WIR SIND WERFT!

06. Februar 2010
Fünf vor zwölf Neuer Markt in Rostock Solidaritätskundgebung mit den um ihre Zukunft kämpfenden Beschäftigten der Warnowwerft in Warnemünde Wir lassen euch nicht absaufen! Eine Region und die Hansestadt Rostock stehen zu euch!

V.i.S.d.P. Rüdiger Klein IG Metall Rostock | 18055 Rostock | Ernst-Barlach-Straße 4 | E-Mail: rostock@igmetall.de | Tel.: 0381/375990

Wir sind Werft!
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Die Warnowwerft ist trotz Privatisierung nach der Insolvenz in ihrer Zukunft bedroht - wie auch die Arbeitsplätze von über 1.000 Beschäftigten und deren Familien. Ohne Kampf werden die Chancen auf Zukunft täglich geringer. Das Bild des Werftstandortes Rostock ist über ein halbes Jahrhundert von der Warnowwerft mitgeprägt worden. Auch wenn nach der Wende viele Betriebe hinzugekommen sind, kaum jemand von uns kann sich unsere Hansestadt ohne die Warnemünder Großwerft vorstellen. Als Teil des industriepolitischen Rückrades hat die Werft auch vor dem Werftzaun Tausenden Menschen unserer Stadt Lohn und Brot gegeben und jungen Menschen eine Ausbildungsperspektive. Die Geschichte der Werft war immer auch Kampf. Beim Aufbau in den schweren Jahren nach dem Krieg, als Reparationswerft unter sowjetischem Kommando und als Devisenmaschine für die DDR-Planwirtschaft. Aber auch nach der Wende als Teil einer Werftindustrie mit Überkapazitäten und unmittelbarer Konkurrenz auf einem sich neu erschließenden Markt, auf dem sich das Unternehmen und seine Beschäftigten behaupten wollten. Bedroht von den Abwicklungsabsichten der Treuhandanstalt und einer Landesregierung, die nicht zu ihren Werften als ökonomisches Rückrad stehen wollte, mussten auch jetzt zahlreiche Kämpfe um den Erhalt und die Zukunft bis in die jüngste Gegenwart geführt werden. Weder die ständigen Eigentümerwechsel und die immer wiederkehrenden Restrukturierungen und Massenentlassungen haben dabei die Belegschaft entmutigt und sie aufgeben lassen. Immer gehörte die Unterstützung ihrer Gewerkschaft und die Solidarität der Hansestädter/innen sowie die Solidarität der Kolleginnen und Kollegen der anderen Betriebe und Einrichtungen Rostocks zu ihrem Kampf dazu. Der Neuanfang nach der unausweichlichen Insolvenz, verursacht durch ein inkompetentes Management aus Oslo und Wismar und die von dort zum Abschuss freigegebene Werft, um noch kurz vor Toresschluss ein Schnäppchen zu machen, ist ein grandioser Fehlstart geworden. Sowohl mit Burlakow vor der Insolvenz als auch mit Jussufow danach. Leider wiederholt sich Geschichte. Auch die Landesregierung und der Landtag stehen mehrheitlich nicht mehr zu den Werftarbeitern. Während sie ihnen keine Zeit mehr einräumen wollen, die Transfergesellschaft als Überbrückung und gegen einen vorzeitigen Absturz in die Arbeitslosigkeit nutzen zu können, wird dem Investor jede Zeit eingeräumt, alle mit Versprechen hinhalten zu können. Dass die Transfergesellschaft ihre Brückenfunktion auch erfüllen kann, darf nicht mit sozialer Kälte aus Schwerin und eisigem Schweigen von Herrn Jussufow einhergehen. Die Forderung nach seiner Beteiligung daran ist legitim, wenn ein "Weiter" in Warnemünde gewollt und real ist. Die Beschaffung von Schiffbauaufträgen muss forciert werden. Sie lassen sich allerdings nicht herbei demonstrieren. Neue Aufträge müssen aber auch in Warnemünde für Arbeit sorgen. Wenn nichts in Aussicht ist, was hier absehbar zu Arbeit führt, dann soll man denen, die auf dem Werftgelände Arbeit schaffen wollen, eine Chance geben. Die Kernwerft wird damit für die Zukunft nicht gefährdet. Aber ohne Arbeit und ohne Menschen ist sie nichts wert. Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift und Beteiligung an unseren Aktionen! Wir sind Werft!

gez. Harald Ruschel Betriebsratsvorsitzender Wadan-Werft

gez. Rüdiger Klein IG Metall Rostock

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