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Unternehmensmitbestimmung

in Deutschland

Parque de Ciencia y Tecnología de Gipuzkoa


San Sebastian
30. April 2015

www.boeckler.de
Agenda

 Vorstellung der Hans-Böckler-Stiftung


 Die Unternehmensmitbestimmung in
Deutschland
 Die Aufsichtsratstätigkeit
 Herausforderungen in der Praxis
 Fazit

2 Sebastian Campagna 30.04.05


Die Hans-Böckler-Stiftung

 ist eine Stiftung des


Deutschen Gewerkschaftsbundes
 unterstützt aktiv die Mitbestimmung
 fördert Forschung und forscht selbst zu Fragen rund
um die Arbeitswelt
 ist eines der großen Studienförderungswerke
Deutschlands

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Die Mitbestimmungsförderung

Die Stiftung unterstützt die Akteure


der Mitbestimmung durch:
 Beratung und Hilfestellung für Arbeitnehmervertreter in Betriebs-
und Aufsichtsräten
 Handlungshilfen und Informationen für
Mitbestimmungsakteure in zentralen Feldern
 Aufbereitung von Forschungs- und
Beratungsergebnissen für die praktische Arbeit

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Die Mitbestimmungsförderung
Kompetenzfelder

 Wirtschaft und Unternehmen


 u. a. Unternehmensstrategien, Bilanzierung und
Jahresabschlussanalyse, Fusionen & Übernahmen, Betriebliche
Altersversorgung, Unternehmensfinanzierung,
Vorstandsvergütung…
 Gestaltung der Arbeit
 u. a. mitbestimmte Personalarbeit, betriebliche Arbeitsgestaltung,
Betriebs- und Dienstvereinbarungen, Digitalisierung,
Chancengleichheit, Qualifikation, Demografischer Wandel…
 Wirtschafts- und Arbeitsrecht
 u. a. Mitbestimmungsrecht, Corporate Governance,
(Europäisches) Gesellschaftsrecht, Finanzmarktrecht,
Datenschutz, Compliance…

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Die Mitbestimmungsförderung
Bausteine: Angebote & Produkte der MBF

 Böckler-Seminare für Aufsichtsräte


 Weiterbildung zu Schwerpunktthemen der Aufsichtsrats-Arbeit,
jährliches Programm (wird regelmäßig aktualisiert)
 Konzern-Seminare und Schulungen
 Grundlagenwissen zu wichtigen Themen der AR- und BR-Arbeit,
Bearbeitung des Themas „am Fall“
 Forschungsprojekte
 Gewinnung neuer Erkenntnisse für die praktische Arbeit im Betriebs-
und Aufsichtsrat
 Veranstaltungen
 Böckler-Konferenz für Aufsichtsräte, Arbeitsdirektoren-Tagungen,
Vollkonferenz Engere Mitarbeiter, themen- und anlassbezogene
Kooperationsveranstaltungen mit Gewerkschaften

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Die Mitbestimmungsförderung
Auswahl: Angebote und Produkte der MBF

 Archiv Betriebliche Vereinbarungen


 Auswertungen von Betriebs- und Dienstvereinbarungen aus dem
gesamten Spektrum möglicher Regelungsinhalte
 Aufzeigen aktueller Gestaltungsfelder und Trends
 Good Practice: Online-Datenbank mit Gestaltungsrastern zu
zentralen Regelungsinhalten: http://www.boeckler.de/595.htm
 Fallstudien zu konkreten Umsetzungen in den Betrieben:
http://www.boeckler.de/11473.htm

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Unternehmensmitbestimmung
in Deutschland

 2.200 mitbestimmte Unternehmen


(MontanMB, MB76, DrittelbeteiligungsG)
 7500 Frauen und Männer in Aufsichtsräten
(MontanMB, MB76, DrittelbeteiligungsG)
 40000 freigestellte Mitglieder von Betriebsräten
 Arbeitsdirektorinnen und Arbeitsdirektoren
in mitbestimmten Unternehmen
 12000 Mitglieder in Europäischen Betriebsräten
 156 Frauen und Männer in SE-Aufsichtsräten
aus 16 Ländern (120 aus DE)

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• Montan-
Mitbestimmung

Sebastian Campagna
in Deutschland

• Paritätische
Mitbestimmung nach
76er
Die Unternehmensmitbestimmung

• Drittelbeteiligung
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Montan-Mitbestimmungsgesetz 1951

 Paritätische Mitbestimmung in den Aufsichtsräten der


Bergbau-, Stahl- und Eisenindustrie mit mehr als 1000
Beschäftigten.
 Größe des Aufsichtsrats:
Im Regelfall 11 Sitze, erweiterbar auf 15-21 Sitze
 Externe Gewerkschaftsvertreter/innen und weitere Mitglieder
 Gewerkschaftlich bestimmte/r Arbeitsdirektor/in im Vorstand
 Neutrale Person (im Einvernehmen) mit Entscheidungsrecht
in Pattsituationen
 In der Regel Wahl der Arbeitnehmervertreter/innen durch den
Konzernbetriebsrat

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Mitbestimmungsgesetz 1976

 In Unternehmen > 2000 Beschäftigte paritätische


Zusammensetzung
 Aber: Doppelstimme für den/die Aufsichtsratsvorsitzende/n,
besondere Vertretung der Leitenden Angestellten
 Größe des Aufsichtsrats nach Anzahl der Beschäftigten:
 12 Sitze (< 10000 Beschäftigte)
 16 Sitze (<20000 Beschäftigte)
 20 Sitze (>20000 Beschäftigte)
 Externe Gewerkschaftsvertreter/innen
 Arbeitsdirektor/in als gleichberechtigtes Mitglied im Vorstand
 Direktwahl der Arbeitnehmervertreter bei <8000 Beschäftigte,
sonst Wahl durch Delegierte der Arbeitnehmervertreter/innen
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Drittelbeteiligungsgesetz 2004

 Ein Drittel der Sitze im Aufsichtsrat von Unternehmen mit 500


bis 2000 Beschäftigten
 Größe des Aufsichtsrats in Satzung des Unternehmens
geregelt
 In der Regel nur betriebliche Interessenvertreter/innen
 Direktwahl der Arbeitnehmervertreter/innen

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2013:
640 Unternehmen
4526 AN Vertreter/innen

Davon:
1398 Gewerkschafts-
vertreter/innen
640 Leitende

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Fakten: die Europäische
Aktiengesellschaft (SE) im Vgl. zum M´76
800
MitbestG`76 (seit
2006 auch die
700 paritätisch besetzten
SE (zuletzt 11)
600

500 SE gesamt (opertativ


tätig in Deutschland)
400

300

200

100

0
200420062008201020122014
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42 mitbestimmte
SE in
Deutschland
zum 01.10.2014

Quelle:
Böckler Impuls,16/2014
HBS SE Datenbank

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Aufsichtsratstätigkeit

Überwachung
der Geschäftsführung und Entscheidung bei
Zustimmungspflichten

Gleiche Bestellung
der Geschäftsführung
Rechte und
Pflichten
wie Anteils-
eigner Prüfung des Jahres-/Konzernabschlusses
einschließlich Entscheidung über die Billigung

Vertretung der AG gegenüber dem Vorstand & Teilnahme u.


Berichterstattung an die HV

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Aufsichtsratstätigkeit

 Zentralen Aufgaben des Aufsichtsrates

 Jahresabschluss
 Risikomanagement
 Zustimmungspflichtige Geschäfte
 Einstellung und Vergütung des Vorstandes sowie
 Beratung und Kontrolle des Vorstandes zum Wohle des
Unternehmens

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Aufsichtsratstätigkeit

 Ziele der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter in


den Aufsichtsräten:

Nachhaltige Unternehmen und Konzerne


 Langfristige Investitionen & Investoren
 Nachhaltige Managervergütung
 Gute Arbeit
 Standortsicherung
 Nachhaltige Unternehmensführung

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Herausforderungen in der Praxis (I)

 Aufsichtsrat steht zunehmend in der Öffentlichkeit


 Haftung des AR
 Vorstände/GF sehen in vielen Themen eine entscheidende
Richtlinienkompetenz.
 In Abhängigkeit der Kultur, werden die
Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter im Aufsichtsrat
mehr oder weniger beteiligt.
 Der Informationsfluss nicht immer optimal

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Herausforderungen in der Praxis (II)

 Verlagerung der Aufsichtsratstätigkeit in


spezielle Ausschüsse (überwiegend in börsennotierten
/kapitalmarktorientierten Unternehmen)
 Aufsichtsrat in Doppelrolle:
 Vertreter der Belegschaft
 Und dem Unternehmenswohl verpflichtet
 Shareholder value Problem: kurzfristige
Unternehmensentwicklung vs. langfristige Perspektive
 Flucht aus der Unternehmensmitbestimmung als Option für
Unternehmen

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Herausforderungen in der Praxis (III)

 Konzernstruktur (nat./international)
Grenzen der Unternehmens-
mitbestimmung
Mutter

Tochter1 Tochter2

Enkel1 Enkel2 Enkel3

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Fazit
 Mitbestimmung als elementares Moment einer
demokratischen Gesellschaft
 Unternehmensmitbestimmung gemeinsam mit der
betrieblichen Mitbestimmung und den Gewerkschaften als
Machtfaktor zugunsten der Interessen der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer
 Unternehmensmitbestimmung als Garant für nachhaltige
Unternehmensführung und langfristige Sicherung von
Arbeitsplätzen
 Unternehmensmitbestimmung als wirtschaftlicher
Erfolgsfaktor
 Belegschaftsvertreter erhalten weitgehende Informationen zu
betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozessen
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Für Rückfragen und weitere Informationen

Dr. Sebastian Campagna


Hans-Böckler-Stiftung
Abt. Mitbestimmungsförderung
Referat Wirtschaft
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 7778-170
Fax: 0211 / 7778-4170
sebastian-campagna@boeckler.de

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Anhang

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Geschichte der Mitbestimmung in
Deutschland

2004
DrittelbG
1922 löst BetrVG
Ausführungs- 1952 bzgl.
gesetz zum Mitbestim-
Betriebsräte- 1951 1956 mung im
gesetz von Montan- Montan- Aufsichtsrat
1920 MitbestG MitbestErgG ab

1946/1947 1952 1976 2004


Vereinbarte BetrVG MitbestG SEBG
Montanmit- 1952
bestimmung (1972 &
& 2001
novelliert)
Betriebsräte-
gesetz des
Alliierten
Kontrollrats

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Stationen der
Mitbestimmung nach 1945

 1946/1947 Betriebsrätegesetz des Alliierten Kontrollrats (Nr.


22 vom 10.4.1946). Die Errichtung und Tätigkeit von
Betriebsräten wird wieder nach demokratischen Grundsätzen
gestaltet.
 1951 Am 21.5.1951 tritt das Montan-Mitbestimmungsgesetz
für Kohle- und Stahlunternehmen in Kraft.
 1952 Betriebsverfassungsgesetz vom 11.10.1952. Das
Gesetz bringt konkrete Rechte des Betriebsrats und sieht für
Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Beschäftigten eine
Drittelbeteiligung der Arbeitnehmer/innen im Aufsichtsrat vor.

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Stationen der
Mitbestimmung nach 1945

 1972 Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes mit


erweiterten Unterrichtungs- und Anhörungsrechte für den
Betriebsrat.
 1976 Mitbestimmungsgesetz. Gültig für alle
Kapitalgesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten
(Unternehmen/Konzerne) außerhalb des
montanmitbestimmten Bereichs. Quasi Parität der
Arbeitnehmervertreter/innen im Aufsichtsrat.
 1996 Durch Gesetz vom 28.10.1996 wird die EU-Richtlinie zu
den Europäischen Betriebsräten nationales Recht.

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Stationen der
Mitbestimmung nach 1945

 2001 Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes, u.a. mit


Erleichterungen der Gründung von Betriebsräten in
Kleinunternehmen und der Einführung einer
Geschlechterquote.
 2004 Verabschiedung Drittelbeteiligungsgesetz, das die
bisherigen Regelungen zur Aufsichtsratswahl im
Betriebsverfassungsgesetz 1952 ablöst.
 2004 Umsetzung der Verordnung und Europäischen
Richtlinie zur Arbeitnehmerbeteiligung in der Europäischen
Aktiengesellschaft (SE).

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