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(Un-)Bewusster Denkimpuls

Eines Tages, vor etwa einem halbem Plutojahr, trafen sich der Traum und die
Wirklichkeit zufällig in den weiten Welten des Bewusstseins. Wenn man es genau
nimmt, war es ihnen nicht bewusst, dass sie sich im unbewussten Teil des
Bewusstseins befanden. Der Traum war offen für alles. Nichts ist unmöglich, so
machte er sich der Wirklichkeit bekannt. Die Wirklichkeit hingegen war kritisch und
konservativ zu allem, was der Traum sie wissen ließ. Es ging sogar so weit, dass sie
sich den Kopf zerbrachen, ob Realität und Wirklichkeit dasselbe, wenn nicht sogar
dasgleiche waren. Die Wirklichkeit, bzw. Realität wollte es nicht wahr haben, dass die
Realität etwas anderes sei als sie selbst. Nach längerer Auseinandersetzung konnte
der Traum die Wirklichkeit bzw. Realität überzeugen, dass es einen kleinen, aber
feinen Unterschied gebe, der zwar nichtig, in der Unterscheidung aber nicht ganz
unwichtig sei. Die Bezeichnung >Realität< stamme aus dem lateinischen 'res', die
Sache, das Ding. In dem Begriff >Wirklichkeit< stecke das Wort 'wirken' drin.
Wirklich ist, was wirkt. Mit der Wirklichkeit bezeichne man nur reale Dinge, die eine
Wirkung hätten. Auch subjektive, innere, also emotionale Zustände seien in der
Wirklichkeit vertreten. Letztendlich einigten sie sich darauf, des minimalen
Unterschieds wegen, beide Worte gleichermaßen zu verwenden. Die Realität betonte,
dass es eine Gemeinsamkeit zwischen ihr und dem Traum geben müsse; der Traum
gab ihr Recht. Die Realität war der Traum, der zu schwach war, um ihn weiter zu
träumen. Friedrich Hundertwasser wird in etwas mehr als dreiundvierzig Jahren dazu
anmerken: Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam
träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit. Der Realität fiel dazu gleich eine
Metapher ein, die den Traum beschreiben würde; er würde in Verbindung gebracht
werden mit allem Ersehntem, Unwirklichem und Ästhetischem. Sie ging sogar noch
weiter und dankte dem Traum für seine Funktionen, die erst die Wirklichkeit
weiterbringen würden. Der Traum könne Wünsche erfüllen, die in der Realität nicht
wahr werden würden, es würden Ereignisse geschehen, die physikalisch unmöglich
oder in der realen Welt nur allzu unwahrscheinlich seien. Träume dienten der
Bereinigung, verarbeiteten und lösten Probleme aus dem Wachleben kreativer über
die Grenzen des Möglichen hinaus und würden entscheidend zur Selbsterkenntnis
beitragen. Gäbe es keinen Traum, so gäbe es keine Wirklichkeit. Nur durch den
Traum gäbe es die Unterscheidung zwischen JA und NEIN. Wäre der Traum nicht, so
könnte man die Realität nicht als Realität bezeichnen. Der Traum lief rot an, ließ sich
aber merkbar anmerken, dass er bemerken müsse, die Wirklichkeit begräbe viele
Ideen und fragte sich dann, wenn er wahr werde, war er dann vorher Lüge? Das, was
ist, ist, sagte einst der berühmt berüchtige Dramatiker William Shakespeare.
Wirklichkeit gebe es in jeder Schuhgröße- doch modisch sei sie noch nie gewesen.
Dies stand fest. Bei ungeschminkten Tatsachen ist nur das Make-up ab. Auch dies
stand fest. Doch fester stand diese Tatsache, so ein weiterer Aphorismus: Wenn man
anfängt, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen, beginnen die Tatsachen,
einem die Augen zu verschließen. Und der Traum warf in den leeren Raum: Wenn man
der Realität scharf ins Auge blicke, dürfte einem nicht entgehen, dass sie mit dem
anderen immer ein bisschen zwinkert. Schließlich verabschiedeten sich Traum und
Wirklichkeit voneinander und hofften auf ein erneutes Aufeinandertreffen
----------------- in jedem von uns ----------------------- Träumern.

Zwei Gegensätze C: BistDuWach