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Mathematik: Analysis: Grundlagen:

Natürliche Zahlen

Jeder kommt bereits in frühester Kindheit mit Zahlen in Berührung und hat, zumindest von den natürlichen Zah- len, eine sehr genaue Vorstellung. Für mathematische Zwecke ist es aber erforderlich, die Struktur von Zah- lenmengen eindeutig festzulegen. Dies beantwortet leider nicht die Frage was Zahlen sind, beschreibt aber ihre typi- schen Merkmale. Diese mathematischen Merkmale müs- sen natürlich in Übereinstimmung mit den intuitiven Vor- stellungen sein. Andererseits muss die Beschreibung so genau sein, dass es eben nur eine Zahlenmenge mit ge- nau diesen Eigenschaften gibt, d. h. die Charakterisie- rung muss in diesem Sinne vollständig sein.

Der italienische Mathematiker G. Peano hat eine solche formale Beschreibung für die natürlichen Zahlen aufge- stellt, die sich an dem Vorgang des Zählens orientiert und davon ausgeht, dass es einen Zählanfang gibt und eine Vorschrift, die jeder natürlichen Zahl einen Nachfolger zuordnet und dass diese beiden Eigenschaften die natür- lichen Zahlen vollständig beschreiben. Formal lässt sich das Axiomensystem wie folgt angeben:

1 Axiomensystem von Peano

Die Abbildung s ordnet zwei verschiedenen natürlichen Zahlen auch zwei verschiedene Nachfolger (s ist injektiv) zu und diese Nachfolger können nicht die 1 sein.

Definition

(n + 1):= s(n) heißt der Nachfolger von n und n nennt man den Vorgänger von (n + 1)

Als ein Beispiel für die Anwendung des Induktionsaxioms soll nun folgender Satz gezeigt werden:

Satz

s(n) ≠ n für jedes n N

Beweis

Sei N := { n ∈ N | s(n) ≠ n }. Dann gilt:

Aus dem Induktionsaxiom folgt N = N und das beweist den Satz!

Schreibweisen

Für die Menge der natürlichen Zahlen sind folgende

Schreibweisen üblich: N = {1, 2, 3,

Die Menge der natürlichen Zahlen ist hier ohne die NULL definiert worden und wird im Folgenden auch so verwendet.

Menge der natürlichen Zahlen einschließlich der “Null”

N 0 = {0, 1, 2, 3,

Die Menge der natürlichen Zahlen ist eine ideale Index- menge und wird für Abzählbarkeitsaussagen (s. Mächtig- keit) verwendet.

} = {k}

k=1 .

} = {0} ∪ N

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Vollständige Induktion

Satz

 

Sei E eine Eigenschaft, die auf natürliche Zah- len zutrifft oder auch nicht, d. h es gilt " E(n) " oder “nicht E(n) " für alle n N .

Wenn

1.

Induktionsanfang: E(1) und

2.

Induktionsschritt: n Ngilt: (E(n) E(s(n)))

,

so gilt E(n) für alle n N .

Beweis

Man wendet einfach das obige Induktionsaxi- om auf die Menge M:= { n | n ∈ N, E(n) } an.

Beweise über Eigenschaften von natürlichen Zahlen er- folgen häufig mit Hilfe der gerade besprochenen vollstän- digen Induktion. Diese Beweisführung ist Ihnen wahr- scheinlich bekannt. Sie erfolgt in zwei Schritten.

1. Induktionsanfang: Es wird gezeigt, dass die behaup- tete Eigenschaft für 1 ∈ N gilt.

2. Induktionsschritt: Es wird die Gültigkeit der Eigen- schaft für n ∈ N vorausgesetzt. Mit Hilfe dieser Vor- aussetzung zeigt man, dass auch sie auch für s(n) gilt.

Der Satz über die vollständige Induktion sagt nun gerade, dass diese Eigenschaft dann für die Menge N gilt.

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3 ADDITION UND MULTIPLIKATION

3 Addition und Multiplikation

Multiplikation und Addition werden nun als Abbildung von einer " Relation auf N " nach N rekursiv (oder durch vollständige Induktion) definiert. Es werden also Bedingungen definiert, wie man schrittweise die Summe oder das Produkt zu bilden hat.

Genau genommen ist es nicht nur eine Definition sondern ein Satz, denn die Existenz dieser Abbildungen kann nicht einfach vorausgesetzt werden, sondern ist nachzuweisen. In einem zweiten Schritt ist dann noch zu zeigen, dass es, wie allgemein im Alltagsleben unterstellt, jeweils nur ge- nau eine Abbildung für Addition und Multiplikation gibt.

Definition und Satz

Sei +: N × N N und für alle m,n ∈ N gelte:

(m,n) → +(m,n) =: m+n mit

1. m+1 = s(m) und

2. m+s(n) = s(m+n)

und sei · : N × N N und für alle m,n ∈ N gelte:

(m,n) → · (m,n) =: mn mit

1. m1 = m und

2. ms(n) = (mn)+m

Es gibt genau eine Abbildung + (genannt Ad- dition) und genau eine Abbildung · (genannt Multiplikation) mit diesen Eigenschaften.

Beweis

Der Beweis dieses “selbstverständlichen” Satzes ist nicht besonders trival. Er wird hier beispielhaft für die Addition gezeigt. Der Beweis für die Multiplikati- on verläuft genauso und wird dem Leser zur Übung empfohlen.

Es sind zwei Dinge zu zeigen: die Existenz der Addition und die Eindeutigkeit. Die Eindeutig- keitsaussage wird für den Beweis der Existenz benötigt und daher zuerst gezeigt.

1. Eindeutigkeit der Addition

Hilfssatz

Zu einem z ∈ N gibt es höchstens eine Abbil- dung f für die gilt:

f : N N mit f(1) = z und f ° s = s ° f

Der Beweis dieses Hilfssatzes erfolgt über das Induktionsaxiom:

Sei g : N N eine Abbildung für die gilt: g(1)

= z und g ° s = s ° g.

Zu beweisen ist, dass f = g gilt.

Definition- und Bildbereich von f und g sind gleich.

Sei N := { n ∈ N | f(n) = g(n) }.

Dann gilt:

f(1) = z = g(1) also 1∈N

Sei n∈N. Dann gilt f(n) = g(n) und es folgt:

f(s(n)) = (f ° s)(n) = (s ° f) (n) = s(f(n)) = s(g(n))

= (s ° g)(n) = (g ° s)(n) = g(s(n)), also gilt auch s(n)∈N.

Mit dem Induktionsaxiom gilt N = N , d. h. f(n)

= g(n) für alle n∈ N , daraus folgt f=g, was die Eindeutigkeit zeigt.

Mit diesem Hilfssatz ist es einfach zu zeigen, dass es höchstens eine Möglichkeit gibt die Ad- dition wie oben zu definieren. Sei also die oben definierte Addition gegeben und sei n∈ N eine beliebige Zahl. Dann definiert

f n : N N mit f (x) := n+x

eine Abbildung für die gilt:

f (1) = n+1 = s(n) und f (s(x)) = n+s(x)=s(n+x)= s(f (x)).

Mit dem Hilfssatz folgt, dass es für jedes n∈ N höchstens eine solche Abbildung f gibt. Und dies zeigt, dass die oben definierte Addition eindeutig ist, wenn es sie geben sollte.

2. Existenz der Addition

Zunächst zeigt man mit Hilfe des Induktionsa- xioms, dass für jedes n∈ N genau eine Abbil- dung mit:

f n : N N mit

f (1) = s(n) und f ° s = s °f existiert.

Mit den Funktionen f lässt sich die Addition wie folgt definieren:

n+m := f (m) für alle n,m∈ N , denn für alle n,m∈ N gilt: n+1 = s(n) = f (1) und n+s(m) = f (s(m)) = s(n+m).

Hilfssatz

Für jedes n∈ N gibt es genau eine Abbildung mit

f n : N N mit f (1) = s(n) und f ° s = s °f

Der Beweis erfolgt wieder mit Hilfe des Induk- tionsaxioms:

Für n=1 definiert man f 1 : N N mit f 1 = s.

Dann gilt: f 1 (1)=s(1) und f 1 ° s = s°s =s °f 1

Diese Abbildung f 1 existiert und erfüllt die o. g.Bedingungen. Der Hilfssatz bei der Eindeu- tigkeitsaussage zeigt weiter, dass es höchstens eine solche Abbildung gibt (mit s(1)=z).

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Sei also ein n∈ N vorgegeben für das gilt: f (1) = s(n) und f ° s = s °f .

Für eine Funktion f ₎ := s ° f gilt:

f ₎ (1) = s ° f (1) = s(f (1)) = s (s(n)) (da nach Voraussetzung f (1) = s(n) gilt) und

f ₎ ° s = (s ° f )° s = s ° (f ° s) = s ° (s ° f ))= s°f

Nach dem Hilfssatz beim Beweis der Eindeu- tigkeit (z=s(n)) gibt es höchstens eine Abbil- dung f ₎ und da nach Voraussetzung f exis- tiert, also genau eine Abbildung. Damit ist die Existenz und Eindeutigkeit der Abbildung auch für n+1 bewiesen und nach dem Induktionsa- xiom für alle n∈ N .

3.1 Rechenregeln

Satz

Für alle x, y, z ∈ N gilt:

Beweis

Die Beweise lassen sich mit Hilfe des Induktionsaxioms führen.

4 Beispiel n-te Potenz

Durch vollständige Induktion lässt sich folgender Satz leicht zeigen:

Satz

Sei R eine Menge, f: R × N → R eine Abbil- dung und y ein Element von R. Dann gibt es genau eine Abbildung g : N → R mit

1. g(1) = y und

2. g(n+1) = f ( g(n), n ) für alle n ∈ N

Mit diesem Satz lassen sich nun einfach die Existenz und Eindeutigkeit der n-ten Potenz nachweisen:

Setzt man ( R ist die Menge der reellen Zahlen)

R

= Ry , R und für

f

: R N die Abbildung

f (x, n) :=

xy für (x, y) R × N ein,

so liefert obiger Satz eine Abbildung g mit

1. g: N R

2. g(n) := y n

3. g(1) = y = y 1

4. g(n+1) = f ( g(n) , n ) = g(n) y = y n y=y n+1 für alle

n.

5 Ordnung

Mit Hilfe der Addition lässt sich nun sehr einfach eine weitere Struktur auf den natürlichen Zahlen nachweisen:

Definition - “natürliche” Ordnung

Für alle x,y ∈ N definiert man:

1.

x < y (lies: x kleiner y) oder

y > x (lies: y größer x)

wenn es ein z ∈ N gibt mit x + z = y

2.

x

≤ y (lies: x kleiner-gleich y) oder

≥ x (lies: y größer-gleich x) wenn x=y oder x < y.

y

Satz

1. Die Relation ≤ , d. h. {(x,y) ∈ N × N | x ≤ y} ist eine Ordnungsrelation auf N

2. ( N , ≤ ) ist linear geordnet

3. Für alle x.y,z ∈ N git:

x

≤ y ⇒ x + z ≤ y + z und

x

≤ y ⇒ xz ≤ yz.

Die Ordnungsrelation ist also verträglich mit der

Addition und Multiplikation.

Hinweise zum Beweis

Reflexivität und Antisymmetrie sind durch Rechnungen einfach nachzuweisen.

Die übrigen Beweise verwenden wieder das In- duktionsaxiom. Beispielsweise kann man für den Beweis der linearen Ordnung (zu 2.) für ein vorgegebenes x eine Menge Mₓ := { n ∈ N | x ≤ n oder n ≤ x ] definie- ren und zeigen, dass Mₓ = N gilt. Beim Nach- weis der Antisymmetrie unterstützt folgender Hilfssatz: ∀ x,y ∈ N : x ≤ y ⇒ x ≠ y” , der ebenfalls über das Induktionsaxiom bewiesen werden kann. Die Ausführung der Beweise ist Ihnen zur Übung überlassen.

Wohlordnungssatz

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6 PRIMZAHLEN

N

Dieser Satz besagt, dass jede nichtleere Teilmenge M von N ein kleinstes Element, min M, enthält. Dieser Satz mag Ihnen reichlich überflüssig vorkommen. Beden- ken Sie aber, dass für allgemeine Mengen die Aussagen Zornsches Lemma, Wohlordnungssatz und Auswahlaxi- om äquivalent und von großer Tragweite sind.

Hinweise zum Beweis

Wieder wird das Induktionsaxiom verwendet, diesmal wird aber folgende Eigenschaft induk- tiv nachgewiesen:

“Jede Teilmenge M von N , die die Zahl n ent- hält, besitzt ein kleinstes Element”.

Für M 1 ist die Behauptung sicher richtig, da 1 ∈M 1 .

Die Behauptung gelte nun für ein n ∈ N .

Zu zeigen ist, dass “jede Teilmenge M ₊₁ von N , kleinstes Element besitzt”. Man unterscheidet zwei Fälle:

1. Fall: Für alle x ∈ M ₊₁ gilt n+1 ≤ x und

2. Fall: Es gibt ein x ∈ M ₊₁ mit x < n+1.

Der erste Fall ist klar, für den Beweis des zwei- ten Falls verwendet man die Injektivität von s und die Induktionsvoraussetzung.

Da jede nichtleere Teilmenge von N ein n∈ N enthält ist der Satz bewiesen.

6 Primzahlen

Eine wichtige Teilmenge der Natürlichen Zahlen sind die Primzahlen. Primzahlen sind alle natürliche Zahlen mit

genau zwei Teilern. P = { 2, 3, 5, 7, 11,

}

Autorenliste

Bei der Erstellung diese Buches wurden bestehende Ka- pitel aufgeteilt. In diesem Kapitel sind Teile des aufge- teilten Kapitels Mathematik: Analysis: Anhänge: Zahlen- mengen enthalten.

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7 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen

7.1 Text

Mathematik: Analysis: Grundlagen: Natürliche Zahlen Quelle: http://de.wikibooks.org/wiki/Mathematik%3A%20Analysis%3A% 20Grundlagen%3A%20Nat%C3%BCrliche%20Zahlen?oldid=588156 Autoren: Pmatu, Duschgeldrache2, Jobu0101 und Anonyme: 3

7.2 Bilder

7.3 Inhaltslizenz