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Verhalten bei allen Anliegen im Handeln und

Reden

1.Unterwirf deine Wünsche dem Willen Gottes.

2.Dein Bittgebet sei ein Gebet der Hingabe an den Willen


Gottes.

3.Gebet der bittenden Seele.

1. (Der Herr:) Mein Sohn, in jeder Sache sprich: Herr, wenn es


dir gefällt, dann geschehe es so, Herr; wenn es zu deiner Ehre
gereicht, so geschehe es in deinem Namen, Herr; wenn du
siehst, daß es mir zuträglich und nützlich ist, schenke es mir.
Ich will es dann zu deiner Ehre gebrauchen. Wenn du aber
erkennst, daß es mir Schaden bringen und dem Heile meiner
Seele nicht dienlich sein wird, so nimm dies Verlangen von mir.
Denn nicht jedes Verlangen ist vom Heiligen Geiste, auch wenn
es dem Menschen recht und gut erscheint. Es ist schwierig, der
Wahrheit gemäß zu beurteilen, ob ein guter oder böser Geist
dich zu diesem oder jenem Verlangen treibt oder ob dein
eigener Geist die Triebfeder ist. Viele, die sich anfangs von
einem guten Geist geleitet glaubten, sahen sich am Ende
betrogen.

2. Was immer also dem Geist als wünschenswert begegnet,


muß man stets in gottesfürchtiger, bescheidener Gesinnung
wünschen und erbitten. Vor allem verzichte auf den eigenen
Willen, stelle die ganze Sache mir anheim und sprich: Herr, du
weißt, wie es am besten ist. Es geschehe also dies und jenes,
wie du willst. Gib, was du willst, wieviel du willst und wann du
willst. Tue mit mir, wie du es für richtig hältst, wie es dir am
besten gefällt und zu deiner größeren Ehre gereicht. Stelle
mich, wohin du willst, und schalte frei mit mir in allen Dingen.
Ich bin in deiner Hand, drehe und wende mich nur in jeder
Richtung. Siehe, dein Knecht bin ich, bereit zu allem. Nicht mir,
sondern dir zu leben ist mein ganzes Verlangen. Könnte ich es
nur würdig und vollkommen!

3. Gebet um die Gnade, Gottes Willen zu vollbringen


(Der Knecht:) Schenke mir, gütigster Jesus, deine Gnade, daß
sie "mit mir sei und mit mir arbeite" (Weish 9, 10) und bei mir
bleibe bis ans Ende. Gib, daß ich immer das begehre und
wünsche, was dir besonders genehm und wohlgefällig ist. Dein
Wille sei der meine, und mein Wille folge stets dem deinen und
stimme ganz mit ihm überein. Ich möchte mit dir ein und
dasselbe wollen und nicht wollen; ich möchte gar nicht
imstande sein, etwas anderes zu wollen oder nicht zu wollen als
eben das, was du willst und was du nicht willst. Laß mich allem
Irdischen absterben und um deinetwillen gern verachtet und
unbekannt sein in dieser Welt. Gib, daß ich über alles Wünschen
hinaus in dir ruhe und daß mein Herz in dir seinen Frieden finde.
Du bist der wahre Friede des Herzens, du seine einzige
Ruhestätte; außer dir ist alles Qual und Unruhe. In diesem
Frieden, das ist in dir, dem einen höchsten, ewigen Gute, werde
ich ,.schlafen und ruhen". Amen (vgl. Ps 4, 9).

(KAPITEL 15)

"Von der Nachfolge Christi"

Thomas von Kempen