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An den Leser

Der Grund, dass in all diesen Arbeiten die Widerlegung der Evolutionstheorie so stark betont
wird, liegt darin, dass diese Theorie eine Grundlage für jede gegen die Religion gerichtete
Philosophie darstellt. Der Darwinismus, der die Schöpfung und damit die Existenz Gottes ablehnt,
hat seit 140 Jahren vielen Menschen ihren Glauben genommen oder sie in Zweifel gestürzt. Aus die-
sem Grund ist es eine wichtige Aufgabe, die Widerlegung der Theorie zu veröffentlichen. Der Leser
muss die Möglichkeit zu dieser grundlegenden Erkenntnis erhalten. Da manche Leser vielleicht nur
die Gelegenheit haben, eines der Bücher zu lesen, wurde beschlossen, in allen Büchern Harun
Yahyas diesem Thema ein Kapitel zu widmen, wenn auch nur als kurze Zusammenfassung.
In allen Büchern des Autors werden Fragen, die sich auf den Glauben beziehen, auf der
Grundlage des Inhalts des Quran erklärt, und die Menschen werden dazu ermutigt, Gottes Wort zu
lernen und ihm entsprechend zu leben. Alle Themen, die Gottes Offenbarung selbst betreffen, wer-
den in einer Weise erklärt, dass sie beim Leser keine Zweifel oder unbeantwortete Frage hinterlas-
sen. Die aufrichtige, direkte und fließende Darstellung erleichtert das Verständnis der behandelten
Themen und ermöglicht, die Bücher in einem Zug zu lesen. Harun Yahyas Bücher sprechen
Menschen jeden Alters und jeder sozialen Zugehörigkeit an. Selbst Personen, die Religion und
Glauben streng ablehnen, können die hier vorgebrachten Tatsachen nicht abstreiten und deren
Wahrheitsgehalt nicht leugnen.
Die Bücher von Harun Yahya können individuell oder in Gruppen gelesen werden. Leser, die
von diesen Büchern profitieren möchten, werden Gespräche über deren Inhalte sehr aufschlus-
sreich finden, denn so können sie ihre Überlegungen und Erfahrungen einander mitteilen.
Gleichzeitig ist es ein großer Verdienst, diese zum Wohlgefallen Gottes verfassten Bücher be-
kannt zu machen und einen Beitrag zu deren Verbreitung zu leisten. In allen Büchern ist die Beweis-
und Überzeugungskraft des Verfassers zu spüren, so dass es für jemanden, der anderen die Religion
erklären möchte, die wirkungsvollste Methode ist, die Menschen zum Lesen dieser Bücher zu er-
mutigen.
Wir hoffen, der Leser wird die Rezensionen der anderen Werke des Autors zur Kenntnis neh-
men. Sein reichhaltiges Quellenmaterial über glaubensbezogene Themen ist äußerst hilfreich und
vergnüglich zu lesen.
In diesen Werken wird der Leser niemals – wie es mitunter in anderen Werken der Fall ist - die
persönlichen Ansichten des Verfassers vorfinden oder auf zweifelhafte Quellen gestützte
Ausführungen; er wird weder einen Schreibstil vorfinden, der Heiligtümer herabwürdigt oder mis-
sachtet, noch hoffnungslos verfahrene Erklärungen, die Zweifel und Hoffnungslosigkeit erwecken.

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Über den Autor
Der Autor, der unter dem Pseudonym HARUN YAHYA schreibt, wurde
1956 in Ankara geboren. Nachdem er Grundschule und Gymnasium in
Ankara absolviert hatte, studierte er Kunst an der Mimar Sinan Universität
in Istanbul und Philosophie an der Istanbul Universität. Seit den 1980er
Jahren verfasst er zahlreiche Werke zu Themen des Glaubens, der
Wissenschaft und der Politik. Harun Yahya ist bekannt als Autor wichtiger
Werke, die die Hochstapeleien der Evolutionisten aufdecken, ihre falschen
Behauptungen und die dunklen Verbindungen zwischen Darwinismus und
so blutigen Ideologien wie Faschismus und Kommunismus.
Harun Yahyas Werke, übersetzt in 57 Sprachen, umfassen mehr als 45000
Seiten mit 30000 Illustrationen.
Das Pseudonym des Autors besteht aus den Namen Harun (Aaron) und
Yahya (Johannes), im geschätzten Andenken an die beiden Propheten, die
gegen den Unglauben kämpften. Das Siegel des Propheten, das auf dem
Umschlag aller Bücher des Autors abgebildet ist, symbolisiert, dass der
Quran das letzte Buch und das letzte Wort Gottes ist und dass der
Prophet Muhammad (Möge Gott ihn segnen und Frieden auf ihm sein
lassen) der letzte der Propheten ist. Der Autor verwendete in all
seinen Arbeiten den Quran und die Sunnah (Überlieferungen)
des Propheten Muhammad (Möge Gott ihn segnen und
Frieden auf ihm sein lassen) zu seiner Führung. Er zielt da-
rauf ab, alle grundlegenden Behauptungen der ungläu-
bigen Systeme einzeln zu widerlegen, die Einwände
gegen die Religion endgültig auszuräumen und ein
"letztes Wort" zu sprechen. Er verwendet das Siegel des
letzten Propheten, der endgültige Weisheit und
moralische Perfektion erlangte (Möge Gott ihn segnen
und Frieden auf ihm sein lassen) als Ausdruck seiner
Absicht, ein abschließendes Wort zu sprechen.
Das gemeinsame Ziel aller Werke des Autors
ist es, die Verkündigungen des Quran in
der Welt zu verbreiten und auf diese
Weise die Menschen dazu anzuleiten,
über grundlegende Glaubensthemen
wie die Existenz Gottes, Seine Einheit und das Jenseits nachzudenken und das verrottete Fundament der ungläu-
bigen Systeme und deren heidnische Praktiken vor aller Augen darzulegen.
So werden denn auch die Werke Harun Yahyas in vielen Ländern der Welt, von Indien bis Amerika, von England
bis Indonesien, von Polen bis Bosnien, von Spanien bis Brasilien, von Malaysia bis Italien, von Frankreich bis
Bulgarien und Russland gerne gelesen. Die Bücher, die u.a. in englisch, französisch, deutsch, italienisch,
spanisch, portugiesisch, urdu, arabisch, albanisch, chinesisch, suaheli, haussa, divehi (gesprochen in Mauritius),
russisch, bosnisch, serbisch, polnisch, malaisch, uigurisch, indonesisch, bengalisch, dänisch und schwedisch
übersetzt wurden, finden im Ausland eine große Leserschaft.
Die Werke werden auf der ganzen Welt begeistert aufgenommen, und mit ihrer Hilfe haben viele Menschen den
Glauben an Gott zurück gewonnen und tiefere Einsichten in ihren Glauben gewonnen. Jeder, der diese Bücher
liest, erfreut sich an deren weisen, auf den Punkt gebrachten, leicht verständlichen und aufrichtigen Stil sowie an
der intelligenten, wissenschaftlichen Annäherung an das Thema. Eindringlichkeit, absolute Konsequenz, ein-
wandfreie Darlegung und Unwiderlegbarkeit kennzeichnen die Werke. Für ernsthafte, nachdenkliche Leser
besteht keine Möglichkeit mehr, materialistische Philosophien, Atheismus und andere abwegige Ansichten zu
verteidigen. Werden diese dennoch verteidigt, dann lediglich aufgrund einer Trotzreaktion, da die Argumente
widerlegt wurden. Alle leugnerischen Strömungen unseres Zeitalters mussten sich dem Gesamtwerk von Harun
Yahya ideologisch geschlagen geben.
Ohne Zweifel resultieren diese Eigenschaften aus der beeindruckenden Weisheit und Erzählweise des Quran.
Der Autor hat nicht die Absicht, sich mit seinen Werken zu rühmen, sondern beabsichtigt lediglich, andere zu ve-
ranlassen, den richtigen Weg zu finden. Er strebt mit der Veröffentlichung seiner Werke keinerlei finanziellen
Gewinn an.
Wer die Menschen ermutigt, diese Werke zu lesen, ihren Geist und ihre Herzen zu öffnen und sie anleitet, noch
ergebenere Diener Gottes zu sein, leistet der Gemeinschaft einen unschätzbaren Dienst.
Gegenüber der Bekanntmachung dieser wertvollen Werke käme die Veröffentlichung von bestimmten Büchern
allgemeiner Erfahrung, die den Verstand der Menschen trüben, die gedankliche Verwirrung hervorrufen und die
bei der Auflösung von Zweifeln und bei der Rettung des Glaubens ohne starke Wirkung sind, einer
Verschwendung von Mühe und Zeit gleich. Doch mehr noch als das Ziel der Rettung des Glaubens ist deutlich,
dass bei Werken, die die literarische Kraft des Verfassers zu betonen versuchen, diese Wirkung nicht erreicht
wird. Falls diesbezüglich Zweifel aufkommen, so möge es aus der allgemeinen Überzeugung des Autors ver-
ständlich sein, dass es das einzige Ziel der Werke Harun Yahyas ist, den Atheismus zu beseitigen und die Moral
des Quran zu verbreiten und dass Wirkung, Erfolg und Aufrichtigkeit dieses Anliegens deutlich zu erkennen sind.
Man muss wissen, dass der Grund für die Unterdrückung und die Qualen, die Muslime erlitten haben, in der
Vorherrschaft des Unglaubens liegt. Der Ausweg besteht in einem ideologischen Sieg der Religion über den
Unglauben, in der Darlegung der Glaubenswahrheiten und darin, die Quranische Moral so zu erklären, dass sie
von den Menschen begriffen und gelebt werden kann. Es ist klar, dass dieser Dienst in einer Welt, die tagtäglich
immer mehr in Unterdrückung, Verderbtheit und Chaos versinkt, schnell und wirkungsvoll durchgeführt werden
muss, bevor es zu spät sein wird.
Das Gesamtwerk von Harun Yahya, das die Führungsrolle bei diesem wichtigen Dienst übernommen hat, wird
mit dem Willen Gottes die Menschen im 21. Jahrhundert zu der im Quran beschriebenen Ruhe, zu Frieden und
Gerechtigkeit, Schönheit und Fröhlichkeit führen.
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INHALT
EINLEITUNG.............................................................................................................................. 10
SOZIALDARWINISMUS ........................................................................................................ 12
DIE GESCHICHTE DER RÜCKSICHTSLOSIGKEIT
VON MALTHUS BIS DARWIN ............................................................................................ 21
DIE “RÄUBERBARONE“ AUF DARWINS SPUREN ........................................................ 28
SOZIALDARWINISMUS UND MYTHOS VON BEVORZUGTER RASSEN.............. 37
DAS ERGEBN‹S DER DARW‹N-H‹TLER-KOAL‹T‹ON: 40 M‹LL‹ONEN TOTE ...... 67
SOZIALDARWINISTISCHE STERILISATIONS- UND EUTANASIEGESETZE ...... 80
EINE THEORIE, DIE FRAUEN HERABSETZT .................................................................. 102
DARWINISMUS UND MORALISCHER VERFALL ........................................................ 108
DER IRRTUM DER “EVOLUTIONSPSYCHOLOGIE“ .................................................... 121
SCHLUSSFOLGERUNG .......................................................................................................... 131
ANHANG DER ZUSAMMENBRUCH DER EVOLUTIONSTHEORIE ........................ 136
EINLEITUNG

as 20. Jahrhundert war eines der dunkelsten und tödlichsten in der Geschichte der Menschheit.

D Millionen Menschen fielen dem Völkermord durch Diktatoren wie Hitler, Stalin und Pol Pot zum Opfer.
Hitler ließ alle, die er für “nutzlos“ hielt, in Gaskammern ermorden. In westlichen Staaten - von
Großbritannien bis Deutschland, von den USA bis Schweden - wurden Hunderttausende zwangssterilisiert oder
dem Tod überantwortet, weil sie krank, verkrüppelt oder alt waren. In der ganzen Welt wurden Menschen im
Namen eines rücksichtlosen Wettbewerbs unterdrückt und ausgebeutet. Der Rassismus wurde in einigen Staaten
zur offiziellen Politik erklärt und andere Rassen nicht mehr als menschlich anerkannt. Wegen der Konflikte und
der heißen und kalten Kriege zwischen Osten und West, wurden die Völker der Kommunist- und Kapitalistländer
und die sogar Brüder, eines anderen Feinde einer.
Noch immer weitgehend unverstanden ist das ideologische Fundament für all den Hass, die Feindseligkeit,
die Kriege und das Völkermorden im 20. Jahrhundert. Der Grundstein dafür wurde gelegt von dem britischen
Wirtschaftswissenschaftler Thomas Malthus. Seinem Gedankengebäude fügte ein weiterer Brite, der Soziologe
Herbert Spencer, weitere Bausteine hinzu. Vervollständigt jedoch wurde dieses aberwitzige Denken von einem
weiteren Briten, Charles Darwin.
Dieses Trio scherte sich nicht Weise um religiöse, moralische Werte wie Kooperation, Altruismus, Schutz der
Armen und Schwachen, und nicht um die Gleichheit aller Menschen. Ganz im Gegenteil: Sie verbreiteten die
Theorie, das Leben sei ein einziges Schlachtfeld, weshalb Unterdrückung und Vernichtung der Schwachen und
Armen sowie sogenannter “minderwertiger“ Rassen gerechtfertigt seien. Für sie galt das Überleben des Stärkeren
als der Motor des menschlichen Fortschritts.
Mit der Evolutionstheorie versuchte Darwin, diese Philosophie des Egoismus mit der Naturwissenschaft zu
verknüpfen. Unter Leugnung der von Gott gestifteten Kooperation und Solidarität in der Natur behauptete er,
alle Lebewesen befänden sich in einem rücksichtslosen Kampf ums Überleben. Obwohl es für diese Behauptung
keinerlei wissenschaftliche Beweise gab, übertrug er sie auf die menschliche Gesellschaft. Damit war der
Sozialdarwinismus als Ideologie geboren.
Manche glauben, der Sozialdarwinismus sei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden und habe
während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder an Einfluss verloren. Aber diese Theorie hat wesentlich
weiterreichende, anhaltende und zerstörerische Wirkungen erzielt. Mit ihr hat sich im totalen Widerspruch zu
allen religiösen, moralischen Werten eine völlig verdrehte Weltsicht verbreitet, der zufolge das Leben nur ein
einziger Kampf ums Überleben ist, demzufolge die Menschen in diesem Kampf gegeneinander siegen müssen,
um zu überleben. In dieser Weltsicht wurzeln der Totalitarismus und solch blutige Ideologien wie Faschismus

10 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

und Kommunismus und auch der Kapitalismus. Damit einhergehend, kam es zu sozialer Ungerechtigkeit, zu
Rassismus, ethnischen Konflikten, moralischem Verfall und vielen anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Wie aus dem Nichts verschaffte der Sozialdarwinismus bereits existierenden Übeln, rücksichtsloser Politik
und Lebenspraktiken ein wissenschaftliches Mäntelchen. Fortan konnten sich viele Menschen auf diese unwis-
senschaftliche Theorie berufen, wandten sich von den religiösen, moralischen Werten ab und betrachteten
Rücksichtslosigkeit, Barbarei und Grausamkeit als durchaus normal. Sie leugneten die Wahrheit, dass die re-
ligiösen, moralischen Werte nicht lebbar sind ohne Tugenden wie Mitleid, Zuneigung, Verständnis,
Selbstaufopferung, Solidarität und wechselseitige Unterstützung der Individuen und Gesellschaften. Verbrecher
konnten so ihrer Grausamkeit eine Legitimation liefern, die in Wirklichkeit auf einer Täuschung beruhte.
In dem vorliegenden Buch werden wir zwei Sachverhalte untersuchen und belegen. Erstens die Gefahren, die
aus einer Erziehung der Jugend im Geist des so weit verbreiteten Darwinismus resultieren und die allen Menschen
drohen, die sich ihrer entweder nicht bewusst sind oder sie unterschätzen. Zweitens werden wir uns auseinander-
setzen mit dem falschen Argument, dass Darwins Evolutionstheorie nichts mit dem Sozialdarwinismus zu tun
habe. Denn es ist so, dass ein “Ja“ zum Darwinismus zugleich ein “Ja“ zum Sozialdarwinismus ist.Wir werden
dabei aufzeigen, dass die Evolutionstheorie, in der Menschen nur als höher entwickelte Tiere gelten, ein gigantis-
cher Denkfehler ist - beruhend auf Rücksichtslosigkeit, Lieblosigkeit, Eigennutz und Selbstsucht. Der
Darwinismus versucht eine Welt zu konstruieren, in der Menschen sich verhalten und leben wie Tiere. Das geht
aus seinem Gedankengebäude und dessen praktischen Konsequenzen eindeutig hervor. Seiner perversen
Sichtweise zufolge, ist es völlig in Ordnung, wenn ältere, verarmte Menschen aus ihrem Haus vertrieben und
getötet werden, und es ist auch in Ordnung, wenn behinderte Menschen fortgeschafft und in
Konzentrationslagern ermordet werden. Dieser völlig verdrehten Denkweise zufolge, dürfen Angehörige der “un-
teren“ Gesellschaftsklassen rücksichtslos verfolgt, ausgebeutet und beseitigt werden. All jene, die davon
überzeugt sind, dass die menschliche Gesellschaft nur mit Hilfe derartiger Praktiken fortschreiten kann, halten
Gemetzel, Genozid, Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit für ein Erfolgsrezept. Sie behaupten allen Ernstes, alle
Individuen, Gesellschaften, Kulturen und Nationen, die damit nicht mithalten können, müssten eliminiert werden.
Zweifellos ist dies eine ausgesprochen perverse und gefährliche Denkweise. Sich dieser Gefahr bewusst zu
werden, ist unumgänglich für alle, die
sich dieser Theorie und ihren
Konsequenzen widersetzen wollen. Alle
auf dem Darwinismus beruhenden
Gesellschaftsmodelle führen
zwangsläufig zu schrecklichen
Katastrophen. Im Gegensatz dazu brin-
gen die moralischen Werte, die Gott den
Menschen im Quran offenbart hat,
Frieden und Zufriedenheit mit sich.

Der Sozialdarwinismus bot eine angebliche


wissenschaftliche Rechtfertigung für viele
Rücksichtslosigkeiten, die die Leben der
Armen als unwichtig betrachteten.

Adnan Oktar 11
SOZIALDARWINISMUS

assendiskriminierung und Rassismus, ungleicher Wettbewerb, Unterdrückung der Armen, Ausbeutung

R der Schwachen durch die Starken und die Auffassung, dass Macht alles rechtfertigt - diese Übel ziehen
sich durch die ganze Geschichte. Vor Jahrtausenden schon, zur Zeit des Propheten Moses (a.s), hielt sich
der Pharao wegen seines Reichtums und seiner machtvollen Armee für unüberwindlich. Er wies die Propheten
Moses (a.s) und Aaron (a.s) ab und wollte sie töten lassen, obwohl sie klar und deutlich die Wahrheit sagten.
Darüber hinaus verfolgte er eine unterdrückerische Politik, spaltete sein eigenes Volk in Klassen auf, quälte das
Volk der Israeliten in seiner Gefangenschaft und ließ dessen junge Männer töten, um das ganze israelitische Volk
auszulöschen. Im Quran werden die Verbrechen des Pharao wie folgt beschrieben:
Fürwahr, Pharao war überheblich im Lande und spaltete sein Volk in Klassen. Einen Teil von ihnen un-
terjochte er, indem er ihre Söhne abschlachtete und nur ihre Frauen am Leben ließ. Er war wirklich einer
derer, die Verderben stiften. (Sure 28:4 - al-Qasas)
Bin ich etwa nicht besser als dieser Verächtliche da, der sich kaum verständlich machen kann? (Sure 43:52
- az-Zukhruf)
Und kehrt euch reuig euerem Herrn zu, und ergebt euch Ihm... (Sure 39:54– az-Zumar)
Und zum Erbe gaben Wir dem Volk, das für schwach erachtet worden war, den Osten und Westen des
Landstrichs, den Wir gesegnet hatten... (Sure 7:137– al-A'raf)
Aber Ägypten war beileibe nicht die einzige Gesellschaft, in der nur die Macht zählte, Menschen in Klassen
aufgeteilt waren, für “minderwertig“ gehaltene Menschen unterdrückt und unmenschlich behandelt wurden.
Derartige Gesellschaften gibt es bis in die heutige Zeit.
Im 19. Jahrhundert jedoch erreichte die Inhumanität eine neue Dimension. Bis dahin wurden solche Politik
und Maßnahmen immerhin noch als grausam betrachtet, aber plötzlich wurde all das als “normal“ und “naturge-
setzlich“ definiert. Wie konnte es zu einer derartigen Pervertierung kommen?
Die Evolutionstheorie von Charles Darwin wurde dargelegt in seinem Buch The Origin of Species (Der
Ursprung der Arten). Es erschien 1859 und enthielt eine Reihe wilder Spekulationen über den Ursprung des
Lebens, die später zu einem nahezu wahnhaften Weltbild führten – ohne jegliche wissenschaftliche Beweise. Kern
dieser verworrenen Philosophie war die Leugnung der göttlichen Schöpfung und die Behauptung, nur der Zufall
habe dazu geführt. Von da an galten Menschen nur noch als Höherentwicklung von Tieren und das Leben wurde
als ständiger Überlebenskampf gesehen.
Darwins Evolutionstheorie hatte Vorläufer, die im damals noch primitiven Wissenschaftsverständnis des 19.
Jahrhunderts wurzelten. Schon 50 Jahre vorher, im Jahr 1798, hatte Thomas Malthus ähnliche Thesen vorgetragen
in seinem Buch Essay on the Principle of Population (Aufsatz über das Prinzip von Populationen).In diesem Buch be-
hauptete Malthus, dass das Bevölkerungswachstum wesentlich schneller verlaufe als die
Nahrungsmittelproduktion und dass man deshalb das Bevölkerungswachstum kontrollieren müsse. Malthus
vertrat die Auffassung, dass Kriege und Epidemien dabei eine regulierende Wirkung hätten und insofern zu be-

12 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

grüßen seien. Damit vertrat er als erster die Theorie vom Überlebenskampf. Entsprechend dieser Behauptung,
fern von menschlichen Werten, sollten die Armen dieser Welt nicht geschützt, sondern unter möglichst unmen-
schlichen Bedingungen gehalten werden, um sich nicht vermehren zu können. Die knapper werdenden
Nahrungsreserven hingegen sollten der herrschenden Klasse vorbehalten bleiben. Eine derartige Theorie der
angeblich notwendigen Grausamkeit kann bei jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand und einem
Gewissen nur Abscheu hervorrufen. Umso mehr, als alle religiösen, moralischen Werte von uns verlangen, unsere
helfende Hand für die Armen und Bedürftigen auszustrecken. Doch Malthus und sein Nachfolger Darwin
forderten allen Ernstes, diese Menschen solle man ruhig sterben lassen.
Einer der ersten, die sofort diese wahrhaft unmenschlichen Gedanken aufgriffen, war der britische Soziologe
und Philosoph Herbert Spencer. Sogar die Formulierung “Überleben des Stärkeren”, die Darwins Denken in aller
Kürze zusammenfasst, stammt in Wirklichkeit von ihm. Er ging soweit, zu fordern, dass die “Ungeeigneten“ aus-
gelöscht werden sollten. Zitat: “Wenn sie hinreichend ausgestattet sind, um zu leben, sollen sie auch durchaus
leben. Wenn sie aber nicht hinreichend ausgestattet sind, um zu leben, sterben sie, und dann ist es am besten so.“1
Aus der Sicht Spencers sollten alle Armen, Ungebildeten, Kranken, Verkrüppelten und Nichterfolgreichen ster-
ben, und sein Bemühen ging dahin, den Staat daran zu hindern, Gesetze zum Schutz dieser Menschen zu er-
lassen.
Spencer mangelte es völlig an Mitgefühl für Menschen, die bei anderen so etwas wie Mitleid oder
Schutzbedürfnis erweckt hätten. Stattdessen suchte er nach Wegen, sie loszuwerden. Der amerikanische
Historiker Richard Hofstadter hat das in seinem Buch Darwinism in American Thought (Der Darwinismus im
amerikanischen Denken) folgendermaßen kommentiert:
Spencer beklagte nicht nur Gesetze zum Schutz der Armen, sondern auch staatliche Ausbildungshilfe,
Hygienevorsorge außer Seuchenverhütung, Regulierung von Wohnbedingungen und selbst staatlichen Schutz
vor Quacksalbern.2
Darwin, der außerordentlich beeindruckt war von den rücksichtslosen Ansichten von Malthus und Spencer,
vertrat in seinem Buch Der Ursprung der Arten die Ansicht, dass sich alle Lebewesen durch natürliche Selektion
entwickelt hätten. Er selbst war kein Wissenschaftler, sondern eine Art Hobby-Biologe. Zu seiner Zeit konnte man
unter den damals noch primitiven Mikroskopen nicht viel mehr als verschwommene Kleckse entdecken, und die

Darwins irrige Behauptung, untermauert durch seine unwis-


senschaftliche Theorie, dass der Schwache und Machtlose unter-
drückt werden muss, ist einer der Hauptfaktoren hinter der
Verbreitung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Adnan Oktar 13
Mendelschen Vererbungsgesetze waren noch gar nicht entdeckt. Seine Evolutionstheorie entwickelte er also unter
unzureichenden wissenschaftlichen Bedingungen und als wissenschaftlicher Amateur. So kam er zur unwis-
senschaftlichen Theorie, dass in der Natur alles nach dem Prinzip der natürlichen Selektion der jeweils Stärksten
abläuft. Dieser auf völlig falschen Voraussetzungen beruhenden Theorie zufolge galt ihm das ganze Leben als ein
Werk des Zufalls. Deshalb verneinte er die göttliche Schöpfung. (Gott ist erhaben darüber.) Nach Erscheinen von The
Origin of Species (Der Ursprung der Arten) verfolgte er seine falsche Theorie weiter in dem Buch The Descent of Man
(Die Abstammung des Menschen). Dort legte er dar, dass die von ihm so genannten unterentwickelten Rassen schon
in naher Zukunft aussterben und die höherentwickelten Rassen sich weiter entwickeln und siegen würden. Durch
seine Übertragung der Evolutionstheorie auf die menschliche Gattung und weitere ähnliche Schriften wurde
Darwin auch zum Stammvater des Sozialdarwinismus.
Seine Anhänger setzten sein Werk lediglich fort. Die bekanntesten Befürworter und Praktiker des
Sozialdarwinismus waren Herbert Spencer und Darwins Vetter Francis Galton in England, sowie der amerikanische
Forscher William Graham Sumner und der Darwinist Ernst Haeckel in Deutschland - und später gnadenlose faschis-
tische Rassisten wie Adolf Hitler.
Schon bald wurde die Ideologie des Sozialdarwinismus zu einem ideologischen Instrument der
Selbstrechtfertigung für Rassisten, Imperialisten, Kapitalisten und Politiker, die ihre Pflicht zum Schutz der Armen
und Bedürftigen nicht erfüllten. Fortan konnten sie im Namen des pseudowissenschaftlichen Sozialdarwinismus
alles als menschlichen Fortschritt bezeichnen, was in Wirklichkeit Unterdrückung der Schwachen, Armen und soge-
nannten “minderwertigen“ Rassen, Auslöschung der Kranken und Behinderten sowie kleiner Unternehmen durch
Großkonzerne war. Der Mangel an Mitleid und Gewissen im Kontext des Sozialdarwinismus wurde einfach als
naturgegebener Pfad der sogenannten Evolution dekretiert.
Insbesondere rechtfertigten vor allem amerikanische Kapitalisten das von ihnen geschaffene Klima des hem-
mungslosen Wettbewerbs zu ihren Gunsten mit Darwin-Zitaten. Aber natürlich war dies nichts anderes als ein gi-
gantisches Täuschungsmanöver. Es ging ihnen in Wirklichkeit nur darum, ihrem gnadenlosen Konkurrenzdenken
ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen. Andrew Carnegie zum Beispiel, einer der Großkapitalisten der
damaligen Zeit, hat 1889 in einer Rede folgendes geäußert:
“Der Preis, den die Gesellschaft bezahlt für das Gesetz des Wettbewerbs ist ebenso groß wie der, den sie für
Annehmlichkeiten und Luxus bezahlt. Aber die Vorteile des Konkurrenzprinzips überwiegen die von ihm erzeugten
Kosten - denn wir verdanken ihm unsere wundervolle technische Entwicklung, die uns so viele Vorteile bringt ...
Wenngleich das Konkurrenzprinzip manchmal hart für die Individuen sein mag, ist es jedoch vorteilhaft für den
Erhalt der menschlichen Gattung, weil es in allen Bereichen das Überleben des Stärkeren fördert. Deshalb akzep-
tieren und begrüßen wir es als Bedingung, der wir uns unterwerfen müssen, zusammen mit ungleichen
Lebensbedingungen und der Konzentration der Wirtschaft und des Reichtums in den Händen weniger, weil dies
nicht nur nützlich, sondern auch unerlässlich ist für die Zukunft der Menschheit.“3
Gemäß dem Sozialdarwinismus ist das einzige Ziel einer Rasse ihre physische, wirtschaftliche und politische
Entwicklung. Verglichen damit gelten individuelles Wohlbefinden und Glück, Frieden und Sicherheit als unwichtig.
Ebenfalls nicht gefragt ist Mitleid mit Leidenden und Hilferufenden, für alle, denen es an Nahrung, Arzneimitteln
und Schutz für ihre Kinder, Familien, Eltern und Großeltern mangelt, für die Alten und Machtlosen. Im
Zusammenhang der sozialdarwinistischen Theorie gilt jemand, der arm, aber moralisch aufrecht durchs Leben geht,
als wertlos, weshalb sein Tod als nützlich für die Gesellschaft gilt. Reich, aber moralisch verdorben zu sein, gilt
hingegen als äußerst wichtig für die Fortentwicklung der Rasse, und - egal unter welchen Bedingungen - solche
Individuen gelten als wertvoll. Aber diese abstruse Auffassung hat den Sozialdarwinismus in eine geistige und
moralische Sackgasse gebracht. Schon 1879 enthüllte der amerikanische Sozialdarwinist William Graham Sumner
unfreiwillig den Lug und Trug dieser Theorie:
“... können wir dieser einzigen Alternative nicht entkommen: Freiheit, Ungleichheit, Überleben des Stärkeren;
Unfreiheit, Gleichheit, Überleben der Schwächsten. Erstere Alternative treibt die Gesellschaft nach vorn und begün-
stigt ihre besten Angehörigen; letzere hingegen verhindert den gesellschaftlichen Fortschritt und begünstigt die
gesellschaftlich Schwachen.4
Die blutrünstigsten Anhänger des Sozialdarwinismus waren allesamt Rassisten, unter ihnen waren zweifellos
die gefährlichsten die Nazi-Ideologen unter ihrem Wortführer Adolf Hitler. Die schlimmsten Folgelasten des
Sozialdarwinismus haben die Nazis zu verantworten, weil sie begannen, der Forderung von Francis Galton zu fol-
gen und die Eugenik anzuwenden, deren Ziel die Ausrottung “lebensunwerten Lebens“ zwecks Züchtung “höher-

14 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

wertiger“ Menschen war. Auch vor Völkermord schreckten sie nicht zurück und sie beriefen sich auf Aussagen
des Darwinismus, um ihre Verbrechen zu legitimieren. Dem Rat darwinistischer Wissenschaftler folgend, er-
mordeten sie Millionen von Juden, Zigeunern und Osteuropäern, die als “rassisch minderwertig“ klassifiziert
wurden. In Gaskammern wurden Geisteskranke, Behinderte und ältere Menschen ermordet. Mitten im 20.
Jahrhundert wurden vor den Augen der Welt im Namen des Sozialdarwinismus Abermillionen Menschen er-
mordet.
Eine weitere folgenschwere Weiterentwicklung des Sozialdarwinismus war die von Galton angeführte
Strömung der Eugenik. Ihre Anhänger vertraten die Auffassung, dass man die natürliche Selektion durch kün-
stliche Selektion beschleunigen müsse, um so im Ganzen die Entwicklung der Menschheit voranzutreiben.
Deshalb befürworteten sie die Zwangssterilisation bei “überflüssigen“ Menschen in zahlreichen Ländern, von
Schweden bis zu den USA. Hunderttausende wurden gegen ihren Willen und ohne Einverständnis ihrer
Angehörigen operiert. Die mit Abstand grausamste Form von Eugenik praktizierten die deutschen Nazis, die
verkrüppelte, Geisteskranke oder mit Erbkrankheiten geborene Menschen sterilisierten. Damit nicht genug, wur-
den auch Hunderttausende ermordet, häufig nur, weil ihnen Gliedmaßen fehlten.
Derartige Grausamkeiten sind absolut unvereinbar mit religiös begründeter Moralität. Gott hat den
Menschen aufgetragen, die Bedürftigen zu schützen und zu ernähren. Wir sollen die Bedürfnisse der Armen
stillen, Behinderten mit Anteilnahme und Mitgefühl begegnen und ihre Rechte achten, sowie Zusammenarbeit
und Solidarität innerhalb der Gesellschaft fördern. Wer diese moralischen Gebote Gottes missachtet, treibt sich
selbst und die Gesellschaft in eine Katastrophe.
Eine weitere Katastrophe, die auf das Konto des Sozialdarwinismus geht, ist der Kolonialismus. Eine ganze
Reihe von imperialistisch-kolonialistischen Politikern hat ihre erbarmungslose Ausbeutung der Bevölkerung in
den kolonialisierten Ländern bar jeglicher wissenschaftlichen Begründbarkeit mit darwinistischen Thesen legit-
imiert. Dazu brauchten sie nur zu behaupten, dass “minderwertige“ Rassen eben nur unter der Knute “höherw-
ertiger“ Rassen überleben könnten, weil dies den von ihnen erfundenen “Naturgesetzen“ entspräche.
Mit Hilfe der trügerischen Logik des Sozialdarwinismus versuchten die Kontrahenten der beiden Weltkriege
des 20. Jahrhunderts diese Kriege als unvermeidlich darzustellen. Die Ermordung von Unschuldigen und Armen,
die Vernichtung ihrer Häuser, Felder und Nutztiere, ihre Vertreibung, das unmenschliche Gemetzel an Babies
und Kindern - all das diente angeblich dem Fortschritt der Menschheit.
Mit einem Wort: Der Sozialdarwinismus war jene Ideologie, die im 19. und 20. Jahrhundert Millionen von
Menschenleben gefordert hat. Durch ihn haben sogar schon Jahrhunderte vorher begangene Verbrechen eine
späte Rechtfertigung gefunden. In seinem Buch The Mismeasure of Man gibt der
kürzlich verstorbene evolutionistische Paläontologe Stephen Jay Gould in einem
Kommentar zu Darwins The Origin of Species darüber Auskunft:
“Unter der Flagge der Wissenschaft konnten fortan Argumente für die Sklaverei,
den Kolonialismus, Rassendiskriminierung, Klassenstrukturen und
Geschlechterrollen ungehindert daher marschieren.“5

Darwin selbst war


Sozialdarwinist
Wieviel Mühe sich heutige Evolutionisten
auch geben mögen, um den Ruf Darwins so fern
wie möglich von all dem Leid zu halten, die der
Sozialdarwinismus über die Menschheit gebracht
Die Nazis sterilisierten
hat, es ändert nichts daran, dass Darwin selbst
zuerst Kinder mit geistigen
eindeutig sozialdarwinistische Formulierungen oder vererbten Krankheiten
benutzt hat, vor allem in seinem Buch The Descent of und später begannen sie,
Man (Die Abstammung des Menschen) und späteren sie in die Gaskammern zu
schicken. Selbst wenn
Schriften. Schon 1869 schrieb er in einem Brief an Hugo
Kindern nur ein Daumen
Thiel, dass er nichts einzuwenden habe, wenn seine fehlte, wurden sie Ziel des
Theorie auch auf die menschliche Gesellschaft angewendet eugenischen Tötens.
würde:

Adnan Oktar 15
“Sie können mir glauben, dass ich außerordentlich interessiert daran bin an Ihrem Versuch, die von mir bei der
Entwicklung der Arten beobachteten Kriterien auch auf moralische und soziale Fragen anzuwenden.“6
Der Dozent für Theologie und Wissenschaft an der Franciscan University und Verfasser von Moral Darwinism:
How we became Hedonists (Moralischer Darwinismus: Wie wir zu Hedonisten wurden), Benjamin Wiker, hält Darwin für
einen Sozialdarwinisten, und er begründet dies so:
“Ob es gefällt oder nicht - Tatsache ist, dass Darwin selbst einer der ersten Sozialdarwinisten und Stammvater der
modernen Eugenik-Bewegung war. Denn Sozialdarwinismus und Eugenik sind nur eine logische Fortsetzung seines
Prinzips der natürlichen Selektion. Meines Erachtens ist der wahre Grund für viele Leute, diesen Zusammenhang zu
leugnen, dass sie den Darwinismus unbefleckt von seinen moralischen Implikationen stehen lassen wollen. Aber es
gibt diesen eindeutigen Zusammenhang, nicht nur in seinen Schriften, sondern vor allem deutlich erkennbar anhand
all der schrecklichen Folgen seiner Theorie, zu denen es in den 150 Jahren seit ihrer Veröffentlichung gekommen
ist.“7
Wie in den folgenden Kapiteln zu lesen sein wird, gibt es eine ganze Reihe von Aussagen Darwins, in denen er
sich selbst als Urheber des Sozialdarwinismus zu erkennen gibt. Die heutigen Evolutionisten ignorieren diese
Tatsache gerne, weil sie natürlich die verhängnisvollen Auswirkungen des Sozialdarwinismus im 20. Jahrhundert
kennen. Tatsache bleibt jedoch, dass Rassismus, Diskriminierung und Konkurrenz - fundamentale sozialdarwinis-
tische Kategorien - untrennbare Bestandteile der Evolutionstheorie sind. Ob die Evolutionisten dies akzeptieren,
spielt keine Rolle. Jede Theorie, in der menschliche Lebewesen als Produkte des Zufalls und als höher entwickelte
Tiere gelten, jede Theorie, die behauptet, dass manche Rassen anderen gegenüber “minderwertig“ seien und de-
shalb den Tieren näher stünden als den Menschen, dass der Fortschritt der Menschheit nur durch Unterdrückung
der Schwachen durch die Starken möglich sei - eine solche Theorie muss zwangsläufig tragische Konsequenzen
haben. Das Versteckspiel der Evolutionisten mit dem Sozialdarwinismus verschleiert nur das Problem. Deshalb
bleibt zu hoffen, dass alle, die sich von der Evolutionstheorie haben blenden lassen, erkennen, dass sie wis-
senschaftlich am Ende ist.

Der Fehler, Naturgesetze auf den Menschen zu übertragen


Als Darwin seine Theorie vorlegte, war die Wissenschaft noch nicht sonderlich fortgeschritten. Das
Elektronenmikroskop zum Beispiel, das die Einzelheiten organischen Lebens unterhalb der Wellenlänge des Lichts
sichtbar werden lässt, war noch nicht erfunden. Zellen sahen für die damaligen Wissenschaftler noch wie
Tintenkleckse aus, und noch ahnte niemand, dass der Bauplan einer
einzigen Zelle nicht weniger kompliziert ist, als ein Stadtplan, weil
die Zelle über unzählige Organellen verfügt. Die Genforschung
lag noch in weiter Ferne, nicht einmal die Vererbungsgesetze
waren entdeckt. Viele damalige Biologen und Wissenschaftler,
Darwin eingeschlossen, glaubten, dass erworbene
Eigenschaften an spätere Generationen weitergegeben werden
könnten. Zum Beispiel glaubte man damals, dass ein Schmied,
der sich durch seine Händearbeit starke Muskeln erworben
hatte, selbige an seinen Sohn weitervererben könne. So
sah die Welt der damaligen Wissenschaft aus, in der
Darwin seine Evolutionstheorie entwickelte. Weder
Darwin noch einer seiner Anhänger war in der Lage,
die Evolutionstheorie mit konkreten Tatsachen aus
den Fachbereichen Paläontologie, Biologie oder
Anatomie zu beweisen. Hinzu kommt, dass in den

Das Buch von Benjamin Wiker Moral Darwinism


Darwins Buch Die Abstammung des Menschen

16 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Auffassung des Krieges als nötiges


Mittel für den Fortschritt der Rassen oder
Nationen ist ein Ergebnis der darwinistis-
chen Philosophie, welche eine derartige
Zerstörung anrichtete. Während des 2.
Weltkrieges (seit jeher einer der blutigsten
Kriege) zertrümmerte französische
Strassen sind Beweise dafür.

Jahrzehnten später Beobachtungen und Experimente sowie neue Fossilienfunde vor allem im 20. Jahrhundert die
Ungültigkeit der Evolutionstheorie bewiesen haben. Aber trotz ihrer wissenschaftlichen Dürftigkeit liefert sie
noch immer die Grundlage für den Materialismus und Atheismus, denen sich ein Teil der wissenschaftlichen Welt
verpflichtet fühlt.
Interessierte Kreise begannen die Evolutionstheorie auf die soziale Welt zu übertragen, was wegen ihrer ide-
ologischen Implikationen leicht möglich war. So wurde sie selbst zur Legitimationsideologie für die verheeren-
den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, Völkermord, Massenmord, Bürgerkriege, in denen ein Bruder den
anderen erschlug, sowie Weltkriege, die ganze Nationen ruinierten.
Einer der großen Fehler der Sozialdarwinisten war der Versuch, ihre Theorie auf das Sozialleben zu übertra-
gen. Ein weiterer Fehler war es, zu glauben, dass Naturgesetze aus der Tierwelt auch für Menschen Gültigkeit

Adnan Oktar 17
Die primitiven
Mikroskope in der
Zeit von Darwin
übermittelten den
Eindruck, dass die
Zelle lediglich eine
einfache Struktur
eines undifferen-
zierten Protoplasmas Andererseits haben
ist. die heutigen
Mikroskope
gezeigt, wie kom-
plex und perfekt
die Struktur der
Zelle in
Wirklichkeit ist.

haben könnten, obgleich diese doch von Gott geschaffen und mit Bewusstsein, Vernunft, Urteilsvermögen und
einem Gewissen ausgestattet worden sind. Deshalb gelten, im Widerspruch zur sozialdarwinistischen Theorie, die
Gesetze des Dschungels nicht in der Welt der Menschen, in der jeder sein ganzes Leben lang dafür verantwortlich
ist, seine Fähigkeiten bestmöglich einzusetzen. Außerdem hat Gott den Menschen nur eine bestimmte
Lebensspanne zugemessen. Wenn sie zu Ende geht, sterben sie, um später wieder aufzuerstehen und sich dann für
ihre Taten im irdischen Leben zu rechtfertigen.
In der Natur sterben die Lebewesen als Gattung aus, wenn sie sich nicht hinreichend an ihre äußeren
Lebensbedingungen anpassen können. Ein dunkel gefärbtes Kaninchen zum Beispiel wird in einem verschneiten
Wald sehr schnell einem Fuchs zum Opfer fallen, weil er es sofort erspäht. Aber im Gegensatz zu dem, was uns die
Darwinisten glauben machen wollen, wird aus dem dunkel gefärbten Kaninchen keinesfalls eine neue, hell gefärbte
Kaninchenart entstehen. Außerdem unterscheiden sich Tiere maßgeblich darin von den Menschen, dass diese sich
nicht ihrer Umwelt anpassen müssen, um zu überleben. Menschen besitzen nämlich die Fähigkeit, ihre Umwelt
entsprechend ihren Wünschen und Bedürfnissen zu verändern. Wir passen unsere Häuser, deren Heizung und
Kühlung und unsere Kleidung dem jeweiligen Klima an, in dem wir leben. In der menschlichen Gesellschaft gibt es
keine natürliche Selektion, weil menschliche Vernunft und menschliche Fähigkeiten dies verhindern.
Ihre Denkfehler verleiten die Sozialdarwinisten zu einer völlig falschen und inhumanen Sicht auf die men-
schliche Gesellschaft. Bar jeglicher Vernunft und gewissenlos ist ihre Auffassung, der Fortschritt einer Gesellschaft
hänge davon ab, wie sie mit den Schwachen und Bedürftigen, den Behinderten und Machtlosen umgeht - sie
müssten aufgegeben werden. In Wirklichkeit jedoch führt eine derart inhumane Herangehensweise nicht zu
Fortschritt, sondern zum Untergang. Denn alle, die der Sozialdarwinismus aus der menschlichen Gesellschaft elim-
inieren will, sind bewusste und vernunftbegabte Menschen. Wenn man sie der Ungerechtigkeit und Grausamkeit
überantwortet, obwohl sie dank religiöse, moralischer Werte über Tugenden wie Geduld, Verständnis und die
Bereitschaft zur Vergebung verfügen, werden sie mit Sicherheit Zorn und Hass entwickeln gegenüber jenen, die sie
so inhuman und grausam behandeln. Um diesen Zorn zu besänftigen, werden die Herrschenden dann, wie viele
Beispiele aus jüngster Vergangenheit zeigen, zur Gewalt greifen, und daraus werden Konflikte und Chaos entste-
hen. Das wiederum würde einen riesigen materiellen und geistigen Aufwand für die Konfliktlösung erfordern, der
in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Niedergang führen würde - sei es in Kunst und Technik, in Wirtschaft und
Wissenschaft. Doch das wäre das Gegenteil von Fortschritt.
Hinzu kommt, dass das Töten von Kranken oder Behinderten im Namen der Eugenik nicht nur äußerst brutal,
sondern auch keineswegs ein Beitrag zum Fortschritt einer Gesellschaft ist. Eine derart legitimierte Billigung von
Mord führt früher oder später zu großen gesellschaftlichen Defiziten. Heute sind etwa sechs Prozent der

18 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Weltbevölkerung, also etwa 42 Millionen Menschen - behindert. Wenn man sie töten würde, würde fast jeder
Mensch auf der Welt durchschnittlich einen Verwandten oder Bekannten verlieren. In jeder Gesellschaft, in der
eine Mutter ihren eigenen Kindern nicht vertrauen, die Kinder nicht ihrer Mutter, ein Bruder nicht dem anderen
vertrauen kann, weil immer das Schwert des Todes über einem von ihnen hängt, in einer solchen Gesellschaft
wären gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Depressionen zwangsläufig die Folge. Eine solche Gesellschaft
wäre dem moralischen Untergang geweiht. Nicht nur sämtliche moralischen Werte würden ihr fehlen, sondern
auch jegliche Menschlichkeit. Eine Gesellschaft, die Derartiges duldet, leidet bereits an schweren psychischen
und geistigen Problemen.
Das größte Leid jedoch wird dadurch all jenen zugefügt, die der Eliminierung ausgeliefert werden.
Wie im Folgenden gezeigt werden soll, versucht der Sozialdarwinismus die Evolutionstheorie auf die soziale

Wenn die Armen einer Gesellschaft misshandelt und sich


selbst überlassen werden, führt dies zu
Spannungen und Ärger, außer wenn
Geduld und Vergebung, ermutigt
durch religiöse moralische
Werte die Oberhand gewinnt.

Adnan Oktar 19
Welt zu übertragen - wobei diese Theorie schon in sich selbst unwissenschaftlich ist und obwohl sie dem Wesen der
menschlichen Natur total widerspricht. Sobald sie in die Tat umgesetzt wird, führt sie zum Verlachen der
Humanität, sie zieht sie herab in Depression und Chaos, erzeugt Hass, Mord und Krieg. Seine Blütezeit erlebte der
Sozialdarwinismus in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber selbst heute
noch sind seine verhängnisvollen Folgen deutlich zu sehen. Unter so hochtrabenden Bezeichnungen wie
“Evolutionspsychologie“ oder “genetischer Determinismus" werden nach wie vor die Denkfehler des Darwinismus
auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Um das 21. Jahrhundert vor den Katastrophen zu bewahren, die das
20. Jahrhundert durch den Sozialdarwinismus erlitten hat, müssen dessen absurde Denkfehler schonungslos ent-
larvt und der ganzen Welt erklärt werden, wie weit Darwinismus und Sozialdarwinismus von Wissenschaftlichkeit
entfernt sind.

Sozialdarwinistische Praktiken brachten nur Hass und Ärger, Konflikte, Mörder und Krieg über die Menschheit.
Wenn sich das Leiden des vergangenen Jahrhunderts nicht wiederholen und wenn dieses 21. Jahrhundert den Frieden bringen
soll, dann müssen sich die Menschen die Irreführung und Gefahren des Darwinismus erkennen.

20 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

DIE GESCHICHTE DER RÜCKSICHTSLOSIGKEIT


VON MALTHUS BIS DARWIN

arwins Ansichten in Der Ursprung der Arten waren maßgeblich beeinflusst von dem britischen

D Ökonomen und Demographen Thomas Robert Malthus.

In seinem erstmals 1798 veröffentlichten Essay on the Principle of Population, as it Affects the Future behauptete
Malthus, dass sich die Weltbevölkerung im Rhythmus von 25 Jahren als geometrische Reihe von 1, 2, 4, 8, 16, 32,
64, 128, 256… erhöhen würde, wohingegen sich die Nahrungsmittelproduktion nur im arithmetischen Maßstab 1,
2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 ... steigern würde – also viel zu langsam in Bezug auf das Bevölkerungswachstum. Malthus be-
hauptete, dass innerhalb von 300 Jahren die Relation des Bevölkerungswachstums zur
Nahrungsmittelproduktion die Größenordnung 4096:13 erreichen würde. Angesichts dieser erschreckenden
Disparität rief Malthus die gesamte Menschheit zu einem verzweifelten Kampf ums Überleben auf. Diese
Panikmache spiegelte sich wider im Untertitel von Darwins Der Ursprung der Arten. Er lautete: The Preservation of
Favoured Races in the Struggle for Life (Die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampf ums Überleben).
Malthus behauptete in seinem Aufsatz, dass dieses überproportionale Bevölkerungswachstum gestoppt wer-
den müsse, und machte dazu einige Lösungsvorschläge. Seiner Meinung nach waren
unter diesem Gesichtspunkt Elend und Verbrechen erfolgversprechende Faktoren,
um das Bevölkerungswachstum zu steuern, zum Beispiel durch Hungersnöte
und Epidemien, aber auch durch Kriege. Selbst die Tötung von
Neugeborenen schlug Malthus vor. Jeder Mensch mit Vernunft und
Gewissen wird zugeben, dass derartige Vorschläge grauenhaft sind.
Vernünftige Planung von Einkommen und Ressourcen, um allen
Mitgliedern einer Gesellschaft Wohlbefinden und Frieden zu sichern,
ist eine Frage der Humanität und entscheidet über deren Zukunft.
Doch die Planung von Kriegen, Massakern und Mord kann nur Blut
und Tränen erzeugen und die Zukunft einer Gesellschaft untergraben.
Aber Malthus hatte noch mehr Vorschläge auf Lager. Zum
Beispiel schlug er vor, dass es armen Arbeiterfamilien verboten wer-
den solle, Kinder zu bekommen. Seine Empfehlungen stießen sogar
auf Resonanz bei der britischen Regierung: 1834 wurden laut Gesetz
besondere “Workhouses“ für Arme in England eingerichtet, wo zur
Kinderlosigkeit verdammte Ehepaare nach strengen Regeln leben
mussten. All das, um der angeblich drohenden Bevölkerungsexplosion
entgegenzutreten!
Einer der Gründe für das Erwägen solcher Maßnahmen war damals die
durchaus begründete Furcht der britischen “Oberklasse“, dass irgendwann das

Thomas Robert Malthus

Adnan Oktar 21
quantitativ rapide ansteigende Wachstum der “Unterklasse“ die Stellung und Privilegien der ersteren gefährden
könnte. Diese Furcht war natürlich unbegründet und nur das Ergebnis einer Selbsttäuschung. Denn erstens steht
außer Frage, dass jemand aufgrund seiner materiellen Situation, seines sozialen Status, seiner Sprache, Rasse oder
Geschlecht eine Überlegenheit gegenüber anderen Gesellschaftsmitgliedern haben kann. Gott hat alle Menschen
gleich geschaffen. Was den Menschen ihren Wert verleiht, sind deren moralische Tugenden und ihre Gottesfurcht,
die sie tagtäglich unter Beweis zu stellen haben. Sonst nichts.
Das hinderte jedoch die britische Upperclass im Gefolge der Französischen Revolution nicht daran, den
Malthusianismus ideologisch massiv zu fördern. Aus Furcht, ihre gesellschaftlichen Privilegien und ihre Macht zu
verlieren, schreckte sie vor nichts zurück, nicht einmal davor, offenen Rassismus zu praktizieren. Das ist nicht
weiter verwunderlich, wenn jemand freiwillig religiöse, moralische Werte einfach aufgibt. Die damals herrschende
Elite in England dachte einfach, die Zukunft ihrer Gesellschaft sei zu sichern, indem man Verhältnisse schaffte, in
denen es immer weniger Menschen immer besser und immer mehr Menschen immer schlechter ginge. Natürlich ist
es eine gute Sache, wenn der allgemeine Wohlstand einer Gesellschaft wächst. Es stellt sich allerdings die Frage
danach, wie das zu bewerkstelligen ist. Den Anteil der Wohlhabenden dadurch zu steigern, dass man die Armen
und Bedürftigen verhungern lässt oder abschlachtet - wie vom Sozialdarwinismus gefordert - ist selb-
stverständlich völlig unakzeptabel. Selbst wenn der Anteil der Wohlhabenden steigt, ist das
keineswegs hinreichend als Indikator für den Fortschritt einer Gesellschaft. Wenn nämlich
all den Wohlhabenden Tugenden wie Ehrbewusstsein, Altruismus, Mäßigung, Geduld
und Toleranz fehlen, dann wird ihr wirtschaftliches Denken eher zum Schaden als zum
Vorteil einer Gesellschaft gereichen. Alle Pläne, die abzielen auf den Fortschritt einer
Gesellschaft, können ihr Ziel nur erreichen, wenn sie geistige Werte in Einklang bringen
mit materiellem Fortschritt.
Aber zu Lebzeiten von Malthus war dies vielen Menschen nicht klar, und deshalb
übernahmen sie seine abstrusen Ansichten, die später ihre Gesellschaften in den
Zusammenbruch führten. Im Folgenden nennen wir einige der
“Lösungsvorschläge“, die Malthus machte, um das Bevölkerungswachstum zu
stoppen:
“Statt den Armen Sauberkeit zu predigen, sollten wir sie zum Gegenteil animieren.
In unseren Städten sollten die Straßen noch enger gemacht, noch mehr dieser
Menschen in die Häuser gepfercht und eine Rückkehr von Seuchen gefördert wer-
den. Auf dem Land sollten wir die Dörfer möglichst nahe an stehenden
Gewässern bauen und Siedlungen am besten in sumpfigen und unwirtlichen
Gegenden fördern. Vor allem jedoch sollten wir Heilmittel gegen
Seuchenkrankheiten nicht zulassen, die von gut meinenden Menschen entwick-
elt worden sind, weil sie irrtümlicherweise glauben, damit der Menschheit zu
nutzen.“8

Sogar das Töten von Neugeborenen hat Malthus vorgeschlagen:

“... sind wir im Namen von Ehre und Gerechtigkeit dazu


verpflichtet, den Armen jedes Recht auf Unterstützung zu
verweigern. Zu diesem Zweck schlage
ich eine Regelung vor, der zufolge
kein neugeborenes Kind ein
Recht auf kirchlichen Beistand
hat. Ein neugeborenes Kind

Nach der irrigen


Propaganda des
Sozialdarwinismus – eine
der erbarmungslosesten
Philosophien in der
Geschichte – muss der
Schwache und Hilflose dem
Tode überlassen werden.
Harun Yahya

der Armen hat, alles in allem gesehen, nur geringen Wert für die Gesellschaft, weil ohnehin schon bald weitere an
seine Stelle treten werden ... Alle neugeborenen Kinder, sofern sie die notwendige und wünschenswerte Anzahl
für ein vernünftiges Bevölkerungswachstum überschreiten, müssen zugrunde gehen, soweit nicht durch den Tod
von Erwachsenen neuer Raum für sie entstanden ist.“ 9
Malthus hatte sich ein raffiniertes Gedankengebäude zurechtgelegt, um die Tötung von Neugeborenen zum
Zweck der Regulierung des Bevölkerungswachstums zu rechtfertigen. Man könnte nun heutzutage glauben, so
etwas Abartiges gehöre der Vergangenheit an und niemand würde es mehr ernst nehmen. Aber leider ist dem
nicht so. Im heutigen China basiert die Bevölkerungspolitik auf der Tötung von Neugeborenen - eine Politik, die
durchaus in der Tradition von Malthus und seinem Nachfolger Darwin steht. Die kommunistische Staatsführung
Chinas hält ihre Bevölkerung fern jeglicher religiösen, moralischen Werte und betrachtet die Welt mit den Augen
Darwins. Abgesehen vom sozialen und moralischen Niedergang der chinesischen Gesellschaft gibt es deshalb in
China auch Arbeitslager, deren Insassen selbst grundlegende Menschenrechte verweigert werden. Wenn ein
Elternpaar mehr Kinder zeugt als staatlich erlaubt, werden die “Überzähligen“ ihnen weggenommen und
getötet. Menschen werden exekutiert wegen “geistiger Verbrechen“, wobei die Exekutionen zelebriert werden
wie ein gesellschaftliches Ritual. Deshalb ist das heutige China ein Beispiel dafür, was eine Gesellschaft erwartet,
die sich dem Darwinismus verschreibt.
Die Thesen von Malthus bereiteten nicht nur den Boden für eine Gesetzgebung, die die Lage der Armen in
Großbritannien noch verschlechterte, sie machten auch eine Lösung der sozialen Probleme seiner Zeit unmöglich.
Seine Thesen, die noch heute Anhänger finden und Darwins Evolutionstheorie den Weg ebneten, entbehren
jeglicher wissenschaftlichen Grundlage und führten folgerichtig nur zu Chaos, Krieg, Rassismus und Atheismus
im 20. Jahrhundert. Sie waren inspiriert durch folgende Geschichte von Ziegen und Hunden, deren
Wahrheitsgehalt nie jemand überprüfen konnte.

Von Ziegen und Hunden zum Darwinismus


Die wahre Quelle für Malthus wahnwitzige Theorie war eine Geschichte über Ziegen auf einer Insel im
südöstlichen Pazifik, die angeblich von einem spanischen Seefahrer namens Juan Fernandez stammte. Der
Erzählung zufolge vermehrten sich auf dieser Insel die Ziegen rasant und wurden zu einer beliebten Delikatesse
in den Fleischtöpfen der anlandenden Seeleute. Aber die Ziegen vermehrten sich derart rasant, dass sie so gut wie
alle Nahrungsreserven auf der Insel weg fraßen. Um die die spanische Herrschaft bedrohenden britischen
Kaufleute dort am Genuss von Ziegenfleisch zu hindern, setzten die Spanier auf der Insel männliche und weib-
liche Hunde aus, deren Jagdbeute die Ziegen wurden - weshalb sich nun ihrerseits die Hunde rasant vermehrten.
Der britische Joseph Townsend hat dies damals dahingehend kommentiert, dass durch diesen Vorgang ein
natürliches Gleichgewicht installiert worden sei:
“Die schwächsten der beiden Spezies waren unter den ersten, die der Natur ihre Schuld bezahlen mussten. Die
Lebenskräftigsten und Aktivsten sicherten ihr Überleben. ... Es ist die Menge an Nahrungsmitteln, die die Anzahl
an Menschenleben reguliert.“10
Es gibt in der Tierwelt durchaus natürliche Bedingungen, die Einfluss darauf haben, ob die Zahl der
Individuen einer Art zu- oder abnimmt, ob also die Art überlebt oder ausstirbt. Aber es gibt eine ganz andere
Frage, ob dies auch für die menschliche Gesellschaft gilt. Die Antwort lautet klar und deutlich nein, was un-
missverständlich aus der Geschichte der letzten 150 Jahre hervorgeht.
Unter dem damals erlassenen britischen Armengesetz wurden die Armen nicht dem Hunger überlassen, son-
dern zu harter Arbeit gezwungen. Condorcet war überzeugt, dass dieses Gesetz zu extremen Schwierigkeiten
und Protesten führen werde. Seiner Meinung nach war es sinnvoller, das Problem der Armen durch Hunger zu
“lösen“. Denn: “Der Hunger zähmt noch das wildeste Raubtier, also wird er auch Menschen Gehorsam,
Unterwerfung und Zivilisiertheit lehren.“ 11 Einer derart rücksichtslosen und gewissenlosen Philosophie liegt die
Selbstgerechtigkeit und Arroganz der herrschenden Klasse einer Gesellschaft zugrunde. Sie hat, weil völlig un-
vereinbar mit religiösen, moralischen Werten, Gesellschaften zerrüttet und zu Chaos, Anarchie und schweren
Konflikten geführt.
Condorcet zufolge war die Geschichte von den Ziegen und Hunden die Grundlage der Malthus-Theorie und
lag später auch dem unwissenschaftlichen und falschen Terminus “Überleben der Stärkeren“ zugrunde, den

Adnan Oktar 23
Herbert Spencer prägte, aber auch schon Darwins Irrtum, es habe eine Evolution durch natürliche Selektion stattge-
funden.
Etliche Persönlichkeiten wie Condorcet, Malthus, Darwin und Spencer haben den schweren Fehler begangen,
für Tiere geltende Naturgesetze auf die menschliche Gesellschaft zu übertragen. Ihnen allen galten Menschen nur
als höher entwickelte Tiere, die man durch radikale Unterdrückungsmaßnahmen, Elend, Hunger und Krieg unter
Kontrolle halten müsse. Die Wahrheit jedoch ist, dass Menschen über Vernunft und gesunden Menschenverstand
verfügen. Ihr Handeln ist bestimmt durch Logik und Gewissen, nicht durch tierische Instinkte.

Malthus verfügte über keinerlei wissenschaftliche Daten


Malthus Theorie wurde seinerzeit von etlichen Intellektuellenkreisen befürwortet und im 19. Jahrhundert zur
Grundlage verschiedener abartiger Ideologien und Strömungen, trotz all ihrer Unwissenschaftlichkeit und internen
Widersprüche.
1) Als Malthus seine Theorie formulierte, standen ihm keinerlei demoskopische Daten zur Verfügung. Die erste
Volkszählung in Großbritannien fand erst 1801 statt, also drei Jahre nach Veröffentlichung seines Essays. Um seiner
Theorie wissenschaftlichen Rückhalt zu verschaffen, hätte er Zugriff auf statistisches Material vor 1798 haben
müssen, das aber damals gar nicht existierte. Allein schon deshalb waren seine Thesen reine Spekulation.
2) Ebenso wenig verfügte Malthus über irgendwelche Daten zum Wachstum der Nahrungsmittelproduktion.
Zum damaligen Zeitpunkt gab es keine Statistiken zur landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität. Auch
hier verfuhr er rein spekulativ und unwissenschaftlich.
3) Selbst das von Malthus vorgeschlagene Armengesetz war in sich selbst widersprüchlich. Er behauptete, dass
sich das Bevölkerungswachstum -geometrisch steigern würde. Dann aber müsste das auch für die Pflanzen- und
Tierwelt gelten, die Voraussetzung für menschliches Leben sind. Aber in Wirklichkeit verläuft die Vermehrung
pflanzlichen, tierischen und menschlichen Lebens eben nicht im geometrischen Maßstab, sondern wird reguliert
durch die jeweils herrschenden Umweltbedingungen. Das gesamte Ökosystem der Erde, einschließlich men-
schlichen Lebens, funktioniert nur als ein Gleichgewichtszustand, der weit entfernt liegt vom “Fressen oder
gefressen werden“-Prinzip von Malthus oder Darwin.
Kurz gesagt, die fehlerhaften und unlogischen Behauptungen von Malthus basieren auf keiner wis-
senschaftlichen Grundlage. Und Darwin hat seine Evolutionstheorie auf den waghalsigen und absurden
Spekulationen von Malthus errichtet.

Darwin war ein Malthusianer


In seiner Autobiographie schrieb Darwin:
“Im Oktober 1838, fünfzehn Monate nach Beginn meiner systematischen Forschung,
las ich den Aufsatz von Malthus. Durch meine schon lange vorher begonnenen
Studien des Verhaltens von Pflanzen und Tieren war ich schon darauf vorbereitet,
mich anzufreunden mit dem Gedanken des überall stattfindenden Kampfes ums Über-
leben. Beim Lesen wurde mir schlagartig klar, dass unter solchen Umständen eine
natürliche Selektion zwischen besser und schlechter geeigneten Exemplaren einer
Gattung stattfinden müsste. Und das Ergebnis dieser natürlichen Selektion
wäre das Entstehen einer neuen Art. Endlich hatte ich eine Theorie entdeckt,
mit der ich arbeiten konnte.“12
Also wurde offensichtlich Darwins Konzept der natürlichen Selektion
und des Kampfes ums Überleben geboren während seiner Malthus-Lektüre.
In Der Ursprung der Arten gestand Darwin diese Abhängigkeit von Malthus:

Gott gebietet den Menschen, die Bedürftigen


zu schützen und liebevoll und mitleidig zu
sein. Die Verbreitung der moralischen Werte,
die Er befahl, wird viele Probleme lösen.
Harun Yahya

DIE BEHAUPTUNG “LEBEN IST EIN KAMPF“ IST UNWAHR

Aus Hingabe zu Malthus und Darwin haben manche die Idee des “Leben ist Kampf“ an die äußersten
Extreme geführt, indem sie behaupten, dass nicht nur Tiere, sondern alle Lebewesen miteinander konkurrieren.
Der deutsche Embryologe Wilhelm Roux behauptete, dass die Organe miteinander um die Nahrung kämpfen,
Niren gegen Lungen, Herz gegen Gehirn. T.H. Huxley verfocht sogar die Idee, dass alle Moleküle innerhalb
jedes Organismus miteinander konkurrieren!
Die biologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts zeigten, dass solche Kämpfe in der Natur nicht
vorkommen. Die heutigen Biologen beziehen sich bei der Grundlage der Organismen nicht auf Konkurrenz son-
dern auf Zusammenarbeit. Zum Beispiel schreibt der Biologe Thomas Lewis in seinem Buch The Lives of a Cell:
Die meisten Verbindungen zwischen den Lebewesen, die wir kennen, sind im wesentlichen Kooperationen, ein-
erseits symbiotisch, andererseits, wenn es sich um Gegner handelt, üblicherweise eine
Konfrontationsbeziehung, wobei die eine Partei Signale und Warnungen aussendet, um den anderen zur
Aufgabe zu bringen….
Norman Macbeth, Autor des Buches Darwin Retried: An Appeal to Reason, beschreibt, wie sich Malthus und
Darwin irrten und warum in der Natur keine Kämpfe auf Leben und Tod existieren:
Darwin übernahm es von Malthus, der eher ein (furchterregender) Soziologe als ein Biologe war. Es wurde nicht
von einer liebenden Betrachtung der Pflanzen und Tiere ausgegangen.

So eine Betrachtung … würde nicht zeigen, dass “jedes organische Wesen bestrebt ist, in geometrischer
Progression zu wachsen“ oder dass es einen andauernden Kampf gäbe …
Peter Kropotkin beschreibt in seinem Buch Mutual Aid: A Factor of Evolution den Fehler Darwins und seiner
Anhänger:
Die zahllosen Anhänger von Darwin reduzierten den Begriff des Existenzkampfes an seine engsten Grenzen. Sie
begriffen die tierische Welt als eine Welt des fortwährenden Kampfes zwischen halbverhungerten Individuen,
nach dem Blut des anderen dürstend … wenn wir Huxley nehmen … die tierische Welt ist ungefähr auf dem
gleichen Niveau wie eine Gladiatorenshow. Die Geschöpfe werden ziemlich gut behandelt und diese machen
sich daran, dass der stärkste, schnellste und listigste lebt, um an einem anderen Tag zu kämpfen … Aber man
merkt sofort, dass die Idee Huxleys von der Natur nur wenige Beweisstücke als wissenschaftliche
Schlussfolgerung vorzuzeigen hat.
Ein Artikel in dem türkischen wissenschaftlichen Journal Bilim ve Teknik (Wissenschafts- und Technologie
Magazin) gesteht ein, dass die Behauptung, die Natur sei ein Schachtfeld, ein Fehler ist:
Das Problem ist, warum Lebewesen einander helfen? Gemäß Darwins Theorie führt
jeder Organismus einen Kampf um zu überleben und sich zu reproduzieren. Da an-
deren zu helfen die Überlebenswahrscheinlichkeiten dieses Lebewesens reduzieren,
müsste die Evolution auf lange Sicht dieses Verhalten eliminiert haben. Es wurde
aber beobachtet, dass Lebewesen uneigennützlich sein können.
Diese gemeinsamen Fakten enthüllen einmal wieder, dass die Darwin’sche
Theorie, unter primitiven wissenschaftlichen Bedingungen hervorgebracht und
voll mit Fehlern und Irrtümern ist. Eine große Anzahl von
Wissenschaftszweigen zeigt die Ungültigkeit der Evolutionstheorie.
Diejenigen, die sie unterstützen, vermutlich im Namen der Wissenschaft, dür-
fen nicht die Verantwortung übersehen, die sie tragen, einer solchen unwis-
senschaftlichen Theorie zu helfen und sie müssen diesen Fehler sofort
berichtigen.

Norman Macbeth's book


Darwin Retried: An Appeal to Reason

T. D. Hall, Ph.D., “Influence of Malthus and Darwin on the European Elite,” 1995, http://www.trufax.org/avoid/manifold.html
2 ebd.
3 ebd.
4 Peter Kropotkin, Mutual Aid: A Factor of Evolution, 1902, Kapitel 1; http://www.spunk.org/library/writers/kropotki/sp001503/ch1.html
5 Bilim ve Teknik (Wissenschafts- und Technologie Magazin), Nr.: 190, 4.

Adnan Oktar 25
Nach Malthus musste die “niedrige Klasse“ unter Kontrolle gebracht, unterdrückt, geschwächt und zur Arbeit gezwungen wer-
den. Als man diese irrige Ansicht akzeptierte, wurde die Arbeiterklasse unter den erschreckendsten Bedingungen zur Arbeit
gezwungen.

“Es gibt keine Ausnahme von der Regel, dass jedes Lebewesen sich auf natürliche Weise vermehrt mit einer
Wachstumsrate, die ohne natürliche Selektion dazu führen würde, dass die Erde früher oder später von der
Nachkommenschaft eines einzigen Elternpaares bevölkert wäre. Selbst die langsam brütende Gattung Mensch ver-
doppelt sich innerhalb von 25 Jahren, und angesichts einer derartigen Wachstumsrate wäre schon nach weniger als
1000 Jahren auf der Erde nicht mehr genug Platz für die menschliche Nachkommenschaft.“13
Darwin beschrieb die Beziehung zwischen Malthus Theorie und seiner eigenen Theorie der natürlichen
Selektion folgendermaßen:
“Wenn mehr Individuen einer Art gezeugt werden, als überleben können, muss es zwangsläufig zu einem Kampf
ums Überleben kommen, entweder zwischen Individuen der gleichen Gattung oder zwischen Individuen ver-
schiedener Gattungen, oder mit den natürlichen Lebensbedingungen. Das ist nichts anderes als die Theorie von
Malthus, mit viel Mühe angewandt auf das Pflanzen-und Tierreich.“14
Diese Ideen Darwins, weil geistesverwandt mit denen von Malthus, hatten keinerlei wissenschaftlichen Wert.
Schlimmer noch: Dieser grausamen Weltsicht zufolge ist Bevölkerungsplanung nur dadurch möglich, dass Arme
und Schwache eliminiert werden. Weil dabei Leben als unabhängig von Frieden, Sicherheit und Verständnis, nur als
gnadenloser Kampf ums Überleben verstanden wird, hat diese Theorie soviel Unheil über die Menschheit gebracht.

Von Malthus zu einem rücksichtslosen Weltbild


Trotz ihrer nachweislichen Unwissenschaftlichkeit fanden die Theorien von Malthus und Darwin breite
Zustimmung. Die Gründe dafür sind zu suchen in der historischen Epoche, in der beide lebten. Es war die Zeit der
von England ausgehenden Industriellen Revolution, als die englische Adelsschicht fürchtete, ihren privilegierten
Status und ihre Macht an die Arbeiterklasse zu verlieren. Andererseits jedoch war sie angewiesen auf mehr und bil-
ligere Arbeitskräfte. Um diesem Dilemma zu entkommen, verfiel die herrschende Klasse in Großbritannien auf die
Idee, die aufstrebende Arbeiterklasse zu schwächen, unter Kontrolle zu bekommen und zu unterdrücken, um sie
umso besser ausbeuten zu können. Mit seiner These, dass die Entwicklung der Nahrungsmittelproduktion drama-
tisch dem Bevölkerungswachstum hinterher hinke, propagierte Malthus zugleich die Forderung, eben deshalb
müsse man die “niederen Stände“ an der Vermehrung hindern, folglich entsprechende Maßnahmen dagegen tref-
fen. Indem Darwin diese demographische Argumentation auf Biologie und Naturwissenschaft übertrug, verlieh er
dem Unsinn Malthus ein angeblich wissenschaftliches Mäntelchen.
In seinem Buch Social Darwinism in American Thought schreibt Richard Hofstadter über die Zustimmung
Darwins zu Malthus Thesen:
“Damals waren die Thesen von Malthus in England weit verbreitet... Es galt als unschick, die Reichen verantwortlich
zu machen für das Leid der Armen. Zwar widerlegte der Gang der Geschichte später seine Theorie, aber just zu

26 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

einem Zeitpunkt, als sie in der Politökonomie schon fast vergessen war, wurde ihr durch den Darwinismus
frisches Blut zugeführt.“15
Der Forscher und Autor Ian Taylor hat sich dazu in einem Artikel folgendermaßen geäußert:
“Wie man aus all dem ersehen kann, haben offenbar Darwin und andere, die Gott und die Vorsehung Gottes leug-
nen, in der absurden Theorie von Malthus ein derart tragisches und hoffnungsloses Szenario gesehen, dass es sie
zu völlig unwissenschaftlichen und absurden Schlussfolgerungen getrieben hat. Und all das trotz seiner spekula-
tiven Haltlosigkeit.“16
Obwohl schon längst wissenschaftlich widerlegt, ist die Theorie von Malthus bis heute lebendig geblieben. In
seinem Buch In the Minds of Men (In der Vorstellung der Menschen) fasst Ian Taylor den gedanklichen Weg von
Malthus bis zu Hitler folgendermaßen zusammen:
“Die Grundmaxime im Denken von Malthus war das, was später unter dem Begriff “Überleben der Stärkeren“
bekannt wurde. Man kann diesen Begriff verfolgen von Condorcet zu Malthus, von ihm zu Darwin, Wallace und
Spencer. Schließlich wucherte er bis in den Kopf von Hitler. Aber begonnen hat alles mit der Geschichte von den
Ziegen und Hunden.“17
Mehrere Politiker und Führer haben versucht, die Thesen von Malthus ihren jeweiligen Interessen dienlich zu
machen. Unterstützt wurden sie dabei von bezahlten Meinungsmachern, die über Möglichkeiten verfügten, der-
artige Theorien zu verbreiten. Die katastrophalen Folgen haben nachweislich eine vorher noch nie da gewesene
Größenordnung erreicht. Auf den folgenden Seiten werden wir untersuchen, wie sich diese mit Malthus begin-
nende Weltsicht verbreitete und im Sozialdarwinismus ihren für die Menschheit traurigen Höhepunkt erreichte.

Die verzerrte Logik von


Malthus wurde auch auf
Kinder angewendet und viele
von ihnen wurden unter
harten Bedingungen zur
Arbeit gezwungen.

Adnan Oktar 27
DIE “RÄUBERBARONE“ AUF DARWINS SPUREN

er Darwinismus ist der geistige Hintergrund für eine ganze Reihe von gefährlichen geistigen Strömungen,

D Ideologien und politischen Strategien, die bis heute wirksam sind. Höchst interessant ist dabei, dass er als
das geistige Bindeglied zwischen völlig gegensätzlichen Ideologien fungiert - er hat eine Rolle gespielt bei
Geburt und Verbreitung des Faschismus, des Kommunismus, bei den angeblich gerechtfertigten rassistischen und
kommunistischen Massenmorden, aber auch bei der pseudowissenschaftlichen Legitimierung eines schrankenlosen
Kapitalismus. Vor allem im viktorianischen England und in den USA stand der Darwinismus in hohem Ansehen,
nicht zuletzt deshalb, weil er von hemmungslosen Kapitalisten unterstützt wurde, die als Räuberbarone bekannt
geworden sind.
Eines der größten Verbrechen des wild gewordenen Kapitalismus bestand und besteht darin, ökonomisch
schwächere und kleinere Unternehmen und Individuen auszunutzen, zu vernichten und zu eliminieren. Das kann
nicht hingenommen werden. Heutzutage kommt diese Denkweise daher mit dem Slogan: “Großer Fisch frisst
kleinen Fisch.” Die großen Unternehmen schlucken die kleinen - das ist nichts anderes als Darwinismus im
Wirtschaftsleben.
Während des 20. Jahrhunderts war die ganze Welt geprägt von zwei völlig verschiedenen Wirtschaftsmodellen:
dem kapitalistischen auf Grundlage von Privateigentum und Wettbewerb und dem sozialistischem auf Grundlage
von Staatseigentum und Planwirtschaft. Die sozialistische Planwirtschaft ist in allen Ländern gescheitert und hat
dort Armut und Verelendung erzeugt. Die kapitalistische Wirtschaftsweise hingegen war erfolgreich und hat den
Individuen mehr Wohlstand beschert.
Aber auch die kapitalistische Wirtschaftsweise kann nicht eine ganze Gesellschaft zufriedenstellen. Sie kann
zwar das allgemeine Wohlstandsniveau anheben, aber nicht alle können daran teilhaben. Viele Arme bleiben arm,
und die Gefahr sozialer Ungleichheit wächst. Um dem entgegenzutreten, ist zweierlei notwendig:
1) Der Staat muss die Hand ausstrecken gegenüber den sozial Ausgegrenzten und Arbeitslosen und ihnen
helfen, denn das gehört untrennbar zum Begriff des Sozialstaats.
2) Tugenden wie Kooperation und Solidarität, wie schon in den religiösen, moralischen Werten impliziert,
müssen wieder die ganze Gesellschaft durchdringen.
Vor allem ist die zweite Voraussetzung besonders wichtig, weil es die erste prägt. Wenn eine Gesellschaft ihren
Schwerpunkt auf religiöse, moralische Werte legt, dann ist die freie Marktwirtschaft in der Lage, beides zu
garantieren. Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit. Dann werden die Reichen einen Teil ihres Reichtums
dazu verwenden, die Armen zu unterstützen und den Schwachen durch Sozialprogramme zu helfen. Tatsächlich hat
Gott uns Menschen schon im Quran dieses Wirtschaftsmodell ans Herz gelegt. Der Islam erkennt das
Privateigentum an, verpflichtet aber dessen Besitzer dazu, die daraus resultierenden Aktivposten in Form von
Almosen auch den Armen und Bedürftigen zugute kommen zu lassen.
Wenn sich jedoch eine Gesellschaft im Zustand des moralischen Verfalls befindet, dann verwandelt sich die freie
Marktwirtschaft in einen Raubtierkapitalismus, in dem die Armen und Ausgegrenzten unterdrückt werden und
keinerlei Unterstützung erfahren, in dem es keine staatlichen Wohlfahrtsprogramme gibt, und in dem soziale
Ungerechtigkeit nicht als zu lösendes Problem, sondern als natürlicher Zustand gilt.

28 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Das von uns im Folgenden kritisierte Wirtschaftsmodell ist nicht jenes der freien Marktwirtschaft - die auf
Privateigentum und Wettbewerb beruht -, sondern der Raubtierkapitalismus. Dabei ist zu zeigen, dass dessen
ideologische Grundlage der Sozialdarwinismus ist.
Die ersten, die den Sozialdarwinismus als ideologisches Rüstzeug in das Wirtschaftsleben einführten, waren
die als “Räuberbarone“ bekannten Amerikaner. Unternehmer. Sie waren Anhänger des offen erklärten
Darwinismus, weil dessen Grundgedanke des “Überlebens des Stärkeren“ hervorragend zu ihren skrupellosen
Geschäftspraktiken passte.18 Und so kam es unter ihnen zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf, in dem nicht
einmal vor Mord zurückgeschreckt wurde. Das einzige Ziel der Räuberbarone war dabei, immer mehr Geld zu
machen und immer mehr Macht an sich zu reißen. Am Wohlergehen der Gesellschaft hatten sie keinerlei
Interesse, nicht einmal bei ihren eigenen Arbeitern. Das Eindringen der Ideen des Darwinismus in die Wirtschaft
ruinierte Millionen von Menschenleben durch extreme Niedriglöhne, unmenschliche Arbeitsbedingungen und
extrem lange Arbeitszeiten. Das Fehlen von Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz führte oft genug bei den
Arbeitern zu Krankheit, Verletzungen oder gar zum Tod.

Misshandelte hungrige oder durch Kriege und Konflikte verarmte


Menschen verdienen die Hilfe der Reichen. Unter der sozialdarwinis-
tischen Moral wurden jedoch die Menschen nicht ermutigt, sich gegen-
seitig zu helfen oder sich um die Bedürftigen zu kümmern.

Adnan Oktar 29
Die Menschenverachtung sozialdarwinistischer Unternehmer
Im Zuge der in England beginnenden und sich von dort über die ganze Welt ausdehnenden Industriellen
Revolution wurden massenhaft Fabriken gebaut und mit Maschinen vollgestopft. Ständig kam es an diesen
Maschinen zu Verletzungen der Arbeiter, weil sich die Unternehmer nicht um das Leben ihrer Arbeiter scherten und
deshalb keinerlei Arbeitsschutzmaßnahmen trafen. Viele dieser Verletzungen führten zum Verlust von Fingern,
Händen oder Armen, häufig gar zum Tod. Man hat festgestellt, dass Anfang des 20. Jahrhunderts eine Million
Arbeiter schwere Arbeitsunfälle erlitt, daran erkrankte oder starb.19
Für die Arbeiter, die fast ihr halbes Leben in den Fabriken verbrachten, gehörte der Verlust von Gliedmaßen
oder Augen und Ohren, schon fast zum Arbeitsalltag. Zum Beispiel litten Arbeiter in der Hut-Produktion oft an
Quecksilbervergiftungen, und Arbeiter, die Uhren mit Radiumleuchtzifferblätter herstellten, erkrankten an Krebs.20
Obwohl sich die Unternehmer der unmenschlichen Arbeitsbedingungen und all der Arbeitsunfälle sehr wohl
bewusst waren, unternahmen sie weitgehend nichts dagegen. Zahllose Arbeiter in der Stahlproduktion zum
Beispiel arbeiteten in Zwölfstundenschichten bei Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius, und das zu Hungerlöhnen.21
Im Jahr 1892 beschrieb der damalige US-Präsident Benjamin Harrison diese trostlose Lage der amerikanischen
Arbeiterklasse mit den Worten, dass jeder amerikanische Arbeiter tagtäglich an seinem Arbeitsplatz den gleichen
Risiken unterworfen sei wie ein US-Soldat im Krieg.22
Den meisten amerikanischen
Unternehmern waren Menschenleben egal,
gewissermaßen eine zu vernachlässigende
Größe in ihrer Kalkulation. Während des
Eisenbahnbaus auf dem amerikanischen
Kontinent zum Beispiel verloren Hunderte
Arbeiter wegen unzumutbarer
Arbeitsbedingungen ihr Leben.23 Ein beson-

In den Fabriken und anderen industriellen


Unternehmen des 19. Jahrhunderts wurden
die Praktiken des Sozialdarwinismus und des
Kapitalismus in ihren grausamsten Formen
angewendet. Die Arbeitgeber mit dieser
Einstellung betrachteten die Leben der
Arbeiter als wertlos und dachten nur an ihre
eigenen Interessen.

30 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Im 19. Jahrhundert hatte man nicht einmal Mitleid


mit Kindern, die zu vielen Stunden Arbeit in er-
schöpfenden Tätigkeiten gezwungen wurden.

ders krasses Beispiel für solche Unternehmertypen war John Pierpoint Morgan, der 5000 defekte Gewehre zum
Preis von $ 3,50 pro Stück einkaufte und sie dann für $ 22 an die US Army weiterverkaufte. Offensichtlich war
seine moralische Skrupellosigkeit so hemmungslos, dass er seine eigene Regierung betrog und das Leben der mit
diesen Gewehren ausgerüsteten Soldaten gefährdete. Beim Abdrücken dieser defekten Gewehre verloren
Dutzende Soldaten ihren Daumen.24 Alle entsprechenden Klagen gegen Morgan wurden abgewiesen, weil die
Gerichte damals grundsätzlich zugunsten der “Räuberbarone“ entschieden.25
Als ein amerikanischer Unternehmer aufgefordert wurde, für seine Arbeiter ein Schutzdach zu bauen,
antwortete er zynisch: “Menschen sind billiger als Dachziegel.” – ein anderes Beispiel für die Rücksichtslosigkeit
damaliger Zeit. 26
An der Wurzel solcher Grausamkeit liegt der Darwinismus. Denn eine Weltsicht, in der menschliche
Lebewesen nur als höher entwickelte Tiere erscheinen und das Leben nur als Kampfschauplatz, führt zwangsläu-
fig zu Rücksichtslosigkeit, Gnadenlosigkeit und Unterdrückung.

Adnan Oktar 31
Das Zerstörungswerk des Darwinismus in der Wirtschaft
Die meisten der amerikanischen Unternehmer, die den Raubtierkapitalismus aktiv betrieben, waren ur-
sprünglich gottgläubige Christen. Aber im Lauf der Zeit gaben sie unter dem wachsenden Einfluss des
Darwinismus ihren Glauben auf. So zum Beispiel Andrew Carnegie, der führende Stahlmagnat im Amerika des
19. Jahrhunderts. In seiner Autobiographie beschreibt er freimütig, wie er und seine Freunde den Täuschungen
des Darwinismus zum Opfer fielen.
Doch die Evolutionstheorie, deren Anhänger Carnegie wurde, war durch und durch falsch. Das hat der
weitere Gang der Wissenschaft nach Darwin eindeutig gezeigt. Das jedoch hat andere Tycoons nicht daran
gehindert, den gleichen Denkfehler wie Carnegie zu begehen und ihren Raubtierkapitalismus als wis-
senschaftlich gerechtfertigt zu betrachten. Deshalb hielten sie gnadenlose Konkurrenz für völlig gerechtfertigt,
um ständig noch mehr Geld zu machen und sich nicht einen Deut um Menschlichkeit und Altruismus zu
scheren.
Carnegie hielt Konkurrenz für ein Naturgesetz in der menschlichen Gesellschaft, und darauf baute er seine
Unternehmensphilosophie auf. Für ihn stand fest, dass dies zwar durchaus zum Schaden einiger, aber unter
dem Strich gut für das Überleben der Rasse sei, weil es dem Prinzip des “Überlebens des Stärkeren“
entspreche.27
Mit dem Darwinismus bekannt gemacht wurde Carnegie durch eine Gruppe von selbsternannten “freien
und aufgeklärten“ Denkern, die nach einer neuen “Religion der Humanität“ suchten. Sie trafen sich im Haus
eines Professors der New York University.28 Ein Mitglied dieses Kreises war Herbert Spencer, nach Darwin der
führende Kopf des Sozialdarwinismus. Spencer überzeugte die Wirtschaftsmagnaten bei diversen Treffen von
dessen Vorteilen. Doch über die verheerenden Folgen für die Lebensumstände der arbeitenden Menschen
waren sie sich durchaus im Klaren.
Der Anthropologe Richard Milner vom American Museum of Natural History und Verfasser der
Encyclopedia of Evolution beschreibt, wie Carnegie Darwinist wurde:
“Carnegie wurde anschließend zu einem mächtigen und skrupellosen Wirtschaftstycoon, der hemmungslos die
Menschen und die Erde ausplünderte und Konkurrenten niederwalzte - alles unter Berufung auf den
Sozialdarwinismus. Er war davon überzeugt, dass unternehmerischer Mut der Gesellschaft nütze, weil es
schwächere Konkurrenten hinwegfege. Nur wer in der Wirtschaft überlebt, sei “fit“ und verdiene sich dadurch
Anerkennung.“29
Doch Carnegie und seinesgleichen lagen falsch mit ihrer These, Erfolg im Wirtschaftsleben sei an Macht
und Skrupellosigkeit gebunden. Denn wirklich “natürlich“ ist nur, dass Menschen sich einen Lebensunterhalt
verdienen können, der ein sorgenfreies, komfortables Leben ermöglicht. Keineswegs akzeptabel hingegen ist es,
anderen Leid zuzufügen, die Augen zu verschließen gegenüber Menschen in Not zugunsten des eigenen
Profits, oder Schwache zu unterdrücken, um die eigene Macht zu vergrößern. Gott hat uns
befohlen, in geschäftlichen wie auch allen anderen Dingen ehrenhaft zu handeln
und die Rechte der Bedürftigen zu schützen. Es ist unmoralisch, zu behaupten,
die Unterdrückung der Schwachen oder gar ihre Beseitigung habe irgendet-
was mit gesellschaftlichem Fortschritt zu tun.
In seinem Buch Andrew Carnegie berichtet der Historiker Joseph F.
Wall, dass Carnegie gegen Ende seines Lebens in seinen Gesprächen,
Äußerungen und Aufzeichnungen häufig darwinistische Begriffe be-
nutzte:
“Nicht nur in seinen Artikeln und Büchern, sondern auch in seinem
Briefwechsel mit befreundeten Geschäftsleuten wimmelt es von
Anspielungen und Hinweisen auf das darwinistische Credo. Begriffe wie
“Überleben des Stärkeren“, “Rassenreinheit“ und “Überlebenskampf“
flossen ihm häufig in seine Feder und über die Zunge. Die Wirtschaft war für
ihn ein einziger Konkurrenzkampf ... 30

Andrew Carnegie

32 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Ein weiterer glühender Anhänger des Darwinismus war der legendäre Unternehmer John D. Rockefeller, der
unter anderem sagte: “Wenn eine Firma groß wird, ist das nur das Überleben des Stärkeren ... die Wirkung eines
Naturgesetzes ...“31
Am deutlichsten zeigte sich der Einfluss des Darwinismus auf das Wirtschaftsleben während der
Amerikareise von Herbert Spencer, die Richard Hofstadter in Social Darwinism in American Thought wie folgt
beschreibt:
“Obwohl sich die Wertschätzung der anwesenden Gäste für die Äußerungen Spencers während des Banketts eher
in Grenzen hielt, wurde doch klar, wie populär seine Gedanken schon damals in den USA waren. Als Spencer am
Kai auf sein Schiff zurück nach Großbritannien wartete, ergriff er die Hände Carnegies und Youmans und rief den
Reportern zu: “Das sind meine beiden besten amerikanischen Freunde!“ Für Spencer war dies eine eher
ungewöhnliche menschliche Geste, aber sie wirkte wie ein Symbol für die enge Verbindung der neuen darwinis-
tischen Wissenschaft mit der amerikanischen Geschäftswelt.“32
Der Grund, weshalb viele Kapitalisten so begierig das Gedankengut des Darwinismus aufgriffen, war, dass
dadurch die Reichen von ihrer Verantwortung für die Armen freigesprochen waren. In Gesellschaften hingegen,
in denen moralische Werte gelten, wird von den Reichen erwartet, dass sie den Armen und Bedürftigen helfen -
was der Sozialdarwinismus verneint. Der Wissenschaftsautor Isaac Asimov schreibt über die Gnadenlosigkeit des
Sozialdarwinismus in seinem Buch The Golden Door: The United States from 1876 to 1918 (Das goldene Tor: Die
Vereinigten Staaten von 1876 bis 1918) folgendes:
Spencer prägte den Terminus vom “Überleben des Stärkeren“ und behauptete im Jahr 1884, Menschen ohne
Arbeit seien nur eine Last für die Gesellschaft, und man solle sie deshalb lieber sterben lassen, als sie zu Objekten
von Hilfe und Mildtätigkeit zu machen. So vorzugehen, würde alles Schwache am Baum der Gesellschaft aus-
merzen und die Rasse stärken. Es war eine grauenhafte Philosophie, aber gut geeignet, alle Schandtaten der
Reichen und Mächtigen zu rechtfertigen.33
Die Karten waren damals klar verteilt: Die Vertreter des Raubtierkapitalismus unterstützten den
Darwinismus, und die Verfechter des Darwinismus unterstützten den Raubtierkapitalismus. Der berüchtigte
Sozialdarwinist William Graham Sumner ging so weit, zu behaupten, Millionäre seien “die Stärksten“ einer
Gesellschaft, woraus er folgerte, sie müssten innerhalb der Gesellschaft entsprechende Privilegien genießen dür-
fen. Schließlich wären sie das Resultat der “natürlichen Selektion innerhalb der Konkurrenz“.34 In einem Artikel
zum Thema Sozialdarwinismus in The Humanist schreibt der Philosophieprofessor Stephen Asma über die
Beziehung zwischen Spencer und den damaligen Kapitalisten:
“Es war Spencer, der den Terminus vom Überleben des Stärkeren prägte, den Darwin dann später in weiteren
Ausgaben von Der Ursprung der Arten verwendete. Spencer und seinen amerikanischen Anhängern -
wirtschaftliche Unternehmer wie John D. Rockefeller und Andrew Carnegie - waren der Überzeugung, dass die
gesellschaftliche Hierarchie den unveränderlichen universellen Naturgesetzen entspreche. Und denen zufolge
überlebt nur der Starke, während der Schwache untergeht. So waren die ökonomischen und Sozialstrukturen, die
überleben, "stärker" und besser, und jene Strukturen, die nicht stark genug waren, wurden offensichtlich unterge-
gangen.“35
Doch das Prinzip jeder gesellschaftlichen Entwicklung ist die Bewahrung geistiger und moralischer Werte. In
Gesellschaften, in denen der Geist der Kooperation und Solidarität stark ist und die Menschen einander mit
Achtung und Anteilnahme begegnen, können wirtschaftliche Probleme jederzeit im Geist der
Zusammengehörigkeit gelöst werden. Es kann keinen wirtschaftlichen Fortschritt geben in einer Gesellschaft, in
der sich menschliche Beziehungen zersetzt haben, es den Menschen an Anteilnahme und Verständnis mangelt,
und jeder den anderen als Konkurrenten betrachtet. Es muss anders herum gehen: Alle Mitglieder einer
Gesellschaft müssen an Problemlösungen mitarbeiten, die allgemeines Wohlbefinden und eine Steigerung der
Lebensqualität bewirken und so ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem es nicht nur wirtschaftliche, son-
dern auch soziale Sicherheit gibt. Das ist nur möglich, wenn religiöse, moralische Werte weiterhin Gültigkeit
haben. Wie die neuere Geschichte gezeigt hat, können keine andere Gesellschaftsordnung und keine Ideologie
dies gewährleisten.

Adnan Oktar 33
Der Raubtierkapitalismus: Gemeinschaftswerk von
Sozialdarwinismus und Unglauben
Seit dem 19. Jahrhundert behaupten darwinistisch gesinnte Kapitalisten, nur die Reichen und Mächtigen
hätten ein Recht zu leben, die Armen und Schwachen, Kranken und Behinderten hingegen seien eine
gesellschaftliche Last, gerade gut genug, um sie auszubeuten. Das geschehe in Übereinstimmung mit den
Naturgesetzen.
In vielen Ländern, in denen religiöse, moralische Werte außer Kraft gesetzt worden sind, herrscht noch
immer dieses System der Ausbeutung und Unterdrückung. Die Kluft zwischen Reich und Arm wird immer
größer, und niemand kümmert sich um die Lebensbedingungen der Bedürftigen. Entsprechend der Propaganda
des Sozialdarwinismus verstoßen der Schutz und die Sorge um die Armen und Bedürftigen gegen angebliche
Naturgesetze, weshalb sie nur als Bürde für die Gesellschaft gelten, die keiner Unterstützung wert ist.
Erschreckend große Einkommensunterschiede gibt es nicht nur innerhalb sondern auch zwischen einzelnen
Ländern. Während in den Industriestaaten der Wohlstand wächst, machen sich in den Ländern der Dritten Welt
Hunger, Krankheit und Elend breit. Dort sterben Hunderttausende an Seuchen und Hunger. Würde man jedoch
vernünftig und umsichtig mit den reichlich vorhandenen Ressourcen der Erde umgehen, so wäre genug für alle
da, die heute im Elend leben und verhungern.
Um die Ressourcen der Erde für alle nutzbar zu machen, ist es von eminenter Wichtigkeit, in aller Welt den
Einfluss des Darwinismus auszumerzen. Das ist aber nur möglich, wenn an seine Stelle wieder die religiösen,
moralischen Werte des Quran gesetzt werden. Denn im Gegensatz zu den ruchlosen darwinistischen Prinzipien
der Konkurrenz und Unterdrückung garantieren die religiösen, moralischen Werte die Tugenden Solidarität,
Hilfsbereitschaft und die Bereitschaft zum Teilen. In einem seiner Hadithen sagt der Prophet Muhammad
(s.a.w.s): “Ein Gläubiger ißt nicht seine Mahlzeit, wenn sein Nachbar hungert.“ 36 Diese weisen Worte des
Propheten Muhammad (s.a.w.s) gelten für jeden Muslim.
In vielen Seiner Verse hat Gott die Menschen zu Liebe, Mitleid, Anteilnahme und Altruismus verpflichtet
und den Muslimen Beispiele für richtiges moralisches Verhalten gegeben. Während der Darwinismus es den
Reichen erlaubt, andere Menschen nur als Stufen ihrer Erfolgsleiter zu benutzen, erlegen die moralischen Werte
des Islam den Reichen auf, andere Menschen zu schützen. So steht es zum Beispiel in den folgenden Versen des
Quran, den Gott den Menschen offenbart hat:
Und die unter euch, die großes Vermögen besitzen, sollen nicht schwören, ihren Verwandten und den
Armen und denen, die auf Gottes Weg ausgewandert sind, nichts mehr zu geben, sondern Nachsicht
üben und verzeihen ... (Sure 24:22– an-Nur)
Sie fragen dich, was sie spenden sollen. Sprich: "Was immer ihr an Gutem spendet, das sei für die Eltern
und die Verwandten und die Waisen und die Armen und den Reisenden ..." (Sure 2:215– al-Baqara)
... So esst davon und speist den notleidenden Armen. (Sure 22:28– al-Hadsch)
Und von deren [der Betenden] Vermögen ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen bes-
timmt ist. (Sure 70:24, 25– al-Ma'aridsch)
Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung selbst
bedürfen. “Seht, wir speisen euch um Gottes willen. Wir wollen weder Belohnung von euch noch Dank.
Seht wir fürchten einen finsteren, unheilvollen Tag von Seiten unseres Herrn.“ (Sure 76:8-10 – al-Insan)
Im Quran kündigt Gott auch an, dass alle, die den Armen und Schwachen nicht helfen, in der Hölle landen
werden:
Die sich im Garten (des Paradieses) gegenseitig erkundigen werden nach den Sündern. “Was hat euch in
das Höllenfeuer gebracht?“ Sie werden antworten: “Wir gehörten nicht zu den Betenden, und wir speis-
ten die Armen nicht.“ (Sure 74:40-44– al-Muddaththir)
Dann legt ihn an eine Kette von siebzig Ellen Länge! Siehe, er glaubte nicht an Gott, den Gewaltigen und
sorgte sich nicht um die Speisung des Armen. Darum hat er hier heute keinen Freund. (Sure 69:32-35– al-
Haqqa)
Gott der Allmächtige ist der Herr über alles Leben und das Universum, Er schenkt uns Leben und Erfolg.
Niemand wird reich durch skrupellosen Wettbewerb im “Kampf ums Überleben“ oder durch die

34 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Unterdrückung der Schwachen. Es ist Gott allein, Der allen Besitz schenkt, um zu prüfen, wie die Menschen
damit umgehen. Die Wohlhabenden werden gemessen daran, wie sie mit ihrem Wohlstand umgehen. Davon
spricht Gott in einem weiteren Vers:
Wahrlich, Wir machten alles, was auf der Erde ist, zu einem Schmuck für sie, auf dass Wir sie
prüften, wer unter ihnen der Beste im Wirken sei. (Sure 18:7– al-Kahf)

Jeder ist deshalb dafür verantwortlich, wie er mit den Segnungen Gottes umgeht, um Gottes Wohlgefallen zu
erringen. Der wahre Gläubige muss in dem Bewusstsein handeln, dass all sein Besitz ein Geschenk Gottes ist. Was
Gott dem Menschen schenkt, kann Er ihm auch wieder nehmen.

Die Welt hat genügend Reichtümer für


jeden, sie müssen aber in einer vernünfti-
gen und gewissenhaften Weise verwendet
werden. Nahrungsmittel werden in vielen
Teilen der Welt vergeudet, während
Menschen in anderen Ländern vor Hunger
und Armut sterben. Wenn diesen
Menschen Gerechtigkeit zuteil werden
soll, muss die sozialdarwinistische
Mentalität gänzlich ausgerottet werden.
DAS 19. JAHRHUNDERT

Bilder aus
Großbritannien in der
zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts.
Während ein Teil des
Landes Reichtum und
Wohlstand genoss,
lebte der andere in
Armut.

Obwohl hundert Jahre vergangen sind hat sich nichts geändert. Dennoch sind die Reichtümer
der Erde groß genug, dass jeder angenehm leben könnte. Es muss nur die Selbstlosigkeit,
DAS 20. JAHRHUNDERT Zusammenarbeit und Solidarität, wie es die religiösen Moralwerte verlangen, verbreitet werden.
Harun Yahya

SOZIALDARWINISMUS UND MYTHOS VON


BEVORZUGTER RASSEN

assismus gab es schon lange vor Darwin, doch Darwin hat dem Rassismus als erster ein pseudowis-

R senschaftliches Mäntelchen umgehängt. Der Untertitel seines Buches Der Ursprung der Arten lautete
“durch natürliche Selektion oder die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampf ums Dasein”. Darwins
Schriften zu diesem Thema, vor allem seine Thesen in Die Abstammung des Menschen lieferten den Nazis ihre
Argumente für die angebliche Überlegenheit der arischen Rasse und den Irrglauben von der angelsächsischen
Überlegenheit in Großbritannien. Im Rahmen von Darwins Theorie der natürlichen Selektion war auch die Rede
vom “Gesetz des Dschungels“, einem gnadenlosen Kampf bis zum Tod in der Natur. Die Übertragung dieser
Theorie auf die menschliche Gesellschaft führte zwangsläufig zu Konflikten und Kriegen zwischen den
Nationen. Eine erschreckend hohe Zahl von prominenten Persönlichkeiten, von kriegslüsternen Politikern bis zu
Philosophen und Wissenschaftlern, machten sich Darwins Theorien zu eigen. In seinem Buch The Twisted Road to
Auschwitz (Die gewundene Straße nach Auschwitz) beschreibt Professor Karl A. Schleunes von der historischen
Fakultät der North Carolina University, wie dies geschah:
“Darwins Begriff des Überlebenskampfs machten sich sehr schnell die Rassisten zu eigen ... Damit konnten sie
ihre Auffassung von überlegenen und unterlegenen Rassen scheinbar wissenschaftlich untermauern ... und den
Kampf zwischen ihnen legitimieren.“37
Mit den Thesen Darwins im Rücken glaubten Rassisten in aller Welt, endlich eine wissenschaftliche Theorie
für ihre rassistische Überzeugung in Händen zu halten. Aber schon wenig später enthüllte die Wissenschaft, dass
Darwins Theorien nicht zu halten waren und deshalb alle darauf aufbauenden geistigen und politischen
Strömungen ihr ideologisches Rüstzeug verloren hatten.
Unter Bezugnahme auf den Darwinismus verfolgten die Nationalsozialisten eine barbarische Politik des
Rassismus. Aber nicht nur in Deutschland erhob der “wissenschaftliche Rassismus“ sein schreckliches Haupt -
auch in anderen Ländern, vor allem in Großbritannien und in den USA wurden die Stimmen von Rassisten und
Intellektuellen immer lauter, die eine rassistische Politik forderten.
Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert waren fast alle Evolutionisten zugleich Rassisten und scheuten sich
nicht, dies offen auszusprechen. An zahlreichen Publikationen dieser Zeit ist dies sichtbar. In seinem Buch
Outcasts from Evolution: Scientific Attitudes of Racial Inferiority (Geächtete der Evolution: Wissenschaftliche
Attitüden rassischer Minderwertigkeit) beschreibt der Historiker John S. Haller, Professor für Geschichte an der
Southern Illinois University, wie sehr die Evolutionisten des 19. Jahrhunderts von der Überlegenheit der Weißen
Rasse über alle anderen Rassen überzeugt waren. In einem Artikel bezieht sich das Magazin New Scientist auf
Haller:
“... äußerst wichtig zu lesen ... dokumentiert, was schon länger zu vermuten war: nämlich den unverhohlenen,
festen und fast einstimmigen Rassismus von US-Wissenschaftlern im 19. und bis in das 20. Jahrhundert hinein.
Von Anfang an betrachteten diese Intellektuellen die Afroamerikaner als unzuverlässig, unveränderbar und un-
widerruflich minderwertig.“38

Adnan Oktar 37
Ein schwarzer Sklave
wurde gefoltert und
ausgepeitscht und
schließlich gelang
ihm 1863 die Flucht.
Während diesen
Jahren vor dem
Bürgerkrieg wurden
Sklaven in Amerika
häufig ausgepeitscht
oder noch schlimmer
misshandelt.

Einige der Thesen Hallers wurden im Magazin Science folgendermaßen kommentiert:


“Neu während der Viktorianischen Epoche war der Darwinismus ... Bis 1859 waren die
Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, ob Schwarze zur gleichen Rasse gehören wie Weiße.
Nach 1859 stellten sich infolge der Evolutionstheorie weitere Fragen, vor allem ob
afroamerikanische Menschen der Konkurrenz mit der ihnen nahe verwandten weißen
Rasse standhalten könnten. Die Antwort war ein einhelliges Nein ... Fortan galten
Afroamerikaner gegenüber Weißen als minderwertig, weil sie angeblich das
“Missing Link” zwischen Affen und Teutonen waren.“39
Selbstverständlich war diese These grundfalsch. Dass Menschen
eine andere Hautfarbe und unterschiedliche ethnische Ursprünge
haben, macht sie keineswegs höher- oder minderwertig. Dass sich ein
derartiger Denkfehler im 19. Jahrhundert so rasant verbreiten konnte,
lag am schlichten Unwissen der damaligen Zeit, das wiederum dem damals
noch unterentwickelten Stand der Wissenschaft geschuldet war.
Ein weiteres prominentes Beispiel eines offen rassistischen

38 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Wissenschaftlers war der Biologe Edwin G. Conklin von der amerikanischen Princeton University, der seinen
Rassismus in schonungsloser Offenheit formulierte:
“Der Vergleich einer heutigen Menschenrasse mit dem Homo Neandertalensis oder dem Homo Heidelbergensis
zeigt ... (dass) negroide Rassen der ursprünglichen Rasse (affenartigen Vorfahren) menschlichen Frühformen
wesentlich mehr ähneln als die weiße oder gelbe Rasse. Diese Tatsache setzt all jene ins Recht, die von der Über-
legenheit der weißen Rasse überzeugt sind und deshalb deren Reinerhaltung und die Rassentrennung befür-
worten.“40
In ähnlichem Sinn äußerte sich schon William Sollas, Professor für Geologie und Paläontologie an der Oxford
University in seinem 1911 erschienenen Buch Ancient Hunters (Urzeitliche Jäger):
“Die Gerechtigkeit gehört den Starken, und sie ist so bemessen, dass sie jede Rasse gemäß ihrer Stärke erreicht. ...
Es ist nicht die Frage, wer zuerst da war, sondern die Fähigkeit, das Land zu nutzen, die den Besitzanspruch legit-
imiert. Deshalb ist es für jede Rasse eine selbstauferlegte Pflicht, auch im Namen der ganzen Menschheit, ihre
eigene Stärke mit allen Mitteln zu steigern. Wenn sie diese Pflicht nicht erfüllt, sei es in Kunst oder Wissenschaft
oder bei ihrer Selbstverteidigung, wird sie von der natürlichen Selektion dafür bestraft, jenem strengen, aber
wohlmeinenden Tyrannen der organischen Welt: und zwar schnell und präzise.“41
Zu behaupten, dass die Gerechtigkeit den Starken gehört, führt zwangsläufig zu schrecklichem sozialen
Chaos. Unabhängig von den unterschiedlichen Bedingungen und Umständen müssen alle Menschen teilhaben
können an Gerechtigkeit, ungeachtet ihrer Hautfarbe, Sprache oder ihres Geschlechts. Die Behauptung darwinis-
tischer Rassisten, dass Gerechtigkeit nur für die Starken gilt, entspricht in keiner Weise der Wahrheit. Jeder hat
das Recht, für sich selbst und seine Gesellschaft die höchsten Güter zu wünschen, aber er hat nicht das Recht, bei
der Erreichung dieser Ziele das Lebensrecht anderer mit Füßen zu treten. Das Gegenteil zu behaupten, ist eine
Beleidigung der menschlichen Vernunft und aller moralischen Grundsätze.
Selbst in den Schriften späterer Evolutionisten, die sich nicht als Rassisten begriffen, findet man rassistische
Ansichten - was wegen ihres Darwinismus nicht erstaunlich ist. Einer davon war der Paläontologe George
Gaylord Simpson, der zwar ständig und heftig von sich behauptete, kein Rassist zu sein, aber damals in Science
einen Artikel veröffentlichte, in dem es hieß, rassische Unterschiede seien ein Resultat der Evolution und manche
Rassen seien anderen eben überlegen:
“Die Evolution verläuft nicht notwendigerweise
in verschiedenen Populationen im gleichen
Tempo ab. Man wird in der Tierwelt immer
wieder Spezies finden, die sich langsamer en-
twickelt haben und deshalb noch primitiver
sind, sei es im Ganzen oder in Einzelaspekten.
Es ist ganz natürlich, wenn angesichts dessen so
mancher fragt, ob es sich bei den unter-
schiedlichen menschlichen Rassen nicht ebenso
verhalten könnte. Und in der Tat lassen sich
Anhaltspunkte dafür finden, dass es so zu sein
scheint.“42
Trotz seines mangelnden wissenschaftlichen
Charakters wurde der moderne Aberglaube
Simpsons aus ideologischen Gründen von bes-

In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand in gewissen


Regionen der USA ein anderer Rassismus. Der Ku Klux
Klan, dessen Ideologie auf Gewalt beruhte, war einer der
prominentesten Befürworter des amerikanischen
Rassismus. Diese Organisation unterstützte irrige
Ansichten wie die Überlegenheit der weißen Rasse und ist
für den Tod vieler Menschen verantwortlich.

Adnan Oktar 39
timmten Kreisen gierig aufgegriffen. In ihrer Verteidigung der unwissenschaftlichen Thesen der Evolutionstheorie
unterstützten noch weitere Wissenschaftler in ihren Publikationen den Rassismus. In einem Artikel mit der Über-
schrift The Evolution of Human Races (Die Evolution menschlicher Rassen) stellte Henry Fairfield Osborn, damaliger
Präsident des American Museum of Natural History und darwinistisch-rassistischer Anthropologe Anfang des 20.
Jahrhunderts Vergleiche zwischen unterschiedlichen Rassen an und kam anschließend zu haarsträubend unwis-
senschaftlichen Schlussfolgerungen:
“Das Intelligenzniveau eines durchschnittlichen erwachsenen Negers entspricht dem eines elfjährigen Jungen der
Gattung Homo sapiens.“43
Wie solchen Äußerungen zu entnehmen ist, waren die meisten evolutionistischen Wissenschaftler im 19. und
frühen 20. Jahrhundert Rassisten, die sich über die Gefährlichkeit ihrer Weltsicht keine Gedanken machten. Zu den
verhängnisvollen Folgen des sogenannten “wissenschaftlichen“ Rassismus hat sich der amerikanische
Wissenschaftler James Ferguson folgendermaßen geäußert:
“Im Europa des 19. Jahrhunderts war die Rassentheorie eine Art Pflichtübung für die sich entwickelnden
Humanwissenschaften. Die damaligen frühen Anthropologen verhalfen der Theorie von der Überlegenheit der
arischen Rasse zum Durchbruch, die später zur ideologischen Grundlage des institutionalisierten Rassismus in
Hitlerdeutschland und noch später zum Rassismus in Südafrika führte.“44
In einem Artikel über die rassistischen Ansichten evolutionistischer Anthropologen schrieb der verstorbene
Evolutionist Stephen Jay Gould:
“Eine kritische Würdigung der Anthropologie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ist nicht möglich ... ohne ihre
Obsession in Bezug auf die Rassenforschung mit einzubeziehen.“45
Sobald die Evolutionstheorie als wissenschaftlich fundiert galt, redeten Wissenschaftler offen über “minderwer-
tige” Rassen und davon, dass manche Rassen den Affen näherstünden als den Menschen. Hitler ergriff diese
Gelegenheit beim Schopf und ließ Millionen Menschen ermorden, weil sie als minderwertig, unterentwickelt, oder
unheilbar krank galten. Einer der Hauptgründe dafür, warum so viele Evolutionisten im 19. Jahrhundert Rassisten
waren, lag darin begründet, dass ihr geistiger Vater Darwin selbst rassistische Gedanken hegte.

Schon Darwin war Rassist


Die allermeisten heutigen Evolutionisten werden nicht müde zu beteuern, dass sie im Gegensatz zu ihren
Vorläufern im 19. Jahrhundert keine Rassisten seien, und sie versuchen ständig, Darwin von diesem Vorwurf
reinzuwaschen. In Ihren Beiträgen über Darwin werden große Anstrengungen unternommen, um ihn als mitleids-
fähig, wohlmeinend und als Gegner der Sklaverei darzustellen. Aber in Wirklichkeit glaubte Darwin, dass seine
Theorie der natürlichen Selektion eine wissenschaftliche Begründung für Rassendiskriminierung liefere. In seinen
Büchern, manchen Briefen und privaten Aufzeichnungen tauchen ständig offen rassistische Formulierungen auf. In
Die Abstammung des Menschen zum Beispiel behauptete er, dass Rassen wie Schwarze und Aborigines minderwertig
seien und im Lauf der Zeit durch den Überlebenskampf untergehen würden:
“In nicht allzu ferner Zeit, die nicht einmal in Jahrhunderten zu messen ist, werden die zivilisierten Rassen mit hoher
Wahrscheinlichkeit die unzivilisierten Rassen in der ganzen Welt ausgelöscht haben und an deren Stelle getreten
sein. Auch die Menschenaffen wird es dann ... zweifellos nicht mehr geben. Die Kluft zwischen dem Menschen und
seinen nächsten Verwandten wird dann noch größer sein, weil er den Unterschied zwischen zivilisierten Menschen,
so ist zu hoffen, und Affenarten wie dem Pavian verstärken wird, ähnlich wie den zwischen einem australischen
Aborigine und einem Gorilla.“46
Mit diesen Worten setzt Darwin bestimmte Rassen mit Primaten gleich und prophezeit, dass “zivilisierte
Menschenrassen“ die “wilden Rassen“ aus der Welt verschwinden lassen würden. Anders ausgedrückt: Er sagte
einen Genozid voraus, eine gewaltige ethnische Säuberung in der nahen Zukunft. Und tatsächlich ist es dazu
gekommen. Denn die Rassisten des 20. Jahrhunderts benutzten skrupellos Darwins Evolutionstheorie zur
Rechtfertigung für ihre grauenvollen Massaker. Die herausragenden Beispiele dafür sind die Ermordung von an-
nähernd 40 Millionen Menschen durch die Nazis während des 2. Weltkriegs, die brutale Apartheid-Politik der
Weißen gegenüber den Schwarzen in Südafrika, rassistische Angriffe gegen Türken und andere Immigranten in
Europa, die Rassendiskriminierung in den USA, die Unterdrückung der Aborigines in Australien und der stärker

40 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Ureinwohner Australiens


oder die Aborigines, die
Darwinisten als minderwertig
betrachten, sind nicht anders als
irgendeine andere Rasse. Das
Foto rechts zeigt die australische
Athletin Cathy Freeman, eine
Eingeborene, als sie 2000 die
Olympische Flamme entzündete.

werdende Neo-Nationalsozialismus in einigen eu-


ropäischen Ländern. All diese Strömungen bezogen
ihre Legitimation aus der angeblich wis-
senschaftlichen Theorie Darwins. (Zum
Zusammenhang zwischen Faschismus, Rassismus und Darwinismus siehe Harun Yahya's Faschismus: Die blutige
Ideologie des Darwinismus, April 2002)
Aber es gibt noch weitere Äußerungen Darwins zu diesem Thema. In seinem vor Der Ursprung der Arten er-
schienenen Buch The Voyage of the Beagle (Die Reise der Beagle) spricht er von seiner Begegnung mit “unteren-
twickelten“ Menschenrassen in Feuerland:
“Es war mit Abstand das merkwürdigste und faszinierendste Schauspiel, das ich je erlebt habe. Ich hätte vorher
nie geglaubt, wie riesengroß der Unterschied zwischen zivilisierten und wilden Menschen ist. Er ist noch viel
größer als der zwischen einem wilden und einem domestizierten Tier ... Ich glaube, dass man auf der ganzen Welt
nicht noch einmal ein derart niedriges Entwicklungsniveau finden wird.“47
Und so beschrieb Darwin die Eingeborenen Patagoniens, die er Barbaren nannte:
“Vermutlich gibt es nichts, dass so Staunen erregend ist wie der Anblick eines Barbaren in seinem Schlupfwinkel -
ein Mensch von unglaublicher Primitivität und Wildheit. Unwillkürlich schweift das innere Auge des Betrachters
Jahrhunderte weit zurück, und man fragt sich, ob unsere Vorfahren wirklich so ausgesehen haben können - es sind
Menschen, deren Ausdrücke und Zeichen für uns noch schwerer verständlich sind als die von domestizierten
Tieren ... Ich glaube nicht, dass es möglich ist, den Unterschied zwischen einem zivilisierten und einem wilden
Menschen zu beschreiben oder zu malen.“48
In einem Brief an Charles Kingsley beschrieb Darwin die Eingeborenen in Feuerland:
“Ich erkläre hiermit, dass der Gedanke, der mich ergriff, als ich in Feuerland zum ersten Mal einen der nackten,
bemalten, frierenden, abscheulichen Wilden sah, mich mit Abscheu erfüllte: Dieses haarige Biest sollte einer
meiner Vorfahren sein? Affen sind dagegen gutmütige Lebewesen.“49
Diese Äußerungen belegen Darwins Rassismus. Während er bestimmte Rassen bedenkenlos verächtlich
macht, entmenschlichte und Affen als gutmütige Tiere lobte, sagte er offen, dass “niedere“ Rassen ausgelöscht
werden müssten, weil dies eine logische Konsequenz aus der natürlichen Selektion und ein Beitrag
zum Fortschritt der Menschheit sei. In einem Brief an den Wissenschaftler W. Graham schreibt er
im Juli 1881:
“Ich kann beweisen, dass der Kampf - beruhend auf der natürlichen Selektion - zum Fortschritt
der Zivilisation mehr und mehr Nutzen bringt, als Sie sich vorstellen. Man sollte daran denken,
in welcher Gefahr die europäischen Staaten vor einigen Jahrhunderten schwebten, als sie von
den Türken überrannt wurden, um sich klar zu werden, wie lächerlich eine derartige
Vorstellung heute ist! Aber in einem heroischen Kampf ums Überleben haben die höher en-
twickelten kaukasischen Rassen die Türken vernichtend geschlagen. Wenn man sich die
Welt in nicht all zu ferner Zukunft vorstellt, wird man erkennen, wie viele unterentwickelte
Völker bis dahin durch höher entwickelte Rassen ausgelöscht sein werden.“ 50

Darwin’s Buch The Voyage of the Beagle

Adnan Oktar 41
Darwins rassistischer Unsinn wird hier sogar bezogen auf eine so hochmoralische und glorreiche Nation wie die
Türkei. (Einzelheiten zu Darwins haltlosen und feindseligen Äußerungen über die Türkei sind dargelegt in Harun
Yahyas Evrim Teorisinin Irkç› Yüzü: Darwin'in Türk Düflmanl›¤› (Das rassistische Gesicht der Evolutionstheorie:
Darwins Feindschaft gegenüber den Türken), Kultur Verlag, Istanbul, Oktober 2001.)
Mit seiner Prophezeiung gemäß der obskuren Theorie, dass “niedere Rassen“ ausgelöscht werden würden, hat
Darwin nicht nur dem Rassismus Vorschub geleistet, sondern zugleich eine pseudowissenschaftliche Grundlage
geliefert für all die Rassenkriege, Massaker und Völkermorde, zu denen es später im 20. Jahrhundert tatsächlich
kam.
Die Evolutionisten unternehmen große Anstrengungen, um Darwins Namen vom Rassismus fernzuhalten, aber
Stephen Jay Gould von der Harvard University weist durch Verweis auf eine Passage in Der Ursprung der Arten nach,
dass Darwin den Rassismus befürwortete:
“Biologische Begründungen für Rassismus gab es auch schon vor 1859, aber sie nahmen infolge der Akzeptanz der
Evolutionstheorie rapide zu.“51
Auch andere prominente Verfechter der Evolutionstheorie, zum Beispiel Thomas Huxley, waren Rassisten.
Unmittelbar nach dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Sklavenbefreiung schrieb Huxley:
“Kein vernünftiger Mensch, der die Tatsachen kennt, glaubt daran, dass der Durchschnittsneger dem Weißen Mann
ebenbürtig, geschweige denn überlegen sein kann. Wenn dem also so ist, wäre es schlechterdings unglaublich, dass,
selbst wenn all seine Unzulänglichkeiten beseitigt wären und unser Vorfahr mit der vorragenden Kieferpartie freies
Feld, keinen Vorteil und auch keinen Unterdrücker hätte, dass er dann erfolgreich wetteifern könnte mit seinem
Rivalen, der zwar kleinere Kiefer, aber dafür ein größeres Gehirn hat. Denn dieser Wettstreit wird nicht mit Bissen,
sondern mit Ideen ausgetragen.“52
Huxley redet über Schwarze, als ob sie Tiere und keine Menschen seien, und stellt die inzwischen widerlegte
These auf, dass Schwarze unvermeidlicherweise der Menschheitsentwicklung hinterher hinkten.

Als Sklaven in Süd-West Afrika 1904 ihre Freiheit suchten, wur-


den sie grausam unterdrückt.

42 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Saat des Rassismus, zusammen mit der des Darwinismus, ging im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf
und blühte bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Friedrich Nietzsche, ein Zeitgenosse Darwins und leidenschaftlicher
Anhänger der Evolutionstheorie, verwendete Begriffe wie “Übermensch“ und “Herrenrasse“, und diese
Philosophie mündete in den Nationalsozialismus. Erst Hitler und die Nazis erweiterten Darwins Gesetz des
Dschungels zu einer Staatsphilosophie, die zu 40 Millionen Toten führte.

Genetisch betrachtet gibt es keine Rassenschranken zwischen den


Menschen
Vor allem in den letzten zehn Jahren hat die Genforschung enthüllt, dass es biologisch gesehen keine
Rassenunterschiede gibt. Darin sind sich die allermeisten Wissenschaftler einig. Zum Beispiel haben
Wissenschaftler der Advancement of Science Convention in Atlanta Folgendes veröffentlicht:
“Der Begriff Rasse ist sozialer Natur, weitgehend abgeleitet von Wahrnehmungen, die durch geschichtliche
Ereignisse geprägt werden. In der Biologie ist er fehl am Platz.“53
Die Forschung hat ergeben, dass die genetischen Unterschiede zwischen den Rassen sehr gering sind, und
dass rassische Unterschiede nicht genetisch definiert werden können. Wissenschaftler haben festgestellt, dass es
in aller Regel zwischen zwei Menschen nur eine genetische Differenz von 0,2 % gibt, selbst innerhalb der gleichen
Gruppe. Sogar bei äußerlichen Merkmalen wie Hautfarbe oder Augenform liegt die Differenzquote nur bei 6 %
dieser 0,2 %. Daraus ergibt sich auf der genetischen Ebene insgesamt nur der Faktor 0,012 % - eine zu vernachläs-
sigende Größe also.54
Diese neuesten Erkenntnisse finden sich zusammengefasst in der Ausgabe der New York Times vom 22. 8. 2000
in einem Artikel von Natalie Angier unter der Überschrift “Do Races Differ? Not Really, DNA Shows“ (Sind die
Rassen unterschiedlich? Nicht wirklich, die DNS beweist es):
Wissenschaftler haben schon länger vermutet, dass es für die gesellschaftlich reklamierten Rassendifferenzen
keine genetischen Anhaltspunkte gibt. Aber umso näher die Forscher der Entschlüsselung des menschlichen
Genoms kommen - die Gesamtheit der in den Zellkernen jedes menschlichen Körpers enthaltenen genetischen
Bausteine - desto mehr sind die meisten von ihnen überzeugt, dass alle bisher angewandten Kriterien zur
Unterscheidung von Rassen keine oder nur geringe Bedeutung haben. Sie stellen fest, dass es zwar leicht ist, schon
auf den ersten Blick zu sagen, ob jemand zur kaukasischen, afrikanischen oder asiatischen Rasse zählt, dass sich
diese Mühelosigkeit aber schnell verflüchtigt, sobald man die Ebene der äußerlichen Merkmale verlässt und ver-
sucht, im Genom DNS-Merkmale für rassische Zugehörigkeit zu finden.55
Dr. J. Craig Venter, Leiterin der Cilera Genomics Corp., die zusammen mit Wissenschaftlern des National
Institute of Health das Humangenomproject durchführt, sagt klar und deutlich: “Rasse ist ein sozialer, kein wis-
senschaftlicher Begriff.“ Deshalb gibt es für ihn nur einzige menschliche Rasse.56
Dr. Harold P. Freeman, Präsident des North General Hospital in New York, fasst die Ergebnisse seiner
Forschung zum Zusammenhang von Biologie und Rasse folgendermaßen zusammen:
“Wenn Sie mich fragen, wie hoch der Prozentsatz der für Ihr äußeres Aussehen verantwortlichen Gene ist, soweit
sie sich auf rassische Merkmale beziehen, so lautet meine Antwort: höchstens 0,01 %. Das ist ein sehr, sehr kleiner
Teil Ihrer genetischen Ausstattung.“57
Zu derselben Schlussfolgerung kommt ein weiterer Wissenschaftler, Alan R. Templeton, Professor für
Biologie an der Washington University, der die DNS verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Rassen un-
tersucht hat. Er hat dabei festgestellt, dass trotz der großen genetischen Vielfalt unter den Menschen die
Unterschiede meistens nur auf der individuellen Ebene liegen. Es mag zwar einige Unterschiede hinsichtlich der
Rassenzugehörigkeit geben, aber sie sind sehr klein. Templeton fasst seine Untersuchungsergebnisse auf dem
Hintergrund seiner evolutionistischen Überzeugung folgendermaßen zusammen:
“Rasse ist ein kulturell, politisch und wirtschaftlich brauchbarer Begriff in jeder Gesellschaft, aber kein biologisch
sinnvoller. Aber leider glauben viele Menschen fälschlicherweise noch immer, es gäbe genetische
Rassenunterschiede. Ich will damit das ... Thema versachlichen. Die sorgfältige und objektive Analyse zeigt, dass
das Ergebnis nicht einmal der Erwähnung wert ist: Es gibt aus genetischer Sicht keine Unterschiede zwischen den
Rassen.“58

Adnan Oktar 43
a s t d ic h g e ir r t, H it le r !
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2001
g, 13. Februar
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Zwei junge Schwarze wurden 1902


aufgehängt, weil sie Angehörige
einer anderen Rasse waren. Im 21.
Jahrhundert hat man jedoch erkannt,
dass in biologischer Hinsicht keine
Unterschiede zwischen den Rassen
existieren.

Wie aus Templetons Untersuchungen hervorgeht, ist die genetische Ähnlichkeit zwischen Europäern und
Afrikanern südlich der Sahara sowie zwischen Europäern und Melanesiern auf den Inseln nordöstlich von
Australien größer, als die Ähnlichkeit zwischen Afrikanern und Melanesiern. Und das, obwohl sich äußerlich die
Afrikaner und Melanesier in verschiedener Weise viel ähnlicher sind: Beide sind dunkelhäutig, haben eine ähnliche
Haarstruktur und ähnliche Schädel- und Gesichtszüge. Obwohl derartige Merkmale normalerweise zur
Rassenunterscheidung herangezogen werden, ist jedoch die genetische Differenz sehr gering. Deshalb kommt
Templeton zur Feststellung, dass “rassische Merkmale“ keine genetische Basis haben.59
In ihrem Buch The History and Geography of Human Genes (Die Geschichte und Geographie der menschlichen
Gene) gelangen die Bevölkerungsgenetiker Luca Cavalli-Sforza, Paolo Menozzi and Alberto Piazza zu folgender
Schlussfolgerung:
Wenn man die für Oberflächenmerkmale wie Hautfarbe und Körperbau verantwortlichen Gene veranschlagt, zeigt
sich, dass sich die menschlichen “Rassen“ unter der Haut bemerkenswert ähnlich sind. Die Unterschiede sind zwis-
chen Individuen wesentlich größer als zwischen Gruppen.60
In der Time-Rezension ihres Buches steht dazu Folgendes:
“In der Tat ist die Vielfalt unter Individuen derart groß, dass die gesamte Rassentheorie auf der genetischen Ebene
nahezu bedeutungslos erscheint. Die Autoren behaupten, dass es keinerlei wissenschaftliche Basis gibt für ir-
gendwelche Theorien, denen zufolge es genetisch höhere und niedere Rassen gibt ... Trotz aller Schwierigkeiten
haben die Forscher einige mythenzerstörende Entdeckungen gemacht. Eine davon prangt schon auf der Titelseite
ihres Buches: Eine farbige Weltkarte der Genvariationen zeigt Afrika am einen, und Australien am anderen Ende des
Spektrums. Weil die australischen Aborigines und Afrikaner südlich der Sahara äußere Merkmale wie Hautfarbe
und Körperbau gemeinsam haben, glaubte man lange Zeit, sie seien eng verwandt. Aber ihre Gene erzählen eine an-
dere Geschichte. Von allen Menschen sind die Aborigines genetisch am weitesten von den Afrikanern entfernt und
wesentlich enger verwandt mit ihren Nachbarn in Südostasien.“61

44 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die New York Times publizierte einen Artikel unter der Titelzeile “Sind
Rassen unterschiedlich? Nicht wirklich, die DNS beweist es.“

Neo-Imperialismus und Sozialdarwinismus


Lange vor Darwin, schon im 16. Jahrhundert, entwickelte sich von
Europa aus der Kolonialismus. Genau wie der Rassismus bezog sich
auch der Kolonialismus später auf Darwins Evolutionstheorie und set-
zte ihr ein neues Ziel. Vor allem im Gefolge der Industriellen
Revolution bestimmten mehr und mehr wirtschaftliche Interessen die
Ausbreitung des Kolonialismus rund um den Globus. Überall in der
Welt waren die europäischen Mächte auf der Jagd nach Rohstoffen und
neuen Märkten. Im 19. Jahrhundert kamen zusätzlich imperialistische
Machtinteressen ins Spiel, die durchaus unterschiedliche Motive, aber immer das gleiche Ziel hatten: die
Ausbeutung anderer Länder und Kontinente. Deshalb spricht man vom Neo-Imperialismus.
Dessen Weltbild war weitgehend geprägt von darwinistischen Ideen. So kam es zum Ringen um die
weltweite Vorherrschaft. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere europäische Staaten lagen
miteinander im Kampf um neue Kolonien, um jeweils selbst zur Hegemonialmacht zu werden.
Damit Hand in Hand ging ihre Absicht, ihre Überlegenheit anderen Rassen gegenüber unter Beweis zu
stellen. Sowohl die Angelsachsen wie die Arier hielten es für ihr “natürliches Recht“, sich zu Herren über
afrikanische, asiatische und australische Völker aufzuschwingen, die ihnen als “minderwertige“ Rassen galten,
nur dazu da, um deren Rohstoffe und Arbeitskraft auszubeuten. Die Wurzeln des Neo-Imperialismus lagen eher
im darwinistischen Denken, als in wirtschaftlichen Zielen.62 In der Encyclopedia Britannica von 1946 heißt es dazu:

Und wenn in die Posaune gestoßen wird, dann wird an diesem Tage unter ihnen keine Verwandtschaft mehr gelten, und sie
werden nicht mehr nach einander fragen. (Sure 23:101 – al-Mu’minun)

45
BEISPIELE VON RASSISTISCHEN PRAKTIKEN

KLEINES NIGERIANISCHES MÄDCHEN FÜR EXPERIMENTE MISSBRAUCHT

Manche Pharmaunternehmen testen ihre neuen Produkte an Bürgern aus afrikanischen, osteuropäischen, asi-
atischen und südamerikanischen Ländern. Während dieser Experimente werden moralische und professionelle
Gesetze verletzt. Ein 18,5 Kg (40 Pfund) schweres 10-jähriges Mädchen aus der nigerianischen Stadt Kano litt
im Jahre 1996 wegen einer Gehirnhautentzündung unter schrecklichen Schmerzen. Eine weltbekannte
amerikanische Pharmafirma testete an Kindern in einem eigens errichteten Camp ein bis dahin noch nicht
lizenziertes Antibiotikum. Für die Firma war der Test des Arzneimittels von großer Bedeutung: Aktienbörsen
schätzten, wenn die Food and Drug Authority die Lizenz erteilen würde, einen Gewinn der Firma von $1
Milliarde. In Amerika konnte die Firma keine Testpersonen finden und musste deshalb nach Kano gehen.
Die Ärzte der Firma gaben dem Mädchen zu Beginn eine tägliche Versuchsdosis von 56 mg dieses
Antibiotikums. Am dritten Tag starb das Mädchen. Nachforschungen der Washington Post zeigten, dass
bezahlte Medikamentenversuche in Afrika, Asien, Osteuropa und Südamerika zunehmend verbreitet ist. Um
die strengen Regeln der American FDA zu umgehen, arbeiten einige amerikanische Firmen mit Ärzten aus
diesen Ländern zusammen und zehntausende von Bürgern aus Drittweltländern werden als
Versuchskaninchen in den Experimenten verwendet. Obwohl ein Sprecher der betreffenden Firma bestätigte,
dass die Versuche die nötigen Bewilligungen hatten, sind Experten der Meinung, dass das Meningitis-
Experiment in dem Nigeria-Zwischenfall mit medizinischer Ethik und Vorschriften in vieler Hinsicht inkom-
patibel war. Zum Beispiel, Versuche dieser Art müssen mindestens ein Jahr dauern, der Versuch in Nigeria
dauerte nur sechs Wochen. In Amerika erhalten Meningitiskranke normalerweise schnell wirkende intravenöse
Arzneimittel, aber das nigerianische Mädchen erhielt oral ein Mittel, welches zuvor noch nie an Kindern
getestet wurde. Im Fall von negativen Wirkungen bei dieser Testart muss das Arzneimittel sofort abgesetzt und
ein anderes Mittel verabreicht werden. Die Pharma Firma gab dem kleinen Mädchen andauernd nur das gle-
iche Präparat bis sie schließlich starb.
Das besagte Arzneimittel erhielt niemals die Bewilligung für die Anwendung bei Kindern. In Amerika wurde
der Gebrauch wegen Nierenschäden und Todesfällen eingeschränkt, in Europa wurde das Produkt völlig ver-
boten. Das zeigt, wie gefährlich es tatsächlich war.1

DARWIN’S LEICHENRÄUBER Im Anschluss an die Publizierung des Der Ursprung der


Arten begannen sehr eifrige Darwinisten nach dem “fehlen-
den Bindeglied“ in der sogenannten menschlichen Evolution zu suchen. Rassistische Evolutionisten glaubten,
dass die Ureinwohner von Australien eine der Vorstufen der menschlichen Evolution wären. Um diese irrigen
Vorstellung zu beweisen, begannen sie Leichen aus Gräbern der Aborigines zu stehlen und an amerikanische
und europäische Museen zu verkaufen. Die schockierende Information erschien in der australischen
Wochenschrift The Bulletin in 1991 unter dem Namen von David Monaghan. 2 Er arbeitete an dem Bericht 18
Monate, stellte Nachforschungen in London an und produzierte einen Dokumentarfilm unter dem Namen
“Darwin’s Leichenräuber“ der in England am 8. Oktober 1990 in den Kinos erschien. Einige von Monaghan’s
Informationen sind hier abgedruckt:
• US Evolutionisten waren in dieser blühenden “Industrie” des Sammelns von “subhumanen” Mustern tief
verwickelt. The Smithsonian Institution in Washington besitzt die Reste von 15.000 Individuen von ver-
schiedenen Rassen. [Diese gesammelten Muster waren natürlich nicht wie behauptet, Menschen einer min-
derwertigen Rasse, sondern Menschen aus anderer ethnischen Herkunft und Rassen mit unterschiedlichen
physiologischen Strukturen.]

• Neben den Museumsdirektoren aus der ganzen Welt waren auch einige sehr bekannte britische
Wissenschaftler in diesem groß angelegten Grabräuber-Handel verstrickt.3 Darunter waren auch der Anatom

46 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Sir Richard Owen, der Anthropologe Sir Arthur Keith und Charles Darwin selbst. Darwin verlangte tasman-
ische Schädel, als nur noch vier reinrassige tasmanische Ureinwohner am Leben waren, vorausgesetzt, dass
seine Bitte nicht ihre Gefühle “verletzte“. Museen waren nicht nur an Knochen interessiert, sondern auch an
frischen Häuten. Diese würden interessante evolutionäre Ausstellungsstücke liefern, wenn sie ausgestopft
sind.

• In Spiritus eingelegte Gehirne der Ureinwohner waren ebenfalls gefragt, da man damit zu beweisen ver-
suchte, dass diese minderwertiger wären, als die der Weißen.

• Es gibt keine Zweifel an den schriftlichen Beweisen, dass viele der “frischen“ Muster erworben wurden,
indem man einfach hinging und die Ureinwohner tötete.

• Der Direktor des Australian Museum in Sydney von 1874 bis 1894, Edward Ramsay, war besonders intensiv
beteiligt. Er veröffentlichte einen Museumskatalog, in dem die Aborigines unter der Bezeichnung
“Australische Tiere“ erschienen. Er gab nicht nur Anweisungen, wie die Gräber zu berauben sind, sondern
auch wie die Einschusswunden in frisch getöteten “Mustern” verstopft werden sollten. Viele freiberufliche
Mitarbeiter arbeiteten unter seiner Leitung. Vier Wochen, nachdem er Schädeln von Bungee (Russell River)
Schwarze verlangt hat, sandte ihm ein aufgeweckter junger Wissenschaftsstudent zwei davon mit der
Bemerkung, dass diese soeben erschossenen Personen die letzten ihres Stammes waren.

• Eine deutsche Evolutionistin, Amalie Dietrich kam nach Australien und fragte Tankstellenbesitzer nach
den Aborigines, die als Muster geschossen werden sollten, insbesondere nach Häuten zum Ausstopfen und
zum Ausstellen in dem Museum ihres Arbeitsgebers.5

Eine andere Studie dokumentiert die Misshandlungen und Morde an den Ureinwohner in dem Buch Aborigines
in White Australia: A Documentary History of the Attitudes Affecting Official Policy and the Australian Aborigine
1697–1973 (Aborigines in Weiß-Australien: Eine dokumentierte Geschichte der Einstellungen, die die offizielle Politik
und die australischen Aborigines 1697-1973 betraf), bearbeitet von Sharman Stone, parlamentarischer Sekretär des
australischen Ministers für Umwelt und Erbe. Abgesehen von einigen wenigen Kommentaren des Verfassers
besteht dieses Buch aus parlamentarischen Aufzeichnungen, Untersuchungsberichten, Briefen an den Verfasser
und anthropologische Berichte.
In dem Buch erstellt Stone das folgende Verhältnis zwischen Darwins Theorie und den Morden an den
Aborigines:
In Charles Darwins Buch Der Ursprung der Arten aus
1859 wurde der Begriff der biologischen (und deshalb
sozialen) Entwicklung populär gemacht. Gelehrte be-
gannen die Zivilisation als einen unilineraen Prozess
mit Rassen, die in der Lage sind, eine unterteilte Skala
auf- und abzusteigen zu diskutieren. Der Europäer
war der “Tauglichste, um zu überleben“. [Der
Eingeborene] war gemäß dem “Naturgesetz“ zum
Aussterben verdammt, wie der Dodo und der
Dinosaurier. Diese Theorie, unterstützt von den
vorhandenen Beweisen, wurde bis weit in das
zwanzigste Jahrhundert zitiert, bis man merkte,
dass sich die dunkelhäutigen Rassen ver-
mehrten. Bis dahin konnte die Theorie ver-
Die diskriminierenden wendet werden, die Missachtung und
Praktiken gegen die den Mord zu rechtfertigen. 6
Ureinwohner Australiens
halten heute noch an. Das Der Herausgeber des Buches machte
obige Foto zeigt eine klar, dass manche europäische
Gruppe, die gegen die
Darwinisten den Tod der Aborigines als
Enteignung ihres Grund
und Bodens protestieren.

Adnan Oktar 47
Beweis anführten, dass sie als Konsequenz des “Naturgesetzes“ zum Aussterben
verurteilt waren. Jedoch im 20. Jahrhundert erkannte man, dass diese ange-
blichen Beweise nicht gültig waren. Die Aborigines starben nicht auf Grund ir-
gendeines Naturgesetzes, sondern durch die Misshandlungen, unter denen sie
litten. Natürlich wurde auch erkannt, dass die Behauptungen Darwins unwahr
waren, als man beobachtete, dass die Anzahl der dunkelhäutigen Menschen
anstieg.
Die Antworten eines Polizeioffiziers während einer Untersuchung der Royal
Commission in 1861 helfen klarzustellen, dass die rassistische Grundlage und die
Misshandlung der Aborigines zu dieser Zeit als völlig normal angesehen wurden.
Der Offizier wurde gefragt:
Sir Douglas Nicholls, der
“Und wenn wir die Schwarzen nicht bestrafen, würden sie dies als Eingeständnis von
erste geborene Australier,
der zum Ritter geschlagen
Schwäche sehen?“
wurde, mit seiner Frau.
“Ja, das ist genau meine Meinung.“

“Es ist die Frage, wer die stärkste Rasse sei – wenn wir uns damit abfinden, würden sie uns dafür verachten?“

"Ja." 7

Nach dem Bericht von Stone wurde in einer Nachrichtenreportage von 1880 folgendes geschrieben:
Nichts was wir tun können wird die unerforschlichen und außerdem unwandelbaren Gesetze verändern, die
unseren Fortschritt auf dieser Erde bestimmen. Durch diese Gesetze wurden die Ureinwohner Australiens
nach dem Erscheinen des weißen Mannes verdammt und das einzige was uns zu tun übrig bleibt ist, es mit so
wenig Grausamkeit wie möglich auszuführen. Wir müssen die Schwarzen durch Angst regieren. 8

Diese Zeilen zeigen nochmals die Brutalität in dem Herzen der sozialdarwinistischen Perspektive. Diese
Menschen wurden als eine Spezies Tier betrachtet, wurden aber auf eine Weise behandelt wie niemand ein Tier
behandeln würde, einfach deshalb, weil ihre Haut eine dunklere Farbe hat und weil sie gewisse unter-
schiedlichen physischen Charakteristika hatten – ein weiterer Beweis der Grausamkeit der Sozialdarwinisten.
Ein Brief aus 1880 an eine Zeitung beschreibt die Unterdrückung der Aborigines:
Das, klar ausgedrückt, ist, wie wir die Aborigines behandeln: Bei der Besetzung von neuen Gebieten werden
die Ureinwohner genau so wie wilde Tiere oder Vögel behandelt, die die Siedler hier finden. Ihr Leben und
ihr Eigentum, die Netze, Kanus … werden von den Europäern zu ihrer gänzlichen Verfügung gehalten. Ihre
Waren konfisziert, ihre Kinder gewaltsam geraubt, ihre Frauen weggebracht, völlig nach der Laune der
Weißen. Das geringste Anzeichen von Widerstand wurde mit einer Gewehrkugel beantwortet. [Diejenigen]
die dazu Lust hatten mordeten, schändeten und beraubten die Schwarzen ohne Hemmung. Sie waren nicht
nur unbehindert, sondern die Kolonialregierung war immer bereit, sie vor den Konsequenzen ihrer
Verbrechen zu retten. 9

Was hier erzählt wurde ist nur ein winziger Teil des dunklen Gesichtes des Sozialdarwinismus, aber es ist
genug, um auf das volle Ausmaß der Katastrophen hinzuweisen, die Atheismus und Darwinismus über die
Menschheit gebracht haben.

1. Joe Stephens, “The Body Hunters: As Drug Testing Spreads, Profits and Lives Hang in Balance,” Washington Post, 17. Dezember
2000.
2. David Monaghan, “The Body-Snatchers,” The Bulletin, 12. November 1991, S. 30-38.
3. ebd., S. 33.
4. ebd., S. 34.
5. ebd., S. 33.
6. Sharman Stone, Aborigines in White Australia: A Documentary History of the Attitudes Affecting Official Policy and the
Australian Aborigine 1697–1973, Melbourne: Heinemann Educational Books, 1974.
7. ebd., S. 83.
8. ebd., S. 96.
9. ebd., S. 93.

48 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

DIE REKAPITULATIONSTHEORIE UND DER RASSISMUS

Nach der Rekapitulationstheorie des deutschen Atheisten und Evolutionisten Ernst Haeckel wiederholen en-
twickelnde Embryonen den evolutionären Prozess, den ihre angeblichen Vorfahren durchgemacht haben. Diese
Theorie behauptet, dass der Embryo während seiner Entwicklung im Mutterleib zu Beginn die Charakteristika
von Fischen, dann von Reptilien aufweist, bis er schließlich ein menschliches Baby wird. Für viele Jahre wurde
dies als Beweis für die Evolutionstheorie hingestellt, aber schließlich wurde diese Theorie als völlig unwis-
senschaftlich und nichts mehr als ein Phantasieprodukt angesehen.1
Vermutlich um die unwissenschaftliche Theorie zu beweisen, fälschte Ernst Haeckel Zeichnungen und ver-
suchte die Ähnlichkeit von Fisch- und Menschenembryonen darzustellen. Als dieser Betrug entlarvt wurde,
verteidigte er sich damit, dass andere Evolutionisten dasselbe getan haben. 2
Dennoch legte das imaginäre Szenario, welches Haeckel mit gefälschten Zeichnungen absicherte, offensichtlich
die wissenschaftliche Basis für den Rassismus in vielen Ländern, speziell in Deutschland.
Gemäß den Behauptungen der Rekapitulationstheorie sind die Eigenschaften eines Menschen im embryonis-
chen Stadium oder in der frühen Kindheit Reste von evolutionären erwachsenen Vorfahren. Haeckel und seine
Anhänger behaupteten zum Beispiel, dass ein “zivilisiertes” Kind die gleiche Intelligenz und
Verhaltenseigenschaften hat, wie ein “wilder” Erwachsener. Sie verwendeten diese Behauptungen, um die
Überlegenheit der weißen Rasse zu beweisen. Stephen Jay Gould fasst in seinem Buch Ever Since Darwin die
Unterstützung zusammen, die die Rekapitulationstheorie dem Rassismus zuteil haben ließ:
Rekapitulation war Haeckels bevorzugtes Argument … Haeckel und seine Kollegen riefen auch die
Rekapitulation auf, um die rassische Überlegenheit der nordeuropäischen Weißen zu bestätigen. Herbert
Spencer schrieb, dass “die intellektuellen Züge der Unzivilisierten … sind Züge, die in den Kindern der
Zivilisierten wiederkehren. Carl Vogt sagte es 1864 stärker: “Der erwachsene Neger hat, was seine intellek-
tuellen Fähigkeiten betrifft, das Wesen eines Kindes … “ 3

Natürlich entsprechen die Behauptungen von Spencer, Vogt und anderen in keiner Weise der Wahrheit. Diese
Behauptungen wurden allmählich von der Wissenschaft selbst entkräftet und annulliert. Gould schrieb in
seinem Buch The Panda's Thumb:
Diese Theorie wird oft großsprecherisch mit “Die Ontogenese rekapituliert die Phylogenese“ ausgedrückt,
wobei höhere Tiere in ihrer embyonischen Entwicklung eine Reihe von Stadien durchlaufen, die in richtiger
Reihenfolge die Erwachsenenform der niedrigeren Lebewesen, von denen sie abstammen, repräsentieren. ...
Die Rekapitulation bietet eine bequeme Konzentration für den ausgebreiteten Rassismus der weißen
Wissenschaftler … 4

Professor George J. Stein, Direktor des International Security Studies Core im Air War College, publizierte
einen Artikel unter der Überschrift “Biological Science and the Roots of Nazism” im American Scientist. “Im
Wesentlichen“, schrieb er, “Haeckel und seine darwinistischen Kollegen förderten die Ideen soweit, dass sie die
Kernanschauungen des Nationalsozialismus wurden, “5 und fasste das tödliche Verhältnis zwischen Haeckel,
Sozialdarwinismus und Rassismus zusammen.

1. Keith S. Thompson, "Ontogeny and Phylogeny Recapitulated“, American Scientist, Band 76, Mai/Juni 1988, S. 273.
2. Francis Hitching, The Neck of the Giraffe: Where Darwin Went Wrong, New York: Ticknor and Fields, 1982, S. 204.
3. Stephen Jay Gould, "Racism and Recapitulation“, Kapitel 27 of Ever Since Darwin, New York: W.W. Norton & Co., 1977, S. 217.
4. Stephen Jay Gould, The Panda's Thumb, New York:W. W. Norton & Company, Inc., 1992, S. 163.
5. George J. Stein, "Biological Science and the Roots of Nazism“, American Scientist, Band 76, Jan/Feb. 1988, S. 56.

Adnan Oktar 49
“Diese neue Epoche des Imperialismus am Ende des 19. Jahrhunderts wurde geistig unterstützt vom Bismarckismus
und Sozialdarwinismus, denen die Woge der Glorifizierung von Erfolg und Macht gemeinsam war, die über ganz
Europa schwappte. ... Rassentheorien waren en vogue und standen in Zusammenhang mit dieser Denkhaltung, die
im Widerspruch zu allen traditionellen moralischen Werten (d.h. Christentum) stand und sich durchgängig auf
“Wissenschaft und Natur“ berief, einem Glauben, dem so gut wie nichts widerstehen konnte.“63
Eine ganze Reihe von Forschern und Autoren stimmt darin überein, dass die Wurzeln des Neo-Imperialismus
im Sozialdarwinismus lagen. Gertrude Himmelfarb zum Beispiel, Professorin für Geschichte, schreibt in ihrem Buch
Darwin and the Darwinian Revolution über den Zusammenhang von darwinistischem Rassismus und Imperialismus:
In der Regel wird unter Sozialdarwinismus Folgendes verstanden: eine Philosophie, die Wettbewerb, Macht und
Gewalt über Tradition, Ethik und Religion stellt. In diesem Sinn ist der Begriff zum Handkoffer für Nationalismus,
Imperialismus, Militarismus, Diktatur, Heldenkult, Superman und Herrenrasse geworden.64
Der deutsche Historiker Hans-Ulrich Wehler beschreibt diesen Aspekt des Sozialdarwinismus wie folgt:
“Der Sozialdarwinismus ermöglichte es, den Freiheitsbestrebungen der Arbeiter und der Kolonialvölker eine Absage
zu erteilen als vergeblichen Protesten von minderwertigen Subjekten im Daseinskampf. Unter dem Mantel angeblich
unwiderlegbarer Wissenschaftlichkeit erreichte der Sozialdarwinismus durch seine vielseitige Anwendbarkeit und
in enger Verknüpfung mit den herrschenden Interessen seine Macht. Er wurde zur idealen Ideologie der
Rechtfertigung des Imperialismus und wurde von zahlreichen Propagandisten in den Industriestaaten verbreitet.“65
Der enge Zusammenhang von Sozialdarwinismus und Imperialismus tritt unverhüllt vor Augen in dem 1912
erschienen Buch des pensionierten deutschen Generals Friedrich von Bernhardi Britain as Germany's Vassal:
“Im Interesse der Weltzivilisation ist es unsere Pflicht, das deutsche Kolonialreich zu vergrößern. Nur dadurch kön-
nen wir politisch oder zumindest national alle über die Welt verstreuten Deutschen vereinen. Denn nur so werden sie
erkennen, von welch zentraler Bedeutung die deutsche Kultur für den menschlichen Fortschritt ist. Wir müssen uns
bemühen, neue Territorien in aller Welt zu erwerben mit all unseren verfügbaren Kräften, weil wir Deutschland all
die Millionen von Deutschen erhalten müssen, die erst noch geboren werden, und ihnen Brot und Arbeit geben. Sie
sollen unter deutschem Himmel leben und ein deutsches Leben führen können.“66

Ein Bild von Adam Willaerts mit einem britischen


Schiff, welches nach Ost-Indien segelt.

50
Harun Yahya

Oben: Eine Prozession der britischen


königlichen Familie in Indien unter der
britischen Kolonialregierung. Unten:
Die Ankunft der britischen Soldaten zur
Besetzung Palästina nach dem
Untergang des Osmanischen Reiches.
Palästina hatte hunderte Jahre unter der
Osmanischen Regierung Frieden und
Sicherheit, aber die Kolonialverwaltung
brachte nur Chaos, Konflikte und
Unterdrückung mit sich.

Die Gier nach neuen Kolonien im Zuge des aufstrebenden Neo-Imperialismus führte zwangsläufig zu
Konflikten zwischen den imperialistischen Staaten. In den Fußstapfen des Darwinismus führte die
Verachtung anderer Völker als “minderwertige“ Rassen zu unerhörten Grausamkeiten. Ständig behaupteten
die Imperialisten, die Zivilisation in die von ihnen okkupierten Länder bringen zu wollen, aber in
Wirklichkeit brachten sie nur unendliches Leid und ein Meer von Tränen mit sich.

Sozialdarwinismus und Rassenkonflikte


Einer der Gründe, weshalb Gott unterschiedliche Rassen, Stämme und Nationen auf Erden erschaffen
hat, ist der kulturelle Austausch zwischen ihnen. Im Quran sagt uns Gott, dass Er dies getan habe, “...damit
sie einander kennenlernen.“ (Sure 49:13 – al-Hudschurat)
In der Weltsicht des Sozialdarwinismus existieren die verschiedenen Menschengruppen nicht, um sich
gegenseitig kennenzulernen, sondern um miteinander zu kämpfen. Dementsprechend gilt ihm der Konflikt
zwischen Rassen und Nationen als Motor der Menschheitsgeschichte. Den unsinnigen Behauptungen des
Sozialdarwinismus zufolge müssen ständig neue Eroberungen gemacht werden, um siegreich aus dem
Kampf der Rassen hervorzugehen. Im Ergebnis werden dann die “zivilisierten“ und “höheren“ Rassen an
der Spitze stehen und so den Fortschritt der gesamten Menschheit vorantreiben. Aber welch eine Barbarei
im Denken und Handeln, diesen Fortschritt bewerkstelligen zu wollen durch Massaker, Verfolgung und
Unterdrückung anderer! Natürlich kommt es von Zeit zu Zeit zu Differenzen und Problemen. Aber sie kön-
nen mit friedlichen Mitteln beigelegt werden. Wir haben bereits klargestellt, dass die Nationalstaaten dur-
chaus im Recht sind, wenn sie ihre eigene Zukunft sichern wollen. Aber es ist gewissenlos, eine Politik zu
verfolgen, die die Interessen anderer Nationalstaaten verletzt, oder gar einen anderen Nationalstaat zu zer-
stören.
Heutige Evolutionisten versuchen stets, Darwin als “Humanisten“ und Gegner des Rassismus
darzustellen, aber in Wirklichkeit war er ein Befürworter des Konflikts zwischen den unterschiedlichen

Adnan Oktar 51
Rassen, und er erfand die Lüge, dass die - ihrer eigenen Meinung nach - “zivilisierte“ weiße Rasse siegreich aus
diesem Konflikt hervorgehen werde. Im Folgenden dazu einige Zeilen aus Darwins Buch Die Abstammung des
Menschen:
“Wenn zivilisierte Nationen auf Barbaren treffen, wird der Kampf nur kurz sein, falls nicht ein tödliches Klima die
Barbaren begünstigt... Der Grad an Zivilisiertheit spielt eine wichtige Rolle für den Sieg in dieser
Auseinandersetzung.“67
An anderer Stelle seines Buches spricht Darwin vom Konflikt zwischen “Wilden“ und “Zivilisierten“ und be-
hauptet, dass letztere sich als weit überlegen erweisen werden. Durch derart unsinnige Behauptungen hat er die
geistigen Grundlagen geschaffen für all das Chaos und Elend, das die Welt mehr als hundert Jahre lang erfüllt hat.
Der Großteil der Nachfolger Darwins betrachtete den Konflikt zwischen den Rassen so, als sei er eine wis-
senschaftlich bewiesene Tatsache. Zum Beispiel Karl Pearson in seinem Buch National Life from the Standpoint of
Science. Er war ein Anhänger von Francis Galton und ein Evolutionist des 19. Jahrhunderts und insofern von
Bedeutung, als er die Ansichten seiner Zeitgenossen über Rassenkonflikte und die Hintergründe des Neo-
Imperialismus überliefert hat. Wie andere Sozialdarwinisten auch, hielt er den Konflikt zwischen den Rassen für
unumgänglich und den Kampf innerhalb einer Rasse allein für evolutionär unzureichend. Im Folgenden ist ein
Beispiel seines völlig unwissenschaftlichen Denkens:
“Was ich über schlechte Rassen gesagt habe, scheint mir nur für die niederen Rassen der Menschheit zu gelten. Wie
viele Jahrhunderte, wie viele Jahrtausende haben die Kaffer oder Neger in Afrika große Gebiete ohne Einmischung
des Weißen Mannes besiedelt? Dennoch haben ihre Stammeskriege keine auch nur ansatzweise vergleichbare
Zivilisation wie die der arischen Rasse hervorgebracht. Man mag sie ernähren und erziehen, wie man will - ich bin
überzeugt, dass sich dadurch nichts an ihrem Zuchtbestand verändern lässt. Ich sehe in der Geschichte nur einen,
wirklich nur einen einzigen Weg, wie sich eine Hochkultur entwickeln kann: durch den Kampf der Rassen miteinan-
der, in dem die physisch und geistig stärkere Rasse siegen wird.“68

Die Menschen Afrikas wurden jahrelang von den


Menschen aus dem Westen ausgebeutet, weil sie an
die Irrlehren von Darwin glaubten.

52 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865) zwis-


chen den Nordstaaten, die die Abschaffung der
Sklaverei verlangten und den Südstaaten, die sie
weiterführen wollten. Die Idee der Überlegenheit der weißen Rasse wurde
ein casus belli (Kriegsgrund) und vier Jahre lang kämpfte die Bevölkerung
einer gegen den anderen. Die Sklaverei wurde schließlich in den Vereinigten Staaten
abgeschafft, als der Norden den Sieg davontrug.

Solch obskure Behauptungen gaben dem Imperialismus eine pseudowissenschaftliche Rückendeckung. Die
europäischen Kolonialstaaten, die den afrikanischen und teilweise den asiatischen Kontinent besetzten und die
australischen Aborigines verfolgten, behaupteten dreist, ihre Eroberungspolitik basiere auf Naturgesetzen und
sei der einzige Weg, um den Fortschritt der Menschheit voranzutreiben. (Die wissenschaftliche Haltlosigkeit
dieser Behauptung wurde später durch wirkliche wissenschaftliche Fortschritte bewiesen.) Laut Pearson sollten
fortan ehemals spontan geführte Kriege bewusst geplant und geführt werden:
“Es gibt einen Kampf zwischen den Rassen und zwischen den Nationen. In der Frühzeit dieses Kampfes war es
ein blinder, unbewusster Kampf unter Barbaren. Heute, in Bezug auf den zivilisierten Weißen Mann, ist er zum
immer bewussteren, planmäßigen Versuch einer Nation geworden, sich in einer sich ständig verändernden
Umwelt fit zu halten. Die Nation muss ihr Augenmerk darauf richten, wo und wie der Kampf zu führen sein wird.
... Meines Erachtens muss eine Nation betrachtet werden als ein organisches Ganzes im ständigen Kampf mit an-
deren Nationen, sei es mit militärischer Gewalt oder mit wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen. Meines Erachtens
darf man diesen wie auch immer beschaffenen Kampf nicht als schlecht oder böse betrachten, denn er ist der
Motor des menschlichen Fortschritts in der gesamten Menschheitsgeschichte.“69
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts gewann dieser falsche Glaube, dass der Konflikt zwischen den Rassen der
Weg des menschlichen Fortschritts und andere Rassen “minderwertig“ seien, in großen Teilen der Welt enorme
Durchschlagskraft im nahezu wörtlichen Sinn. Die meisten imperialistischen Staaten betrieben in den von ihnen
eroberten Ländern eine skrupellose Politik gegenüber der Bevölkerung. Ihre Maßnahmen in diesen Ländern
zeigen überdeutlich, dass sie deren Einwohner für schwach und minderwertig hielten, sie verunglimpften, sie
nicht als gleichwertige Menschen behandelten. Der Neo-Imperialismus im 19. Jahrhundert war nichts anderes als
die Verwirklichung des Sozialdarwinismus im Weltmaßstab.
Einer der Gründe für den enormen Einfluss des Darwinismus in Europa war die Tatsache, dass sich damals
die Menschen in den europäischen Staaten abgewandt hatten von ihren eigenen religiösen, moralischen Werten,
ohne die Menschen nicht in Frieden leben können. Gott hat uns Menschen Toleranz und Vergebung anbefohlen.
Er wird jeden zur Rechenschaft ziehen für die Sünde, die Weltordnung gestört und Kriege angezettelt zu haben.
Im Quran spricht Er unmissverständlich davon, dass Er Menschen nicht liebt, die anderen Menschen Leid und
Not zufügen:
Sobald er den Rücken kehrt, bemüht er sich, im Lande Unheil zu stiften und Ackerland und
Nachkommenschaft zu zerstören; Gott aber liebt nicht das Verderben. (Sure 2:205– al-Baqara)

Adnan Oktar 53
Skrupellose Kolonialpolitik
Wie sehr die Kolonialherren den Ideen des Sozialdarwinismus verhaftet waren, zeigte sich in der Politik, die sie
gegenüber der einheimischen Bevölkerung in den Kolonien betrieben. Die dort tätigen Kolonialverwaltungen betra-
chteten die dort lebenden Menschen nicht als Menschen, sondern als primitive, menschliche Übergangsformen,
denen sie nichts als Leiden, Zerstörung und Unglück brachten. Der Sozialdarwinismus war dabei eine treibende
Kraft, weil er der rücksichtslosen Politik in den Kolonien eine ideologische Legitimation gab. Das Gefühl, einer
überlegenen Rasse anzugehören, steigerte noch ihre Aggressivität und Gier.
Ein aufschlussreiches Beispiel dafür sind die Opiumkriege in China. In den 1800er Jahren begann Großbritannien,
Opium an China zu verkaufen, obwohl Produktion, Verkauf und Verbrauch von Opium in Großbritannien selbst ver-
boten waren. So gelang es der herrschenden Klasse Großbritanniens, die ihre eigene Bevölkerung vor diesem Gift
schützte, große Teile der chinesischen Bevölkerung opiumabhängig zu machen. Nachdem sein eigener Sohn an seiner
Opiumsucht gestorben war, beschloss der Kaiser von China, die britischen Opiumimporte zu stoppen und schickte
seinen Gesandten Lin Zexu (Lin Tse-Hsü) nach Kanton, dem größten Hafen der East India Company, um das Ende der
Opiumimporte herbeizuführen. Da die britischen Opiumhändler dazu nicht bereit waren, ließ Lin Zexu die
Opiumlagerhallen schließen. Darauf reagierten die Briten sofort mit einer militärischen Intervention. Die Chinesen
wurden in die Flucht geschlagen und zu einem demütigendem Vertrag gezwungen, demzufolge der Opiumhandel als
legal galt. Lin Zexu verlor sein Regierungsamt und wurde ins Exil geschickt.
Die Portugiesen wiederum demonstrierten ihre “rassische Überlegenheit“ dadurch, dass sie Eingeborene zu
ihren Sklaven machten. Sie nahmen in ihrer Kolonie die Einheimischen von Angola gefangen, transportierten sie
nach Amerika und verkauften sie dort als Sklaven, “Kontraktarbeiter auf fünf Jahre“ genannt. Aber nur wenige von
ihnen lebten in der Neuen Welt lange genug, um wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können.70 In den meisten
Kolonien raubten die Kolonialherren Ländereien und Rohstoffe, wie es ihnen beliebte und übertrugen die Rechte an
Siedler oder Handelsgesellschaften aus ihren jeweiligen Ländern. Um die einheimische Bevölkerung, die ihr Land
verlor, scherten sie sich nicht, sondern beuteten deren Arbeitskraft, Produkte und Rohstoffe schamlos aus.
Aus ihren Kolonien verschifften die Briten Halbprodukte, wie Baumwolle, Tee und Erze, nach Großbritannien,
ließen sie dort weiterverarbeiten und schickten sie dann wieder für teures Geld zurück in die Kolonien. Baumwolle
aus Indien wurde in Großbritannien weiterverarbeitet, während der Baumwollhandel in Indien selbst verboten war.
Deshalb war Indien gezwungen, “britische“ Baumwolle zu kaufen. Ebenso durften die Inder nur “britisches“ Salz
kaufen.
Eine weitere Methode des Neo-Imperialismus bestand darin, die Herrscher in den kolonialisierten Ländern re-
spektlos und verächtlich zu behandeln. Früher, zu Zeiten von Elizabeth I. oder noch Napoleons, waren die
Kolonialbeamten mit ihnen achtungsvoll umgegangen. Die falsche Vorstellung der rassischen Überlegenheit
gewann erst im 19. Jahrhundert in Europa die Oberhand und führte zu Skrupellosigkeit und Überheblichkeit.
Die darwinistisch geprägten Imperialisten hielten ihre Kolonialherrschaft für die logische Konsequenz ihrer ras-
sischen Überlegenheit gegenüber “minderwertigen“, “unterentwickelten“ Rassen. Für sie war es deshalb zwin-
gend, dass sich die überlegene Rasse über die ganze Erde ausbreiten müsse. Und wenn “primitive“ Rassen dem
Fortschritt der Menschheit im Weg standen, mussten die “minderwertigen“ Menschen eben “verbessert“ werden.
Deshalb waren die Imperialisten ernsthaft überzeugt, den Menschen in den Kolonien die Zivilisation bringen zu
müssen. Aber ihre Politik und ihr Verhalten in den Kolonien entsprachen diesem angeblich hehren Ziel in keiner
Weise. Stattdessen brachten sie, weil den sozialdarwinistischen Ideen verpflichtet, nur Chaos, Konflikt, Furcht und
Demütigung mit sich statt Wohlbefinden, Glück und Zivilisation. Die wenigen Wohltaten, die sie den Menschen in
den Kolonien brachten, wurden weit übertroffen von ihren Schandtaten.
Deutlicher als in den folgenden Worten von Karl Pearson kann man die Inhumanität ihrer im Darwinismus
wurzelnden Haltung nicht ausdrücken:
“Dieser Kampf bringt Leiden mit sich, sehr viel Leiden, während er vor sich geht. Aber dieser Kampf und diese
Leiden sind notwendige Phasen, die der weiße Mann durchschreiten muss, um seinen heutigen Entwicklungsstand
zu halten und zu steigern. Nur dadurch hat er es bisher geschafft, nicht länger in Höhlen zu wohnen und sich von
Wurzeln und Nüssen zu ernähren. Diese Beziehung von Fortschritt und Überleben der überlegeneren Rasse, so
düster sie manchen auch erscheinen mag, verleiht dem Kampf ums Dasein sein ausgleichendes Recht. Es ist der
glühende Schmelztiegel, in dem das edlere Metall entsteht. Man darf durchaus auf eine Zeit hoffen, in der Schwerter
zu Pflugscharen werden, in der amerikanische, deutsche und englische Kaufleute nicht mehr konkurrieren auf den

54 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Weltmärkten für Nahrungsmittel und Rohstoffe, in der der Weiße und der Schwarze Mann die Erde gemeinsam
bebauen, jeder nach seinen Bedürfnissen. Aber glauben Sie mir: Wenn es je soweit kommen sollte, wird es keinen
menschlichen Fortschritt mehr geben. Es wird nichts mehr geben, um die Fruchtbarkeit einer minderwertigen
Rasse zu beurteilen. Die erbarmungslosen Vererbungsgesetze würden dann nicht mehr durch natürliche Selektion
gelenkt und reguliert werden. Die Menschheit würde stagnieren ... Der Weg des Fortschritts ist gepflastert mit
gescheiterten Nationen. Überall stößt man auf Spuren untergegangener minderwertiger Rassen, Opfer ihrer eige-
nen Unterlegenheit. Aber all diese untergegangenen Völker waren notwendige Stufen, auf denen sich die
Menschheit emporgearbeitet hat auf ihr heutiges intellektuelles und emotionales Niveau.“71
Eine derartige Weltsicht, innerhalb der die meisten anderen Nationen als unterlegen und deren Leiden und
Tod nur als ein notwendiger Schritt auf dem Weg der Evolution gelten, ist eine große Gefahr für die gesamte
Menschheit. Wenn sich Individuen bemühen, eine bloße Idee wissenschaftlich zu untermauern, unabhängig
davon wie unwissenschaftlich und unlogisch sie auch sein mag und sie durchsetzen wollen, dann werden in der
Regel die Idee und ihre Konsequenzen leider schnell akzeptiert von allen, die ungenügend informiert sind über
das fragliche Thema. Genau darin liegt die Gefahr des Darwinismus verborgen. Menschen, die an Thesen wie
“Überlebenskampf“ und “Kampf zwischen überlegenen und unterlegenen Rassen“ glauben, haben im Namen
solcher Thesen jede Menge skrupelloser Handlungen begangen oder zumindest dazu geschwiegen. Das Ergebnis
waren rassistische, aggressive und skrupellose Diktatoren wie Hitler, Mussolini und Franco, denen Millionen von
Menschen applaudiert haben. Nicht zuletzt deswegen mussten Zigmillionen unschuldiger Menschen in Furcht,
Schmerz und Leid leben und sterben.

Ein Bild des


Kongos unter
französischer
Kolonialregierun
g. Die
Eingeborenen im
Dschungel wur-
den von den
Weißen, die sie
als eine Art Tier
betrachteten,
niedergemetzelt.

Adnan Oktar 55
Oben: König Prempeh,
Führer des afrikanischen
Ashantistammes und die
Königinmutter unterwerfen
sich den britischen
Truppen.
Links: Die Behandlung von
eingeborenen Australiern.

Sozialdarwinismus und Krieg


Die trügerische Idee, dass der Kampf zwischen den Rassen den Fortschritt der Nationen beschleunigen könne,
wurde auch zur geistigen Grundlage von Kriegen. Vor dem 1. Weltkrieg, als der Sozialdarwinismus in voller Blüte
stand, galt der Krieg als das bestgeeignete Mittel zur Vernichtung der Schwachen und Kranken, die angeblich nur
eine gesellschaftliche Belastung für das Überleben der Starken und die Entwicklung der Menschheit sind.
In der Geschichte hat es schon immer Kriege gegeben. Aber meist waren sie begrenzt und zielten zumindest
nicht unmittelbar auf die Zivilbevölkerung, sondern waren Schlachten zwischen Armeen. Aber in den vom
Sozialdarwinismus ideologisch unterfütterten Kriegen wurde die Zivilbevölkerung unmittelbar zum Ziel gemacht,
um die “Überbevölkerung“ durch angeblich lebensunfähige, minderwertige Menschen zu eliminieren.
Vor dem 1. Weltkrieg wurden in zahlreichen Reden und Artikeln die darwinistischen Grundlagen der “neuen“
Kriege beschrieben. Zum Beispiel von Richard Milner, einem Mitarbeiter von Natural History, dem Monatsmagazin
des American Museum of Natural History in New York, der über die Kriegslüsternheit der darwinistischen
deutschen Intellektuellen in dieser Zeit schrieb:
“Während des 1. Weltkriegs waren deutsche Intellektuelle fest davon überzeugt, dass die natürliche Selektion eine
unwiderstehlich machtvolle Kraft sei, ein Naturgesetz, das ihnen das Recht verleihe, einen blutigen Krieg um die
Weltherrschaft zu führen. Ihre politischen und militärischen Szenarios benutzten dabei Darwins Theorien als wis-
senschaftliche Grundlage für ihr Streben nach Weltherrschaft, bei voller Unterstützung deutscher darwinistischer
Wissenschaftler und Professoren für Biologen.72
In den Kriegsjahren beteiligte sich sogar ein deutscher General F. von Bernhardi, an der Propaganda für den
Sozialdarwinismus. In seinem Buch Deutschland und der nächste Krieg behauptete er, dass der Krieg eine biologische
Notwendigkeit sei, um die Welt von “Lebensunfähigen“ zu befreien: “Der Krieg ist eine biologische Notwendigkeit
von erstrangiger Bedeutung, ein unverzichtbares Regulativ im Leben der Menschheit. Ohne ihn käme es zu einer
krankhaften Entwicklung, die jeden Fortschritt der Rasse und damit wirkliche Zivilisation verhindern würde.“73

56 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

1
3

2
5

1. Eine britische Militärzeremonie in Indien.


2. Zulus unterhalten die britischen Truppen, als sie zu Ehren des
Geburtstages von Queen Victoria ein Sackrennen veranstalten.
3. Britische Soldaten unterdrücken brutal Inder, die ihre Freiheit ver-
langten.
4. Prinz Edward, der Herzog von Windsor, erhält Geschenke vom
Maharadscha von Koihayur.
5. Ein britischer Soldat wählt Soldaten für die indische Armee aus.

Adnan Oktar 57
Eingefügtes Bild links: In Nebraska 1919 be-
lagerte eine Gruppe von 5.000 Weißen das
Gericht und fingen einen schwarzen
Gefangenen, den sie ohnmächtig schlugen bevor
sie ihn mehr als 1.000 Mal erschossen und
schließlich seinen Körper verbrannten.
Großes Bild: Zwei junge Schwarze, Thomas
Shipp und Abraham Smith wurden 1930 in
Indiana gelyncht. Tausende Weiße, bewaffnet
mit Baseballschlägern töteten die beiden, bevor
sie sie erhängten.
In den 1930er Jahren begann der Ku Klux Klan
zu wachsen. Diese Lynchmorde sind gerade zwei
von zahllosen Beispielen des Hasses und der
Grausamkeit, die der Rassismus mit sich bringt.

58 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

1827 begann Frankreich Algerien zu besetzen. Als Teil der kolo-


nialistischen Mentalität der Zeit, betrachteten die Franzosen an-
dere Nationen als die eigene als zweitklassig und errichteten ein
auf Unterdrückung und Gewalt basierendes System gegen die
Algerier. Als erstes wurden die Erziehung und sogar das
Sprechen auf Arabisch verboten. Dann wurde Algerien
wirtschaftlich völlig von Frankreich abhängig gemacht. Gegner
wurden grausam unterdrückt.
Unten: Ein Bild über die Folter und Misshandlung der algerischen
Bevölkerung.

Adnan Oktar 59
Die Behauptung, dass Krieg ein Regulativ sei, ist weder rational nachvollziehbar, noch hält sie wis-
senschaftlichen Tatsachen stand. Der Krieg ist eine zerstörerische Kraft, die ungeheure Verluste an Menschenleben
und Werten verursacht, die oft nicht wiedergutzumachen sind.
Nichtsdestotrotz riefen jene, die ständige Kriege als unverzichtbar für die Weiterentwicklung von Zivilisation
hielten, unverdrossen nach Krieg. General Bernhardi zum Beispiel schrieb in seinem Buch:
“Der Krieg ist nicht nur integraler Bestandteil des Lebens, sondern auch ein unverzichtbares Kulturelement. Im
Krieg manifestiert eine wahrhaft zivilisierte Nation ihre Stärke und Lebenskraft. ... Der Krieg verhilft zu einer biolo-
gisch gerechten Entscheidung, weil seine Ergebnisse den Naturgesetzen entsprechen. ... Er ist nicht nur eine biolo-
gische Notwendigkeit, sondern zugleich eine moralische Verpflichtung und als solche ein unverzichtbarer
Kulturfaktor.“74
Es ist eine der größten geistigen Verirrungen der Verkünder solcher Thesen, dass sie allen Ernstes glaubten,
Krieg sei vereinbar mit der menschlichen Natur und eben deshalb unvermeidlich. Aus ihrer Sicht hieß das: Je mehr
Kriege geführt werden, desto mehr Macht und Lebenskraft kann man erwerben. Doch Gott hat die Menschen so er-
schaffen, dass sie am besten im Frieden leben können. Chaos und Streit hingegen versetzen die menschliche Seele in
unerträgliche Spannung. Nur in einem Klima von Frieden und Sicherheit kann es schnellen sozialen,
wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt geben. Dazu schreibt Gertrude Himmelfarb in ihrem Buch Darwin and
the Darwinian Revolution:
“Für General [Bernhardi] ging es in erster Linie um die Erfordernisse des Krieges, aus denen imperialistische
Abenteuer und nationalistische Experimente folgten. Für andere war es umgekehrt: Ihre imperialistischen und na-
tionalistischen Ziele zogen Krieg und Militarismus erst nach sich. Es gab aber auch Stimmen, die nach kriegerischen
Tugenden riefen, aber ohne die Bürde von Militarismus oder Nationalismus. Das war Sozialdarwinismus in seiner
reinsten Form.“75
Sir Arthur Keith, evolutionistischer Anthropologe und Darwin-Biograph, gab offen zu, ein Kriegsbefürworter
zu sein. Obwohl er persönlich friedliebend war, fürchtete er die Folgen eines Friedenszustandes. Er glaubte
nämlich, dass sich die Welt nach 500 Jahren Friedenszustand “in einen Obstgarten verwandelt, in dem
lange Zeit nichts mehr gedeihen wird, weil es zu viele Blüten gibt.“76

60 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Aus den Worten von Keith wird ersichtlich, wie skrupellos Menschen durch die Ideen Darwins werden kön-
nen. Keith war davon überzeugt, dass der “Wildwuchs“ der Welt von Zeit zu Zeit beschnitten und weggeworfen
werden müsse. Deshalb unterstützte er in aller Offenheit die Barbarei. Mit Beschneiden meinte Keith den Krieg,
und der zu beschneidende Wildwuchs waren die zum Sterben verurteilte Männer, Frauen und Kinder. Wer den
Täuschungen des Darwinismus verfallen ist, hegt keinerlei Empfindung für all diese Menschen. Die Theorie, dass
die weiße Rasse gestärkt und entwickelt werden und deshalb die Schwachen ausgerottet werden müssten, führte
zu vorher noch nie da gewesenen Grausamkeiten.
Die konfuse Weltanschauung des Darwinismus war eine der Hauptursachen für all die Kriege und Massaker,
die es seit dem 19. Jahrhundert unablässig gegeben hat. Mit all den Rufen
nach Krieg konfrontiert, sind sogar Menschen, die nichts über den
Die darwinistische Behauptung, dass der
Sozialdarwinismus wussten, damals seinem Fluch verfallen.
Konflikt ein wesentlicher Teil der men-
Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Kriegsbefürworter nicht etwa schlichen Natur ist, begünstigt den Krieg
nur eine ideologische Randgruppe, sondern es waren einflussreiche zwischen den Nationen.
77
Journalisten, Akademiker, Politiker und Beamte. Sie unterstützten die Dennoch ist es offensichtlich, welche
Auswirkungen Kriege auf die
Ausrottung von Frauen, Kindern, Alten und Notleidenden und die sinnlose
Zivilbevölkerung haben.
Opferung junger Menschenleben auf den Schlachtfeldern
- alles im Namen der Menschlichkeit.
Diese Auffassung wurde sogar auf höchster Ebene
geteilt. Zum Beispiel war der deutsche Kanzler Theobald
von Bethmann-Hollweg ebenso wie die deutsche
Mittelklasse vor Beginn des 1. Weltkriegs fest davon
überzeugt, dass der Kampf zwischen Teutonen und
Slawen eine Notwendigkeit sei. 78 Ähnlich dachte auch
Kaiser Wilhelm II. Viele Historiker sind der Meinung,
dass die Ideen von der Notwendigkeit des Krieges und
der Ausrottung “minderwertiger“ Rassen eine der
Ursachen des 1. Weltkriegs waren.
Der Philosoph Friedrich Nietzsche war einer der
prominentesten Befürworter des
Sozialdarwinismus in Deutschland. Ihm zu-
folge sollte das ideale Gesellschaftssystem
auf dem bewaffneten Kampf beruhen:
“Der Mann soll für den Krieg ausgebildet werden und die Frau für das Gebären von Kriegern; alles andere ist
Narrheit.“79 In Nietzsches Weltbild erschien Krieg als Leben, als Geburtshelfer von allem.
Hitler, ein fanatischer Sozialdarwinist und Bewunderer sowohl Darwins wie auch Nietzsches, hat deren Ideen
in die Tat umgesetzt. Militaristisches und evolutionistisches Gedankengut miteinander verknüpfend, schrieb er:
“Die gesamte Natur ist ein ständiger Kampf zwischen Stärke und Schwäche, an dessen Ende der endgültige Sieg der
Starken über die Schwachen stehen wird.“80
Diese von Hitler und seinesgleichen propagierten Ideen waren Ergebnis einer schrecklichen Unwissenheit. Alle,
die glaubten, mit Hilfe der Evolutionstheorie ihrem aggressiven und militaristischen Denken eine wissenschaftliche
Grundlage verschaffen zu können, täuschten sich selbst am meisten. Aber mit der Unterstützung der
Hunderttausender, die ihnen zujubelten, überzogen sie die Welt mit einem noch nie da gewesenen Grauen.
In einem Artikel mit der Überschrift “The Philosophy and Morals of War“ (Philosophie und Moral des Krieges)
identifiziert Max Nordau, ein geistiger Führer der zionistischen Bewegung, Darwin selbst als einen
Hauptbefürworter des Krieges:
“Die höchste Autorität unter all den Advokaten des Krieges war Darwin. Seit sich die Evolutionstheorie ausgebreitet
hat, können sie ihren angeborenen Barbarismus mit dem Namen Darwins schmücken und ihre blutrünstigen
Instinkte für das letzte Wort der Wissenschaft erklären.“81
In Darwin, Marx, Wagner: Critique of a Heritage hat Jacques Barzun, Historiker an der Columbia University,
nachgewiesen, dass Darwin überall das Feuer des Militarismus und des Krieges entfacht hat:
“Krieg“ wurde zum Symbol, zum Bild, zum Motiv, zur Begründung und Sprache allen menschlichen Handelns auf
der Erde. Wer sich nicht durch einen beträchtlichen Teil der Literatur zwischen 1870 und 1914 hindurch gearbeitet
hat, kann sich keine Vorstellung davon machen, wie sehr sie vom Ruf nach Blutvergießen durchdrungen war. ... Die
Militaristen der zweiten Jahrhunderthälfte poetisierten den Krieg und sehnten sich wollüstig nach ihm. Ohne
Schamgefühl hielten sie es für erwiesen, dass alle Kämpfe des Lebens Kämpfe für das Leben seien und der Tod des
Verlierers sein “natürliches“ Ziel.82
Die sozialdarwinistische Logik
bildete die Grundlage der
grausamen Besetzungen durch die
Nazis, wodurch Millionen von
Russen zur Sklavenarbeit ver-
schleppt und mehrere Millionen
für keinerlei Verbrechen hin-
gerichtet wurden.
Harun Yahya

Dass junge Menschen trotz


aller Leiden, die der Krieg mit
sich bringt, zum Kämpfen
gezwungen werden,
beschreibt das dunkle Gesicht
des Darwinismus.

Im gleichen Buch
beschrieb Barzun, wie vor
allem Europa unter den
Einfluss von Darwins ras-
sistischem, militaristis-
chem Statthalter geriet:
In jedem europäischen
Land gab es zwischen
1870 und 1914 eine Kriegspartei, die für Rüstung plädierte, eine lib-
eralistische Partei, die skrupellosen Wettbewerb forderte, eine impe-
rialistische Partei, die freie Hand gegenüber
unterentwickelten Völkern forderte, eine sozial-
istische Partei, die die Eroberung der Macht
forderte und eine rassistische Partei, die
eine Ausmerzungspolitik gegenüber
Fremden forderte - und alle
beriefen sich auf Spencer und
Darwin, als seien sie die ultima
Ratio der Wissenschaft...
Rasse war alles: biolo-
gisch, soziologisch, dar-
winistisch.83
All diese geistigen
Verirrungen, später so oft
von Wissenschaftlern
beschrieben, sind verant-
wortlich für die Massaker,
Kriege und Völkermorde
des 20. Jahrhunderts.

Ein polnisches Mädchen, deren


ältere Schwester 1939 von den
Nazis getötet wurde.
Das 20. Jahrhundert,
welches von dem
Sozialdarwinismus do-
miniert war, ging in die
Geschichte als das
Jahrhundert der Kriege und
der blutigen Konflikte ein.
Während Dekaden verließ
der Ausdruck des Leidens
nicht die Gesichter von
Millionen Menschen.

Schwarze
Amerikaner,
gelyncht in
1906.

64 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Für Gott heißt Überlegenheit Frömmigkeit, nicht Herrenrasse


Diese Barbarei war nicht auf die Nazis beschränkt. In vielen Teilen der Welt ist es durch den Rassismus zu
schrecklichen Katastrophen gekommen. Durch ihn sind Millionen von Menschen als wertlos erklärt, gedemütigt,
vertrieben und versklavt, getötet oder dem Tod überlassen, wie Tiere behandelt und für medizinische
Experimente missbraucht worden. Die in diesem Buch angeführten Beispiele sind nur einige, die von dieser
Gewalt und Barbarei zeugen.
Die Sozialstruktur, die der Darwinismus vor Augen hatte, muss genau identifiziert werden. Wie alle materi-
alistischen Theorien kann auch der Sozialdarwinismus den Menschen und ganzen Gesellschaften nicht zu
lebenswerten moralischen Werten und zum Glück verhelfen, weil er die Menschen für selbstsüchtige Kreaturen
hält, die nur ihren eigenen Interessen folgen und nur sich selbst gegenüber verantwortlich fühlen. Um sich
lebenswerte moralische Werte und Glück zu erwerben, muss der Mensch seine selbstsüchtigen Begierden
aufgeben. Die uns von Gott dem Herrn aufgegebenen religiösen, moralischen Werte können uns dies lehren. Die
Verpflichtung der Menschen gegenüber Gott und die Einhaltung Seiner Gebote hat Er uns im Quran offenbart.
Wenn die Menschen Gottes Gebote, wie im Quran dargelegt, befolgen, werden sie fähig sein, sich gegenseitig
zu achten und zu lieben.

Während des 1. Weltkrieges verwendeten die Deutschen


unter Verletzung der Kriegsgesetze Senfgase. Das Bild zeigt
einen durch Gas getöteten britischen Soldaten.

Adnan Oktar 65
Nur wer Gott liebt und fürchtet und seinen Geboten folgt, kann andere Menschen als Geschöpfe Gottes erken-
nen und keinen Unterschied machen hinsichtlich von Rasse, Nation, Hautfarbe oder Sprache. In jedem Menschen
wird er die von Gott erschaffene Schönheit erkennen und sich daran erfreuen. Ihr Glaube ermöglicht es diesen
Menschen, zu lieben, Mitleid zu empfinden und andere zu schützen. Wer jedoch der darwinistischen Gehirnwäsche
zum Opfer gefallen ist, wird stets auf andere Rassen und Nationen herabblicken, sich berechtigt fühlen, sie zu un-
terdrücken oder gar auszulöschen, und er wird nur Spannungen, Furcht und Unglück verbreiten. Rassismus und
Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert waren das Ergebnis der darwinistischen Weltsicht.
Im Quran hat Gott den Menschen untersagt, andere wegen ihrer Rasse zu diskriminieren und Er hat enthüllt,
dass die Menschen nur durch ihren Glauben an Ihn und die Furcht vor Ihm Überlegenheit erreichen können:
O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu
Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Gott am meisten Geehrte
von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig. (Sure 49:13–
al-Hudschurat)

Weiße Studenten greifen einen schwarzen


Rechtsanwalt an.
Rassismus ist eine Ursache von Zorn, Hass,
Aggressionen und Konflikten. Diese Studenten
haben ihre Menschlichkeit abgelegt, um einen
unschuldigen Mann wegen seiner Hautfarbe zu
töten. Sie leben bewusst oder unbewusst unter
dem Einfluss des Sozialdarwinismus.
Oben: Ein Reisebus in Alabama 1930. Ein getren-
ntes Abteil
mit der Bezeichnung “Farbige Passagiere“ wurde
für die Schwarzen eingerichtet.

66 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

DAS ERGEBNIS DER DARWIN-HITLER-KOALITION:


40 MILLIONEN TOTE

m Licht dessen, was wir bisher über den Sozialdarwinismus enthüllt haben, dürfte es keine Überraschung

I mehr sein, dass die Nazis, die Organisatoren des größten und grauenvollsten Völkermords der Geschichte,
eng mit ihm verknüpft waren.
Wenn man die Schriften und Reden Hitlers und seiner Ideologen studiert, wird schnell klar, dass ihre Politik
im Darwinismus wurzelte.
Hitler glaubte, die menschliche Rasse auf ähnliche Weise verbessern zu können, wie es Tierzüchter tun. Er
setzte sich dafür ein, alle, die angeblich die arische Rasse “verunreinigten“, alle Menschen mit Erbkrankheiten
und alle Schwachen zu eliminieren. So kam es zur brutalen Auslöschung von Millionen Menschen - was bewies,
dass er sie nur für Tiere hielt, durchaus im Sinne Darwins. Alexander Kimel, einer der wenigen, die dem Genozid
der Nazis entkamen, betont die Verbindung zwischen Nazismus und Darwinismus und beschreibt, wie es
möglich wurde, dass die Nazis mit ihrer darwinistischen Überzeugung Menschen noch gnadenloser als Tiere be-
handeln konnten:
Indem der Nazismus auf den Sozialdarwinismus zurückgriff, setzte er Menschen mit Tieren gleich, beraubte er sie
ihrer individuellen Freiheit der Entscheidung und der Fähigkeit, selbständig zu denken. Brutalität, Terror,
Unwahrhaftigkeit und skrupellose Ausbeutung wurden zur Verhaltensnorm. Wenn man die Regeln der natür-
lichen Selektion im Tierreich auf Menschen überträgt, wenn der göttliche Funke aus dem Bewusstsein der
Menschen gelöscht wird, dann wird es möglich, Menschen wie Tiere zu behandeln. Dann kann man sie züchten
und wie Vieh halten. Der Krieg und die rücksichtslose Kriegführung kosteten Hitler hohe Menschenopfer. Hitler
versuchte, seine heikle Situation zu verbessern - aber nicht, indem er die Verluste an Menschenleben senkte, son-
dern indem er seine Versuche der Menschenzüchtung verstärkte. ... Deswegen beauftragte er den Arzt Dr.
Mengele, in Auschwitz “wissenschaftliche“ Experimente durchzuführen. In deren Verlauf wurden zum Beispiel
Zwillinge getötet und anschließend seziert und Züchtungsmethoden für Menschen entwickelt, um die
Fruchtbarkeit deutscher Frauen zu verdoppeln. SS waren ihr Hirt und ihr Hauptzüchter war ihr Führer. Die
Deutschen selbst wurden behandelt wie Zuchtstiere, andere Völker wie normale Rinder, und Juden wie
Ungeziefer.84
Diese Betrachtungsweise machten sich die Nazis zunutze, um einen der schlimmsten Völkermorde aller
Zeiten zu begehen. Der von Hitler propagierte Begriff der “Herrenrasse“ basierte auf der Annahme einer
Ungleichheit innerhalb verschiedener Gruppen der gleichen Spezies. Hitler und seinen Anhängern zufolge gibt
es innerhalb einer Spezies unterschiedliche Gruppen, die sich unterschiedlich schnell entwickeln, so dass die eine
Gruppe fortgeschritten und die andere unterentwickelt und primitiv ist. Diese unhaltbare Behauptung war eine
der zentralen Aussagen der Darwinschen Theorie, und sie wurde zur Wiege des Rassismus. In einem Buch zum
Thema Auschwitz verteidigt der Historiker Karl A. Schleunes die pseudowissenschaftliche Rechtfertigung des
Rassismus bei Darwin:

Adnan Oktar 67
Darwins Begriff vom “Kampf ums Überleben”
... rechtfertigte die rassistische Behauptung, es
gebe höhere und unterentwickelte Rassen
und Nationen, und damit den Kampf zwis-
chen ihnen.85
Evolutionistische Wissenschaftler ent-
warfen genau das Theoriegebäude, das die
Nazis brauchten. Der deutsche Evolutionist
Konrad Lorenz zum Beispiel, der als
Begründer der modernen Ethologie, der
Verhaltensforschung gilt, verglich die
Verbesserung von Rassen mit biologischen
Strukturen:
Wie bei einer Krebserkrankung, besteht die
beste Behandlungsmethode darin, das para-
sitäre Wachstum so schnell wie möglich
auszumerzen, denn die eugenische
Verteidigung gegen die dysgenischen sozialen
Folgen leidender Bevölkerungsschichten ist
unabdingbar. ... Wenn sie nicht wirksam elim-
iniert werden, wird es in einer gesunden Rasse
ebenso verlaufen wie bei einem

68 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Krebsgeschwür: Die bösartigen Zellen können sich im ganzen


Körper ungehindert ausbreiten und so ihren Wirtskörper
und damit sich selbst zerstören.86
Unterschiedliche Rassen oder die Armen und
Schwachen innerhalb einer Gesellschaft als zu elim-
inierende gesellschaftliche Last zu betrachten, ist
unvorstellbar barbarisch. Die Nazis versuchten,
ihr barbarisches Vorgehen hinter einer ver-
meintlich wissenschaftlichen Maske zu verber-
gen, indem sie sich auf Darwin beriefen. Joseph
Tenenbaum, Autor des Buches Race and Reich:
The Story of an Epoch (Rasse und Reich: Die
Geschichte einer Epoche), fasst zusammen, wie
sich die Politik der Nazis entwickelte:
... Kampf ums Überleben, natürliche Selektion und
Überleben des Stärkeren - all jene zentralen Begriffe
Darwins ... aber elegant verpackt, blühten innerhalb der
deutschen Sozialphilosophie des 19. Jahrhunderts ... Auf diese
Weise entwickelte sich das Dogma vom Recht Deutschlands, die
Ein Bild Deutschlands in 1945
Weltherrschaft anzustreben, aufgrund seiner überlegenen Stärke ... also
eine “Hammer und Amboss“-Beziehung zwischen dem Deutschen Reich
und den schwächeren Nationen.87
Nachdem er Punkt für Punkt beschrieben hat, wie die Nazis im Rückgriff auf Darwin ihre Politik gestalteten,
fährt Tenenbaum fort:
“Ihr politisches Wörterbuch strotzte von Begriffen wie Raum, Kampf, Selektion und Ausmerzung. Der
Syllogismus ihrer Logik war: Die ganze Welt ist ein einziger Dschungel, in dem die einzelnen Nationen um
Lebensraum kämpfen. Die Stärkere siegt, die Schwächere stirbt oder wird getötet ...“88
Auf dem Nürnberger Reichsparteitag 1933 verkündete Hitler: “Die jeweils höherstehende Rasse unterwirft
sich die niederstehende Rasse ... ein Recht, das uns die Natur verliehen hat, und das als einzig greifbares
Naturrecht gelten kann”89 - weil es angeblich wissenschaftlich begründbar ist. Mit dieser Behauptung verteidigte
er einen der schlimmsten Massenmorde der Geschichte.
Hitlers Worte in seiner Rede “Zum Schicksal der Nation“ waren eine einzige Ansammlung darwinistischer
Sichtweisen:
Zu den wichtigsten Leben erhaltenden Faktoren gehören Selbstverteidigung und der Schutz zukünftiger
Generationen. Politik ist nichts anderes als der Kampf ums Überleben eines Volkes. Dieses machtvolle Bedürfnis
ist universell und leitet das Handeln der ganzen Nation. Das Bedürfnis zu überleben, muss zum Kampf führen,
weil es nicht nur unstillbar, sondern Grundlage des Lebens ist. Der Lebensraum eines Volkes ist begrenzt.
Rücksichtslosigkeit ist deshalb ein untrennbarer Teil der Humanität! Der Mensch hat sich zum Herrn der
Schöpfung aufgeschwungen durch Konflikte und ständigen Kampf. Das ist die Überlegenheit nicht etwa der
Menschheit, sondern der Stärke jener, die sich Macht und Vorherrschaft erkämpft haben. Zwischen den ver-
schiedenen Rassen gibt es Unterschiede. Die Welt verdankt ihre Kultur einer gesellschaftlichen Elite. Alles, was
wir heute rund um uns sehen, wurde von der arischen Rasse geschaffen. Der entscheidende Faktor für die Erfolge
einer Rasse sind die großen Persönlichkeiten, die sie hervorbringt. Nicht demokratische Mehrheiten haben die
Menschheit geformt, sondern große Persönlichkeiten.90
Hitlers Phrasen beeinflussten damals viele Menschen. Abermillionen Unwissende fielen auf sie herein. Doch
der Ruf nach Konflikt und rücksichtslosem Überlebenskampf bewirkt nicht den Fortschritt einer Gesellschaft.
Alle Individuen erstreben ein besseres und angenehmeres Leben, aber die Erreichung dieses Ziels ist untrennbar
verknüpft mit der Verpflichtung zur Einhaltung von geistigen und moralischen Werten innerhalb der ganzen
Gesellschaft. Der Versuch, andere durch ständige Aggression zu eliminieren, zerstört lediglich alle Parteien.
Physische oder kulturelle Unterschiede bedeuten nicht die Überlegenheit der einen gegenüber der anderen Rasse.

Adnan Oktar 69
Hitler bei dem Treffen in Nürnberg

Ganz im Gegenteil: In einem sozialen Umfeld von


Frieden und Sicherheit sind Unterschiede ein
wertvoller Element der kulturellen Bereicherung.
Um diese Unterschiede in kulturelle Vielfalt
zu verwandeln, sind religiöse, moralische Werte
unverzichtbar. Unabhängig von den jeweiligen
Umständen hat Gott uns Menschen dazu aufge-
fordert, anderen zu vergeben, niemals vom Pfad
der Gerechtigkeit abzuweichen und anderen mit
Zuneigung und Mitleid zu begegnen. Gläubige
wissen, welch große Weisheit Gottes darin liegt,
unterschiedliche Rassen und Nationen zu er-
schaffen, und sie handeln deshalb im Geist der
Brüderlichkeit und Solidarität. Der überhebliche
Versuch, Menschen nach ihrer
Rassenzugehörigkeit einzuteilen, ohne jegliche
Begründbarkeit, ist ein Merkmal des Unglaubens
und all jener, die neben Gott andere Gottheiten
verehren. In einem Vers des Quran heißt es über
das Wüten der Ungläubigen:
Als die Ungläubigen in ihren Herzen
blinden Eifer trugen, den blinden Eifer der
Unwissenheit ... (Sure 48:26– al-Fath)

Hitler hatte erkannt, dass Darwins Theorie ausgezeichnet zu seinen eigenen wirren Anschauungen passte und
hervorragend geeignet war, diese zu verbreiten. Unübersehbar ist dies in seinem 1925 erschienenen Buch Mein
Kampf. In Kapitel 4 schrieb er, dass der Darwinismus die einzige Grundlage für ein erfolgreiches Deutschland sei.
Robert Clark, Autor von Darwin: Before and After, kommentiert die Beziehung Hitlers zu Darwin folgendermaßen:
“Evolutionistisches Gedankengut - und zwar unverhohlen - bildet die Grundlage noch für die schlimmsten
Behauptungen in Mein Kampf und in seinen politischen Reden ... Für Hitler stand fest, dass eine höherstehende Rasse
immer die niedriger stehende unterwerfen werde.“91
Beate Wilder-Smith, Verfasserin von The Day Nazi Germany Died,
beschreibt die zentrale Komponente der Nazi-Doktrin:
“Einer der wichtigsten Tragpfeiler im Denken der Nazis war die
Evolutionstheorie... der zufolge biologisch alles sich vom Niederen zum
Höheren entwickelt ... weshalb weniger entwickelte Arten ausgelöscht wer-
den müssten... man die natürliche Selektion aktiv unterstützen müsse, de-
shalb griffen die Nazis zu politischen Maßnahmen zur Ausrottung von Juden
und Schwarzen, die ihnen als “minderwertig“ galten.“92
In American Scientist veröffentlichte Professor George J. Stein einen
Artikel mit dem Titel Biological Science and the Roots of Nazism:
“Kurz gesagt, war der deutsche Sozialdarwinismus von einem Zuschnitt, der
in ganz Deutschland bekannt und akzeptiert war und - sehr wichtig dabei -
unter den Deutschen, auch ihren Wissenschaftlern, als wissenschaftlich er-

Das Buch Hitlers Mein Kampf beinhaltet zahlreiche dar-


winistische Äußerungen.

70 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

wiesen galt. Neuere Forschungen zu Nationalsozialismus und Hitler haben ergeben, dass der Rückgriff auf
Darwins Theorie ein besonderes Merkmal des Nazismus war. Die nationalsozialistische “Biopolitik“ ... beruhte
auf einem mystisch-biologischen Glauben an radikale Ungleichheit, ... die ihrerseits sich berief auf den Kampf
ums Überleben und Darwins “Überleben des Stärkeren“ als ange- Hitler and the Nazis reinforced their perverted
bliches Naturgesetz. Daraus ergab sich das Dogma von der ideas—the product of their own mental instabili-
Verpflichtung des Staates, die natürliche Selektion politisch zu ver- ties—with Social Darwinist statements, and car-
stärken und zu beschleunigen.“93 ried out the worst slaughter in world history.

Professor Steins Artikel macht deutlich, dass die Behauptung der


mangelnden Unterscheidung zwischen Tier- und Menschenwelt
Grundlage des deutschen Sozialdarwinismus war. Er fährt folgender-
maßen fort:
“Grundannahme des deutschen Sozialdarwinismus war ... der
Mensch sei nur ein Teil der Natur ohne irgendwelche besonderen
transzendenten Merkmale oder etwas spezifisch Menschliches.
Andererseits hielt er die Deutschen für Mitglieder einer biologisch
überlegenen Volksgemeinschaft ... Politik war nur die konsequente
Anwendung der biologischen Gesetzmäßigkeiten. In der Sache selbst
vertraten Haeckel und seine sozialdarwinistischen Gefolgsleute
schon all jene Auffassungen, die später zum Kernstück der national-
sozialistischen Gedankenwelt werden sollten ... Es war Aufgabe des Staates,
Eugenik und künstliche Selektion zu fördern.“94
Diese Grundfehler des nazistischen Denkens, wie von Stein aufgezeigt, set-
zten sich fort bis in den 2. Weltkrieg hinein. Der mit Hilfe des Darwinismus
stark gewordene Nazismus wurde zum Urheber einer der größten
Katastrophen, die die Welt je erleben musste. Diese Katastrophe war so unge-
heuerlich, dass Abermillionen von Menschen darin umkamen und ganze
Städte ausradiert wurden. Mit am schlimmsten traf sie die Deutschen selbst,
obwohl ihnen die Nazi-Demagogen doch Stärke und Fortschritt ver-
sprochen hatten! Bis zu seinem Tod gab Hitler nie die Überzeugung auf, die
den Nazismus so tief geprägt hatte, und fasste sie in den Worten zusammen:
“Wir Nationalsozialisten ... sind Barbaren! Wir wollen es sogar sein. Es ist ein
Ehrenname, weil wir die Welt erneuern wollen.“ 95
In den Worten von Sir Arthur Keith: “Hitler versuchte absichtlich, die
deutsche Politik in Übereinstimmung mit der Evolutionstheorie zu bringen.“96 Und
weiter:
“Wenn der Krieg eine Folge der Evolution ist - wovon ich überzeugt bin - , dann
muss die Evolution verrückt gespielt haben, als sie ein derartiges Maß an Wildheit
produzierte und dadurch ihre wirkliche Rolle im Leben auf der Erde verdunkelt
hat. ... es gibt keinen anderen Weg, den Krieg los zu werden, außer dem
einen: die menschliche Natur zu befreien von all den Sanktionen, die
ihr durch die Evolution auferlegt worden sind.“97
In seinem Buch Hitler's Personal Security schreibt Peter
Hoffmann über die Ansichten Darwins:
“Hitler glaubte daran, dass der Kampf als Grundprinzip des
menschlichen Lebens jedes Volk dazu zwingt, andere Völker zu
beherrschen, weil es sonst absteigen und untergehen würde.
Selbst noch 1945, angesichts seiner Niederlage, glaubte er
noch immer an das Überleben des Stärkeren und erklärte,
die slawischen Völker hätten sich eben als die stärkeren
erwiesen.“98
Hitler und die Nazis reicherten ihre entarteten Ideen – das Produkt ihrer
eigenen geistigen Unbeständigkeiten – mit sozialdarwinistischen Äußerun-
gen an und begingen das schrecklichste Morden in der Geschichte der Welt.

19. August 1942: Von der Nazi-Garnison ermordete


Bürger der französischen Küstenstadt Dieppe.
Oben rechts: Deutsche mit schweren Waffen während der hefti-
gen Kämpfe an der norwegische Front. Die sozialdarwinistische
Logik verursachte in den Kriegen des letzten Jahrhunderts eine
große Anzahl von Toten so wie viele zerstörte Länder.
Harun Yahya

Wie man aus den Auffassungen zahlreicher Historiker und Forscher, aber auch aus den Schriften und Reden
Hitlers selbst entnehmen kann, bezog der Nazismus seine Kraft und Stärke aus dem Darwinismus und dessen
angeblich wissenschaftlichen Argumenten. Damit versuchten Hitler und seine Gefolgsleute ihre eigene psy-
chopathische Grausamkeit zu rechtfertigen. Schon das vorher existierende kulturelle Umfeld, in dem die Nazi-
Ideologie gedeihen konnte, trug tiefe Spuren des Darwinismus in sich. Wie wir auf den folgenden Seiten sehen
werden, hat der im Deutschland der ersten 20. Hälfte des Jahrhunderts dank dem fanatischen Darwinisten Ernst
Haeckel stets mehr an Einfluss gewinnende Sozialdarwinismus die ganze deutsche Gesellschaft durchtränkt und
die philosophischen Voraussetzungen geschaffen für den Erfolg der Nazis.

Krieg in Nazideutschland und Evolution


Dem Sozialdarwinismus zufolge begünstigt der Krieg den Fortschritt einer Gesellschaft, indem er die Starken
selektiert und die Schwachen eliminiert. In der Logik des Sozialdarwinismus ist Krieg eine positive Kraft, weil er
nicht nur schwache Rassen aussondert, sondern auch die Schwachen innerhalb der “Herrenrasse“ selbst. Deshalb
spricht sich der Sozialdarwinismus stets für den Krieg aus. Auch den Nazis ging es um den Zusammenhang von
sozialdarwinistischer Logik und Militarismus. Bei Robert Clark findet sich in seinem Buch Darwin: Before and
After folgende Information über Hitler:
“Hitlers Haltung gegenüber dem Völkerbund und zur Frage von Krieg und Frieden basierte auf denselben
Prinzipien. “Ein Weltgerichtshof ... wäre ein Witz ... die ganze Welt der Natur ist ein einziger Kampfschauplatz
zwischen Stärke und Schwäche - ein immerwährender Sieg der Starken über die Schwachen. Wenn dem nicht so
wäre, gäbe es in der ganzen Natur nur noch Verfall. Staaten, die dem nicht Rechnung tragen, würden diesem
Verfall geweiht sein. Wer leben will, muss kämpfen. Wer nicht kämpfen will in einer Welt, in der Kampf ein Gesetz
des Lebens ist, hat nicht das Recht zu leben. Anders darüber zu denken, wäre eine Beleidigung der Natur.“99
Gestützt auf den Sozialdarwinismus, wuchs in Europa die Kriegshysterie mehr und mehr an. Die darwin-
schen Begriffe wirkten dabei wie ein Katalysator, der diesen Trend verstärkte und im gesellschaftlichen
Bewusstsein verankerte. Erstmals verschmolzen Rassismus und Kriegslüsternheit, weil es eine angeblich wis-
senschaftliche Begründung dafür gab, die der Gesellschaft als unabweisbare Notwendigkeit präsentiert werden
konnte. In den Schriften von Dr. Albert Edward Wiggam, einem evolutionistischen Wissenschaftler der Nazizeit,
spiegelt sich eine der geistigen Verirrungen wider, die man in der damaligen deutschen Geisteswelt so häufig
antraf:
“Vor langer Zeit verfügte der Mensch über kaum mehr Gehirnzellen als sein sogenannter anthropoider Vetter, der
Affe. Durch Stoßen, Beißen, Kämpfen und Feinde überlisten und durch die Tatsache, dass es andere mit weniger
Verstand und Stärke gab, um das Gleiche zu tun, wuchs das menschliche Gehirn immens an, und der Mensch
wurde nicht nur größer, sondern klüger und aktiver ...“100
Die Schlussfolgerung der Nazis aus dieser imaginären Evolutionsgeschichte, in Wirklichkeit das Produkt
kranker Gehirne, war folgende: Krieg ist langfristig gesehen ein positiver Faktor, weil der Fortschritt der
Menschheit ohne tödliche Konflikte nicht zu bewerkstelligen ist. Wie Hitler und Rosenberg behaupteten auch die
anderen Nazi-Ideologen, die zeitgenössischen Zivilisationen seien in erster Linie durch ständige Kriege ent-
standen. In dieser irrigen Auffassung wurden sie durch zahlreiche damalige Wissenschaftler bestärkt.
Der sattsam als Darwinist bekannte Berliner Universitätsprofessor Ernst Haeckel zum Beispiel pries den an-
tiken militaristischen Staat Sparta, weil die Spartaner, ein angeblich auserwähltes Volk, so erfolgreich und den an-
deren griechischen Stadtstaaten überlegen waren. Er behauptete, dass durch das vorsätzliche Töten ihrer Kinder,
außer den “absolut Gesunden und Lebenskräftigen“, die Spartaner ständig in voller Kraft und Blüte standen.101
Haeckel hielt derartige Praktiken für durchaus gerechtfertigt. Seiner Meinung nach sollte Deutschland dem spar-
tanischen Vorbild folgen, weil die Tötung körperlich deformierter und kränklicher Kinder “eine vorteilhafte
Praxis sowohl für die getöteten Kinder als auch für die Gesellschaft“ sei. Die Kenntnis der “Empfehlungen“
Haeckels ist wichtig, um die Brüchigkeit des gesamten darwinschen Gedankengebäudes adäquat einschätzen zu
können, innerhalb dessen Vorstellungen von der Gleichheit aller Menschen und der Verpflichtung zu ihrem
Schutz als bloß “traditionelles Dogma“ und als Verstoß gegen die wissenschaftliche Wahrheit gilt. 102 Kein
vernünftiger Mensch würde solchen Unsinn für bare Münze nehmen, aber bedeutende Deutsche glaubten fest
daran.

Adnan Oktar 73
Sterbende und Hungertode
im Konzentrationslager
Auschwitz, wo zwischen
drei und vier Millionen
Menschen getötet wurden.
Die Besessenheit der Nazis
mit der irrigen Idee einer
Herrenrasse, die auf dem
Sozialdarwinismus basiert,
führte zu Millionen von
Unschuldigen, die auf
diese Weise starben.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt lehnte der Sozialdarwinismus moralische
Werte und die durch die Religion verbreitete Tugenden wie Mitleid, Schutzbereitschaft, Zusammenarbeit,
Sympathie und Geduld ab. An deren Stelle setzte er die Pflicht, all jene zu töten, die nicht zu den gesellschaftlichen
Interessen passten, durch Rücksichtslosigkeit und Zerstörung, all jenen Eigenschaften Satans, des großen
Menschenverführers, als höchste Notwendigkeit. Der Hass auf alles Göttliche und Religiöse war das Herzstück der
Feindschaft der Nazis gegen die Juden.
Trotzdem ist in vielen Ländern der Neonazismus wieder aufgelebt, was zeigt, dass die kranke Nazi-Ideologie
noch immer eine Gefahr darstellt. Egal, unter welchem Namen der Sozialdarwinismus daherkommt - die von ihm
befürwortete Lebensweise besteht ausschließlich aus Konflikt, Kampf, Blutvergießen, Krieg, Leid und Furcht. In
Todeslagern wie Auschwitz wurde der Sozialdarwinismus verwirklicht. Der Darwinismus führt zwangsläufig zum
Sozialdarwinismus. In einer Welt, in der er wieder an die Herrschaft gelangt, wird es unvermeidlich ein neues
Auschwitz geben.

74 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Hitler war ein Tyrann, weil er Sozialdarwinist war


Hitler und andere Nazi-Führer empfanden keinerlei Schuldgefühle wegen all der Verbrechen, die sie über
Jahre hinweg begangen hatten. Sie fühlten sich eher wie Helden. Sie hielten sich für eine Art Krieger, die der
Evolution der Menschheit dienten, wofür ihnen spätere Generationen Dankbarkeit zollen würden.
Die brandgefährlichen Ideen, die Hitlers krankhafter Phantasie entsprungen
waren, wurden unter dem Einfluss des Sozialdarwinismus verwirklicht. Gemäß
dieser Ideologie waren die Konzentrationslager nicht Gefängnisse, wo
Unschuldige gefoltert und ermordet wurden, sondern Quarantänestationen, in
denen Kranke, Schwache und unerwünschte Elemente weggesperrt wurden, um die
Herrenrasse zu schützen. Auf diese Weise ist der Darwinismus als eine
Pseudowissenschaft in die Geschichte eingegangen, die in Wirklichkeit zur
Ideologie eines Weltkriegs und Völkermords von nie da gewesenem
Ausmaß wurde. Hitler selbst steht in den Geschichtsbüchern als ein
Tyrann, der einer Pseudowissenschaft verfallen war.

Drei Jugoslawen, die die deutschen Besatzungstruppen


1940 töteten und öffentlich zu Schau gestellt haben.

Adnan Oktar 75
EINE SCHÄNDLICHE FASCHISTISCHE KOALITION:
DARWIN – HAECKEL – HITLER

Ernst Haeckel, der führende Vertreter von Charles Darwin und dem Sozialdarwinismus in Deutschland,
machte nach der Lektüre des Der Ursprung der Arten folgenden Kommentar:
... [Ich] fand in Darwins großartiger vereinheitlichter Auffassung der Natur und in seiner überwältigenden
Grundlage für die Evolutionsdoktrin die Lösung aller Zweifel, die mich seit dem Beginn meiner biologischen
Studien gequält haben.1

Haeckel stellte sich vor, dass das Buch Darwins alle seine Zweifel zerstreute, aber er war natürlich im Irrtum.
Die Evolutionstheorie, die unter den primitiven Bedingungen dieser Zeit entwickelt wurde, war nicht in der
Lage, eine gültige, folgerichtige und (sogar noch wichtiger) wissenschaftliche Erklärung abzugeben, wie das
Leben entstand. In dem Buch The Wonders of Life fasste Haeckel alle seine irrationalen Ansichten bezüglich der
menschlichen Rassen, die er auf der Grundlage des Darwinismus entwickelt hat, zusammen.
Obwohl die großen Unterschiede in geistigen Leben und der Zivilisation der höheren und niedrigeren Rassen
der Menschen allgemein bekannt waren, sind sie als Gesetz unterschätzt und dadurch der Wert des Lebens
auf verschiedenen Stufen falsch bewertet worden . … [Die] niedrigen Rassen (wie die Veddas oder australis-
chen Neger) befinden sich psychologisch näher zu den Säugetieren (Affen und Hunde) als zu den zivilisierten
Europäern; wir müssen deshalb ihren Leben einen völlig anderen Wert zuordnen. … Der Abgrund zwischen
[dem] gedankenvollen Verstand der zivilisierten Menschen und der gedankenlosen tierischen Seele der
Wilden ist enorm – größer als der Abgrund, der letztere von der Seele eines Hundes trennt. 2

Diese Behauptungen Haeckels waren bar jeder wissenschaftlichen Grundlage. Trotzdem wurden seine
Überzeugungen von vielen Menschen als wissenschaftliche Tatsache hingenommen. Haeckel entwickelte auch
eine Art materialistischen Glaubens aus der Evolutionstheorie, dem
er den Namen Monismus gab. Diese irrige Idee verwarf gänzlich die
Existenz der Seele und reduzierte alles auf Material. Haeckel schrieb:
... wir sind erstmalig in der Lage, die Einheit der Natur zu be-
greifen … [so können wir eine] mechanisch-kausale Erklärung
von den kompliziertesten organischen Phänomenen haben,
…[und dass es] eine Unterscheidung zwischen belebten und un-
belebten Körpern nicht existiert. ... [Alle natürliche Phänomene,
ob] ein Stein … in die Luft geworfen … [oder] Schwefel und
Quecksilber … [reagieren] und einen Zinnoberbarren bilden … [es
sind] nicht mehr und nicht weniger mechanische Erscheinung des
Lebens, wie das Wachsen und Blühen von
Pflanzen, wie die Fortpflanzung von Tieren
oder die Aktivität ihrer Sinne und wie die
Erfassung oder Bildung von Gedanken im
Menschen. 3

In Wirklichkeit betrügt sich Haeckel selbst, indem


er sich vorstellt, dass er die Antwort zu vielen
Fragen von einem materialistischen Standpunkt
aus fand. Der materialistische Standpunkt, dass es
keinen Unterschied zwischen belebten und un-
belebten Körpern gäbe und dass alles seine mecha-
nische Erklärung hat, erhielt durch den

Nazi doctors blindly carried out eugenic practices. Instead


of saving lives, they caused the deaths of millions.

76 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

wissenschaftlichen Fortschritt und durch die im 21. Jahrhundert durchgeführten Forschungen einen schweren
Schlag, wodurch sein angeblicher wissenschaftlicher Unterbau gänzlich widerlegt wurde. Jede neue
Entdeckung, jeder wissenschaftliche Fortschritt hat die Tatsache enthüllt, dass das Universum ein perfektes
Produkt der Schöpfung ist. Das Universum ist nicht ewig noch unendlich, wie es uns die Materialisten glauben
machen wollten, und es entstand nicht als das Ergebnis von mechanischen Entwicklungen und Einflüssen. Gott
erschuf das Universum und alles darin Befindliche und wenn die von unserem Herrn bestimmte Zeit kommt,
wird das Universum so wie alle menschlichen Wesen und andere Existenzen, zu einem Ende kommen.
Wegen seiner materialistischen Art zu denken verwarf Haeckel jedoch die Göttlichen Religionen und die
Humanität und das Mitleid, welche durch die Werte der religiösen Moral kundgetan wurden. Er rühmte die
“künstliche menschliche Auswahl“, wie sie von den Spartanern (Bewohner des griechischen Stadtstaates, der
im 9. Jahrhundert v.Chr. gegründet wurde, welcher Kunst, Philosophie und Literatur ablehnte und lediglich auf
militärische Macht aufgebaut wurde) durch die Verteidigung einer unmenschlichen Rassenhygiene praktiziert
wurde. In der Zeit der Spartanern wurden unter einem besonderen Gesetz Neugeborene eingehend untersucht
und schwache, kranke oder Kinder mit physischen Defekten erbarmungslos getötet. Nur starke und vollkom-
men gesunde Kinder hatten die Erlaubnis zu leben. Haeckel verteidigte diese unmenschliche spartanische
Praxis, welche die Ermordung von unschuldigen Babies vorsieht. 4
Haeckel antwortete seinen Kritikern auf diese Weise:
Was nützt der Menschheit die künstliche Erhaltung und das Großziehen von tausenden von Krüppeln,
Taubstummen, Irren etc. die jedes Jahr mit einer vererbbaren Bürde von unheilbaren Krankheiten geboren
werden?5

Ohne Zweifel ist der von Haeckel vorgeschlagene logische Rahmen unmenschlich. Nach ihm sollten Gefühle
von Liebe, Mitleid und Zuneigung nur jenen entgegengebracht werden, die von Nutzen sind. Diese egoistische
Haltung blühte unter den Einflüssen des Materialismus und Darwinismus. Menschen, die jedoch nach den re-
ligiösen Moralwerten leben, fühlen für den Bedürftigen Mitleid und versuchen ihn zu beschützen, selbst wenn
sie dadurch nichts zu gewinnen haben. Das ist wahre Menschlichkeit. Es ist z.B. im Quran überliefert, dass
wahre Gläubige Essen den Armen, Gefangenen und Bedürftigen vor sich selbst anbieten, und dass sie dies nur
tun um den Wohlgefallen Gottes zu gewinnen:

Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der
Nahrung selbst bedürfen. “Seht, wir speisen euch um Gottes willen. Wir wollen weder
Belohnung von euch noch Dank.” (Sure 76:8, 9 – al-Insan)

Andererseits behaupteten die Monisten unter der Führung von Haeckel, dass nicht alleine die physischen
Eigenschaften sondern auch der Charakter von genetischen Defekten abstammen kann und bestanden darauf,
dass jeder, der Mängel aufweist, eliminiert werden sollte.
Haeckels Buch spielte eine wichtige Rolle bei der Annahme des Rassenreinheitsprogramms der Nazis. Wilhelm
Bölsche, Haeckels Student and Biograph übermittelte die sozialdarwinistischen Ideen Haeckels direkt an
Hitler. Darüber hinaus wurde das Archiv für Rassen und Gesellschaftsbiologie (veröffentlicht von 1904 bis 1944)
die wichtigste Zeitung für die Verbreitung der Lügen der Rassenreinheit und der falschen Naziwissenschaften
und druckte regelmäßig Auszüge aus den gefährlichen Schriften von Haeckel. 6
In Worten des Historikers Daniel Gasmann:
Hitlers Ansichten über Geschichte, Politik, Religion, Christentum, Natur, Rassenreinheit, Wissenschaft, Kunst
und Evolution fällt sich obwohl eklektisch und trotz Vielfalt der Quellen, in den meisten Teilen mit Haeckel
zusammen und wurden nicht nur gelegentlich mit den gleichen Worten ausgedrückt.7

Haeckel verteidigte den Selbstmord und die Euthanasie. Nach ihm entstand ein menschliches Wesen einzig
und allein als Ergebnis der Sexualbeziehungen zwischen der Mutter und dem Vater. Aus diesem Grund kann
diese Person es auch verlieren, wenn das Leben belastend wurde:
Wenn dann die Lebensumstände zu stark auf das arme Wesen drücken und es sich ohne eigene Schuld aus
dem befruchteten Ovum entwickelte, aber anstatt des erwarteten Guten nur Pflege und Not, Krankheit und

Adnan Oktar 77
jede Art Elend folgten, hat es das unbestreitbare Recht, seinem Leiden durch den Tod ein Ende zu setzen. …
Der Freitod, durch den ein Mensch den unerträglichen Leiden ein Ende setzt, ist wirklich ein Akt der
Erlösung.8

Jedoch entstehen Menschen nicht als Ergebnis eines blinden Zufalls. Gott hat sie erschaffen und hinter der men-
schlichen Schöpfung gibt es einen Grund, der im Quran offenbart wurde:

Und die Dschinn und die Menschen habe Ich nur dazu erschaffen, dass sie Mir dienen.
(Sure 51:56 – adh-Dhariyat)

Die Menschen sind für ihre Handlungen während ihres ganzen Lebens verantwortlich und müssen im Jenseits
für jeden Moment Rechnung ablegen. Menschen wie Haeckel, die andere zum Selbstmord und Mord aufs-
tacheln, laden zweifelsfrei eine schwere Verantwortung auf sich, für die sie nicht in der Lage sein werden,
Rechenschaft abzugeben.
Haeckel behauptete in seinem Buch Die Lebenswunder, dass Neugeborene taub und bewusstlos wären (was
nicht der Fall ist) und deshalb keine menschliche Seele hätten. Beruhend auf dieser unwissenschaftlichen
Behauptung verteidigte er die Tötung von abnormalen Neugeborenen und empfahl, dass dies vernünftiger-
weise nicht als Mord eingestuft werden dürfte. Wie wir sahen, verteidigte Haeckel offen den Mord und stiftete
sein Umfeld zum Morden an.
Haeckel war genügend herzlos um nicht nur die freiwillige Euthanasie sondern auch ihr zwangsweises Äquiv-
alent zu verteidigen. Er drückte seinen Ärger über dieses Thema mit folgenden Worten aus:
“Hunderttausende Unheilbare – Verrückte, Aussätzige, Krebskranke, etc. werden künstlich am Leben gehal-
ten … ohne den geringsten Vorteil für sich selbst oder die Öffentlichkeit.“ 9

Die von ihm vorgeschlagene Lösung war folgende:


... die Erlösung von diesem Übel sollte mit einer Dosis schmerzlosen und rasch wirksamen Giftes erfolgen …
unter der Kontrolle einer vertrauenswürdigen Kommission.10

Die von ihm unterstützte Grausamkeit hatte in Deutschland äußerst schädigende Auswirkungen. Die
Forschung von Haeckel ebnete den Weg zu dem Euthanasieprogramm T4, unter dem ca. 300.000 geistig
Behinderte, körperlich Verunstaltete, Unheilbare und sonstige “unerwünschte Personen“ brutal ermordet wur-
den.
Die Grausamkeit von Haeckel und die von Hitler ermutigten und gestatteten Tötungen hatten nur einen
Ursprung: Sozialdarwinismus.
Die Rassenhygiene, Euthanasie, Zwangssterilisierung, Konzentrationslager, Rassenreinheit und Gaskammern
in der Mitte des 20. Jahrhundert entstanden als ein Ergebnis der Darwin-Haeckel-Hitler Koalition und
beschreiben die brutalste Grausamkeit in der Geschichte der Menschheit.

1. Quoted in Daniel Gasman, The Scientific Origins of National Socialism: Social Darwinism in Ernst Haeckel and the German
Monist League (London: MacDonald, 1971), S. 6. MacDonald, 1971), S. 6.
2. Ernst Haeckel, The Wonders of Life: A Popular Study of Biological Philosophy, trans.Joseph McCabe (New York: Harper &
Brothers, 1905), S. 390-91.
3. Ernst Haeckel, The History of Creation, trans.E.Ray Lankester (New York: D. Appleton, 1901), 1.23.
4. ebd., 1.75-76.
5. Benjamin Wiker, Moral Darwinism: How We Became Hedonists (Intervarsity Press, 2002), S. 260.
6. Robert Jay Lifton, The Nazi Doctors (New York: Basic Books, 1986), S. 441, 161.
7. Gasman, Scientific Origins, S.161.
8. Haeckel, Wonders of Life, S. 112-14.
9. ebd., 118-19.
10. ebd., S.119.

78 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Lastwägen, voll mit skelettartigen


Körpern waren Teil des täglichen
Lebens in Nazi-Deutschland.
Millionen von unschuldigen Polen,
Zigeunern und Juden, von den
Nazis als “minderwertige Rassen“
angesehen, wurden in solchen
Lagern ermordet.
Bücher wie A Gypsy in Auschwitz (Ein Zigeuner in Auschwitz); Shared Sorrows: A
Gypsy Family Remembers the Holocaust (Geteilte Sorgen: Eine Zigeunerfamilie erinnert sich an den Holocaust); und
The Nazi Persecution of the Gypsies (Die Nazi-Verfolgung der Zigeuner) sind einige wenige Werke, die die Verfolgung
der Zigeuner durch die Nazis offenlegen.

Adnan Oktar 79
SOZIALDARWINISTISCHE STERILISATIONS- UND
EUTANASIEGESETZE

ine weitere auf den Sozialdarwinismus zurückgehende Praxis war die Eugenik, eine sogenannte

E Wissenschaft, die mit Züchtungsmethoden “bessere“ Menschen erzeugen wollte. Der Begriff wurde 1883 er-
stmals verwendet von Darwins Vetter Francis Galton und ist eine Zusammensetzung der griechischen
Wörter “eu“ (gut) und “genet“ (Geburt). Zusammengeschrieben, bedeutet das so entstandene Wort etwa
“Gutgeburt“ oder “genetisch gesund“. Doch im Gegensatz zu seiner linguistischen Bedeutung bedeutet es in der
Praxis barbarische Grausamkeit.
Die Verfechter der Eugenik behaupteten, dass ihre eigene Rasse oder Klasse geschützt und verbessert werden
müsse, wohingegen andere Rassen der “künstlichen Selektion“ unterworfen werden müssten. Laut Galton galt er-
steres aber nur für die britische Oberklasse. Deshalb trat er dafür ein, die Armen, Kranken, Schwachen und
Ungebildeten an der Vermehrung zu hindern.
Die Nazis behaupteten ihrerseits, alle nicht gesunden Arier seien eine Last für den Staat und müssten deshalb
durch Sterilisation oder Sterbehilfe eliminiert werden, und das setzten sie auch hemmungslos in die Tat um.
Einerseits wurden Hunderttausende im Rahmen ihrer Eugenik-Politik sterilisiert, andererseits wurden weitere
Hunderttausende getötet, weil sie krank, verkrüppelt, geistig behindert, alt, unausgebildet oder familienlos waren.
Entweder wurden sie in die Gaskammern geschickt, vergiftet oder man ließ sie einfach verhungern.
Die Verfechter der Eugenik gehen davon aus, dass die meisten Charaktermerkmale eines Menschen vererbt wer-
den. Das gilt ihrer - vor allem Galtons - Meinung nach auch für unerwünschte “Charaktereigenschaften“ wie
Faulheit und Armut. Unter der Annahme, dass faule Eltern auch faule Kinder zeugen, versuchten sie zunächst,
entsprechende Männer und Frauen an der Heirat zu hindern.
Die auf den Darwinismus zurückgehende Eugenik verursachte unendlich viel Leid. Wenn man ihre
Entwicklung betrachtet, versteht man besser, auf welch unhaltbaren theoretischen Voraussetzungen sie beruhte.
Deshalb muss man untersuchen, welche Haltung Darwin selbst dazu einnahm. Vorweg sei gesagt: Er hat sie er-
mutigt und unterstützt. Die Ursprünge der Eugenik reichen zurück bis zu Platons Politeia (Der Staat), aber erst durch
den Darwinismus bekam sie ihren wissenschaftlichen Anstrich und galt als eigene Wissenschaftsdisziplin. Karl
Pearson, über dessen Rassismus wir schon gesprochen haben, war stark von Galton beeinflusst und machte keinen
Hehl daraus, dass die Eugenik undenkbar sei ohne die Evolutionstheorie Darwins:
Die moderne Eugenik ist im 19. Jahrhundert entstanden. Das wachsende Interesse an der Eugenik in diesem
Jahrhundert hat verschiedene Wurzeln. Die wichtigste war dabei die Evolutionstheorie, denn Francis Galtons
Vorstellungen von Eugenik - er hat den Begriff geprägt - war eine logische Weiterentwicklung der Theorie seines
Vetters Charles Darwin.103

80 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Ein Foto von 1914


aus einer Eugenik-
Trainingsklasse.

Darwins Vermächtnis an seinen Vetter Galton: Eugenik


Die theoretischen Grundlagen der Eugenik wurden von Malthus und Darwin gelegt. Der Aufsatz von
Malthus, für Darwin der Quell der Inspiration, enthielt bereits die Grundideen, aus denen später die Eugenik her-
vorging. Malthus behauptete, Menschen könnten sich nach den gleichen Methoden vermehren, die in der
Tierzucht angewendet werden:
“Es scheint jedoch nicht ausgeschlossen zu sein, dass bei einiger Achtsamkeit bestimmte in der Tierzucht ange-
wandte Methoden auch auf Menschen anwendbar sein könnten. Ob dies bei der Übertragung des
Denkvermögens möglich ist, mag zweifelhaft sein. Aber Größe, Stärke, Schönheit, Aussehen und eventuell sogar
Langlebigkeit sind gewiss in bestimmten Maßen übertragbar.“104
Aus dieser und vielen anderen Textstellen bei Malthus geht zweifelsfrei hervor, dass er menschliche Wesen
nur als höhere Tiere verstand. Genau das war der Grundgedanke, den Darwin aufgriff und aus dem er seine
Thesen entwickelte, die wiederum zur Voraussetzung der Eugenik wurden. In seinem Buch Die Abstammung des
Menschen drückte er seine Besorgnis darüber aus, dass infolge bestimmter sozialer Praktiken die Schwachen nicht
ausgesondert würden und dadurch eine rückwärts gewandte biologische Entwicklung eintreten könne. Laut
Darwin werden in der Natur die mängelbehafteten Exemplare einer Gattung mehr oder weniger schnell ausge-
merzt. Deshalb sei es ein schwerer Fehler, mangelhaft ausgestattete menschliche Individuen in einer zivilisierten
Gesellschaft durch Fürsorge und Medikamente am Leben zu erhalten. Man solle besser dem Beispiel von
Tierzüchtern folgen und durch künstliche Selektion auch in menschlichen Gesellschaften die Schwachen und
Kranken eliminieren:
Niemand, der weiß, wie Tiere gezüchtet werden, wird bezweifeln, dass solche Methoden, auf Menschen ange-
wandt, menschenverachtend sind. Es ist überraschend, wie schnell ein Mangel an Fürsorge oder falsch ange-
wandter Fürsorge bei der Tierzucht zu Degeneration führt. Doch mit Ausnahme des Menschen selbst dürfte wohl
kaum jemand so ignorant sein, seinem schlimmsten Feind im Tierreich die Fortpflanzung zu erlauben.105

Bei den Wilden werden die körperlich und geistig Schwachen schnell ausgesondert, während die überlebenden
Exemplare normalerweise bei guter Gesundheit bleiben. Andererseits unternehmen wir zivilisierten Menschen
alles Mögliche, um den Prozess der Eliminierung zu steuern: Wir bauen Pflegeheime für Behinderte, Krüppel und
Kranke. Wie erlassen Armenschutzgesetze, und unsere Ärzte geben bis zuletzt ihr Bestes, um Menschenleben zu
retten - mit dem Ergebnis, dass die Schwachen innerhalb der Gesellschaft sich fortpflanzen können106
Diese Aussagen wurden zur ideologischen Grundlage für Rassismus, Eugenik und Militarismus und verur-
sachten schließlich grauenhafte menschliche Katastrophen. Gegen Ende seines Buches Die Abstammung des
Menschen hin stellt Darwin noch eine Reihe weiterer unwissenschaftlicher Thesen auf, wie zum Beispiel, dass der
Kampf ums Überleben die Humanität befördere, dass die Begabteren in diesem Kampf erfolgreicher seien als die

Adnan Oktar 81
Nach den Eugenikern müssten die älteren Leute
als schwache Individuen eliminiert werden.
Diesen Menschen wurde weder Respekt noch
Liebe gezeigt und man glaubte daran, dass sie aus
der Gesellschaft entfernt werden müssen.

weniger Begabten und dass ohne diesen Kampf die Menschen in Trägheit versinken würden.107
Mit solchen Thesen hat Darwin die Grundlagen für die Anwendung der Eugenik geschaffen. Die
Evolutionstheorie, als wissenschaftlich geltend, hat zu einer Politik der Eugenik und des Rassismus geführt, die
akzeptiert und verwirklicht wurde.

Eugenik in Großbritannien
Wie schon erwähnt, war der Begründer und Anführer der Eugenik Darwins Vetter Galton. Aber auch Darwins
eigener Sohn, Leonard Darwin, gehörte zum Kreis der britischen Eugenik-Verfechter. Später reihte sich übrigens
auch Winston Churchill in diesen Kreis ein.108
Galton behauptete, das Prinzip des “Überlebens des Stärkeren“ müsse ergänzt werden dadurch, dass nur die
Stärksten an der Welt teilhaben dürften. Ihm zufolge war die Menschheit an einem Punkt angelangt, an dem sie Herr
ihrer eigenen Evolution geworden sei und selbst eine Herrenrasse entwickeln könne. Galton formulierte offen
seinen Glauben an eine überlegene Herrenrasse und eine Herrenklasse. Schwarzen sprach er einen von vornherein-
niedrigen Grad von Intelligenz zu:
“Die Anzahl der Neger, die man als nur halbintelligent bezeichnen muss, ist sehr groß. Jede Publikation über
Negerbedienstete in Amerika ist voll von Beispielen dafür. Ich selbst habe dies während meiner Reisen durch Afrika
jedes Mal bestätigt gefunden. Die Fehler, die die Neger selbst in ihren eigenen Angelegenheiten machten, waren so
kindisch, dumm und tölpelhaft, dass ich mich manchmal für meine eigene Gattung schämte.“109
Galton ging so weit, zu behaupten, dass bestimmte Hunderassen intelligenter seien als manche
Menschenrassen.110 Aber bei seiner Beurteilung von Schwarzen und Sklaven hat er einen wichtigen Punkt überse-
hen: Dass nämlich die meisten Bücher über Sklaven von weißen Sklavenhaltern geschrieben wurden. Hinzu kommt,
dass die Sklaven in eine Gesellschaft eingesogen wurden, die ihnen völlig fremd war, in eine Kultur, die sie nicht
verstehen konnten. Natürlich erschien den weißen Herren ihr Verhalten deshalb als unwissend. Keine Frage, dass
ein Weißer, der in einem afrikanischen Dorf leben müsste, exakt die gleichen Probleme der Anpassung und
Einordnung hätte.
Darüber hinaus haben Galtons abenteuerliche Behauptungen über Schwarze keinerlei wissenschaftlichen Wert,
sondern stützten sich ausschließlich auf Spekulationen verschiedener Pseudowissenschaftler, die im damaligen wis-

82 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

senschaftlichen Primitivismus tätig waren und eine Gehirnwäsche im Geist des Materialismus durchlaufen hat-
ten.
Undurchdacht und vorurteilsbeladen, wie er war, vertrat Galton noch weitergehende waghalsige Thesen.
Zum Beispiel forderte er, dass alle Individuen einer Gesellschaft mit zu geringer Intelligenz daran gehindert wer-
den sollten, sich zu vermehren, während man die Intelligenteren dazu ermuntern solle - all das, um den
gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern. Andernfalls käme es zum gesellschaftlichen Kollaps. Offensichtlich ist
es in Wirklichkeit genau umgekehrt: Zu einem gesellschaftlichen Kollaps kommt es nämlich genau dann, wenn
die Forderung Galtons und seinesgleichen verwirklicht werden. Denn sie laufen hinaus auf Massaker, Gewalt
und Krieg. In einem Vortrag am Huxley Institute im Jahr 1901 behauptete Galton: “Das Denkvermögen unserer
Nation liegt in unseren höheren gesellschaftlichen Klassen.“ 111 Keineswegs überraschend forderte er deshalb,
dass Kinder aus diesen Klassen identifiziert und ihre Familien für sie mit 1000 Pfund belohnt werden sollten.
Weiter schlug er vor, dass Frauen aus der Oberschicht mindestens eine weitere Tochter und einen weiteren Sohn
gebären sollten.112
Galtons Überzeugung, dass eine Vergrößerung der Oberschicht zu sozialem Fortschritt führen würde, war
unlogisch und unwissenschaftlich. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die dies bewirken. Die wichtigsten sind
jene moralischen Werte und Tugenden, mit denen die Gesellschaft wirklich aufwächst und lebt. Nur eine
Gesellschaft, deren Mitglieder über klare moralische Werte und Tugenden verfügen, wird sich schnell und dauer-
haft entwickeln. Derartiges ist jedoch nicht genetisch übertragbar. Wenn jemand möchte, dass sich seine
Gesellschaft nach vorn entwickelt, muss er seine Aufmerksamkeit der geistigen Stärkung der Individuen widmen
und zwar durch verschiedene kulturelle und erzieherische Maßnahmen. Galton und seinesgleichen jedoch woll-
ten die Anzahl der Reichen steigern und jene der Armen senken, indem sie menschliche Wesen buchstäblich als
Tiere behandelten in all jenen Ländern, wo sie Einfluss hatten. Dabei schreckten sie nicht zurück vor
entsprechend begründeten Morden und unvorstellbarer Grausamkeit und unbeschreiblicher Ignoranz.
Auf Galtons Vorschlag hin begann die Verwirklichung der Eugenik in Großbritannien mit der
Geburtenkontrolle. Diese Maßnahme zielte jedoch ausschließlich ab auf Angehörige der sozialen Unterschicht
und Angehörige der angeblich minderwertigen Rassen.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts galt die Tatsache, dass die Größe der Unterschicht stieg,
während die der Oberschicht sank, als Bedrohung. Im Jahr 1925 schrieb deshalb Julian Huxley im Magazin
Nature:
“Der Anteil der Erwünschten sinkt, der Anteil der
Galton macht eine unlogische und er-
Unerwünschten steigt. Wir müssen diese Situation in folglose Studie, um die allgemeinen
den Griff bekommen.“113 genetischen Merkmale von Kriminellen
auf Grund von Fingerabdrücken und
Den Eugenikern zufolge war der erste Schritt,
Gesichtsform festzustellen.
um ein Gleichgewicht zwischen “Erwünschten“
und “Unerwünschten“ herzustellen, die sogenan-
nte Rassenhygiene. Zunächst ging es darum, zu
definieren, wo Rassenhygiene angebracht war
und wo nicht. Es wurde dabei zu schier
unglaublichen Kriterien gegriffen. In
Großbritannien und den USA begann man damit,
die Schädelgröße zu vermessen. Unter Galtons
Federführung versuchte man daraus auf den
Intelligenzgrad der Betroffenen zu
schließen. Wie spätere wissenschaftliche
Forschungen jedoch ergeben haben,
besteht keinerlei Zusammenhang zwis-
chen Schädelgröße und Intelligenzgrad.
Im Anschluss an diese
Schädelvermessungen begann man
damit, Intelligenztests einzuführen. Je nach
Ergebnis wurde entschieden, ob die betref-

Adnan Oktar 83
fenden Personen sterilisiert oder unter lebenslange staatliche Aufsicht gestellt werden sollen. Es dauerte jedoch
einige Zeit, bis man feststellen musste, dass die Ergebnisse dieser Intelligenztests unzuverlässig waren. Dies war
nichts anderes als Ausdruck der mangelhaften wissenschaftlichen Methodik der damaligen Zeit. Faktoren wie
Sozialisation und Ausbildung der Probanden wurden schlicht vernachlässigt. Untersucht wurde nur die direkt
abfragbare intellektuelle Leistung. Jedenfalls waren die Ergebnisse dieser Methoden völlig unzureichend, verhin-
derten aber nicht, dass Arme, Kranke und Schwarze als minderwertig und unterlegen qualifiziert wurden.

Eugenik in den USA


Nach dem Tod Galtons verlagerte sich das Zentrum der Eugeniker in die USA. Die bekanntesten Erben Galtons
wurden Henry Goddard, Henry Fairfield Osborn, Harry Laughlin und Madison Grant.
Ganz oben auf der Liste der Eugenik-Unterstützer in den USA standen das Rockefeller Institute und die
Carnegie Foundation. Das Rockefeller Institute finanzierte wiederum das Kaiser-Wilhelm-Institut, das in
Deutschland federführend in der Eugenik-Forschung war und 1920 sogar ein eigenes Gebäude für die
Forschungsarbeit von Professor Ernst Rüdin baute, einem besonders hartnäckigen Anhänger der Rassenhygiene.
Auch das Mental Hygiene Movement in den USA wurde finanziell massiv vom Rockefeller Institute unterstützt.
Selbst der Nobelpreisträger Alexis Carrel am Rockefeller Institute applaudierte erfreut zu den Schandtaten der
deutschen Eugeniker und hatte keine Einwände gegen die Massenmorde an Geisteskranken und
Gefängnisinsassen.114
Der Einfluss der Eugeniker führte zur Verabschiedung von Zwangssterilisationsgesetzen in einer ganzen Reihe
amerikanischer Bundesstaaten. Insgesamt 100.000 Menschen wurden, meist gegen ihren eigenen Willen,
zwangssterilisiert. Dafür möge ein Beispiel genügen: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden allein im Bundesstaat
Virginia 8000 “ungeeignete“ Personen zwangssterilisiert. In manchen Bundesstaaten wurde die Zwangssterilisation
bis 1974 praktiziert.115
Einer der führenden amerikanischen Eugeniker war Charles B. Davenport, bekannt als Verfasser von Artikeln,
in denen die Verbindung von Darwinismus mit Genforschung propagiert wurde. Doch seine darin formulierten
Forderungen stützten sich nur auf neue unhaltbare Thesen. 1906 beharrte er, dass die American Breeders'
Association Untersuchungen über Eugenik durchführte. gründete er das Eugenics Record Office (ERO), das bis zu
13-29 % seines Budgets bereitstellte für die “Station for Experimental Evolution“ (Station für experimentielle
Evolution). Diese Einrichtung war damit finanziell wesentlich besser ausgestattet als so manch andere
Forschungseinrichtung dieser Zeit. Es bildete eine ganze Reihe von
Propagandisten für die Eugenik aus. Seine Studenten wurden zu Spezialisten
für die Durchführung und Bewertung von Intelligenztests, wie zum Beispiel
Stanford-Binet-Test, die in eugenischer Praxis häufig benutzt werden.116
Die Studenten am ERO waren auch damit beauftragt, in ihrem jeweiligen
Arbeitsfeld Statistiken anzulegen, mit deren Hilfe das ERO versuchte, seines
Erachtens nach zum Heiraten und Kinderzeugen ungeeignete Paare an der
Ehe zu hindern. 1924 legte das ERO eine Sterilisationsentwurf vor, in dem
vorgeschlagen wurde, Menschen zu sterilisieren, die verdächtig waren, krank
zu sein.
Vor Vernunft und Gewissen ist es nicht zu verantworten, Menschen gegen
ihren Willen zu sterilisieren. Menschen mit Erbschäden, Krankheiten und kör-
perlichen und geistigen Behinderungen müssen Zuneigung und Mitleid ent-
gegengebracht werden. In Gesellschaften, in denen religiöse, moralische
Werte gelten, werden solche Menschen geschützt und ihre Bedürfnisse so gut
wie möglich befriedigt. Es ist Barbarei, Menschen zu zwangssterilisieren, nur
weil Eugeniker glauben, sie verfügten über “kriminelle Energie“. Man kann
ihnen helfen durch geeignete Kulturprogramme und sie zu nützlichen
Mitgliedern der Gesellschaft machen. Selbst bei Menschen, denen nur schwer

Die Universität von Heidelberg ehrte H. Laughlin, einen prominenten Eugeniker für
sein Werk über “Die Wissenschaft der Rassenhygiene“. Dieser Zeitungsausschnitt
zeigt den fraglichen Bericht.

84 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

The New York Eugenics Record Office


(ERO) und Charles B. Davenport

zu helfen ist, muss die bestmögliche


und ethisch vertretbare Lösung
gesucht werden, statt sie zu elim-
inieren.
In den späteren Jahren machte
ihr Menschenverstand den
Amerikanern klar, dass Eugenik nur
eine verschleierte Form der Barbarei
ist, weshalb die notwendigen
Maßnahmen ergriffen wurden, um dem
Einhalt zu gebieten. Aber zu diesem
Zeitpunkt hatten die Nazis bereits die amerikanis-
chen Gesetze als Vorbild übernommen und verschärft, sodass
es in Deutschland zur Zwangssterilisation von zwei
Millionen Menschen kam.117
Wie die angeführten Beispiele deutlich zeigen, beab-
sichtigen alle Falschheiten des Sozialdarwinismus strotzende
trügerische Propaganda, die Menschen gefühllos gegeneinan-
der zu machen und Sympathie und Mitleid aus ihren Köpfen zu vertreiben, damit sie sich gegenseitig im
wörtlichen Sinn wie Tiere behandeln. Dies ist das genaue Gegenteil jener Tugenden, zu denen uns die religiösen,
moralischen Werte verpflichten. Der Quran verlangt von uns, sich um die Schwachen und Bedürftigen zu küm-
mern, die Kranken zu schützen und jenen zu helfen, die niemanden mehr haben. Gott fordert von uns, ganz gle-
ich in welcher Situation, dass wir das Wohlbefinden anderer höher bewerten als unser eigenes, dass wir geduldig
und altruistisch sind. Für alle, die Gutes tun, indem sie Geduld üben, hat Gott eine frohe Botschaft:
Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung
selbst bedürfen: "Seht, wir speisen euch um Gottes willen. Wir wollen weder Belohnung von
euch noch Dank. Seht wir fürchten einen finsteren, unheilvollen Tag von Seiten unseres
Herrn." Darum wird Gott sie vor dem Übel dieses Tages bewahren und ihnen Licht und Freude
gewähren und Er wird sie für ihre Standhaftigkeit mit einem Garten und (Kleidern aus) Seide
belohnen. (Sure 76:8-12– al-Insan)

Eugenik in Nazideutschland
Die Hitler-Biographie von Ian Kershaw (1998)
zeigt auf, wie eng die Verbindung zwischen
Sozialdarwinismus, Eugenik und Faschismus in
den 1920er Jahren tatsächlich war:
“Integraler Nationalismus, Nationalsozialismus,
Sozialdarwinismus, Rassismus, biologistischer
Antisemitismus, Eugenik und Elitarismus ver-

Die angebliche wissenschaftliche Basis der Eugenik


ist die Evolutionstheorie. Ein Poster, auf welchem die
Eugeniker den Zusammenhang zwischen Eugenik und
Evolution hervorheben.

Adnan Oktar 85
Die American Eugenics
Association gab
Unterricht auf
staatlichen Messen und
hielt Wettbewerbe ab,
bei denen die
“tauglichste“ Familie
gewählt wurde.

mengten sich in unterschiedlichem Maß...“118


Dr. Robert Youngson, Wissenschaftshistoriker, kommt zum Ergebnis, dass der Eugenik-Gedanke, obwohl ein
eminenter wissenschaftlicher Fehler, die geistige Grundlage der Nazimorde war:
“Der tragisch-grauenvolle Höhepunkt der Eugenik war zweifellos Adolf Hitlers Versuch, eine “Herrenrasse“ zu
schaffen durch Ehen zwischen Menschen aus der arischen Rasse einerseits, und der Ermordung von sechs Millionen
anderer Menschen mit angeblich minderwertigem Erbgut andererseits. Es wäre unfair, Galton den Holocaust anzu-
lasten oder die Konsequenzen, die sich aus seiner völlig falschen Theorie später ergaben. Aber zumindest war er der
Architekt der Eugenik, jener Idee, von der Hitler so besessen war. In diesem Sinn muss er allerdings als einer der
größten wissenschaftlichen Blender aller Zeiten gelten.“119
Galtons irrationale und unwissenschaftliche Anschauungen lediglich als wissenschaftliches Blendwerk zu beze-
ichnen, ist allerdings eine allzu wohlwollende Beurteilung. Denn immerhin waren Galtons Auffassungen und die
seiner Nachfolger die geistige Grundlage für vorher noch nie dagewesene Barbarei. Die unvorstellbaren
Katastrophen, die in der Übernahme der sozialdarwinistischen Ideen wurzelten, werden eine unvergessliche
Lektion dafür bleiben, was daraus entstehen kann.
Die Nazis machten das systematische Töten von “minderwertigen, behinderten, fehlerhaften und kranken“
Menschen zu einer Staatsphilosophie, weil solche Menschen angeblich die Reinheit der arischen Rasse
beschmutzten. In den Worten Hitlers:
“... Menschen zu verderben... Auf lange Sicht eliminiert die Natur alle ungesunden Elemente. Man mag abgestoßen
sein von diesem Naturgesetz, das von allen Lebewesen verlangt, sich gegenseitig zu verschlingen. Die Fliege wird
von der Libelle gefressen, die Libelle wiederum von einem Vogel, der seinerseits einem größerem Vogel zum Opfer
fällt ... Die Gesetze der Natur zu kennen, macht es uns möglich, ihnen zu gehorchen.“120
Hitlers unverzeihlicher Denkfehler bestand darin, zu behaupten, man könne Vorgänge, die in der Natur für ein
natürliches Gleichgewicht sorgen, auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Wenn Tiere sich gegenseitig als
Beute betrachten, bedeutet das nicht, dass Menschen sich gegenüber ihren Mitmenschen ebenso verhalten dürfen.
Tiere haben kein Bewusstsein. Menschen hingegen verfügen nicht nur über ein Bewusstsein, sondern auch über ein
Gewissen. Deshalb können sie unterscheiden zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, und sie besitzen

86 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Urteilsfähigkeit. Nur Psychopathen wie Hitler können ernsthaft behaupten, dass sich Menschen wie Tiere im
Überlebenskampf verhalten sollten. Genau das hat nämlich Hitler in folgenden Worten formuliert:
“Wenn ich an einen göttlichen Befehl glauben könnte, so wäre es dieser: “Du sollst die Art erhalten.“ Das Leben
des Einzelnen darf in seinem Wert nicht zu hoch angesetzt werden. Wenn der Einzelne in den Augen der Natur
wichtig wäre, würde sie sich um seinen Erhalt kümmern. Von den Millionen Eiern, die eine Fliege legt, werden
nur einige wenige ausgebrütet - aber trotzdem blüht und gedeiht die Fliegenart.“121
Das Leben eines jeden Menschen hat seinen Wert, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Sprache. Jeder mit
einem Gewissen sollte deshalb alles in seiner Macht Stehende tun, um andere menschliche Lebewesen zu
schützen, ohne Rücksicht auf Rasse oder physische Merkmale. Während des 2. Weltkriegs wurden die aus der
Nazi-Ideologie resultierenden Katastrophen weltweit allen Menschen klar. Aus der Weltsicht Hitlers wurde für
andere Menschen und Völker ein Alptraum, auch für sein eigenes Volk. Die in Deutschland damals weitverbreit-
ete Eugenik ist dafür nur ein Beispiel.

• Der Aufstieg der Eugenik in Deutschland


Im Jahr 1900 finanzierte der deutsche Großindustrielle Alfred Krupp einen Wettbewerb um den besten
Aufsatz zum Thema “Was können wir von den Prinzipien des Darwinismus lernen für die Anwendung auf
Innenpolitik und Gesetzgebung?“
Der 1. Preis ging an Wilhelm Schallmeyer, der Gesellschaft,
Kultur, Moralität und sogar “richtig“ und “falsch“ in Begriffen
des “Kampfes ums Überleben“ interpretierte. Ihm ging es
darum, alle Gesetze in Übereinstimmung mit den darwinistis-
chen Prinzipien zu bringen, um es der weißen Rasse zu ers-
paren, auf das Niveau der australischen Aborigines
abzusinken. Seiner Meinung nach war dies aber unvermei-
dlich, wenn eine Gesellschaft die physisch und geistig
Schwachen in ihrer Mitte schützt. Dr. Alfred Ploetz, jener

Eine große Anzahl von


Kindern blieb ver-
nachlässigt und un-
geliebt, weil sie nicht
von der Arischen
Rasse abstammten und
es wurden häufig
Anstrengungen unter-
nommen, sie zu töten
oder unter verschiede-
nen Vorwänden zu
sterilisieren.

Adnan Oktar 87
Sozialdarwinist, der die Rassenhygiene in Deutschland begründete, gab öffentlich bekannt, dass er Schallmeyers
barbarische Ideen vorbehaltlos unterstütze. Er selbst schlug sogar vor, in Kriegszeiten rassisch minderwertige
Soldaten in die vorderste Frontlinie zu stellen, um so die rassisch reinen Soldaten zu schonen. Dadurch würde eine
Schwächung des rassisch reinen Teils des “Volksganzen“ verhindert. Er ging sogar noch weiter, indem er vorschlug,
bei jeder Geburt sollten Ärzte begutachten, ob das Neugeborene “geeignet“ genug sei, um zu überleben. Ansonsten
solle es getötet werden.122
Derart grauenvolle Vorschläge waren nur die ersten Schritte der Eugenik in Deutschland, noch ehe die Nazis an
die Macht kamen. Am 14. Juli 1933, vier Monate nach den Reichstagswahlen, die die Nazis an die Macht spülten, be-
gann der Siegeszug der Eugenik und der Bewegung der "geistigen Hygiene“ in Deutschland. Bis zu diesem Tag war
die Zwangssterilisation gesetzlich noch verboten, wenngleich illegal häufig praktiziert. An diesem Tag jedoch
wurde sie offiziell erlaubt durch das Gesetz zur Vermeidung von Erbkrankheiten in der Nachkommenschaft, kurz
Sterilisationsgesetz genannt. Architekt dieses Gesetzeswerks war Ernst Rüdin, Professor für Psychiatrie an der
Universität München und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes veröf-
fentlichte Rüdin, zusammen mit Nazijuristen und Experten dazu auch einen Gesetzeskommentar. Dessen
Kernaussage war, die Nation von “rassisch unreinen und unerwünschten Elementen“ zu säubern, um dem Ideal des
rassisch reinen Ariers näher zu kommen.
Hilflose und schutzbedürftige Menschen einer so unmenschlichen Praxis wie der Eugenik zu unterwerfen, kann
nur jenen einfallen, die den Täuschungen des Sozialdarwinismus verfallen sind. Denn all diesen Menschen muss
wegen ihrer Schwäche und Krankheit geholfen werden. Die Nazis jedoch behandelten sie, wie es ihnen passte und
richteten Gräuel unter ihnen an, solange sie an der Macht waren.
Gemäß dem schrecklichen Gesetz, das seit diesem Tag in Nazideutschland Geltung hatte, konnte eine
Sterilisation auch gegen den Willen des Betroffenen durchgeführt werden. Ein niedergelassener Arzt durfte, notfalls
mit Polizeigewalt, ganz legal eine Sterilisation vornehmen. In seinem Buch Into the Darkness: Nazi Germany Today hat
der nazifreundliche Amerikaner Lothrop Stoddard seine Eindrücke von der angewandten Eugenik während seiner
Deutschlandreise wiedergegeben. Ein Beamter der Tuberkulose-Abteilung des staatlichen Gesundheitsamtes sagte
Stoddard Folgendes:
“Welche Behandlung ein Tuberkulose-Patient erfährt, hängt teilweise von seinem sozialen Wert ab. Wenn er ein
wertvoller Staatsbürger und heilbar ist, wird nicht an den Kosten gespart. Falls er erwiesenermaßen unheilbar ist ...
wird nichts mehr unternommen, um sein Leben zu verlängern, weil das sowohl nicht in seinem eigenen wie auch
nicht im Interesse der Gesellschaft liegt. Deutschland kann nur eine bestimmte Anzahl von Menschen innerhalb
eines bestimmten Zeitraums ernähren. Wir Nationalsozialisten sind verpflichtet, nur Individuen mit sozialem und
biologischem Wert zu fördern.“123
Gemäß den moralischen Werten des Islam hingegen haben alle Menschen Anspruch auf ärztliche Fürsorge.
Menschen dem Tod zu überlassen, weil sie nicht wohlhabend genug sind oder krank sind, ist nichts anderes als
Mord, und wenn dies planmäßig und systematisch geschieht, ist es Massenmord.
Der Anwendungsbereich des Nazi-
Sterilisationsgesetzes wurde systematisch aus-
geweitet. Am 24. November 1933 wurde
proklamiert, dass “gewohnheitsmäßige
Verletzer der öffentlichen Moral“ zwangsster-
ilisiert werden müssten. In den folgenden

Beispiele von eugenische Studien des Kaiser Wilhelm


Institutes.

88 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Im Licht der
Nazipropaganda für die
arische Rasse gezeichnete
Plakate. Die Menschen
auf diesen Plakaten, mit
blonden Haaren, langen
Schädeln, schmalen Nasen
und blauen Augen
entsprachen völlig dem
arischen Ideal …
Jahren zeigte sich, dass die schrecklichen Pläne der Nazis sich keineswegs nur auf Zwangssterilisationen beschränk-
ten.
• Die Nürnberger Gesetze
Das Sterilisationsgesetz reichte den Nazis nicht, um ihr Ziel zu erreichen. Um dem Ziel einer “gereinigten“
arischen Rasse näher zu kommen, wurden 1935 die Nürnberger Gesetze erlassen. Diese die Barbarei legalisierenden
Gesetze zementierten das mörderische Vorhaben, die Reinheit der arischen Rasse herzustellen.
Dieses Vorhaben begann damit, dass alle Staatsbediensteten hinsichtlich ihrer Familienstammbäume ausge-
forscht wurden. Alle, die keinen lupenreinen arischen Stammbaum vorweisen konnten, wurden zum Ausscheiden
aus dem Staatsdienst gezwungen. Die Nürnberger Gesetze teilten das deutsche Volk in Staatsuntertanen und voll
anerkannte Staatsbürger mit entsprechenden politischen Rechten. Juden, Zigeuner und andere ethnische
Minderheiten galten als Staatsuntertanen ohne Bürgerrechte. Das Zweite Nürnberger Gesetz “Zum Schutz
deutschen Blutes und deutscher Ehre“ (bekannt als Blutschutzgesetz) sollte die rassische Reinheit der deutschen
Nation sicherstellen.
Nach dem neuen Gesetz war eine Heirat zwischen deutschen Untertanen und deutschen Staatsbürgern
“Rassenschande“, was als Verbrechen geahndet wurde. Zugleich bot das Gesetz eine Grundlage für spätere
Praktiken, um “unerwünschte Subjekte“ zu isolieren.


Schädelmaße, Haarfarbe, Vitalkapazität
und Fingerabdrücke wurden von den
Eugenikern verwendet, um die
“Nichtüberlegenen“ zu identifizieren.

90
Harun Yahya

Hitler war sich der Wichtigkeit der Erbfaktoren für das Nazi-Deutschland
bewusst. Die neue Generation, aufgewachsen im Licht der gewundenen NS-
Propaganda, war vorgesehen, die Anhänger Hitlers zu werden. Die NS-
Propagandaexperten konzentrierten sich hauptsächlich auf die Jugend. Eine
Anzahl von jungen Menschen mit überlegenen physischen Merkmalen,
wurde in spezielle eugenische Lager gebracht, um sie als private Zuchtstätte
zu verwenden. Man glaubte, dass durch diese perverse und un-
moralische Methode die deutsche Rasse gereinigt und
verbessert würde. Die jungen Leute erhielten durch die
Nazis eine Gehirnwäsche und waren dieser Ideologie
treu ergeben. Diese Menschen, von der NS-
Propaganda von jung auf vergiftet, waren nicht in der
Lage Recht von Unrecht zu unterscheiden.

Rassenunterscheidungsprogramme
Der erste Schritt zur Verwirklichung des Eugenik-Programms bestand darin, festzulegen, welche
Rassenmerkmale für die Nazis für rassisch “rein“ waren. Als Merkmale der sogenannten Herrenrasse wurde
Folgendes definiert:
Blond, groß, langschädelig, schmales Gesicht, ausgeprägte Kieferform, schmale Nase mit hohem Nasenrücken,
weit auseinander stehende blassfarbene Augen, rosige Gesichtsfarbe.124
Solche und ähnliche Kriterien, jedes von ihnen offensichtlich Ausgeburt eines kranken Hirns, sind sowohl ein
wissenschaftlicher Skandal, als auch moralisch verantwortungslos. Wie schon mehrfach betont, gibt es keinerlei
Grund dafür, Menschen wegen der Farbe iher Haut, ihrer Augen oder ihres Haares zu diskriminieren.
Trotz ihrer Unterscheidungskriterien war es für die Nazis aber keineswegs leicht, unterschiedliche Rassen
voneinander zu unterscheiden. Zu diesem Zweck griffen sie zu wissenschaftlich völlig unfundierten Methoden
wie der Schädelvermessung und Intelligenztests. Frauen, die den Nazistandards genügten, wurden als
Gebärmaschinen in dafür bestimmten Häusern gehalten, wo sie von SS-Offizieren geschwängert wurden. Die
Kinder, deren Väter unbekannt blieben, wurden ebenfalls in diesen menschlichen Stutenfarmen zur Welt ge-
bracht. Sie galten als nächste Generation der “Herrenrasse“. Doch zum Leidwesen der Nazis war das unerwartete
Ergebnis, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient dieser Kinder in der Regel unterhalb von dem der Eltern
lag.125

Adnan Oktar 91
Das T4-Euthanasie-Programm:
“Wissenschaftlicher“ Mord
Die Nürnberger Gesetze wurden zur Grundlage
noch viel unglaublicherer Maßnahmen, wie des
Massenmordes an geistig Behinderten. Das sogenannte
T4-Euthanasie-Programm erhielt seinen Namen nach
der Adresse in Berlin, von wo aus es verwirklichlicht
wurde: Tiergartenstraße 4.
Gemäß dem T4-Programm wurden Unheilbare, ph-
ysisch oder geistig Behinderte, Menschen mit psychis-
chen Problemen und ältere Menschen getötet, um die
“Reinhaltung der Rasse“ zu ermöglichen. Kinder,
Frauen und Alte wurden in Gaskammern gesteckt.
Aber auch Abertausende unschuldiger Menschen wur-
den umgebracht, weil sie als schwach oder machtlos
galten. Diese Kampagne ordnete Hitler 1939 an.
Offiziell wurde sie 1941 beendet, inoffiziell dauerte sie
bis zum Kriegsende 1945.
Das T4-Programm galt als “Geheime Reichssache“,
und alle damit befassten Personen mussten darüber
Stillschweigen bewahren. Einer der Gründe, warum
tatsächlich damals wenig über das Euthanasie-
Programm bekannt wurde, war die Tatsache, dass alle
dabei Mitwirkenden später an die gefährlichsten
Frontabschnitte versetzt wurden, zum Beispiel nach
Jugoslawien, weil die dort kämpfenden Partisanen in
Eine Karikatur aus 1945 zeigte, wie alle Vorhaben von Hitler in
der Regel keine Gefangenen machten. Die meisten Tod und Grausamkeit endeten.
Augenzeugen der Euthanasie-Kampagne sind an der
jugoslawischen Front gefallen.
In seinem Buch Fundamental Outline of Racial Hygiene (Grundlegung der Rassenhygiene) sprach Alfred Ploetz als
einer der ersten vom Töten der Kranken und Behinderten. Ploetz zufolge war es ein schwerer Fehler aus Sicht der
Erhaltung der Rassenreinheit, Kranke und Schwache zu schützen und sich um sie zu sorgen - also das zu tun, was in
einer gesunden Gesellschaft selbstverständlich ist. Stattdessen plädierte Ploetz für deren physische Ausmerzung.
Seine Unmenschlichkeit ging so weit, dass er sogar forderte, dass krank oder behindert zur Welt kommende
Neugeborene von dabei anwesenden Ärzten sofort durch eine Dosis Morphium getötet werden sollten.
Aber es gab noch andere in den Fußstapfen eines Ploetz. Schon 1922 hatten der Jurist Karl Binding und der
Psychiater Alfred Hoche ein Buch veröffentlicht mit dem Titel The Release of the Destruction of Life Devoid of Value (Die
Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens). In diesem Buch vertraten sie die Auffassung, dass Kranke und
Behinderte sich selbst und der Gesellschaft nur eine Last seien. Sie zu töten, sei deshalb kein großer Verlust, im
Gegenteil: Die Kosten für die Lebenserhaltung dieser “nutzlosen“ Menschen seien unverhältnismäßig hoch, we-
shalb es besser sei, wenn der Staat diese Gelder irgendwo anders produktiv investieren würde. Als Lösung schlugen
sie vor, die physisch und geistig Kranken zu töten und zu diesem Zweck religiöse und gesetzliche Vorschriften zu
lockern oder aufzuheben.126 Eines von Hoches aberwitzigen Argumenten war, dass ohnehin moralische Werte hin-
sichtlich des Schutzes menschlichen Lebens schon bald verschwinden würden und die Ausmerzung “lebensun-
werten Lebens“ eine Selbstverständlichkeit werden würde.127
Um eine klare Vorstellung davon zu bekommen, wie unvorstellbar grausam solche “Empfehlungen“ sind,
braucht man sich nur vorzustellen, selbst in einer Gesellschaft zu leben, wo Derartiges praktiziert wird. Was wäre,
wenn Ihre taube Schwester, Ihre blinde Mutter, Ihr geistig verwirrter Großvater, Ihre gelähmte Großmutter, ihr alt-
gewordener Vater vor Ihren Augen abtransportiert werden würden, um getötet zu werden - im Namen der
Wissenschaft und zum Wohl der Gesellschaft? Gewiss würden Sie keiner Wissenschaft zugestehen, Menschen zu
töten, die Sie lieben. Sie würden sofort erkennen, dass ein solches Vorhaben nur die Ausgeburt kranker Gehirne sein

92 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

kann. Eine derartige Barbarei würde unbeschreibliches Leid über Sie bringen und jeden, den Sie kennen. Aber
dennoch ist so etwas geschehen, vor allem in Nazideutschland, aber auch in anderen Ländern. Diese Morde im
Namen der Pseudowissenschaft Eugenik haben tiefe Wunden im Gewissen der Menschheit hinterlassen.
Die Anstrengungen der Evolutionisten, diese Gräuel zu übersehen oder zu verdrängen, sind zum Scheitern
verurteilt. Was auch immer sie unternehmen, um sie zu vertuschen - die Tatsachen bleiben unwiderlegbar. Die
Menschheit hat durch die Thesen des Darwinismus schreckliches Leid erfahren und große Verluste erlitten.
Als sich die barbarische Eugenik in Nazideutschland ausbreitete, verbreitete sie sich auch in anderen
Ländern, vor allem in den USA. 1935 veröffentlichte Dr. Alexis Carrel von Rockefeller Institute sein Buch Man the
Unknown (Der unbekannte Mensch), das in innerhalb von drei Jahren in neun Sprachen übersetzt wurde. In seinem
letzten, The Remaking of Man überschriebenen Kapitel empfahl er Eugenik und Euthanasie als Lösungen der
sozialen Probleme. Er schlug vor, Geisteskranke und Kriminelle in kleinen Euthanasie-Centern zu vergasen.
Diese Mordpläne rechtfertigte er mit folgenden Worten:
“Also bleibt das bisher ungelöste Problem der enorm großen Zahl von Behinderten und Kriminellen. Für die nor-
malen Gesellschaftsmitglieder sind sie eine entschieden zu hohe Last. Wie schon gezeigt, sind riesige
Geldsummen notwendig, um Gefängnisse und Nervenheilanstalten zu finanzieren - und all das nur, um die
Gesellschaft vor Kriminellen und Verrückten zu schützen. Aber warum lassen wir diese nutzlosen und angsterre-
genden Wesen weiterleben? Die Anormalen behindern die Entwicklung der Normalen. Dieser Tatsache müssen
wir uns stellen. Warum eigentlich sollte sich die Gesellschaft nicht auf eine vernünftigere Weise der Kriminellen
und Geisteskranken entledigen? Wir können nicht weiterhin versuchen, die Verantwortlichen von den
Verantwortungslosen zu trennen, die Schuldigen bestrafen und jene verschonen, die trotz ihrer Verbrechen als
moralisch unschuldig gelten.“

Wir sind nicht berechtigt, Menschen zu verurteilen, selbst dann nicht, wenn sich die Gesellschaft gegen
Unruhestifter und gefährliche Elemente schützen muss. Wie kann das bewerkstelligt werden? Gewiss nicht,
indem wir größere und angenehmere Gefängnisse bauen. Und auch nicht, indem wir größere und wis-

Eugeniker erfanden spezielle


Ausdrücke, die in der medizinis-
chen Literatur keinen Platz
finden. Angehörige anderer
Rassen oder geistig Kranke wur-
den mit “schwachem geistigem
Zustand“ diagnostiziert und
wurden später dem Tode über-
lassen.
Oben: Geistig kranke
Amerikaner aus dieser Zeit

Adnan Oktar 93
senschaftlichere Krankenhäuser bauen. In Deutschland hat die Regierung energische Schritte eingeleitet, um der
Vermehrung minderwertiger Menschen, Geisteskranker und Krimineller Elemente Einhalt zu gebieten. Die
Ideallösung wäre, all diese Elemente zu eliminieren, sobald sie sich als gefährlich erwiesen haben.

Bis dahin müssen wir mit Kriminellen effektiv umgehen. Möglicherweise sollten Gefängnisse abgeschafft werden und
durch kleinere und billigere Einrichtungen ersetzt werden. Bei Kleinkriminellen sollte man zur Peitsche oder einem
etwas wissenschaftlicheren Mittel greifen, einschließlich eines anschließenden kurzen Krankenhausaufenthaltes. Das
sollte genügen. Kriminelle mit schwerer wiegenden Straftaten sollten in kleinen Euthanasiestationen untergebracht und
dort vergast werden. Ähnlich vorteilhaft sollte verfahren werden mit Geisteskranken, die krimineller Handlungen
schuldig sind. Eine moderne Gesellschaft sollte nicht zögern, sich in Bezug auf normale Individuen zu organisieren.
Philosophische Einwände und sentimentale Vorurteile müssen angesichts dieser Notwendigkeit verstummen. Die
Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit ist das Endziel der Zivilisation.“128
Dr. Carrel war der Meinung, dass der Mord an Kriminellen und anderen der Gesellschaft gefährlichen
Individuen die beste und “ökonomischste” Lösung sei. Wie schon gezeigt, lässt der Sozialdarwinismus, sobald er
eine Lösung für soziale Probleme sucht, immer die Dimension der Menschlichkeit außer Acht und schlägt extrem
mechanistische, inhumane, rücksichtslose und grausame Lösungen vor, die unvereinbar sind mit dem menschlichen
Gewissen. Er betrachtet Menschen entweder als Tiere oder Leibeigene.
Zugegeben, der Kampf gegen das Verbrechen ist von äußerster Wichtigkeit für eine Gesellschaft. Aber dieser
Kampf muss geführt werden auf der Ebene von Ideen. Ein gesellschaftliches Umfeld, das Verbrechen ermöglicht
und erzeugt, muss brachgelegt werden, und gleichzeitig muss versucht werden, durch entsprechende kulturelle
und pädagogische Maßnahmen all jene zu resozialisieren, die kriminell geworden sind. Irrige Auffassungen jedoch,
denen zufolge Menschen nur höhere Tiere sind, bilden nur die Grundlage für alle möglichen Verbrechen: Mord,
Diebstahl, Raub, und andere Übel. Den Menschen glauben machen, dass es legal ist, Verbrechen zu begehen, sie
dann aber mit dem Tod zu bestrafen, ist völlig widersprüchlich. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit,
dass alle, die weiterhin die Evolutionstheorie unterstützen - sei es aus Unwissenheit oder Unkenntnis der
Katastrophen, die sie schon verursacht hat - das Ausmaß der Gefahr erkennen. Eine Gesellschaft ins Lot bringen zu
wollen durch die Ermordung von Kriminellen, ist grausam und barbarisch. Wesentlich wirksamer und dauerhafter
ist es hingegen, die Kriminalitätsrate und die Anzahl der Kriminellen dadurch zu senken, dass man die Gesellschaft
geistig stärkt - durch entsprechende Erziehung, Steigerung des Lebensstandards und allgemeines Wohlbefinden.
Am allerwichtigsten jedoch ist es, den Glauben an Gott und die Religiosität innerhalb einer Gesellschaft zu stärken.
Jemand, der Gott liebt und fürchtet, weiß, dass er nach seinem Tod entweder belohnt oder bestraft wird für seine
Taten in dieser Welt. Wer Gott liebt, liebt auch alles, was Got erschaffen hat. Er achtet und liebt andere Menschen
und handelt stets entsprechend moralischen Grundsätzen. Umso mehr dieser Gedanke in einer Gesellschaft ver-
ankert ist, desto mehr wird es in ihr Wohlbefinden, Frieden und Fortschritt geben.

• Hitlers geheime Todesgarantie


Nach Verabschiedung der nazistischen Rassengesetze wurde es notwendig, öffentliches Einverständnis für die
Anwendung der Eugenik und vor allem der Euthanasie herzustellen. Dazu wurden verschiedene
Propagandamittel, vor allem Filme, eingesetzt, um die Menschen soweit zu bringen, der Lüge zu glauben, es sei
zwecklos, mit großem Aufwand fragwürdige gesellschaftliche Elemente am Leben zu erhalten. Die Zeitungen
brachten fortlaufend Artikel und Reportagen darüber, wieviel Geld für geistig Behinderte ausgegeben werden
müsse und wie man es besser investieren könne. Diese Propaganda wurde auch auf die Schulbücher ausgedehnt.129
Die ersten Euthanasiemaßnahmen in Nazideutschland setzten 1938 ein, nachdem ein gewisser Herr Knauer aus
Leipzig einen Brief an Hitler geschrieben hatte, in dem er um einen Arzt bat, der sein blind geborenes Kind mit nur
Teilarmen und -beinen vom Leben erlösen solle. Daraufhin schickte Hitler seinen Leibarzt Professor Karl Brandt
nach Leipzig, der wunschgemäß das Kind einschläferte.130
Anschließend unterzeichnete Hitler einen Erlass, der Karl Brandt und Reichsleiter Philip Bouhler ermächtigte,
in Sonderfällen Euthanasie zuzulassen. Der entsprechende “Führerbefehl“ lautete folgendermaßen:
“Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bes-
timmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung
ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann. Gezeichnet: Adolf Hitler“131

94 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Diese Ermächtigung, die den Mord zum Teil des Alltagslebens machte, wurde zur Grundlage für die
Verbrechen der Nazi-Psychiater. Ironischerweise versuchten die Verteidigeranwälte in den Nürnberger
Kriegsverbrecherprozessen und ähnlichen Prozessen später, dies herunterzuspielen zum bloßen Befehlsempfang
und als strafmildernd zu definieren.

Die Durchführung des T4-Programms


Mitte 1939 wurden die letzten Vorbereitungen für die Umsetzung des Programms getroffen. Im Oktober wur-
den von Beratern und Psychiatern erstellte Fragebögen über Geisteskranke an Krankenhäuser und andere
Institutionen verschickt. Darin ging es um folgende Dinge: Name des Patienten, Stand, Nationalität, Verwandte.
Wird der Patient regelmäßig besucht? Wenn ja, von wem? Wer trägt die Kosten? Wie lange befindet sich der
Patient bereits im Krankenhaus? Wie lange ist der Patient schon krank? Diagnose, Hauptsymptome? Ist der
Patient bettlägrig? Steht der Patient unter Vorbehalt? Wurde der Patient aufgenommen trotz Unheilbarkeit? Ist
der Patient kriegsverletzt? Rassische Zugehörigkeit?
Auch an der Kriegsfont wurden diese Fragebögen verteilt.
Im Rahmen des T4-Programms waren vier Frontgruppen installiert worden, um die Anweisungen des T4-
Hauptquartiers zu verwirklichen, und während der Nachforschungen wurde von ihnen der Ursprungsort der
entsprechenden Maßnahmen geheimgehalten. Wenn ein Krankenhaus oder eine Familie wegen eines
Totenscheins oder der Todesursache nachforschte, war es unmöglich, die Angelegenheit
weiter zurückzuverfolgen als bis zur Ebene dieser vier Frontgruppen.
Diesen Gruppen zugeordnet war eine weitere Gruppe, deren Mitglieder auf die
Tötung von Kindern spezialisiert war. Sie trug den Namen “Reichskomitee für den
wissenschaftlichen Umgang mit Schwerkranken infolge von Erbschäden und
Veranlagung“ und fungierte als Mutterorganisation von zwei Unterorganisationen:
Der “Wohlfahrtsverein für den Krankentransport“ war zuständig für den Transport
der Patienten zu den Tötungszentren. Die “Wohlfahrtsstiftung für staatliche
Fürsorge“ war zuständig für die “Restabwicklung“.
Besonders zynisch war, dass anschließend den Angehörigen der ermordeten
Patienten die Kosten für dieses Verbrechen in Rechnung gestellt wurden, wobei
diese oft gar nicht wussten, dass sie die Ermordung ihrer Verwandten
bezahlten.

Diese
Ermächtigung,
bekannt als der
“Führer-Befehl”,
bevollmächtigte
Nazi-Ärzte, jene
Patienten zu töten,
deren Tod sie für
nötig hielten. Er
begründete die
angebliche
“legale“ Basis für
die von den Nazi-
Ärzten verübten
Verbrechen.
Rauchende Schlote von den Öfen,
die zur Verbrennung der Körper in
der Hadamar Tötungsanstalt ver-
wendet wurden.

Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln


der Bernburg Tötungsanstalt

Die Fragebögen wurden ausgefüllt von den


Ärzten und Psychiatern, die jeweils für die
Patienten zuständig waren. Ausgewertet wurden
sie von den zuständigen T4-”Experten“. Keiner
der Patienten wurde von ihnen medizinisch be-
gutachtet. Ob ein Patient getötet wurde oder
nicht, wurde ausschließlich anhand der
Fragebögen entschieden.
Zugleich mit der Verschickung der Fragebögen wurde eine Reihe von Kliniken
für Geisteskranke entsprechend dem Bedürfnis nach Tötungsmöglichkeiten um-
oder neugebaut. Die Todeskammern in diesen Gebäuden wurden als Duschräume
getarnt.
Auf diese Weise funktionierte das ganze grauenhafte System. Sobald die
Fragebögen eingetroffen waren, wurde an die für die Ermordung von Patienten ve-
rantwortlichen Institutionen ein Vermerk des Inhalts geschickt, dass ein
entsprechendes Belegbett für Kriegsverwundete freizuhalten sei, oder dass bestimmte Patienten verlegt werden
sollten, um besser behandelt werden zu können. Genau diese Patienten wurden dann von einer der Frontgruppen
abgeholt und zu einem der Tötungszentren transportiert. Dort wurden sie schon wenige Stunden nach ihrer
Ankunft liquidiert.
Nicht nur die geistig Unheilbaren wurden hingeschlachtet. Je mehr das Euthanasie-Programm sich beschleu-
nigte, desto mehr “Lebensunwerte“ wurden in das Programm aufgenommen. Großzügig wurden Totenscheine aus-
gestellt für geistig Instabile, Schizophrene, Epileptiker, Parkinson-Kranke, Paralytiker, schwächliche Alte, Menschen

96 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Das obige Foto zeigt ein Modell


der Psychiatrischen Klinik in
Bernburg. Blaue Pfeile zeigten
den Weg für die Patienten, um in
die Tötungszonen zu gelangen.
Die Gebäude in den Kreisen
beinhalteten das Krematorium
und die Gaskammern.
Weit rechts: Dr. Kathe Leichte,
eine Professorin der
Sozialwissenschaften, wurde
1940 in das Konzentrationslager
Ravensbrück eingewiesen. 1942
wurde sie von der Gestapo in
dem Bernburg Euthanasieinstitut
vergast.
Rechts: Margarita Singer, Tochter
eines Zoologieprofessors wurde
unter dem Euthanasieprogramm
ermordet.

mit Multipler Sklerose, Gehirntumoren


und anderen neurologischen
Erkrankungen. Auch Kinder wurden er-
mordet. Waisenhäuser und
Erziehungsanstalten wurden ausge-
forscht, um neue Opfer ausfindig zu
machen.
Etwa die Hälfte der damals
Ermordeten hätte wieder gesund wer-
den können, wenn man ihnen die
Möglichkeit gegeben hätte.132
Um die Taten der T4-Oragnisation
zu verheimlichen, wurde Wert darauf
gelegt, die Tötungszentren wie normale
Krankenhäuser aussehen zu lassen. Das
hat Viktor Brack, Leiter der 2.
Hauptamtes der KdF (Kanzlei des
Führers) bei den Nürnberger
Kriegsverbrecherprozessen gestanden.
Brack war einer der
Hauptverantwortlichen für das
Euthanasieprogramm der Nazis. Er hat
gestanden, dass die Todeskandidaten
mit Seife und Handtuch in die
Oben links: Der Weg in die Gaskammern
Gaskammern geschickt wurden, um sie
Oben rechts: Sezierraum
Unten links: Beobachtungsfenster, um
glauben zu lassen, sie würden lediglich
sicherzustellen, ob alle “Patienten“ tot duschen.
waren. Hochrangige, Hitler fanatisch
Unten rechts: Duschköpfe waren instal- ergebene Nazi-Schergen suchten das
liert, damit die Patienten dachten, sie gin-
Personal aus, das die Morde beging,
gen zum Duschen, wo sie sich in
Wirklichkeit in den Gaskammern befanden. wofür sie vorher ein Spezialtraining er-

Adnan Oktar 97
hielten. Anfangs durften sie nur dabei zusehen, dann durften sie Patienten zu den Gaskammern führen und die
Gasventile aufdrehen. Dann überwachten sie die Sterbenden in ihrem Todeskampf, stellten deren Tod fest,
entlüfteten die Gaskammern und entsorgten die Leichen. So wurden sie zu Mördern an Zigtausenden von
Unschuldigen.
All diese Morde wurden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Alle möglichen Vorkehrungen
wurden getroffen, um nichts nach außen dringen zu lassen. Denn in diesen “Kliniken“ wurden nicht Angehörige an-
derer Rassen umgebracht sondern die meisten waren Deutsche und Österreicher. Wenn die Bevölkerung je erfahren
hätte, dass dort ihre eigenen “Landmänner“ getötet wurden, wären sogar die Nazis in beträchtliche Erklärungsnot
geraten.
Die angelernten Euthanasie-Kräfte, die mittlerweile zu Tötungsexperten geworden waren, gewöhnten sich
schnell an ihr mörderisches Tun und sie wurden immun gegen das Flehen, die Schreie und das Stöhnen der Opfer.
Bei all ihren Handlungen wurden sie selbst überwacht und Berichte darüber von Vorgesetzten erstellt. Der dahinter
liegende Gedanke war: Wenn sie keine Skrupel hätten, Angehörige der eigenen Rasse zu töten, dann würden sie erst
recht Angehörige “minderwertiger“ Rassen umbringen. Deshalb wurden sie
gleichzeitig für “weiterreichende Aufgaben“ geschult. Wenn sie jedoch
Schwierigkeiten bei der Ausübung ihrer mörderischen Tätigkeit hat-
ten, oder Widerstand zeigten, wurden sie von ihren Vorgesetzten kurz-
erhand für den Fronteinsatz in sogenannten Selbstmordkommandos
versetzt.
Um zuverlässige “Hinrichter” zu werden, wurde ihnen beigebracht,
kaltblütige “makellose Mörder” zu sein - damit sie seelisch den Schreien
und Zuckungen der Sterbenden und dem Geruch ihres verbrannten
Fleisches standhalten konnten. Denn es kostete auch sie Überwindung, mit
den Todgeweihten zur Gaskammer zu gehen und ihnen dabei zu erzählen, es
wäre ein Duschraum. Dafür wurden sie auf unterschiedliche Weise belobigt
und belohnt - unter anderem durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2.
Klasse in geheimer Reichssache.
Dennoch bekam die Bevölkerung Wind von dem, was in den
“Kliniken“ vor sich ging, und Proteste wurden laut. Daraufhin wurde
bekannt gegeben, dass Hitler höchstpersönlich die Beendigung dieser
schrecklichen Maßnahme angeordnet habe. Das war eine Lüge, man än-
derte nur die Methode: Statt Vergasung wandte man nun Todesspritzen
oder Hungertod an. Die Ermordeten wurden in Massengräbern beigesetzt.
Die Euthanasie-Verbrechen endeten erst mit dem 2. Weltkrieg.

98
Harun Yahya

Sonderbehandlung 14f13
Nachdem schon Abertausende ermordet waren, weitete die T4-Organisation ihr Tätigkeitsfeld aus unter dem
Codenamen “14f13”. Das vorher nur auf Forschungsanstalten und psychiatrische Krankenhäuser angewandte
Programm wurde nunmehr auch ausgeweitet auf deutsche und österreichische Strafgefangene, die wegen ihrer
unzumutbaren Haftbedingungen krank geworden waren, aber auch auf Juden, Zigeuner und Polen in den
Konzentrationslagern. Die Operation 14f13 begann im Oktober 1941. Sonderkommissionen, die aus Psychiatern
bestanden, wurden in die Berliner T4-Organisation integriert, um ihrer Meinung nach kranke Personen
auszusuchen und in Konzentrationslager zu verschicken. So sollten die Krankenhäuser und Krankenzentren
freigemacht werden für Patienten von der Front. Es gab sechs solcher Tötungszentren für diesen Zweck.
Auswahlkriterium der Todeskandidaten war ihre Arbeitsfähigkeit: Wenn sie zu schwach zum Arbeiten waren,
wurden sie in den Tod geschickt.
Ab 1943 wurden sogar Kinder in Hadamar ermordet, einem der sechs Tötungszentren. Darunter waren auch
Kinder aus staatlichen Kinder- und Waisenheimen.133

Der Unglaube ist die Wurzel der Skrupellosigkeit


Nazideutschland ist ein trauriges Beispiel dafür, was Menschen angetan wird, wenn versucht wird, die Ideen
des Sozialdarwinismus in die Praxis umzusetzen. Joseph L. Graves Jr., Professor für Evolutionsbiologie und
Verfasser von Des Kaisers neue Kleider und Kritiker des Rassismus, schreibt dazu:
Die Tragödie Nazideutschlands zeigt eindringlich, was geschehen kann, wenn man Eugenik, Rassenhierarchie
und Sozialdarwinismus konsequent zu Ende denkt.134

Ein Deutsches
Psychiatrisches
Krankenhaus in 1925

Der Friedhof der Hadamar


Tötungsanstalt

te n au ch
Li nk s: “N az i er m or de
20 0. 00 0 Kr an ke .“
ill iy et
Ei n Be ri ch t au s de r M
03
vo m 10 . O kt ob er 20

Denkmal für die unter dem


Euthanasieprogramm Getöteten

Adnan Oktar 99
Wie konnte es dazu kommen, dass Menschen soviel Hass und Skrupellosigkeit in sich trugen? Wie konnten sie
zu kaltblütigen Mördern und Feinden der Menschheit werden? Die Anwort liegt auf der Hand: Sie wurden im
Geist des Darwinismus erzogen. Und das bedeutet: Sie hielten Menschen nur für höhere Tiere und das Leben für
ein Schlachtfeld. Sie glaubten, dass im Überlebenskampf alle Mittel gerechtfertigt sind und dass daraus eine
“naturgegebene“ soziale Ordnung erwachsen wird. Wer leugnet, dass der Mensch von Gott erschaffen worden ist,
und wer leugnet, dass seine unsterbliche Seele ihm von Gott eingehaucht worden ist; wer sich weigert, in seinen
Mitmenschen Lebewesen mit Vernunft und Gewissen zu sehen, die sich sehr wohl von Tieren und Pflanzen unter-
scheiden - solch ein Mensch lässt sich zwangsläufig nicht beeindrucken von Massenmorden und dem Leid hil-
floser anderer Menschen. Wenn solche Menschen glauben, dass ihnen selbst oder ihren Interessen Unheil droht,
fällt es ihnen leicht, bedenkenlos andere Menschen zu töten oder sie zumindest teilnahmslos einem Leben in
Armut und Unglück zu überlassen. Von solch herzlosen Menschen kann man nicht erwarten, dass sie Kranken
oder Bedürftigen helfen oder sich anderweitig hilfsbereit zeigen. So jemand wird sich nicht einmal um seine eige-
nen hilfsbedürftigen Eltern kümmern, schon gar nicht um seinen behinderten Bruder, denn das wäre für ihn nur
eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld. Wenn sich diese krankhafte Weltsicht weiter ausbreitet, wird
bald jeder unter diesen verderblichen Einfluss geraten. In einer solchen Gesellschaft, in der nicht religiöse,
moralische Werte, sondern Zerstörung und Katastrophen herrschen, können natürlich Tugenden wie
Selbstlosigkeit, Geduld, Mitleid, Zuneigung, Achtung und Hingabe nicht gedeihen..

1. Errichtung einer Mauer, die das Warschauer Ghetto vom Rest der
Stadt trennte.
2.Hilflose Menschen wurden in das Belzec Konzentrationslager ge-
bracht.
3. Ein Zigeunerehepaar im Belzec Konzentrationslager.
4. Ein Zigeuner wurde von Nazi-Ärzten verwendet, um die
Trinkbarkeit von Meereswasser zu erproben.

4
3

100 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

MITLEID IN DER ISLAMISCHEN MORAL


Im Osmanischen Reich, wo die Islamischen Moralwerte vorherrschten, betreuten die Familien nicht nur ihre eige-
nen Kranken, sondern auch die Kranken ihrer Umgebung. Die Leidenden wurden in speziellen Kliniken versorgt
und man bemühte sich, sie mit unterschiedlichen Mitteln zu behandeln. Die Armen erhielten die medizinische
Versorgung gratis. Ärzte und Krankenhausbeamte wurden oft bestraft, wenn sie von den Armen Geld verlangten.
1871 wurden Büros der Gesundheitsinspektoren und der Nationalen Ärzte wurden gegründet, um die öffentliche
medizinische Versorgung zu regeln. Einige Maßnahmen unter dieser Einrichtung waren folgende:
• Ärzte werden alle Patienten an einem speziellen Tag der Woche und Uhrzeit auf einem speziellen Platz, gratis
untersuchen, ohne zwischen reich und arm zu unterscheiden. Die nötigen Impfungen werden ebenfalls gratis ve-
rabreicht.
• Ärzte werden diejenigen, die nicht in der Lage sind, an der physischen Untersuchung teilzunehmen, in ihren
Häusern untersuchen und eine vorherbestimmte Gebühr verlangen, wenn sie die Mitteln dazu aufbringen können.
Von den Armen wird keine Gebühr verlangt und etwaige Kosten werden den Ärzten aus den Mitteln der Stadt er-
setzt.
• Wenn Kranke ohne stichhaltigen Grund nicht versorgt werden oder von Armen Gebühren verlangt werden, ist
dies ein Kündigungsgrund.135
Die Osmanischen Nervenheilanstalten verwendeten spezielle Behandlungsmethoden. Im Osmanischen Reich des
15. Jahrhunderts wurden besondere Krankenhäuser für geistig behinderte Patienten gebaut. Anstrengungen zur
Heilung der geistig Kranken wurden abhängig von ihrer Krankheit unternommen, indem man Türkische
Melodien, spezielle Speisen und Blumen verwendete. Die Patienten erhielten insbesondere Geflügel. Das Zimmer
jedes Patienten hatte zwei Fenster, vorzugsweise mit Blick auf einen Rosengarten. 136
Lange vor dem Osmanischen Reich verwendeten andere Muslimische Staaten besondere Methoden um ihre ph-
ysisch und geistig Kranken zu versorgen. Besonders in der Zeit während des Abbasidischen Kalifats erreichte die
Islamische Welt die höchste medizinische und psychiatrische Perfektion Die ersten Krankenhäuser der Welt wur-
den in der Islamischen Welt gebaut und die Behandlung von geistig Kranken mittels Suggestion wurde erstmals
hier praktiziert. Die moralischen Werte des Quran gab den Muslimen das Mitleid, Zuneigung, Sinn und das
Verstehen, so zu handeln.
Die Islamischen Moralwerte ermutigen die Gläubigen, Zuneigung zu fühlen und mitleidig gegenüber dem
Armen, dem Schwachen, dem Niedrigen, dem Bedürftigen und demjenigen, der nicht für sich selbst sorgen kann
zu handeln, Opfer für ihn zu bringen, für ihn zu sorgen und ihn zu schützen. In einigen Versen des Quran hat Gott
offenbart, wie der Schwache, der Arme und der Alte behandelt werden soll:
… “Dient keinem außer Gott; tut Eltern und Verwandten und Waisen und Armen Gutes; sprecht
mit den Leuten auf freundliche Weise; verrichtet das Gebet und entrichtet die Steuer." ... (Sure
2:83 – al-Baqara)

Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr euer Gesicht nach Westen oder Osten kehrt. Fromm ist
vielmehr, wer an Gott und den Jüngsten Tag glaubt und an die Engel und die Schrift und die
Propheten; und wer sein Geld -auch wenn er selbst Bedarf hat- für seine Angehörigen und die
Waisen, die Armen und den Reisenden, die Bettler und die Gefangenen ausgibt; und wer das
Gebet verrichtet; und wer die Steuer (zakat) zahlt; und die, welche ihre eingegangenen
Verpflichtungen einhalten und in Unglück, Not und Gefahr standhaft sind: Sie sind es, die
aufrichtig und gottesfürchtig sind.(Sure 2:177 – al-Baqara)

Sie fragen dich, was sie spenden sollen. Sprich: "Was immer ihr an Gutem spendet, das sei für
die Eltern und die Verwandten und die Waisen und die Armen und den Reisenden. Und was
immer ihr an Gutem tut, fürwahr, Gott weiß es." (Sure 2:215 – al-Baqara)

Und dient Gott und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten,
den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Kollegen,
den Reisenden und zu denen, welche ihr von Rechts wegen besitzt. Siehe, Allah liebt nicht den
Hochmütigen, den Prahler. (Sure 4:36 – an-Nisa)

Adnan Oktar 101


EINE THEORIE, DIE FRAUEN HERABSETZT

ie Unterstützung, die Rassismus, Faschismus, Imperialismus und Kommunismus durch den

D Sozialdarwinismus genossen, ist ein Thema, zu dem viel geschrieben worden ist. Weniger bekannt ist die
Tatsache, dass die meisten Darwinisten, Darwin selbst eingeschlossen, davon überzeugt waren, dass
Frauen den Männern biologisch und geistig unterlegen seien. Diesen Geschlechterunterschied hielten sie für derart
gravierend, dass manche Evolutionisten Männer und Frauen in zwei unterschiedliche Spezies unterteilten: Homo
frontalis (Männer) und Homo parietalis (Frauen).137
Darwin selbst beschrieb Frauen als “unterlegene“ Spezies, weil er auch hier von der Wirksamkeit der natürlichen
Selektion ausging. In einer solchermaßen verzerrten Weltsicht scheinen Männer besser geeignet zu sein für den Krieg,
eine Frau zu finden und dadurch nahrungs- und kleidungsmäßig versorgt zu sein. Frauen hingegen ist der Zugang
zu den männlichen Tätigkeiten verwehrt. Weiter nach Darwin: Die natürliche Selektion wirkt daher auf Männer
stärker ein, mit dem Ergebnis, dass diese in allen Bereichen überlegen sind und sich weiter entwickeln als Frauen. Wie
wir im Folgenden zeigen werden, hat Darwin diese fragwürdigen Schlussfolgerungen ohne Berücksichtigung
archäologischer Funde gezogen. Er hat sich lediglich auf seine evolutionistischen Vorurteile gestützt.
Darwins Blick auf die natürliche Selektion musste ihn zwangsläufig zur Diskriminierung der Frauen führen.
Die Professorin für Geschichte und Wissenschaftsphilosophie, Evelleen Richards, kommt zu dem Ergebnis, dass
Darwins Verständnis der weiblichen Natur nahezu perfekt in seine Evolutionstheorie passt und dadurch “mehreren
Generationen des sogenannten wissenschaftlichen Sexismus Argumente geliefert hat“.138 Die evolutionistische
Autorin Elaine Morgan stellt fest, dass Darwin durch seine Einbeziehung von Biologie und Ethnologie in seine
Evolutionstheorie Männer in aller Welt dahingehend beeinflusst hat, zu denken “Frauen sind offensichtlich unter-
legen und zur Unterordnung bestimmt“.139
Wie der evolutionistische Wissenschaftler John R. Durant feststellt, ergeben sich aus der Evolutionstheorie
zwangsläufig zwei Konsequenzen: Rassismus und Diskriminierung der Frau:
Darwin errichtete sein Gedankengebäude auf einer wohlüberlegten Mischung von zoologischen und anthropologis-
chen Argumenten. Wilde, denen ein kleineres Gehirn und stärker ausgebildete Greiforgane als bei höher entwickel-
ten Menschen zugeordnet wurden, und von denen es hieß, sie seien mehr instinkt- als vernunftgeleitet ... wurden in
eine angebliche Übergangsphase zwischen Menschenaffen und Menschen eingeordnet. Darwin ordnete auch Kinder,
erbbedingte Geisteskranke und Frauen hier ein. Die bei Frauen stärker als beim Mann ausgeprägten Fähigkeiten der
Intuition, der raschen Wahrnehmung und Nachahmung wurden kurzerhand umdefiniert zu “Merkmalen der
niederen Rassen, zu einem Indiz für einen früheren, niedrigeren Zivilisationsgrad“.140
Den von Durant aufgezeigten Denkfehler Darwins kann man in Die Abstammung des Menschen unschwer finden:
“Es ist allgemein akzeptiert, dass Frauen über die Fähigkeit der Intuition, schneller Wahrnehmung und vielleicht der
Nachahmung verfügen, und zwar in wesentlich stärkerem Maß als Männer. Aber letztendlich stammen diese Fähigkeiten
aus niedrigeren Rassen und sind somit einer vergangenen und niedrigeren Zivilisationsstufe zuzuordnen.“141
Wenn man Darwins Auffassung über Frauen und Ehe betrachtet, wird schnell klar, dass er Frauen für Menschen
zweiter Klasse hielt. Diese unwissenschaftliche Auffassung wurzelte ebenfalls in seiner Evolutionstheorie. Im fol-
genden Zitat begründet er, warum er die Ehe für sinnvoll hält:

102 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

“Kinder - ständige Begleiter, (Freunde im Alter), die sich für einen interessieren, die geliebt und gehätschelt wer-
den wollen - jedenfalls besser als ein Hund - ein Zuhause und jemand, der sich darum kümmert - Zauber der
Musik und Weibertratsch. All das gut für das Wohlgefühl ...”142
Darwin erschien die Ehe als wünschenswert, weil “die Freundschaft einer Frau besser ist als die eines
Hundes“. Seine Aussagen zum Thema Ehe beziehen sich in keiner Weise auf solch wichtige Dinge innerhalb einer
lebenslangen Mann-Frau-Beziehung wie Freundschaft, Zuneigung, Liebe, Hingabe, Loyalität, Nähe,
Ernsthaftigkeit und Vertrauen. Über die Ehe hat er ansonsten nur zu sagen:
“... Zeitverlust - kann abends nicht lesen - werde fett und müßig - Furcht und Verantwortung - weniger Geld für
Bücher usw. - umso mehr Kinder, desto mehr Sorgen um das tägliche Brot - möglicherweise kann meine Frau
London nicht leiden; dann lautet der Schuldspruch: Verbannung und Erniedrigung mit einem trägen Narren.“143
Derart undurchdachte Aussagen sind in sich schlüssig, sofern ihr Urheber der Meinung ist, dass es keinen
Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt und insbesondere Kinder sowie Frauen den Tieren näher stehen als
Männer. Jemand, der seine Frau und seine Kinder als einer niedrigeren Spezies zugehörig betrachtet, wird logis-
cherweise nur wenig Zuneigung ihnen gegenüber empfinden, ihnen keine Opfer bringen und sich für sie nur in-
teressieren, soweit es zu seinem eigenen Vorteil gereicht. Faktisch ist es so, dass im Denken Darwins kaum Raum
war für Liebe unter Menschen, Nähe und Freundschaft.
Darwin behauptete, dass Männer überlegener als Frauen waren:
“Der Hauptunterschied zwischen männlicher und weiblicher Intelligenz zeigt sich in der höheren Leistungskraft
bei allem, was ein Mann anfängt - sei es gedankliche Tiefe, Vernunft, Phantasie oder auch nur der Gebrauch seiner
Sinne und Hände. Wenn man zwei Listen anlegen würde mit den Namen herausragender Männer und Frauen in
der Dichtung, der Malerei, der Bildhauerei, der Musik ... Geschichte, Wissenschaft und Philosophie ... würde die
männliche Liste die weibliche um ein Weites übertreffen.“144
Natürlich hatten diese Behauptungen Darwins wieder keine wissenschaftliche Grundlage, aber seine
vorurteilsbehafteten Anschauungen verbreiteten sich sehr schnell unter seinen zeitgenössischen
Wissenschaftlern.
Der Materialist Carl Vogt, Professor für Naturgeschichte an der Universität Genf, akzeptierte alle von Darwin
gezogenen Schlussfolgerungen; ohne sie je einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen und be-
hauptete. dass “das Kind, die Frau, der senile alte Mensch“ intellektuell und psychisch auf dem Niveau eines

Darwin schrieb,
dass mit einer Frau
verheiratet zu sein,
dem Mann einen
“dauerhaften
Kameraden, einen
Freund für die alten
Tage, … ein
Objekt, das geliebt
werden kann, mit
dem man jedenfalls
besser als mit
einem Hund spie-
len kann, “ besorgt.
Diese Worte fassen
genau die Ansicht
Darwins über die
Frauen zusammen.
Unten: Ein Bild
Darwins und seine
Frau

Adnan Oktar 103


Gott erschuf Mann
und Frau gleich.
Mann und Frau kön-
nen sich eines
großen Erfolgs er-
freuen, wenn sie in
dem Licht und der
Vernunft handeln,
die ihnen durch den
Glauben kundgetan
wurden.

“erwachsenen Negers“ stünden.145 Vogt ging sogar noch weiter und behauptete, dass Kinder, Frauen und Alte den
Tieren näher stünden als Männer. Ihm zufolge waren Frauen nur “verkümmerte Männer“, deren Entwicklung durch
den Gang der Evolution unterbrochen worden sei.146 Damit nicht genug, behauptete Vogt weiter, dass die Kluft
zwischen Männern und Frauen mit dem Fortschreiten der Zivilisation immer größer werde und in den fortgeschrit-
tenen Gesellschaften Europas bereits einen Höhepunkt erreicht habe.147 Darwin war stark von Vogt beeinflusst und
zählte ihn selbst gern zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Gesinnungsgenossen.148
Sehr häufig in der Geschichte gab es leider meist erfolgreiche Versuche, Frauen im Hintergrund zu halten -
entsprechend der Unwissenheit und Rückwärtsgewandtheit der jeweiligen Gesellschaften. Das jedoch geht voll-
ständig zurück auf den damals geltenden Kulturbegriff. Seit Gott Männer und Frauen als absolut gleichwertige
menschliche Lebewesen erschaffen hat, gibt es keinerlei erkennbare biologische Retardation, wie von Darwin und
seinen Nachfolgern behauptet. Zu behaupten, dass Männer Frauen überlegen seien und deshalb das Recht hätten,
sie wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln, drückt eine ausgesprochen primitive Denkweise aus, wie sie nur in
Gesellschaften vorkommt, in denen religiöse, moralische Werte keine Geltung mehr haben. Heutzutage, nachdem
sich Frauen die gleichen Gelegenheiten erkämpft haben, haben sie längst bewiesen, dass sie genauso erfolgreich, in-
telligent und fähig sind, wie Männer.

Geschlechtliche Diskriminierung durch Schädelvermessung


Um zu beweisen, dass Frauen den Männern “unterlegen“ seien, haben evolutionistische Wissenschaftler ver-
sucht, den Nachweis zu führen, dass das weibliche Gehirn kleiner sei, als das der Männer. Deshalb griffen sie zu
solch fragwürdigen und entwürdigenden Methoden wie jener der Schädelvermessung. Sie argumentierten, ein
größeres Gehirnvolumen müsse eine größere Intelligenz zur Folge haben - eine mittlerweile längst widerlegte
These. Sie verglichen die Schädelgrößen von Männern und Frauen, und sie kamen zu dem Ergebnis, Frauen seien

104 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

weniger intelligent. Das war nicht allzu weit entfernt von entsprechenden unwissenschaftlichen Behauptungen
Darwins:
“In dem Maß, wie sich die intellektuellen Fähigkeiten allmählich entwickelten, musste das Gehirnvolumen
zwangsläufig größer werden ... Die Relation, in der das menschliche Gehirnvolumen zur menschlichen
Körpergröße steht, ist - im Vergleich mit ähnlichen Proportionen bei Gorillas und Orang-Utans - sehr eng
verknüpft mit einer höheren menschlichen Intelligenz. ... Dass es beim Menschen eine enge Verbindung zwischen
Gehirnvolumen und Intelligenzentwicklung gibt, kann sich auch stützen auf den Vergleich von Schädelgrößen
wilder und zivilisierter Rassen, frühgeschichtlicher und moderner Menschen und bei allen Wirbeltieren.“149
Darwin war der Meinung, dass die Vermessung von Schädel- bzw. Gehirnvolumina (unter den primitiven
Forschungsbedingungen der damaligen Zeit!) Belegdaten für seine Evolutionstheorie liefern würde. Aber in
Wirklichkeit stellte sich heraus, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Theorie zuwider liefen. Aus den
Schädelvermessungen und der Feststellung von Gehirnvolumina ergaben sich keine Anhaltspunkte für die
Evolutionstheorie. Heutzutage steht fest, dass solche Messungen keinen wissenschaftlichen Sinn haben.
Einer der Wissenschaftler, der glaubte, die Unterlegenheit von Frauen gegenüber Männern durch
Kraniometrie (die Methode der Schädelvermessung) nachweisen zu können, war Paul Broca, der als einer der
Begründer der physischen Anthropologie gilt und der als einer der ersten den Schädelvermessungen hohen wis-
senschaftlichen Wert zumaß.150 Auf Grundlage seiner “Forschungsergebnisse“ entwickelte er folgende Logik:
“Allgemein gesprochen, ist das Gehirn bei Erwachsenen größer als bei alten Menschen, bei Männern größer als bei
Frauen, bei Begabten größer als bei Durchschnittsmenschen, bei höheren Rassen größer als bei niederen ... Bei an-
sonsten gleichen Bedingungen besteht eine bemerkenswerte Relation zwischen Gehirnvolumen und
Intelligenzgrad.“151
Broca interessierten in erster Linie die Schädeldifferenzen zwischen Männern und Frauen. Er ließ sich von
seinen Schädelvermessungen zu der These hinreißen, dass Frauen im Vergleich mit Männern intellektuell unter-
entwickelt seien.152 Darüberhinaus behauptete Broca, dass sich der Unterschied hinsichtlich der Gehirngröße
zwischen Mann und Frau ständig vergrößere. Da ihm durchaus bewusst war, keinerlei wissenschaftliche Beweise
für diese These zu haben, behauptete er, dieser zunehmende Unterschied sei “ein Ergebnis unterschiedlich
starken evolutionären Drucks auf dominante Männer und zur Passivität verurteilte Frauen“.153
Heute geben sogar Evolutionisten zu, dass Brocas “Einsichten“ wissenschaftlich wertlos waren. Von Gould
stammt folgender Kommentar dazu:
“Brocas vermeintliche Tatsachen wurden nur selektiv ausgewertet und dann unwillentlich manipuliert, um sie in
Übereinstimmung mit gewissen Vorurteilen zu bringen.“154
Anders ausgedrückt: Broca hat unbewusst seine Daten voreingenommen interpretiert, um sie mit der
Evolutionstheorie vereinbaren zu können.
Ein weiterer Evolutionist, der Schädelvermessungen vornahm und Frauen a priori für unterlegen hielt, war
Gustave Le Bon, einer der Begründer der Sozialpsychologie. Le Bon sagt:
“Innerhalb der intelligentesten Rassen ... gibt es eine große Zahl von Frauen, deren Gehirnvolumen eher dem von
Gorillas ähnelt als dem von entwickelten männlichen Gehirnen. Diese Unterlegenheit ist so offensichtlich, dass
man sie auch nicht eine Sekunde lang bestreiten kann. Lediglich der Grad des Unterschiedes ist diskussion-
swürdig ... Ohne Zweifel stellen Frauen die unterste Stufe der menschlichen Evolution dar und ... liegen näher an
Kindern und Wilden als ein männlicher, zivilisierter Erwachsener. Sie zeichnen sich aus durch Launenhaftigkeit,
Unbeständigkeit, Geistesabwesenheit und mangelnder Logik, überhaupt Mangel an Vernunft.
Zugegebenermaßen gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel ... aber sie sind so selten wie ein Monster, zum
Beispiel ein doppelköpfiger Gorilla. So gesehen, können wir dies vollständig vernachlässigen.“155
Wie mit fast all ihren Thesen, lagen und liegen die Darwinisten auch mit ihren Thesen zur Frauenfrage völlig
daneben. Im Gegensatz zu den Auffassungen der Darwinisten, bedeutet die Tatsache, dass Frauen zärtlich,
mitleidsfähig und zu überlegtem Handeln befähigt sind, keineswegs, dass sie deswegen intellektuell unteren-
twickelt wären. Darwinisten sind quasi darauf programmiert, Menschen als eine höhere Tierart zu begreifen.
Deshalb erscheinen ihnen spezifisch weibliche Merkmale als unterentwickelt, obwohl sie in Wirklichkeit ganz
wesentlich das ausmachen, was man Humanität nennt. Und genau darin wurzeln auch zum Beispiel Kunst,
Literatur und Technik - auch wenn das nicht in das Weltbild der Evolutionisten passt.

Adnan Oktar 105


Die Wissenschaft widerlegt den Darwinismus noch einmal
Schädelvermessungen und ihre anschließende Zuordnung zu Rasse und Geschlecht sind längst von der
Wissenschaft verworfen worden, weil sie nachweislich nichts zu tun haben mit Intelligenz.
In der Natur selbst ist kein Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Intelligenz feststellbar. Zum Beispiel ist
das Gehirnvolumen von Elefanten und Walen wesentlich größer als das von Menschen. Hinzu kommt, dass das
Gehirnvolumen heute lebender Menschen zwischen 700 und 2200 ccm schwankt.156 Aber daraus lassen sich keine
Unterschiede hinsichtlich des Intelligenzgrades ableiten.
Abgesehen von der wissenschaftlichen Wertlosigkeit der Schädelvermessungen, hat die moderne Genforschung
nachgewiesen, dass Darwins Behauptungen über den diesbezüglichen Geschlechterunterschied schlicht unzutref-
fend sind. Denn den Vererbungsgesetzen gemäß vererbt ein Mann seine Gene gleichermaßen seinen männlichen
und weiblichen Nachkommen. Wenn ein Mann, wie von Darwin behauptet, seine “überlegenen“ genetischen
Merkmale weitergibt, so gilt das auch für seine Töchter. Aber davon wussten Darwin und seine Zeitgenossen nichts.
Deshalb konnte er behaupten: “Die Weitergabe der charakteristischen Merkmale einer Spezies obliegt normaler-
weise nur einem Geschlecht.“ 157 Damit nicht genug, behauptete er weiter, dass hochentwickelte Vernunft und
Vorstellungskraft weitaus mehr vom männlichen als vom weiblichen Erbgut ausgehen.158

Gemäß der Moralität des Quran sind Männer und Frauen gleichwer-
tig, und die Überlegenheit ist durch Moral festgelegt
Den moralischen Werten des Quran zufolge gibt es keine Unterschiede in der
Wertigkeit von Mann und Frau. Gott hat ihnen gleicher-
maßen Verantwortung
auferlegt und wird sie
später gleichermaßen
zur Rechenschaft
ziehen. Es ist nicht von
Bedeutung, welches
Geschlecht ein Mensch
hat, Gott geht es
darum, dass Ihm
Gottesfurcht und Liebe
entgegen gebracht wer-
Deutsche verwenden Zirkel und den und dass Seine
Lineal für die Vermessung des
moralischen Gesetze
Schädels, um festzustellen, wer
arisch ist oder nicht.

106 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Darwins Thesen
beruhten nicht auf
Wissenschaft, son-
dern auf der Kultur
und dem primitiven
wissenschaftlichen
Verständnis des
Vi k t o r i a n i s c h e n
Zeitalters.

befolgt werden. In einem Seiner uns offenbarten Verse verspricht Gott, dass unabhängig vom Geschlecht jeder
nach seinem Verhalten und Handeln auf dieser Erde beurteilt werden wird.
Wer aber Rechtes tut, sei es Mann oder Frau, und gläubig ist, jene sollen ins Paradies einge-
hen und nicht um eine Rille im Dattelkern Unrecht erleiden. (Sure 4:124– an-Nisa)

Gott hat auch offenbart, welche Eigenschaften sich jeder Gläubige aneignen sollte:
Und die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das
Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und zahlen die Steuer und
gehorchen Gott und Seinem Gesandten. Sie - wahrlich, Gott erbarmt sich ihrer. Siehe, Gott ist
mächtig und weise. (Sure 9:71– at-Tauba)

Jeder Mensch hat also die gleiche Verantwortung zu tragen. Allen Männern und Frauen, die ihr gerecht wer-
den und sich Gott zuwenden, hat Er versprochen:
Und ihr Herr antwortet ihnen: "Siehe, Ich lasse keine Tat von euch verloren gehen, sei es von
einem Mann oder einer Frau ... (Sure 3:195– Al-Imran)

Die intellektuellen Fähigkeiten, die den Darwinisten so wichtig sind, hat Gott Männern und Frauen gleicher-
maßen verliehen. In einem weiteren Vers hat uns Gott offenbart:
O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr Gott fürchtet [und respektiert], wird Er euch das Vermögen zur
Unterscheidung (von gut und böse) geben ... (Sure 8:29– al-Anfal)

Urteilsvermögen und Intellekt entwickeln sich also nicht geschlechtsspezifisch, sondern entsprechend der
Gottesfurcht.
Jeder Mensch, ob männlich oder weiblich, der vernünftig im Sinne Gottes handelt, kann erfolgreich sein und
Überlegenheit erringen. Ein wahrhaft Gläubiger wird stets bemüht sein, Gottes Gnade, Mitleid und somit das
Paradies zu erringen.

Adnan Oktar 107


DARWINISMUS UND MORALISCHER VERFALL

er moralische Verfall schreitet unaufhaltsam voran. Verhaltensweisen, die noch vor einigen Generationen

D missbilligt, verachtet und verboten wurden, werden heute akzeptiert, kommen in Mode und werden wei-
thin praktiziert - ein Problem, dessen sich die meisten Menschen gar nicht bewusst sind. Lebens- und
Verhaltensweisen, die noch bis vor kurzer Zeit als unmoralisch galten, sind inzwischen gang und gäbe unter dem
Etikett “Entscheidungsfreiheit“.Perversionen wie zum Beispiel Homosexualität werden geduldet. Aggressivität,
Betrug, Ehebruch, steigende Scheidungszahlen, Drogenabhängigkeit und Alkoholismus, Raub Mord, Ansteigen der
Kriminalitätsrate, Gleichgültigkeit dem anderen gegenüber, Verleumdung und Mobbing - all das sind Beispiele für
den zunehmenden moralischen Verfall der Gesellschaft. Diese gesellschaftliche Situation, wie sie in etlichen west-
lichen Staaten vorherrscht, zeigt, welch verhängnisvolle Folgen der moralische Verfall hat.
All dem zugrunde liegen falsche Antworten auf die Frage danach, warum Menschen existieren. In Wahrheit ex-
istieren sie, um Gott, ihren Schöpfer zu erkennen.
Diejenigen, welche glauben und deren Herzen im Gedanken an Allah in Frieden sind - sollten die
Herzen im Gedanken an Allah denn nicht in Frieden sein? (Sure 13:28 – ar-Ra'd)

Es gibt nur eine einzige Quelle des Friedens, auch wenn viele Menschen sie oft am falschen Ort suchen: Es sind
die von Gott offenbarten religiösen, moralischen Werte, die uns Menschen Frieden und Glück in dieser Welt bringen.
Dies zu leugnen, führt zu moralischem Verfall, Unglück, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Ein Hauptgrund für den moralischen Verfall ist die darwinistische Ideologie, der zufolge der Mensch nicht ein
Diener Gottes, sondern nur ein höheres Tier ist, das seine Existenz dem Zufall verdankt. Wer den Menschen so ver-
steht, wird ihm natürlich nicht zutrauen, dass er im Unterschied zu Tieren sich an moralische Werte und Gesetze
hält. Leben ist dann einfach nur Kampf, und darin müssen Menschen rücksichtslos sein und ständig im Kampf
miteinander liegen.
Das bedeutet, alle moralischen Werte zu verachten. In seinem Buch Defeating Darwinism beschreibt Professor
Phillip E. Johnson von der University of California in Berkeley die negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft, die
einher gegangen sind seit den 1960er Jahren mit der Zurückdrängung des Glaubens und der Ausbreitung des
Materialismus:
“Man kann einigermaßen präzise sagen, dass es in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine zweite amerikanis-
che Unabhängigkeitserklärung gab, ... nämlich die der Abwendung von Gott. Angesichts dessen waren weitre-
ichende Konsequenzen hinsichtlich moralischer Werte und Gesetzestreue zu befürchten, und so kam es auch.“159
Der Molekularbiologe Michael Denton hat darauf hingewiesen, dass es unmöglich sei, all diese Auswirkungen
nachzuvollziehen, ohne dabei den Darwinismus miteinzubeziehen:
“Um das 20. Jahrhundert zu verstehen, muss man die Denkrevolution verstehen, die Darwin eingeleitet hat. Ohne sie
wären die sozialen und politischen Strömungen der hinter uns liegenden 80 Jahre nicht denkbar gewesen. Es ist nicht

108 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

ohne Ironie, dass es die zunehmend ver-


weltlichte Sichtweise des 19. Jahrhunderts
war, die die Bresche schlug für die
Akzeptanz der Evolutionstheorie,
wohingegen es heute vermutlich in erster
Linie die darwinistische Betrachtungsweise
der Natur ist, die für den agnostizistischen
und skeptischen Blick auf die Welt im 20.
Jahrhundert verantwortlich ist. Was einst
eine Ableitung vom Materialismus war,
bildet heute seine Grundlage.“160
An dieser Stelle ist es sinnvoll, die dar-
winistischen Thesen zu überprüfen, die zum
moralischen Verfall und zum Kollaps der
heutigen Gesellschaft geführt haben.

Darwinismus ist die Phillip Johnson und sein Buch


Defeating Darwinism
Grundlage des Atheismus
Einer der Gründe, warum materialistische Kreise so vehement den Darwinismus begrüßen, ist seine atheis-
tische Komponente.
Den Atheismus gibt es schon seit Jahrtausenden, aber erst mit dem Erscheinen des Darwinismus glaubten die
Atheisten, endlich eine Antwort gefunden zu haben auf die uralte Frage, warum es Menschen und Leben über-
haupt gibt - eine Frage, auf die sie bis dahin keine Antwort hatten. Vorher erklärten sie die natürliche Ordnung
und Gleichgewichtzustände in der Natur mit einer Abfolge zufälliger Ereignisse, für die es keine Erklärung und
keine erkennbare Absicht im Universum gebe. Aber diese Ansichten haben dem Gang der Ereignisse im 20.
Jahrhundert mit all seinen wissenschaftlichen, politischen und sozialen Fortschritten nicht standgehalten. Neue
Erkenntnisse in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen, von der Astronomie und Biologie bis zur Psychologie
und Sozialethik, haben der Evolutionstheorie und dem Atheismus das Wasser abgegraben.
Viele Evolutionisten und Materialisten geben zu, dass der Darwinismus zwangsläufig zum Atheismus führt.
Thomas Huxley hat dies als erster offen eingestanden, als er sagte, es sei unmöglich an Gott zu glauben, sobald
man die Evolutionstheorie akzeptiert habe.
William Provine, evolutionistischer Professor für Geschichte an der Cornell University, hat verlautbart, das
Weltbild der Evolutionstheorie sei schlicht unvereinbar mit Religion.161
Ähnlich deutlich hat sich Charles Smith, ehemaliger Präsident der American Association for the
Advancement of Atheism, ausgedrückt, als er sagte: “Evolutionstheorie ist Atheismus.“ 162
Phillip Johnson beschreibt die Bedeutung der Evolutionstheorie für alle atheistischen und materialistischen
Strömungen, die sich gegen religiöse, moralische Werte stemmen, folgendermaßen:
“...Der Triumph des Darwinismus implizierte die Leugnung der Existenz Gottes und bereitete die Ersetzung des
biblischen Glaubens durch einen neuen Glauben vor, der nur auf dem evolutionistischen Naturalismus basierte.
Dieser neue Glaube wurde zur Grundlage nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Politik, der Gesetzgebung
und Moralität. Er wurde zur Grundlage... der modernen Philosophie.“163
Wie von Johnson festgestellt, setzten sich viele Wissenschaftler im blinden Glauben an den Darwinismus und
Materialismus zum Ziel, die Wissenschaft zu einem Instrument der Leugnung Gottes zu machen. Aber in
Wahrheit ist die Wissenschaft ein hervorragendes Instrument, um Beweise für die Existenz Gottes zu liefern. Die
Zahl der Wissenschaftler, die das Universum für eine Schöpfung Gottes halten, ist in den letzten 20 Jahren rapide
gestiegen. Neuere Untersuchung und Informationen bestätigen, dass im Universum ein äußerst empfindliches
Gleichgewicht existiert. Das beweist, dass es das Werk einer überlegenen Intelligenz ist, die Ihm allein gehört, un-
serem allmächtigen Gott, Der über allem steht.
Michael Denton behauptet zu Recht, dass der Darwinismus den Atheismus nach sich gezogen und großes
Unheil über die Menschheit gebracht hat:

Adnan Oktar 109


“... [Darwins] neue revolutionäre Weltsicht ... beinhaltete, dass all die Vielfalt des Lebens auf der Erde nur das
Ergebnis natürlicher und zufälliger Prozesse und eben nicht, wie bis dahin angenommen, der schöpferischen Kraft
Gottes geschuldet ist. [Gott ist gewiss erhaben darüber.] Diesen Irrglauben zu akzeptieren ... hat eine große und ver-
hängnisvolle Rolle gespielt während der Säkularisierung der westlichen Welt. ... Dass Darwins Theorie die
Verbindung zu Gott unterbrochen und den Menschen einem Kosmos ohne Zweck und Ziel ausgeliefert hat, war von
fundamentaler Bedeutung. Kein anderer Paradigmenwechsel hat in der Moderne ... so grundlegend die Stellung des
Menschen im Universum und seinen Blick auf sich selbst verändert.“164
Schwächung und Verlust des Glaubens an Gott führen zwangsläufig zum geistigen Kollaps einer Gesellschaft.
Menschen ohne Gottesglauben, die leugnen, dass sie nach dem Tod Unsterblichkeit erlangen und für ihre Taten in
dieser Welt entweder im Paradies belohnt oder in der Hölle bestraft werden, werden zwangsläufig unzuverlässig,
aggressiv, rücksichtslos und egoistisch, und sie neigen zu kriminellem Verhalten. Für jemand, der Gott leugnet, gibt
es kein Maß. Solange er glaubt, alles tun zu können, ohne dafür bestraft zu werden, wird er ständig unmoralisch
handeln und sich innerhalb der Gesellschaft zerstörerisch verhalten, sei es, indem er andere Menschen betrügt, sie
verletzt oder Ähnliches.
Furcht und Liebe Gottes hingegen stellen
sicher, dass die Menschen entsprechend moralis-
cher Werte leben, die dem Willen Gottes
entsprechen. Nur so kann eine Gesellschaft
gedeihen und Fortschritte machen. Ansonsten
wird es kein Ende nehmen mit Konflikten,
Kriegen, Rücksichtslosigkeit und
Ungerechtigkeit.
Gott hat uns Güte, Gerechtigkeit,
Ehrenhaftigkeit und Ordnung anbefohlen. Im
Quran hat Er uns offenbart:

110 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Zorn, Aggression und Gewalt erheben


sich in jenen Gesellschaften, die nicht
nach den religiösen Moralwerten leben,
wo sich die Menschen von den von Gott
geforderten moralischen Eigenschaften
wie Zuneigung, Mitleid, Vergebung,
Geduld und Toleranz abwenden.

Und zu den Madyan (entsandten wir) ihren Bruder Schuayb. Er sprach: "O mein Volk! Dient
Allah; ihr habt keinen Gott außer Ihm. Schon ist ein deutlicher Beweis von euerem Herrn zu
euch gekommen. So gebt volles Maß und Gewicht und haltet nicht zurück, was den Leuten
zusteht, und stiftet auf der wohlgeordneten Erde kein Verderben. Das ist besser für euch, so
ihr glaubt. (Sure 7:85– al-A'raf)

Und lauert nicht auf jedem Weg - die an Ihn glauben bedrohend und von Gottes Weg abwen-
dend - und sucht nicht, ihn abzubiegen. Und bedenkt, dass ihr wenige wart und Er euch ver-
mehrte. Und seht, wie das Ende derer war, die Verderben stifteten. (Sure 7:86– al-A'raf)

Adnan Oktar 111


Der Darwinismus verbreitet die Lüge, der Mensch sei ziel- und gren-
zenlos
Das folgende Zitat von George Gaylord Simpson, selbst ein Evolutionist, beinhaltet eine der klarsten
Zusammenfassungen der darwinschen Theorie:
Der Mensch steht ganz allein im Universum, er ist das einzigartige Ergebnis eines langen, unbewussten, unpersön-
lichen, rein materiellen Prozesses, aber mit einzigartigem Verständnis und einzigartigen Fähigkeiten. All das
schuldet er niemandem außer sich selbst, und nur er selbst ist dafür verantwortlich.165
Diese Aussage enthält alle falschen Thesen Darwins und zugleich einen der Hauptgründe für den
gesellschaftlichen Kollaps. Darwinisten können keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür beibringen, dass der
Mensch sich selbst in diese Welt hinein versetzt hat. Dennoch halten sie beharrlich an dieser These fest. Ihr
entsprechend gibt es keinen Grund für die Existenz der Menschen – es sind angeblich nur zwecklose Lebewesen, die
eines Tages sterben und von dieser Welt verschwinden werden. Die Wahrheit ist, dass Gott den Menschen aus dem
Nichts erschaffen hat. Hinter der Erschaffung des Menschen gibt es einen bestimmten Zweck, welcher Gott im
Quran erwähnt. Gott hat die Menschen erschaffen, damit sie Ihm dienen. Jedes menschliche Lebewesen wird mit
einem ihm zugesprochenen Schicksal für eine angemessene Zeit auf Erden leben. Nach seiner mit dem Tod
abgeschlossenen Lebenszeit wird jeder Mensch wieder auferstehen. Am Jüngsten Tag wird jeder Rechenschaft able-
gen müssen. Dass die Evolutionisten all das beharrlich leugnen, ändert nichts an dieser Wahrheit. Am Tag des
Jüngsten Gerichts werden die Darwinisten für all die Lügen, die sie unter den Menschen verbreitet haben,
Rechenschaft ablegen und dafür die ewige Strafe hinnehmen müssen. Das hat Gott ihnen im Quran prophezeit.
Sähst du nur, wie sie vor das Feuer gestellt werden und dann sprechen: "Ach, dass wir doch
zurückgebracht würden. Wir würden dann die Botschaft unseres Herrn nicht mehr der Lüge zei-
hen und würden gläubig sein!" (Sure 6:27– al-An'am)

Da mehr und mehr Menschen befürchten, mit ihrem Tod sei alles zu Ende, empfinden sie ihr ganzes Leben lang
ein Gefühl der Leere und Trostlosigkeit. Alle, die diesem Irrglauben anhängen, halten ihr eigenes Leben für bedeu-
tungslos und überflüssig, was zu einem geistigen Kollaps führt. Die irrationalen Thesen von Richard Dawkins,
einem der heute weltweit führenden Verfechter der Evolutionstheorie, sind charakteristisch für die Weltsicht des
Darwinismus. Er behauptet, dass menschliche Lebewesen nur “genetische Maschinen“ seien, und dass der Zweck
ihres Daseins nur darin bestehe, ihre Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Laut Dawkins erfüllt das
ganze Universum nur diesen Zweck. Der Mensch und das ganze ihn umgebende Universum sind für ihn nur ein
Ergebnis von Zufall und Chaos. Eine derartige Auffassung des Lebens führt zwangsläufig zu Verzweiflung und
Unglück, weil dann nichts im Leben eines Menschen irgendeine Bedeutung hat, da ja angeblich mit dem Tod alles
endet. Für jemanden, der nicht auf eine Belohnung im Jenseits hofft, sind Werte wie Freundschaft, Liebe und gute
Taten so gut wie bedeutungslos.
Hinzu kommt, dass ein derart morsches moralisches Gebäude die Menschen dazu bringt, zu glauben, ihre
schlechten Taten blieben ungesühnt. Das wiederum bringt sie dazu, ihre schlechten Taten zu verheimlichen oder zu
verleugnen, um nicht dafür bestraft zu werden. Und so gewöhnen sie sich daran, zu lügen, zu heucheln, schlecht
über andere zu reden, andere auszubeuten, zu stehlen und sogar zu morden - all das ohne irgendwelche
Gewissensbisse. In einer Gesellschaft, in der solche Irrtümer vorherrschend sind, kann es deshalb keine Ordnung
und Stabilität geben.
Eines der schlagendsten Beispiele für den Schaden, den die darwinistische Propaganda den Menschen zufügt,
ist nachzulesen im Vorwort zu Dawkins Buch Unweaving the Rainbow:
“Ein ausländischer Verleger meines ersten Buches gestand mir, er habe drei Nächte lang nicht schlafen können, nach-
dem er es gelesen hatte, weil er so beunruhigt war von dessen in seinen Augen kalter, mitleidloser Botschaft. Andere
haben mich gefragt, wie ich es aushalten könne, morgens überhaupt noch aufzustehen. Ein Lehrer in einem anderen
Land schrieb mir vorwurfsvoll, eine seiner Schülerinnen sei in Tränen ausgebrochen, nachdem sie das Buch gelesen
habe, weil sie dadurch den Eindruck gewonnen habe, das Leben sei leer und sinnlos. Er riet ihr daraufhin, das Buch
keinem ihrer Freunde zu zeigen, um sie nicht mit dessen nihilistischem Pessimismus anzustecken.“166
Wie aus diesem Eingeständnis Dawkins hervorgeht, war der Pessimismus und die von ihm propagierte
Sinnlosigkeit eine große gesellschaftliche Bedrohung. Seine Weltanschauung ist nicht nur trostlos, wie er selbst

112 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

zugibt, sondern darüberhinaus eine Lüge, um Menschen von der Freude am Leben abzuhalten. Diese Freude
wurzelt in der Tatsache, dass der Mensch nicht einsam, ohne Freunde und von allen verlassen ist, sondern einen
von Gott gestifteten Sinn im Leben hat.
Wenn in einer Gesellschaft vergessen oder geleugnet wird, dass Gott die Menschen für einen bestimmten
Zweck erschaffen hat, so ist sie verurteilt zum moralischen und geistigen Untergang. Die meisten der Menschen,
die Drogen oder dem Alkohol verfallen, erleiden psychische Krisen und Depressionen bis hin zum Selbstmord,
weil sie keinen Begriff vom Sinn ihres Lebens haben.
Obwohl selbst Evolutionist, sagt Fred Hoyle genau das über die Philosophie des Nihilismus, die sich aus
Darwins Der Ursprung der Arten ergibt:
“Mich quält ständig der Gedanke daran, dass die nihilistische Philosophie, die sogenannte gebildete Kreise aus
der Lektüre von Darwins Der Ursprung der Arten gesogen haben, die Menschheit auf einen Pfad der fast automa-
tischen Selbstzerstörung geführt hat. Seither tickt die Zeit bis zum Jüngsten Gericht.“167
Gott hat alle Menschen erschaffen, damit sie Ihm dienen, und Er hat ihnen Seinen Geist eingehaucht. Der
Mensch ist ein Wesen, das nicht durch Zufall aus unbelebter Materie entstanden ist, sondern von Gott dem
Allmächtigen erschaffen worden ist, Der ihm Vernunft und Gewissen und alle anderen Segnungen mit auf den
Weg gegeben hat. Menschliche Lebewesen - von Darwinisten als zwecklose Geschöpfe dargestellt - tragen in
Wirklichkeit einen tieferen göttlichen Sinn in ihrer Existenz, um ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, Der sie
aus dem Nichts erschaffen und ihnen Seele und Gewissen eingehaucht hat. In jedem Augenblick unseres Lebens
sollten wir deshalb den Geboten Gottes folgen mit Sorgfalt und Begeisterung, weil Er uns dafür Seine Gnade und
ein späteres Leben im Paradies versprochen hat. Das eigentliche Leben eines jeden Menschen liegt im Jenseits,
das erst nach dem Tod beginnt. Aber in dieser unserer Welt müssen wir uns das Paradies erst verdienen.
Im Quran hat uns Gott offenbart, dass es für uns Menschen Grenzen gibt:
Glaubt der Mensch etwa, unbeachtet gelassen zu werden?(Sure 75:36– al-Qiyama)

Meint ihr etwa, Wir hätten euch zu Spiel und Zeitvertreib erschaffen und dass ihr nicht zu Uns
zurückkehren müsst?" (Sure 23:115– al-Muminun)

Nach der sozialdarwinistis-


chen Propaganda ist der Tod
eines Menschen nicht unter-
schiedlich dem einer Fliege.
Der Darwinismus legt keinen
großen Wert auf menschliche
Wesen. Selbst die Situation
dieser Kinder hätte möglicher-
weise keine Auswirkungen auf
die Gewissen der von der dar-
winistischen Propaganda
getäuschten Menschen haben.

Adnan Oktar 113


Die sozialdarwinistische Lüge, der Mensch sei nur eine Tierart
Die Anhänger des Sozialdarwinismus behaupten, dass alle menschlichen Merkmale ein Erbe “tierischer
Vorfahren“ seien. Diese Auffassung hat verhängnisvolle Folgen für die Eigenwahrnehmung des Menschen. Wenn je-
mand seine Mitmenschen als Tiere betrachtet, wird er ihre Gedanken gering schätzen und ihrem Leben geringen Wert
beimessen. Der Tod eines Menschen wird ihm dann nicht mehr bedeuten als der Tod einer Katze oder eines Hundes.
Zu sehen, dass Menschen in Not sind, wird ihm dann ebenfalls gleichgültig sein, weil er ja glaubt, dass Tiere sich en-
twickeln durch Wettbewerb und Kampf. Eine derart erschreckende Weltsicht vertreibt Achtung und Liebe aus dieser
Welt. Deshalb dürfen all jene, die sich vom Darwinismus haben täuschen lassen, nicht übersehen, was sie selbst diese
Täuschung kostet. George Gaylord Simpson schreibt über die darwinistische Sichtweise des Menschen:
“In der Welt Darwins hat der Mensch nur den Status einer besonderen Tierart. Er ist im weitesten Sinn des Wortes ein
Teil der Natur und nicht von ihr getrennt. Er ist nicht nur im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn verwandt mit
allen anderen Lebewesen, sei es mit Amöben, Bandwürmern, Flöhen, Algen, Eichen oder Affen - unterschiedlich ist
nur der jeweilige Verwandtschaftsgrad ...“168
Aber diese Auffassung ist unwissenschaftlich und irrational. Menschen und Tiere sind völlig unterschiedliche,
von Gott erschaffene Lebewesen. Tiere handeln gemäß ihren Instinkten, Menschen gemäß ihrer Vernunft. Sie verfü-
gen über Urteilskraft und Vernunft. Wer den Menschen nur als eine Tierart begreift, versucht, das Gesetz des
Dschungels auf die menschliche Gesellschaft zu übertragen. Dies jedoch führt zwangsläufig zu schrecklichem
Chaos, in dem Frieden und Wohlergehen untergehen.
In einem seiner Briefe hat Darwin selbst seine obskure Weltsicht formuliert anhand der Fragestellung, ob die
Ideen der Menschen irgendeinen Wert haben und auf der Grundlage seiner Behauptung, Menschen hätten sich aus
Tieren entwickelt:
“Ständig erhebt sich in meinen Gedanken der schreckliche Zweifel, ob die Vorstellungen des menschlichen Hirns,
das sich ja aus den Gehirnen niederer Tierarten entwickelt hat, irgendeinen Wert haben oder
überhaupt zuverlässig sind. Würde irgendjemand den Überzeugungen eines Affengehirns
trauen, falls es dort überhaupt welche gibt?“ 169
In Darwins eigenen Worten spiegelt sich fast schon drollig das erschreckende
Menschenbild der Evolutionisten wider. Leider hat es sich in den Köpfen allzu vieler
Menschen der westlichen Welt eingenistet und die Vorstellung vom Menschen als
höherem Tier wird nach wie vor verbreitet, sogar in Schulbüchern. Zum Beispiel in
Biology: Visualizing Life:
“Du bist ein Tier und teilst dieses Erbe mit Erdwürmern, Dinosauriern, Schmetterlingen und
Seesternen.“170
Benjamin Wiker, Dozent für Wissenschaft und Theologie und Verfasser von Moral
Darwinism: How We Became Hedonists, schreibt darüber, wie sich das
Menschenbild seit Darwin einschneidend verändert hat, wie sich Darwins
Menschenbild ungeachtet der Unterschiede zwischen Mensch und Tier ras-
ant weltweit ausgebreitet hat:
“... Fast die ganze gesellschaftliche Moralität beruhte früher auf der Annahme,
dass Menschen eine bestimmte eigene Gattung seien. Deshalb ist die
Unterstrafestellung von Mord zum Beispiel stets mit der menschlichen Natur be-
gründet worden. Du sollst nicht töten! Was nicht töten? Blattläuse? Ameisenlöwen?
Orang-Utans? Nein, du sollst keinen deiner unschuldigen Mitmenschen töten. So
hieß es früher. Mit dem Darwinismus jedoch wird die Artenunterscheidung zwis-
chen Menschen und anderen Tieren vollständig verwischt. Seither gibt es keine klare
moralische Trennungslinie mehr zwischen Mensch und Tier …“

Darwinisten wie Richard Dawkins und Peter Singer haben das sehr wohl verstanden
… Sobald wir uns selbst als eine Tierart unter anderen im evolutionären Spektrum be-
greifen, müssen wir entweder akzeptieren, dass unsere menschliche Moral für alle an-

Richard Dawkins und sein The Blind Watchmaker

114 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

deren Lebewesen gilt, oder dass sie keinerlei Grundlage hat. Im Allgemeinen servieren
uns die Darwinisten eine Mixtur Argumenten, in denen beides schwimmt. Einigen
Tierarten billigen sie moralische Fähigkeiten wie beim Menschen zu, andererseits
schreiben sie menschlichen Lebewesen tierische Verhaltensweisen zu. Einerseits
reden sie von tierischen Eigenschaften, andererseits plädieren sie für einen
Umgang mit kranken oder alten Menschen analog dazu, wie wir mit unseren
Haustieren umgehen.171
Wie bereits gezeigt, ist einer der Hauptgründe für die Evolutionisten, den
Menschen als höhere Tierart zu beschreiben, ihre Absicht, alle moralischen Werte
auszulöschen. Wenn der Mensch, wie der Darwinismus behauptet, tatsächlich nur
ein Tier wäre, hätten moralische Werte für niemanden eine Bedeutung. Die
Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft wären katastrophal. Deshalb muss die
Menschheit auf der Hut sein und sich gegen den Darwinismus und seine pseudowis-
senschaftlichen Täuschungsmanöver wappnen.
Ein Beispiel des Leidens,
Auf der Grundlage der Behauptung, es gebe keine biologischen und physiologischen
welches die sozialdarwin-
Unterschiede zwischen Mensch und Tier, versucht der Darwinismus, uns weiszumachen, es istische Philosophie un-
gebe auch im Verhalten von Mensch und Tier keine Unterschiede. Daraus folgert er, dass schuldigen Menschen
Verhaltensweisen wie Aggression, Egoismus und Rücksichtslosigkeit - angeblich Erbteil un- zufügte. Die gegenwärti-
serer tierischen Vorfahren - natürliche Verhaltensweisen des Menschen seien. Der evolution- gen Angriffe von
Terroristen sind ebenfalls
istische Wissenschaftler Philip Jackson Darlington zum Beispiel schreibt:
Ergebnisse der darwinistis-
“Von zentraler Bedeutung ist die Tatsache, dass Egoismus und Gewalt Teil unseres Wesens chen Werte, welche
sind, nämlich Erbteil unserer tierischen Vorfahren. So gesehen, ist Gewalt dem Menschen bestätigen, dass men-
schliche Wesen gleich wie
eingeboren, ein Ergebnis der Evolution.“172
Tiere sind, und nichts als
Jedes Verbrechen gilt deshalb aus dieser Sicht als normal und gerechtfertigt, was eine Blut, Leiden und Tränen
Bestrafung angeblich unnötig macht. Laut Steven Jay Gould in seinem Buch Ever Since über die Menschheit ge-
bracht haben.
Darwin, begann diese Sichtweise mit dem italienischen Kriminologen Cesare Lombroso um
sich zu greifen:
Biologische Theorien zur Kriminalität waren damals nicht neu, aber Lombroso gab diesem Thema einen neuarti-
gen, evolutionären Dreh. Ihm zufolge sind erbbedingte Kriminelle nicht einfach krank, sondern im wörtlichen Sinn
Rückbildungen zu einer früheren evolutionären Stufe: “Die vererbten Merkmale unserer primitiven und äffischen
Vorfahren sind in unserem menschlichen Genom sedimentiert. Unglücklicherweise werden manche Individuen ge-
boren mit einer übergroßen Anzahl von Merkmalen dieser tierischen Vorfahren. Ihr Verhalten mag in unzivil-
isierten Gesellschaften der frühen Vorzeit angemessen gewesen sein, aber in unserer zivilisierten Gesellschaft gilt
es eben als kriminell. Wir können solche Menschen zwar bedauern, denn sie selbst können nichts dafür...“ 173
Wie aus der Wiedergabe von Lombrosos These durch Gould eindeutig hervorgeht, wird dabei ein Akt des
Verbrechens als jenseits des freien Willens begriffen, weil eben im in uns Menschen vorhandenen tierischen
Erbgut liegend. Das jedoch ist völlig unrealistisch. Richtig ist, dass Gott alle Menschen erschaffen hat mit einem
Hang zum Bösen, aber auch mit einem Gewissen, das sie vor dem Bösen schützen kann und von ihnen verlangt,
Gutes zu tun. Im Quran heißt es dazu:
Bei der Seele [schwöre Ich] und was sie bildete. Und ihr ihre Schlechtigkeit ebenso eingab
wie ihre Gottesfurcht: Wohl ergeht es dem, der sie läutert, und verloren geht der, der sie
verdirbt. (Sure 91:7-10 – asch-Schams)

Deshalb ist den Menschen bewusst, ob ihre Taten gut oder schlecht sind und ob ihr Verhalten richtig oder
falsch ist. Jedermann ist verpflichtet, das Böse zu vermeiden und das Gute zu tun. Wie jene, die Gutes tun, be-
lohnt werden, werden jene bestraft, die Böses tun. Die Evolutionstheorie hingegen, der zufolge Kriminalität und
Unmoral gerechtfertigt sind, lenkt die Menschen auf den Pfad des Unheils.
Im Unterschied zu Tieren besitzen Menschen eine von Gott eingehauchte Seele, Vernunft, freien Willen,
Gewissen, gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.
Nur Menschen sind in der Lage, Entscheidungen und Urteile zu treffen, über Belohnung oder Strafe zu befinden,
aus Erfahrungen zu lernen und von Gott geprüft zu werden. Keine dieser Fähigkeiten findet sich bei anderen

Adnan Oktar 115


Lebewesen, weil diese völlig anders erschaffen wurden als Menschen. Die oben genannten Eigenschaften sind nur
dem Menschen eigen.
Da dem so ist, wird jeder vernünftige Mensch zugeben müssen, dass dementsprechend jeder ein ehrenhaftes
und mit seinem Gewissen vereinbares Leben zu führen hat.

Das Prinzip des Überlebenskampfs widerspricht der Moral


Der gesamte Darwinismus lässt sich zusammenfassen in seinen zwei Hauptprinzipien: “Kampf ums Über-
leben“ und “Überleben des Stärkeren“. Aus der völlig unrealistischen Sicht der Evolutionisten ist das Leben nur ein
Kampfschauplatz der unterschiedlichen Lebewesen, einschließlich des Menschen. In einer solchen Welt jedoch ist
kein Platz für moralische Grundsätze wie Liebe, Achtung, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung.
In seinem Buch Die Abstammung des Menschen schrieb Darwin, dass die Menschheit ihre heutige Stellung in der
Welt der Natur nur durch Kampf erreicht habe und dass dieser Kampf fortgesetzt werden müsse, um den Fortschritt
der Menschheit zu bewerkstelligen. Es dürfe deshalb kein Gesetz erlaubt werden, das diesem Prozess im Weg stehe.
“Der Mensch, wie andere Tiere auch, hat sich ohne Zweifel seinen gegenwärtigen hochstehenden Status durch seinen
Kampf ums Überleben erworben in Relation zu seiner raschen Vermehrung. Wenn er sich noch höher entwickeln
will, so muss er sich weiterhin diesem Kampf aussetzen.

Falls nicht, wird der Mensch in Trägheit verfallen, und selbst höherbegabte Menschen werden nicht erfolgreicher im
Überlebenskampf sein als die Minderbegabten. Von daher rührt unser menschliches Wachstum, das trotz vieler of-
fensichtlicher Mängel und Fehler nicht künstlich gebremst werden darf. Alle Menschen sollen sich an diesem
Wettstreit beteiligen dürfen und müssen.“174
In der dunklen Welt des Darwinismus gilt für alle Menschen nur dies eine “Gesetz“: Ihr ganzes Leben im Kampf
zu verbringen. Aber dieser These fehlt jegliche wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, und mit Vernunft und Logik ist
sie ohnehin nicht vereinbar. Wenn jedoch derart gefährliche Erklärungsversuche akzeptiert und in die Tat umgesetzt
werden, werden Ehrenhaftigkeit und Heroismus, Loyalität und Hingabe ersetzt durch Heuchelei und Selbstsucht,
Verlogenheit und Unzuverlässigkeit, und nur jene, die darüber verfügen, werden sich “Sieger“ nennen können.
Aber ständig argumentieren die Evolutionisten auf den Grundlagen der darwinistischen Weltsicht und seiner mehr
als fragwürdigen Moral, um die Menschen auf einen falschen Weg zu locken.
In ihrem Artikel The Center of Life, gibt Lorraine Lee Larison Cudmore, promovierte Biologin, offen zu, dass in
einem darwinistischen Weltbild kein Platz ist für Mitleid:
“Die Evolution ... ist hart und unentrinnbar ... Darin gibt es keinen Raum für Mitleid oder Sportsgeist. Es werden ein-
fach zu viele Organismen geboren, weshalb Unzählige davon sterben müssen. Das einzige, was zählt, ist, ob jemand
mehr Kinder mit seinen eigenen Genen hinterlässt als der andere.“175
Wie schon im Zusammenhang mit Rassismus, Raubtierkapitalismus und Eugenik an anderer Stelle in diesem
Buch aufgezeigt, sind die mit den darwinistischen Wahnideen begründeten Vorstellungen und Praktiken
Folgeerscheinungen jener Fehler und Täuschungen, die sich aus dem Dogma der Überlebenskampfs ergeben. Aber
das Leben ist kein Kampfschauplatz. Der einzige Kampf der Menschen muss jener gegen ihr eigenes selbstsüchtiges
Ich sein. Im Kampf gegen das Böse in sich selbst und anderen muss jeder Mensch seine positiven Fähigkeiten her-
ausarbeiten: Liebe, Mitleid, Zuneigung, Frieden, Sicherheit, Achtung, und Loyalität. All das sind Forderungen, die
Gott wohlgefallen und die Er von uns verlangt.

Der Sozialdarwinismus missachtet das menschliche Leben


Wenn man das darwinistische Dogma des “Kampfes ums Überleben“ und seine Implikationen in die Praxis um-
setzt, erweist sich das menschliche Leben als wertlos. Dann wird alles legitim: Menschen ermorden, sie dem
Verhungern ausliefern, Angriffskriege, Massaker, Terroranschläge, Euthanasie und andere Gräuel.
Damit im Einklang steht der amerikanische Professor E. A. Ross, von dem folgende Äußerung stammt: “Der
christliche Kult der Nächstenliebe als irdisches Gnadenmittel hat ein schützendes Dach erbaut, unter dem Idioten
und Kretins kriechen und brüten.“ Und: “Der Staat nimmt die Taubstummen in seine schützenden Arme, und schon
wächst eine Rasse von Taubstummen heran.“ Weil alle sozialen Schutzmaßnahmen lediglich der natürlichen
Selektion und Evolution im Weg stünden, schlägt er als wesentlich effizienteren Weg der Weltverbesserung vor, all

116 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Grafik unten zeigt den gewalti-


gen Anstieg der Kriminalität in den
letzten 30 Jahren. Je mehr sich
Gesellschaften von den religiösen
Moralwerten entfernen, desto
größer ist der sich ergebende
moralische Zusammenbruch und
die Kriminalität.

diese Menschen einfach sich selbst zu überlassen und durch natürliche Selektion aussterben zu lassen.176
Welch ein grauenhafter Gedanke! Jeder Mensch hat ein Gewissen, und dieses Gewissen gebietet jedem von
uns, sich um Schwache und Arme zu kümmern. Wenn der Mensch seine Fähigkeit verliert, menschlich zu
denken, wird er herabsinken auf ein Niveau, das noch tiefer liegt als das der Tiere. Denn selbst Tiere sind kooper-
ativ und solidarisch. (Siehe dazu: Harun Yahya: Devotion Among Animals: Revealing the Work of God, Global
Publishing, Istanbul)
Ross ist jedoch nicht der einzige Sozialdarwinist, der dem menschlichen Leben nur geringen Wert beimisst.
Es gibt noch viele andere seiner Sorte, zum Beispiel Peter Singer, Professor für Bioethik an der Princeton
University. Er geht so weit, zu behaupten, dass Menschen mit ernsthaften körperlichen Behinderungen als nicht
lebenswert gelten sollten. Das hat er selbst folgendermaßen formuliert:
“Wenn wir einen behinderten menschlichen Jugendlichen vergleichen mit ... zum Beispiel einem Hund oder
einem Schwein, so werden wir feststellen, dass diese Tiere über vergleichsweise bemerkenswerte Fähigkeiten ver-
fügen. ... Nur die Tatsache, dass das behinderte menschliche Wesen der Gattung Homo sapiens angehört, bewirkt,
dass es besser umsorgt wird als der Hund oder das Schwein. Aber allein die Artzugehörigkeit ist moralisch nicht
ausschlaggebend ...“ 177
Aber Singer ging noch weiter und verlangte, geistig Behinderte in wissenschaftlichen Experimenten zu töten
oder der Nahrungskette zuzuführen! Singer wörtlich:
“Geisteskranke haben kein Recht auf Leben, und deshalb sollte man sie töten zwecks Fleischverwertung - sofern
wir eines Tages Geschmack an Menschenfleisch finden sollten - oder für wissenschaftliche Experimente verwen-
den.“178
Dem radikalen Sozialdarwinismus sind offenbar keine Gräuel fremd. Ähnlich äußert sich Joseph Fletcher,
ehemaliger Vorsitzender der Right to Die Society über Geisteskranke:
“Menschliche Lebewesen ohne ein Minimum an Intelligenz oder Denkfähigkeit sind keine Mitglieder der
Gesellschaft, egal, wieviele ihrer Körperorgane ansonsten intakt sind, und wie spontan ihr Lebensprozess verläuft
... Idioten sind, waren und werden niemals irgendwie selbstverantwortlich sein. Kurz gesagt: Sie sind keine
Menschen.“179
Die Tötung von Neugeborenen ist eine weitere von den Darwinisten gebilligte Praxis, die in deren
Menschenverachtung gründet. Ihr Gedankengang ist dabei folgender: Die Fürsorge um die Neugeborenen behin-
dert die Eltern in ihrem eigenen Überlebenskampf, deshalb ist es im Sinne der Evolution besser, die
Neugeborenen zu töten. Schon Darwin argumentierte, Tiere würden häufig dabei beobachtet, wie sie ihre Jungen

Adnan Oktar 117


töten, und er interpretierte dies als wichtigen Faktor einer tierischen Bevölkerungskontrolle. In einem Beitrag für
Science äußert sich die Evolutionistin Barbara Burke dazu folgendermaßen:
“Bei manchen Tierarten scheint das Töten von Neugeborenen eine natürliche Praxis zu sein. Könnte das nicht auch
bei Menschen natürlich sein, weil es ein Erbteil unserer Vorfahren, der Primaten, ist? ... Charles Darwin hat in Die
Abstammung des Menschen bemerkt, dass die Tötung von Neugeborenen “wahrscheinlich ein effizientes Instrument
der Bevölkerungsregulierung“ in den meisten Phasen der Menschheitsgeschichte war.“180
Darwinisten wie Haeckel haben auch den Selbstmord begrüßt und allen, denen ihr Leben unerträglich schien,
dieses Recht zugesprochen. Aber Gott hat Selbstmord verboten.
All die bisher angesprochenen Praktiken und Ideologien - Eugenik, Euthanasie und Rassismus - zeigen, dass
der Darwinismus eine Weltanschauung ist, die dem menschlichen Leben keinen Wert zumisst und dass er keinerlei
wissenschaftlichen Wert hat.
In Wahrheit hat das Leben jedes einzelnen Menschen seinen eigenen, hohen Wert. Entsprechend den moralis-
chen Werten des Quran betrachten sich die Menschen als wichtig und wertvoll, und notfalls opfern sie sich füreinan-
der auf. Jeder Muslim wird dem Anderen zu essen geben, auch dann, wenn er selbst hungrig ist.
Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung
selbst bedürfen. (Sure 76:8– al-Insan)

Jeder Muslim hat die Pflicht, die Armen zu schützen, den Verlorenen zu helfen und Waisenkinder, hilflose
Frauen und Männer, Kinder und alte Menschen zu beschützen. In einem Quranvers hat Gott die Kinder dazu er-
mahnt, ihre Eltern zu ehren (Sure 17:23 – al-Isra) und anderen immer nur das Beste zu wünschen. (Sure 17:53 – al-
Isra). In einem anderen Vers offenbart uns Gott:
“... dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande
angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben
erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten.” (Sure 5:32 – al-Ma'ida)

Es ist eine längst bekannte Wahrheit, dass eine Gesellschaft, in der jeder den anderen als menschliches Wesen
mit Vernunft und Gewissen betrachtet, so wertvoll und wichtig wie er selbst, mit Frieden, Sicherheit, Liebe und
Achtung erfüllt sein wird.

Gemäß dem darwinistischen Denkmuster, welches den Menschen als eine Art Tier ansieht, sind sie
wenig wert. Unter der sozialdarwinistischen Logik darf nichts getan werden, um den Menschen, die
Schmerzen oder Angst haben zu helfen; diese Menschen werden ohne Hilfe und Schutz verlassen.
Jedoch unter den Islamischen Moralwerten ist jeder Gläubige verantwortlich, dass er sich bemüht, des
anderen Frieden, Sicherheit und Wohlergehen zu sichern.

118 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

DAS VERÜBTE GEMETZEL, UM DIE


“NATÜRLICHE SELEKTION ZU ERZWINGEN“

Am 20. April 1999 attackierten der 18-jährige Eric Harris und der 17-jährige Dylan Klebold, zwei amerikanische
Studenten von der Columbine High School im Staat Colorado, bewaffnet mit Gewehren und Bomben ihre
Schule. Nachdem sie 12 Studenten und einen Lehrer innerhalb einer halben Stunde getötet haben, begingen sie
Selbstmord.
Gleich nach dem Angriff unternommene Durchsuchungen der Wohnungen der zwei Studenten stießen auf
äußerst interessante Dokumente und Informationen. In einem seiner Schriftstücke vom 26. April 1998, in der
Westword Webseite mit Sitz in Denver publiziert, schrieb Eric Harris, dass er und Klebold in ihrer Schule die
“natürliche Selektion“ erzwingen wollen:
Irgendwann im April [1999] werden ich und V [er nannte Klebold “V“ von “Vodka“ in den Schriften] uns
rächen und die natürliche Selektion um einige Kerben bereichern. Sie waren wie folgt bewaffnet; eine Tasche
voll mit noisey crickets (improvisierte Granaten) und noisey crickets befestigt an WD40 Dosen, Rohrbomben
mit einer … Schrapnellladung, Brandbomben, Chlorgasbomben, Rauchbomben.1

Außerdem hatte Harris zur Zeit des Angriffs ein T-Shirt an, auf welchem “Natürliche Selektion“ gedruckt
stand. 2

Es konnte aus ihren Schriften schließen, dass sie einen Racheakt an Lehrern und Studenten ausführten, die sie
als “minderwertig“ betrachteten. 3
In den meisten seiner Schriften bezog sich Harris andauernd auf die natürliche Selektion und Überlegenheits-
gefühle. In den drei Videos, die sie vor dem Angriff aufnahmen, bezogen sich die beiden auf sich selbst als
besser “entwickelt“ als andere und auf ein Gefühl “Übermensch“ zu sein. 4
In der Tat, genau im April, so wie Harris in seinem Tagebuch schrieb, betraten er und Klebold die Columbine
High School mit gleichen Waffen, auf die sie erwähnt haben und begannen die Studenten zu massakrieren.
Beide waren in der Schule als Bewunderer Hitlers bekannt und trugen T-Shirts mit aufgedruckten
Hakenkreuzen. Außerdem wäre der Tag, an dem sie den Angriff ausführten Hitlers 110. Geburtstag gewesen.
Diese beiden Jungen waren augenscheinlich normale Gymnasiasten mit einem stabilen Familienhintergrund,
von denen niemand jemals gedacht hätte, so einen Angriff verüben zu können. Zusätzlich erfuhr man aus ihren
Tagebüchern, dass sie mit ihren Familien ein gutes problemloses Verhältnis hatten.
Die abnormal aggressive Neigung in den Charakteren dieser jungen Menschen, die sie dazu trieb, solch einen
psychopatischen Angriff zu begehen, muss durch die Erziehung der beiden unterstützt worden sein. Sie greifen
auf das Konzept der “natürliche Selektion“ zurück, welches sie in der Schule gelernt haben, um Probleme mit
Schulkameraden zu lösen, welche sie dachten, sie ausgeschlossen zu haben. Es ist keinesfalls überraschend,
dass Menschen, die dazu “erzogen“ werden, solch irrige Ideen zu haben wie “das Leben ist ein Überleben-
skampf, dass man kämpfen muss, um zu überleben, dass der Starke den Schwachen zerquetscht, dass das men-
schliche Leben keinen Wert hat und dass Menschen sich nicht von Tieren unterscheiden“, Angriffe ausführen,
die sie mit der natürlichen Selektion verbinden.
Das Lebenskonzept, das sie durch ihre Erziehung erwerben, ist das, welches den Menschen von Darwin
aufgezwungen wurde. Menschen, die über den grausamen Wettkampf der natürlichen Selektion aus
Schulbüchern und im Unterricht lernen und sich vorstellen, dass dies der einzige Weg ist, um zu überleben,
sind in der Lage, solchen Hass und grausame Feindschaft als rechtmäßig anzuerkennen. Sie sind daher fähig,
ähnliche Aktionen durchzuführen.

Adnan Oktar 119


Diese Jungen, die ihre Freunde töteten und behaupteten, sie
führen die natürliche Selektion aus, schrieben in ihren
Tagebüchern, dass sie höher entwickelt und deswegen den
anderen Menschen überlegen sind.

Wenn junge Leute jedoch im Licht der moralischen Werte des Quran erzogen werden, anstatt von Dogmen wie
“natürliche Selektion“, werden sie – und tatsächlich auch die gesamte Gesellschaft – die Verzeihung suchen,
Liebe, Zuneigung und Freundschaft verspüren und den Frieden gewährleisten, anstelle von Hass und Konflikt.
Die Lösung von moralischer Degeneration liegt in dem intellektuellen Sturz jener Philosophie, die dorthin
führte, und in ihrem Ersatz durch die vom Quran befohlenen Moralwerte.

1. CNN, "Columbine Killer Envisioned Crashing Plane in NYC," 6. Dezember 2001,


http://edition.cnn.com/2001/US/12/05/columbine.diary/
2. Denver Rocky Mountain News, 25. Juni 1999, S. 4A, 14A
3. Antonio Mendoza, "High School Armageddon," http://www.mayhem.net/Crime/columbine.html
4. ebd.

120 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

DER IRRTUM DER “EVOLUTIONSPSYCHOLOGIE“

ach dem ersten Donnerschlag, den Darwins Der Ursprung der Arten und Die Abstammung des Menschen

N verursacht hatten, begannen viele Evolutionisten darüber zu spekulieren, ob und inwieweit die
Evolution das menschliche Sozialverhalten, Emotionen, Urteile und Ideen - alles Attribute des men-
schlichen Geistes - beeinflusst haben könnte. Ihr Grundgedanke war, dass einer evolutionären Entwicklung un-
seres Körpers auch eine evolutionäre Entwicklung unseres Verhaltens entsprechen müsse. Also begannen die
Evolutionisten, denen nach wie vor unbekannt war, wie biologische Strukturen entstehen, sich Geschichten
auszudenken über die angebliche Evolution der menschlichen Seele.
In Die Abstammung des Menschen hatte Darwin behauptet, in nicht allzu ferner Zukunft würde die Evolution
auch die Grundlagen der Psychologie schaffen, und dies folgendermaßen begründet:
“In ferner Zukunft glaube ich, weite Betätigungsfelder für weit bedeutendere Forschungen zu sehen. Die
Psychologie wird auf neuen, sicheren Fundamenten stehen ... Das Licht der Erkenntnis wird dann auf den
Ursprung der Menschheit und ihrer Geschichte fallen.“181
Die erste wissenschaftliche Initiative in dieser Richtung ging aus von dem Entomologen Edward O. Wilson
an der Harvard University. Obwohl sie kläglich scheiterte, wurde sie unter dem Begriff Soziobiologie bekannt.
In Sociobiology: The New Synthesis, erschienen 1975, behauptete Wilson, dass tierisches Verhalten eindeutig bi-
ologisch definiert sei. Der Evolutionstheorie verhaftet, glaubte er, dass spezielle Gene das menschliche und das
tierische Verhalten steuern. Sein Experimentierfeld waren Insekten, denen er auch die ersten 26 Kapitel seines
Buches widmete. Dann endlich, im 27. Kapitel, versuchte er seine “Ergebnisse“ auf Menschen zu übertragen. 1978
schließlich veröffentlichte er sein Buch Human Nature, in dem er behauptete, Gene seien
verantwortlich für Verhaltensweisen wie Hass, Aggression, Xenophobie, Freundlichkeit,
Homosexualität und die Verhaltensunterschiede zwischen Mann und Frau. All das
beruhte jedoch nur auf Spekulation.
Keine seiner Thesen und keine These seiner Anhänger konnten jemals wis-
senschaftlich bestätigt werden. Im Gegenteil: Alle wissenschaftlichen Ergebnisse zu
diesem Thema führten eher zu gegenteiligen Erkenntnissen.
Eine weitere unwissenschaftliche Behauptung Wilsons war, alle Lebewesen
seien nichts weiter als Träger genetischer Informationen und ihre Aufgabe bestehe
lediglich darin, Geninformationen an die nächste Generation weiterzugeben. Für
ihn war Evolution gleichbedeutend mit Gen-Evolution. In seinem Buch
Sociobiology: The New Synthesis drückt er sich folgendermaßen aus:
“Im darwinistischen Sinn lebt ein Einzelorganismus nicht für sich selbst. Seine
Hauptaufgabe liegt nicht einmal darin, weitere Organismen zu erzeugen - er re-

E. O. Wilson und sein Buch


Sociobiology: A New Synthesis

Adnan Oktar 121


produziert Gene und dient als deren Zwischenträger. Jeder durch sexuelle Reproduktion entstandene Organismus ist
eine einzigartige, akzidentielle Kombination aller Gene, die die jeweilige Spezies definieren. Die natürliche Selektion
ist jener Prozess, in dessen Verlauf bestimmte Gene, die in verbessertem Zustand an der gleichen
Chromosomenposition liegen, an die nächste Generation weitergegeben werden. Aber der jeweilige
Einzelorganismus ist nur ein Transportmittel für diese Gene, Teil eines ausgeklügelten Plans, um sie mit dem biolo-
gischen Mindestgrad an Verwirrung zu erhalten und weiterzugeben. Der berühmte Aphorismus von Samuel Butler,
dass das Küken nur ein Mittel für das Ei sei, ein weiteres Ei zu legen, scheint sich zu bewahrheiten: Der einzelne
Organismus ist nur ein Mittel für die DNS, noch mehr DNS zu erzeugen.“182
Wilsons abenteuerliche Behauptungen waren ausschließlich Ergebnis seiner evolutionistischen Spekulationen.
Sogar andere Evolutionisten wie zum Beispiel Stephen Jay Gould legten Widerspruch ein:
“Aber Wilson geht noch ein gutes Stück weiter. Sein 27. Kapitel ... ist in erster Linie eine ausführliche Spekulation
über Gene, die angeblich menschliches Verhalten steuern, wie zum Beispiel Bosheit, Aggression, Xenophobie,
Konformismus, Homosexualität und all die Verhaltensunterschiede zwischen Mann und Frau in westlichen
Gesellschaften.“183
Aber erst mit dem evolutionistischen Zoologen Richard Dawkins erreichte die evolutionistische Spekulation
über menschliches Verhalten einen bisher nicht übertroffenen und schier unglaublichen Höhepunkt.

Dawkins und “egoistische Gene“ tragende Roboter


Ausgehend von den unhaltbaren Behauptungen über Gene in der Soziobiologie und ihrer Weiterentwicklung,
der evolutionären Psychologie, hat Richard Dawkins die Idee des “egoistischen Gens“ in die Welt gesetzt.
Demzufolge sind die Hauptziele eines lebenden Organismus das Überleben und die Fortpflanzung - in seinen
Worten: der Schutz der eigenen Gene und die Weitergabe an folgende Generationen. Das aber ist nichts weiter als
Spekulation.
Gemäß dieser Schlussfolgerung aus der Evolutionstheorie, haben sich unbelebte chemische Substanzen irgend-
wann selbst organisiert - wie auch immer dies geschehen sein mag - zu DNS-Strukturen, die sich selbst repro-
duzieren können. Die erste so entstandene DNS-Struktur, die aus dieser angeblichen chemischen Suppe entstanden
sein soll, war angeblich das Gen mit nur einem Zweck zur Fortpflanzung. Irgendwie hat dieses Gen “sich entsch-
ieden“, sich selbst zu kopieren, wobei es weitere Gene erzeugt hat. Als Folge von Kopierfehlern während dieses
Vorgangs sind jedoch neue, veränderte Gene entstanden. Anschließend haben diese Gene auf irgendeine Weise “gel-
ernt“, wie sich aus ihnen unterschiedliche Körper entwickeln, in denen sich die veränderten Gene besser repro-
duzieren können. Jene Gene, die die am besten geeigneten Körper codieren konnten, wurden dadurch besser und
effizienter reproduzierbar. Die Evolutionisten behaupten nun, dass als Ergebnis dieses Vorgangs - dessen wie und
warum sie nicht weiter erklären können - sich Körper hinsichtlich ihrer Form und Funktion allmählich weiteren-
twickelt haben. Diese abenteuerliche Geschichte, gehört heute zum Selbstverständnis des modernen Darwinismus.
Aber selbst die Evolutionisten sind sich über die Unmöglichkeit im Klaren, dass ein menschlicher Körper oder eines
seiner Organe, auch nicht die Zellen innerhalb dieser Organe, ja nicht einmal ein einziger Zellbaustein aus eigener
Kraft ins Dasein kommen kann.
Dawkins jedoch macht diesen Mythos zum Ausgangspunkt seiner Theorie und verkündet, dass es zwischen den
Genen einen “Wettbewerb“ gebe. Dies verbreitete er in seinem Buch Das egoistische Gen:
“Wir sind Überlebensmaschinen - bewegliche Roboter, nur darauf programmiert, egoistische Moleküle zu erhalten,
die wir Gene nennen. Das ist eine Wahrheit, die mich noch immer mit Erstaunen erfüllt. Obwohl ich es schon seit
Jahren wusste, kann ich mich noch immer nicht an diesen Gedanken gewöhnen. Eine meiner Hoffnungen ist, dass ich
damit auch andere in Erstaunen versetzen kann...“184
Wenn man Dawkins glaubt, ist der Mensch nur ein gentragender Roboter. Der einzige Grund für seine Existenz
wäre demzufolge die Reproduktion dieser Gene, damit sie in Konkurrenz mit anderen Genen treten und die
Ergebnisse dieser Konkurrenz an zukünftige Generationen weitergeben können. Es ist offensichtlich, dass eine
solche Theorie, die die Existenz der Seele leugnet und menschliche Lebewesen nur als Ergebnis eines mechanistis-
chen Entwurfs begreift, völlig unrealistisch ist.
Nichtsdestotrotz befürwortet eine Reihe von Evolutionisten, die nach einer materialistischen Erklärung suchen,
diese unwissenschaftliche Theorie von Dawkins. In seinem Buch Human Nature behauptet zum Beispiel Wilson, dass
Zweck und Bedeutung der menschlichen Existenz nur durch Gene konstituiert werden:

122 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

“Keine Spezies, einschließlich unserer eigenen, hat einen Zweck, der über die Imperative der jeweiligen genetis-
chen Geschichte (i.e. Evolution) hinausgeht ... Keine Spezies hat ein über ihre biologische Struktur hin-
ausweisendes Ziel.“185
Die logische Schlussfolgerung dieser wissenschaftlich haltlosen Theorie ist: Wenn die Reproduktion der Gene
der einzige Zweck ist und Menschen nur “Transportmittel“ für diesen Prozess sind, dann müssen sie so egoistisch
und rücksichtslos wie möglich sein, und zwar im Interesse der Reproduktion ihrer Gene. Entsprechend Dawkins
und seinen Verfechtern sind "egoistische" Gene in dieser Konkurrenz siegreich. In The Selfish Gene fasst Dawkins
diese verdrehte darwinistische Veranschaulichung zusammen:
“Wir alle sind ebenso wie die Tiere nur Maschinen, die unsere Gene erschaffen haben. Ähnlich wie früher erfol-
greiche Gangster in Chikago haben unsere Gene überlebt, in manchen Fällen Millionen von Jahren, in einer vom
Wettbewerb geprägten Welt. Das berechtigt uns dazu, von unseren Genen einiges zu erwarten. Meines Erachtens
müssen wir in erster Linie erwarten, dass rücksichtsloser Egoismus eine herausragende Eigenschaft eines erfol-
greichen Gens ist. Und dieses egoistische Gen erzeugt zwangsläufig ein egoistisches menschliches Verhalten. Aber
wie wir noch sehen werden, gibt es besondere Umstände, in denen ein Gen seine egoistischen Ziele am besten er-
reichen kann, indem es eine begrenzte Form des Altruismus bewahrt auf der Ebene eines einzelnen Tieres.
“Besondere“ und “begrenzte“ sind wichtige Begriffe im vorhergehenden Satz. Denn vieles von dem, was wir uns
ansonsten wünschen mögen, zum Beispiel umfassende Liebe oder Wohlergehen einer Spezies, sind Vorstellungen,
die evolutionär keinen Sinn ergeben.“186
Es zeugt von einer fast unglaublichen Ignoranz seitens Dawkins, zu glauben, dass ein Mensch egoistisch sein
müsse, weil die Gene, die er in sich trägt, angeblich egoistisch sind. Wenn dem so wäre, könnte man von “egois-

Gene sind unbelebte Strukturen aus Atomen und frei von Intelligenz. Es ist unlogisch, sich auf sie als bewusste Einheiten zu
beziehen, die Entscheidungen und Auswahl treffen. Die evolutionäre
Psychologie ist aber auf dieser Unlogik begründet.

Adnan Oktar 123


tischen Robotern“ erwarten, dass sie auf alle möglichen Mittel zurückgreifen, um ihre Gene zu schützen und zu er-
halten. Demnach gäbe es keine Hemmschwelle mehr, einen Mord, einen Raub oder einen Diebstahl zu begehen. Von
“egoistischen Robotern” kann man tatsächlich nicht verlangen, dass sie moralischen Werten oder ethischen
Grundsätzen folgen. Unter solchen Umständen kann natürlich selbst ein Mord nicht mehr als unmoralisch oder als
Verbrechen gelten, weil er ja angeblich nur eine Art von genetischer Zuckung zum Zweck der individuellen
Selbsterhaltung ist. Meine Gene sind egoistisch, also bin ich es auch - das ist die Botschaft von Dawkins. Eine derar-
tige Behauptung ist extrem gefährlich und untergräbt jede gesellschaftliche Moral.
In Wirklichkeit jedoch ist die Theorie vom egoistischen Gen völlig unlogisch und unsinnig, weil Dawkins und
seine Gesinnungsgenossen Gene als Entitäten mit einem Willen und Bewusstsein beschreiben. Aber Gene sind nach-
weislich nur DNS-Stränge - spiralig geformte “Leitern“ von Nukleinsäuren, die zusammengehalten werden durch
Kohlenhydrate und Phosphatelemente. Wie H 2 O (Wasser) oder H 2 SO 4 (Schwefelsäure), ist auch die DNS ein
Molekül. Und ebensowenig, wie man von “egoistischem“ Wasser oder von “eifersüchtiger“ Schwefelsäure sprechen
kann, kann man von egoistischen Genen sprechen.
Die Evolutionisten beschreiben menschliche Lebewesen als eine Art Materiehaufen, innerhalb dessen sich ir-
gendwie so etwas wie Vernunft entwickelt hat. Dass sie heutzutage diese Fähigkeit Genen zuschreiben, zeigt, wie
inkonsistent mittlerweile die Evolutionstheorie geworden ist. Heute ist der Darwinismus an einem Punkt angelangt,
an dem er Molekülen, ja sogar den sie aufbauenden Atomen Bewusstsein und Vernunft zuschreibt. Das ist im Kern
nichts anderes als die Wiederkehr heidnischen Denkens, das an Götter aus Holz oder Stein glaubte.

124 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Ein weiteres Dilemma der Evolutionstheorie: Altruistische “Gene“


Der Evolutionstheorie zufolge herrscht in der Natur ein grausamer Kampf ums Überleben, den nur der
Stärkere gewinnt. Aber man hat längst festgestellt, dass es in der Natur auch Lebewesen gibt, die sich gegenseitig
helfen, sich füreinander aufopfern und sogar ihr Leben für ihre Artgenossen hingeben. Um eine Erklärung zu
finden, die mit den Grundannahmen des Darwinismus in Einklang zu bringen ist, hat Wilson eine Reihe von
Thesen aufgestellt, die zur Grundlage der Soziobiologie geworden sind. Eine davon: W. D. Hamiltons “ver-
wandtschaftliche Selektion“. Ihr zufolge schützt ein Lebewesen seine Nachkommenschaft oder andere
Herdenmitglieder nicht aus altruistischen Gründen, sondern um seine eigenen egoistischen. Anders ausgedrückt:
Ziel jedes Lebewesens ist es, seine eigenen Gene an die nächsten Generation weiterzugeben. Wenn also ein
Muttertier in seinem Nachwuchs “weiterleben“ will, ist es gezwungen, seinen Nachwuchs notfalls auf Kosten
seines eigenen Lebens zu verteidigen. Soll heißen: Grundlage seiner Selbstlosigkeit ist sein eigener Egoismus!
Welch ein pseudowissenschaftlicher Unsinn! Erstens: Kein einziges Lebewesen in der Natur ist sich seiner
Gene bewusst, schon deshalb kann es sich nicht verpflichtet fühlen, sie zu schützen. Zweitens: Kein Lebewesen
kann wissen, dass seine eigenen Gene in seiner Nachkommenschaft weiterexistieren. Ergo gibt es auch keinen
Grund, sich für die Nachkommenschaft aufzuopfern. Es ist schlicht unmöglich, dass Gene - nichts als unbewusste
Molekülketten - ein Lebewesen auf diese Weise steuern können.
Darüber hinaus gibt es in der Natur viele Beispiele von Tieren, die sich nicht nur für ihre eigene Art mit ihren
eigenen Genen aufopfern, sondern auch für andere Arten. Kein Evolutionist kann das erklären, weil sein ganzer
Erklärungsansatz hinsichtlich der Gene schon völlig unsinnig ist.
Ebenso wenig ist dieses evolutionistische Erklärungsdilemma auflösbar, indem man behauptet, der Zwang,
seine Nachkommenschaft zu schützen, sei im Genom von Lebewesen quasi eingebaut. Denn das führt lediglich
zur Frage, wie denn bitte schön ein solch komplexes Verhalten Eingang in das Genom finden konnte? Die
Evolutionstheorie ist nicht in der Lage, zu erklären, wie überhaupt auch nur ein einziges Gen zufällig ins Dasein
treten kann. Deshalb ist es ihr auch nicht möglich, zu erklären, wie die entsprechenden Informationen Eingang in
die Gene finden können. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Jede in den Genen gespeicherte
Informationseinheit ist eine Schöpfung Gottes, der Quelle unbegrenzter Weisheit und des Wissens.
Die Soziobiologen wollen alle altruistischen Parameter, die sie glauben, in der Tierwelt vorzufinden, auf
menschliches Verhalten übertragen. Wenn eine Tiermutter versucht, ihr Junges zu schützen, versucht sie in
Wirklichkeit angeblich nur, ihre eigenen Gene zu erhalten. Die evolutionistische Leugnung aller mit der men-
schlichen Seele verbundenen Eigenschaften und ihre Bemühungen, sie mit Begriffen der Evolutionstheorie zu
beschreiben, stehen auf mehr als wackeligen wissenschaftlichen Beinen. Sie drückt sich herum um Tatsachen wie
jene, dass es menschliches Bewusstsein und ein Gewissen gibt. Sie leugnet die Tatsache, dass Menschen eine
Seele, Vernunft und Urteilsvermögen haben, weshalb sie zwischen richtig und falsch unterscheiden können.
Wenn sich eine Mutter für ihr Kind aufopfert, so tut sie es, weil sie ihr Kind liebt und mit ihm fühlt, weil sie weiß,
wie hilflos es ist und weil sie es deshalb beschützen will. Wenn ihr Kind Schmerzen hat, wird sie dies
nachempfinden und um jeden Preis versuchen, sie zu lindern. Keine von den Evolutionisten erfundene und bei
ihnen so beliebte gen-definierte Maschine wird je derartiges empfinden.
Tatsächlich ist es so, dass selbst Evolutionisten sich bewusst sind, dass die Evolutionstheorie nicht in der Lage
ist, die menschliche Seele zu erklären. Der Evolutionist Robert Wallace schreibt in seinem Buch The Genesis Factor:
“Ich glaube nicht, dass der Mensch nur ein schlauer Egoist ist, dem nur an seiner genetischen Reproduktion gele-
gen ist. Zweifellos ist er das. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, weil er viel mehr als das ist. Beweise dafür
gibt es überreichlich. Man muss nur einmal im Leben den Canon in D-Dur von Johann Pachelbel gehört haben, um
zu wissen, dass der menschliche Geist in unermessliche Tiefen reicht.“187
Wallace betont mit diesen Worten einen ungemein wichtigen Punkt. Dem Neodarwinismus zufolge ist der
Mensch angeblich nur eine gen-transportierende Maschine. Für ein so verstandenes Wesen müsste es eigentlich
unmöglich sein, Musik zu genießen, Freude aus einem Film zu gewinnen, geschweige denn, selbst einen zu
drehen, ein Buch zu lesen oder gar zu schreiben, aus Büchern zu lernen oder Ideen auszutauschen. Menschen
entsprechen in Wirklichkeit überhaupt nicht dem Menschenbild der Evolutionisten, und jeder weiß das von sich
selbst. Kein Evolutionist kann jemals die Frage beantworten, wie und wieso eigentlich der Mensch ins Dasein
gekommen ist, mit seinem Denkvermögen, seinen Gefühlen und seiner Lebensfreude - weil sie in Wirklichkeit
nichts wissen über den Ursprung all dessen.

Adnan Oktar 125


Der Kollaps des genetischen Determinismus
Durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms verbreitete sich schnell die Ansicht von der Allmacht des
Genoms, dem eine enorme Bedeutung für die Ausprägung unserer Persönlichkeit zugeschrieben wurde. Nahezu
jeden Tag veröffentlichten die Zeitungen Artikel, in denen behauptet wurde, wir würden von unseren Genen ges-
teuert. Überschriften wie Scientists Target Genius Gene, Kennedy Tragedies Put Down to Risk Taking Gene, Scientists Say
Research on Male Siblings Proves the Existence of a 'Homosexual Gene, waren lange Zeit an der Tagesordnung. Den

Mütter bringen für ihre Kinder Opfer,


nicht wie es Evolutionisten uns es
glauben machen wollten, um ihre Gene
zu schützen, sondern aus dem Gefühl
der Liebe, Zuneigung und Schutz.

Die Natur besteht nicht nur aus einem


Überlebenskampf. Viele Lebewesen
zeigen ein überaus uneigennütziges
Verhalten gegenüber ihren Jungen und
auch gegenüber anderen.

126 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

BABYMORDE: EINE VON DER EVOLUTIONÄREN


PSYCHOLOGIE UNTERSTÜTZTE GRÄUELTAT

In den Jahren 1996 – 1997 berichteten die Zeitungen zwei schockierende Fälle von Babymorden. Im ersten Fall
brachten zwei 18-jährige Gymnasiasten in einem Hotelzimmer ein Kind auf die Welt, töteten es und warfen den
Körper in eine Mülltonne. Im zweiten Fall verließ ein 18-jähriges Mädchen ihren Schulball und gebar ein Kind
in der Toilette, warf den toten Säugling in einen Abfalleimer und kehrte in den Ballsaal zurück. Beide Fälle en-
deten mit Mordanklagen.
Während die meisten Menschen die Vorfälle einem moralischen Zusammenbruch oder geistiger Verwirrung
zuschrieben, gab Steven Pinker, ein Psychologieprofessor am Massachusetts Institute of Technology eine er-
schreckende Erklärung: Genetischer Zwang. In seinem in der New York Times veröffentlichen Artikel behauptet
Pinker, dass ein Babymord am Tag seiner Geburt keine geistige Krankheit darstelle, weil “es in vielen Kulturen
an vielen Stellen in der Geschichte eine erlaubte Praktik war“:
Die Tötung eines Babys ist ein unmoralischer Akt und wir drücken oft unsere Empörung über die Unmoral
aus, indem wir es Krankheit nennen. Aber normale menschliche Motive sind nicht immer moralisch und die
Neonaticide (Tötung innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt) muss nicht unbedingt das Ergebnis einer
nervlichen Funktionsstörung oder einer gestörten Erziehung sein. 1

Der beeindruckendste Teil des Zitats von Pinker ist der Ausdruck “Aber normale menschliche Motive sind
nicht immer moralisch“. Das offenbart eine Abnormalität in seiner Betrachtungsweise der Dinge. Anders aus-
gedrückt, selbst wenn ein Verhalten unmoralisch ist, kann es gerechtfertigt sein, weil es ein Teil der den
Menschen eigenen “normalen“ Motive ist. Nach Pinker ist die Tötung von Neugeborenen, wenn es die
Umstände erfordern, angeblich ein “normales“ Verhalten. Nach den erfundenen Behauptungen der
Evolutionisten müssen Mütter unter schwierigen Bedingungen eine schwere Wahl, zwischen der Versorgung
ihrer bereits existierenden Kinder und dem Füttern eines Neugeborenen treffen. Deswegen könnte sie, wenn
das Baby krank geboren ist oder kaum eine Wahrscheinlichkeit zum Überleben hat, es vorziehen, nochmals zu
versuchen, indem sie dieses Individuum eliminiert. Die Annahme ist natürlich weder wissenschaftlich noch
wahr. Dennoch ist es ein darwinistisches Denkmuster, welches Pinker dazu treibt, diese Grausamkeit
gutzuheißen.
Die von Pinker und anderen Persönlichkeiten vorgeschlagene Behauptung schadet offensichtlich der
Gesellschaft. Wenn das Konzept des genetischen Zwangs in moralische Entscheidungen Eintritt erhält, könnte
jemand, der einen Mord begeht, sagen: “Ich musste es tun – meine Gene zwangen mich dazu.“ In solch einem
Fall, da Gene nicht bestraft werden können, gibt es kein Verbrechen und keinen Verbrecher. In seinen
Behauptungen berücksichtigt Pinker nicht den menschlichen Verstand und das Gewissen, indem er sich meint,
dass alles im Sinn von Genen erklärt werden kann. Nachdem er auf eine Reaktion der Gesellschaft traf, machte
er geringe Änderungen an seiner Terminologie, aber dieses Mal befand er sich in einem inneren Widerspruch.
Einer der Kritiker von Pinker war Andrew Ferguson, der im The Weekly Standard schrieb:
Sie lassen uns es nicht als moralischer Gräuel sehen..., sondern als genetisch kodierte evolutionäre Anpassung. 2
Pinker kann seine fraglichen Behauptungen verteidigen, obwohl sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis
beruhen. Eine der Kritiken an Pinkers Behauptungen ist, dass sie aus nichts anderem bestehen als aus
Hypothesen auf Grundlage der irreführenden evolutionären Weltanschauungen. Ferguson z.B. kritisierte
Pinkers Logik und meinte, dass er keine Beweise für seine Behauptungen vorlegte. Tatsache ist, dass alle evo-
lutionären Psychologien auf beweislosen Hypothesen und Phantasie aufgebaut sind. In seinem Buch The Wedge
of Truth sagt Phillip Johnson:
Grundsätzlich geht die evolutionäre Psychologie so vor, dass sie einen Berg von Spekulationen auf Grund
von unvollständigen Beweisen über primitive Kulturen aufbaut. 3

Ferguson erstellt diese Diagnosis an dem Gegenstand seiner Kritik:


Hypothesen verhärten sich zu einer Tatsache; die Tatsache wird in der Folge die Grundlage für eine weitere
Hypothese, die sich dann in eine andere sachliche Voraussetzung entwickelt, usw. 4

1. Steven Pinker, "Why They Kill Their Newborns," New York Times, 2. November 1997.
2. Andrew Ferguson, "How Steven Pinker's Mind Works", The Weekly Standard, 12. Januar 1998,S. 16.
3. Philip Johnson, The Wedge of Truth, Intervarsity Press, Illinois, 2000, S. 113.
4. Andrew Ferguson, "How Steven Pinker's Mind Works," The Weekly Standard, S. 16.

Adnan Oktar 127


Berichten zufolge war angeblich unser ganzes Leben nur noch genetisch: von der Eifersucht bis zur Schizophrenie,
vom Alkoholismus bis zu den Fernsehgewohnheiten.
Immer mehr Menschen begannen zu glauben, dass all unsere menschlichen Eigenschaften, von der Intelligenz
bis zum Charakter, vom Erfolg bis zum Misserfolg, schon in unseren Genen prädisponiert seien.
Die Erforschung des menschlichen Genoms ist zweifellos von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert und hat
wichtige Informationen über eine Reihe von Krankheiten zu Tage gefördert. Aber die in das Humane Genome
Project eingebundenen Wissenschaftler und andere haben ständig vor dieser Interpretation gewarnt. Denn in
Wirklichkeit spielen genetische Faktoren bei der Ausbildung von Charakter, Verhalten und Denken des einzelnen
Menschen nur eine verschwindend geringe Rolle. In seinem Artikel The Human Genome Map: The Death of Genetic
Determinism and Beyond, schreibt Mae-Wan Ho vom Institute of Science in Society:
“Die Anzahl unserer Gene ist viel zu gering, um die während des vergangenen Jahrzehnts aufgestellte Behauptung
zu stützen, dass Gene nicht nur unseren organischen Aufbau bestimmen und unsere Krankheiten vorausprägen, son-
dern auch unsere Verhaltensmuster, unsere intellektuellen Fähigkeiten, unsere sexuellen Vorlieben oder möglicher-
weise kriminelles Verhalten.“188
Francis S. Collins, Direktor des National Human Genome Research Institute, stellt unmissverständlich klar, dass
es nicht die Gene sind, die Menschen zu Menschen machen. In dem Artikel Heredity and Humanity: Have No Fear.
Genes Aren't Everything, schreibt er:
“Glücklicherweise hat die zehnjährige Analyse des menschlichen Genoms hinreichende Beweise erbracht, dass die
Furcht vor einem genetischen Determinismus unangebracht ist. Wir wissen dadurch definitiv, dass wir Menschen
weitaus mehr sind als nur die Summe unserer genetischen Bausteine. Zweifellos spielen unsere Gene eine große,
formbestimmende Rolle in der menschlichen Entwicklung und natürlich auch bei der Entstehung von Krankheiten.
Aber die Untersuchung molekularer Strukturen mittels High Tech- ebenso wie mittels nicht minder wichtigen Low
Tech- Analysen in der Zwillingsforschung lassen keinen Zweifel mehr daran, dass unsere Gene eben nicht die alles
bestimmenden Faktoren unserer menschlichen Existenz sind.“189
Im gleichen Artikel stellt Collins klar, dass Gene keinen relevanten Einfluss auf unser Verhalten ausüben. Seiner
Kenntnis nach gibt es keine genetische Prädisposition für kriminelles Verhalten, was natürlich dessen Bestrafung in
einem anderen Licht erscheinen lässt:
“Aber wie steht es mit nicht krankheitsbezogenen Charaktermerkmalen, wie zum Beispiel intelligentem und gewalt-
tätigem Verhalten? Die Entdeckung einer Genvariation, die quasi für Gewaltanwendung zuständig wäre, hätte
zweifellos immense Auswirkungen auf unser jahrtausendealtes Verständnis des freien Willens und würde unsere
Gerechtigkeitsmaßstäbe in zweierlei und gleichermaßen gefährlicher Weise verändern. Wenn ein Verbrecher ein
Gewalt-Gen in sich trüge, könnte nämlich sein Verteidiger eine entsprechende DNS-Analyse vorlegen (“Es liegt an
seinen Genen, also ist er freizusprechen!“), und schon würde ihn jeder Richter und jede Jury freisprechen müssen.
Andererseits wäre es aber durchaus möglich, dass bei jemandem, der nicht einmal über ein Verbrechen nachgedacht
hat, ein angebliches Gewalt-Gen entdeckt wird und er dadurch unter präsumtivem Schuldverdacht stünde, und
zwar für den Rest seines Lebens. Womöglich würde er dann in eine moderne Lepra-Kolonie verschickt.

Selbst wenn unsere Gene tatsächlich unser Verhalten steuern würden, stünden nicht nur unser Rechtssystem und der
rechtliche Schutz für alle Mitglieder der Gesellschaft zur Disposition. Wie zum Beispiel könnte dann unser Konzept
der Gleichheit der Gelegenheiten noch aufrechterhalten werden? Und was wäre mit dem Leistungsgedanken? Man
denke nur an die grauenhafte Genetokratie aus dem Film Gattaca ... einer Welt, in der Kinder unmittelbar nach ihrer
Geburt Kasten zugewiesen werden, entsprechend ihrer DNS-definierten Intelligenz und Berufseignung.“190
In seinem Artikel kritisiert Collins die abstruse Vorstellung eines genbestimmten menschlichen Verhaltens an-
hand eines Zitats:
“Bei alledem muss ich immer an einen metaphorischen Vergleich des Biologen Johnjoe McFadden denken: Die Suche
nach Genen, die unser gesamtes Verhalten und die Hervorbringungen unseres Geistes angeblich prädisponieren,
wäre gleichbedeutend mit dem Bemühen, zwischen den Seiten einer Violine und den Tasten eines Klaviers
Beethovens Krönungskonzert zu entdecken. Aber das menschliche Genom muss man sich vorstellen als ein riesen-
großes Orchester, in dem jedes einzelne unserer etwa 30.000 Gene nur eines der Instrumente ist in dem wundervollen
Konzert der Molekularbiologie. Jedes davon ist unverzichtbar und beteiligt am gesamten und hochkomplizierten

128 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Klangvolumen des Orchesters. Jedes einzelne Gen ist so unverzichtbar wie ein Musikinstrument, aber hier für die
Entwicklung des menschlichen Gehirns, und es muss “gestimmt“ sein, um funktionierende Neuronen und
Neuronentransmitter zu ermöglichen. Aber aus einem Gen entsteht ebenso wenig Vernunft, wie aus einer Violine
oder einer Piccoloflöte eine Sonate entsteht.“191
Collins widmet das Ende seines Artikels einer damit zusammenhängenden Frage, nämlich jener, warum
menschliche Eigenschaften sich nicht der DNS verdanken, und er verweist auf den Glauben an eine göttliche
Schöpfung:
“Für viele unter uns gibt es noch einen weiteren gewichtigen Grund, weit entfernt von der meist mechanistischen
Denkweise der Wissenschaft, um die Vorstellung zurückzuweisen, dass die DNS die alleinige Substanz unseres
Menschseins ist. Es ist der Glaube an eine höhere Kraft oder Intelligenz ... Für die meisten Wissenschaftler und
Schriftsteller gilt er als Aberglaube. [Was ein großer Irrtum ihrerseits ist!). Richard Dawkins zum Beispiel glaubt
entdeckt zu haben, dass “wir von der DNS konstruierte Maschinen sind, deren einziger Zweck darin besteht,
Kopien von sich selbst anzufertigen ... Darin liegt die einzige Existenzberechtigung jeglichen Lebewesens.“
Tatsächlich? Gibt es wirklich nicht mehr über den Menschen zu sagen, als dass er sich von Bakterien oder
Schnecken unterscheidet?

Können die Genforschung und die Molekularbiologie wirklich an die Stelle treten all des Wissens um die Frage
von richtig oder falsch, das es in allen menschlichen Hochkulturen zu allen Zeiten gegeben hat? Kann sie für jene
selbstlose Form der Liebe verantwortlich sein, die die alten Griechen agape nannten? Kann sie erklären, was
Menschen dazu bringt, sich für andere Menschen zu opfern, obwohl sie dadurch ihre eigene DNS aufs Spiel set-
zen? Das meiste von dem, was uns evolutionistische Biologen an Erklärungsmodellen für menschliches Verhalten
und die angebliche Rolle der Gene dabei anbieten, klingt in unseren Ohren ziemlich hohl.

Mittlerweile ist die Behauptung, dass nur die Wissenschaft alle Geheimnisse unserer Existenz in Händen hält, zu
einer eigenen Religion geworden ... Gewiss: Die Wissenschaft ist der einzige Weg, um die Natur zu verstehen.
Aber sie liefert uns keine Anhaltspunkte für die Leugnung der Tatsache, dass es Aspekte der menschlichen
Identität außerhalb der Natursphäre und somit außerhalb der Wissenschaftssphäre gibt.“192
Wie Collins anmerkt, können Molekülketten aus Kohlenstoff-Wasserstoff-Stickstoff-Sauerstoff-Elementen
unmöglich einen Menschen ausstatten mit Gefühlen wie Liebe, Hingabe, Kunstgenuss, Entspannung,
Muttergefühlen, Begierde oder Opferbereitschaft. Wenn es die Seele nicht gibt, ist der Mensch nur noch Fleisch
und Knochen. Gene sind selbst nur materielle Entitäten, die es nicht ermöglichen, dass ein Haufen Fleisch und
Knochen denkt, mathematische Formeln entwickelt, sein Essen genießt, einen lang nicht gesehenen Freund ver-
misst oder ein Bedürfnis nach Schönheit hat. Jedes menschliche Wesen ist von Gott erschaffen, jeweils ver-
schieden und unabhängig von Körper, Gehirn, Zellen und Genen. Das hat uns Gott schon im Quran offenbart:
Der, Der alle Dinge aufs Beste erschaffen hat. Zunächst formte Er den Menschen aus Lehm;
dann bildete Er seine Nachkommen aus dem Tropfen einer verächtlichen wässerigen
Flüssigkeit; dann formte Er ihn und blies von Seinem Geist in ihn. Und Er gab euch Gehör,
Gesicht, Gefühl und Verstand. Wenig Dank erweist ihr Ihm! (Sure 32:7-9– al-Sadschda)

Gott hat dem Menschen Seine eigene Seele eingehaucht. Die evolutionistischen Materialisten jedoch, die die
Existenz Gottes und die den Menschen von Ihm verliehenen göttlichen Eigenschaften leugnen, versuchen die
Lüge zu verbreiten, dass die Menschen ausschließlich von ihren Genen gesteuert seien - was im Hinblick auf die
menschliche Seele unmöglich der Fall sein kann, was auch immer die Evolutionisten behaupten mögen.
Genau betrachtet, ist diese Behauptung auch keineswegs neu. Quer durch die Geschichte, war sie stets
bekannt unter dem Begriff Heidentum. In ganz ähnlicher Weise, in der in der Frühgeschichte aus Stein oder Holz
Götterfiguren hergestellt und verehrt wurden, verehren heutzutage die Verfechter der Evolutionstheorie die
Auffassung, dass Gene die Schöpfer allen Lebens seien. (Gott ist sicherlich erhaben darüber.) Diese primitive und
dogmatische Theorie, die dem Darwinismus endgültig wissenschaftliche Weihen verschaffen sollte, ist durch die
neuesten Forschungen endgültig widerlegt worden. Selbst Collins, der wohl weltweit berühmteste Genforscher,
gesteht offenherzig, dass es die Macht der Gene nicht gebe, weil die Entstehung menschlicher Lebewesen meta-
physischer Natur sei.

Adnan Oktar 129


Das Heidentum hat schon immer materiellen Substanzen göttlichen Status zugeschrieben und diese Auffassung
hat Jahrtausende lang geherrscht. Die Evolutionisten heutiger Provenienz sind seine Erben. Im Quran hat uns Gott
offenbart, was mit den Anhängern des Heidentums geschehen wird:
Jedoch, sie nehmen sich außer Ihm andere Götter, die nichts erschaffen haben, sondern selber
erschaffen wurden, und die weder sich zu schaden oder zu nützen vermögen, noch Macht über
Leben oder Tod oder Auferweckung haben. (Sure 25:3– al-Furqan)

In einem weiteren Vers hat uns Gott im Hinblick auf diesen Irrglauben offenbart:

Sprich: “Ruft nur diejenigen an, die ihr euch neben Ihm vorstellt. Sie sind doch außerstande,
euch von dem Übel zu befreien oder es abzulenken." (Sure 17:56– al-Isra)

Gottes Befehl an jeden vernunftbegabten Menschen lautet:

“Und rufe nicht neben Gott an, was dir weder nützen noch schaden kann; denn tätest du es,
gehörtest du zu den Frevlern.“ (Sure 10:106– Yunus)

130 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

SCHLUSSFOLGERUNG

oralischer Kollaps schlimmer als wirtschaftlicher Kollaps, Kinderprostitution, Raub ist selbstverständlich für

M junge Briten, In Finnland heiraten 400 Homsexuelle und lesbische Paare, Schwulenhochzeit, Die Korruption
geht weiter, Korruptionsschmerzen, Drogenmissbrauch mit 13, Überall Unterdrückung, Krieg dem Hunger,
Der Alptraum geht weiter, Ein Jahr des Krieges, der Skandale und Revolten, Serben kopieren die Nazis, Panzer töten
Zivllisten, Die Erde ist ein Pulverfass, Tränen und Mündungsfeuer in aller Welt, Verbrechensexplosion, Sie trinken Alkohol
wie Wasser, Europas Jugend verfällt dem Alkohol, USA scheitern im Kampf gegen Gewalt, Die Menschlichkeit schwindet,
Geistiger Kollaps, Amerikas Jugend vor dem moralischen Kollaps, Die Menschlichkeit verwandelt sich in Einsamkeit ...
Solche und ähnliche Schlagzeilen füllen schon seit langer Zeit die Titelseiten der Zeitungen in aller Welt. Zu
diesen Themen findet man in den Zeitungen so viele Reportagen, dass sich die Menschen mittlerweile daran
gewöhnt haben. Viele sehen deshalb nichts Ungewöhnliches mehr in den ständigen Konflikte und Kriegen in
aller Welt, oder darin, dass sich selbst innerhalb eines Landes die Menschen bekriegen, oder darin, dass sich
Korruption ungehemmt ausbreitet, kaum jemand regt sich darüber auf, dass die Menschen nicht mehr Armen
und Bedürftigen ihre helfende Hand entgegenstrecken, die immer stärkere Ausbreitung von Stress, Depressionen
und Selbstmorden lässt die meisten Menschen kalt. Die ganze Welt scheint eine Lebensweise angenommen zu
haben, bei der Kampf und Konflikt, Spannungen und Probleme, Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit als nor-
mal gelten.
Einer der Hauptgründe für diese Mischung von Gleichgültigkeit und Akzeptanz ist ohne Zweifel die
Tatsache, dass all diese Dinge als unvermeidliche Folgen der - falsch verstandenen - menschlichen Natur begrif-
fen werden. Das jedoch ist seinerseits eine Folge der Akzeptanz des darwinistischen Weltbildes, das nahezu die
gesamte Menschheit fest im Griff hält. In diesem Buch haben wir versucht, aufzuzeigen, welche Rolle insbeson-
dere der Sozialdarwinismus dabei spielt.
Leider ist es heute so, dass jeder Mensch in irgendeiner Weise durch das darwinistisch-materialitische
Weltbild beschädigt ist. Es gibt unsäglich viele Menschen, die ein sorgenreiches, unglückliches Leben führen - sei
es der schwarze Student, der rassistischen Angriffen ausgeliefert ist, seien es älter gewordene Eltern, die von
ihren eigensüchtigen Kindern im Stich gelassen werden, seien es Arbeiter, die unter unmenschlichen
Bedingungen ausgebeutet werden, oder junge Menschen, die im Leben keinen Sinn sehen und deshalb durch ein
verantwortungsloses und zügelloses Leben sich selbst Schaden zufügen.
Es ist von grundlegender Bedeutung, die materialistische Weltanschauung geistig aus dem Feld zu schlagen,
damit dieser Teufelskreis endlich ein Ende findet und der Menschheit sich wieder die Möglichkeit bietet, friedlich
und glücklich zu leben. Dazu ist es aber notwendig zu wissen, dass der Darwinismus wissenschaftlich am Ende
ist, nicht zuletzt weil er solch schreckliche Katastrophen über die Menschheit gebracht hat.
Alle, die vorübergehend dem Darwinismus verfallen sind, sollen erfahren, dass er, obgleich noch immer von
seinen Verfechtern verteidigt, längst seinen angeblich wissenschaftlichen Wert verloren hat. Jeder Schritt wirk-

Adnan Oktar 131


licher Wissenschaft häuft noch mehr Staub auf die ohnehin schon verstaubte Evolutionstheorie. Außerdem haben
wir in diesem Buch aufgezeigt, dass das der Evolutionstheorie inhärente Lebensmodell, in die Praxis umgesetzt, nur
Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Rücksichtslosigkeit, Verlust und Leid mit sich bringt. Auch die Evolutionisten
sollten endlich anerkennen, welche Übel sie mit ihrer Theorie in die Welt gebracht haben, und ihre eigene Theorie
begraben. Wir hoffen, dass alle bisher dem Darwinismus Verfallenen erkennen, einen riesengroßen Fehler begangen
zu haben.

132
Harun Yahya

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Adnan Oktar 133


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134 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


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Adnan Oktar 135


DIE WAHREN IDEOLOGISCHEN WURZELN
DES TERRORISMUS:
DARWINISMUS UND MATERIALISMUS

ie meisten Menschen sind der Meinung, dass die Evolutionstheorie zuerst von Charles Darwin vorgelegt

D wurde und auf wissenschaftlichen Fakten, Beobachtungen und Experimenten beruhe. Jedoch ist Darwin we-
der ihr Begründer, noch stützt sich die Theorie auf wissenschaftliche Beweise. Die Theorie ist im wesentlichen
ein Versuch, das antike Dogma der materialistischen Philosophie auf die Natur anzuwenden. Obwohl die Evolutions-
theorie sich in keiner Weise auf wissenschaftlichen Beweis stützt, wird sie blind zugunsten der materialistischen Philo-
sophie aufrechterhalten.
Dieser Fanatismus hatte katastrophale Folgen, die darauf zurückzuführen sind, dass sich mit der Verbreitung des
Darwinismus und der von ihm unterstützten materialistischen Philosophie die Behandlung der Frage nach dem Ur-
sprung und Zweck des menschlichen Daseins drastisch verschoben hat. Dem Denken der Menschen, die normaler- und
natürlicherweise‚ die Auffassung vertreten hätten, dass der Mensch von Gott erschaffen worden war, um einer guten,
gottgewollten sittlichen Ordnung entsprechend zu leben, wurde nunmehr das Konzept eingepflanzt, dass‚ der Mensch
zufällig entstanden, und seiner Natur nach ein Tier sei, das sich im Kampf ums Überleben entwickelt habe. Für diese
große Täuschung war und ist ein hoher Preis zu zahlen. Ideologien des Terrors, wie der Rassismus, Faschismus und
Kommunismus und viele andere barbarische Weltanschauungen, die auf Konflikten basieren, haben ihr bloßes Exis-
tenzvermögen aus dieser Täuschung geschöpft.
Dieses Kapitel behandelt das Unheil, das der Darwinismus der Welt beschert hat und deckt den Zusammenhang
mit dem Terrorismus, einem der wichtigsten globalen Probleme unserer Zeit, auf.

Die darwinistische Lüge: ‘Das Leben ist ein Konflikt’


Darwin geht in der Entwicklung seiner Theorie von einer grundlegenden Voraussetzung aus: “Die Entwicklung
der Lebewesen hängt vom Kampf ums Überleben ab. Der Starke gewinnt den Kampf, die Schwachen sind zu Unter-
gang und Vergessenheit verurteilt.”
Laut Darwin gibt es in der Natur ewige Konflikte, die einen ständigen rücksichtslosen Kampf ums Überleben ver-
ursachen. Das Starke überwältigt immer das Schwache und dies erst ermöglicht es, dass Entwicklungsstattfinden kann.

138 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Der Untertitel zu seinem Buch “Über den Ursprung der Arten – durch natürliche Selektion, oder die Erhaltung der bevorzug-
ten Rassen im Kampf ums Dasein” gibt diese Ansicht prägnant wieder.
Außerdem schlug Darwin vor, dass der ‘Kampf ums Überleben’ auch zwischen menschlichen Rassen statt-
fände. Dieser absurden Ansicht entsprechend sind ‘die bevorzugten Rassen’ im Kampf siegreich. Bevorzugte Ras-
sen waren nach Darwins Ansicht die weißen Europäer. Afrikanische oder asiatische Rassen lagen im Kampf ums
Überleben zurück. Darwin ging noch einen Schritt weiter und prophezeite, dass diese Rassen bald im ‘Kampf ums
Überleben’ völlig unterliegen und folglich verschwinden würden:
In Jahrhunderten gemessenen, werden in nicht allzu ferner Zukunft die zivilisierten Menschenrassen mit annähernder
Sicherheit die wilden Rassen überall auf der Erde ausmerzen und ersetzen. Zur gleichen Zeit werden die antropomor-
phen Affen ... zweifellos ausgerottet werden. Die Kluft zwischen dem Menschen und seinen nächsten Verwandten, die
sich dann, wie zu erhoffen, in der Gestalt eines kultivierteren Zustands manifestieren wird, wird dann weiter sein, als
selbst die zwischen einem Kaukasier und irgendeinem Affen wie etwa dem Pavian, anstatt wie gegenwärtig, zwischen
dem Neger oder Australier und dem Gorilla.1
Der indische Anthropologe Lalita Vidyarthi erklärt, wie Darwins Evolutionstheorie den Rassismus den Sozial-
wissenschaften aufzwang:
Seine (Darwins) Theorie des Überlebens der Anpassungsfähigsten wurde von den Sozialwissenschaftlern jener Tage be-
geistert aufgenommen, und sie glaubten, dass die Menschheit verschiedene Stufen der Evolution durchlaufen, und in
der Zivilisation der weißen Rasse ihren Höhepunkt erreicht habe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der
Rassismus als eine gerechtfertigte Gegebenheit von einer beträchtlichen Mehrheit der westlichen Wissenschaftler akzep-
tiert.2

Adnan Oktar 139


Darwins Quelle der Inspiration: Die Malthussche Theorie der Rücksichtslosigkeit
Darwins Quelle der Inspiration zu diesem Thema war das Buch des britischen Wirt-
schaftswissenschaftlers Thomas Malthus An Essay on the Principle of Population (Eine
Abhandlung über das Prinzip der Bevölkerungsentwicklung). Malthus errechnete,
dass die menschliche Bevölkerung schnell zunimmt, wenn sie sich selbst überlas-
sen ist. Seiner Ansicht nach zählten Katastrophen wie Kriege, Hungersnöte und
Epidemien zu den grundlegenden Faktoren, die die Bevölkerungszahl unter
Kontrolle hielten. Kurz gesagt, diesem brutalen Anspruch entsprechend
mussten einige Menschen sterben, damit andere leben konnten. Das Überle-
ben bedeutete ‘dauernder Krieg’.
Im 19. Jahrhundert waren Malthus’ Vorstellungen weitgehend akzep-
tiert. Europäische “Upper Class” Intellektuelle insbesondere unterstützten
seine grausamen Ideen. In dem Artikel “The Scientific Background of the Na-
zi ‘Race Purification’ Programme” (Der wissenschaftliche Hintergrund des
Rassenreinheitsprogramms der Nazis) wird die Bedeutung, die das Europa des
19. Jahrhunderts Malthus’ Thesen über Bevölkerungen zumaß, wie folgt be-
schrieben: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden sich die Mitglieder der
führenden Klasse in Europa zusammen, um das neu entdeckte Problem des Bevölke-
rungswachstums zu diskutieren und Durchführungsmethoden des Malthusschen
Thomas Robert Malthus
Konzepts zu planen, um die Sterblichkeitsrate der Unterprivilegierten zu erhöhen.
Das Ergebnis war, kurz zusammengefaßt folgendes: “Anstatt den Armen Sauberkeit
zu empfehlen, sollten bei ihnen genau entgegengesetzte Angewohnheiten gefördert werden. Die Strassen in den
Städten sollten enger gebaut werden, mehr Menschen in den Häusern untergebracht werden und es sollte Epidemi-
en in diesen Städten gefördert werden. Auf dem Land sollten Dörfer in der Nähe von stehenden Gewässern erbaut
werden, und Ansiedlungen sollten insbesondere in Sumpfgebieten und ungesunder Umgebung gefördert werden”
usw...3
Als Folge dieser grausamen Politik würden die Schwachen und diejenigen, die im Kampf ums Überleben unterlie-
gen würden, beseitigt, und auf diese Weise dem raschen Bevölkerungszuwachs entgegengewirkt werden. Diese soge-
nannte Politik der ‘Unterdrückung der Armen’ wurde tatsächlich im 19. Jahrhundert in Groß Britannien praktiziert. Es
wurde eine industrielle Ordnung errichtet, in der acht- und neunjährige Kinder sechs Stunden pro Tag in den Kohlen-
gruben arbeiten mussten, wobei Tausende von ihnen unter diesen schrecklichen Lebensbedingungen starben. Der
‘Kampf ums Überleben’, der von der Malthusschen Theorie gefordert wurde, hatte für Millionen von Briten ein Leben
des Leidens zur Folge.
Beeinflußt durch diese Ideen wendete Darwin den Begriff des Konfliktes auf die gesamte Natur an und schlug vor,
dass die Starken und Anpassungsfähigsten siegreich aus diesem Krieg des Daseins hervorgehen würden. Außerdem
behauptete er, dass der sogenannte Kampf ums Überleben ein gerechtfertigtes und unveränderliches Naturgesetz sei.
Andererseits forderte er Menschen auf, ihre religiösen Überzeugungen aufzugeben, indem er die Schöpfung verneinte
und damit auf den Abbau aller ethischen Werte abzielte, die ein Hindernis für die Rücksichtslosigkeit des ‘Kampfs ums
Überleben’ darstellen konnten.
Die Verbreitung dieser verderblichen Ideen, die den einzelnen Menschen zu Unbarmherzigkeit und Grausamkeit
anleiten, forderte einen hohen Preis von der Menschheit im 20. Jahrhundert.

Das Ergebnis des ‘Gesetzes des Dschungels’: Der Faschismus


Indem der Darwinismus im 19. Jahrhundert den Rassismus schürte, bildete er die Grundlage einer Ideologie, die
sich im 20. Jahrhundert entwickeln, und die Welt in ihren bisher blutigsten Konflikt stürzen sollte: Nazismus.
In den Nazidogmen läßt sich deutlich eine starke darwinistische Prägung erkennen. Wenn man diese, von Adolf
Hitler und Alfred Rosenberg formulierte Ideologie untersucht, stößt man häufig auf Konzepte wie ‘natürliche Aus-
wahl’, ‘ausgewählte Paarung’ und ‘Kampf ums Überleben zwischen den Rassen’, die in Darwins Buch Der Ursprung der
Arten ständig wiederkehren. Hitler hat sein Buch Mein Kampf genannt, wobei er durch das darwinistische Prinzip des
Kampfs ums Überleben angeregt wurde, aus dem nur die Stärksten siegreich hervorgingen. Er spricht insbesondere
über den Kampf zwischen den Rassen:

140 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Geschichte würde ihren Höhepunkt in einem neuen tausendjährigen Reich unvergleichlicher Herrlichkeit erreichen,
gegründet auf einer neuen, durch die Natur selbst angeordneten rassischen Hierarchie.4
Auf dem Nürnberger Reichsparteitag im Jahr 1933 verkündete Hitler, dass “eine höhere Rasse eine niedrigere
Rasse unterwerfe” und dass das “ein Recht sei, das in der Natur vorherrsche, und welches als das einzige denkbare
Recht überhaupt betrachtet werden könne”.
Dass die Nazis vom Darwinismus beeinflußt wurden, ist eine Tatsache, die fast alle, in diesem Fach bewanderten
Historiker anerkennen. Der Historiker Hickman beschreibt den Einfluss des Darwinismus auf Hitler wie folgt:
(Hitler) war ein überzeugter Anhänger und Prediger der Evolution. Was auch immer die tieferen, schwerwiegenden
Verstrickungen seiner Psychose gewesen sein mögen, steht fest, dass [das Konzept des Kampfs von großer Bedeutung
war, denn] sein Buch Mein Kampf legt eine Reihe von evolutionistischen Ideen dar, insbesondere solche, die den Kampf,
das Überleben der Anpassungsfähigsten und die Beseitigung der Schwachen betonen, um eine bessere Gesellschaft her-
vorzubringen.5
Hitler, der diese Ansichten vortrug, setzte die Welt einer Vergewaltigung aus, die ihresgleichen nicht kannte. Vie-
le ethnische und politische Gruppen, insbesondere Juden waren schrecklichen Grausamkeiten ausgesetzt
und wurden in den Konzentrationslagern der Nazis systematisch getötet. Der 2. Weltkrieg, der mit der
Invasion der Osteuropäischen Staaten durch die Nazis begann, kostete 55 Millionen Menschen das

Adnan Oktar 141


Leben. Im Hintergrund der größten Tragödie der Weltgeschichte stand das darwinistische Konzept des ‘Kampfs ums
Überleben’.

Das blutige Bündnis: Darwinismus und Kommunismus


Während die Faschisten sich auf dem rechten Flügel des Sozialdarwinismus befinden, wird der linke Flügel von
den Kommunisten besetzt. Die Kommunisten waren immer die rigorosesten Verfechter von Darwins Theorie.
Dieses Verhältnis zwischen Darwinismus und Kommunismus geht auf die Gründer dieser beiden ‘Ismen’ zurück.
Marx und Engels, die Begründer des Kommunismus, lasen Darwins Buch Der Ursprung der Arten, unmittelbar, nach-
dem es erschienen war und waren über die darin vertretene ‘dialektisch materialistische’ Haltung erstaunt. Der Brief-
wechsel zwischen Marx und Engels enthüllt, dass sie in Darwins Theorie ‘die naturgeschichtliche Grundlage für den
Kommunismus’ enthalten sahen. In seinem Buch Die Dialektik der Natur, das er unter darwinistischem Einfluß schrieb,
war Engels voll des Lobes für Darwin und versuchte, im Kapitel ‘Die Rolle der Arbeit in der Wandlung vom Affen zum
Menschen’ seinen eigenen Beitrag zur Theorie zu leisten.
Russische Kommunisten wie Plekhanov, Lenin, Trotzki und Stalin, die in den Fußstapfen von Marx und Engels
folgten, stimmten völlig mit Darwins Evolutionstheorie überein. Plekhanov, der als der Begründer des russischen Kom-
munismus angesehen wird, betrachtete den Marxismus als ‘die Anwendung des Dar-
winismus auf die Sozialwissenschaft’.6
Trotzki sagte, ‘Darwins Entdeckung ist der höchste Triumph der Dialektik
auf dem gesamten Gebiet der organischen Materie’.7
‘Die darwinistische Ausbildung’ spielte eine Hauptrolle in der Bildung der
kommunistischen Kader. Die Histori-
ker z.B. berichten die Tatsache,
dass Stalin in seiner Jugend religi-
ös war, aber unter dem Einfluss von
Darwins Büchern ein Atheist wurde.8
Mao Tse-tung, der die
kommunistische Staats-
ordnung in China errichte-
te und Millionen von
Menschen getötet hat,
erklärte öffentlich,
dass ‘der chinesische
Sozialismus auf Darwin
und der Evolutionstheorie
begründet ist’.9
Der Harvard Historiker,
James Reeve Pusey, unter-
sucht in seinem Forschungs-
werk China und Charles Darwin
in großem Detail die Wirkung
des Darwinismus auf Mao und
den chinesischen Kommunis-
mus.10
Kurz gesagt, es besteht eine
untrennbare Verbindung zwi-
schen der Evolutionstheorie und
dem Kommunismus. Die Theorie
behauptet, dass lebende Organismen
Zufallsprodukte sind, und stellt dem
Atheismus eine sogenannte wissen-
schaftliche Basis zur Verfügung. Aus
diesem Grund ist der Kommunis-

142
Harun Yahya

mus, eine atheistische Ideologie, fest mit dem Darwinismus verknüpft. Außerdem behauptet die Evolutionstheorie
vor, dass die Entwicklung in der Natur auf Grund von Konflikten möglich wird (in anderen Worten ‘durch den
Kampf ums Überleben’) und unterstützt damit den Begriff der ‘Dialektik’, der für den Kommunismus grundlegend
ist.
Wenn wir an das kommunistische Konzept ‘des dialektischen Konflikts’ denken, dem im 20. Jahrhundert 120
Million Menschen in einem ‘mörderischen Mechanismus’ zum Opfer fielen, dann können wir das Ausmaß des Un-
heils besser verstehen, das der Darwinismus auf diesem Planeten heraufbeschwörte.

Darwinismus und Terrorismus


Wie soweit ersichtlich, sitzt der Darwinismus an der Wurzel verschiedener Ideologien der Gewalt, die Unheil
über die Menschheit im 20. Jahrhundert brachten. Das grundlegende Konzept hinter diesem Verständnis und dieser
Methode ist, ‘gegen diejenigen zu kämpfen, die nicht zu uns gehören’.
Diese Haltung kann folgendermaßen erklärt werden: Es gibt unterschiedliche Glaubensrichtungen, Weltan-
schauungen und Philosophien auf der Welt. Diese können sich auf eine von zwei Arten gegenüberstehen:
1) Sie können die Existenz derer respektieren, die nicht zu ihnen gehören und versuchen, mit ihnen einen menschlichen
Dialog zu führen. Tatsächlich, diese Methode stimmt mit der Moral des Quran überein.
2) Sie können beschließen, andere zu bekämpfen und sich einen Vorteil auf deren
Kosten herauszuschlagen, d.h., sich wie ein Tier zu benehmen. Dies ist eine vom Ma-
terialismus angewandte Methode und somit antireligiös.
Der Schrecken, den wir Terrorismus nennen, ist nichts anderes als eine Äuße-
rung der zweiten Einstellung.
Wenn wir den Unterschied zwischen diesen beiden Einstellungen betrachten,
können wir erkennen, dass die Idee “des Menschen als kämpfendes Tier”, die
der Darwinismus dem Unterbewußtsein des Menschen eingepflanzt hat, beson-
ders einflußreich ist. Einzelpersonen und Gruppen, die den Weg des Konfliktes
wählen, mögen nie vom Darwinismus und den Grundregeln dieser Ideologie ge-
hört haben, aber letzten Endes vertreten sie eine Ansicht, deren philosophische
Grundlage auf dem Darwinismus beruht. Was sie dazu verleitet, an die Richtigkeit
von Gewalttätigkeit zu glauben, sind Slogans wie die folgenden, die auf dem Dar-
winismus basieren: ‘In dieser Welt überleben nur die Starken’, ‘große Fische fres-
sen die kleinen’, ‘Der Krieg ist eine Tugend’, und ‘der Mensch macht Fortschritt
durch den Kampf’. Entfernt man den Darwinismus davon, so bleiben diese Sprü-
che nichts als leere Slogans.
In der Tat, wenn der Darwinismus weggenommen wird, bleibt keine Philoso-
phie des ‘Konfliktes’ übrig. Die drei göttlich offenbarten Religionen – der Islam,
das Christentum und das Judentum –, an die die Mehrzahl der Menschheit glaubt,
verurteilen Gewalttätigkeit. Alle diese Religionen wollen der Welt Frieden und
Harmonie bringen und verurteilen es, dass unschuldige Menschen getötet werden Ganz gleich welcher Ideologie sie auch anhängen, die-
und Grausamkeit und Folter erleiden. Konflikt und Gewalttätigkeit verletzen die jenigen, die auf der ganzen Welt Terror verbreiten, sind
Moral, die Gott dem Menschen geboten hat, und sind anormale und unerwünsch- in Wahrheit Darwinisten. Der Darwinismus ist die einzi-
ge Philosophie, die Konflikten einen Wert beimißt und
te Verhaltensweisen. Der Darwinismus dagegen stellt Konflikt und die Gewalttä- sie dadurch ermutigt.
tigkeit als natürliche, gerechtfertigte und korrekte Konzepte dar, die
notwendigerweise existieren müssen.
Wenn irgendwelche Menschen daher Terrorakte im Namen jener Religionen begehen, unter Benutzung der Ter-
minologie und des Symbolismus des Islam, Christentums und Judentums, kann man sicher sein, dass diese Leute
keine Muslime, Christen oder Juden sind. Sie sind in Wirklichkeit Sozialdarwinisten. Sie benützen die Religion als
Deckmantel, aber sie sind nicht wahrhafte Gläubigen. Selbst wenn sie behaupten, der Religion zu dienen, sind sie tat-
sächlich die Feinde der Religion und der Gläubigen, weil sie rücksichtslos Verbrechen begehen, die die Religion ver-
bietet, und damit das Ansehen der Religion in den Augen der Öffentlichkeit beschädigen.
Aus diesem Grund liegt die Wurzel des Terrorismus, der unsere Welt heimsucht, nicht in irgendeiner göttlich of-
fenbarten Religion, sondern im Atheismus und in den Manifestationen des Atheismus in unserer Zeit, dem ‘Darwi-
nismus’ und ‘Materialismus’.

Adnan Oktar 143


DER ISLAM IST NICHT DIE URSACHE DES TERRORISMUS, SONDERN DESSEN LÖSUNG
Manche, die sagen, sie handelten im Namen der Religion, mißverstehen ihre Religion oder praktizieren sie falsch.
Aus diesem Grund ist es falsch, sich eine Meinung über diese Religion zu bilden, indem man diese Menschen als reprä-
sentativ für diese Religion erachtet. Der beste Weg, eine Religion zu verstehen, ist es, deren heiligen Quellen zu studie-
ren.
Die heilige Quelle des Islam ist der Quran; die Moralität des Islam unterscheidet sich vollständig von dem Bild, das
sich in den Köpfen mancher Menschen im Westen gebildet hat. Der Quran basiert auf Moralität, Liebe, Mitgefühl, Gna-
de, Demut, Opferbereitschaft, Toleranz und Frieden, und ein Muslim, der im wahren Sinn nach dieser Moral lebt, wird
sehr höflich, tolerant, vertrauenswürdig und zuvorkommend sein. Er wird Liebe, Respekt, Harmonie und Lebensfreu-
de ausstrahlen.

Der Islam ist eine Religion des Friedens und der Wohlfahrt
Das Wort Islam ist abgeleitet von dem arabischen Wort für “Frieden”. Der Islam ist eine Religion, die der Mensch-
heit in der Absicht offenbart wurde, einen friedlichen Lebensentwurf zu schaffen durch die unendliche Gnade von Got-
tes Manifestation auf Erden. Gott ruft alle Menschen zur Islamischen Moral, durch welche Gnade, Mitgefühl, Toleranz
und Frieden auf der ganzen Welt erfahren werden könnten. In der Sure 2:208 – al-Baqara wendet sich Gott an die Gläu-
bigen:
O ihr, die ihr glaubt! Gebt euch Gott ganz und gar hin und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; siehe, er ist offenkun-
dig euer Feind.
Wie der Vers klar macht, kann Sicherheit nur garantiert werden durch die Hinwendung zum Islam, was bedeutet,
ein Leben nach den Werten des Quran zu führen.

Gott hat das Böse verdammt


Gott hat den Menschen befoh-
len, böses Handeln zu meiden; Er Gott ruft die Menschen
zu Frieden und Sicher-
hat den Unglauben, die Unmo- heit auf, während anti-
ral, Rebellion, Grau- religiöse Ideologien
Konflikt und Terror er-
mutigen.

144
Harun Yahya

samkeit, Aggressivität, Mord und Blutvergiessen verboten. Er beschreibt jene, die Seinen Geboten nicht gehorchen, als
die, “die in die Fußstapfen Satans treten” und damit eine Position einnehmen, die im Quran eindeutig als sündhaft er-
klärt wird:
Diejenigen aber, welche ihre Verpflichtungen gegenüber Gott brechen, nachdem sie sie eingegangen waren, und zer-
reißen, was Gott zu verbinden geheißen hat, und Unheil auf Erden stiften - sie erwartet Zurückweisung und eine üb-
le Wohnstatt. (Sure 13:25 – ar-Ra’d)
Und suche mit dem, was dir Gott gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser Welt zu verges-
sen. Und tu Gutes, so wie Gott dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Gott liebt nicht die, welche
Unheil stiften!” (Sure 28:77 – al-Qasas)
Wie wir sehen können, hat Gott jede Art schädlichen Verhaltens im Islam verboten, einschließlich der Gewalt und
des Terrorismus, und Er verdammt jene, die solche Taten begehen. Der wahre Muslim spendet der Welt Schönheit und
er verbessert die Welt.

Der Islam verteidigt die Toleranz und die Redefreiheit


Der Islam ist eine Religion, die die Freiheit der Meinung, des Denkens und des Lebens bietet und garantiert. Er be-
inhaltet Gebote zur Verhinderung von Spannungen, Streit, Verleumdung und sogar des negativen Denkens unter den
Menschen.
Genau so konsequent, wie der Islam dem Terrorismus und jedem Akt der Gewalt entgegentritt, verbietet er auch
den geringsten ideologischen Druck auf die Menschen.
Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden. Wer die falschen Götter verwirft
und an Gott glaubt, der hat den festesten Halt erfasst, der nicht reißen wird. Und Gott ist hörend und wissend.
(Sure 2:256 – al-Baqara)
So ermahne! Siehe, du bist nur ein Ermahner; du hast keine Macht über sie. (Sure 88:21, 22 – al-Ghadschiya)
Menschen zu zwingen, an eine Religion zu glauben oder ihre Glaubensformen zu übernehmen, widerspricht voll-
ständig dem Wesen und dem Geist des Islam. Dem Islam zufolge ist wahrer Glaube nur unter freiem Willen und der
Freiheit des Gewissens möglich. Selbstverständlich können Muslime einander raten und ermutigen, was die Merkma-
le der Quranischen Moral angeht, doch sie werden sie nie jemandem aufzwingen und sie werden keinen physischen
oder psychologischen Druck ausüben. Auch werden sie keine weltlichen Vorteile versprechen, um jemanden zur Reli-
gion zu bekehren.
Stellen wir uns nun ein völlig gegensätzliches Modell der Gesellschaft vor; zum Beispiel eine Gesellschaft, in der
die Menschen per Gesetz gezwungen werden, die Religion zu praktizieren.
Ein solches Gesellschaftsmodell ist dem Islam völlig entgegengesetzt, denn Glaube und Gottesdienst haben nur
dann einen Wert, wenn sie aus freiem Willen des Individuums an Gott gerichtet sind. Zwingt ein System den Men-
schen jedoch Glauben und Gottesdienst auf, dann werden die Menschen nur aus Furcht vor dem System religiös. Aus
dem Blickwinkel der Religion zählt nur, wenn die Religion zu Gottes Wohlgefallen in einer Umgebung gelebt wird, in
der das Gewissen der Menschen völlig frei ist.

Gott hat das Töten unschuldiger Menschen verboten


Dem Quran zufolge ist es eine der größten Sünden, einen Menschen zu töten, der kein Verbrechen begangen hat:
Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels angeordnet, dass, wer angeordnet, dass wer einen Menschen tötet,
ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze
Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten.
Und zu ihnen kamen Unsere Gesandten mit deutlichen Beweisen; aber selbst dann wären viele von ihnen (weiterhin)
ausschweifend auf Erden. (Sure 5:32 – al-Ma’ida)
Und diejenigen, welche neben Gott keinen anderen Gott anrufen und niemand töten, wo Gott doch zu töten verboten
hat, außer nach Gesetz und Recht; und die keine Unzucht begehen: Wer solches tut, findet Strafe. (Sure 25:68 – al-Fur-
qan)
Der Vers enthält die Androhung schweren Leidens für denjenigen, der einen Unschuldigen tötet. Gott hat offen-
bart, dass das Töten eines einzigen Menschen ebenso böse ist, wie das Umbringen der gesamten Menschheit. Wer Got-
tes Grenzen nicht überschreitet, kann keinem Menschen etwas Böses tun, ganz zu schweigen davon, Tausende
Unschuldige umzubringen. Wer glaubt, er könne dem Gesetz entgehen und Strafe in dieser Welt vermeiden, wird nicht
davon kommen, denn er wird vor dem Angesicht Gottes Rechenschaft über seine Taten ablegen müssen. Darum sind
Gläubige, die sich dessen bewusst sind, sehr penibel, was die Einhaltung der von Gott gesetzten Grenzen angeht.

Adnan Oktar 145


Harun Yahya

Gott gebietet den Gläubigen, barmherzig zu sein


Der Quran beschreibt die islamische Moral:
Dann wird er zu denen gehören, die glauben und zu Geduld und Barmherzigkeit mahnen: Das sind die Gefährten
der Rechten. (Sure 90:17, 18 – al-Balad)
Wie wir an diesem Vers sehen, ist es eine der wichtigsten Moralvorschriften, die Gott Seinen Dienern gesandt
hat, damit sie erlöst werden und ins Paradies eingehen können, einander “zu Geduld und Barmherzigkeit” aufzuru-
fen.
Der Islam, wie er im Quran beschrieben ist, ist eine moderne, aufgeklärte, progressive Religion. Ein Muslim ist
vor allem ein Mensch des Friedens; er ist tolerant, demokratischen Geistes, kultiviert, aufgeklärt, ehrlich, sachkundig
in Kunst und Wissenschaft und er ist zivilisiert.
Ein den edlen Morallehren des Quran entsprechend gebildeter Muslim tritt jedermann mit der Liebe gegenüber,
die der Islam erwartet. Er respektiert jede Meinung, und er schätzt Kunst und Ästhetik. Er ist konziliant angesichts
gleich welchen Geschehens, er baut Spannungen ab und stellt wieder Freundschaft her. In Gesellschaften, die aus sol-
chen Individuen bestehen, wird es eine besser entwickelte Zivilisation geben, eine höhere Sozialmoral, mehr Freude,
Glück, Gerechtigkeit, Sicherheit, Reichtum und Segen als in den meisten modernen Nationen der heutigen Welt.

Gott gebietet Toleranz und Vergebung


Vergebung und Toleranz, umschrieben mit den Worten “Übe Nachsicht...” (Sure 7:199 – al-A’raf), ist einer der
fundamentalen Glaubensgrundsätze des Islam.
Wenn wir die Geschichte des Islam betrachten, ist deutlich erkennbar, wie die Muslime diesen bedeutenden
Grundsatz der Quranischen Moral in das Leben der Gesellschaft eingebracht haben. Muslime haben immer eine At-
mosphäre der Freiheit und Toleranz mitgebracht, und sie haben ungesetzliche Praktiken unterbunden, wohin sie
auch kamen. Sie sorgten dafür, dass Völker, deren Religion, Sprache und Kultur sich völlig unterschieden, in Frieden
und Harmonie zusammen unter einem Dach leben konnten, und sie lebten harmonisch und friedlich auch unterei-
nander. Ein wichtiger Grund für die Jahrhunderte lange Existenz des Osmanischen Reiches, das sich über ein enor-
mes Gebiet erstreckte, war die Atmosphäre der Toleranz und des Verständnisses, die der Islam mit sich brachte.
Muslime, Jahrhunderte lang bekannt für ihr tolerantes und liebevolles Wesen, waren immer die mitfühlendsten und
gerechtesten Menschen. In jener multinationalen Struktur waren alle ethnischen Gruppen frei, nach ihrer eigenen Re-
ligion und ihren eigenen Regeln zu leben.
Wahre Toleranz kann der Welt nur dann Frieden und Wohlstand bringen, wenn sie entlang der im Quran be-
schriebenen Grundrichtung geübt wird. Folgender Vers fasst diese Erkenntnis zusammen:
Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich. Wehre (das Böse) mit Besserem ab, und schon wird der, zwischen
dem und dir Feindschaft war, dir wie ein echter Freund werden. (Sure 41:34 – Fussilat)

Schlußfolgerung
All dies demonstriert, dass die Moral, die der Islam der Menschheit empfiehlt, der Welt die Tugenden des Frie-
dens, der Harmonie und der Gerechtigkeit bringt. Die als Terror bekannte Barbarei, die die Welt gegenwärtig so be-
schäftigt, ist das Werk ignoranter, fanatischer Menschen, und ist der Moral des Quran völlig entfremdet; sie haben
mit der Religion nicht das Allergeringste gemein. Die Lösung für das Problem dieser Menschen und Gruppen, die ih-
re Grausamkeiten hinter der Maske der Religion ausführen, ist die Öffentlichkeit über die Lehren der wahren Qura-
nischen Moral zu unterrichten. Anders ausgedrückt:
Der Islam und die Moral des Quran sind wirkungsvolle Instrumente gegen die Geißel des Terrorismus und nicht
etwa deren Verbündete.

1. Charles Darwin, The Descent of Man, 2. Ausgabe, New York, A L. Burt Co., 1874, S. 178.
2. Lalita Prasad Vidyarthi, Racism, Science and Pseudo-Science, Unesco, France, Vendôme, 1983. S. 54.
3. Theodore D. Hall, The Scientific Background of the Nazi "Race Purification" Program, http://www.trufax.org/avoid/nazi.html
4. L. H. Gann, "Adolf Hitler, The Complete Totalitarian", The Intercollegiate Review, Herbst 1985, S. 24; zitiert in Henry M. Morris, The Long war Against God, Baker
Book House, 1989, S. 78.
5. R. Hickman, Biocreation, Science Press, Worthington, OH, Sp. 51–52, 1983; Jerry Bergman, "Darwinism and the Nazi Race Holocaust", Creation Ex Nihilo Techni-
cal Journal 13 (2): 101-111, 1999.
6. Robert M. Young, Darwinian Evolution and Human History, Historical Studies on Science and Belief, 1980.
7. Alan Woods and Ted Grant, Reason in Revolt: Marxism and Modern Science, London: 1993.
8. Alex de Jonge, Stalin and The Shaping of the Soviet Uninon, William Collins Sons & Limited Co., Glasgow, 1987, S. 22.
9. Klaus Mehnert, Kampf um Mao's Erbe, Deutsche Verlags-Anstalt, 1977.
10. James Reeve Pusey, China and Charles Darwin, Cambridge, Massachusetts, 1983.

Adnan Oktar 147


EINLEITUNG

WOZU DIENT DIE EVOLUTIONSTHEORIE?

ür einige Leute hat die Evolutionstheorie oder der Darwinismus, lediglich wissenschaftliche Bedeutung, ohne

F irgendeinen direkten Bezug zu ihrem Alltag. Dies ist jedoch ein weitverbreitetes Mißverständnis. Die Evoluti-
onstheorie geht weit darüber hinaus, lediglich eine interne Angelegenheit der biologischen Wissenschaften zu
sein; sie untermauert eine trügerische Philosophie, die eine große Menge von Menschen in ihren Bann gezogen hat:
den Materialismus.
Die materialistische Philosophie, die ausschließlich die Existenz der Materie anerkennt, und annimmt, dass der
Mensch eine “Anhäufung von Materie” ist, behauptet, dass er nichts weiter als ein Tier ist, dessen einzige Lebensre-
gel “Konflikt” ist. Obwohl der Materialismus als eine moderne, wissenschaftlich begründete Philosophie dargestellt
wird, ist der Materialismus in der Tat ein Dogma der Antike, ohne irgendeine wissenschaftliche Grundlage. Die athe-
istischen Philosophen des 18. Jh. verhalfen dem Dogma, das in der griechischen Antike ersonnen worden war, zu ei-
ner Neubelebung, und im 19. Jh. wurde es dann von Denkern wie Karl Marx, Charles Darwin und Sigmund Freud in
einigen wissenschaftlichen Fachrichtungen integriert. In anderen Worten, die Wissenschaft wurde vergewaltigt, um
den Materialismus unterzubringen.
Die vergangenen zwei Jahrhunderte waren eine blutige Arena des Materialismus: Ideologien, die sich auf dem
Materialismus gründeten (oder solche die in der philosophischen Debatte gegen den Materialismus argumentierten,
jedoch seine grundsätzlichen Prinzipien teilten) haben kontinuierlich Gewalt, Kriege und Chaos in die Welt gebracht.
Kommunismus, der eine direkte Ausgeburt der materialistischen Philosophie ist, hat den Tod von 120 Millionen
Menschen zu verantworten. Faschismus, der, obwohl er vorgibt eine Alternative zur materialistischen Weltanschau-
ung zu sein, akzeptierte das grundsätzliche materialistische Konzept des Fortschritts durch Konflikt, und brachte ty-
rannische Regime, Massaker, Weltkriege und Völkermord hervor.
Außer dem Aufkommen dieser beiden blutigen Ideologien ist dem Materialismus auch die Korruption individu-
eller und sozialer Moral zuzuschreiben.
Die trügerische Botschaft des Materialismus, der den Menschen auf die
Ebene des Tiers degradiert, dessen Existenz unwillkürlich und ohne irgend
welche Verantwortlichkeiten ist, hat die Säulen der Moral, wie Liebe,
Mitleid, Selbstlosigkeit, Keuschheit,
Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zer- Karl Marx machte es deut-
lich, dass Darwins Theorie
stört. Von dem Motto der Materialis- eine gute Grundlage für
ten “das Leben ist ein Kampf” den Materialismus, und
daher auch für den Kom-
verleitet, betrachteten die Leute ihr munismus bereitstellte.
Dasein als nichts weiter als einen Seine Sympathie für
Widerstreit von Interessen, was zu Darwin ist auch aus der
persönlichen Widmung
einer Lebensführung gemäß den Ge- ersichtlich, die Karl
setzen der Wildnis führte. Marx für ihn in ein
Exemplar der deut-
Spuren dieser Philosophie, die schen Fassung
für einen großen Anteil der mensch- seines Werks Das
Kapital schrieb: "In
lich verursachten Katastrophen der tiefer Anerkennung
letzten zwei Jahrhunderte verant- – Für Charles Dar-
wortlich ist, findet man in jeder win"

148 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Ideologie, die Unterschiede zwischen Menschen als einen “Grund zum Konflikt” sieht. Das trifft ebenso auf die Ter-
roristen unserer Tage zu, die beanspruchen, Religion aufrechtzuerhalten, doch die größte Sünde begehen, indem sie
unschuldige Menschen ermorden.
Die Evolutionstheorie, oder der Darwinismus kommt an diesem Punkt gelegen, um das Mosaik zu vollenden. Sie
liefert den Mythos, dass der Materialismus eine wissenschaftliche Philosophie sei. Aus diesem Grund schrieb Karl
Marx, der Gründer des Kommunismus und des dialektischen Materialismus, dass der Darwinismus “die naturge-
schichtliche Grundlage” seiner Weltanschauung sei.1
Diese Grundlage ist jedoch verrottet. Moderne wissenschaftliche Entdeckungen haben immer wieder erwiesen,
dass die volkstümliche Auffassung, die den Darwinismus für wissenschaftlich hält, falsch ist. Wissenschaftliche Er-
gebnisse widerlegen den Darwinismus völlig, und enthüllen, dass der Ursprung unseres Daseins nicht Evolution,
sondern Schöpfung ist. Gott erschuf das Universum und alle Lebewesen, einschließlich des Menschen.
Dieses Buch wurde mit der Absicht geschrieben, diese Tatsache den Menschen zur Kenntnis zu bringen. Seit sei-
ner Erstveröffentlichung in der Türkei und dann in vielen anderen Ländern wurde es von Millionen gelesen und ge-
schätzt. Außer in türkischer Sprache wurde das Buch in englisch, deutsch, französisch, italienisch, spanisch, russisch,
chinesisch, bosnisch, arabisch, albanisch, urdu, malaiisch und indonesisch veröffentlicht. (Der Textinhalt des Buchs
in all diesen Sprachen ist bei www.evolutionsschwindel.com frei einsehbar.)
Der Eindruck, den das Buch Der Evolutionsschwindel gemacht hat, wurde von den Verfechtern der gegenseitigen
Auffassung anerkannt. Harun Yahya wurde zum Thema eines Artikels in New Scientist unter der Überschrift “Bur-
ning Darwin” (Darwin auf dem Scheiterhaufen). Diese führende, bekannte darwinistische Zeitschrift bemerkte in ih-
rer Ausgabe vom 22. April 2000, dass Harun Yahya ein “internationaler Held” wurde, und äußerte ihre Bedenken,
dass seine Bücher “sich überall in der Islamischen Welt verbreiten”.
Science, die führende populärwissenschaftliche Zeitschrift der wissenschaftlichen Gemeinschaft, hob die Reak-
tionen, die die Werke von Harun Yahya hervorriefen, und ihren Intellektualismus hervor. Der Science Artikel vom 18.
Mai 2001, “Creationism Takes Root Where Europe, Asia Meet” (Die Schöpfung schlägt Wurzeln am Treffpunkt des
Abendlands und des Morgenlands), beobachtete, dass in der Türkei “anspruchsvolle Bücher wie The Evolution Deceit
(Der Evolutionsschwindel) und The Dark Face of Darwinism (Die Schattenseite des Darwinismus)... in bestimmten Tei-
len des Landes einen größeren Einfluß ausüben, als Textbücher”. Der Journalist fährt dann fort Harun Yahyas Werk
abzuwägen, das wie er sagt, “eine der stärksten Anti-Evolutionsbewegungen in der Welt außerhalb der Nordameri-
kas hervorgebracht hat”.
Obwohl diese evolutionistischen Veröffentlichungen den Eindruck, den das Buch Der Evolutionsschwindel mach-
te, zur Kenntnis nehmen, bieten sie dennoch keine wissenschaftlichen Gegenargumente. Der Grund dafür ist natür-
lich, dass solche ganz einfach nicht zu finden sind. Die Evolutionstheorie ist total festgefahren – eine Tatsache, die
sich bei der Lektüre der folgenden Kapitel klar entfalten wird. Das Buch wird Ihnen helfen zu erkennen, dass der
Darwinismus nicht eine wissenschaftliche Theorie ist, sondern ein pseudo-wissenschaftliches Dogma, das im Namen
der materialistischen Philosophie aufrechterhalten wird, trotz gegenteiliger Beweise und unumstößlicher Widerle-
gung.
Wir hoffen, dass Der Evolutionsschwindel für lange Zeit einen Beitrag zur Demolierung des materialistischen, dar-
winistischen Dogmas leisten wird, das die Menschheit seit dem 19. Jh. in die Irre geleitet hat, und dass es die Men-
schen zur Besinnung auf die fundamentalen Tatsachen unserer Existenz anregt, wie wir ins Dasein kamen, und was
unsere Pflichten gegenüber unserem Schöpfer sind.

INTELLIGENTES DESIGN, mit anderen Worten, SCHÖPFUNG


Es ist wichtig, dass das Wort “Design” richtig verstanden wird. Die Tatsache, dass Gott ein fehlerloses Design er-
schaffen hat, bedeutet nicht, dass Er zunächst einen Plan ausgearbeitet und ihn dann durchgeführt hat. Gott, der Herr
der Erde und der Himmel, braucht keine “Designs” für Seine Schöpfung. Gott ist erhaben über solche Anforderun-
gen. Seine Planung und Schöpfung finden im selben Augenblick statt. Wann immer Gott will, dass etwas werde, so
genügt es für Ihn zu sprechen: “Sei!”
Wie uns die Verse des Quran sagen:
Sein Befehl, wenn Er ein Ding will, ist nur, dass Er zu ihm spricht: “Sei!”, und es ist. (Sure 36:82 – Ya Sin)
Er ist der Schöpfer der Himmel und der Erde, und wenn Er eine Sache beschließt, spricht Er nur zu ihr “Sei” und sie
ist. (Sure 2:117 – al-Baqara)

Adnan Oktar 149


VORWORT

EINES DER GRÖSSTEN WUNDER UNSERER ZEIT:


DER GLAUBE AN DEN EVOLUTIONSBETRUG

ll die Millionen auf der Erde lebenden Arten besitzen wunderbare Eigenschaften, einzigartige Verhaltenswei-

A sen und optimale Anatomien. Jedes einzelne dieser Lebewesen wurde mit seinen einmaligen Merkmalen er-
schaffen. Pflanzen, Tiere und der Mensch vor allem wurden mit großem Wissen und großer Kunstfertigkeit
erschaffen, von ihrer äußeren Erscheinung bis zu den für das nackte Auge unsichtbaren Zellen. Heute gibt es zahlreiche
Wissenschaftszweige, in denen Hunderttausende Wissenschaftler arbeiten, die jedes Detail dieser Kreaturen erforschen,
die wunderbaren Aspekte dieser Details entdecken und die versuchen, eine Antwort zu finden auf die Frage, wie sie ins
Dasein gekommen sind.
Viele dieser Wissenschaftler staunen über die Strukturen, die sie entdecken und über die Intelligenz hinter deren
Erschaffung, und sie werden Zeugen des unendlichen Wissens und der Weisheit, die daran beteiligt sind.
Andere wiederum behaupten überraschenderweise, all diese wunderbaren Eigenschaften seien das Ergebnis des
blinden Zufalls. Diese Wissenschaftler glauben an die Evolutionstheorie. Ihrer Ansicht nach sind die Zellen und Orga-
ne, aus denen diese Lebewesen bestehen, durch eine Verkettung von Zufällen entstanden. Es ist verwunderlich, dass
solche Menschen, die jahrelang studiert haben, Forschungsreihen durchgeführt und Bücher über das wunderbare Funk-
tionieren einer Organelle in einer Zelle geschrieben haben, die zu klein ist, als dass man sie mit dem bloßen Auge sehen
könnte, ernsthaft glauben, diese außergewöhnlichen Strukturen seien durch Zufall entstanden.
Dass die herausragenden Professoren an die Kette der Zufälle glauben, ist für den außenstehenden Beobachter um
so verblüffender. Diesen Professoren zufolge kamen einige einfache chemische Substanzen zusammen und bildeten ein
Protein – was genauso unmöglich ist, als dass eine Ansammlung von Buchstaben aus sich selbst heraus ein Gedicht for-
muliert. Weitere Zufälle sollen dann zur Bildung weiterer Proteine geführt haben. Diese fügten sich dann angeblich wie-
derum zufällig in einer definierten Ordnung zusammen. Nicht nur Proteine, sondern DNS, RNS, Enzyme und
Hormone, die alle äußerst komplizierte Strukturen sind, sollen zufällig aufgetaucht und zusammen gekommen sein.
Als Ergebnis von Milliarden Zufällen sei dann die erste Zelle entstanden. Doch die mirakulösen Fähigkeiten des Zufalls
gehen noch darüber hinaus, denn nun haben die Zellen auch noch angefangen, sich zu vermehren. Weiterer Zufall or-
ganisierte diese Zellen anschließend und produzierte aus ihnen die allererste Lebensform.
Milliarden ganz unmöglicher Ereignisse hätten stattfinden müssen, um nur das Auge eines Tieres zu bilden. Doch
auch hier kommt wieder der blinde Zufall ins Spiel: Zuerst öffnete er zwei passende Löcher am passenden Ort im Schä-
del, dann begannen Zellen, die sich zufällig an der richtigen Stelle befanden, das Auge zu konstruieren.
Wie wir gesehen haben, handeln Zufälle in dem Wissen, was sie herstellen wollen. Von Beginn an wußte der Zufall,
was Sehen, Hören und Atmung sind, selbst wenn es dafür zu jener Zeit auf der ganzen Welt kein einziges Beispiel gab.
Er zeigte hohe Intelligenz, Bewußtsein, plante bemerkenswert voraus und konstruierte Schritt für Schritt das Leben. Das
ist das völlig irrationale Szenario, dem sich diese Professoren, Wissenschaftler und Forscher, die hoch geschätzt werden
und deren Gedanken so einflußreich sind, verschrieben haben. Mit infantiler Starrköpfigkeit schließen sie jeden, der sol-
che Ammenmärchen nicht glauben will, aus ihrem Kreis aus und klagen ihn an, unwissenschaftlich und engstirnig zu
sein. Zwischen ihnen und den ignoranten, mittelalterlichen Fanatikern, die jene bestraften, die behaupteten, die Erde sei
nicht flach, gibt es wirklich keinen Unterschied.
Manche dieser Menschen behaupten sogar, sie seien Muslime und glaubten an Gott. Sie finden es unwissenschaft-
lich, auszusprechen: “Gott erschuf alles Leben”, und doch sind sie in der Lage, zu glauben, die Behauptung: “Das Leben
entstand in einem unbewussten Prozeß, der aus Milliarden Zufällen bestanden hat”, sei wissenschaftlich.

150 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Würden Sie diesen Leuten einen behauenen Stein oder einen hölzernen Götzen hinstellen und ihnen erzählen:
“Sehen Sie, dieser Götze erschuf diesen Raum und alles in ihm Befindliche”, so würden sie erwidern, das sei völlig
blödsinnig und sie würden es nicht glauben. Trotzdem halten sie den Unsinn, “Ein unbewußter Prozeß namens Zu-
fall kreierte diese Welt und er brachte all die Milliarden wunderbaren Lebewesen durch eine enorme Planungsan-
strengung ins Dasein”, für die größte wissenschaftliche Erklärung.
Kurz, diese Menschen sehen den Zufall als Gott an und behaupten, er sei intelligent, bewußt und machtvoll ge-
nug, Leben zu erschaffen und all die sensiblen Gleichgewichte des Universums. Sagt man ihnen, es sei Gott gewesen,
der Besitzer unendlicher Weisheit, der alle Lebewesen erschaffen habe, dann weigern sich diese evolutionistischen
Professoren, diese Tatsache zu akzeptieren, und sie bleiben dabei, unbewußte, unintelligente, machtlose Milliarden
von Zufällen ohne eigenen Willen seien eine kreative Kraft.
Die Tatsache, dass intelligente, gebildete und kenntnisreiche Menschen als Gruppe an die irrationalste und unlo-
gischste Behauptung der Geschichte glauben können, wenn auch unter einem Zauber, ist ein großes Wunder. So wie
Gott auf wunderbare Weise etwas wie die Zelle mit ihren außergewöhnlichen Eigenschaften erschafft, erschafft Er
diese Menschen auf genau so wunderbare Weise blind und verständnislos, dass sie nicht sehen, was sich doch direkt
unter ihrer Nase befindet. Es ist eines von Gottes großen Wundern, dass Evolutionisten nicht imstande sind, Tatsa-
chen zu erkennen, die selbst kleine Kinder sehen können und dass sie sie nicht begreifen, egal wie oft es ihnen erklärt
wird.
Sie werden diesem Wunder häufiger begegnen, während Sie dieses Buch lesen, und Sie werden auch sehen, dass
der Darwinismus angesichts der wissenschaftlichen Fakten nicht nur total zusammengebrochen ist, sondern dass er
ein großer Betrug ist, völlig inkompatibel mit Verstand und Logik, so dass sich die, die ihn verteidigen, nur selbst ein
Armutszeugnis ausstellen.

Adnan Oktar 151


KAPITEL 1

ZUR BEFREIUNG VON VORURTEILEN

ie meisten Leute nehmen alles, was aus dem Mund von Wissenschaftlern kommt als zweifellose Wahrheit an.

D Es würde ihnen nie in den Sinn kommen, dass selbst Wissenschaftler den einen oder anderen philosophischen
oder ideologischen Vorurteilen unterlegen sein können. Tatsächlich jedoch verhält es sich bei den die Evolu-
tionstheorie vertretenden Wissenschaftlern so, dass sie der Öffentlichkeit ihre eigenen Vorurteile und philosophischen
Anschauungen, unter dem Deckmantel der “Wissenschaftlichkeit”, aufzwingen. Obwohl sie sich dessen bewußt sind,
dass Zufallsereignisse stets nur Verwirrung und Chaos hervorbringen, behaupten sie z.B., dass die wunderbare Ord-
nung, Planung und Gestaltung, die sowohl im Kosmos, als in allen Lebensformen offenbar ist, ein Produkt des Zufalls
sei.
Zum Beispiel dürfte es für einen derartigen Biologen kaum schwierig sein, die unfaßbare strukturelle Harmonie in-
nerhalb eines Proteinmoleküls – dem Grundbaustein des Lebens – zu erkennen, und somit die Unwahrscheinlichkeit ei-
ner zufälligen Entstehung desselben, und dennoch behauptet er, dass dieses Protein unter primitiven
Umweltbedingungen vor Milliarden Jahren zufällig zustande gekommen sei. Doch dem nicht genug; er behauptet fer-
ner ohne zu zögern, dass nicht nur eines, sondern Millionen von Proteinen zufällig entstanden, und sich dann auf un-
glaubliche Weise zusammentaten, um die erste lebendige Zelle zu bilden. Und diese Ansicht verficht er in blindem
Starrsinn. Solch eine Person ist ein “evolutionistischer” Wissenschaftler.
Wenn derselbe Wissenschaftler bei einem Spaziergang drei aufeinander geschichtete Ziegelsteine auf einer ebenen
Straße fände, würde es ihm niemals in den Sinn kommen, dass diese Ziegelsteine zufällig zusammentrafen und dann –
ebenfalls durch Zufall – einer auf den anderen kletterten. Ganz im Gegenteil, jeder der solch eine Behauptung äußerte,
würde für schwachsinnig oder geistesgestört gehalten werden.
Wie ist es dann möglich, dass Menschen, die in der Lage sind, gewöhnliche Vorgänge rational zu beurteilen, derar-
tig irrationale Denkweisen an den Tag legen, wenn es darum geht, sich gedanklich mit ihrer eigenen Existenz zu be-
schäftigen?
Es kann nicht behauptet werden, dass diese Einstellung “im Namen der Wissenschaft” angenommen wird. Wissen-
schaft erfordert, dass, wenn zwei gleichermaßen mögliche Alternativen in Bezug auf einen gegebenen Fall bestehen,
beide Alternativen in Betracht gezogen werden. Und falls die Wahrscheinlichkeit für eine der beiden Alternativen we-
sentlich geringer ist, beispielsweise nur ein Prozent, ist es rational und wissenschaftlich, die andere Alternative, deren
Wahrscheinlichkeit 99 Prozent beträgt, als die gültige zu betrachten.
Wir wollen dieses wissenschaftliche Prinzip weiterhin im Auge behalten. In bezug auf die Entstehung des Lebens
auf der Erde können zwei Anschauungen vorgebracht werden: Die erste ist, dass alle lebenden Organismen in ihren ge-
genwärtigen komplexen Strukturen von Gott erschaffen wurden. Die zweite ist, dass das Leben sich aufgrund von un-
bewußtem, ziel- und planlosem Zusammentreffen von Umständen gebildet hat. Letztere ist das Postulat der
Evolutionstheorie.
Wenn man wissenschaftliche Daten, z.B. die der Molekularbiologie in Betracht zieht, kann man erkennen, dass kei-
nerlei Möglichkeit besteht, dass auch nur eine lebende Zelle – oder selbst nur eines, der in dieser Zelle vorhandenen Mil-
lionen von Proteinen – durch Zufall hätte entstehen können, wie die Evolutionisten behaupten. Wie wir in den
folgenden Kapiteln aufzeigen werden, wird dies auch durch Wahrscheinlichkeitsberechnungen immer wieder bestätigt.
Damit hat die evolutionistische Auffassung bezüglich der Entstehung des Lebens keinerlei Möglichkeit sich als zutref-
fend zu erweisen.
Das bedeutet, dass die erstere Anschauung eine “100-prozentige” Wahrscheinlichkeit beinhaltet, den Tatsachen zu
entsprechen. Das heißt, das Leben wurde bewußt hervorgebracht; in anderen Worten: es wurde “erschaffen”. Alle Lebe-

152 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

wesen kamen ins Dasein, entsprechend des “intelligenten Designs” eines Schöpfers, der erhaben in Macht, Weisheit
und Wissen ist. Diese Realität ist nicht nur eine bloße Angelegenheit von Überzeugung, sondern die konsequente
Schlußfolgerung zu der man von Weisheit, Logik und Wissenschaft geführt wird.
Unter diesen Gegebenheiten sollte unser “evolutionistischer” Wissenschaftler seine Behauptungen zurückziehen
und sich an Tatsachen halten, die sowohl offensichtlich als auch erwiesen sind. Andernfalls zeigt er damit, dass er,
anstatt ein wahrer Wissenschaftler zu sein, es in Wirklichkeit vorzieht, Wissenschaftlichkeit seiner Philosophie, Ideo-
logie und Dogmatik zu opfern.
Der Zorn, die Sturheit und Vorurteile unseres “Wissenschaftlers” steigern sich weiter mit jeder erneuten Kon-
frontation mit der Wirklichkeit. Seine Einstellung kann mit einem einzigen Wort erklärt werden: “Glaube”. Doch ist
dies ein verblendeter, abergläubischer Glaube, denn es kann keine andere Erklärung dafür geben, dass jemand alle
Tatsachen außer Acht läßt, oder dass er sich ein Leben lang einem absurden Hirngespinst widmet, das er in seiner
Phantasie ausgeheckt hat.

Blinder Materialismus
Der Glaube, von dem hier die Rede ist, ist die materialistische Philosophie, die besagt, dass Materie seit aller
Ewigkeit existiert habe und es nichts anderes als die Materie gäbe. Die sogenannte “wissenschaftliche Grundlage”
der materialistischen Philosophie ist die Evolutionstheorie, die blind verteidigt wird, um diese Philosophie zu unter-
stützen. Wenn die Wissenschaft die Behauptungen der Evolution widerlegt – und an genau diesem Punkt sind wir
jetzt am Beginn des 21. Jahrhunderts – wird versucht, diese zu verzerren und in eine
Position zu bringen, in der sie die Evolution unterstützt – nur um den Materialismus
aufrechtzuerhalten.
Die folgende Aussage eines bekannten evolutionistischen Biologen aus der Tür-
kei ist ein gutes Beispiel dafür, zu welch perverser Beurteilung und Willkür diese
verblendete Hingabe führen kann. Dieser Wissenschaftler erörtert die Wahrschein-
lichkeit der zufälligen Bildung des Cytochrom-C, eines der lebenswichtigsten Enzy-
me:
Im Grunde genommen ist die Möglichkeit der Bildung einer Cytochrom-C Folge gleich
Null. Das bedeutet, dass falls das Leben eine bestimmte Reihenfolge benötigt, kann
man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verwirklichung derselben vielleicht ein-
mal im ganzen Universum besteht. Andernfalls müssen irgendwelche übernatürli-
chen Kräfte, die außerhalb unseres Definitionsbereichs liegen in ihrer Bildung tätig
gewesen sein. Letzteres zu akzeptieren ist dem wissenschaftlichen Ziel nicht ange- Michael Behe: "Eine peinliche
Stille umgibt die unverhüllte
messen. Wir müssen uns daher mit der ersten Hypothese auseinandersetzen.2 Komplexität der Zelle."
Dieser Wissenschaftler erachtet es tatsächlich als “wissenschaftlicher”, eher ei-
ne Wahrscheinlichkeit, die “so gut wie Null” ist, zu akzeptieren, als die Schöpfung.
Wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechend jedoch muß im Fall von zwei Erklä-
rungsalternativen für ein gegebenes Phänomen, von denen eines eine Nullwahr-
scheinlichkeit der Realisierung hat, die andere als gültig betrachtet werden. Da jedoch die dogmatische
materialistische Einstellung die Annahme eines erhabenen Schöpfers ausschließt, ist der Wissenschaftler – und
viele andere, die an dem gleichen materialistischen Dogma festhalten – dazu getrieben, Behauptungen zu akzeptie-
ren, die völlig vernunftwidrig sind.
Menschen, die diesen Wissenschaftlern glauben und vertrauen, werden in denselben materialistischen Bann ge-
zogen und verblendet und fallen der gleichen unvernünftigen Psychologie anheim, wenn sie deren Bücher und Arti-
kel lesen.
Dieser dogmatische materialistische Standpunkt ist die Ursache, warum viele bekannte Persönlichkeiten der
wissenschaftlichen Gemeinschaft Atheisten sind. Alle, die sich von den Fesseln dieses Banns befreien und mit einem
aufgeschlossenen Geist denken, zögern nicht, die Existenz eines Schöpfers anzuerkennen. Der amerikanische Bioche-
miker Dr. Michael J. Behe, einer der prominenten Namen, die die Bewegung zur Verteidigung der Tatsache der
Schöpfung unterstützen, die in jüngster Zeit mehr und mehr Anerkennung findet, beschreibt die Wissenschaftler, die
sich weigern, an die Erschaffung der lebenden Organismen zu glauben, so:
In den letzten vier Jahrzehnten hat die moderne Biochemie die Geheimnisse der Zelle aufgedeckt. Es bedurfte Zehntau-
sender Forscher, die einen großen Teil ihres Lebens langwieriger Laborarbeit widmeten... Das Ergebnis dieser kollekti-
ven Bemühungen, die Zelle zu erforschen – d.h., das Leben im molekularen Bereich zu entdecken – ist ein lauter,

Adnan Oktar 153


deutlicher, durchdringender Schrei des “Designs”! Das Resultat ist so eindeutig
und so bedeutend, dass es als eine der größten Errungenschaften in der Geschichte
der Wissenschaft betrachtet werden muß... Statt dessen umgibt verlegenes Schwei-
gen die außerordentliche Komplexität der Zelle. Warum stürzt sich die wissen-
schaftliche Gemeinschaft nicht gierig auf diese sensationelle Entdeckung? Warum
wird die Beobachtung des Designs mit intellektuellen Handschuhen angefaßt? Das
Dilemma liegt darin, dass die eine Seite des Elefanten mit “intelligentes Design” be-
schriftet ist, während die andere Seite die Urheberreferenz – Gott – enthalten muss.3
Dies ist die bedauerliche Lage der atheistischen evolutionistischen Wissen-
schaftler, die man in Zeitschriften und im Fernsehen beobachten kann und deren
Bücher man lesen mag. All die wissenschaftliche Forschung, die von diesen Leu-
ten durchgeführt wird, weist sie auf die Existenz eines Schöpfers hin und den-
noch sind sie durch ihre dogmatische materialistische Ausbildung so
abgestumpft und verblendet geworden, dass sie in ihrer Leugnung verharren.
Menschen, die ständig die deutlichen Zeichen und Beweise des Schöpfers ig-
norieren, verlieren ihre Aufnahmefähigkeit schließlich völlig. Indem sie infolge
Richard Dawkins macht eifrige Propaganda
ihrer Abgestumpftheit in ignorantem Selbstbewußtsein schwelgen, können sie für die Evolution.
selbst dahin gelangen, wo ihnen eine Absurdität als Tugend erscheint. Ein typi-
scher Fall ist der bekannte Evolutionist Richard Dawkins, der die Christen dazu
aufruft, nicht zu wähnen ein Wunder gesehen zu haben, selbst wenn ihnen eine Madonnenfigur zuwinkte. Gemäß Daw-
kins “haben sich unter Umständen alle Atome des Arms der Figur auf einmal in der gleichen Richtung bewegt – sicher-
lich ein Ereignis mit sehr großer Unwahrscheinlichkeit, jedoch möglich.”4
Die Psychologie der Leugner ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Im Quran wird sie folgendermaßen beschrie-
ben:
Selbst wenn Wir Engel zu ihnen herniedergesandt und die Toten zu ihnen gesprochen und Wir alle Dinge vor ihnen
versammelt hätten, hätten sie doch nicht geglaubt, es sei denn, Gott hätte es gewollt; jedoch, die Mehrzahl von ihnen ist
unwissend. (Sure 6:111 – al-An’am)
Wie dieser Vers deutlich zeigt, ist das dogmatische Denken der Evolutionisten weder eine originelle Denkweise,
noch ist es ihre spezielle Eigenheit. In Wirklichkeit ist das, woran sich der evolutionistische Wissenschaftler hält kein
modernes wissenschaftliches Denken, sondern Ignoranz, die sich seit den unzivilisierten heidnischen Gesellschaften bis
heute erhalten hat.
Die gleiche Psychologie wird in einem anderen Vers des Quran definiert:
Selbst wenn Wir ihnen ein Tor des Himmels öffnen würden, beim Hinaufsteigen würden sie doch sagen: “Unsere Bli-
cke sind (nur) berauscht! Ja, wir sind bestimmt verzauberte Leute!” (Sure 15:14, 15 – al-Hidschr)

Evolutionistische Massenindoktrination
Wie in dem oben zitierten Vers angedeutet, ist einer der Gründe, warum Menschen Realitäten ihrer Existenz nicht
erkennen können, eine Art “Bann”, der ihre Vernunft blockiert. Es ist der gleiche “Bann”, der der weltweiten Annahme
der Evolutionstheorie zugrunde liegt. Was mit “Bann” gemeint ist, ist eine Konditionierung, die durch Indoktrination
erzielt wird. Menschen werden einer derart intensiven Gehirnwäsche bezüglich des Wahrheitsgehalts der Evolutions-
theorie ausgesetzt, dass sie die vorhandene Verdrehung der Wahrheit gar nicht mehr erkennen.
Diese Indoktrination hat einen negativen Effekt auf das Gehirn und behindert das Urteilsvermögen. Das Gehirn,
das einer ständigen Indoktrination ausgesetzt ist, beginnt letztlich die Wirklichkeit nicht mehr als das was sie ist wahr-
zunehmen, sondern so, wie es ihm eingetrichtert wurde. Wenn zum Beispiel jemandem unter Hypnose eingeflößt wird,
dass das Bett, auf dem er liegt, ein Auto sei, wird er nach der Hypnose das Bett als Auto wahrnehmen. Er denkt, dass
dies absolut logisch und rational ist, da er es tatsächlich so sieht und keine Zweifel an der Richtigkeit seiner Vorstellung
hat. Beispiele wie dieses, die die Potenz und Möglichkeiten der Indoktrinationsmechanismen zeigen, sind wissenschaft-
liche Tatsachen, die durch unzählige Experimente nachgewiesen und in der wissenschaftlichen Literatur ausführlich
beschrieben sind und eine alltägliche Angelegenheit in den psychologischen und psychiatrischen Textbücher darstellen.
Die Evolutionstheorie und materialistische Weltanschauung, auf der sie basiert, sind den Massen durch solche In-
doktrinationsmethoden aufgezwungen worden. Menschen, die ständig der evolutionistischen Indoktrination durch die
Medien, akademischen Quellen und “wissenschaftlichen” Foren ausgesetzt sind, sind unfähig zu erkennen, dass eine
Annahme dieser Theorie tatsächlich den elementarsten Prinzipien der Vernunft zuwider ist. Dieselbe Indoktrination

154 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

fesselt auch Wissenschaftler. Junge Anwärter


auf eine wissenschaftliche Karriere, eignen
sich im Lauf der Zeit mehr und mehr dieser Icons of Evolution (Iko-
materialistischen Weltanschauung an. Unter nen der Evolution), von
Jonathan Wells
dem Einfluß dieses Banns fahren viele evolu-
tionistische Wissenschaftler fort, nach wis-
senschaftlichen Bestätigungen für die
vernunftwidrigen und überholten evolutio-
nistischen Mutmaßungen des 19. Jahrhun-
derts zu suchen, die seit langem durch
wissenschaftliche Nachweise widerlegt wor-
den sind.
Es gibt weitere Mechanismen, die Wis-
senschaftler zwingt Evolutionisten und
Materialisten zu sein. Im Westen muss ein
Wissenschaftler bestimmte Normen erfüllen,
um akademische Anerkennung zu erlangen
und gefördert zu werden, oder seine Artikel
in wissenschaftlichen Journalen veröffentli-
chen lassen zu können. Eine bedingungslose
Annahme der Evolution ist das vorrangigste
Kriterium. Das System treibt diese Wissenschaftler soweit, dass sie ihr ganzes Leben und ihre wissenschaftliche Kar-
riere der Aufrechterhaltung eines dogmatischen Glaubens hingeben. Der amerikanische Molekularbiologe Jonathan
Wells beschreibt diesen Unterdrückungsmechanismus in seinem, im Jahr 2000 erschienen Buch Icons of Evolution
(Ikonen der Evolution):
... Die dogmatischen Darwinisten beginnen damit, die Interpretation der Beweise eng einzuschränken, und beanspru-
chen, dass dies die einzige Möglichkeit sei Wissenschaft zu betreiben. Kritiker werden als unwissenschaftlich gebrand-
markt, die Veröffentlichung ihrer Beiträge wird von den hauptsächlichen Journalen verweigert, deren
Veröffentlichungsgremien von den Dogmatikern beherrscht sind. Den Kritikern wird Förderung durch staatliche Orga-
ne versagt, welche Projektvorschläge für eine Förderung zur “kollegialen” Begutachtung an die Dogmatiker weiterlei-
ten, und so werden die Kritiker allmählich vollständig aus der wissenschaftlichen Gesellschaft verbannt. In diesem
Prozeß verschwindet jeglicher Beweis gegen die Darwinsche Anschauung einfach, geradeso wie Zeugen gegen die Ma-
fia. Oder, der Beweis wird in spezialisierten Veröffentlichungen beerdigt, wo er nur von hingegebenen Forschern gefun-
den werden kann. Sobald die Kritiker zum Schweigen gebracht wurden, und alle Gegenbeweise unter den Teppich
gekehrt wurden, erklären die Dogmatiker, dass eine wissenschaftliche Debatte über ihre Theorie im Gange sei, und dass
keine Beweise gegen sie vorlägen.5
Dies ist die Wirklichkeit, die sich hinter den Kulissen der Behauptung, die “Evolution werde immer noch von der
Welt der Wissenschaft akzeptiert”, abspielt. Die Evolution wird am Leben erhalten; nicht, weil sie einen wissen-
schaftlichen Wert hätte, sondern weil sie eine ideologische Forderung ist. Sehr wenige Wissenschaftler, die sich die-
ser Tatsache bewußt sind, können es sich leisten, auf die Blöße des Kaisers hinzuweisen.
Im verbleibenden Teil dieses Buchs werden wir die Befunde der modernen Wissenschaft, die gegen die Evoluti-
on sprechen untersuchen, die von den Evolutionisten entweder mutwillig ignoriert, oder “in spezialisierten Veröf-
fentlichungen beerdigt” werden, und die einen klaren Beweis der Existenz Gottes ans Licht bringen. Der Leser wird
Zeuge davon, dass die Evolutionstheorie in Wahrheit ein Schwindel ist – ein Betrug, der von der Wissenschaft auf je-
dem Schritt Lügen gestraft wird, doch der aufrecht erhalten wird, um die Tatsache der Schöpfung zu verschleiern. Es
wäre wünschenswert, dass es dem Leser gelänge aus diesem Bann auszubrechen, durch den der Verstand der Leute
verblendet und ihre Urteilsfähigkeit gelähmt werden, und dass er ernsthaft darüber nachsinnt, was in diesem Buch
dargelegt ist.
Wenn er sich von diesem Bann befreit und klar, ungezwungen und vorurteilslos denkt, wird er bald die kristall-
klare Wahrheit entdecken. Die unumgängliche Wahrheit, die auch von der modernen Wissenschaft in jeder Hinsicht
demonstriert wird, ist, dass Lebewesen nicht zufällig entstanden, sondern ein Ergebnis der Schöpfung sind. Der
Mensch kann die Tatsache der Schöpfung leicht erkennen, wenn er seine eigene Existenz betrachtet, wie er aus einem
Tropfen Samenflüssigkeit entstand, oder wenn er über die Vollendung in jedem anderen Lebewesen nachdenkt.

Adnan Oktar 155


KAPITEL 2

EINE KURZE GESCHICHTE DER THEORIE

ie Ursprünge des evolutionistischen Gedankenguts gehen zurück bis ins Altertum, wo sie als dogmatische

D Überzeugung einen Versuch darstellten die Tatsache der Schöpfung zu verneinen. Die meisten der heidnis-
chen Philosophen der griechischen Antike vertraten die Idee der Evolution. Wenn wir die Geschichte der Phi-
losophie näher betrachten finden wir, dass die Idee der Evolution das Rückgrad vieler heidnischer Philosophien
darstellt.
Es ist jedoch nicht diese heidnische antike Philosophie, sondern der Glaube an Gott, der eine fördernde Rolle in der
Geburt und Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaft gespielt hat. Die meisten Vorkämpfer der modernen Wissen-
schaft glaubten an die Existenz Gottes, und die treibende Kraft hinter ihren wissenschaftlichen Studien war das Verlan-
gen, das von Gott erschaffene Universum zu erforschen, und die Gesetze und Einzelheiten Seiner Schöpfung zu
erkennen. Astronomen wie Kopernikus, Keppler und Galileo, Cuvier, der Vater der Paläontologie, Linnaeus der Pio-
nier der Botanik und Zoologie, und Isaac Newton, der der “größte Wissenschaftler aller Zeiten” genannt wurde, sie al-
le studierten Wissenschaft, wobei sie nicht nur an die Existenz Gottes glaubten, sondern auch daran, dass das
Universum als Ergebnis Seines Schöpfens ins Dasein kam.6 Albert Einstein, der als das größte Genie unserer Zeit gilt
war ein weiterer hingebungsvoller Wissenschaftler der an Gott glaubte, und daher diese Aussage gemacht hatte: “Ich
kann mir keinen wirklichen Wissenschaftler ohne diesen tiefen Glauben vorstellen. Die Situation kann bildlich ausge-
drückt so dargestellt werden: Wissenschaft ohne Religion ist lahm.”7
Der Gründer der modernen Physik, der deutsche Physiker Max Planck äußerte: “Jeder der sich ernstlich in wissen-
schaftlicher Arbeit jeglicher Art betätigt hat, erkennt dass über dem Eingang zu den Pforten des Tempels der Wissen-
schaft diese Worte geschrieben sind: Du mußt Glauben haben. Es ist eine Eigenschaft, ohne die der Wissenschaftler
nicht auskommen kann.”8
Die Evolutionstheorie ist das Ergebnis der materialistischen Philosophie, die sich im 19. Jh. im Zuge der Neuerwe-
ckung der antiken materialistischen Philosophien weitgehend verbreitete. Materialismus versucht, wie bereits vorher
angedeutet, die Natur durch ausschließlich materielle Faktoren zu erklären. Da Materialismus Schöpfung von vorn he-
rein ausschließt, wird behauptet, dass alles, ob belebt oder unbelebt, ohne einen Schöpfungsakt in Erscheinung trat, son-
dern als Ergebnis zufällig zusammentreffender Voraussetzungen, welche sich sodann eine Ordnung aneigneten.
Menschliches Denken jedoch ist in der Weise gestaltet, dass es das Vorhandensein eines organisierenden Willens vo-
raussetzt, wo immer es Ordnung erkennt. Die materialistische Philosophie, die im Widerspruch zu dieser grundlegen-
den Charakteristik des menschlichen Geistes steht, brachte die “Evolutionstheorie” um die Mitte des 19. Jh. hervor.

Darwins Vorstellungen
Die Person, welche die Evolutionstheorie in der Form, in der sie heutzutage verfochten wird aufbrachte, war der
englische Amateurnaturalist Charles Robert Darwin.
Darwin hatte sich niemals einer formellen Ausbildung in Biologie unterzogen. Sein Interesse an der Natur und Le-
bewesen war lediglich eine Liebhaberei, die ihn 1832 bewog, sich freiwillig einer Expedition anzuschließen, welche sich
an Bord des Schiffs H. M. S. Beagle aufmachte, fünf Jahre lang verschiedene Regionen der Welt zu bereisen. Der junge
Darwin war sehr beeindruckt von den unterschiedlichen lebendigen Spezies, insbesondere von bestimmten Finken, die
er auf den Galapagos Inseln vorfand. Er dachte, dass deren unterschiedliche Schnabelformen aufgrund einer Anpas-
sung an ihre Heimat zustande gekommen waren. Mit dieser Idee im Kopf nahm er an, dass der Ursprung des Lebens
und der Lebensformen in dem Konzept “der Anpassung an den Lebensraum” zu finden sei. Laut Darwin wurden die

156 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

unterschiedlichen Arten nicht gesondert von Gott erschaffen, sondern gingen auf ei-
nen gemeinsamen Vorfahren zurück und entwickelten sich unterschiedlich vonei-
nander als Ergebnis von natürlichen Voraussetzungen.
Darwins Hypothese gründete sich nicht auf irgendwelche wissenschaftlichen
Entdeckungen oder Versuche, entwickelte sich jedoch im Lauf der Zeit mit der Un-
terstützung und Förderung von Seiten der bekannten materialistischen Biologen sei-
ner Zeit in eine anmaßende Theorie. Die Idee war, dass diejenigen Individuen, die
sich ihrem Lebensraum am besten anpaßten, ihre Eigenschaften auf die nachfolgen-
den Generationen vererbten; diese vorteilhaften Eigenschaften sammelten sich im
Lauf der Zeit an und transformierten das Individuum in eine, von seinen Vorfahren
vollständig unterschiedliche Art. (Der Ursprung dieser “vorteilhaften Eigenschaf-
ten” war seinerzeit unbekannt.) Der Mensch war laut Darwin das höchst entwickel-
te Ergebnis dieses imaginären Mechanismus.
Darwin nannte diesen Prozeß “Evolution durch natürliche Selektion”. Er Charles Darwin
wähnte, er hätte den “Ursprung der Spezies” gefunden: Der Ursprung einer Spezies war
eine andere Spezies. 1859 veröffentlichte er diese Anschauung in seinem Buch mit dem
Titel: Der Ursprung der Arten durch natürliche Selektion.
Darwin war sich bewußt, dass seine Theorie erhebliche Probleme aufwies. Er gestand dies in seinem Buch in
dem Kapitel “Probleme der Theorie”. Diese Schwierigkeiten lagen hauptsächlich im Fossilnachweis, komplexen Or-
ganen von Lebewesen, die unmöglich durch Zufall erklärbar sind (z.B. das Auge) und Instinkten lebendiger Kreatu-
ren. Darwin hoffte, dass diese Komplikationen durch neue Entdeckungen überwunden werden würden, doch dies
hielt ihn nicht davon ab, sehr mangelhafte Erklärungen für eine beträchtliche Anzahl von anderen Ungereimtheiten
abzugeben. Der amerikanische Physiker Lipson gab den folgenden Kommentar zu Darwins “Schwierigkeiten”:
Als ich Der Ursprung der Arten las, fand ich, dass Darwin selbst wesentlich unsicherer war, als es oft dargestellt wird;
das Kapitel “Probleme der Theorie” z.B. weist beträchtliche Selbstzweifel auf. Als Physiker war ich speziell befrem-
det bei seinen Erläuterungen bezüglich der Entstehung des Auges.9
Während Darwin seine Theorie entwickelte, war er beeindruckt von vielen evolutionistischen Biologen vor ihm,
in erster Linie von dem französischen Biologen Lamarck.10 Laut Lamarck gaben Lebewesen die Charakterzüge, die
sie sich während ihres Lebens angeeignet hatten, von einer Generation an die nächste weiter, und entwickelten sich
auf diese Weise fort. Zum Beispiel entwickelten sich Giraffen von antilopenähnlichen Tieren, indem sie ihre Hälse
von Generation zu Generation mehr streckten, um höher und höher stehende Zweige als Nahrung zu erreichen. Dar-
win bediente sich somit der von Lamarck vorgelegten These der “Weitergabe von Charakterzügen” als des Umstan-
des, der die Lebewesen zur Evolution bewegt.
Beide jedoch, Darwin und Lamarck verfielen dem Irrtum, denn in ihrer Zeit war
das Studium des Lebens nur mit sehr primitiven technologischen Hilfsmitteln, und
somit auf sehr unzulänglicher Ebene möglich. Wissenschaftliche Fachbereiche wie
Genetik und Biochemie gab es noch nicht einmal begriffsweise. Ihre Theorien
stützten sich daher lediglich und vollständig auf ihre Vorstellungskraft.
Während die Echos von Darwins Buch noch hallten, entdeckte ein österrei-
chischer Botaniker namens Gregor Mendel 1865 die Vererbungsgesetze. Nicht
sehr bekannt geworden bis zum Ende des 19. Jh., gewann Mendels Entdeckung
große Bedeutung in den frühen Jahren des 20. Jh. Dies war der Anfang der wis-
senschaftlichen Genetik. Kurze Zeit danach wurde die Struktur der Gene und
Chromosomen entdeckt. Mit der Entdeckung des DNS-Moleküls, welches geneti-
sche Information speichert, wurde die Evolutionstheorie in den 50er Jahren in eine
gewaltige Krise gestürzt. Der Grund dafür war die unvorstellbare Komplexität des
Lebens und die Unhaltbarkeit des von Darwin vorgeschlagenen Evolutionsmecha-
Die von dem Mönch Gregor Mendel
entdeckten genetischen Gesetze nismus.
führten die Evolutionstheorie in eine Diese Entwicklungen hätten Darwins Theorie in den Abfallkorb der Geschichte
Sackgasse.
verbannen sollen. Dem jedoch war nicht so, da bestimmte Kreise darauf bestanden
die Theorie zu revidieren, erneuern und auf eine wissenschaftliche Ebene zu erhe-
ben. Diese Bestrebungen können nur dann sinnvoll erscheinen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es eher ideologi-

Adnan Oktar 157


Der primitive Stand der Wissenschaft
zu Darwins Zeiten
ls Darwin seine Hypothesen vortrug, gab es die wissenschaftlichen Fachbereiche der Genetik, Mikro-

A biologie und Biochemie noch nicht. Wären diese erforscht worden, bevor Darwin seine Theorie vor-
brachte, hätte er möglicherweise erkannt, dass seine Theorie völlig unwissenschaftlich war, und
hätte vielleicht gar nicht erst versucht, solch unbegründete Behauptungen aufzustellen. Die, eine Spezies
bestimmende Information ist bereits in den Genen vorhanden, und es ist der natürlichen Selektion nicht
möglich neue Spezien durch Veränderungen in den Genen hervorzubringen.
In ähnlicher Weise verfügte die Wissenschaft in jenen Tagen nur über ein sehr oberflächliches und grobes
Verständnis der Struktur und Funktion der Zelle. Wenn Darwin die Möglichkeit gehabt hätte, die Zelle durch
ein Elektronenmikroskop zu betrach-
ten, wäre er Zeuge der ungeheuerlichen
Komplexität und außergewöhnlichen
Struktur in den Organellen der Zelle ge-
worden, und hätte dann mit eigenen Au-
gen erkannt, dass solch ein raffiniertes
und komplexes System unmöglich
durch geringfügige Abänderungen ent-
standen sein konnte. Hätte er eine Ah-
nung von Bio-Mathematik gehabt, so
hätte er erkannt, dass nicht ein einzi-
ges Proteinmolekül, geschweige denn
eine ganze Zelle, durch Zufall ins Da-
sein gekommen sein konnte.

Ein detailliertes Studium der Zelle wurde


erst durch die Erfindung des Elektronen-
mikroskops ermöglicht. Mit den hier ab-
gebildeten, primitiven Mikroskopen zu
Darwins Zeiten war es lediglich möglich,
die äußere Zelloberfläche zu sehen.

Eine lebende Zelle ist ein Wunder der Schöpfung, das Wissen-
schaftler immer wieder erstaunt. Betrachtet man eine Zelle
unter einem Elektronenmikroskop, so sieht man in ihr eine
hochaktive Struktur, die in vielem an einen Bienenstock erin-
nert. Die Millionen Zellen, die täglich im Körper absterben,
werden ständig durch neue ersetzt; und Milliarden Zellen ar-
beiten harmonisch zusammen, um den menschlichen Körper
am Leben zu erhalten. Es wäre völlig unsinnig, anzunehmen,
die Zellen hätten einen solchen Organisationsgrad ihrer Aktivi-
tät selbstständig erreicht. Gott war es, Der die perfekte Ord-
nung in den Zellen erschaffen hat, die ohne Zuhilfenahme
eines Elektronenmikroskops gar nicht erkennbar wäre. Die
unvergleichliche Schöpfung und das unendliche Wissen unse-
res Herrn sind in jedem Detail unseres Lebens zu offensicht-
lich, um verborgen bleiben zu können.

158 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

sche Belange sind als wissenschaftliches Interesse, die im Hintergrund der Theorie eine bedeutende Rolle mitspielen.

Die verzweifelten Anstrengungen des Neo-Darwinismus


Darwins Theorie war mit der Entdeckung der genetischen Gesetze im ersten Viertel des 20. Jh. in eine tiefe Krise
geraten. Nichtsdestoweniger jedoch bemühte sich eine Gruppe von Wissenschaftlern, die entschlossen waren Dar-
win die Treue zu halten, Auswege aus dem Dilemma zu finden. Sie fanden sich 1941 auf einem, von der Geological So-
ciety of America organisierten Treffen zusammen. Genetiker wie G. Ledyard Stebbins und Theodosius Dobzhansky,
Zoologen wie Ernst Mayr und Julian Huxley, Paläontologen wie George Gaylord Simpson und Glenn L. Jepsen, und
mathematische Genetiker wie Ronald Fisher und Sewall Right konnten sich nach langen Diskussionen schließlich auf
Wege und Mittel einigen, den Darwinismus “zusammenzuflicken”.
Dieser Kader konzentrierte sich auf die Frage nach dem Ursprung der vorteilhaften Variationen, welche angeb-
lich die lebenden Organismen zur evolutiven Fortentwicklung bewegt – ein Punkt, den Darwin selbst nicht in der
Lage war zu erklären, sondern ihm einfach auswich indem er sich auf Lamarck stützte. Die neue Idee war “Zufalls-
mutationen”. Sie benannten diese neue Theorie “Die moderne synthetische Evolutionstheorie”, die dadurch formu-
liert war, dass sie Darwins These der natürlichen Selektion das Konzept der Mutation hinzufügten. In kurzer Zeit
wurde diese Theorie als “Neo-Darwinismus” bekannt, und ihre Verfechter wurden “Neo-Darwinisten” genannt.
Die darauffolgenden Jahrzehnte waren eine Ära verzweifelter Versuche den Neo-Darwinismus zu bestätigen. Es
war bereits bekannt, dass Mutationen – oder “Unfälle” – die in den Genen lebendiger Organismen vorfielen stets
nachteilig sind. Die Neo-Darwinisten versuchten durch Tausende von Mutationsexperimenten einen Fall für “vor-
teilhafte Mutation” aufzubauen, doch all ihre Anstrengungen endeten in totalem Versagen.
Sie versuchten ferner experimentell nachzuweisen, dass der erste lebendige Organismus durch Zufall unter pri-
mitiven irdischen Voraussetzungen entstanden sein könnte, wie es die Theorie besagt, doch auch diese Versuche
blieben gleichermaßen erfolglos. Jeder Versuch der nachweisen sollte, dass Leben durch Zufall entstehen könne,
scheiterte. Wahrscheinlichkeitsrechnungen belegen, dass nicht einmal ein einziges Protein, das den Grundbaustein
des Lebens darstellt, durch Zufall hätte entstehen können. Und die Urzelle, welche laut evolutionistischen Behaup-
tungen angeblich unter primitiven, unkontrollierten irdischen Bedingungen durch Zufall ins Dasein gekommen sein
soll, konnte selbst in den bestausgerüsteten Laboratorien des 20. Jh. nicht synthetisch bereitgestellt werden.
Neo-Darwinismus wird ferner durch die Fossilienfunde widerlegt. Nirgendwo in der Welt wurden jemals ir-
gendwelche “Übergangsformen” gefunden, welche die angebliche stufenweise Evolution der lebendigen Organis-
men von primitiven in höhere Lebensformen hätte zeigen sollen, wie die neo-darwinistische Theorie es behauptet.
Gleichzeitig hat vergleichende Anatomie enthüllt, dass Spezies, welche sich angeblich eine aus der anderen entwi-
ckelt haben sollten, tatsächlich sehr unterschiedliche anatomische Merkmale aufweisen, so dass sie niemals Vorfah-
ren bzw. Nachkommen der jeweils anderen sein können.
Neo-Darwinismus war jedoch sowieso niemals eine wissenschaftliche Theorie, sondern war ein ideologisches
Dogma um nicht zu sagen eine Art “Religion”. Der kanadische Darwinist Michael Ruse, der ein Professor der Philo-
sophie und Zoologie ist macht dieses Zugeständnis:
... und es besteht kein Zweifel, dass in der Vergangenheit, und ich glaube auch in der Gegenwart, die Evolution für die
Evolutionisten etwa so funktionierte, wie etwas, das Elemente hat, die – man könnte sagen – einer säkularen Religion
sehr nahe kommen... und es erscheint mir sehr eindeutig, dass die Evolution als eine wissenschaftliche Theorie auf einer
sehr fundamentaler Ebene, einer Art Naturalismus huldigt...11
Dies ist der Grund dafür, dass die Verfechter der Evolutionstheorie dieselbe, trotz aller gegenteiligen Beweise
weiterhin verteidigen. Ein Punkt worin sie sich jedoch nicht einigen können ist, welches der verschiedenen vorge-
schlagenen Realisationsmodelle das “richtige” ist. Eines der wichtigsten dieser Modelle ist das fabelhafte Szenario,
das als “das unterbrochene Equilibrium” bekannt ist.

Versuch und Irrtum: Das unterbrochene Equilibrium


Die meisten Wissenschaftler, die an die Evolution glauben, akzeptieren die neo-darwinistische Theorie einer
langsamen, schrittweisen Evolution. In der jüngsten Vergangenheit jedoch wurde ein unterschiedliches Modell vor-
geschlagen. Dieses Modell namens “unterbrochenes Equilibrium” verwirft das darwinistische Konzept einer ange-

Adnan Oktar 159


häuften, schrittweisen Evolution, und schlägt statt dessen vor, dass die Evolution in großen nicht-kontinuierlichen
“Sprüngen” stattfand.
Die ersten lautstarken Verfechter dieser Neigung tauchten zu Beginn der 70er Jahre auf. Zwei amerikanische Palä-
ontologen, Niles Eldredge und Stephen Jay Gould waren sich wohl bewußt, dass die Postulate der neo-darwinisti-
schen Theorie durch die Fossilienfunde total widerlegt worden waren. Fossile belegten, dass lebende Organismen nicht
durch abgestufte Evolution, sondern plötzlich und voll ausgeformt ins Dasein kamen. Die Neo-Darwinisten lebten in
der sehnlichsten Hoffnung – und tun das immer noch – dass die “verlorenen” Übergangsformen eines Tages doch noch
gefunden werden würden. Obwohl es Eldredge und Gould klar geworden war, dass diese Hoffnung unerfüllt bleiben
würde, waren sie dennoch außerstande, ihr evolutionistisches Dogma aufzugeben, und so stellten sie ein neues Modell
vor: Das unterbrochene Equilibrium. Hierbei handelt es sich um die Behauptung, dass Evolution nicht als Ergebnis klei-
ner Abweichungen, sondern in der Form plötzlicher großer Veränderungen stattfand.
Dieses Modell war nichts anderes als ein Modell für Phantasien. So behauptete z.B. der europäische Paläontologe O.
H. Shindewolf, der den Weg für Eldredge und Gould bereitet hatte, dass der erste Vogel als eine “grobe Mutation” aus
einem Reptilienei ausgeschlüpft sei, d.h. als Ergebnis eines enormen “Unfalls”, der sich in der genetischen Struktur er-
eignet hatte.12 Entsprechend derselben Theorie könnten einige das Festland bewohnende Tiere, sich in riesige Wale ver-
wandelt haben, indem sie sich einer plötzlichen, umfassenden Veränderung unterzogen. Diese Behauptungen, die in
totalem Widerspruch zu allen Regeln der Genetik, Biophysik und Biochemie stehen, sind geradeso wissenschaftlich wie
die Märchen von Fröschen, die sich in Prinzen verwandeln! Trotzdem nahmen einige evolutionistische Paläontologen,
die sehr über die Krise, in der sich die neo-darwinistische Lehre befand, besorgt waren, diese Theorie an, die sich da-
durch auszeichnete, dass sie noch bizarrer war als der Neo-Darwinismus selbst.
Der einzige Zweck dieses Modells war, eine Erklärung für die fehlenden Glieder des Fossilnachweises bereitzustellen,
den das neo-darwinistische Modell nicht erklären konnte. Es kann jedoch kaum als rationell gelten zu versuchen, die Lü-
cke im Fossilnachweis der Evolutionskette der Vögel mit der Behauptung zu erklären, dass “urplötzlich ein Vogel aus ei-
nem Reptilienei kroch”, da entsprechend den Aussagen der Evolutionisten selbst, die Evolution von einer Spezies in die
andere eine beträchtliche und vorteilhafte Änderung der genetischen Information erfordert. Keine irgend mögliche Muta-
tion jedoch verbessert oder bereichert die genetische Information. Mutationen können höchstens die genetische Informati-
on verwirren. Daher würden die vom Modell des unterbrochenen Equilibriums vorgeschlagenen “groben Mutationen”
lediglich grobe – d.h. “große”– Verringerungen und Behinderungen in der genetischen Information hervorrufen.
Weiterhin bricht das Modell des “unterbrochenen Equilibriums” durch seine Unfähigkeit, die Frage nach dem Ur-
sprung des Lebens zu behandeln, schon beim ersten Schritt zusammen; dies ist ebenfalls die Frage, die das neo-darwi-
nistische Modell von vornherein widerlegt. Da nicht einmal ein einziges Protein durch Zufall entstanden sein konnte,
wird die Debatte darüber, ob Organismen, die aus Trillionen solcher Proteine konstituiert sind, einer “unterbrochenen”
oder “schrittweisen” Evolution unterlagen, belanglos.
Trotzdem ist es dennoch das neo-darwinistische Modell, das in Betracht kommt, wenn heutzutage über “Evoluti-
on” gesprochen wird. In den folgenden Kapiteln werden wir zunächst zwei imaginäre Mechanismen des neo-darwinis-
tischen Modells untersuchen, und dann die Fossilienfunde betrachten, um dieses Modell zu testen. In Anschluß daran
werden wir uns mit der Frage nach dem Ursprung des Lebens beschäftigen, die sowohl das neo-darwinistische Modell,
als auch alle anderen evolutionistischen Modelle, wie etwa die “Evolution in Sprüngen”, zunichte macht.
Bevor wir dies tun, erscheint es sinnvoll, den Leser darauf aufmerksam zu machen, dass die Realität, der wir auf je-
der Stufe gegenüberstehen, keine andere Deutung zuläßt, als das dass evolutives Szenario ein Märchen ist, ein großer
Schwindel, der im Konflikt mit der wirklichen Welt steht. Es ist eine Inszenierung, die dazu benutzt wurde, die ganze
Welt 140 Jahre lang an der Nase herum-
zuführen. Dank der jüngsten wissen-
schaftlichen Entdeckungen ist zumindest
eine fortgesetzte Verteidigung dieses Be-
trugs unmöglich geworden.

Heutzutage lehnen Zehntausende von


Wissenschaftlern, speziell in den USA
und Europa, die Evolutionstheorie ab.
Obig abgebildet ist nur eine kleine
Auswahl der vielen Bücher, die über
das Scheitern der Theorie geschrieben
wurden.

160 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Es existieren keine
Übergangsformen
D EVOLUTIONSTHEORIE
IE
B E H A U P T E T, D I E L E B E W E S E N
W Ü R D E N S I C H D U R C H M U TAT I O N E N
I N N E U E A R T E N V E R WA N D E L N . D I E
M O D E R N E W I S S E N S C H A F T H AT J E D O C H
KLAR ERWIESEN, DASS DIES EINE
G R O S S E I R R E F Ü H R U N G I S T.

... Warum sehen wir nicht unzählige Übergangsformen,


wenn die Spezies sich in kleinen Stufen aus anderen entwi-
ckelten. Warum ist die ganze Natur nicht in Verwirrung, an-
statt der klaren Abgegrenztheit der Spezies, wie wir sie
sehen?... doch, da nach dieser Theorie zahllose Übergangs-
formen bestanden haben mussten, warum finden wir sie
nicht in unzähligen Mengen eingebettet in der Erdkruste?...
doch, warum finden wir keine nahverwandten Übergangs-
formen in den Übergangszonen, wo gemäßigte Lebensbe-
dingungen vorherrschen? Diese Schwierigkeit verwirrte
mich lange Zeit in großem Maße.
(Charles Darwin, The Origin of Species, Oxford University Press, New York, 1998,
S. 140, 141, 227. )

Normales menschliches
Skelett

Adnan Oktar 161


Zunächst einmal, falls sich lebende Orga-
nismen wirklich zu völlig anderen Kreatu-
ren entwickelt haben, dann müsste es
zahlreiche Übergangsformen während
dieses Transformationsprozesses gegeben
haben.

Zufällige Mutationen, die Evolutionisten


zufolge für die Entwicklung der Lebewesen
sorgen, müssten zu so bizarren Übergangs-
wesen geführt haben mit drei Gehirnen,
vier Augen, Händen mit Schwimmhäuten
und mehr solcher Abnormalitäten.

Die Evolutionstheorie behauptet, die Lebewesen würden


sich durch Mutationen in neue Arten verwandeln. Die mo-
derne Wissenschaft hat jedoch klar erwiesen, dass dies ei-
ne große Irreführung ist.
Zunächst einmal, falls sich lebende Organismen wirklich
zu völlig anderen Kreaturen entwickelt haben, dann müss-
te es zahlreiche Übergangsformen während dieses Trans-
formationsprozesses gegeben haben. Die Geologie müsste
die Fossilien dieser Übergangsformen gefunden haben
(d.h., Fossilien von Kreaturen, die noch im Prozess der
Entwicklung begriffen sind). Doch die etwa 100 Millionen
bis heute ausgegrabenen Fossilien gehören alle zu vollen-
deten Formen, die uns heute bekannt sind. Wenn wirklich
eine Evolution stattgefunden hätte, müsste die Erde von
Milliarden solcher Übergangsformen bevölkert gewesen
sein. Außerdem hätten Millionen dieser Kreaturen defor-
miert oder ungewöhnlich abnormal gewesen sein müssen,
wegen der Mutationen.
Evolutionistischen Behauptungen entsprechend ist jedes
Organ des Körpers als Ergebnis zufälliger Mutationen ent-
standen. Während es seine Funktionen entwickelte, durch-
lief ein abnormales Organ wiederholt Mutationen, wobei
jede die existierende abnormale Struktur in eine neue ab-
normale Struktur verwandelte. Diese Behauptung verlangt
danach, dass die Erde Millionen solcher Formen enthalten
muss, wobei jede Form in jeder unterschiedlichen Phase
verschiedene Abnormalitäten aufweisen müsste. Doch es
gibt kein einziges Beispiel dafür. Es müsste viele Fossilien
von zwei, drei-, vier- oder fünfköpfigen Menschen geben

162 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

oder mit Dutzenden Facettenaugen, wie sie die Insekten haben, oder mit zahlreichen Gliedern, zwei oder
drei Meter lang oder irgendwelche andere bizarre Variationen. Ebenso müsste es unzählige Arten seltsa-
mer Tiere und Pflanzen gegeben haben. Alle Meerestiere hätten eine lange Reihe bizarrer Übergangsfor-
men hinterlassen müssen. Doch es ist noch keine einzige gefunden worden. Die Millionen Fossilien
gehören alle zu normalen Kreaturen.
Diese Tatsache allein sorgt schon für einen dramatischen Zusammenbruch der Evolutionstheorie. Diese
Theorie zu verteidigen und darauf zu hoffen, eines Tages ein solches "Übergangsfossil" zu finden – ob-
wohl keines der in den vergangenen 140 Jahren ausgegrabenen Exemplare irgendeinen Hinweis auf Evo-
lution liefert – ist nicht vernünftig.
Nach 140 Jahren ist kein Fossilienbett übrig geblieben, das ausgegraben werden müsste. Milliarden Dol-
lar wurden für Forschung ausgegeben. Doch Fossilien der Übergangsformen, die Darwin voraussagte,
sind nicht gefunden worden. Es gibt keine einzige Lebensform, die die Darwinisten vorweisen könnten,
um die Existenz von Evolution zu belegen. Es gibt jedoch andererseits Millionen "lebender Fossilien", die
einen exklusiven Beweis für die Tatsache der Schöpfung liefern.

Normaler menschlicher Fuß

Adnan Oktar 163


KAPITEL 3

IMAGINÄRE MECHANISMEN DER EVOLUTION

as neo-darwinistische Modell, welches heutzutage als die Hauptrichtung der Evolutionstheorie betrachtet

D wird, postuliert, dass das Leben sich durch zwei naturalistische Mechanismen entwickelt hat: “Natürliche Se-
lektion” und “Mutation”. Die Grundaussage der Theorie ist folgende: Natürliche Selektion und Mutation
sind zwei, sich ergänzende Mechanismen. Der Ursprung der evolutiven Änderungen sind unwillkürliche Mutationen,
die in der genetischen Struktur lebender Organismen stattfinden. Die Charaktereigenschaften, die durch die Mutatio-
nen verursacht worden sind, werden durch den Mechanismus der natürlichen Selektion ausgewählt und deshalb entwi-
ckeln sich die Lebewesen fort.
Wenn man die Theorie weiter untersucht, findet man, dass solch ein evolutiver Mechanismus gar nicht vorhanden
ist, denn weder natürliche Selektion, noch Mutationen tragen irgendetwas zu der Behauptung bei, dass sich die ver-
schiedenen Spezies von einer in die andere entwickelt und verwandelt haben.

Natürliche Selektion
Mit der natürlichen Selektion als einem Vorgehen der Natur waren schon Biologen vor Darwin vertraut, die sie als
einen “Mechanismus, der die Spezies in unveränderter Reinheit erhält” definierten. Darwin war der Erste, der behaup-
tete, dass dieser Vorgang evolutive Kräfte beinhalte, und auf der Grundlage dieser Behauptung baute er dann seine gan-
ze Theorie auf. Der Titel den er seinem Buch gab, Der Ursprung der Arten durch natürliche Selektion, deutet darauf hin,
dass natürlichen Selektion die Grundlage der Theorie Darwins war.
Seit Darwins Zeiten jedoch wurde nicht die geringste Spur eines Beweises erbracht, der gezeigt hätte, dass Lebewe-
sen durch natürliche Selektion zu evolutiver Fortentwicklung veranlaßt werden. Colin Patterson, der rangälteste Palä-
ontologe am Museum of Natural History in England, der nebenbei auch ein prominenter Evolutionist ist, hebt hervor,
dass bisher niemals beobachtet wurde, dass natürliche Selektion die Kraft habe, eine evolutive Fortentwicklung von Or-
ganismen zu verursachen:
Niemand hat jemals eine Spezies durch Mechanismen der natürlichen Selektion hervorgebracht. Niemand kam dem
auch nur nahe, und der Großteil der gegenwärtigen Debatte im Neo-Darwinismus bewegt sich um diese Frage.13
Natürliche Selektion sagt aus, dass diejenigen Lebewesen, die den natürlichen Verhältnissen ihres Habitats besser
angepaßt sind, erfolgreich sein werden, indem sie überlebensfähige Nachkommen haben, während diejenigen die an-
passungsunfähig sind, aussterben. Zum Beispiel werden in einem Rudel von Rehen, das der Gefahr von wilden Raub-
tieren ausgesetzt ist, natürlicher Weise diejenigen überleben, die schneller laufen können. Das ist wahr. Dieser Prozeß
wird jedoch niemals – unabhängig davon wie lange er fortdauert – die Rehe in eine andere lebendige Spezies verwan-
deln. Die Rehe werden immer Rehe bleiben.
Wenn man die wenigen Vorkommnisse betrachtet, die die Evolutionisten als beobachtete Beispiele der natürlichen
Selektion aufführen, sieht man, dass es sich hierbei um nichts anderes als einen einfältigen Versuch der Irreführung
handelt.

“Industriemelanismus”
1986 veröffentlichte Douglas Futuyma ein Buch unter dem Titel Evolutionary Biology (Evolutionsbiologie), das allge-
mein als höchst erleuchtende Erklärungsquelle der Theorie der Evolution durch natürliche Selektion anerkannt ist. Das
berühmteste seiner Beispiele zu diesem Thema handelt von der Pigmentfarbe der Mottenbevölkerung, die sich während

164 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Das Beispiel des "industriellen


Melanismus" ist sicherlich kein
Beweis für die Evolution, denn
dieser Prozess brachte keine
neue Spezies von Motten hervor.
Die Selektion fand nur unter den
bereits bestehenden Arten statt.
Außerdem ist die klassische Ge-
schichte des Melanismus irre-
führend. Die als echte Photos
dargestellten, seitlich zu sehen-
den Bilder aus einem Lehrbuch
sind in Wahrheit Aufnahmen von
Exemplaren, die von Evolutionis-
ten an die Baumstämme geklebt
oder geheftet worden waren.

der industriellen Revolution in England verdunkelt zu haben scheint. Man kann die Geschichte des industriellen Me-
lanismus nicht nur in Futuymas, sondern in fast allen evolutionistischen Biologiebüchern finden. Die Geschichte
gründet sich auf eine Versuchsreihe, die der britische Physiker und Biologe Bernard Kettlewell in den 50er Jahren
durchführte, und kann folgendermaßen zusammengefaßt werden:
Laut der Ausführungen war die Farbe der Baumrinden in der Umgebung von Manchester zu Beginn der indust-
riellen Revolution in England ziemlich hell. Aus diesem Grund waren dunkelfarbige Motten, die sich auf diesen Bäu-
men niederließen leicht sichtbar für die Vögel, die sich an ihnen nährten, und hatten somit verringerte
Überlebenswahrscheinlichkeit. Als sich nach 50 Jahren infolge von Luftverschmutzung die Farbe der Baumrinden
verdunkelt hatte, wurden die hellfarbenen Motten zur meistgejagten Beute. Als Ergebnis davon verringerte sich die
Anzahl der hellen Motten, wobei die der dunklen anstieg, da diese nun nicht mehr so gut sichtbar waren. Die Evolu-
tionisten verwenden dies als einen großen, ihre Theorie unterstützenden Beweis. Auf der anderen Seite suchen sie
dabei Zuflucht und Hilfe in einer aufgemachten Schaustellung, um zu zeigen, wie sich hellfarbene Motten “evolutiv”
in dunkelfarbige entwickelten.
Es sollte jedoch eindeutig klar sein, dass diese Situation in keiner Weise als Beweis für die Evolutionstheorie gel-
ten kann, denn natürliche Selektion führte nicht zu einer neuen Form, die vorher nicht vorhanden war. Dunkle Mot-
ten waren vor der industriellen Revolution im Mottenbestand vorhanden, und die einzige Veränderung, die
stattfand, war im relativen Zahlenverhältnis der bestehenden Arten innerhalb der Mottenbevölkerung. Die Motten
hatten kein neues Charakteristikum oder Organ entwickelt, welches eine “Artbildung” verursacht hätte. Um eine
Motte in eine andere lebendige Spezies zu verwandeln, z.B. einen Vogel, müssten neue Zufügungen zu den Genen
gemacht werden, d.h. ein total anderes genetisches Programm müsste aufgezeichnet werden, um die Information be-
züglich der physischen Charaktereigenschaften des Vogels mit einzuschließen.
Dies ist die Antwort, die der evolutionistischen Geschichte des industriellen Melanismus gebührt. Die Geschich-
te hat jedoch noch eine andere Seite. Nicht nur ihre Interpretation, sondern die Geschichte selbst weist Mängel auf.
Wie der Molekularbiologe Jonathan Wells in seinem Buch Icons of Evolution (Ikonen der Evolution) beschreibt, spie-
gelt die Geschichte der gesprenkelten Motten, die in jedem evolutionistischen Biologiebuch zu finden ist, und somit
zu einer “Ikone” in diesem Sinn wurde, nicht die Tatsachen wieder. Wells erörtert in seinem Buch, wie Bernard Kett-
lewells Experiment, das als der “experimentelle Beweis” der Geschichte gilt, tatsächlich ein wissenschaftlicher Skan-
dal ist. Einige Grundelemente dieses Skandals sind folgende:
• Viele Experimente, die nach Kettlewell durchgeführt wurden, enthüllten, dass nur eine Art dieser Motten sich an den
Baumstämmen niederließen, während alle anderen die Unterseite von kleineren horizontalen Zweigen bevorzugten. Seit
1980 hat es sich herausgestellt, dass die gesprenkelten Motten sich normalerweise nicht an Baumstämmen niederlassen. In
25jährigen Feldstudien kamen viele Wissenschaftler, wie Cyril Clarke und Rory Howlett, Michael Majerus, Tony Liebert,
und Paul Brakefield zu dem Schluß, dass “die Motten in Kettlewells Experiment zu nicht-typischem Verhalten gezwungen
worden waren, und daher die Versuchsergebnisse nicht als wissenschaftlich geltend akzeptiert werden können”.

Adnan Oktar 165


• Wissenschaftler, die Kettlewells Folgerungen überprüften, kamen zu einem noch interessanterem Ergebnis: Während er-
wartet wurde, dass die Anzahl der hell-farbenen Motten in anderen, weniger verschmutzten Gegenden Englands größer
sei, war die Bevölkerung der dunklen Motten tatsächlich das Vierfache der hellen. Das bedeutete, dass keine Beziehung
zwischen den Motten und den Baumstämmen herrschte, wie Kettlewell behauptet hatte, und wie von fast allen evolutionis-
tischen Quellen wiederholt wurde.
• Als sich die Forschung weiter vertiefte, änderten sich die Dimensionen des Skandals: “Die Motten an den Baumstäm-
men”, die von Kettlewell fotografiert worden waren. Kettlewell benutzte tote Exemplare, die er an die Baumstämme kleb-
te oder steckte und dann fotografierte. In Wirklichkeit war die Wahrscheinlichkeit solch ein Bild zu erhalten sehr gering, da
die Motten sich nicht auf den Baumstämmen, sondern auf der Unterseite von Blättern niederließen.14
Diese Tatsachen wurden erst in den 90er Jahren von der wissenschaftlichen Gemeinschaft aufgedeckt. Der Zusam-
menbruch des Mythos des Industriemelanismus, der über Jahrzehnte hindurch eines der Kleinode der Einführungskur-
se zur Evolution gewesen war, enttäuschte die Evolutionisten sehr. Einer von ihnen, Jerry Coyne bemerkte:
Meine eigene Reaktion ist wie die Enttäuschung, die, als sechsjähriger Junge, meine Entdeckung begleitete, dass es mein
Vater, und nicht der Nikolaus war, der zu Weihnachten die Geschenke brachte.15
So war das “berühmteste Beispiel der natürlichen Selektion” als ein wissenschaftlicher Skandal auf die Müllhalde
der Geschichte abgeschoben worden.
Und das war unvermeidbar, denn die natürliche Selektion ist, im Gegensatz zu dem was die Evolutionisten be-
haupten, kein “evolutionärer Mechanismus”. Sie ist nicht befähigt, ein neues Organ einem lebenden Organismus hinzu-
zufügen, oder ihn eines vorhandenen zu berauben, oder ihn in eine andere Spezies zu verwandeln.

Warum kann natürliche Selektion Komplexität nicht erklären?


Es gibt nichts, was natürliche Selektion zur Evolutionstheorie beitragen kann, denn dieser Mechanismus kann nie-
mals die genetische Information einer Spezies erweitern oder verbessern. Noch kann sie eine Spezies in eine andere
verwandeln: einen Seestern in einen Fisch, oder einen Fisch in einen Frosch, oder einen Frosch in ein Krokodil, oder ein
Krokodil in einen Vogel. Der größte Verfechter des unterbrochenen Equilibriums, Gould, bezieht sich auf diese Sackgas-
se wie folgt:
Die Quintessenz des Darwinismus kann in einem einfachen Satz zusammengefaßt werden: Natürliche Selektion ist die
schöpferische Kraft des evolutiven Wandels. Niemand bestreitet, dass natürliche Selektion eine negative Rolle in der Besei-
tigung der Unfähigen spielt. Die darwinschen Theorien erfordern, dass sie auch die Fähigen erschaffen kann.16
Eine andere irreführende Methode der Evolutionisten in Bezug auf natürliche Selektion ist ihr Versuch, diesen Me-
chanismus als einen bewußten Planer darzustellen, wobei natürliche Selektion nicht über ein Bewußtsein verfügt. Sie
hat keinen Willen, der entscheiden könnte, was gut und was schlecht für die Lebewesen sei. Demnach kann natürliche
Selektion biologische Systeme und Organe, die die Eigenschaft unverminderbarer Komplexität besitzen nicht erklären.

Die natürliche Selektion dient


als ein Mechanismus, durch
den die schwachen Individu-
en innerhalb einer Spezies
entfernt werden. Sie ist ein
Konservationsmechanismus,
der die bestehende Spezies
vor Degeneration bewahrt.
Darüber hinaus hat sie kei-
nerlei Fähigkeit, eine Spezies
in eine andere umzuwandeln.

166 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Diese Systeme und Organe setzen sich aus einer großen Anzahl von zusammenwirkenden Teilen zusammen, und sie
sind unbrauchbar, wenn selbst nur eines dieser Teile abwesend oder schadhaft ist. (Das menschliche Auge, z.B. funk-
tioniert nicht, wenn es nicht komplett in allen Einzelheiten vorhanden ist.) Der Wille, der all diese Teile zusammen-
bringt sollte daher in der Lage sein, die Zukunft im Voraus zu erfassen, um gezielt auf Nutzen hinarbeiten zu
können, der in der letzten Phase erlangt werden soll. Da natürliche Selektion weder Bewußtsein noch Willen besitzt,
ist sie nicht in der Lage dermaßen zu wirken. Diese Tatsache, die auch die Grundlagen der Evolutionstheorie zerstört,
besorgte auch Darwin: “Wenn gezeigt werden könnte, dass es irgendein komplexes Organ gibt, das unmöglich
durch mehrfache, aufeinanderfolgende, geringfügige Abänderungen geformt werden könnte, würde meine
Theorie total zusammenbrechen.”17
Natürliche Selektion sondert lediglich die verkümmerten, schwachen und lebensunfähigen Individuen einer
Spezies heraus. Sie kann keine neue Art, neue genetische Information oder neue Organe herstellen, d.h., sie kann kei-
ne evolutive Weiterentwicklung verursachen. Darwin akzeptierte diese Realität, indem er äußerte: “Natürliche Se-
lektion vermag nichts zu tun, solange sich keine vorteilhaften Änderungen begeben.”18 Dies ist der Grund dafür,
dass der Neo-Darwinismus die Mutation als “die Ursache vorteilhafter Änderungen” auf die gleiche Ebene erhebt
und neben die natürliche Selektion stellen mußte. Mutationen können jedoch, wie wir sehen werden, lediglich die
“Ursache für schädliche Veränderungen” sein.

Mutationen
Mutationen sind als Brüche oder Substitute definiert, die in dem DNS-Molekül stattfinden, welches sich im Kern
der Zellen eines lebenden Organismus befindet, und in welchem die gesamte genetische Information gespeichert ist.
Diese Brüche oder Substitute sind das Ergebnis äußerer Einwirkungen, wie etwa Bestrahlung oder chemische Akti-
on. Bei jeder Mutation handelt es sich um einen “Unfall” bei dem die Nukleotide, aus welchen sich die DNS zusam-
mensetzt, entweder beschädigt oder örtlich versetzt werden. In den meisten Fällen verursachen sie so große Schäden
und Veränderungen, dass die Zelle außerstande ist, diese zu reparieren.
Die Mutation, hinter der sich die Evolutionisten häufig verstecken, ist kein Zauberstab, der lebende Organismen
in eine weiter fortgeschrittene und vollständigere Form verwandelt. Die direkte Auswirkung von Mutationen ist
schädlich. Die Änderungen, die durch Mutationen hervorgerufen werden, können nur denen gleichen, die die Men-
schen in Hiroschima, Nagasaki und Tschernobyl erlitten, d.h. Tod, Verkrüppelungen und Krankheiten...
Der Grund dafür ist sehr einleuchtend: Die DNS hat eine sehr komplexe Struktur, und planlose Einflüsse können
dieser Struktur nur Schaden zufügen. B. G. Ranganathan erklärte:
Mutationen sind geringfügig, ungeplant und schädlich. Sie treten sehr selten auf, und die beste Möglichkeit ist, dass sie
wirkungslos bleiben. Diese vier Eigenschaften der Mutationen deuten darauf hin, dass sie nicht zu evolutiver Fortent-
wicklung führen können. Eine planlose Änderung in einem hoch spezialisierten Organismus ist entweder wirkungs-
los oder schädlich. Eine planlose Veränderung in einer Uhr kann die Uhr nicht verbessern. Sie wird sie aller Voraussicht
nach beschädigen, oder hat bestenfalls keine Auswirkung. Ein Erdbeben bringt einer Stadt keine Verbesserungen, es
bringt Zerstörung.19
Es ist daher nicht verwunderlich, dass bislang noch keine vorteilhafte Mutation beobachtet werden konnte.
Alle Mutationen haben sich als schädlich erwiesen. Der evolutionistische Wissenschaftler Warren Weaver bemerkte
zu einem Bericht vom Committee on Genetic Effects of Atomic Radiation [Kommittee für genetische Auswir-
kungen von atomarem Strahlungsausfall], das gebildet wurde um Mutationen zu untersuchen, die mög-
licherweise durch den Einsatz von Atomwaffen im 2. Weltkrieg hervorgerufen worden waren:
Viele werden erstaunt sein über die Aussage, dass praktisch alle mutierten Gene schädlich sind, da Mutatio-
nen einen notwendigen Teil des Evolutionsprozesses ausmachen. Wie kann eine gute Auswirkung – die
Evolution zu höheren Lebensformen – von Mutationen ausgehen, die praktisch
alle schädlich sind?20

Mutationen fügen der DNS eines Organismus keine neue Information hinzu:
Infolge von Mutationen werden die die genetische Information tragenden
Partikeln auseinander gerissen und zerstört. Mutationen können keinem Or-
ganismus ein neues Organ oder eine neue Eigenschaft verschaffen. Sie ver-
ursachen hingegen Abnormalitäten wie ein aus dem Rücken ragendes Bein
oder ein Ohr am Bauch.

Adnan Oktar 167


Alle Anstrengungen “eine nützliche Mutation” hervorzubringen scheiterten. Über Jahrzehnte hinweg führten Evo-
lutionisten unzählige Experimente durch, um Mutationen in Taufliegen hervorzurufen, da diese Insekten sich sehr
rasch vermehren und Mutationen sich daher schnell zeigten. So wurden Generation um Generation dieser Fliegen mu-
tiert, doch eine vorteilhafte Mutation wurde niemals beobachtet. Der evolutionistische Genetiker Gordon Taylor
schrieb:
In all den Tausenden von Fliegenzüchtungsversuchen, die über 60 Jahre lang in vielen Teilen der Welt durchgeführt
wurden, konnte das Aufkommen einer neuen Spezies niemals beobachtet werden... nicht einmal ein neues Enzym. 21
Ein anderer Forscher, Michael Pitman, bemerkte folgendes zum Scheitern der Taufliegenexperimente:
Morgan, Goldschmidt, Muller und andere Genetiker haben Generationen von Taufliegen extremen Umständen von Hitze,
Kälte, Licht, Dunkelheit und Behandlung mit Chemikalien und Bestrahlung unterzogen. Jede Art von Mutation wurde er-
zeugt, von denen praktisch alle entweder belanglos oder definitiv schädlich waren. Menschlich erzeugte Evolution...?
Kaum: Wenige der Ungeheuer, die die Genetiker hervorgebracht hatten, hätten außerhalb der Flaschen, in denen sie ge-
züchtet worden waren, überleben können. Die Praxis zeigte, dass Mutanten entweder sterben, unfruchtbar sind, oder
zum natürlichen Typen zurückkehren.22
Das Gleiche gilt für den Menschen. Alle, an Menschen beobachteten Mutationen, hatten schädliche Folgen. In die-
sem Punkt bedienen sich die Evolutionisten einer Verschleierungstaktik, indem sie versuchen, selbst Beispiele solcher
nachteiligen Mutationen als “Beweis der Evolution” hinzustellen. Alle, in Menschen aufgetretenen Mutationen, haben
körperliche Entstellung oder Siechtum wie Mongolismus, Down Syndrom, Albinismus, Zwergwuchs oder Krebs zur
Folge. Diese Mutationen sind in evolutionistischen Lehrbüchern als Beispiele für das “Wirken des evolutiven Mechanis-
mus” aufgeführt. Es erübrigt sich darauf hinzuweisen, dass es sich bei einem Prozeß, der Menschen versehrt oder krank
zurückläßt kaum um “einen evolutiven Mechanismus” handeln kann – von der Evolution wird erwartet, dass sie besse-
re Arten mit größerer Überlebensfähigkeit hervorbringt.
Zusammenfassend können drei Hauptgründe aufgeführt werden, warum Mutationen der Unterstützung der evo-
lutionistischen Behauptungen nicht dienlich sein können:
1) Die direkte Auswirkung von Mutationen ist schädlich: Da sie ungeplant auftreten, beschädigen sie fast immer
den Organismus, der ihnen ausgesetzt ist. Vernunft lehrt uns, dass unbewußte Eingriffe in eine vollkommene und kom-
plexe Struktur dieselbe nicht verbessern, sondern nur einschränken können. Tatsächlich konnte bisher niemals eine
“vorteilhafte Mutation” beobachtet werden.
2) Mutation fügt der DNS eines Organismus keine neue Information hinzu: Die Trägerteilchen der genetischen In-
formation werden entweder aus ihren Plätzen herausgerissen, zerstört, oder an andere Stellen versetzt. Mutationen kön-
nen ein Lebewesen nicht dazu bringen, ein neues Organ oder eine neue Charaktereigenschaft auszubilden. Sie können
lediglich Abnormalitäten verursachen, wie etwa ein am Rücken wachsendes Bein, oder ein am Bauch wachsendes Ohr.
3) Um von einer Generation auf die nachfolgende übertragen werden zu können, muss eine Mutation in den Ge-
schlechtszellen des Organismus stattgefunden haben: Eine zufällige Veränderung, die in irgendeiner Zelle oder ir-
gendeinem Organ des Körpers auftritt kann nicht auf die nächste Generation übertragen werden. Ein menschliches
Auge, z.B., das durch Strahlungseinwirkung
oder aufgrund anderer Ursachen verändert
wurde, kann nicht auf nachfolgende Genera-
tionen vererbt werden.
Kurz gesagt, es ist nicht möglich, dass Le-
bewesen sich evolutiv entwickelt haben, denn
es gibt keinen Mechanismus in der Natur, der
eine evolutive Fortentwicklung verursachen
könnte. Dies ist in Übereinstimmung mit dem
Fossilnachweis, der aufzeigt, dass das Evoluti-
onsszenario weit von der Realität entfernt ist.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts versuchen Evolutionsbiolo-
gen, vorteilhafte Mutationen zu finden, indem sie mutierende
Fliegen erzeugen. Aber diese Anstrengungen sind immer auf
kranke und deformierte Tiere hinausgelaufen. Das Bild oben
links zeigt den Kopf einer normalen Fruchtfliege, das Bild un-
ten rechts den Kopf einer Fruchtfliege, aus dem ein Bein he-
rausragt. Das Bild oben rechts zeigt eine Fruchtfliege mit
deformierten Flügeln. All das ist das Ergebnis von Mutatio-
nen.

168 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

KAPITEL 4

DER FOSSILIENBESTAND WIDERLEGT DIE EVOLUTION

ie Evolutionstheorie besagt, dass jede lebende Spezies von einem Vorgänger abstammt. Eine vorher vor-

D
Jahren.
handene Spezies verwandelte sich im Lauf der Zeit in etwas anderes, und auf diese Weise sind alle ins Da-
sein gekommen. Laut der Theorie erstreckt sich dieser allmähliche Wandlungsprozess über Millionen von

Wenn dem so wäre, hätten zahlreiche Übergangsarten in diesem langen Wandlungszeitraum vorhanden sein
und leben müssen.
Es müßte z.B. einige Halb-Fisch-Halb-Reptilien-Wesen in der Vergangenheit gegeben haben, die zusätzlich zu
dem, ihnen bereits eigenen Fischcharakter, einige reptilienhaften Eigenschaften angenommen hatten. Oder es hätte
einige Reptilienvögel geben müssen, die zusätzlich zu den ihnen innewohnenden Reptileigenschaften einige Vogel-
merkmale entwickelt hatten. Evolutionisten nennen diese Phantasiegeschöpfe, von welchen sie glauben, dass es sie
in der Vergangenheit gab, “Übergangsformen”.
Hätten solche Tiere tatsächlich existiert, müsste es Millionen, und selbst Billionen von ihnen in Anzahl und Sor-
ten gegeben haben. Und wichtiger noch, die versteinerten Überreste solcher wunderlichen Wesen müssten vorhan-
den sein. Die Anzahl dieser Übergangsformen hätte größer sein müssen als die der gegenwärtig vorhandenen
Tierarten, und ihre Überreste müssten über die ganze Erde verstreut auffindbar sein. In Der Ursprung der Arten er-
klärt Darwin:
Falls meine Theorie richtig ist, haben sicherlich zahllose Übergangsarten existiert, welche alle Arten der gleichen Gat-
tung eng miteinander verbanden... Folglich könnte der Nachweis ihrer vergangenen Existenz nur in Versteinerungen
gefunden werden.23
Darwin selbst war sich bewußt über das Nichtvorhandensein solcher Übergangsformen. Er hoffte, dass sie in der
Zukunft gefunden werden würden. Trotz seiner Zuversicht erkannte er, dass die fehlenden Übergangsformen das
größte Hindernis in seiner Theorie waren. Daher schrieb er in seinem Buch Der Ursprung der Arten folgendes in dem
Kapitel “Probleme der Theorie”:
... Warum sehen wir nicht unzählige Übergangsformen, wenn die Spezies sich in kleinen Stufen aus anderen entwi-
ckelten. Warum ist die ganze Natur nicht in Verwirrung, anstatt der klaren Abgegrenztheit der Spezies, wie wir sie se-
hen?... doch, da nach dieser Theorie zahllose Übergangsformen bestanden haben mußten, warum finden wir sie nicht in
unzähligen Mengen eingebettet in der Erdkruste?... doch, warum finden wir keine nah-verwandten Übergangsformen
in den Übergangszonen, wo gemäßigte Lebensbedingungen vorherrschen? Diese Schwierigkeit verwirrte mich lange
Zeit in großem Maße.24
Die einzige Erklärung die Darwin finden konnte, diesen Beanstandungen entgegenzusetzen, war das Argument,
dass die bisher entdeckten Fossilienfunde unzureichend seien. Er erklärte, dass die fehlenden Glieder gefunden wer-
den würden, wenn der Fossilnachweis in größeren Einzelheiten erforscht worden sei.
Im Glauben an Darwins Prophezeiung haben die Evolutionisten auf ihrer Suche nach Versteinerungen seit Mitte
des 19. Jh. überall auf der ganzen Welt nach den fehlenden Gliedern gegraben. Trotz ihrer besten Anstrengungen ka-
men bisher noch keine Übergangsformen ans Licht. Alle durch Ausgrabungen erhaltenen Fossilien zeigten, dass,
ganz im Gegensatz zu den Überzeugungen der Evolutionisten, das Leben auf der Erde unmittelbar und voll entwi-
ckelt erschien. Im Versuch ihre Theorie zu beweisen, haben die Evolutionisten sie statt dessen unbeabsichtigt zum
Zusammenbruch gebracht.
Ein berühmter britischer Paläontologe, Derek V. Ager gesteht diese Tatsache ein, obwohl er ein Evolutionist ist:
Wenn wir den Fossilnachweis im Einzelnen untersuchen, ob auf der Ordnungs- oder Spezies-Ebene tritt ein Punkt her-

Adnan Oktar 169


vor: was wir immer und immer wieder finden ist nicht eine allmähliche Evolution, sondern eine plötzliche Explosion
einer Gruppe aufkosten einer anderen.25
Ein anderer evolutionistischer Paläontologe, Mark Czarnecki kommentiert in folgender Weise:
Ein Hauptproblem in der Bestätigung der Theorie ist der Fossilnachweis, der Abdruck dahingegangener Spezies, der in
den geologischen Formationen der Erde aufbewahrt ist. Diese Funde haben niemals Spuren von Darwins hypotheti-
schen Übergangsarten enthüllt – statt dessen zeigt sich ein plötzliches Auftreten und Verschwinden der Spezies, und
diese Unregelmäßigkeit hat das Argument der Kreationisten angespornt, dass jede Spezies von Gott erschaffen worden
sei.26
Diese Lücken im Fossilnachweis können nicht dadurch erklärt werden, dass man sagt, es seien noch nicht genü-
gend gefunden worden, doch eines Tages würden sie wohl auftauchen. Der amerikanische Paläontologe Robert
Wesson bemerkt in seinem 1991 veröffentlichten Buch Beyond Natural Selection (Über die natürliche Selektion hinaus),
dass “die Lücken im Fossilnachweis real und phänomenal” sind:
Die Lücken im Fossilnachweis sind tatsächlich vorhanden, doch die Abwesenheit eines Nachweises irgendwelcher
wichtigen Abzweigungen ist unglaublich. Spezies sind normalerweise statisch, oder annähernd statisch, über lange
Zeitepochen hinweg. Spezies weisen selten, und Gattungen niemals eine Evolution in neue Spezies oder Gattungen auf,
sondern werden, eine durch die andere ersetzt, und der Wechsel ist mehr oder weniger plötzlich.27

Leben erschien plötzlich und in komplexer Form auf der Erde


Wenn geologische Erdschichten und Versteinerungen untersucht werden, zeigt es sich, dass alle Lebensformen
zur gleichen Zeit auftraten. Die älteste Schicht der Erdkruste in der Versteinerungen von Lebewesen gefunden wur-
den, ist die des Kambriums, die schätzungsweise 500 – 550 Millionen Jahre zurückliegt.
Die Lebewesen, die in der, der kambrischen Periode zugehörigen Schicht gefunden wurden tauchten plötzlich
im Fossilnachweis auf – es gibt keine Vorfahren, die vorher existiert hätten. Die Fossilienfunde des kambrischen Ge-
steins stammen von Schnecken, Trilobiten, Schwämmen, Erdwürmern, Quallen, Seeigeln und anderen komplexen
wirbellosen Wassertieren. Dieses vielfältige Mosaik von lebenden Organismen gestaltete sich aus solch einer Viel-
zahl von komplexen Geschöpfen, die so plötzlich auftraten, dass dieses wunderbare Ereignis in geologischer Litera-
tur die “kambrische Explosion” genannt wird.
Die meisten der in dieser Schicht gefundenen Lebensformen weisen komplexe Organsysteme wie Augen, Kie-
men, Kreislaufsystem und hochentwickelte physiologische Strukturen, in keiner Weise unterschiedlich von denen
ihrer neuzeitlichen Artgenossen. Die doppellinsige, gekämmte Augenstruktur der Trilobiten, z.B. ist ein Schöpfungs-
wunder. David Raup, ein Professor der Geologie an den Universitäten von Harvard, Rochester, und Chicago, sagt:
“... die Trilobiten bedienten sich eines optimalen Designs, welches, um es heutzutage zu entwickeln, eines gut
ausgebildeten, erfinderischen optischen Ingenieurs bedürfte.”28
Diese komplexen, voll ausgebildeten wirbellosen Wassertiere erschienen unmittelbar, ohne irgendwelche Glie-
der oder Übergangsformen, die sie mit den einzelligen Organismen, welche die einzige Lebensform darstellen, die
vor ihnen auf der Erde existierte, in Verbindung setzen könnte.
Richard Monastersky, der Wissenschaftsjournalist von Earth Sciences, welches eines der anerkannten Veröffent-
lichungsorgane evolutionistischer Literatur ist, macht folgende Aussage über die “kambrische Explosion”, die als ei-
ne vollständige Überraschung für die Evolutionisten kam:
Vor einer halben Billion Jahren erschienen plötzlich die erstaunlich komplexen Formen von Tieren, wie wir sie heute se-
hen. Dieser Zeitpunkt zu Beginn der kambrischen Periode der Erde, vor etwa 550 Millionen Jahren bezeichnete die evo-
lutive Explosion, die die Ozeane mit den ersten komplexen Geschöpfen. Die großen Tiergattungen unserer Zeit waren
bereits in der frühen kambrischen Periode vorhanden, und sie waren deutlich voneinander unterschieden, wie sie es
auch heute sind.29
Tiefergehende Nachforschungen bezüglich der kambrischen Explosion zeigen, welch ein Dilemma dieselbe für
die Evolution darstellt. Die jüngsten Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass fast alle Stämme, die grundsätz-
lichsten Tiergruppen, plötzlich in der kambrischen Epoche auftraten. In einem, in der Zeitschrift Science im Jahr 2001
veröffentlichten Artikel ist zu lesen: “Der Beginn der kambrischen Epoche, der etwa 545 Millionen Jahre zurückliegt,
erlebte das plötzliche Auftreten von fast allen Hautgruppierungen der Tiere (Stämme) im Fossilnachweis, die bis
heute noch überwiegend die Biota ausmachen.”30 Der gleiche Artikel bemerkt, dass sehr reiche Fossilschichten, die
einen allmählichen Entwicklungsprozess aufzeigen sollten, vorhanden sein müssten, um solch komplexe und unter-

170 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Versteinerungsfunde des kambrischen Gesteins stam-


men von Schnecken, Trilobiten, Schwämmen, Erdwürmern,
Quallen, Seeigeln und anderen komplexen wirbellosen
Wassertieren. Dieses vielfältige Mosaik von lebenden Or-
ganismen gestaltete sich aus solch einer Vielzahl von kom-
plexen Geschöpfen, die so plötzlich auftraten, dass dieses
wunderbare Ereignis in geologischer Literatur die "kambri-
sche Explosion" genannt wird.

Adnan Oktar 171


Das Wunder der Schöpfung,
das die Evolutionstheorie widerlegt

DAS AUGE DER TRILOBITEN

ie Trilobiten, welche in der kambrischen Periode


D plötzlich auftraten, haben eine äußerst komplexe
Augenstruktur. In den Worten David Raups, eines
Geologieprofessors, hat dieses Auge, das aus Millio-
nen von wabenförmigen Partikelchen und einem
Doppellinsensystem besteht "ein optimales Design,
welches, um es heutzutage zu entwickeln, eines gut
ausgebildeten, erfinderischen optischen Ingenieurs
bedürfte".
Dieses Auge tauchte vor 550 Millionen Jahren in voll-
endetem Zustand auf. Zweifellos kann die plötzliche
Erscheinung solch eines wunderbaren Designs nicht
durch Evolution erklärt werden, und es beweist da-
her, dass die Schöpfung tatsächlich stattgefunden
hat.
Außerdem hat sich die Wabennetzstruktur des Trilo-
bitenauges bis in unsere Zeit ohne die geringste Än-
derung erhalten. Einige Insekten, wie die Biene und
die Libelle haben die gleiche Augenstruktur wie die
der Trilobiten.* Dieser Stand der Dinge widerlegt die
evolutionistische Hypothese, dass Lebewesen sich
evolutiv fortschreitend von primitiven in komplexe
Lebensformen entwickelten.

(*) R. L. Gregory, Eye and Brain: The Physiology of


Seeing, Oxford University Press, 1995, S. 31.

schiedliche Wesensgruppen entsprechend der Evolutionstheorie erklären zu können, doch dass es bisher nicht möglich
war, diese zu finden:
Auch dieser Gegensatz von Evolution und Verbreitung hätte einer Vorgeschichte der Gruppe erforderlich gemacht, für die
es keinen Fossilnachweis gibt.31
Wie sich die Erde ganz auf einmal mit solch einer großen Anzahl von Tierarten bevölkerte, und wie diese voneinan-
der unterschiedlichen Gattungen ohne gemeinsame Vorfahren aufgetaucht sein konnten, ist eine Frage, die von Seiten
der Evolutionisten unbeantwortet bleibt. Der Oxforder Zoologe Richard Dawkins, einer der vorrangigsten Verfechter
der evolutionistischen Anschauung auf der Welt, hat folgendes zu dieser Realität zu bemerken‚ die die Grundlagen all
der Argumente umwirft, welche er stets verteidigt hatte:
Die kambrischen Gesteinslagen... sind die ältesten, in denen wir die hauptsächlichen wirbellosen Tiergruppen finden. Und
viele davon finden wir in bereits fortgeschrittenen Evolutionsstadien gleich zu Beginn ihres Aufkommens. Es scheint, als
ob sie dort einfach ohne eine evolutive Vorgeschichte eingepflanzt worden seien. Es erübrigt sich zu sagen, dass diese
Erscheinung einer plötzlichen Einpflanzung die Kreationisten höchst erfreute.32
Somit war Dawkins gezwungen, die kambrische Explosion als einen starken Hinweis auf eine schöpferische Hand-
lung anzuerkennen, Erschaffung ist die einzige Möglichkeit, das Auftreten von voll ausgeformtem Leben auf der Erde
zu erklären. Douglas Futuyma, ein bekannter evolutionistischer Biologe gesteht diese Tatsache ein, indem er äußert:
Organismen sind entweder vollkommen entwickelt auf der Erde aufgetreten, oder sie sind es nicht. Falls sie das nicht taten,
müssen sie sich aus einer zuvor bestehenden Spezies durch einen Wandlungsprozess entwickelt haben. Falls sie in einem

172 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

vollkommen entwickelten Zustand erschienen sind, müssen sie in der Tat durch eine allmächtige Intelligenz er-
schaffen worden sein.33
Darwin selbst erkannte diese Möglichkeit, als er schrieb:
Falls eine Vielzahl von Spezies, die der gleichen Gattung zugehören tatsächlich unmittelbar ins Leben kamen, wäre die-
se Tatsache tödlich für die Theorie der Fortentwicklung mit leichten Änderungen durch natürliche Selektion.34
Die kambrische Periode ist nichts mehr oder weniger als der “Todesstoß” für Darwin. Daher gesteht der schwe-
dische evolutionistische Paläoanthropologe Stefan Bengtson bezüglich des Fehlens der Übergangsglieder in seiner
Beschreibung der kambrischen Periode: “Dieses Ereignis – verblüffend (und peinlich) für Darwin – verwirrt uns im-
mer noch.”35
Wie es nun wohl erkenntlich ist, deutet der Fossilnachweis darauf hin, dass Lebewesen sich nicht aus niedrigen
in höhere Lebensformen entwickelt haben, sondern dass sie statt dessen unmittelbar in einem vollkommenen Zu-
stand auftauchten. Kurz gesagt: Lebewesen kamen nicht durch Evolution ins Dasein – sie wurden erschaffen.

Vergleiche auf Molekularebene vertiefen die kambrische Sackgasse der Evolution


Eine andere Tatsache, die die Evolutionisten in große Schwierigkeiten in bezug auf die kambrische Explosion
bringt, ist der Vergleich zwischen den verschiedenen lebenden Taxa. Die Ergebnisse dieser Vergleiche enthüllen,
dass Tiergattungen, die von den Evolutionisten bis vor kurzem als “nahe Verwandte” angesehen worden waren, ge-
netisch sehr unterschiedlich voneinander sind, was die “Übergangsform”-Hypothese, die nur theoretisch existiert, in
noch größere Verlegenheit bringt. Ein Artikel, der in den Tätigkeitsberichten der National Academy of Sciences im Jahr
2000 erschien, berichtet, dass DNS Analysen die Taxa, die bisher als “Übergangsformen” galten, verschoben haben.
Die Analyse der DNS Folgen erfordert eine neue Interpretation des phylogenetischen Stammbaums. Taxa, von denen
angenommen worden war, dass sie aufeinanderfolgende Stufen der Komplexität am Fuß des metazoischen Stamm-
baums seien, werden an wesentlich höhere Positionen innerhalb des Baums versetzt. Damit verbleiben keine evolutio-
nären “Übergangsformen”, und wir sind somit gezwungen, die Entstehung der Komplexität der Bilateria neu zu
überdenken...36
Im gleichen Artikel bemerken evolutionistische Autoren, dass einige Taxa, die als “Übergangsformen” zwischen
Gruppen, wie Schwämmen, Nesseltiere (Cnidaria) und Rippenquallen (Ctenophora) angesehen worden waren, auf-
grund neuer genetischer Befunde fernerhin nicht mehr als solche betrachtet werden können, und dass sie die “Hoff-
nung”, solch einen evolutionären Stammbaum errichten zu können “aufgegeben haben”:
Die neue, auf der molekularen Ebene begründete Phylogenese zieht mehrere wichtige Folgen nach sich. An erster Stelle
steht das Verschwinden von “Übergangs”-Taxa zwischen Schwämmen, Nesseltieren und Rippenquallen, und den letz-
ten gemeinsamen Vorfahren der Bilateria oder “Urbilateria”... Ein Resultat davon ist, dass wir eine bedeutende Lücke in
dem Stamm haben, der zu den Urbilaterien führt. Wir haben die, so stark im vergangenen evolutionären Denken vertre-
tene Hoffnung verloren, die Morphologie des “coelomaten Vorfahren” durch ein Szenario rekonstruieren zu können,
das aufeinanderfolgende Grade von zunehmender Komplexität, auf der Grundlage der Anatomie vorhandener “primi-
tiver” Stammbäume, beinhaltet hätte.37

INTERRESSANTE STACHELN: Eine der Kreaturen, die plötzlich während des Kambriums auftauchten, ist Hallucigenia (oben links). Dieses und
viele andere kambrische Lebewesen hatten harte, spitze Stacheln, um Angriffe abwehren zu können. Etwas, das Evolutionisten nicht erklären
können, ist, wie diese Kreaturen ein solch effizientes Abwehrsystem haben konnten, wo es doch gar keine natürlichen Feinde für sie gab. Deren
Fehlen macht es unmöglich, diese Stacheln durch natürliche Selektion zu erklären.

Adnan Oktar 173


KAPITEL 5

DAS GERÜCHT ÜBER DEN ÜBERGANG


VOM WASSER ZUM LAND

ie Evolutionisten behaupten, dass die wirbellosen Wassertiere, die in den kambrischen Erdschichten vorge-

D funden werden, sich irgendwie im Lauf von zig Millionen Jahren evolutiv in Fische entwickelt haben. In der
gleichen Weise jedoch, wie die kambrischen wirbellosen Wassertiere keine Vorfahren haben, gibt es auch kei-
ne Übergangsglieder die auf eine Evolution dieser wirbellosen Wassertiere in Fische hindeuten würde. Es sei bemerkt,
dass zwischen diesen beiden Tiergattungen enorme strukturelle Unterschiede bestehen. Bei wirbellosen Wassertieren
befinden sich die harten Gewebe an der Außenseite des Körpers, wobei sie sich bei Fischen, die Wirbeltiere sind, inner-
halb des Körpers befinden. Solch eine enorme “Evolution” hatte Billionen von Schritten zu ihrer Vollendung benötigt,
und daher müssten Billionen von Übergangsformen vorhanden sein, diese Stufen aufzuzeigen.
Die Evolutionisten haben seit etwa 140 Jahren Fossilschichten ausgegraben auf der Suche nach diesen hypotheti-
schen Formen. Sie haben Millionen Fossilien von Wirbellosen und Millionen Fischfossilien gefunden; doch niemand hat
jemals eine gefunden, die auch nur halbwegs dazwischen gelegen wäre.
Ein evolutionistischer Paläontologe, Gerald T. Todd, bestätigt diese Tatsache ein in einem Artikel unter dem Titel
“Die Evolution der Lunge und der Ursprung der Knochenfische”:
Alle drei Untereinteilungen von Knochenfischen treten im Fossilnachweis etwa zur gleichen Zeit auf. Sie sind morpholo-
gisch alle weitgehend unterschiedlich voneinander und schwer gepanzert. Woher kamen sie, und was erlaubte ihnen so-
weit voneinander abzuweichen? Wie kamen sie alle zu dem schweren Panzer? Und warum ist keine Spur von früheren
Übergangsformen vorhanden?38
Das evolutionistische Drehbuch geht noch einen Schritt weiter und postuliert, dass Fische die sich zuerst aus wir-
bellosen Wassertieren entwickelt hatten, sich sodann in Amphibien verwandelten. Doch auch dieses Szenario mangelt
Beweis. Es gibt keine einzige Versteinerung, die Zeugnis davon geben würde, dass es jemals ein Halb-Fisch-Halb-Am-
phibien-Geschöpf gegeben habe. Robert L. Carroll, ein evolutionistischer Paläontologe, der eine Autorität auf dem Ge-
biet der Wirbeltier-Paläontologie ist, sah sich gezwungen das zu akzeptieren. In seinem klassischen Werk Vertebrate
Paleontology and Evolution (Wirbeltier-Paläontologie und Evolution) schrieb er: “Die frühen Reptilien waren sehr unter-
schiedlich von Amphibien, und ihre Vorgänger wurden bisher noch nicht gefunden.” In seinem neueren Buch Patterns
and Processes of Vertebrate Evolution (Verhaltensmuster und Vorgänge in der Evolution der Wirbeltiere), das 1997 veröf-
fentlicht wurde, macht er folgendes Zugeständnis: “Wir haben keine Übergangsfossilien zwischen Rhipidistiern und
frühen Amphibien.”39 Zwei evolutionistische Paläontologen, Colbert und Morales bemerken zu den drei amphibischen
Grundklassen – Fröschen, Salamander und Blindwühlen folgendes:
Es gibt keinen Hinweis auf irgendwelche paläozoischen Amphibien, welche die Charaktermerkmale in sich vereinten,
die von einem einzigen gemeinsamen Vorfahren erwartet werden dürften. Die ältesten bekannten Frösche, Salamander
und Blindwühlen sind ihren heute lebenden Nachkommen sehr ähnlich.40
Bis vor etwa 50 Jahren glaubten die Evolutionisten, dass solch ein Geschöpf tatsächlich existierte. Dieser Fisch,
Quastenflosser (Coelacanth) genannt, dessen Alter auf 410 Millionen Jahre veranschlagt wurde, wurde als eine Über-
gangsform mit einer primitiven Lunge, einem entwickelten Gehirn, einem Verdauungs- und Kreislaufsystem das be-
reits funktionsfähig für das Leben auf trockenem Land war, und selbst einem primitiven Gangmechanismus dargestellt.
Diese anatomischen Interpretationen wurden anerkannt, und galten bis zum Ende der 30er Jahre als unbestreitbare
Wahrheit in wissenschaftlichen Kreisen. Der Coelacanth wurde als eine wirkliche Übergangsform vorgestellt, durch die
der evolutive Übertritt vom Wasser aufs Festland bewiesen war.

174 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Am 22. Dezember 1938 jedoch wurde ein sehr interessanter Fund im Indischen Ozean gemacht. Ein lebendes
Mitglied der Coelacanth Familie, welche vordem als eine vor 70 Millionen Jahren ausgestorbene Übergangsform dar-
gestellt worden war, wurde gefangen! Die Entdeckung eines “lebendigen” Prototyps des Coelacanth versetzte den
Evolutionisten zweifellos einen gewaltigen Schock. Der evolutionistische Paläontologe J. L. B. Smith sagte, er hätte
kaum mehr überrascht sein können, wäre ihm ein lebendiges Dinosaurier über den Weg gelaufen.41 In den folgenden
Jahren wurden 200 Quastenflosser an verschiedenen Orten der Welt gefangen.
Lebendige Quastenflosser zeigten, wie weit die Evolutionisten gehen konnten in der Errichtung ihrer phantasie-
vollen Szenarien. Im Gegensatz zu den vorher gemachten Behauptungen hatten die Quastenflosser weder eine primi-
tive Lunge noch ein großes Gehirn. Das Organ, das die evolutionistischen Forscher als primitive Lunge ausgegeben
hatten, stellte sich als nichts anderes heraus als ein Lipidbeutel.42 Weiterhin war der Quastenflosser, der als “ein Rep-
tilienkandidat in Vorbereitung auf die Umsiedlung vom Wasser aufs Festland” vorgestellt worden war, ein Tiefsee-
fisch, der sich niemals in Tiefen von weniger als 180 Metern aufhielt.43

Dem hypothetischen "Vom-Wasser-aufs-Land"-Szenario ent-


sprechend, verspürten einige Fische aufgrund von Nahrungs-
mangel die Notwendigkeit vom Meer aufs Land
überzusiedeln. Diese Behauptung wird durch spekulative Il-
lustrationen wie diese "unterstützt".

S C H
FA L

Adnan Oktar 175


Ein 410 Millionen Jahre altes Coelacanth-Fossil. Die Evolutionisten behaup-
teten, dass es eine Übergangsform gewesen sei, die die Übersiedlung vom
Meer aufs Land bestätige.
Seit 1938 wurden zahlreiche Exemplare dieses Fisches gefangen, was
Zeugnis davon gibt, wie weit die Evolutionisten ihre Spekulationen treiben.

Ein Beispiel, das die Evolutionstheorie widerlegt

SCHILDKRÖTEN
Seitlich ist ein in Deutschland
gefundenes 45 Millionen
Jahre altes Fossil einer
Süßwasserschildkrö-
te zu sehen; links
die Überreste der
ältesten bekann-
ten Meeresschild-
kröte, gefunden in
Brasilien: Dieses 110 Mil-
lionen Jahre alte Fossil ist
identisch mit heute leben-
den Exemplaren.

Fossil einer Schildkröte, 100 Millionen Jahre alt: nicht anders, als ihre
Artgenossin, die heute lebt. (The Dawn of Life, Orbis Pub., London 1972.)

Wie die Evolutionstheorie die Herkunft der grundsätzlichen Klassen der Lebewesen – wie Fische oder Reptilien – nicht erklären kann, ist sie
auch nicht in der Lage, die Herkunft der Ordnungen innerhalb dieser Klassen zu erklären. Schildkröten zum Beispiel, eine Reptilienordnung, er-
scheinen mit ihren einzigartigen Panzern ganz plötzlich im Fossilienbestand. Um aus einer evolutionären Quelle zu zitieren: … in der Mitte der
Trias (vor etwa 175 Millionen Jahren) waren ihre Mitglieder (Schildkröten) bereits sehr zahlreich und sie hatten alle Grundcharakteristiken von
Schildkröten. Die Verbindung zwischen Schildkröten und Cotylosauriern, von denen die Schildkröten sich wahrscheinlich abzweigten, fehlen fast
völlig. (Encyclopaedia Brittanica, 1971, Band 22, S. 418.)
Es besteht kein Unterschied zwischen den Fossilien der urzeitlichen Schildkröten und den heute lebenden Vertretern der Spezies. In einfachen
Worten, die Schildkröten haben sich nicht evolutiv entwickelt; sie waren immer Schildkröten, seit sie als solche erschaffen wurden.

176 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Warum die Übersiedlung


vom Wasser aufs Land unmöglich ist

ie Evolutionisten behaupteten, dass eines Tages eine aquatische Spezies irgendwie an

D Land ging und sich in eine landansässige Spezie verwandelte.

Es gibt eine Reihe von offensichtlichen Tatsachen, die solch eine Übersiedlung unmöglich ma-
chen:

1. Tragen des Eigengewichts: Aquatische Lebewesen haben kein Problem (und auch nicht die
physiologischen Voraussetzungen) ihr Eigengewicht zu tragen, während die an Land lebenden
Geschöpfe 40 % ihrer Energie lediglich damit verbrauchen, ihr eigenes Körpergewicht zu tragen.
Hätten Tiere, die eine Übersiedlung vom Wasser ans Land unternommen, so müssten sie gleich-
zeitig ein neues Muskel- und Skelettsystem entwickelt haben (!), um dem neu entstandenen
Energiebedarf gerecht zu werden, was unmöglich durch Zufallsmutationen zustande gekommen
sein könnte.

2. Konservation der Körperwärme: Außerhalb des Wassers kann sich die Temperatur schnell
verändern und schwankt innerhalb großer Bereiche. Der Körper der Festlandbewohner ist mit ei-
nem Mechanismus ausgestattet, durch den sie solche großen Temperaturschwankungen tole-
rieren können. Im Meer jedoch ändert sich die Temperatur nur langsam, und auch nicht innerhalb
so großer Schwankungsbereiche. Ein Lebewesen, dessen Organismus auf die gleich bleibende
Wassertemperatur des Meers abgestimmt ist, müsste sich ein Schutzsystem angeeignet haben,
um von den Temperaturschwankungen an Land keinen Schaden zu erleiden. Es ist lächerlich zu
behaupten, dass sich ein Fisch einen derartigen Schutzmechanismus durch Zufallsmutationen
aneignete, sobald er sich ans Land begab.

3. Der Wasserhaushalt: An Land ist es von grundlegender Wichtigkeit für den Stoffwechsel,
dass Wasser und selbst Feuchtigkeit aufgrund der beschränkten Verfügbarkeit sparsam ver-
braucht werden. Die Haut, z.B. muss so gestaltet sein, dass sie zwar eine bestimmte Menge an
Wasser entweichen läßt, aber gleichzeitig übermäßige Verdunstung verhindert. Landansässige
Tiere haben daher ein Durstgefühl, welches Wassertiere nicht kennen. Außerdem ist ihre Haut
nicht für ein trockenes Habitat geeignet.

4. Nieren: Aquatische Organismen können Abfallstoffe, insbesondere Ammoniak, sehr unkom-


pliziert in ihren Körpern abscheiden, indem sie sie abfiltrieren, da genügend Wasser in der Umge-
gend vorhanden ist. An Land dagegen muss das Wasser wirtschaftlich verwendet werden, und
zu diesem Zweck sind die Lebewesen dieser Habitat mit Nieren ausgestattet. Mithilfe der Nieren
wird Ammoniak, der in Harnstoff umgewandelt wird gespeichert und dann unter minimaler Ver-
schwendung von Wasser ausgeschieden. Kurz gesagt, um eine Übersiedlung vom Wasser aufs
Land zu ermöglichen, hätten Lebewesen ohne Nieren nicht nur dieses Organ plötzlich entwickeln
müssen, sondern gleichzeitig auch neue physiologische Systeme um seine Funktion zu gewähr-
leisten.

5. Atmungssystem: Fische "atmen", indem sie den im Wasser gebundenen Sauerstoff aufneh-
men, während sie das Wasser durch ihre Kiemen fließen lassen. Sie können nicht mehr als einige
Minuten außerhalb des Wassers überleben. Um an Land zu leben, hätten sie sich urplötzlich ein
vollkommenes Lungensystem aneignen müssen.

Es ist eine absolut sichere Unmöglichkeit, dass all diese drastischen physiologischen Verände-
rungen im selben Organismus zur gleichen Zeit und durch Zufall stattgefunden haben konnten.

Adnan Oktar 177


KAPITEL 6

DER URSPRUNG DER VÖGEL UND SÄUGETIERE

ntsprechend der Evolutionstheorie nahm das Leben seinen Ursprung im Meer, entwickelte sich evolutiv weiter,

E und wurde dann durch die Amphibien aufs Festland übertragen. Dieses Szenario sieht weiter vor, dass sich die
Amphibien evolutiv weiter in Reptilien entwickelten, welche ausschließlich an Land lebten. Dies ist wiederum
sehr zweifelhaft aufgrund der enormen strukturellen Unterschiede, die zwischen diesen beiden Tiergattungen beste-
hen. Das Amphibienei, z.B. ist dazu vorgesehen, im Wasser auszureifen, wobei das amniotische Ei sich an Land entwi-
ckelt. Eine “schrittweise Evolution” der Amphibie kommt nicht in Frage, da es einer Spezies nicht möglich ist, ohne ein
in jeder Hinsicht vollkommenes Ei zu überleben. Abgesehen davon liegt wie üblich keinerlei Nachweis irgendwelcher
Übergangsformen vor, welche die Amphibien und Reptilien miteinander verbunden hätten. Der evolutionistische Palä-
ontologe Robert L. Carroll, musste akzeptieren, dass “die frühen Reptilien sich sehr weitgehend von den Amphibien
unterschieden und dass ihre Vorfahren bisher noch nicht gefunden werden konnten.”44
Dennoch sind die zu hoffnungslosem Scheitern verurteilten Szenarien der Evolutionisten noch nicht zu Ende. Es
verbleibt das Problem, diese Geschöpfe zum Fliegen zu bringen! Da die Evolutionisten glauben, dass Vögel sich auf ir-
gendeine Weise evolutiv entwickelt haben, behaupten sie, dass dieselben sich aus Reptilien verwandelt haben. Keiner
jedoch der spezifischen Mechanismen der Vögel, welche eine total unterschiedliche Struktur zu der der Landtiere auf-
weisen, kann durch allmähliche Evolution erklärt werden. Das erste große Hindernis für die Evolutionisten sind die
Flügel, die ein ausschließliches Charaktermerkmal der Vögel darstellen. Ein türkischer Evolutionist, Engin Korur, ge-
steht die Unmöglichkeit einer Evolution der Flügel zu:
Eine Eigenschaft, die Augen und Flügel gemeinsam haben, ist, dass beide nur dann funktionsfähig sind, wenn sie voll ent-
wickelt sind. In anderen Worten, ein halbentwickeltes Auge kann nicht sehen; ein Vogel mit halbentwickelten Flügeln
kann nicht fliegen. Wie diese Organe zustande kamen ist eines der Mysterien der Natur geblieben, das noch erhellt wer-
den muss.45
Die Frage, wie die vollkommene Struktur der Flügel im Zuge von aufeinanderfolgenden Zufallsmutationen zustan-
de kam, bleibt vollkommen offen. Es kann keine Erklärung dafür geben, wie die Vorderbeine eines Reptils sich auf-
grund einer genetischen Verformung (Mutation) in vollkommen funktionsfähige Flügel verwandeln hätten können.
Abgesehen davon ist es für einen auf dem Festland lebenden Organismus nicht ausreichend, Flügel zu haben, um
damit dann auch fliegen zu können. Die landbeheimateten Organismen mangeln viele der strukturellen Mechanismen,
die den Vögeln zum Fliegen dienlich sind. Die Knochen der Vögel, z.B. sind wesentlich leichter als die der Festlandtie-
re. Ihre Lungen funktionieren in unterschiedlicher Weise. Sie haben ein unterschiedliches Muskel- und Skelettsystem
und ein äußerst spezialisiertes Herz-Kreislaufsystem. Diese Eigenschaften sind mindestens ebenso wichtige Vorausset-
zungen zum Fliegen wie die Flügel. All diese Mechanismen hätten gleichzeitig in ihrer Gesamtheit vorhanden sein müs-
sen und könnten sich nicht allmählich durch “Anhäufung” gebildet haben. Aus diesem Grund ist die Theorie die
vorgibt, dass sich Festlandtiere evolutiv in Vögel entwickelt haben, vollständig unhaltbar.
Selbst wenn wir annähmen, dass diese unmögliche Geschichte möglich wäre, erhebt sich wiederum die Frage, wa-
rum die Evolutionisten dann nicht in der Lage waren, in Unterstützung derselben irgendwelche “halbbeflügelte” oder
“einzel flügelige” Fossilien aufzuweisen?

Eine andere angebliche Übergangsform: Der Archäopteryx


In Erwiderung bringen die Evolutionisten den Namen eines einzigen Geschöpfes hervor. Es ist die Versteinerung
eines Vogels namens Archäopteryx, welcher eine der bekanntesten sogenannten Übergangsformen der wenigen ist, die
die Evolutionisten noch immer verteidigen. Der Archäopteryx, der unter den Evolutionisten als Vorfahre der heutigen

178 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Spezielle Lungen für Vögel

Die Anatomie der Vögel ist sehr unterschiedlich von der der Reptilien, ihren angeblichen Vorfahren. Die Lungen der Vögel funk-
tionieren auf völlig andere Weise als die der bodenansässigen Tiere. Letztere atmen durch die gleiche Luftröhre ein und aus,
während die Luft bei den Vögeln vorderseitig in die Lunge eingezogen, und rückseitig ausgestoßen wird. Dieses "andersartige"
Design ist speziell für Vögel geschaffen, die während des Flugs große Mengen von Sauerstoff benötigen. Solch eine Struktur
kann sich unmöglich evolutiv aus Reptilienlungen entwickelt haben.

Alveole

Reptilienlunge

außen
Das Design der Vogelfedern

ie Evolutionstheorie, welche darauf besteht, dass pen belegen würde. Im Gegenteil, "Federn tauchen plötz-

D sich Vögel evolutiv aus Reptilien entwickelt haben,


ist außerstande, die gewaltigen Unterschiede zwi-
schen diesen beiden verschiedenen Tiergattungen zu er-
lich im Fossilnachweis auf, als eine ‘unleugbare Eigentüm-
lichkeit', welche die Vögel charakterisiert", wie Prof. Brush
erklärt.3 Außerdem wurde bisher noch keine epidermale
klären. In Bezug auf solche Charaktermerkmale wie ihre
Struktur in Reptilien beobachtet, die einen Ursprung für
Skelettstruktur, Atmungssystem, und ihr warmblütiger
Metabolismus, sind Vögel sehr unterschiedlich von Reptili- Vogelfedern darstellen könnte.4
en. Ein weiteres Charaktermerkmal, das eine unüber- Im Jahr 1996 machten einige Paläontologen großes Auf-
brückbare Kluft zwischen Vögeln und Reptilien darstellt, heben von Fossilien eines sogenannten gefiederten Dino-
ist das Gefieder der Vögel, das eine ausschließlich ihnen sauriers namens Sinosauropteryx. Im Jahr 1997 stellte sich
eigene Gestaltung darstellt. jedoch heraus, dass diese Fossilien nichts mit Vögeln zu
Die Körper der Reptilien sind mit Schuppen bedeckt, tun hatten, und dass es sich nicht um moderne Federn
während die Vögel ein Federkleid besitzen. Da die Evolu- handelte.5
tionisten die Reptilien als die Vorfahren der Vögel betrach- Wenn wir andererseits Vogelfedern genau untersuchen,
ten, können sie nicht umhin, auch auf eine evolutive finden wir ein sehr komplexes Design, das nicht durch ei-
Entwicklung der Vogelfedern aus den Reptilienschuppen nen evolutiven Prozess erklärt werden kann. Der bekannte
zu bestehen. Es bestehen jedoch keinerlei Ähnlichkeiten Ornithologe Alan Feduccia erklärt, dass "jede ihrer Eigen-
zwischen Federn und Schuppen. schaften eine aerodynamische Funktion manifestiert. Sie
Obwohl A. H. Brush, ein Professor der Physiologie und sind außerordentlich leicht, haben die Fähigkeit abzuste-
Neurobiologie an der Universität von Connecticut, selbst hen, welche sich in niederen Geschwindigkeiten erhöht,
ein Evolutionist ist, akzeptiert er diese Realität: "Jede Cha- und können ohne Schwierigkeiten wieder in die vorherige
raktereigenschaft, von der Genstruktur und -organisation Stellung zurückkehren". Er fährt dann fort: "Ich kann mir
bis hin zur Entwicklung, Morphogenese und Gewebeorga- wirklich nicht vorstellen, wie ein Organ, das in seinem De-
nisation ist unterschiedlich (in Federn und Schuppen)."1 sign genau dem Fliegen angepasst ist, zuerst für einen an-
Außerdem untersuchte Prof. Brush deren Zweck entstanden sein sollte."6
die Proteinstruktur der Vogelfe- Das Design der Federn versetzte auch Charles Darwin ins
der, und erklärte, dass sie Grübeln. Außerdem verursachte ihm die vollkommene Äs-
"einzigartig unter den Wir- thetik der Pfauenfeder – in seinen eigenen Worten – "Übel-
beltieren" sei.2 keit". In einem Brief, den er am 3. April 1860 an Asa Gray
Es ist kein Fossil- schrieb, äußerte er: "Ich erinnere mich noch gut der Zeit,
nachweis vorhanden, als es mir bei dem Gedanken an das Auge kalt den Rücken
der eine Evolution der hinunterlief, doch ich habe diese Phase der Beschwerden
Vogelfedern von überwunden...", und dann schrieb er weiter: "... und nun ir-
den Reptilien- ritieren mich oft unbedeutende strukturelle Einzelheiten
schup- sehr. Die Ansicht einer Schwanzfeder des Pfaus läßt es mir
7
jedes Mal übel werden, wenn ich sie betrachte!"

1- A. H. Brush, "On the Origin of Feathers". Journal of Evolutionary Biolo-


gy, Band 9, 1996, S. 132.
Wenn Vogelfedern im Detail un- 2- A. H. Brush, On the Origin of Feathers, S. 131.
3- ebenda.
tersucht werden, scheint es als
4- ebenda.
ob sie aus Tausenden von win- 5- "Plucking the Feathered Dinosaur", Science, Band 278, 14. November
zigen Ranken aufgebaut sind, 1997, S. 1229.
die mit Haken aneinander be- 6- Douglas Palmer, "Learning to Fly" (Review of The Origin of and Evoluti-
festigt sind. Dieses einzigartige on of Birds by Alan Feduccia, Yale University Press, 1996), New Scientist,
Band 153, 1. März 1997, S. 44.
Design wirkt sich in einer vor-
7- Norman Macbeth, Darwin Retried: An Appeal to Reason, Boston, Gam-
trefflichen aerodynamischen bit, 1971, S. 101.
Leistung aus.
Harun Yahya

Vögel gilt, lebte etwa vor 150 Millionen Jahren. Die Theorie besagt, dass einige der kleingeschuppten Dinosaurier na-
mens Velociraptor oder Dromeosaur sich evolutiv fortentwickelten, indem sie sich Flügel aneigneten und zu fliegen be-
gannen. Und so wird angenommen, dass der Archäopteryx eine Übergangsform ist, der von Dinosaurier-Vorfahren
abzweigte und sich zum ersten Mal in die Lüfte erhob.
Die jüngsten Studien des Archäopteryxfossils jedoch weisen darauf hin, dass dieses Geschöpf absolut keine Über-
gangsform war, sondern eine Vogelspezies mit einigen Charaktermerkmalen, die sie von den heutigen Vögeln unter-
scheidet.
Die Hypothese, dass der Archäopteryx ein “Halb-Vogel” war, der nicht vollkommen fliegen konnte, war bis vor
kurzem in Evolutionistenkreisen weitverbreitet. Die Abwesenheit eines Sternums, d.h. Brustbeins, in diesem Ge-
schöpf, oder zumindest die Tatsache, dass es nicht so gestaltet war wie in fliegenden Vögeln, wurde als Beweis dafür
erbracht, dass dieser Vogel nicht richtig fliegen gekonnt habe. (Das Brustbein ist ein Knochen, der sich unter dem
Thorax befindet, und an dem die zum Fliegen nötigen Muskeln verankert sind. In der heutigen Zeit ist dieses Brust-
bein in allen fliegenden und nichtfliegenden Vögeln vorhanden, und sogar in Fledermäusen, die, als fliegende Säuge-
tiere, einer ganz anderen Tiergattung zugehören.)
Das siebte, 1992 entdeckte Archäopteryxfossil jedoch löste großes Erstaunen bei den Evolutionisten aus. Der
Grund dafür war, dass in diesem jüngst gefundenen Archäopteryxfossil, das von den Evolutionisten als lange fehlend
angenommene Brustbein tatsächlich vorhanden war. Dieser kürzlich entdeckte Versteinerungsfund wurde in der
Zeitschrift Nature wie folgt beschrieben:
In dem kürzlich entdeckten siebten Exemplar des Archäopteryx ist ein rechteckiges Sternum, das längst vermutet, doch
vorher niemals belegt wurde, teilweise erhalten. Dieses bestätigt das Vorhandensein von starken Flugmuskeln.46
Diese Entdeckung zerstörte die Grundlage der Behauptung, dass der Archäopteryx ein Halb-Vogel war, der nicht
richtig fliegen konnte.
Andererseits wurde die Federstruktur des Vogels zu einem der wichtigsten Beweisstücke, dass der Archäopteryx
im wahrsten Sinn des Wortes ein fliegender Vogel war. Die asymmetrische Federstruktur des Archäopteryx, die sich
nicht von der gegenwärtigen Vögel unterscheidet, deutet darauf hin, dass das Tier einwandfrei und uneingeschränkt
fliegen konnte, wie der Paläontologe Carl O. Dunbar bestätigt: “Aufgrund seiner Federn ist der Archäopteryx eindeu-
tig als Vogel einzuordnen”.47
Eine weitere Tatsache, die durch die Federstruktur des Archäopteryx ans Licht kam, war der warmblütige Meta-
bolismus des Vogels. Wie bekannt sind Reptilien und Dinosaurier Kaltblüter, die mehr von der Umgebungstempera-
tur beeinflusst sind, als ihre Körperwärme selbst zu regulieren. Eine sehr wichtige Funktion des Gefieders der Vögel
ist die Erhaltung ihrer Körperwärme. Die Tatsache, dass der Archäopteryx Federn besaß beweist, dass er ein warmblü-
tiger Vogel war, der, im Gegensatz zu den Di-
nosauriern seine Körperwärme regulieren
musste.

Spekulationen der Evolutionisten: Die


Zähne und Klauen des Archäopteryx
Zwei wichtige Punkte, auf die sich die Evo-
lutionisten in ihrer Behauptung stützen, dass
der Archäopteryx eine Übergangsform sei, sind
die Klauen an den Flügeln des Vogels und sei-
ne Zähne.
Es ist wahr, dass der Archäopteryx Klauen
an den Flügeln hat, und Zähne im Schnabel,

Die Theorie besagt, dass einige der kleingeschuppten Dinosaurier namens


Velociraptor oder Dromeosaurus sich evolutiv fortentwickelten, indem sie
sich Flügel aneigneten und zu fliegen begannen. Und so wird angenom-
men, dass der Archäopteryx eine Übergangsform ist, der von Dinosaurier-
Vorfahren abzweigte und sich zum ersten Mal in die Lüfte erhob. Dieses
Märchen taucht in fast allen evolutionistischen Publikationen auf.

Adnan Oktar 181


doch diese Merkmale bedeuten nicht, dass dieses Geschöpf irgendwelche Verwandtschaftsverhältnisse mit den Reptili-
en hat. Zudem gibt es heute zwei lebendige Vogelspezies, Taouraco und Hoatzin, die beide Flügelklauen haben, um sich
an Zweigen festzuhalten. Diese Geschöpfe sind vollständige Vögel ohne irgendwelche Reptilien-Charaktereigenschaf-
ten. Es ist daher unbegründet zu behauten, der Archäopteryx sei eine Übergangsform nur deswegen, weil er Klauen an
seinen Flügeln hat.
Ebenso sind die Zähne im Schnabel des Archäopteryx kein Hinweis darauf, dass er eine Übergangsform sei. Die Evo-
lutionisten begehen ein zweckdienlicher Schwindel, indem sie vorgeben, diese Zähne seien charakteristisch für Reptili-
en. Zähne jedoch sind kein typisches Reptilienmerkmal; heutzutage haben einige Reptilien Zähne, während andere
keine haben. Darüber hinaus ist der Archäopteryx nicht die einzige Vogelspezies, die Zähne aufweist. Es ist wahr, dass es
heute keine Vögel mit Zähnen gibt, doch wenn wir uns den Fossilnachweis betrachten, sehen wir, dass es sowohl in der
erdgeschichtlichen Epoche des Archäopteryx sowie auch danach, und sogar bis vor relativ kurzer Zeit eine distinguierte
Vogelgattung gab, die als “Vögel mit Zähnen” eingegliedert werden könnte.
Der wichtigste Punkt ist, dass die Zahnstruktur des Archäopteryx und anderer Vögel mit Zähnen sich total von
der ihres angeblichen Vorfahren, des Dinosauriers unterscheidet. Die Ornithologen L. D. Martin, J. D. Steward und K.
N. Whetstone beobachteten, dass die Zähne des Archäopteryx und anderer bezahnter Vögel am oberen Ende abgeflacht
waren und ausgedehnte Wurzeln besaßen, wobei die Zähne der Theropod Dinosaurier, der angeblichen Vorfahren die-
ser Vögel, sägeartig hervorspringen und schmale Wurzeln haben.48
Die Forscher verglichen ferner die Gelenkknochen der Flügel des Archäopteryx und anderer bezahnter Vögel mit
den Gelenkknochen der Vorderfüße des Dinosauriers und fanden keine Ähnlichkeit zwischen ihnen.49
Die Studien von Anatomie Fachleuten wie S. Tarsitano, M. K. Hecht und A. D. Walker brachten zutage, dass einige
“Ähnlichkeiten” zwischen dieser Kreatur und dem Dinosaurier, wie sie von John Ostrom dargestellt worden waren, in
Wirklichkeit Fehlinterpretationen waren.50
All diese Funde deuten darauf hin, dass der Archäopteryx kein Übergangsglied, sondern nur ein Vogel war, der in ei-
ne Kategorie einzureihen ist, die man “Vögel mit Zähnen” bezeichnen kann.

Der Archäopteryx und andere urzeitliche Vogelfossilien


Während die Evolutionisten den Archäopteryx seit Jahrzehnten als den größten Beweis ihres Szenarios in Bezug auf
die Evolution der Vögel paradiert hatten, haben einige, in der jüngsten Vergangenheit entdeckte Versteinerungsfunde
jenes Szenario in anderen Aspekten als unzutreffend aufgedeckt.
Lianhai Hou und Zhonghe Zhou, zwei Paläontologen am Chinesischen Institut für Paläontologie der Wirbeltiere,
entdeckten 1995 ein neues Vogelfossil, dem sie den Namen Confuciusornis gaben. Dieser Vogel hatte fast das gleiche Al-
ter als der Archäopteryx (etwa 140 Millionen Jahre), doch er hatte keine Zähne im Schnabel. Zusätzlich hat-
ten der Schnabel und die Federn dieses Vogels die gleichen Eigenschaften wie die der
heutigen Vögel. Er hatte die gleiche Skelettstruktur wie die neuzeitlichen Vögel, doch er
hatte, wie der Archäopteryx Klauen an den Flügeln. Diese Vogelspezies verfügte über
ein “Pygostyle”, eine spezielle Struktur, die die Schwanzfedern unterstützt.
Kurz gesagt, dieser Vogel, der das gleiche Alter wie der Archäopteryx hatte
(welcher seinerseits als der älteste Vorfahre aller Vögel gilt, und als ein
Semi-Reptil ausgegeben wird), sah sehr wie ein heutiger Vogel aus.
Diese Tatsache machte all die evolutionistischen Hypothesen zu-
nichte, die den Archäopteryx als den primitiven Vorfahren aller Vö-
gel präsentieren.51
Ein anderer Versteinerungsfund, der im November
1996 in China entdeckt wurde, verursachte sogar noch
größere Verwirrung. L. Hou, L. D. Martin, and Alan
Der Vogel namens
Feduccia gaben das Vorhandensein dieses 130 Millionen
Confuciusornis hat Jahre alten Vogels, der Liaoningornis benannt wurde,
das gleiche Alter wie
in der Zeitschrift Science bekannt. Liaoningornis
der Archäopteryx.
hatte ein Brustbein, an dem die Flugmuskeln
saßen, wie bei heutigen Vögeln. Dieser Vo-
gel war auch in anderen Aspekten von
den Vögeln unserer Zeit nicht un-

182 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Archäopteryx hat die Merkmale eines

voll ausgebildeten Vogels:

1. Federn deuten darauf hin, dass dieses


1 Geschöpf warmblütig war und fliegen konn-
te.
2. Die Knochen sind hohl, wie die der heuti-
gen Vögel.
3. Zähne im Schnabel sind kein Beweis sei-
4 ner angeblichen Verwandtschaft mit Reptili-
en.
2 In der Vergangenheit gab es viele andere
5 "bezahnte" Vogelarten.
3 4. Einige heutige Vögel haben ebensolche
"Klauen" an ihren Flügeln.
5. In dem neuerlich entdeckten 7. Exemplar
des Archäopteryx ist das kielförmige Brust-
bein erhalten, das darauf hinweist, dass der
Vogel starke Flugmuskeln hatte, wie die
neuzeitlichen fliegenden Vögel.
terschiedlich, mit der einzigen Ausnahme, dass er nämlich Zähne besaß. Dieser Umstand zeigte, dass bezahnte Vögel
keine primitive Vogelstruktur haben, wie dies von den Evolutionisten behauptet wird.52 Dies wurde in einem Beitrag
in der Zeitschrift Discover unter der Überschrift “Woher kamen die Vögel? Dieses Fossil bezeugt dass sie nicht von
den Dinosauriern abstammen” bestätigt.53
Eine andere Versteinerung, die die evolutionistischen Behauptungen bezüglich des Archäopteryx widerlegt, ist der
Eoalulavis. Die gleiche Flügelstruktur wie die des Eoalulavis, von dem angenommen wird, dass er 25 bis 30 Millionen
Jahre jünger als der Archäopteryx ist, wurde ebenfalls in langsam fliegenden zeitgenössischen Vögeln beobachtet. Das
beweist, dass es vor 120 Millionen Jahren Vögel gab, die die Lüfte bevölkerten, und die sich in vieler Hinsicht nicht
von den heutigen Vögeln unterschieden.54
Diese Tatsachen deuten mit Sicherheit darauf hin, dass weder der Archäopteryx, noch andere ihm ähnliche Vögel
Übergangsformen waren. Die Fossilien weisen nicht darauf hin, dass verschiedene Vogelarten sich eine aus der ande-
ren evolutiv entwickelt haben. Ganz im Gegenteil, der Fossilnachweis belegt, dass die neuzeitlichen Vögel und einige
der urzeitlichen Vögel wie der Archäopteryx tatsächlich zur gleichen Zeit nebeneinander existierten, doch einige dieser
Spezien, wie der Archäopteryx und Confuciusornis starben aus, und nur ein Teil der zuvor existierenden Spezien
schafften es, bis in unsere Zeit zu überleben.
Kurz gesagt, einige spezifische Charaktermerkmale des Archäopteryx geben keinen Hinweis darauf, dass dieses
Lebewesen eine Übergangsform war! Die Gesamtanatomie des Archäopteryx deutet auf Stasis hin, nicht auf Evolution.
Der Paläontologe Robert Carroll sah sich gezwungen, dies einzugestehen:
Die Geometrie der Flugfedern des Archäopteryx ist identisch mit der der modernen fliegenden Vögel, wohingegen nicht-
fliegende Vögel symmetrische Federn haben. Die Weise, in welcher die Federn an den Flügeln arrangiert sind, fällt eben-
falls in die Ordnung der neuzeitlichen Vögel... Nach Van Tyne und Berger sind die relative Größe und Form des Flügels
des Archäopteryx, denen solcher Vögel ähnlich, die sich durch beschränkte Öffnungen im Dickicht bewegen, wie hühner-
artige Vögel, Tauben, Waldschnepfen, Spechte und die meisten Sperlingsvögel... Die Flugfedern sind seit 150 Millionen
Jahren in Stasis...55
Andererseits ist das Zeitparadoxon einer der Fakten, die den Behauptungen der Evolutionisten über Archäopteryx
den tödlichen Schlag versetzen. In seinem Buch Icons of Evolution, bemerkt Jonathan Wells, Archäopteryx sei zu einer
Ikone der Evolution gemacht worden, wobei die Beweislage jedoch ganz klar zeige, dass diese Kreatur nicht der pri-
mitive Vorfahr der Vögel ist. Wells zufolge wird dies dadurch bewiesen, dass theropodische Saurier – die angeblichen
Vorfahren von Archäopteryx – de facto jünger sind als Archäopteryx:
Zweibeinige Reptilien, die am Boden umher liefen und Charakteristika aufwiesen, die man von einem Vorfahr von Ar-
chäopteryx erwarten würde, erscheinen später.56

Das imaginäre Vogel-Dinosaurier Verbindungsglied


Der Versuch, den Archäopteryx als eine Übergangsform darzustellen, bezweckt lediglich, die evolutionistische Be-
hauptung, dass Vögel sich evolutiv aus den Dinosauriern entwickelten, zu untermauern. Einer der Ornithologen,
Alan Feduccia von der Universität von North Carolina, lehnt die Theorie, dass Vögel eine Verwandtschaft mit den Di-
nosauriern haben ab, trotz der Tatsache, dass er selbst ein Evolutionist ist. Feduccia bemerkt zu diesem Thema:
Nun, ich habe seit 25 Jahren Vogelschädel studiert, und sehe nicht die geringste Ähnlichkeit. Ich
kann einfach keine finden... Der Theropod-Ursprung der Vögel wird sich meines Erachtens als
die größte Peinlichkeit für die Paläontologie des 20. Jh. herausstellen.57
Larry Martin, ein Spezialist für urzeitliche Vögel an der Universität von Kansas
widersetzt sich der Theorie, dass Vögel dem gleichen Stammbaum wie Dinosaurier
angehören. Während er die Widersprüche diskutiert, denen die Evolution in die-
sem Thema verfallen ist, gesteht er folgendes:
Um ehrlich zu sein, wenn ich den Dinosaurier-Ursprung der Vögel zusammen mit
diesen Typen (Evolutionisten) unterstützen müsste, wäre es mir jedesmal peinlich
hinter das Pult zu treten, um darüber zu sprechen.58
Zusammenfassend sei gesagt; das Szenario der “Evolution der Vögel”, das
einzig und allein auf dem Archäopteryx gegründet ist, ist nichts weiter als ein Pro-
dukt des Vorurteils und Wunschdenkens der Evolutionisten.

Prof. Alan Feduccia

184 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Was ist der Ursprung der Fliegen?

n Unterstützung ihrer Behauptung, dass Dinosaurier sich in Vögel verwandelten, erklären die Evolutionisten,

I einige Dinosaurier haben mit ihren Vorderbeinen flatternde Bewegungen gemacht, um Fliegen zu fangen,
und haben dabei "Flügel angenommen und begannen zu fliegen", wie in der Abbildung dargestellt. In totaler
Ermangelung jeglicher wissenschaftlichen Grundlage ist diese Theorie nichts als ein phantastisches Hirnge-
spinst, und beinhaltet obendrein einen simplen logischen Widerspruch: Das Beispiel, das die Evolutionisten an-
führen, um den Ursprung des Fliegens zu erklären, d.h. die Fliege, die bereits eine vollausgebildete Flugfähigkeit
besaß. Ein Mensch kann seine Augenlider keine zehnmal pro Sekunde öffnen und schließen; eine durchschnittli-
che Fliege hingegen vibriert ihre Flügeln 500-mal pro Sekunde. Außerdem bewegt sie ihre Flügel im Gleichtakt.
Die geringste Unregelmäßigkeit im Synchronismus der Flügelvibration würde die Fliege aus dem Gleichgewicht
bringen, was jedoch niemals eintrifft.
Die Evolutionisten sollten zuerst eine Erklärung erbringen, wie die Fliege diese vollendete Flugfähigkeit erlang-
te. Statt dessen fabrizieren sie phantastische Szenarien darüber, wie Reptilien, welche weitaus plumpere Lebe-
wesen sind, sich in die Lüfte erhoben.
Selbst die perfekte Schöpfung der Hausfliege widerlegt die Hypothese der Evolution. Der englische Biologe Ro-
bin Wootton schrieb in einem Artikel unter dem Titel "Das mechanische Design der Flügel der Fliege":
"Je mehr wir die Funktionsweise der Insektenflügel verstehen, umso mehr entfaltet sich die Finesse und Schön-
heit ihres Designs. Strukturen sind üblicherweise derart geplant, dass sie sich so wenig wie möglich verformen;
Mechanismen sind so eingerichtet, dass sie ihre Bestandteile in geplanter Weise bewegen. Insektenflügel verei-
nigen beides in einem, indem sie Komponenten mit einem weiten Spektrum an elastischen Eigenschaften ver-
wenden, die elegant zusammengefügt sind, um angemessene Verformungen in Erwiderung zu entsprechenden
Kräften zu gestatten, und die bestmögliche Ausnützung der Luft zu gewährleisten. Sie haben – falls überhaupt –
bisher nur wenige technologische Parallelen."1
Andererseits gibt es kein einziges Fossil, das einen Beweis für die imaginäre Evolution der Fliegen lieferte. Das
ist es, wovon der hervorragende französische Zoologe Pierre Grassé sprach, als er äußerte:
"Wir tappen im Dunkeln bezüglich des Ursprungs der Insekten."2

1- Robin J. Wootton, "The Mechanical Design of Insect Wings",


Scientific American, Band 263, November 1990, S.120.
2- Pierre-P Grassé, Evolution of Living Organisms, New York,
Academic Press, 1977, S. 30.

Ein beispielhaftes Szenarium der Evolutionisten: Saurier,


die plötzlich Flügel bekamen, weil sie versuchten, Fliegen
zu fangen!
Der Ursprung der Säugetiere
Wie bereits zuvor dargelegt, schlägt die Evolutionstheorie vor, dass irgendwelche Phantasiegeschöpfe aus dem Meer
kamen, sich in Reptilien verwandelten, und dass die Vögel sich evolutiv aus Reptilien gestalteten. Diesem gleichen Szenario
entsprechend sind die Reptilien nicht nur die Vorfahren der Vögel, sondern auch der Säugetiere. Es bestehen jedoch enorme
strukturelle Lücken zwischen Säugetieren und Reptilien, welche Schuppen auf der Körperoberfläche haben, Kaltblüter sind,
sich durch Eierlegen vermehren, während die Säugetiere auf der anderen Seite von einem Fell eingehüllt sind, warmes Blut
haben und lebende Junge zur Welt bringen.
Ein Beispiel der strukturellen Barriere zwischen den Reptilien und den Säugetieren sind ihre Kieferstrukturen. Die
Mandibula (Unterkiefer) der Säugetiere besteht aus einem einzigen Mandibular-Knochen, und die Zähne sind in denselben
eingesetzt. In Reptilien sind es drei kleine Knochen, die die Mandibula flanken. Ein anderer grundlegender Unterschied ist,
dass alle Säugetiere drei Knochen im Mittelohr haben (Hammer, Amboss und Steigbügel), wogegen sich bei allen Reptilien
nur ein einziger Knochen im Mittelohr befindet. Die Evolutionisten behaupten, dass sich Kiefer und Mittelohr der Reptilien
allmählich evolutiv in Säugerkiefer und –mittelohr verwandelten, doch die Frage, wie dies geschehen sein soll, bleibt unbe-
antwortet. Speziell die Frage, wie ein Ohr mit einem einzelnen Knochen sich in ein solches mit drei Knochen entwickelt ha-
ben soll, während der Hörprozess dabei ununterbrochen weiter funktionierte, kann niemals erklärt werden. Es ist durchaus
nicht verwunderlich, dass kein einziges Fossil zu finden ist, das Reptilien mit Säugetieren verbinden würde. Daher war der
evolutionistische Paläontologe Roger Lewin gezwungen, einzugestehen: “Der Übergang zum ersten Säugetier, der sich in
wahrscheinlich nur einem, höchstens zwei Gattungsstämmen zutrug, ist nach wie vor ein Mysterium.”59
George Gaylord Simpson, der Mitbegründer der neo-darwinistischen Theorie ist, gab diesen für die Evolutionisten
ziemlich erstaunlichen Kommentar:
Das rätselhafteste Ereignis in der Geschichte des Lebens auf der Erde ist der Wechsel von der mesozoischen Ära, dem Zeit-
alter der Reptilien, in das Zeitalter der Säugetiere. Es erscheint als wäre plötzlich der Vorhang gefallen auf der Bühne, wo
die Hauptrollen in großer Anzahl und verwirrende Auswahl von den Reptilien, insbesondere den Dinosauriern besetzt waren,
und dann unmittelbar wieder gehoben worden wäre, um das gleiche Bühnenbild zu enthüllen, jedoch mit einer total neuen Be-
setzung; einer Besetzung in der die Dinosaurier überhaupt nicht mehr vertreten waren, die übrigen Reptilien Statisten waren,
und alle Hauptrollen von Säugetieren besetzt waren, auf die in den vorhergehenden Akten kaum ein Hinweis enthalten
war.60
Außerdem unterschieden sich die Säugetiere, als sie plötzlich auftraten, stark voneinander. Solch unterschiedliche Tiere
wie Fledermäuse, Pferde, Mäuse und Wale gehören alle zu den Säugetieren, und sie machten ihren Auftritt alle in der sel-
ben erdgeschichtlichen Periode. Selbst innerhalb der weitesten Phantasiegrenzen ist es unmöglich eine evolutionäre Bezie-
hung zwischen ihnen zu errichten. Der evolutionistische Zoologe R. Eric Lombard weist auf diesen Punkt in einem Artikel
hin, der in der Zeitschrift Evolution veröffentlicht wurde:
Diejenigen, die spezifische Information suchen, die dienlich sein könnte in der Errichtung von Stammgeschichten inner-
halb der Taxa von Säugetieren, werden enttäuscht werden.61
All dies zeigt deutlich, dass die Lebewesen auf der Erde plötzlich und vollständig gestaltet, ohne irgendeinen evoluti-
ven Prozess in Erscheinung traten; es ist ein unumstößlicher Beweis, dass sie erschaffen wurden. Die Evolutionisten jedoch
versuchen die Tatsache, dass die lebenden Spezien in einer bestimmten Ordnung ins Dasein kamen als einen Hinweis auf ei-
ne Evolution auszulegen. Die Anordnung jedoch, in der die Spezien in Erscheinung traten, ist die “Schöpfungsordnung”,
da es nicht möglich ist von einem evolutiven Prozess zu reden. In einer vortrefflichen und fehlerlosen Schöpfung wurden
zuerst die Meere und dann das Festland mit Lebewesen bevölkert, und abschließend wurde dann der Mensch erschaffen.
Im Gegensatz zu der “Affen-Menschen” Geschichte, die den Massen mit intensiver Medienunterstützung eingetrichtert
wird, kam auch der Mensch unmittelbar und vollständig entwickelt ins Dasein.

Fledermäuse
Die Evolutionisten geben vor, dass sich alle Säugetierspezien evolutiv von einem gemeinsamen Vor-
fahren entwickelten. Es bestehen jedoch enorme Unterschiede zwischen verschiedenen Gattungen
der Säugetiere, wie etwa zwischen Bären, Walen, Mäusen und Fledermäusen. Jedes dieser Lebewe-
sen verfügt über Systeme von spezifischem Design. Die Fledermäuse, z.B. wurden mit einem sehr
sensitiven Ultraschallsystem geschaffen, das ihnen in der Dunkelheit ermöglicht, ihren Weg zu finden.
Diese komplexen Systeme, welche die moderne Technologie bestenfalls imitieren kann, konnten un-
möglich als Ergebnis von zufälligem Zusammentreffen von Umständen entstanden sein. Zudem de-
monstriert auch der Fossilnachweis, dass Fledermäuse in ihrer vollständigen gegenwärtigen Das 50 Millionen Jahre alte Fleder-
mausfossil unterscheidet sich nicht von
Gestalt plötzlich auftraten, und keinem "evolutiven Prozess" unterzogen waren. einem zeitgenössischen Gegenstück.
(Science, Bd. 154.)

186 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Der Mythos von der Evolution des Pferdes

is vor kurzer Zeit wurde eine imaginäre Entwick- Nordamerika und Europa lebten, lediglich im Einklang mit

B lungsfolge aufgezeigt, die die angebliche Evolution


des Pferdes als den hauptsächlichen Fossilbeweis
für die Evolutionstheorie vorstellte. Heutzutage geben vie-
dem Phantasiereichtum der Evolutionisten erstellt wurden.
Die Evolutionisten konnten sich nicht generell über die Fra-
ge dieser Stammbäume einigen, die sich übrigens total
le Evolutionisten offen zu, dass das Szenario der Evolution voneinander unterscheiden. Der einzige Punkt der Über-
des Pferdes hinfällig geworden ist. Der Evolutionist Boyce einstimmung in diesen Aufstellungen ist die Annahme,
Rensberger hielt einen Vortrag während eines 4-tägigen dass ein Geschöpf von der Größe eines Hundes, das "Eo-
Seminars über die Probleme der gradualistischen Evoluti- hippus" benannt wurde, und das im Eozän vor etwa 55 Mil-
onstheorie, das 1980 im Museum der Naturgeschichte in lionen Jahren gelebt hatte, der Vorfahre des Pferdes
Chicago abgehalten wurde, und an dem 150 Evolutionisten (Equus) ist. Die evolutionären Linien vom Eohippus zum
teilnahmen. In seinen Ausführungen erklärte er, dass die Equus sind jedoch völlig unzusammenhängend.
Evolution des Pferdes keine Grundlage im Fossilnachweis Gordon R. Taylor, ein Autor, der sich mit der evolutionisti-
habe, und dass kein evolutionärer Prozess beobachtet schen Wissenschaft befasst, erklärt diese wenig beachtete
werden könne, der für eine stufenweise Evolution der Pfer- Tatsache in seinem Buch The Great Evolution Mystery (Das
de spräche: große Evolutionsmysterium):
Das beliebte und vielzitierte Beispiel der Evolution des Doch die vielleicht schwerwiegendste Schwäche des
Pferdes, das eine stufenweise Folge von Veränderungen Darwinismus ist die Unfähigkeit der Paläontologen, über-
eines 4-zehigen Geschöpfs, das die Größe eines Fuchses zeugende Phylogenien oder Folgen von Organismen zu fin-
hatte, und vor fast 50 Millionen Jahren lebte, bis hin zum den, durch welche die bedeutendsten evolutionären
viel größeren einzehigen Pferd unserer Tage, vorschlägt, Veränderungen demonstriert werden könnten... Als das
ist seit langem als unzutreffend bekannt. Anstatt einer stu- einzige voll ausgearbeitete Beispiel wird oft das Pferd auf-
fenweisen Änderung weisen die Fossilien nach, dass jede geführt. Doch die Linie vom Eohippus zum Equus ist in der
der dazwischenliegenden Spezien vollkommen ausge- Tat sehr unzusammenhängend. Sie gibt vor eine stufen-
prägt, unverändert fortbestand bis sie dann schließlich weise Wachstumszunahme aufzuweisen, doch in Wirklich-
ausstarb. Übergangsformen sind nicht bekannt.1 keit waren einige der Arten kleiner als Eohippus anstatt
Dr. Niles Eldredge sagte folgendes über die Darstellungen größer. Exemplare von verschiedenen Quellen können in
der "Evolution des Pferdes": überzeugender Weise so zusammengebracht werden,
Es gibt eine Unmenge von Geschichten – einige phantas- dass sie den Anschein einer Folgerichtigkeit erwecken,
tischer als andere – darüber, was sich wirklich in dieser doch es liegt kein Beweis vor, dass sie im Ablauf der Ge-
Geschichte (des Lebens) zugetragen hat. Das berühmteste schichtszeit dieser Anordnung tatsächlich folgten.3
Beispiel, das unten im Erdgeschoß immer noch ausgestellt All diese Tatsachen legen ein deutliches Zeugnis davon
ist, ist die Präsentation der Evolution des Pferdes, die vor ab, dass die Tabellen der Pferdeevolution, die als der ein-
vielleicht 50 Jahren angefertigt wurde. Ich halte das für schlägigste Beweis für den Darwinismus ausgegeben wer-
sehr bedauernswürdig, speziell, wenn die Leute, die diese den, nichts weiter als phantastische, unfundierte Fabeln
Art Geschichten vorbringen, sich wohl bewußt des speku- sind.
lativen Charakters einiger dieser Dinge sind.2
Was ist nun die Grundlage für das Szenario der "Evolution
des Pferdes"? Dieses Szenario wurde mit Hilfe von irrefüh-
renden Tabellen formuliert, die durch sequentielle Einglie-
derung von Fossilien unterschiedlicher Spezien, die in weit
voneinander entfernten Zeiträumen in Indien, Südafrika, 1-Boyce Rensberger, Houston Chronicle, 5. November 1980, S. 15.
2-Niles Eldredge, zitiert Darwin's Enigma durch Luther D. Sunderland, San-
tee, CA, Master-Books, 1988, S. 78.
3-Gordon Rattray Taylor, The Great Evolution Mystery, Abacus, Sphere
Books, London, 1984, S. 230.

Diese Pferdetafel, ausgestellt in einem Museum, besteht


aus verschiedenen Tieren, die zu verschiedenen Zeiten in
verschiedenen geographischen Gebieten lebten. Hier
sind sie willkürlich hintereinander angeordnet worden,
um eine lineare Reihenfolge gemäß einer voreingenom-
menen Sichtweise zu suggerieren. Dieses Szenarium der
Pferdeevolution hat keinerlei Rückhalt im Fossilienbe-
stand.

Adnan Oktar 187


KAPITEL 7

VOREINGENOMMENE UND IRREFÜHRENDE


FOSSILIENINTERPRETATIONEN DER EVOLUTIONISTEN

evor wir uns den Einzelheiten des Mythos der menschlichen Evolution zuwenden, scheint es angebracht, die

B Propagandamethoden zu erwähnen, durch welche der Öffentlichkeit die Idee, dass es in der Vergangenheit
Halb-Mensch-Halb-Affen-Geschöpfe gab, bis zur Überzeugung hin eingeflößt werden. Diese Propagandame-
thode benützt “Rekonstruktionen”, die in Bezugnahme auf Fossilien hergestellt werden. Eine Rekonstruktion ist eine
bildliche Darstellung oder Herstellung eines räumlichen Modells eines Lebewesens, auf der Grundlage eines einzigen,
bei Ausgrabungen gefundenen Knochens – manchmal nur eines Knochenfragments. All die Affen-Menschen, die wir in
Zeitungen, Zeitschriften und Filmen sehen können, sind nachgebildete Rekonstruktionen.
Da Fossilien gewöhnlich ungeordnet und unvollständig sind, können jegliche Vorstellungen, die sich auf sie stüt-
zen, nur völlig spekulativ sein. In der Tat ist die Spekulation der, von den Evolutionisten auf der Grundlage von Fossi-
lien angefertigten Rekonstruktionen (bildliche Darstellungen und Modelle) genau dahin gerichtet, die evolutionäre
Hypothese zu bestätigen. David R. Pilbeam, ein Anthropologe an der Harvard Universität, betont diese Tatsache: “Zu-
mindest auf dem Gebiet der Paläoanthropologie sind die verfügbaren Daten noch so gering, dass Interpretationen stark
von der Theorie beeinflußt werden. In der Vergangenheit waren es
offensichtlich Theorien, die unsere gegenwärtigen Ideologi-
en widerspiegelten, anstatt tatsächlicher Daten.”62 Da die
Leute von visueller Information am stärksten beeinflußt wer-
den, dienen diese Rekonstruktionen auf vortreffliche
Weise dem Zweck der
Evolutionisten, nämlich
die Leute davon zu über-
zeugen, dass diese rekon-
struierten Geschöpfe

S C H tatsächlich in der Vergan-


genheit existierten.

FA L An dieser Stelle ums


besonderes Merkmal da-
rauf gelegt werden, dass
Rekonstruktionen die sich
auf Knochenüberreste
stützen, nur ganz generelle
Charaktereigenschaften
des Objekts enthüllen kön-
nen, da die tatsächlichen
entscheidenden Einzelhei-
ten in den Weichgeweben
liegen, die rasch der Zeit
zum Opfer fallen. Dadurch
werden die rekonstruierten

188 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Drei auf demselben Schädel basierende


Rekonstruktionen

Evolutionisten erfinden derart unglaubliche Geschichten, dass sie demselben Schädel verschiedene
Gesichter zuschreiben. Die drei verschiedenen Rekonstruktionszeichnungen, die von dem Fossil na-
mens Australopithecus robustus (Zinjanthropus) angefertigt worden waren, sind ein berühmtes Bei-
spiel solcher Fälschungen. Von oben nach unten: Maurice Wilsons Illustration; eine Illustration in der
Sunday Times vom 5. April 1964; N. Parkers Illustration im National Geographic vom September 1960.

Zeichnungen und Modelle mit der spekulativen Interpretation der Weichgewebe total
von der Phantasie der Person abhängig, die sie anfertigt. Earnst A. Hooten von der Har-
vard Universität erklärt die Situation folgendermaßen:
... Der Versuch die Weichteile nachzubilden ist ein noch gefährlicheres Unternehmen. Die Lippen, Augen, Ohren
und Nasenspitze hinterlassen keinerlei Hinweise auf ihre Gestaltung auf den darunterliegenden Knochenstruktu-
ren. An einem neandertaloiden Schädel kann man mit gleichen Mitteln die Konturen eines Schimpansen oder die Ge-
sichtszüge eines Philosophen modellieren. Diese vorgeblichen Nachbildungen altertümlicher Menschentypen haben
geringen, falls überhaupt irgendwelchen wissenschaftlichen Wert, und neigen lediglich dazu, die Öffentlichkeit irrezu-
führen... Verlassen sie sich also nicht auf Rekonstruktionen.63
Tatsächlich erfinden die Evolutionisten derart “unglaubliche Geschichten”, dass sie demselben Schädel verschie-
dene Gesichter zuschreiben. Die drei verschiedenen Rekonstruktionszeichnungen, die von dem Fossil namens Aust-
ralopithecus robustus (Zinjanthropus) angefertigt worden waren, sind ein berühmtes Beispiel solcher Fälschungen.
Die vorurteilsvolle Interpretation von Fossilien oder die Anfertigung vieler imaginärer Rekonstruktionen mag
als Hinweis dafür dienen, wie oft die Evolutionisten Zuflucht zu Tricks nehmen. Diese jedoch erscheinen geringfü-
gig, wenn man sie mit den mutwilligen Fälschungen vergleicht, die in der Geschichte des Evolutionismus begangen
wurden.

Zwei Zeichnungen des Java Menschen, völlig verschieden vonei-


nander, liefern ein gutes Beispiel dafür, wie phantasievoll Fossilien
von den Evolutionisten interpretiert werden.

Links: Maurice Wilsons Zeichnung (From Ape to Adam: The Search


for the Ancestry of Man, Herbert Wendth)
Rechts: Steven Stanleys Zeichnung (Human Origins)

Adnan Oktar 189


KAPITEL 8

FÄLSCHUNGEN DER EVOLUTIONISTEN

s gibt keinen konkreten Fossilnachweis, der das “Affen-Menschen”-Bild belegen würde, das unablässig durch

E die Medien und seitens evolutionistischer Kreise indoktriniert wird. Mit Stiften und Pinseln in der Hand er-
schaffen die Evolutionisten Phantasiegeschöpfe, doch die Tatsache, dass es zu diesen Bildern keine passenden
Fossilien gibt stellt sie vor ein beträchtliches Problem. Eine der interessanten Methoden, die sie anwenden um dieses
Problem zu lösen, ist die Fossilien, die sie nicht finden können “herzustellen”. Der Piltdown Mensch, das größte
Skandal in der Geschichte der Wissenschaft, ist ein typisches Beispiel für diese Methode.

Der Piltdown Mensch: Ein Orang-Utan Kiefer und ein menschlicher Schädel!
Charles Dawson, ein bekannter Arzt und gleichzeitig Amateur-Paläoanthropologe trat 1912 mit der Behauptung
auf, er hätte einen Kieferknochen und ein Kranialfragment in einer Grube in Piltdown in England gefunden. Obwohl
der Kieferknochen mehr dem eines Affen ähnlich war, waren die Zähne und der Schädel wie die eines Menschen. Die-
ses Exemplar wurde als der “Piltdown Mensch” ausgezeichnet. Angeblich 500 Tausend Jahre alt, wurden diese Ge-
beinsstücke als absoluter Beweis der menschlichen Evolution in mehreren Museen zur Schau gestellt. Über einen
Zeitraum von mehr als 40 Jahren wurden zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen über den “Piltdown Menschen”
geschrieben, viele Interpretationen und Zeichnungen wurden gemacht, und das Fossil wurde als ein wichtiger Nach-
weis der menschlichen Evolution präsentiert. Nicht weniger als 500 Doktorarbeiten wurden über dieses Thema ge-
schrieben.64 Der bekannte amerikanische Paläoanthropologe Henry Fairfield Osborn sagte: “… wir müssen immer und
immer wieder daran erinnert werden, dass die Natur voll von Widersprüchen ist, und dies ist eine erstaunlichere Ent-
deckung über den frühen Menschen...”, als er 1935 das British Museum besuchte.65
Im Jahr 1949 unternahm Kenneth Oakley von der Paläontologie-Abteilung des British Museum Probeversuche mit
dem “Fluortest”, einer neuentwickelten Testmethode, die in der Altersbestimmung urzeitlicher Fossilien verwandt
wird. Es wurde ein Probeversuch am Fossil des Piltdown Menschen gemacht. Das Ergebnis löste großes Erstaunen aus.
Im Lauf des Versuchs stellte sich heraus, dass der Kieferknochen keine Fluorspuren enthielt. Dies wies darauf hin, dass
er nur etliche Jahre lang begraben gelegen war. Der Schädel, der nur eine geringe Menge Fluor aufwies, zeigte, dass er
nur ein paar Jahrtausende alt war.
Die jüngsten chronologischen Studien die mit Hilfe der Fluortest-Methode durchgeführt wurden, enthüllten, dass
der Schädel nur einige wenige Hundert Jahre alt ist. Es wurde festgestellt, dass die Zähne in dem Kieferknochen, der ei-
nem Orang-Utan zugehörte, künstlich abgeschürft worden waren, und dass die “primitiven” Handwerkzeuge, die zu-
sammen mit dem Fossil entdeckt worden waren, mit Stahlwerkzeugen bearbeitet worden waren.66 Diese Fälschung
wurde 1953 in einer detaillierten, von Joseph Weiner ausgearbeiteten Analyse der Öffentlichkeit unterbreitet. Der Schä-
del gehörte einem 500 Jahre alten Menschen an, und der Mandibularknochen einem kürzlich gestorbenen Affen!
Die Zähne waren nachträglich, speziell angeordnet in das Kiefer eingesetzt, und die Ansätze abgefeilt worden, um de-
nen eines Menschen zu gleichen. Dann waren alle Teile mit Natriumdichromat gefärbt worden um ihnen ein gealtertes
Aussehen zu verleihen. Bei Behandlung mit Säure verschwand diese Färbung. Sir Wilfred Le Gros Clark, der ein Mit-
glied des die Fälschung aufdeckenden Teams war, konnte sein Erstaunen über diese Situation nicht verbergen und äu-
ßerte: “Die Spuren künstlicher Abschürfung fielen sofort ins Auge. In der Tat waren sie so offensichtlich, dass man
fragen muss: Wie war es möglich, dass sie so lange der Entdeckung entgangen waren?”67 In der Folge alles dessen wur-
de der “Piltdown Mensch” in aller Eile vom British Museum entfernt, wo er über 40 Jahre lang zur Schau gestellt worden
war.

190 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Geschichte einer Täuschung

Die Fossilien werden von

1 Charles Dawson ausgegra-


ben und Sir Arthur Smith
Woodward übergeben.

Teile eines
menschlichen
Schädels

Die Teile werden zusammen-

2 gefügt, um den berühmten


Schädel zu rekonstruieren.

Kiefer eines
Orang-Utans

Auf der Grundlage des rekon-


struierten Schädels werden meh-

3 rere Zeichnungen und Skulpturen


angefertigt; zahlreiche Artikel
und Kommentare werden ge-
schrieben, und das Schädelorigi-
nal wird im Britischen Museum
ausgestellt.

40 Jahre nach seiner Entde-

4 ckung wird das Piltdown-


Fossil von einem Forschungs-
team als Fälschung entlarvt.

Adnan Oktar 191


Der Nebraska Mensch: Ein Schweinezahn
Im Jahr 1922 erklärte Henry Fairfield Osborn, der Leiter des American
Museum of Natural History, dass er ein Backenzahn-Fossil in West Neb-
raska in der Nähe von Snake Brook gefunden habe, das dem Pliozän
zugehörte. Dieser Zahn zeigte angeblich gemeinsame Charaktereigen-
schaften von beiden, menschlichen Zähnen und solchen von Affen.
Tiefgehende wissenschaftliche Debatten entbrannten, in welchen einige
diesen Zahn als dem Pithecanthropus erectus zugehörig interpretierten,
während andere behaupteten, er läge dem menschlichen Typen näher. Die-
ses Fossil, das eine weitgehende Diskussion auslöste, wurde der “Nebraska
Mensch” benannt. Es wurde ihm auch sogleich ein “wissenschaftlicher Name”
Das Bild oben wurde ausschließlich auf der
verpasst: Hesperopithecus haroldcooki.
Grundlage eines einzigen Zahns gezeichnet
Viele Autoritäten auf dem Gebiet unterstützten Osborn. Auf der Grundla- und wurde in der Zeitschrift Illustrated London
ge dieses einzigen Zahns wurden Rekonstruktionen des Kopfs und Körpers News am 24. Juli 1922 veröffentlicht. Die Evo-
lutionisten waren jedoch äußerst enttäuscht,
des Nebraska Menschen aufgezeichnet. Darüber hinaus wurde der Nebraska als sich später herausstellte, dass jener Zahn
Mensch selbst mit Frau und Kindern in einer Naturszene dargestellt. weder einem affenähnlichen Geschöpf, noch
einem Menschen angehört hatte, sondern eher
All diese Szenarios wurden von einem einzigen Zahn entwickelt. Evolutio- einer ausgestorbenen Schweinespezies.
nistische Kreise gaben diesem “Phantasiemenschen” soviel Glaubwürdigkeit,
dass, als ein Forscher namens William Bryan diese mit Vorurteilen behafteten
Entscheidungen, die sich lediglich auf einen einzigen Zahn stützten in Frage stellte, sich bitterer Rüge ausgesetzt sah.
Im Jahr 1927 wurden noch andere Teile des Skeletts entdeckt. Entsprechend dieser neuerlich gefundenen Stücke ge-
hörte der Zahn weder einem Menschen, noch einem Affen an. Es stellte sich heraus, dass er von Prosthennops, der ausge-
storbenen Spezies eines amerikanischen Wildschweins stammte. William Gregory gab diesen Fauxpas in einem Artikel
unter der Überschrift “Hesperopithecus: Anscheinend weder Affe noch Mensch” bekannt, der in der Zeitschrift Science
veröffentlicht wurde.68 Daraufhin wurden alle Abbildungen des Hesperopithecus haroldcooki und “seiner Familie” ei-
ligst von der evolutionistischen Literatur entfernt.

Ota Benga: Der Afrikaner im Käfig


Nachdem Darwin mit seinem Buch The Descent of Man (Die Abstammung des Men-
schen) die Behauptung hervorbrachte, dass sich der Mensch von affenartigen Wesen evolu-
tiv entwickelt habe, begann er nach Fossilien zu suchen, um seine Behauptung zu
untermauern. Einige Evolutionisten jedoch glaubten, dass “Halb-Mensch-Halb-Affen”-Ge-
schöpfe nicht nur im Fossilnachweis, sondern auch lebend in verschiedenen Teilen der Welt
zu finden seien. Diese Jagden nach “lebenden Übergangsgliedern” führten in den frühen
Jahren des 20. Jh. zu unglücklichen Zwischenfällen, von denen einer der grausamsten die
Geschichte eines Pygmäen namens Ota Benga ist.
Ota Benga wurde im Jahr 1904 von einem evolutionistischen Forscher im Kongo gefangen.
In seiner eigenen Sprache bedeutete sein Name “Freund”. Er hatte eine Frau und zwei Kinder.
OTA BENGA:
Er wurde angekettet in einem Käfig wie ein Tier in die USA verfrachtet, wo ihn evolutionisti- “Der Pygmäe im Zoo.”
sche Wissenschaftler auf der Weltausstellung in St. Louis der Öffentlichkeit zusammen mit ande-
ren Affenspezien als “das nächste Übergangsglied zum Menschen” vorführten. Zwei Jahre später wurde er in den Bronx
Zoo von New York verlegt, wo sie ihn zusammen mit einigen Schimpansen, einem Gorilla namens Dinah, und einem
Orang-Utan namens Dohung unter dem Namensschild “Urzeitliche Vorfahren des Menschen” ausstellten. Dr. William T.
Hornaday, der evolutionistische Direktor des Zoos hielt große Reden darüber wie stolz er darauf sei, diese außergewöhn-
liche Übergangsform in seinem Zoo zu haben, und behandelte Ota Benga als wäre er ein gewöhnliches Tier gewesen. Ota
Benga ertrug die Behandlung, die ihm zuteil wurde nicht mehr länger und nahm sich letzten Endes selbst das Leben.69
Der Piltdown Mensch, der Nebraska Mensch, Ota Benga... diese Skandale zeigen, dass die evolutionistischen Wis-
senschaftler nicht davor zurückschrecken, jegliche Art von unwissenschaftlichen Methoden einzusetzen, um ihre Theo-
rie zu belegen. Wenn wir uns dieses Punkts bewusst anderes sogenanntes Beweismaterial für den Mythos der
“menschlichen Evolution” betrachten, stehen wir ähnlichen Situationen gegenüber. Wir haben es hier mit einer fiktiven
Geschichte und einer Armee von freiwilligen Helfern zu tun, die alles daran setzen würden die Wahrheit dieser Ge-
schichte zu belegen.

192 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

KAPITEL 9

DAS SZENARIO DER MENSCHLICHEN EVOLUTION

us den vorausgehenden Kapiteln ging hervor, dass es keinen Mechanismus in der Natur gibt, der Lebewe-

A sen veranlassen würde, sich evolutiv fortzuentwickeln, und dass alle lebenden Spezien nicht aufgrund ei-
nes evolutiven Vorgangs, sondern unmittelbar in ihrer gegenwärtigen vollkommenen Struktur ins Dasein
traten, d.h. sie wurden individuell erschaffen. Es ist daher offensichtlich, dass auch “menschliche Evolution” eine
Fiktion ist, die sich niemals zugetragen hat.
Was ist also die Grundlage auf der die Evolutionisten ihre Geschichte vortragen?
Die Grundlage sind eine große Anzahl von Ausgrabungsfunden, die den Evolutionisten es ermöglichen, imagi-
näre Interpretationen darauf aufzubauen. Im Lauf der Weltgeschichte lebten etwa 6000 Affenspezien wovon die
meisten, d.h. bis auf nur noch etwa 120 heutzutage existierende, ausgestorben sind. Diese, zum größten Teil ausge-
storbenen 6000 Affenspezien bilden eine reiche Fundgrube für die Evolutionisten.
Die Evolutionisten schrieben ihr Drehbuch der menschlichen Evolution, indem sie einige der Schädel, die ihrem
Zweck dienten, in einer ansteigenden Größenanordnung vom kleinsten zum größten aufreihten, mit einigen Schä-
deln von vergangenen Menschenrassen darunter verstreut. Entsprechend dieses Szenarios haben die Menschen und
Affen gemeinsame Vorfahren. Diese Geschöpfe entwickelten sich evolutiv im Lauf der Zeit weiter, und einige von ih-
nen wurden zu den Affen unserer Zeit, wobei eine andere Gruppe, die einer anderen Evolutionsbranche folgte zum
neuzeitlichen Menschen wurde.
Alle paläontologischen, anatomischen und biologischen Befunde jedoch haben gezeigt, dass diese Behauptung
einer Evolution ebenso fiktiv und unhaltbar ist, wie all die anderen. Kein einwandfreier oder echter Beweis wurde
vorgelegt, der gezeigt hätte, dass eine Verwandtschaft zwischen dem Menschen und dem Affen bestünde, nur Fäl-
schungen, Verdrehungen, irreführende bildliche Darstellungen und Kommentare.
Der Fossilnachweis deutet daraufhin, dass soweit die Geschichte zurückreicht, der Mensch immer Mensch war
und der Affe immer Affe. Einige der Fossilien von welchen die Evolutionisten behaupten, sie seien von Vorfahren
des Menschen, gehören zu Menschenrassen, die bis vor relativ kurzer Zeit – etwa vor 10000 Jahren – lebten und dann
verschwanden. Darüber hinaus haben viele der gegenwärtig lebenden menschlichen Gesellschaften die gleiche kör-
perliche Gestalt und die gleichen Charaktermerkmale wie jene ausgestorbenen Menschenrassen, von denen die Evo-
lutionisten behaupten, sie seien die Vorgänger des Menschen gewesen. All dies ist ein klarer Beweis, dass der Mensch
niemals während irgendeiner Geschichtsepoche einem evolutiven Prozess ausgesetzt war.
Das Wichtigste von allem ist, dass eine Vielfalt von Unterschieden in der menschlichen Anatomie und der des
Affen bestehen, keiner von welchen derart ist, dass er durch einen evolutiven Vorgang zustande kommen hätte kön-
nen. “Zweibeinigkeit” ist einer davon. Wie später im Einzelnen beschrieben werden wird, ist Bipedalismus eine Ei-
genart des Menschen, und eine der wichtigsten Charaktermerkmale, die den Menschen von anderen Säugetieren
unterscheidet.

Der imaginäre Stammbaum des Menschen


Die darwinistischen Postulate sagen aus, dass der heutige Mensch sich evolutiv aus einer Art affenähnlichem Ge-
schöpf entwickelt hat. Im Lauf dieses angeblichen evolutiven Prozesses, dessen angenommener Beginn etwa 4 – 5
Millionen Jahre zurückliegt, soll es einige “Übergangsformen” zwischen dem neuzeitlichen Menschen und seinen
Vorfahren gegeben haben. Entsprechend dieses total imaginären Szenarios werden vier grundsätzliche “Kategorien”
aufgeführt:

Adnan Oktar 193


1. Australopithecinen (Jede Form der Gattung Australopithecus)
2. Homo habilis
3. Homo erectus
4. Homo sapiens
Die Evolutionisten nennen den sogenannten ersten gemeinsamen Vorfahren des Menschen und Affen “Australopi-
thecus”, was soviel wie “südafrikanischer Affe” bedeutet. Australopithecus, welches nichts anderes als eine vorzeitliche,
nun ausgestorbene Affengattung war, hatte verschiedene Arten. Einige davon waren stark gebaut, andere hatten einen
kleinen und schlanken Körperbau.
Die nächste Stufe der menschlichen Evolution wird von den Evolutionisten als “homo”, d.h. “Mensch” klassifiziert.
Entsprechend der evolutionistischen Behauptung sind die Lebewesen der Homo-Serie höher entwickelt, als Australopi-
thecus, und nicht sehr unterschiedlich vom heutigen Menschen. Der neuzeitliche Mensch, d.h. Homo sapiens hat sich an-
geblich im letzten Stadium der Evolution dieser Spezies herausgebildet.
Fossilien wie der “Java Mensch”, der “Peking Mensch” und “Lucy”, die hin und wieder in den Medien erwähnt
werden, und in Publikationen und Lehrbüchern der Evolutionisten zu finden sind, gehören der einen oder anderen der
vier oben aufgeführten Spezien an. Diese Spezien sollen sich angeblich auch weiter in Unterarten verzweigen.
Einige der Übergangsform-Kandidaten der Vergangenheit, wie etwa Ramapithecus, mussten vom Stammbaum der
imaginären menschlichen Evolution gestrichen werden, nachdem es sich herausstellte, dass sie gewöhnliche Affen wa-
ren.70
Indem die Evolutionisten die Evolutionskette in dieser Weise als “Australopithecine > Homo habilis > Homo erectus >
Homo sapiens” auslegen, besagen sie damit, dass jede dieser Spezien der Vorläufer der darauf folgenden war. Die neues-
ten Entdeckungen einiger Paläoanthropologen haben jedoch enthüllt, dass Australopithecine, Homo habilis und Homo
erectus in verschiedenen Teilen der Welt zur gleichen Zeit existierten. Überdies hat ein bestimmter Teil der als Homo erec-
tus eingegliederten Menschen bis in sehr neuzeitliche Epochen gelebt. Die Zeitschrift Science berichtete in einem Artikel
unter der Überschrift “Letzter Homo erectus von Java: Möglicher Zeitgenosse des Homo sapiens in Südostasien”, dass Ho-
mo erectus Fossilien, die auf Java gefunden worden waren, ein Durchschnittsalter von 27 ± 2 bis 53.3 ± 4 Tausend Jahre
haben, und dass sich damit die Möglichkeit erhebe, dass sich H. erectus zeitmäßig mit anatomisch modernen Menschen
(H. sapiens) in Südostasien überlagert habe.71
Überdies lebten Homo sapiens neanderthalensis und Homo sapiens sapiens (der moderne Mensch) im selben geographi-
schen Gebiet nebeneinander. Diese Situation macht die Behauptung, dass einer des anderen Nachkommen war offen-
sichtlich zunichte.

Ein einziger Kieferknochen als Funke der Inspiration

Das erste entdeckte Ramapithecus-Fossil: Ein


fehlender, aus zwei Teilen (rechts) zusammenge-
setzter Kiefer. Die Evolutionisten maßten sich an,
den Ramapithecus mitsamt Familie in der Umge-
bung in der er lebte, darzustellen, wobei sie sich
lediglich auf diese Kieferknochen stützten. Als
man erkannte, dass diese Kreatur – deren jedes
Detail, von ihrer Familie bis zu ihrer Umwelt in der
sie lebte, auf der Basis eines Kieferknochens
dargestellt worden war – in Wahrheit ein ordinä-
rer Affe war, wurde Ramapithecus heimlich und
leise wieder aus dem imaginären Familienstamm-
baum entfernt. (David Pilbeam, "Humans Lose an
Early Ancestor," Science, April 1982, S. 6-7.)

194 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

In den beiden Illustratio-


nen links ist A. afarensis
zu sehen. Das Bild unten
zeigt A. boisei. Diese Hy-
pothesen sind völlig imagi-
när. Australopithecinen
sind in Wahrheit eine aus-
gestorbene Affenart.

S C H
FA L

In sich selbst haben alle Entdeckungen und wissenschaftliche Forschung enthüllt, dass der Fossilnachweis keinen
evolutiven Prozess andeutet, wie er von den Evolutionisten vorgegeben wird. Die Fossilien, die von den Evolutionis-
ten als die Vorläufer des Menschen ausgegeben werden, gehören tatsächlich entweder verschiedenen menschlichen
Rassen an, oder Affenspezien.
Nun erhebt sich die Frage, welche der Fossilien menschlichen Ursprungs sind, und welche von Affen stammen?
Und ferner: Ist es jemals möglich, irgendwelche davon als Übergangsformen betrachten zu können? Um die Antwor-
ten darauf zu finden, wollen wir uns jede der Kategorien etwas näher betrachten.

Australopithecus: Eine Affenspezies


Australopithecus, die erste Kategorie, heißt übersetzt “der südliche Affe”. Es wird angenommen, dass diese Ge-
schöpfe zuerst vor etwa 4 Millionen Jahren in Afrika auftauchten, und dass es sie bis vor einer Million Jahren gab. Von
den Australopithecinen gibt es einige Klassen. Die Evolutionisten vermuten, dass A. Afarensis die älteste Australopithe-
cus Spezies ist, gefolgt von A. Africanus, welche eine schmälere Knochenstruktur aufweist, und dann schließlich A. Ro-
bustus, die relativ größere Knochen hat. A. Boisei wird von einigen Forschern als eine weitere Spezies angesehen,
während andere sie als eine Unterspezies von A. Robustus betrachten.
Alle der Australopithecus Spezien sind ausgestorbene Affen, die den gegenwärtigen Affen sehr ähnlich sind.
Ihre Gehirnmasse war die gleiche oder geringer als die der heutigen Schimpansen. Sie hatten vorstehende Ansätze an
den Händen und Füßen die ihnen zum Erklettern der Bäume dienten, und ihre Füße besaßen Umklammerungsfähig-
keit um sich an Ästen festzuhalten, in der gleichen Weise wie die neuzeitlichen Schimpansen es können. Sie waren
kleinwüchsig (bis zu 130 cm), und wie bei den heutigen Schimpansen war der männliche Australopithecus größer als
der weibliche. Viele Charaktermerkmale, wie die Einzelheiten des Schädels, die nahe zusammenstehenden Augen,
scharfe Backenzähne, die Mandibular-Struktur, lange Arme und kurze Beine sind ein Beweis, dass diese Lebewesen
sich nicht von den heutigen Affen unterschieden.
Die Evolutionisten behaupten, dass die Australopithecine, obwohl sie die Anatomie von Affen hatten, ungleich
diesen aufrecht liefen, wie Menschen.
Diese Behauptung des “aufrechten Gangs” ist in der Tat eine Ansicht, die von Paläoanthropologen wie Richard
Leakey und Donald C. Johanson seit Jahrzehnten vertreten wurde. Eine große Anzahl von Wissenschaftlern jedoch
führten ausgiebige Forschungsstudien an den Skelettstrukturen der Australopithecine durch, und zeigten, dass dieses
Argument unhaltbar ist. Lord Solly Zuckerman und Prof. Charles Oxnard, zwei weltbekannte Anatomen aus Eng-
land und den USA führten weitreichende Forschungsarbeiten an verschiedenen Australopithecus Exemplaren durch,
welche zeigten, dass diese Geschöpfe nicht in aufrechter Haltung in der Art des Menschen einhergingen. Nach 15-jäh-
rigem Studium der Fossilknochen, welches von der britischen Regierung getragen wurde, kamen Lord Zuckerman
und sein Team von 5 Fachleuten zu dem Schluss, dass Australopithecus eine Affenart war, und definitiv nicht als bi-
pedal gelten konnte, trotz der Tatsache, dass Zuckerman selbst ein Evolutionist war.72 In Übereinstimmung damit
gliederte auch Charles E. Oxnard, ein anderer, für seine Forschung auf diesem Gebiet berühmter Evolutionist, die
Knochenstruktur des Australopithecus in die gleiche Kategorie, wie die des modernen Orang-Utan ein.73

Adnan Oktar 195


Australopithecus aferensis: Ein ausgestorbener Affe

AUSTRALOPITHECUS

Das oben abgebildete Fossil


AL 444-2 ist der Schädel ei-
nes Australopithecus af-
erensis, und unten ist der
Schädel eines heutigen Af-
fen abgebildet. Die offen-
sichtliche Ähnlichkeit
bestätigt, dass A. aferensis
eine gewöhnliche Affenspe-
zies ohne irgendwelche
menschliche Wesenszüge
war.

HEUTIGER

196 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Australopithecus aferensis: Ein ausgestorbener Affe

Das erste Fossil, das angeblich


der Australopithecus aferensis
Spezies zugehört – AL 288-1
oder "Lucy" – wurde in Hadar in
Äthiopien gefunden. Für lange
Zeit machten die Evolutionisten
große Anstrengungen zu bewei-
sen, dass Lucy des aufrechten
Gangs fähig war, doch die
jüngsten Forschungsergebnisse
haben mit Sicherheit bestätigt,
dass dieses Geschöpf ein ge-
wöhnlicher Affe mit gebeugtem
Gang war.

Das unten abgebildete Fossil AL


333-105 gehört einem jüngeren
Mitglied der Spezies Australopithe-
cus aferensis zu, weshalb die Stirn-
vorsprünge an seinem Schädel
noch nicht ausgebildet waren.

Adnan Oktar 197


Die Tatsache, dass Australopithecus nicht als Vorfahr des Menschen angesehen werden kann, wird auch von evolu-
tionistischen Quellen akzeptiert. Das bekannte französische Magazin Science et Vie brachte dieses Thema in seiner Aus-
gabe vom Mai 1999 als Titelgeschichte. Sie handelte von Lucy, dem bekanntesten Exemplar eines Australopithecus
afarensis Fossils und trug den Titel, "Adieu Lucy". Es ging um die Notwendigkeit, Australopithecus aus dem Stamm-
baum des Menschen zu entfernen. In dem Artikel heißt es unter Bezugnahme auf ein neu entdecktes Australopithecus
Fossil (Codenummer St W573):
Eine neue Theorie besagt, die Gattung Australopithecus sei nicht die Wurzel der menschlichen Rasse… Die Ergebnisse, ge-
wonnen von der einzigen Frau, die autorisiert worden war, ST W573 zu untersuchen, unterscheiden sich von den normalen
Theorien über die Vorfahren des Menschen: Sie legen die Axt an den Stammbaum des Menschen. Große Primaten, die als
die Vorfahren des Menschen angesehen worden waren, wurden aus der Gleichung herausgenommen… Australopithecus
und Homo Spezies erscheinen nicht auf demselben Zweig. Die direkten Vorfahren des Menschen warten immer noch da-
rauf, entdeckt zu werden.74

Homo habilis: Der Affe, der als Mensch vorgestellt worden war
Die große Ähnlichkeit der skelettalen und kranialen Strukturen des Australopithecus und des Schimpansen, und die
Widerlegung der Behauptung, dass der erstere aufrecht einherging, stellte die evolutionistischen Paläoanthropologen
vor ein großes Problem. Der Grund dafür war, dass entsprechend des imaginären Evolutionsschemas Homo erectus nach
den Australopithecinen aufgetreten wäre. Wie der Begriff “Homo”, der “Mensch” oder “menschlich” bedeutet, anzeigt,
ist Homo erectus eine menschliche Wesensklasse, die ein gerades Skelett besitzt. Sein kraniales Fassungsvermögen ist
doppelt so groß wie das des Australopithecus. Ein direkter Übergang vom Australopithecus, der ein schimpansenähnlicher
Affe war, zum Homo erectus, welcher ein Skelett hat, das sich von dem des modernen Menschen nicht unterscheidet, kam
selbst entsprechend der Evolutionstheorie nicht in Frage. Daher wurden “Verbindungsglieder”, d.h. “Übergangsfor-
men” notwendig. Das Konzept des Homo habilis entsprang dieser Notwendigkeit.
Die Klassifizierung Homo habilis wurde in den 60er Jahren von den Leakeys geprägt, die als gesamte Familie “Fossil-
jäger” waren. Laut den Leakeys hatte diese neue Spezies, die sie als Homo habilis klassifizierten eine relativ große Gehirn-
schale, die Fähigkeit aufrecht zu gehen und Stein- und Holzwerkzeuge zu verwenden und konnte deshalb der Vorfahre
des Menschen gewesen sein.
Neue Ausgrabungsfunde der selben Spezies zu Ende der 80er Jahre sollten diese Ansicht total ändern. Einige For-
scher, wie Bernard Wood und C. Loring Brace, die sich auf diese neuerlich entdeckten Fossilien stützten, erklärten, dass
Homo habilis, was soviel bedeutet wie “Mensch, der befähigt ist Werkzeuge zu benützen”, hätte als Australopithecus habi-
lis klassifiziert werden sollen – “südlicher Affe, befähigt Werkzeuge zu benützen” – denn Homo habilis hätte viele ge-
meinsame Charaktereigenschaften mit dem Affen namens Australopithecus. Er hatte lange Arme, kurze Beine und eine
affenartige Skelettstruktur, geradeso wie die Australopithecine. Seine Finger und Zehen waren geeignet zum Klettern.
Seine Mandibular-Struktur war der der heutigen Affen sehr ähnlich. Sein durchschnittlich 600 cm3 großes Kranial-Volu-
men war ebenfalls ein Hinweis darauf, dass er ein Affe war. Kurz gefasst, Homo habilis, der von einigen Evolutionisten
als eine unterschiedliche Spezies ausgegeben worden war, war in Wirklichkeit nur eine weitere Affenspezies wie all die
anderen Australopithecine.
Die in den folgenden Jahren durchgeführten Forschungsstudien zeigten, dass sich Homo habilis in der Tat nicht
von den anderen Australopithecinen unterschied. Das von Tim White entdeckte Schädel- und Skelettfossil OH62 zeigte,
dass die Spezies ein kleines kraniales Fassungsvermögen, lange Arme und kurze Beine besaß, welche es ihr ermög-
lichte, in Bäumen zu klettern, genauso wie zeitgenössische Affen.
Die im Jahr 1994 von der amerikanischen Anthropologin Holly Smith veröffentlichte detaillierte Analyse wies da-
raufhin, dass Homo habilis nicht “homo”, d.h. “Mensch”, sondern Affe war. Bezüglich der Analyse, die Smith an den
Zähnen von Australopithecus, Homo habilis, Homo erectus und Homo neanderthalensis durchführte, machte sie folgende
Aussage:
Wobei die Analyse von Fossilien auf Exemplare beschränkt war, die diese Kriterien befriedigten, bleiben die Verhal-
tensmuster der Zahnentwicklung von schlanken Australopithecinen und Homo habilis mit denen der afrikanischen Affen
klassifiziert. Die von Homo erectus und der Neandertaler fallen unter die menschliche Kategorie.75
Im gleichen Jahr kamen Fred Spoor, Bernard Wood und Frans Zonneveld, die alle Anatomie-Spezialisten sind, über
eine vollständig andere Methode zu einem ähnlichen Ergebnis. Ihre Methode gründete sich auf eine vergleichende Ana-
lyse der halbkreisförmigen Kanäle im inneren Ohr von Menschen und Affen, deren Funktion die Aufrechterhaltung des
Gleichgewichtssinns ist. Spoor, Wood und Zonneveld kamen zu dem folgenden Schluss:

198 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Homo habilis: Ein anderer ausgestorbener Affe

Die Evolutionisten vertraten für


lange Zeit das Argument, dass das
Geschöpf, das sie Homo habilis
benannt hatten, des aufrechten
Gangs fähig gewesen war. Sie
wähnten, sie hätten das Verbin-
dungsglied zwischen Affen und
Menschen gefunden. Die neuen
Fossilien des Homo habilis, die
Tim White 1986 ausgrub und als
OH 62 kennzeichnete, widerlegten
jedoch diese Annahme. Diese Fos-
silfragmente ergaben, dass Homo
habilis lange Arme und kurze Bei-
ne hatte, geradeso wie moderne
Affen. Diese Ausgrabung widerleg-
te die Behauptung, dass Homo ha-
bilis ein zweibeiniges,
aufrechtgehendes Lebewesen war.
In Wirklichkeit war es nichts ande-
res als eine weitere Affenspezies.

Das rechts abgebildete "OH 7 Homo habilis" war


dasjenige Fossil der Spezies, in dem die mandibu-
lären Merkmale am besten ausgeprägt waren. Das
Kieferfossil hat große Schneidezähne. Die Backen-
zähne sind klein. Die Form der Mandibula ist vier-
eckig. Alle diese Eigenschaften lassen der
Unterkiefer dem der modernen Affen sehr ähnlich
erscheinen. In anderen Worten, die Mandibula des
‘Homo habilis' bestätigt es nochmals, dass dieses
Wesen tatsächlich ein Affe war.

Adnan Oktar 199


Die früheste Spezies unter den hominiden Fossilien, die die Morphologie des neuzeitlichen Menschen aufweist, ist Homo
erectus. Im Gegensatz dazu sind die Dimensionen der halbkreisförmigen Kanäle in, Australopithecus und Paranthropus zu-
geordneten Kranien aus Südafrika, sehr denen der gegenwärtigen großen Affen ähnlich.76
Spoor, Wood und Zonneveld studierten auch ein Homo habilis Exemplar, nämlich Stw 53, und fanden: “Stw 53 ver-
ließ sich weniger auf bipedales Verhalten als die Australopithecinen.” Das bedeutet, dass das Homo habilis Exemplar sogar
noch mehr affenähnlich war, als die Australopithecus Spezies. Ihre Schlussfolgerung lautete daher: “Stw 53 stellt keine
wahrscheinliche Zwischenstufe zwischen den, in den Australopithecinen und H. erectus beobachteten Morphologien
dar.”
Diese Befunde erbrachten zwei wichtige Ergebnisse:
1. Fossilien, die als Homo habilis kategorisiert waren gehören tatsächlich nicht zu den “Homo” Klassen, d.h. Men-
schen, sondern zu denen der Australopithecine, d.h. Affen.
2. Beide, Homo habilis und Australopithecus waren Lebewesen, die gebückten Gang hatten, und daher das Skelett des
Affen. Sie hatten nicht die geringste Verbindung mit dem Menschen.

Homo Rudolfensis: Das falsch zusammengesetzte Gesicht


Die Bezeichnung Homo rudolfensis wurde einigen Fossil-Fragmenten gegeben, die 1972 ausgegraben wurden. Die
Wesensklasse, die durch dieses Fossil angeblich vertreten ist, wurde mit dem gleichen Namen Homo rudolfensis bezeich-
net, da dieser Fund in der Nähe des Rudolf Flusses in Kenia gemacht wurde. Die meisten Paläoanthropologen halten
dieses Fossil nicht für eine gesonderte Spezies, sondern nehmen an, dass es sich bei dem Geschöpf namens Homo rudol-
fensis tatsächlich um einen Homo habilis handelt.
Richard Leakey, der das Fossil ausgrub, stellte den Schädel, den er als “KNM-ER 1470” kennzeichnete, und von
dem er behauptete er sei 2,8 Millionen Jahre alt, der Öffentlichkeit als die größte Entdeckung in der Geschichte der
Anthropologie vor und machte damit einen überwältigenden Eindruck. Laut Leakey war dieses Wesen, das gleich dem
Australopithecus ein kleines kraniales Fassungsvermögen, jedoch die Gesichtsstruktur eines Menschen hatte, das fehlen-
de Glied zwischen Australopithecus und dem Menschen. Nach kurzer Zeit jedoch sollte sich herausstellen, dass die
menschliche Gesichtsstruktur des Schädels “KNM-ER 1470”, das häufig auf den Titelseiten wissenschaftlicher Zeit-
schriften zu sehen war, das Ergebnis einer – möglicherweise gezielten – mangelhafter Zusammenfügung der Schädel-
fragmente war. Prof. Tim Bromage, der Studien der menschlichen Gesichtsanatomie unternommen hatte, enthüllte
diese Tatsache, auf die er 1992 mit Hilfe von Computer-Simulationen aufmerksam geworden war:
Als es (KNM-ER 1470) zuerst rekonstruiert wurde, wurde die Gesichtsstruktur in fast vertikaler Lage zum Kranium ge-
setzt, in der gleichen Position wie die flachen Gesichtsstrukturen des neuzeitlichen Menschen. Die jüngsten Studien in
anatomischen Beziehungen jedoch zeigen, dass das Gesicht in der lebendigen Spezies beträchtlich hervorgestanden
sein, und einen affenartigen Aspekt gehabt haben musste, mehr als die Gesichtsgestaltung des Australopithecus.77
Der Evolutionist Paläo-Anthropologe J. E. Cronin erklärt folgendes zu dieser Angelegenheit:
... sein relativ robust gebautes Gesicht, abgeflachter naso-alveolärer clivus (an die tellerförmige Gesichtsgestaltung der
Australopithecine erinnernd), geringe kraniale Höchstweite (an den Temporalen), starke kanine Juga und große Mola-
re (angezeigt durch die erhaltenen Wurzeln) sind alle relativ primitive Charaktereigenschaften, die das Exemplar mit
den Mitgliedern der taxonomischen Gattung A. Africanus verbindet.78
C. Loring Brace von der Michigan Universität kam zur gleichen Schlußfolgerung als Ergebnis einer Analyse, die er
an der Kiefer- und Zahnstruktur des Schädels 1470 durchführte, und sagte, die Größe des Kiefers und des, die Molare
enthaltenden Teils zeige, dass ER 1470 genau das Gesicht und die Zähne eines Australopithecus habe.79
Prof. Alan Walker, ein Paläoanthropologe an der John Hopkins Universität, der ebensoviel Forschungsarbeit wie
Leakey an KNM-ER 1470 geleistet hat, vertritt den Standpunkt, dass dieses Wesen nicht als “Homo”, d.h. menschliche
Spezies, klassifiziert werden sollte, wie Homo habilis oder Homo rudolfensis, sondern ganz im Gegenteil in der Australopi-
thecus Spezies mit einbezogen werden müsse.80
Zusammenfassend kann hiermit festgestellt werden, dass Klassifizierungen wie Homo habilis oder Homo rudol-
fensis, die als Übergangsglieder zwischen den Australopithecinen und Homo erectus dargestellt werden, gänzlich imagi-
när sind. Wie von zahlreichen Forschern heutzutage bestätigt wird, sind diese Lebewesen Mitglieder der
Australopithecus Reihe. Alle ihre anatomischen Charaktermerkmale machen es erkenntlich, dass es sich bei jedem von
ihnen um eine Affenspezies handelt.
Diese Tatsache wurde durch die, 1999 in der Zeitschrift Science veröffentlichte Forschungsarbeit der beiden Anthro-
pologen Bernard Wood und Mark Collard bestätigt. Wood und Collard erklärten, dass die Homo habilis und Homo rudol-
fensis Kategorien (Schädel 1470) imaginär seien, und dass die Fossilien, die diesen Kategorien zugeordnet sind, dem

200 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Das Ergebnis der Analyse des Innenohrs:


ES GAB KEINEN ÜBERGANG VOM AFFEN ZUM MENSCHEN

Bogengänge

Eine vergleichende Analyse der halb-


Ampularisnerven kreisförmigen Kanäle im inneren Ohr
des Menschen und des Affen zeigt,
Saccule (Blase) Ampullen
dass die lange Zeit als die Vorfahren
des Menschen dargestellten Fossili-
en in Wahrheit gewöhnliche Affen
waren. Australopithecus und Homo
habilis hatten die inneren Ohrkanäle
eines Affen, während Homo erectus
menschliche Innenohrkanäle hatte.

Cochlea (Hörschnecke)

mit Endolymphe gefüll-


te Kanäle hinterer Bogengang

vorderer Bogengang
Genus Australopithecus zugeteilt werden sollten:
In der jüngeren Vergangenheit wurden Fossilienspe-
zien aufgrund von absoluten Gehirnausmaßen, Rück-
horizontaler Bogengang schlüssen auf linguistische Fähigkeiten,
Handfunktionen und Fähigkeiten, Steinwerkzeuge zu
benützen, der Homo-Gattung zugeordnet. Von einigen
wenigen Ausnahmen abgesehen wurden die Definiti-
on und der Gebrauch des Genus innerhalb der
Crista ampullaris der
menschlichen Evolution, sowie die Abgrenzung der
Bogengang-Ampulle
Gattung “Homo” so gehandhabt, als seien sie nicht
problematisch. Doch die jüngsten Daten, und neuere
Interpretation des vorliegenden Beweismaterials, und die Beschränkungen der paläoanthropologischen Nachweise ent-
werten die gegenwärtigen Kriterien der Zuordnung von Taxons zur Homo-Gattung.
... in der Praxis werden Fossilien von hominiden Spezien auf der Grundlage eines oder mehrerer von vier Kriterien der
Homo-Gattung zugeordnet ... Es ist jedoch nunmehr klar, dass keines dieser Kriterien befriedigend ist. Dieses “zerebrale
Ratespiel” ist problematisch, weil absolute kraniale Kapazität nur von fragwürdiger biologischer Bedeutung ist. Glei-
cherweise besteht zwingender Beweis, dass Sprachfunktion nicht verlässlich von der groben Erscheinung des Gehirns
abgeleitet werden kann, und dass die sprachbezogenen Teile des Gehirns nicht so gut lokalisiert sind, wie frühere Studi-
en angedeutet hatten...
... In anderen Worten, mit den, ihm zugeteilten Hypodigmen H. habilis und H. rudolfensis, ist der Genus Homo keine gu-
te Wahl. Daher sollten H. habilis und H. rudolfensis (oder Homo habilis sensu lato für diejenigen, die die taxonomische
Unterabteilung “früher Homo” nicht anerkennen) vom Genus Homo entfernt werden! Die offensichtliche taxonomische
Alternative, die darin bestünde, eine oder beide der Taxons einer der bestehenden, frühen hominiden Genera zugeteilt
werden, ist zwar nicht ohne Probleme, doch wir empfehlen, dass zunächst beide, H. habilis und H. rudolfensis auf den
Genus Australopithecus übertragen werden.81
Die Schlussfolgerungen von Wood und Collard bestätigen, was wir hier erklärten. Es gab keine “primitiven
menschlichen Vorfahren” in der Menschheitsgeschichte. Geschöpfe, die als solche vorgestellt werden, sind in der Tat
Affen, die dem Genus Australopithecus zugeteilt werden müssen. Der Fossilnachweis zeigt, dass keine evolutionäre
Beziehung zwischen diesen ausgestorbenen Affen und der Gattung Homo, d.h. menschlichen Spezien besteht, die
plötzlich im Fossilnachweis erscheinen.

Homo erectus und nachfolgende: Menschliche Wesen


Entsprechend dem phantasienreichen Schema der Evolutionisten gestaltete sich die interne Evolution der Homo-
Spezien folgendermaßen: Zuerst Homo erectus, dann der archaische Homo sapiens und der Neandertaler (Homo sapiens
neanderthalensis, später der Cro-Magnon Mensch (Homo sapiens sapiens) und letztlich der neuzeitliche Mensch. Bei all

Adnan Oktar 201


diesen Klassifizierungen jedoch handelt es sich in Wirklichkeit lediglich um verschiedene ursprüngliche Menschenras-
sen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind nicht größer als zwischen einem Eskimo und einem Neger, oder einem Pyg-
mäen und einem Europäer.
Wir wollen zuerst den Homo erectus untersuchen, der als die primitivste der menschlichen Rassen ausgegeben wird.
“Homo erectus” bedeutet, wie das Wort “erectus” angedeutet, “aufrecht gehender Mensch”. Die Evolutionisten mussten
diese Menschen von den vorhergehenden dadurch unterscheiden, dass sie ihnen die Eigenschaft der “aufrechten Kör-
perhaltung” hinzufügten, da alle vorhandenen Fossilien des Homo erectus zu solchem Ausmaß gerade sind, wie es in
keinem der Exemplare des Australopithecus oder Homo habilis zu beobachten war. Es besteht kein Unterschied zwischen
dem Skelett des modernen Menschens und dem des Homo erectus.
Der Hauptgrund der Evolutionisten, Homo erectus als “primitiv” einzustufen, ist das Hirn-Fassungsvermögen sei-
nes Schädels (900 – 1100 cm3), welches geringer als das des durchschnittlichen modernen Menschen ist, und seine di-
cken Augenbrauenvorsprünge. Es gibt jedoch viele, heutzutage lebende Menschen, deren kraniale Kapazität die
gleiche wie die des Homo erectus ist (z.B. die Pygmäen), und es gibt einige andere Rassen, die vorspringende Augen-
brauen haben (z.B. die einheimischen australischen Aboriginen).
Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass ein Unterschied im Gehirnvolumen nicht unbedingt einen Unter-
schied in der Intelligenz oder in Fähigkeiten bedeuten muss. Intelligenz hängt eher von der internen Organisation des
Gehirns ab als von seinem Volumen.82
Die Fossilien, durch die Homo erectus der Welt bekannt wurde, sind die des Peking Menschen und des Java Men-
schen, die in Asien gefunden wurden. Im Lauf der Zeit wurde es jedoch klar, dass diese beiden Fossilien nicht verläß-
lich waren. Der Peking Mensch bestand aus einigen plastischen Nachformungen, die verlorengegangene Originalteile
ersetzt hatten, und der Java Mensch war eine “Komposition” aus einem Schädelfragment und einem Beckenknochen,
der in einiger Entfernung von dem ersteren gefunden worden war, ohne irgendwelche Hinweise, dass die beiden Teile
dem selben Wesen angehört hatten. Aus diesem Grunde wurde Homo erectus Fossilien, die in Afrika gefunden worden
waren, wachsende Bedeutung zugemessen. (Es sollte hier erwähnt werden, dass einige Fossilien, die angeblich Homo
erectus darstellten, von einigen Evolutionisten in eine weitere Klasse namens “Homo ergaster” eingeteilt wurden. Sie
sind sich in dieser Angelegenheit untereinander nicht ganz einig. Wir werden alle diese Fossilien unter der Kategorie
Homo erectus behandeln.)
Das berühmteste Exemplar des Homo erectus, das in Afrika gefunden worden war, ist das des “Narikotome Homo erec-
tus” oder der “Turkana Knabe”, welches in der Nähe des Turkana Sees in Kenia entdeckt wurde. Es ist bestätigt, dass es
sich hierbei um das Fossil eines 12 Jahre alten Jungen handelt, der als Jugendlicher eine Größe von 1,83 Metern erreicht
hätte. Die aufrechte Skelettstruktur des Fossils unterscheidet sich in keiner Weise von der eines neuzeitlichen Menschen.
In Bezugnahme darauf erklärte der amerikanische Paläoanthropologe Alan Walker, dass er bezweifle ein durchschnitt-
licher Pathologe sei in der Lage, einen Unterschied zwischen dem Skelett des Fossils und dem eines neuzeitlichen Men-
schen festzustellen.83 Bezüglich des Schädels sagte Walker: “... er sah ganz so wie ein Neandertaler aus.”84 Wie wir im
nächsten Kapitel sehen werden sind die Neandertaler eine neuzeitliche Menschenrasse, und damit ist auch Homo erectus
eine solche.
Selbst der Evolutionist Richard Leakey erklärt, dass der Unterschied zwischen Homo erectus und dem neuzeitlichen
Menschen nicht mehr als ein Rassenunterschied ist:

700000 Jahre alte Seeleute


"Die frühen Menschen waren wesentlich intelligenter, als
wir erwarteten..."
Nachrichten, die in der Zeitschrift New Scientist am 14.
März 1998 veröffentlicht wurden, berichten, dass die von
den Evolutionisten Homo erectus benannten Menschen
vor 700000 Jahren Seefahrt betrieben. Diese Menschen,
die über genügend Wissen und Technologie verfügten,
um Schiffe bauen zu können, und eine Kultur entwickelt
hatten, in der Seetransport betrieben wurde, können
kaum als "primitiv" abgestempelt werden.

202 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Homo erectus: Eine urzeitliche menschliche Rasse


Homo erectus bedeutet "aufgerichteter Mensch". Alle in dieser Spezienbezeichnung kategori-
sierten Fossilien gehören bestimmten Menschenrassen an. Da die meisten Fossilien des Homo
erectus keine gemeinsamen Wesenszüge aufweisen, ist es sehr schwierig diese Menschen ihren
Schädeln entsprechend zu definieren. Aus diesem Grund haben verschiedene evolutionistische
Forscher mehrere Einstufungen und Bezeichnungen erdacht. Oben ist ein Schädel abgebildet,
der 1975 in Koobi Fora in Afrika gefunden wurde, der den Homo erectus generell umschreiben
mag. Unten ist ein Schädel, Homo ergaster KNM-ER 3733, zu sehen, der die in Frage stehenden
Unklarheiten aufweist.
Die kranialen Fassungsvermögen all dieser verschiedenen Homo erectus Fossilien schwanken
zwischen 900 und 1100 cm3. Diese Größen liegen innerhalb der Grenzen des Kranialvolumens
neuzeitlicher Menschen.

Das Skelett des Turkana Jungen (KNM-WT 15000) oben,


ist wahrscheinlich das älteste und besterhaltene
menschliche Fossil, das je gefunden wurde. Forschungs-
studien, die an diesem Fossil, das angeblich 1,6 Millionen
Jahre alt ist, unternommen wurden, enthüllten, dass es
sich hierbei um das Skelett eines 12-jährigen Jungen
handelt, der, wäre er voll ausgewachsen, eine Größe von
1,80 Metern erreicht hätte. Dieses Fossil, das der Nean-
dertaler Rasse sehr ähnlich ist, ist einer der bedeutends-
ten Beweise, der die Geschichte von der menschlichen
Evolution als unzutreffend bloßstellt.
Der Evolutionist Donald Johnson beschreibt den Men-
schen von dem dieses Fossil stammt folgendermaßen:
"Er war groß und mager. Seine Gestalt und die Proportio-
nen seiner Glieder waren die gleichen wie die der gegen-
wärtigen Äquatorialafrikaner. Die Größe seiner Glieder
war völlig konform mit der von heutigen, erwachsenen
weißen Nordamerikanern." (Donald C. Johanson & M. A.
Edey, Lucy: The Beginnings of Humankind, New York: Si-
mon & Schuster, 1981)

Adnan Oktar 203


Man würde die Unterschiede auch in der Schädelform, im Hervortreten des Gesichts, in der Massigkeit der Brauen, usw.
sehen. Diese Unterschiede sind wahrscheinlich in keiner Weise stärker ausgeprägt, als die, die wir heutzutage zwischen
den verschiedenen geographischen Rassen des neuzeitlichen Menschen feststellen können. Einige biologische Unter-
schiede bilden sich heraus, wenn Bevölkerungen auf beträchtliche Dauer geographisch voneinander getrennt sind.85
Prof. William Laughlin von der Universität von Connecticut führte ausführliche anatomische Untersuchungen an
Eskimos und Bewohnern der Aleut Inseln durch, und beobachtete eine außergewöhnliche Ähnlichkeit dieser Menschen
mit dem Homo erectus. Laughlin kam zu der Schlußfolgerung, dass all diese gegeneinander abgegrenzten Rassen in der
Tat verschiedene Rassen des Homo sapiens (neuzeitlichen Menschen) darstellten.
Wenn wir die weitgehenden Unterschiede in Betracht ziehen, die zwischen entfernten Gruppen, wie etwa Eskimos und
Buschmännern bestehen, von denen wir wissen, dass sie innerhalb der selben einzelnen Spezies Homo sapiens liegen,
erscheint die Schlußfolgerung, dass Sinanthropus (ein Erectus Exemplar) der gleichen Spezies zugehört, durchaus ver-
tretbar.86
Die Auffassung, dass Homo erectus eine überflüssige Klassifizierung ist, und dass Fossilien, die dieser Klasse zuge-
teilt sind, sich in der Tat nicht so sehr von Homo sapiens unterscheiden, als dass man sie als eine getrennte Spezies be-
trachten könnte, kann man in letzter Zeit des öfteren in wissenschaftlichen Kreisen vernehmen. Im Jahr 2000 wurde eine
Konferenz über dieses Thema abgehalten, und die Zeitschrift American Scientist faßte die Diskussionen über diesem
Punkt zusammen:
Die Mehrzahl der Teilnehmer an der Senckenberg Konferenz wurden in eine erhitzte Debatte über den taxonomischen Sta-
tus von Homo erectus hineingezogen, die von Milford Wolpoff von der Universität von Michigan, Alan Thorne von der Uni-
versität von Canberra und ihren Kollegen begonnen worden war. Sie argumentierten mit großem Nachdruck, dass Homo
erectus keine Gültigkeit als Spezies habe, und überhaupt abgeschafft werden sollte. Alle Vertreter des Genus Homo, von vor
etwa 2 Millionen Jahren bis zur Gegenwart, seien eine weitgehend veränderliche und weitverbreitete Spezies, Homo sapiens,
ohne natürliche Unterbrechungen oder Unterabteilungen. Das Thema der Konferenz, Homo erectus, existierte nicht.87
Die Aussage “Homo erectus existierte nicht” bedeutet, “Homo erectus ist keine von Homo sapiens unterschiedliche Spe-
zies, sondern eine Spezies innerhalb von Homo sapiens”.
Demgegenüber besteht eine enorme Lücke zwischen Homo erectus, einer menschlichen Rasse, und den Affen, die
dem Homo erectus im Szenario der “menschlichen Evolution” vorangingen (Australopithecus, Homo habilis, Homo rudolfen-
sis). Dies bedeutet, dass der erste Mensch im Fossilnachweis plötzlich und geradewegs ohne irgendeine evolutionäre
Vorgeschichte auftrat. Das ist ein ganz klarer Hinweis darauf, dass sie erschaffen worden sind.
Diese Tatsache einzugestehen steht jedoch der dogmatischen Philosophie und Ideologie der Evolutionisten total
entgegen. In Folge davon versuchen sie, den Homo erectus, eine wahrhaft mensch-
liche Rasse, als ein Halb-Affen-Wesen darzustellen. In Rekonstruktionen des Ho-

S C H mo erectus bestehen sie hartnäckig darauf, affenartige

FAL
Gesichtszüge darzustellen, während sie auf der anderen Seite
Affen wie Australopithecus oder Homo habilis mit ähnlichen
künstlerischen Mitteln “humanisieren”. Mit solchen Metho-
den versuchen sie Affen und Menschen einander “anzunä-
hern” und die Kluft zwischen diesen beiden klar gegeneinander
abgegrenzten Geschöpfsklassen zu überbrücken.

Neandertaler
Die Neandertaler sind Menschen, die vor Hunderttausend
Jahren plötzlich in Europa erschienen und vor 35 Tausend Jah-
ren rasch und ohne Aufsehen wieder verschwanden – oder
durch Vermischung mit anderen Rassen assimiliert wurden.
Ihr einziger Unterschied zum modernen Menschen ist ihre ro-
bustere Skelettstruktur und ihr etwas größeres kraniales Fas-
sungsvermögen.
Die Neandertaler waren eine menschliche Rasse, und diese
Tatsache wird heutzutage fast ausnahmslos von allen Seiten aner-
kannt. Die Evolutionisten haben große Anstrengungen gemacht, sie als
FALSCHE MASKIERUNG: Obwohl sie nicht verschieden vom eine “primitive Spezies” darzustellen, doch alle Befunde weisen darauf
modernen Menschen waren, werden die Neandertaler von
den Evolutionisten immer noch als affenähnlich dargestellt.

204 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

Die Neandertaler: Eine robuste Menschenrasse

Der links abgebildete Amud 1 Schädel


des Homo sapiens neanderthalensis wur-
de in Israel gefunden. Der Neandertaler
Mensch ist generell als robust, doch
kleinwüchsig bekannt. Es wird jedoch ge-
schätzt, dass der Mensch, dessen Fossil
dies ist, 1,80 Meter groß war. Sein Krani-
alvolumen ist das größte, das je be-
obachtet wurde: 1740 cm3. Aus all diesen
Gründen zählt dieses Fossil zu den wich-
tigen Beweisstücken, die die Behaup-
tung, dass die Neandertaler eine primitive
Spezies gewesen seien, endgültig unhalt-
bar macht.

Adnan Oktar 205


hin, dass sie sich in keiner Weise von “robusten” Menschen unterschieden, die auch heute umherspazieren. Erik Trink-
aus, ein Paläoanthropologe an der Universität von New Mexico schreibt:
Detaillierte Vergleiche der skelettalen Überreste des Neandertalers mit dem (Skelett) des neuzeitlichen Menschen haben
gezeigt, dass es keinerlei eindeutige Hinweise in der Anatomie des Neandertalers gibt, dass seine Fähigkeiten in bezug
auf Fortbewegung, Nutzung der Hände, Intellekt oder Sprache, denen des modernen Menschen nachstanden.88
Viele zeitgenössische Forscher umschreiben den Neandertaler als eine Unterspezies des modernen Menschen, und
nennen ihn “Homo sapiens neandertalensis”. Die Funde bezeugen, dass die Neandertaler ihre Toten begruben, Musikinstru-
mente herstellten, und kulturelle Verwandtschaft mit den Homo sapiens sapiens hatten, die zur selben Zeit lebten. Genau
genommen waren die Neandertaler eine “robuste” Menschenrasse, die lediglich im Lauf der Zeit verschwand.

Homo sapiens archaic, Homo heilderbergensis und Cro-Magnon Mensch


Der archaische Homo sapiens ist die letzte Stufe vor dem neuzeitlichen Menschen in dem evolutionären Phantasie-
schema. In der Tat, über diese Menschen haben die Evolutionisten nicht sehr viel zu sagen, da nur sehr geringfügige Un-
terschiede zum modernen Menschen vorhanden sind. Einige Forscher sind sogar der Ansicht, dass heute noch Vertreter
dieser Rasse auf der Erde leben und weisen als Beispiel dafür auf die australischen Aboriginen hin. Wie Homo sapiens ar-
chaic haben auch diese dicke, hervorstehende Augenbrauen, eine nach innen geneigte Mandibularstruktur und ein et-
was kleineres Kranialvolumen.
Die Gruppe, die in evolutionistischer Literatur als Homo heilderbergensis (Heidelberger Mensch) kategorisiert wird,
ist in Wirklichkeit die gleiche wie Homo sapiens archaic. Der Grund dafür, dass zwei verschiedene Begriffe benutzt wer-
den, um die gleiche menschliche Rasse zu bezeichnen, liegt in unterschiedlichen Denkweisen unter den Evolutionisten.
Alle Fossilien, die der Homo heilderbergensis Klassifizierung zugehören lassen, vermuten, dass Menschen, die den neu-
zeitlichen Europäern anatomisch sehr ähnlich waren, vor 500 Tausend und selbst 740 Tausend Jahren zuerst in England
und dann in Spanien gelebt haben.
Der Cro-Magnon Mensch lebte schätzungsweise vor 30 Tausend Jahren. Er hat ein kuppelförmiges Kranium und ei-
ne breite Stirn. Sein Gehirnvolumen von 1600 cm3 übertrifft die Durchschnittswerte des heutigen Menschen. Sein Schä-
del hat dicke Augenbrauenvorsprünge und einen knochigen Ansatz an der Hinterseite, der charakteristisch für den
Neandertaler sowie auch für Homo erectus ist.
Obwohl der Cro-Magnon Mensch als eine Europäische Rasse angesehen wird, sehen die Struktur und das Volumen
des Kraniums sehr wie die einiger Rassen aus, die heute in Afrika und den Tropen leben. Aufgrund dieser Ähnlichkeit
wird angenommen, dass Cro-Magnon eine archaische afrikanische Rasse war. Einige andere paläoanthropologische
Funde zeigen, dass die Cro-Magnon und Neandertaler Rassen sich vermischt haben und die Grundlagen für die heuti-
gen Rassen bildeten.
Diese Menschen waren also keineswegs “primitive Arten”. Es waren andere Menschen, die in früheren Zeiten leb-
ten und entweder assimiliert wurden oder sich mit anderen Rassen vermischten oder aber ausstarben und aus der Ge-
schichte verschwanden.

Spezies, die im gleichen Zeitalter wie ihre Vorfahren lebten


Was wir soweit untersucht haben, gibt uns ein klares Bild: Das Szenario der “menschlichen Evolution” ist vollstän-
dig fingiert. Um solch einen Stammbaum zu ermöglichen, hätte eine schrittweise evolutive Fortentwicklung vom Affen
zum Menschen stattfinden müssen, und Hinweise auf solch einen Prozess müssten im Fossilnachweis vorhanden sein.
Es besteht jedoch eine enorme Kluft zwischen Affen und Menschen. Skelettstrukturen, kraniales Fassungsvermögen,
und Kriterien wie aufrechter Gang bzw. stark gebückte Fortbewegung unterscheiden Menschen von Affen. (Wir er-
wähnten neuerliche, im Jahr 1994 unternommene Forschungsarbeit, die sich mit den Gleichgewichtskanälen des Innen-
ohrs befasste, und durch die Australopithecus und Homo habilis als Affen definiert worden waren, während Homo
erectus in die menschliche Kategorie fiel.)
Ein weiterer bedeutender Befund, der beweist, dass es keinen Stammbaum innerhalb dieser verschiedenen Spezies
geben kann, ist die Tatsache, dass die Spezien, die als entsprechend gegenseitige Vorfahren und Nachkommen vonei-
nander zur gleichen Zeit nebeneinander lebten. Falls, wie die Evolutionisten es behaupten, Australopithecus sich in Homo
habilis verwandelt hätte, und dieser sich dann seinerseits in Homo erectus, hätten die Zeitepochen, in denen sie jeweils ge-
lebt haben, notwendigerweise aufeinander folgen müssen. Solch eine chronologische Folge jedoch gibt es nicht.
Entsprechend der Schätzungen der Evolutionisten lebten die Australopithecus zwischen 4 Millionen und einer Milli-
on Jahren vor unserer Zeit. Dahingegen lebten die Lebewesen, die als Homo habilis klassifiziert sind, vermutlich vor 1,9

206 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

26000 Jahre alte Nadel:

Ein interessantes Fossil, das darauf hin-


weist, dass die Neandertaler Bekleidung
kannten – eine 26000 Jahre alte Nadel.
(D. Johanson, B. Edgar, From Lucy to
Language, S. 99.)

bis 1,7 Millionen Jahren. Homo rudolfensis, von dem gesagt wird, er sei höher entwickelt gewesen als Homo habilis ist
bekanntlich 2,5 bis 2,8 Millionen Jahre alt! Das würde bedeuten, dass Homo rudolfensis fast eine Million Jahre älter ist
als Homo habilis, dessen “Nachkomme” er angeblich sein soll. Auf der anderen Seite geht Homo erectus auf eine Zeit
von 1,6 bis 1,8 Millionen Jahre zurück, was bedeutet, dass Vertreter des Homo erectus auf der Erde innerhalb des glei-
chen Zeitrahmens auftraten wie ihre sogenannten Vorfahren, d.h. Homo habilis.
Alan Walker bestätigt diese Tatsache, indem er erklärte: “... es liegen Hinweise aus Ostafrika auf das langzeitige
Überleben von kleinwüchsigen Australopithecus Individuen vor, die zuerst Zeitgenossen des H. Habilis waren,
und dann des H. erectus.”89 Louis Leakey fand Fossilien von Australopithecus, Homo habilis und Homo erectus fast ne-
beneinander im Olduvai Gorge Gebiet in Tanzania, in der Bed II Schicht.90
Solch einen Stammbaum gibt es mit Sicherheit nicht. Stephen Jay Gould, ein Paläontologe an der Harvard Uni-
versität, der, obwohl er selbst ein Evolutionist ist, erklärt diese Sackgasse der Evolution folgendermaßen:
Was wurde aus unserer Stufenleiter, wenn es drei nebeneinander bestehende Stämme von Hominiden (A. africanus, die
robusten Australopithecine, und H. habilis) gibt, keiner deutlich von dem anderen abstammend? Darüber hinaus zeigt
keiner von ihnen irgendeine evolutive Neigung während ihres Daseins auf der Erde.91
Wenn wir weitergehen vom Homo erectus zum Homo sapiens, sehen wir wiederum, dass es keinen, der Rede wer-
ten Stammbaum gibt. Es gibt Beweis dafür, dass Homo erectus und der archaische Homo sapiens bis zu 27 Tausend, und
selbst bis zu Zehntausend Jahren vor unserer Zeit überlebten. Im Kow Sumpf in Australien wurden einige 13000 Jah-
re alte Homo erectus Schädel gefunden und auf Java wurde ein 27000 Jahre alter Homo erectus Schädel gefunden.92

Die heimliche Geschichte des Homo sapiens


Die interessanteste und bedeutendste Tatsache, welche die Grundlage des imaginären Stammbaums der Evolu-
tionstheorie zerschlägt, ist die unerwartet alte Geschichte des neuzeitlichen Menschen. Paläoanthropologische Da-
ten enthüllten, dass Vertreter des Homo sapiens, die genauso aussahen wie wir, vor bis zu einer Million Jahren lebten.
Es war Louis Leakey, der berühmte Evolutionist Paläoanthropologe, der die ersten diesbezüglichen Funde ent-
deckte. Im Jahr 1932 fand Leakey im Kanjera Gebiet, das den Viktoria See in Kenia umschließt, einige Fossilien, die
dem mittleren Pleistozän zugehörten. Diese Epoche jedoch liegt eine Million Jahre zurück.93 Da diese Entdeckungen
den evolutionären Stammbaum auf den Kopf stellten, wurden sie von evolutionistischen Paläoanthropologen abge-
wiesen. Leakey jedoch bestand immer darauf, dass seine Schätzungen korrekt gewesen seien.
Gerade als diese Streitfrage in Vergessenheit zu geraten schien, enthüllte ein, im Jahr 1995 in Spanien ausgegra-
benes Fossil auf erstaunliche Weise, dass die Geschichte des Homo sapiens wesentlich älter war, als bis dahin ange-
nommen worden war. Dieses Fossil wurde von drei spanischen Paläoanthropologen der Universität von Madrid in
einer Höhle namens Gran Dolina in der spanischen Atapuerca Gegend entdeckt. Das Fossil gehörte zum Gesicht ei-
nes elfjährigen Jungen, der gänzlich wie ein moderner Mensch aussah, und dennoch lag es 800 Tausend Jahre zurück
seit der Junge gestorben war. Die Zeitschrift Discover berichtete über die Entdeckung in großen Einzelheiten in ihrer
Dezemberausgabe des Jahres 1997.
Dieses Fossil erschütterte selbst die Überzeugungen Ferreras, der die Gran Dolina Ausgrabungen leitete. Ferrera
sagte:

Adnan Oktar 207


Discover, eine der bekanntesten Zeitschriften in der evolutionistischen Literatur, druckte
das 800000 Jahre alte menschliche "Gesicht" auf seiner Titelseite mit der evolutionisti-
schen Frage: "Ist das das Gesicht unserer Vergangenheit?

Wir erwarteten etwas großes, etwas enormes, aufgeblasenes... verstehen sie, et-
was “primitives”. Unsere Erwartungen von einem 800000 Jahre alten Knaben
waren so etwas wie der Turkana Junge. Und was wir fanden, war ein absolut
neuzeitliches Gesicht... Ich finde das höchst fabelhaft... Das sind Dinge, die einen
in den Grundlagen erschüttern... etwas total unerwartetes zu finden wie das.
Nicht Fossilien zu finden – Fossilien zu finden ist auch etwas unerwartetes, und
das ist in Ordnung. Aber etwas in der Vergangenheit zu finden, von dem sie
dachten es gehöre der Gegenwart an, das ist das der Gipfel der Sensation. Es ist
etwa so, wie... wie wenn wir ein Tonbandgerät in Gran Dolina gefunden hätten.
Wir erwarten keine Kassetten und Tonbandgeräte im frühen Pleistozän. Ein
neuzeitliches Gesicht zu finden ist das gleiche. Wir waren über alle Maßen er-
staunt, als wir es sahen.94
Das Fossil hob die Tatsache hervor, dass die Geschichte des Homo sapiens
bis 800 Tausend Jahre in die Vergangenheit ausgedehnt werden muss. Nach-
dem sie sich von ihrem ursprünglichen Schock erholt hatten, entschlossen
die Evolutionisten, die das Fossil entdeckt hatten, dass es einer anderen Spezies zugehöre, da, entsprechend des evolu-
tionären Stammbaums kein Homo sapiens jemals vor 800000 Jahren hätte leben können. Daher erfanden sie eine neue
Phantasiespezies, die sie “Homo antecessor” nannten, und klassifizierten den Atapuerca Schädel dementsprechend.

Eine 1,7 Millionen Jahre alte Hütte


Es wurden zahlreiche Funde gemacht, die zeigen, dass die Geschichte des Homo sapiens selbst weiter als 800 Tau-
send Jahre zurückreicht. Einer davon ist eine Entdeckung, die Louis Leakey anfangs der 70er Jahre in Olduvai Gorge
machte. Dort entdeckte Leakey in der Bed II Schicht, dass die Australopithecus, Homo Habilis und Homo erectus Spezien
zur selben Zeit nebeneinander lebten. Was jedoch noch interessanter war, war eine Gebäudestruktur, die Leakey in der
gleichen Schicht (Bed II) entdeckte. Er fand die Überreste einer Steinhütte. Der außergewöhnliche Aspekt der Sache war,
dass diese Bauart, die immer noch in einigen Teilen Afrikas angewandt wird, nur von Homo sapiens ausgeführt worden
sein konnte! Somit mussten, entsprechend der Entdeckungen Leakeys Australopithecus, Homo Habilis, Homo erectus und
der neuzeitliche Mensch vor etwa 1,7 Millionen Jahren koexistiert haben.95 Diese Entdeckungen müssten die evolutio-
näre Theorie, die behauptet, dass der neuzeitliche Mensch sich evolutiv aus irgendeiner affenähnlichen Spezies wie
Australopithecus entwickelt habe, wirklich endgültig widerlegen.

Fußabdrücke des modernen Menschen – 3,6 Millionen Jahre alt!


In der Tat, einige andere Entdeckungen verfolgen die Ursprünge des modernen Menschen in Zeiten vor 1,7 Millio-
nen Jahren zurück. Eine dieser höchst bedeutenden Entdeckungen sind Fußabdrücke, die Mary Leakey 1977 in Laetoli,
in Tanzania fand. Diese Fußabdrücke kamen in einer Schicht zu Tage, deren Alter auf 3.6 Millionen Jahre berechnet
wurde, und – was noch bedeutender ist – unterschieden sich in keiner Weise von Fußabdrücken, die ein neuzeitlicher
Mensch hinterlassen würde.
Die von Mary Leakey entdeckten Fußabdrücke wurden später von einigen bekannten Pa-
läoanthropologen, wie Don Johanson und Tim White untersucht, und die Ergebnisse stimm-
ten überein. White schrieb:
Man sollte sich hier keine Fehlschlüsse ziehen... Sie sind genau wie Fußabdrücke eines moder-
nen Menschen. Wenn sie im Sand an einem kalifornischen Strand hinterlassen worden wären,
und man ein vierjähriges Kind fragen würde was das sei, wäre die prompte Antwort, dass hier je-
mand gegangen sei. Das Kind könnte sie nicht von Hundert anderen Abdrücken am Strand un-
terscheiden, genau so, wie Sie es auch nicht könnten.96
Der Fund einer 1,7 Millionen
Nachdem Louis Robbins von der North California Universität die Fußabdrücke unter- Jahre alten Hütte versetzte der
sucht hatte, gab er folgenden Kommentar: wissenschaftlichen Gesell-
schaft einen Schock. Sie hatte
Der Rist ist erhöht – das kleinere Individuum hatte einen höheren Rist als ich – und der große das Aussehen von Hütten, wie
Zeh ist groß und gleichlange mit dem zweiten Zehen... die Zehen greifen in den Boden wie sie heutzutage von bestimm-
menschliche Zehen. Man kann das bei anderen Tierarten nicht beobachten.97 ten afrikanischen Stämmen
bewohnt werden.

208 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Die Laetoli Fußabdrücke gehörten
zu neuzeitlichen Menschen, sie
waren jedoch Millionen Jahre alt.
Ein 2,3 Millonen Jahre alter Unterkiefer
eines modernen Menschen

Ein weiteres Beispiel, dass die


Unwichtigkeit des von den Evo-
lutionisten erstellten imaginären
Stammbaums, demonstriert: ein
2,3 Millionen Jahre alter Unter-
kiefer eines modernen Men-
schen (Homo sapiens). Diese
Mandibula mit der Bezeichnung
A.L. 666-1 wurde in Hadar in
Äthiopien ausgegraben. Die evo-
lutionistischen Veröffentlichun-
gen versuchen dies zu
übertünchen, indem sie sich da-
rauf lediglich als "... eine sehr er-
staunliche Entdeckung"
beziehen... (D. Johanson, Blake
Edgar, From Lucy to Language,
S.169.)

Untersuchungen der morphologischen Form der Fußabdrücke zeigten immer wieder, dass diese als Abdrücke
menschlicher Füße akzeptiert werden müssten, und obendrein, des modernen Menschen (Homo sapiens). Russell Tutt-
le, der die Fußabdrücke untersucht hatte schrieb:
Ein kleiner barfüssiger Homo sapiens könnte sie verursacht haben... in allen unterscheidbaren morphologischen Aspek-
ten sind die Füße, die diese Spuren gemacht haben, nicht von denen moderner Menschen unterscheidbar.98
Objektive Untersuchungen der Fußabdrücke enthüllten die wirklichen Besitzer der Füße. Diese Fußabdrücke be-
standen tatsächlich aus 20 versteinerten Abdrücken eines zehnjährigen modernen Menschen und 27 Abdrücken eines
noch jüngeren Kindes. Sie waren mit Sicherheit neuzeitliche Menschen wie wir.
Diese Gegebenheiten stellten die Laetoli Fußabdrücke in den Brennpunkt von jahrelang geführten Diskussionen.
Evolutionistische Paläoanthropologen suchten verzweifelt nach einer Erklärung, da es schwierig für sie war zu akzep-
tieren, dass ein neuzeitlicher Mensch vor 3,6 Millionen Jahren auf der Erde gewandelt sei. Während der 90er Jahre be-
gann sich diese “Erklärung” zu entpuppen. Die Evolutionisten beschlossen, dass diese Fußabdrücke von einem
Australopithecus hinterlassen worden sein mussten, da es laut ihrer Theorie für eine Homo Spezies nicht möglich war,
vor 3,6 Millionen Jahren gelebt zu haben. Russell H. Tuttle schrieb 1990 folgendes in einem Artikel:
Zusammengefasst, die 3,5 Millionen Jahre alten Fußabdrücke an der Ausgrabungsstelle G in Laetoli sind denen, ge-
wohnheitsmäßig barfuss laufender neuzeitlicher Menschen ähnlich. Keines ihrer Merkmale lässt darauf schließen,
dass die Laetoli Hominiden weniger befähigte Zweibeiner waren als wir. Falls es nicht bekannt wäre, dass die G Fuß-
abdrücke so alt sind, wären wir sofort bereit zu schließen, dass sie von einem Mitglied unserer Gattung Homo hinter-
lassen worden waren... Auf alle Fälle sollten wir nun die unbegründeten Annahmen aufgeben, dass die Laetoli
Fußabdrücke von Lucys Konsorten, Australopithecus afarensis gemacht worden waren.99
Kurz gefasst, diese Fußabdrücke, von denen angenommen wird, dass sie 3,6 Millionen Jahre alt seien, konnten nicht
Australopithecus angehört haben. Der einzige Grund, dass geglaubt wurde, sie wären von Australopithecus zurückgelas-
sen worden, war die 3,6 Millionen Jahre alte vulkanische Gesteinsschicht, in der sie gefunden worden waren. Die Fuß-
abdrücke wurden dem Australopithecus zugeschrieben aufgrund der Vermutung, dass menschliche Wesen in solch einer
frühen Zeitepoche nicht gelebt haben konnten.
Diese Interpretationen der Laetoli Abdrücke zeigen uns eine sehr bedeutende Realität. Die Evolutionisten unter-
stützen ihre Theorie nicht unter Betrachtung wissenschaftlicher Befunde, sondern trotz und entgegen dieser. Wir haben
es hier mit einer Theorie zu tun, die ohne Rücksicht auf Verluste blind verfochten wird, wobei alle neuen Erkenntnisse,
die der Theorie entgegenstehen entweder ignoriert, oder ihren Zwecken angepasst werden.
Kurz gesagt, die Evolutionstheorie ist nicht Wissenschaft sondern Dogma, dass der Wissenschaft zum Trotz auf-
rechterhalten wird.

Der Zweibeiner-Engpass der Evolution


Abgesehen vom Fossilnachweis, mit dem wir uns bislang auseinandersetzten, bestehen auch noch unüberbrückba-

210 DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE


Harun Yahya

re anatomische Klüfte zwischen dem Menschen und dem Affen, die die Fiktion einer menschli-
chen Evolution ungültig machen. Einer dieser Unterschiede hat mit der Gangweise zu tun.
Menschen bewegen sich aufrecht auf ihren zwei Füßen fort. Dies ist eine sehr spezialisier-
te Art der Bewegung, die in anderen Spezien nicht beobachtet werden kann. Einige Säugetie-
re haben zwar eine begrenzte Fähigkeit sich fortzubewegen, während sie auf ihre beiden
Hinterbeinen erhoben haben; Tiere wie Bären und Affen bewegen sich auf diese Weise nur
selten und für kurze Zeit, wenn sie sich z.B. bemühen, eine Nahrungsquelle zu erreichen.
Normalerweise lehnt sich ihr Skelett nach vorne und sie laufen auf allen Vieren.
Hat sich dann der zweibeinige aufrechte Gang aus dem vierfüßigen Gang der Affen
evolutiv entwickelt, wie die Evolutionisten uns glauben machen wollen?
Natürlich nicht. Die Forschung hat gezeigt, dass die Evolution des Bipedalismus
niemals stattgefunden hat, noch dass sie hätte stattfinden können. Zu aller erst ist Zwei-
beinigkeit kein evolutionärer Vorteil. Der Fortbewegungsmodus der Affen ist wesentlich
einfacher, schneller und effektiver als der aufrechte Gang des Menschen. Der Mensch
kann sich weder fortbewegen, indem er von Baum zu Baum springt wie der Schimpanse,
noch mit einer Stundengeschwindigkeit von 125 km rennen wie ein Gepard. Ganz im Ge-
genteil, da der Mensch auf seinen zwei Füßen läuft, bewegt er sich wesentlich langsamer
auf dem Boden fort. Aus dem gleichen Grund ist er in der Natur das schutzloseste
Wesen aller Spezien in Bezug auf Fortbewegung und Selbstverteidigung. Entspre-
chend der Logik der Evolutionstheorie sollten es nicht die Affen sein, die evolutiv
den aufrechten Gang annahmen, sondern der Mensch hätte sich stattdessen evolu-
tiv in einen Vierbeiner entwickeln sollen.
Ein anderes Hindernis der evolutionistischen Behauptung ist, dass Zweibeinig-
keit nicht dem “schrittweisen” Entwicklungsmodell des Darwinismus folgt. Dieses Mo-
dell, das die Grundlage der Evolution darstellt, erfordert, dass eine “kombinierte” Gangart
zwischen Zweibeinigkeit und Vierbeinigkeit existieren müsste. Der englische Paläoanthro-
pologe Robin Crompton jedoch, der 1996 unter Einsatz von Computern ein Forschungs-
projekt durchführte, zeigte, dass solch eine “zusammengesetzte” Gangart nicht möglich
sei. Crompton kam zu dem folgenden Ergebnis: Ein Lebewesen kann entweder aufrecht
gehen oder auf allen Vieren.100 Eine Zwischenart von Fortbewegung ist aufgrund extre-
men Energieverbrauchs nicht möglich. Aus diesem Grunde kann es ein “halb-bipedales”
Wesen nicht geben.
Der enorme Unterschied zwischen dem Affen und dem Menschen ist jedoch nicht al-
leine auf den Bipedalismus beschränkt. Viele andere Punkte bleiben nach wie vor unge- Jüngste Forschungsergebnisse
klärt, wie etwa Gehirnkapazität, Sprechfähigkeit, usw. Elaine Morgan, eine ergaben, dass es für das vor-
wärtsgebeugte Affenskelett, das
evolutionistische Paläoanthropologin macht diesbezüglich das folgende Eingeständnis: für den vierfüßigen Gang vorgese-
Vier der außergewöhnlichsten Mysterien des Menschen sind: 1) Warum laufen sie auf hen ist, unmöglich ist, sich evolu-
zwei Beinen? 2) Warum haben sie ihr Fell verloren? 3) Warum haben sie solch ein großes tiv in ein aufgerichtetes
zweibeiniges Menschenskelett zu
Gehirn entwickelt? 4) Warum erlernen sie Sprache? entwickeln.
Die orthodoxe Antwort auf diese Fragen ist: 1) ‘Es ist noch nicht bekannt.’ 2) ‘Es ist noch
nicht bekannt.’ 3) ‘Es ist noch nicht bekannt.’ 4) ‘Es ist noch nicht bekannt.’ Die Liste der
Fragen könnte beträchtlich ausgedehnt werden, ohne die Monotonie der Antwort zu beeinflussen.101

Evolution: Ein unwissenschaftlicher Glaube


Lord Solly Zuckerman ist einer der berühmtesten und höchst anerkannten Wissenschaftler in Groß Britannien.
Während langer Jahre studierte er den Fossilnachweis und führte viele detaillierte Untersuchungen durch. Der Eh-
rentitel ‘Lord’ wurde ihm in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Beiträge verliehen. Zuckerman ist ein Evolutio-
nist. Aus diesem Grunde können seine Aussagen über die Evolution nicht als bewusst pervertiert gestaltete
Bemerkungen abgetan werden. Nach jahrelanger Forschung an Fossilien, die Bestandteil des menschlichen Evoluti-
onsszenarios sind, kam er zu der Schlussfolgerung, dass es in Wahrheit keinen solchen Stammbaum gibt.
Zuckerman stellte auch ein sehr interessantes “Wissenschaftsspektrum” auf. Er ordnete sein Spektrum der Wis-
senschaften in einer Stufenleiter an, angefangen bei denen, die er für wissenschaftlich hielt bis zu denen, die er als un-
wissenschaftlich erachtete. Entsprechend Zuckermans Spektrum sind die “wissenschaftlichsten”, d.h. auf konkreten

Adnan Oktar 211


Daten beruhenden, wissenschaftlichen Gebiete die Chemie und Physik. Ihnen folgen die biologischen und dann die so-
zialen Wissenschaften. Am Ende des Spektrums, welches den, als “unwissenschaftlich” betrachteten Sektor ausmacht,
stehen “übersinnliche Wahrnehmung” – Konzepte wie Telepathie und Sechster Sinn – und letztlich “menschliche Evo-
lution”. Zuckerman erklärt diese Gedankenführung:
Wir bewegen uns dann von dem Bestand objektiver Wahrheit in jene Bereiche angeblicher biologischer Wissenschaft, wie
übersinnliche Wahrnehmung oder die Interpretation der Fossilgeschichte des Menschen, wo für den der glaubt, alles
möglich ist – und wo der Tiefgläubige manchmal sogar in der Lage ist, gleichzeitig verschiedene widersprüchliche Dinge
zu glauben.102
Robert Locke, der Herausgeber der Zeitschrift Discovering Archeology, einer wichtigen Veröffentlichung über die Ur-
sprünge des Menschen, erklärt in einem Artikel: “Die Suche nach den Vorfahren des Menschen erzeugt mehr Hitze als
Licht”, und zitiert das Geständnis des bekannten evolutionistischen Paläoanthropologen Tim White:
Wir alle sind frustriert durch “all die Fragen, die wir nicht in der Lage sind zu beantworten”.103
Der Artikel behandelt die Sackgasse, in der sich die Evolutionstheorie in bezug auf die Anfänge des Menschen be-
findet, sowie das Fehlen jeglicher Grundlage für die Propaganda, die diesbezüglich gemacht wird:
Es gibt vielleicht keinen anderen Wissenschaftsbereich, der mehr umstritten ist als die Suche nach dem Ursprung des Men-
schen. Die Elite der Paläontologen ist sich selbst über die grundlegenden Umrisse des menschlichen Stammbaums uneinig.
Neue Zweige sprießen unter großem Spektakel, nur um, angesichts neuer Fossilienfunde wieder zu verdorren und abzu-
sterben.104
Die selbe Tatsache wurde kürzlich auch von Henry Gee, dem Herausgeber der bekannten Zeitschrift Nature, aner-
kannt. In seinem, 1999 veröffentlichten Buch In Search of Deep Time (Auf der Suche nach der Tiefe der Zeit), Gee führt
aus, dass sämtliche Beweise für eine Evolution des Menschen “in dem Zeitraum von vor 5 bis 10 Millionen Jahren – etli-
che Tausende Generationen von Kreaturen – in einen kleinen Karton passen.” Abschließend sagt er, alle konventionel-
len Theorien über den Ursprung und die Entwicklung des Menschen seien “menschliche Erfindungen, angepasst an die
menschlichen Voreingenommenheiten.” und fügt hinzu:
Eine Fossilienreihe anzulegen und dann zu behaupten, sie stelle einen Stammbaum dar, ist keine
wissenschaftliche Hypothese, die überprüft werden könnte, sondern eine Mutmaßung, die den
gleichen Realitätsanspruch wie eine Gute-Nacht-Geschichte hat – unterhaltend, mög-
licherweise lehrreich, aber nicht wissenschaftlich.105
Was ist nun der Grund dafür, dass so viele Wissenschaftler so hart-
näckig an diesem Dogma festhalten? Warum machen sie solche großen
Anstrengungen, ihre Theorie am Leben zu erhalten, selbst zu dem Preis,
zahllose Widersprüche eingestehen zu müssen, und die Beweise, auf die
sie stießen, ablehnen zu müssen?
Die einzige Antwort ist ihre Angst vor der Wirklichkeit, der sie ins Auge sehen
müssten, falls sie der Evolutionstheorie abschwören würden. Die Tatsache mit der sie
konfrontiert wären, wenn sie die Evolution verneinen ist, dass der Mensch von Gott er-
schaffen wurde. Angesichts ihrer vorgefassten Anschauungen und materialistischen Philoso-
phie jedoch, ist Schöpfung ein inakzeptables Konzept für die Evolutionisten.
Aus diesem Grunde betrügen sie sich selbst und die Welt mit der Unterstützung der Me-
dien, mit denen sie zu gegenseitigem Nutzen zusammenarbeiten. Wenn sie die benötigten
Fossilien nicht auftreiben können, “fabrizieren” sie sie entweder in Form phantasienreicher
Graphiken oder fiktiver Modelle und erwecken den Eindruck, dass tatsächlich Fossilien
vorhanden seien, die die Evolution nachweisen. Ein Teil der
Massenmedien, die ihre materialistische Weltanschauung

SCH teilen, versuchen gleichermaßen die Öffentlichkeit irrezu-

FAL führen und die Fiktion der Evolution ins Unterbewusstsein


der Leute einzuflößen.
Ungeachtet der Intensität ihrer Bemühungen tritt die Wahrheit
klar hervor: Der Mensch kam nicht durch einen Evolutionspro-
zess ins Dasein, sondern wurde von Gott erschaffen. Aus die-
sem Grund ist er Ihm gegenüber verantwortlich.

Der Mythos der menschlichen Evolution hat keinerlei wissenschaftliche


Grundlage. Darstellungen wie die obige haben keine andere Signifi-
kanz, als das Wunschdenken der Evolutionisten zu verdeutlichen.

212
Harun Yahya

KAPITEL 10

DER MOLEKULARE ENGPASS DER EVOLUTION

n den vorangegangenen Teilen dieses Buchs haben wir erläutert, in wie weit die Fossilienfunde die Evolutions-

I theorie widerlegen. Im Grunde genommen wäre es gar nicht nötig gewesen, dies zu tun, denn die Evolutions-
theorie bricht bereits zusammen, lange bevor man zu irgend welchen Behauptungen bezüglich der “Evolution
der Spezien” und dem Fossilnachweis gelangt. Das Thema, das die Theorie gleich von Anfang an ihres Sinnes be-
raubt, ist die Frage, wie das Leben selbst zuerst auf der Erde erschien.
Wenn sich die Evolutionstheorie mit dieser Frage beschäftigt, behauptet sie, dass das Leben mit einer Zelle be-
gann, die sich durch Zufall bildete. Entsprechend des Szenarios unterliefen verschiedene leblose chemische Verbin-
dungen innerhalb der vorzeitlichen Erdatmosphäre vor vier Billionen Jahren einer Reaktion, in der sich unter
Einfluss von Blitzen und Druck die erste lebendige Zelle bildete.
Als erstes muss hier bemerkt werden, dass die Behauptung, unbelebte Materie könne sich zusammenfügen und
Leben hervorbringen, eine unwissenschaftliche ist, die bisher weder experimentell noch anderweitig durch Beobach-
tung bestätigt wurde. Leben kann nur aus Leben hervorgehen. Jede lebendige Zelle bildet sich durch Reproduktion
einer anderen Zelle. Niemand auf der Welt war jemals in der Lage, eine lebendige Zelle durch Zusammenfügung un-
belebter Substanzen zu erzeugen – selbst in den bestausgestatteten Laboratorien nicht.
Die Evolutionstheorie behauptet, dass die Zelle eines Lebewesens, die sich nicht unter dem Zusammenwirken al-
ler Macht des menschlichen Intellekts, Wissens und der Technologie herstellen lässt, es vollbrachte, sich durch Zufall
unter vorzeitlichen Umweltbedingungen der Erde zu bilden. Im Nachfolgenden wollen wir untersuchen, warum die-
se Behauptung in Widerspruch zu den elementarsten Prinzipien der Wissenschaft und der Vernunft steht.

Das Märchen von der “Zufallszelle”


Wenn jemand glaubt, dass eine lebendige Zelle durch Zufall ins Dasein kommen konnte, dann dürfte es keinen
Hinderungsgrund für ihn geben, auch an die folgende ähnliche Geschichte zu glauben, die wir hier zum Besten ge-
ben möchten. Es ist die Geschichte einer Stadt:
Eines Tages, nach einem ausgiebigeren Regen, wurde ein Klumpen Lehm, der zwischen den Felsen eines un-
fruchtbaren Landes eingeklemmt war, nass. Als die Sonne dann wieder schien, trocknete der nasse Lehm und wurde
hart und eignete sich eine steife, widerstandsfähige Form an. Demzufolge wurden die Felsen, die gleichzeitig als
Formschablone gedient hatten, irgendwie in Stücke zertrümmert, und ein schöner, wohlgeformter starker Ziegelstein
machte seinen Auftritt. Dieser Ziegel nun wartete unter den gleichen natürlichen Voraussetzungen Jahre hindurch,
dass sich ein weiterer ähnlicher Ziegel bilden möge. Dieses Geschehen setzte sich fort, bis sich im Lauf der Zeit Hun-
derte und Tausende der gleichen Ziegel am gleichen Ort gebildet hatten. Erfreulicherweise jedoch wird dabei keiner
der früher gebildeten Ziegel beschädigt. Obwohl sie Tausende von Jahren Stürmen, Regen, sengender Sonnenhitze
und eisiger Kälte ausgesetzt waren, entwickelten die Ziegel keinerlei Sprünge, oder Brüche, und wurden auch nicht
örtlich versetzt, sondern warteten dort am gleichen Ort mit der gleichen Ausdauer darauf, dass sich weitere Ziegel
bildeten.
Als sich schließlich eine genügende Anzahl von Ziegeln angesammelt hatte, begannen sie ein Gebäude zu errich-
ten, indem sie zufällig durch die Einwirkungen natürlicher Voraussetzungen, wie Winde, Stürme oder Orkane auf-
und nebeneinander geschlichtet wurden. Gleichzeitig bildeten sich Materialien wie Zement oder Erdmischungen, die
unter “natürlichen Voraussetzungen” in perfekter Zeitabstimmung in die Fugen krochen, um die Ziegel fest aneinan-
der zu binden. Während all dies geschah, formte sich mineralisches Eisen unter der Erde unter “natürlichen Voraus-

Adnan Oktar 213


Eines Tages, nach einem ausgiebigen Regen, wird ein Klumpen Lehm, der zwischen den Felsen eines unfruchtbaren Landes eingeklemmt ist, nass. Wenn die
Sonne wieder scheint trocknet der nasse Lehm, wird hart und eignet sich eine steife, widerstandsfähige Form an. Nun werden die Felsen, die Form gedient
hatten, irgendwie in Stücke zertrümmert, und ein schöner, wohlgeformter starker Ziegelstein kommt zum Vorschein. Dieser Ziegel nun wartet unter den glei-
chen natürlichen Voraussetzungen Jahre hindurch, dass sich ein weiterer ähnlicher Ziegel bilden möge. Dieses Geschehen setzt sich fort, bis sich im Lauf
der Zeit Hunderte und Tausende der gleichen Ziegel am gleichen Ort gebildet haben. Zum Glück wird inzwischen keiner der früher gebildeten Ziegel beschä-
digt. Obwohl sie Tausende von Jahren Stürmen, Regen, sengender Sonnenhitze und eisiger Kälte ausgesetzt werden, entwickeln die Ziegel keinerlei Sprün-
ge oder Brüche, und werden auch nicht örtlich versetzt, sondern warten am selben Ort mit Ausdauer darauf, dass sich weitere Ziegel bilden.
Wenn sich schließlich eine genügende Anzahl Ziegel angesammelt hat, errichten sie ein Gebäude, indem sie zufällig durch die Einwirkungen natürlicher Vor-
aussetzungen, wie Winde, Stürme oder Orkane auf- und nebeneinander geschlichtet werden. Gleichzeitig bilden sich Materialien wie Zement und Erdmi-
schungen, die unter "natürlichen Voraussetzungen" in perfekter Zeitabstimmung in die Fugen kriechen, um die Ziegel fest aneinander zu binden. Während all
dies geschieht formt sich mineralisches Eisen unter der Erde unter "natürlichen Voraussetzungen" und legt das Fundament für das sich mit den Ziegeln
selbst errichtende Gebäude. Am Ende dieses Prozesses steht ein vollständiges Gebäude mit allen Materialien, und funktionierenden Installationen.
Harun Yahya

setzungen” und legte das Fundament für das, sich mit den Ziegeln er-
richtende Gebäude. Am Ende dieses Prozesses erhob sich ein vollständi-
ges Gebäude mit allen Materialien, Zimmermannsarbeiten und
Installationen funktionsfähig.
Ein Gebäude besteht natürlich nicht nur aus Fundament, Ziegeln
und Zement. Wie wurden dann die anderen fehlenden Materialien beige-
bracht? Die Antwort ist einfach: Alle Arten von Baumaterialien, die zur
Errichtung eines Gebäudes benötigt werden sind, im Erdboden vorhan-
den, auf dem es errichtet wird. Quarz für das Glas, Kupfer für die elektri-
schen Kabel, Eisenerz für die Verstärkungen der Pfeiler und Streben und
für die Wasserrohre usw. Sie alle waren in genügenden Mengen unter
der Erdoberfläche vorhanden, und es bedurfte lediglich des Könnens der
“natürlichen Voraussetzungen”, um diese Materialien zu formen und in-
nerhalb des Gebäudes einzusetzen. Alle Installationen, Zimmermannsar-
beiten und Zubehör wurden zwischen den Ziegeln mit Hilfe von Wind,
Regen und Erdbeben eingefügt. Alles verlief so einwandfrei, dass die
Ziegel dergestalt gelegt wurden, dass die notwendigen Freiräume für
Fenster gelassen wurden, als ob die natürlichen Voraussetzungen schon
wüssten, dass sie später so etwas wie Glas bilden würden. Außerdem
wurde auch nicht vergessen, Freiräume für die Installation von Wasser-,
Strom- und Heizungssystemen zu lassen, welche ebenfalls zufällig nach-
träglich eingesetzt wurden. Alles verlief so einwandfrei, dass “Zufall”
und “natürliche Voraussetzungen” ein vollkommenes Design verwirk-
lichten.
Wenn Sie ihren Glauben an diese Geschichte bisher noch bewahren
konnten, dürften Sie keine Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, wie
die anderen Gebäude der Stadt, die Fabriken, Verkehrsstraßen, Fußgän-
gerwege, Untergrundstrukturen, Kommunikations- und Transportsyste-
me zustande kamen. Falls Sie das technische Fachwissen haben und
einigermaßen mit dem Thema vertraut sind, könnten Sie selbst ein äu-
ßerst “wissenschaftliches”, mehrbändiges Werk schreiben, in dem Sie Ih-
re Theorien bezüglich des “evolutiven Prozesses eines Abwassersystems
und seiner Gleichförmigkeit mit gegenwärtigen Strukturen” darlegen.
Sie könnten sich damit sehr wohl akademische Lorbeeren für Ihre aufklä-
renden Studien ergattern, und sich für ein Genie halten, das die Mensch-
heit erleuchtete.
Die Evolutionstheorie besteht darauf, dass das Leben durch Zufall
entstanden sei. Dies ist eine Behauptung, die in keiner Weise weniger ab-
surd ist als unsere Geschichte, denn mit all ihren Funktions-, Kommuni-
kations-, Transport- und Verwaltungssystemen steht eine Zelle einer
Stadt in Komplexität nicht nach.

Das Wunder in der Zelle und das Ende der Evolution


Die komplexe Struktur einer lebenden Zelle war unbekannt in Dar-
wins Zeiten, und Leben dem “Zufall und natürlichen Voraussetzungen”
zuzuschreiben, erschien den Evolutionisten überzeugend genug.
Die Technologie des 20. Jh. hat Einsicht in die winzigsten Bestandtei-
le des Lebens ermöglicht und zu Tage gebracht, dass die Zelle das kom-
plexeste System ist, dem die Menschheit je gegenüberstand. Wir wissen
heute, dass die Zelle Kraftwerke beinhaltet, durch die die von der Zelle
gebrauchte Energie erzeugt wird, Fabriken, die die lebensnotwendigen
Enzyme und Hormone herstellen, einen Datenspeicher, der die gesamte
notwendige Information über alle herzustellenden Produkte aufzeichnet,

Adnan Oktar 215


ein komplexes Transportsystem und Rohrleitungen für die Beförderung von Rohmaterialien von einer Stelle zur ande-
ren, hochentwickelte Laboratorien und Raffinerien um die externen Rohmaterialien in ihre brauchbaren Bestandteile
aufzuschlüsseln, und spezialisierte Zellmembranproteine für die Kontrolle der eingehenden und ausgehenden Materia-
lien, und all dies macht nur einen geringen Teil dieses unglaublich komplexen Systems aus.
W. H. Thorpe, ein evolutionistischer Wissenschaftler erkennt das an: “... der elementarste Zelltyp stellt einen ‘Me-
chanismus’ vor, der unvorstellbar mehr komplex ist, als irgendeine Maschine, die der Mensch sich erdenken, ge-
schweige denn bauen könnte.”106
Eine Zelle ist dermaßen komplex, dass selbst der hohe Stand der Technologie, den die Menschheit erreicht hat, es
nicht ermöglicht, eine Zelle herzustellen. Keine Bemühungen, eine lebende Zelle herzustellen waren jemals erfolgreich;
in der Tat, Versuche dies zu tun wurden stets abgebrochen.
Die Evolutionstheorie gibt vor, dass dieses System, das die Menschheit mit aller Intelligenz, allem Wissen und aller
Technologie, die ihr zur Verfügung stehen, nicht in der Lage ist hervorzubringen, durch “Zufall” unter den vorzeitlichen
Bedingungen der Erde ins Dasein kam. Um ein anderes Beispiel zu geben, die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Zellbil-
dung ist geradeso gering, wie die, dass ein Buch durch eine Explosion in einer Buchdruckerei gedruckt werden könnte.
Der englische Mathematiker und Astronom Sir Fred Hoyle stellte einen ähnlichen Vergleich in einem Interview an,
das am 12. November 1981 in der Zeitschrift Nature veröffentlicht worden war. Obwohl selbst ein Evolutionist, sagte er,
die Wahrscheinlichkeit, dass höhere Lebensformen auf diese Weise ins Dasein kamen, sei etwa vergleichbar mit der
Möglichkeit, dass ein, durch einen Schrottplatz fegender Orkan mit den dort befindlichen Teilen eine Boeing 747 zu-
sammenmontiere.107 Das bedeutet, dass es für eine Zelle nicht möglich ist, durch Zufall zustandegekommen zu sein,
und somit sollte sie mit Sicherheit “erschaffen” worden sein.
Einer der elementarsten Gründe, warum die Evolutionstheorie das Zustandekommen der Zelle nicht erklären kann,
ist die “nicht reduzierbare Komplexität” der Zelle. Eine lebendige Zelle unterhält sich selbst durch das harmonische zu-
sammenwirken vieler Organellen. Falls nur eine dieser Organellen in ihrer Funktion versagt, kann die Zelle nicht über-
leben. Die Zelle hat nicht die Möglichkeit, auf unbewusste Mechanismen wie natürliche Selektion oder Mutation zu
warten, um ihr zu gestatten, sich zu entwickeln. Daher war die erste Zelle auf dieser Welt notwendigerweise eine voll-
ständige Zelle, die alle notwendigen Organellen und Funktionen besaß, und das bedeutet mit Sicherheit, dass diese Zel-
le erschaffen worden sein musste.

Proteine fordern den Zufall heraus


Soviel zur Zelle, doch die Evolutionslehre versagt sogar in der Erklärung der Bausteine der Zelle. Die Herausbil-
dung – unter natürlichen Bedingungen – selbst nur eines einzigen Proteins von den Tausenden komplexer Proteinmole-
küle, die eine Zelle aufbauen, ist nicht möglich.
Proteine sind Riesenmoleküle, die aus kleineren Einheiten, den “Aminosäuren” bestehen, welche ihrerseits in einer
speziellen Folge und in bestimmten Mengen und Strukturen angeordnet sind. Diese Moleküle stellen die Grundbaustei-
ne einer lebenden Zelle dar. Das einfachste davon ist aus 50 Aminosäuren zusammengestellt, doch es gibt Proteine, die
aus Tausenden von Aminosäuren aufgebaut sind.

216
Harun Yahya

Die Komplexität der Zelle

Zellmembran

Nukleole

Nukleole
Kernplasma

Kapillaren Zentriolenpaar

Copula

Lysozome
Golgi-Körper

Endoplasmisches Granulares Mitochondrie


Reticulum endoplasmisches
Reticulum

Die Zelle ist das komplexeste und eleganteste Systemdesign, das der Mensch je kannte. Der Biologieprofessor Michael Denton er-
klärt diese Komplexität in seinem Buch Evolution: A Theory in Crisis (Evolution: Eine Theorie in der Krise) in einem Beispiel:
“Um die Realität des Lebens, wie es sich durch die Molekularbiologie enthüllt hat, zu erfassen müssen wir eine Zelle eine Milliarde
Mal vergrößern, so dass sie einen Durchmesser von 20 km hat, und einem gigantischen Luftschiff gleicht, groß genug, eine Groß-
stadt wie London oder New York zu überschatten. Was wir dann erkennen könnten, wäre ein Objekt von unvergleichlicher Kom-
plexität und harmonischem Design. Auf der Oberfläche der Zelle würden wir Millionen von Öffnungen erkennen, wie die Schleusen
eines gewaltigen Raumschiffs, die sich öffnen und schließen um einen fortwährenden Strom von Materialien aufzunehmen und
auszustoßen. Wenn wir durch eine dieser Schleusen ins Innere eintreten würden, fänden wir uns in einer Welt von überragender
Technologie und verblüffender Komplexität... die unsere eigenen schöpferischen Fähigkeiten weit überschreitet, einer Realität,
welche die genaue Antithese des Zufalls ist, und die in jeder Hinsicht alles, was je von menschlicher Intelligenz hervorgebracht
wurde, weit übertrifft...”

Adnan Oktar 217


Eingeständnisse von Evolutionisten

ie Evolutionstheorie steht ihrer größten Krise gegenüber, wenn es dazu kommt, den Ur-

D sprung des Lebens zu erklären. Der Grund dafür ist, dass, die organischen Moleküle so
komplex sind, dass ihre Bildung unmöglich als zufällig entstanden erklärt werden kann,
und es daher eine offensichtliche Unmöglichkeit ist, dass die Zelle sich zufällig gebildet hat.
Einige Evolutionisten nahmen die Frage des Ursprungs des Lebens im zweiten Viertel des 20.
Jh. in Angriff. Eine der führenden Autoritäten auf dem Gebiet der Theorie der molekularen Evo-
lution, der russische Evolutionist Alexander I. Oparin erläuterte in seinem Buch The Origin of Li-
fe (Der Ursprung des Lebens), das im Jahr 1936 veröffentlicht worden war:
Leider bleibt der Ursprung der Zelle weiterhin eine unbeantwortete Frage, die in der Tat der dun-
kelste Punkt in der gesamten Evolutionstheorie ist.1
Seit Oparin haben Evolutionisten zahllose Experimente durchgeführt, Forschung un-
ternommen und Beobachtungen angestellt um Beweise zu finden, dass die Zelle sich
spontan gebildet haben könnte. Diese Versuche haben jedoch das komplexe Design
der Zelle nur noch mehr verdeutlicht, und damit die evolutionistischen Hypothesen
noch weiter abseits von der Realität gestellt. Professor Klaus Dose, der Leiter des In-
stituts für Biochemie an der Johannes Gutenberg Universität erklärt:
Über 30 Jahre experimenteller Forschung bezüglich des Ursprungs des Lebens auf
den Gebieten der chemischen und molekularen Evolution haben zwar zu einer besse-
ren Erkenntnis der Immensität des Problems geführt, das der Ursprung des Lebens auf
der Erde präsentiert, nicht jedoch zu seiner Lösung. Gegenwärtig enden alle Diskussionen
der hauptsächlichen Theorien und Experimente auf diesem Gebiet entweder in einer Sack-
gasse, oder in einem Eingeständnis von Unwissenheit .2
Die folgende Aussage des Geochemikers Jeffrey Bada vom Scripps
Institute in San Diego macht die Hilflosigkeit der Evolutionisten be-
züglich dieses Engpasses deutlich:
Heutzutage, am Ende des 20 Jh. stehen wir immer noch dem sel-
ben größten ungelösten Problem gegenüber das uns zu
Beginn des 20 Jh. konfrontierte: Wie begann das Leben
auf der Erde?3

Jeffrey Bada:
Alexander Oparin: "… dem selben
"… bleibt der Ur- größten unge-
sprung der Zelle lösten Prob-
weiterhin eine un- lem…: Wie
beantwortete Fra- begann das Le-
ge…" ben auf der Er-
de?"

1- Alexander I. Oparin, Origin of Life, (1936) New York: Dover Publications, 1953 (Nachdruck), S. 196.
2- Klaus Dose, "The Origin of Life: More Questions Than Answers", Interdisciplinary Science Reviews, Band 13, Nr. 4, 1988, S. 348.
3- Jeffrey Bada, Earth, Februar 1998, S. 40.

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Harun Yahya

Der entscheidende Pun