getan!“
Siegfried versetzte: „Hat sie das schadenfroh gesagt
Und Brünnhild so bekümmert, daß sie sich drum beklagt,
Das schmerzt mich, wie mir niemals etwas weh tun kann!“
Da blickten rings die Ritter einander tief verwundert an.
„Die Frauen und ihre Zungen sollte der Mann erziehn,
Im Übermute reden sie sonst gern allzu kühn.
Laßt Brünnhild schweigen. Schweigen soll ferner Kriemhild dann.
Sie hat nicht recht gehandelt. Die Schuld erkenn’ ich schamvoll an.“
Oft haben Frau’n durch Worte feindselig sich getrennt.
Brünnhild in ihrem Schmerze schien gar kein Trost vergönnt,
Daß Mitleid und Erbarmen in Gunthers Männern quoll.
Da kam Hagen von Tronje und sah ihr Auge tränenvoll.

857–863

116
Er fragte, was es gäbe, woher die Tränenspur.
Da sagte sie ihm alles. Dann tat er diesen Schwur:
„Die Tränen, die Ihr weintet, werd’ ich niemals verzeihn.
Er soll sie büßen, oder ich will nie wieder fröhlich sein!“
Es fanden im Gespräche sich Ortwin und Gernot.
Da ward das Wort gesprochen: Wir raten Siegfrieds Tod!
Giselher kam näher, zu hören, was man sprach.
So jung er war, so treu auch, so wehrte er der grausen Schmach:
„Ihr Helden, welche Untat, unsühnbar wäre das!
Verdient der edle Siegfried doch niemals solchen Haß
Und nicht den Tod. Viel eher ziemt uns Treu und Dank!
Leicht nur wiegt dagegen der neiderzeugte Weiberzank!“
„Soll’n wir Bastarde ziehen am Hofe von Burgund?“
Sprach Hagen. „Mit der Ehre gingen wir selbst zugrund!
Gerühmt hat er sich Brünnhilds und so den Tod verdient.
Lieber will ich sterben, wird dieser Frevel nicht gesühnt!“
Der König selber warnte: „Nur Gutes, reiche Ehr’
Erfuhren wir von Siegfried. Drum schweigt, denn nimmermehr
Gebiet’ ich, ihn zu töten. Womit verdient er das?
Er hielt uns feste Treue. Erwidern sollt’ ich das mit Haß?“
Da widersprach ihm Ortwin. „So treu er zu uns stand,
Damit ist diese Schande nicht von uns abgewandt.
Laßt Ihr es, Herr, geschehen, büßt er die Prahlerei!“
So schuldlos Siegfried, war es mit aller Brüderschaft vorbei.
Zwar ließ man noch die Sache beruhn. Doch Hagen lag
Dem Könige in den Ohren in jeder Stund’ am Tag.
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, welch Erbe, reich und weit,
Fiel ihm dann zu! Der König hört’s an und schwieg in Traurigkeit.

864–870

117
Noch wehrte er: „Entsaget dem mörderischen Plan!
Viel ruhmeswürdige Wohltat hat er uns einst getan!
Auch ist so stark im Grimme der heldenkühne Mann,
Daß, ahnt er nur die Feindschaft, ihn keiner überwinden kann.“
„Er soll nichts ahnen“, sagte der Tronjer. „Schweigt nur still!
Geheimen Plan ersinn’ ich, wie ich ihn treffen will.
Er soll für Brünnhild büßen, sie hat um ihn geweint.
Solange Hagen atmet, so lange ist er Siegfrieds Feind!“
Da fragte Gunther dringend: „Sag, was ersannest du?“
„Ich will es dir vertrauen“, sprach Hagen, „höre zu:
Wir lassen Feindesboten, im Lande unbekannt,
Den Frieden aufzusagen, gelangen ins Burgundenland.
Dann kündet Ihr den Gästen, zum Kriege zögt Ihr aus
Mit allen Euren Mannen. Siegfried bleibt nicht zu Haus.
Er tritt in Eure Dienste. Er kämpft, er siegt, er – fällt!
Wo er verwundbar, kündet mir Kriemhild an. Dann stirbt der Held!“
Der Sinn des Königs schwankte. Das böse Wort verfing.
So hub das üble Werk an, das treulos man beging.
Noch blieb der Plan verschwiegen, bis der Verrat gelang.
Doch viele edle Männer entgalten zweier Frauen Zank.

872–876 (871)

118

XV. Wie Siegfried verraten ward
Am vierten Morgen sah man zweiunddreißig Mann
Einreiten in den Burghof. Laut kündeten sie an,
Es sei dem mächtigen Gunther der Friede aufgesagt.
Wie manche Frau hat später die Lüge tränenschwer beklagt!
Man fragte, wer sie schicke, nach Namen und woher.
Sie seien Sachsenboten, gesandt von Lüdeger,
Den Siegfried überwunden in jener Sachsenschlacht,
Als Geisel für den Frieden gefangen nach Burgund gebracht.
Der König Gunther lud sie freundlich zum Sitzen ein.
Sie wehrten ab: „Wir werden Euch unwillkommen sein,
Denn wisset, unsere Botschaft bringt Euch die schlimmste Not.
Von mächtigen Feinden seid Ihr mit nahem Untergang bedroht.
Euch kündigen den Frieden Lüdeger und Lüdegast,
Die Euch, seit Ihr sie finget, aufs grimmigste gehaßt.
Sie rüsten schon die Heerfahrt, ihr Ziel ist Euer Land!“
Der König schien betroffen und wie von jähem Zorn entbrannt.
„Meineidige Verräter“, so fluchte man, doch wies
Man ihnen Unterkünfte, wo man sie warten hieß.
Wer hätte solcher Tücke argwöhnisch sich versehn?
Auch Siegfried nicht. So konnte, was ihm verhängt war, denn geschehn.
Mit Raunen und mit Flüstern beriet sich immerzu
Der König mit den Freunden. Denn Hagen ließ nicht Ruh.
Zu schlichten, zu versöhnen bemühte mancher sich.
Nur Hagen blieb in seinem Ingrimme unerschütterlich.

877–882

119
So standen eines Tages beisammen sie, da trat
Siegfried, ob ihrem Kummer erstaunt, mit in den Rat:
„Was gibt’s? Was ficht den König und euch mit Sorgen an?
Ihr wißt doch, gilt’s zu handeln, daß Gunther auf mich zählen kann!“
Da sprach der König: „Ursach’ zur Sorge ist genug.
Die Eure Hand vor Zeiten im Sachsenkriege schlug,
Die alten Feinde rüsten, Lüdegast und Lüdeger,
Und neu zu überfallen, entsenden sie ein mächtig Heer.“
Aufbrausend sagte Siegfried: „Das werde so gedankt,
Wie es des Königs Ehre, des Landes Schutz verlangt.
Ich treffe sie wie damals. Wüst lege ich ihr Land!
Nicht eher ruh’ ich! Setzen will ich mein eigen Haupt zum Pfand!
Bleibt Ihr mit Euren Männern daheim. Ich will allein
Mit meinen Nibelungen des Landes Schützer sein.
Bewähren will ich wieder die alte Treu’ darin.
Ich breche den Verrätern den tückisch-hinterhältigen Sinn!“
„Dank für das gute Wort dir!“ sprach Gunther gradeso,
Als wäre er im Ernste der Hilfe Siegfrieds froh.
Er neigte sich, der Falsche, der seinen Freund verriet.
„Laßt alle Sorgen ruhen“, sprach Siegfried, „die Euch quält und müht.“
Siegfried listig zu täuschen, beluden sie den Troß.
Auch Siegfried ging zu sammeln die Seinen, Mann und Roß.
Dem Vater riet er: „Bleibt nur zu Haus! Gibt Gott uns Glück,
Dann kehren wir als Sieger bald wieder an den Rhein zurück.“
Sie banden an die Stange das Fähnlein voller Lust.
Zwar vielen Männern Gunthers war nichts davon bewußt,
Daß alles, was sie trieben, nur Schein und Täuschung war.
Schon drängte sich die Menge, umringend Siegfrieds Kriegerschar.

883–890

sprach Kriemhild dankbar. „daß mir ein Freund noch blieb. Der sich getraut zu schützen. Steht Ihr zu mir. Wenn’s nie geschehen wär! Was frevelnd ich geredet. sprach Hagen. könnt’ ich den Schutz versehn? Gern bleib ich ihm zur Seite. ihr schuf es bitteres Leid Und mir die schlimmste Strafe. Genau im Aug behalten. Des tröste ich mich in guter Zuversicht. wie treulich immerdar Ich hold Euch und gewogen und zu Gefallen war. wo wir auch reiten oder gehn. Auch hat mich Siegfried schwer Gestraft.“ 891–897 . sprach sie. was ich Brünnhild tat! Längst quält es mich mit Reue. ja hart geschlagen. die wert mir sind und lieb. „Wie gut“. Wie Siegfried Eure Sache in steter Treu verficht. Zum Heer stieß mancher Gast Aus dem Burgundenlande. Und wie ich’s keinem anderen als mir allein vergönn’.120 Aufpackten sie behende den Saumrossen als Last Die Helme und die Brünnen. Heut bitt’ ich: Laßt ihn ja nicht entgelten. Freund Hagen. wie er es verdient. Wär er nur nicht so tollkühn und nicht im Überschwang Des Mutes unbekümmert um Todgefahr und Untergang!“ „Befürchtet Ihr“. Mit welchen Mitteln.“ – „Gar bald ist Eure Feindschaft zu Ende und gesühnt! Wie aber könnt’ ich Siegfried so. da Siegfried es mir nicht verzeiht. So gab er vor. Anrechnen mögt Ihr’s Siegfried! Und ob ich niemals bat. wenn ihm ein Feind Verderben sann’?“ „Ich hätte keine Sorge“. „daß in des Kampfes Not Dem Allzukühnen Schaden und gar Verwundung droht. Verrat im Sinn. Gedenkt daran. in Kriemhilds Saal. sagt mir. ging Hagen. Zum Abschied noch einmal. „daß Siegfried je Im Kampf an Leib und Leben ein tödlich Leid geschäh’.

Das ist die Stelle. Sie sagte rasch: „Ein kleines Kreuzlein aus Seidenband Näh’ ich für dich zum Zeichen ihm heimlich aufs Gewand. Fiel zwischen seine Schultern herab ein Lindenblatt.“ Da sprach Hagen von Tronje: „Näht doch auf sein Gewand Ein klein Erkennungszeichen. Freund Hagen? – Ach.“ – Sie wähnte ihm zu helfen. sonst bleibt mir unbekannt. Als er den bösen Lindwurm im Felsental erschlug. als ob er schon verloren wär! Sag ich es dir. Die Stelle. stehn wir in Kampf und Not. an Kühnheit wohl genug. Wo ich ihn decken müßte. ich weiß. Nun schneidet ihn kein Schwerthieb. wenn scharf im Kampfgedräng Die Gere fliegen. sie gilt auch mir. wenn dann am heißen Tag Die Feinde ihn bestürmen in heißer Schlacht mit Stich und Schlag. Die harte Hornhaut schützt ihn gut. Und er die harte Hornhaut im heißen Bad gewann. ich vertraue dir! Die Treue zu den Deinen. ob es nicht einem Feind geläng’.“ Und dann aus Lieb und Sorge – hätt’ sie’s nur nicht getan! – Vertraute sie ihm dieses Geheimnis seines Leibes an: „Mein Mann besitzt an Stärke. wo man Siegfried zu Tode treffen kann.“ 898–904 . – Hab acht darauf! – Was niemand gewußt. Drum geb’ ich den geliebten Mann ganz in deine Hand. wo sich der Tod den Weg gelassen hat. vertraue ich dir an. Als aus dem Drachenleibe das Blut in Strömen rann. Ich bin um ihn so bange. Die Stelle mußt du hüten. und half nur mit zu seinem Tod.121 Sie zögerte: „Der Treuste bist du und mir verwandt. Und doch bin ich in Sorge. Ihn tödlich so zu treffen. Da tauchte er zum Bade ins heiße Drachenblut. daß ich ihn doch verlör’.

„ich tu’ es.122 „Vielliebe Frau“. zu rächen das frech gebrochene Wort. sprach Hagen. Blick und Eid. Lüdeger sei nun Geneigt zu neuem Frieden. In erster Morgenfrühe ritt Siegfried fröhlich fort Mit tausend Mann.“ Das hatte Hagen weislich zum Schein empfohlen und gesagt. wo ich so oft gejagt. Freund Siegfried. – Hagen schied. „Ich lade meine Gäste und tue allen kund. Und doch war Siegfried damit verraten. Das Kriemhild. genäht mit seidenem Garn. wie’s recht und billig ist. zählt auf mich!“ „Das wird ihm helfen“. so laßt uns fröhlich sein! Zu Pferd! Ausreiten will ich zur Jagd auf Bär und Schwein Zum nahen Wasgenwalde. dachte Kriemhilde still für sich. daß du zu jeder Zeit. – Drauf sandt’ er falsche Boten. daß du von allen Getreuen der Getreuste bist. der bleibe hier!“ 905–912 (906) . Das einst geschworen wurde mit Handschlag. Zu Hilfe mir zu kommen. Wer mit mir jagen möchte im grünen Waldesgrund. Dicht neben ihm ritt Hagen und schaute auf das Kreuz im Kleid. Sind wir der Heerfahrt ledig. Daß du in meinem Dienste niemals gezögert und gewankt! Gott lohne dir. daß Kriemhild den eigenen Gatten ihm verriet. Die ihm erzählen mußten. an Siegfrieds Weg zu harr’n. Entgegen ritt ihm grüßend der König: „Sei bedankt. die Zwietracht solle wieder ruhn. Ich weiß. Ingrimmig froh. freundwillig und bereit! Ich werde dir’s vergelten. ihn zu hüten. Wie ungern kehrte Siegfried zurück! Mit rascher Tat Hätt’ er gern geahndet den Meineid und Verrat. Der sei in aller Frühe bereit! Doch wer dafür Den schönen Frau’n zuliebe verweilen will.

„Ich geb’ Euch vier. 913–915 .“ Zu seinem Weib noch einmal ritt Siegfried. Die Steige auch. dann reif ich gerne mit. wo Tiere stehn im dunklen Tann. wohin das Wild sich zieht. Und ihn – zu ewiger Schande – aus einem Hinterhalt zu fäll’n. Hagen sann Mit Gunther.“ „Wollt Ihr nur einen haben?“ versprach der König gleich. Sie kennen alle Stellen. Gebt mir nur einige Bracken und einen kundigen Mann. wie man listig dem überstarken Mann Vermöchte. wenn etwa ein Jägersmann weit abgeriet. bewandert im ganzen Jagdbereich. im geheimen am besten nachzustell’n. Der überall Bescheid weiß.123 Da sprach Herr Siegfried lachend: „Gilt es bei frohem Ritt Ein edles Wild zu jagen.

Zum Abschied küßte Siegfried sanft der Geliebten Mund: „Gott füg’s froh kehr’ ich wieder. Dann flehte sie zu Siegfried: „Laß heut. Danach erfuhr Kriemhilde nie Schlimmeres an Not und Pein. Sie wollten über’n Rhein. Wie sie dich hetzten. als mit dem scharfen Ger Das Wisent anzugehen. Wie Siegfried erschlagen ward Zur Pürschjagd rief der König. doch fing sie an zu klagen Und weint’ an seinem Halse maßlos in wildem Leid. Indes man draußen auflud Gerät und Pürschgewand. 916–921 . Mit seiner Frau noch einmal saß Siegfried Hand in Hand. Auch der Gefährten Kleider. den wilden Bär! Mit ihnen ritt auch Siegfried in seiner stolzen Art. Gar männlich Ding erschien es. Gar reichlich Trank und Speise befahl man für die Fahrt. nur heut die Jagd! Zwei wilde Schweine sah ich im Traume letzte Nacht. An einem kalten Borne geschah danach der Mord. ich sehe dich gesund. so quält mich meine Angst und Not. die grobe Sau. doch Arglist lag darin. Und mich dein liebes Auge! Mich treibt die Lust hinaus. Dem eignen Leben fluchte die Frau in lauter Traurigkeit. Weithin war rings die Heide rot. Das war nach Hagens Sinn. Was wäre Helden lieber. Brünnhilds Wort. – nur scheute sie’s zu sagen – Was Hagen sie vertraute.124 XVI. Nun muß ich immer weinen. Der angestiftet wurde durch eines Weibes. Genieß du mit den Deinen indessen frohe Zeit zu Haus!“ Da dachte sie an alles.

Man wählte klug am Waldrand den Anstand. Dann ging er schnellen Fußes. daß alle meine Freunde sind. Zwei Berge brachen jäh über dir zusammen. du lieber Mann!“ „Sorg dich nicht. denn voll von Tränen ist mir das Herz und sorgenschwer. Nun eilten sie von dannen in einen tiefen Tann. über’n Rhein. Giselher und Gernot. waren nicht dabei. Ach. Liebste!“ sprach er. irgend einer plant etwas schlimmer Art. Und niemand dich und mich auch feindselig hassen kann. mein Herr. Es sorgt doch solch ein König. Ein Anger dehnte weithin sich breit und gut zur Jagd. Ich hatte schlimme Träume. die Brüder wohlgesinnt. so reich und ehrenwert. der lebensfrohe Held. Als Siegfried nahte. Schon vorher gingen Rosse. ward es dem König Gunther angesagt. Mein Blick fand dich nicht mehr. mit Brot und Fleisch und Wein Und anderen guten Dingen beladen. 922–928 . mein Siegfried. wo das Wild Dem Jäger gut zum Schusse herausbricht ins Gefild. niemals sah die Frau ihn lebend wieder in der Welt. Meute und Jägersmann. ich verdient’ es. Ob wir auch keinen kränkten und jedem Treu bewahrt.“ Zum Abschied schloß die Arme er um den edlen Leib. mir schwant ein furchtbar Weh. Doch fehlten ihrer zwei. Sind mir doch die Verwandten. Ich denk auch. Daß keiner seiner Jäger an Freuden irgend was entbehrt. die Brüder.“ „Nein. „Denn wieder bald vereint Bin ich mit dir. Zum Tröste küßt’ er innig das ahnungsbange Weib. Jagdlustigen Sinnes Ritter. Mein Herz beschwört dich innig: Bleib’ heut daheim. Bleib hier.125 Ich fürchte. nein. Dahinter die Gefolgschaft. Auch hab’ ich hier keinen einzigen Feind.

Den Männern wird die Meute zu gleichem Teil gesellt. Der suchte. Siegfried schlug vor und sagte: „Bestimmt. Ein alter Jäger griff sich den besten Spürhund gleich.126 Dann wurden ihre Plätze den Jägern zugeteilt. Ein starkes Einhornfohlen. Was bei des Bracken Ansprang den Weg ins Freie fand. Wo allerlei Getier sich vom Lager hob zur Flucht. Da ging es hinterher gleich nach Jägerart durch Berg und Schlucht. Bis er darauf im Dickicht gleich einen grimmigen Löwen fand. schnob und führte Siegfried in ein Bereich. die am Ende der heutigen Jagd die besten sind. das er allein bestand. Siegfried ging mit den Worten: „Nehmt ihr die Hunde nur! Laßt mir bloß einen Bracken. Und wer das beste mitbringt. der klug des Wildes Spur Durch Tann und Sumpf und Dickicht sicher verfolgen kann. 929–935 . Und wer durchstreift zum Jagen das Waldrevier zu Roß. Das schlug der kühne Siegfried. Kein Wunder. daß er schließlich den höchsten Ruhm des Tags gewann In allen Männertaten war er erprobt und klug. Viel Glück zur Jagd!“ Dann sprengte von dannen Kriemhilds edler Mann. der Held vom Niederland. wohin es ihm gefällt.“ Da riet Herr Hagen: „Laßt uns getrennt zum Jagen gehn. sei erster Jagdgesell!“ Nun galt kein länger Warten. Ein jeder mag sich wenden. Bis wir auf diesem Platze uns schließlich wiedersehn. wer hier verweilt. Es können dann erkennen Herren und Gesind Die Schützen. der glücklich ein Tier zu Tode schlug. Sein Roß flog unterm Sporne. daß ihm kein Stück entrann. Aufs Pferd! Die Jäger schieden schnell. Das scheue Wild zu spüren im Tann mit Hunden und Geschoß. Der erste heut.

Nicht Hinde. Denn vierundzwanzig Hunde waren von den Leinen los. und die Burgunden sah’n. Vier Auerochsen fielen. hob Siegfried seinen Bogen. Schnell trug das Pferd ihn weiter. Getos’ und Klang Von Hunden. Ging jäh im Todesmute das wilde Schwein ihn wütend an. das Treiben war vorbei. Ein Riesenhirsch ging bäumend. Flog schwirrend. Gleich lag er tot im Tann. Rossen. Was Siegfried sich zur Freude bei dieser Jagd allein getan. Von allen Seiten hörten sie Lärm. 936–943 (942) . Da jubelten die Jäger dem Helden zu mit lautem Dank. Ein lautes Echo drang Von Bergeshängen hallend aus Busch und Waldesschoß. Ein Schlag. stürmisch folgend. Zur Feuerstätte brachte man Häute allerlei Und Wild in reicher Fülle. ein Stich Tief ins Genick dem Eber! Wer jagt so meisterlich! Den Bracken fing man wieder. die Spur ihm abgewann. Als Siegfried. So überlaßt. uns auch noch einiges Wild. Die Jäger standen lachend: „Da es die Ehre gilt. Nun ging’s dem End’ entgegen. ein eisenscharfer. Leuten. Herr Siegfried. und der Löwe sprang dreimal noch und sank. Hei! Braten gab’s genug. Ihr rottet ja die Tiere fast aus in Berg und Tal!“ Er lächelte. mit Macht zurückgezogen. Einen großen Eber aufstöberte der Hund Und hetzte auf der Flucht ihn tief in des Waldes Grund. ein Wisent brach zugrund Ein mächtiger Elchbulle getroffen stürzte todeswund. Zu dem das Ingesinde das Fleisch zur nahen Küche trug. Da griff der Mann der Kriemhild zum Schwert. Reh entrann.127 Als den der Bracke ansprang. Der Pfeil. hielt inne und ruhte von der Jagd einmal.

da floh der Bär zu Tal. aufgesessen dann!“ Und langsam trug sein Roß ihn durch Dickicht hin und Tann. daß es uns nicht entwischen kann!“ Man hetzte drauf den Bracken. die Tafel zu bestellen. Da sagte Siegfried heiter: „Nun. Vom Königsstande rief es. Bescheid will ich ihm geben. Bis hin und her im Blasen das Königshorn die Richtung wies. Bis auf der Flucht im Dickicht der Bär ein Erdloch fand. Da könnt’ er nicht entrinnen. Da störten sie ein Tier auf. 944–950 . wie’s Männern auf der Jagd gefällt. Nun ward ein Horn geblasen.“ Er stand und horcht’ und blies. Der König lud zu Speis’ und Trank. Die horchten nach der Gegend. Doch Siegfried reckt’ sich in die Höh Und rief nach rückwärts: „Bindet den Bracken los! Ein Bär! Für unsre Jagdgenossen zum Spaß begleitet er Als Gast uns in das Lager. Er weicht! Doch drauf und dran Und hinterher dem Tiere. Die Jäger sollen kommen. Zum Feuer bracht’ es lachend im Übermut der Held. Ein kühnes Spiel wahrhaftig. Ein Jäger Siegfrieds lauschte: „Ein Horn hab’ ich vernommen. Nun konnte er nicht beißen noch kratzen. woher der Hornstoß drang. Doch aus dem Sattel springend durch Busch und Zweige schnell Drang Siegfried nach und folgte ins dunkle Erdgefäll. das grimmig brummend jäh Verschwand in einem Busche. Das rief die Jagdgesell’n. Vom Lagerplatze kam er.128 Der König hieß den Dienern. Mit seiner bloßen Hand Zwang Siegfried um die Tatzen und um das Maul ein festes Band. Siegfried ritt Und nahm das Tier am Sattel fest angebunden mit. Worin er sich versteckend vor Pfeil und Hunden sicher stand. Doch schneller noch war Siegfried. Kriemhildes Ehegemahl.

Nur einer. Da sah’n sie: An den Sattel gebunden war ein starker Bär. Sein Hut aus dunklem Zobel zur Jagd zierlich geschmückt. Und wenn ich euch noch weiter von ihm berichten soll: Es stak sein prächtiger Köcher von spitzen Pfeilen voll. Ein Band Von hellem Pelz verbrämte sein ritterlich Gewand. Zur Seite zierten Fibeln. Ein Wams von schwarzer Seide dem Reiter prächtig stand. wen jemals ein Schuß damit getroffen hat. Auch führt’ er Balmung mit sich. Daß sich vor seinem Hiebe kein Eisenhelm bewahrt. das Kleid.129 Ein herrlich Bild – der Reiter im hohen Tannenwald! Der Ger im Bügel stählern von mächtiger Gestalt. So ging ein heller Lichtglanz mit ihm als leuchtendes Geleit. die Schneide harter Stahl. Siegfried. golden gespannt. war fein das Pürschgewand. Dem Jäger stolzer Jagdschmuck und gute Manneswehr zumal. Straff war des Bogens Sehne. Wie man es selten sehn mag. Zu Tode sank. Von seiner Schulter hing ihm ein Otterfell. ein Schwert von solcher Art. In goldnen Röhren liegend. So ritt der stolze Weidmann dahin auf starkem Roß. liefen die Leute von dem Troß Ihm schnell entgegen. So breit wie scharf geschmiedet. Das Schwert mit reichem Zierat hing nieder bis zum Sporn. Daß sie mit einer Winde nur mühsam ward gespannt. 951–957 . zwang sie allein mit seiner bloßen Hand. Am Gürtel sonnenblinkend von rotem Gold ein schönes Horn. Als er sich nahte. nahmen ihm Zügel ab und Ger. von solcher Kraft erfüllt. Der Köcher. Es lag in Fell vom Panther der Köcher eingehüllt. handbreit ihr scharfes Blatt. ganz mit Perlen und bunten Borten rings bestickt.

Wär nicht dabei gewesen so böse Hinterlist. Es hallte in den Bergen von Lärm. War alles gut gegangen. die’s gesehen. Vorbei war’s mit dem Mahl. 958–964 . Doch kam vor lauter Hunden kein Jäger recht zu Schuß und Stoß. Die Männer wären ledig der Schuld. die an den Leinen lag. Bis von den kühnen Jägern der Bär sich scheuchen ließ. Und all die guten Speisen fielen in den Aschensand. bald hier! Die vollen Kessel stürzten. Die Leute schrien ängstlich. Siegfrieds gewaltige Kraft. Welch eine Fülle schöner Gerichte hatten sie zur Wahl! Doch schienen noch zu zögern die Schenken mit dem Wein. Nun aber lud zum Schmause man ein die Jägerschaft. Man trug den toten Bären zum Feuer an den Küchenherd. wie froh verlaufen war der Tag! Nun säumte man nicht länger mit Bogen und mit Spieß. Der König laut befahl. zur Küche kam das Tier. Auf grünem Anger saßen sie nieder froh zum Mahl. als sie den Bären sah’n. Der lief ihn an und traf ihn zu Tode mit dem Schwert. Da kamen angerannt Ganz toll vor Wut die Hunde. Geheul. Da lobten. verstreut lag rings der Brand. O wie die Köche liefen! Bald war es dort. Der Bär entsetzlich brummte. Die Meute loszulassen. Der Bär lief vor der Meute und floh den Berg hinan. Da sprangen auf die Herren. Der wandte sich zum Walde. Getos’. Das pflegen durstige Jäger nur selten zu verzeihn.130 Nun stieg Siegfried vom Pferde und löst’ des Bären Band Vom Maul und von den Tatzen. Ihm konnte keiner folgen als nur Kriemhildes Mann. doch fand er keine freie Bahn. die niemand je vergißt.

ihr edlen Herren.“ Hagen von Tronje sagte: „Nun zürnt mir nicht zu schnell! Es springt ganz in der Nähe ein eiseskühler Quell. Siegfried litt arge Drangsal von seines Durstes Qual. in Eile auf das Mahl. Da sagte Hagen Tronje: „Man rühmt doch. Doch bringen uns die Schenken nicht einen Tropfen Wein. Er soll es heut beweisen. Da sprach Hagen von Tronje: „Mir wurde angesagt. daß im Lauf Dem schnellen Siegfried keiner wetteifernd folgen kann. ob er den Ruhm mit Recht gewann. der König sprach trügerisch es nur zum Schein. so ist es des Tronjers Schuld allein.“ Herr Siegfried sprach voll Ärgers: „Seid schön bedankt dafür! An sieben Lasten Rotwein und Met genügten schier Kaum.131 Herr Siegfried sprach im Scherze: „Es wundert mich fürwahr. Sorgt Ihr nicht besser. kaum begonnen. Verlangend nach der Quelle. die frisch dem Berg entsprang. ich hätt’ es wohl verdient!“ Der König rief vom Tische: „Der Fehler wird gesühnt! Verdursten wir. mag ich nicht wieder Jagdgeselle sein! Daß man mich besser pflegte. Zum Spessartwalde ginge an diesem Tag die Jagd. Drum hob er. So hab’ ich auch das Weinfaß ans falsche Ziel geschickt. Verhüten werd’ ich künftig. Die durstigen Männer brachen zur großen Linde auf. Dann hätten wir uns besser gelagert näher an den Rhein. Doch konnte es nicht sein.“ Das Wort war falsch. Dahin.“ 965–972 (971) .“ Zu großem Leid und Unheil erwuchs des Tronjers schlimmer Rat. So gut bestellt mit Speisen auch Eure Küche war. meinen Durst zu löschen. die ihm verlockend wies den Trank. weiß ich den nächsten Pfad. daß uns wie heut kein Wein erquickt. Es war die schlimmste Tücke.

Er löste seinen Köcher. eh’ vor ihm nicht König Gunther trank. im Wettlauf Meister. Das Brunnenrauschen lockte den Durstigen zu Trank und Rast. erhob er sich vom Grund. Gunther und Hagen warfen Waffen und Kleid beiseit. Dem sei von uns die Ehre des schnellsten Läufers zuerkannt!“ „Die Wette gilt!“ rief Hagen. mehr noch!“ rief der Kühne. Doch Siegfried lachte hell: „Ich gebe euch noch Vorsprung! Hier an der gleichen Stell’ Verweil’ ich noch im Grase. Und doch kam Siegfried früher als sie beim Lindenbrunnen an. als er es hörte. Jetzt beugte sich der König hinunter auf die Flut. zuerst die Quelle fand. wer von uns dreien am schnellsten laufen kann! Und wer. Und als er so getrunken. Der Quell war kalt und lauter. Doch ward ihm dafür schlimmer Dank. den Köcher. Lauft ihr nur vor mir fort!“ Wie lieb war König Gunther. Nun hätte Siegfried gerne am Quell geletzt den durstigen Mund. das Schwert vom Gürtel dann Und lehnte seinen Jagdspeer an einen Lindenast. In allen Dingen war er den Besten stets voran. Auf Zucht und höfische Sitte stand Siegfrieds edler Sinn. daß er völlig gewaffnet und gerüstet stand. Wie ihn der Durst auch quälte. 973–979 . er gürtete und band Das Schwert um.132 Der Held vom Niederlande erwiderte: „Wohlan! Laßt sehn. Noch trank er nicht. In weißen Hemden standen sie da zum Lauf bereit. das Wasser rein und gut. „im vollen Pürschgewand Will ich den Lauf versuchen!“ Er nahm den Ger zur Hand. dieses Wort! „Ja. Hing um den Schild. Er legte Schild und Köcher am Brunnenrande hin. Wie wilde Panther rannten sie durch den Klee bergan.

980–986 . Trotz seiner Todeswunde schlug er mit solcher Kraft. Nie wieder ist ein Held wohl zu solcher schlimmen Tat bereit. Das Schwert mitsamt dem Bogen trug Hagen ins Gebüsch. Das Blut sprang aus der Wunde herauf an Hagens Kleid. Daß er zu Tod getroffen. Den Balmung und den Bogen. Ihm ragte aus dem Rücken der lange. Ihm mangelte das Schwert nur. Den Ger an Siegfrieds Herzen ließ stecken er und floh. Wie vor dem wunden Helden. sich zu rächen. er strauchelte und sank. Er rafft’ ihn auf vom Brunnen und rannte Hagen an. Wie gerne. schwere Ger. Warf Hagen in den Rücken ihm seinen eigenen Spieß. Nun konnte ihm nicht länger entrinnen König Gunthers Mann. und aus der Haft Die Edelsteine sprangen. Hätt’ er sie jetzt gesehn. Indes Siegfried am Brunnen sich trinkend niederließ. das Siegfried trug am Jagdgewand. Da blieb ihm keine Waffe.133 Sein ritterlich Benehmen vergalt man mörderisch. hätt’ er den Todesstreich geführt! Da wankte Hagen rückwärts. Der Todeswunde raste und suchte seine Wehr. Doch Siegfried fühlte gut. die dessen Rand geziert. Vor keinem Menschen war er jemals geflüchtet so. In grimmigem Zorne raste der todgetroffene Held. Auf sprang er wild in letzter Wut. Sprang dann zurück und faßte den Ger mit fester Hand Und spähte nach dem Zeichen. sonst läge Hagen tot im Feld. Daß fast der Schild in Stücke zerbrach. Im Augenblick wär Hagen sicher nach Verdienst geschehn. Der Schild nur lag zur Hand. Doch als er weder Balmung noch seinen Bogen fand. Von Siegfrieds Schlägen hallte ringsum der Widerklang.

Kriemhildes edler Mann. was ihr getan habt an mir. Daß über seinen Hochmut und Herrensinn ich Sieger blieb. Nur allzu billig habt ihr den Haß an mir bewährt. Du hättest ihn viel besser verhindert. Nun er des Todes Zeichen fahl auf den Wangen trug. Noch einmal sprach er bitter in letzter Todesnot Zu denen. Gunther. Er konnte nicht mehr stehn. wo man noch Helden ehrt!“ Nun eilten alle Ritter dahin. Daß du am Schaden jammerst. als dich jetzt betrübt. Wie er es wohl verdiente. Er ward von schönen Frauen in späterer Zeit beweint genug. Auch der Burgundenkönig beklagte seinen Tod.“ 987–993 . tief bekümmert. Dann sank er in die Blumen.134 Nun blich sein edles Antlitz. Dazu bin ich euch nah verwandt! Noch eure Kindeskinder trifft diese ekle Schmach Für das. Ihr alle war’t gewohnt.“ Der grimme Hagen prahlte: „Was soll das Klagen noch! Ist unsere Not und Sorge mit ihm zu Ende doch! Wer wagt uns drum zu strafen? Niemand! Es ist mir lieb. wo Siegfried lag. verfluchten diesen Tag. Man sah. ein Mord war’s. Die Treugesinnten klagten und trauerten um ihn. wie reich der Blutstrom aus seiner Wunde rann. Gar viele. Und handelt so am Freunde. Daß ich in steter Treue an eurer Seite stand. der nichts verbrach. Doch Siegfried sprach im Sterben: „Dir. Es schien die Kraft des Leibes in Ohnmacht zu vergehn. den du selbst mit verübt. Gemieden und geschändet seid ihr. die ihm schufen den tückisch-meuchlerischen Tod: „So habt ihr meine Dienste gedankt! Wie schlecht ihr lohnt! Ein feiger Streich. der immer fröhlich war und kühn. ist nicht not.

War sie mir doch das Liebste. Ich hätte wohl bewahrt mir das Leben und den Leib. Da hatte ihn die Waffe des Todes schon gefällt. Und meinen Sohn befehl’ ich in Gottes Hut. „dieser Tat. der edle Mann war tot. da du ein König bist. und dann starb der Held. Nicht lange währte das.und jammervoll Verwandte ihn erschlugen. Nun dauert mich auf Erden kein Mensch mehr als mein armes Weib. dann nimm dich Kriemhilds an. Vergeblich harrt mein Vater. Und sagen gleicherweise. wie dir’s zukommt. Es kam von seinen Lippen kein Wort mehr. läg’ ich nicht todesmatt und wund!“ Nun wandte sich an Gunther der todwunde Mann: „Gibt es für dich noch Treue. Ich hätte wahrlich Grund. Kriemhildes edler Mann Sei tückisch überfallen von Räubern auf der Jagd im Tann. harren die Leute mein. Man soll Vom Vater ihm erzählen. Hätt’ ich nur ahnen können den meuchlerischen Rat. Nun rang er mit dem Tode. 994–1000 . daß es Hagen tat. laß sie dir teuer sein. Sein Schicksal zu beklagen. sprach Siegfried. die deine Schwester ist. Als nun die Ritter sahen.135 „Leicht mögt Ihr Euch wohl rühmen“. Legten sie auf den Schild ihn. Darum verschweigen wir es am besten. Ist dir ein Mensch noch teuer. Da meinten einige Männer: Es ist ein schlimmes Ding. Dann gingen miteinander sie insgeheim zu Rat. Sei gütig. Doch größer als Kriemhildes Herzleid wird nie ein anderes sein!“ Die Blumen allenthalben waren vom Blute naß. wie schmach. das auf der ganzen Erde mein! Sei brüderlich zu Kriemhild. wie es ging. der glänzte goldenrot. Wie man’s verhehlen könnte zu Hause.

wird Kriemhild auch meine Tat bekannt. – was tut’s! – das achte ich gering!“ 1001 . Ihr. die sich schwer an Brünnhild. Mag sie ruhig weinen.136 Doch Hagen sprach dagegen: „Ich bring’ ihn heim ins Land. der Königin verging. Mir ist es gleich.

1002–1007 . Sie war schon wach. und wie er     begraben ward Sie harrten bis zum Abend. Sie weckte ihre Mädchen und rief sie ins Gemach. Sie legte zum Gang die Kleider an. Auf seinem Schilde ruhend. So sollte er. vom Blut gerötet war das Gewand und feucht. Der fand dort von ihrer Tür den toten Mann. wie es ihn deucht’. Wie Kriemhild ihren Mann beweinte. nichts ahnend. wenn mit den Mädchen sie Zur Messe ginge. So ließ ihn Hagen legen vor Kriemhilds Tür in dunkler Nacht. Das Licht in seinen Händen gab einen matten Schein. Ein Fremder vielleicht. In Heimlichkeit geschah es. Er traf die Frau’n. Erschlagen auf dem Schilde und rot von Blut betaut. Denn selten nur versäumte Kriemhilde diese fromme Pflicht. Er kannt’ ihn nicht.137 XVII. ward Siegfried heimgebracht. Nie gab es wohl schlimmere Jagd als die. Im Dunklen querten sie Den breiten Strom. Von hartem Hohn und heißer. In erster Morgenfrüh Sollte Kriemhild ihn finden. Die Münsterglocken klangen wie sonst. Er sah.“ Da schrie Kriemhild erschreckt auf mit maßlos wildem Klagelaut. Und mancher gute Kämpfer entgalt es schwer und starb ihm nach. Licht ward gebracht. lange vorm ersten Tageslicht. Der Kämmerer kam. was Hagen riet und tat. Vernehmt nun. „ein Toter liegt im Gang. des schwersten Leids Verkünder sein. Es flossen um dies Wild noch viel Tränen tausendfach. „Geht nicht hinaus!“ so rief er. ingrimmiger Rachetat Erzählt das Lied. Die folgten dem ersten Glockenklang.

Geraten hat es Brünnhild. Daß ihres Jammers Stimme klagend das ganze Haus durchdrang. Das Unglück.“ 1008–1014 . das mich traf. sie hat ihn gleich erkannt. vom Schmerze übermannt. dem Vater. wie er vor Todgefahr Den Helden schützen möchte. Sie schaute schmerzversunken still auf das grause Bild. Sie sprach: „Siegfried ist es. er möge mir nahe sein in meinem Leid. – So lag sie. Das war Hagens Rache! So straft’ er. Da schrie sie: „Keine Scharte – seht her! – verrät der Schild. erschütternd ins Gemüt.“ Vor seinem Leichnam kniend. – dann neu das Herz bedrängt Zu ihrem Weh erwachend. Es war ein böser Plan. Von Sinnen. schrie sie so schmerzensbang. Die Mädchen sagten tröstend: „Es kann ein Fremder sein!“ Ihr sprang das Blut vom Munde. wer es getan. erpreßt von grimmer Pein. daß Brünnhild geweint! In ihrem Jammer sagte Kriemhild: „Aus ihrem Schlaf Weckt schnell die Mannen Siegfrieds. Sagt allen! Gebt auch Siegmund. stumm. Drang ihr die Frage Hagens. Hob sie sein schönes Haupt mit ihrer weißen Hand. Kein Streich hat ihn zerhauen! Wehrlos traf dich die Not! Ermordet bist du! Wüßt’ ich. wie leblos. wer jener Tote war. Da lag in Todesblässe der stolze Held von Niederland. in Ohnmacht tief versenkt. Sie wehklagten um ihn Mit ihrer lieben Herrin in Schmerz und Gram vereint. schön und schweigend. Und bittet ihn. gleich Bescheid. Wie rot es war vom Blute. Da sank ihr Glück zusammen. es wär’ sein Tod!“ All ihre Frau’n und Mädchen weinten nun und schrie’n Um ihren edlen Herren. – Aber Hagen hat’s getan. wie wenn ein Licht in Nacht verglüht.138 Eh nur ihr Sinn erfaßte.

Hin liefen sie. wie Kriemhild schluchzt und weint. Ein Unheil ist geschehen. furchtbare Herzeleid geschah!“ Siegmund saß auf im Bette. In blinden Wüten griffen sie wild nach ihrer Wehr. seid ihr nah! Helft ihr. wie keins bisher. Herr Siegmund! Die Herrin schickt mich her. der nach dem Hause lief. „Erwacht! Steht auf. rief hundert von seinen Rittern her. Beweinen müßt’ ich Siegfried dann bis an meinen letzten Tag!“ „Es ist die volle Wahrheit. Wie überfiel die Nachricht sie jäh mit Schreck und Gram! Sie wollten es nicht glauben. den Gatten dir Armen.“ Da preßte jäher Schrecken des Vaters Herz zu heißer Not. mir mein Kind Durch Mord geraubt. sag’s geschwind mir. bis man das Wehgeschrei vernahm. Er sprang vom Bett. ob’s auch unfaßbar scheint! Glaubt Ihr mir nicht. Sie bittet. was ich hören soll!“ Es jammerte in Tranen der Bote: „In der Nacht – Dürft’ ich es doch verschweigen! – ward Siegfried tot ins Haus gebracht. Siegfrieds Gefolgschaft eilte mit tausend Männern auch herbei.“ Da sprach Herr Siegmund zornig: „Ist das ein übler Spaß. Wo noch die treue Mannschaft der Nibelungen schlief. Des. einer mich zu schrecken. dann hört nur. die uns gebracht ins Land! Wer hat’s getan. in Bosheit sich vermaß? Ob’s wahr ist. unseliger Ahnung voll: „Welch Leid und welches Unheil? Sag. wenn es dein Mund vermag. schrecklich. Und kummerschwer für Kriemhild. da wir doch hier unter guten Freunden sind?“ 1015–1023 (1016. 1022) .139 Ein Bote ward beschieden. da Euch das gleiche. Wie ihre Frauen klagen um ihres Herren Tod. wo Jammer erscholl und Wehgeschrei. Siegmund nahm schmerzbewältigt in Trauer Kriemhilds Hand: „Verflucht sei diese Reise.

die Waffen sollten ruhn. War’s Gunther mit den Seinen. sich zu waffnen und stürmten fort in wilder Hast. Ja. sie gebot am Ende. 1025–1032 (1024. Mit denen Siegfried gestern zur Jagd geritten war? Die Waffen all der Männer ward Kriemhild voller Angst gewahr. beschwor Kriemhild. Doch ob sie droht’ und flehte. Wie sehr sie litt vom Kummer und ihrer eigenen Not. Bekümmerte die Herzen und hallte dumpf durch jedes Haus. Mit Schwertern und mit Schilden. Noch standen sie. Zu lösen mit dem Tode des Mörders das beschworene Wort. wie ein Freund wohl dem Freunde hilft mit gutem Rat Doch hoben sie die Schilde im Trotze.140 Den Sohn umfing der Vater. wuterfüllt. Die Nibelungen hoben die Hand zu einem Eid: „Wir rächen unseren König! Wir rächen Kriemhilds Leid! Der es getan. war ihnen doch nicht kund. Noch einmal standen weinend die Seinen rings um ihn geschart. unschlüssig. Elfhundert kehrten wieder. den Herren von Burgund. weilt sicher verborgen im Palast!“ Sie eilten. Dann ward er aufgebahrt. ja in die Stadt hinaus. um Haupt und Nacken schlang Zum Abschied er die Hände. Herrn Siegmunds ganze Schar. entschlossen offenbar. Es wurde nun entkleidet des Helden schöner Leib. das zu trösten vermochte Siegfrieds Weib. Stand ihr doch schon vor Augen der Nibelungen Tod Im Kampf mit den Burgunden. Kein Wort gab’s. weiter. Nach Kampf und Blut verlangend. Zu sühnen ihres Königs heimlichen Meuchelmord. So wehrte sie und bat Und warnte. Man wusch ihm seine Wunde. Da bat. 1031) . die Treuen wollten’s doch nicht tun. Der Freunde Klage drang Durch Saal und Halle.

kein Tag geht.141 Sie sprach: „Herr Siegmund. den Toten zu ehren. und duldet still mit mir. Fügt es sich einst. Das nächtig trübe Dunkel zerfloß beim ersten Strahl. Dann seid gewiß. 1033–1040 . des Treue noch innig an dem Toten hing. Zu wissen. bis endlich der Rache Tag anbricht. ganz wie ein König ruht. wollen mit Eurer Hilfe wir In seinen Sarg einbetten meinen lieben Mann!“ Auf diese Worte nahmen sie ihren Rat gehorsam an. Denn überlegen sind Die Kräfte der Burgunden. stahlfest und eichenstark. wer Siegfrieds Mörder ist. Mancher kam. der vielen Pfaffen Sang. Den Leichnam ihres Fürsten. glutgehärtet. Dem Zuge schwoll entgegen der düstere Trauerklang Der tiefen Münsterglocken. wodurch Siegfried schuldlos solch Ende nahm. Man hieß die Schmiede fügen in Eile einen Sarg Von Silber und von Golde. Doch bei der Arbeit war es den Leuten schwer und trüb zumut. Dann trifft ein Mann der Euren auf dreißig! Gott allein Wird ihnen nach Verdienste vergelten und ihr Richter sein! Ich bitt’ Euch. Mit seinen Herrn und Mannen. Sie trugen in das Münster. leistet nur heute erst Verzicht Und schiebt es auf. Wenn Euer Kampf beginnt. Mit ihren Frauen standen die Bürger weit und breit. Mit Spangen. und weiß ich. Auch Gunther kam. In Trauer weinend ging Manch einer mit. wo meine Rache ihn vergißt. Sobald es Tag wird. Weithin war schon die Kunde gedrungen. bleibt und schweiget. wie es Pflicht. Ich rate ab vom Streite. Sie fühlten mit im stillen der Herrin unermeßlich Leid. wie Kriemhild es befahl. Auch Hagen fehlte dabei nicht.

142 Er sagte: „Liebe Schwester. wie es noch oft geschieht: Wenn unbekannt ein Mörder dem Opfer naht. „gut bekannt. die Räuber erschlugen ihn im dunklen Tann!“ „Mir sind die Räuber“. Es wollte sein Geschick. Gunther und Hagen –. Doch Kriemhild wehrte ihnen: „Laßt eure Rache ruhn!“ Zur Schwester kamen Giselher und Gernot nun: „Nimm Trost an! Tot ist Siegfried.“ Da sprach im Zorne Kriemhild: „Du hast dazu gar keinen Grund! Wär’s nicht dein Wunsch gewesen. er lebte! Nimmermehr Wär diese Tat geschehen! Mein dachtet ihr nicht mehr.“ 1041–1049 (1048) . uns allen. es war eure Mörderhand! Doch Gott wird es einst fügen. weh dieser großen Not. Die nicht nur dir. Als von dem lieben Manne ihr grausam mich getrennt. Der mag hier vor den Leuten an seine Bahre gehn! Heran soll jeder treten! Dann wird man schnell die Wahrheit sehn!“ Ein Wunder nämlich gibt es. wenn ich ihn nur erwecken könnt’!“ Sie wehrten sich mit Leugnen. Doch Kriemhild stand und sprach: „Beweist es! Wer unschuldig und rein von Schuld und Schmach. dann sieht Man frisch die Wunde fließen. gerächt wird dieses Blut!“ Da brausten Siegfrieds Ritter von neuem auf in heller Wut. beklagt ihn unser Mund. ich stürbe. Wir woll’n. so lang wir leben. beschied Verlust und Tod! Ewig beweint das Auge. Wie’s gestern floß. Er trat hin an die Bahre. wollte Gott. Das Blut floß reich und rot. ersetzen dein verlorenes Glück. und wer der Täter war. sagte Kriemhilde. Der König Gunther aber trat hin vor seinen Mann: „Nicht Hagen war’s. So ward auch Hagens Schuld hier vor aller Augen offenbar. Da wuchs noch die Trauer und die Not. Ach.

daß nun im Sarge der edle Tote lag. traten still herein. Die Glockentöne schwiegen. In Tränen ganz zerflossen auch Mutter Ute kam Begleitet von den Frauen. mir und dem Toten hold. die Herzen alle voller Gram. Liegt auch mit ihm im Sarge all meine Lebensfreude da. Zum Heile seiner Seele floß reiches Messegeld. Ach. Kriemhild sprach zu den Freunden: „Bei Siegfried bleibe ich. Um Siegfrieds Seele willen austeilen reichlich Gut und Gold. War doch geliebt von vielen. Da draußen drängte murmelnd das Volk. wollte Gott. Die ihn geliebt im Leben. argwöhnisch mancher Mann. wenn’s eben des Opfers Sinn verstand. mit Siegfried vereinte mich der Tod! Das war ein Trost! Zu Ende war dann der armen Kriemhild Not. Der Sarg ward nun am Mittag im Münster aufgestellt. Der Glocke Schlag Verriet. daß man Siegfried schon jetzt begrub. Und dennoch sollt ihr allen. Hinein von seiner Bahre man sanft den Leichnam hub. Sie hüllte seine Glieder in weiche Seide ein. sieht ungern.“ Kein Kind so klein. Dem gab man Geld zum Opfer in seine Kinderhand. Laßt mich zur Nacht nicht einsam. Laut weinend wehrte Kriemhild. Man sang wohl hundert Messen an diesem Trauertag. Die arme Kriemhild sandte und wies die Kämmerer an: „Wie man mich liebt. Daß ich mich seiner Nähe zum Trost ersättigen kann.“ 1050–1056 . das Volk zerstreute sich. von seinen Feinden selbst der Held. Da Siegfrieds Heil den Freunden in treuem Sinn und Herzen lag. Dem Toten bin ich nah. Drei Tage und drei Nächte laßt mir den lieben Mann.143 Doch gab es keinen Trost mehr für Kriemhild auf der Welt.

benetzte Stirne ihr und Wang’. Als Wache seine Ritter bei ihrem Herrn zum letzten Mal. Für Seelenmessen alles zu opfern. die es wollten. was ihr als Nibelungentreue preist! 1057–1067 (1063–1065) . Stand Kriemhild machtlos ringend mit ihrem tiefen Gram. An Siegfrieds Sarge standen. wie es die Pflicht befahl. Daß sie wie sinnverloren ohnmächtig niedersank. die Geistlichen sich mühn. Am dritten Tag zur Messe in aller Morgenfrüh Durch weite Münsterhallen zum Kirchhof trugen sie Den schweren Sarg. Eh im Geleit des Sarges der Zug zum Grabe kam. – so trostlos war Ihr Herz. Verschmähten Trank und Speise und Ruh. Gebefroh Wohl tausend Mark an Golde und mehr noch spendete man so. Jammer war überall und Traurigkeit. Den Armen Gold und Kleider. Den Klöstern schenkte Kriemhild fruchtbare Länderei’n. Mit Beten und mit Knien Sah man die frommen Mönche. Doch es schien. zu trinken reichlich bot Er allen. Man lief und holte Wasser. Siegfrieds Bild und Gedächtnis zu wahren Jahr für Jahr.144 Die Bürger gingen heimwärts. so leidbeladen und jeden Wunsches bar. erlagen sie doch fast der Not. Doch Siegmund kam. – Ein Wunder fast – als sei ihr die alte Kraft verliehn: „Ihr Nibelungenhelden. ein letztes Mal erweist Der Gattin Siegfrieds. Drei volle Tage tönte durchs Münster der Gesang. Da er doch einst im Leben ihr einziger Gedanke war. Und ihre Frauen halfen der Armen. Zu essen. Die sollten Ursach’ sein. Und wieder stieg neu das heiße Leid In alle Augen. Die Armen nahmen reiche Geschenke in Empfang.

flehte und jammerte danach. als ströme in Tränen aus ihr letztes Blut. vom Leid zum Sterben krank. der trauernd vergaß drei Tage lang. So lag die schöne Königin. als nähme sie es in sanfte Hut. Daß man den Sarg am Ende noch einmal aus den Fugen brach. unfroh des Lebens. Lockt uns das Leben immer wieder doch! 1068–1072 . So traurig war am Ende der Abschied Siegfrieds von Kriemhild. das bleiche. Speis’ und Trank.145 Laßt eine kleine Freude mir Armen noch geschehn. Dann weinte sie. Manch einen gab’s. Verloren und begraben. Siegfried lag nun im Grabe. Die Nibelungen standen nun führerlos. Ihr dunkelten die Sinne. bis nah sie vor ihm stand. der einst ihr Schützer war! Auch Siegmund war im Alter der letzten einzigen Freude bar. Laßt Siegfrieds schönes Antlitz mich nur noch einmal sehn!“ So lange bat sie. Doch dann verlangten alle – so geht’s auch heute noch – Nach guter Speise. Von Leid befangen. sie taumelte und sank. Sie hob das Haupt. Doch die so froh gereist. Man stützte sie im Gehen. verwaist. Da trug man sie beiseite – ein blasses Leidensbild –. mit ihrer weißen Hand Und küßte es.

vom Schwerte der Nibelungen gut bewehrt. Da uns hier in Burgunden der Haß das Schlimmste tat. die Ställe wurden leer. dein eigen ungestört. Du deinen Mann verlorest durch Untreu und Verrat. Du sollst auch aller Herrschaft genießen und der Macht. Sie möchte nicht die Mutter verlassen hier am Rhein. Mach dich bereit zur Fahrt. 1073–1078 . – ging’s endlich doch nach Haus! – Zogen schnell die Pferde aus Stall und Hof heraus. Wie Siegmund wieder nach Hause ritt Siegmund beschloß zur Rückkehr die Fahrt nach Niederland Und sprach zu Kriemhild: „Heimwärts ist längst mein Herz gewandt Unliebe Gäste sind wir. Die Frauen und die Mädchen verpackten Schmuck und Kleid. Will ich für dich besorgt sein und doppelt gut zu dir Um Siegfrieds willen. froh der Kunde. Verbleiben dir. Der Abschied kam. der so roh Mir armen Weib das Schlimmste getan! Nie wär’ ich froh!“ Der junge Giselher sprach: „Schwester. War ihnen doch das Leben im Lande hier seit langem leid. Daheim bei uns in Xanten bist du vor jeder Not bewahrt. Da drängten die Verwandten und baten Kriemhild sehr. Sie weigerte sich zornig und sprach: „Wie könnte das wohl sein! Wie möchte ich mit Augen den sehen.“ Die Knechte. Das Land und auch die Krone. ich rechne fest Auf deine Treue.146 XVIII. Die Siegfried dir vor Zeiten als Königin zugedacht. war er das Liebste doch auf Erden mir. daß du die Mutter nicht im Stiche läßt. Die Kammern.

das wär’ mir not!“ Mit Giselher bat Gernot sie innig ebenfalls. deren Feindschaft dich tödlich hat gekränkt. Was mein ist. Für jeden kommt ja ein letzter Tag! Wir alle müssen sterben. Den ich noch hier verweile. „So ertrag Dein schweres Leid. So zögere denn nicht länger! Denn jeder Augenblick. Bei euch im fernen Land Wär ich stets eine Fremde.“ 1079–1085 . Und bitter weinte Ute an ihrer Tochter Hals.147 Denn jener. ich kann nicht! Gewiß ich stürbe eh. So tröste dich und geh Nicht von uns fort! Bist du uns doch doppelt lieb in deinem Weh!“ Da Giselher zuliebe sprach sie: „Ich bleibe hier!“ – – Längst standen ungeduldig die Rosse vor der Tür. davor behüt’ ich dich. obwohl dir die liebste Freude tot. liebe Schwester. daß ich dem Drangen wich Und mich entschloß zu bleiben. die lieb dir sind und nah verwandt. Die Kriemhild liebten. Erwartungsvoll die Leute.“ Da sprach die Gottverlassene in Tränen: „Ach. ist mir doch keiner dort verwandt.“ „Sie sind dir alle fremd dort!“ sprach Gernot. Bleib hier bei uns! Dein Bruder Giselher bin ich Und schaff dir Glück.“ Sie wehrte: „Nein. Nun kam Siegmund zu Kriemhild und mahnte: „Es ist Zeit! Die Nibelungen stehen mit Mann und Roß bereit.“ „Vertrau mir. Als daß ich jemals wieder in Hagens kalte Augen säh. flehten inständig: „Bleib im Land! Dort hast du wenige Menschen. das ist auch dir geschenkt. Auf Saumtiere gepackt war schon Rüstung und Gewand. froh ihrer Fahrt ins Heimatland. mahnt mich an mein verlorenes Glück!“ Da mußte sie es sagen: „Inständig baten mich Die mir im Blut die nächsten. Bedarfst du nicht.

bleibt Ihr bei den Feinden. Siegmund auch fühlte jetzt erst.“ – Die Männer hörten’s ungern an. Wie lieb ihm Kriemhild. Laß es so früh nicht einsam. wie sie uns hier geriet. wie du es sonst gewohnt. laßt mich! Denn übermäßig zwingt Mein Herz mich. Wenn ich an Siegfrieds Grabe verweilend weinen kann. Nicht büßen. wartet dein. Uns soll man nimmer wieder hier im Burgundenlande sehn!“ 1086–1092 . in Ehren sollst du dort Die Macht und Herrschaft üben. Die Krone soll dir bleiben. Euch keiner wiedersieht. Wird keinem Könige wieder und seinem Volk geschehn. daß die Deinen nicht meinen lieben Sohn verschont. Gab’s eine Fahrt. Verwanden sie im stillen ihr Abschiedsweh doch nicht. als es zur Trennung kam. die schlimmer als diese Unglücksfahrt geriet?“ „So reist mit Gott! Und daß ihr in gutem Schutze seid. das arme. hier zu bleiben. Dies bitt’ ich euch zuletzt noch: Mein Kind. für ritterlich Geleit. Kehr mit zurück. dem eines Trost nur bringt. bargen die Männer ihr Gesicht.148 Siegmund versetzte bittend: „Mich schmerzt dein hartes Wort. Dein Kindlein. verwaist bei Fremden sein! Siehst du es fröhlich wachsen. Und mich die Meinen trösten. Sorg’ ich. Wenn unser Land die Königin für immer missen soll Und. Sie klagten bitter: „Nun erst ist unser Unglück voll. dann leuchtet jeder Tag Dir in dein Herz und Auge und schenkt dir neuen Glücks Ertrag!“ Sie sprach: „Herr Siegmund. zu dem man uns beschied. – ist’s doch noch klein – Laßt eurer Lieb und Treue Siegfrieds Söhnlein empfohlen sein!“ Im Aug’ die Tränen. So üble Lust und Kurzweil. und wie unstillbar sein Verlust und Gram! „Fluch diesem bösen Feste. euch zu behüten.

Auch war uns unbekannt. ein Wort. Nach Hause ohne Tochter reit’ ich und ohne Sohn und Kind. – Kein anderer Trost verblieb. wenn’s drauf ankäm’. Auch Gernot kam. fremd war uns Feindschaft. Nie trockneten die Tränen in Kriemhilds Angesicht. wir holten unser Recht. toten Herrn. Als Giselher. die sich vom Feinde Weg und Pfad Erzwänge. Verschmähten das Geleite. Wo nach der trüben Ankunft die sorgenschwerste Not entstand. das sie freute. zu sagen weiß ich nicht.149 Doch drohend vor den Leuten laut riefen Mann und Knecht: „Einmal könnt’ es geschehen. im Drang zu trösten. Nur ungern hätte Giselher sich ohne Gruß getrennt.“ Der junge Giselher ritt mit an Siegmunds Seit Zu Schutz und Ehr’. was Leid und Kummer sind. Zu zeigen. war doch Geleit genug Die eigene Kühnheit. Nichts gab es. Gernot. Wie’s weiter ging in Xanten. daß trotz allem die alte Freundschaft noch bestand. nahm König Siegmunds Hand: „Gott weiß. War ihm doch niemand feind! So bleibt uns nur die Trauer. 1093–1099 . ein Druck der Hand. willig gab er das Ehrgeleit Dem Könige mit den Männern bis hin nach Niederland.“ Nun stiegen sie zu Rosse und reihten sich im Zug. mit rascher Nibelungentat! Kein Abschied ward dem stolzen burgundischen Herrn vergönnt. Der war ihr getreu und immer gut und lieb. Sie soll’n es wissen: Kennen wir ihn dereinst. Daß Siegfried sterben sollte. der Schmerz. Ja. Umfangen hielt er Kriemhild zu einem letzten Kuß: „Nun habe ich erfahren. Ein Gruß noch. der ewig um ihn weint. wir kommen gern!“ Fest stand – das sah nun Siegmund – der traurige Entschluß. Die Rache an dem Mörder des lieben.

150 Die schöne Brünnhild thronte im alten Stolz und Prunk. kam die Zeit. 1100 . Zu keinem guten Worte. Gleichgültig. zu keinem Trost bereit. lieblos sah sie Kriemhilds Erniedrigung. das Kriemhild ihr schaffen sollte. Auch für ihr Leid.

sich uns versöhnend. Hier saß sie mit den Frauen. Ins Land heimbringen könnten wir Siegfrieds Nibelungengold. Nach ihres Mannes Tode sie dreieinhalbes Jahr. daß der Plan uns 1101–1108 (1104/05) . Am Dom zu Worms erbaute man ihr ein Witwenhaus. getreuer Helfer ward. So saß er gern Bei ihr und sprach von Siegfried. Gern ging sie in die Kirche. Daß sie.“ Drauf Gunther: „Meine Brüder verstehn sich gut mit ihr. stand Eckewart Zur Seite. Daß Ihr Kriemhildes Starrsinn erweicht. Recht königlich geräumig und stattlich sah es aus. der Kriemhild nicht fand an Siegfrieds Grab. der edlen Witwe Siegfrieds. Wie der Nibelungenhort nach Worms kam Kriemhild. Indes für seine Seele sie flehend im Gebete lag. der ihr steter. Es war kein Tag. So lebte. All ihr Sinnen ging still zu ihm hinab. Dann sorgen die dafür. von seinem lieben. Und ihre Tränen rannen und rannen Jahr und Tag. nah dem Grabe und nahe dem Altar. Euch zu verzeihn? Wir könnten viel gewinnen.“ Doch Hagen sprach im Zweifel: „Ich glaub’ nicht. doch aller Freude bar. sah sie in diesen Jahren nie. weil sie darin am liebsten war. Doch eines Tags sprach Hagen: „Sollt’ es nicht besser sein.“  [glückt. wär sie uns wieder hold.151 XIX. toten Herrn. Dort stand sie. ihren Todfeind. Die sollten es versuchen. Indes sie Gunther niemals das kleinste Wörtchen lieh. nach ihrem Horte schickt. Auch Hagen. Auch seine Mannen hielten zu ihr.

Giselher Und Gernot. sagte Kriemhild. der Siegfried schlug. Der ihr als Morgengabe verliehn. Seiner Mörderwaffe hätt’ ich niemals den Weg gebahnt. Sie solle ihre Schätze. Sich Gunther zu versöhnen. Wär Hagen nicht gewesen. 1109–1116 . die hier zustande kam Mit Schmerz und vielen Tränen? Kriemhild in ihrem Gram Blieb unversöhnt dem Einen. Unüberwindbar aber stand zwischen ihnen Hagens Tat. Niemals jedoch dem Tronjer. nimmermehr Die Klage enden? Gunther war’s nicht. Beweisen vor dem Richter will er’s. Vergeben kann ich nimmer. der sie zu Tod betrübt. was sie mir angetan. bin schuldig des Verrats. Nur Hagen nicht. nie wäre jene Tat verübt. Ihm Gruß und Blick zu schenken. Sein Anblick hätte sie allzu tief verletzt. für sich allein Vom Nibelungenlande herholen lassen an den Rhein.152 Zu Kriemhild kamen Ortwin mit Gere. ich armes Weib. Vertrauend tat ich’s.“ – Sie nickte stumm dazu. Wär dir das nicht genug?“ „Des zeiht ihn niemand“. Dieser sagte: „Soll. empfangen wolltest du Den Bruder mit den Freunden. Daß er durch mein Verschulden so Leben ließ und Leib. War’s ehrliche Versöhnung. dazu verstand sie sich. Schwester. Hätt’ ich je seinen Haß geahnt. die Gattin Siegfrieds. den Nibelungenhort. Er wäre ihr ohne Scheu genaht. Sie hätte freundschaftlich Auch ihm verziehn. gewährte sie zuletzt. Nicht lang danach beriet man Kriemhild mit klugem Wort.“ Da flehte Giselher: „Nimm meinen Vorschlag freundlich an! Ich will dem König sagen. Mit ewigen Tränen büß’ ich dafür. „denn Hagen tat’s! Und ich.

mit ihr Den kühnen Siegfried. Nur eines davon verloren wir. Giselher. Zwölf Wagen. Die Kostbarkeiten schafften sie in das Schiff hinein. denn er war Kriemhild als Morgengabe bestimmt vor manchem Tag und Jahr. Die Zauberhülle ist es. Die klugen Burgunden säumten nicht. denn er trug Sie viele Male. er war’s nicht ohne Grund. Wie’s mit dem Hort beschaffen. Doch ward nichts draus. So hat nur schweres Unheil der Zauber ihm gebracht. unseren Gebieter. verwahrte am geheimen Platz. bis man Kriemhildes lieben Mann erschlug. Aus hohlem Berg ans Licht Hob man den Schatz. 1117–1123 . Dreimal ein jeder zwischen dem Berg und Schiffe hin und her. Den Alberich. Gernot Mit vielen hundert Mannen zur Suche nach dem Schatz. hoch beladen mit übervoller Last.“ Der Kämmerer nahm den Schlüssel. die Tarnkappe. Und alles war nur edles Gestein und gelbes Gold. – ein Wunder ist es fast. Als die vom Rhein die Schätze verlangten. Wenn einer mit dem Schatze die Welt bezahlen wollt’.153 Vertrauensvoll erließ auch Kriemhild das Gebot Und sandte ihre Brüder. da beriet Sich Alberich mit den Freunden. War Hagen danach gierig. Damit nach Haus zu segeln in langer Bergfahrt auf dem Rhein. bis schließlich er entschied: „Wir dürfen ihr den Hort nicht versagen. Die Nibelungenlande gewann der kühne Mann. – wahrlich. Verborgene Kräfte. schwer. Vier Tage und vier Nächte hin rollten langsam. – doch er starb daran. treu im Dienste. Stärke und Reichtum. Kaum eine Mark an Werte bedeutete der Schwund. Der seit uralten Zeiten schlief in des Berges Nacht.

Den kühnsten Traum des Menschen schnell mit Erfüllung krönt. Zu lohnen und zu werben. So bleib ihr unverwehrt. der den Vergleich wohl mit keinem anderen litt. Die Wünschelrute ist es. Schreine. daß sie verschwenden kann. sagte der Tronjer. Doch Gunther wies zurück ihn: „Da ihr der Schatz gehört. gewinnt sie mit dem.“ So sagte Hagen. Und sie ist meine Schwester! Der Eid soll heilig sein!“ – „Mein ist die Sorge“. Daß sie – galt ihm die Absicht? – gar manchen Mann damit gewann. Wie’s ihr beliebt. sah er mißtrauisch doch mit an. ob arm und notbedrängt. Kann ich es nicht verhindern. „Geht’s weiter so. was sie mit ihrem Golde tut. Sie gab. Ich tat ihr niemals wieder das allerkleinste Leid. – Vor Kriemhild lag er strahlend.“ Da sprach der König Gunther: „Ich schwur ihr einen Eid. Hätt’ Siegfried auch gelebt noch. Zahllose Kammern. Zu schenken und zu spenden nach gütiger Frauenart.154 Da war das Zauberstäbchen von Gold. „auch die Schuld sei mein!“ 1124–1131 . das. Ein Schatz. Sie hätt’ in leeren Händen am letzten Ende nichts bewahrt. ob einer reich war. was sie verschenkt. farbenbunt.“ Hagen riet dem Könige: „Es sollt’ ein kluger Mann Verwehren einem Weibe. was ihr im Sinne lag. bis uns ein schlimmer Tag – Zu spät kam dann die Reue! – verrät. Wer diesen Schatz erhält. – Kriemhild war nur bedacht. soll’s mich nicht kümmern. Noch kaum versöhnt und gut Mit ihr. Doch war der ganze Hort auch an Wert vertausendfacht. Gewinnt als Herr und Meister die größte Macht und Kraft der Welt. oft ersehnt. zu schenken. ja Türme füllte man damit. Auf ihren Schiffen führten den Hort sie nach Burgund. lichtblitzend.

– Den Königen war es leid. Und Giselher sprach drohend: „So viel und schweres Leid Hat Kriemhild nun gelitten. der reiche Schatz. Ich bitte dich innig. Der Witwe ward ihr Erbe. wär’ er mir nicht verwandt. Sei ihr geraubt von Hagen. Gernot schlug vor: „Wir sollten. Von Furcht und Haß gefesselt. Es wäre endlich Zeit. – Vergeblich zwar – ihm nütze das Gold wohl eines Tages noch. Eh Gunther noch zurück war. Und brüderlich stand Giselher ihr bei. daß nie die Träne aus Kriemhilds Leidensantlitz schwand. hüt mich gut!“ Da sprach er zu der Schwester: „Rechne du fest auf mich! Wir reiten fort. Als jene von der Reise nach Hause heimgekehrt.155 Geschworen waren Eide. mein Leib. was ihr bisher gehört. Ob Gernot ihm auch wehrte in zorniger Bekümmernis. mir schwant. Wo’s stumm und arglos keinem auf Erden angehört. Böses witternd. von Sorg’ und Angst beschwert. ließ er den ganzen Hort Heimlich aus Worms entführen. Ich ginge ihm zu Leibe. sah er auf Kriemhilds Gold und Macht. Knechten ritt Der König in die Weite.“ Zu Giselher kam klagend Kriemhild. Wo er den Schatz im Rheine versenkte. Sie bat: „Viellieber Bruder. und sind wir zurück. Nur Hagen ritt nicht mit. mein Gut Sind in Gefahr. doch hielten sie nicht stand. War doch sein Grimm erwacht.“ So kam’s. mit Knappen. Hagen war’s. Hofft’ er doch. 1132–1138 . entwandt. Mißtrauisch. der heimlich die Schlüssel an sich riß. Das verfluchte Gold versenken in den Rhein. dann sorg’ ich treu für dich!“ Mit Freunden und Verwandten. Lochheim heißt der Ort. alles. eh wir uns drum entzwei’n. wie immer hilfsbereit. Da klagte Kriemhild.

Nur Kriemhilds Haß ging wuchernd reich auf wie eine böse Saat Eh noch der Schatz versenkt ward. So blieb durch dreizehn Jahre ihr Leben arm und freudenleer. da keiner je den Platz erfuhr. 1139–1142 . hatten vertraulich sie Mit heiligem Eid geschworen. so lang einer der Brüder lebte nur. kein Trost im Kummer mehr.156 „Ein schlimmer Streich!“ so sagten die Brüder. Er ward niemals gehoben.“ Hagen entwich und ließ sich so lange nicht mehr sehn. So ward mit neuem Leiden Kriemhilds Gemüt beschwert. Das sich an seiner Klage nun bis zum Ende nährt. Man schwieg. Bis aller Zorn verraucht war. man litt die Tat. daß sie die Stelle nie Verrieten. „ist geschehn. Dahin die reichen Güter.

ich sah sie. als Gattin schön und liebenswert. Und wer mag dort der Lande und Leute kundig sein?“ Da meldete sich Rüdeger. der solltet Ihr Eure Krone anvertraun. Ein Heide. Alles an königlicher Ehr’. Wie Ihr ein Weib begehrt. ein Kind noch. seid Ihr auch kein Christ. Liebt doch die Frau den reichen und hochberühmten Mann. denn ungetauft bin ich.“ „Nun gut“. sein Gemahl In jener Zeit gestorben. was je gepriesen ward. Daß sie einst meine Krone würdig auf ihrem Haupte trägt?“ 1143–1149 . der junge Giselher.“ Die Freunde widersprachen: „Herr Etzel. Wie König Etzel um Kriemhild werben ließ Es war dem König Etzel Frau Helche. So reich an Frauenschönheit. Wenn sie sich mir verlobte.“ Da fragte König Etzel: „Wer war jemals am Rhein. der Herr von Bechelaren: „Die Königin. während Kriemhild doch eine Christin ist. wie es die Freunde hier gehegt. An stolzer Mannestugend. schon vor vielen Jahren. „ist Kriemhild Euch so wert. Gernot und König Gunther. wie sie das Volk begehrt? Gleicht sie dem Wunschbild.“ Bedenklich sprach der König: „Das wäre wunderlich. Vielleicht nimmt Kriemhild dennoch Eure Bewerbung an. sprach König Etzel. Als Ahnenerbe wahren sie es noch in der Gegenwart. Ist sie als Königin würdig. Sind ihre Brüder.157 XX. Da fiel der Freunde Wahl Auf Kriemhild von Burgund: „Wollt Ihr von allen Frau’n Die Edelste. Wir sollten es versuchen.

gewinnst du Kriemhild mir. ein Held. vor Drangsal. Und wen sie liebt. Gefahren nicht bewahrt. erhält.“ „Dann wirb für mich!“ sprach Etzel. Doch wahrlich! Frau Kriemhild weicht ihr nicht. daß Ihr ein mächtiger König seid. Ein Mann war er. nun gut! Fahrt glücklich. was mein eigen. sagte der Markgraf. Fünfhundert Männer stünden als Ehrgeleit uns an Zum Zeichen. daß kein König in größerem Glanz erscheinen kann. gilt es doch eine Werbefahrt!“ Abwehrend sagte Rüdeger: „Das schiene mir nicht gut. 1150–1157 . „bin ich seit langem dir Ja lieb und wert.158 „Helche war schön. Daß jeder Kleider. einst pracht. wie nur ein König ihn verleiht und fügt. Am Tage. Aus meiner Kammer nimm dir das Zehr. Verlangt’ ich für die Reise von dir noch Geld und Gut. Dich soll einst.“ Der König sagte: „Nimmst du von mir nichts an. dem schenkt sie des Lebens köstlichsten Gewinn.und Reisegeld. Ihm glich wohl keiner in der Welt. „Roß und Kleid Soll’n draußen weisen. Du hast ihn hier gesehen. weil Kriemhild.und glanzgewohnt An Siegfrieds Seite lange als Königin gethront. Daß ihr in Worms in Ehren besteht. Ein Zauber strahlt aus Haltung und Gang ihr und Gesicht. Ein Dank belohnen.“ „Gewand und Waffen“. Auch deshalb schon. und – will’s das Glück – Bringt von der schönen Kriemhild mir günstige Kunde mit zurück. Rosse und was du willst. Weit ist der Weg. doch nur aus deiner Hand! Auf meine Kosten fahr’ ich für dich in das Burgundenland. und Gott nehme in Gnade euch und Hut. Doch fröhlich sollt ihr leben. Kam alles. wo als Weib sie an meinem Herzen liegt. Und überreich an Ehren. Auf Erden gibt es keine schönere Königin.

indessen beglückt ihr Töchterchen begann: „Sei uns willkommen. sein einziges liebes Kind In ihrem Kreis von Jungfrau’n. Was Rüdegers Absicht war. In Bechelaren harrte des Gatten Gotelind Und auch die junge Gräfin.“ 1159–1169 (1158. Saumrosse. Dort soll ein Weib ich werben für Etzel. nach all der Reisemüh Bei ihm Quartier zu nehmen. Da fragte sie: „Wozu soll die weite Reise sein? Mit welchem Auftrag hat dich der König ausgesandt?“ „Hör.“ – Die Gattin. versahen reichlich ihn Mit Waffen und Gewändern. Bereit stand Roß und Mann. Hatte sie doch Helches Bild und Gedächtnis stets bewahrt. entsend’ ich Botschaft. Vater! Willkommen. Vernahm in Schmerz und Trauer die Kunde von der Fahrt. Am siebenten Tag kam Rüdeger von Ungarn bis nach Wien. meinen Herrn. Die ihn begleitet hatten. Als sie mit ihrem Manne in stiller Nacht allein.159 Laßt vierundzwanzig Tage uns noch! An Gotelind. So trat zu Etzels Freude Herr Rüdeger die Reise an. Wär Kriemhild seiner Werbung und seinem Wunsch geneigt. Er hegt die frohe Hoffnung. sprach Rüdeger. das ward Gotelinde bald gewahr. „wir reiten ins Burgundenland. reich bepackte. liebe Frau“. daß sie mit ihm den Thron besteigt. Wohin er reisen wollte. treu gesinnt. Manch sehnlich weiter Blick Ging fernhin voller Freude auf nahes Wiedersehensglück. Denn Helche liegt im Grabe. Mein Weib. Er säh’ von Herzen gern. Auf ihren lieben Mann Sah Gotelind. Man war am Ort. 1164) . und Rüdeger als guter Wirt bat sie. all ihr Herrn!“ Mit Dank und Gegengrüßen erwiderten sie gern Der jungen Gräfin Worte.

sorge gut Für unsere Ritter. „sie ist es wert. Worms war erreicht. Doch trügt mich nicht der Anschein. Auf Raubgesindel trafen die Reiter selten dort. strahlend in reicher Tracht Auf edlen Rossen Männer. Am Donauufer aufwärts durchs Bayernland zu fahren. Ist man mit Geld und Gute und Nahrung reich versehn. Braucht man sich nicht zu sorgen. schwillt doch recht freudig erst der Mut.“ So wurden alle sorglich mit feinster Tracht versehn. Aus allerfernstem Osten.“ 1170–1180 . „Ich habe selber den. sprach Gotelind. Der an der Spitze reitet.“ „Das tu ich gern“. – so konnten sie bestehn. Auch der war erst im Zweifel. vom Hunnenlande käme er.“ Nun bat er Gotelinde: „Geliebte. war der Fremden Herkunft doch unbekannt. von Ort zu Ort. dann ist es Rüdeger. jubelnd erblickten sie den Rhein. ob er was wisse von der Schar. umstrahlt von Glanz und Waffenpracht. dann erst ist jede Reise schön. seit langem nicht gesehn.160 „Gott mag es geben“. daß unsere Krone ein neues würdiges Haupt erwarb. Am siebenten Morgen ritten sie ab von Bechelaren. Vom Hals zum Sporn ein Schimmer und Prunk. sagte Gotelind. Verwundert staunend stand Die Menge. Gunther im ungewissen. So ging die frohe Reise von Land zu Land. Rings lief das Volk zusammen. wer da gekommen war. Ließ Hagen schnell befragen. daß Helche starb. Wer mochten die stolzen Helden sein? Saumrosse. Säh’n wir. Nur Ehrenvolles hab’ ich bisher von ihr gehört. Wir könnten es vergessen künftig. Zwölf Tage schwanden. schwer bepackte. „denn jeder nimmt Mit Freuden. was ihm willig von gütiger Hand bestimmt.

Was an mich auszurichten man Euch zu Hause bat. Dann führte man zum Saale sie alle unverwandt. wie er wohl nur im Land am Rhein gerät.“ 1182–1192 (1181. Dort stand von seinem Hochsitz der König auf und ging Zur Tür. und Hand schlug fest in Hand. Erlaub’ ich gern zu sagen. edler König. An seiner Rechten nahm er den Gast mit sich hinauf Zum Platz an seiner Seite. Indes er mit den Seinen förmlich und feierlich Sich hob vom Sitze. Was bringt Ihr uns von fern Mir und zugleich den Meinen? Nichts. der uns so lieb gewesen wär!“ Die Gäste dankten höflich. leben sie vergnügt? Wie geht es ihnen beiden im Hunnenlande dort?“ Das war für Rüdeger der Augenblick. dann schweig’ ich länger nicht Und sage.161 Es setzten aus dem Bügel die Fremden kaum den Fuß. recht lange ist es her. Sagt. sprach er: „Wollt Ihr in Gnaden mich Anhören. Kam Hagen schon. und Ortwin sprach zu den fremden Herrn: „Das muß ich wahrlich sagen. wo er die Gäste freundlich und ehrenvoll empfing.“ Der König sprach: „Ich brauche nicht erst der Freunde Rat. so köstlich. Dann aber trug man auf – – Wie gerne trank man einmal mit Freunden! – süßen Met Und Wein. was ich willig als Auftrag übernahm und Pflicht. Daß uns Besuch gekommen. 1188/89) . Da fragte im Gespräche Gunther: „Zu lange schwiegt Von Etzel Ihr und Helche. Von ferne entbot er seinen Gruß Mit lautem Freudenrufe: „Seid hochwillkommen hier! Den Herrn von Bechelaren und seine Männer grüßen wir!“ Die Brüder und Verwandten des Königs boten gern Zum Gruß die Hand. was Euch ehrt. Er nahm das Wort. versäumt’ ich gern.

daß sie gern sich nach meinem Wunsch entschließt. Es ist der gleiche Kummer. und Siegfried.“ „Vergelte Gott“. Daß Helche starb!“ Ja. eh noch der dritte Tag verfließt. Doch wieder griff zum Worte der edle Rüdeger: „Erlaubt Ihr. König Gunther. Mein Herr erfuhr. So drang in sein Gemüt Der Wunsch. verdüstern ihr Gemüt.“ 1193–1200 . der meines Königs Herz bewegt. ich klag’ es. wie sein Herz ihm rät. sprach Gunther. und seine Botschaft geht An Euch und Eure Freunde so redlich. ob Ihr Kriemhild damit willkommen seid. berichte ich Euch mehr.162 Da sprach der edle Bote: „Euch allen hier am Rhein Soll ich der Überbringer der schönsten Grüße sein Von meinem großen König. im Grab. sie möchte einst gekrönt An seiner Seite stehen. Die edlen Fürstenkinder. einst meines Herren geliebtes Weib. Das ist’s. mit denen Helche sich umgab. Ich hoffe. was er ersehnt!“ Der König sprach mit aller gebotenen Höflichkeit: „Ich weiß nicht. wenn Ihr’s vergönntet. Da er in seiner Trauer um Helche doch vergeblich klagt. denn unsere Frau ist tot. Da ist niemand am Hofe. wär es Leids genug. wahrlich. verwitwet sei Kriemhild. Vertrauern ihre Jugend. Ihr edler Mann gestorben. in ihrer Zucht erblüht. „Herrn Etzels Gruß! Wie gern Erwidere ich mit gleicher Gesinnung deinem Herrn!“ Und Gernot sagte: „Klagen sollte die Welt mit Fug. Verwaist sind all die Jungfrauen. Erwartet unsere Antwort. Helche. Was ihn bedrückt. Sein ganzes Volk ist freudlos. der sie berät und pflegt. wie er es mir gebot. – sein Weib. sprach Hagen. Was mir mein großer Herrscher Euch zu bestellen gesagt.

Zu ernstem Rat berief Gunther die Freunde. daß ich dagegen bin!“ Man schickte auch zu Gernot um Rat und Giselher. 1201–1207 . Sie rieten zu. Mein Freund bleibt Etzel. Er sprach. Nur Hagen stand allein. wird Sorge und Argwohn nimmer ruhn. solltet ihr hindern diesen Plan. wird sie auch Königin.163 Fürsorglich nahm sich jeder der lieben Gäste an. was ich von Etzels gewaltiger Macht erfuhr! Ist sie sein Weib.“ „Warum sollt ich’s versagen. er blieb bei seinem harten Nein. würde sie mächtig auch und groß. Aus all den Freundlichkeiten. Ich bin ihr Bruder. Brüder. So blieb Rüdeger drei Tage am Hofe. nehmt ihr den Vorschlag niemals an. Gern tat ihm Hagen Dienste. wär’s Kriemhild wirklich lieb?“ Sprach Gunther. hier im Lande war er als Freund geliebt. ob’s wohl geraten schien. die man für ihn ersann. Nur Hagen stand unmutig abseits. helfen sollt’ ich ihr zu so schönem Los. Sollt’ ich ihr gönnen. Froh verlief Die kurze Zeit den Gästen. daß es nur billig war. Wenn ihr es recht bedenket. wenn ich ihn nur in Frieden laß. Sah Rüdeger. Ließe man die Schwester als Königin zu den Hunnen ziehn. Was auch die anderen meinten. Euch Tag und Nacht mit Fragen zu quälen: Was wird Kriemhild tun?“ „Warum?“ sprach Gunther ruhig. Wenn Kriemhild Königin würde. Und Frieden will ich wahren. Sie meinten gleicherweise. „Was im Leben ihr noch an Freude blieb.“ Doch Hagen sagte: „Wüßtet ihr anderen wenig nur Von dem. doch klang die Sorge aus seinem Wort bereits: „Selbst wenn sie möchte. wie er sie früher schon geübt.“ Doch Hagen wiederholte: „Denkt dran. „kenn ich doch keinen Haß.

für sie zu sorgen.“ Noch einmal warnte Hagen: „Wenn ihr auch widersprecht. Uns ziemt. Sein Volk sei zahllos.“ Ungern vernahm es Hagen. was in weitem voraus mein Auge sieht. wenn sie der Werbung folgen woll’ Als Königin und Gattin ins ferne Hunnenland. Die Brüder rieten. – Steigt sie auch hoch an Ehren. behalte ich einst recht. Gewinnt sie Etzel. Er war des Unmuts voll. Viel tausend Männer stehn ihr dann willig zu Gebot. wer weiß es? Sie trifft uns. mächtig und riesengroß sein Reich. Versagt. Ihr Gram war Euer Werk einst. Den Vorschlag machte Gere: „Ich gebe ihr bekannt. Denkt! Unsere Ehre hängt daran. verwehrt es ihr. Daß wir sie dort besuchen. sagte Giselher.“ 1208–1215 . wie’s Männern geziemt. Hagen.164 „Freund Hagen“. so helft nun mit zu ihrem Glück!“ „Ich sage. Laßt sie hier! Seid klug und hart. Trägt Kriemhild Etzels Krone. Erfuhr doch keine Frau je ein solches Wehgeschick. Daß uns von dieser Heirat die schwerste Not geschieht. Will ich mich drüber freuen.“ Da wallte auf im Zorne und Eifer Giselher: „Wir sollten nichts beschließen. Sie wollten es gewähren der Schwester ohne Widerstand. werde er ihr entgelten überreich. was Ihr wollt –. Daß Etzel Boten schickte und warb um ihre Hand. „Ihr selber solltet mild Nach so viel Leid bedacht sein auf Tröstung für Kriemhild. auf unseren Tod!“ Doch Gernot fiel ins Wort ihm: „Vielleicht geschieht es nie. – sagt. sinnt sie auf eines nur. was hinterhältig wär. wenn Ihr auch ängstlich wehrt und grollt. Eh uns das Schicksal tödlich mit ihr verfeinden kann. Was sie erlitten. So sterben wir und sie. Wie sie es fügt.

Zu sagen ihr. warum er nach Worms gekommen war. sein erfahrenes Gemüt verstünde schon Zu klugem Rat zu finden das rechte Wort. Euch zu gewinnen. „Wie gern Seh ich von Bechelaren den vielgetreuen Herrn! Weit reicht sein Ruf und Name! Käm er nicht zu uns her. wie Weibesliebe auf dieser Welt beglücken kann?“ Sie wehrte sich mit Abscheu. bat man schließlich. Dort geb ich ihm Gehör. Möge er Im Wohngemach mich finden. den rechten Ton. 1216–1223 . neu gefühlt. machtvoll. Die ihr mit Zuspruch nahten. Mich schickt das Glück. kamen am Hofe Werber an Von einem Herrn. Dann gab es keinen Boten. was die Stimme im Herzen mir befiehlt!“ Sie blieb allein. bezwungen vom alten Schmerze. wie nie ein Mann Als Herrscher unter einer fürstlichen Krone ging. Selbst Gernot. erhaben. „den Boten freundlich zu Euch ein!“ „Das will ich nicht versagen!“ erging ihr Wort. der mir nicht unwillkommen wär! Sagt ihm. „Verdienen möcht ich gerne ein schönes Botenbrot. Wie könnte Siegfrieds Gattin je eines anderen sein! „Dann laßt doch“. erreichten auch nicht mehr. erwarten wollt’ ich ihn morgen. Der weiß. Nichts anders war im stillen auch Rüdegers Begehr. Beenden will’s endlich Eure alte Not. sehr in Verwunderung zwar. Er wußte. Daß er in Wort und Mienen so seltsam fröhlich war. Daß Ihr und Eure Freunde so übtet euren Spott An einem armen Weibe! Was sollt’ ich einem Mann.“ Da wehrte Kriemhild traurig! „Verhüten sollte Gott. der seine Werbung gern empfing. Und sag ihm. Giselher.165 Kriemhild empfing ihn gütig. Von Eurem Bruder meld’ ich’s.

Die von den Abgesandten. 1224–1231 . Vom alten Leid ihr Auge wie das der Herrin tränennaß. Sie merkten. die Boten seiner Liebe sein. Kriemhild im Trauerkleide. dann gütig wandte sie Sich zu den zwölf Begleitern. sprach mild die Königin. Ringsum das Volk umdrängte ihn. „Da ich solch edlem Boten gerne zu Willen bin. Mein Herr an Euch in Ehrfurcht durch meine Zunge läßt ergehn!“ „Gern sei’s erlaubt. daß Ihr die Botschaft hört. schickt uns her. hohe Königin. Doch sie in ihrem Leide war traurig anzuschaun. aller Hunnen Beherrscher. Sie sah’n Kriemhild umgeben von ihren schönen Frau’n. die hier versammelt stehn. noch niemals abgelegt. Wir soll’n. unruhevoll und tief bewegt. immer nährte den alten Gram noch ihr Verlust.“ So gütig klang’s. Eckewart Und Markgraf Gere standen vor Kriemhild ernst und hart. Dann nahm der edle Rüdeger zuerst das Wort: „Gewährt Die Gunst uns. Als Künder seiner Neigung und Freundschaft an den Rhein. die anderen verstanden doch. Zur Tür entgegen schritt sie Herrn Rüdeger und lieh Ihm Worte der Begrüßung. Zum Ehrensitze wies man die Männer. Zu würdigem Empfang War alles aufgeboten. Was Ihr mir bringt. so ist sein Auftrag.166 Zur Messezeit am Morgen in aller Früh erschien Der edle Bote. Saß wartend in Gedanken. worauf sie sann. Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdeger: „Herr Etzel. Herr Rüdeger“. wie’s zukam ihrem edlen Rang. ich hör es um Euretwillen an. Von ihren Wangen perlten die Tränen auf die Brust. Wie all der anderen Antlitz auch ihres kummerblaß.

Da ihn der Tod mir nahm. und alles Herzeleid versiegt. Euch zu schenken Lieb ohne Leid. – ein Glück. wie es Frau Helche genoß in alter Zeit. sollt Ihr entscheidend sein. und Mädchen. Da neigte sich Frau Kriemhild: „Herr Markgraf Rüdeger. Als Morgengabe schenkte er Euch das ganze Land Von dreißig Fürsten. Und wäre es mein König. des Hand Ihr willig greift. die Helche dienten jahrelang. Dazu verspricht mein Herr Euch die volle Herrschgewalt. Bleibt mir bis an mein Ende nichts anderes als Weh und Gram. Sie starb. den in der Welt ein Weib gewann. wie mein Leben trüb ist und kummerschwer.167 Ihm lebt ein Wunsch im Herzen: Ein gütiges Geschick Gewähr’ ihm.“ Kriemhild gab trübe Antwort: „Wie lockte künftig mich Noch Weibesglück! Das alles genoß in Fülle ich In eines Einzigen Liebe. die er zu Boden zwang mit starker Hand. Als ihrer Herrin diente Euch jene Ritterschar. Die Helche einst besessen. Der hoffte nicht. Die schon zu Helches Zeiten ihr Ehrgeleite war. So reich.“ „Was kann ein Herz im Leide wohl Besseres ersehn. Verlor ich doch den besten. Wüßt’ einer. Mit zwölf der schönsten Kronen wär’ Euer Haupt bereift. Als neu in einem anderen zum Glücke auferstehn. Wie ihre Stimme galt Im Rate seiner Männer. Wenn es in rechter Liebe zu ihm sich neigt und fügt? Dann blüht das Leben wieder.“ 1232–1238 . ich könne beglücken einen Mann. All das wird Euch Herr Etzel als seiner Königin verleihn. Frau’n fürstlichen Geblütes von königlichem Rang Umgäben Euch. und keine Stunde des Glücks vergönnte ihm sein Leid.

allzu lange dauert die Trauer. Drum. das mich mit Siegfried einst verließ.“ Da sagte Giselher: „Was auch ein anderer rät. Ach. Dann werden unsere Männer auch wieder frohgemut. denn den anderen vertraute sie nicht mehr: „Ich bin zu arm für Etzel. Antwort und Rede stehen auf euren Wunsch und Plan. So groß und mächtig steht Kein Königreich wie Etzels! Das ganze Land ist sein Vom fernen Meer zur Elbe und von der Rhone bis zum Rhein. dann will ich euch voll Genüge tun. Da gibt es frohe Jugend. das tu! Dann wird vielleicht am Ende noch alles wieder gut.“ Frau Ute sprach der Tochter mit guten Worten zu: „Was deine Brüder raten.“ „Warum. Die Trauer wird vergehn. Du wirst noch einmal glücklich. mein Bruder. fließt die Tränenflut. mein liebes Kind. Daß ich das Glück beweine. Als sie gegangen. Wenn Eure schönen Jungfrau’n ein neues Freundschaftsband Vereint mit Helches Mädchen daheim in unserem Land. An Etzels Hof erheitert sich selbst der trübste Sinn. rühmst du mit Macht und Reichtum so? Zwingt ich nicht meine Tränen.“ Dem fügten sich die Hunnen. Kommt morgen früh. Königin.168 Sie sprachen trotzdem weiter: „Vieledle Königin. Ist Etzel Euer Mann erst. Wie soll ich dort am Hofe bestehn bei Spiel und Tanz? Und war ich schön vor Zeiten. bat sie den Bruder Giselher Und Ute. verblichen ist die Schönheit ganz.“ 1239–1246 . werd’ ich nie wieder froh. wird Euer Leben wieder schön. laßt Euch raten! Es wird noch alles wieder gut!“ Zart wich sie aus: „Laßt heute die Sache noch beruhn. hab’ ich doch nur noch dies. ward es auch gar ungern getan.

Dann kamen ihre Brüder. Kriemhild erwog im stillen: „Ich bin ein christlich Weib. – Herr Rüdeger fand ein trüb’ Gesicht. Sie sann und rang in Tränen Stunde um Stunde hin Um rechten Rat und Willen bis zu der Frühmette Beginn. Soll ich an einen Heiden verschenken Seel’ und Leib? Und Schande wär’s verriet ich damit die Christenpflicht. Daß meiner Ihr bedürftet. 1247–1255 . daß sie sich für Etzels Wunsch entschied’. Die sie verschenken könne wie einst zu Siegfrieds Zeit. Nur trauern. ob nicht Die Werbung ihnen glückte.169 Da wünschte sie. bevor Ihr lebenssatt und alt?“ Auch das half nicht. bis Rüdeger heimlich zu ihr geneigt Vertraulich sprach: „Wenn künftig Ihr je mir sagt und zeigt. Die Hunnen wären gerne gereist. ob gut. was geschehen ist. weinen dürfe sie. Sie lag im Bette wach Und hing bis an den Morgen ihren Gedanken nach. Erfüllung oder Leid?“ Wehmütig gab sie Antwort.“ Getröstet hörte sie ihn an. Ach. Da sprach der Markgraf tadelnd: „Falsch tätet Ihr daran! Wohl könnt Ihr noch beglücken in Ehren einen Mann! Wozu ward Euch die schöne und frauliche Gestalt? Warum dem Glück entsagen. Noch einmal bat er innig: „Gebt endlich mir Bescheid! Was soll ich dort verkünden. an Kleidern reich zu sein. und jeder sprach und riet Ihr wieder zu. Gäb’ er mir alle Reiche der ganzen Welt. – ich tu es nicht!“ So schien es denn beschlossen. Gott möge ihr seinen Beistand leihn. dann bin ich Euer Mann Und räche. sie werd’ im Leben nie Mehr eines Mannes Gattin. Dereinst an Gold und Silber. keine frohe Stunde ließ ihr seitdem das alte Leid.

Mit denen Ihr gemeinsam des Glaubens Trost gewinnt. Was auch die Leute reden. der nächste dazu seid!“ Da willigte der Markgraf schnell ein: „Nehmt darauf meinen Eid!“ So schwur mit allen seinen Gefährten Rüdeger.“ Sie wandte sich an Rüdeger: „Wenn ich nur eines wüßt’. Ich nähme ihn zum Manne. die gute Christen sind. die Treue: „Werd’ ich einmal so reich An Freunden und Beschützern. zahllos wie Meeressand.“ „Dies fromm’ Bedenken“.170 So fuhr er fort: „Vertraut mir und weint nicht! Hättet Ihr Im Hunnenlande keinen Beschützer außer mir. Daß Ihr. wie es sein Wunsch begehrt. Vielleicht könnt Ihr ihn leiten. Wer weiß. werben mag. wenn künftig je Für Kriemhilds Leib und Ehre von irgendwem Gefahr entsteh’. Zu grausam leide ich. und weh Dem Feinde. sprach er. Dann tu ich. Mit Blut und Leben stünde zu ihrem Dienste er. Ob Hagen mir auch raubte.“ Sie sann: „Hat Etzel Männer. von dem jemals Euch das geringste Leid geschäh’!“ Das sank wie Trost und Hoffnung in ihrer Seele Grund. Ich und die Meinen stünden stets für Euch ein. Wird Mannes Herz so leicht doch von Weibesliebe umgestimmt. fehlt mir der Rächer. was reich in meinen Händen lag. dann gilt mir alles gleich. Drum sagte sie: „Dann soll mir beschwören Euer Mund. daß ich schenken. – Dann folgte ich Euch gerne – Herr Etzel wär ein Christ. daß er die Taufe nimmt. das Schicksal rüstet die Rachestunde schon für mich. „ist keine große Sorge wert.“ 1256–1262 . gewinnen. was ich will! Dann füllt sich meine Hand Mit Gütern. Sie dachte nach. Er hat so viele Ritter. Niemals versagen werde sein Schwert.

Kriemhild besaß genug noch vom Nibelungengold. Führt mich zu Eurem Herren. so sehr. Hagen erriet die Absicht. – Gedachten sie’s zu wenden? – Sie schwiegen. Sagt ihr. Behält sie ihn in Händen. bis Kriemhild sich ergab: „Ich will es tun! Ich ziehe ins Hunnenland hinab.171 Die Brüder baten. daß Kriemhild mir feindlich zürnt und grollt. wer es fortschaffen wollt’! Den Hunnen einst die Schätze zu schenken dachte sie. Fünfhundert meiner Sippen und Männer folgen mir Als Euer Brautgeleite. Hundert Pferde brauchte. – Was ich versprach. Doch ob auch den drei Brüdern der Plan zu Ohren kam. was Kriemhild mit diesem Horte plant und tut. geleitet mich zu meinem Mann!“ Froh rief der Markgraf: „Rüstet! Nicht länger zögern wir. sein Haß und Argwohn ruhten nie. Er sprach: „Ich weiß. Hagen woll’ ihn behalten. Und mahnt Ihr je daran. schürt sie ohn Unterlaß. Hier meine Hand! Und damit nehmt mein Verlöbnis an. seit langem wohlverwahrt. Drum soll im Lande bleiben Siegfrieds gefährlich Gold! Wie töricht. was Hagen unternahm. Kostbare Sättel. ja sagt ihr ins Gesicht. es fehl’ an Rossen. Geschmeid’ und Kleider lagen. Nur Rüdeger wurde fröhlich. ließ als Waffe dem Feind ich solches Gut! Ich weiß genau. nichts geschah. Zäume von Siegfrieds Zeiten her. als ging es ihm nicht nah: 1263–1274 (1267) . gespart. Facht gegen mich zu Flammen damit den Hunnenhaß. ich halte furchtlos mein Wort als treuer Mann. Daß alles für die Reise recht ehrenvoll und stattlich war. drängten.“ Kriemhild erfuhr erbittert.“ Da schloß man auf die Kisten. ihn fortzuschaffen duld’ er nicht. worin geschont.

wir ließen ihn gern an seinem Ort. Laßt alles hier! Sind wir doch mit allem reich versehn. Ersetzen wird Euch Etzel weit mehr.“ Gernot allein ergrimmte ob dieser Ungebühr. laßt mich mit Euch ziehn. sprach sie. Nahm dreißigtausend Mark und mehr an Geld heraus Und gab’s zu Gunthers Freude verschwenderisch an die Gäste aus. fünfhundert.“ Da trat Graf Eckewart zu ihr: „Weil manches Jahr Ich Euer erster Diener und treuer Schützer war. Die Treue kann nicht wählen.172 „Was klagt Ihr. 1275–1284 (1276) .“ Schweigend dankte Kriemhild für das willkommene Angebot. Auch nehm’ ich Männer mit mir. „wird begleiten mich in die fremde Welt? Hatt’ ich doch manchen Freund hier. Empfang und Fest. – Vielleicht. Mit Schmuck gefüllt und Steinen. Drum.“ Doch Kriemhilds Mägde hatten zwölf Schreine voll mit Gold. treu und gut. den letzten Rest. – – „Wer“. Das sollte reich und hold Als Frauenzierde dienen zu Fahrt. er gönnt Euch überreiche Schätze. die Ihr niemals verschwenden könnt. daß ich Euch ferner bis an mein Ende dien’ –. Noch tausend Mark ließ Kriemhild zurück. Königin. Zum Seelenheile Siegfrieds als Meß. Stolz wehrte ihm Herr Rüdeger: „Wär’ auch der ganze Hort Ihr eigen noch. Des Königs eigene Schlüssel stieß selbst er in die Tür.und Opfergeld. hohe Königin? Was Ihr hier eingebüßt. Daß wir die lange Heimfahrt ohn’ alle Not und Sorg’ bestehn. Ruht erst auf Euch sein Auge. ich schwöre es. Nichts soll mich von Euch scheiden. sei es denn der Tod. als Ihr verließet. bedacht auf Eure Hut. Der soll von meinem Schatze beschaffen Rosse und Gewand. Für jeden Fall gerüstet. der mir zur Seite stand.

sein Wunsch sei schon erfüllt. Ein wenig nur ritt Gunther mit ihr zur Stadt hinaus. Nun kam der letzte Tag. Die Schwester zu begleiten zu Liebe ihr und Dank. 1285–1289 (1286) . und wie die Ehrenpflicht Und Sitte es gebieten. Dem Könige zu künden. den Reisenden mit Rat Und Tat getreu zu helfen. Nachtlager zu bestellen. Bald führe Markgraf Rüdeger ihm zu die edle Frau Kriemhild. voraus ins Hunnenland. Mit Giselher kam Gernot. Auch tausend Reiter folgten zum Schutz den weiten Weg entlang. sie unterließen nicht. Des trübe Abschiedsstimmung auf allen Mienen lag. bis an der Donau grün Gestad’. wie man sie geliebt. In vielen nassen Augen sah Kriemhild. Die schnellsten Reiter waren bereits vorausgesandt. Als man am Rhein noch weilte.173 Man ließ die Rosse satteln. Zur Seite ihr stand Ute und weinte still betrübt. Ortwin und Gere eilten mit Rumolt weit voraus.

die in Bayern droht’ mit Raub und Streit.174 XXI. Zur Schwester sagte Giselher: „Wenn du zu Schutz und Wehr Mich jemals brauchst. Dorthin kam Gotelinde.“ Ins Bayernland gelangten sie dann. da’s lange Trennung galt. nun befreit Von Sorge. dann rufe. wo man Pilgrim. Jenseits der Traun und Enns hin dehnt sich ein weites Feld. Woran im Land die Leute gewöhnt sind überall. Dann kamen sie nach Everdingen. Man sah. wo weiß der Inn Sich in die breite Donau ergießt. Wie Rüdeger befohlen. wie lieb es Rüdeger war. Wie Kriemhild zu den Hunnen reiste Bei Vergen an der Donau machten die Brüder Halt Zu letztem schweren Abschied. Schon kam in schnellem Trabe heran die Reiterschar. so meint’ er. Dort sollten fröhlich sie In Ruhe sich erholen nach ihrer langen Reisemüh’. 1296–1301) . Der Markgraf hatte sorglich entboten Gotelind Mit ihren edlen Frauen und reichem Hofgesind. wartend fand Zu freundlichem Empfange. Kriemhild. war er doch Kriemhild nah verwandt. 1293/94. Die Gäste zu empfangen. Die Pferde trabten schnell. Dort waren kühle Hütten errichtet und Gezelt. und weiterhin Nach Passau. Wenn Gotelind als erste ihr Gunst und Gruß entgegenbrächt’. Gar zierlich an den Zäumen erklangen Glöckchen hell. du rufst mich nicht vergeblich her. wäre es lieb gewiß und recht. Doch hätte Rüdeger wahrlich verhindert jeden Überfall. den Bischof. 1291–1305 (1290.

Da wich das Volk. So taten’s alle dann. die ihr das Herz so lang beschwert. nahm eines Ritters Hand Und ließ sich aus dem Sattel hernieder heben auf den Sand. Bis wiederum am Abend manch Lagerzelt sie kühl umfing. Da schwand ein Teil der Sorge. Sie grüßten sich. Da ritt Kriemhild entgegen der edlen Markgräfin Inmitten ihrer Frauen.175 Der Markgraf ritt dem Zuge entgegen. – Noch fremd wohl. Man saß im grünen Klee Und fragte. Die Ritter ihrerseits Umgaben sie mit Plaudern. 1309–1316 (1305–1308. daß ich Euch schon heut erschauen kann In Eurer reinen Schönheit und stolzen Weiblichkeit.“ Mit feinem Anstand grüßten und fanden sich bereits Die Mädchen zueinander. Der Tag verging. Vom Pferde sprang der edle Mann Und hob sie auf den Rasen. Daß er gesund und fröhlich vom Rhein zurückgekehrt. Der Bischof Pilgrim brachte sein liebes Schwesterkind Kriemhild mit Eckewart zugleich zu Gotelind. Ihr erster Blick ersah. Man schenkte in die Becher den dunklen Ungarwein Und freute bis zum Mittag sich am Zusammensein. bis er nah Anhielt vor Gotelinde. Die Gräfin nahm sich Kriemhilds mit guten Worten an: „Wie lieb ist mir. Die jungen Ritter suchten beflissen werbend nun Den Frauen ihre Freude und Zärtlichkeiten kundzutun. Sah ich doch schon seit langem nichts lieberes als Ihr es seid. was an neuen Geschichten in der Welt geschäh’. Gemeinsam brachen alle dann auf. Es hielt die Königin Ihr Pferd am Zaume zügelnd. doch nah im Herzensgrund Umfingen sich die Frauen und küßten sich auf Wang’ und Mund. 1314) .

Daß hier in Bechelaren schon allzu lange Zeit verrann. In Bechelaren war Schon alles vorbereitet. der Burghof. – weit und breit In Ställen und in Kammern war alles schon zur Rast bereit. Empfingen edle Steine und herrliches Gewand. dann komm’ ich ins Hunnenreich Euch nach. die Luft ging rein und kühl. die sie bis dahin nie gekannt. Wer sie nur sah. Von stolzer Höh’ empor Sah sie ins Blau. die Brücke. Die Kämmerer nahmen wahr Die Sorge für der lieben Gastfreunde Ruh und Rast. Auch fremde Leute. Wie man die Zeit vertrieb. 1317–1326 (1324/25) . Daß man nicht weiterreiste. Tief unten floß im Grunde die Donau nach dem fernen Ziel. wenn Ihr’s gewährt“. Bald saßen sie im Saale. Mein Vater gibt nach. Gerührt versprach es Kriemhild. weit offen die Fenster. Das schöne Kind des Hauses bat Kriemhild leis und sprach: „Erlaubt Ihr mir’s. Nun kam die Burg in Sicht schon. Bei Euch zu sein. Kann ich hier nicht berichten. Behaglichkeit zum Ausruhn schuf Rüdeger für Freund und Gast. Verdrießlich klagte man. der Dienerschar Gewand Vom besten. war doch das Kind so liebenswert. Den Pfad hinan. der war ihr gewogen gleich und hold. Tür und Tor. Am Tor mit den Gespielen die Tochter Rüdegers stand. Da fanden schnell vertrauend einander Hand und Hand.176 Dort ruhten sie die Nacht durch. Doch Rüdeger war um jeden freundschaftlich bemüht. Genug an Kurzweil gab es. Doch manchem war’s nicht lieb. So wenig ihr geblieben von Siegfrieds Nibelungengold. Auch Kriemhild gab und schenkte aus dankbarem Gemüt Gotelindes Tochter Ringe. das sie mit sich genommen in das Hunnenland.

Geglichen hatte keine ihr je an höchstem Frauenwert. Heiden war er stets gleich bedacht. 1327–1335 . Das war für lange Jahre der letzte Gruß und Abschiedsblick. So war auch bald gemehrt Ihr Ansehn bei den Hunnen. und darin Freude fand Nach ihrem langen Leide. Noch einmal schaute Kriemhild zu beiden Frau’n zurück. Die ganze Zeit bisher Stand Kriemhild im Geleite. Die Traisenmauer. Fern über all die Länder hin reichte Etzels Macht. dem alten Brauch gemäß. Dort war ein Mann. Nur Kriemhild war ihr ähnlich. die je in weiter Welt Sich Ehr’ und Ruhm gewannen. Bei Melk war an der Straße. von allen gepriesen und geehrt. ins Hunnenland zu fahren.177 Schon warteten die Pferde am Tor zu Bechelaren. Die Königin nahm Abschied. und später ward sie hochverehrt. dem war der Weg bekannt Nach Mautern donauabwärts bis in das ferne Osterland. Aufs Wohl der Christen. hieß Astol. Bald sahen sie die Treisam. Es möge Kriemhild gut gehn im fremden Lande dort. Zu trösten und zu schenken. im treuen Schutz von Rüdeger. die hatte er sich zugesellt. Die allerkühnsten Helden. – Helche hatte von hier geschaut Ins grüne Land. da sie es gut verstand. Der Wein kredenzt zum Willkomm in goldenem Gefäß. Hier hatte König Etzel sich eine Burg erbaut. Nun kehrte Bischof Pilgrim um mit gütigem Wort.

die edelsten fürwahr. die Rüstung glänzend silberweiß 1336–1343 (1337) . Ob Christ. gleich schien’s. Erschienen sie. Nach Tulln am Donauufer im Lande Österreich Ward Kriemhild nun geleitet. getrennt nach Wort und Brauch. Dann Gibich. Aus Kiew selbst. Gewandte Reiter waren’s. die Kriemhild nie bisher gewahrt. begierig zu schaun die neue Königin. Wie Etzel mit Kriemhild Hochzeit feierte Auf Traisenmauer weilte Kriemhild drei Tage lang. mit ihm Scharen. ritt rasch heran. Und ihm als Führer folgten an siebenhundert Mann. Im Ritte fehlten die Niemals das Ziel. Ramunc. Der Herzog der Walachen. seltsam verschiedener Art An Sitten und Gesichtern. Griechen. stolz in Gestalt und Sinn. Sie ritten wie von Vögeln ein Schwarm entschwirrt im Kreis. Aus der Gefolgschaft Etzels kam eine prächtige Schar Von vierundzwanzig Fürsten. zahllos zog buntes Volk heran. Polen sah man auch. Da waren Russen. Dort ritt von Etzels Horden manch wildverwegener Reiterhauf’. Das Land weit überschauend. war tapfer nur der Mann. ob Heide. Fern unaufhörlich drang Der Staub von weißen Straßen wie Brandrauch hoch hinauf. Erreichten in den Lüften die Vögel selbst im raschen Flug. Die wilden Petschenegen. Unübersehbar. aus Fernen des Ostens kamen sie. Dort sah sie wogengleich Viel fremdes Volk sich drängen.178 XXII. Walachen. Die Pfeile. So ritterlich und fröhlich. gespannt vom harten Zug.

1344–1351 . Nun sah man. Des Brauches seid nicht bang! Wen Ihr nach unserer Sitte mit einem Kusse grüßt. Der stand dabei. daneben sein Genoß Dietrich von Bern mit reicher Gefolgschaft. daß sie so schön wie Helche sei. Sag ich Euch. Zu Kriemhild sprach Herr Rüdeger: „Laßt uns hier den Empfang Des Königs nur erwarten. Erblickte er doch heute zum erstenmal sein Weib Kriemhild. da nicht jeder die gleiche höchste Gunst genießt. Iring. Zwölfhundert Reiter folgten. Da überstrahlte licht Der Zauber ihrer Augen das liebliche Gesicht. Nun wandte sie sich weiter zu Blödelin. Nun ging sie ihm entgegen. Sie hob dazu den Schleier. Wahrhaftig. der Thüring Irnefried. das nun den Gatten freundlich mit einem Kuß empfing. Nun sprang Auch Etzel ab. wie keiner Königin mehr geschieht. Da kam mit seinen Freunden der König und umfing Sein Weib. Zu allerletzt erschien Voran dreitausend Pferden reitend Herr Blödelin. wie inmitten von Fürsten hoch zu Roß Daher kam König Etzel. Die Dänen Hawart. Höher schlug Kriemhild das Herz.“ Man hob von ihrem Rosse die Königin. Der Bruder Etzels. wie es am Hofe Sitte war. das Auge von frohem Glanz erfüllt.179 Die Tausendschaft Hornbogens. In raschem und königlichem Gang Schritt er heran. Weithin erfunkelten die Reih’n Hell im Vorüberfluten von Rossesschmuck und Waffenschein. Ihr nahte glanzvoll der königliche Zug. – mit Lärm und Waffenklang Nach Landessitte brauste vor Kriemhild sie entlang. Ein edles Fürstenpaar Trug ihr die Schleppe. Da meinten viele. ein Empfang war’s.

Gedachten sie doch länger in Tulln nicht zu verziehn. Wie Rüdeger befohlen. dann nach dem Brauch Den edlen König Gibich. da Etzel hielt in Wien Das Beilager mit Kriemhild.“ 1352–1366 (1353–1355. Nun aber zeigt sich. Indes die Hand Kriemhildes in seiner Rechten lag. An einem Pfingsttag war es. ganz gleich ob Heide oder Christ. Dann fanden in den Hütten sie endlich Ruh und Schlaf. daß sie mit ihrem Reichtum Wunder tut. Die Ritter führten höflich die Frauen. Bis früh die Sonne aufstieg und alle schon im Aufbruch traf. darauf Herrn Dietrich auch. erbaut war Zelt an Zelt. Und man mit großem Aufwand empfing das königliche Paar. Und dann noch zwölf der ersten aus Etzels Heldenkreis Als ihrer freundschaftlichen Gesinnung ersten Gunstbeweis. Heut galt dem schönsten Ziele der Ritt. Und sonderlich die Jungen. Dort saß auf weich gewirktem Hochsitz die Königin. war manchem nicht bekannt. Ein fröhliches Turnieren begann mit Schaft und Schild. Rings im Feld. Der neuen Königin schien Zahllos das Volk und größer als das in Niederland. Wo schon die frohe Hochzeit voraus gerüstet war. 1362–1364) . sich zu messen. Das dort zu Siegfrieds Zeiten in Pflicht und Dienst des Fürsten stand. wie’s heut noch üblich ist. Versuchten. Jetzt rühmte man den Gästen der Königin offene Hand: „Wir glaubten. Sprach er mit ihr und Rüdeger. Fröhlich verlief der Tag. Und neben ihr gab Etzel sich ganz der ersten Freude hin. Man kam nach Wien. Wie gut sie schenken konnte. Nun blieben Seit an Seite Herr Etzel und Kriemhild. daß Frau Kriemhild arm sei an Geld und Gut.180 Ihn küßte sie auf Rüdegers Geheiß.

Im schönen Wieselburg erst schifften sie sich ein. Die sieben Königstöchter. Zuweilen quoll im Herzen ihr die Erinnerung An ihren edlen Siegfried. Wärbelin. Nach einer Nacht in Heimburg sah man den Donaulauf. am Steven aufgestellt. Nach achtzehn Tagen brach man von Wien nach Ungarn auf. Nun ließen sich’s die Frauen an Bord wohl und zufrieden sein. Die Schiffe waren kräftig vertäut am Bord entlang. doch barg sie die nahen Wehmutstränen gut. Als Herrin hier gebietend. in Helches Dienst bisher. An tausend Mark erhielten wohl Swemmel. Näntwinens Tochter. Als unter ihrer Krone Kriemhild zum erstenmal erschien. Bei Wind und Wetter sicher zu wehren jedem Wogendrang. die vielen Fremden auch Erhielten reiche Gaben nach dem uralten Hochzeitsbrauch. Dort standen schöne Jungfrau’n. Als wäre man zu Lande. Die Fahrenden und Armen. 1367–1381 (1368–1370) . Herr Dietrich tat noch mehr. Von Etzels Burgturm schaute manch wartend Auge her. zahlreichem Hofgesind. Volle siebzehn Tage verliefen festlich so. der künftigen besseren Zeit. Wetteifernd schenkten Blödel und auch Herr Rüdeger. Der neuen Herrin harrend. Und neben ihnen Herrat. der Helche Schwesterkind. dann stieg die heiße Glut Ins Auge ihr. bestimmt zu Kriemhilds Ehrgeleit. Im Übermaß der Freude war man des Glückes froh. Dietrich als Gattin bald vermählt. wie sie vor Jahren jung Am Rhein bei ihm gesessen. Die Hitze abzuwehren. war fest ein weiß Gezelt.181 Ob andere reichlich gaben. Mit Recht wurden die beiden zum höchsten Glanz des Hofs gezählt.

schön und hehr. Auf Etzels Burg saß Kriemhild als Königin. Der fand dahin die Wege. 1383–1386 (1382) . Wes Herz nach stolzen Taten und Lebensfreude stand. Vor seinem Blick den Reichtum. Man machte das Gefolge der Königin bekannt. Die Menge der Geschenke und Geld ward unverweilt Aus Kriemhilds reichem Schatze an viele Tausende verteilt. des Königs Ruhm im Sinn. Mit Blick und Handschlag bot Ihr jeder sein Gelöbnis. getreu zu sein bis in den Tod. Zu Huldigung und Treuschwur im Kreise ringsumher Die Mannen und Verwandten. die Huld der schönen Königin. In Ehren stand und Ansehn des Königs Hof und Land.182 Das Königspaar kam reitend herauf vom Uferrand.

als er Siegfried totschlug. Damals gebar Kriemhilde dem Gatten einen Sohn. da er die Strafe büßte für ihr Weh? 1387–1392 . Des Glückes und der Größe. Ob künftig je Die Stunde käme. war doch ihr Schmerz wie immer neu.183 XXIII. Froh war er seines Kindes. Das lehrte sie Frau Herrat. Auch dachte sie der Zeiten im alten Heimatland. gewonnen war aller Menschen Herz. Bedacht war Kriemhild immer. zu sein. In aller Munde war es. Zwölf Könige aber waren zum Tode ihr getreu. lebte vor manchem Tag und Jahr. solch edle Königin Gäb’ es in keinem Lande. die ihr durch Hagens Hand Genommen. Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen dachte So stand im Glanz des Ruhmes durch sieben Jahr ihr Thron. denn reich und mild War ihre Hand für Arme und Bittende gefüllt. Doch hatte sie mit starrem Entschluß darauf beharrt. zwar heimlich. Es wird zwar manche Fürstin geliebt auch anderwärts. blieb doch sein reiches Gut Und seines Landes Krone bei seinem alten Stamm und Blut. Daß es nach alter Sitte getauft und christlich ward. Das nährte ihre Pläne. die immer noch ihr Leid Um Helche trug. Nach ihrem Wunsche wurde das Kind Ortlieb genannt. So flossen dreizehn Jahr dahin. Wie Helche dachte. Sie wußte jetzt. jedoch in steter Traurigkeit. Der Eltern Freude teilte das ganze Volk im Hunnenland. wie Helche war. Längst war Kriemhild von allen geliebt.

“ Sie dachte oft: Erbitten will ich’s von meinem Mann. Daß sie sich einem Heiden zur Ehe angetraut? „Um seiner Mörder willen ward ich zu einer Heidenbraut!“ Nie schlief in ihrem Herzen der Haßgedanke ein: „Ich bin so groß und mächtig. scheint mir. Wie fern von ihm war doch sein Weib! 1393–1400 (1398) . – wie sehn’ ich sie herbei! Mit ihnen käm auch Hagen! Dann wär’s mir einerlei. Und während eines Abends Kriemhild mit ihm allein. der Kriemhild zwang Zur Feindschaft gegen Gunther. Fest Hand in Hand geschlungen. wie hart und wen ich möcht’. Ob er in seiner Güte den Wunsch gewähren kann. obgleich sie schon so lang Mit ihm versöhnt. War sie bei ihrem Hasse. Und sonderlich am Tronjer hätt’ ich mich allzu gern gerächt! Die mir getreu geblieben. gewaltiges Gut ist mein. wie sie den schlimmen Wunsch verstand. Da sie ihm ja so teuer wie kaum sein eigener Leib. liebend bei seiner Frau zu sein. Ich könnte sühnen. Die Brüder einzuladen hierher ins Hunnenland. Wie anders kam’s.184 Wie war es möglich? Wodurch brächt’ ich ins Land ihn her? Sie träumte oft. sie ginge mit Giselher einher. Es ging ihr spät und frühe die Frage durch den Sinn: Wie brachte man sie ohne Zuneigung nur dahin. Und Etzel froh war. Ich rächte den Geliebten. strafen. Und ewig neu der Haß ihr die Tränen in die Augen trieb. Sie küßte ihn im Schlaf. – wie es und wann’s geschehen mag. als beide zuletzt das grause Schicksal traf! Es war der Teufel selber. Denn jeder neue Tag Quält mich mit gleicher Frage. doch trotzdem stets unversöhnlich blieb. Argwöhnen konnte niemand.

sprach Etzel. Daß ich mit deinem Herzen der Brüder Freundesherz gewann. das tut mir leid für mich und dich. Dann sagt. „wär’ nur nicht allzu fern Für sie das Ziel der Reise. Sie bat: „Mein Herr und Gatte. mich quält Schon lange eine Sehnsucht. ich möchte erleben hier im Land. Daß deine Huld beglücke. 1401–1410 . wie er war: „Warum sollt’ ich’s versagen? Es wäre undankbar.“ Da sagte Etzel offen und ehrlich. säh’n wir sie bald als Gäste hier.“ „Vielliebe Frau“. versah sie gut mit Roß und Kleid. Wie mächtig sie. dann lüde ich sie gern. Vierundzwanzig Männer zu schützendem Geleit Gab Etzel seinen Boten. so nennt man hier oft „die Fremde“ mich. Daß du sie wiedersähest.“ „Du weißt es“.“ Zwei Spielleute.“ Er stimmte zu: „Schon lange geht es mir durch den Sinn. lieb wäre mir Und Kriemhild. Beglückt mich deine Liebe doch reich. ihm teuer und sonderlich vertraut. denk ich daran. sprach die Königin.“ Sie freute sich. Die wurden mit dem Auftrag der Einladung betraut. die lieb mir sind und nah verwandt. was mir fehlt? Das bitt’ ich dich. „Entbietet meine Grüße den Freunden in Burgund! Ich wünsche den Verwandten – das tut gefällig kund – Des Glücks die reiche Fülle. Warum ich deinen Brüdern noch immer fremd geblieben bin.185 Sie sagte zu dem König: „Mein lieber Mann. „daß ferne in Burgund Mir die Verwandten leben. doch vielen ist nicht kund. Daß sie uns nie besuchten. Schon reifte ihr Wunsch zu künftiger Gewähr. Dann solltest deine Boten du senden an den Rhein. ist dieser Wunsch auch dein. zur Fahrt vom Rhein hierher. Gewährst du. ihrer Schwester.

wie es mein Wort euch lehrt. Wärbelin. Wie er mich nie verletzt hat. Mach’ ich euch reich und schenke euch alles. kennt er ihn doch seit Jahr und Tag!“ 1412–1419 (1411) . ich dächte an jedem Tage neu. Wen ihr von den Verwandten auch dort am Rheine seht. Ich sei vergnügt und ginge im Glücke lebensfroh einher. Erzählt auch meiner Mutter. Dann soll das Fest erhöhen die Sommerlust und Fröhlichkeit.“ Zur Königin berief man die beiden bald danach Ins Wohngemach. Wie trüb mir oft zumute. Längst war ich dort gewesen. Besteht darauf! Nicht fehlen darf Hagen! Wer vermag Den Weg wie er zu weisen. was ihr nur begehrt. daß ihr einem Burgunden je gesteht.“ Der andere. daß man Hagens Erfahrung nicht verschmäht. an seine Bruderlieb’ und Treu. herkommen möchten sie. so lieb wie er Wär keiner mir von allen in weiter Welt umher. wie gut es mir ergeht.186 Da sprach der eine Spielmann. Auch bittet sie recht dringend. versprach: „Was Ihr gesagt. dann sagt und prahlt vielmehr. Erinnert. das ist die schönste Zeit. Die Leute glauben nämlich. Und Giselher. Swemmelin genannt: „Wann wird das schöne Fest denn gefeiert hier im Land?“ „Wenn sich die Sonne wendet. war ich wie sie ein Mann. wo Kriemhild vertraulich noch zu ihnen sprach: „Nun hört mir zu und dient mir nach Wunsche recht und gut! Wenn ihr geschickt und sorglich nach meinem Willen tut. ein Held! Und saget meinem Bruder Gernot. Verhütet. – sah man sie hier doch nie – Ganz ohne edle Sippe stünd’ Kriemhild in der Welt. Getreulich ausführt alles. Verlaßt Euch drauf! – bestellen wir und reisen unverzagt.

Die Sporen dann dem Pferde. Gewänder. Briefe mit Botschaft. warum sie so bestand Auf Hagen. das eilig sie von dannen trug. Geld genug.187 Die Boten ahnten wenig. – Doch nun galt es. zu rüsten unverwandt. Rosse. 1420/21 .

Woher. Bald stiegen sie in Passau beim Bischof Pilgrim ab. beschenkt nach kurzer Rast. und mit Recht!“ 1422–1437 (1433–1435) . sobald sie angelangt. denn Etzels Ansehn galt So viel. Um ihres Königs willen sorgt. In Bechelaren blieben sie für die Nacht zu Gast. „Es gibt was Neues!“ rief er. Voraus lief zum Hofe das Gerücht. Wie Wärbel und Swemmel die Botschaft ausrichteten Bald war das Fest des Königs in aller Leute Mund. gut oder schlecht?“ Sie lachten: „Herrlich! Niemals war man so froh dort.188 XXIV.“ Den Reiseweg zum Rheine weit durch das fremde Land Kann ich hier nicht beschreiben. Dann schieden sie von Rüdeger erquickt. dann kam bereits in Sicht Der Dom zu Worms. Es kämen fremde Boten. von wem gesandt. daß man sie willkommen heißt!“ Herr Hagen grüßte beide. Komm ich in meinem Leben doch kaum zu ihnen an den Rhein. „Besuch kommt hier ins Haus. Hagen allein war Tracht und Art bekannt. Sie brauchten nur zwölf Tage. Ihr Silber und Gewand War gut geschützt vor Räubern. Spielleute Etzels sind es. daß jeder scheute des Königs Zorn und Herrschgewalt. Er fragte rasch: „Wie steht es bei euch. Als seien sie im Auftrag Kriemhilds hierher gereist. Und von den Boten wurde gleich höflich ihm gedankt. Es sieht mir ganz so aus. Das wußte keiner. Der ihnen Gruß und Wünsche für die Verwandten gab: „Sie sollen mir auf der Reise lieb und willkommen sein. Auch daß schon auf dem Wege die Boten nach Burgund.

Und wär auch Kriemhild nicht So nahe euch verbunden. Was bringt ihr von Etzel. Der nahen Blutsverwandtschaft. Den Freunden und Verwandten am Hofe geht es ebenso. Rings um ihn der Vasallen und Ritter große Zahl. Die Etzel und Frau Kriemhild von je für euch gehegt Und von dem Ruhmesglanze. Die Freunde will ich fragen. Mit der sie euch entbehrten.189 Man führte sie zu Gunther. Der saß im hohen Saal. eurem edlen Herrn? Wie geht es meiner Schwester in eurem Lande dort?“ Da sagte Wärbelin: „Ihr Glück ist groß. den ihr mir überbracht. Euch und dem Könige gilt Ihr Wunsch. Er grüßte sie und sagte: „Willkommen heiß’ ich gern Euch hier im Land. Kein Wort Beschreibt genug. und all der Ungeduld. den schimmernd ihre Krone trägt. was euch bewegt. indes in Ruhe ihr Euch pflegt nach aller Mühe der langen Reise im Quartier. sprach Swemmel. „doch meiner Zunge fehlt Das rechte Wort. besuchen möchtet ihr König Etzel und Kriemhild. Dies euch zu sagen. wie ruhmvoll sie thronen herzensfroh. das deutlich von aller Lieb’ erzählt. wär’s eure Lieb. wie sie die Liebe hegt: „Warum kommt ihr nicht öfter an unsern Rhein? Ihr wärt Willkommen und wie Freunde besonders lieb und hochbegehrt.“ „Gern glauben wir’s“.“ 1438–1450 (1439/40. 1443) . Ihr möchtet drum gedenken der alten Lieb’ und Huld.“ Der König sprach bedächtig: „Laßt bis zur siebenten Nacht Den Wunsch mich überlegen.“ Auch Giselher und Gernot erschienen froh erregt. ward uns von Etzel auferlegt: Tat er euch was zuleide? Er fragt.und Freundespflicht. Sein Angesicht zu meiden. Bestürmten sie mit Fragen.

zu schwer die Wege. daß Kriemhild es nimmer uns vergißt. Denkt immer dran. und was meint Ihr zu dem Vorschlag Etzels? Sagt mir. Frau Ute sehen laßt?“ Gefällig brachte Giselher sie hin. wenn ihr zum Abschied uns verlaßt. Wie freudig sah Die Mutter auf die Boten. Daß Ihr uns Eure Mutter. wie’s seine Art war. der Siegfried totschlug mit dieser meiner Hand! Wie dürftet Ihr erkühnen Euch dieser Fahrt ins Hunnenland?“ 1451–1459 . Ingrimmig sprach er: „Nein!“ Heimlich gewandt zu Gunther die Stimme sorgenschwer: „Ihr sagt damit Euch selber den Frieden auf!“ So warnte er. besuchen möchtet Ihr Mit Euren Söhnen Kriemhild. Mit dem. So liebe Boten waren hier lange nicht zu Gast!“ Sie sagten’s zu und schieden. Zu weit. Nichts Lieberes geschäh’ Auf Erden ihr. verlangten nach der Herberg sie. Nur Hagen stand allein. Wie herzlich auch verlangend zu ihr die Sehnsucht geht. was euch geraten scheint!“ Sie rieten zu der Reise. was wir taten. „Wie hat euch ihre Botschaft gefallen. Dem war der Plan zuwider.190 Da fragte Wärbelin: „Wär’s möglich vor der Rast. als wenn sie euch alle einmal wiedersäh’. Ich war’s. Nun nach der schweren Müh’ Bedacht auf Rast und Ruhe. „Ihr wißt doch. So geht mein Wunsch allein Und mein Gebet zur Tochter: Mög’ sie mit Etzel glücklich sein! Laßt mich’s erfahren.“ Wehmütig sagte Ute: „Es ist für mich zu spät. was hier geschehen ist. Indes berief der König den engen Freundesring. er stets zu Rate ging. als wäre sie der Tochter nah! „Der Herrin Herzensgrüße und Wünsche bringen wir Und ihre heiße Bitte.

“ „Laßt Euch ihr Wort nicht trügen. denn längst versöhnte sie Sich mir. Was kümmert’s mich!“ Der Küchenmeister Rumolt sprach warnend: „Bleibt zu Haus! Wie sieht hier doch das Leben freundlich für jeden aus! Könnt euch mit euren Gästen. Und laßt nur. teilen unsere Fahrt!“ Der Tronjer wallte grimmig verletzt auf. So bleibt doch hier zu Hause. dir allein Mag. wagmutiger als ich! Wollt Ihr’s nicht lassen. Soll ich was sagen. Wo ist es schöner als am Rhein? 1460–1466 . sie feindlich noch gesonnen sein. Und ihr bleibt hier zu Hause. Und Euch die Hunnenreise allzu gefährlich ist. vor aller Not bewahrt. Hat sie Euch dort.191 Dagegen meinte Gunther: „Kriemhild vergaß. dann hört auf Rumolts Rat. war es auch sanft und süß. Was einst ihr angetan ward. Womit sie durch die Boten Euch freundlich laden ließ. Der euch von jeher immer die besten Dienste tat. – gut dann! Ich bin bereit. dann geht es an Ehre Euch und Leib. Nur Hagen. verzieh. und wenn Ihr selber den Tod im stillen scheut. Eurem Rate folg’ ich nicht!“ Es höhnte Giselher ihn: „Da Ihr Euch schuldig wißt. der Schwester Angesicht Je wieder anzuschauen? Nein. rot vor Zorn: „Den will ich sehn. Langlebig ist die Rache und ungestillt in Etzels Weib!“ Da widersprach ihm Gernot: „Wenn jene Schuld erneut Euch schreckt. die es kühnlich dran wagen. mit Freunden gütlich tun! War Hagens Rat doch immer der beste! So befolgt ihn nun! Und wollt ihr ihm nicht folgen. unversöhnt im Herzen. der immer als Euer Führer vorn Den Zug geleiten könnte. – laßt doch Kriemhild bei Etzel sein. Soll’n wir darum entsagen. eh’ sie geschieden.

daß euch Böses von Kriemhilds Arglist widerfährt. und dennoch war ihnen Not und Tod bestimmt. die ohne Furcht und Fehl In Helm und Harnisch blitzten. so reich wie hier zu schaun? Trinkt Wein vom allerbesten! Freut euch der Liebe eurer Frau’n! Bleibt hier um ihretwillen. wie es dort stehn mag. „Da Kriemhild uns ja lud Mit schwesterlichen Worten.“ Der Rat war gut. Die sollten bei den Hunnen getreulich ihm zur Seite sein. Bleibet im Lande! Das ist Rumolts Rat. Dreitausend Helden stiegen zu Pferd und folgten flink. ob Unheil und Verrat Nicht auf euch lauern. So edel Volkers Blut war. Mit dreißig Mann kam Volker. Sie meint es mit uns gut. Güter. bleibt zurück! Wer weiß. Wer hat in aller Welt wohl ein schöneres Glück erlost? Wo wären Schätze. um eurer Frauen Glück! Wagt nicht so unbesonnen das Leben. Der Helden Kampfgewand War herrlich. zu Gunther an den Rhein. Warum entsagten wir? Doch wer nicht gerne mit will. Sorglos ihr Herz. Der sang und strich gewandt Die zarten Fiedelsaiten. daß es allen fast königlich erschien. Sein Bruder Dankwart führte auf Hagens Marschbefehl Die achtzig besten Männer. den Spielmann nannte jeder ihn. Die Ladung zum Aufgebot erging. schützt euch und nehmt der Waffen wahr. 1467–1477 . – nun gut! der sag’s und bleibe hier!“ Drauf mahnte Hagen düster: „Ich warne vor Gefahr! Wollt ihr’s nicht lassen.192 Vor euren Feinden sicher sitzt warm ihr und getrost.“ „Wir bleiben nicht!“ sprach Gernot. Wie jeder gern den Aufruf zu froher Fahrt vernimmt. Und ebenso auch Etzel. Ich rat’ euch: Tausend Ritter mit ihrem guten Schwert Verhüten.

Er riet: „Nur sieben Tage als Vorsprung geben wir. was bisher nicht geschehn. Seid stark und überlegen beim Angriff. eine Schar. Zu Gunther rief man die Boten dann. Wir leiden keine Not. Doch wehrten sie: „Da Etzel. Erlesen und erprobt schon in mancherlei Gefahr. „Nicht in der Stimmung ist sie heut abend“. Eh’ wir das Land verlassen. Es fehlt uns ja nichts.“ Doch auch am anderen Tag Gab’s wieder Hindernisse. Die Boten Kriemhilds standen verdrießlich wartend schon. Doch Hagen – klug bedachte er seine Weigerung – schlug es aus. Die jedem guten Worte in hartem Trotz verschlossen blieb.“ 1478–1489 (1482) . Der sprach: „Wir nehmen dankbar Herrn Etzels Vorschlag an. gar oft in früherer Zeit Bewährt in manchem Streite in ihrer wilden Tapferkeit. Dann seid gesichert ihr. Doch Volker hintertrieb es. es verbot.“ Endlich gewährte Gunther. wann soll der Festtag sein?“ „Zur Sonnenwende“. sagte Swemmel. Dann wird sie euch empfangen. Da ihr Verzug nur Tadel erwarb statt Dank und Lohn. Er tat es ihr zulieb. Wird gegen euch ein Anschlag heimtückisch dort geplant. Doch sagt. Behaltet sie. Vor ihrem Abschied sollten nach alter Botenart Sie Dankgeschenke nehmen als Lohn für ihre Fahrt. Frau Brünnhild noch zu sehn. Sie wußten nicht. „laden sie Euch ein. Es waren harte Kämpfer. eh’ Kriemhild es ahnt. „Kommt morgen! Wenn bis dahin ihr Unmut sich verlor.’’ Die Zeit war da. Urlaub verlangten täglich sie zu der Fahrt nach Haus. Den Boten Etzels freundlich. wann soll’n wir kommen. der König. woran es lag. gab er vor.193 Aus allen wählte Hagen nur tausend.

der König sei in Gran. Sich rüsteten zur Reise ins Hunnenland zur Sonnwendzeit. Doch ihres Herren Name war mehr als gut Geleit. Wer aber noch dabei. Der Spielmann nur. hierher zu reisen. So reisefroh die anderen. die jeder hocherfreut vernahm. wie Tod und Untergang. Ließen sie es Rüdeger und alle dort erfahren. Herr Volker. geschah es aus Liebe doch um Kriemhilds will’n Dann schieden beide fröhlich von Worms.194 Als König Gunther zürnte. Sie nahmen’s an. Hierher zu reisen hieß So viel ihm wie Verderben. Spornten sie die Rosse zu schärfstem Trabe an. Gastfreundlich aufgenommen im Schloß zu Bechelaren. schien sie doch froh zu sein. Freigebig dankte Kriemhild. Ist unbekannt geblieben und ward uns nicht erzählt. Rasch ging die Fahrt. da willigten sie ein. ihm war wie vor dem Tode bang. Doch Eure Brüder waren entschlossen alle drei. Auch Mutter Ute ließ es gern ihre Sorge sein. Mit Gold und seidenen Borten der Boten Hand zu füll’n. beteuerte. in kurzem fahrtbereit. Doch drang sie wißbegierig rasch auf die Boten ein: „Wer kommt von all den Meinen? – Wer hat den Plan gewehrt? Was sagte Hagen. Doch als sie dort erfuhren. Daß die Burgundenkönige. Bereit. als er von unserer Einladung gehört?“ „An einem Morgen war es“. Dann standen sie vor Etzel. so sagten sie. „er ließ Kein gutes Haar an allem. Bis Schwaben ritt Von Giselhers Gefolgschaft ein Schutzgeleite mit. Von ihren Lippen kam Aus Worms die schöne Kunde. daß er nicht fehlt!“ 1490–1501 . Beim Bischof erst rasteten sie kurze Zeit.

daß mir sein Anblick nicht entgeht!“ Dann wandte sich die Königin und ging zu ihrem Mann. sprach Etzel. sagte die Königin. All mein Verlangen steht Auf diese eine Hoffnung. Weil keiner von den deinen uns zu besuchen kam. die Hände regend. hörte er ihren Worten an: „Mein lieber Herr. gefällt Euch die Nachricht ebenso? Wie bin ich der Erfüllung all meiner Wünsche endlich froh!“ „Dein Wunsch ist meine Freude“.“ Die Amtleute des Königs gingen voll Eifer nun Ans Werk. 1502–1505 .195 „Den könnt’ ich leicht entbehren“. „fehlte doch Auch mir der nah Verwandten vertraute Freundschaft noch. Um ihretwillen freut’s mich. daß diese Sorg’ ein Ende nahm. das war nach meinem Sinn. Denn ihm bin ich gewogen. „Doch Hagen hier zu haben. denn viel gab es zu tun. Zu rüsten und zu schaffen für Herberg und Gelaß. Wie sie beglückt war. War keiner doch von allen gefaßt auf künftigen Kampf und Haß.

Wir woll’n doch sehn. und ihrem ganzen Troß. wenn Ihr zu Hause bliebt. doch hat ihn die Reise später sehr gereut. Lebendig ward’s am Hofe zu Worms von Mann und Roß. Dem Schutze unserer Könige dient dort manch tapfere Hand. wie Kriemhild an ihrem Fest sich freut!“ So riet er zu. daß seine Ehre dabei gefährdet ist Und kann schwer unterscheiden. so träumt’ ich letzte Nacht. Zum Feste ging es ja.“ 1506–1512 (1508) . was falsch ist oder klug. Wie die Herren alle zu den Hunnen reisten Wir schweigen von dem Leben. Die Vögel in den Lüften. Von Rittern. tausend Knechten. Geht es nach meinem Wunsche. denn immer denkt Ihr an Kriemhilds toten Mann. Am Tage vor dem Abschied sprach Ute tief betrübt: „Es wäre mir viel lieber. Nie fuhr noch eine Mannschaft mit schönerer Hoffnung aus Und reicher ausgestattet zur Fahrt in fernes Land. sprach Hagen. Dazu die sechzig Helden. „der vergißt Oft leicht. wie’s ging und stand zu Haus.“ „Kehrt einer sich an Träume“. Manch einer weinte später. der sie heut fröhlich scheiden sah. Da aber wies ihn Gernot mit hartem Wort zurecht: „Wie Eurem eigenen Rate Ihr heute widersprecht! Ihr warntet vor der Reise!“ – Und zornig schloß er dann: „Ihr scheut die Fahrt. dann unternimmt mein Herr den Zug. Sei’n tot herabgefallen.196 XXV. Laßt uns nur ruhig reiten in König Etzels Land. Gut waren sie versehen nach Wunsch mit Waffen und Gewand. Das Traumbild hat mir angst gemacht.

wer zögernd in liebem Arme lag. Ging heller Flötenjubel den Uferrand entlang. eh’ er aufs Roß sich schwang. Brünnhilde bat den König: „Bleib hier!“ Die Nacht vorher Liebkoste sie den Gatten. Noch mancher schlang Den Arm um die Geliebte. das Herz von trüber Ahnung schwer. Behielt ihr Auge ewig. beweint’ es einst im Übermaß.“ Schon standen Knecht’ und Pferde bereit. Gespannt am Ufer standen rings Hütten und Gezelt. gebietet! Dann greift nur wacker zu! Gern sitz’ ich auf und reite mit Euch in Etzels Land. Wie keiner sonst war Rumolt dem Könige getreu. Da riß sich los. Wir kommen wieder. Beim Anblick ihrer Männer. Sorg.“ So sprach er. da uns von Kriemhild nichts zuleid geschieht. Am frühen Morgen brauste der Feldposaunen Klang. Doch sagt. zu Pferd im Zug gereiht. dessen Hieben kein Schild und Helm einst widerstand. „riet ich Euch nicht dazu. „da du der Treuste bist. Ein Lager deckte drüben weithin das grüne Feld. daß mein Kind vor Fährnis und Weh geborgen ist. Schlimm ist so lange Trennung.“ „Dir!“ sagte Gunther herzlich. Wie weh tat ihren Herzen der letzte schwere Augenblick! 1513–1521 (1514) . Kam über alle Frauen die Abschiedstraurigkeit. Sie nagt und zehrt am Glück. da tröste sein Gemüt. Wem Ihr indes die Sorge für Land und Leute übertragt. Wenn Ihr es wollt. Der warnte Gunther heimlich nochmals vor künftiger Reu: „War doch nach meinem Sinne die Reise nicht.197 „Furcht war es nicht“. Zum Scheiden – nach dem Plane Kriemhilds zum letzten Scheidetag. sprach Hagen. Wo einer weint und leidet. Wie er so lebensfreudig und stolz im Sattel saß.

Als allererste Spitze ritt Hagen weit voran. war er dazu der rechte Mann. Zu Kreisen schwell’n die Strudel und reißen in den Grund Womöglich heute manchen. Indes er nah zum Grasen sein Pferd an eine Weide band. ihr seht’s.“ 1522–1529 . Tausend Mann im Panzer sprengten sie heran. was still und traurig blieb zu Haus.198 Doch die Burgunden hielt es im Lande nun nicht mehr. Jetzt sprang er dicht am Ufer vom Sattel in den Sand. Wie es auch stand zu Hause. Landkundig. Die Hoffnung war gering. In Kriemhild brannte ja Siegfrieds Wunde noch. Bis über Schwanenfelde man an das Donauufer kam. Als Führer durch die Gaue wies Hagen sein Geschick.“ „Wozu die Sorge?“ sagte der König. Bald schlossen sich dem Zuge die Nibelungen an. Ostfranken blieb zurück. ihr Blick ging hell voraus Ins ferne Blau. Der König mit den Seinen stand zaudernd. wie bang und kummerschwer Die Abschiedstränen flossen. die Straßen unwegsam. War doch die Landschaft fremd oft. Jenseits das fremde Land Lag fern und unerreichbar.“ Sprach Hagen. „Denn die Donau führt Hochwasser. und doch Vergeblich stets. Wie oft sah’n ihre Frauen nach ihnen aus. Ringsum kein Schiff zu sehen. vergessend. „du bist klug. Sie saßen ab am Uferrand. Such eine Furt. wo sanfter das seichte Wasser geht Und einen Übergang dir für Mann und Pferd und Troß verrät. Den Strom zu überqueren. tapfer. weithin geschwollen ging Die Flut in breiten Wogen. „Übel steht’s. der gestern fröhlich und gesund. Die Reise ging zum Mainstrom. Auswege weißt du immer zu unserem Heil genug.

“ Sie schwebten wie die Vögel vor Hagen auf der Flut. Da hörte er ein Rauschen. Hinauf. schnell ihm offenbar. „mein Leben ist mir noch Zu schade zum Ertränken in diesem Wasserloch. wißt. Froh. Die höhere Ehre brachte und größeren Ruhm. schicksalkund. Das Hagen ihnen hurtig mit einem Griff entwand. Hadburg mit Namen. Heimlich schlich er näher. Wo Gelfrat herrscht. Da bat das eine Meerweib.199 „Das geht nicht“. Noch niemals unternommen ward eine solche Fahrt. hinab am Ufer – kein Fährmann war zu sehn. Da lag noch ihr Gewand. Wenn ihr dafür zum Danke uns unsere Kleider wiedergebt. daß sie ihn sah’n. was dort Ihr im Hunnenland erlebt. daß sie ihm entrannen. Wir künden Euch. Drei Meerfrau’n. bevor ich selber sterben kann. So ward. Es plätscherte ein Brunnen. Bleibt hier! Ich streif’ indessen entlang am Uferrand Und suche einen Fergen für unsere Fahrt ans Land. Es schienen ihm die Worte geheimniskund und gut. Um so gewisser hielt er die Weissagung für wahr.“ 1530–1537 (1532) . So wahr mein Wort und Wesen – ich setze es zum Pfand –. Sie sagte: „Reitet weiter getrost in Etzels Land. Das ist mein heiß’ Verlangen – erst muß noch mancher Mann Mir in den Tod vorangehn. Entflohen sie und bargen sich schnell auf grünem Plan. uns Frauen ward Weissagung verliehn. was er zu hören begehrte. ihn: „Herr Hagen. Hell blinkend in der Brünne schritt Hagen frei und unbeschwert.“ Er raffte behende Schild und Schwert. Erlabten sich im Wasser beim Bade auf dem kühlen Grund. Doch kaum. als Ihr erfahrt. lachte Hagen. Aufhorchend blieb er stehn.

Ein einziger. Dann sagten sie erst deutlich. Wie sollte das wohl kommen. die zweite. noch ist zur Umkehr Zeit. Denn tödlichem Verderben bist du im Hunnenland geweiht. Daß wir zugrunde gehen. vernimm den guten Rat: Flußaufwärts zu dem Fährhaus führt dich der Uferpfad. wer will uns treffen? Wer haßt uns denn so sehr?“ Da offenbarten beide von künftigen Dingen ihm noch mehr: „Es ist gefügt vom Schicksal und kann nicht anders sein: Keiner von euch allen wird wiedersehn den Rhein. Wie kommen wir hinüber? Zeig mir den Weg dahin genau!“ Sie sprach: „Willst du’s nicht anders. eigens nach Hagens Wunsch und Sinn. der Kaplan nur des Königs. Hagen. Um dort zu sterben. steht’s so schlimm.200 Das waren Worte. sonst keiner weit umher. Willst du zur Heimat wieder. die mit ins Hunnenland Als frohe Gäste reiten.“ Da sann der Tronjer lange und fiel in düsteren Grimm: „Ich muß es meinem Herrn verhehlen. der Worte Sinn erschloß: „Dich will ich warnen. Betört hat meine Muhme dich listig um ihr Kleid. Sie schlüpften in die Hülle. wer wünschte unseren Tod? Sagt an. die hat der Tod schon in der Hand!“ „Zwecklos ist“. Denn wisse. 1538–1544 . Nun sage. „wenn Ihr betrügerisch droht. ein schwanengleich Gewand.“ Unmutig kehrte Hagen sich ab und fragte gar nicht mehr. Drum gab er ohne Zögern die Kleider wieder hin. Aldrianes Sproß. wie es mit ihrem Wort bewandt. Alle. daß ihr dorthin nur eingeladen seid. sagte Hagen. Dort oben wohnt ein Ferge. kehrt gesund Von eurer Todesreise glücklich gerettet nach Burgund. Als Sigelind. kluge Frau.

Gelfrat. Sein Bruder herrscht in Bayern. Der diese Mark behütet. auch wenn’s ihm nicht gefällt. der brausend rauh über’s Wasser schwillt: „Hol über! Hier ist Amelrich! Ich bin der Mann. Hagen stand hilflos vor der weiten Flut. Ihr wäret Amelrich. Dann ruft laut übers Wasser. So kam denn keiner. Ferge! Hol mich! Dich lohnen will ich gut! Denn schnell muß ich hinüber. sonst seid Ihr ihm als Feind verhaßt. um Geldlohn fuhr er nicht. Gleich wird er sich bequemen. Er schwieg und weiter schritt er den sandigen Weg entlang. ein kühner Held. Denn Gelfrat hat zum Hüter des Donaustromes ihn bestellt. Ihn kümmerte kein Bitten.201 Da rief das eine Meerweib: „Herr Hagen. hin über Strom und Flut: „Hol über. Vom besten roten Gold Ein Armring soll dir werden als Dank und guter Fergensold!“ Groß war des Fährmanns Reichtum. auf Widerstand gefaßt! Behandelt gut den Fergen. Dann hütet Euch. Jenseits des breiten Wassers am hohen Strande lag es da. seid wachsam. Auch seine Knechte hielten zum Dienste sich zu gut. wartet doch! Voreilig geht Ihr fehl sonst. die Stimme von Zorn und Grimm erfüllt – Wie Sturmeslaut. Er rief. Bis er am anderen Ufer das Fährhaus ragen sah. Da rief er laut. Sein Dienst war keine Pflicht. Er ist Herr Else genannt. Elses Vasall. der glücklich dem Feind und seinem Haß entrann. Denn ich belehr’ Euch noch. Die überfahrt zu zwingen. Und zeigt er nirgend sich. so laut er konnte. Wollt Ihr die Mark durchqueren.“ 1545–1552 . Hier ist ein Herr im Land.“ Der stolze Hagen neigte den Frauen sich zum Dank. Spart nicht das Fergengeld. Denn er ist zornigen Sinnes.

Bleibe hier!“ „Verweigert’s nicht!“ rief Hagen. dann räume gleich den Kahn! Uns haben fremde Feinde genug des Übels angetan!“ „Versag es nicht!“ rief Hagen. Mir bist du fremd. Führt mich um Gottes willen hinüber. denn einen ganz anderen meinte ich. Da du mich trogst. Und hob ihn in die Sonne. da sah er Hagen an. ein falscher Ruf genarrt. Ich will nie Euch diesen Dienst vergessen. Geschwister waren wir. Nehmt guten Sold für Eure Müh’!“ Mit mächtigem Satz sprang Hagen ins schwanke Schiff hinein. Zum Ruder griff der Ferge. daß Hagen hinstrauchelnd sank ins Knie. Enttäuscht. goldig rot. Doch kam es für den Fährmann viel schlimmer. Mit einer Stange hieb er dem Tronjer übers Haupt. daß ihr ans andere Ufer geht!“ Ein langes Ruder griff er. Da schalt der Ferge zornig: „Soll’s nicht dein Schaden sein. „Ich lohne es Euch gern. Doch große Sucht nach Schätzen erwirbt am End’ nur Tod und Schmach. Daß er mit Heuchelworten von Hagen überlistet ward. „zum Dank nimm diesen Ring! Ich bin in Not und Sorge. Ingrimmig schalt der Ferge: „Heißt du auch Amelrich. 1553–1561 . Mit deinem Schiffe bring’ Hinüber tausend Männer mit Rossen und Gerät!“ Der höhnte: „Nie geschieht es.202 An seinen Schwertknauf band er den Armring. so fahr’ ich dich nicht hinüber. Von gleichen Eltern stammend. daß ihn ein Trugwort. und sorgen muß ich für meine Herrn. Gierig war er danach. ein lockend Angebot. Mit starken Schlägen brachte er schnell das Boot heran. Wenn dir dein Leben lieb ist. Doch als es lag am Ufer. als er je geglaubt. Fremd bin ich hier. „Gebt Raum!“ so tobt’ und schrie Und schlug er drein.

Wo ich’s – verlassen schien es – von einer Weide band. Die sah’n wie von dem Boden des kleinen Schiffes stieg Der Rauch des frischen Blutes. das Schicksal rüstet uns allen einen bösen Tag. In Sorgen ihn befragte: „Sag.“ Er leugnete und sagte: „Ich fand das Schiff am Strand. du schlugst ihn tot. Ich fürchte fast. der uns durch Flut und Wind Ans ferne Ufer drüben hinübersteuern mag. Vom harten Schwunge brach ihm das Ruder in der Hand. Was kümmert’s mich! Ist keinem doch heut ein Leid von mir geschehn. aber Hagen schwieg.“ Unmutig klagte Gernot: „Die schlimmste Not beginnt.“ Doch laut befahl schon Hagen: „Ihr Knechte. Mir schwant. Doch trieb das Schiff indessen im Strome mit der Flut. legt ins Gras Die Sättel und Geschirre. Hinüber bring’ ich Euch heut in Gelfrats Land!“ 1562–1570 . Kein Fährmann in der Nähe. und doch schwimmt hier ein Boot Mit roter Last im Kiele. es sank ihm fast der Mut. wo sich ein Wald Am Ufer hob.203 In grimmigem Zorn griff Hagen nach seinem Schwert und schwang Es. Hagen. Von einem Fährmann hab’ ich rings keine Spur gesehn. was geschah? Kein Fährmann ist zu sehen. Endlich gelangte Hagen dahin. Und habt auf mich Verlaß! War ich doch sonst am Rheine als Steuermann bekannt! Ich trau’ mir’s zu. Die Tat gab er erst später den Freunden in der Ferne kund. So stark er rudern mochte. der verwundert das Blut im Schiffe sah. daß dem Fährmann das Haupt vom Rumpfe sprang. Das nahm er und versenkt’ es im tiefen Stromesgrund. Sie fragten. Das er mit einem Schildband dann mühevoll zusammenband. Dort fand er die Fahrtgenossen bald. Bis Gunther.

und meisterlich gewandt Hielt er das Schiff im Strome zur Fahrt ins unbekannte Land. von Hause mitgebracht. endlich das ganze Heer Bracht’ er gesund hinüber. Der Männer Unmut schwoll.204 Die Pferde trieb man eilig ins Wasser. Die Ritter und die Knechte. Den ganzen Tag lang ging es die Ufer hin und her. Mit einem harten Griff Hob er ihn hoch und warf ihn im Schwunge aus dem Schiff. versunken im Gebet. das vom Kaplane das fremde weise Meerweib sprach. Gold und Kleidern. errett’ ihn!“ Heftig schalt Giselher. Sie schrien: „O Herr. Schien allen doch im Schiffe sinnlos die Tat und grauenvoll. Doch sann er finster nach Dem Wort. Er fand den frommen Pfaffen. Hagen sah’s und sann. Nun griff zum Ruder Hagen. der still sein Weihgerät Umschlossen hielt in Händen. Er sah sich um und suchte. Blieb ihnen doch zum Kampfe mit Strom und Wellen Kraft genug. der Tod schien überall. Sie schwammen gut. doch Hagen stieß und zwang Zurück ihn in die Fluten. Ob zwar die starke Strömung auch einige abwärts trug. doch trieb er glücklich an das Land 1571–1579 . Dann ward das Schiff beladen mit der kostbaren Fracht An Waffen. Verzweifelnd an der Hilfe rang hart er mit dem Schwall. Es wartete das Unheil schon auf den armen Gottesmann. Griff aus nach Freundeshänden. leicht bemannt. Schnell packte ihn der Tronjer. mit ihm war Gottes Hand. Er wandte sich zum Lande. Er konnte zwar nicht schwimmen. Doch kümmerte sich Hagen um ihn und Gernots Zorn nicht mehr. Der Pfaffe schwamm und kämpfte im grausen Wogendrang. Das sollte ihm nichts nützen. und sicher erreichten sie den Sand.

Das Schiff entzweizuschlagen. was immer auch geschah. Aber Dankwart sprach: „Warum zerstörst du. der bange ist. 1580–1585 . Die Saumtiere beladen mit ihrer reichen Last. Gesattelt waren wieder die Pferde nach der Rast. Wir alle müssen sterben. Und was er sann und dachte. vergeht dem Feigen sein Gelüst. Zum Schwert griff Hagen. sah Man stets auf Hagens Seite. – Gerettet! Hagen sah es und wußte nun Bescheid! Die Wahrheit sprach am Brunnen der Weiber weiser Mund. am Ufer Roß und Mann. Nur einen. was ihm behagt’. Volker. bis es in Stücke brach. Gunthers Kaplan allein Mußte einsam heimwärts zu Fuße wandern an den Rhein. Bruder. schwang es aus Kräften und begann. Alles war gut gegangen. Das fügte er in Worte zu einem zierlich hübschen Spiel. und keiner kehrt heim nach Burgund! Das Schiff war bald entladen. nutzlos das gute Boot? Wir brauchend doch zur Rückfahrt!“ – „Damit hat’s keine Not!“ Sprach Hagen: „Schrecken soll es den Mann. gefiel.205 Da stand der arme Priester und schüttelte das Kleid.“ Die meisten waren zornig. Fehlt für die Flucht das Boot ihm. Dann warf er all die Trümmer ins Wasser.

206

XXVI. Wie Gelfrat von Dankwart erschlagen wurde
Am Ufer stand zum Aufbruch bereit das ganze Heer.
In Sorge fragte Gunther: „Wer soll uns kreuz und quer
Durchs Land die Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?“
„Ich!“ meldete sich Volker, „ich will den Führerdienst versehn.“
„Steht still!“ befahl da Hagen. „Ihr Herrn und Knechte, hört!
An einem Brunnen haben zwei Meerfrau’n mich gelehrt:
Wir alle säh’n die Heimat nicht wieder! Nun, so laßt
Uns um so tapferer kämpfend begegnen jedem, der uns haßt!
Ich glaubte, aus den Weibern sprach’ Lüge nur und Trug.
Sie sagten, keiner kehre nach Haus von unserem Zug
Als der Kaplan. Dem bliebe allein das Glück verhängt,
Am Rhein zu sterben. Wahrlich! Ich hätte gerne ihn ertränkt.“
Das Wort durchflog die Reihen und ging von Schar zu Schar.
Kein Wunder, daß manch Antlitz bleich ward und traurig war.
Das Grauen spürten alle. Sie sah’n bei diesem Zug
Den sicheren Tod vor Augen. Die Not war groß, die jeder trug.
Hagen rief: „Zu Feindschaft und Haß hab’ ich entflammt
Gelfrat und Else beide. Der treu das Fergenamt
Für sie versah, – ich schlug ihn zu Tode. Seid gefaßt,
Sie greifen an. Dann achtet, daß ihr sie nicht entrinnen laßt!
Sie schäumen, werden beide, was ich getan, gewahr.
Laßt langsam gehn die Pferde, sonst meinen sie wohl gar,
Wir eilten, uns zu retten durch hastige Flucht ins Land.“
„Der Rat ist gut!“ sprach Giselher, „es brächte Schmach und Schand.“

1586–1593

207
Als Führer an der Spitze saß Volker schon zu Pferd.
Der Straßen war er kundig, auf Fahrten oft bewährt.
Die stählern blanke Brünne, die stand dem Spielmann gut.
Er band an eine Stange ein helles Fähnlein, rot wie Blut.
Gelfrat und Else hatten, zu hitziger Wut entfacht,
Ein Heer, den Mord zu rächen, eilig herangebracht,
Tatengewöhnte Männer, bewährt in manchem Streit,
An siebenhundert standen zu schneller Hilfe kampfbereit.
Sie saßen auf und folgten gefügig ihren Herrn.
Die spornten ihre Rosse. Sie hätten gar zu gern
Schnell eingeholt die Feinde, den Zorn, die Wut gekühlt.
Doch wurden sie bald inne, gefährlich Spiel ward hier gespielt.
Denn Hagen hatte klüglich mit vorbedachtem Rat
(Wer sorgte für die Freunde besser, als Hagen tat?)
Vorsorglich schon die Nachhut besonders stark gemacht.
Mit Dankwart und den Seinen hielt Hagen selbst die Rückenwacht.
Der Tag war hingegangen, die kühle Nacht brach an.
Die Not wuchs mit dem Dunkel, darin das Licht zerrann.
Sie ritten still und wachsam, den Schild fest in der Hand.
Der nahe Angriff drohte. Im Dunkeln lag das Bayernland.
Da, rings zu beiden Seiten, im Rücken klang es auf
Von dumpfen Rosseshufen. Ein großer Reiterhauf’
Kam eilends nahe. Dankwart rief laut: „Nun geht es an!
Bindet die Helme fester! Und kommen sie, dann drauf und dran!“
Die kleine Schar der Nachhut, wie’s üblich ist, hielt ein.
Schon blinkte aus dem Dunkel der Schilde lichter Schein.
Da schwieg Hagen nicht länger: „Wes Männer seid ihr, sagt,
Daß ihr uns auf der Straße im Dunkeln anzufallen wagt?“

1594–1602

208
Da gellte aus dem Haufen Gelfrats Stimme hell:
„Wir suchen einen Fremden – drum ritten wir so schnell –,
Der meinen Fergen heute erschlug. Wir suchen hier
Nach diesem Feind, denn unseren getreuen Mann betrauern wir.“
Hagen rief hinüber: „Der Ferge war dein Mann?
Der wollte uns nicht fahren. Ja, ich bin schuld daran,
Ist er nicht mehr am Leben. Er hat mich hart bedroht,
Ich mußte mich doch wehren, er schlug mich selber beinah tot.
Gold bot ich, wie es üblich und Fergen wohl gebührt,
Hätt’ über Strom und Fluten er willig uns geführt.
Doch nahm er eine Stange, griff an und hieb und schlug
Gewaltig mich zu Boden, bis es mein Grimm nicht mehr ertrug.
Zum Schwerte griff ich, wehrte mich hart und traf und hieb
Ihm eine Todeswunde, daß jener liegen blieb.
Und dünkt’s Euch gut, zur Sühne bin ich sofort bereit.“
Schon brannten beide Gegner in tapferem Drang auf Kampf und Streit.
„Wir wissen wohl“, rief Gelfrat, „an diesem Ort vorbei
Ritt Gunther mit dem Heere. An seiner Stelle sei
Hagen von Tronje Bürge für jenen üblen Schlag,
Der mir den Fergen raubte, und den er tödlich büßen mag.’’
Dann senkten beide Gegner die Lanzen auf den Schild.
Gelfrat und Hagen stürmten heran gereizt und wild.
Else und Dankwart trieben vorwärts mit Zaum und Sporn
Die Rosse aufeinander, erglühend ganz in Wut und Zorn.
Wo hätten bessere Helden gemessen ihre Kraft?
Getroffen stürzte Hagen im Prall von Gelfrats Schaft.
Das Brustzeug seines Pferdes zerriß. Er sank ins Gras.
Was Sturz und Fall bedeuten, erfuhr er hier in vollem Maß.

1603–1609

209
Denn Gelfrat, abgesessen, kam jäh im Sturm heran.
Doch als nach hartem Sturze Hagen die Kraft gewann,
Erhob er sich und wehrte dem Gegner. Gelfrat schwang 
[zersprang.
Das Schwert auf ihn, daß klirrend vom wuchtigen Schlag sein Schild
„Zu Hilfe, lieber Bruder!“ so rief er Dankwart an.
„Ein wahrer Held, mein Gegner! Hilf mir und komm heran,
Sonst muß ich ihm erliegen!“ Dankwart sprang brüderlich
Ihm bei und drohte Gelfrat: „Ein Ende mach’ ich! Hüte dich!“
Er hob die scharfe Schneide und traf mit hartem Schlag
Gelfrat aufs Haupt, daß dieser im Blut am Boden lag.
Es hätte Else gerne des Bruders Fall gerächt.
Doch war er selbst verwundet. Um seine Sache stand es schlecht.
Der Bruder und noch achtzig der Seinen hingerafft,
Und auch die anderen alle am Ende ihrer Kraft.
Sie wichen und entkamen zuletzt mit knapper Not,
Verfolgt noch von den Tronjern, bis Dankwart endlich Halt gebot.
An hundert Bayern lagen im Gras. Die büßten hart
Für vier Burgunden, deren Verlust betrauert ward.
Nun fanden sich die Männer allmählich wieder an,
Kampfmüd und wund, im Arme den Schild, von dem das Blut noch rann.
Es floß aus nächtigen Wolken das Mondlicht trüb und falb.
„Verschweigt dem lieben Herren, warum wir seinethalb
Hier in der Nacht gefochten“, sprach Hagen. „Mögen sie
Im Schlafe sorglos ruhen. So hören sie’s erst morgen früh.“
Doch mancher war vom Kampfe ermüdet, matt und wund.
„Wie lange soll’n wir reiten?“ ging es von Mund zu Mund.
Auch Volker, der die Sorge für Knecht’ und Pferde trug,
Ließ fragen: „Wann gibt’s Ruhe? Für heute haben wir genug!“

1610–1622 (1611)

210
Doch barsch versetzte Dankwart: „Das weiß ich selber nicht.
Wir halten erst und ruhen im neuen Tageslicht.
Und wie wir es dann finden, da ruhen wir im Gras.“
Das hörte mancher ungern und ritt verdrossenen Sinns fürbaß.
Wie schlimm sie zugerichtet in heißer Kampfesnot,
Wies sich, als über’m Berge aufstieg das Morgenrot.
Verwundert sah’s der König und fragte vorwurfsvoll:
„Seid ihr so stolz, daß keiner von uns im Kampf euch helfen soll?
Wie geht es zu, Freund Hagen, daß Ihr im Kampfe steht
Und dabei jede Hilfe der anderen verschmäht?
Voll Blut ist Euer Panzer. Wer hat’s Euch beigebracht?“
Er sagte: „Das tat Else. Der überfiel uns diese Nacht.“
Die Fahrt ging weiter. Passau war nächstes Reiseziel,
Wo’s ihnen bei Herrn Pilgrim, dem Bischof, gut gefiel,
War doch der Oheim glücklich, die Neffen dort zu sehn.
Sie ließen sich zur Freude den Tag vergnügt vorübergehn.
Dann nahten sie den Grenzen der Mark, wo Rüdeger
Das Land weithin beherrschte. Als Grenzwacht hielt die Wehr
Ein Mann, den Hagen liegend, in Schlaf versunken, fand,
Und dem er dabei listig die Waffe aus den Händen wand.
Es war der Ritter Eckewart, der, überrascht erwacht,
Nun sah, wie er als Wächter schlecht auf sein Amt bedacht:
„Weh mir der Schande! Rüdeger, mein Herr, was tat ich dir!
Seit Siegfried tot, gedeihen zum Unheil alle Tage mir.“
Das rührte Hagen: „Nimm hier zurück dein gutes Schwert,
Sechs Armringe dazu noch! Du bist mir allzu wert.
Die alte Lieb’ und Freundschaft bleib’ zwischen uns bewahrt.
Auch schwach und einsam wachend bist du ein Mann von rechter Art!

1623–1634 (1626/27)

211
„Gott lohn’ Euch Eure Ringe!“ versetzte Eckewart.
„Doch wißt, daß hier im Lande nichts Gutes Eurer harrt.
Ihr schluget Siegfried. Wahrt Euch! Das ist mein guter Rat.
In einem harten Herzen blieb unvergessen Eure Tat.“
„Nun, Gott mag darum wissen und geben, was uns frommt!
Uns kümmert mehr, ob endlich wohl eine Herberg kommt,
Denn unsere armen Leute, die Könige zugleich,
Sind müde von der Reise und lägen gerne warm und weich.
Lahm sind die Rosse, steinig war unser Weg hierher.
Auch hungert uns, zu essen gab’s lange schon nicht mehr.
Nichts gibt es auch zu kaufen. Ein guter Wirt war not,
Der gütig zur Erquickung den Tisch versah mit Fleisch und Brot.“
„So einen weiß ich“, sagte der Grenzwart, „einen Wirt,
Wo jeder Gast von Herzen gern aufgenommen wird.
So reich der Mai mit Blüten bestirnt den Wiesenhang,
So gütig ist Herr Rüdeger besorgt für Ruhe, Speis’ und Trank.“
Da bat ihn Gunther: „Wollt Ihr dahin mein Bote sein?
Wenn er es uns vergönnte, gern kehrt’ ich bei ihm ein.
Ist er mein guter Freund doch. Ich dank’ ihm immerdar,
Wenn er uns gastlich aufnimmt, die Brüder, mich und meine Schar.“
„So schöne Botschaft melde ich gern!“ Und unverwandt
Nahm Eckewart zu Rüdeger den nahen Weg ins Land.
Vom hohen Fenster schaute der Burgherr unruhvoll:
„Der Grenzwart kommt! Was gibt es? Ob das Gefahr bedeuten soll?“
Er eilte ihm entgegen, empfing ihn schon am Tor.
Der stand, das Schwert entgürtend, und grüßte ihn zuvor:
„Ich bringe gute Kunde, es trafen Gäste ein.
Sie möchten deiner Gnade und Freundeshuld empfohlen sein.

1635–1643

Auch bittet Euch Herr Volker um Kost für Mann und Tier. das dünkte allen recht. Mann und Knecht.“ Da ging ein frohes Lachen um Rüdegers Aug’ und Mund. Denn seine guten Knechte verlangt nach Essen und Quartier. „Willkommen sind sie!“ rief er. Entgegen sollt ihr reiten! Drum sattelt! Auf mit Mann und Roß! Es eilten zu den Pferden Ritter. 1644–1649 . Nur um so schneller zog es sie fort zu froher Pflicht.212 Die Könige von Burgund sind schon unterwegs hierher Mit Hagen und mit Volker und ihrem ganzen Heer. In ihrer Kammer wußte Gotelind die Neuigkeit noch nicht. Was Rüdeger befohlen. „die Herren von Burgund! Wie wenig könnt’ ich lohnen. was ich dort einst genoß.

zum Schutz. Ein goldenlichtes Bändchen zog sich durch’s Haargeflecht Als ihres schönen Hauptes einziger Schmuck und Putz. Mit Gunther kommt auch Hagen. der gerne das Haar durchwühlt und löst. die Wangen glühten echt. mein Töchterlein. auch du. Wie sie nach Bechelaren kamen Zu Weib und Tochter eilte der Markgraf: „Seid gefaßt Heut auf Besuch! Es kommen drei Könige zu Gast Mit ihren Herrn und Knechten. Sie hatten viel zu schaffen. Mit sonderlichem Gruße empfing er Hagen dann. Gleich aus den Laden suchten sie her das schönste Kleid. Und würdigen Empfanges müßt beide ihr gewärtig sein. Der ihm von früher lieb war. Und neben ihnen werden Dankwart und Volker stehn. Vom Huf die Erde stob. 1650–1657 . und fröhlich winkend hob Zum Gruß die Hand Herr Rüdeger: „Willkommen. Den grüßt besonders schön. So wollten sie den Fremden festlich entgegengehn. Sie kehren bei mir ein. edle Herrn! Euch und Eure Leute begrüß ich hier im Lande gern! Als Freunde seid willkommen bei uns im Freundesland!“ Erst bot er hellen Blickes den Königen die Hand. und sah auch Volker freundlich an. Mit feinem Anstand ihnen freundwillig und gefällig sein!“ Das zu versprechen waren die Frauen gern bereit. Da kam der Zug in Sicht schon. Die sechse sollt ihr küssen. Dem Winde auch. Hin flog der Schwarm der Reiter. um gut und würdig zu bestehn.213 XXVII. Da gab es keine Schminke.

Der war so stolz und tapfer. mit ihrem schönen Kind Stand wartend schon am Tore. und was an losem Gut Ihr mitgebracht. ward sie auch bleich und rot. die edle Gräfin. Die Mädchen auch. ringsum ihr Hof gesind. Doch mußte sie ihn küssen. die Frauen. ihr Knechte. Gotelind. den letzten Sporn nehm’ ich in Hut. Kam’s ihnen doch zu paß! Sie machten sich’s gemütlich und warfen sich ins Gras. 1658–1666 . der sich Sorgen gemacht um Knecht und Pferd. Der Vater wies auf Hagen. Beschwichtigt’ er: „Sie werden gepflegt hier und ernährt. Die Gräfin küßte alle drei Könige von Burgund. für alles leist’ ich euch Entgelt. Nun spannt erst eure Zelte. in edler Steine buntem Glanz. Liebreizend schöne Mädchen. ich berg’ es. war doch die Mannschaft gut verwahrt. Ich schaffe Unterkünfte. So grimmig düster schien er. In ritterlicher Haltung den Frauen zugewandt Erwiesen ihren Gruß sie nach höfisch feiner Art. Den Pferden nehmt die Zäume von Hals und Maul und laßt Sie draußen weiden!“ Niemals ward ihnen solche schöne Rast. Mit Recht ging sie ihm nicht vorbei. strahlend ganz In herrlichen Gewändern. Nach Dankwart kam am Ende auch Volker an die Reih’. Da seinem Gast zuliebe der Vater es gebot. Die Herren ritten weiter. So gut war’s nicht geworden auf ihrer ganzen Fahrt.214 Herrn Dankwart. Aus ihren Sätteln sprangen die Gäste auf den Sand. Dann bot auch ihre Tochter zum Gruß den holden Mund. an sechsunddreißig. grüßten scheu und zart. Da ging zu ihm ihr Blick. Scheu wich sie drum vor ihm zurück. Ringsum vergnügte Mienen. Was im Feld Verloren ging.

getrennt Die Frauen von den Männern. So schön sie ist. Und mancher Ritter träumte: Ach. Und beider Blick verriet es. So saß man im Gespräche und trank den allerbesten Wein. doch blieb Ihr Kind am Mädchentische. daß jeder Wunsch und Blick ihr galt. Da trugen schon behend Die Diener große Kannen heran und schenkten ein. Ein Leben. Besonders froh schien Volker. Und an des Helden Seite schritt zierlich sie einher. Doch was sich mancher träumte. ein hohes Glück geschenkt. Ihr edler Sinn verdiente. Hinüber und herüber begegnend flog der Blick. um Eure Tochter würb’ ich gleich!“ 1667–1675 (1668) . Ihr Töchterchen vor allen zog jeden Blick auf sich. dächte sie an mich. Und gäb sich mir zu eigen! So schön sie von Gestalt. mit Lachen nicht gespart. so gut auch. dann neidesvoll Preis’ ich das Glück des Gatten. wie’s nur ein Traum beschert. Bei ihren Gästen weilte die Markgräfin. Und geht zu Eurem Kinde mein Blick. Manch einem war das wenig lieb.215 Dann nahm die junge Gräfin die Hand von Giselher. was freudig ihr Gemüt empfand. Das uns wie Himmelsgnade hier wunderreich umfängt. reich an Gütern. Die weite Halle faßte die Gäste kaum. so schön und edel. verwehrte das Geschick. Doch nach dem Essen endlich vereinte manches Paar Sich wieder. Der sprach ein Lied nach Spielmannsart: „Gott hat Euch. Die Gräfin Gotelinde nahm König Gunthers Hand. an Ruhm und jedem höchsten Wert. Hätt’ ich ein Königreich Und trüge eine Krone. Ein Weib. das nach Sitte und Brauch geschieden war. Mit lustigen Scherzen wurde. dem sie gehören soll. edler Markgraf.

Der König Gunther schwor es.216 Da lachte Markgraf Rüdeger im Scherz abwehrend: „Nein! Wie könnte meine Tochter wohl eine Königin sein. Von edler Abkunft ist ja die Gräfin.“ Wie Rüdeger drang Gotelind des Tronjers Wort ins Herz. mit mir manch treuer Mann. wie man fortführt als hochgepackte Last Auf hundert Rossen. Doch daß ihr gleiche Treue an mir erkennen sollt. nachdem er vor sich hingeblickt: „Ein Weib zu nehmen. und feste Burgen hab ich nicht. Es sollten Land und Burgen dereinst ihr eigen sein.“ 1676–1682 . und Gernot stimmte ein. erwuchs des Spielmanns Scherz. und wie’s auch Giselhers Begehr. Zu schöner Wahrheit. Ich wählte sie und wäre mein Leben lang beglückt!“ Da sprach Hagen herzlich. Mit altem Spruch und Eid Empfing er sie zu eigen. wäre Giselher an der Reih’. Nähm’ sie mit Giselher die Krone der Burgunden an. Der Markgraf sprach: „Ich stehe in meines Königs Pflicht. Wie sich’s geziemt für Könige. Man einte ihre Hände. Und was sich fügen möchte. Auch er verlobte sich der Maid. Da warben beide Brüder um sie für Giselher. Mir fehlen eigene Länder. Laß ich zur Eh’ als Mitgift der Tochter so viel Gold Und Silber. Gern und frei Trät’ ich in ihre Dienste. Da wir doch hier nicht seßhaft und nur Vasallen sind? Was nützt die größte Schönheit so einem armen Ritterkind!“ Doch Gernot widersprach ihm in edlem Zartgefühl: „Wenn mir ein Weib mit Augen und Herzen wohlgefiel’. daß sie als Braut auch den Verwandten paßt. schien es. Sie kam in scheuem Gang. wer hemmte dessen Zwang? Man rief die junge Gräfin.

“ Auf diese Worte lachte Herr Rüdeger: „Ich hab noch mehr! 1683–1689 . Gemeinsam aßen sie Das Nachtmahl noch und dachten bereits der nächsten Morgenfrüh. das kann nicht sein! Woher nähmt Ihr zu essen. Die standen froh gepaart Und machten sich Gedanken.“ – Da stand ihr zärtlich nah Schon Giselher. wie es der jungen Leute Art. Nur schämte sie sich doch Im stillen vor der Frage. So liebe Gäste sah ich hier nie und seh’ ich selten mehr. Wie gern man noch zusammen gelacht. gewärtig froher Wiederkehr. Von Jünglingen und Mädchen. Dann sollte Giselher mit seinem Weib zu zwei’n Heimreiten nach Burgund. War sie es doch zufrieden. Die Mädchen mußten frühe ins Kämmerlein zu Bett. Der nach dem Brauch das junge verlobte Paar umfing.“ Ihm wehrte Dankwart höflich: „Wahrlich. Zwar noch ein wenig scheu. Wer ahnte wohl. Müd waren auch die Gäste. woher noch Brot und Wein? Müßt Ihr doch heut schon sorgen für unser ganzes Heer. „Das leid’ ich nicht!“ sprach Rüdeger in freundschaftlichem Ton. So geht’s den Mädchen heute noch. Ob sie den Bräutigam wolle. „Ihr müßt noch bleiben! Ruhe bedarf noch Roß und Heer. Da riet ihr Vater Rüdeger: „So sage dreist nur Ja. der schnell sie mit Arm und Hand umschloß. Sie billigten es gerne. So fügt’ es Rüdeger. daß keines jemals des anderen Lieb’ genoß? Käm’ erst die Zeit der Rückkehr zur Heimat nach dem Rhein.217 Dann schlossen sie um beide einen lebendigen Ring. Nun fragte man die Jungfrau auch öffentlich aufs neu. Zum Aufbruch nämlich mahnten sie streng einander schon. geplaudert hätt’. Und daß du gern ihn nähmest.

als sie den Wunsch vernahm. Doch jenen guten Schild dort. Roß und Kleider. Gernot nahm eine Waffe. In ihrem Drang zu schenken ward ihre Hand nicht leer. denn wißt. Daß König Etzels Güte und Reichtum unermeßlich ist. Er trug die schöne Brünne in hohen Ehren lebenslang. der hell im Sonnenlicht Von jener Wand mich anblickt. Was konnte Hagen freuen als Gunst von Rüdeger? Nahm doch der König selber ein Gastgeschenk von ihr. – Rüdegers Hand Wies er nicht ab. ihr tränkt den Wein nicht aus. 1690–1699 (1692/94) . als sollt’ ihn meine Hand Heimführen auf die Walstatt. Sie gab ihm ein lichtes Stahlgewand. den trüg ich gern in Etzels Land. der ihn trug. Der Tag kam. Aus Gotelindes Händen nahm er es in Empfang. Womit er sich gewaltig im späteren Kampf gewehrt. Bis an den vierten Morgen genossen sie die Ruh. ein hartgeschmiedet Schwert. Und eure Leute wären reichlich versorgt. Er blickte auf die Wand hin: „Mir ziemt hinfort nicht bloße Zier Was nur das Aug’ zu freuen vermag. Als ihn der kühne Witigis in jenem harten Kampf erschlug.“ Der edlen Gotelinde. da es ihres geliebten Gatten Herzblut trank. begehr’ ich nicht. Still gingen die Gedanken zu Notung. Nun ward es Zeit zum Abschied. Erneuerte sich wehvoll ein alter Herzensgram. Es fehlte ja an vielem doch! Nahm Gunther auch nur selten Geschenke. Doch vorher gab es noch Geschenke. Da neigte König Gunther sich ritterlich zum Dank. er ließ es doch nicht zu. Es fehlte nicht am Brote.“ Wenn sie sich auch noch wehrten.218 Und bliebt ihr vierzehn Tage und länger hier im Haus.

Noch immer muß ich Arme beweinen seinen frühen Tod. daß ihre Feindschaft ihn trieb in jämmerlichen Tod? Zuletzt nahm seine Fiedel der Spielmann. „Bringt mir die alte Lade!“ rief sie dem Hofgesind. Wie Ihr mir als mein Ritter gehuldigt habt. wollte Gott. Dem er am Arm gehangen. „Zu meiner Ehre tragt sie bei Etzel! Euer Lied Mag dort zu meinen Gunsten gewinnen manch Gemüt. Ach. daß die Gabe die höchsten Ehren ihm gewann.“ 1700–1707 . er lebte! Er fiel in Kampfesnot.“ Sie stand auf von dem Sitze und nahm ihn von der Wand Mit ihren weißen Händen. Auch Dankwart sah sich gütig und überreich bedacht. Wie gern es Rüdeger bot! Wie kam’s. strich und sang Und spielte Rüdeger und Gotelind zum Dank. Sie legt’ in Hagens Hand Den teuren Schild.219 Sie sprach zu Hagen: „Gerne geb’ ich ihn Euch. wie süß erquoll das Lied! So spielte er und sang er. Das trug er bei den Hunnen. wenn einst des Wiedersehens Stunde schlägt. der Treue ist nicht mehr. Wie zierlich ging der Bogen. Die nahm zum Angedenken Herr Volker mit ins Hunnenland. Die junge Gräfin gab ihm ein Kleid von reicher Pracht. Nie funkelte im Lichte des Tags ein besserer Schild Vom Schmuck der edlen Steine. hätt’ er zu kaufen ihn begehrt. Es war in lichte Stoffe sein festes Holz gehüllt. das mögt Ihr mir berichten. Daraus nahm sie zwölf Ringe als Zier für seine Hand. Er trug ihn in späteren Tagen dann So ruhmvoll. Wohl tausend Mark an Wert Hätt’ einer bieten müssen. denn er. als er von Bechelaren schied! Volkers weiche Töne ergriffen Gotelind.

dein Ehrentag ist heut!“ Von einem hohen Fenster sah Kriemhild weit hinaus. Doch freudig lief ihr Sinnen dem Aug’ voraus ans Ziel Ins Hunnenland und weilte bei Festturnier und frohem Spiel. Herr Etzel rief erfreut: „Nun kommen deine Brüder. vertraut aus alter Zeit. Schon sah sie manches Antlitz. Herrn Etzels Augen lachten und waren voller Fröhlichkeit. die Herzen waren von trüber Ahnung schwer. „Dort kommen sie. 1708–1717 . Auf Rüdegers Vorschlag wurde Botschaft vorausgesandt. Wie viele Tränen rannen in Zukunft diesem letzten Glück! Noch aus den Fenstern sahen sie auf den Hof hinab. und auch Giselher schlang inniglich Den Arm um die Geliebte. Den mach’ ich reich. So ward die frohe Kunde im Lande bald bekannt. Fünfhundert Männer mit ihm zu sicherem Schutz von Mann und Troß Die Stunde schlug. Mit Handschlag und Kusse schieden sich Die Gatten.“ Fröhlich stieg er zu Roß. Wie schön die Zeit der Ruhe in Bechelaren rann. Als man zum Ritt ins Weite fröhlich die Sporen gab. Wer meines Leids gedenkt.220 Herr Rüdeger erklärte: „An Eurer Seite reit’ Ich selber als Begleitung. Er nehme gleich all mein Hab und Gut geschenkt. Zwar dachten auch die Männer oft unterwegs daran. Ich glaub. „Nun kommt der Tag der Freude!“ sprach nachdenklich Kriemhild. Die Frau’n und Mädchen sahen still weinend hinter ihnen her. daß Ihr in Sicherheit Die Straße fahren möget. kommt ihm ein Freund ins Haus. Die Nibelungen kämen. Es leuchten Halsberge. Kriemhild. mancher Schild Erblinkt im Sonnenlichte. Sie gab den Kuß zurück. Wie sehnsuchtsvoll ein Freund tut.

haltet! Steigt ab. Ihr Stolz und Hochsinn steht So fest wie ihre Freundschaft. Entgegen den Burgunden! Manch Saumroß ward beschwert. Volker und euer ganzes Heer! Zu euch ist nicht die Kunde gedrungen. Verhehlte ihnen aber die Sorge nicht. seit langem mir bekannt. Steht ihnen bei mit gutem Rat!“ Dietrich mit seinen Männern und Knechten stieg zu Pferd. mit reichlichem Gezelt Für Knecht und Troß zum Schutze in kühler Nacht auf offenem Feld. Daß Kriemhild alle Tage noch Siegfried. ging eilig. des Herrn Dietrich von Bern Getreuster Mann. Auch Dietrich hielt sein Pferd an. Denn tüchtige Männer sind es.“ 1718–1724 . beweint. „Willkommen seid uns. zu künden seinem Herrn. Die Herrn wie ihre Mannschaft vom Amelungenland. Er hielt und lenkte langsam herum zu seinem Herrn: „Soll ich Euch raten. daß Ihr sie nicht verschmäht. Wie Wolfhart es befohlen. Hagen erkannte Dietrichs Gestalt schon ganz von fern. Freundlich nahm er sie in Empfang. Ihm wär Es lieb gewesen. Die Nibelungen kämen. Gernot und Giselher. Drum seht.221 XXVIII. ihren Mann. Gunther. Dankwart und Hagen. und laßt zu Fuß Uns hingehn und den Bernern erwidern ihren Freundesgruß. Von Bern Herr Dietrich führt sie. Der Alte riet und bat: „Mir bangt um die Burgunden. wie mir scheint. und wie die Seinen sprang Er aus dem Sattel. hätte Herr Rüdeger sie gewarnt vorher. Wie die Burgunden nach Etzelburg kamen Der alte Hildebrand.

sprach Hagen. „kein neuer Morgen tagt. der damals Siegfried vom Niederland erschlug. Du Nibelungenschützer. Das war der Mann. und sehen. beschütze selber dich!“ „Wovor soll ich mich hüten? Herr Etzel hat uns doch Durch Boten eingeladen. damit ihr Schmerz versiegt! Siegfried kommt nicht wieder. Gunther. den Ihr nicht ändern könnt! Laßt an den Hof uns reiten. und all ihr Fragen galt Nur Hagens grimmig düsterer und herrischer Gestalt. Dazu erzählten andere: Der hoch dort ritt im Zug. er ist ein toter Mann. ging die Rede mit Flüstern hin und her. Wozu man solche Männer wie uns ins Land zu Gaste lädt. Auch hat ja meine Schwester uns gleiche Botschaft zugesandt. 1725–1733 (1728) . nach Art Und altem Brauch der Heimat zu stolzem Zug geschart. sprach Dietrich. wie’s dort steht. der nun so lang begraben liegt.“ Doch forschten die drei Könige: „Wie ist Kriemhild gestimmt? Ist weich sie.“ Da wandte sich der Spielmann unmutig: „Dann vergönnt Dem Schicksal seinen Willen. Doch Kriemhild lebt und sinnt doch auf Rache lediglich. Mag sie doch Etzel lieben.“ Dann ritten die Burgunden an Etzels Hof.222 „Dann weinte sie ja lange“. haßergrimmt?“ „Kein Abend geht“. „manches Jahr Verging. milden Sinnes. schauten. Der von den fremden Helden der allerstärkste war. Daß im Gebet zum Himmel sie nicht um Siegfried weint und klagt. Der sei es. Die Hunnen drängten. – ist hart sie. seit er erschlagen.“ Dietrich von Bern indessen hub warnend wieder an: „Siegfried soll uns nicht kümmern. der einst ihr Gatte war. Wonach dann frag’ ich noch? Wir folgten seiner Bitte und kamen in sein Land.

Wie grimmig auch. grau sein Haar. Daß Ihr im Hunnenlande mir solltet so willkommen sein?“ „Hätt’ ich gewußt“. So hatte es Kriemhilde gefügt. da man den einen küßt. Mir scheint. der herrlich anzusehen war. „Daß Gaben Ihr erwartet. Der Tronjer sah’s. den Ihr mir einst entwandt? Warum habt Ihr. der ja mein eigen ist. nicht gut geraten wird diese Fahrt zum Hunnenfest. – ein Recke. Die Brust. Zu ihren Unterkünften fort führte man sie dann. Ihr wißt. Sie küßte Giselher und keinen sonst danach. was mein ist. nicht mitgebracht ins Hunnenland?“ 1734–1741 . Den grüß’ ich nur. Ich hätte mich bedacht Und Euch zulieb Geschenke in Fülle mit hierher gebracht!“ „Von diesen Schätzen wüßte ich gern noch mehr. Da kam Kriemhild.223 Von edlem hohem Wüchse ragte im Sattelsitz Die mächtige Gestalt auf. Doch Dankwart sah. Es barg In all der offenen Freude sich ihres Herzens Arg. Der Hort der Nibelungen. ich hätte wahrlich schon Genug für Euch an Schätzen. Die Könige ehrt und ihre Gefährten ganz vergißt. Da band er fester nur seinen Helm und sprach: „Seltsam liebt man zu grüßen. Seid auf der Hut. Daß keinem seiner Leute zum Nachteil irgendwas geschah. die breiten Schultern gewaltig. Was bringt Ihr mir denn Gutes und Freundliches vom Rhein. umgeben von ihren Frau’n. von dem mir gleich Freundliches geschieht. wenn jemand euch ohne Willkomm läßt. gab Hagen höhnisch zurück den Hohn. Von ihren Herren wurden gesondert Knecht und Mann. sein Blick ein grauser Blitz. wer Euch hier gerne sieht. Wohin ist er gekommen.“ Sie sprach: „Heiß’ Euch willkommen.

„daß man sie gut verwahrt. „Genug hatt’ ich zu tragen allein an meinem Schild Und an der schweren Brünne. höhnte sie der Tronjer. Ich warnte die Burgunden. Darum. „Warum woll’n meine Brüder. daß sie zur Herberg bringt Mein Schwert wie meine Brünne.“ „Zum Teufel! Gar nichts bring’ ich!“ so wehrte Hagen wild. doch da mich der Ehrgeiz wenig dringt. Weigr’ ich dem Fürstenliebchen. Nur zu. edle Königin. es ward seit manchem Jahr Des Nibelungenhortes mein Auge nicht gewahr. Ihr seid ja Königin! Von meinem Vater lernt’ ichs. will Hagen nicht den Schild.“ 1742–1748 . man dürfe keine Schwerter mitbringen in den Saal. der ist so licht Wie in der Hand mein Schild hier. Daß Ihr von meinem Horte nichts mit ins Land gebracht. „die Mühe sei Euch gern erspart! Ihr meint es gut.“ „Weh’ mir des neuen Hohnes!“ So jammerte Kriemhild. Mein Helm. ich strafte tödlich ihn dafür. Bis zu dem Jüngsten Tage mag er denn dort verborgen sein!“ Die Königin sprach bitter: „Das hab’ ich mir gedacht. Von mir bekommt Ihr beides nicht.“ „Nein“. wer es getan hat.“ Da trat von Bern Herr Dietrich zornig an sie heran: „Wer sie vor dir gewarnt hat? Vernimm. willst du mir drohn. du Teufelin! Ich bin gefaßt auf deinen Lohn.“ An all die Männer wandte sich Kriemhild und befahl. Das hat mich schwer bekümmert seit manchem üblen Tag und Jahr. „Gebt ab die Waffen!“ rief sie. Das Schwert aus Händen geben? Sie sind gewarnt vor mir. Obwohl er doch mein eigen als Witwenerbe war. Den hießen meine Herren versenken in den Rhein. ich bin der Mann. Wüßt’ ich. wenn ich mein eigener Kämmerer bin.224 „Wahrhaftig.

“ Hagen von Tronje aber rief aus: „Das findet sich!“ So sprachen sie wie Freunde. Sie schwieg und ging von dannen. Sprach Etzel. der beide so von fern gesehn: „Gern wüßt’ ich.“ 1749–1756 (1754) . Walther mit Hildegund entrann. Es war die treue Helche dem Aldrian besonders hold.225 In Scham und bitterem Zorne wandte sich Kriemhild. Erinnerung kommt mir wieder. Nur einen Hassesblick Warf sie im Weiterschreiten auf ihre Feinde noch zurück. sein Vater Aldrian.“ „Hagen von Tronje ist es“. Ist er in seinem Grimm doch der stärkste Gegner auf der Welt!“ „An Aldrian gedenke ich gern. Ihn und Walther von Spanien. Sie wuchsen hier heran. Daß Ihr von Eurem Rheine ins Hunnenland gekommen seid. Doch stolzen Sinnes auftritt. die sich sogleich verstehn. Ich schlug ihn einst zum Ritter und schenkte ihm mein Gold. Da gingen zueinander und schlugen Hand in Hand Dietrich und Hagen beide. „Untertan Dem Könige der Burgunden. Wie er in Mien’ und Haltung sich hier auch freundlich stellt. der in Haltung und Blick absonderlich. Der Berner sagte offen: „Es ist mir wahrhaft leid. den tüchtigen Mann“. der Haß Kriemhildes ist unveränderlich. erglüht auch das Aug in stolzem Widerschein. daß Aug in Aug sich fand. Ihr seht. die mich dran denken läßt: Zwei schöne Knaben hielt ich ehmals als Geiseln fest. wen empfing dort Herr Dietrich freundschaftlich? Ein Gast scheint’s. Wer mag sein Vater sein? Ein seltener Mann. „der viel Ansehn und Ehre hier gewann. sprach einer. Vor dem gestrengen Dietrich entwich sie furchterfüllt. Hagen sandt’ ich heimwärts. – Verwundert fragte Etzel.

was ehemals geschah. 1757 .226 Als Etzel so den Tronjer. den Freund hier wiedersah. An Dienste. Im Alter nun sann Hagen auf seiner Freunde Not und Tod. die der Jüngling in früherer Zeit ihm bot. Da dachte er an manches.

Dort lag die weite Halle. Doch schon drang Die Menge zu den beiden heran. so traurig wie jetzt sah’n wir Euch nie. Er rief ihn an. wir töten ihn!“ 1758–1764 . wie ihn das Volk gern sehen mag. daß Volker hart und kühn wie er. ein stattliches Gebäu.“ „Wie hat Euch Hagens Anblick verwandelt?“ fragten sie. gaffte man sie an. Sie setzten vor dem Hause sich breit auf eine Bank Grad gegenüber Kriemhilds Gemächern. Wie er nicht vor ihr aufstand Von Dietrich schied sich Hagen. Als wären’s wilde Tiere.227 XXIX. Sie schritten durch die Menge gemächlich ohne Furcht und Scheu. Er kannte ihn und wußte. Wer durfte Euch verletzen? Noch keiner war so kühn. Wenn Ihr’s befehlt. auf den Hof zu gehn. In jähem Schmerze ward sie von Tränen übermannt. Wir rächen Eure Tränen. Der Stolz und Gleichmut beider hielt alle ganz im Bann. wenn ich in Hagens Antlitz seh. denn leuchtend lag Um sie der Glanz der Waffen. So trüb war ihr dabei. „Sonst wart Ihr froh. Der stand noch freundschaftlich Beisammen zum Gespräche im Hof mit Giselher. dem Spielmann. Er ging und blickte sich Nach Volker um. Denn frisch aus ihrem Grunde war alte Glut entbrannt. Kriemhild sah durch das Fenster. Sie ließen die Herrn zusammen stehn Und schickten sich zu zweien an. Da fragten ihre Leute bestürzt: „Wer tat Euch weh?“ Sie sprach: „Ich leide Qualen. Als ob zum alten Leide noch neuer Hohn gekommen sei.

will ich hinuntergehn Und selber Aug in Auge den Feinden gegenüberstehn. „Ich bitte euch. euch kühn mit Hagens Kraft vergleicht. Daß ihr.“ Mit Schrecken hörten’s alle. und gleich Ganz ohne Kampfansage jäh führen wollten sie den Streich. Wie groß und übermächtig die Stärke Hagens sei. die uns einlud. was er Erdenkliches begehrt.228 „Wer’s täte –. Und Volker sagte: „Seht doch. Und gnad’ euch Gott vor dem! Ihr träfet Hagen niemals. Die Falsche. wahrhaftig. wär jeder Wunsch gewährt. Mein Leid und seine Schandtat erkennt ihr dann daran. Daß er in stolzem Hochmut. 1765–1773 . was er getan. Sie geht so stolz einher. Viel kühner ist der andere. Die Schwerter in den Händen. Ich schenkte alles. Wies sie mit grimmigen Worten hin auf die Gefahr: „Gebt’s auf! Ihr seid zu wenige! Das Spiel ist nicht so leicht. Dennoch gebot sie Halt: „Die Krone auf dem Haupte. mich kümmerts wenig. Dem Tronjer und dem Spielmann galt ihre Wut. Seht hin. ein solches Häuflein. wie winzig die Zahl der Männer war. wenn der ihm noch zu Hilfe käm. was er mir angetan. Ich leg mich euch zu Füßen: Geht! Tötet Hagen! Rächt mein Weh!“ Da rüsteten sich sechzig der Ihren. gesteht. und wenn er dran zugrunde geht!“ Vom Saal herab die Treppe gekrönt die Königin schritt. So sammelten sich bald Vierhundert ihrer Männer. er sitzt dabei. von Rache für Kriemhild. ich fleh. als ob sie treu gesonnen wär. Was kommt. dem. Der Spielmann Volker ist es. sie bringt sich Kämpfer mit. Als Kriemhild sah. Vorwerfen will ich Hagen. Rächt mich an Hagen!“ sprach sie. heiß erfüllt Von einem einzigen Wunsche.

Auf wen es abgesehn ist. Darum. wahrt hinter Eurem Schild Den Leib und auch die Ehre. ist es Zeit. ist sie so haß.“ 1774–1780 . mein edler Kamerad! Was brauch ich mehr. Ich glaub sie tragen heimlich die Brünnen im Gewand. das zwar ist mir noch unbekannt. woll’n wir uns schützen. sprach Volker. Wohlan! Dann bleibt und laßt Uns Rücken stehn an Rücken. geht alles nur auf mich! Und doch in ihren Händen vergeblich blinkt der Stahl. Ob ich Euch so viel wert bin als Euer Freund. dann scheint mir. Ich wiche keinen Fuß breit. die Heimat säh’ ich trotz allem noch einmal. denn Königin ist sie ja. wollt Ihr an meiner Seite stehn? Mir gilt’s. auch wenn mir das Allerschlimmste naht. „solange sie hier nah An unserem Sitz vorbeigeht. „und stünde drohend gar Der König gegenüber mit seiner Kämpferschar. und ihres Angriffs muß ich mich jetzt versehn. auf jede Übermacht gefaßt. Wenn ich es recht erkenne. sagt an! Dann soll die Treue dauern ewig zwischen Mann und Mann!“ „Ich steh Euch bei“. Einige von ihnen sind um die Brust so weit. allein der Tod!“ „Das lohn Euch Gott im Himmel. Was sie sich ausgesonnen.und racherfüllt? Dann will ich Euch nur raten. die ritterliche Ehr’ Und wahren so am besten die eigene Ehre wie bisher. Nun sagt. dann gilt ihr Haß uns beiden hier.229 Wißt Ihr. Wär’s weiter nichts. Freund Volker. Ja. Wir geben ihr. Nichts. wie’s schicklich. nötig scheint es mir. keine Furcht und Feigheit trennt mich von Euch. Bin Eures Arms ich sicher. kämt Ihr dabei in Not. Freund Hagen.“ „Laßt uns auf stehn!“ riet Volker.“ In zornigem Tone sagte der Tronjer: „Sicherlich.

Das steht uns besser an. Der kühne Spielmann langte heran von seiner Bank Sich einen Fiedelbogen. was Ihr getan habt. Furchtlos die beiden Männer. nie hättet Ihr die Fahrt gewagt!“ 1781–1787 . wärt Ihr bei Sinnen. „Sie legten unsere Ehrung nur aus zu unserer Schmach. und mein Wille bleibt unveränderlich. die Stirnen hoch –. Mag sie mich hassen nur. Nein. Herr Hagen. Sie sah’s mit einem Blicke. Er legte ihn aufs Knie. hatte es Hagen ihr zum Hohn getan. da lag Balmung. Die selbst vor Königinnen das Aufstehn sich erspart. glaub ich. der mich nur hassen kann? Ich tu’s nicht. mir zulieb bleibt sitzen!“ Der Tronjer widersprach. Wir bleiben achtlos sitzen. Der goldene Griff. der ihres Siegfrieds Waffe war. Aus goldenrotem Knaufe aufleuchtend kam ein Schein Von einem hellen Jaspis. dann sagten höhnisch sie. Ich tät’s aus Angst vor ihnen. Daß Ihr Euch dreist erkühntet der Reise in dies Land. Stünd’ ich von meinem Platze. grasgrün und wunderklar. so saßen sie. Absichtlich. Die Königin trat heran Ganz nah vor ihre Füße. Um keine Furcht zu zeigen. die Scheide in goldenes Band gefaßt.230 „Nein. Ihr wißt. Da fiel des Leides Last Ins Herz wie eine Mahnung. Sie wußte. Scharf war er. wer hat nach Euch gesandt. indes sie schroffen Tons begann: „Erklärt mir doch. was kümmert’s mich!“ In wildem Hochmut legte er breit sein Schwert aufs Bein. Ganz wie ein Schwert beschaffen. breit und lang. Es dünkten sich die beiden von solcher Herrenart. So lang ich lebe. Warum sollt’ ich den ehren. Sie fing zu weinen an. Wahrlich. ich erspare mir die Müh. und wes man Euch verklagt.

gehört? Macht. die Könige. Daß Kriemhild einst die schöne Brünnhilde eine Kebse schalt! Warum soll’t ich es leugnen? Gewiß. „warum ersann’t Ihr das. der gleiche Hagen. bis einer sprach: „Ob ich auch Hilfe anbot. sagte Kriemhild. – Mit dieser Hand geschah es. daß ich viel Leid Euch angetan? Wer’s rächen will. Und soll auch heut und niemals in Furcht verhohlen sein. was geschehn mag!“ – Doch jene. „ist genug! Ich bin’s. der tu es. mir ist mein eigener Leib Zu lieb. was er gestand. Der eine sah den anderen scheu an. hart klage ich Euch an: Ihr habt Siegfried erschlagen.“ Ein anderer sprach: „Ich denke ganz ebenso wie Ihr.231 Hagen versetzte grimmig: „Gar niemand lud mich ein. ihn einzubüßen in diesem Kampf für Etzels Weib. das Schwert zu ziehn. – ich bin ihr Mann – der lädt auch mich!“ „Wie kam es“. edlen Mann!“ „Des ewigen Geredes“. nur selten fehlte ich. Und gäb’ mir einer Türme mit rotem Gold dafür. 1788–1795 (1793) . der Siegfried Euch erschlug. Möcht’ ich doch diesen Spielmann – habt Ihr den Blick gesehn. Lädt einer meine Herren. Und was mir einer schenkte. der komm heran!“ Sie wandte sich: „Habt ihr nun. Wozu bestritt’ ich. Doch laß ich meine Herren. ich gebe lieber nach. Gleichgültig. Wie schlimm er es entgalt. So oft sie reisen mochten. Weib oder Mann. Wodurch Ihr mich gezwungen zu lebenslangem Haß? Daß Ihr Euch dran erinnert. meinen geliebten. sprach Hagen. sorgten und zögerten. was ihr wollt mit Hagen! Es sei euch nichts verwehrt. Wie er uns angeblitzt hat? – um keinen Preis im Kampf bestehn. nicht allein. die Schuld ist mein. die so kühn Bei ihr gestanden.

wie Hagen stritt. Und wie er uns gesonnen. Ein kluger und erfahrener. daß einer sich ängstlich noch besinnt. Den Balmung Siegfrieds führt er. Von dem erzählt mir keiner so leicht was Neues mehr. ist er doch gar nicht unser Feind! Ein Jüngling war er damals. Es war der Blick des Spielmanns. das ehmals golden war. Wenn er zum eigenen Heile so großer Treue Macht vermißt. Sind wir dabei. Der sagte still zu Hagen: „Nun wissen wir Bescheid! Wir sind im Feindeslande. In zweiundzwanzig Schlachten sah ich. Nach manchem Tag und Jahr Ist grau sein Haar geworden. was manche Witwe an Herzeleid durch ihn erlitt. Daß wir zu unseren Herren da draußen wieder gehn. Als Etzels Männer fochten sie mit in manchem Strauß Dem Könige zu Ehren. ob ihr willkommen seid. Walther von Spanien ritt oft mit Hagen weit hinaus. Sie fürchteten für sich. doch auch ein grimmiger Mann. Drum ehren wir auch Hagen.“ Drauf schritten sie zum Zug gereiht. ist es Zeit. Drum. vor dem ihr Heldenmut erblich. Wenn Freund und Freund einander in Treu’ verbunden sind! Er handelt auch besonnen und meidet schon den Zwist. Und weiß.“ Wie oft geschieht’s. scheint mir. wagt keiner sie dreist im Kampfe zu bestehn. Vom Könige zu hören. Sie gingen zu den Herren: „Wie lange wollt ihr stehn Hier mitten im Gedränge? Ihr solltet lieber gehn. indes sie hinauf zum Saale schritt. 1796–1803 . den er durch arge Tat gewann.232 Auch kenn ich Hagen lange von seiner Jugend her. Die Männer gingen heimwärts.“ So war es mit dem Streite vorbei. sie beide treu vereint. und Kriemhild litt Die schlimmste Qual.

233 Voran von Bern Herr Dietrich mit Gunther von Burgund. Nun hob das Glas Herr Etzel! „Herzlich willkommen sollt ihr sein! Es konnte in der Welt mir nichts Lieberes geschehn. Ich dank euch. Irnfried und Gernot folgten. Gunther und Giselher Und Gernot. Volker und Hagen beide! Gern sehen wir euch hier!“ „Das haben wir“. Wie andere sich gesellten. Verwandte. daß ihr alle die Reise nicht gescheut. endlich ein Freundespaar. Dahinter tausend Männer. So ging der Zug zu zwei’n. Bis erst der Tod sie trennte im letzten schweren Streit. In so glanzvollem Zuge schritt Gunther zum Palast. Vorbei ist Kriemhilds Heimweh. Hawart und Iring reihten sich als die nächsten ein. der Maulbeersaft und Ungarwein. Allein wär’ ich gekommen. 1804–1813 . dann die erlesene Schar Von sechzig tapferen Rittern. die beiden sah man nie Geschieden von einander. „gemerkt auch ohne dies. das eins wie Herz und Seele war. Ihr schönster Freudentag ist heut. Volker und Hagen beide. Viel Tränen flossen später von edler Frauen Herzeleid. In großen goldnen Schalen erschäumte süß und frisch Der starke Met. Zusammen standen sie. wenn mich mein Herr nicht folgen ließ. Freunde. der Königin und mir. Von seinem Sitz sprang Etzel.“ Nun lud der König heiter die Gäste an den Tisch. und dann im trauten Bund Mit Rüdeger ging Giselher. um herzlich Freund und Gast Zu grüßen: „Seid willkommen. sprach Hagen. endlich bei mir zu sehn. mit euch alle! Ich grüße euer ganzes Heer! Auch ihr seid hochwillkommen. Als euch. Dankwart und Wolfhart folgten. die Hagens stolze Mannschaft war.

Man aß vergnügt und trank. was sie wünschten. Daß niemals ihr gesattelt zum Ritt hierher ins Land? Nun sorg’ ich mich nicht länger. Und alles. Und fest an ihrer Seite steht mancher wackere Herr und Held!“ Es war am Sonnenwendabend. Es ist das Blut der Königin. das Treue hegt und hält. Euch ganz mir zu gewinnen. was nur versäumte ich. Heil euch. ward augenblicks erfüllt. die freund mir und verwandt! Ihm dankte Markgraf Rüdeger: „Zur Freude habt Ihr Grund! Denn höchster Ehren wert sind die Herren von Burgund.234 Ich sorgte schon seit langem um eure Freundschaft mich. Nie sorgte für die Gäste ein Wirt so gebefroh und mild. 1814–1817 . So festlicher Empfang War lange nicht erlebt mehr.

Ging ihr Verlangen endlich nach Ruhe und nach Schlaf. aus dem Wege! Sonst bring ich euch zur Ruh! Ihr prahlt und nennt euch Helden. Wird’s bald? Fort.235 XXX. Daß jeder. doch habt ihr nicht das Herz dazu!“ Indes der zornige Spielmann die Rede unterbrach. Und uns nicht weit vom Leibe wegbleibt“. wir sehnen uns nach Ruh. – ich glaub’s kaum – kommt wieder morgen früh. ihn wohl bedauern mag. der ihn lieb hat. Nach mühevoller Reise. froh bewegt. Schon dämmerte die Nacht. Kommt morgen. vom Weine in guter Stimmung. vom Ritte müd gemacht. wenn ihr nicht gleich zu Bette geht. „Erlaubt uns. Es kam so nah. Noch drängte. die sie traf! „Nun Gott befohlen!“ Gunther riefs heiter Etzel zu. „geht’s euch schlecht! Dann schlag ich mit der Geige dem Dreisten solchen Schlag. so bald Ihr uns wiedersehen mögt!“ So schieden sie. Wie sie Schildwacht hielten So ging der Tag zu Ende. Von langer Reise sind wir heut abend müd und schwach. Drum laßt uns ruhig schlafen. Ich fürchte. Nächtlicher Anschlag ziemte mannhaften Helden nie. riet Hagen. Zu Bett zu gehn. Sah Hagen sich im Kreise verächtlich um und sprach: „Der Spielmann rät zum Guten. wenn wir wieder wach!“ 1818–1823 . Willkommene Mahnung. euch gerät Zum Schaden seine Wut nur. aufzustehen. wogte draußen das Volk. Wenn ihr was plant. so rief er. Bis morgen früh. Daß eines Überfalles sich Volker gar versah: „Wenn ihr uns auf die Füße zu treten euch erfrecht.

Dann streckten sie sich müde aufs weiche Lager hin. die mitgereist hierher! Wie lud uns meine Schwester so gut und freundlich ein! Was sinnt sie nur? Ich fürchte. Decken von Seide. Ein wahres Königslager. Sie gingen zu den Betten. „Das lohn Euch Gott. die Schwerter in die Hand Und traten aus dem Hause. Als Ihr allein! Und käm’ es zu Tod und Untergang. das allen ruhverlockend schien. Freund Hagen. Indes versah sich Hagen mit Waffen. Doch vor der Pracht stand klagend der junge Giselher: „Weh uns und allen Freunden. hat mir keiner von allen sonst gefehlt. 1824–1832 . ihr Plan wird unser Unglück sein!“ „Getrost!“ versetzte Hagen. Der Spielmann stand noch zögernd und fragte: „Wär’s Euch lieb.236 Man führte nun die Gäste in einen weiten Saal Mit prächtigen Betten. Sie nahmen ihre Schilde.“ Sie nickten dem Getreuen still zu und sagten Dank. Herr Volker! Denn. Besetzt mit schwarzem Zobel und weißem Hermelin. Im letzten Augenblick noch bewährt’ ich meinen Freundesdank!“ Nun hüllten sich die beiden in schimmerndes Gewand.“ Hagen sprach. der Freunde Schlaf und Rast In Treuen zu behüten. Der euch. wenn ihr geruht habt. reich an Zahl. „laßt alle Sorge mir! Ich halte heute abend die Schildwacht an der Tür Und hüte euren Schlummer bis an den hellen Tag. was mich sorgt und quält Zu mindern. wenn zur Nacht ich als Wächter bei Euch blieb? So stehen wir bis morgen wie stets vereint zu zwei’n. Es dauerte nicht lang. er werde für seinen Beistand dankbar sein. wachsam auf jeden Feind gefaßt. ihren Schutz im Sinn. mit neuer Sonne grüßen mag.

Von Kriemhilds Leuten mußte er eines Angriffs sich versehn. Von Kriemhilds Mannen drohte den Freunden dort im Saal Gefahr. Da sie in Waffen sind. es sind Feinde. Es schien. Auf einen Stein ganz nahe der Tür setzt’ er sich hin. Wo sah man einen Geiger mit solchem Heldensinn? Den Freunden auf dem Lager. fremd hier und ahnungsbang. von jener Schar. – ich weiß nicht. ob’s früher noch geschah. Wird ihm von unserem Schwerte der Helm zurechtgerückt. „Laßt näher sie heran! Eh’ sich zum Schutz noch einer des Streichs versehen kann. Nun schlummerten die Müden. Vermut’ ich. Ging aus dem Saal zum Turme. Der weckte Töne klar und süß. – Gewahrte er Gestalten. und daß ihr Angriff bald beginnt. Sie sagten ihm im stillen Dank. Im fernen Dunkel sah Er einen Helm aufblitzen. Gemeinsam tragen ja Wir beide diese Sorge. Um Mitternacht. Kühn war sein Arm im Kampfe.“ „Schweigt still!“ sprach Hagen leise. Der Spielmann sprach: „Freund Hagen. Er kehrte um und stellte ihn an des Saales Wand. Dann wieder sanfter. Und übel zugerichtet wird er zu Kriemhild heimgeschickt. Dann lehnte er die Geige in seinen Arm und ließ Den Bogen darauf gleiten.“ 1833–1839 . um dort bereitzustehn. daß sie im Herzen still entschlief. Wuchs Mut und Stolz im Herzen. laßt uns vor denen da Getreu zusammenhalten. Da nahm er von der Wand Den Schild und faßte wieder ihn fest mit seiner Hand. Er spielte.237 Noch einmal nahm der Spielmann den Schild von seiner Hand. geschickt zum Saitenklang. süßer wie Tröstung lind und tief Und wiegte jede Sorge. daß die Weise den ganzen Saal durchdrang.

Wahrt euch vor dem auch. und sagen soll’n sie mir unverhüllt. So nehmt uns mit!“ 1840–1846 . mein Freund und ich. Ich stelle sie. wie nie eins war. scheint mir. Was sie für Neuigkeiten mir bringen wollten von Kriemhild. „Tut’s mir zuliebe nicht! Seid Ihr entfernt vom Hause. seid ihr unterwegs Zu rauben und zu stehlen auf einem Diebesritt? Wir woll’n euch dabei helfen. wie sein Helm von Stahl Vom Haupte drohend leuchtet. Volker sah’s und sprach: „Laßt mich hinweg! Ich setze den üblen Helden nach. befürchte ich.“ „Ja nicht!“ so warnte Hagen. umringen sie Euch dicht Und setzen Euch mit Waffen so zu. Das gäb’ ein Leid. riet Volker. Seht. Daß wir das Nachtgesindel beim Überfall gesehn. ist uns Hunnen der ganze Angriffsplan vergällt. Nun.238 Ein Hunne sah. daß sorgsam die Tür behütet war. Und warnte schnell die anderen vor drohender Gefahr: „Dort sitzt der wilde Spielmann. Daß ich Euch helfen müßte. was hinterlistig sie getan. Die blanke Brünne blitzt Wie Feuerlohe. Das wär das Ende sicherlich! Gerieten wir zu zweien mit ihnen ins Gefecht. Nun haben ihre Ruhe die Schläfer dort im Saal.“ „Gebt wenigstens“. der sichere Schildwacht hält. Der Spielmann wacht am Eingang. der daneben sitzt!“ Sie schlichen wieder rückwärts. Schnell hätten von den Hunnen sich einige erfrecht Und drängen in den Saal ein zu tödlicher Gefahr Den schlafenden Gefährten. Sonst leugnen sie nur später den meuchlerischen Plan.“ Er rief sie an: „Ihr Leute! Hallo! Wohin des Wegs? Warum zur Nacht in Waffen? Sagt. „den Hunnen zu verstehn. Bestreiten höhnisch alles.

Doch sann in ihrem Grimme sie anderen Plänen nach.“ Berichtet war der Königin. Daß ihr die Schläfer mordet? Was anderswo gemein.239 Sie gaben keine Antwort. Zwar war sie von der Nachricht enttäuscht erst und bedrückt. ihr feigen Wichte! Wie. Da kam er ganz in Wut: „Pfui. Das scheint im Hunnenlande ja Sitt’ und übler Brauch zu sein. der Anschlag sei mißglückt. wenn erst das Unheil niederbrach! 1847–1848 . Die sollten besser glücken. ist das euer Mut.

Der Sonne erster Strahl Traf auf die stillen Schläfer.240 XXXI. 1849–1857 . Wie sie zur Kirche gingen „Es wird schon kalt im Panzer. Gott anzuflehen geht nur zur Messe noch einmal! Fügt er es nicht noch anders. Die Leute folgten. ist es gewiß das letztemal!“ Die edlen Fürsten schritten zum Münstertor hinan. pelzverbrämt. Die schönsten Prunkgewänder erwählten sie dafür. Hagen hielt auf dem Friedhof an. Die alte Frömmigkeit Rief sie zur Morgenandacht wie sonst zu früher Messezeit. „denn getrennt Seid doppelt ihr gefährdet vom Hunnenplan. Nicht lang. den niemand kennt. buntfarbig. Sie sprangen von den Betten. indes der Saal noch ruhig lag. Zur Messe in das Münster ruft euch der helle Glockenton!“ Gesang ertönte. „Wacht auf! Es läutet schon. anders der Heiden Sang. Die kurze Sommernacht Ist bald vorbei“. Hagen betrat den Saal Und weckte die Gefährten. Doch Hagen mahnte: „Laßt doch die überflüssige Zier! Statt Rosenkranz die Waffe! Kriemhild läßt keine Wahl. „Bleibt alle gut zusammen!“ befahl er. dann ist es Tag. Denn anders scholl der Christen. „Es weht schon kühl und sacht Der Morgenhauch vom Felde. Der Morgenschein erglänzte. Statt des Baretts mit Steinen nehmt euren guten Helm von Stahl Statt eurer Seidenhemden – Halsberge! Wachsam nehmt Die Schilde statt der Mäntel. sprach Volker.“ Sie fröstelten und wachten. Uneins erschien der Stimmen Klang.

Hoch wirbelnd stiegen Wolken von hellem Staube weithin auf. Auf jeden Wunsch zu hören und abzuwenden jedes Leid. ich wär bereit. Dahinter ihr Gefolge. Ihr würdet schon erfahren. wenn ein Frecher entbietet seinen Gruß. Auch die anderen verharrten schweigend da. umringt vom Hof. der glimmend in Kriemhilds Auge stand. sollte einer sich bösen Willens unterstehn. daß er heuchelnd den falschen Brauch erfand. Doch schwieg sie. Sie sollten guten Glaubens vertrau’n. Es ist bei uns so Sitte. hätt’ ich es strafend hart gebüßt. Kein Mittel wirkt so gut. Verwundert hub er an: „Warum seh’ ich die Freunde im Helm zur Kirche gehn? Leid wär mir. was sie mit Recht verdrießt. Und war etwas geschehen. ein stolzer Reiterhauf. wenn man uns nicht in Frieden läßt. 1866–1868) . als so ein schneller Hieb es tut. Die Messe war vorbei. herein zog Schar um Schar. Es wimmelte im Hofe. Da stob schon aus der Ferne heran die Reiterei. das Königspaar. was geschah. In reiche Prachtgewänder gehüllt den schönen Leib. Wie’s ihnen gut dünkt. Gesang und Glocken schwiegen. Euch Ansehn zu verschaffen.“ Da kam der Herr des Landes. wie Gunther und mit ihm Knecht und Mann Gewaffnet vor ihm standen.“ Er sah den Haß.“ Darauf versetzte Hagen: „Nichts Arges ist geschehn. Sofort mit tiefen Wunden. 1858–1869 (1859. mit ihm sein edles Weib. Herr Etzel sah. Sonst hätte Etzel sicher verhindern können.241 Stellt eure Schilde ruhig zur Drohung an den Fuß! Antwortet. daß wir gewaffnet gehn Mit Schwert und Schild drei Tage hindurch bei jedem Fest. Im hohen Fenster saß schon. Sie wußte.

Die Hunnen zeigten deutlich den Haß in offenem Streit. So hell vom Hals der Pferde der Schweiß in Perlen rann.“ 1870–1884 . Wie meisterlich gewandt Anritten sie! Es flogen viel Schäfte splitternd an die Wand. dann hört. litt es nicht. Thüringer kamen. Führt weg die Rosse! Wartet! Wenn’s Abend wird. so laut der Eisenklang Der Waffen und der Hufe durch Hof und Palas drang. „Es wäre mir viel lieber. als ob den Kampfpreis die Nibelungenschar gewann. Und Kriemhild hätte gerne der Nibelungen Sturz gesehn. Dann stellten sich die Mannen Rüdegers zum Streit Mit den burgundischen Gästen. Männer. gewandt und heldenstark. Und weiter ging das Kampf spiel mit wuchtigem Prall und Stich. in der Sorge für seine Mannschaft. Die Männer Dietrichs wünschten. und mancher Sattel wurde bloß. aufgebracht. Unmutig sprach der Spielmann: „Nun war Gelegenheit. Gern sahen’s die Burgunden! Da gab’s vom harten Stoß Schildbeulen. Es schien.“ Drauf ritten in die Schranken die Herrn von Dänemark. Etzel sah froh die Seinen den Fremden widerstehn. Hornbogen stürmten scharf im Galopp heran Und stellten sich den Gästen. Skrutan und Gibeke. Dann trat Herr Blödelin an. Die Nibelungen wären unmutig.242 Dankwart kam mit den Knechten. Doch alles war ein Spiel nur. dreitausend hinter sich. Die Könige ritten ein. die standen ihren Mann. Lanzensplitter. Ob Kriemhild uns den ehrlich verdienten Siegespreis gewährt. ihr nähmt vor ihnen euch in acht. Doch Dietrich. den fremden Herrn vom Rhein Turnierend zu begegnen in Siegeszuversicht. Doch dem war’s gleichfalls leid. Ramunc.

Da sah man an den Fenstern in Tränen manches schöne Weib. „zu erhöhn. sprach Hagen. so scheint mir. verliebt und jung. die geschahen. Der Augenblick. kommt bald. Volker. der ihn zu Tode stach? Der Spielmann war es. umgab ihn weibischer Prunk. Da jammerten die Frauen. Ihm sah wohl eine Liebste vom Fenster zu. Als ging’s zu einer Hochzeit. Laßt nur die Hunnenfrauen und Ritter einmal sehn. Da höhnte Volker: „Wahrlich! Mich reizt der Gernegroß. Denn Volker stach dem Hunnen die Lanze durch den Leib. Dem Spielmann beizustehn. Es wird uns doch wahrscheinlich kein Siegespreis und keine Gunst.243 Zuletzt noch sprengte prahlerisch ein Hunnenritter ein In bunter Tracht. erzürnt sich darüber König Etzels Weib!“ Doch Gunther wehrte dringend. des Toten Sippe kam. Und sein Gefolge klagte und schrie in lautem Gram: „Wer hat’s getan. der diese üble Tat verbrach!“ 1885–1892 (1891) . Bald trauerten die Frauen um ihres Lieblings Fall. dann tadeln uns Etzels Leute nur. So überlaßt den Hunnen die offene Gewalt. da es sich besser fügt. Kriemhild und Etzel sahen genau die Dinge.“ „Die Lust am Lanzenstechen“. Diesem Frauenliebling versetz ich einen Stoß. ganz strahlend in blankem Waffenschein.“ Der kühne Volker spornte sein Pferd zu scharfem Prall. als er den Plan erfuhr: „Geht Ihr ihn an. und auch die tausend Mann Des Nibelungenheeres sprengten in die Bahn. Daß er nicht wieder aufsteht. Ich geh ihm an den Leib. Schnell galoppierten Hagens sechzig Ritter an. Wie wir in Stoß und Reiten bewähren unsere Kunst. wer war es. Was kümmert’s mich.

„Wer wagt. Zahlen mit seinem Blute sollte er. Des Toten Freunde kamen. ging Kriemhild ganz allein Zu Dietrich. „steht Ihr nicht freundschaftlich Mit Rat mir bei. der tät es ohne mich. „Hochedler Fürst“. Ein Markgraf war der Tote. Der ihn erstochen. und einem rachegierigen Mann. das stünd’ uns übel an. und man erführe üblen Dank!“ 1893–1900 . Verwandt mit dem Erschlagenen. dann steht es schlimm für mich. und wieder schien er mild Vor seinen edlen Gästen. Ich zeuge. – Herr Etzel stieg eilends von dem Saal. Schuldlos ist er. Man winkte und befahl. sich zu vergreifen an einem Freund und Gast. Geschrei. Drum büßen sollte schwer. Der König hielt im Bann Mit seinem Blick die Menge. Doch die Burgunden wußten: Feinde ringsherum! Zu Tische ging der König.“ Antwort gab Hildebrand ihr: „Erkühnte einer sich Des Kampfes mit den Gästen. dem riß er zornentbrannt Herab die scharfe Waffe aus der erhobenen Hand. Der meinem Schutz vertraut ist? Der sei auf meinen Zorn gefaßt! Erschlüget ihr den Fremden. die Sippe lief herbei. wie er der Hunnen Zorn gestillt. Noch eh’ die Herren saßen. Gedräng. Darum befehl ich Frieden!“ Man wich. so sprach sie. gehorchte stumm. denn strauchelnd in hartem Anprall stieß Er ungeschickt dem Gegner scharf durch die Ringe seinen Spieß. Um Geld und Gutes willen?! Noch nie ein Mensch bezwang Die edlen Nibelungen. mit Hilfe und Gunst.244 „Die Schilde her! Die Schwerter heraus!“ So ging der Schrei. Absaßen die Burgunden. Die Rosse fortzuführen. Ruhlos quälte sie sich mit ihrer Pein. daß der Spielmann nicht auf Verletzung sann.

Gewännest du die Marken. Königin. – Verwandtenmord –. die Notung einst besaß. fiel ich. Dann soll Hagen ernten. Ihr begehrt. ging sie zu Blödelin. die Notung einst besaß. machtlos vor Euch seht!“ 1901–1909 (1904) . dazu gewinnt Ihr nimmer meine Hand!“ Da Dietrich ihr verloren. Heimlich ersehnt im stillen trug er seit langem schon Das Bild des schönen Weibes. Das weite Land. der König werde ihn Belohnen mit den Ländern. ein Frevel. Ihm in die Hand versprach sie. Ihr wißt. Ich sorge. – Herr Dankwart sorgte. Siegfried zu rächen. Die schöne Braut des Notung vermählte ich dir an. Was ich dir heut verspreche. wie wenig der Euch ehrt! Sie sind mir lieb. die Burgen. Erst weigerte sich Blödel: „Vieledle Frau. Geht in den Saal indes. Dir schenkt’ ich reiche Schätze von Silber und von Gold. vertrauend betraten sie das Land. daß Ihr Hagen gebunden. Ward sie ihm nun zuteil? Zum Kampf entschlossen sagte er zu. Du hättest deine Freude und alle Erdenlust daran.“ „O nein! Hör zu! Ich bleibe dir trotzdem gut und hold. Blödel sprach: „Da draußen – niemand vermutet es – Erreg’ ich ein Getümmel. verletzend sein Gebot. erhieltest du im Übermaß.245 Gemessen wehrte Dietrich: „Was. Doch nicht zu seinem Heil.“ Vor Blödels Aug’ und Sinnen lockte der reiche Lohn. Er nähm es übel. Die Gäste an im Kampfe mit heimlicher Gewalt und Not. was blutig er gesät. daß er Kriemhilds Belohnung bald vergaß. das alles wäre dein! Ein herrlich Leben würde dir dann beschieden sein. Daß Etzel Euren Feinden freundlich gewogen ist.

Vier Edelleute trugen. ihr lieben Freunde. Zum Streite war kein Anlaß. wenn ihr wieder heimkehrt. daß ihr mit ihm zufrieden seid. wird er einst stark und kühn. Bedrohten euch Gefahren. Und ist er einst in Ehren erwachsen. Zwölf Länder soll er erben. Für der Verwandten Sache in Treuen einzustehn!“ Nachdenklich hört’ es Kriemhild. Und eure Gunst und Treue wird gut das Schwesterkind erziehn. ein Mann. Zu eurem Ruhme blüh’ sein Thron! Schlägt er nach seinen Ahnen. wie Kriemhild es befahl. Das sollte nimmermehr geschehn! 1911–1917 (1910) . Im Herzen wie begraben lag ihr die alte Qual. stark. war einer doch bereit. das ist mein einziger Sohn. wie nah der Tod des Kindes sei. Das Kind ist’s eurer Schwester. Da schaute König Etzel auf seinen Sohn und wies Ihn väterlich den Gästen. Den jungen König Ortlieb behutsam in den Saal Und zu dem Fürstentische.246 Zufrieden ging die Königin. Hagen saß dicht dabei. Darum. Und doch nur eins im Sinne: ihr Plan möcht in Erfüllung gehn. sollt ihr mir Beistand leih’n. Denn eurer Lieb und Sorge vertrau’ ich gerne ihn. Den großen Sinn verleiht ihm sein Blut und adelt ihn. man solle zur Tafel bringen Etzels Kind. ihn mit euch an den Rhein. leb’ ich noch einige Zeit. Nehmt.und racheblind? – Sie gab Befehl. Voll Grimm sein Blick. Dann kann euch Ortlieb dienen. so blieb ihr keine Wahl: War denn ein Weib wohl jemals so haß. Sie saß an Etzels Seit’ Inmitten seiner Helden am Tische hehr und schön. als säh’ er. indem er stolz ihn pries: „Seht hier. ihr lieben Freunde. Den Kampf auf sich zu nehmen. wie wohl stünd es ihm an.

Mir blüht an Ortliebs Hofe wohl kaum ein froher Aufenthalt. Doch scheint er mir zu schwächlich.247 Man hörte Hagen reden: „Wahrhaftig. Und auch den Fürsten tat es wie ihrem Könige weh. er wird nicht alt. wüchse er Zum Manne. daß er so grausam sprach. Ich glaub. Als ob mit Hagens Worte dem Kind ein Leid geschäh.“ Still wandte König Etzel den Blick zu ihm herum. Wer ahnte das Verhängnis. Sie mochten’s kaum ertragen. das unheilvoll geschah danach? 1918–1920 . Das düstere Wort fiel schwer ihm ins Herz und quälte dort Mit ahnungsdunkler Sorge. jedoch sein Mund blieb stumm. daß Ortlieb tüchtig war. Die heitere Laune rings war fort. Erbitterten Gemütes. wohl vertraut’ ich.

das sie Euch rächen hieß?’’ „Wozu noch weiter reden! Ich klage dich nicht an. Das Ende naht. Der lachte grimmig: „Seht doch. die Morgengabe blinkt. Befliessen grüßte der Und sagte: „Lieber Blödel. als Siegfried im Wald das Leben ließ. willkommen! Doch was führt Euch her?“ „Mir liegt an Eurem Gruße nicht viel“. daß uns die Reise so schwer gereuen soll? Ich war ein Kind. Gunthers Mann. Den Tod! Es einzulösen hat uns die Königin hergesandt. Die Blödel seiner Liebsten.“ „Nicht doch. Doch deine Sippe! Hagen erschlug ihn. des Notung Braut. zur Mitgift bringt. das heute zur Vergeltung fließt. „Denn endlich ist zur Sühne die alte Schuld gedieh’n. Ihr büßt Die Tat mit Eurem Blute. Vom jähen Hieb Das Haupt flog rollend.248 XXXII. Fuhr unversehens sein Schwert heraus. Unglückselige! Hier geht es um ein Pfand. Daß Hagen Siegfried erschlug. 1921–1927 . Nun wehrt euch. Sie reu’n mich längst.“ So sprach Dankwart. denn Bitten liegt nicht in unserer Art. Erschlagen lag Herr Blödelin. Indes er empor vom Sitze sprang. Kaum. Was Schlimmes wirft mir Kriemhild denn vor. sprach Blödelin. bis es vor Dankwarts Füßen blieb. Herr Blödelin!“ sprach Dankwart ruhevoll. Wie Blödelin erschlagen wurde Als Dankwart mit den Knechten am Tische aß und trank.“ „Wollt ihr’s nicht anders. Erhob sich ein Getümmel. Aus dichtem Menschendrang Trat Blödel nah zu Dankwart. daß er’s schwang. „Wollt Ihr. hätt’ ich die Worte gern gespart.

endlich das grause Spiel. wichen. Furchtlos und fest zusammen. Am Sieg verzweifelnd hielten sie aus bis auf den letzten Mann. doch härter stets bedrängt. Die Hunnen wankten.249 Vermählte man sie morgen auch einem anderen Mann. Kein Friede war mehr möglich. Wohl standen die Burgunden. ob sie auch grimmig sich Noch wehrten gegen Stühle und Schemel. Doch von der Rachewut Lagen in dem Saale fünfhundert Hunnen tot im Blut. dann langte er im Nu Nach irgend einem Schemel. Von furchtbarem Verhängnis erzählt die grause Mär: Erschlagen lag am Boden das Nibelungenheer. Hieb und Stich. Verbeulte Helme gab es. Die laute Stimme Dankwarts drang schneidend durchs Gewühl: „Erkennt ihr. denn nun beginnt die letzte Not!“ Fand einer keine Waffe. Er ganz allein stand aufrecht in ungebrochenem Mannesmut. Eh’s noch der König wußte. Freunde. Dazu zwölf Ritter Dankwarts. Bis schließlich ihre Menge im Kampf die Oberhand gewann. versammelten vorher Die rachegierigen Hunnen vor’m Haus ein ganzes Heer. 1933) . Zweitausend Männer scharten sich schnell und stürmten an. Was half die Heldenkühnheit? Die schwerste Not begann. 1928–1936 (1929. Nibelungen. Daß Kriemhild angestiftet. sie alle tot im Blut. Womit Kriemhild uns gütig ins Hunnenland entbot? Wehrt eurer Haut euch. in dichtem Knäul gezwängt. Ein Brautgeschenk wie Blödel gewänne der daran!“ Ein treu ergebener Hunne hatte es gesagt. Mit schweren Stühlen hieb man drein. was Blödel unheilvoll gewagt. Schnell ward man handgemein. und damit schlug er zu. Sie stürzten aus dem Hause.

Ich selber stehe ein Für das. des du dich erkühnt!“ „Auf eure Drohung geb’ ich nur eine Antwort: Weicht! Kommt nicht zu nah. Hagen zu vermelden. wie gründlich du gesühnt Den Schaden unseres Königs. „Zurück ihr Hunnenhelden! Weicht! Laßt mich aus dem Haus! Gebt Raum. Manch ein Panzer bewies. müd vom Kampfe. gingt alle ihr dahin? Nun unter tausend Feinden steh ich allein. Denn alle Schläge zielten im Kampf auf ihn allein. Dann wird er es erfahren. den letzten. Doch als er. daß ich mich kühle! Laßt mich in Luft und Licht!“ In festem Gange schritt er dahin. – wie arm ich bin!“ Schon drangen immer dichter die Waffen auf ihn ein. wie gut sein Hieb geglückt. in welcher Not ich sei! Wüßt’ er. ihr lieben Freunde. Sprangen ihm entgegen. Er hülfe mir heraus wohl. um ihn. was ich getan hab. den Angriff. der Lärm versiegte stumm.250 Das Kampfgetös’ verhallte. kaum von der Schwelle sprang. „Hätt’ ich nur einen Boten. „Weh mir! Wie mag dies enden!“ Laut rief er es hinaus. ich warn’ euch! Es röteten sich leicht Noch viele Panzerringe. Da sah sich Dankwart traurig nach den Gefallenen um: „O weh. Sie hinderten ihn nicht. den Schild selbst hochgerückt. sein Bruder wäre von Tausenden bedroht. Wie viele neue Schwerter hemmten seinen Gang! Die noch von seinen Wunden im Kampfe nichts gesehn. zu bestehn. Das Schildband tief nach unten. und will mein eigener Bote sein!“ 1937–1943 . So stand er. und stünde Gott mir bei. oder er stürbe gleichen Tod!“ Die Hunnen höhnten: „Selber wirst du dein Bote sein! Wir tragen dich dem Bruder tot in den Saal hinein.

wie Dankwart die Gegner von der Treppe trieb. Er hatte seinen Mut noch. So haut ein Eber wild Im Wald sich durch die Hunde. die anderen schlug und trieb Er immer höher. er hatte selber den Botengang vollbracht! 1944–1950 . So drang er immer weiter. ungestüm. Daß jäh von seiner Klinge noch mancher fiel in tiefen Schlaf. Von beiden Seiten drängend wie Jäger trieben sie Ihn in die Enge. Bis endlich ihm der Durchbruch des Menschenwalls gelang. Truchseß und Diener hatten schon längst den Lärm gehört. Drum schossen sie mit Speeren. Daß man dem Vielgewandten ängstlich vom Leibe blieb. Schildlos erschien er ihnen ein leichtes Beutestück.251 Sie griffen an. Am Treppenaufgang nämlich standen die Schenken schon. Er schlug sich durch die Menge. Macht Platz! Gebt frei den Gang!“ Dem einen. Er fuhr sie an und drohte mit lautem Herrenton: „Was steht ihr hier? Schenkt lieber den Gästen Speis’ und Trank! Botschaft für meine Herren bring’ ich. Wie manchem da der Bissen im Munde steckenblieb! Man hörte schon. dennoch frohlockten sie zu früh. Erschrocken hatten viele den Becher nicht geleert. Er sprang in ihre Mitte. bis er sich endlich Bahn gemacht. verwegen. Ein Wunder schien’s. Daß der gespickte Schild ihm zuletzt aus müden Händen sank. der gefährlich von oben drängte. – Ein herrlich kühnes Mannesbild! Und wo er hieb. dazu sein Waffenglück. zahllos. Und er bis an die Treppe des hohen Fürstensaales drang. gespitzt und schlank. da sanken die Gegner neben ihm. doch schlug er um sich mit klugem Hieb. hieb er eine Todeswunde. er hieb und stach und traf.

Die Tränen trocknen schneller in ihrer Frauen Angesicht. die ich erschlug. Wie viele es sind. „wird ein Held In offenem Männerkampfe von Heldenhand gefällt. Ich weiß es nicht. Man rühmt ihn um so länger. Ich selbst schlug ihm das Haupt ab mit dieser meiner eigenen Hand. und man beklagt ihn nicht. Es sprang Aus Wunden unserer Feinde. Bruder Hagen. furchtbar anzuschaun. wenn ihm nicht der Teufel gar die Stange hält. der Helm verbeult. doch sind es wohl für den ersten Schlag genug!“ 1951–1956 . Die Ritter und die Knechte in ihrer Herberg liegen tot!“ Hagen sprang vom Sitze: „Sag.252 XXXIII. wer hat das gewagt?“ „Herr Blödel mit den Seinen! Doch sei es Euch gesagt: Er mußte schnell es büßen. die ich zu Boden zwang. der ihn gewähren ließ. ihm klag’ ich unsere Not. Wie hallend Erz erdröhnte die Stimme durch den Saal: „Zu lange. sagte der Tronjer. Heiß ging es her. Bruder. zerhau’n. „Das will nichts heißen“. Mit bloßem Schwerte stand er im Saale. gerötet von anderer Blut. sagt mir. wovon seid Ihr so rot? Wer war so dreist und bracht’ Euch in solche Wundennot? Kann ich den Frechen fassen? Wo steckt er? Zum Entgelt Schlag ich ihn tot. Wie die Burgunden mit den Hunnen stritten Dankwart setzt’ in die Türe den Fuß und schob und stieß Den Kämmerer beiseite. verweilt Ihr schon beim Mahl.“ „Ich bin gesund. Vom Blut bespritzt die Kleider. Ihr aber. Gott im Himmel hört es. des er sich unterstand.

schlug Dem Hüter. Hagen versetzt’ ihm einen Schlag. Nun weiß ich nicht. zu strafen. Vom Schwert auf seine Hände hoch sprang es heiß und rot. „Sorgt. die’s verdient. Sie möchten wohl ins Freie. es ist nur ehrenvoll. Ich kam in guter Absicht. Sie trachtet. stünde der nicht hier. Für alle Müh des edlen Getreuen – ein gar schlimmer Sold! Der Spielmann Etzels lehnte am Tisch. bringst du wieder mal Botschaft ins Burgundenland!“ „Ach. soll ich Kämmerer werden. Der Hüter an der Tür. Das war der grause Anfang. Nun mordete man schonungslos. leg’ ich die Hand nicht mehr daran?“ 1957–1964 . widersteht und wehrt. Kriemhild läßt – lange wüßt’ ich’s – ihr Leid nicht ungesühnt. So trinken wir Kriemhildes roten Königswein Zum Liebestrunk: Der junge König soll der erste sein!“ Mit einem raschen Hiebe schlug Hagen Ortlieb tot. je zuleide? Mein König sandte mich. „Das melde. Es flüstern miteinander die Hunnen hin und her. meine Hand! O weh mir!“ rief Werbel. Daß keinem Ihr den Ausgang aus diesem Saal gewährt!“ „Gut. Es ward zu schwer. Hagen. Das zarte Haupt fiel blutig in seiner Mutter Schoß. Der wie ein Blitz ihm trennte vom Arm die rechte Hand. Der Botschaft brachte – lieber wär’s ihnen. „Was tat ich Dir.253 „Verwahrt die Tür!“ rief Hagen. der daneben für Ortlieb Sorge trug. Das Haupt ab. Die Geige lag In seiner Hand noch. daß vom Rumpfe es an den Boden rollt’. Wenn ich solch mächtige Könige als Türhüter bedienen soll!“ Hagen trat zu Gunther und sprach: „Mich wundert sehr. Hagen nahm die Waffe in beide Hände. wie kann Die Geige wieder tönen.

Sie hätten gerne zwar Die Kämpfenden getrennt noch. eh er im Schwall versinkt!“ „Verlaß dich drauf!“ rief Volker. Dankwart. Die Überzahl war groß. An Hagens Seite eilte auch Volker. Nun kamen Etzels Männer zum Sterben an die Reih! Zu Leibe ging er ihnen in wallend-wilder Wut. denn Dankwart ließ keinen ein und keinen aus. den Feind im Antlitz. rasch heran!“ So gellte seine Stimme. doch das Haus War gut verwahrt. So stand es schlimm um Dankwart. das merkte mancher Widerpart. Volker. – „Volker. Und Giselher. daß rauh sein Ton erklang.254 Könnt’ er auch nie mehr fiedeln. Griff Gunther selbst zum Schwerte. 1965–1976 (1972) . daß er den Weg zur Tür erzwang. Daß ihm der Kopf erdröhnte und ganz von Tönen klang. Hagen war’s einerlei. wie er von dem Knäuel umschlungen wütend ringt! Hilf. Von drinnen stürmten andere den Ausgang. Verzweifelnd kämpfend sanken die Hunnenhelden in ihr Blut. Froh sahen seine Freunde. hau den Bruder heraus. Sie drängten an von draußen. so jung er. Hagen sah die Drangsal. Seine Hand tat Wunder. Dem wehrten die drei Könige. Und wie er fiedelnd ging. Gernot beschützte ihn Mit seiner Waffe. Da’s aber ganz unmöglich war. so kühn war er und hart. und er schwang Den blanken Fiedelbogen. Doch immer wilder wurde und wütender der Drang. Manch einer von dem Schwerte solch einen Streich empfing. „Nimm du dich Dankwarts an! Sieh. zu helfen ihren Herrn. Doch Dankwart wußte wacker die Türe zu versperrn. die ihm einst Rüdeger verlieh’n. den Feind im Rücken. rang Und hieb und traf und wehrte. Besiegelt schien des Hüters Los.

was angst.“ So taten sie. Wehrt Ihr dem Sturm von draußen. So bitt’ ich. will eine Tür man gut versehn. Dann schlug er hart und scharf. Wie seine treusten Freunde hinsanken in den Tod. Herr Dietrich. Hagen! Heute schenkst du von deinem allerschlimmsten Trank!“ Der König selber bebte. Zwei tapfere Kerle stehn Statt tausend fester Riegel. Nur Eure Kraft allein Vermag zu retten. Laßt Euch die Königin empfohlen sein!“ 1977–1985 (1978) . Ein gnadenloser Rächer. Der Spielmann rief mächtig in den Schwall: „Freund Hagen. wie klirrend von Hagens Hand und Schlag Die Eisenhelme barsten. Da sprang der Amelungen Gebieter auf die Bank: „Weh. daß Ihr mir nun die Hälfte überlaßt. So halten wir uns beide das üble Hunnenpack vom Leib. schwoll. wie das grause Unheil. bedenket Ehr’ und Blut Der Amelungenfürsten! Helft mir vor dieser Wut Des grimmen Hagen! Rettet. „denn es droht Mir selber doch von ihnen Gefahr und Todesnot!“ „Nein. und jedes war ein Todesstreich. vor der Türe ist fertig unser Wall. sah er doch rings die Not. helft mir. Der Berner sah. helft mir! Erreicht er mich. Ja. Steht mir doch bei! In Tränen flehe ich!“ „Wie kann ich anderen helfen?“ sprach Dietrich. indes ich drinnen bleib.255 Nun stand er neben Dankwart: „Ihr trugt die schlimmste Last. Bin ich des Todes. Was half ihm seine Würde vor Hagens blutig-wildem Groll? Da schrie Kriemhild: „Herr Dietrich. nein. ihn selbst bedrohend. da warf Den Schild er auf den Rücken.und schreckensbleich Ihm kam vor seine Klinge. Herrn Etzels Saal verschlossen.“ Als Hagen so die Saaltür gesichert sah. wie mancher Freund erlag.

Nur laßt mir meine Feinde! Die Hunnen soll’n im Saal Noch büßen. jedoch wir öffnen sie Und reißen sie für alle weit auf!“ Doch Dietrich sprach: „Schweigt! Was Ihr alles tun wollt – den Teufel frage ich danach!“ Gunther gab sein Wort ihm: „Weit offen steht das Haus. was sie frevelnd mir angetan an schlimmer Qual. So verließ Dietrich den Saal. Für immer seid versichert. Geschah Euch das Geringste. daß er sie fest umfaßt’. daß unser Dank Euch das gedenkt!“ Wolfhart rief wild und höhnisch: „So fleht doch nicht zu früh! Der Spielmann sperrt die Tür wohl. ist Euch etwas geschehn Von einem meiner Freunde? Ich strafte sein Vergehn. Führt wenige oder viele an Freunden mit hinaus. Das Kampfgebraus zerrann. Und seine Stimme dröhnte rauh wie aus einem Wisenthorn. Die war zu Tod erblaßt. Davon erbebten alle. 1986–1995 (1990) . „gab’s auch seit langer Zeit Nicht solchen haßgeschürten.“ Dietrich vernahm’s. Dann schlang er. verbissenen Männerstreit. Daß wir den Saal verlassen in Freiheit ungekränkt. Gunther vernahm den Anruf: „Seid still! Hört Dietrich an! Er winkt dort von dem Tische. sprach er. Doch gebt freiwillig Frieden! Verschont uns und gewährt. Laßt Eure Waffen ruhn Und hört.256 „Ich will’s versuchen“. Zu Buße und Versöhnung mit Euch sind alle wir bereit. mir war es bitter leid. Will er uns einen Vorschlag tun?“ Er rief ihn an: „Herr Dietrich.“ Da schütterte die Halle von Dietrichs lautem Zorn. Den einen Arm um Kriemhild. worauf er auch seine Mannschaft folgen hieß. was ihm geschehn ist. Und mit dem anderen führt’ er Herrn Etzel.“ Dietrich begann: „Die Meinigen sind heil und unversehrt.

ihrem Herren. Versöhnung bieten wir. Es kam die Zeit einmal. Nie ward ein Wirt belohnt noch mit solcher mörderischen Not!“ „Ein übles Fest!“ sprach Etzel. Geht ungefährdet! Niemand verwehrt Euch feindlich mehr die Tür!“ Mit Rüdeger. So bleibe der Friede ungestört. was seine Wut verlangt. räumten dann den Saal Fünfhundert seiner Mannen. mit Gewalt Zurück kam und die Güte des Königs Gunther schlimm vergalt. was immer die Gastfreundschaft gebot.“ Zur Antwort gab ihm Giselher: „Wahrlich. daß blitzschnell sein Haupt vor Etzels Füßen lag. Ein wilder Eber scheint er und ist ein Spielmann doch. die niemals den Freund im Stiche läßt. doch schlimmer hat sich noch nie ein Gast bedankt!“ 1996–2002 . Ich weiß es nicht. Da wandte sich der König herum und stand und maß Mit langem Blick den Spielmann: „Weh! Nie bisher vergaß Ein Gast so ganz. Und zu entwischen wäre ihm beinah auch geglückt. Ihr hieltet fest An wahrer Treu. Den um der Eintracht willen ein Freund dem Freunde gern gewährt. Weshalb er uns so züchtigt. Die nah Euch und verbunden? Dann laßt auch uns vorbei. Volker. Von dessen scharfem Schwunge schon mancher Held erblich.257 Auch Markgraf Rüdeger sagte: „Gebt Ihr noch andere frei. Ganz gleiche Treu und Frieden. Uns trennt ja nichts. Zu meinem Heil entrann ich vor diesem tollen Teufel noch! Gar wilde Melodien singt er zum Geigenstrich. Ein Hunne hatte klug sich in Dietrichs Näh’ gedrückt. Von solcher Art. Dem gab der Spielmann Volker zum Abschied einen Schlag. Daß der von Bechelaren bewaffnet. der statt im Weine in unserem Blute praßt. „da drinnen haust ein Gast.

2003–2008 . Als dein Gefolgsmann Gnade und Gunst dir gut vergilt. Und jeder Gast nahm Rache für Hieb und Schläge. stumm gereiht. hört Ihr sie. Er fiedelt sie zu Tode und sorgt. daß keiner mehr entflieht. stählerne Melodie? Rot jeder Strich. so drang kein Spiel. dazu ein herrlich Kleid!“ – Nun ward es still im Saale. Und den Burgunden fielen die Schwerter aus der müden Hand. König Gunther. kein Lied. Kein Geigenklang durch Helme. er fiedelt an der Tür. wie er getreu den Dienst erfüllt. dann bleiben ein Herz und eine Seele wir. Funkelnd wie Wetterstrahl Erblitzte Volkers Waffe. Sind wir zu Haus. „daß ich nicht bei ihm bin. die er litt.258 Kaum waren die Befreiten gerettet.“ „Nur schade“. brach im Saal Laut wieder los der Kampflärm. den Volker mit seinem Bogen zieht. Ein Roß sollt’ man ihm schenken. Brünnen ins Geblüt. Schau. durch Schilde. Am Boden alle Hunnen nach letztem Widerstand. So wacker stand kein Spielmann. Nun steh’ ich hier im Saale. die manchen Helm durchschnitt. Des Spielmanns schneidend wilde. sagte Hagen. Auf Volker blickte Gunther: „Freund Hagen. Da lagen. Er war mein Kamerad ja und bleibt’s auch fernerhin.

Gelehnt auf ihre Schilde begannen sie voll Hohn Im Kreis sich umzublicken und dreist zu spotten und zu drohn. Das so vergossene Blut Erpreßte ihnen Tränen und reizte sie zu wilder Wut. Der stürzte da zu Tode. das gut und redlich schien. Da höhnte Volker bitter: „Schon lange hört’ ich zwar. Sie jammern wie die Weiber. statt daß sie sich bemühn Um ihre wunden Leute. Sie warfen wie ins Grab Die Toten von der Treppe nach unten steil hinab. Nun seh ich. Allein Volker und Hagen standen treu an der Tür zu zwein. Noch mancher war am Leben und litt nur Wundennot. Den hätte gute Pflege gerettet wohl vom Tod. wenn sie den toten Mann erkannt. Wenn wieder frisch der Ansturm der Hunnen auf den Saal beginnt. Die schrien vor Empörung. Da traf der Schuß des Spielmanns auch ihn.“ Ein Wort. den Toten nah verwandt. der es ernstlich in solchem Sinn verstand. Da standen viele drunten. werft die Toten hinab erst aus dem Haus. Wie sie die Toten hinabwarfen Kampfmüde sanken alle auf Stuhl und Bank. Im Saal indes sprach Giselher: „Ruht noch nicht aus! Ich rate. Ein Markgraf. Er streckte seine Hand. und beide lagen tot. Daß sie uns vor den Füßen hier nicht im Wege sind. Sah einen seiner Sippe. geschah es. zu lindern seine Not. es ist wahr. Die Hunnen seien feige. 2009–2016 (2012) . Umschloß ihn mit den Armen.259 XXXIV.“ Und wie er riet.

du mir durch andere nachgestellt?“ Kriemhild. flog dicht zu Volker her. Ingrimmig lächelnd sparten Volker und Hagen nicht Reizrede. ist die Verwandtschaft. Warum die Hunnen zögern. Nie sah ich Helden solchen Kampfpreis zaghaft verschmähn. wog ihn. und – wilder ward die Flucht – Warf mitten ins Gedränge den Stahl mit urgewaltiger Wucht. feiger König. Der Hagens Haupt abschlüge und käm und brächt’ es mir.260 Volker verfluchend rannte das Volk. Hohn und riefen zum Spott dem Könige ins Gesicht: „Es ziemte wohl den Fürsten – die Völker säh’n es gern – Kämpften an der Spitze sie mit wie unsere Herrn. Kriemhild war Die Liebste ja des Toten. in ihrer Ehre gekränkt. Er nahm ihn ruhig. Ein scharfer Ger. worauf sie warten noch. Ich ließe ganze Länder und Burgen ihm als Dank dafür!“ Drauf spottete der Spielmann: „Nun möcht’ ich wissen doch. der erbittert auf Tod und Sühne sann. Der war ein tapferer Held! Warum hast. Heut denken Könige selten an ihre Fürstenpflicht. Am Schildband hielt man Etzel zurück. Viel Tausende von Kämpfern traten draußen an Vor Etzel.“ – Fließt auch das Blut vom Schwerte – selbst durch die Feindeshelme So kühn war König Etzel. zurückstehn wollt’ er nicht. Da lacht’ ihn aus Der Tronjer und rief offen ihn höhnend ins Gewühl hinaus: „Verwandt ist König Etzel mit Siegfried. Mit besseren Männern sollte der König Etzel sich versehn! 2017–2026 (2021) . Geworfen aus der Menge. Die alle bei uns stehen und ohne Furcht und Grau’n  [haun. Entfernt und lose zwar Scheint mir. rief laut im Kreis: „Der nähme Etzels Schild voll von reinem Gold als Preis.

Mit Heldenmut zu prahlen. solcher Schimpf soll als Hunnenschande nie vergehn. jedoch beiseite stehn.“ 2027 . kommt er einmal in Not. Wenn’s Ernst wird. Sie essen zwar ihres Fürsten Brot.261 Da stehn sie nun. Versagen aber schmählich.

“ Iring bat seine Freunde: „Allein. ihm beizustehen. Erlaßt mir diese Schmach.262 XXXV. der Starke. schaut. kampfbereit. kaum erst zur Männlichkeit erblüht. Laßt mich allein!“ 2028–2034 . wahrhaftig. „Freund Hagen. Markgraf von Dänemark: „Ging es um Ehrensachen. wie hält Nun Iring Wort? Das tadl’ ich. Euch zu bestehn im Streit. Bringt mir die Waffen! Gegen den Tronjer steh ich meinen Mann!“ „Dann“. Ein kühner Jüngling. So grausig Hagen wütet. ich fürchte nichts. nur meine gute Waffe spricht!“ Iring war bald gewaffnet. „wenn einer droht und flucht. Am schärfsten schnitt sie dann. Männer. Seit wann denn lügt ein Held? Allein gelobte er doch. In manchem schlimmeren Gange hab ich mich schon versucht. an tausend. wie ich’s versprach. Hör auf zu prahlen endlich! Denn Worte tun es nicht. Ich komme! Nicht die Zunge. Befremdet sah’s der Spielmann. Will ich den Kampf versuchen. das hielte ich lügnerisch nicht ein. Wie Iring erschlagen wurde Erbittert sagte Iring. Der Thüring Irnefried. im Geleit. wenn Ihr Euch auch die Knochen brecht!“ „Mich schreckt es nicht“. Was ich gesagt. Die schlossen sich an Iring. sprach Iring. dann verbarg Ich niemals meine Klinge. „rat ich Euch dringend. sagte Hagen. dann bring’ ich Herrn und Knecht Die Treppe schnell hinunter. Zu dritt mir allzu nahe. Nun hat er tausend Männer und mehr zum Schutz an seiner Seit. Hawart. laßt nur weit Die Hunnen mir vom Leibe! Kommt Ihr etwa zu zweit.

Nachgaben sie ihm schließlich. er ging in tödliche Gefahr. Doch hitzig dann Drang Iring in den Saal ein. Heißer erflammte beider Kämpfer Herz. Der schlug das Schildgespänge ihm ab. Doch Hagen widerstand Und trotzte unerschüttert des Gegners Rachedrang. daß sie von Haus und Wand Und Türmen widerhallten. den Schild zur linken Hand. So blieb er hart. Hob seinen Ger und wog ihn und lief und warf gewandt Ihn in gewaltigem Bogen. Da schäumte Giselher in hellem Zorn: „Ihr wißt. Vier Männer der Burgunden fiel er im Rückzug an. Mit König Gunther stritt Er heftig. wobei keiner von beiden einen Schaden litt. Von Dänemark Herr Iring. Er flog zerschmetternd schier Mit voller Wucht hernieder auf Hagen an des Saales Tür. Die Schilde barsten krachend und nützten schon nichts mehr. Herr Iring. daß an Hagen sein schweres Werk ihm nicht gelang. Der hätte ihn beinahe gefällt. daß Ihr diese Gefallenen büßen müßt!“ Er holte aus zum Hiebe und gab ihm solchen Schlag. So ehrenvoll der Vorsatz. Die hieb in schnellem Kampfe er nieder bis zum letzten Mann.263 So bat und drängte Iring die Freunde flehentlich. ungern und traurig zwar. und Flammen schlug das Erz Aus Helm und Brünnen. Mit Gernot kam er danach in hitziges Gefecht. Hin wirbelnd flog der Ger. Doch der ergriff die Waffe. Schon ging’s ihm schlecht. Zum Schwerte griffen beide. Drum ließ er von dem Tronjer und sprang den Spielmann an. Der sah bald. unerschütterlich. Hart prallten ihre Schläge. Um Ehre ging’s. 2035–2045 . Daß sinnberaubt im Blute Iring vor seinen Füßen lag.

bedachte Hagen still: Dich töt’ ich. kein Ruhm für ihn. 2046–2056 (2053) . Er warf sich auf den Dänen. „Gott lohn dir’s! Was ein Trost doch im Unglück Wunder tut! Es hofft mein Herz! Nun sah ich zum ersten Male Hagens Blut!“ „Dankt nicht zu früh!“ rief Hagen. was ihm geschehen war. Wie’s um ihn stob von Funken. bis ihm die Flucht nach draußen schnell geglückt Heil zu den Seinen kehrte Iring. Wie er sich retten könne. der betäubt war vom harten Schlag und Stoß. der zornigen Tones sprach. wüßt’ er. zum Saale noch einmal – Das ziemte einem Helden! Dann hielt ich ihn für kühn. Da lohte ihm viel heißer der wilde Zorn im Blut. sann klug er und besonnen nach. Den zweiten Gang zu wagen. Es standen die Feinde um ihn her. „Käm er aus eigener Wahl. als flammte Feuer lichterloh. Blitzschnell vom Boden sprang er empor und warf im Prall Auf Hagen sich. Er hörte Giselher. Wenn er sich rührte. und Frau Kriemhild Nahm selber voller Freude vom Arme ihm den Schild. Die kleine Wunde ist Euch kein großer Trost. Der wich und sprang geschickt Die Stufen abwärts. Er fühlte im Erwachen: „Noch bin ich unversehrt. Doch nur besinnungslos Lag Iring. der schutzlos beim raschen Überfall Des Angriffs nicht gewärtig. Schnitt durch den Helm. Hell prasselnd gingen so Auf Hagens Helm die Schläge.264 Für tot ließ man ihn liegen. wenn der Teufel nicht selbst dich retten will! Doch Irings Waffe – Waske genannt – ein guter Stahl. Doch was ein Mann vermöchte. So strömte des Tronjers Blut zum erstenmal Als er die Wunde spürte an ihrer heißen Glut. das hat mich Giselher gelehrt!“ Er hielt sich still.

und schlimm vergalt er ihm dafür. Den hob er auf und zielte und traf den Gegner scharf. Sein Zorn wuchs in Gefahr. nun sei die Reih’ an ihm. das wär mir lieb!“ Iring. Etzels schlimmsten Gast. Er rief nach einem Schilde. daß Iring an Kraft ihm nicht gewachsen war. löste den Helm vom Haupt und ließ Sich kühlen von dem Winde. Die wuchtigen Hiebe schallten. zu vergelten ihm jeden Streich und Hieb. Sie möchte ich ersättigen! Käm er heran. Zu Leibe ging ihm Hagen.265 Das bißchen Blut. 2057–2064 . Es zeigte sich. Daß ihm die Stange ragend hoch aus dem Haupte stand. Die kleine Scharte schmerzt nicht. wund und leichenfahl. Er wog ihn und grimmig dachte er Damit den Feind zu treffen. der durch die Ringe quillt. Ein feuerroter Brand Stob aus den Helmen. Ein furchtbar Ende fand so der edle Held vom Dänenland. den Iring warf. Er rückte seinen Schild hoch und warf sich ungestüm Auf Hagen. Ringsum die Menge pries. doch überwand Ihn Hagens Schwert. ein Tropfen. der tödlich ihm verhaßt. Er sah vor seinen Füßen den Ger. ganz erglühend in flammender Begier. Der Markgraf sann: Noch einmal versuch’ ich’s kühn mit höchster Kraft. der Däne. Iring stand fest. denn Balmung schnitt wie ein Blitz von Stahl Durch Schild und Brünne. Doch Hagen war sein Meister. Daß Iring für den Gerwurf nicht Raum genug gewann. Er stürmte rasend an. Doch wähnte er noch einmal. Er sei vor allen anderen kraftvoll und heldenhaft. Dem aber galt kein Warten. den Tronjer. Nur um so grimmiger schwillt Die Lust mir. Ein langer scharfer Ger Ward ihm gereicht. Iring wich taumelnd. Den Stärksten aller Gegner.

wenn kämpfend ihr Hagen zu begegnen denkt!“ Sein Antlitz war erblichen im kalten Todeshauch. In roten Funken glitt Der Kettenpanzer nieder. Eh noch das Haupt entblößt Vom Helm. und neuer Streit begann. Der schlug so eisenhart. fallend im Angesicht Der Thüringer und Dänen. daß Irnfried fiel und schnell erblich. Von Hagens Hand sank Hawart. In brausendem Getose hub neu der Kampflärm an. Da drang es hageldicht Von Speeren und von Schäften auf beide Freunde ein. Die Freunde rings in Jammer und Tränen traf sein letzter Blick. Eh sie die Tür erreichten.“ Den Thüringern und Dänen vertraulich zugewandt. Der zwang die dänischen Männer. Irnfried traf auf den Spielmann. ward aus der Wunde die Lanze sanft gelöst. und eure Hand Wird Kriemhilds Gold nicht ernten. Aber des Spielmanns Strich Ging schneidend durch die Lüfte. Der tapfere Recke wehrte und sagte: „Weint nicht mehr! Gern hätte ich gedient Euch und Etzel lebenslang. Doch stärker als die Treue des Mannes ist des Todes Zwang. Daß jäh von seinem Hiebe der Helm Irnfrieds gespalten ward. In Tränen beugte Kriemhild sich über Iring her. 2065–2074 . schon nahte des Todes Wehgeschick. wie es uralter Brauch. Ihr wählt den Tod. Nun aber galt es Sühne. Die Dänen und Burgunden bekämpften sich Mann gegen Mann.266 Im Arm der Seinen lag er. mit ihnen tausend Mann. ward man im Kampf schon handgemein. Sprach er: „Vergeblich ist es! Gebt’s auf. Irnfried und Hawart kamen. Da sank er hin. denn das bleibt unverschenkt. Der Widerschlag des Dänen durchtrennte scharf und schnitt Die Eisenringe Volkers.

der wilde Lärm schlief ein. qualerfüllt. Hin sanken sie erschlagen. Bis in den Rinnstein floß es im Rauche heiß und rot. So schaute wartend er Nach Feinden aus. „Zurück! Dort finden sie.“ Es drangen nacheinander an tausend in das Haus. die tapferen Gegner. – sie blieben Herrn ob Not und Tod. Worum sie sich so lange gemüht. Dann ward es atemstille. Entgehen solle keiner von allen seiner letzten Not. Die Männer von dem Rheine. noch allzu früh! Nicht einer soll entrinnen! Zu blutiger Frucht gerät Die Saat nun. In die Dielenlöcher strömte das Blut hinein.267 „Geht in den Saal!“ rief Volker. Jammernd stand König Etzel. bald. Die Waffen glitten nieder. 2075–2080 . die Kriemhildes Todhaß in ihre Brust gesät. Mich dünkt. Nur draußen vor dem Haus Stand noch der kühne Spielmann. Da blitzte und erklang es von Klingen-Schwung und -Saus. es habe strenge verschworen sich der Tod. als ob er noch gar nicht kampfesmüde wär. Die Schwerter der Burgunden taten noch Wunder an Gewalt. in Tränen auch Kriemhild. Doch saßen sie und ruhten von Qual ermüdet aus. Die Frauen und Mädchen rauften die Haare.

War man um ihn schon bange. Da Kriemhild ihre Rache verlangte als Ertrag Des Leidens. Vergeblich immer höher wogte die Hunnenflut. und Dankwart sorgte gut. Doch sie erfuhr mit Etzel. schlugen noch. Die Herzen. 2081–2087 (2085) . wie hart ihr Sitz zu Ruh und Rast! Schon dunkelte der Abend. Wie die Königin den Saal in Brand stecken ließ „Nun bindet los die Helme!“ sprach Hagen. Der Tag sank. bewachen Trepp’ und Tür. was An Rachedurst und Trauer geweckt war. daß Rache nie zum Glücke führt. Er rang sich immer wieder heraus. Als solche Qual. der große Todestag. Nach Frieden aber lechzten all ihre armen Sinne doch. da scharten noch einmal Sich Tausende von Hunnen zusammen vor dem Saal. Sie saßen auf den Toten.268 XXXVI.“ Sie kühlten sich die Häupter nach all der harten Müh. Die Männer dachten. Und haben Etzels Mannen Gelüst nach neuem Streit. da wuchs im Saal die Not. „Aber wir. Ich und mein Kamerad hier. still verdämmernd. Wie schlecht der Wirt doch sorgte für seinen müden Gast! Wie leer und kahl die Tafel. so drückend auch die Last. ruhig und stumm wie die. besser sei selbst ein schneller Tod. Das war der Sonnwendabend. Die Tür versorgte Dankwart. die stolzen. schien er versunken fast. „Noch einen Sturm befehl’ ich!“ rief Etzel. Dann sichr’ ich euch und warne vor Überfall zu rechter Zeit. das die Ihren gezündet und geschürt. stärkte nur den Haß. Alles.

Was schlimm begonnen. Erfuhr ich nicht als erster des Hasses Übermaß. von Staub und Blut beschmiert.“ 2088–2094 . Wenn auch aschfahl das Antlitz. als gern gesehener. habe ich mit Absicht gefrevelt und woran? Als Freund. Mein Kind. möge zu Ende gehn versöhnt und gut. käme ich. Was ihr mir mörderisch wütend an Schaden zugefügt. Wo war ein Herz und Auge. Und gütiger Verwandten liebreiche Gunst empfinge mich. ist deine Freundlichkeit Zu gut nur kund geworden im Lande weit und breit! Von deiner Güte liegt ja das ganze Land verwaist. das tot. von solchem Leide ungerührt? Kriemhild und Etzel kamen. Mit allem Argen.269 Sie hofften. Der König fragte strenge: „Was wollt ihr von mir? Sprecht! Ihr möchtet Frieden schließen? Nur schwerlich tat ich daran recht. wahrhaftig. Wodurch meine Gefolgschaft ein tückisch Ende fand? Litt ich’s nicht unverschuldet? Vertrauend kam ich doch ins Land. Drum traten aus dem Hause die Könige.“ Doch vorwurfsvoll sprach Gunther: „Aus bitterer Not geschah’s. weswegen Ihr uns haßt. so laßt Ausgleichen. – Euch sollt’ ich schonen? Niemals! Versöhnung. Wärst du mit deinen Brüdern niemals vom Rhein hierhergereist!“ Mit Bitterkeit versetzte Herr Gunther: „Nun. und hinter ihnen weit Und weiter schwoll die Menge in Unermeßlichkeit. sie alle tot im Grab. Etzel leihe nur einmal noch Gehör.“ Sie sagten: „Ja. erschlagen von euren Händen liegt. Frieden lehn’ ich ab. Die Freunde. das uns Herr Etzel grundlos tut. so dacht’ ich. die Verwandten. was wir taten.“ Es fragte Giselher: „Wes klaget ihr mich an? Sagt. stolz und hehr.

Die Welt sah keine Helden wie diese Könige von Burgund. Fall’n sie in offenem Kampfe auf grünem Wiesenplan. dann seid Mit Freunden und Verwandten ihr alle schnellem Tod geweiht. Macht’s kurz. ich kam zu dir als Gast In brüderlichem Zutrau’n. laßt uns ins Freie gehn! Auf grünem Feld.270 Dem widersprach Herr Etzel: „Wer all mein Leid ermißt.“ Da bat Gernot den König: „Habt Ihr es abgesehn Auf Untergang der Unseren. Erkennt gut. Drum macht ein Ende. Schimpf und Hohn. Wenn sie nur atmen können. Im kühlen Windhauch wüchsen die letzten Kräfte doch. Nur eine Sühne will ich. daß Ihr uns bald von dieser Qual befreit!“ Die Hunnen hatten’s schweigend in Achtung angehört. mich aufzuopfern deinem Haß? 2095–2101 . geht ihr daran zugrund. „Laßt sie heraus! Es wird ja nur unsere Ehr gemehrt. Kein Wagnis ist’s. was Ihr uns Müden an Schlimmem zugedacht. was Ihr tatet zu meinem Schaden. daß es Eurem doch allzu ungleich ist.“ Doch zornig wehrte Kriemhild: „Gar schlimm geriet’ euch dieser Wahn! Meint ihr. Daß du mich hierher ludest.“ Da wandte Giselher sich einmal noch gefaßt An Kriemhild: „Liebe Schwester. Ermattet sind wir und todbereit. wo lieblich die frische Luft uns kühlt. Und wären meine Brüder allein am Leben noch. will Euren Tod als Lohn Für alles. Genug an frischen Kämpfern zählt Eure Übermacht. Ehrt Euch der Sieg und wird auch das Sterben leicht und frei gefühlt. es brächt’ euch Ehre. Womit verdien ich das. es wäre Heldenpflicht? Aufrichtig rat’ ich: Weigert es ihnen! Tut es nicht! Laßt ihr die Rachegierigen erst aus dem Saal.

“ Schroff wehrte Gernot: „Wären wir selbst auch tausend noch An Blutverwandten. Bis seine Tat gesühnt ist. So ritt ich im Vertrauen zur Schwester in das Land. – gut dann! Hier sind wir noch! Man hieß Treu immer einen Freund nur. Solang ich atmen kann. Dann sorg’ ich. gäben wir keinen einzigen doch Dir preis von unseren Mannen.“ Auch Dankwart schien das Schweigen nicht ziemlich mehr zu sein. versetzte Giselher. ungnadenreich Ward ich durch Hagens Härte. Daß keiner aus dem Saale dem Tod entrinnen kann. Und soll gekämpft sein. daß ihr anderen Etzels Versöhnung auch gewinnt. Denn wir sind ja Geschwister und einer Mutter Kind. „So wahren bis zuletzt wir die ritterliche Ehr. da uns Brüder doch gleiches Blut mit dir verband!“ „Verarmt bin ich an Gnade. In meinem Herzen barg Ich nie die kleinste Falschheit. da steht er nicht allein! Die solchen Frieden bieten. mein Bruder. da ’s an Gnade für Euch mir nicht gebricht. Denk’ ich auf Rache. verrieten unser Herrenamt!“ „Wenn wir doch sterben müssen“. Üb Gnade. der nie den Freund im Stiche ließ. die soll’n zu ihrem Leid Erfahren. Nie tat ich dir ein Arg. Büßen sollt ihr bis auf den letzten Mann! Gebt Hagen mir heraus! – Dann weigre ich Euch nicht Das Leben. „Wo Hagen steht. uns selbst zu retten. Dann zündet an vier Ecken den Saal an! Drin erstick’ Ich Hagens wilden Hochmut. Wir stürben allesamt. mit ihm mein ganzes Wehgeschick!“ 2102–2109 .271 Von je war ich getreu dir. und nimmer werd’ ich weich. Eh wir. wie er ihnen zu eigenem Schaden nur gedeiht. Und hart.“ Da rief Kriemhild: „So treibt sie zurück die Trepp’ hinan.

Von Flammen rings umhüllt. trank er’s in langem Zug. Sie schrien laut und riefen: „O weh der grausen Not! Viel lieber lägen draußen wir nun. wen die Glut Und Qual des Durstes nötigt. erschlagen. wer draußen nicht erlag. – nicht einer löste sich Vom anderen los. Zurück wich nach dem Saale. den uns Herr Etzel bot? Nun denn. Verbargen sich die Armen verzweifelnd hinter ihrem Schild. Die Männer standen drinnen. es dünkte ihn doch gut genug. Der Wind blies in das Feuer. So ungewohnt es schmeckte. Herr Hagen!“ so sprach der durstige Mann. unerschütterlich. der trinke hier das Blut! Das ist in solcher Hitze viel besser noch als Wein. Die Treue stand trotzig. Er setzte seinen Helm ab und fing das Blut darin. wo labend ein guter Tropfen rann.272 Noch einmal schwoll es tosend von Lärm und Schuß und Schlag. „Daß ich erfuhr. So kann es denn einmal heut nichts Besseres sein!“ Es kniete einer nahe an einen Toten hin. so mag das Leben in dieser Qual vergehn. „Das dank Euch Gott. Und wie es floß und strömte. Hätt’ ich nur solchen Durst nicht in dieser Hitze auszustehn!“ Da rief Hagen von Tronje: „Ihr Ritter. Denn heut erfüllt Sich furchtbar an uns allen der Zorn der Königin Kriemhild. gedenk’ ich es Euch lebenslang!“ 2110–2116 . tot! Erbarm sich Gott! Verloren sind wir.“ Und einer rief laut jammernd: „Das Ende kommt! Der Tod! Was hilft der schöne Willkomm. Da hieß Kriemhild die Knechte anstecken Saal und Haus. umflammt von Glut und Graus. Habt Dank! Leb’ ich noch eine Weile. Die Fürsten und die Mannen. So guten Wein wie diesen trank selten ich. Die Zeit ist schlimm.

noch einmal trotzt und wehrt Und kämpft bis auf das Letzte. als es das Sonnwendfest der Schwester war. da sie des Blutes Lob gehört. Schützt euer Helmgebände! Und fällt herab ein Brand. von Hitze fast versengt. gepeinigt. Und wie von einem Wunder ward ihre Kraft gemehrt. Dann tretet mit den Füßen ihn in das nasse Blut. wie’s unsere Heldenehre wert. begegnen wir rasch mit sicherem Hieb Und zeigen ihnen. Ein schönes Fest. Den scharfen Blick zum Feinde. Barg sich ihr Leib. daß hier doch mancher noch am Leben blieb. so hielten beide wacker stand. der Tag beginnt. Schon halb erstickt vom Rauche. gab Gott uns gnädig zu leben Tag und Jahr Und schönere Feste. Da mahnte Hagen: „Drängt euch dicht an des Saales Wand. zu dem uns die gütige Hunnenkönigin lud!“ So litten sie. So feierten die Männer ein grausiges Gelag. Auf allen Seiten drohend von gierigen Flammen eingeengt. Noch hielt der Spielmann draußen mit Hagen treulich Wacht. bis endlich der Dämmerung wich die Nacht.“ Es seufzte Giselher: „Mir scheint. die Waffen in der Hand.273 Auch andere tranken. Schön wär’s. Und kommen sie. Doch vielen edlen Frauen ward später es zum Trauertag. Und wenn er auch nichts Besseres uns Armen bringen mag. Da riet zur List der Spielmann: „Nun gehn wir in den Saal. von Todesnot geschreckt.“ 2117–2123 .“ Darauf erwidert’ einer: „Rot steigt herauf der Tag. Gelehnt auf ihre Schilde. Dann wähnen uns die Hunnen besiegt von dieser Qual. Schon weht herein vom Felde ein kühler Morgenwind. Noch einmal nehmt die Waffen. Dicht fielen Feuerbrände. Allein vom Schild gedeckt.

Was Kriemhild zugesagt. 2124–2132 (2125) . im Überflusse warf Kriemhild es hin. Und dennoch todbereit – Da nirgendwo mehr Gnade zu finden – ging ihr Sinn Auf Rache für ihr Sterben als ihren letzten Ehrgewinn. sie wären gesund trotz aller Pein. Ein starker Bann von Männern. kam zur Tür. Was einer sich nur wünschte. Die Schilde krachten von der Wucht. so hoffte Etzel. und kommt heran! Nur näher! Soll’n wir sterben.274 Nun sei. Sie sprach enttäuscht: „Wie sollte solch Wunder möglich sein? Wie hätten wohl die Männer vor dieser Feuersnot Ihr Leben noch gerettet? Verbrannt sind sie gewiß und tot!“ Zwar sehnten die Burgunden in ihrer Müdigkeit Nach Frieden sich und Gnade. sechshundert oder mehr Burgunden lebten. Doch seine Wache sagte. Ihr Mut war nun geschwollen. Versprechungen und Gaben. Im ersten Tageslichte begrüßten schon von fern Die Hunnen sie mit Speeren von Etzel. ihrem Herrn. ein überreicher Sold. Kriemhild erfuhr. Sie machte die Hände reich. die mit Golde erhöhen ihren Mannesmut!“ Und andere riefen: „Macht es nur kurz. Was Etzel wünschte. Da rief der Spielmann höhnisch: „Schaut her! Wir sind noch hier! Nie brannt’ ich mehr aufs Fechten. hoch aufgehäuftes Gold. In breiten Schilden rotes. von Feuers-Glut und -Qual. Zu züchtigen. wird nicht ein einziger Mann Hier weichen von dem Platze!“ Da schwirrte eine Flucht Von Geren durch die Lüfte. Von Wundennot erloschen das Leben in dem Saal. Nie traf es sich so gut. – Leben und Leib ward mutig dran gewagt. die Herzen scharf. fähig noch immer harter Gegenwehr. gewaffnet.

Das rote Blut Rann stromgleich. Dort brach ein Freundesauge in allerletzter Not. Die tapferen Männer Etzels – sie sanken alle in den Tod. dennoch kühlten an ihren Feinden sie den Mut.275 Was soll ich noch erzählen? Zwölfhundert wagten sich An Haus und Saal. 2133–2134 . So wogte unentschieden der Kampf. wich. An manches Herz griff gierig der schneidend scharfe Stahl. Hier trug ein Freund im Antlitz ein blutig brennend Mal. Die Menge schwoll an und ebbte.

indes sein Auge überfloß. Laut tadeln sagte er Zur Königin: „Seht den Markgraf. daß eine Mutter“. so rief er. Wie beiderseits man willig das beste Blut vergoß.“ Sein Mitleid trieb ihn bittend zu Dietrich: „Zügelt Ihr. Dem doch die größte Macht hier bei Etzel zu Gebote steht! Zahlreiche Mannen folgen gehorsam seinem Ruf. ihn soll nicht kümmern. So hart die anderen kämpften. Mir scheint. In dieser Not vergaß wohl sein kühnes Herz Herr Rüdeger!“ 2135–2140 . den einzig des Königs Gnade schuf. Wie man verzweifelt stritt. Die Könige zu retten. so viel er haben mag. „mich gebar! Ist dieser Haß und Jammer denn ganz unwandelbar? Wie gern ich Frieden schüfe. Wenn es nach seinen Wünschen ihm selber gut ergeht. wie er heut müßig geht. des Hasses wilde Gier!“ Doch der von Bern versagte sich ihm: „Wer möchte noch Abwenden das Verhängnis. Ihm brach das Herz in Trauer. wie kaum sich Rüdeger Erwehrte seiner Tränen. Da er die liebsten Freunde in mörderischem Kampf verliert. Reich sein Besitz. als sonst kein anderer mehr. „Weh mir. kühner sei er. Wie Markgraf Rüdeger erschlagen wurde Den ganzen Morgen hielten die Armen stand.276 XXXVII. Etzel bleibt ungerührt. will Etzel keinen Frieden doch!“ Da sah ein Hunnenführer. was auf dem Spiele steht. Da litt Es Rüdeger nicht länger. Man preist ihn. An Burgen und an Gütern. er tat nicht einen einzigen Schlag.

Gilt Eure Treue nun nicht mehr? Ich mahne Euch des Eides. Nun ist es Zeit! Nun seht Ihr mich armes Weib in höchster Not!“ 2141–2149 . dem Lügner. Ich führte als Geleitsmann sie selber her ins Land. warum ich von Leid und Trauer elend bin? Mit Arm und Herzen hätte ich gern gekämpft wie ihr. den vielgetreuen Mann! In Zorn und Trauer blickte er jenen Schwätzer an: Dich soll’s gereuen. selbst Leben. Leib und Ehr? Euch pries man als den Treu’sten. zu laut gesagt! Es ballte sich die Faust ihm. nennst du mich feige und verzagt? Du hast hier deine Sprüche.277 Wie traf das böse Wort ihn. nicht in Feindeshand!“ Etzel verwies mit harter Scheltrede Rüdeger: „War dieses deiner Hilfe die einzige Gewähr? Ist unser Weh und Elend nicht so schon groß genug? Mehr war nicht nötig! Wenig half mir. Hätt’ ich nur Grund zum Hasse! Doch sie vertrauten mir. als Ihr mich dermaleinst gewannt Und Euren Dienst versprächet. Er warf mir vor. die ihm. Und meine Waffe liegt ja in Freundes-. Sein Manneszorn erbrauste: „Du feiger Wicht. fahr hin! Was weißt denn du. ich trüge zu Unrecht Gut und Ehr. die tausend niederschwang. bis einer von uns tot. zum Schaden dir. Alles für uns zu wagen. Die ich in reichem Maße aus Euren Händen nahm. Verleumdung war es. die als Pfand Ihr mir geschworen. der Freundschaft. der meinen Mann erschlug!“ Der Markgraf sagte traurig: „Sein Tadel traf mich schwer. Daß tot der Hunne nieder vor seine Füße sank. etwas schlecht bekam!“ Auch Kriemhild kam und klagte in Tränen: „Habt Ihr nicht Gelobt und zugesagt mir als Eure Treuepflicht.

nur komm zu Hilfe mir. Und dann laßt mich am Stabe zu Fuße in die Fremde gehn!“ Unmutig wehrte Etzel: „Dein Leben geb’ ich dir Zu eigen. Der edle Sinn. die Treue. Nun laß den rechten Weg mich erkennen. daß ich Gottverlassener in dieser Welt noch bin! Das Höchste. Des heiligen Eides denke.“ Sie bat: „Gedenke. Um Euretwill’n zu wagen das Leben. Gott im Himmelreich!“ An Etzel wandte bittend der edle Markgraf sich: „Herr König. daß es dich nie gereu. nehmt in Gnaden zurück.278 „Das leugn’ ich nicht. dein Manneswort bereit!“ – „Das hielt ich!“ sagte Rüdeger. Was ich nun tu und lasse. „war ich getreu doch allezeit!“ Inständig bittend fleht’ ihn der mächtige Etzel an. Ich habe geschworen. vom gütigen Gott verliehn. Wie sollt’ er tödlich hassen. Mit seinem Weibe fiel er aufs Knie vor seinem Mann. edles Weib. Die Seele zu verlieren. da mir alles gleich schändlich gilt. der alten Lieb und Treu. was die Feinde mir taten. schelten sie alle mich zugleich. – das aber schwor ich nicht! Ich hab’ sie hergeleitet. Burg und Länder. Die Hände rang der Markgraf. Und laß ich beides. das ich hatte. die Ehre ist dahin. bis in den Tod betrübt. keines von beiden stillt Mir das Gewissen. Burg und Lehn. die ehmals er so heiß geliebt! „Weh. Ja. die Lande. Rüdeger. – dann wahrlich. Nimmt er mir die. womit Ihr mich Beschenkt habt! Nehmet alles. mein Leid zu rächen. Einst war. um schnelles Sterben bitt’ ich ihn. Ehr und Leib. sei belehnt Mit höchster Macht und Würde! Als König sei mit mir gekrönt!“ 2150–2158 (2155/56) . ihr Schutz ist meine Treuepflicht. rächst du.

der deinen König brennt. die teuer dir und lieb! Auch trau’ ich meinem Glücke. erledigt wird heut mein Lehen. Den Freunden hab’ ich niemals den Frieden aufgesagt. an Glück mir einst gewährt. das traf dich und all die Deinen mit. „Laß mir die Sorg’ für alle. Was ihr an Gunst und Güte. und nun – schlüg’ ich die Freunde tot? Leicht tadeln mich die Leute. im Wahn.“ 2159–2165 . Um seine Sache stand es – so wähnte Etzel – gut. Mein Kind verlobt’ ich Giselher zum Ehgemahl. Aus Freundesherzen bot Ich ihnen Gastgeschenke. Zurück zahl’ ich es heute. Zu allem Jammer ward ich mit den Burgunden nah verwandt.279 Noch einmal flehte Rüdeger: „Weis mir den Weg dazu! Ich lud sie in mein Haus ein zu Gast. Ich weiß. noch heut entgilt Mein Leib die Königsgnade von Etzel und Kriemhild. was ich litt! Was Etzel traf. Drum leg’ ich Eurer Gnade ans Herz mein Weib und Kind Und meine armen Leute. Verbunden bin ich ihnen fest durch ein liebes Band. daß es dich schützt vor Schlag und Hieb. wo sich mit Glut und Ehr Die Zucht und Treue einte. in sicherer Ruh An meinem Tisch zu essen. Hat er als rechter Herr dir doch alles Gute einst gegönnt!“ Da fügte sich der Markgraf: „Ich weiß. Erbarme dich des Jammers. Wo höhere Tugend glänzte. Das ist ein tapferes Sterben wert. Rüdeger!“ sprach Etzel frohgemut. Burg und Land Durch meinen Tod von eines getreuen Freundes Hand. ich sei verzagt. Nie träfe in der Welt sie eine bessere Wahl. die dort in Bechelaren sind!“ „Gott lohne es dir. wie in dem jungen Giselher!“ Da widersprach ihm Kriemhild: „Gedenke.

die sich heute gar herrlich offenbart! Euch hilft die Braut. das Schwert blank in der Hand? An uns gewinnt der Markgraf vom Könige heute Burg und Land. Sie dachten nicht an Sterben. wenn er liebt. wie ungern ich den Frieden brach!“ Der Markgraf ging entschlossen. todtraurig an sein Amt. die Hand vor Augen. Da schritt in Helm und Waffen Herr Rüdeger voran. Wie sollte er wohl anders den Waffengang verstehn? Das konnte nur bedeuten.280 Wie auf der Waage prüfte da Rüdeger Seel’ und Leib. Doch Giselher sah freudig den lieben Schwäher gehn. als harrte nicht schon ihr Geschick. verhängt ist ihnen Kampf und Streit!“ Gewaffnet ward der Markgraf. in Händen die Schwerter. Knecht und Mann. Da sagte er: „Nun will ich erfüll’n. doppelt lieb ist mir nun das schöne Liebesband!“ Der Spielmann mahnte: „Was Euch so frohe Hoffnung gibt. Trübe. Und hinter ihm. mit ihm fünfhundert Mann.“ 2166–2173 (2168) . die einst ich in Bechelaren fand. rief er frohgemut: „Wünscht Glück mir zur Verwandtschaft. es ginge alles gut. Wahrhaftig. Von ihren breiten Schilden kam heller Widerschein. Zwölf starke Helden schlossen sich ihm zur Hilfe an. In seiner Nähe harrten die Seinen allesamt. „Alle meine Leute! Zum Kampf! Es kam die Zeit. Kommt einer in Waffen. sah Volker in den Glanz hinein. Die hofften Preis und Ehre und rasches Siegerglück. Das weiß ich nicht. Doch weinend stand vor ihm Etzels Weib. Was schwerer wog. was ich versprach! Erführen nur die Freunde. die uns auf dieser Fahrt Geschenkt ward. Die lieb einander waren. Im Helm und fester Brünne. Da kamen Freunde! Hilfe erwartend.

So bleibt mir keine andere Wahl. daß ihr meines Angriffes euch erwehrt! Zwar Schutz war ich euch schuldig. rief Gunther schmerzbewegt. da stand Herr Rüdeger Draußen vor dem Hause. hört! Ich mahn’ euch. Den guten Schild vom Arme setzt’ er an seinen Fuß. [dafür!“ Aufkünd’ ich euch die Freundschaft! Nehmt Kampf und Feindschaft nun Vor seinem Wort erschraken. Der alten Treu gedenkt! Schenkt uns nun auch das Leben zu allem. Stumm erst verharrte er. Dann hallte seine Stimme: „Ihr Nibelungen. der Euch aus treuem Auge sah!“ „Hört auf! Ich kann nicht anders! Wie gut es mit uns stand. Wenn schon der Feind im Sturme sie zur Verzweiflung trieb. Euch müßte Gott es lohnen. „Daß Ihr der Huld entsagtet. Steht ab. doch nun schützt euch vor mir. dann wehrt euch! Mir befahl Den Kampf die harte Königin. Das kann nicht sein. „Das mag doch Gott nicht wollen“.281 Kaum endete der Spielmann. „doch zu spät! Da doch so frisch die Liebe. die Ihr für uns gehegt. was Euer Herz uns bot. Nun kam der Freund! Kampf galt es mit dem. Statt Hilfe war den Armen nur größere Not verhängt. sprach Gunther. so fest die Treue steht. Kein Trug war’s. was Ihr schon geschenkt!“ 2174–2180 . Als Ihr ins Land uns brachtet. Ich gab mein Wort zum Pfand. die schon genug bedrängt. Es kann nicht sein. Auf Eure Lieb und Treue verließen wir uns ja. was ihnen nur gefiel. Nun muß ich mit euch kämpfen.“ „Ihr kündet uns den Kampf an“. Er mußte gar versagen den lieben Freunden Wort und Gruß. Ihr schenktet ja den Meinen. Ist euch das Leben teuer. und laßt uns leben! Wir danken Euch so viel. Ihr sinnt nicht auf Untergang und Todesnot. der ihnen einst so lieb.

Wenn meiner sie beraubt sind. So leid es mir auch wäre um Euch und Euer edles Weib. Doch wenn zu solchem Hasse Euch Eure Feindschaft trieb’. geschützt in der Burgunden Hut.282 „Ach. eh ich euch hier besteh. Wohl nie erfuhren Helden von einem Freunde solches Weh!“ „Das Schwert mag Gott Euch lohnen“. Daß meine edlen Brüder hinsänken. Herr Gernot. Es liegt von seiner Schneide manch einer tot. Mit Eurem eigenen Schwerte ging ich Euch an den Leib. Versagt hat er im Kampfe nicht ein einzig Mal.“ „So möchte Gott es fügen. Bewahrt es. sprach Giselher. 2189) . Herr Rüdeger? Gedenkt Ihr denn nicht mehr. die mir von Euch verliehen ward. Was Euer Herz vermag. So hart Und herrlich ist die Waffe. Daß Eure schöne Tochter durch Euch zu früh zur Witwe wird!“ „Nein“. die hier noch übrig sind. „diesen Stahl.“ Zum Markgrafen gewendet. Ihr wärt mit Giselher am Rhein. ihr lieben Gunther und Gernot. Wenn Ihr jedoch nicht ablaßt und ernstlich darauf sinnt. und wäre selber mir Der Tod verhängt. „Gott gönne Euch den Tag Der Rückkehr nach dem Rheine. bliebet Ihr Verschont mit Euren Freunden. sagte Rüdeger. von Eurer Tochter scheid’ ich mich. „sie war mir lieb. versetzte Giselher: „Was wollt Ihr tun. daß die Jungfrau Ihr nicht entgelten laßt. Wie wir Euch zugetan sind? Wie Euer Herz doch irrt. Die Freunde uns zu töten. und ich war tot. sage ich Mich los von der Verwandtschaft. sprach Gernot.“ 2183–2191 (2181/82. Was ohne Haß im Herzen ihr Vater tat an Freund und Gast!“ „Sie war es wert“. Wär ehrenvoll gefallen. wollte Gott. dann wüßte ich Weib und Tochter gut.

die ihn vor Todgefahr Beschützen sollte. Der Schild.283 „Nun. vieledler Rüdeger. nimm ihn und führe ihn gesund Im Andenken an Rüdeger heil in die Heimat nach Burgund!“ Wie rauh und grimmig Hagens Gemüt und Art auch war. Rüdeger! Ein solch herrlich Geschenk Wird niemals einem Helden künftig zum Angedenk. Er hob den Schild.“ „Aushelfen möcht’ ich gerne dir gleich mit meinem Schild. Der wurde mir in Stücke zerhauen hier an meiner Hand. Den du da trägst am Arme. Dann brauchte ich in Zukunft wahrhaftig keinen Panzer mehr. Und den in Fried’ und Freundschaft ich führte in das Land. rührte sogar sein hartes Herz. Doch ist ein solcher Jammer jemals erhört wie der. Daß Freunde sich bekämpfen? Ob das wohl Gott verzeiht?“ Der Markgraf sagte traurig: „Auch mir ist es von Herzen leid. Daß solche Mannestugend – Gott füg es! – nie verfällt! An Euch wird man ermessen den Heldenadel in der Welt. An anderer Mühsal trugen wir schon hart und überschwer. Was hilft denn dem Könige dieser Freundesmord? Schwer bin ich in Bedrängnis. Gewänne ich – dem Himmel Dank sagte ich dafür! – So einen Schild zum Schutze für mich wie diesen hier. der mich bewehrt’. Dürft’ ich es hier nur wagen im Antlitz von Kriemhild! Doch sei’s! Hier. Die Helden rings in Tränen verharrten stumm in wehem Schmerz. „Der Himmel lohn Euch. Den mir Frau Gotelinde als Gastgeschenk verehrt. dann sei Gott uns gnädig!“ schloß nun Rüdeger. Hagen. Die edle Gabe Rüdegers. das Schwert hoch zum Sturm.“ 2192–2200 (2197) . Wie Hagen rief: „Halt ein noch! Vernimm ein letztes Wort! Uns zwingt die Not. da hörte er.

Nur Gernot blieb Mit Gunther eng zusammen bedacht auf Hieb und Gegenhieb. Und wie es Hagen tat. ich richte gern Eure Botschaft aus. kehr ich gesund zu ihr nach Haus. 2201–2208 . Erschlüget Ihr auch alle die Unseren aus Burgundenland. Seid unbesorgt. Die sollte ich hier tragen beim Sonnwendfest. sprach Rüdeger. Sein Schwert im Niederschwung Traf hier und dort und hieb sich durch Schild und Helm und Panzerung.“ Nach diesen Worten raffte Herr Rüdeger den Schild. nimmermehr Hebt gegen Euch sich meine so reich beschenkte Hand. Ihr seid Mein Zeuge. In Bechelaren habt Ihr uns gewonnen. Jetzt harrte er nicht länger. Gelobe ich das gleiche. Auch Giselher vermied noch den Kampf. Der Vater aller Mannestugend starb mit Rüdeger. Volker und Hagen wichen. Rüdeger! Wie Euch begegnen mögen die anderen. goldenrot.“ Der Markgraf neigte tief sich in ritterlicher Art. als Ihr uns Eure Gastgeschenke gabt. Die beiden standen gut Zu ihrem Wort. Auch Volker vor dem Hause versprach: „Mein Kamerad Hat Frieden Euch geboten. wollte Gott“. „sie könnte mehr Euch an Geschenken geben bei Eurer Wiederkehr. daß ich treu sie in Ehren trug in Kampf und Streit. Ihr sollt mein Bote werden. Seh ich sie einmal wieder. Wurde doch nichts an Leid erspart Solch edlen Männerherzen! Der Hüter stolzer Ehr. lieg’ ich erschlagen tot. So blieb denn die Türe ohne Hut. Mir schenkte Gotelinde Armringe. Da weinten viele.284 „Für diese Gabe dank ich Euch ewig.“ „Ach. Er sprang und raste wild In heldenhaftem Ansturm.

„Wollt Ihr mir keinen lassen?“ So rief er Rüdeger an. „Das kann ich nicht mehr ansehn. Durch Gernots Eisenhaube. Das Gastgeschenk des edlen Rüdeger erzwang Durch Schild und Helmgefüge sich einen Weg und drang Tief in den Hals dem Geber. Sie schonten keinen anderen als nur den einen teuren Mann. dem schwollen Zorn und Wut. Traf den Burgunderkönig zu Tode. hob der zum Gegenschlag den Stahl. ein heißer Feuerbrand. Hei. Herr Rüdeger. – Die Ehre war im Spiele – stand Gernot gegen Rüdeger. Wohl wies sich Rüdeger gewandt und stark genug. Hagen rief klagend: „Mancherlei Unheil geschah. Nun griffen auch der Tronjer und Volker grimmig an. rot sein Pfad. ich zahle Euer Schwert. der kein Erz widerstand. Da schlug man aus den Schilden viel Spangen und Gestein. sank der Mann Der schönen Gotelinde. doch keinen betrau’r ich mehr als diese zwei. Ward eine Gabe jemals schlimmer gedankt als die? Gernot und Rüdeger beide. wen er alles schlug! Doch einer war. Da stürzte. Zum Schutz die Schneide quer. der Preis des Gastgeschenkes wär’t!“ Da schlug sich durch die Menge der Markgraf. Kommt erst zu mir heran! So teuer es zu stehn kommt. Eh ganz das Blut verströmte. Rings sinkende Burgunden. bis er Gernot genaht Bis an den Leib im Sprunge. Und wenn Ihr selbst. – im Kampf erschlugen sie Sich gegenseitig. Den starken Gernot reizte ingrimmig das vergossene Blut. So kühn wie gut bewaffnet. daß Blut und Leben rasch zerrann.285 Die Mannschaft Rüdegers sprang schützend hinterdrein. Dann blitzend fuhr die Klinge.“ 2209–2222 (2212–2214) . der sah es. Noch einmal.

nicht mehr lange gönnt. sinnend. Nun schwankt er und verhandelt mit ihnen. Dürft’ eine solche Königin ich einer Lüge zeih’n. Rüdeger hätte unsere Qual gerächt. so fürcht’ ich. Will er gar Als Freund sie heimgeleiten? Untreu und schändlich war’s fürwahr!“ Das hörte Volker: „Leider betrügt Euch falscher Schein. „Hier hat der Tod geerntet. Die Not wuchs. – Die lange Stille weckte Herrn Etzels Angst. und waffenmatt die Hand. als es drinnen zu neuem Kampfe kam. Daß sich die Panzer kühlen. Da Gott uns doch das Leben. Kampfmüde alle. Nie mehr versöhnt sich Rüdeger! Der Tod nur hindert ihn daran. was sich im Haß geliebt. wo tot im Saal Die besten Männer lagen. Mit Giselher und Gunther ging Hagen noch einmal Wie Volker auch und Dankwart dahin. Nahm er die Bechelarer sich alle zur Gefolgschaft mit. In tiefem Jammer standen sie um die beiden Toten her. 2223–2230 . Der Tod ging auf die Suche. Gernot und Rüdeger. Was soll noch Schlimmeres kommen? Wie geht dein Tod mir nah! Mit dir und Rüdeger liegt Ehr und Treu beisammen da. darin das Blut uns brennt. Tot lagen Rüdegers Helden. Der Lärm erstarb im Weh. der lehnte an der Wand.“ Auf seinen toten Schwäher sah Giselher voll Gram. „Nun laßt den kühlen Windhauch herein und weint nicht mehr.286 „Mein armer Bruder!“ klagte Giselher betrübt.“ Der eine saß und ruhte. Wohin er trat und schritt. Da zürnte jäh Die Königin: „Sie ruhen! Wie dienen sie uns schlecht! Wir hofften. Teuflisch verleumdet hättet Ihr diesen edlen Mann. „Wie arm der Tod uns machte!“ so seufzte Giselher.

Nun sucht und seht Euch um nach einem anderen. zerschunden und zerhau’n. Er hat Euch bis ans Ende gedient. die Schmerz und Qual ihm lieh. Sie sah’n. ob’s besser dem vielleicht gerät! Wollt Ihr es mir nicht glauben. so mögt Ihr selber schau’n!“ Man trug den toten Helden. Ein schreckensvolles Bild war’s.287 Gehorsam tat er alles. wie man den Toten hoch auf den Schultern trug. Wie ungebärdig weinend. 2231–2234 . wehklagend Weib und Mann In wildem Schmerz um Rüdeger vor Herzeleid zu schrei’n begann. was Etzel ihm gebot. Er und die Seinen alle liegen im Saale tot. Und heiße Tränen weinte Kriemhild. Der Jammer übermannte den König. Etzel schrie Mit eines Löwen Stimme. vom Gram verzehrt. Der Anblick überkam Mit Grausen König Etzel und mit Erschütterung und Gram. – Noch heut gilt Rüdegers Treue als höchster Ruhm und Manneswert. Kein Schreiber zu beschreiben ist wohl kunstreich genug.

so scharf. was Ungeheures im Saale ist geschehn. Wie Herrn Dietrichs Helden erschlagen wurden Der Schall des Jammers gellte zurück von Turm und Wand. Erhält er eine Antwort. der ihm zur Seite stritt. Verwandter. Der hörte. War Rüdeger doch den Gästen vereint in Gunst und Huld. Zu sehn.“ So böse Nachricht brachte Helphrich seinem Herren mit. der Kühne. drängte: „Laßt mich hinuntergehn. War keiner doch wie Rüdeger mit Leib und Seele uns getreu!“ 2235–2246 . Erschüttert rief der Berner: „War das gefügt von Gott? Das hat der üble Teufel verübt in höhnischem Spott. wie es stand: „Gefallen ist Herr Rüdeger von der Burgunden Hand. daß sie ihm nicht behagt. Sei Kampf auf Tod und Leben den Fremden angesagt! Ertrügen wir’s.“ Er sandte Helphrich eilends.“ Doch Dietrich sprach: „Wenn jene ein Übermütiger fragt. Ihr Herzensfreund. Nicht einer ist am Leben. die Schande und Schmach war ewig neu. Laßt sie in Ruh! Gewähret in ihrer letzten Not Den Frieden bis zum Tode.288 XXXVIII. den ich den edlen Männern bot. Ein Amelunge nahte: „Von Schmerzen übermannt Schrei’n sie mit schrillem Wehlaut furchtbar vom Saale her So schreckensvoll. als ob dort der König selbst gefallen wär. und ohne alle Fehl und Schuld.“ Wolfhart.“ In Wut aufwallte Wolfhart: „Wenn jene das gewagt. – Welch anderes Unglück klagte mit solchem Wehgeschrei!“ Dietrich von Bern versetzte: „Was auch die Ursach’ sei.

„Die Mannen Dietrichs sind es. Und wie er da. Mit einer höhnischen Antwort nur kehrt Ihr wieder her. Nun wird’s uns Armen schlimm ergehn!“ Im nächsten Augenblicke erschien auch Hildebrand. Zu sehn. stand. Eh er’s verhindern konnte. wie es stand. Drum rief er Hildebrand her. den Schildrand an seinen Füßen. Begann er: „Was geschah hier. kamen nach altem Brauch Gewaffnet Dietrichs Mannen.“ Da fügte sich der Alte und nahm die Männer Dietrichs mit. Viel lieber wär allein er gegangen ohne Mann und Knecht. Auf ruhige Begegnung und nicht auf Kampf bedacht.“ Und wie ihm riet der Junge. wie sein Neffe Wolfhart ihm einen Vorwurf macht’: „So ohne Wehr und Waffe geht Ihr den üblen Gang? Seid sicher. noch Schild in seine Hand. so tat der Alte auch. Der Spielmann an der Treppe erblickte sie von fern. Er fragte. daß ihr es nicht ertrugt! Was hat der edle Rüdeger getan. wo Ihr bleibt.289 Der Amelungenkönig. Nehmt Schild und Schwert. Kampfkühn genug und furchtlos war Meister Hildebrand. sie erwidern Euch das mit schlimmem Dank. dann hüten sie ihre Zunge um so mehr. Saß unruhig und traurig an einem Fensterrand. der sollte selber gehn. was bei den Gästen im Saale Schlimmes sei geschehn. daß ihr den Mann erschlugt?“ 2247–2254 . unsicher. Zwar war es ihm nicht recht. „Die Berner kommen!“ rief er. Wie mancher das von seiner gewandten Zunge litt. Damit nicht seine Späße der Tronjer mit Euch treibt. So nahm er weder Waffe. Vernahm er. was sie wollten. In Wehr und Waffen sind sie. „Wir bleiben. zu warnen seine Herrn. Sie wollen uns bestehn.

was wir als Lohn und Dank Ihm schuldig sind für alles. Burgunden. es drückte mich doch kein größer Leid! Wer soll sein Weib nun trösten in ihrer Herzenstraurigkeit?“ Zornmütig fragte Wolfhart: „Wer führt uns künftig an Und reitet auf der Heerfahrt dem Zuge kühn voran. Der Heimatlosen Tröster. und die sie ihm bewahrt. soll er zu unserer Ehr Im Tode noch genießen. Um seinetwill’n. wünscht’ ich. er stünde hier. von Seufzern halb erstickt: „Uns hat mit dieser Bitte Herr Dietrich zu euch hergeschickt. Dann sagte Hildebrand. den toten Rüdeger! Im Leben unsere Freude. Die Rüdeger uns schenkte als langer Qual Gewinn. wie er uns treu war lebenslang. Wolfwin. des Teuren. niemals mehr Zieht er als stolzer Führer vorn an der Spitze vor uns her!“ Wolfprant und Helphrich beide. Es werden Frau’n und Männer beweinen ihn wie Ihr und wir Als sie die Wahrheit hörten. die er ihnen. er ging mit Rüdeger dahin!“ Ein anderer Amelunge. Von ihrem Schmerze rannen die Tränen über Kinn und Bart. Euch löge ein Gerücht. Gebt uns heraus. Wie gerne ich Euch gönnte. mit ihnen auch Helmnot Und alle ihre Freunde beweinten seinen Tod. Der Berner Herzog Sigestap sprach trüben Blicks: „Nun ging für uns zu Ende die Zeit des reinen Glücks. Sie jammerten und dachten der reichen Herzensgut’. 2256–2262 (2255) . Wie es der Markgraf manchmal getan? Ach. Der Treue. rief todbetrübt: „Wie sehr ich meinen Vater als guter Sohn geliebt. Säh’ ich ihn tot.290 Da sprach Hagen von Tronje: „Die Kunde trog Euch nicht. schnitt sie in ihr Gemüt.

wie es leider im Leben uns nicht mehr gelang. wenn’s euch nicht an Mut dazu gebricht.“ Da sprach der König Gunther: „Kein Dank. daß wir die teure Last Wegführen. Reizt uns nicht schlimmer noch! Euch weh zu tun. Kommt her! Mit vielen anderen liegt Rüdeger hier im Blut. Woll’n wir zum Grabe führen den Helden. Das ist nicht Art der Helden! So denkt und spricht ein Knecht!“ Das Wort des Kameraden schien Hagen gut gesagt und recht. daß unsere Ehre Euch solchen Hohn nicht übelnimmt!“ 2263–2269 . das ist nicht unsere Art. ihr habt uns doch Genug getan an Schmerzen. beständig und bewährt. Herr Dietrich hat uns den Kampf mit euch versagt. Den eure Hand uns raubte. Als den ein Freund dem Freunde nach seinem Tode tut. „Mut auf Verlangen zeigen. Was man ihm nicht erlaubt hat. kein Dienst so gut. dem mangelt es an Mut. wie es ihm gebührt. Wir dürfen’s nicht. Wenn er uns nicht mehr führt. wenn ihr das für den Helden tut!“ Der kühne Wolfhart zürnte: „Gott weiß. geht heimwärts Eure Fahrt.“ Darauf versetzte Volker: „Kehrt um! Wir tun es nicht! Holt ihn euch doch. Würd’ Euer Saitenspiel auch arg dabei verstimmt.“ Der Spielmann höhnte spöttisch: „Wer niemals etwas tut. Habt acht.“ „Wie lange soll’n wir warten und flehen? Macht ein End’!“ Sprach Wolfhart. Das wär der rechte Dank erst. und die Freundschaft im Tode ihm mit Dank Erwidern. „daß ihr endlich den letzten Trost uns gönnt. Laßt uns nicht lange bitten. Nach so viel Liebe ist er wahrhaftig eures Dankes wert.291 Auch wir sind fremd wie Rüdeger und selber nur zu Gast. Das nenn’ ich feste Treue. Doch hätt’ ich Lust zu fechten. wir wagten’s freiwillig unverzagt.

Doch Meister Hildebrand Riß ihn zurück: „Verliere nicht Sinne und Verstand! Mit deiner Wut und Dummheit und tollen Ungeduld Bringst du dich noch am Ende um unseres Herren Gunst und Huld!’ „Laßt los den Löwen. 2270–2281 (2276/77) . Ich sorge. so Dankwart. Helphrich und Wichart hatten wie Ritschart und Gerbart Mit ihrer Freundeshilfe im Kampfe nicht gespart. Den Schild erhoben. Meister!“ rief Volker voller Hohn. Wolfhart sprang. vorwärts. ob nicht. Ob ich nach Hause komme.292 Da sagte Volker lachend: „Wenn’s Euch einmal gelingt. die Berner folgten ihm. In scharfem Kampfe stand Selbst Gunther mit den Männern vom Amelungenland. Verbeule ich den Helm Euch. Zum Schwert griff Hildebrand in jäh erwachtem Ungestüm. Wie Giselher sich wehrte.“ Wolfhart stand auf dem Sprunge. Entflammt in gleichem Zorne. im Überschwang an Mut Wild schwangen sie die Klingen. lischt auch sein Glanz dabei. Ein wilder Löwe. und als erster nahm er’s mit Hagen auf. Sie brachten’s den Burgunden gut bei. Daß Ihr mir meine Töne arg in Verwirrung bringt. das ist mir einerlei. Der alte Waffenmeister erstürmte wild im Lauf Die Treppe. wie sie gesinnt. Doch Wolfwin trennte beide. er setzte wütend sich zur Wehr. Und Wolfprants Schläge fielen wie Hagel dicht und blitzgeschwind. ich bändige ihn schon! Schlüg’ er die ganze Welt tot bis auf den letzten Mann. „Rennt er mir in die Hände. Von ihren Helmen stob die Glut. Der bisher Schon Wunder tat im Angriff. daß er nachher nichts mehr davon berichten kann!“ Da standen schwer erbittert die Berner. drang Er stürmisch gegen Volker.

rasend ging Er Volker hart zu Leibe. von Strömen Bluts benetzt. Der alte Waffenmeister schlug da den kühnen Spielmann tot. Im dichtesten Gewühle rang Dietrichs Schwestersohn. Zusammen schmolzen schon Und sanken die Burgunden vom Amelungenstahl. die scharfen Schwunges sank. der höhnisch ihn und kühn empfing. Die Panzerringe klirrten. Den Spielmann traf so wuchtig der alte Hildebrand. Der edle Sigestap. Tot lag der Amelunge. der hoch auf als roter Bach dem Haupt entsprang. Da brannte Hildebrand In Schmerzen um den Toten. 2282–2288 . bis tot von ihrer Hand Rings die Burgunden lagen. Wie hier und dort er einem den Panzer so zerhieb. Nun stand er schutzlos. wie Sigestap sie in die Enge trieb. Daß aus den blutigen Ringen ein roter Bach entsprang. Daß Schild und Helmgespänge hin flogen an die Wand. Denn von des Spielmanns Bogen sank nieder Sigestap. Er spielt’ ihm eine Weise und spielte ihn ins Grab. Die Dietrichsmannen drängten sich wilder ins Gewühl. Nie stritt er so wie dieses Mal. Hier galt es Rache unverwandt! „O weh des lieben Herren! Dahin! Nun starb auch der! Der Spielmann tat’s. Der tötet von nun ab keinen mehr! Er selber soll dran glauben!“ Wutschäumend. und blutig fand ihr Ziel Manch gute Degenklinge. Dennoch war er verloren. dennoch trotzend in letzter Not. Den heißen Quell. Nicht ruhten er und Wolfhart.293 Wie rasend focht und tobte der alte Hildebrand. Gespalten ihre Helme. als Volker ihm entgegendrang. die Rache glückte doch zuletzt. So schien’s den Amelungen. Volker sah.

Doch schwer ihr Herz von Trauer. das ihm noch weher tat? Die Freunde und Verwandten dahin! Das schmerzte zwar. So jung er war. Und durch die Brünne schlug er Wolfhart. als Dankwart fiel von Helphrichs Indes hieb durch den Saal hin sich Wolfhart eine Bahn. Noch stand Mit Giselher der König. Was kam nun. Mit blitzgeschwinden Schlägen empfing ihn Giselher. Zur Seite ihm fiel Dankwart. zu Tode getroffen. Er hatte seinen Tod schon voraus gerächt. Da wandte sich und rief hin bedrohlich an Herr Giselher: „Heran zu mir! Hier wartet ein Ziel auf deine Wut! Heraus fordr’ ich das Ende. der mit ihm ein Herz und eine Seele war. Volker.294 Der Tronjer sah erstarrend. Daß Giselher. sein Kamerad. lautlos niedersank. Lag tot im Saal. schlecht sei es oder gut. daß von dem harten Gang Das rote Blut vom Boden aufspritzend um das Haupt ihm sprang. 2289–2297 .“ Wolfhart lief durch den Saal hin. Doch dieser stand Ob todeswund. Mit beiden Händen schwang er hoch überm Haupt den Stahl. so tapfer und schwertgeschickt war er. Dreimal schon hatte dieser den blutigen Gang getan Breit zwischen den gesunkenen Burgunden hin und her. Er sank von Helphrichs Hand. Da flammte seine Rache empor wie Feuerbrand: „Den besten Kameraden verlor ich. von keinem Stahl versehrt. der schnitt und mähte und brachte Tod. wohin er drang. Der von dem mächtigen Hiebe durch Helm und Brünne drang. Den Schild vom Arme ließ er hingleiten in den Saal.  [Schwert. noch aufrecht und hob zum letzten Hieb die Hand. Und nun auch er. – Hildebrand! Du sollst es büßen!“ Höher den Schild! Er hob und schwang Den Stahl.

Sterbend in seinem Blute sah er den Oheim an Dankbaren Blicks. gefallen wäre ich Von eines Königs Händen. herrlich sei mein Ende. sagte der Todwunde noch. Wolfhart war viel zu schwer. der schnell den Schild dagegen warf. Tot lagen Gunthers Mannen. denn Eure Hilfe. vom tapferen Giselher. Und fragt Euch einer. Im Schwunge blank und scharf Bedrohte er den Alten. zufrieden bin!“ Jählings hob er die Schneide. wie dem Schlag Des alten Waffenmeisters sein Kampfgesell erlag. „Laßt ab. der ihm so lieb und nah verwandt. Der alte Hildebrand Bog jammernd sich zu Wolfhart. Als er den Helden totschlug. daneben überall Die Amelungen Dietrichs. Ich ruh’ nicht. Er schloß ihn in die Arme.“ In grimmer Trauer dachte der Tronjer. daß dieser noch jetzt für ihn auf Rettung sann. sagt nur. Doch hütet Euch vor Hagen! Furchtbar in seinem Zorn ist der! Beklagen sich die Meinen. 2298–2305 . den Hagen einst gewann. Mitnehmen wollte er Den wunden Mann. Am Ton erkannte man Den edlen Balmung Siegfrieds. – nichts nützte sie mir doch. Sagt. von Euch bezahlt. mit meiner eigenen Hand Hätt’ ich wohl hundert Feinde voraus mir in den Tod gesandt. „Mein lieber Oheim“. Er zürnte: „Ihr seid schuld dran! So mancher Held sank hin.295 So rächte einer sterbend am anderen seinen Fall. und weinen sie um mich. rühmen soll’n sie mich vielmehr. nein. In dieser Not frommt mir Eure Lieb nicht mehr. Vergeblich. Nicht Tränen soll’n sie weinen. Es klagt mit nassen Augen manch guten Ritters Weib. Sie haben auch gar teuer bezahlt für meinen Leib. Zu spät. bis ich endlich.

wie ich Euch anbefahl. und den auch Ihr zugleich verspracht. Habt nicht den Kampf gemieden. Wir forderten die Leiche des edlen Rüdeger. fürcht’ ich. Und während Hildebrand kein Schlag. Der Waffenmeister. Ist Gotelind.“ Dietrich fuhr auf: „Ist Rüdeger dahin. vor tödlicher Gefahr. Die Hagen aber blitzschnell mit seinem Balmung fing. Schlug Balmung eine Wunde dem Alten. Da höhnten sie uns grimmig und weigerten sie hinterher.296 Und nun mit klugen Streichen ihm hart zu Leibe ging. Wer von den Gästen brachte Euch diese Wunden bei im Saal?“ Da sagte Hildebrand: „Von Hagen hab’ ich sie. Schnell auf den Rücken warf er den Schild sich und entrann. schon schwach an Kräften. in Not und Sorgen war Vor neuem härterem Angriff. die verlassen. Daß er. gewißlich tot? Ein Jammer. Erschrocken fragte Dietrich: „Wovon seid Ihr so rot? Gehandelt habt Ihr. breit genug und lang. zuwider dem Verbot. verwaist zu Bechelaren sind!“ 2306–2314 . da Ihr den Frieden bracht. Herr Dietrich! Denn unser Leidenslos Ist schwer genug. eine Not ist’s vor aller anderen Not.“ Der Berner schalt: „Gerecht war’s. blutig die Rüstung. Von allen Amelungen er übrig noch. die Trauer allzu groß.“ „Zürnt nicht zu früh. und wahrlich. das Gesicht. Ging heim und kam zu Dietrich mit seinem traurigen Bericht. Und diesem grimmen Teufel entrann ich nur mit Müh. die edle. der einzige Mann! Von den Burgundenhelden blieb nur den letzten zwei’n Das Leben. Nun stand Gunther mit Hagen ganz allein. doch meiner Base Kind! Weh allen. kein Hieb gelang. Den ich geboten hatte.

ihr. Wolfwin und Wolfprant. „doch dieser liegt auch von Rüdegers Händen tot. bis es in Tränen rann. Dann weiß ich. Sprach Hildebrand. als wäre die Welt für Dietrich öd und leer. Er sprach: „Und liegen alle die Meinen nun gefällt. war reich und stark im Übermaß. die stehen alle hier. noch leben zwei. daß ich geboren bin. Nur Gunther.“ Da klagte Dietrich: „Freunde. Wer lebt noch? Ließ von keinem denn Tod und Schicksal ab?“ Da sagte Meister Hildebrand: „Gott weiß. Ich stand zu hoch.“ Zornwallend brauste Dietrich: „Auf! Waffnet. Wie konnt’ es nur geschehen. die mir lieb. der ihn erschlagen?“ – „Der König tat’s Gernot“. steht ihm bei. daß nur ein einziger blieb? Die kampfmüden Burgunden. daß ich wieder mein Amelungenland gewinn? 2315–2322 .297 Heiß strömt’ es ihm zu Herzen. Hildebrand. daß alle. Auf harte Fragen soll’n sie mir selber Red und Antwort stehn!“ Da fragte Hildebrand: „Wen ruft und waffnet Ihr? Die noch gesund am Leben. und sein Treuster. Sigestap. das all die Meinen weggerafft. drum stürzte es mich so tief hinab. Ich ganz allein bin übrig. sänket ihr alle denn hinab? Nun könnte mich gereuen. Wolfhart. Niemals erfuhr Herr Dietrich so Schlimmes in der Welt. Die anderen sind nicht mehr. Alle meine Leute! Bringt mir mein Kampfgewand! Ich selber will in Waffen zu unseren Gästen gehn. Ich war ein mächtiger König. „Nun habe ich verloren den allertreusten Mann! Wer war’s. In diesem Kampf gefallen. daß mich armen Dietrich Gott vergaß. woher kam ihre Kraft? Mein Unglücks Schicksal war es. Hagen von Tronje.“ Das traf ihn so. Wer hilft mir.

der Kühne? Wohin mit allem Leid? Ist’s wahr. Gerbart und Wichart.298 Auch Helphrich tot. daß ihr verloren seid? Daß mich der Tod doch träfe wie sie auf einen Schlag! Für meine Erdenfreude war das der allerletzte Tag!“ 2323 .

schritt Dietrich dahin. das hier im Saale raucht. Leidvolle Worte kamen von Dietrichs Lipp und Mund: „Wie habt Ihr schlimm gehandelt. die Stärke im Zorne löwenhaft. – will er als Rächer und Feind an mich heran. Ihn dünkt unüberwindlich die eigene Riesenkraft. doch kraftvoll wieder. wie sie gewöhnt Stets beieinander. Heut weist sich. Das helle Kampfgewand. Von weitem sah ihn Hagen: „Nun kommt der Herr von Bern! Der hat es abgesehen auf mich und meinen Herrn. Wie Gunther. wer als einziger von allen nicht zu sterben braucht. standen kampfmüde an die Wand gelehnt. aufrecht wie sonst und groß. den Schild vom Arme nahm. Den mächtigen Schild am Arme. Er soll nur kommen! Trotzend auch Dietrich steh ich meinen Mann!“ Die kühne Drohung hörte Herr Dietrich. Verwundet wohl vom Schmerze. dem Landvertriebenen! Wofür hab’ ich gebüßt. In seinem Grimme stand er. die Brünne brachte ihm Meister Hildebrand. tränenlos. beide sich nah.und Wehschrei erschütterte das Haus. Hagen und Kriemhild erschlagen wurden Dann aber brach des Berners Manneszorn heraus. Gunther von Burgund. Ihn brennt das Blut der Seinen. Daß Ihr von allem Glücke mir in der Welt nichts übrig ließ’t? 2324–2329 .299 XXXIX. Gunther und Hagen. Sein grimmer Wut. zur Seite der alte Waffenmeister mit. Den Helm. das Schwert in Händen. An mir. Schrecklich sein Grimm. Dennoch. Nach seinen Waffen griff er. als er kam Und. vor dem Hause haltend.

Was Ihr mir angetan habt. Sie kamen her in Scharen. was ich an Glück besaß. Zu reich das Leben. Gunther. kampferpicht.“ Da endete der Berner: „Nicht anders löst es sich. erfuhr in aller Welt Noch keiner! Alles. Was Euch erzählt ward.300 War’s nicht genug des Unglücks an einem. scheint mir. „Ihr uns allein die Schuld. Nicht Euch zuleid. freiwillig leiste mir Gerechte Sühne. Rühmen werd’ ich es allezeit an dir. Was du mir angetan hast. Die Eurigen erregten hier Wortzank und Tumult. Auf deinen edlen Sinn.“ „Was soll ich anders glauben? Kam sie nicht bittend her. Die Schar der Amelungen. gewaffnet. das ist die reine Wahrheit nicht. Rüdeger? Erschien Euch diese Erde nicht arm genug und leer. Drauf schalt und drohte Wolfhart uns spöttisch dreist ins Angesicht. sprach Hagen. habt Ihr vergällt!“ „Zu Unrecht gebt“. wie ringsum Von Qual und Not die Freunde da liegen tot und stumm. Daß sich an euch kein Hunne heranwagt. vertraue ich. dich selbst und deinen Mann! Dann sorge und verhindr’ ich. Nimm dafür Als Bürgen mich! In Treuen gewähr’ ich Schutz und Hilfe dir!“ 2330–2337 . was Ihr selber erlittet. den toten Rüdeger Hier aus dem blutigen Saale zu führen in sein Grab? Und lehntet Ihr nicht höhnisch der Amelungen Bitte ab?“ Da sprach der König Gunther: „Sie forderten für sich Den Leib des edlen Rüdeger. nur Etzeln vergönnten wir ihn nicht. so gut ich immer kann. Ergib dich mir als Geisel. doch das versagte ich. daß Ihr alle die Meinen roh Und grausam ausgetilgt habt? Hätt’ ich an Euch gehandelt so? Gedenkt doch.

Hildebrand. wie alte Weiber tun. „die Zumutung ziemt nicht Dem Könige! Unziemlich ist schon. „daß dir zwei Helden sich Ergäben. was recht und billig wär. der vergaß. Denn ehrliche Versöhnung rät Dietrich. Als schmählich mich zu retten. Daß ihr zu diesem Frieden bereit und willig seid Und meines Herrn Verlangen als billige Sühne rühmt. bin gerne ich bereit. indessen mein Leid so überschwer. die gesund noch und unerschütterlich In Freiheit kämpfen können. die Herr Walther von Spanien ihm erschlug? Zu lästern hätte Hagen sich freilich selbst Ursach’ genug!“ Da aber sprach Herr Dietrich: „Laßt Eure Zunge ruhn! Es ziemt sich nicht zu schimpfen. Solange ihre Waffe kampflos in ihren Händen liegt!“ „Verweigert nicht zu eilig. daß einer spricht. wie sie Helden ziemt. als daß es so kleinen Zankes würdig war! 2338–2345 . verbiete ich das Wort! Denn allzu schwer. Zu groß mein Leid. Euch.“ „Hört auf!“ rief Hagen heftig. „eher gäb’ ich mich selbst als Pfand. das geziemte sich!“ Erbost versetzte Hildebrand: „Wer war es. Als er am Wasgensteine auf seinem Schilde saß. Und in die Heimat gebe ich selber euch das Schutzgeleit. Daß zwei so kühne Männer. Der Freunde. Ihr sühntet leicht. Dann alles zu vergessen. sagte Hagen.“ „Ja“. von Feinden unbesiegt. Sich freiwillig nur zweien ergeben sollen ohne Not!“ Da mahnte Hildebrand sie: „Gott weiß. es kommt die Zeit. Da er hier aus dem Saale mir allzu schnell entwich. Dem Feinde standzuhalten im Kampfe. flüchtend wie Hildebrand. allein von Euch bedroht. rief Hagen.301 „Verhüte Gott“.

Wir beide Eure Geiseln? Das Wort hat mich empört. der krachend von Dietrichs Panzer widerklang. Vielleicht kann ich dich zwingen. habt Ihr Euch nicht gerühmt. dünkt mich. schwer Um Hagen trauernd. 2346–2352 . Sein Gegner übermenschlich sich schlug und furchtlos stand Und ihm gefährlich harte Schwerthiebe abgewann.“ So trotzte Hagen grimmig. erkannte Herr Dietrich jetzt. von Todesmut entbrannt. Da dachte bei sich Dietrich: Du bist vom Kampf geschwächt. Er warf den Schild zur Erde.302 Doch sagt mir. das Herz von Stolz geschwellt. Ihr wärt Bereit mit mir zu kämpfen? Hab’ ich es doch gehört. Der Hagen schwer verletzte. Mit ihm verlor den Letzten er. Da rückte seinen Schild hoch der Amelungenheld. „Im Zweikampf Euch zu stehnr Das will ich gern versuchen. Dich töten. wenn’s auch gefährlich ist. Die Wunde klaffte tief und lang. Mit mächtiger Armgewalt Umklammert hielt er eisern die riesige Gestalt Und zwang sie an den Boden. indes sich Gunther. Niemals! Es sei. Sausend schwang Den Balmung er. grämte. Was kommt. mir bräche im Kampf das Nibelungenschwert. mir zu stehen in einem Waffengang zu zweien. wäre nicht ehrenvoll und recht. ganz allein Gedachtet. Nach kurzem Kampfe sank es aus Hagens Hand zur Erd’. Als Dietrichs meisterhafter Schwertkunst ein Hieb gelang. Ihr. das mag geschehn. Hagen. – ein Held! ein Mann! Wie fürchterlich auch mähte das Nibelungenschwert. Als ich gewaffnet herkam. Hagen. Wer Hagen war.“ „Das leugn’ ich nicht“. Mit bloßer Faust. wie grimmig. damit du lebendige Geisel für mich bist. sprach Hagen. Schon sprang hinab die Treppe der Tronjer. Dietrich sah bald.

bis mich der Tod zu schweigen zwingt. Doch war er matt vom Kampfe. gütig ihm Haupt und Blick geneigt. Des Berners Schneide fuhr Scharf durch die Panzerringe. Dir will ich ewig danken. Hagen gefangen! Bebend vor Freude stand die Rächerin.303 Gebunden stand der Tronjer. Zwar wehrte sich der König mannhaft genug und kühn. Der Herzenshaß nach allem Erlittenen stählte ihn Mit wilder Kraft. Der je ein Schwert geschwungen mit Ehren in der Welt. Bedrängt zwar. Sei du so glückgesegnet. Vielleicht läßt er Euch künftig nach allem Leid zuletzt In treuem Dienst vergessen. Gebunden führte Dietrich ihn hin zur Königin. daß Dietrich ihm gar zu unterliegen schien. Weithin erscholl sein Ruf: „Wo bleibt von Bern Herr Dietrich. der allerkühnste Held. Rot wies ein Blutstrom ihre Spur. In schnellem Laufe kam Der König von der Treppe und drang auf Dietrich ein. der mir so schlimmes Unheil schuf? Zum Todessaal ging Dietrich und stand in tiefem Gram Dem Letzten gegenüber. womit er Euch so schwer verletzt. Keiner sah seine Qual. In jähem Anprall wurden die beiden Kämpfer handgemein. wie es die Königin befahl. In einen dunklen Kerker.“ Man führte Hagen. Doch ging’s ihm wie dem Tronjer. „Straft ihn nicht! Steht er hier auch gebunden vor Eurem Angesicht.“ „Er soll nicht sterben!“ sagte Herr Dietrich. Der Schall kam weithin hallend zurück von Turm und Wand. 2353–2360 . hielt sich Gunther männlich und widerstand. wie mich mein Glück durchdringt. Der Berner zwang auch ihn. – Einsam war jetzt auch Gunther. Sie sprach zu Dietrich. „Du hast in meiner Not mir den besten Dienst erzeigt.

Und rief ihm zu: „Willkommen. Auf Hagen und auf mich Zielt Euer Haß. jedoch ich will’s nicht tun.“ 2361–2368 . – Doch steinhart und kalt blieb ihr Gemüt. Nur Feindschaft statt Gegengruß empfinge ich. Herr Gunther von Burgundenland!“ Er sagte: „Edle Schwester. gnadenlos. Das du mir nahmst? Dann kommst du lebendig noch einmal nach Haus. Denn Ihr habt keine Gnade. Der schritt gebunden hin Und stand. bald vor der Königin. entfernt von Hagen. Und heilig sei der Eidschwur für alle Zeit und Frist. Wie niemals wohl ein König noch solche Schmach erlitt. Geschworen hab’ ich. demütig sollt’ ich nun Mich flehend vor Euch neigen. Ich war’s. geführt von Dietrich.“ Da wehrte Hagen: „Nutzlos ist jedes weitere Wort.304 Auch Gunther ward gebunden. Mit nassen Augen schied Der Held von Bern. – Sie fühlte. ihre Rache ging dann an keinem mehr vorbei. und Dietrich nahm ihn mit. Der Berner dachte: Laß ich die beiden wieder frei? Er wußte. Mit Hagen litt auch Gunther das gleiche harte Los. Haßvoll ihr Wort und drohend: „Zum allerletztenmal Befrag’ ich dich: Gibst du mir mein Eigentum heraus.“ Der Held von Bern ermahnte Kriemhild: „So teures Pfand Hielt niemals eine Königin als Geisel in der Hand. Auch er ward eingekerkert. wie ihr Kummer vor Gunthers Unglück schwand. der Eurer Gnade die edlen Pfänder lieh! Drum handelt gut an ihnen! Um meinetwillen hütet sie!“ Die Königin versprach es. Solange nur noch einer von meinen Herrn am Leben ist. Kriemhild trat vor den Tronjer. das Auge kalt wie Stahl. niemals verriete ich den Hort. Dietrich ging neben Gunther.

Er tat mir weh.“ Da rief der alte Hildebrand: „Was mir geschehen mag. grausam zu End’ gebracht. Und dir soll er auf ewig. erschüttert im Gemüt. Den Schatz. Gernot. war so kühn. Und doch.“ Sie zog aus seiner Scheide das Schwert. verhohlen sein!“ Sie sprach: „Was Ihr gezahlt habt. Nun liegt vor dir der edle Burgundenkönig tot. du Teufelin. als ihn das letztemal Mein Auge sah. Wehrlos allein Stand Hagen vor der Königin. und niemals dann mehr zu meiner ewigen Qual.305 „Ich muß ein Ende machen!“ Die edle Fürstin ließ Den eigenen Bruder töten. Mit ihm der junge Giselher. Und alles ist gekommen. Ich mußte ihn hassen. – In Trauer klagte schreckensbleich Der König Etzel: „Weh uns! Nun liegt der beste Held. Bei diesem Anblick sprach er. doch betrau’r ich ihn. Sein Ende sollt’ es sein. von Weibeshand gefällt. In tiefem Leide stand er da. worum du dich bemüht. Hast. Der je ein Schwert getragen. – gleich auf der Stelle räch’ ich des kühnen Tronjers Tod!“ 2369–2375 . Traurig sah Ihm Hagen in das Antlitz. Zu Kriemhild: „Nun geschah es. So will ich als Entgelt denn behalten Siegfrieds Schwert. sein Bruder auch. Das trug mein trauter Liebster. Am Haare trug und wies Sie König Gunthers Haupt dem Tronjer. genau wie ich es mir gedacht. den weiß nun niemand. Sie hob’s mit beiden Händen und hieb mit einem Streich Das Haupt ihm ab vom Rumpfe. Sie soll ihr Herz nicht weiden an diesem letzten Schlag! Wohl brachte er mich selber in allerschlimmste Not. Kein anderer. was du dir ersonnen. das ist nur wenig wert. der im Sturme den Schild hob. als ich und Gott allein.

was nachher noch geschah. Nur in des Volkes Trauer für immer aufbewahrt. Den wilden Schmerz des Alten büßen mußte sie. Der König Etzel nahm Des Berners Hand. zerhaun. daß sie in Furcht und Ängsten schrie? – Das Schicksal zwang sie alle mit Todes-Not und -Graun. 2376–2379 . Das ist der Nibelungen Not. daß sie darnieder sank. Was konnte es ihr helfen.306 In jähem Zorne sprang er auf Kriemhild ein und schwang Die schwere Eisenschneide. Laut jammerten die Leute. Hier hat das Lied ein Ende. Nur daß man all die Frauen und Ritter weinen sah. – Ehre und Ruhm im Tod gepaart. Die Knappen und die Knechte um ihrer Freunde Tod. So ging das Fest des Königs in bitterem Weh zu End. Der Leib des edlen Weibes lag da zerstückt. Wie Liebe lohnt mit Leide und uns zuletzt nur Tränen gönnt. Sie standen und weinten beide stumm vor Gram Da lag nun alles. Ich kann euch nicht berichten.

1175–76. 1587–88. 1628–30. 389–90. 832–33.307 Nachweis der Kürzungen (Numerierung nach der Ausgabe von K. 385–87. 1444–45. 1553–54. 1772–73 . 89–90 104–05. 1487–89. 309–10. 663–64. 1656–57. 1417–18. 560–61. 1127–28. 1422–26. 178–80. 549–50. 795–97 801–02. 712–13. 1178–80. 1594–95. 1250–52. 137–38. 1524–25. 169–70. Bartsch) In e i n e Strophe sind zusammengezogen die Strophen 8–9. 1159–61. 148–49. 1141–42. 1729–30. 1582–83. 776–77. 534–35. 239–40. 490–91. 244–45. 215–16. 1408–09. 1358–60. 1451–53. 218–20. 888–89 1036–37. 1330–31. 339–40. 343–61. 1662–63. 341–42. 195–96 198–201. 1493–95. 583–84. 1291–92 1319–20. 1334–35. 1219–20. 378–79. 477–78. 1563–64. 1560–61. 1596–97 1610–12. 1338–39. 1243–44. 754–55. 1379–80. 541–42. 152–53. 80–81. 1224–25. 537–38. 1059–60 1109–10. 1182–83. 171–73. 1722–23. 793–94. 1441–42. 1591–92. 1650–51. 1448–49. 362–63. 236–37. 1713–15. 1576–77. 468–69. 733–34. 1278–79. 1641–42. 1658–59. 1573–74. 1155–56. 807–08. 1615–19. 1498–99 1517–18. 595–97 605–06. 1547–48. 475–76. 190–91. 1383–84 1405–07. 313–14. 494–95 505–06. 1670–71 1703–04. 579–80. 111–12. 1375–77. 61–62. 1565–66. 364–66. 72–73. 140–41. 1468–69. 1646–48. 633–34. 160–61. 545–46. 23–24. 683–84. 642–43. 279–80 306–07. 1490–92. 166–68. 719–20. 40–42. 1476–77. 331–32. 210–14. 265–66. 397–98 410–11. 669–70. 1186–87 1196–97 1208–09. 721–22. 1268–70. 176–77. 206–09. 318–19. 204–05. 336–38. 202–03. 1621–22. 660–61. 1638–39. 82–83. 1143–44. 1483–84. 836–37. 1344–45. 591–93. 1280–81. 566–67. 585–86. 763–64. 1632–33. 1328–29. 1265–66. 187–88. 552–53. 230–35. 1165–66. 1436–37. 1420–21. 1427–28. 154–56. 1047–49. 1769–70. 1430–31. 1735–36. 1759–60. 1471–72. 1356–57. 383–84. 1263–64. 1372–74. 107–08. 1480–81. 1644–45. 1473–74. 577–78. 1708–09.

765. 1290. 2197–98 2207–08. 1439–40. 2274–75. 1808–09. 2147–48. 2189. 2156. 41. 2046–48. 1508. 1972. 1105. 2221–22. 574. 805. 2295–96 2299–2300. 548. 129. 782. 2053. 1064. 1065. 1854–56. 1967–71. 2239–40. 2237–38. 436. 1868–69. 1276. 1881–82. 2235–36. 2073–74. 1910. 1063. 1824–26. 1728. 2035–36. 1933. 1891. 2054–55. 1411. 2241–44. 2125. 2059–60. 1988–89 2006–07. 1398. 1627. 2293–94. 784. 1314. 1990. 2216–17. 2032–33. 2276–77 . 2309–10. 2076–77 2108–09. 317. 1482. 1810–11. 1305–08. 1181. 47. 2278–80. 439. 287. 2070–71. 2142–43. 2192–93. 1325. 2209–11. 415. 1978. 1382. 1337. 1267. 1864–65. 1875–76. 2043–44.308 1802–03. 2012. 2365–66 Weggelassen (unter dem Text eingeklammert) sind die Strophen 12. 1016. 2155. 2339–40. 800. 2021. 1793. 676. 64. 1754. 1957–58. 2168. 1897–98 1901–02. 2311–12. 2331–32. 2017–18. 2212–14. 1611. 2182. 1158. 1921–22. 1692–94. 1368–70. 241. 652. 66. 2024–25. 1986–87. 1324. 51. 1668. 1870–74. 756. 175. 254. 328. 1286. 1024. 2358 bis 2359. 2252–53. 2040–42. 1859. 33. 219. 1188. 26. 1048. 1929. 1883–84. 1104. 2085. 2315 bis 2316. 942. 1164. 871. 1189. 270. 373. 667. 2255. 1816–17. 732. 2184–85. 711. 1532. 1877–78. 1984–85. 2129–30. 2010–11. 738. 1866–67. 1296–1301. 367–71. 1514. 381. 2228–29. 1852–53. 1443. 1031. 1806–07. 2181. 1433–35. 2066–67. 1362–64. 1626. 299. 1294. 1293. 1022. 163. 906. 1353–55. 971. 1904. 259. 325. 766.

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