Sie sind auf Seite 1von 3

Wirkungen von Tamoxifen

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 13.05.2008

Bei Brustkrebs dient Tamoxifen dazu, den Kontakt der natürlichen Östrogene mit der Krebszelle zu verhindern. So soll die Stimulierung der
Krebszelle zu Wachstum und Zellteilung verhindert werden. Aber es wirkt auch auf andere Zellen, die dem Brustkrebs helfen und diese Wirkung ist
auch sehr wichtig.

Tamoxifen ist schon länger auf dem Markt, deshalb sind auch die Nebenwirkungen besser bekannt, als die der neueren Aromatasehemmer. Da aber
der Patentschutz für Tamoxifen abgelaufen ist, ist es auch nicht mehr teuer, insbesondere im Vergleich zu den neueren Aromatasehemmern. Für
deren Verschreibung wird bei den Ärzten jetzt viel geworben und es wird auch über Selbsthilfegruppen Druck gemacht, damit Patientinnen die
Verschreibung von Aromatasehemmern fordern. Die Selbsthilfegruppen werden dabei als Multiplikatoren benutzt und manchmal finanziell durch
die Pharmahersteller unterstützt. Und so hört man immer öfter Forderungen von Selbsthilfegruppen nach mehr oder früherer Medikamentengabe, als
Argumente für deren Verschreibung. Aber auch das lange bekannte Tamoxifen hat bei vielen Frauen Nebenwirkungen, die manchmal zum
Absetzen zwingen können.

Nebenwirkungen

Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Knochenschmerzen sind wohl die typischsten Begleiterscheinungen. Es sind die Probleme, die auch oft mit
den Wechseljahren auftreten. Husten
Husten ist eine für Brustkrebspatientinnen besonders tückische Nebenwirkung, weil sie Angst vor Lungenmetastasen macht, an die man bei Husten
und Brustkrebs leider immer denkt. Ein Wechsel des Medikaments bringt da nicht immer einen Vorteil, denn auch bei Aromatasehemmern kann es
zu Husten kommen.
Haarausfall
Manchmal bekommt man auch Probleme mit Haarausfall. Das ist aber bei Aromatasehemmern noch wesentlich schlimmer.
Wirkung aus Auge
Tamoxifen kann Netzhautveränderungen bis zur Erblindung auslösen (Toler SM 2004). Wenn man etwas in dieser Richtung bemerkt, muss man
sich entweder schnellstens mit einem Augenarzt beraten oder das Medikament absetzen. Die Wirkung soll über oxidativen Stress zustande
kommen. Tamoxifen und auch ein anderer selektiver Östrogenrezeptor-Antagonist, das Toremifene, behindern nämlich die Glutathion-Aufnahme
in Netzhautzellen (Maenpa H 2003). Gluthation wird aber in Zellen gebraucht, um frei Radikale abzubauen. Ein weiterer Grund kann darin liegen,
dass Tamoxifen und auch Faslodex ähnlich wie Östrogene die Bildung des Gefässeinsprossungsfaktors VEGF fördern (Wu J. 2004). Dadurch
könnte es dann zur Einsprossung von Gefäßen in die Netzhaut mit der Folge der Erblindung kommen. Häufig sieht man das auch bei Diabetes und
bei der feuchten Macula-Degeneration. Das Protein VEGF ist wie die meisten Tumormarker ein Progesteron abhängiges embryonales Protein, das
im Embryo für die Bildung von Gefäßen gebraucht wird. In Kindern, Frauen und Männern, die ja schon Gefäße haben, richtet es durch eine
Gefäßbildung in Geweben, die keine Gefäßbildung vertragen, viele Schäden an. Wie oben beschrieben regen aber nicht nur Progestine die Bildung
von VEGF an, sondern auch Tamoxifen und Faslodex..

Über die Rolle die VEGF bei Krankheiten spielt: s. VEGF

Faslodex = Fulvestrant ist ein neues Antiöstrogen wie Tamoxifen. Man weiß sehr viel weniger darüber, als über Tamoxifen. Deshalb ist hier
besondere Vorsicht geboten. Bei Aromatasehemmern wie Femara stellt sich leider mittlerweile die Frage, ob sie das Überleben überhaupt
verlängern oder nur eine Form der Mammographiekosmetik darstellen.

Dauer der Anwendung

Bei mehr als fünf Jahren Tamoxifen soll sich die Wirkung in Bezug auf ein Wiederauftreten von Tumoren umkehren, so dass man das Medikament
nicht länger nehmen soll. Außerdem gibt es Gruppen von Frauen, bei denen Tamoxifen das Wiederauftreten von Tumoren begünstigt, nämlich
diejenigen mit einer Amplifikation - also Vermehrung - des Cyclin D1 Gens. Deshalb sollte frau vorher besser testen lassen, ob sie dazu gehört.

Anmerkung

Wenn man sich überlegt, was bei Tamoxifen, das schon viele Jahre auf den Markt ist, so nach und nach alles ans Licht kommt, sollte man mit den
Aromatasehemmern, die ja erst kurz auf dem Markt sind, noch vorsichtiger sein. Eine Alternative zur Antihormonbehandlung könnte auch in der
Eierstockentfernung gesehen werden. Sie reicht aber keinesfalls aus. Und wenn man keine zu großen Probleme bekommt, ist es vorteilhaft,
Tamoxifen zu nehmen. allerdings nicht länger als fünf Jahre. Dann soll sich die Wirkung umkehren. Eventuell ist Tamoxifen auch für Frauen, die
keine Östrogenrezeptoren haben, sinnvoll, siehe hier.

Tamoxifen wird aber auch noch zu anderen Zwecken eingesetzt. Tamoxifen kann die Körperlänge von Jungen und Mädchen erhöhen. An Indiana
University School of Medicine in Indianapolis wurden sechs Jungen im durchschnittlichen Alter von 15 Jahren mit Wachstumshormonen
und zusätzlich täglich zweimal Tamoxifen über zwei Jahre lang behandelt. Danach erhöhte sich die vorher errechnete zu erwartende Körperlänge
der Jungen. Für Mädchen ist diese Möglichkeit schon länger bekannt. Tamoxifen kann also auch Wachstum fördernd wirken.

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/20080608024552/http://www.erieping.de/bktam1.htm


Zusätzlicher Hinweis: Recherchieren Sie zu Tamoxifen ggf. auch das unabhängige "arznei-telegramm".