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„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!

“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 Dossier
zu
den
neueren
Entwicklungen
in
der
Gehirn‐Geist‐Debatte
–
Naturalismus
und
 Materialismus
bestimmen
die
Diskussion.

„(T)hese days we’re all materialists   for much the same reason that   Churchill gave for being a democrat:   the alternatives seem even worse.“ 1  

Introductio 
In
dem
vorliegenden
Essay
werden
die
aktuellen
naturalistischen
Trends
in
der
analytischen
Philosophie
 des
 Geistes
 beleuchtet.
 Hierbei
 wird
 wie
 folgt
 vorgegangen:
 Zunächst
 wird
 ein
 kurzer
 Blick
 in
 die
 Forschungstradition
geworfen,
da
die
aktuellen
Positionen
nicht
im
leeren
Raum
entstanden
sind
und
die
 traditionellen
 Argumentationen
 bzw.
 Grundpositionen
 in
 vielen
 naturalistischen
 Diskussionen
 noch
 dominierend
 sind.
 Daher
 hat
 die
 Tradition
 (noch?)
 einen
 sehr
 starken
 Einfluss
 und
 bildet
 die
 Argumentationsbasis.
 Nach
 dieser
 historischen
 Perspektive
 folgt
 eine
 systematische
 Analyse
 der
 vier
 aktuell
wichtigsten
naturalistischen
Theorien
innerhalb
der
„philosophy of mind“:
des
Behaviorismus,
der
 physikalistischen
 Identitätstheorie,
 des
 Funktionalismus
 und
 der
 Theorie
 der
 mentalen
 Repräsentation.
 Auf
die
wichtige
Theorie
des
phänomenalen
Bewusstseins
wird
nicht
eingegangen,
da
sie
keine
eigentliche
 naturalistische
 Position
 ist.2
 Am
 Ende
 findet
 sich
 noch
 ein
 kurzer
 Blick
 auf
 die
 anthropologischen
 Auswirkungen
der
materialistischen
Theorien
(Personalität).



Philosophiegeschichtliche Impulse zum Verständnis der aktuellen Debatten 
Westliche
 Philosophie
 ist
 nach
 Alfred
 North
 Whitehead
 als
 „Fußnoten
 zu
 Platon“
 zu
 verstehen,
 dies
 gilt
 auch
 für
 die
 „philosophy  of  mind“.
 Auch
 die
 antiken
 Philosophen
 haben
 sich
 schon
 mit
 dem
 Unterschied
 zwischen
 Körper
 und
 Geist
 beschäftigt
 und
 ihre
 Überlegungen
 damit
 das
 Fundament
 für
 die
 heutige
 Diskussion.
 Hierbei
 stehen
 sich
 die
 philosophischen
 Positionen
 von
 Platon
 und
 Aristoteles
 gegenüber.
 Platon
gilt
heute
als
Vertreter
des
immateriellen
Seelenbegriffs.3
Aristoteles
hingegen
sieht
die
Seele
nicht
 als
 eine
 vom
 Köper
 gelöste
 Existenz.
 Der
 aristotelische
 ψυχή‐Begriff
 umschließt
 die
 Lebensfunktionen,



























































1



 



2

3





Fodor,
Jerry
A.:
Fodor,
Jerry
A.,
in:
Guttenplan,
Samuel
(Hrsg.):
A
companion
to
the
philosophy
of
mind.
Oxford
1994,
S.
292–300,
 hier
S.
292.
 Es
sei
hier
aber
kurz
auf
ein
paar
Schlagwörter
verwiesen:
Phänomenales
Bewusstsein
wird
häufig
mit
Qualia
gleich
gesetzt.
In
 diesem
 Zusammenhang
 wird
 diskutiert,
 ob
 es
 nicht‐physikalische
 Tatsachen
 überhaupt
 gibt.
 Hier
 erkennen
 wir
 wieder
 die
 Herausforderung
eines
Materialismus’.
Der
Materialist
muss
die
qualitativen
Bewusstseinszustände
als
physikalische
Tatsachen
 erläutern;
 wenn
 er
 dies
 nicht
 kann,
 dann
 ist
 der
 Materialismus
 des
 Geistes
 falsch.
 Dies
 impliziert
 aber
 nicht
 unbedingt,
 dass
 dadurch
 ein
 Dualismus
 die
 richtige
 Theorie
 ist,
 da
 es
 sich
 dann
 um
 ein
 negatives
 Argument
 handelt
 und
 kein
 positives,
 es
 ist
 nicht
 notwendig
 damit
 bewiesen,
 dass
 der
Dualismus
 richtig
 ist.
Grundlagen:
 Bewusstsein
gilt
 in
 der
 Regel
als
intentional.
Bei
 Qualia
ist
dies
anders.
Die
wichtigsten
Autoren,
die
dies
Herausgearbeitet
haben
sind
Charles
S.
Peirce
(Peirce,
Charles
Sanders:
 Quale‐Consciousness,
in:
scientific
Metaphysics
(Collected
Papers
VI).
Cambridge,
MA
 31965,
S.
150‐154.)
und
C.
I.
Lewis
(Lewis,
 Clarence
Irving:
Mind
and
the
world
order
–
Outline
of
a
theory
of
knowledge.
New
York
1929,
bes.
S.
60
u.
S.
121‐128.).
„Lewis
 bestimmt
 eine
 Quale
 als
 die
 wiedererkennbare
 Qualität
 eines
 unmittelbar
 gegebenen
 Bewusstseinsinhalts.“(Teichert
 2006,
 S.
 135).
Phänomenale
Zustände
können
wie
folgt
in
verschiedene
Kategorien
eingeordnet
werden:
1)
„Wahrnehmungs‐Erlebnisse:
 Hierbei
 handelt
 es
 sich
 um
 Erlebnisse,
 die
 vermittels
 der
 fünf
 klassischen
 Wahrnehmungsorgane
 zustande
 kommen
 ...
 (2)
 Erlebnisse,
 die
 sich
 auf
 den
 Zustand
 des
 eigenen
 Körpers
 beziehen
 (somatosensorische,
 propriozeptive
 Wahrnehmungen):
 Schmerzerlebnisse
 sind
 nicht
 Erlebnisse,
 die
 einen
 externen
 Gegenstand
 haben.
 Schmerz,
 Wärme,
 Hunger,
 Jucken
 usw.
 sind
 Erlebnisse,
 die
 den
 eigenen
 Körper
 betreffen.
 (3)
 Emotionen,
 Gefühle,
 Stimmungen:
 Ärger,
 Liebe,
 Müdigkeit,
 Eifersucht
 usw.“
 (Teichert
2006,
S.
136.)
Zu
einen
der
wichtigsten
Autoren
in
diesem
Bereich
gehören
Thomas
Nagel
(Vgl.
Nagel,
Thomas:
Wie
ist
 es
eine
Fledermaus
zu
sein?
(dt.
von
U.
Diehl),
in:
Bieri,
Peter:
Analytische
Philosophie
des
Geistes.
Bodenheim
21993,
S.
261‐276,
 hier
 bes.
 S.
 262.)
 und
 Frank
 Jackson
 (Vgl.
 Horgan,
 Terence:
 Jackson
 über
 physikalische
 Information
 und
 Qualia,
 in:
 Heckman,
 Heinz:‐Dieter
 /
 Walter,
 Sven
 (Hrsg.):
 Qualia
 –
 Ausgewählte
 Beiträge.
 Paderborn
 2001,
 S.
 139‐148.)
 Aktueller
 Stand:
 Die
 Diskussion
über
Qualia
ist
nicht
abgeschlossen.(Vgl.
Ludlow,
Peter
/
Nagasawa
Yujin
/
Stoljar,
Daniel
(Hrsg.):
There’s
something
 about
Mary
–
Essays
on
phenomenal
consciousness
and
Frank
Jackson’s
knowledge
argument.
Cambridge,
MA
2004.)
„Bei
dieser
 Kontroverse
 wird
 über
 die
 folgenden
 Eigenschaften
 der
 Qualia
 und
 über
 die
 Möglichkeit
 diskutiert,
 sie
 mit
 physikalischen
 Begriffen
 zu
 erfassen:
 *Qualia
 sind
 unaussprechlich.
 *Qualia
 sind
 intrinsisch:
 Sie
 sind
 an
 der
 Erlebnisperspektive,
 die
 Perspektive
der
ersten
Person
gebunden.
*Qualia
sind
dem
Bewusstsein
unmittelbar
oder
direkt
zugänglich
...“
(Teichert
2006,
S.
 140).
 Vgl.
z.B.
Frede,
Dorothea:
Platons
„Phaidon“
–
Der
Traum
der
Unsterblichkeit
der
Seele.
Darmstadt
1999.
Besonders
wichtig
ist
in
 diesem
Zusammenhang
das
Werk
Menon
81
c‐d,
Platon
behauptet
folgendes:
(1)
Durch
die
Geburt
verliert
die
Seele
das
Wissen
 (der
 Ideen),
 (2)
 Die
 Seele
 ist
 unsterblich
 und
 wird
 mehrfach
 geboren.
 (3)
 Lernen
 ist
 das
 Erinnern
 an
 den
 pränatalen
 Seelenzustand
 (ἀνάμνησις).
 (Vgl.
 Platon:
 Menon
 (Übers.
 v.
 Georgii,
 Ludwig),
 in:
 Loewenthal,
 Erich
 (Hrsg.):
 Platon.
 Sämtliche
 Werke.
Bd.
1,
Darmstadt
2004,
S.
411‐458,
hier
S.
429.)


1


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


nicht
 nur
 des
 Menschen,
 sondern
 aller
 Lebwesen.4
 Damit
 wird
 eine
 Grundunterscheidung
 angezeigt,
 die
 für
 die
 heutige
 Philosophie
 von
 hohem
 Interesse
 ist,
 nämlich
 wie
 Leib
 und
 Seele
 bzw.
 Mentales/Psychisches
 und
 Physisches
 zusammengehören:
 das
 Leib‐Seele‐Problem.
 Hier
 wird
 häufig
 zwischen
 Substanzdualismus
 (wohl
 eher
 Platon)
 und
 Substanzmonismus
 (wohl
 eher
 Aristoteles)
 unterschieden.
 In
der
Philosophie
der
Neuzeit
kristallisierte
sich
aus
den
Debatten
ein
Grundsatzproblem
heraus,
welches
 Bieri
 als
 ein
 „Trilemma“
 systematisiert:
 Die
 folgenden
 drei
 Thesen
 bilden,
 so
 Bieri,
 einen
 logischen
 Widerspruch:
„(1)
Mentale
Phänomene
sind
nicht‐physische
Phänomene.
(2)
Mentale
Phänomene
sind
im
 Bereich
 physischer
 Phänomene
 kausal
 wirksam.
 (3)
 Der
 Bereich
 physischer
 Phänomene
 ist
 kausal
 geschlossen.“5
Bieris
„Trilemma“
findet
seine
Wurzeln
vor
allem
in
der
Philosophie
der
Neuzeit.
Daher
sei
 nun
 ein
 kurzer
 Blick
 auf
 einen
 der
 wichtigsten
 Philosophen,
 dessen
 Theorie
 in
 der
 Gegenwart
 häufig
 referiert
wird,
geworfen:
Descartes.
Er
gilt
als
Substanzdualist,
das
heißt
er
trennt
die
physische
von
der
 psychischen
 Substanz.6
 Durch
 Descartes
 erkennen
 wir
 schon
 eine
 wesentliche
 Aufgabe
 der
 Philosophie
 der
 Gegenwart:
 die
 Spannung
 zwischen
 Körper
 und
 Geist
 zu
 lösen.
 Hierbei
 liefern
 die
 naturalistischen
 Positionen
 (siehe
 unten),
 einen
 aus
 der
 Physikalistischen
 Theorie
 entspringenden
 trivialen
 Lösungsansatz:
 Sie
 verneinen
 die
 Existenz
 von
 zwei
 Substanzen
 und
 gehen
 von
 einem
 Monismus
 aus.
 Damit
 lösen
 sie
 das
 Problem
 aber
 nicht,
 sondern
 stellen
 das
 Problem
 per  se
 in
 Frage.
 Doch
 aus
 einer
 Trennung
 zwischen
 psychischen
 und
 physischen
 ergibt
 sich
 ein
 strukturelles
 Problem,
 nämlich
 wie
 sich
 beide
„Substanzen“
zueinander
verhalten:
Gibt
es
gegenseitige
Verursachung?
Descartes
lässt
drei
Typen
 von
 Verursachungen
 zu:
 (1)
 Mentales
 verursacht
 etwas
 Mentales;
 (2)
 physisches
 Ereignis
 verursacht
 etwas
 Mentales;
 (3)
 Physisches
 verursacht
 etwas
 Physisches.7
 Nach
 Descartes
 haben
 sich
 zunächst
 die
 Occasionalisten
 mit
 dem
 Leib‐Seele
 Problem
 beschäftigt.
 Diese
 Philosophen,
 häufig
 waren
 es
 Theologen
 (z.B.
 Malebranche),
 hatten
 einen
 theozentrischen
 Blick
 auf
 das
 Problem:
 Für
 sie
 war
 die
 Beziehung
 zwischen
 Körper
 und
 Geist
 nicht
 kausal,
 sondern
 transzendental8.
 Erstmals
 taucht
 mit
 Spinoza
 eine
 explizite
 Gegenposition
 zum
 kartesischen
 Substanzdualismus
 auf:
 der
 Substanzmonismus.
 Spinoza
 gab
 den
Dualismus
auf,
er
spricht
von
nur
einer
Substanz,
welche
beide
Attribute,
die
der
Ausdehnung
und
die
 des
Denkens,
hat.
Damit
sind
also
die
physischen
und
psychischen
Phänomene
die
jeweilige
Modifikation
 der
einen
Substanz:
Das
was
die
Idee
für
das
Denken
ist,
ist
die
Ausdehnung
für
den
Körper
(Beispiel:
Die
 Idee
eines
Baums
und
ein
Baum
im
Park
ist
nicht
etwas
unterschiedliches,
es
ist
der
gleiche
Sachverhalt,
 der
unter
zwei
verschiedenen
Attributen
ausgedrückt
wird.)
Damit
wird
eine
Interaktionsthese
hinfällig,
 da
es
keinerlei
kausale
Beziehung
gibt,
sondern
es
lediglich
Modifikationen
der
einen
Substanz
sind.9
Ein
 weiterer
großer
Denker
des
17.
Jh.
Gottfried
Wilhelm
Leibniz,
der
in
der
Theologie
durch
die
Theodizee
 berühmt
wurde,
hat
noch
einen
weiteren
Lösungsweg
formuliert,
den
Psychophysischen Parallelismus.
Für
 ihn
sind
alle
Grundelemente
des
Universums
einfache
Substanzen,
und
zwar
sind
diese
immatriell,
jedoch
 nicht
 rein
 geistiger
 Art
 wie
 bei
 Descartes
 Dualismus.
 Die
 immatriellen
 Substanzen
 sind
 nämlich,
 nach
 Leibniz,
 mit
 einem
 Körper
 verbunden.
 Dem
 Okkasionalismus
 steht
 er
 sehr
 kritisch
 gegenüber,
 da
 es
 seinem
 Gottesbild
 widerspricht,
 dass
 Gott
 ununterbrochen
 verursacht.
 Leibniz
 geht
 eher
 von
 einer



























































4





5 6



 



7



 

 



8

9

Vgl.
Teichert,
Dieter:
Einführung
in
die
Philosophie
des
Geistes.
Darmstadt
2006,
S.
31.
Aristoteles
hat
ein
ganzes
Werk
diesem
 Thema
gewidmet:

περι
ψυχή
(De
anima)
(Vgl.
Vgl.
Aristoteles:
Über
die
Seele
(griechisch‐deutsch,
dt.
von
Theiler,
Willy/Seidl,
 Horst),
 Hamburg
 1995).
 Alles
 was
 Stoffwechsel
 hat,
 sich
 reproduzieren
 kann,
 was
 wachsen
 kann
 und
 was
 vergehen
 kann,
 hat
 eine
Seele,
so
Aristoteles
(Vgl.
De
An
415a23‐26).
Doch
ein
Mensch
ist
kein
Tier
und
deshalb
hat
Aristoteles
ein
hierarchisches
 Stufenmodell
der
Lebewesen
entwickelt:
An
oberster
Stelle
steht
das
komplexeste
leistungsfähige
und
vollkommene
Lebewesen.
 zusammengefasst:
 Die
 Pflanze
 hat
 Stoffwechsel,
 das
 Tier
 hat
 hinzu
 noch
 Wahrnehmung
 und
 der
 Mensch
 hat
 hinzu
 noch
 Vernunft.
Was
heißt
das
nun
für
Körper
und
Geist?
Aristoteles
bricht
die
krasse
Trennung
der
platonischen
Seelenvorstellung
 auf
 und
 fügt
 Körper
 und
 Geist
 in
 einer
 Einheit
 zusammen,
 allerdings
 (!)
 sind
 Körper
 und
 Seele
 bei
 Aristoteles
 dennoch
 nicht
 identisch.
 Aristoteles
 vertritt
 einen
 Eigenschaftsdualismus:
 „Die  mentalen  Eigenschaften  kommen  nicht  dem  Körper  an  sich  zu,  sondern sie gehören zu einem in bestimmter Weise geformten Körper“ (Teichert
2006,
S.
32).
 Bieri,
Peter:
Analytische
Philosophie
des
Geistes.
Bodenheim
21993,
S,
5.

 Descartes
erkennt
durch
die
Methode
des
Zweifels,
dass
folgender
Satz
wahr
sein
muss:
„(D)ieser
Satz:
,Ich
in,
ich
existiere’
(ist),
 so
 oft
 ich
 ihn
 ausspreche
 oder
 in
 Gedanken
 fasse,
 notwendig
 wahr
 ...“
 (Descartes,
 René:
 Die
 Leidenschaft
 der
 Seele
 (dt.
 von
 Hammacher,
 K.),
 Hamburg
 1996,
 S.
 18.)
 In
 anderen
 Worten:
 „,Ich
 denke
 den
 Gedanken
 G’
 ist
 jedes
 Mal
 wahr,
 wenn
 ich
 den
 Gedanken
 G
 denke“
 (Teichert
 2006,
 S.
 36)
 oder
 noch
 kürzer:
 Cogito
 ergo
 sum.
 Doch
 Cogitatio
 ist
 bei
 Descartes
 mehr
 als
 nur
 denken,
sondern
auch
Wollen,
Vorstellen
und
Empfinden.
(Vgl.
Ders.,
S.
37)
Nun,
wie
lassen
sich
denn
die
beiden
Substanzen,
die
 ja
 von
 Gott
 geschaffen
 wurden,
 differenzieren?
 Beide
 haben
 unterschiedliche
 Attribute,
 einmal
 das
 Attribut
 der
 Ausdehnung,
 dies
hat
der
Körper,
und
zum
anderen
das
Attribut
des
Denkens,
dieses
hat
der
Geist/die
Seele/das
Mentale.
Für
Descartes
sind
 Körper
 und
 Geist
 prinzipiell
 unabhängig
 von
 einander,
 da
 beide
 ganz
 unterschiedliche
 Eigenschaften
 haben,
 die,
 so
 Descartes,
 unabhängig
voneinander
sind.
(Vgl.
Descartes,
René:
Philsophische
Schriften
(dt.
von
Buchenau,
A.),
Hamburg

1996,
S.
55f.)
 Vgl.
 Descartes,
 René:
 Oeuvres
 et
 Lettres
 (hrsg.
 v.
 Bridoux,
 A.),
 Paris
 1953,
 S.
 824‐854.
 Vgl.
 acuh
 Carrier,
 Martin/Mittelstraß,
 Jürgen:
Geist,
Gehirn,
Verhalten
–
Das
Leib‐Seele‐Problem
und
die
Philosophie
der
Psychologie,
Berlin
1989,
S.
17‐20.
 (a)
 „Alle
 endlichen
 Gegenstände
 –
 sowohl
 körperliche
 als
 auch
 geistliche
 Substanzen
 –
 besitzen
 keinerlei
 genuine
 kausale
 Wirksamkeit.“
 b)
 „Gott
 ist
 der
 einzige
 genuin
 kausale
 Akteur.
 Gott
 verursacht
 direkt
 und
 unmittelbar
 alles,
 was
 geschieht.“
 (Teichert
2006,
S.
42)
 Vgl.
Teichert
2006,
S.
43f.


2


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Erstverursachung
in
der
Schöpfung
aus,
also
der
Grund
zum
Arzt
zu
gehen
ist
nicht
der
Schmerz,
sondern,
 dass
ich
zum
Arzt
gehe,
ist
schon
vorher
beschlossen
gewesen:
„In
Wahrheit
ist
schon
immer
festgelegt,
 wie
 mein
 Körper
 sich
 zu
 einem
 bestimmten
 Zeitpunkt
 bewegen
 wird“10,
 dies
 gilt
 auch
 für
 die
 Gedanken
 und
 Empfindungen.
 Gott
 hat
 also
 eine
 Synchronität
 von
 Körper
 und
 Geist
 in
 der
 Schöpfung
 verursacht.
 Damit
ist
das
Problem
gänzlich
aufgelöst.
 Im
 19.
 Jahrhundert
 entwickelten
 Huxley
 und
 Haeckel
 eine
 weitere
 Theorie,
 den
 Epiphänomenalismus.
 Diese
 akzeptiertden
 Substanzdualismus,
 lehnen
 aber
 mentale
 Verursachung
 von
 etwas
 Physikalischen
 strikt
 ab.
 Für
 sie
 gilt
 folgendes:
 „Mentale
 oder
 geistige
 Prozesse
 sind
 Begleiterscheinungen
 (Epiphänomene)
 der
 physischen
 Ebene“11
 (oder
 der
 Substanz),
 sie
 verursachen
 sie
 nicht.
 Das
 Physische
 verändert
 aber
 durchaus
 das
 Mentale
 und
 ist
 deren
 Verursacher.
 Sie
 schränken
 die
 Wirkungskraft
 des
 Mentalen
aber
noch
mehr
ein,
indem
sie
sagen,
dass
das
Mentale
nicht
einmal
auf
 seiner
eigenen
Ebene
 die
 Kraft
 der
 Verursachung
 hat,
 also
 Mentales
 kann
 nicht
 Mentales
 verursachen.
 In  summa
 ist
 also
 die
 kausale
 Kraft
 des
 Mentalen
 nichtig.
 (Ein
 Beispiel:
 Die
 Schmerzen
 in
 meiner
 Hand
 sind
 nicht
 der
 Grund
 warum
 ich
 zum
 Arzt
 gehe,
 sondern
 die
 Reizung
 der
 Nervenfasern
 in
 meiner
 Hand,
 die
 Schmerzen
 sind
 eine
 Begleiterscheinung,
 ein
 Epiphänomen.)
 Das
 Problem
 dieser
 Position
 ist:
 was
 wäre
 wenn
 ich
 keine
 Schmerzen
 empfinden
 würde,
 dann
 würde
 ich,
 nach
 Huxley
 und
 Haeckel
 trotzdem
 zum
 Arzt
 gehen.
 Jegliche
Funktionalität
dem
Mentalen
abzuschreiben,
scheint
keine
Lösung
zu
sein,
da
das
Mentale
nicht
 rein
zufällig
sein
und
auch
nicht
entbehrlich
sein
kann.
„Zwar
bietet
der
Epiphänomenalismus
den
Vorteil,
 im
 Zeitalter
 der
 Naturwissenschaften
 keine
 spekulativen
 Annahmen
 über
 die
 kausale
 Verursachung
 physischer
 Ereignisse
 durch
 den
 Geist
 machen
 zu
 müssen.
 Aber
 dieser
 Vorzug
 scheint
 mit
 einem
 gravierenden
Nachteil
erkauft
zu
werden,
denn
der
Geist
wird
eigentlich
überflüssig.“12
 Hier
endet
nun
der
historische
Exkurs,
da
nun
das
Augenmerk
auf
die
aktuelle
Entwicklung
im
20.
und
21.
 Jahrhundert
beleuchtet
werden
soll,
besonders
der
Materialismus.
Das
einführende
Zitat
von
Fodor
zeigt,
 dass
 es
 gute
 Argumente
 gegen
 den
 Materialismus
 zu
 geben
 scheint,
 aber
 dass
 die
 Position
 
 doch
 das
 geringere
 „Übel“
 sei.
 Doch
 hierfür
 muss
 der
 cartesische
 Dualismus
 aufgehoben
 werden,
 dies
 wird
 vor
 allem
 in
 den
 Naturwissenschaften
 (bes.
 den
 Neuro‐
 und
 Kognitionswissenschaften)
 argumentativ
 wie
 folgt
 versucht:
 sie
 behaupten:
 (1)
 mentale
 Phänomene
 sind
 eine
 Art
 von
 materiellen
 Phänomenen;
 (2)
 Mentales
kann
durch
materielle
Entitäten,
bzw.
materiellen
Prozessen,
erklärt
werden.
Hieraus
folgt
also,
 im
 Anklang
 an
 Spinoza,
 eine
 Monismus:
 In
 diesem
 Aufsatz
 wird
 ein
 Substanzmonismus
 besonders
 beleuchtet,
nämlich
der
Materialismus.13



Behaviorismus 
Die
erste
–
schon
überholte
–
Theorie,
die
allerdings
für
die
Leib‐Seele‐Debatte
von
großer
Bedeutung
ist,
 hängt
mit
der
Entwicklung
der
Psychologie
in
der
Mitte
des
letzten
Jahrhunderts
zusammen.
Im
Zentrum
 dieses
Ansatzes
stehen
die
Reize,
die
auf
den
Organismus
von
außen
einwirken
und
dann
die
Reaktionen
 des
 Organismus,
 die
 aufgrund
 der
 Reizung
 beruhen.
 Schließlich
 wurde
 alles
 nach
 dem
 Muster
 Reiz‐ Reaktion
 interpretiert
 und
 zum
 alleinigen
 Credo.
 Doch
 was
 hat
 diese
 Theorie
 nun
 mir
 dem
 materialistischen
Monismus
zu
tun?
Dies
erklärt
der
Behaviorist
Rudolf
Carnap:
„(D)ie
Psychologie
ist
ein
 Zweig
 der
 Physik.“14
 Folgender
 Grundsatz
 ergibt
 sich
 für
 die
 analytische
 Philosophie
 des
 Geistes:
 „Jede
 sinnvolle
Aussage
über
mentale
oder
physikalische
Phänomene
kann
in
eine
bedeutungsgleiche
Aussage
 übersetzt
werden,
die
ausschließlich
physische
Phänomene
–
nämlich
Phänomene
des
Verhaltens
und
des
 Körpers
 –
 erwähnt.“15
 Dies
 ist
 ein
 materieller
 Monismus.
 Es
 geht
 also
 darum
 das
 Psychische
 in
 das
 Physische
zu
übersetzen
und
hierbei
ist
nur
jener
Satz
war,
der
falsifizierbar
ist,
also
der
sich
empirisch
 überprüfen
 lässt.16
 Sie
 entwickelten
 die
 Theorie
 der
 Idealsprache,
 in
 welcher
 wahre
 Aussagen
 gebildet





























































 


 12 

 13 


10 11

Ders.,
S.
45.
 Ebd.
 Ders.,
S.
46.
 Grundsätzlich
 gilt
 es
 drei
 Arten
 von
 Monismus
 zu
 unterscheiden:
 (1)
 Idealismus/Mentalismus/Immaterialismus:
 Die
 Materie
 spielt
hier
keine
Rolle,
alles
geht
vom
Mentalen
aus.
„Physische
Manifestation
des
Geistes
sind
auf
der
Basis
der
immateriellen
 Substanz
und
ihrer
Eigenschaften
zu
erklären.“13
(2)
Materialismus/Physikalismus/Naturalismus:
Der
Geist
ist
ein
Ergebnis
der
 materiellen
Substanz.
Das
Mentale
erklärt
sich
durch
den
Materialismus.
(3)
Mentaler
Monismus:
„Es
gibt
eine
einzige
Substanz,
 der
sowohl
physische,
wie
auch
mentale
Eigenschaften
zukommen.“13
Die
Substanz
ist
weder
durch
das
physische
noch
durch
 das
 mentale
 angemessen
 zu
 definieren.
 Beispiele:
 Spinozas
 Substanzmonismus.
 In
 diesem
 Aufsatz
 liegt
 der
 Schwerpunkt
 auf
 dem
Materialismus.
 14 

 Carnap,
Rudolf:
Psychologie
in
physikalischer
Sprache,
in:
Erkenntnis
3
(1932),
S.
107‐142,
hier
S.
107.

 15 

 Teichert
2006,
S.
54.
 16 

 Vgl.
Hempel,
Carl
Gustav:
The
logical
analysis
of
psychology,
in:
Feigl,
H./Sellars,
W.
(Hrsg.):
Readings
in
philosophical
analysis.
 New
York
1949,
S.
373‐384,
bes.
S.
116.


3


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


werden.
Diese
Universalsprache
ist
nach
logischen
Erfordernissen
konzipiert
und
gedacht.
Doch
wie
lässt
 sich
 argumentativ
 gegen
 diese
 Theorie
 vorgehen?
 Mentale
 Phänomene
 sind
 für
 den
 Behaviorismus
 problematisch,
 da
 denken,
 raten,
 beurteilen
 nicht
 sichtbare
 Handlungen
 sind.
 Entweder
 können
 die
 Behavioristen
leugnen,
dass
es
diese
Prozesse
gibt
oder
sie
akzeptieren,
dass
es
Verhalten
gibt,
dass
nicht
 sichtbar
 ist.
 Beide
 Auswege
 aus
 dem
 Dilemma
 implizierte
 eine
 notwendige
 Erweiterung
 des
 Behaviorismus
 oder
 seine
 Aufgabe.
 Eine
 weitere
 Kritik
 gegen
 den
 Behaviorismus
 liefert
 Wittgenstein
 (nach
 der
 Revidierung
 seiner
 Theorie
 aus
 „Tractatus“)
 (er
 wird
 in
 diesem
 Zusammenhang
 auch
 als
 „Vertreter
 der
 normalen
 Sprache“
 bezeichnet.17)
 Die
 Übersetzungen,
 die
 Carnap
 anbietet,
 damit
 der
 Behaviorismus
 funktioniert,
 sind
 nicht
 sehr
 einleuchtend,
 besonders,
 wenn
 er
 davon
 spricht,
 dass
 die
 Mitteilung
 von
 Schmerzen
 eine
 Übersetzung
 anbietet.
 Denn
 hier
 liegt
 der
 Schwerpunkt
 nicht
 in
 den
 Schallwellen,
 sondern
 in
 der
 bedeutungstragenden
 Sprache.
 Auch
 das
 Schmerzverhalten
 ist
 keine
 geeignete
Übersetzung,
denn
ein
Schauspieler
kann
einen
Herzinfakt
spielen,
obwohl
er
keinen
hat,
oder
 ein
Gelähmter
hat
Schmerzen,
kann
sie
aber
nicht
zeigen.
Eine
Identifikation
von
Schmerzverhalten
und
 Schmerzen,
 als
 auch
 die
 Identifikation
 zwischen
 sprachlich
 Artikulation
 von
 Schmerz
 und
 Schmerzen
 laufen
 also
 fehl.18
 Somit
 ist
 der
 Behaviorismus,
 der
 versucht
 das
 Mentale
 in
 physikalischer
 Sprache
 zu
 formulieren
gescheitert.
 


Physikalistische Identitätstheorie 
Die
 Identitätstheoretiker
 akzeptieren
 im
 Gegensatz
 zu
 den
 Behavioristen
 die
 Existenz
 von
 mentalen
 Zuständen,
,
daher
sind
sie
keine
„harten“
Substanzmonisten.
In
dieser
Theorie
können
mentale
Zustände
 sogar
introsperspektiv
wahrgenommen
werden.
Der
Unterschied
zum
Dualismus
ist
besteht
darin,
dass
es
 sich
 bei
 den
 mit
 mentalen
 Prädikaten
 bestimmten
 Zuständen
 um
 eine
 spezielle
 Art
 von
 materiellen
 Zuständen
handelt.“19
Der
Grundsatz
der
Identitätstheoretiker,
ist
wie
der
Name
schon
sagt
die
Identität,
 also:
 Der  Geist  ist  das  Gehirn.
 Für
 ihre
 Argumentation
 nutzen
 sie
 das
 principium  identitatis  indiscernibilium,
 welches
 besagt,
 dass,
 wenn
 zwei
 Gegenstände
 in
 allen
 Eigenschaften
 übereinstimmen,
 diese
 auch
 ununterscheidbar
 sind.
 Die
 Identitätstheoretiker
 formulieren
 synthetische
 Sätze
 a  posteriori,
 indem
 „(e)ine
 Bestimmung
 mit
 mentalen
 Begriffen
 und
 eine
 physikalische
 Bestimmung
 ...
 als
 zwei
 unterschiedliche
 Bezugsweisen
 auf
 ein
 und
 denselben
 Sachverhalt
 behandelt.20
 Bei
 den
 Identitätstheoretikern
 spielt
 vor
 allem
 die
 numerische
 Identität
 eine
 entscheidende
 Rolle:
 z.B.
 ist
 ein
 Gefühl
 numerisch
 identisch
 mit
 einem
 klar
 bestimmten
 Zustand
 des
 Nervensystems.
 Also:
 Jede
 mentale
 Eigenschaft
 bzw.
 jeder
 mentale
 Zustand
 ist
 a  posteriori
 identisch
 mit
 einer
 physischen
 Eigenschaft
 bzw.
 einem
physischen
Zustand.“21
Hieraus
folgt
für
das
Verhältnis
zwischem
Mentalem
und
Physischem,
dass
 es
keine
kausalen
Beziehungen
(wie
bei
dem
cartesischen
Dualismus)
zwischen
Geist
und
Körper
geben
 kann,
 da
 beides
 eben
 identisch
 ist;
 es
 kann
 also
 kein
 Interaktionsproblem
 geben.
 Wiederholt
 man
 das
 Trilemma,
 erkennt
 man,
 dass
 Identitätstheoretiker
 den
 ersten
 Satz
 (Mentale
 Phänomene
 sind
 nicht‐ physische
 Phänomene)
 nicht
 lösen,
 sondern
 als
 falsch
 charakterisieren.
 Es
 gibt
 zwei
 große
 Strömungen
 innerhalb
der
Identitätstheorie,
die
nun
kurz
vorgestellt
werden:
 Typen­Identitätstheorie.
 Die
 Typenidenitätstheoretiker
 finden
 sich
 vor
 allem
 in
 den
 50er
 Jahren
 des
 letzten
 Jahrhunderts
 (Feigl,
 Place,
 Smart).
 Die
 type­type  identity  theory
 geht
 vor
 allem
 davon
 aus,
 dass
 „jeder
 Typ
 eines
 physischen
 Zustande
 ...
 identisch
 (ist)
 mit
 einem
 physischen
 Zustandstyp.“22
 Also
 ein
 Schmerz
S
ist
identisch
mit
einer
C‐Fasern‐Aktivität,
diese
heißt
auch,
dass
S
genau
dann
auftritt,
wenn
es
 eine
C‐Fasern‐Aktivität
gibt.
Das
Ergebnis
lautet
also,
dass
jedes
mentale
Prädikat
sich
einfach
durch
ein
 physikalisches
Prädikat
ersetzten
lässt.
 Token­Identitätstheorie.
 Der
 Einwand
 gegen
 die
 Typen‐Identitätstheorie
 war
 die
 multiple
 Realisierbarkeit,
 diese
 wurde
 durch
 die
 Einführung
 des
 Token‐Begriffs
 gelöst,
 folgendes
 besagt
 diese
 Identitätstheorie:
 „Jedes
 Vorkommnis
 eine
 psychsichen
 Zustands(‐token)
 ...
 ist
 identisch
 mit
 einem
 Vorkommnis
 eines
 physischen
 Zustand(‐stoken)...“23
 Also
 S1...n
 ist
 identisch
 mit
 C1...n.
 Das
 Problem
 dieser
 Theorie
 ist
 allerdings,
 dass
 die
 „systematische
 Beziehung
 zwischen
 den
 Klassen
 von
 mentalen
 und





























































 

 19 

 20 

 21 

 22 

 23 


17 18

Vgl.
Teichert
2006,
S.
57.
 Vgl.
zur
Kritik
Ders.,
S.
56.
 Ders.,
S.
66
 Ders.,
S.
71.
 Beckermann,
Ansgar:
Analytische
Einführung
in
die
Philosophie
des
Geistes,
Berlin/New
York
22001,
S.
101.
 Teichert
2006,
S.
72.
 Ders.,
S.
73.


4


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


physischen
 Zuständen
 ...
 abgeschwächt
 (werden).“24
 Der
 klare
 Vorteil
 ist,
 dass
 man
 mehr
 Präzision
 erreicht.
 „Bei
 der
 Token‐Identität
 gibt
 es
 keine
 robusten
 und
 überschaubaren
 Beziehungen
 zwischen
 mentalen
und
physischen
Zustandsarten
mehr,
sondern
Beziehungen
zwischen
eine
Vielzahl
individueller
 Zustände,
die
in
aufwendigen
empirischen
Untersuchungen
zu
bestimmen
wären.“25

 Kritik  an  der  Identitätstheorie.  Der
 Substanzdualist
 würde
 Folgendes
 kritisch
 äußern:
 dass
 die
 Identitätstheoretiker
nicht
gezeigt
 hätten,
dass
 es
sich
 wirklich
um
zwei
unterschiedliche
Bezugsformen
 eben
nur
einer
einzigen
Tatsache
handelt.
Die
Identitätstheoretiker
sind
zwar
Monisten,
gehen
aber
davon
 aus,
ohne
ihn
zu
beweisen.
Einer
der
bedeutendsten
Kritiker
war
Saul
Kripke26:
Für
Kripke
ist
es
denkbar,
 dass
es
eine
Sachlage
gibt,
in
der
S
ohne
C‐Fasern
Aktivität
vorkommt:
„Für
die
Fixierung
der
Bedeutung
 von
 Schmerz
 ist
 es
 wesentlich,
 wie
 Schmerz
 sich
 anfühlt.
 Schmerz
 ist
 wesentlich
 ein
 Zustand,
 der
 von
 Individuen
erlebt
wird.“27
Der
Satz,
dass
S
mit
C
identisch
ist,
ist
also
nicht
notwendig
wahr,
sondern
nur
 kontingent
 wahr.
 „Denn
 nichts
 verbietet
 die
 Vorstellung,
 dass
 anstelle
 von
 C‐Fasern
 andere
 neuronale
 Strukturen
den
Schmerz
konstituieren.“28
Nach
Kripke
sind
also
nicht
mit
Notwendigkeit
gültig.29
 Putnam30
führte
folgende
Argumentationen
gegen
die
Identitätstheorie
ins
Feld:
„S=C“
unterscheidet
sich
 sowohl
von
„Wasser
=
H2O“,
denn
die
Identität
zwischen
S
und
C
ist
eben
nicht
so
stabil
wie
Wasser
und
 H2O.
 Denn
 S
 kann
 auch
 durch
 D‐Fasern‐Aktivität
 erzeugt
 werden
 oder
 aufgrund
 ganz
 und
 gar
 anderer
 materiellen
Prozessen.
Nach
dieser
schlagenden
Kritik
spielt
die
Identitätstheorie
seit
den
1970ern
kaum
 noch
 eine
 Rolle.
 Putnams
 Kritik
 lässt
 sich
 wie
 folgt
 zusammenfassen:
 „Es
 gibt
 keine
 intrinsischen
 Eigeschaften
 physikalischer
 Zustände,
 aufgrund
 derer
 diese
 mit
 bestimmten
 mentalen
 Zuständen
 identisch
 sind.
 Putnams
 Argument
 wird
 unter
 dem
 Stichwort
 ,multiple
 Realisierbarkeit’
 des
 Mentalen
 diskutiert.“31
 Diese
 Kritik
 richtet
 sich
 vor
 allem
 gegen
 die
 Typen‐Identität,
 denn
 für
 die
 Token‐Identität
 stellt
 die
 multible
 Realisisierbarkeit
 kein
 Problem
 dar.
 Trotzdem
 gibt
 es
 auch
 gegen
 die
 Token‐Identität
 deutliche
 Kritik:
 „Kritiker
 argumentieren,
 dass
 in
 ihrem
 Rahmen
 empirisch
 gehaltvolle
 Aussagen
 über
 Relationen
von
mentalen
und
physischen
Zuständen
zwar
nicht
ausgeschlossen
sind,
aber
sehr
komplex
 werden
 können.
 Zudem
 wird
 kritisiert,
 dass
 lediglich
 Korrelationen
 aufgewiesen
 werden,
 aber
 keine
 Identität
bewiesen
ist.“32
 


Anomaler Monismus und Supervenienz 
Die
 Theorie
 des
 anomalen
 Monismus33
 und
 der
 Supervenienz
 wurde
 vor
 allem
 von
 Donald
 Davidson
 entwickelt34.
Diese
Theorie
lässt
sich
dem
Materialismus
zuordnen,
obwohl
dem
mentalen
eine
spezifische
 Eigenständigkeit
 zukommt.
 Die
 harten
 Materialisten
 kritisieren
 deshalb
 diese
 Theorie
 und
 postulieren
 eine
 gewisse
 Nähe
 zum
 Dualismus.35
 Davidson
 knüpft
 an
 der
 Identitätstheorie
 an
 und
 postuliert
 eine
 Identät
 von
 mentalen
 und
 physischen
 Zuständen.
 Die
 Ontologie
 Davidsons
 ist
 nicht
 geprägt
 durch
 den
 Substanzbegriff,
 sondern
 durch
 den
 Ereignis‐Begriff.
 Er
 sagt,
 dass
 es
 keine
 Möglichkeit
 von
 Brückengesetzen
gibt,
also
ein
psychophysisches
Gesetz,
welches
„...
eine
Verbindung
her(stellt)
zwischen





























































 

 26 

 27 

 28 

 29 

 30 

 31 

 32 

 33 


24 25

Ebd.
 Ders.,
S.
75.
 Kripke,
Saul:
Namimg
and
necessity.
Cambridge,
MA
1980.

 Teichert
2006,
S.
76
 Ebd.
 Vgl.
Ders.,
S.
77.
 Vgl.
Bieri
1993,
S.
123‐135.
 Teichert
2006,
S.
78.
 Ebd.
 Es
 gibt
 3
 Formen
 von
 Monismus:
 (1)
 Nomologischer
 Monismus:
 „Es
 gibt
 Gesetze,
 welche
 die
 psychologischen
 und
 die
 physikalischen
Beschreibungen
eines
Ereignisses
korrelieren.“
(Teichert
2006,
S.
80)
Ein
Beispiel
wäre
der
Materialismus,
wenn
 er
 psychische
 Ereignisse
 als
 physische
 Ereignisse
 bestimmt.
 (2)Anomaler
 Monismus:
 „Es
 gibt
 keine
 (!)
 Gesetze,
 welche
 die
 psychologischen
und
die
physikalischen
Beschreibungen
eines
Ereignisses
in
Beziehung
setzen.
Mit
psychologischen
Prädikaten
 bestimmte
 Ereignisse
 und
 mit
 physikalischen
 Prädikaten
 bestimmte
 Ereignisse
 können
 ontologisch
 identisch
 sein.“
 (Ebd.)
 (3)
 Nomologischer
 Dualismus:
 Es
 gibt
 Gesetze,
 welche
 die
 mit
 psychologischen
 Prädikaten
 beschriebenen
 Ereignisse
 und
 die
 mit
 physikalischen
 Prädikaten
 bestimmten
 Ereignisse
 korrelieren.
 Mit
 psychologischen
 Prädikaten
 bestimmte
 Ereignisse
 und
 mit
 physikalischen
 Prädikaten
 bestimmte
 Ereignisse
 sind
 ontologisch
 nicht
 identisch.
 Parallelismus,
 Interaktionismus,
 Epiphänomenalismus
 gehören
 in
 diese
 Kategorie.“
 (Ebd.)
 Anomales
 Dualismus:
 Es
 gibt
 keine
 Gesetze,
 welche
 die
 psychologischen
 und
 physikalischen
 Bestimmungen
 eines
 Ereignisses
 in
 Beziehung
 setzen.
 Mit
 psychologischen
 Prädikaten
 bestimmte
Ereignisse
und
mit
physikalischen
Prädikaten
bestimmte
Ereignisse
sind
ontologisch
nicht
identisch.
Nach
Davidson
 vertritt
Descartes
diese
Auffassung.“
(Ebd.)
 34 

 Vgl.
Davisdon,
Donald:
Mentale
Ereignisse,
in:
Bieri
1993,
S.
73‐92.
 35 

 Vgl.
Teichert
2006,
S.
79.


5


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


einer
 mentalen
 Beschreibung
 eines
 bestimmten
 Ereignisses
 und
 einer
 physikalischen
 Beschreibung
 desselben
Ereignisses.“36
Brückengesetze
sind
keine
(!)
kausalen
Beziehungen.
 Anomaler  Monismus.  Davidson
 geht
 von
 drei
 Grundsätzen
 aus:
 1.
 Das
 Prinzip
 der
 kausalen
 Wechselwirkung:
Dieses
geht
beruht
darauf,
dass
einige
mentale
Ereignisse
in
kausaler
Wachselwirkung
 zu
 physikalischen
 Ereignissen
 stehen.
 Die
 Handlung
 einer
 Person
 wird
 durch
 Überzeugungen
 und
 Wünsche
verursacht.
Diese
Handlungen
führen
also
zu
Veränderungen
in
der
physikalischen
Welt.
2.
Das
 Prinzip
 des
 nomologischen
 Charakters
 der
 Kausalität.
 Wenn
 man
 von
 Kausalität
 spricht,
 erfordert
 diese
 Gesetze,
 die
 determiniert
 sind.
 3.
 Prinzip
 des
 anomalen
 Monismus:
 „Es
 gibt
 keine
 strikten
 psychophysischen
 Gesetze,
 die
 es
 gestatten,
 mentale
 Ereignisse
 vorherzusagen
 oder
 zu
 erklären.“37
 Die
 Prinzipien
 scheinen
 nicht
 so
 einfach
 kompatibel
 zu
 sein.38
 Um
 dieses
 zu
 verstehen,
 muss
 man
 nach
 Davidson
 das
 Mentale
 zunächst
 in
 zwei
 Teile
 gliedern:
 intentionale
 Zustände
 und
 nicht‐intentionale
 Zustände.
 Intentionale
 Zustände
 sind
 Wünsche
 oder
 Überzeugungen,
 nicht‐intentionale
 Zustände
 sind
 Empfindungen.
Die
These
des
„Anomalen
Monismus“
bezieht
sich
nur
auf
die
intentionalen
Zustände:
Also
 eine
 Anomalie
 der
 intentionalen
 Ereignisse.
 So
 erklärt
 sich,
 dass
 er
 sagt,
 dass
 es
 „...
 keine
 strikten
 deterministischen
Gesetze
(gibt),
die
es
gestatten,
intentionale
Zustände
(Überzeugungen
und
Wünsche)
 vorherzusagen
 oder
 zu
 erklären.“39
 Doch
 was
 ist
 nach
 Davidson
 die
 Ursache
 intentionaler
 Ereignisse?
 Davidson
 ist
 der
 Meinung,
 dass
 wir
 unsere
 Überzeugung
 oder
 Wünsche
 aufgrund
 von
 Prinzipien
 der
 Rationalität
 und
 Kohärenz
 bilden.
 Hierbei
 ist
 zu
 beachten,
 dass
 Wünsche
 und
 Überzeugungen
 verknüpft
 sind
mit
anderen
Überzeugungen
und
Wünschen.
Daher
sind
die
einzelnen
Wünsche
und
Überzeugungen
 Teil
 eines
 Neztes
 von
 Wünschen
 und
 Überzeugungen.
 In
 der
 Philosophie
 wird
 dies
 als
 „Holismus
 des
 Mentalen“
 bezeichnet.40
 Auf
 physikalischer
 Ebene
 können
 wir
 solch
 einen
 Holismus
 scheinbar
 nicht
 finden.
 Davidson
 ist
 ein
 strikter
 Gegner
 der
 Reduzierbarkeit
 psychologischer
 Begriffe
 auf
 physikalischer
 Ebene,
da
diese
in
die
Irre
führen,
denn
ein
Mensch
kann
seine
Meinung
revidieren
und
dies
würde
den
 Reduktionismus
widersprechen.

 Supervenienz. Nach
Davidson
gibt
es
keine
Symmetrie
des
Mentalen
und
des
Physischen,
so
wie
es
die
 Identitätstheorie
 besagt:
 Für
 ihn
 gibt
 es
 aber
 die
 Möglichkeit
 der
 assymetrischen
 Verhältnisse.
 Diese
 beschriebt
er
durch
die
Supervenienz:
„Dass
physische
Eigenschaften
auf
supervenieren
heißt:
psychische
 Eigenschaften
 sind
 durch
 die
 physikalischen
 Eigenschaften
 bedingt.
 Diese
 Abhängigkeit
 der
 mentalen
 Phänomene
von
den
physischen
Tatsachen
besagt,
dass
Unterschiede
auf
der
Ebene
des
Psychischen
nur
 auf
Grund
von
physischen
Unterschiedene
möglich
sind.
Die
physischen
Tatsachen
sind
fundamental
und
 verantwortlich
 für
 die
 psychischen
 Phänomene.“41
 Hierbei
 schließt
 er
 aus,
 dass
 zwei
 psychische
 Phänomene
 ein
 psychisches
 Phänomen
 realisieren.
 Allerdings
 können
 zwei
 physische
 Phänomene
 ein
 psychisches
 Phänomen
 realisieren:
 Ein
 a
 (psychsiches
 Phänomen)
 superveniert
 auf
 b1
 und
 b2
 (b
 =
 physisches
 Phänomen).
 Damit
 ist
 das
 Problem
 der
 multiplen
 Realisierbarkeit
 der
 Identitätstheorie
 (vgl.
 Kritik
von
Kripke)
gelöst:
„Damit
ist
klar,
dass
physische
und
psychische
Eigenschaften
nicht
im
Sinne
der
 Identitätstheorie
identisch
sind.
Aber
es
gibt
im
Fall
der
Supervenienz
einen
klaren
Zusammenhang
und
 eine
Abhängigkeit
der
psychischen
von
den
psychsichen
Eigenschaften.42
 


Funktionalismus 
Vor
 dem
 Funktionalismus
 lag
 der
 Fokus
 vor
 allem
 auf
 den
 neuronalen
 Vorgängen
 (Geist
 ist
 Gehirn),
 die
 neue
 Theorie
 allerdings
 „arbeitet
 ...
 auf
 einem
 höheren
 Abstraktionsniveau.
 Fragestellungen
 und
 Überlegungen
 von
 Disziplinen,
 die
 bislang
 keine
 Rolle
 spielten,
 werden
 zentral.
 Die
 Informatik,
 die
 Forschung
 zur
 künstlichen
 Intelligenz
 (KI),
 die
 Kognitionswissenschaften
 liefern
 dem
 Funktionalismus
 wichtige
 Grundbegriffe.“43
 Entstanden
 ist
 der
 Funktionalismus
 vor
 allem
 in
 den
 60er
 Jahren
 und
 tritt
 in
 vielen
 Varianten
 auf.
 Zu
 den
 wichtigsten
 Vertretern
 zählen
 Hilary
 Putnam,
 Jerry
 Fodor,
 Daniel
 Dennett
 und
David
Lewis.44
In
der
Regel
gehören
die
Funktionalisten
zu
den
Materialisten
oder
Physikalisten.
Die




























































 

 38 

 39 

 40 

 41 

 42 

 43 

 44 


36 37

Ders.,
S.
79.
 Ders.,
S.
81.
 Für
die
3
Pinzipien
vgl.
Davidson
1993,
S.
73f.
 Teichert
2006,
S.
81.
 Vgl.
Elsfeld,
Michael:
Holismus
in
der
Philosophie
des
Geistes
und
in
der
Philosophie
der
Physik,
Frankfurt
a.M.
2002.
 Teichert
2006,
S.
86.
Vgl.
hier
auch
Davison
1993,
S.
79ff.
 Ders.,
S.
86f.
 Ders.
2006,
S.
89.
 Vgl.
Ebd.


6


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Theorie
 an
 sich
 schließt
 allerdings
 nicht
 immaterielle
 Entitäten
 mit
 mentalen
 Zuständen
 per  se
 aus.
 Allerdings
 ist
 der
 Mainstream
 durch
 die
 Position,
 dass
 die
 Neurophysiologie
 die
 kausalen
 Verhältnisse
 bestimmen
kann,
materialistisch
geprägt.45

 Die  These  des  Funktionalismus.
 Der
 Funktionalismus
 knüpft
 an
 der
 Supervenienztheorie
 an,
 denn
 sie
 löst
zunächst
das
Problem
der
multiblen
Realisierbarkeit.
Die
Grundthese
des
Funktionalismus
lautet
wie
 folgt:
„Mentale
Zustände
sind
Zustände,
die
eine
bestimmte
kausale
Rolle
in
einem
System
haben.“46
Für
 den
 Funktionalismus
 sind
 die
 kausalen
 Beziehung
 zwischen
 den
 Zuständen
 und
 Aktivitäten
 vom
 hohem
 Interesse.
 Für
 den
 Funktionalist
 ist
 die
 Aufgabe
 des
 Schmerzes
 eine
 Reaktion
 herbeizuführen,
 die
 gegen

 das
 schädigende
 Einwirken
 wirkt
 (z.B.
 das
 Kühlen
 der
 Hand).
 Hieraus
 folgt
 für
 den
 Funktionalist,
 dass
 Schmerzen
 notwendig
 sind
 für
 das
 Überleben,
 welches
 auch
 einleuchtet.47
 Der
 Identitätstheoretiker
 interessiert
sich
im
Gegensatz
zum
Funktionalisten
für
die
neuronalen
Prozesse,
die
dem
physiologischen
 zugrunde
liegen
(Denn
die
C‐Fasern‐Aktivität
konstituiert
den
Schmerz).
Hier
klinkt
sich
der
Funktionalist
 aus
 und
 widerspricht,
 denn
 für
 ihn
 ist
 es
 durchaus
 denkbar,
 dass
 a)
 eine
 C‐Fasern‐Aktivität
 auch
 für
 andere
 mentale
 Zustände
 verantwortlich
 sein
 kann
 und
 b)
 dass
 Wesen
 ohne
 C‐Fasern‐Aktivität
 auch
 schmerzen
haben
können.
„Es
ist
möglich,
das
Schmerzen
durch
sehr
verschiedenartige
biochemische
und
 neuronale
 Prozesse
 realisiert
 sind
 (so
 der
 Funktionalist)
 ...
 Erst
 auf
 der
 Basis
 der
 funktionalen
 Zusammenhänge
eines
komplexen
(!)
Systems
ergeben
sich
die
einschlägigen
mentalen
Phänomene.“48
Es
 kommt
 bei
 dem
 Funktionalismus
 auf
 das
 Zusammenspiel
 aller
 kausaler
 Faktoren
 an,
 diese
 sind
 entscheidend
für
mentale
Phänomene.

 Die  Marsmenschen  ­  Was  interessiert  den  Funktionalisten?49
 „Der
 Funktionalist
 nimmt
 keinerlei
 ontologische
 Festlegungen
 über
 spezifische
 mentale
 Eigenschaften
 oder
 Substanzen
 vor.“50
 Im
 Funtkionalismus
steht
die
strukturelle
Organisation
von
Systemteilen
im
Vordergrund
und
es
wird
über
 ihr
 Zusammenspiel
 spekuliert.
 Hieran
 erkennt
 man,
 dass
 der
 Funktionalismus
 auf
 einer
 viel
 höheren
 Abstraktionsebene
 ist.
 Doch
 dies
 hat
 eine
 nicht
 unwichtige
 Kosequenz:
 Denn
 wenn
 es
 „Artefakte
 (Computer,
 Roboter)
 oder
 Wesen
 auf
 anderen
 Planeten
 (,Marsmenschen’)
 geben
 würde,
 die
 die
 Bedingungen
 des
 funktionalistischen
 Schmerzbegriffes
 erfüllen
 würden,
 so
 hätten
 diese
 Wesen
 Schmerzen.
Dies
gilt
auch
und
gerade
dann,
wenn
diese
Wesen
überhaupt
kein
Nervensystem
hätten,
das
 demjenigen
 der
 Menschen
 ähnelt.
 Denn
 entscheidend
 sind
 allein
 die
 Funktionen
 und
 die
 kausalen
 Verhältnisse
 eines
 Systems.
 Nicht
 das
 Material,
 sondern
 die
 funktionale
 Organisation
 des
 Materials
 ist
 ausschlaggebend.51 Der
Funktionalismus
hat
große
Aufmerksamkeit
bekommen,
dadurch,
dass
die
These
 verbreitet
wurde,
dass
der
Geist
wie
ein
Automat
bzw.
Computer
funktioniert.
Der
Geist
bekommt
Input
 und
 reagiert
 darauf,
 also
 der
 Input
 verändert
 die
 internen
 Zustände
 des
 Systems
 und/oder
 zeigt
 einen
 gewissen
Output.52

 Einwände  gegen  den  Funktionalismus,  bes.  den  Computer­Funktionalismus.  Gegen
 den
 Funktionalismus
hat
Searle
entscheidende
Gegenthesen
formuliert.53
Das
wichtigste
Argument,
welches
er
 durch
 das
 Planspiel
 „Das
 chinesische
 Zimmer“54
 gezeigt
 hat,
 ist,
 dass
 ein
 Computer
 kein
 (!)



























































45 46



 Vgl.
Ders.,
S.
93
 

 Ders.,
 S.
 90.
 Hier
 ein
 Beispiel:
 Der
 Schmerz
 in
 der
 Hand
 ist
 (im
 Sinne
 von
 Identifizierung)
 nun
 nicht
 mehr
 einfach


eine
 Reizung
 von
 C‐Fasern,
 sondern
 ein
 Zustand
 aufgrund
 einer
 bestimmten
 Ursache
 (z.B.
 der
 Quetschung
 der
 Hand)
 und
 einer
 Wirkung
 (z.B.
 schmerzverzerrtes
 Gesicht)
 die
 durch
 die
 Ursache
 ausgelöst
 wird.
 Also
 Input:
 Verletzung;
mentaler
Zustand:
Schmerz;
Output:
Schmerzverhalten.



 Vgl.
Ebd.
 

 Ders.,
S.
91.
 49 

 Vgl.
Lewis,
David:
Verrückter
Schmerz
und
Marsmenschenschmerz,
in:
Ders.:
Die
Identität
von
Körper
und
Geist,
Frankfurt
am
 Main
1989,
S.
39‐53.
 50 

 Teichert
2006,
S.
92.
 51 

 Ebd.
 52 

 Wie
 mein
 aktuell
 geöffnetes
 Schreibprogramm
 (ich
 tippe
 das
 „i“
 es
 wird
 vom
 Mac
 verarbeitet,
 also
 die
 System
 verändert
 sich

 und
 ich
 sehe
 am
 Bildschirm
 das
 „i“;
 ich
 fasse
 auf
 eine
 Herdplatte,
 mein
 interner
 Zustand
 verändert
 sich
 (Schmerz),
 und
 ich
 schreie
und
heule
laut
auf
und
ziehe
die
Hand
von
der
Herdplatte.).

Bei
der
Computer‐Analogie
müssen
wir
zwischen
Hardware
 und
Software
unterschieden:
Die
Hardware
sind
die
unterschiedlichen
Artefakte
und
die
Software
ist
das
eigentliche
Programm,
 welches
die
Optionen
ausführt
(Vgl.
Teichert
2006,
S.
94).
In
diesem
Zusammenhang
wird
deutlich,
dass
es
im
Funktionalismus
 um
Realisierung
geht:
„Der
funktionale
Zustand
Z
wird
genau
dann
durch
die
physischen
Zustände
P1...Pn
 realisiert,
wenn
P1...Pn
 genau
 diejenigen
 kausalen
 Rollen
 ausüben,
 welche
 durch
 den
 funktionalen
 Zustand
 Z
 fixiert
 sind.“(Vgl.
 Teichert
 2006,
 S.
 95).
 Alan
Turing
(Bedeutender
Wissenschaftler
für
die
Informatik
und
Kognitionswissenschaften.)
gilt
als
wichtiger
Meilenstein
des
 Funktionalismus
 und
 des
 daraus
 entwickelten
 Computer‐Funktionalismus.
 Die
 Grundthese
 des
 Computer‐Funktionalismus
 ist,
 dass
 der
 menschliche
 Geist
 genauso
 wie
 ein
 Computer
 funktioniert.
 Turing
 hat
 einen
 Test52 
 entwickelt,
 nachdem
 Computer
 denken
können,
also
die
These
der
Künstlichen
Intelligenz.
Computer
sollen
also
mentale
Funktionen
ausführen
können.
 53 

 Vgl.
Searl,
John:
Minds,
brains
and
programs,
in:
Behavioral
and
brain
sciences
3
(1980),
S.
417‐424.
 54 

 Vgl.
Teichert
2006,
S.
101.

47 48

7


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Sprachverstehen
 hat
 und
 dies
 ist
 zentral
 für
 mentale
 Phänomene.
 Folgende
 sechs
 Gegenthesen
 stellt
 er
 auf:
 „(1)
 Computer
 und
 Tuning‐Maschinen
 operieren
 aufgrund
 formaler
 oder
 syntaktischer
 Regeln.
 (2)
 Mentale
 Zustände
 und
 Funktionen
 wie
 Verstehen
 und
 Denken
 verwenden
 Symbole
 als
 Träger
 von
 Bedeutung.
(3)
Syntax
ist
nicht
hinreichend
für
Semantik.
(4)
Intentionale
Zustände
haben
semantischen
 Gehalt.
 (5)
 Die
 Fähigkeit
 zur
 Ausführung
 eines
 syntaktischen
 Programms
 ist
 nicht
 hinreichend
 für
 die
 Zuschreibung
intentionaler
Zustände.
(6)
Weil
Computer
nur
die
Fähigkeit
zur
Ausführung
syntaktischer
 Operationen
 haben,
 kann
 man
 ihnen
 keine
 intentionalen
 Zustände
 (Verstehen,
 Denken)
 zuschreiben.“55
 Searle
 greift
 in
 Argument
 (4)
 auf
 den
 Begriff
 der
 Intentionalität
 zurück.
 Dieser
 geht
 vor
 allem
 auf
 F.
 Brentano
 und
 Husserl
 zurück.
 Was
 versteht
 man
 unter
 Intentionalität?
 „Der
 Begriff
 Intentionalität
 zur
 Erläuterung
des
Bewusstseins
gebraucht.
Bewusstsein
gilt
als
grundlegende
Eigenschaft
mentaler
Wesen.
 Die
These,
Bewusstsein
ist
intentional
strukturiert’
bedeutet:
Bewusstsein
ist
stets
gerichtet
auf
etwas.
...
 Intentionalität
bezieht
sich
auf
(reale,
mögliche
oder
fiktive)
Sachverhalte.
Nach
Searle
ist
Intentionalität
 an
neuronale
Strukturen
gebunden.
Sie
tritt
nur
bei
Lebewesen
und
nicht
bei
informationsverarbeitenden
 Maschinen
 auf.“56
 Es
 bleibt
 aber
 trotzdem
 festzustellen,
 dass
 eine
 mögliche
 Niederlage
 der
 „Künstlichen
 Intelligenz“
nicht
prinzipiell
sondern
nur
partiell
ausschließt,
dass
der
Geist
computional
funktioniert.  


Theorie der mentalen Repräsentation 
Die
 Grundlage
 dieser
 Theorie
 stammt
 bereits
 aus
 dem
 17.
 Jahrhundert
 von
 John
 Locke.57
 Wünsche
 und
 Überzeugungen
 werden
 in
 der
 Philosophie
 des
 Geistes
 als
 intentionale
 mentale
 Zustände
 klassifiziert.
 Hierbei
 ist
 zu
 Unterschieden
 zwischen
 erster
 und
 zweiter
 Stufe.58
 Die
 Repräsentationale
 Theorie
 des
 Geistes
(RTG)
geht
davon
aus,
„dass
es
sich
bei
den
mentalen
Repräsentationen
um
Gegenstände
handelt,
 die
 mit
 physikalistischen
 Begriffen
 (im
 weitesten
 Sinn)
 bestimmt
 werden
 können.“59
 Hier
 ist
 wieder
 ein
 Materialismus
deutlich
und
dieser
steht
wieder
vor
der
Herausforderung,
dass
ein
materieller
Gegenstand
 die
 „Eigenschaft
 des
 Bezogenseins
 und
 des
 Gerichtetseins
 im
 Sinn
 der
 Intentionalität
 besitzt.“60
 Jerry
 A.
 Fodor
 versucht
 für
 sich
 dieses
 Problem
 zu
 lösen
 und
 eine
 RGT
 zu
 entwickeln
 auf
 der
 Basis
 des
 Materialismus.

 Language of thought­Hypothese (LOT) ­ Die Theorie Fodors.
Mentale
Repräsentationen,
welche
einen
 begrifflichen
 und
 propositionalen
 Inhalt
 haben,
 sind
 für
 ihn
 in
 neuronalen
 Strukturen
 realisiert.
 Der
 Mensch,
 als
 mentales
 Wesen,
 wird
 hier
 hauptsächlich
 durch
 seine
 Überzeugungen
 und
 Wünsche
 bestimmt:
 Mein
 Handeln
 hat
 seine
 Ursache
 in
 deinem
 Überzeugungen
 und
 Wünschen,
 welche
 durch
 inferentielle
 Zusammenhänge
 definiert
 sind.
 Doch
 wo
 werden
 die
 propositionalen
 Einstellungen
 realisiert?
 Die
 Antwort
 muss
 bei
 einem
 Materialist
 des
 RTG
 klar
 sein:
 Im
 Gehirn/Geist
 durch
 mentale
 Repräsentationen.
 „Die
 RTG
 geht
 davon
 aus,
 dass
 es
 propositionale
 Einstellungen
 und
 mentale
 Repräsentationen
wirklich
gibt.
Es
handelt
sich
demnach
nicht
um
spekulative
Modellbildungen,
durch
die
 bestimmte
 Abläufe
 beschrieben
 werden,
 sondern
 um
 reale
 (!)
 Elemente,
 die
 eine
 kausale
 Rolle
 übernehmen.“61
Soweit
ist
das
RTG
allgemein,
bei
Fodor
kommt
das
LOT
noch
ein
Spezifikum
dazu:
Nach
 der
LOT‐Hypothese
werden
die
Repräsentationen
im
Medium
des
Gehirn
wie
folgt
organisiert,
nämlich
in
 Semantik
 und
 Syntax,
 eben
 der
 LOT.
 Eine
 weitere
 Eigenschaft
 des
 LOT
 ist,
 dass
 es
 eine
 kompositionale
 Struktur
 hat,
 d.h.
 dass
 die
 „Bedeutung
 komplexer
 Ausdrücke
 sich
 aus
 den
 Bedeutungen
 der
 einzelnen
 Elemente
 und
 aus
 den
 Verknüpfungsregeln
 ergibt.“62
 Für
 mentale
 Repräsentation
 und
 sprachlicher





























































 Ders.,
S.
102.
 

 Ders.,
S.
106.
 57 

 Locke
 hat
 als
 Empirist
 die
 Sinneserfahrung
 als
 Grundlage
 für
 Erfahrung
 und
 Erkenntnis
 gesehen.
 „Er
 unterschiedet
 die
 Empfindungen
(einfache
Ideen)
und
die
durch
die
Reflexionstätigkeit
des
Verstandes
aus
diesen
hergestellten
komplexen
Ideen
 (Allgemeinbegriffe,
Artbegriffe).“
(Ders.,
S.
130)
Das
Problem
bei
Locke
ist,
dass
er
nicht
erklären
kann,
wie
aus
einer
Vielzahl
 von
Ideen
die
Allgemeinbegriffe
entstehen.
 58 

 Ein
Wunsch
erster
Stufe
wäre
zum
Beispiel:
Max
wünscht,
dass
q.
Ein
Wunsch
zweiter
Stufe
(,second
order
volition’)
wäre,
Max
 wünscht,
 dass
 Max
 wünscht,
 dass
 q.
 Die
 beiden
 Sätze
 sind
 in
 propositionaler
 Form,
 weil
 „(e)s
 handelt
 sich
 um
 intentionale
 Zustände,
 die
 auf
 Sachverhalte
 bzw.
 Propositionen
 gerichtet
 sind“
 (Ders.,
 S.
 117)
 (z.B.
 fürchten
 ,
 hoffen,
 vermuten,
 überzeugt
 sein).
 Es
 lässt
 sich
 eine
 Hierarchie
 der
 propositionalen
 Einstellungen
 bilden.
 Konkret:
 Ein
 Mensch
 der
 mit
 dem
 Rauchen
 aufhören
 will,
 hat
 charakteristischer
 Weise
 zweistufige
 Wünsche:
 Thomas
 wünscht
 sich
 dass
 Thomas
 sich
 wünscht,
 keine
 Zigaretten
mehr
zu
rauchen.
Jedoch
hat
Thomas
auch
das
natürliche
Verlangen,
durch
die
Sucht
eine
Zigarette
zu
rauchen,
dies
 ist
der
Impuls.
Impuls
und
Wunsch
zweiter
Stufe
stehen
in
einem
Spannungsverhältnis.
Es
besteht
die
Möglichkeit,
dass
mentale
 Zustände
wahr
oder
falsch
sein
können,
daher
haben
sie
Wahrheitsbedingungen
oder
Erfüllungsbedingungen.

 59 

 Ebd.
 60 

 Ebd.
 61 

 Ebd.
 62 

 Ders.,
S.
120.

55 56

8


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Repräsentation
 ist
 dioe
 Kompositionalität
 von
 hoher
 Bedeutung.
 Eine
 letzte
 Eigenschaft
 des
 LOT
 ist
 die
 Computation.
 Hiermit
 schließt
 Fodor
 eine
 zufällig
 kombinierte
 Repräsentation
 aus.
 Damit
 ergeben
 sich
 drei
 These:
 „LOT
 ist
 durch
 syntaktische
 und
 semantische
 Regeln
 charakterisiert
 ...
 Die
 Sätze
 der
 LOT
 haben
 eine
 kompisitionale
 Struktur
 ...
 Die
 mentalen
 Repräsentationen
 der
 LOT
 werden
 computational
 verarbeitet.“63
 Der
 Einwand
 gegen
 die
 RTG
 ist
 derselbe
 wie
 beim
 Funtkionalismus:
 „Angenommen,
 man
 könnte
 aus
 einem
 Scanner
 sämtliche
 neuronalen
 Prozesse
 ablesen,
 die
 aktuell
 in
 einem
 Nervensystem
 ablaufen:
 Wie
 könnte
 man
 dann
 diejenigen
 Prozesse,
 die
 semantischen
 Gehalt
 und
 repräsentionalen
 Charakter
 haben,
 von
 den
 Prozessen
 unterscheiden,
 die
 keinen
 semantischen
 Gehalt
 und
 keinen
 repräsentionalen
 Charakter
 haben,
 aber
 beispielsweise
 für
 den
 Hormonhaushalt
 des
 Organismus
 ausschlaggebend
 sind?“64
 Wichtig
 ist
 noch
 einmal
 herauszustellen,
 dass
 für
 Fodor
 mentale
 Repräsentationen
 durch
 physische
 Funktionen
 realisiert
 werden.
 Er
 unterstützt
 also
 das
 Prinzip
 der
 Reduzierbarkeit:
 „Den
 intentionalen
 Gehalt
 will
 Fodor
 über
 die
 kausalen
 Prozesse
 herleiten.“65
 Ein
 weiterer
Autor
der
in
diesem
Zusammenhang
zu
nennen
ist,
ist
Fred
Dretske66.
Er
stellt
heraus,
dass
die
 Repräsentationen
 einen
 teleologischen
 Charakter
 haben:
 Die
 Funktion
 eines
 Systems
 besteht
 in
 dem,
 wozu
 es
 seinen
 Zweck
 nach
 bestimmt
 ist.
 Eine
 dieser
 Bestimmung
 des
 Zweckes
 kommt
 aus
 den
 Funktionen,
 die
 auf
 natürlichen
 Wege
 erworben
 wurden.
 Die
 natürlichen
 Funktionen
 bekommen
 sie
 allerdings
 nicht
 (!)
 von
 uns
 zugewiesen.
 Dretske
 sagt,
 dass
 
 sie
 sich
 aus
 der
 Biologie,
 bzw.
 Evolution
 ergeben
 haben
 und
 daher
 auf
 natürlichen
 Wege
 erworben
 wurden.
 Die
 Systeme
 müssen
 sich
 diesem
 bewusst
werden.67
Die
Repräsentationen
sind
nach
Dretske
bestimmte
Token,
die
sich
aus
zwei
Quellen
 der
Anzeigefunktion
speisen.68

 Konnektionismus – Eine Alternative?
Der
Konnektionismus
ist
vor
allem
in
Bezug
auf
die
„theoretische
 Bestimmung
von
Vorgängen
wie
Mustererkennung,
Wiedererkennensleistungen,
komplexes
motorisches
 Verhalten
 und
 Lernfähigkeit
 wichtig
 ...“69
 Wie
 wird
 nun
 in
 dem
 konnektionistischen
 System
 Information
 verarbeitet?
 Die
 Verarbeitung
 von
 Informationen
 findet
 parallel
 statt
 und
 benötigt
 keine
 zentrale
 Steurungsinstanz;
 also
 keinen
 „Mechanismus/Software“,
 der
 den
 Prozess
 als
 ganzen
 repräsentiert
 und
 koordiniert.

 


Personalität: Anthropologischen Auswirkungen der materialistischen Theorien 
Die
oben
ausgeführten
materialistischen
Theorien
der
philosophy of mind
haben
eine
deutlich
zu
spüren
 Konsequenz
für
den
Personenbegriff70
und
für
die
Willensfreiheit.
Zunächst
kurz
einige
Erläuterungen
zur
 Definition
 von
 Person:
 Dennet
 sieht
 sechs
 Prinzipien
 die
 entsprechen
 müssen,
 damit
 eine
 Person
 eine
 Person
ist.
Diese
sechs
Prinzipien
sind
ineinander
verwebt
und
sind
teilwiese
notwendige
Prinzipien
für
 eine
 anderes
 Prinzip.
 Folgende
 sechs
 Prinzipien
 sind
 dies:
 Rationalität.
 Intentionalität,
 Einstellungsabhängigkeit,
 Reziprozität,
 Sprach‐
 und
 Kommunikationsfähigkeit
 und
 Selbstbewusstsein
 (reflexives
 Bewusstsein).71
 Doch
 was
 ist
 eine
 „Personale
 Identität?
 Es
 wird
 unterschieden
 zwischen
 Synchrone
Identität,
also
ob
etwas
in
Momentum
eine
Person
ist,
und
die
Diachrone
Identität,
ob
etwas
zu





























































 

 65 

 66 


63 64 67 68



 



69 70



 



71





Ebd.
 Ders.,
S.
121.
 Ders.,
S.
131.
 Vgl.
Dretske,
Fred:
Der
repräsentationale
Charakter
der
Sinneserfahrung,
in:
Ders.:
Naturalisierung
des
Geistes,
Paderborn
1998,
 S.
13‐48.

 Vgl.
Ebd.
 Es
gibt
also
eine
systemische
Anzeigefunktion
und
ein
entsprechende
systemische
Repräsentation.
Der
Luftdruckmesser
ist
ein
 Mechanismus/System,
der
mir
anzeigt
wie
hoch
der
Luftdruck
ist.
Der
Zustand
G
soll
darüber
informieren,
dass
es
Gerade
500
 Millibar
 ist.
 Hieraus
 folgt
 also,
 dass
 G
 eine
 systemische
 Funktion
 ist.
 Jedoch
 kann
 der
 Zustandstoken
 G
 auch
 eine
 Information
 enthalten,
die
nicht
aus
dem
System
kommt.
Auf
dem
Gerät
wird
ein
Strich
bei
600
Millibar
angezeichnet,,
der
kennzeichnet,
dass
 es
ab
dort
schwierig
wird
zu
atmen.
Nun
bedeuten
600
Millibar,
dass
es
nun
schwer
ist
Luft
zu
bekommen.
Es
handelt
sich
hier
 um
 eine
 erworbene
 Funktion
 und
 eine
 erworbene
 Repräsentation.
 Es
 muss
 das
 Zustandstoken
 G
 also
 nciht
 identisch
 sein
 mit
 dem,
wenn
es
eine
erworbene
und
wenn
es
eine
systemische
Funktion
ist.
 Tecihert
2006,
S.
131.
 Vgl.
 hierzu
 Lohner,
 Alexander:
 Personalität
 und
 Menschenwürde.
 Eine
 theologische
 Auseinandersetzung
 mit
 den
 Thesen
 der
 "neuen
 Bioethiker".
 (Studien
 zur
 Geschichte
 der
 katholischen
 Moraltheologie,
 37).
 Regensburg
 2000.
 Zur
 Bestimmung
 von
 Mensch
 und
 Person:
 Es
 gibt
 drei
 unterschiedliche
 Positionen:
 (1)
 Alle
 Menschen
 sind
 Personen.
 Mensch
 und
 Person
 beziehen
 sich
hier
auf
das
gleiche
Objekt.
Häufig
stehen
hinter
dieser
Position
theologische
und
ethische
Gründe.
(2)
Nicht
alle
Menschen
 sind
 Personen:
 Er
 ist
 abhängig
 von
 bestimmten
 Eigenschaften
 und
 Funktionen
 des
 Menschen.
 So
 kann
 ein
 Mensch
 zu
 einem
 Zeitpunkt
Person
sein
und
zu
einem
anderen
Zeitpunkt
nicht.
(3)
Nicht
alle
Personen
sind
Menschen.
Dies
bezieht
sich
vor
allem
 auf
 den
 juristischen
 Personen
 Begriff.
 So
 können
 Institutionen
 etc.
 Personen
 sein
 im
 juristischen
 Sinne.
 Aber
 auch
 eine
 künstliche
Intelligenz
kann
bei
manchen
Autoren
Person
sein.
 Dennet,
Daniel:
Bedingungen
der
Personalität
(dt.
von
H.‐P.
Schütt),
in:
Bieri

1993,
S.
303‐324,
hier
S.
305f.


9


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


einem
Zeitpunk
t1
und
zu
einem
Zeitpunkt
t2
eine
Person
ist.
„Eine
auch
für
die
gegenwärtige
Diskussion
 maßgebliche
Auffassung
über
die
Bedeutung
psychischer
Kontinuität
für
die
Identität
der
Person
hat
John
 Locke
 am
 Ende
 des
 17.
 Jahrhunderts
 formuliert.72
 Für
 Locke
 ist
 die
 Person
 ein
 denkendes
 intelligentes
 Wesen,
es
hat
Rationalität
(vgl.
Dennetts
erstes
Prinzip)73.
Locke
setzte
aber
auch
Person
und
Bewusstsein
 gleich,
er
meint
damit
das
reflexive
Bewusstsein
(Vgl.
Prinzip
6
bei
Dennett).
Das
Ich
entsteht
genau
aus
 diesem
reflexiven
Bewusstsein.
Des
Weiteren
kommt
eine
diachrones
Moment
hinzu:
„Eine
Person
ist
ein
 Wesen,
welches
sich
seiner
Identität
über
die
Zeit
hinweg
bewusst
ist.“74
Für
die
Leib‐Seele‐Debatte
ist
es
 wichtig,
 dass
 Lock
 von
 einem
 unmittelbaren
 Zusammenhang
 von
 Körper
 und
 Bewusstsein
 ausgeht.
 Hierbei
 ist
 er,
 im
 Gegensatz
 zu
 Descartes,
 der
 Meinung,
 dass
 das
 Ich/Selbst
 mit
 einer
 dieses
 tragenden
 immateriellen
oder
mateirellen
Substanz
identifiziert.75
Was
die
Denkprozesse
nun
substanziell
trägt,
ist
 bei
 ihm
 unwichtig,
 da
 er
 die
 Personenfrage
 von
 der
 Substanzfrage
 abkoppelt.
 In
 den
 Substanztheorien  und  Relationstheorien
 wir
 die
 Person
 durch
 eine
 Entität,
 die
 diesem
 zu
 Grunde
 liegt,
 bestimmt.
 Materialisten
sehen
natürlich
das
Gehirn
als
den
Körperteil
an,
der
für
die
Identität
einer
Person
zentral
 ist.
 Doch
 Locke
 lehrt
 uns,
 dass
 die
 Frage
 nach
 der
 Substanz
 nicht
 richtig
 sein
 kann:
 „Bewusstlosigkeit
 bedeutet
für
ein
cartesianisches
Ich
das
Ende.
Ebenso
bedeutet
bei
Organismen
eine
Unterbrechung
der
 Lebensprozesse
 das
 Ende
 der
 Existenz
 des
 betreffenden
 Organismus.
 Mit
 Bezug
 auf
 Person
 hat
 Diskontinuität
 Locke
 zufolge
 aber
 eine
 andere
 Bedeutung.
 Gefordert
 ist
 nicht
 ununterbrochenes
 Bewusstsein,
 sondern
 die
 Fähigkeit,
 Beziehungen
 zwischen
 gegenwärtigen
 Bewusstseinzuständen
 und
 vergangenen
Bewusstseinszuständen
herzustellen.“76

 Thomas Metzinger
geht
in
seiner
Theorie
soweit,
dass
er
das
Ich
negiert,
für
ihn
gibt
es
kein
Ich:
Selbst
 und
Subjekt
sind
in
der
Welt
nicht
existent,
„sie
gehören
nicht
(!)
zu
den
irreduziblen
Grundbestandteilen
 der
 Realität“77.
 Das
 phänomenale
 Bewusstsein
 ist
 existent
 und
 lässt
 sich,
 nach
 Metzinger,
 wie
 folgt
 beschreiben:
 Zum
 einen
 ist
 es
 das
 erlebte
 Ich‐Gefühl,
 zum
 anderen
 die
 ständig
 alternierenden
 Inhalte
 unseres
 Selbstbewusstsein.
 Das
 Phänomen
 Selbst
 ist
 das
 Ich,
 welches
 sich
 häufig
 in
 alltagspsychologischen
 Zusammenhängen
 findet.78
 Metzingers
 Theorie
 greift
 hierbei
 auf
 mehrere
 Theorien
 zurück:
 Zum
 einen
 auf
 die
 naturalistische,
 denn
 er
 sieht
 das
 Gehirn
 als
 Basis,
 von
 der
 aus
 das
 Selbst
 repräsentiert
 wird.
 Schon
 ist
 die
 zweite
 Theorie
 erkennbar,
 aus
 der
 er
 schöpft:
 die
 Repräsentationstheorie.
 Er
 versucht
 die
 Repräsentationstheorie
 auf
 das
 Selbst
 anzuwenden.
 Schließlich
 auf
 den
 Funktionalismus.
 Er
 ist
 nimmt
 also
 die
 oben
 angesprochenen
 Theorien
 und
 wendet
 diesen
 „naturalistischen
 Theoriecocktail“
 auf
 das
 Selbst
 an.
 Diese
 Trias,
 mit
 einem
 klaren
 materialistischen
 Impetus,
soll
bei
Metzinger
als
Grundtheorie
und
metaphysische
„Verklärung“
die
Lösung
für
das
Problem
 geben.
In
einem
Satz:
Er
ist
strategisch
gesehen
ein
Reduktionist
und
metaphysisch
ein
Monist
(mehr
oder
 weniger
 ein
 materialistischer
 Platonist).79
 Das
 Selbstmodell
 ist
 dasjenige,
 welches
 nach
 Metzinger
 eine
 repräsentionale
Struktur
hat.
Das
Selbstmodell
ist
im
Gehirn
verankert
durch
eine
„kontinuierliche
Quelle
 intern
 generierten
 Inputs“.
 Die
 Leiberfahrung
 ist
 ein
 Teil
 des
 Inputs
 (Gleichgewichtssinn,
 Buchgefühle,
 etc...).
 Kritik  an  Metzinger:
 (eine
 andere
 Anthropologie):
 Ich
 würde
 folgende
 These
 entgegenstellen:
 Die
 Leiberfahrung
 selbst
 ‐
 mit
 allen
 Facetten
 ‐
 ist
 schon
 phänomenal.
 Es
 wäre
 zu
 fragen,
 ob
 es
 nicht
 gerade
 andersherum
 ist
 und
 das
 Selbstmodell
 nicht
 ein
 Teil
 der
 Leiberfahrung
 ist
 und
 damit
 die
 Leiberfahrung
 dasjenige
 ist
 was
 repräsentiert.
 Da
 –
 nach
 meiner
 Meinung
 –
 die
 Leiberfahrung
 eine
 systematische
 Zusammenfassung
 aller
 sein
 muss
 und
 nicht
 ein
 abstraktes
 Modell
 des
 Selbst,
 welches
 sich
 „nur“
 im
 Gehirn
befindet.
Die
Leiberfahrung
ist
für
mich
eher
das
Ganze,
die
Ganzheitlichkeit
des
Seins,
das
Selbst,
 Gefühle,
 Impulse
 von
 außen
 etc.
 Metzinger
 widerspricht
 diesem
 zwar
 nicht
 direkt;
 er
 sagt,
 dass
 ein
 Selbstmodell
noch
kein
Selbst
ist,80
aber
verwendet
es
trotzdem
so.
 Neue Modelle personaler Identität – Derek Parfit.
Parfit
ist
Reduktionist,
ähnlich
wie
Metzinger,
und
er
 geht
 daher
 davon
 aus,
 dass
 das
 Personsein
 auf
 bestimmte
 Verbindungen,
 die
 zwischen
 psychischen
 und
 physischen
Zuständen
bestehen,
bestimmt
wird.
Er
argumentiert
hierbei
aus
moralphilosophsicher
Sicht.





























































 Teichert
2006,
S.
153.
 

 Vgl.
Locke,
John:
An
essay
concerning
human
understanding
(hrsg.
und
ediert
von
Nidditch,
Peter
H.),
London/Oxford
1975,
S.
 335.
 74 

 Teichert
2006,
S.
154.
 75 

 Vgl.
Locke
1975,
S.
335.
 76 

 Teichert
2006,
S.
156.
 77 

 Vgl.
ebd.
 78 

 Vgl.
 Metzinger,
 Thomas:
 Das
 Selbstmodell
 –
 Theorie
 der
 Subjektivität:
 Eine
 Kurzdarstellung
 in
 sechs
 Schritten,
 in:
 Herrmann,
 Christoph
S.
u.a.:
Bewusstsein,
Philosophie,
Neurowissenschaften,
Ethik,
München
2005,
S.
242‐269,
hier
S.
244.
 79 

 Vgl.
Ders.,
S.
246.
 80 
 
Vgl.
Ders.,
S.
258.

72 73

10


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Was
 ist
 für
 ihn
 Person?
 „(T)o
 be
 a
 person,
 a
 being
 must
 be
 self‐conscious,
 aware
 of
 ist
 identity
 and
 ist
 continued
 existence
 over
 time.“81
 Für
 seine
 Argumentation
 sind
 also
 das
 Bewusstsein
 und
 das
 Selbstbewusstsein
 zentral.
 Er
 hat
 eine
 apersonale
 Sichtweise,
 „(d)amit
 ist
 eine
 Perspektive
 gemeint,
 die
 ausschließt,
 dass
 Personen
 etwas
 anderes
 sind
 als
 psychische
 Zustände
 und
 der
 Beziehungen.
 Insbesondere
 wird
 damit
 der
 Rede
 über
 Trägern
 oder
 Besitzer
 entsprechende
 Zustände
 (d.h.
 materielle
 oder
 immaterielle
 Substanzen)
 der
 Boden
 entzogen.“82
 Warum
 ist
 Parfit
 Reduktionist?
 Grundsätzlich
 unterscheidet
 Parfit
 zwei
 Möglichkeiten
 des
 Reduktionismus:
 A)
 „Reduktionistisches
 Körper‐Modell:
 die
 Identität
 der
 Person
 wird
 durch
 den
 Körper
 oder
 einen
 spezifischen
 Teil
 des
 Körpers
 (das
 Gehirn)
 gewährleistet.“83
 B)
 „Reduktionistisches
 psychologisches
 Modell:
 die
 Identität
 der
 Person
 wird
 durch
 psychsiche
 Kontinuität
 garantiert.“84
 Von
 hoher
 Bedeutung
 ist
 für
 ihn
 die
 psychische
 Kontinuität.
 „Das
 Leben
 einer
 über
 die
 Zeit
 hinweg
 fortdauernden
 Person
 besteht
 aus
 einer
 Serie
 von
 miteinander
 verbundenen,
 momentanen
 Bewusstseinzuständen.
 Es
 gibt
 keinen
 Träger
 (!),
 der
 diese
 Serie
 kontinuierlicher
 Bewusstseinszustände
 zugrunde
 liegt.
 ...
 ausschließlich
 psychische
 Kontinuität
 (ist)
 für
 das
Leben
und
Überleben
entscheidend.“85

 Willensfreiheit.  Ein
 naturalistischer
 Reduktionist
 hat
 keinen
 freien
 Willen,
 da
 ja
 sein
 Handeln
 durch
 seinen
 Körper/Gehirn
 schon
 physisch
 determiniert
 ist.
 Wille
 ist
 nach
 Harry
 G.
 Frankfurt
 ein
 handlungswirksamer
 Wunsch.86
 Der
 Wille,
 bzw.
 die
 Beschreibung
 des
 Willens
 eines
 Handelnden
 ist,
 so
 Frankfurt,
 „den
 Wunsch
 oder
 die
 Wünsche
 anzugeben,
 die
 ihn
 zu
 den
 Handlungen
 bewegen,
 die
 er
 tatsächlich
 ausführt,
 oder
 heißt,
 den
 Wunsch
 oder
 die
 Wünsche
 anzuführen,
 die
 ihn
 bewegen
 werden,
 wenn
 er
 handelt,
 oder
 die
 ihn
 bewegen
 würde,
 falls
 er
 handelte.87
 Eine
 Person
 braucht
 nach
 Frankfurt
 Volutionen
 zweiter
 Stufe88
 und
 eine
 Person
 muss
 ein
 vernünftiges
 Wesen
 sein.
 Dieses
 führt
 dazu,
 dass
 Frankfurt
sagt,
dass
Kleinkinder
oder
Tiere
keinen
freien
Willen
haben.
Frankfurt
differenziert
zwischen
 Willensfreiheit
und
Handlungsfreiheit:
Ein
Zebra
in
der
Steppe
entscheidet
sich
zum
Wasser
zu
laufen,
um
 zu
trinken
oder
Blätter
vom
Baum
zu
essen.
Es
bezieht
sich
also
auf
die
Handlung.
Diese
Freiheit
hat
der
 Mensch
auch,
es
kommt
aber
noch
die
Willensfreiheit
hinzu.
Die
Willensfreiheit
bezieht
sich
nicht
auf
das
 Tun,
sondern
betrifft
die
Wünsche
selber.
Willensfreiheit
in
einem
Satz
heißt,
so
Frankfurt,
„dass
jemand
 sich
eines
freien
Willen
erfreut
...,
dass
er
frei
ist
zu
wollen,
was
er
wollen
möchte.“89
Ein
Mensch,
der
im
 Gefängnis
sitzt,
hat
sicherlich
eine
beschränkte
Handlungsfreiheit,
aber
keine
beschränkte
Willensfreiheit.
 Ein
 Tier
 im
 Zoo
 hat
 eingeschränkte
 Handlungsfreiheit,
 aber
 keine
 Willensfreiheit,
 da
 es
 nicht
 über
 die
 Wünsche
 bestimmen
 kann.
 Für
 Frankfurt
 ist
 die
 Willensfreiheit
 mit
 der
 kausalen
 Determiniertheit
 aller
 Ereignisse
im
Universum
kompatibel.90
Bei
seiner
Argumentation
nutzt
er
aber
die
Redewendung
„es
ist
 vorstellbar“91,
zeigt
sich
also
nicht
sicher
in
seiner
Argumentation.
Des
Weiteren
bleibt
zu
ergänzen,
dass
 bei
 seiner
 Trennung,
 dass
 geistige
 bzw.
 phänomenale
 Ereignisse
 durch
 das
 Physikalische
 determiniert
 werden,
dieses
zeigt
seine
Argumentation
aber
nicht.
 

Eine Argumentationen gegen den Monismus 
Die
naturalistische
Tendenz
innerhalb
der
Philosophie
des
Geistes
ist
sehr
stark
und
dominant,
wobei
die
 Naturwissenschaft
der
Philosophie
vorangeht.
Wenn
man
nun
aus
geisteswissenschaftlicher
Sicht
schaut,
 fällt
 das
 Urteil
 anders
 aus.
 Das
 Problem
 der
 naturalistischen
 Positionen
 ist
 häufig,
 dass
 sie
 die
 materialistische
 Grundposition
 als
 Fundament
 für
 ihre
 Theorie
 annehmen(!),
 damit
 ist
 dies
 aber
 noch
 lange
 nicht
 belegt.
 So
 spricht
 sich
 Richard
 Swinburne
 für
 einen
 Substanzdualismus
 aus,
 indem
 er
 gegen
 eine
 Negierung
 von
 mentaler
 Verursachung
 argumentiert:
 „Aber
 plausiblerweise
 sind
 manche
 geistige
 Ereignisse
 zumindest
 teilweise
 durch
 andere
 geistige
 Ereignisse
 verursacht
 –
 plausiblerweise
 ist
 oft
 ein
 Gedanke,
dass
das
und
das
die
Antwort
auf
ein
mathematisches
Problem
ist,
teilweise
durch
die
Gedanken
 verursacht,
 dass
 bestimmte
 andere
 mathematische
 Propositionen
 wahr
 sind.
 Und
 sicherlich
 scheint
 es,
 dass
 körperliche
 Ereignisse
 oft
 (via
 Hirnereignisse)
 durch
 geistige
 Ereignisse
 verursacht
 sind
 –
 mein





























































 

 83 

 84 

 85 

 86 

 87 

 88 

 89 

 90 

 91 


81 82

Parfit,
Derek:
Reasons
and
persons.
Oxford
71992,
S.
202.
 Teichert
2006,
S.
159.
 Ebd.
 Ebd.
 Ders.,
S.
166.
 Vgl.
Frankfurt,
Harry
G.:
Willensfreiheit
und
der
Begriff
der
Person,
in:
Bieri
1993,
S.
287‐302,
hier
S.
289f.

 Ebd.
 Vgl.
Fußnote
58.
 Frankfurt
1993,
S.
296
 Vgl.
Ders.
S.
300.
 Vgl.
Ebd.


11


„Ich
bin
mehr
als
mein
Gehirn!“
 



 


Thomas
Nordmann
 (Sankt
Georgen,
thomas.nordmann@me.com)


Schließen
 meines
 Buches
 ist
 oft
 durch
 die
 Entscheidung
 verursacht,
 die
 Arbeit
 zu
 beenden.“92
 Für
 Swinburne
gibt
es
also
zwei
Substanzen,
die
geistige
Substanz
ist
eine
Substanz,
„zu
deren
Existenz
diese
 Substanz
 notwendigerweise
 privilegierten
 Zugang
 hat.93
 Die
 physikalische
 Substanz
 ist
 jene,
 „zu
 deren
 Existenz
 diese
 Substanz
 notwendigerweise
 keinen
 privilegierten
 Zugang
 hat;
 das
 ist
 eine
 öffentliche
 Substanz.“94
 Für
 die
 geistige
 Substanz
 folgt
 also
 in
 trivialer
 Weise,
 dass
 für
 sie
 geistige
 Eigenschaften
 wesentlich
sind.
Nun
lässt
Swinburne
aber
die
Möglichkeit
zu,
dass
die
geistige
Substanz
auch
physische
 Eigenschaften
haben
kann,
diese
könnte
sie
aber
aufgeben
oder
verlieren
und
wäre
dann
trotzdem
noch
 eine
 geistige
 Substanz.
 Die
 bedeutet
 anthropologisch,
 dass
 eine
 Person
 nicht
 existieren
 könnte
 ohne
 geistigen
 Eigenschaften,
 zu
 denen
 sie
 einen
 privilegierten
 Zugang
 hat.95
 Nun
 heißt
 dies,
 dass
 Metzinger
 (s.o.)
 nicht
 Recht
 hat:
 „...
 Personen
 (sind)
 geistige
 Substanzen,
 obwohl
 ....
 es
 sein
 kann,
 dass
 sie
 sowohl
 einige
physische
Eigenschaften
oder
Teile
(z.B.
einen
Körper)
als
auch
eine
geistige
Eigenschaft
brauchen,
 um
 zu
 existieren.“96
 Das
 heißt
 das
 Geistige
 ist
 eben
 nicht
 durch
 das
 Physische
 determiniert.
 Nun
 geht
 Swinburne
noch
einen
Schritt
weiter
und
führt
das
Extrem
nun
in
die
andere
Richtung
aus,
indem
er
dafür
 argumentiert,
 dass
 Personen
 rein
 geistige
 Menschen
 sind
 und
 daher
 das
 Physische
 (=Körper)
 gar
 nicht
 bräuchten.
Für
Swinburne
zeigt
in
einem
Gedankenexperiment97,
dass
für
das
Überleben
eines
Menschen
 auch
 die
 nicht‐physischen
 Teile,
 sprich
 die
 Seele,
 notwendig
 ist,
 da
 die
 geistige
 Substanz
 Träger
 von
 Gedanken,
Gefühlen
und
Vorhaben
über
das
Überleben
ist.
Die
Seele
ist
nach
Swinburne
notwendig
und
 hinreichend
dafür,
dass
ich
lebe.98
Bis
zu
diesem
Punkt
ist
es
einfach
mitzugehen,
doch
nun
transzendiert
 Swinburne
 die
 Frage
 nach
 der
 Existenz
 der
 Seele,
 und
 zwar
 dahingehend,
 ob
 meine
 Seele
 auch
 ohne
 Körper
 existieren
 kann.
 Die
 Antwort
 hierauf
 sorgt
 schon
 für
 Erstaunen,
 da
 doch
 landläufig
 davon
 ausgegangen
wird,
dass
die
Seele
eine
Ebene
physikalische
Ebene
braucht,
meist
als
Gehirn
benannt,
also:
 Habe
ich
Gedanken
und
Wünsche
auch
wenn
mein
Körper
tot
ist?
Swinburne
hält
dies
metaphysisch
für
 möglich.
 Swinburne
 fasst
 seine
 dualistische
 Substanztheorie
 wie
 folgt
 zusammen:
 „Ein
 Körper
 ist
 eine
 physikalische
Substanz
und
er
ist
dann
der
meinige,
wenn
(1)
ich
fähig
bin,
ihn
in
einer
Basishandlung
zu
 bewegen
...;
wenn
(2)
er
eine
Substanz
ist,
deren
sich
verändernde
Zustände
...
die
Mittel
sind,
durch
die
 ich
den
Rest
der
Welt
kennen
lerne;
und
wenn
(3)
er
eine
Substanz
ist,
mit
der
ich
kausal
verbunden
bin,
 so
 dass
 andere
 Leute,
 indem
 sie
 ihn
 angreifen,
 in
 mir
 lustvolle
 oder
 schmerzliche
 Empfindungen
 verursachen
 oder
 mich
 zwingen
 können,
 ihnen
 zuzuhören.
 Begrenzte
 Wesen
 wie
 wir
 es
 sind,
 haben
 begrenzte
 Kräfte
 und
 begrenztes
 Wissen.
 Körper
 sind
 jene
 Objekte,
 welche
 die
 Grenzen
 dieser
 Kräfte
 bestimmen
 und
 welche
 uns
 zu
 einem
 Teil
 einer
 zusammenarbeitenden
 und
 voneinander
 abhängigen
 Gemeinschaft
 machen.
 Ohne
 Körper
 wären
 wie
 einsame
 Seelen.
 Daher
 ist
 die
 christliche
 Lehre
 von
 der
 Auferstehung
 des
 Leibes
 eine
 gute
 Sache.
 Aber
 was
 meinen
 Körper
 zu
 meinem
 Körper
 macht,
 ist
 seine
 Verbindung
 mit
 meiner
 Seele.
 Und
 es
 ist
 allein
 die
 weiterdauernde
 Existenz
 meiner
 Seele
 nach
 meinem
 Tod,
welche
die
Auferstehung
eines
Körpers
möglich
macht,
der
meiner
ist.
Dies
würde
ein
Körper
sein,
 der
wieder
mit
meiner
Seele
vereint
wurde.“99
 Das
 letzte
 Zitat
 soll
 den
 Abschluss
 dieses
 Dossiers
 bilden
 und
 zeigt,
 dass
 Mensch
 doch
 mehr
 ist
 als
 nur
 Biomasse.
 Er
 gibt
 Mut,
 dass
 die
 christliche
 Lehre,
 wie
 auch
 andere,
 die
 vom
 Paradies
 sprechen,
 nicht
 unvereinbar
ist
mit
dem
Leib‐Seele‐Problem,
sondern
eine
neue
eschatologische
Perspektive
öffnen
kann.
 Die
 in
 den
 oben,
 in
 den
 einzelnen
 Kapiteln,
 benannten
 Repliken
 zu
 den
 monististisch
 naturalistischen
 Theorien
 geben
 weitere
 Argumentationshilfe
 gegen
 die
 Aufgabe
 mentaler
 Phänomene.
 Am
 Ende
 kann
 jeder
 in
 seinen
 eigenen
 Gedanken,
 Wünschen
 oder
 Emotionen
 erkennen,
 dass
 er
 mehr
 ist
 als
 nur
 sein
 Gehirn.






























































 Swinburne,
Richard:
Wodurch
ich
bin
–
Eine
Verteidigung
des
Substanzdualismus,
in:
Niederbacher,
Bruno/
Runggaldier,
 Edmund:
Die
menschliche
Seele.
Brauchen
wir
den
Dualismus?
Heusenstamm
bei
Frankfurt
2006,
S.
41‐59,
hier
S.
44.
 93 
 Ebd.
 94 

 Ders.,
S.
44f.
 95 

 Vgl.
Ders.,
S.
45.
 96 

 Ebd.
 97 

 Vgl.
DErs.,
S.
48ff.
 98 
 Vgl.
Ders.,
S.
51.
 99 

 Ders.,
S.
58f.

92

12