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WISSEN WERKSTATT WISSEN WERKSTATT

Salonfähig oder salopp?


Die Unternehmenssprache, in der in Zeiten Mehrere „Touchpoints“ gilt es abzudecken: Der
von Web 2.0 und Social Media diverse iPhone-Besitzer, der auf der Apple-Internetplatt-
Kritische Themen werden im Blog direkt mit Kommunikationskanäle bedient werden, form iTunes-Store auf den Skobbler stößt, muss
der Community diskutiert. Die Tonalität ist knackig und direkt erfahren, welchen Nutzen er vom
muss jeweils authentisch und glaubwürdig
nah am mündlichen Sprachgebrauch. Einsatz der Anwendersoftware hat und warum sie
bleiben. Von Tilo Timmermann
besser ist als andere Angebote – hier wird gern ge-
duzt, Bulletpoints geben einen ganz schnellen Über-
Die Akzeptanz eines Unternehmens, das Image der blick über die Features.
Marke steht und fällt mit der Qualität seiner Texte. Wer im Internet unterwegs ist und nach Naviga-
Das ist bedenkenswert, gerade weil das Schreiben tion sucht, der findet im Skobbler-Blog aktuelle und
häufig ausgelagert oder von den Volontären erledigt authentische Informationen von einem der Gründer
wird. Denn wo kann ein Unternehmen seine Bot- des Unternehmens – das Online-Tagebuch schafft
schaften besser platzieren als in den eigenen Texten? eine direktere Bindung ans Produkt, als es eine tra-
Das Corporate Design oder die persönliche Präsenz ditionelle Website oder gar eine Anzeige vermag.
des Vorstands ist daneben zweitrangig. Das Blog gewährt eine Innensicht, hier werden ak-
Berichtswesen, klassische Werbung, PR, Dialog- tuelle Entwicklungen diskutiert. Die Gefahr: Proble-
marketing und jetzt auch noch die Social Media – me werden im Dialog für alle sichtbar. Die Chance:
die Anzahl der Kanäle nimmt stetig zu, und jeder da- Probleme werden auf der eigenen Plattform kanali-
von stellt seine eigenen Anforderungen. Die Marke- siert, erläutert und gelöst.
tingleiter werden immer mehr zu Content-Distribu- Aber auch im Netz läuft das Geschäft nicht gut oh-
toren: Sie heben die verborgenen Info-Schätze aus ne die traditionellen Multiplikatoren wie vor allem
dem Vertrieb oder Produktmanagement und streu- die Journalisten. In der Medienarbeit bietet Skobbler
en sie breit in die Öffentlichkeit. Doch die zersplit- in klassischer Schreibe die begehrten Konflikte: Da-
tert immer mehr. Es gibt Investoren, Journalisten, vid gegen Goliath, Verbrauchervorteile, Preiskampf.
Kunden, Nachbarn und jetzt auch noch diese Blog- Im Fokus steht die Lebenswelt des Anwenders. Alle
ger; und alle haben ihre eigenen Interessen. technischen Details dienen nur als Belege für den
Unternehmen, die sich in die vernetzte Welt bege- hohen Nutzwert der App.
ben, betreten Neuland. Im Netz werden Gespräche Jeder Interessent wird auf seinem Informationska-
d auf den geführt, man muss zuhören, diskutieren, Dialoge nal, in der passenden Ansprache und mit den pas-
Im Apple iTunes-Store wir führen. Das erfordert eine andere Einstellung und senden Botschaften angesprochen. Für Marketing-
ichen: Klare
Punkt getextet. Kennze eine andere Sprache. Die Herausforderung ist, die Menschen, die auch noch die klassischen Kanäle be-
Ansprache.
Gliederung und direkte Message anzupassen – und dabei glaubwürdig zu dienen, bedeutet das einen hohen Aufwand. Aber
bleiben. Gerade bei IT-Unternehmen sind eine ein- der wird sich lohnen. !
fache, pointierte Darstellung und die Konzentration
auf die Kernbotschaften elementar.
Die Macher von Skobbler etwa– einer Naviga-
tionsapplikation fürs iPhone – sprechen Handy-Be-
DER AUTOR
Klassische Medienarbeit im
sitzer an, die ihr Gerät zur Ortsbestimmung im Au- Tilo Timmermann arbeitet als
David-gegen-Goliath-Habitus:
to oder zu Fuß nutzen wollen. Die Zielgruppe ist freier Kommunikationsberater
Die Kernbotschaft kommt in
mobil, technikbegeistert und nutzt fast selbstver- in Hamburg. Bis Ende vergange-
die Headline, die technischen
ständlich die Social Media. Mit offiziösem Bürokra- nen Jahres war er Redaktionslei-
Details werden für die Experten
tendeutsch kann man die nicht ansprechen, und der ter und Senior-PR-Berater bei
mitgeliefert, aber für Laien auch
Einsatz klassischer Werbung hieße bei dieser spitzen der Agentur achtung!
immer erläutert.
Klientel, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

48 PR Report Februar 2010 PR Report Februar 2010 49