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Besondere Ehrung des

Deutschen Volkshochschul-Verbandes 2010

Alexander Kluge wird am 14. Februar


1932 in Halberstadt als Sohn eines
Arztes geboren. Nach dem Abitur
studiert er Rechtswissenschaften,
Geschichte und Kirchenmusik in
Freiburg, Marburg und Frankfurt/Main
(u.a. bei Theodor W. Adorno), wird
1956 mit einer Dissertation über „Die
Universitätsverwaltung“ zum Dr. jur.
promoviert und arbeitet nach dem
1958 abgelegten Assessorexamen in
Foto: Regina Schmeken Berlin und München als
Rechtsanwalt.

Ein im selben Jahr absolviertes Volontariat bei der Berliner CCC-Filmkunst-


Produktion bringt Kluge in Kontakt mit Fritz Lang, der sein Interesse an Film
und Drehbüchern weckt. Er drehte seit 1960 als Regisseur und Produzent
Kurzfilme, darunter - gemeinsam mit Peter Schamoni - "Brutalität in Stein"
(1959), ein Dokumentarfilm über nationalsozialistische Architektur.

Im Jahr 1962 ist Kluge Mitinitiator des als Abkehr vom alten deutschen Film
formulierten "Oberhausener Manifestes", übernimmt im selben Jahr zusammen
mit Edgar Reitz und Detten Schleiermacher die Leitung des "Instituts für
Filmgestaltung" an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und gründet 1963 als
eine eigene Produktionsfirma die "Kairos-Film".

Mit seinem ersten, auch international erfolgreichen Spielfilm, "Abschied von


gestern" (1966), avanciert Kluge nach Kritikermeinung zum Vordenker des
Autorenkinos der Bewegung des Neuen Deutschen Films. Vielbeachtet folgten
u. a. "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" (1968), die Science-fiction-Filme
(1970/71) "Der große Verhau" (zwei Fassungen) sowie "Willi Tobler und der
Untergang der 6. Flotte" (Neufassung 1979: "Zu böser Schlacht schleich' ich
heut nacht so bang").

Nach dem essayistischen Film "Gelegenheitsarbeit einer Sklavin" (1973), dem


in Zusammenarbeit mit Edgar Reitz entstandenen Spielfilm "In Gefahr und
größter Not bringt der Mittelweg den Tod" (1974) und einem Abstecher ins
erzählende Kino - "Der starke Ferdinand" (1975; Neufassung 1977) findet Kluge
zunehmend Interesse an der Kooperation mit anderen Regisseuren bei der
Realisierung von Kollektivprojekten und beteiligt sich in der Folge an Filmen wie
"Deutschland im Herbst" (1978), "Der Kandidat" (1980; über Franz Josef
Strauß) und "Krieg und Frieden" (1982/83; über die Raketenkrise von 1982).

In den achtziger Jahren dreht Kluge die zwei großen Essayfilme, "Die Macht der
Gefühle" (1983; ZDF, 1985) und "Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit"
(1985; ZDF, 1988), die - wie auch die vorausgegangene Arbeit "Die Patriotin"
(1979) - aus inszenierten und dokumentarischen Mosaiksteinchen
zusammengesetzt wurden und den Zuschauer zu Assoziationen und
Interpretationen provozieren sollten.
Der Film, "Vermischte Nachrichten" (1986), verdichtet die Ereignisse im Jahr
der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986) nach Ansicht der Fachkritik zu
"einem Kulturessay voll ziemlich schwarzem Pessimismus".

Zwischen seinen Filmen publiziert Kluge, der als Koautor des Buches
"Kulturpolitik und Ausgabenkontrolle" 1961 erstmals literarisch hervortritt,
Romane (1964; "Schlachtbeschreibung"), Erzählungen (1973; "Lernprozesse
mit tödlichem Ausgang"; 1978; "Unheimlichkeit der Zeit. Neue Geschichten 1-
18") und Essays.

Zusammen mit dem Soziologen Oskar Negt schreibt er über "Öffentlichkeit und
Erfahrung" (1973), "Geschichte und Eigensinn" (1981) und über
"Maßverhältnisse des Politischen" (1992). Mit diversen Filmtexten, einem
programmatischen Essay ("Gelegenheitsarbeit einer Sklavin"; 1975) und der
"Bestandsaufnahme - Utopie Film" (1983) macht sich Kluge auch als
Medientheoretiker einen Namen.

Seine Idee des "Herausgeber-Fernsehens" setzt Kluge mit der Gründung der
Produktionsfirma DCTP (Development Company for Television Programs) um.
Zusammen mit 143 Anbietern aus der deutschen Theater-, Film- und
Verlagsbranche ruft er 1985 zunächst die "Arbeitsgemeinschaft Kabel und
Satellit" (AKS) ins Leben, bis er sich dann kurze Zeit später mit der japanischen
Werbeagentur "Dentsu" und dem Hamburger SPIEGEL-Verlag zu dem joint-
venture-Unternehmen DCTP zusammenschließt.

Ab Mai 1988 sendet die mit einer nordrhein-westfälischen Sendelizenz


ausgestattete DCTP ihr unabhängiges Programm auf RTL und SAT.1. Zu
diesen Programmen gehören SPIEGEL TV MAGAZIN, STERN TV, die von
Kluge selbst produzierten Kulturmagazine "Prime Time/Spätausgabe" und "10
vor 11/Ten to Eleven" bei RTL sowie seit Juli 1988 bei SAT.1 „News & Stories“
und SPIEGEL TV REPORTAGE.

Seit Januar 1993 verantwortet Kluge mit seiner DCTP auch Sendungen beim
neu gestarteten, Privatender Vox, an dem sich die DCTP mit 11,5 Prozent
beteiligt (ab 1996: 0,3 %). Der Sender in Köln-Ossendorf mit dem
"informationsorientierten Vollprogramm" geriet rasch in eine Krise. Im März
1994 kündigen die Anteileigner, darunter auch die Bertelsmann AG, ihr
Engagement zum Ende des Monats auf. Ende April 1994 übernimmt Kluges
Produktionsfirma, die auch eine Sendelizenz für die Vox-Frequenzen hat, die
Federführung und führte den angeschlagenen Privatsender mit einem
Notprogramm aus der Krise.

Da Kluges Kultursendungen bei RTL, Sat.1 oder Vox auf eine quotenträchtige
Bildsprache keine Rücksicht nehmen, gibt es immer wieder Bestrebungen
seitens der Privatsender, die Rechte der unabhängigen "Fensterprogramme" zu
beschneiden. RTL-Programmchef Helmut Thoma bezeichnete Kluge als "einen
Quotenkiller" und "elektronischen Wegelagerer" und seine Kulturmagazine im
Privatfernsehen als "Zwölftonmusik im Zirkus".

Alexander Kluge ist seit 1982 mit Dagmar Steurer verheiratet und hat eine
Tochter und einen Sohn. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums, der Akademie der
Künste Berlin-Brandenburg (seit 1972), der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung, Darmstadt (seit 1982), und der Bayerischen Akademie der
Schönen Künste (seit 1994).
aus dem Studio Washington, 1997 übernahm er die Leitung des Studios.
Während seiner zwölfjährigen Tätigkeit in den USA berichtete Claus Kleber aus
allen 50 Bundesstaaten und konnte alle US-Präsidenten seit Ronald Reagan
sowie sämtliche einflussreichen Politiker dieser Jahre interviewen. Im Juli 2002
wurde Claus Kleber Leiter des ARD-Studios in London. Seit Anfang 2009 ist er
Erster Moderator des ZDF-"heute-journals".