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Interview mit Georg Meier, Grafikdesigner

Interviewer: Franzy Klüpfel

Erzählen Sie etwas über Ihre Person…


Mein Name ist Georg Meier. Ich arbeite als freiberuflicher Grafikdesigner und Fotograf. Ich bin in NRW geboren
und habe in Berlin an der Universität der Künste studiert. Nach Aufenthalten in Zürich und Köln habe ich mich in
Nürnberg niedergelassen. Ich arbeite mit Verlagen, Agenturen und Unternehmen aus Handel und Industrie
zusammen.
Wie ist Ihr persönlicher Werdegang verlaufen? Wollten Sie immer Designer werden?
In meinem Elternhaus waren alle irgendwie kreativ tätig. Meine älteste Schwester studierte Werbegrafik und
Fotografie, meine Mutter hat gemalt und mein Vater fotografiert - als Hobby, aber sehr enthusiastisch. So war der
Weg nicht weit, auch etwas in dieser Richtung zu machen. Meine erste Kamera bekam ich mit neun - so ein 6x9-
Dings mit Balgen, wenig später hatte ich meine erste Dunkelkammer. Ich hab alles mitgemacht, was es an Mal-
und Fotokursen gab und Kunst war das einzige Fach, das mich an der Schule interessierte.
Als ich 16 war, wurde eine Werbeagentur auf mich aufmerksam. Dort habe ich dann in den Sommerferien
gearbeitet. Nach dem Abitur gab es die Frage: Was studieren? Die eine Option war Grafikdesign. Die zweite
Möglichkeit wurde durch meinen Kunstlehrer inspiriert: Ich wollte zwar nie Lehrer an einer Schule werden, aber
„irgendetwas” Kreatives mit Menschen zu machen, schien mir interessanter, als den Rest des Lebens am
Schreibtisch Kühlschrankwerbung zu kleben.
So begann ich an der Berliner Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) ein Studium der
Kunstpädagogik und Kunstwissenschaften. Das Studium war sehr praxisorientiert, ich habe großformatig gemalt
und mich mit Druckgrafik (Radierung, Siebdruck, Lithografie) beschäftigt. Grafikdesign, Fotografie und Video
waren auch Teile des Studiums.
Im Nebenfach machte ich einen Abschluss in Erziehungswissenschaften und Philosophie. In dieser Phase stand
viel Nachdenken über das Leben an. Ich habe alles gelesen was ich in die Finger bekam - nur fand ich keine
Antworten. Was machen wir auf dieser Kugel? Antworten fand ich schließlich in östlichen Gedankenwelten, wie
z.B. dem Zen-Buddhismus. Hierdurch änderte sich radikal mein Verständnis von Kreativität.
Vorher dachte ich: Kreativität hat etwas mit Farben und Pinseln zu tun. Nun konnte alles für mich kreativ sein.
Man kann unkreativ malen und fotografieren. Man kann kreativ im Garten arbeiten oder putzen. Kreativität wurde
zur Einstellung - zu einer inneren Sicht der Dinge. Es ist die Qualität mit der man handelt.
Dies war eine große Befreiung für mich. Während der westliche Kreativitäts-Anspruch ganze
Künstlergenerationen zum Ohrabschneiden oder Selbstmord getrieben hat, hat die östliche Vorstellung von
Kreativität mehr mit Spiel zu tun. Und das Spiel kann überall passieren … nicht nur an der Leinwand.
So habe ich mir nach dem Studium eine Pause von der visuellen Kunst gegönnt.
Ich war Kellner, Diskobesitzer, Agentur-Freelancer, machte Städteradierungen und eine Ausbildung zum
Körpertherapeuten. Ich habe ausführlich Europa, Amerika und Asien bereist. Dieser Freiheitsdrang endete nach
einer Asienreise im Krankenhaus; ich hatte eine Infektion mitgebracht, die mich ein Jahr lang beschäftigte.
Mein Leben musste sich ändern: Eine etwas ruhigere Zukunft stand an.
Ich habe mich in Nürnberg niedergelassen und nach anfänglichen Freelance-Runden bei Zeitschriftenverlagen
eröffnete ich mein Grafikbüro.
Und haben Sie in Ihrer kreativen Arbeit einen Schwerpunkt gelegt?
Das Schöne an diesem Beruf ist ja seine Vielseitigkeit. Ich habe daher mehrere Schwerpunkte: Print Design, Full
Service für Unternehmen, Photoshop-Spezialist, Buchumschläge und Fotografie.

Für welche Kunden sind Sie in Ihren Projekten tätig?


Ich mache das Ganze ja schon seit über 20 Jahren, so hat sich eine lange Kundenliste angesammelt. Einige der
größeren wären die Siemens AG, Focus Online und T-Online, ich arbeite aber auch für “den Bäcker um die
Ecke”.

Wie stark ist es bei Ihrer Tätigkeit möglich, Ihre Kreativität in Kundenprojekte einfließen zu lassen?
Das ist ein komplexes Thema. Wie ich bereits erklärt habe, hat sich meine Einstellung zu dem Begriff „Kreativität”
im Laufe der Jahre geändert. Bei der Zusammenarbeit mit dem Kunden kommt es mir mehr auf die gute Chemie
und Kommunikation an, als unbedingt meine Ideen durchzudrücken. Es gibt Kunden, die einem sehr viel
Freiraum geben. Andere haben klare Vorgaben. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Wie schaffen Sie es, immer wieder aufs Neue bei jedem Projekt kreativ zu sein, und zu bleiben?
Um kreativ zu sein, brauche ich eine Balance von Innen und Außen, Spannung und Entspannung. Manchmal bin
ich zu weit draußen und etwas verwirrt vom heutigen Informationsangebot. Dann hilft es abzuschalten, zu
meditieren, um wieder in die Kreativzone zu gelangen. Aber auch das Gegenteil kann passieren: Manchmal hilft
Termindruck die nötige Spannung für Kreativität aufzubauen. Ich habe keine speziellen Quellen für Inspiration.
Wir leben in einer so reizüberfluteten Welt - jede optische Information kann die Lösung für ein gestalterisches
Problem sein.