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Abzock-Masche von „Lotto 3000“: Haupttäter kennen sich bereits seit Jahren. S e i t e

Abzock-Masche von „Lotto 3000“: Haupttäter kennen sich bereits seit Jahren. Seite 39

kennen sich bereits seit Jahren. S e i t e 3 9 „Horeb“ packt gemeinsam an
kennen sich bereits seit Jahren. S e i t e 3 9 „Horeb“ packt gemeinsam an

„Horeb“ packt gemeinsam an

Ein neuer Waldrennacher Bürgerverein will das Dorfleben bereichern. Seite 45

Bürgerverein will das Dorfleben bereichern. Seite 45 SAMSTAG, 11. OKTOBER 2014 REGION NACHRICHTEN •

SAMSTAG, 11. OKTOBER 2014

REGION

NACHRICHTEN • HINTERGRÜNDE • MEINUNGEN

PFORZHEIMER ZEITUNG

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Das Risiko fährt bei Regen mit

Der tödliche Unfall bei Öschelbronn vom Donnerstag macht auf tragische Weise deutlich, warum die Polizei die Landstraßen im Visier hat. Die PZ hat sich die riskante Strecke zwischen Birkenfeld und Neuenbürg angeschaut, wo vor einem Monat ebenfalls ein dlicher Unfall passiert ist.

ALEXANDER HEILEMANN ENZKREIS/BIRKENFELD/NEUENBÜRG

E s passieren in diesem Jahr ungewöhnlich viele schwere Unfälle auf den

Landstraßen im Enzkreis. Die Polizei warnt seit Monaten vor der Unglücksserie. Erst am Don- nerstag hat ein tödlicher Unfall diese Mahnungen auf traurige Weise wieder aktuell gemacht. Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler ist dem 22-jährigen Autofahrer die Geschwindigkeit beim Überholen auf einer Gera- den zum Verhängnis geworden. Wo die Landesstraße zwischen Pinache und Öschelbronn in ei- ne leichte Linkskurve übergeht, sei der junge Mann mit seinem VW ins Schleudern geraten, so die Polizei. Das Auto prallte mit der Fahrerseite auf einen Baum. Immer wieder kommen auf den Straßen außerorts Men- schen bei Unfällen zu Schaden, die so oder so ähnlich ablaufen. Wo besondere Gefahren lauern, zeichnet die PZ für die unfall- trächtigsten Strecken der Region nach. Zum Beispiel für die Lan- desstraße zwischen Birkenfeld und Neuenbürg, die Waldstrecke über den Kreisverkehr Riegerts- wasen. Bei der Anfahrt von Bir- kenfeld her auf diesen Kreisel war erst am 12. September eine 52-Jährige so schwer verun- glückt, dass sie einige Tage spä- ter an ihren Verletzungen starb. Nach Einschätzung der Polizei war sie auf regennasser Straße zu schnell unterwegs und war in einer Linkskurve von der Straße geschleu- dert. Der schlimmste Unfall auf der Stre- cke in den vergan- genen drei Jahre. Aber bei weitem nicht der einzige. 23 Mal hat es nach der Statis- tik des Polizeipräsidiums Karls- ruhe seit 2011 zwischen Neuen- bürg und Birkenfeld gekracht. Fährt man die Strecke ab, fal- len einem zunächst keine beson- ders scharfen Kurven auf. Aller-

zunächst keine beson- ders scharfen Kurven auf. Aller- Die Landesstraße am Ortsausgang von Neuenbürg: Leichte

Die Landesstraße am Ortsausgang von Neuenbürg: Leichte Kur-

ven und Kuppen sorgen dafür, dass man auf der Strecke selten

weit sieht.

FOTOS: SEIBEL

dass man auf der Strecke selten weit sieht. FOTOS: SEIBEL Achtung Kurve kurz vor dem Kreisel

Achtung Kurve kurz vor dem Kreisel Riegertswasen: Manchmal unterschätzt man, wie stark die Straße dreht. In diesem Abschnitt verunglückte eine Frau im September tödlich.

Abschnitt verunglückte eine Frau im September tödlich. Jede Menge Verkehr: PZ-Redakteur Alexander Heilemann nimmt

Jede Menge Verkehr: PZ-Redakteur Alexander Heilemann nimmt den Straßenbereich kurz vor Birkenfeld näher in den Blick. Dort kracht es bei Weitem am häufigsten.

in den Blick. Dort kracht es bei Weitem am häufigsten. SCHAUPLÄTZE VON UNFÄLLEN AUF DER LANDESSTRASSE
SCHAUPLÄTZE VON UNFÄLLEN AUF DER LANDESSTRASSE NEUENBÜRG-BIRKENFELD SEIT 2011 NIEFERN Erlachstadion Niefern-
SCHAUPLÄTZE VON UNFÄLLEN AUF DER LANDESSTRASSE NEUENBÜRG-BIRKENFELD SEIT 2011
NIEFERN
Erlachstadion
Niefern-
Nöttingen
ISPRINGEN
Öschelbro
Dietenhausen
Auerbach
EUTINGEN
Ellmendingen
Mäuerach
Keltern
Hagenschießsiedlung
Eichwald
Niebelsbach
Birkenfeld
Dietlingen
PFORZHEIM
Weiler
Gräfenhausen
Neubärental
Birkenfeld
Ottenhausen
Huchenfeld
Würm
Enz
Neuenbürg
Arnbach
Neuenbürg
BÜCHENBRONN
Feldrennach
Buch-
Schwann
Hohenwart
Grunbach
Conweiler
Waldrennach
wald
Heiligenwald
Schellbronn
Unterreichenbach
Engelsbrand
Rotenbach
Hamberg Steinegg
Salmbach
Dennach
1000m
Dennjächt
250m
Kapfenhardt
QUELLE: POLIZEIPRÄSIDIUM KARLSRUHE
Monakam
Langenbrand
Bieselsberg
Neuhausen
staut sich eine Schlange auf,
weil die erste Ampel nach dem
Ortsschild Rot zeigt. Rund
13 000 Fahrzeuge täglich sind
dort nach dem letzten Verkehrs-
monitoring unterwegs.
genauso wie auf den Ort zu, wo
die Straße aus dem Wald abfällt.
Der drehende Abschnitt ist ein
klarer Unfallschwerpunkt.
Die gefährlichste Zeit?

dings: Ein bisschen dreht die Straße fast immer. Und im mittle- ren Bereich ebenso wie kurz vor Birkenfeld gibt es unscheinbar wirkende Kuppen, die einem den Ge- genverkehr aber oft lange ver- bergen. Außerdem ist beispiels- weise an einem Freitagnachmit- tag sehr viel Verkehr. In langen Kolonnen fahren die Autos durch den Wald. Vor Neuenbürg

Die gefährlichste Kurve?

Fast die Hälfte der Unfälle der vergangenen drei Jahre auf der Landesstraße sind in den leich- ten Kurven kurz vor Birkenfeld passiert – aus dem Ort hinaus

Auffallend viele der schweren Unglücke, die die Polizei näher untersucht hat, haben sich in der kalten Jahreszeit ereignet:

im November, Dezember und besonders oft im Februar. In ei- nem Fall vom Februar 2012 ist

eine Fahrerin kurz nach dem Neuenbürger Ortsausgang auf schneeglatter Fahrbahn von der Straße gerutscht. Die meis- ten Verletzten gab es aber an Tagen, an denen die Landes- straße sehr nass war. Offen- sichtlich werden die sanft schwingenden Kurven bei Näs- se plötzlich haarig, wenn man nicht langsamer hineinfährt. Auch die Sicht ist stärker ein- geschränkt, als das durch Kur-

ven und Kuppen ohnehin der Fall ist. Riskante Dunkelheit Dazu passt auch eine weitere Er- kenntnis aus der Auswertung der Polizei. Auffallend viele Unfälle mit Verletzten sind in der Dämme- rung oder bei Dunkelheit passiert. Alkohol am Steuer sorgte dabei in zwei Fällen – einem schweren Mo- torradunfall von 2012 und einem Überschlag eines Sportwagens 2013 für zusätzliche Gefahr.

Mit der Serie „SPUR DER GEFAHREN“ stellt die „Pforzheimer Zeitung“ Landstraßen im Enzkreis vor, die sich in den vergangenen drei Jahren als besonders unfallgefährdet erwiesen haben. Mit Daten des Polizei- präsidiums Karlsruhe lassen sich riskante Abschnitte darstellen. Die Polizei hat auch herausgearbeitet, wie bestimmte Unfälle auf diesen Strecken abgelaufen sind.

Verdreckte Wagen in den Zügen zum Wasen

Fahrgast schildert schlimme Szenen auf der Volksfest-Linie – Bahn setzt Massenandrang überlange Züge entgegen

RALF STEINERT ENZKREIS/PFORZHEIM/STUTTGART

Morgen endet das Cannstatter Volksfest. Viele bedauern, dass der Rummel auf dem Wasen schon wieder vorbei ist, die Bahnreisende Birgit H. aus Mühl- acker hingegen wird aufatmen. Während der Volksfestzeit erlebe sie in den Zügen Richtung Stutt- gart, aber auch bei der Rückkehr „widerliche und unglaubliche Szenen, und das seit einigen Jah-

ren“. Da sei oft das Zugabteil „to- tal verdreckt, der Boden verklebt von verschüttetem Alkohol“. Es rieche übel: „Erbrochenes von Betrunkenen ist noch auf den Sit- zen.“ Wasengänger übergaben sich vor ihren Augen, andere „grölten und pöbelten Fahrgäste an“, zählt Birgit H. auf. Die Bahn weiß natürlich, was sich auf der Volksfestlinie ab- sp ie lt . Da s „Vor gl üh en im Zu g“ komme in Mode, auch weil die Bierpreise auf dem Wasen stetig steigen, sagt Martin Schmolke,

ein Sprecher der Bahn. Das nächtliche Reinigungspersonal werde in der Wasenzeit verstärkt:

„Morgens gehen alle Züge sauber raus.“ Tagsüber würden zusätzli- che Kräfte an den Wendepunkten eingesetzt. Viele Wechsel seien aber zeit- lich eng begrenzt: „Wenn der Zug in Karlsruhe gleich zurück muss, haben wir keinen Spielraum mehr, in den Wagen aufzuräu- men.“ Die Bahn habe sich, so gut es gehe, auf die Massenreisen einge-

stellt. Am Wochenende fahre der Interregio-Express mit zehn statt fünf Doppelstockwagen: „Da bie- ten wir immerhin 1100 Sitzplätze an.“ Die Bundespolizei setze Streifen ein. Der Andrang zum Volksfest sei aber inzwischen rie- sig, jüngst war der Wasen so voll, dass keiner mehr rein durfte. Doch was solle die Bahn denn tun, wenn Fahrgäste die gute Kinderstube vergessen?, fragt sich Schmolke. Birgit H. sagt:

„Betrunkene dürfen nicht in ei- nem Zug mitfahren.“

„Betrunkene dürfen nicht in ei- nem Zug mitfahren.“ Ewig lang: Am Wochenende fährt der Interregio-Zug, hier

Ewig lang: Am Wochenende fährt der Interregio-Zug, hier in Mühlacker, mit zehn statt fünf Doppelstockwagen zum Volksfest nach Stuttgart. FOTO: PRIVAT