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Fritz Lenz und die Eichenauer Schmetterlinge

Die Schmetterlinge auf den Wiesen zwischen Eichenau und Puchheim führten 1919 zur
Habilitationsschrift des ersten deutschen Professors für Humangenetik, Fritz Lenz. Er
sammelte die Schmetterlinige während seiner Arbeit als Hygienik-Arzt im
Kriegsgefangenenlager in Puchheim und begleitete die Gefangenen auch zum Straßenbau am
Starzelbach in Eichenau.

Schon als 23jähriger Student kam Fritz Lenz 1910 in den Vorstand der Gesellschaft für
Rassenhygiene. Über diese lernte „er neben Alfred Ploetz, dem Begründer der deutschen
Rassenhygiene/Eugenik auch Max von Gruber kennen, Direktor des Hygienischen Instituts in
München. Beide überzeugten Lenz nach München umzusiedlen. Von Gruber bot ihm 1913
eine Gastassistentenstelle an seinem Institut an, und von Ploetz übernahm er 1913 (bis 1933)
die Herausgabe der Zeitschrift „Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie“ (ARGB). In
einem Chemiekurs in München lernte er seine erste Frau Emmy Weitz kennen, welche er
1915 heiratete. 1919 zog die Familie nach Herrsching am Ammersee.

Im gleichen Jahr habilitierte er sich an der Universität München im Fach Hygiene bei von
Gruber mit einer Arbeit über „Erfahrungen über Erblichkeit und Entartung an
Schmetterlingen“. 1921 veröffentlichte er mit Eugen Fischer und Erwin Baur das
einflussreiche, von Hitler in der Festungshaft in Landsberg in Mein Kampf eingearbeitete
Standardwerk „Grundriss der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“.[1] 1923
erhielt er an der Universität München den ersten Lehrstuhl für Rassenhygiene in Deutschland
(ein Begriff, den Ploetz geprägt hat).1928 starb seine Frau Emmy an einer Blutvergiftung.
Aus dieser Ehe gingen die Söhne Hanfried (1916), Widukind (1919) und Friedrich (1922)
hervor. 1933 übernahm Lenz an der Universität Berlin den von Alfred Grotjahn begründeten
Lehrstuhl für Sozialhygiene. Er war dort Professor für Hygiene und Erblehre. Später wurde er
auch Direktor der Abteilung Eugenik am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie. Seit der
Berufung Otmar von Verschuers, eines Schülers von Lenz, 1942 zum Direktor des Kaiser-
Wilhelm-Instituts, war die Lenzsche Abteilung weitgehend unabhängig im Institutsverband.

Mit Wirkung 1. Mai 1937 wurde Lenz in die NSDAP aufgenommen. 1939 wurde er auch
Mitglied der American Eugenics Society. Im Nationalsozialismus war er beteiligt an der
Zwangssterilisierung aller farbigen deutschen Kinder („Rheinlandbastarde“). Er war
Mitglied im Sachverständigenbeirats für Bevölkerungs- und Rassenpolitik, Autor zweier
Denkschriften für das Rasse und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA) zur Ostkolonisation.
Außerdem war er beteiligt an der Vorbereitung eines Euthanasiegesetzes für Krebskranke und
„nutzlose Esser“. In den letzten Kriegsjahren zog er sich zunehmend zurück und ließ sich im
Winter 1944 wegen depressiver Verstimmung beurlauben. Zur "Erholung" setzte er sich aus
Berlin nach Westfalen zu Verwandten seiner Frau ab. Von dort aus nahm er noch im Winter
1944/45 Kontakt zur Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf und hielt bereits im
März 1945 eine Vorlesung.“

In einer Ausstellung der DeutschenForschungsgemeinschaft (2006,


http://www.dfg.de/aktuelles_presse/ausstellungen_veranstaltungen/generalplan-ost/ ) wird
auch Fritz Lenz aufgeführt: er zählte „zu jenen Wissenschaftlern, die sich aus eigenem
Antrieb in den Dienst der nationalsozialistischen Ostraumpolitik stellten.“

Was aus der berühmten Eichenauer Schmetterlingssammlung geworden ist, ist nicht bekannt.

Quellen:
a) http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Lenz „Fritz Lenz“ in Wikipedia.

b) Hanfried Lenz, Mehr Glück als Verstand, BoD, 2001.