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OHNE VIELFALT DER NATUR

KEINE VIELFALT DER


WIRTSCHAFT
WITHOUT BIOLOGICAL
DIVERSITY, NO ECONOMIC
DIVERSITY

Eine Initiative des – An initiative of

In Kooperation mit – In cooperation with

Umgesetzt von – Implemented by

00A
Mitglieder – Members

!../ 

/!+6!,,%97).%3


00B
01A
BIODIVERSITÄT – WAS IST DAS?
― WHAT IS BIODIVERSITY ?

ALLE ARTEN SIND VONEINANDER ABHÄNGIG


― ALL SPECIES DEPEND ON EACH OTHER
Der Europäische Braun-
bär ist in Deutschland
Biodiversität bedeutet Vielfalt der Natur. Ob in der
ausgestorben – The
European Brown Bear is Luft, im Acker oder in den Tiefen der Meere – auf
extinct in Germany
unserem Planeten gibt es die unterschiedlichsten
Lebensformen. Aber Biodiversität ist mehr als nur
die Vielfalt von Lebewesen, sie umfasst auch die
genetische Vielfalt innerhalb der Arten sowie die
unterschiedlichen Ökosysteme.

Ökosysteme sind beispielsweise der Wald, das


Gebirge oder das Meer. Hier sind alle voneinan-
der abhängig: die Tiere und Pflanzen innerhalb
ihres Lebensraumes, aber auch die Ökosysteme
untereinander. Zusammen bilden sie das Netz des
Lebens.

Auch der Mensch ist Teil dieses Netzes und für sein
Überleben auf die Biologische Vielfalt angewiesen.

Biodiversity means the variety of life. Whether in


the air, a handful of soil, or in the depths of the sea,
the abundance of different animals and plants can
be seen everywhere on our planet. However, bio-
diversity does not only refer to the diversity of life,
but also the genetic diversity within species and
the variety between ecosystems.

Ecosystems are, for example, forests, mountains, and


oceans. All ecosystems and all living things within
them depend on each other. Together they create a
network of life whose fundament is diversity.
Humans are a part of this network and are also
dependent on biodiversity for their survival.
Fotos (von oben nach unten): Michael Pütsch, OKAPIA, Michael Pütsch, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

01B
02A
DIE LUFT ZUM ATMEN, DAS WASSER
ZUM TRINKEN
― AIR TO BREATHE, WATER TO DRINK

DIE NATUR IST UNSERE LEBENSGRUNDLAGE


― NATURE IS OUR LIVELIHOOD
Der Fischadler steht
auf der internationalen
Wer in der Stadt wohnt, im Supermarkt einkauft
Roten Liste bedrohter
Arten – The Osprey is on oder sein Wasser aus dem Wasserhahn bekommt,
the international Red List
of Threatened Species
vergisst, wie abhängig wir Menschen von der Na-
tur sind. Ohne Ökosysteme fehlt uns die Luft zum
Atmen und das Wasser zum Trinken. Die Natur
bietet in ihrer Vielfalt Millionen von Menschen
Erholung und hat eine kulturelle, religiöse sowie
ästhetische Bedeutung.

Biologische Vielfalt versorgt uns nicht nur mit direkt


nutzbaren Gütern wie Nahrung und Holz, sondern
ihre genetische Vielfalt ist die Basis vieler Arznei-
mittel. Die Vielfalt an Ökosystemen zu Land und zu
Wasser hilft, das Klima zu stabilisieren. Wälder und
Moore etwa speichern Wasser und CO2, Savannen
verhindern die Wüstenbildung und Korallenriffe
mindern die Auswirkungen von Naturkatastrophen.

When living in a city, shopping in a supermarket,


and receiving water from a tap, it is easy to for-
get how dependent we are on nature. Ecosystems
constantly supply us with important ecosystem
services, like fresh air and water. They form the
basis of our livelihood, offer recreation for mil-
lions of people, and have a cultural, religious, and
aesthetic value.

Nature does not only supply us with directly use-


able resources, such as nourishment and wood,
but also supplies genetic resources, which are the
basis of many medicaments. The variety of ecosy-
stems helps to stabilise the climate. Forests and
wetlands store water and CO2; savannahs prevent
desertification; and coral reefs lessen the effect of
natural catastrophes.
Fotos (von oben nach unten): OKAPIA, GTZ, OKAPIA, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

02B
03A
DIE MEERE: EINE SCHATZKAMMER
― THE OCEANS: A TREASURE

VORBILD FÜR DIE WISSENSCHAFT


― INSPIRATION FOR SCIENCE
Der Südliche Blau-
flossenthunfisch steht
Meere bedecken etwa 71 Prozent unseres Planeten
auf der internationalen
Roten Liste bedrohter und versorgen uns mit vielen wichtigen Rohstoffen.
Arten – The Southern
Bluefin Tuna is on the
international Red List of
Über eine Milliarde Menschen sind auf Fisch und
Threatened Species
Meeresfrüchte als Proteinquelle angewiesen. Bis
zu 200 Millionen Menschen leben weltweit vom
Fischfang, vor allem in den Entwicklungsländern.

Aber das Meer versorgt uns nicht nur mit Nah-


rung. Die Natur hat im Laufe der Zeit eine Vielfalt
unterschiedlicher Formen, Strukturen und Pro-
zesse entwickelt. Dieses Wissen können wir für
uns nutzbar machen. Die Schnauze von Delfinen
war Vorbild für stromlinienförmigere Schiffe, die
bis zu 10 Prozent Energie einsparen. Aus dem Gift
einer Seeschnecke wird ein Schmerzmittel gewon-
nen – 1000-mal stärker als Morphium – das aber
nicht abhängig macht.

Oceans cover approximately 71 percent of our


planet and provide us with many important re-
sources. Over one billion people rely on fish and
seafood as a source of protein. More than 200
million people worldwide, primarily in developing
countries, are economically dependent on fishing.

However, the ocean provides more than nutriti-


on. Over millions of years nature has developed
a variety of forms, structures, and processes. We
can make use of this knowledge. For example, a
dolphin’s nose inspired the development of more
streamlined ships that consume up to ten per-
cent less fuel; the poison in a sea snail led to the
development of a pain reliever 1000 times stronger
than morphine without being addictive.
Fotos (von oben nach unten): GTZ, OKAPIA, Michael Pütsch, Michael Pütsch | Hintergrundfoto: OKAPIA

03B
04A
WUNDERBARE VIELFALT IM WALD
― WONDERFUL DIVERSITY IN FORESTS

FRISCHES WASSER, SAUBERE LUFT UND


ERHOLUNG ― FRESH WATER, CLEAN AIR,
AND RECREATION
Der Westindische
Mahagonibaum
Wälder spielen schon seit Urzeiten eine wichtige
(Swietenina) steht auf
der internationalen Rolle für den Menschen. Sie schenken uns Holz,
Roten Liste bedrohter
Arten – The West
Indian Mahagony is on
Beeren und Pilze, aber auch frisches Wasser
the international Red List
of Threatened Species und saubere Luft. Der Waldboden nimmt wie ein
Schwamm Regen fast vollständig auf und speichert
ihn. Der Wald wirkt auch als biologischer Filter:
Der Boden reinigt das versickernde Wasser, die
Nadeln und Blätter filtern Schmutz aus der Luft.
Wälder speichern außerdem enorme CO2-Mengen.
Werden die Wälder zerstört, entweicht das CO2 und
trägt damit zum Klimawandel bei.

Was wäre der Schwarzwald ohne seinen Wald?


Er ist Erholungsgebiet für viele Menschen. Ohne
ihn würde eine ganze Region einen Teil ihrer
kulturellen Identität verlieren, was auch Folgen
für den Tourismus hätte. Der Wald hat damit
auch kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung.

Forests have played an important role for us since


prehistory. They provide us with wood, berries, and
mushrooms, as well as fresh water and clean air.
The forest floor, similar to a sponge, almost com-
pletely absorbs rain and stores it. Forests also act
as a biological filter: the soil cleans the seeping
water; the needles and leaves filter impurities from
the air. Forests also store enormous amounts of
CO2. If they are destroyed, the CO2 will be released
and contribute to climate change.

What would the Black Forest be without its forest?


It is a recreation area for many people. With its
disappearance an entire region would lose part of
its cultural identity and tourism. Forests thus have
cultural and economic value.
Fotos (von oben nach unten): GTZ, OKAPIA, OKAPIA, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

04B
05A
GEFÄHRLICHES WACHSTUM
― DANGEROUS GROWTH

WIE ZERSTÖREN WIR DIE BIOLOGISCHE


VIELFALT? ― WHAT DRIVES
THE DESTRUCTION OF BIODIVERSITY?
Der Europäische
Feldhase steht auf der
In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölke-
deutschen Roten Liste
bedrohter Arten – The rung verdoppelt. Die Weltwirtschaft wuchs sogar
European Hare is on the
German Red List of
Threatened Species
um das Sechsfache. So verbesserte sich auch der
Lebensstandard vieler Menschen.

Mit diesem Wachstum fordern wir mehr von der


Natur als sie uns geben kann. Für Verkehr, Industrie
und Landwirtschaft zerschneiden und zerstören wir
natürliche Lebensräume. Wir stoßen inzwischen
mehr Schadstoffe aus, als die Natur aufnehmen
kann. Über globale Transportwege verbreiten sich
fremde Arten, die die heimische Flora und Fauna
verdrängen. Der Klimawandel bedroht viele Arten
und Ökosysteme, die es nicht schaffen, sich den
neuen Bedingungen anzupassen.

Bilanz: 40 Prozent aller Arten sind vom Aussterben


bedroht.

In the last 50 years the world population has dou-


bled, and the world economy has grown six fold.
The quality of life has improved for many people.

However, this model of growth demands more


than nature can permanently provide without being
damaged. For commerce, industry, and agriculture,
we are destroying and fragmenting natural habi-
tats. We also emit more pollutants than nature can
absorb. Global transport routes spread foreign spe-
cies that displace native flora and fauna. Climate
change threatens many species and ecosystems
that are unable to adjust to the new conditions.

The outcome: 40 percent of all species are threat-


ened with extinction.
Fotos (von oben nach unten): OKAPIA, OKAPIA, GTZ, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

05B
06A
DER TROPISCHE REGENWALD
VERSCHWINDET ― TROPICAL
RAINFORESTS ARE DISAPPEARING
WARUM WERDEN LEBENSRÄUME ZERSTÖRT?
― WHY ARE NATURAL HABITATS
BEING DESTROYED?
Der Hirschzungenfarn
steht auf der Roten Liste
Der tropische Regenwald des Amazonas ist größer
bedrohter Arten mehrerer
Bundesländer – The Hart’s als die Fläche der Europäischen Union und in ihm
Tongue Fern is on the Red
List of Threatened Species
of several German states.
leben 10 Prozent aller Arten der Erde. Doch der
größte Regenwald der Welt ist in Gefahr. Weil die
Nachfrage nach Holz, Soja und Rindfleisch auf der
ganzen Welt steigt, wird der Regenwald gerodet
und seine Fläche landwirtschaftlich genutzt. Je-
den Tag verschwinden etwa 70 km² seiner Fläche.

Natürliche Lebensräume werden aber nicht nur


in Entwicklungs- und Schwellenländern zerstört,
sondern auch in den Industriestaaten – und das
bereits seit Jahrhunderten. Die Flächen der Natur
werden zum Beispiel in Siedlungen umgewandelt.
Damit geht auch hier die Biologische Vielfalt ver-
loren. So verschwinden in Deutschland jeden Tag
etwa 113 Hektar Fläche unter Asphalt und Beton,
das entspricht 161 Fußballfeldern.

The Amazon’s tropical rainforest is not only larger


than the entire area of the European Union, but
also accommodates ten percent of all species on
earth. However, the largest rainforest in the world
is in danger. Because of rising global demand for
wood, soy, and beef, the rainforest is being cleared
and converted into agricultural land. Every day
approximately 70 km2 are lost.

However, natural habitats are not only destroyed


in developing and newly industrialised countries;
forests in industrialised countries have been
disappearing for hundreds of years. Natural habi-
tats are, for example, converted for settlement.
This is an important driver of biodiversity loss in
Germany. Every day approximately 113 hectares,
the equivalent of 161 football fields, disappear
under asphalt and concrete in Germany.
Fotos (von oben nach unten): OKAPIA, FOTALIA, GTZ, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

06B
07A
FREMDE ARTEN VERDRÄNGEN DIE
HEIMISCHEN ― INVASIVE ALIEN
SPECIES DISPLACE NATIVE SPECIES
KLIMAWANDEL BEDROHT VIELFALT ―
CLIMATE CHANGE THREATENS BIODIVERSITY

Die Gabelschwanzseekuh
(Dugong) steht auf der
Auch eingeschleppte Arten, die nicht im jeweiligen
internationalen Roten
Liste bedrohter Arten Lebensraum heimisch sind, lassen die Biologische
– The Dugong is on the
international Red List of
Threatened Species
Vielfalt schrumpfen. So löste die Meerwalnuss,
eine unscheinbare Qualle, in den 90er Jahren eine
ökologische Katastrophe im Schwarzen Meer aus.
Als blinder Passagier eines Schiffes traf sie auf
einen Lebensraum, der durch eine Algenplage be-
reits geschwächt war. Die Qualle hatte dort keine
natürlichen Feinde und verdrängte so 90 Prozent
aller anderen Lebewesen.

Auch der Klimawandel hat ernste Auswirkungen


auf die Biologische Vielfalt. Das Meerwasser
wird immer wärmer. Das stört das empfindliche
Zusammenspiel von Algen und Korallen. Die Fol-
ge: Die Korallen bleichen aus und sterben. Allein
im Jahr 1998 wurden so weltweit 16 Prozent aller
Korallenriffe schwer beschädigt.

Introduced alien species also drive biodiversity loss.


Thus, in the nineties the sea walnut, a small, unim-
posing jellyfish, caused an ecological catastrophe
in the Black Sea. As a stowaway in the ballast tank
of a ship, it encountered an ecosystem that was
already weakened by an algae plague. Without any
natural predators there, the jellyfish displaced
ninety percent of all other living organisms.

Climate change also has serious effects. Water


temperatures are rising, disturbing the interaction
between the algae and coral. As a result, the co-
ral bleaches and dies. In 1998 alone, 16 percent of
Fotos (von oben nach unten): Michael Pütsch, OKAPIA, Michael Pütsch, Klaus-Peter Zsivanovits | Hintergrundfoto: OKAPIA

all reefs worldwide were heavily damaged by coral


bleaching.

07B
08A
BIOLOGISCHE VIELFALT ALS ÜBER-
LEBENSFRAGE ― BIODIVERSITY:
A QUESTION OF SURVIVAL
WAS SIND DIE FOLGEN DER ZERSTÖRUNG?
― WHAT ARE THE CONSEQUENCES
OF THE DESTRUCTION?
Die Ringelnatter steht
auf der deutschen Roten
Der Verlust von Biologischer Vielfalt schwächt
Liste bedrohter Arten
– The Grass Snake is on ein Ökosystem, also das Zusammenspiel von Tie-
the German Red List of
Threatened Species
ren und Pflanzen mit ihrem Lebensraum – was
jedoch oft nicht sofort sichtbar wird. Wie bei einer
Mauer, aus der man einen Stein nach dem ande-
ren herauszieht, droht ein Ökosystem irgendwann
zu kippen.

Ein gestörtes Ökosystem kann damit den Mensch-


en nicht mehr mit Rohstoffen und natürlichen
Dienstleistungen versorgen. Oft sind die ärmsten
Menschen am stärksten betroffen, da die Natur
meist ihre direkte Lebensgrundlage ist.

Die Artenvielfalt zu erhalten, kann auch zur


Überlebensfrage werden. In den 70er Jahren ver-
nichtete ein Virus unzählige Reisfelder von Indien bis
Indonesien. Aber eine Sorte Reis besaß Gene, die
sie gegen diese Krankheit immun machte und ret-
tete damit viele Menschen vor dem Verhungern.

Ecosystems, the interaction of animals and plants


with their habitat, are weakened by the loss of
biodiversity, often without immediately visible
consequences. Like a wall, from which bricks are
removed one after another, an ecosystem eventually
reaches a critical point, beyond which it collapses.

A damaged ecosystem cannot provide humans with


resources or ecosystem services. Often the poor-
est are most heavily affected since nature provides
most of their direct livelihoods.

The conservation of biological diversity can even


become a question of survival. In the seventies a
virus blighted rice fields between India and Indone-
sia. However, one species of rice possessed genes
providing immunity to the virus and was thus used
to prevent starvation.
Fotos: GTZ | Hintergrundfoto: OKAPIA

08B
09A
WÄLDER SCHÜTZEN VOR ARMUT UND
HOCHWASSER ― FORESTS PROTECT
AGAINST POVERTY AND FLOODS

DIE FOLGEN DER WALDVERNICHTUNG ―


THE CONSEQUENCES OF FOREST DESTRUCTION
Der granatrote Saftling
steht auf der Roten Liste
Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt.
bedrohter Arten
mehrerer Bundesländer Daran ist nicht zuletzt die Zerstörung des Waldes
– The Scarlet Waxy Cap
is on the Red List of
Threatened Species of
schuld. Früher war nahezu das ganze Land
several German states
bewaldet, heute sind es nur noch drei Prozent.
Ohne Wälder regnet es seltener und der Boden
kann das Wasser schlechter speichern. 40 Pro-
zent der haitischen Ackerfläche wurden dadurch
unbrauchbar. So fehlt dort heute nicht nur Wasser,
sondern auch Nahrung.

Auch in Deutschland wirkt sich die Zerstörung


der Wälder direkt auf den Menschen aus. Die
Auenwälder entlang der Flüsse sind ein natürlicher
Hochwasserschutz, da große Wassermengen dort
absickern können. Flüsse, die für die Schifffahrt
begradigt und deren Ufergebiete gerodet wurden,
verlieren diesen Schutz. Im Sommer 2002 verur-
sachte das verheerende Elbhochwasser Schäden
von über 15 Milliarden Euro.

Haiti is one of the poorest countries in the world.


Almost all of the country was previously forested,
although today only three percent of forests re-
main. Without forests the ability of the earth to
retain water and the frequency of rain have both
severely declined. 40 percent of cultivatable soil
has eroded, which is why water and nourishment
are today scarce.

The loss of forests also has direct consequences


for people in Germany. Forests along rivers serve
as a natural containment area and enable large
amounts of water to be quickly absorbed. However,
rivers straightened for ships and river banks cleared
for settlement lose these characteristics. The con-
Fotos (von oben nach unten): GTZ, Lukas Rüttinger, OKAPIA, OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

sequences of this could be seen in the summer of


2002, when the Elbe flooded and caused more than
15 billion Euro in damages.

09B
10A
STERBENDE KORALLENRIFFE UND
ARBEITSLOSIGKEIT ― DYING CORAL
REEFS AND UNEMPLOYMENT

DIE FOLGEN DER ÜBERFISCHUNG DER MEERE


― THE CONSEQUENCES OF OVERFISHING
Der Europäische
Aal steht auf der
Viele Fischereifahrzeuge gleichen schwimmenden
internationalen Roten
Liste bedrohter Arten Fabriken. Mit ihren kilometerlangen Schlepp-
– The European Eel is on
the international Red List
of Threatened Species
netzen fangen sie bis zu 200 Tonnen Fisch pro
Stunde. Mittlerweile sind drei Viertel aller Fisch-
bestände von der intensiven Fischerei bedroht.
Deswegen stagniert die weltweite Fangmenge
seit 1990.

Beispiel Kanada: 1992 war der Kabeljau vor Kana-


das Küsten so überfischt, dass die Bestände kolla-
bierten und 30.000 Menschen ihre Arbeit verloren.
Die kanadischen Kabeljau-Bestände haben sich bis
heute nicht erholt.

Beispiel Jamaika: Durch die Überfischung gab es


vor Jamaika nur noch eine einzige Art, einen See-
igel, der die Korallenriffe vor dem Algenüberwuchs
schützte. Als ein Virus den Seeigel tötete, konn-
ten die Algen ungehindert wachsen, zerstörten die
Korallen und damit den Lebensraum der Fische.

Many fishing vessels today are floating factories.


With their kilometre long dragnets, they catch and
process up to 200 tonnes of fish per hour. As a re-
sult three quarters of all fisheries worldwide are
threatened by overfishing. Since 1990 the world-
wide fishing catch has stagnated.

Canada‘s example: In 1992 the cod off the coast of


Canada became so heavily overfished that the fish
stocks collapsed and 30,000 people lost their jobs.
Fish stocks have still not recovered.

Jamaica‘s example: After overfishing off the coast


of Jamaica, a sea urchin was the only remaining
species that prevented the overgrowth of algae on
coral reefs. After a virus killed the sea urchin, the
algae were able to grow unimpaired, destroying
the coral and many fishes‘ habitat.
Fotos: OKAPIA

10B
11A
WIE KÖNNEN WIR DIE VIELFALT DER
ARTEN ERHALTEN? ― HOW CAN WE
CONSERVE THE DIVERSITY OF SPECIES?
DAS ÜBEREINKOMMEN ÜBER DIE BIOLOGISCHE
VIELFALT ― THE CONVENTION ON BIOLOGICAL
DIVERSITY
Der Feuersalamander
steht auf der deutschen
1992 verabschiedeten die Vereinten Nationen
Vorwarnliste bedrohter
Arten – The Fire in Rio de Janeiro das Übereinkommen über die
Salamander is on the
German Red List of Near
Threatened Species
biologische Vielfalt. Es ist das weltweit umfas-
sendste Abkommen zum Schutz der Natur und zur
Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen des
Menschen und völkerrechtlich bindend. Bis heute
haben sich193 Staaten angeschlossen.

Das Abkommen verfolgt drei Ziele:


• Erhaltung der Biologischen Vielfalt
• Nachhaltige Nutzung der Biologischen Vielfalt
• Gerechte Verteilung der Vorteile bzw. Gewinne,
die sich aus der Nutzung der genetischen Res-
sourcen ergeben.

Jeder Staat, der das Abkommen unterzeichnet


hat, setzt nationale Schwerpunkte im Rahmen
einer nationalen Biodiversitätsstrategie.

In 1992 the United Nations adopted the Conventi-


on on Biological Diversity (CBD) in Rio de Janeiro.
It is the most comprehensive agreement on the
conservation of nature and the safeguarding of
man’s natural livelihood and is binding under inter-
national law. Today more than 193 countries have
joined.

Three goals form the basis of the convention:


• the conservation of biological diversity;
• the sustainable use of biodiversity;
• the equitable sharing of the benefits and pro-
ceeds arising from the use of genetic resources.

Every state that has signed the convention sets pri-


Fotos (von oben nach unten): Andrew* (flickr), UN Photo/Michos Tzovaras, OKAPIA, GTZ | Hintergrundfoto: OKAPIA

orities as part of its national biodiversity strategy.

11B
12A
WIE GEHT ES WEITER?
― HOW WILL WE CONTINUE?

DAS JAHR 2010: EIN MEILENSTEIN FÜR DIE


BIODIVERSITÄT ― THE YEAR 2010: A MILE
STONE FOR BIODIVERSITY
Der Eisvogel steht auf
der deutschen
2010 ist von den Vereinten Nationen als Internatio-
Vorwarnliste bedrohter
Arten – The Common nales Jahr der Biologischen Vielfalt ausgerufen
Kingfisher is on the
German Red List of Near
Threatened Species
worden. Bis dahin sollte der dramatische Verlust
an Biologischer Vielfalt weltweit deutlich verrin-
gert werden.

Auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen


im September wird überprüft, ob dies gelungen
ist. Neue Ziele werden dann auf der 10. Ver-
tragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zur
biologischen Vielfalt im Oktober 2010 in Japan
festgelegt. Deutschland hat bis dahin die Prä-
sidentschaft inne.

The United Nations (UN) has declared 2010 the


International Year of Biodiversity. The dramatic
loss of biodiversity should be significantly reduced
by then.

This goal will be reviewed at the General Assem-


bly of the UN in September. New goals will be set
at the 10th Conference of the Parties (CoP) to the
Convention on Biological Diversity, in October 2010,
in Japan. Germany holds the presidency until then.
Fotos: (von oben nach unten): CBD, GTZ, Michael Pütsch, BMU/U. Grabowsky (photothek.net) | Hintergrundfoto: OKAPIA

12B
13A
WIRTSCHAFT BRAUCHT NATUR
― THE ECONOMY DEPENDS ON NATURE

DAS RECHTE MAß IST GEFRAGT ― THE RIGHT


BALANCE HAS TO BE FOUND

Die Europäische
Gottesanbeterin steht
Die Wirtschaft belastet auch bei Einhaltung aller
auf der deutschen Roten
Liste bedrohter Arten Gesetze die Natur. Sie braucht Rohstoffe, muss
– The European Mantis is
on the German Red List
of Threatened Species
Flächen versiegeln und ist auch auf die Rodung
von Wäldern angewiesen. Produktion belastet Luft,
Wasser und Böden.

Auf der anderen Seite ist die Wirtschaft auf intakte


Ökosysteme angewiesen. Ohne Wildpflanzen keine
natürliche Kosmetik, Getränkehersteller brauchen
sauberes Wasser, zerstörte Landschaften scha-
den dem Tourismus und nicht zuletzt profitieren
Versicherungen vom Schutz, den Ökosysteme bei
Naturkatastrophen bieten.

Der Wert der Natur ist schwer zu beziffern. Doch


immer mehr Unternehmen erkennen, dass es in
ihrem Interesse liegt, Biologische Vielfalt zu schüt-
zen und immer mehr Verbraucher fordern dies ein.

Even when all laws are observed, economic ac-


tivities often have a negative impact on nature.
The economy depends on mining raw materials,
clearing forests, and expanding infrastructure
into natural settings. Production pollutes the air,
water, and soil.

However, the economy depends on intact eco-


systems. The cosmetics industry frequently uses
wild plants in its products; beverage manufac-
turers require clean water; destroyed landscapes
deter tourism; insurance companies profit from the
Fotos (von oben nach unten): OKAPIA, Sebastian Krebs (flickr/pepeketua), bass nroll (flickr), OKAPIA | Hintergrundfoto: OKAPIA

protection that many ecosystems provide against


natural catastrophes.

The value of nature is difficult to quantify. However,


companies have recognised that it is in their own
interest to conserve biodiversity while consumers
are increasingly demanding it.

13B
14A
WAS KÖNNEN UNTERNEHMEN TUN?
― WHAT CAN COMPANIES DO?

DER EINSATZ FÜR DIE BIOLOGISCHE VIELFALT


BIETET CHANCEN ― COMMITTING TO
BIOLOGICAL DIVERSITY OFFERS OPPORTUNITIES
Der Fliegen-Ragwurz
steht auf der deutschen
Unternehmen können sich aktiv einsetzen, um den
Roten Liste bedrohter
Arten – The Fly Orchid is drohenden Verlust von Biologischer Vielfalt auf-
on the German Red List
of Threatened Species.
zuhalten. Das bietet Chancen: neue Kunden und
Märkte, Kosteneinsparung und Imagegewinn. So
ist die Natur immer wieder Ideengeber für neue
Produkte: Schwimmanzüge imitieren Haihaut oder
Gebäude werden wie Termitenhügel belüftet.

Bereits jetzt gibt es viele positive Beispiele, Bio-


logische Vielfalt zu fördern. Eine ökologische
Landwirtschaft erhält die lokale Sortenvielfalt.
Unternehmen überprüfen die Auswirkungen ihrer
Produktion und orientieren sich bei der Auswahl
ihrer Materialien an anerkannten Umweltzeichen
wie FSC (Forest Stewardship Council) oder der
Blaue Engel.

Companies can take action to stop the loss of bio-


logical diversity. Nature conservation offers many
opportunities: new customers and markets, cost
reductions, and an improved image. Nature con-
tinually acts as an inspiration for new products:
swimsuits imitate sharkskin, and building ventila-
tion has been based on termite mounds.

There are already several positive examples of


companies nurturing biological diversity. Compa-
nies are analysing the effects of their production
on biodiversity and are using recognised certifica-
tion systems, such as Forest Stewardship Council
(FSC) paper certification or the Blue Angel (Blauer
Engel).
Fotos : OKAPIA

14B
BEREITS ÜBER 40 UNTERNEHMEN
LEISTEN PIONIERARBEIT ― MORE
THAN 40 COMPANIES ARE PIONEERS
INITIATIVE DES DEUTSCHEN BUNDESUMWELT-
MINISTERIUMS ― AN INITIATIVE OF THE GERMAN
FEDERAL MINISTRY FOR THE ENVIRONMENT
Das Bundesumweltministerium schafft mit der
Business and Biodiversity Initiative eine Platt-
form für Unternehmen, sich für den Schutz der
Biologischen Vielfalt einzusetzen. Bis jetzt haben
sich über 40 Unternehmen aus aller Welt der
Initiative angeschlossen.

Mit dem Beitritt zur Initiative verpflichten sich die


Unternehmen, den Schutz der Biodiversität als
eine Kernaufgabe der Unternehmensführung zu
definieren. Diese Pionierunternehmen werden von
der Business and Biodiversity Initiative unter an-
derem mit Fachworkshops, der Entwicklung eines
Praxishandbuchs und der Veröffentlichung von
Praxisbeispielen unterstützt.

Erste Erfahrungen und Ergebnisse präsentieren


die Unternehmen auf der 10. Vertragsstaatenkon-
ferenz im Oktober 2010 in Japan.

The German Federal Ministry for the Environment


launched the Business and Biodiversity Initiative
as a platform for companies to conserve biodiver-
sity. Today more than 40 companies from across
the world have joined.

By signing the Leadership Declaration, member


companies pledge to define biodiversity conser-
vation as one of company management’s central
tasks. These pioneer companies are supported by
the Business and Biodiversity Initiative with, for
example, workshops, the development of a prac-
tical handbook, and the publication of practical
examples.

At the 10th Conference of Parties in October 2010,


in Japan, the companies will present their first
experiences and results.

15A
LEADERSHIP ERKLÄRUNG
― LEADERSHIP DECLARATION

Die Unterzeichner anerkennen und unterstützen die drei Ziele des Übereinkommens:

• Erhaltung der biologischen Vielfalt


• Nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt
• Gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen
ergebenden Vorteile

und verpflichten sich:

1. die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf die biologische Vielfalt


zu analysieren;
2. den Schutz der biologischen Vielfalt und die nach haltige Nutzung in das
Umweltmanagementsystem aufzunehmen und Indikatoren zu definieren;
3. eine verantwortliche Stelle im Unternehmen ein zurichten, die alle Aktivitäten
im Bereich Biodiversität steuert und der Geschäftsführung berichtet;
4. messbare und realistische Ziele zum verbesserten Schutz der biologischen
Vielfalt und ihrer nachhaltigen Nutzung festzulegen, die alle 2–3 Jahre
überprüft und angepasst werden;
5. alle Aktivitäten und Erfolge im Bereich der biologischen Vielfalt im Jahres-,
Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen;
6. Zulieferer über seine Biodiversitätsziele zu informieren und schrittweise einzubinden;
7. Kooperationen mit potenziellen Partnern wie Naturschutzorganisationen,
wissenschaftlichen oder staatlichen Einrichtungen auszuloten, um im Dialog das
Fachwissen zu vertiefen und das Managementsystem fortzuentwickeln.

All signatory companies acknowledge and support the Convention’s three objectives:

• Conservation of biological diversity


• Sustainable use of its components
• Fair and equitable sharing of the benefits that arise out of the utilisation
of genetic resources.

Signatory companies furthermore commit themselves to:

1. Analyse corporate activities with regard to their impacts on biological diversity.


2. Include the protection of biological diversity within their environmental
management system and develop biodiversity indicators.
3. Appoint a responsible individual within the company to steer all activities
in the biodiversity sector and report to the Management Board.
4. Define realistic, measurable objectives that are monitored and adjusted
every 2 to 3 years.
5. Publish activities and achievements in the biodiversity sector in the company’s
annual, environmental, and/or corporate social responsibility report.
6. Inform suppliers about the company’s biodiversity objectives and integrate
them accordingly.
7. Explore the potential for cooperation with scientific institutions, non-governmental
organisations (NGOs) and/or governmental institutions with the aim of deepening
dialogue and continuously improving the corporate management system vis-à-vis
the biodiversity domain.

15B