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Hans Richter

Religionsunterricht in 1954

Abb. 1: Die Schöpfung (Adam und Eva)

1
2
Religionsunterricht in 1954
- auf der Suche nach den Wurzeln der Geschichte -

Hans Richter

Lulu Verlag

-2010-

3
© 2010 von Joannes Richter
veröffentlicht bei Lulu
www.lulu.com

ISBN: xxx-x-xxxx-xxxx-x

4
Inhaltsverzeichnis
Einführung............................................................................................................................................6
Am Dreisprung.....................................................................................................................................7
Die Schulklasse 2.................................................................................................................................8
Die Farbcodes im Manuskript............................................................................................................11
Das Manuskript als Faksimile............................................................................................................17
Der Katechismus................................................................................................................................32
Der erste Katechismus...................................................................................................................32
Der Katechismus............................................................................................................................33
Zusammenfassung..............................................................................................................................34
Anhang 1: Monatsnoten zweites Schuljahr, 1953-1954....................................................................35
Anhang 2: Zusätzliche Berichte.........................................................................................................36

Abbildungen
Abb. 1: Die Schöpfung (Adam und Eva).............................................................................................1
Abb. 2: Klassenfoto der zweiten Grundschulklasse, Zeelsterstraat 138, Eindhoven, 1954.................8
Abb. 3: Das in 1954 aufgenommenen Erinnerungsfoto.......................................................................9
Abb. 4: Die Schöpfung (Adam en Eva, auf Seite 1)..........................................................................11
Abb. 5: Auszug aus dem Paradies (Sündenfall des Ehepaars Adam und Eva, auf Seite 1)...............12
Abb. 6: Maria in blauer Bekleidung (auf Seite 1)..............................................................................13
Abb. 7: Gott in einer blauen Wolke (Seite 2).....................................................................................14
Abb. 8: "Gott - mit uns" im roten Gewand (Seite 2)..........................................................................15
Abb. 9: Purpur Flagge auf dem Friedhof (Seite 11)...........................................................................16
Abb. 10: Umschlag des Heftes (16 x 21 cm)......................................................................................17
Abb. 11: Seite 1 – Adam und Eva – Sündenfall - Maria....................................................................18
Abb. 12: Seite 2 – Die Missionierung im Auftrag von Christus........................................................19
Abb. 13: Seite 3 - Allerheiligen, Allerseelen.....................................................................................20
Abb. 14: Seite 4 – Abschluss des Maria-Jahres am 8 Dezember 1954..............................................21
Abb. 15: Seite 5 - Gebete – Gottes Sohn wird Mensch – Der Mensch wird Gottes Kind.................22
Abb. 16: Seite 6 – Gebet an Jesus zum neuen Jahr 1955...................................................................23
Abb. 17: Seite 7 - Gnade....................................................................................................................24
Abb. 18: Seite 8 - Das Getreide und das Unkraut..............................................................................25
Abb. 19: Seite 9 - Die Priesterliche Gewänder - Von Aschermittwoch bis Ostern............................26
Abb. 20: Seite 10 – Monumente – Befreiung der Sklaven aus Ägypten -> Befreier der Erbsünden 27
Abb. 21: Seite 11 – Die Kreuzigung..................................................................................................28
Abb. 22: Seite 12 – Danksagung für das Leben.................................................................................29
Abb. 23: Seite13 - Der Tempelbau und die Einrichtung der Räumen...............................................30
Abb. 24: Seite 14 – Urlaub – Wir werden nicht fluchen ... – Auf zum Himmel ...............................31
Abb. 25: Erste Katechismus, Niederlande, 1954................................................................................32
Abb. 26: Monatsnoten zweites Schuljahr, 1953-1954.......................................................................35

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Einführung

Irgendwann zur Erkenntnisphase des Lebens sollte man sich die Zeit nehmen für einen Rückblick
auf den zurückgelegten Weg. Es ist die Suche nach den elementaren Fragen „Wer bin ich“, „Woher
komme ich“ und „Wohin gehe ich“, die noch auf eine Antwort warten.

Merkwürdigerweise ist mir meine kleine Kinderbibel erst in die Händen gefallen als ich die
Antwort bereits auf Umwegen gefunden hatte. Trotzdem ist mir klar, dass sie eigentlich am Anfang
dieser Geschichte stehen sollte, denn in meinem Bibelheft hatte ich 1954 die Antworten bereits
schriftlich niedergeschrieben, obwohl ich sie damals sicherlich nicht richtig verstanden habe.

Der Religionsunterricht diente 1954 nicht nur zur religiösen Ausbildung. In gewisser Weise
kombinierte man den Unterricht mit einer Schreib- und Zeichenübung. Der Klassenlehrer oder
Priester hat die Zeichnungen an der Tafel vorgezeichnet, von wo sie die Klasse genau in ein Heft
kopiert hat. Im jugendlichen Alter von 7 Jahren ist es undenkbar, dass die Schüler die Texte oder
Farben dabei absichtlich geändert haben können. So können wir aus den Zeichnungen die
Zielvorgabe des Priesters recht genau ablesen.

Der Mann ist rot und die Frau sei blau. Das war für mich offensichtlich selbstverständlich. Erst
später habe ich erfahren, dass diese Farben eine Bedeutung haben. So mag auch die
Farbkombination der mittelalterlichen Gewänder und der niederländischen Flagge auf diese
Codierung basieren, deren Ursprung auf die göttlichen Kommandos des Buches Exodus zurückgeht.

Die Farbcodes sind indes nicht auf die Bibel beschränkt, sondern werden in vielen anderen Ländern
in ähnlicher Form wieder entdeckt. Sie deuten auf eine globale, gemeinsame Basis und ein
gemeinsames religiöses Verständnis, das vermutlich fast verloren gegangen wäre.

Im Rückblick basiert das von mir geschriebene Heft weitgehend auf den ersten Katechismus, den
die Kirche für die ersten beide Schulklassen vorgeschrieben hatte. Die Zielrichtung dieser Schrift
geht besonders aus dem ersten und zweiten Katechismus klar hervor. Die Kirche will die
Bevölkerung durch Indoktrination zu Gehorsam führen, indem das Gute belohnt und das Schlechte
bestraft wird.

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Am Dreisprung
Mein Geburtsort liegt an dem Fußweg von Duisburg nach Antwerpen. Genau genommen handelt es
sich wohl um einer Verlängerung des Hellwegs, der auch heute noch von Paderborn über Duisburg
nach Hellevoetsluis an der Nordseeküste führt. Die Verlängerung des Hellweges in den südlichen
Niederlanden verläuft auf einem 20 Meter hohen Höhenzug, der es abgesehen von der Überquerung
der Maas ermöglichen sollte trockenen Fußes nach Antwerpen zu gelangen. Ein solches Ansinnen
wäre wohl technisch möglich, aber doch unpraktisch, denn zur Umgehung des Flusses Dommel
und seinen Seitenarmen müsste der Reisende einen zu langen Umweg durch Südbrabant im Kauf
nehmen. So wählt man an geeigneter Stelle am Zusammenfluss der Flüsschen Tongelreep und
Dommel einen mehr oder weniger idealen Furt, der schlimmstenfalls nur einmal das Überqueren des
Wassers und ein anschließendes Trocknen der Schuhen erfordert. Der restliche Weg verläuft
unspektakulär und es mag in längst vergessener Zeit ein Handelsweg oder Pilgerweg von Ost nach
West gewesen sein, der die südlichen Niederlanden in sechs Meter Höhe wie ein alternativer
Jakobusweg durchquert.
Ursprünglich lagen an diesem Furt mehrere Dörfer verstreut, die im sumpfigen Flussdelta eher
schlecht als recht miteinander verbunden waren. Man legte Knüppeldämme durch die
Sumpfwiesen, so dass man wenigstens im Sommer die Gewässer leichter überqueren konnte. Im
Winter waren die Flüsse ohnehin nicht zu bändigen. Das Wasser überschwemmte die halbe
Landschaft und der gesamte Verkehr ruhte. Später lernte man die Bändigung des Wassers durch
Deichbau, Schleusen und Kanälen.
In den Sümpfen müssen auch große Bäume gediehen haben. Das Grundwasser der Sümpfe sorgte
für einen ausgiebigen Wasserfluss und noch am Anfang des letzten Jahrhunderts standen zwei
große Linden auf dem Marktplatz meines Geburtsortes. Sie wurden wohl etwa 500 Jahre zuvor als
Siegeslinden gepflanzt nach einer gewonnenen Schlacht und hatten beim Zersägen einen
Durchmesser von einigen Metern erreicht. Es ist auch denkbar dass diese riesigen Bäume, die sich
oft neben einem Fluss befinden von der ursprünglichen Bevölkerung auch als heilige Stätten verehrt
worden sind, denn auf der Nordseite des Flusses liegt ein Stadtteil mit dem Namen „Wotans Seele“1.
Nichts jedoch erinnert abgesehen von dem Namen einiger Ortschaften an der früheren Bedeutung
als heiliger Hain.
Zur Zeit der Ankunft meiner Eltern in die Stadt war der zweite Weltkrieg gerade beendet worden
und die Stadt blühte auf. Es wurden viele Kinder geboren, deren Eltern sich in der Stadt der
Glühlampenfabrik niederließen. Für die jungen Familien war es nicht leicht einen Wohnraum zu
finden und so musste mein Vater nach einem langen Arbeitstag abends noch auf dem Wohnungsbau
mithelfen um einen Platz auf die Warteliste einer Wohnung zu erreichen. Irgendwann haben meine
Eltern auch diese Hürde überwunden und konnten sie mich als ersten Sohn im gemieteten
Reihenhäuschen betten.
Im Stadtteil Strijp befanden sich die Glas- und Glühlampenfabriken der Firma Philips, die für einen
beachtlichen Zuwachs der Bevölkerung sorgten. In den ersten Nachkriegsjahren wurden zunächst
Wohnungen gebaut, sodass ich nicht in unmittelbarer Nähe unserer neuen Wohnung, sondern einige
Kilometern weiter eingeschult wurde. An dieser römisch-katholischen Grundschule lernte ich 1953
lesen und schreiben und an dieser Schule ist auch meine kleiner Kinderbibel entstanden.

1 Genau genommen handelt es sich um den Stadtteil „Woensel“

7
Die Schulklasse 2
Das Büchlein in einem einfachen Schulheft mit nur 15 Seiten dokumentiert den ersten
Religionsunterricht, den ich als Siebenjähriger Bube gefolgt habe. Der Religionsunterricht wurde
entweder vom Klassenlehrer oder von einem Kaplan oder Pfarrer gegeben. Der Dozent hat dazu die
Zeichnungen und Texte mit farbiger Kreide auf der Tafel geschrieben, so dass wir als Schüler den
Text mit den Abbildungen genau abmalen konnten. Es war somit nicht nur die Religion, sondern
auch eine Schreibübung und Zeichenunterricht, den man uns auf effizienter Weise parallel
unterrichten konnte. Diese Kombination der Fächer Religion, Zeichnen und Schreiben war natürlich
nur an einer rein Christlichen Schule. Religion war damals in Brabant an den Christlichen Schulen
ein Pflichtfach. Die gesamte Familie ging am Sonntag anstandslos in die Kirche, die damals noch
bis auf den letzten Plätzen gefüllt war.
Es gab in den Nachkriegsjahren auch viele Kinder. Zu den Erinnerungsfotos dieser zeit gehören
zwei Aufnahmen, die mich im Jahr 1954 zeigen. Beide Fotos sind die typische Erinnerungsfotos
des einzelnen Lehrlings und seiner Klasse. Am Bild kann man ablesen, dass der Herr Lehrer in
dieser zweiten Grundschulklasse wohl 34 Schüler unterrichtet haben muss.

Abb. 2: Klassenfoto der zweiten Grundschulklasse, Zeelsterstraat 138, Eindhoven, 1954

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Abb. 3: Das in 1954 aufgenommenen Erinnerungsfoto

Rückblickend kann man sich natürlich fragen, ob man Kinder dieses Alters in einem Pflichtfach
eine unbewiesene Geschichte als oberste Wahrheit lehren sollte. Im Nachhinein akzeptiere ich diese
Methode, weil mir auch in späteren Jahren niemals ein Zwang auferlegt worden ist. Es ist die
Toleranz, welche diese Methode in meinen Augen akzeptabel macht.
In späteren Jahren interessierte mich dann wie die religiöse Strukturen entstanden sind und über
welchen Kanälen sie die Bevölkerung beeinflussen. Aus dieser Studie geht die Erforschung der
religiösen Ursprüngen hervor. Bei der Analyse haben sich unterschiedliche Lehrmeinungen
gebildet, die namentlich den Band zwischen Mann und Frau stark beeinflusst haben.
Obwohl die Schöpfungslegende im nachfolgenden Manuskript Mann und Frau sofort als
gleichwertiges Partnerpaar entstehen lässt, habe ich doch aus dem mir nachgelassenen Bibliothek
meines Vaters erfahren, dass kurz nach dem Krieg der Mann generell als das Familienoberhaupt
und die Ehefrau als seine Untergebene 2 betrachtet wurde. In unserer Familie habe ich diese
Herabsetzung jedoch niemals als Jugendlicher wahrgenommen. Es ist jedoch die Frage in wieweit
die Kinder ihre Eltern in dieser Hinsicht wirklich beurteilen können.
Die nachfolgende Schöpfungslegende dokumentiert keine Reihenfolge der Schöpfung, wobei der
Mann zuerst und anschließend die Frau als seine Gehilfin entstanden sei. Beide Partner sind völlig
gleichwertig auf Anhieb vorhanden. Die einseitige Bevorzugung des Mannes wird erst aus der
Skizze des Tempels ersichtlich, in dem keine Frauen zugelassen werden.
Der Mann ist rot und die Frau sei blau. Das war für mich offensichtlich selbstverständlich. Erst
später habe ich erfahren, dass diese Farben eine Bedeutung haben können. So mag wohl auch die
Farbkombination der niederländischen Flagge auf diese Codierung basieren.

2 gegebenenfalls auch auf der Stufe eines Kindes.

9
Es wäre gar denkbar, dass ich die Religion im späteren Leben anders beurteilt hätte, wenn mir die
Zusammenhänge zwischen den Farbcodes
• für die ersten Menschen,
• die Farbcodes für die Flaggen,
• für die Bekleidung der mittelalterlichen Fürsten,
• für die Paars des Rathauses in Leiden3,
• für die göttlichen Vorschriften4 zur Bekleidung und Zeltbau
rechtzeitig in meiner Ausbildung erklärt hätte. Nun aber habe ich diese Einsicht in eigener
Recherche erarbeitet...
In aller Kürze kann man zusammenfassen, dass im Mittelalter für die Bekleidung der Fürsten ein
Farbcode angewandt wurde. Amtierende Fürsten trugen wie die Heiligen auf den Ikonen und
Gemälden vorzugsweise Rot und Blau in verschiedenartiger Kombination. Bei genauer Betrachtung
stammt diese Farbcodierung aus den Büchern Exodus und Chronik, in dem Gott seine Anweisungen
für die Bekleidung des Priesters und für die Einrichtung des Tempels bekannt gibt. Zumindest für
die Flaggen der Niederlande und Frankreich bestehen Hinweise, dass die Farben Rot und Blau auf
den fürstlichen Bekleidungen des jeweiligen Herrschers und somit indirekt auf den Bibelangaben
basieren. Wie aus mein kleiner Bibel beweist sind das Rot und das Blau jedoch auch die Farben, die
Mann und Frau symbolisieren. Diese Farben stehen symmetrisch neben einander, so dass Mann und
Frau ebenbürtig sind.
Das Ergebnis ist für die Konservativen unter den Gläubigen vermutlich inakzeptabel und für die
Ungläubigen eher uninteressant. Das Manuskript ist jedoch ein historisches Zeugnis, in dem die
damalige Lehre auf einer übersichtlichen Weise zusammengefasst wurde. Die Komprimierung mag
gar wertvoller sein als die professionelle Werke für die Erwachsenen.
Die nachfolgenden Kapitel dokumentieren den Inhalt der Unterrichtsstunden des Schuljahres 1954-
1955. Zur Verbesserung des Kontrastes wurde die Farbkomposition für jede Einzelseite optimiert.
Ansonsten wurden die Farben und Texte unverändert übernommen. Die sichtbare
Bearbeitungsspuren mit Radiergummi stammen aus der Zeit 1953-1954, als die Schreibfehler
beseitigt wurden, aber auch zur Umwandlung der Entwurfsschrift in Reinschrift.

3 Im Rathaus der Stadt Leiden befand sich vor Jahrhunderten einen großen Saal, der die Paars genannt wurde.
„Paars“ bezieht sich wohl auf die Adelskaste (Englisch: „peers“), ist aber zur Zeit nur als Farbe („het paars“) in der
Niederländischen Sprache definiert.
4 im Buch Exodus sowie Chronik

10
Die Farbcodes im Manuskript
Die erste Abbildungen zeigen Adam und Eva kurz nach der Erschaffung.Sowohl die Bilder als die
Texte wurden zunächst mit Bleistift vorgezeichnet und anschließend mit Tinte aus dem Tintenfass
nachgezogen und mit Farbstiften koloriert. Selbstverständlich sind alle Texte des Manuskripts in
niederländischer Sprache.
Im Nachhinein ist die Farbgebung für die ersten beiden Menschen spektakulär, insofern dass Adam
in roter und Eva in blauer Farbe dargestellt wird.
Oberhalb der ersten Menschen ist die goldene Himmelspforte noch geöffnet. Die Gestalten neben
Adam und Eva sind nicht identifizierbar.

Abb. 4: Die Schöpfung (Adam en Eva, auf Seite 1)

11
Nach dem Sündenfall, die mit dem Wort „Zonde“ = Sünde angedeutet wird, verweist eine höhere
Macht die gebeugten Sünder aus dem Paradies. Die Farbe Purpur der zwei Gestalten ist
offensichtlich die Mischfarbe von Rot und Blau, die ggf. als Folge der von Gott geschlossenen
Heirat entstanden sein könnte. Zu diesem Zeitpunkt ist die goldene Himmelspforte auch schon
geschlossen.

Abb. 5: Auszug aus dem Paradies (Sündenfall des Ehepaars Adam und Eva, auf Seite 1)

12
Auch für Maria können wir eine blaue Linie ablesen, die zur weiblichen Person gehört. Die blaue
Farbe wurde auch für den Namen herangezogen. Der gelbe Ring im Kopfbereich deutet auf einen
goldenen Strahlenkranz

Abb. 6: Maria in blauer Bekleidung (auf Seite 1)

13
Gott wird in verschiedener Gestalt dargestellt. In der nachfolgenden blauen Wolke repräsentiert
Gott einen himmlischen Gott.

Abb. 7: Gott in einer blauen Wolke (Seite 2)

14
In einer Abbildung "Gott - mit uns" wird sowohl die Krippe als auch die Gestalt vor der Krippe in
Rot dargestellt. Es ist jedoch unklar ob die erwachsene Person Gott, beziehungsweise Maria
darstellt.

Abb. 8: "Gott - mit uns" im roten Gewand (Seite 2)

15
Bemerkenswert ist die purpurne Farbe der Flagge auf dem Friedhof auf Seite 11. Purpur ist die
Mischfarbe von Rot und Blau. Genau genommen gibt es nur wenige Flaggen, die Purpur enthalten.
In der Niederlande ist nur die Flagge des Verteidigungsministeriums überwiegend in Purpur
gehalten. In Anbetracht der Farbcodes von Adam und Eva (rot, bzw. blau, und nach dem Sündenfall
Purpur) müssen wir dieses Purpur eher als Mischfarbe von Rot und Blau betrachten.

Abb. 9: Purpur Flagge auf dem Friedhof (Seite 11)

16
Das Manuskript als Faksimile

Abb. 10: Umschlag des Heftes (16 x 21 cm)

Das Heft wurde vom Lehrer mit dem Schülernamen „H. Richter“ beschriftet. Warum die Klasse 2½
benannt wurde ist unklar.

17
Abb. 11: Seite 1 – Adam und Eva – Sündenfall - Maria

Es fällt auf, dass Adam in roter Farbe und Eva ebenso wie Maria in blauer Farbe gemalt werden.
Das ausgewiesene Ehepaar wird nach der von Gott eingeweihten Hochzeit in Purpur gemalt.

18
Abb. 12: Seite 2 – Die Missionierung im Auftrag von Christus

Als Himmelsgott wird Gott in den blauen Wolken symbolisiert, der Isaias vor sehr langer Zeit mit
einer Vision inspiriert habe. Auf dem Berg in der Nähe der Stadt Kafarnaum (Capharnaüm) stehend
spreizt Gott die Arme wie Adam und trägt ein rotes Gewand. Kafarnaum ist als ein Wohnort von
Jesus bekannt:
Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach
Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im
Gebiet von Sebulon und Naftali. (Matthäus 4,12-13)
Der Prophet Isaias (in gelb gekleidet) prophezeit wohl die Jungfrauengeburt.

19
Abb. 13: Seite 3 - Allerheiligen, Allerseelen
Auf Seite 3 wird Jesus Christus als König von Himmel und Erden, bzw. als Christ König zweimal
in roter Farbe mit gespreizten Armen dargestellt. Alle Heiligen und ich selbst werden in Purpur
abgebildet.
Die Abbildung bezieht sich auf die Feier Allerheiligen (Montag, 1 November 1954) und Allerseelen
(Dienstag 2 November, 1954) sowie auf dem Sonntag vor Allerheiligen (Christkönig).
Die Allerheiligen befinden sich bereits im Himmel, Die Seelen befinden sich im roten Fegefeuer,
bis sie durch die goldene Himmelspforte den Himmel betreten dürfen...

20
Abb. 14: Seite 4 – Abschluss des Maria-Jahres am 8 Dezember 1954

Auffällig ist, dass Adam (und nicht Eva) als Einzelmensch die Schuld der Erbsünden trägt, die den
menschlichen Tod verursachen. Andererseits ist auch ein Einzelmensch in der Lage durch den Tod
am Kreuz das Leben wieder zu gewinnen. Die Unterschrift lautet:
• Ich bin Mitglied der Kirche (Verein)
• Ich gehe in die Kirche (Gebäude)
• Am Freitag verbietet dir die Kirche Fleisch zu essen (Vorstand)

21
Abb. 15: Seite 5 - Gebete – Gottes Sohn wird Mensch – Der Mensch wird Gottes Kind

Auffällig ist die Farbe Rot und Blau für die Stadt Jerusalem, die als Ort des Tempels eine besondere
Bedeutung beigemessen werden darf. Für den Tempelbau gelten die göttlichen Anweisungen zur
Anwendung der Farben Purpur, Rot und Blau bei den Priestergewändern des Aaron und dessen
Söhnen. Die Personendarstellung der Menschen ist in diesem Bild dagegen farblich völlig neutral.

22
Abb. 16: Seite 6 – Gebet an Jesus zum neuen Jahr 1955

23
Abb. 17: Seite 7 - Gnade

In der Woche 18 Januar bis 25 Januar 1955 betet die Gemeinde für die Rückkehr der in die Irre
geleiteten Christen, Juden und Heiden. Auf dieser Seite lässt die Genauigkeit und Begeisterung der
Darstellung spürbar nach.

24
Abb. 18: Seite 8 - Das Getreide und das Unkraut

Im oberen Teil der Zeichnung sind wohl die sieben Sakramente abgebildet:
• D = Doopsel (Taufe)
• V = Vormsel (Firmung)
• A = Avondmaal (Abendmahl)
• B = Biecht (Beichte)
• O = Oliesel (letzte Ölung)
• P = Priesterwijding (Priesterweihe), symbolisiert durch einer Stola5 (in diesem Fall Rot)
• H = Huwelijk (Hochzeit)

5 In der Heiligen Messe folgt bei den Katholiken die Stola gewöhnlich der liturgischen Farbenkanon. Außerhalb der
Messe wird meist die weiße, bei der Spendung des Bußsakramentes die violette und bei der Begräbnisfeier die
violette oder schwarze Stola verwendet.

25
Abb. 19: Seite 9 - Die Priesterliche Gewänder - Von Aschermittwoch bis Ostern

Auf dieser Seite sind die priesterliche Gewänder dargestellt. Im unteren Bereich der Weg von
Aschermittwoch über Laetare, Palmsonntag (PZ), „weißen“ Donnerstag (WD), „guter“ Freitag
(GF), Ostersamstag (PZ) bis Ostern (P = Pasen).

26
Abb. 20: Seite 10 – Monumente – Befreiung der Sklaven aus Ägypten -> Befreier der Erbsünden

Das Wort „Eucharistie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Danksagung“. Es ist
erstaunlich wie selbstverständlich man sehr komplexe Begriffe in die Religionsstunde einfließen
lässt.

27
Abb. 21: Seite 11 – Die Kreuzigung

Die Textzeilen dokumentieren die Kreuzigung.

28
Abb. 22: Seite 12 – Danksagung für das Leben

Das offene Grab und das Cenakel6 deuten auf die Woche nach Ostern. Das Cenakel oder
Abendmahlssaal ist die traditionelle Bezeichnung für den Raum, in dem Jesus Christus in
Jerusalem am Vorabend seines Todes mit seinen Jüngern das Abschiedsmahl gefeiert haben soll.

6 Latein: Coenaculum

29
Abb. 23: Seite13 - Der Tempelbau und die Einrichtung der Räumen

In dieser Skizze wird das Tabernakel-Zelt, der Tempelbau und die Einrichtung der Räumen
dokumentiert. Für den Zugang zum Heiligen ist eine genaue Rangordnung angegeben, in dem die
Männer vielleicht Vorrang eingeräumt wird:
1. Vorplatz für die Ungläubige Heiden
2. Vorplatz für die Männer7 (?)
3. Platz für Israel (Männer ?)
4. Platz der Leviten (Opferaltar)
5. Heilige
6. Heilige der Heiligen

7 Es handelt sich offensichtlich um einen Schreibfehler. Statt „manen“ (Monde) sind hier die „mannen“ (Männer)
gemeint.

30
Abb. 24: Seite 14 – Urlaub – Wir werden nicht fluchen ... – Auf zum Himmel

Auf dieser letzten Seite wird die Klasse bereits in den Urlaub verabschiedet und zwar mit dem
mahnenden Hinweis, dass man (auch) im Urlaub nicht fluchen oder sich streiten solle...

31
Der Katechismus
Offensichtlich wurde damals einem 7-Jährigen eine Fülle an unverständlichem „Wissen“ vermischt
mit einigen „feststehenden“ Fakten gelehrt.
Ein 7-Jähriger kann zwischen Legenden und Tatsachen nicht unterscheiden. Er nimmt einige Jahre
lang jede Behauptung für bare Münze und speichert dieses Wissen als Fakten, bis die Jahre der
Unterschieds erreicht werden.
Diese Methode der Indoktrination besteht darin, dass man den Kindern sofort nach der Einschulung
mit einer Mischung von Legenden und Tatsachen bearbeitet, in der Hoffnung, dass einige Legenden
möglichst breit gestreut erhalten bleiben.
Die Schöpfungslegenden um Adam und Eva bestehen nach neuesten, wissenschaftlichen
Erkenntnissen auf eine Täuschung. So fängt unsere Ausbildung bereits sofort nach der ersten
Schulklasse als Täuschungsmanöver an.

Der erste Katechismus8


Im Rückblick basiert das von mir geschriebene Heft weitgehend auf den ersten Katechismus, den
die Kirche für die ersten beide Schulklassen vorgeschrieben hatte. Die Zielrichtung dieser Schrift
geht besonders aus dem ersten Katechismus klar hervor. Die Kirche will die Bevölkerung zu
Gehorsam führen, indem das Gute belohnt und das Schlechte bestraft wird. Wie im Mittelalter wird
auch der Ablass noch praktiziert. Für eine Kreuzzeichen zitiert das Büchlein den Ablasscodex, dass
dafür 100 Tage Ablass gewährt, jedoch 700 Tage, wenn das Kreuzzeichen mit Weihwasser gemacht
wird...

Abb. 25: Erste Katechismus, Niederlande,


1954

Es ist klar dass der erste Katechismus von einem umfangreicheren Werk abgelöst wird. Die
Zielsetzung der Gehorsam und Demut bleibt dabei unverändert erhalten.

8Der erste Katechismus, 's-Hertogenbosch, 9 März 1956, 80 Seiten

32
Der Katechismus
Dieser erster Religionsunterricht wurde erweitert mit den Stunden, in dem wir den Katechismus
auswendig lernten. Nicht die kritische Frage und die Diskussion einer Antwort stand dabei im
Vordergrund, sondern das Speichern der Frage und zugehörigen Antwort. Derartige Verfahren sind
wohl nur geeignet zum Trainieren des Gedächtnisses.
Die ersten Fragen und deren Beantwortung kenne ich und die meisten meiner Altersgenossen noch
immer auswendig. Es gibt immer wieder Wettbewerbe, wer die Antworten möglichst exakt
wiedergeben kann. Das Ergebnis ist verblüffend, denn es handelt sich immerhin um einer
Speicherzeit von über 50 Jahren.
Der Katechismus (Hauptteil - vom Glauben)
1. Wozu sind wir auf Erden?
Wir sind auf Erden, um Gott zu dienen und dadurch hier und im Himmel glücklich zu
werden.
Interessanterweise weicht diese Formulierung ab von der deutschen Fassung des kleinen
Katechismus:
1. Wozu sind wir auf Erden?
Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen und dadurch in
den Himmel zu kommen.
In der niederländischen Version wird keine Liebe gefordert. Dafür darf man sowohl hier auf Erden
als im Himmel glücklich werden.
548 Fragen und Antworten lernten wir auf den 128 Seiten des niederländischen Katechismus in 4
Jahren auswendig9. Für alle sechs Grundschulklassen gab es in Tabellenform genaue Angaben
welche Klasse einen Punkt auswendig lernen sollte.
Der Katechismus enthält auch den genauen Unterrichtsplan, womit die Fragen in den Einzelstunden
pro Woche zu behandeln sind. Das dritte Schuljahr (für die Altersstufe 8 Jahr) wurde in 28 Stunden
zu je etwa drei bis fünf „Fragen“ aufgeteilt werden sollte. Im vierten, fünften und sechsten
Schuljahr steigerte man die Zahl der Unterrichtsstunden auf jeweils 40, 63 und 63 Stunden, wobei
auch die Zahl der Fragen pro Stunde auf 8-12 „Fragen“ gesteigert wurde.
Die erste Frage kennt auch heute noch jeder auswendig und die Antwortqualität dokumentiert die
Zielsetzung der intensive Schulung am Katechismus. Der Inhalt des Katechismus wird als eine
wissenschaftliche Dokumentation präsentiert, basiert jedoch weitgehend auf ungeprüften Legenden.
Was erwartete eigentlich die Kirche vom Religionsunterricht?
Genau genommen setzte man voraus, dass wir als Schüler wie Erwachsenen uns die Fragen stellten,
die der Katechismus zuvor bereits formuliert und von einer passenden Antwort zum auswendig
lernen versehen hatte.

9 Catechismus des Bistums 's-Hertogenbosch, 14 April 1948

33
Zusammenfassung
Aus der Analyse der Religionsstunden der Grundschule in Strijp, Eindhoven, kann man ablesen,
dass in 1954 noch eine recht genaue Definition der Farben Rot, Blau und Purpur gelehrt worden ist.
Der Klassenlehrer oder Priester hat die Zeichnungen an der Tafel vorgezeichnet, von wo sie die
Klasse genau in ein Heft kopiert hat. Im jugendlichen Alter von 7 Jahren ist es undenkbar, dass die
Schüler die Texte oder Farben dabei absichtlich geändert haben können.
Gott ist ein Himmelsgott, de hinter den blauen Wolken thront.
• Rot ist jedoch die Männerfarbe, das heißt auch für den ersten Mann Adam, Christus und
Gott.
• Blau ist die Farbe der Frauen, das heißt auch für Eva und Maria.
• Purpur ist reserviert für die Ehepaare und ggf. auch für die Flagge
Aus der beiliegenden Beurteilungsnoten geht hervor, dass der Lehrer die Religionsstunden als gut
benotet hat. Offensichtlich wurde der Kopiervorgang als gut eingestuft.
In aller Kürze kann man zusammenfassen, dass im Mittelalter für die Bekleidung der Fürsten ein
Farbcode angewandt wurde. Amtierende Fürsten trugen wie die Heiligen auf den Ikonen und
Gemälden vorzugsweise Rot und Blau in verschiedenartiger Kombination. Bei genauer Betrachtung
stammt diese Farbcodierung aus den Büchern Exodus und Chronik, in dem Gott seine Anweisungen
für die Bekleidung des Priesters und für die Einrichtung des Tempels bekannt gibt. Zumindest für
die Flaggen der Niederlande und Frankreich bestehen Hinweise, dass die Farben Rot und Blau auf
den fürstlichen Bekleidungen des jeweiligen Herrschers und somit indirekt auf den Bibelangaben
basieren. Wie aus mein kleiner Bibel beweist sind das Rot und das Blau jedoch auch die Farben, die
Mann und Frau symbolisieren. Diese Farben stehen symmetrisch neben einander, so dass Mann und
Frau ebenbürtig sind.
Das Ergebnis ist für die Konservativen unter den Gläubigen vermutlich inakzeptabel und für die
Ungläubigen eher uninteressant. Das Manuskript ist jedoch ein historisches Zeugnis, in dem die
damalige Lehre auf einer übersichtlichen Weise zusammengefasst wurde. Die Komprimierung mag
gar wertvoller sein als die professionelle Werke für die Erwachsenen.
Die Farbcodes sind indes nicht auf die Bibel beschränkt, sondern werden in vielen anderen Ländern
(z.B. in den Koreanischen und Philippinischen Flaggen) in ähnlicher Form wieder entdeckt. Sie
deuten auf eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames religiöses Verständnis, das vermutlich fast
verloren gegangen wäre.

34
Anhang 1: Monatsnoten zweites Schuljahr, 1953-1954
Für den Religionsunterricht wurden gute Noten dokumentiert zwischen Sieben (befriedigend), Acht
(gut) und Zehn (Exzellent), aber mit abnehmender Tendenz zum Ende des Schuljahres.

Abb. 26: Monatsnoten zweites Schuljahr, 1953-1954

35
Anhang 2: Zusätzliche Berichte
(Stand Ende Januar 2010)

Die Studie, in dem dieser Bericht nur ein kleiner Teil bildet, besteht aus einer Reihe von
Dokumenten, die zum Teil in Deutsch und Niederländisch, aber überwiegend in Englisch verfasst
worden sind.
Niederländische Dokumente sind:
• Etymologie van het woord "Paars"
• De Bijbelse Kleuren Purper, Rood en Blauw
• Core Dump (Nederlandse versie)
• Woordenlijst Brabants
• Nederlands Voor Gevorderden
Englische Dokumente sind:
• A Loss of Symbolism in Communications
• The Sky-God Dyæus
• A compact Overview of Bipolar Symbolism
• Genesis - Weaving the Words in Red and in Blue
• Paint It Purple - A short History of painting Red and Blue
• Another Etymology for Purple
• Etymology for Flags
• Gender References for Purple, Red and Blue
• Core Dump (English version)
• Hochdorf Revisited - A reconstructed Celtic Site
• The Hellweg to Holland
• The Brabantian Dictionary
Deutsche Dokumente sind:
• Der Himmelsgott Dyæus
• Der Symbolverlust in der Kommunikation
• Kurzübersicht der bipolaren Symbolik
• Eine neue Etymologie für Purpur
• Die Kaisertracht in Rot und Blau
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