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Pressemitteilung

3. Februar 2010

Nominierungen für den 46. Grimme-Preis


Krimis dominieren bei der Fiktion – Unterhaltung immer noch
Schwachstelle
(Marl) Die Nominierungen für den 46. Adolf-Grimme-Preis
stehen fest. Aus den 582 eingereichten Vorschlägen in den drei
Wettbewerbskontingenten haben drei Vorauswahl-Kommissionen
insgesamt 52 Beiträge für die finale Preisermittlung bestimmt. In
der jetzt anstehenden Endrunde werden die Jurys über zwölf
Grimme-Preise in den Kategorien Fiktion, Information & Kultur
sowie Unterhaltung entscheiden.

Bei der Fiktion dominierte wieder einmal der Krimi. Gut ein Drittel
der nominierten Einzelfilme stehen für dieses Genre, das aller-
dings in den besten Produktionen weit mehr ist als Tätersuche
oder plakative Inszenierung beliebiger Spannung. Das Spektrum
reicht vom sozialpsychologischen Kammerspiel über das Sozial-
drama bis zur Milieustudie. Unter den Nominierten sind zwei
„Tatorte“: „Altlasten“ (SWR) und „Weil sie böse sind“ (HR). Bei
dieser Produktion war die Vorauswahlkommission nicht zuletzt
von der überragenden Schauspielkunst Matthias Schweighöfers
beeindruckt.

Der aktuelle Jahrgang bestätige, dass Krimis im deutschen


Fernsehen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine
herausragende Stellung einnähmen, so Grimme-Direktor Uwe
Kammann. In vielfältiger Form ließen sich dort zeitkritische Stoffe
so behandeln, „dass die Zuschauer dies als relevant und markant
empfinden“.

Auch bei den Fernsehfilmen konstatierte die Kommission impo-


Adolf-Grimme-Institut
nierende Schauspielerleistungen und klug inszenierte, konzen-
triert erzählte Geschichten. So sah sie in „Frau Böhm sagt nein Eduard-Weitsch-Weg 25
(WDR)“ ein sensibles TV-Spiel zu Managerexzessen in der D-45768 Marl
Wirtschaftskrise, mit einer höchst einfühlsam spielenden Senta
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Berger als Vorstandssekretärin, die sich den neuen Regeln der D-45741 Marl
Gier verweigert. Hervorgehoben wird auch, dass ein aktuelles www.grimme-institut.de
und brisantes Thema wie der Afghanistan-Krieg intensiv be- info@grimme-institut.de
handelt werden kann, wie in „Nacht vor Augen“ (SWR), der
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Geschichte eines traumatisierten Bundeswehrsoldaten, oder in Fax 0 23 65 / 91 89 89

Direktor/Geschäftsführer
Uwe Kammann
„Klick gemacht“ (BR) - hier wieder in einer Krimireihe: „Polizeiruf
110“.

Bei Mehrteilern und Serien hob die Vorauswahlkommission drei


ZDF-Produktionen heraus: das TV-Ereignis „Der Seewolf“, die
neue und als charismatisch empfundene Krimi-Figur „Flemming“
und „Die Wölfe“. An der BR-Regionalserie „Franzi“ lobte sie:
Provinz, aber nicht provinziell.

Vielfalt mit einem großen Spektrum der Themenbereiche, der


Gattungen und der Formate konstatierte die Vorauswahlkommis-
sion in der Kategorie Information & Kultur. Dies habe zu einer
soliden Basis für die Nominierungen geführt. Doch bedauerte sie
auch, dass es keine ausgeprägte Neigung gebe, mit neuen Ideen
und Personen auch zu neuen Programmansätzen zu gelangen.
Vieles wirke vorgestanzt, der Rückgriff auf bloße Prominenz in
Gesprächsrunden verhindere oft ein Durchdringen des Themas.
Erfreulich wiederum sei, dass sich lange Dokumentarfilme mit
klaren Qualitäten im Programm behaupten konnten.

Zu den Produktionen, die für die Endjury nominiert wurden, ge-


hört der „Der innere Krieg“ (ZDF), ein Einblick über eine wach-
sende Parallelgesellschaft von amerikanischen Irak-Kriegsve-
teranen in Deutschland, und „Meine Mütter“ (rbb/HR), eine
bewegende Zeitreise und Spurensuche des Filmemachers Rosa
von Praunheim nach seinem Ursprung im lettischen Riga.

Bei Schwerpunktthemen des vergangenen Jahres –20 Jahre


Mauerfall und Bundestagswahl – hat die Vorauswahlkommission
ungewöhnliche Ansätze vermisst. Als Ausnahmen lobt sie die
Spiegel-TV-Dokumentation „Der letzte Sommer der DDR“ von
Thomas Schaefer und „Der Kampf der Kleinen“ (RB/SR), ein
Reportage-Kaleidoskop über den Wahlkampf von insgesamt 20
kleinen Parteien. Die WDR-Reihe „die story“ ist bei den Nominie-
rungen wieder vertreten, diesmal durch „Die Armutsindustrie“,
eine eindringliche Fallstudie zur privaten Vermarktung der
Arbeitslosigkeit. Adolf-Grimme-Institut

Bei den Serien und Mehrteilern wurden zwei außergewöhnliche Eduard-Weitsch-Weg 25


Produktionen nominiert: das innovative Format „Weltbilder D-45768 Marl
spezial – Mit 80.000 Fragen um die Welt“ (NDR) und das alle Postfach 1148
herkömmlichen Grenzen sprengende Werk „24h Berlin – Ein Tag D-45741 Marl
im Leben“ (rbb/ARTE), bei dem zahlreiche Teams die Menschen www.grimme-institut.de
der Stadt an einem Tag im September beobachten. info@grimme-institut.de

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Uwe Kammann
Bei der Unterhaltung schöpfte die Kommission das mögliche
Kontingent nicht aus. Mit „Harald Schmidt“ (WDR) – als gelun-
gene Generalüberholung seiner Late-Night-Show beurteilt -- und
„Krömer – Die internationale Show“ (rbb) kam es zur Nominie-
rung von bekannten Namen und Personen. Auch in der „Spezial“-
Abteilung dieses Wettbewerbskontingents dominieren mit Werner
Doyé und Andreas Wiemers „“Toll!“ in Frontal 21“ (ZDF) und
Bastian Pastewka und Anke Engelke für die parodierende Mode-
ration des Deutschen Fernsehpreises und einen Auftritt bei
„Wetten dass ...?!“ bewährte Autoren und Namen. Gelobt wird,
dass ProSieben mit „Sido geht wählen“ jüngere Zuschauer ans
Thema Politik herangeführt habe, während die ProSieben-Serie
„Der kleine Mann“ als fiktionale Unterhaltung überzeuge.

Nachdem nun die Nominierungen feststehen, werden vom 6. bis


11. Februar drei Jurys in den Wettbewerbskategorien Fiktion,
Information & Kultur sowie Unterhaltung über die insgesamt zwölf
Grimme-Preise entscheiden. Das Grimme-Institut gibt die Aus-
zeichnungen auf einer Pressekonferenz am 10. März 2010 in
Düsseldorf bei der Landesanstalt für Medien (LfM) bekannt. Die
Preisverleihung findet am 26. März im Theater der Stadt Marl
statt.

Weitere Informationen:
Dr. Ulrich Spies, Referent Adolf-Grimme-Preis
Tel. 02365 – 9189-22

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