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Project Gutenberg’s Theorie der Abel’schen Functionen, by Karl Weierstrass

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Title: Theorie der Abel’schen Functionen

Author: Karl Weierstrass

Release Date: August 26, 2009 [EBook #29780]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK THEORIE DER ABEL’SCHEN FUNCTIONEN ***

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Anmerkung der Korrekturleser

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T h e o r i e

der Abel’schen Functionen

von

Karl Weierstraß.

E r s t e s

H e f t.

Abdruck aus dem „Journal für die reine und angewandte Mathematik.”

aus dem „Journal für die reine und angewandte Mathematik.” B e r l i n .

B e r l i n.

Druck und Verlag von Georg Reiner.

1856.

E i n l e i t u n g

Das Abel’sche Theorem über die hyperelliptischen Integrale bildet die Grundlage für die Theorie einer neuen Gattung analytischer Functionen, die deswegen passend Abel’sche Functionen genannt, und folgendermaßen definirt werden können. Es bedeute

R(x) = A 0 (x a 1 )(x a 2 )···(x a 2 +1 )

eine ganze Function (2 + 1)ten Grades von x, wobei angenommen werde, daß unter den Größen

.

keine zwei gleiche sich finden, während sie im Übrigen beliebige (reelle und

imaginäre) Werthe haben können. Ferner seien u 1 , u 2 ,

veränderliche Größen, und zwischen diesen und eben so vielen von ihnen

, x die nachstehenden Dierential-Gleichungen, in denen

, u unbeschränkt

a 1 ,

a 2 ,

.

. ,

a 2 +1

abhängigen x 1 ,x 2 ,

P(x)

das Product

(x a 1 )(x a 2 )···(x a )

bedeutet, gegeben:

P(x 1 ) dx 1 P(x 2 ) dx 1 2 du 1 = 1
P(x 1 )
dx
1
P(x 2 )
dx
1
2
du 1 = 1
2
x 1 − a 1
2
x 2 − a 1
R(x 1 ) +
R(x 2 )
P(x 1 )
dx
1 P(x 2 )
dx 2
1
du 2 = 1
2
x 1 − a 2
2 x 2 − a 2
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
R(x 1 ) +
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
R(x 2 )
.
.
.
.
.
.
.
.
P(x 1 )
dx
1 P(x 2 )
dx 2
1
du = 1
+
2
x 1 − a
2 x 2 − a
R(x 1 )
R(x 2 )
1 P(x ) dx 2 x − a 1 R(x ) , 1 P(x )
1 P(x )
dx
2
x − a 1
R(x ) ,
1 P(x )
dx
2 x − a 2
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
R(x ) ,
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
1 P(x )
dx
2 x ρ − a
R(x ) ; ∗ )

+ ··· +

+ ··· +

.

.

.

.

.

.

+ ··· +

mit der Bestimmung, daß x 1 , x 2 ,

sollen, wenn u 1 , u 2 ,

, x die Werthe a 1 , a 2 ,

, u sämmtlich verschwinden.

, a annehmen

Alsdann sind x 1 , x 2 ,

, x als die Wurzeln einer Gleichung von der

Form

x + P 1 x 1 + P 2 x 2 + ··· + P = 0

) Man kann diesen Dierential-Gleichungen mancherlei verschiedene Formen geben; die hier gewählte vereinfacht die Rechnung nicht unwesentlich, ohne daß, wie später soll gezeigt werden, der Allgemeinheit Abbruch geschieht.

2

zu betrachten, wo P 1 , P 2 ,

u 2 , Grades

, P eindeutige analytische Functionen von u 1 ,

, u bedeuten; während eine zweite ganze Function von x des ( 1)ten

Q 1 x 1 + Q 2 x 2 + ··· + Q ,

deren Coecienten eben solche Functionen von u 1 , u 2 ,

x = x 1 , x 2 ,

, x setzt, die zugehörigen Werthe von

u sind, wenn man

R(x 1 ),

R(x 2 ),

.

.

. ,

R(x )

giebt. ) Hiernach ist jeder rational und symmetrisch aus

x 1 , x 2 ,

,

x

und

R(x 1 ), R(x 2 ),

,

R(x )

zusammengesetzte Ausdruck als eine eindeutige Function von u 1 , u 2 , anzusehn. Insbesondere aber zeigt es sich, daß das Product

u

(a r x 1 )(a r x 2 )···(a r x ),

wo r eine der Zahlen 1, 2,

Betrachtet man demgemäß, indem man

2 + 1 bedeutet, das Quadrat einer solchen ist.

ϕ(x) = (x x 1 )(x x 2 )···(x x )

setzt, und unter h 1 , h 2 ,

h 1 ϕ(a 1 ),

, h 2 +1 Constanten versteht, die Größen

h 2 ϕ(a 2 ),

.

.

. ,

h 2 +1 ϕ(a 2 +1 )

, u , so kann man nicht nur aus denselben die

Coecienten der Gleichung, deren Wurzeln x 1 , x 2 ,

mensetzen, sondern sie zeichnen sich auch gleich den elliptischen sin am u, cos am u, am u, auf welche sie sich für = 1 reduciren, und denen sie über-

haupt vollkommen analog sind, durch eine solche Menge merkwürdiger und fruchtbarer Eigenschaften aus, daß man ihnen und einer Reihe anderer, im Zu- sammenhange mit denselben stehenden, vorzugsweise den Namen „Abel’sche Functionen” zu geben berechtigt ist, und sie zum Hauptgegenstande der Be- trachtung zu machen aufgefordert wird. Die nächste Aufgabe, welche sich nun darbietet, betrit die wirkliche Darstellung der im Vorstehenden definirten Größen, sowie die Entwicklung

als Functionen von u 1 , u 2 ,

, x sind, leicht zusam-

) Den ersten Theil dieses Satzes hat bereits Jacobi ausgesprochen, und dadurch den wahren

analytischen Charakter der Größen x 1 , x 2 ,

, x klar gemacht.

3

ihrer hauptsächlichsten Eigenschaften. Sodann ist es auch erforderlich, das Integral

F(x 1 ) dx 1 + F(x 2 ) dx 2 R(x 1 ) R(x
F(x 1 ) dx 1 + F(x 2 ) dx 2
R(x 1 )
R(x 2 )
+ ··· + F(x ) dx , R(x )
+ ··· + F(x ) dx
,
R(x )

wo F(x) eine beliebige rationale Function von x bedeutet, als Function von u 1 ,

, u auszudrücken. Beide Probleme finden in der gegenwärtigen Schrift,

deren Resultate ich zum Theil schon früher in zwei kleinern Abhandlungen ) bekannt gemacht habe, ihre vollständige Erledigung, und zwar auf einemWege, welcher von dem für die Abel’schen Functionen zweier Argumente von Göpel und Rosenhain betretenen gänzlich verschieden ist. Die genannten Mathema- tiker gehen nämlich von unendlichen Reihen aus, die sie aus denen, durch welche Jacobi die elliptischen Functionen auszudrücken gelehrt hat, durch ei- ne von tiefer analytischer Einsicht zeugende Verallgemeinerung erhalten, und

zeigen dann, wie sich aus denselben, die zwei veränderliche Größen u 1 , u 2 ent- halten, die Coecienten einer quadratischen Gleichung so zusammensetzen lassen, daß zwischen deren Wurzeln und u 1 , u 2 zwei Dierential-Gleichungen von der oben aufgestellten Form bestehen. Dagegen war mein Bestreben von Anfang an auf die Aundung einer Methode gerichtet, die geeignet sei, un- mittelbar von den genannten Dierential-Gleichungen aus für jeden Werth von auf einem einfachen, alle Willkührlichkeit ausschließenden Wege zur Dar-

stellung der Größen x 1 , x 2 ,

für alle Werthe der letztern gültig bleibenden Form zu führen. Durch weitere Ausbildung eines Verfahrens, dessen ich mich bereits früher zur directen Ent- wicklung der elliptischen Functionen, ohne Voraussetzung der Multiplications – und Transformations-Formeln mit gutem Erfolge bedient hatte, gelang es mir, das Ziel, welches ich mir gesteckt, vollständig zu erreichen; wo sich denn als schließliches Resultat meiner Untersuchungen ergab, daß sich sämmtliche Abel’sche Functionen einer bestimmten Ordnung auf eine einzige, in einfacher Form darstellbare Transcendente zurückführen lassen. Damit ist aber für sie dasselbe erreicht, was für die elliptischen Functionen Jacobi gethan hat, und was Lejeune Dirichlet in seiner Gedächtnißrede auf den großen Mathematiker mit Recht als eine der bedeutendsten Leistungen desselben bezeichnet. Die vorliegende Arbeit ist unter mancherlei äußern Hemmungen ent- standen, die mir nur von Zeit zu Zeit, und oftmals nach langer Unterbrechung, mit derselben mich zu beschäftigen gestatteten. Ohne Zweifel wird man Spuren davon an nicht wenigen Stellen entdecken. Gleichwohl hoe ich, daß ihr die Sachkundigen auch in der Gestalt, wie ich sie jetzt ihrer Beurtheilung vorlege,

, u in einer

u 2 ,

, x als Functionen von u 1 , u 2 ,

4

nicht ganz ihren Beifall versagen, und wenigstens ein Ergebniß derselben mit Befriedigung aufnehmen werden, die Thatsache nämlich, daß sich die ellip- tischen und die Abel’schen Functionen nach einer für alle Ordnungen gleich bleibenden und zugleich directen Methode behandeln lassen; und ich trage kein Bedenken, zu gestehen, daß ich auf dieses Resultat meiner Arbeit einigen Werth lege, und es als ein für die Wissenschaft nicht unbedeutendes betrachte.

Erstes Kapitel.

Erklärung der Abel’schen Functionen; Bestimmung der analytischen Form derselben.

§. 1.

Ich beginne mit der Ermittelung der Form, unter welcher der Zusammenhang

, u dargestellt werden

kann. Zuvörderst aber möge, zur Vermeidung von Wiederholungen, hier ein für allemal in Betreeiniger Bezeichnungen, die ich im Verlaufe der ganzen Abhandlung unverändert beibehalten werde, Folgendes festgestellt werden.

sollen, sobald

zwischen den Größen x 1 , x 2 ,

, x und u 1 , u 2 ,

Die ersten Buchstaben des deutschen Alphabets, a, b, c

nicht ausdrücklich etwas Anderes bestimmt wird, ausschließlich Zahlen aus der Reihe

1,

2,

.

.

. ,

bedeuten, in der Art, daß jeder derselben, wo er in einer Formel vorkommt, unabhängig von den übrigen etwa in ihr sich findenden, sämmtliche dieser Reihe angehörigen Werthe durchlaufen kann. Ein Ausdruck, der einen oder mehrere dieser Buchstaben enthält, repräsentirt demnach, je nachdem die Zahl derselben 1, oder 2, oder 3 u. s. w. ist, , oder 2 , oder 3 u. s. w. Werthe. Die Sum- me aller dieser Werthe soll dann ferner durch ein dem Ausdrucke vorgesetztes bezeichnet werden, und zwar in der Regel ohne besondere Andeutung der Buchstaben, auf welche es sich bezieht, was nur in dem Falle nicht unterbleiben darf, wenn außer derselben noch andere deutsche Buchstaben vorkommen.

Hiernach ist z. B.

Dagegen soll

5

F(a) =

F(a, b) =

a=

F(a)

a=1

a= b=

a=1 b=1

F(a, b).

F(a, b) =

a=

F(a, b)

a a=1

a,b

F(a, b, c) =

a= b=

a=1 b=1

F(a, b, c)

sein; u. s. w. Kommt es in einem besondern Falle vor, daß bei einer solchen Summa- tion ein Buchstabe von den festgesetzten Werthen irgend einen bestimmten nicht annehmen darf, so soll darauf durch ein dem oben beigefügtes ( ) aufmerksam gemacht, und zugleich der auszuschließende Werth neben der Summenformel angegeben werden; wonach z. B. die Bedeutung der Formel

a

1

a a a b ,

(a b)

klar ist. Endlich bemerke ich noch, daß eine Gleichung, die einen, oder zwei u. s. w. der in Rede stehenden deutschen Buchstaben enthält, ein System von , oder 2 u. s. w. Gleichungen darstellt; so daß z. B. die in der Einleitung aufgestellten Dierential-Gleichungen sämmtlich in der folgenden

(1.)

du b =

a

1 P(x a ) dx a 2 x a − a b R(x a )
1 P(x a )
dx a
2 x a − a b
R(x a )

enthalten sind.

Dies vorausgeschickt soll nun zunächst gezeigt werden, daß sich x 1 , x 2 ,

, u nach ganzen positiven

, x bei hinlänglich kleinen Werthen von u 1 ,u 2 ,

Potenzen dieser Größen in convergirende Reihen entwickeln lassen.

6

, 2 + 1

bezeichnen soll, dem absoluten Betrage ) nach kleiner ist als die Dierenz

zwischen a r und jeder andern der Größen a 1 , a 2 ,

Ausdruck „es befinde sich x in der Nähe von a r ” bezeichnet werden möge), so läßt sich

, a 2 +1 (was durch den

Wenn die Dierenz x a r , wo r irgend eine der Zahlen 1, 2,

1 R(x)
1
R(x)

durch eine convergirende Reihe von der Form

1

)(x a r ) 1 + (r) 1 (x a r ) + (r) 2 (x a r ) 2 + ···

r ) + ( r ) 2 ( x − a r ) 2 + ···

R (a r

darstellen, wo R (x) = R(x) , und (r) 1 , (r) 2 u. s. w. rational aus a r und den

x

Coecienten von R(x) zusammengesetzte Ausdrücke sind. Wird daher angenommen, es befinde sich x 1 in der Nähe von a 1 , x 2 in der Nähe von a 2 u. s. w., und setzt man,

R(x)

P(x) = A 0 (x a +1 )···(x a 2 +1 )

bezeichnend,

mit

Q(x),

P(x)

x

mit

(2.)

so hat man

P (a a ) (x a Q(a a )

a a ) = s a ,

1

P(x a )

dx

R(x a ) = (a, b) 0 +

a

, 1 P ( x a ) dx R ( x a ) = ( a

2 x a x b

(a, b) 1 s 2

a

+

(a, b) 2 s 4 + ··· ds a ,

a

P (x)

wo (a, b) 0 , (a, b) 1 u. s. w. rationale, aus a a , a b und den Coecienten von P(x), Q(x) zusammengesetzte Ausdrücke bedeuten, und insbesondere

(a, a) 0 = 1,

(a, b) 0 = 0,

wenn a b,

) Unter dem absoluten Betrage oder Werthe einer complexen (imaginären) Größe verstehe ich hier den analytischen Modul derselben, wie er sonst genannt wird. Der Umstand, daß das Wort Modul in so verschiedenem Sinne gebraucht wird, und namentlich in der Theorie der elliptischen und Abel’schen Functionen bereits eine feststehende Bedeutung hat, möge die Einführung der vorgeschlagenen Benennung entschuldigen.

7

ist. Hiernach geben die Gleichungen (1.) durch Integration

(3.)

u

1

=

s

1

u 2 = s 2

.

.

.

.

.

.

.

u = s

+ S

n

+ S

.

.

.

.

.

.

.

.

n

.

+ S

(a, 1) n

2n +

1

s

= 1

(a, 2) n

s

2n +

1

= 1

.

(a, ) n

.

.

.

.

.

.

2n +

1

.

s

n = 1

2n+1

a

2n+1

a

.

.

.

.

2n+1

a

.

,

,

.

Aus diesen Reihen erhält man dann ferner durch Umkehrung die folgenden, in

, u ) n eine ganze homogene Function nten Grades von u 1 , u 2 ,

denen (u 1 , u 2 ,

, u bezeichnen soll.

(4.)

P (a 1 )

Q(a 1 )

(x 1 a 1 ) =

 

u

1

+

.

P (a 2 )

Q(a 2 )

.

.

.

.

.

.

.

.

.

(x 2 a 2 ) = u 2

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

+

.

.

s 1

=

s

2

.

.

=

.

.

s = P (a )

Q(a )

(u 1 , u 2 ,

, u ) 3

+

(u 1 , u 2 ,

, u ) 5

+ ···

,

(u 1 , u 2 ,

, u ) 3

+

(u 1 , u 2 ,

, u ) 5

+ ···

,

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

,

.

.

.

.

u ) 3

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

+ (u 1 , u 2 ,

.

.

.

,

.

.

.

.

.

u ) 5

.

.

.

.

.

+ ··· .

(x a ) = u + (u 1 , u 2 ,

Ferner, da sich

P(x a ) in eine Reihe von der Form R(x a ) s a +
P(x a )
in eine Reihe von der Form
R(x
a )
s a + (a) 1 s 3 a + (a) 2 s a 5 + ···
entwickeln läßt,
P(x a )
R(x a )
(5.)
=
= u a + (u 1 , u 2 ,
, u ) 3 + (u 1 , u 2 ,
Q(x a )
R(x a )
(a = 1, 2,
, )

, u ) 5 + ··· .

8

, u con-

vergiren, sondern nur für solche, die gewisse Bedingungen erfüllen. Es ist aber für den gegenwärtigen Zweck nicht erforderlich, diese aufzusuchen; es genügt vielmehr anzunehmen, daß die Reihen (3 – 5) für irgend welche Werthe von u 1 ,

u 2 ,

Die vorstehenden Reihen können nicht für alle Werthe von u 1 , u 2 ,

, U bezeichnet werden

mögen, sämmtlich convergent seien – wozu man nach einem allgemeinen Satze über die Reihenentwicklungen von Functionen, die algebraischen Dierential-

Gleichungen genügen, berechtigt ist ) . Dann sind sie es auch unbedingt, sobald

, u nur solche Werthe zuläßt, die dem absoluten Betrage

nach kleiner als beziehlich U 1 , U 2 ,

, U sind, und geben unter dieser Vor-

aussetzung x 1 , x 2 ,

man für u 1 , u 2 ,

, u , deren absolute Beträge durch U 1 , U 2 ,

, x , R(x 1 ), R(x 2 ),

,

R(x )

, u . Wenn man , u innerhalb

der bezeichneten Gränzen berechnen kann, so ist durch das Abel’sche Theorem die Möglichkeit gegeben, dieses auch für beliebig große Werthe der genannten Veränderlichen auszuführen.

als völlig bestimmte, eindeutige Functionen von u 1 , u 2 , aber die vorstehenden Größen für alle Werthe von u 1 , u 2 ,

§. 2.

Um dieses nachzuweisen, nehme man statt u 1 , u 2 , solchen veränderlichen Größen

(1.)

u

u

.

.

u

1 ,

1 ,

.

.

.

(2µ)

1

u

u

.

, u

.

2 ,

2

.

(2µ)

2

.

,

.

.

,

.

.

.

.

.

.

.

.

.

. ,

,

.

. ,

.

.

.

u ,

.

u

,

.

u

.

(2µ)

, u (2µ) Reihen von je

an, die keiner andern Beschränkung unterworfen sein sollen, als daß

u

a , u

a ,

, u (2µ)

a

sämmtlich dem absoluten Betrage nach kleiner als U a vorausgesetzt werden.

Ferner bezeichne man, wenn m eine der Zahlen 1, 2,

,

,

, 2µ bedeutet, mit

,

,

s

x

(m)

1

,

(m)

1

,

(m)

2

(m)

2

(m)

(m)

s

x

.

.

.

.

. ,

,

.

s

x

R(x (m) ),

1

R(x

(m)

2

),

.

.

. ,

R(x

(m)

)

9

die Größen, welche man für

,

,

s

x

1

1

R(x 1 ),

s 2

x 2

,

,

R(x 2 ),

.

.

.

.

.

.

. ,

. ,

. ,

s , x ,

R(x )

vermittelst der Reihen (4, 5) des vorhergehenden §. erhält, wenn man dort u

u

Functionen M(x), N(x) von der Form

(m)

1

,

, u setzt. Sodann hat man zwei ganze

(m)

2

(m)

,

.

.

.

,

u

an die Stelle von u 1 , u 2 ,

(2.)

 

M(x) = x µ + M 1 x µ 1 + ··· + M µ ,

N 1 x µ 1 + ··· + N µ ,

N(x) =

vermittelst der folgenden (2µ ) Gleichungen

R(x

a

)

Q(x

a

)

R(x )

a

M(x

M(x

.

.

.

.

M(x

a )

a

.

)

.

(2µ)

a

+

+

.

.

N(x

a

)

N(x )

.

a

.

.

.

.

.

.

=

0,

= 0,

.

.

.

.

.

+ N(x (2µ) ) = 0,

a

, )

.

Q(x ) .

.

a

.

.

.

) R(x (2µ)

.

.

.

.

.

.

.

a

)

Q(x (2µ)

a

)

(a = 1, 2,

(3.)

zu bestimmen, worauf die ganze Function (2µ + )ten Grades

für x = x 1 , das Product

, x

, x

1 ,

P(x)M 2 (x) Q(x)N 2 (x)

, x ,

, x (2µ)

1

,

, x

(2µ)

Null wird, und daher durch

(x x 1 )···(x x )(x x )···(x x )···(x x (2µ) )···(x x

1

1

(2µ)

),

welches durch Π(x) bezeichnet werden möge, theilbar ist, so daß man

(4.)

P(x) M 2 (x) Q(x)N 2 (x) = Π(x) ϕ(x)

10

setzen kann, wo ϕ(x) eine ganze Function von der Form

x + P 1 x 1 + P 2 x 2 + ··· + P

bedeutet, in der P 1 , P 2 ,

(5.)

x 1 ,

x

.

x

1 ,

.

.

.

(2µ)

1

.

x

x

.

.

, x

2 ,

2

.

.

, .

.

.

.

.

(2µ)

2

,

.

.

.

.

.

. ,

.

. ,

.

. ,

x

.

x

.

x

, P rational aus

,

,

.

.

.

und

R(x 1 ),

R(x ),

1

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

R(x 2 ),

R(x

.

.

.

.

.

.

2

.

),

.

.

.

(2µ)

,

R(x (2µ)

1

), R(x

(2µ)

2

),

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

,

,

.

.

R(x ),

R(x ),

.

.

.

.

.

.

.

.

.

, R(x

(2µ)

),

zusammengesetzt, und daher auch als eindeutige Functionen der Größen (1.)

zu betrachten sind. Bezeichnet man jetzt mit x 1 , x 2 , Gleichung

, x die Wurzeln der

ϕ(x) = 0,

so gelten nach dem Abel’schen Theorem die Gleichungen, die sich aus der nachstehenden

(6.)

a

1 P(x ) dx P(x ) dx a a a a ) +··· = x
1
P(x
)
dx
P(x )
dx
a
a
a
a
) +··· =
x
2
x a − a b
− a b
R(x
a ) +
a
R(x
a
a
1 P(x a ) dx a 2 x a − a b R(x a )
1 P(x a )
dx a
2 x a − a b
R(x a )

ergeben, indem man b = 1, 2,

, setzt, unter der Bedingung, daß man der

Wurzelgröße R(x a ) den durch die Gleichung

(7.)

R(x a ) = P(x a )M(x a ) = Q(x a )N(x a )

( x a ) M ( x a ) = Q ( x a ) N

N(x a )

M(x a )

bestimmten Werth beilege ) . Nun ist aber

a

Daher

(8.)

1 P(x ) dx 1 P(x ) dx a a a a a ) =
1 P(x
)
dx
1
P(x )
dx
a
a
a
a
a ) = du
) = du
b ,
x
2
x a − a b
2
− a b
R(x
R(x
a a
a
1 P(x a )
(2µ)
dx a
du b + du
+ ··· + du
=
.
b
b
2 x a − a b
R(x a )
a
(b = 1, 2,
, )

b , u. s. w.

) In Betredes Beweises dieses Satzes verweise ich auf Abel’s Abhandlung: Remarques sur quelques propriétés etc. in Crelle’s Journal, B. 3, S. 313 und Œuvres complètes, tome I, 288. Einen auf ganz andern Principien beruhenden Beweis des Satzes werde ich später geben.

11

Bevor aber aus diesen Gleichungen weitere Folgerungen gezogen werden, ist es nothwendig, die Zusammensetzungsweise der Coecienten von M(x), N(x), ϕ(x) aus den Größen (5.) oder (1.) einer nähern Betrachtung zu unterwerfen.

§. 3.

Es läßt sich, wenn x in der Nähe von a a angenommen und

(1.)

P Q(a (a a a ) ) (x a a ) = s,

x = a a +

gesetzt wird,

 

R(x)

oder

P(x)

Q(x)

R ( x )

R(x)

in eine convergirende Reihe

(2.)

s + (a) 1 s 3 + (a) 2 s 5 + ···

Q(a a ) P (a a ) s 2

entwickeln, welche mit R a (s) bezeichnet werden möge, so wie auch die Func- tionen von s, in welche M(x), N(x), P(x), Q(x) durch die Substitution

x = a a +

Q(a a ) P (a a ) s 2

übergehen, durch M a (s), N a (s), P a (s), Q a (s) angedeutet werden sollen. Ferner setze man

(3.)

 

(s s a )(s s )···(s s (2µ) ) = π a (s),

 

a

a

M a (s)R a (s) + N a (s) = f a (s),

so kann auch f a (s) für jeden Werth von s, der so beschaen ist, daß der zugehöri- ge Werth von x in der Nähe von a a liegt, in eine convergirende Reihe entwickelt

, u. s. w. in Folge der oben in Betreder Größen

(1, §. 2.) gemachten Annahme sämmtlich zu diesen Werthen von s gehören. Angenommen nun, es sei überhaupt f (s) eine Function von s, die sich für alle Werthe dieser Veränderlichen, die ihrem absoluten Betrage nach kleiner als ein bestimmter Gränzwerth S sind, durch eine convergirende Reihe von der Form

A 0 + A 1 s + A 2 s 2 + ···

werden. Es ist klar, daß s

a , s

a

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darstellen lasse, und π(s) bedeute eine ganze Function nten Grades, wobei zu- gleich angenommen werde, daß die Wurzeln der Gleichung π(s) = 0 sämmtlich dem absoluten Betrage nach kleiner als S seien. Alsdann läßt sich für jeden Werth von s, der seinem absoluten Betrage nach größer als jede dieser Wurzeln ist,

π(s) = C 0 s n + C 1 s n1 + C 2 s n2 + ··· = SC a s nm

1

m = 0

setzen (wo m, so wie überhaupt im Folgenden die Buchstaben m, n, p, eine ganze Zahl, die alle Werthe zwischen den Gränzen 0 und annehmen kann, bezeichnet), und man erhält daher, indem man diese Reihe mit der für f (s) multiplicirt, wenn der absolute Werth von s zugleich kleiner als S ist,

f(s) π(s) = D 0 + D 1 s + D 2 s 2 + ···

+ E 0 s 1 + E 1 s 2 + ··· ,

welche Reihen-Entwicklung von f(s)

π(s) durch

π(s)

f(s)

angedeutet werden möge, so wie durch

f(s) π(s) s ±m

der Coecient von s ±m in derselben. Ist nun

π(s) = B 0 + B 1 s + ··· + B n s n ,

so müssen, wenn man die Reihe f(s)

π(s) mit π(s) multiplicirt, aus dem Producte

alle Glieder mit negativen Potenzen von s fortfallen, und daher

B 0 E m + B 1 E m+1 + ··· + B n E m+n = 0

sein, indem der Ausdruck auf der linken Seite dieser Gleichung der Coecient von s m1 in dem gedachten Producte ist. Diese Relation lehrt aber, daß die Coecienten E 0 , E 1 u. s. w. sämmtlich gleich Null sind, sobald dies mit den n ersten der Fall ist. Denn da B n nicht Null ist, so erhellt unmittelbar, daß E m+n = 0 sein

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muß, wofern E m , E m+