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Die Kelten : Entwicklung und Geschichte einer europäischen Kultur in Bildern [Erich Lessing, Venceslas Kruta et al]

Autor(en):

Gasser, Manuel

Objekttyp:

BookReview

Zeitschrift:

Du : die Zeitschrift der Kultur

Band (Jahr): 39 (1979)

Heft 7

PDF erstellt am:

07.04.2015

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MARGINALIEN Kunstbuch des Monats SCHWEIFENDES ihren Standorten als schöpferisch in Kunstwerken, die diesen Aufwand
MARGINALIEN
Kunstbuch des Monats
SCHWEIFENDES
ihren Standorten als
schöpferisch in
Kunstwerken, die diesen Aufwand
hohem Grade und brachten
selbst
gar nicht
nötig
hatten, oft ein Über-
BILDLICH
nach ihrem Erlöschen als staatenbil¬
mass
an Beleuchtungseffekten
und
dendes Element eine der bewunde¬
andern
photographischen
Kniffen
GEBANNT
rungswürdigsten Leistungen der
zukommen
liess.
Im
Falle
der Kel¬
europäischen
Kunstgeschichte
her¬
tenkunst hingegen
ist das
stupende
Die Kelten -
Entwicklung
und
vor:
die
Buchmalerei
der
irischen
Können
Lessings
nicht nur am Platz,
Geschichte einer
europäischen Kul¬
und schottischen Mönche im frühen
sondern
das
einzige
taugliche Mittel,
tur in Bildern von
Erich
Lessing
Mittelalter. Da sie aber keine städti¬
um ihre formale
Schönheit,
ihren
Mit Texten von Venceslas
Kruta,
sche Kultur
kannten, erschöpfte
sich
hohen
geistigen Gehalt zur Wirkung
P.-M.Duval, Miklós Szabó und
ihre künstlerische
Tätigkeit
in
der
zu bringen.
Cordelia Spaemann
Herstellung
von Schmuck,
Waffen,
Verlag Herder, Freiburg. sFr. 133.20
Münzen,
transportablen Idolen und
Nehmen wir als
Beispiel
nur die
verzierten
Gegenständen
des
tägli¬
erste Tafel des Bandes.
Es handelt
mg
- Bei der
Beschäftigung
mit
chen Gebrauchs.
Das
keltische
Erbe
Wiedergabe
des Teil¬
Geschichte, Kultur
und
Kunst der
besteht dann auch fast ausschliess¬
sich um die
stücks einer
Bronzeverzierung, die
Kelten ergeht
lich aus kleinen und kleinsten
ursprünglich
Holzkrug
Forellenfang
es einem wie beim
mit blosser Hand: Die
einen
Erzeugnissen
der Bronzegiesser,
schmückte
und in Mähren
gefunden
Materie
entschlüpft
dauernd dem
und doch kann
Gold-
und
Silberschmiede, Glas¬
wurde. Das
abgebildete Fragment
zupackenden
Griff,
schmelzer und Graveure, während
misst in Wirklichkeit
nur
gerade
45
man von
dem
erregenden Spiel
die Architektur
überhaupt
keine und
Millimeter; um mehr als das Sechs¬
nicht lassen, versucht
man
immer
die
Skulptur nur
eine
beiläufige
fache
vergrössert und dank einer
von
neuem,
dem von Geheimnissen
Rolle
spielen.
meisterhaften
Lichtführung,
Farbge¬
umwitterten Volk auf den Sprung zu
bung
und was der
Kunstgriffe
mehr
kommen.
sind,
wird daraus ein
Werk
von
Die Kalamität mit den Kelten hat
monumentaler Grösse, urtümlicher
Kraft und mitreissender Kühnheit -
viele Gründe. Die Tatsache vor
der
Inbegriff
dessen, was wir unter
allem, dass das
Hauptmerkmal der
dem
keltischen Genius verstehen
unter diesem
Begriff
zusammen-
und damit die
Fähigkeit
meinen,
gefassten
Stämme
die Unstäte war.
Sinnliches mit
Übersinnlichem
»IL.«***
zu
Teils
einem
angeborenen
Wander¬
verquicken,
Naturform ins
spre¬
trieb folgend,
teils
dem
Druck mäch¬
chende
Ornament zu verwandeln.
tigerer
Nachbarn weichend, tauchen
die
Kelten im Lauf des letzten vor¬
Die
Exempla
für
Lessings Interpre¬
christlichen Jahrtausends allenthal¬
tationskunst
könnten
beliebig
ver¬
ben im mittleren
Europa
auf: im
mehrt werden; besondere
Erwäh¬
schweizerisch-süddeutschen Raum,
nung
aber verdient nun sein Vermö¬
in Gallien, in der Po-Ebene, der
gen,
durch reine Landschaftsauf¬
Donau
entlang
von der Quelle bis
nahmen historisch-kulturelle Gege¬
zur
Mündung,
am Oberlauf der Elbe
benheiten
sinnfällig
zu machen.
und
bis
in
die
Karpaten hinein. Im
Auch dafür
ein
Beispiel. Man weiss,
Osten setzte eine
Splittergruppe
ungemeine
über den
Hellespont
und
gründete
dass der Wald eine
Anziehungskraft auf
die
Kelten aus¬
im Herzen
Kleinasiens das
Reich
der
übte,
ihr
eigentlicher,
von Bedeu¬
Galater;
im Westen
galt
die See zwi¬
tung
und
Geheimnis
erfüllter
schen
Wales, Irland
und der Bre¬
Lebensraum war. Dieses von allen
tagne
während Jahrhunderten als
Teil eines
Bronzegeschirrs in Gesichtsform aus
Autoren bezeugte Faktum wird
«keltisches Mittelmeer».
Brno-Malomèrice
durch
Lessings
grossartige
Auf¬
nahme
des
denkwürdigen
Waldes
Das Unglück ist, dass wir über diese
Das hat zur Folge, dass die kelti¬
von Bibracte
zum
erschauten, erleb¬
Wanderungen
und
Eroberungszüge
schen Abteilungen
in den Museen
ten Begriff.
ausschliesslich durch
nichtkeltische,
und
gelegentliche
Ausstellungen
das heisst
griechisch-römische
keltischer
vom
kaum beachtet werden.
Kunst
Publikum
in
Der aus dem Französischen über¬
Geschichtsschreiber
unterrichtet
der
Regel
setzte
Haupttext
von Venceslas
sind, die die rasche Folge von Siegen
Die Schönheit dieser Kleinodien und
Kruta
befasst
sich ausschliesslich
und
Niederlagen meist aus
grosser
Münzen,
Kultfiguren, Metallreliefs
mit Geschichte und Kultur der Kel¬
Distanz
und
mit
geringer
Sach¬
und so
fort
wird,
der
winzigen
For¬
ten; er wird im
gleichen
Sinn
kenntnis zu
Papier
brachten. Denn
mate
einfach
überse¬
wegen,
ganz
ergänzt
durch den
die
Donaukelten
die Kelten kannten die Schrift ent¬
hen. Um
sie
augenfällig
zu machen,
betreffenden
Beitrag
des
Ungarn
weder überhaupt
nicht oder
zogen,
brauchte es
die
Kunst
des Photogra¬
Miklós Szabó.
Für
das Verständnis
wenn sie
ihren
Nachbarn den
phen Erich Lessing.
der über hundert im Tafelteil
Gebrauch
von Lettern abguckten,
wiedergegebenen
Kunstwerke ist
keinen für die
Forschung
ins
Erich
Lessing
hat schon eine
man
auf
die
Kommentare
ganze
angewie¬
Gewicht fallenden
Nutzen daraus.
Reihe
von
Bildbänden
geschaffen,
sen, die
kleinformatige
Wiederho¬
die man jeweils mit einer
Mischung
lungen von Lessings
Aufnahmen im
Was nun die Kunst dieser unstet¬
aus
Bewunderung
und
Skepsis zur
Anhang
begleiten.
Sie vermitteln in
schweifenden Völkerschaften
Kenntnis
nahm.
Verhielt
es sich
knapper
Form
alle wissenswerten
74 angeht, so erwiesen sie sich an allen
doch so, dass dieser Photograph
Auskünfte.