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Der Tumor-Chemosensitivität-Test

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 13.11.2007

Änderung

Ich lasse hier unten einmal stehen, was ich früher geschrieben habe. Aber man muss leider sagen, dass die Tumor-Chemosensitivitätstests die
Erwartungen, die in sie gesetzt wurden nicht erfüllt haben. Wenn eine Substanz im Tumorsensitivitätstest wirkt, muss sie leider nicht im
Menschen wirken. Deshalb versucht man jetzt als so genannte neoadjuvante Chemotherapie eine Chemotherapie zu machen, wenn der Tumor noch
im Körper ist. Dann kann man direkt sehen, ob sie wirkt, genau wie bei vorhandenen Metastasen. [Allerdings muss ein „Ansprechen“ eines Tumors
auf eine Chemotherapie nicht gleichzusetzen mit einem Vorteil wie „längeres Überleben“.] Außerdem erhofft man sich durch die neoadjuvante
Chemotherapie, den Tumor für eine Brust erhaltende Operation zu verkleinern oder große Tumore durch eine Verkleinerung überhaupt erst mal
operabel zu machen.

Tumormarker

Wenn der Tumormarker CA 15-3 schon vor der Operation erhöht ist, soll der Tumor sowieso nicht gut auf Chemotherapie ansprechen. Der
nachfolgende Text ist veraltet. Ich nehme es nicht weg, sondern lasse es einfach stehen, damit man die Gedanken nachvollziehen kann. Die Links zu
den geringen Erfolgen der Chemo generell bleiben leider weiterhin aktuell.

Wenn frau mit Brustkrebs sich heute einer Chemotherapie unterziehen muss, wird ihr meistens eine Kombination von Medikamenten
vorgeschlagen, die bei Frauen mit vergleichbarer Diagnose am Besten gewirkt hat. Ob ihre Tumorzellen aber auch auf diese
Medikamentenkombination ansprechen, ist eine Frage, die leider nicht oft vorher untersucht wird und individuell nicht zu beantworten ist.

Es gibt Tests, mit denen das außerhalb des Körpers untersucht werden kann. Einer ist der ATP-basierte Tumor Chemosensitivitätstest ATP-TCA zu
sein Kurbacher CM 2005. Der ATP-TCA ist kommerziell erhältlich und wurde hier von der Firma IVB (In vitro Biotech) in Deutschland
beschrieben (Information nicht mehr online). Man braucht wenige Zellen, um vier bis sechs Medikamenten-Kombinationen zu testen. Und wenn
eine Kombination in diesem Test keine Wirkung zeigt, scheint sie auch im Menschen mit hoher Sicherheit (fast zu 100%) nicht zu wirken.
Es gibt aber nicht nur diesen Test und es wird auch an weiteren Möglichkeiten gearbeitet, außerhalb des Körpers zu testen, ob die Chemotherapie
bei einem individuellen Tumor wirken kann (Van der Kuip H 2006). Ein Problem ist nämlich die Menge des vorhandenen Tumormaterials. Je mehr
zur Verfügung steht, desto mehr kann man testen.

Für den EDR-Test der Firma ONCOTECH, der in Deutschland von www.therapyselect.de vertrieben wird, wird etwa ein
Kubikzentimeter Tumormaterial gebraucht und man braucht natürlich auch noch Material, um andere Tumoreigenschaften wie die
Hormonrezeptoren usw. zu testen. Bei fortgeschrittener Krankheit ist die Menge des Tumormaterials natürlich kein Problem. Der EDR-Test ist in
den Vereinigten Staaten schon von den Kassen zugelassen.

Hier wird ein Test mit sehr wenig Tumormaterial beschrieben, der allerdings (noch) nicht kommerziell erhältlich ist: Krasna L 2003.

Dann habe ich auch noch eine Firma namens CellTrend GmbH in Luckenwalde gefunden, die einen Tumorchemosensitivitätstest anbietet:
www.celltrend.de.

Ein weiterer Tumorchemosensitivitätstest ist der SartoriTest® von dcs-diagnostics, s. http://www.dcs-diagnostics.de/index.php?


sprache=de&&qid=41.Ich sehe mich leider nicht in der Lage, etwas zu der Güte und Qualität dieser Tests zu sagen, bin aber dabei eine Übersicht zu
erarbeiten. Denn ein vor der Behandlung stattfindender in vitro-Test auf die Wirkungsmöglichkeit der Medikamente scheint mir die wichtigste
machbare Verbesserung der Brustkrebsbehandlung zu sein.

Wenn man wegen schwerwiegender Krankheiten mit Antibiotika behandelt werden muss, werden die Bakterien vorher angezüchtet und dann wird
getestet, welches Antibiotika sie am sichersten abtötet. Das kann man mit Tumorzellen prinzipiell auch versuchen. Es ist allerdings oft schwieriger,
diese Zellen überhaupt erst zu anzuzüchten.

In vitro heißt „im Glas“ und es ist in diesem Fall der Gegensatz zu im Körper („in vivo“). Auf die Brustkrebsbehandlung bezogen heißt dies, dass
zuerst an den Tumorzellen ausprobiert wird, ob eine Behandlung überhaupt wirken kann. Wenn sie in vitro schon nicht funktioniert, ist die Wirkung
im Menschen unwahrscheinlich.

Vorgehen

Bevor frau sich einer Chemotherapie unterzieht, sollte sie sich erkundigen, ob dieser Test in der Klinik oder Praxis durchgeführt oder veranlasst
werden kann. Man braucht dazu die Tumorzellen, die man direkt bei der Operation sichern lassen muss, wenn man eine Chemotherapie an die
Operation anschließen will oder muss. Sollte eine Chemotherapie wegen Metastasen nötig werden, kann und sollte Tumormaterial aus den
Metastasen gewonnen werden. Ich schreibe sollte, weil der Tumor sich während der Ausbreitung auch in seinen Wachstumseigenschaften verändern
kann.

Hier ein Link zu einer Liste von Kliniken, die auf den TCA-Test eingerichtet sind. Ich weiß aber nicht, ob sie vollständig ist und vermute, dass
dauernd welche dazu kommen. Deshalb erkundigen! Vielleicht kann man auch bei www.therapyselect.de erfahren, wer mit dem EDR-Test arbeitet.

Teilnahme an Studien zur Chemotherapie

Wenn man an einer Studie teilnimmt, dann passiert sozusagen das Gegenteil von dem, was beim Chemosensitivitätstest gemacht wird. Es wird nicht
versucht herauszufinden, was für den behandelten Patienten das Beste ist, sondern wie das Medikament bei Menschen wirkt. Es ist natürlich
ehrenhaft, sich für so einen Zweck zur Verfügung zu stellen. Aber frau sollte sich klar sein, was sie tut.

Das Problem liegt gewissermaßen darin, dass es keine guten Mäuse oder Rattenmodelle für den menschlichen Brutkrebs gibt. Mäuse und Ratten
bekommen eigentlich nur harmlose Formen von Brustkrebs, die selten metastasieren, besonders selten oder gar nicht in den Knochen. Hunde und
Katzen, deren Brustkrebs dem des Menschen sehr viel ähnlicher ist, sind dagegen schlechter zu halten und werden deshalb kaum genommen.

Heilung durch Chemotherapie

Über Chemotherapie bei Wikipedia

Während die Erfolge der adjuvanten Chemotherapie bei frühem Brustkrebs vorhanden sein sollen, sind die Erfolge der Chemotherapie beim
fortgeschrittenen metastasierenden Brustkrebs weiterhin strittig.

Das heißt, dass sich statistisch keine wirklichen Heilerfolge durch die Chemotherapie beim metastasierenden Brustkrebs zeigen lassen.

Während man Heilerfolge durch die Statistik nicht zeigen kann, kann dies natürlich im Einzelfall anders aussehen und wenn eine Frau Metastasen
hat, und damit ein beobachtbares Symptom, merkt sie ja selbst, ob es ihr unter der Behandlung besser geht oder nicht. Also wenn eine Frau Atemnot
oder Husten durch Lungenmetastasen hat und die gehen unter Xeloda oder durch Wobe Mugos weg, dann ist das natürlich ein Vorteil und dann ist
es für sie sicher sinnvoll, das einzunehmen, genau wie die Bestrahlung schmerzender Knochenmetastasen Erleichterung und Schmerzfreiheit
bringen kann, eventuell Brüchen vorbeugt und somit sinnvoll ist, ohne dass sich statistisch dadurch eine Lebensverlängerung zeigen läßt.
Außer den üblicherweise zur Chemotherapie eingesetzten Medikamenten, die auch Gifte von Pflanzen oder Pilzen sind, gibt es noch weitere
Pflanzengifte, die teilweise spezifischer wirken, als die bei der Chemotherapie mit Vorliebe benutzten Eibengifte, die durch ihre dramatischen
Nebenwirkungen glänzen.

Legen eines Ports für die Infusion der Medikamente

Viele Chemotherapie-Schemata, zum Beispiel FEC, sind sehr aggressiv und zerstören die Venen. Das kann frau vermeiden, indem sie sich vorher
einen Port in die große zum Herz führende Vene in der Schlüsselbeingrube legen lässt. Das ist eine kleine Operation, die ein Gefäßchirurg ambulant
oder unter Vollnarkose machen kann. Und zwar ein paar Tage vor Beginn der Chemo. Das erspart viel Ärger und viele Venenprobleme und das
nicht nur während der Chemotherapie, sondern auch später, wenn Blut abgenommen werden muss und das durch die veränderten Venen nicht mehr
einfach ist. [Es beinhaltet aber auch Risiken, s. Link.]

Link

Über die Erfolge bei der adjuvanten Chemotherapie des frühen Brustkrebs und deren Zustandekommen

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/20071216144127/http://www.erieping.de/bkTCA.htm

Nachtrag:

Am 7.11.2007 hat Elisabeth Rieping zum Thema Studien u.a. auf der Webseite des Brigitte-Forums nachfolgende Info zum Thema Studien und
ihrem eigenen Behandlungsweg eingetragen:

“… Also ich habe nicht das Gefühl, dass das den Patientinnen nützt. Und wem das nützt, sollte man sich da wirklich fragen. Mich wollte man ja
auch wieder in so eine Studie holen.

Nur weil ich zweimal auf einer Biopsie bestanden habe, auf eigene Kosten, bin ich dem entkommen. Während ich in eine Platinsalzestudie sofort
kommen konnte. Das Neueste vom Neuen.

Den Ärzten werden ein paar hundert Euro gezahlt für jede Patientin, die sie in solche Studien einbringen. Und während der ganzen Studie gibt es
auch immer wieder Geld für die Kontrollen. Ich kann das verstehen, daß das viele junge Ärzte selbst nicht durchschauen. Die meisten sind ja noch
in der Ausbildung und müssen dann drei Monate Chemo machen. So schnell versteht man nicht, was da läuft.
Im Spiegel dieser Woche steht ja auch wieder das die Krankenhäuser Zuweisungspauschalen an die Ärzte zahlen, die ihnen Patientinnen
überweisen. Zwischen 100 und etwas über 200 Euro pro Einweisung. Ich finde das sehr traurig, wenn die Ärzte nicht mehr von ihrer Arbeit, sondern
von so etwas leben müssen. Aber mich macht das sehr mißtrauisch. Und ich möchte mich nicht für solche tödlichen oder krankmachenden
Experimente zur Verfügung stellen.

Das muss natürlich jede selbst entscheiden. Auf jeden Fall. Und ich entscheide mich da eben anders und wenn ich sehe, wie es den Menschen geht,
an denen da diese Tests gemacht werden, dann finde ich das Ergebnis sehr traurig, aber gut, wenn es an die Öffentlichkeit kommt. Deshalb bin ich
den Frauen da auch sehr dankbar, daß sie das so offen schreiben, wie es ihnen geht. Dann weiss ich nämlich, dass ich mit der Carboplatin-Studie
nichts verpasst habe. Und dafür bin ich den Frauen, die dort so offen über ihre Behandlung schreiben, sehr dankbar…”, s.a.
http://bfriends.brigitte.de/foren/2999234-post32.html