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MODE

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MÄNNERMODE

Kämpfer um die Couture

Modemacher gibt es viele. Wenige aber machen Mode nur für Männer. Marc-Antoine Barrois, 26, und Damir Doma, 28, kämpfen beide um ihren Platz in der Pariser Modewelt.

VON Estelle Marandon | 28. Januar 2010 - 10:54 Uhr

© Damir Doma

Marandon | 28. Januar 2010 - 10:54 Uhr © Damir Doma Damir Domas aktuelle Winterkollektion 2010

Damir Domas aktuelle Winterkollektion 2010

Ob Haute Couture oder Prêt-à-porter, wer nach Querdenkern und Geheimtipps sucht, sollte derzeit bei den Männern schauen. Fern ab vom überfüllten Frauenmarkt haben junge Designer in der Männermode die Möglichkeit, ihr Talent unter Beweis zustellen.

In Paris sorgen zurzeit zwei junge Modemacher für Aufsehen, jeder auf seine Art. Damir Doma hat bei den Prêt-à-porter-Schauen am vergangenen Wochenende gezeigt, dass er mit seinen 28 Jahren bereits einen unverwechselbaren Stil hat. Seine düsteren Kollektionen wurden von der Presse als fantasievoll und intellektuell gepriesen.

Marc-Antoine Barrois, 26, kämpft hingegen noch um die Akzeptanz im kleinen Kreis der Luxusmode. Denn das, was der französische Modeschöpfer salonfähig machen möchte, kann und soll es nach Ansicht des französischen Schneiderverbandes nicht geben: Haute Couture für Männer.

Im Januar 2006 präsentierte der damals 23-jährige Barrois zum ersten Mal eine Couture Expérimentale . Es war eine kleine Revolution in der traditionsbewussten Welt der Edelmode. Denn die Bezeichnung "Haute Couture" ist juristisch geschützt. Um sich so nennen zu dürfen, muss ein Modehaus strenge Anforderungen erfüllen: Es muss ein Atelier in Paris besitzen, rund 20 Angestellte beschäftigen und jede Saison eine Kollektion aus mindesten 25 handgearbeiteten und maßgeschneiderten Kreationen fertigen.

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"Ich arbeite wie ein Haute-Couture-Haus", sagt Barrois. Nur besteht seine Kollektion eben nicht aus Röcken und Roben, sondern aus Hemden und Smokings. Die Kreationen des jungen Textilingenieurs, der nach seinem Studium bei Dominique Sirop assistierte, sind keineswegs übertrieben oder untragbar, wie das bei der Damen-Haute-Couture manchmal der Fall ist. Barrois' Männerlinie ist schlicht und sehr maskulin.

Im Oktober 2009 erlaubte die Fédération Française de la Couture Barrois zumindest, seine Kollektion im inoffiziellen Programm der Haute-Couture-Schauen zu präsentieren. Seither kämpft er darum, ins offizielle Programm aufgenommen zu werden. Doch Männermode möchte der Verband der hohen Schneiderkunst bisher dort (noch) nicht sehen.

Dieser Konflikt zeigt beispielhaft das Dilemma der Hohen Schneiderkunst. Seit dem Aufkommen des Prêt-à-porter (der Konfektionsmode) in den sechziger Jahren hat die Haute Couture immer weiter an Bedeutung verloren. Wirtschaftlich gesehen hält man ihr Konzept für hinfällig. Von über 100 Mitgliedern nach dem zweiten Weltkrieg sind nur noch elf übrig geblieben, darunter Chanel, Christian Dior, Givenchy, Jean Paul Gaultier und Christian Lacroix, der jedoch nach seiner Insolvenz im Vorjahr nicht mehr vorführen kann. Die Haute Couture braucht Nachwuchs, steht sich mit ihren Reglementierungen aber selbst im Weg. Gerade für junge Designer ist sie interessant. Die Konkurrenz ist überschaubar, die Möglichkeit, sich mit ausgefallenen Ideen einen Namen zu machen, entsprechend groß.

Für Damir Doma war die Haute Couture keine Option. "Bei diesen Schauen ist einfach nichts los. Es kommt kein Einkäufer nach Paris und es gibt viel weniger Presse". Wer in kurzer Zeit das wirtschaftliche Optimum herausholen wolle, müsse Prêt-à-porter machen, meint Doma.

Warum er nach seinem Studium mit Männermode angefangen hat, kann der 28-Jährige heute nicht mehr genau sagen. "Ich wollte immer etwas Besonderes machen und nicht einfach in der Masse untertauchen." Im Unterschied zu Barrois musste er bei der Prêt-à- porter-Mode zwar keine Reglementierungen erdulden, um Anerkennung musste er genauso kämpfen. In Süddeutschland, wo er aufwuchs, fühlte sich der gebürtige Kroate als Exot. Zum Modestudium ging er an die eher konservative Münchner Modeschule Esmod. Das sei nicht der richtige Ort für ihn gewesen, sagt Doma rückblickend. "Ich fand schon immer die belgischen Designer toll und habe ziemlich schnell gemerkt, dass alle meine Mitstudenten anders denken als ich."

Nach seinem Abschluss mit summa cum laude für die beste Kollektion ging Doma – natürlich – nach Antwerpen. Dort arbeitete er bei Raf Simons und Dirk Schönberger (dem scheidenden Chefdesigner von Joop ). Mit 25 präsentierte er in Paris seine erste eigene Männerkollektion. Heute, drei Jahre später, ist er einer der angesagten Newcomer der Pariser Männermodewoche. Bei seiner jüngsten Schau zeigte er voluminöse Gewänder, große Kapuzen und Hüte, die tief ins Gesicht gezogen waren. Seine Stoffe wirken roh,

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scheinbar grob zusammengenäht. Die Zwanglosigkeit seiner Entwürfe und ihre weiche Silhouette faszinieren Männer und Frauen gleichermaßen.

"Arrival" hat Doma seine neue Kollektion genannt. Er sei jetzt angekommen, sagt der Designer. "Ich habe im Laufe der letzten Jahre meine eigene Ästhetik entwickelt. Es ist die erste Saison, in der ich mich damit wohl fühle. Vieles sind Weiterentwicklungen von Dingen, die ich schon mal gemacht habe und die ich jetzt zu Ende gebracht habe." Einen Neuanfang gibt es auch: Im März wird Doma bei den Prêt-à-porter-Schauen seine erste Frauenkollektion präsentieren.

Und Barrois? Er hat beschlossen, seinen Weg erst einmal ohne die Fédération zu gehen. Seine neue Kollektion wird er außerhalb der Pariser Modewoche zeigen. "Man hat uns nicht gerade mit offenen Armen empfangen", kommentiert Barrois’ Kompagnon Olivier Boileau Descamps die Entscheidung. "Deswegen haben wir die Präsentation auf Anfang Februar verschoben." Es sei für Barrois ohnehin nicht entscheidend, ob er nun Mitglied der Haute Couture werde oder nicht. So oder so, seine Arbeit bliebe die eines Couturiers.