Original erschienen in: Ebner, M.

(2015) Was E-Learning mit offener Bildung zu tun hat, Personalmanager 3/2015,
S. 18-20

Autor

Martin Ebner
Leiter Abteilung Vernetztes Lernen, Zentraler Informatikdienst,
Technische Universität Graz (http://hrm.at/profile/martin-ebner-1)

Was E-Learning mit offener Bildung zu tun hat
Sofern Sie sich mit den Begriffen E-Learning, Technology Enhanced Learning, L3T,
MOOCS, cMOOCs, xMOOCs und iMoox noch nicht auseinandergesetzt haben, dann
sollten Sie dies jetzt tun. Denn diese technischen Möglichkeiten revolutionieren das
Bildungssystem, mit dem sich Ihre Mitarbeiter von morgen auf den Berufsalltag
vorbereiten und mit dem Sie sich selbst in Zukunft weiterbilden können. Der Beitrag
führt ins Thema ein und stellt in aller Kürze vor, welche wissenschaftlichen Ergebnisse
der Technischen Universität Graz vorliegen und welche Erfahrungen sie dazu bereits
gesammelt hat.

Der Begriff E-Learning bezeichnet allgemein das Lernen mit dem Computer. Vor der
Jahrtausendwende verschafften zumeist CDs den Zugang zu multimedialen
Lernmaterialien. Seit dem Aufkommen des Internets ist dies heute fast ausschließlich
mit online zugänglichen Lernportalen möglich. Der Begriff ist hier allerdings viel zu
eng gefasst. In der Wissenschaft ersetzte bereits um die Jahrtausendwende der für
technologiegestütztes Lehren und Lernen stehende Begriff „Technology Enhanced
Learning“ (TEL) die Bezeichnung E-Learning. Ein im deutschsprachigen Raum sehr
verbreitetes Lehrwerk, das Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologien (L3T),

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spiegelt dabei die Bandbreite sehr gut wider: Heute umfasst die Online-Lehre das
Arbeiten mit Web-2.0-Technologien und das Diskutieren mit Sozialen Netzwerken, bis
hin zur Verfügungsstellung von MOOCs.
MOOCs ist das Kürzel für sogenannte Massive Open Online Courses, welche auf
George Siemens und Stephen Downes zurückgehen. Große Bekanntheit erlangten sie
aber erst, als Sebastian Thrun 2011 mehr als 100.000 Studierende in einem einzelnen
Kurs sammelte und ihnen die künstliche Intelligenz lehrte.

Massive Open Online Courses
Massive Open Online Courses sind folgendermaßen charakterisiert:

Massive: Es handelt sich um Kurse, die mit mindestens 200 Personen viele
Lernende besuchen.

Open: Diese Kurse sind frei zugänglich, also kostenfrei.

Online: Die Kurse finden ausschließlich online statt und sind zumeist auf
speziell entwickelten MOOC-Plattformen zugänglich.

Courses: Es handelt sich um Kurse mit einem Start- und einem Enddatum. Die
Kurse haben eine Struktur und veröffentlichen im Wochentakt Inhalte. Am
Ende absolvieren die Teilnehmer einen Selbstüberprüfungstest und erhalten
eine Teilnahmebestätigung.

Heute ist hauptsächlich die Unterscheidung von zwei Arten von MOOCs üblich:
cMOOCs, welche die Diskussion über den Lerninhalt im Zentrum sehen und xMOOCs,
die sehr starr der obigen Struktur folgen und den Input zumeist mit kurzen Videoclips
vorsehen.

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Die in Österreich einzige MOOC-Plattform betreibt derzeit die Technische Universität
Graz zusammen mit der Universität Graz.

iMooX – Erfahrungen mit MOOCs in Österreich
iMoox ist vom steirischen “i mog’s” abgeleitet und ist eine xMOOC-Plattform, die seit
Frühjahr 2014 einer breiten Masse zur Verfügung steht. Das vom Land Steiermark
geförderte Projekt hat primär das Ziel, universitäre Bildungsinhalte einer breiten
Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist es die Absicht, im
Themenfeld MOOCs zu forschen, um den Bildungsstandort Steiermark zu stärken.
Innerhalb eines Jahres boten die Technische Universität Graz und die Universität Graz
insgesamt neun Kurse online an. Die Palette reichte dabei von Kursen für eine sehr
breite Bevölkerungsschicht wie zum Beispiel „Gratis Online Lernen“ über Kurse für
Schulen wie beispielsweise „Der Kreis“ bis hin zu universitären Inhalten wie „Englisch
für Chemiestudierende“. Insgesamt greifen auf die Plattform nach einem Jahr 5.000
angemeldete Teilnehmer zu. Im Durchschnitt sind das mehr als 550 Lernende pro Kurs,
wobei die größten Kurse über 1.000 Lernende absolvieren. Parallele Begleitstudien
zeigen, dass 85 Prozent der Teilnehmer zufrieden mit der Plattform sind und zumeist
aus dem deutschsprachigen Europa stammen. Derzeit finden die Kurse ausschließlich in
deutscher Sprache statt.
Abbildung 1: Kursoberfläche in iMooX
Abbildung 1 zeigt die typische Kursoberfläche von iMooX. Die linke Leiste dient der
Navigation durch die wöchentlich veröffentlichten Kursinhalte, während diese in der
Mitte des Browsers stehen. Hier wiederum sind die zentralen Elemente der
Lerninhaltsvermittlung die Videos und zu deren Ergänzung weitere Dateien sowie
Links für die Vertiefung, Fragen für das Diskussionsforum und ein

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Selbstüberprüfungstest. Die obere blaue Leiste ermöglicht zur Ansicht der letzten
Meldungen seitens der Lehrenden zu wechseln oder zu den angebotenen Dateien, der
Kursbeschreibung beziehungsweise dem begleitenden Diskussionsforum. Sämtliche
Kurse sind identisch erstellt, um die Lernenden mit einer möglichst einfachen und
einheitlichen Benutzeroberfläche zu konfrontieren.

Offene Bildung als Chance der zukünftigen Bildung
Kritisch hinterfragt bleibt offen, warum Universitäten ihre Bildungsinhalte offen
zugänglich machen sollen und welchen Mehrwert Unternehmen davon haben. Drei
Thesen sollen die Notwendigkeiten herausarbeiten.

1. Offene Bildung ist die Annäherung der Universität an Unternehmen
Die wissenschaftliche Begleitstudie der TU Graz zeigt eindeutig, dass hauptsächlich
berufstätige Personen, das sind mehr als 70 Prozent, die offenen Kurse besuchen. In
Rückmeldungen schilderten Berufstätige, wie wichtig ihnen das Angebot sei, da es die
einzige Möglichkeit darstelle, neben ihrem Beruf etwas zu lernen. Insbesondere die
flexible Möglichkeit des zeit- und ortsunabhängigen Lernens ist dabei besonders
wesentlich. Eine weitere Statistik ist in diesem Zusammenhang ebenso erwähnenswert.
Über 90 Prozent der Lernenden verfügen über Matura. Die größte Gruppe hat ein
Hochschulstudium abgeschlossen. Das bedeutet, dass besonders Universitäts-Abgänger
von offenen Bildungsangeboten Gebrauch machen. Alles in allem ermöglichen es
offene Kurse, eine innovative und zeitgemäße Bildungsbrücke zwischen Wirtschaft und
Unternehmen aufzubauen. So werden Kurse vorbereitet die sehr aktuelle Informationen
enthalten um diese von der Universität an die Praxis weiterzureichen.

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2. Offene Bildung ist globale Bildung
Offene Online-Bildungsangebote haben einen großen Vorteil: Sofern ein
Internetanschluss vorhanden ist, sind sie prinzipiell von überall erreichbar. Natürlich
gibt es eine sprachliche Barriere, aber davon abgesehen ist die Reichweite
unbeschränkt. So zeigt sich auch, dass die bisherigen Kurse zwar mehrheitlich regional
und national ansässig Lernende besuchen, der Anteil aus dem restlichen
deutschsprachigen Europa ist mit mehr als 30 Prozent aber beträchtlich. Mit anderen
Worten bieten offene Bildungsangebote die Möglichkeit, Interessierten in einem
Themenfeld zu vereinen und so gemeinsam an den Lernzielen zu arbeiten. Das hohe
Engagement der Lernenden, die aktiv an solchen Kursen zusammen mit
Gleichgesinnten teilnehmen, kann zu einem hohen Learningoutcome führen.

3. Offene Bildung fördert lebenslanges Lernen
These 1 zeigte bereits, dass die bisherigen Lernenden über ein hohes Bildungsniveau
verfügen und sie mehrheitlich im Berufsleben stehen. Dazu kommt, dass über 55
Prozent älter als 35 Jahre sind. Das bedeutet, dass offene Bildungsangebote vor allem in
der Erwachsenenbildung von Erfolg gekrönt sein könnten. Über ein Viertel der
Lernenden sind dazu noch deutlich älter als 50 Jahre. In Zusammenhang mit der
zunehmenden Alterung der Gesellschaft sollte dies durchaus Beachtung finden.

Zusammenfassung und Gedanken zur Zukunft von Bildungsangeboten
Die vorigen Thesen haben andere Vorteile von offenen Bildungsangeboten noch gar
nicht angesprochen. So sind natürlich auch Marketingaspekte der Institution oder der
Lehrenden in Betracht zu ziehen und letztendlich auch die finanzielle Situation.
Betrachtet man einen Online-Kurs als eine innovative, zentrale Lehr- und Lernressource
so ist schnell einsichtig, dass diese Inhalte unbeschränkt für weitere (offline)

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Bildungsangebote verwendet werden können. So gibt es erste Versuche der
Volkshochschule und von Landesinstitutionen, einen MOOC anzubieten. Dieses
Modell, als Inverse-Blended-Learning-Konzept nach Ebner und Schön bezeichnet,
greift zurück auf die Tatsache, dass Lernen ein sozialer Prozess ist und daher das
Miteinander und der Austausch zentral für einen Lernerfolg sind.

Eines der größten Probleme bei den offenen Bildungsangeboten ist derzeit, dass
Lernende über die Kompetenz des selbstgesteuerten Lernens verfügen müssen.
Hochschulabgänger bringen diese Fähigkeiten meist mit, wodurch sich wohl auch die
hohe Akademikerquote in solchen Kursen erklärt. Hier sieht die TU Graz dringenden
Nachholbedarf in unserem Bildungswesen. Selbstgesteuertes Lernen gehört möglichst
frühzeitig trainiert und angelernt.
Darüber hinaus ist bei der Erstellung von Online-Kursen besonders die Verwendung
von freien Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zu empfehlen.
Diese stellen die angebotenen Inhalte unter eindeutige und offene Lizenzen und regeln
die Wiederverwendung der Bildungsinhalte. Insbesondere im deutschsprachigen Europa
ist das strenge Urheberrechtsgesetz und dessen Anwendung auf Bildungsinhalte ein
Hindernis für die Zugänglichkeit.
Es ist wohl unumstritten dass die Weiterbildung in Zukunft immer unerlässlicher wird,
insbesondere bei der Halbwertszeit des Wissens. In manchen Themenfeldern scheint es
bereits widersinnig, überhaupt noch Schulbücher zu schreiben, da diese nach der
Produktion schon wieder veraltet sind. MOOCs oder offene Online-Kurse nehmen in
Zukunft einen wesentlichen Bestandteil in unserem Bildungswesen ein, um Zielgruppen
zu erreichen und sie adäquat auszubilden. Auch wenn es noch viele Problemfelder zu
lösen gilt, wie beispielsweise die Zertifizierung oder Anerkennung, ist eine

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Auseinandersetzung mit dem Thema zwingend notwendig, denn Lernen ist die
wesentliche Eigenschaft, die unsere Gesellschaft nach vorne bringt.
Gewiss ist, dass sich das gesamte Bildungswesen zunehmend digitalisiert. Jetzt heißt es
eigentlich nur, sich den innovativen Möglichkeiten zu stellen und diese bestmöglich
umzusetzen. Das Potential scheint groß und heranwachsende Lernende fordern dies
zunehmend ein.

Literaturtipps
Das Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologien (http://l3t.eu). Von Martin
Ebner und Sandra Schön. Book On Demand GmbH. Norderstedt. 2013.
Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei
zugänglichen Online-Kursen. Von Martin Ebner, Michael Kopp, Andreas
Wittke und Sandra Schön, in: HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, 52 (1),
Dezember 2014, S. 68-80.
Das erste offene Bio-Schulbuch im Fokus: Gestaltung und Nutzungsmöglichkeiten
des „Schulbuch-O-Mat“. Von Martin Schön, Sandra Schön und Martin Ebner,
in: Computer+Unterricht, 93/2014, S 32-33.
Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien: Entwicklungen, Initiativen,
Vorhersagen. Von Martin Ebner und Sandra Schön. Book On Demand GmbH.
Norderstedt. 2012.

Webtipps
www.l3t.eu

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www.martinebner.at
www.elearningblog.tugraz.at
www.imoox.at
www.elearningblog.tugraz.at/archives/7412