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Quartalsbericht
über das Austauschjahr

in

Québec City
(Kanada)

Geschrieben von:

Tobias Ertl
Inhalt: Einleitung

Familienwechsel

Zweites Zuhause

Weihnachtsferien & und Neujahr

Winter und klimatische Aspekte

Sprache

Rotary

Schulische Resultate

Konklusion

Fotos

Impressum

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Einleitung:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Halbzeit - Man kann es kaum fassen wie schnell die Zeit vergeht! Da meint man
erst Gestern angekommen zu sein, da sieht man auf den Kalender und bemerkt,
dass man schon die Hälfte seines Austauschjahres hinter sich gelassen hat.

Ein Gefühl, das einerseits mit Freude verbunden ist, da man jetzt mit jedem
weiteren Tag der Rückkehr in seine traute Familie näher kommt und gleichzeitig
ein Gefühl von innerer Panik und Furcht, dass einem ja jetzt nur noch kurze fünf
Monate verbleiben, in denen man ja noch so viel vor hat, in denen man noch so
viel Zeit mit den Menschen verbringen will, die einem Mittlerweile so enorm
wichtig geworden sind.

Man wird sich bei diesem Blick auf den Kalender bewusst, wiesehr man nun
schon Teil der Kultur, der Familie, der Schule und seines Freundeskreises
geworden ist. Weiters entdeckt man, dass hier überhaupt nicht mehr weg will –
man hat sich hier ein Leben aufgebaut, dass man nun nicht mehr hergeben will –
zu viele Menschen bedeuten uns nun etwas, als dass man diese nun so einfach
verlassen wollte.

Man ist wie hin und hergerissen zwischen den Welten – der Alten, die einem im
Rückblick wie ein entfernter fremder Traum erscheint, und der Neuen die mit
allen ihren interessanten, reichhaltigen und bewegenden Momenten an einem
vorbeirast.

Québec wurde meine Heimat, mit allem was so dazu gehört, sprich Familie,
Schule, Freunde, Sprache und sogar der kanadische Sinn für Ironie und Humor
wurden für mich heimisch.
Im selben Moment bin ich noch voller und bodenständiger Österreicher und das
werde ich auch immer bleiben.

Ein Schulkollege hier in Kanada dem ich diesen Umstand erzählte, dass ich jetzt
zwei Heimaten besitze, fragte mich darauf, ob ich nun „Staatenlos“ geworden sei
und ob sich so etwas wie ein Kampf der Kulturen eingestellt hätte?

Interessanterweise stehen die beiden Kulturen und Heimaten trotzdem für mich
in keinerlei Konkurrenz zu einander – im Gegenteil sogar – ich bin mittlerweile so
etwas wie Austro-Kanadier geworden. Dies lässt sich für mich nur relativ schwer
in Worte fassen, da für mich dieses Gefühl des
Multi-nationalismus und des Mult-kulturismus auch völlig neu ist. Es ist als
ergänzten sich die beiden Kulturen zu einem Konglomerat. Dies äußert sich in
meinen Entscheidungen, meiner Sicht der Dinge und meinen Vorurteilen – als
schlüge ein kanadisches Herz in der Österreichischen Brust.

Aus zeremonieller Hinsicht her wäre ich ja ein perfekter Kanadier, denn die
Nationalhymne, die ja bei jeglichem offiziellen Anlass angestimmt wird, singe ich

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schon teilweise besser und sicherer im Text, als meine kanadischen
Schulkollegen ;-) („Oh Canada, terre de nos aïeux…..)

Familienwechsel:

Mitte Dezember, um genauer zu sein, am 6 des Monats wechselte ich meine


Gastfamilie.
Das war am Beginn zugegeben mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch
verbunden. „Gerade erst“ war in Québec und meiner ersten Familie
angekommen – gerade erst habe ich mich so richtig eingelebt und so wirklichen
Anschluss gefunden und, nun geht es schon wieder weiter ins nächste Zuhause.

Die letzten Wochen und Wochenenden vor dem Wechsel waren von dicht gepackt
von Aktivitäten wie : ein letztes Mal zu Großmutter, letzter Besuch beim
Gastonkel, letztes Mal Paté Chinoise (Nationalspeise von Québec), gekocht von
meinem Gastvater, letzter Spatziergang mit den viel geliebten Hunden…..und
vieles mehr. Kurz gesagt es war Endzeitstimmung im Hause Girard/Ertl. Es war
als würde ich das Zuhause für den Rest meines Lebens verlassen. Beim „letzten
Abendmahl“ vor dem schicksalträchtigen Familienwechsel, bei dem reichlich
Tränen, nebenbei auch Wein flossen, kamen wir dann schließlich zur Erkenntnis,
dass ich ja noch volle neun Monate in Kanada hätte und, dass sich mir ja,
während der mir noch verbleibenden Zeit, noch immer die Möglichkeit bietet,
meine lieben Gasteltern zu besuchen wann und immer wenn meinem Gemüte
danach ist.

Mit dieser Gewissheit und beruhigt aber trotzdem neugierig auf die folgende
Familie, begab ich mich dann mit meinen Eltern auf die zehnminütige Autofahrt,
mit dem Ziel „7052 rue des Brumes; Québec“, meinem, von nun an neuen Heim.

Zweites Zuhause:
Bei Tremblay-Lamontagnes (so der Familienname meiner Gastfamilie) wurde ich
vom ersten Moment an mit offenen Armen und als wahrer Teil der Familie
aufgenommen. Ich hatte vom ersten Abend an das Gefühl dazu zu gehören und
nicht einfach nur ein Gast zu sein.

Im Großen und Ganzen besteht der Haushalt aus vier Personen. Zum einen aus
Denis (Vater), der ursprünglich ein Diplom in Sportwissenschaft besitzt aber
mittlerweile seit zehn Jahren als Selbstständiger tätig ist und von Zuhause aus
eine Internetfirma, die auf Fernstudium spezialisiert ist, betreibt.
Weiters ist da meine liebe „Gast-Mama“ Dominique, die im Versicherungsbereich
für eine der größten und wichtigsten Banken von Québec arbeitet.

Und zum Anderen habe ich, übrigens zum ersten Mal in meinem Leben, was für
mich nebenbei eine wunderbare Erfahrung darstellt, eine kleine Schwester mit
dem Namen Noemi, die ich über alles lieb habe und die ich auch, wie es sich für
einen großen Bruder so gehört, gelegentlich ein bisschen nerve. Gemeinsam mit
dieser „kleinen“ Schwester, die eigentlich nur ein Jahr jünger ist als ich selbst,
besuche ich die gleiche Schule, was bedeutet, dass wir täglich den selben
Schulbus nehmen. Auf den viertelstündigen Fahrten zur École secondaire de
Neufchatel haben wir immer genügend Zeit, über das Leben, gute Bücher, Musik,

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Professoren, den halb tauben Busfahrer, der immer unerträglich laut Radio hört
und über vieles mehr, zu philosophieren.
Nicht zu vergessen ist da noch meine „große“ Gastschwester namens Nora habe,
die sich im Moment ebenfalls im Rahmen des rotarischen Jugendaustausches in
Kroatien, um genauer zu sein in Zagreb, der Hauptstadt des Landes selbst,
aufhält.

Ich bin in eine sehr kultivierte und gebildete Familie gekommen, in der Bücher,
Sport, qualitative Zeitungen und gesunde Ernährung einen großen Stellenwert
haben. Im Gegensatz zur nordamerikanischen Durchschnittsfamilie sind
Tremblay-Lamontagnes aus ökologisch und ökonomischen Gründen im Besitz
„nur“ eines einzigen Autos.
Auch der Umstand, dass es im Wohnzimmer, neben dem Radio, dem CD-Player
und dem Plattenspieler, keinen Fernseher gibt, sagt glaube ich viel über die
Familie aus. Der Fernseher, der trotzdem existiert, befindet sich in einem
separaten Raum und wird nur selten aufgedreht. Und wenn sich mal das
Seltenheit eines erleuchteten Bildschirms ergibt, dann werden qualitative
Programme wie der französische Sender TV5, Historia oder Euronews angesehen.

Besonders mit meinem Gastvater Denis verbindet mich eine große Leidenschaft:
der Sport - zum einen ist er, genauso wie ich ein passionierter Segler, zum
Anderen gibt es für uns beide nichts Schöneres, als mit den so genannten
Trotinettes (eine Art Schlitten zum anschieben) während der kalten Jahreszeit
auszufahren und, auf dem aufgrund der niedrigen Temperaturen zugefrorenen
Fluss, der sich in unmittelbarer Nähe zum Haus befindet, Erkundungstouren zu
unternehmen.
Ein besonderes Vergnügen bereitet es uns beiden auch die Eisdecke nach kalten
Nächten auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen und eventuelle Gefahrenstellen bis
zum Limit auszutesten – doch keine Angst um mich – der Fluss ist relativ seicht –
dass schlimmste was einem bei Einbruch die Eisschicht passieren kann, sind
nasse Füße.

Weihnachten & Neujahr:

Nach vier Monaten intensiver Schulzeit, standen in der letzten Schulwoche vor
den Ferien eine große Serie an wichtigen Examen an, die in sämtlichen Fächern
das Erlernte des letzten Trimesters abprüften und die der Schulnachricht, die wir
später nach den Ferien erhalten sollten, im Wesentlichen beeinflussten. So kam
es das ich in der Woche vom 14. bis zum 18. Dezember enorm viel zu tun hatte,
mich mit jeweils dreistündigen Tests abmühte und dann in Folge dieser geistig
äußerst anspruchsvollen Zeit, erschöpft, müde aber trotzdem zufrieden und
zutiefst befriedigt vom dem Faktum nach Hause, dass ich fähig war, in einer für
mich bis zu diesem Jahr weitgehend unbekannten Sprache, Examen verstehen zu
können und auf die Fragen sinnvoll antworten zu können.

Vor mir lagen zwei „lange“ Wochen Ferien, in denen ich bereits viel vor hatte und
die schon im Vorfeld von großen familiären Aktivitäten verplant waren.

Es wäre gelogen, wenn ich sagte, dass ich mich nicht im Vorhinein fragte, wie es
wohl sein würde, Weihnachten tausende Kilometer entfernt von meinen Eltern
und Brüdern zu feiern. Würde mich das Heimweh packen – würde ich es
überhaupt aushalten, in einer anderen Familie als der meinigen dieses kirchliche

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Hochfest zu begehen. Würde ich mit den dortigen Traditionen klarkommen, oder
würde mir nicht die heimischen Bräuche, wie der jährlichen Kirchenbesuch
am 25. oder das seit Jahrzehnten etablierte Weihnachtsessen der Familie zu sehr
abgehen.

Am Ende sollte ich draufkommen, dass ich hier in Québec, eines der schönsten,
fröhlichsten, unbeschwertesten und glücklichsten Weihnachten meines Lebens
verbringen sollte.

Doch zurück zur eigentlichen Schilderung der Feiertage - diese verbrachte ich
großteils mit meinen Dreien in Montréal bei der Familie meines Gastonkels
(väterlicherseits). Es war ein wunderbares Fest, das im Kreise vierer, an Kindern
reichen, Familien gefeiert wurde. Es war eine gewaltige Weihnachtsgesellschaft,
die sich alle im gleichen Haus einfanden, um die Christtage gemeinsam zu
begehen. Gespeist wurde himmlisch mit Gerichten die die Frauen der Familie, in
oft stundenlanger Kocharbeit, zubereiteten. Auch der typisch amerikanische
Weihnachtstruthahn, wie man ihn aus den Filmen kannte, fehlte dabei nicht.
Die Feiertage bestanden großteils aus geselligem Beisammensein, herrlichem
Essen, spielen mit den Cousin und Cousinen und gelegentlichen Ausflügen ins
relativ nahe gelegene Stadtzentrum von Montréal.
Im Rahmen der Sightseeingtouren, lernte ich unter anderem das weltweit
bekannte olympische Stadion aus dem Jahre 76, das Gelände mit einigen
Pavillons der Weltausstellung 67, das markante Stadtzentrum und vieles vieles
interessante mehr, kennen.

Am 29. Dezember und schon wieder aus Montréal zurückgekehrt, stand schon
wieder das nächste wichtige Ereignis am Plan – ein offizielles österreichisches
Abendessen mit dem rotarischen Inboundkoordinator und anderen Rotariern, für
die ich an diesem Abend in die Haut des österreichischen Botschafters schlüpfte,
um mein Land gebührend zu repräsentieren. Weiters verwöhnte ich meine Gäste
mit typisch österreichischen Schmankerl wie steirischem Backhendelsalad,
wiener Rindsgulasch und original Kaiserschmarren, die ich in langer Vorarbeit mit
meinem ersten Gastvater, einem großen Koch, zubereitete.

Im Rahmen dieses Abendessens verwandelten wir auch das gewöhnliche


Wohnhaus meiner ersten Gastfamilie, in eine offizielle Vertretung der
österreichischen Republik - mit allem was so dazu gehört. So wurde der
Hauseingang zum Beispiel von zwei ehrfurchts-einflößenden gigantischen
Staatsflaggen flankiert – auch das Tischgedeck und das Blumenbuket waren
natürlich klassisch in den Nationalfarben Rot-Weiß-Rot gehalten. Der
Bundesadler, aufgedruckt auf ein Poster, blickte stolz von der Wand.
Das Abendessen war ein vollster Erfolg, sowohl in kulinarischer als auch
repräsentativer Hinsicht und hat sicher bei allen Beteiligten einen bleibenden
Eindruck hinterlassen.

Der 31. Dezember und damit der Jahreswechsel stellten ebenfalls ein wichtiges
Ereignis für mich dar. Dieses besondere Datum beging ich nämlich gleich
zweimal. Einmal um 18:00 Uhr kanadischer Zeit für das österreichische Neujahr,
zu dessen Anlass ich live per Internet den Radiosender Ö1 zuschaltete und um
genau null Uhr, nach den imposanten Glockenschlägen der Pummerin, mit
meiner Gastmutter Walzer zu den Klängen der Schönen Blauen Donau tanzte.

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Dies war einer dieser magischen Momente während meines Austausches, bei
denen mein Herz wie wild anfing zu schlagen und die Augen anfingen glasig zu
werden - auch wenn man als Bursche versucht es zu unterdrücken.

Die ersten Momente im kanadischen 2010, trugen sich nicht minder aufregend
und sentimental zu - wenn auch etwas ruhiger und gediegen aufgrund der
fehlenden Feuerwerkskörper.
Am 1. Januar und noch etwas schläfrig und angeschlagen von der durchfeierten
Nacht, ging es dann direkt zum traditionellen Neujahrsessen der Verwandtschaft
meiner Gastmutter, in dessen Rahmen, alle Beiwohnenden von Dominiques
Vater, dem ältesten der Familie und somit dem Patriarchen, den alljährlichen
Neujahrssegen zugesprochen bekamen – ein sehr bewegender und emotioneller
Moment.

Den Rest meiner Schulferien verbrachte ich in Folge der „anstrengenden“


Festivitäten im engen Kreise meiner Gastfamilie. Gemeinsam vertrieben wir uns
die ruhige Zeit mit Lesen, Tagesausflügen in der Gegend von Québec, wie zum
Beispiel Eislaufen auf einem zugefrorenem See, Kinobesuchen, sportlichen
Aktivitäten oder dem Lösen von tausendteiligen Puzzles, von denen im speziellen
meine kleine Schwester ein Fan ist.

Nach zwei erholsamen schulfreien Wochen ging dann schließlich am 6. des


Monats Jänner, die Schule wieder los. Nun tat es wieder gut, in Gesellschaft
meiner Schulfreunde zu sein und in das reichhaltige Alltagsleben
zurückzukehren.

Winter & klimatische Aspekte:

Wie schon in manchen Teilen meines Berichts merkbar ist, herrscht hier Québec,
obwohl es auf beinahe fast dem selben geographischen Breitengrad liegt, nicht
das gleiche Klima, wie in Österreich.

Die prinzipiellen Gründe dafür sind zum einen der starke Einfluss des
kontinentalen nordamerikanischen Klimas und der, aus dem norden Kälte-
mitbringenden, Labrador-meeresstrom, der als Ausgleichsstrom zum Golfstrom,
arktische Kälte mit sich führt.

Diese zwei geographisch einflussreichen Faktoren bewirken auf der einen Hand
heiße und trockene Sommer und auf der Anderen eisige und klirrendkalte Winter,
in denen das Thermometer nicht selten unter die -25° Celsiusgrenze fällt. Auch
die -35° können mitunter gemessen werden.

Für mich als, an das relativ gemäßigte und milde österreichische Klima gewöhnte
Mensch, machten die tiefen Temperaturen zu Beginn etwas zu schaffen. Nach
einiger Zeit jedoch und nach der freudigen Entdeckung von Thermounterwäsche,
gewöhnte und adaptierte ich mich entsprechend an die klimatischen Umstände.

Auch die Quantität des kanadischen Schneevorkommens stellt sich für mich als
ungewohnt und außergewöhnlich dar. Trotz der nach hiesigen Urteilen „milden
und schneearmen“ Saison, haben wir reichlich der weißen Pracht. Cirka 2 Meter
davon zieren im Moment das schöne Umland Québecs.

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Laut Erzählungen von zahlreichen Freunden, herrschte vor zwei Jahren, aufgrund
einer Schneemenge von sechs Metern, endzeitartige Stimmung. In diesem Jahr,
so laut vielerlei Augenzeugenberichten, waren vielerlei Orts, Wohnhäuser unter
der Schneedecke verschwunden. Schulfreunden zu Folge verließen einige
Menschen ihre Häuser sogar aus den Fenstern im ersten Stock, da öfters die
Hauseingänge, aufgrund einer der berühmten kanadischen Schneestürme,
versperrt waren.

Auch ich wurde schon Zeuge eines solchen Schneesturms. An diesem Tag war für
sämtliche Schüler in der Nationalhauptstadt Québecs schulfrei – und das aus
gutem Grund, da man während einer solchen „Tempête de neige“ aufgrund des
dichten Schneefalls und des dazukommenden starken Windes, leicht die
Orientierung verlieren kann und das in Zusammenspiel mit den niedrigen
Temperaturen für den Menschen und ganz besonders für kleine Schulkinder ein
gefährliches Unterfangen werden kann.

Sprache:

Was die Sprache betrifft kann ich nur sagen, dass die Entwicklung rasend schnell
vor sich geht. Jeden Tag kommen neue Wörter, Ausdrücke und Phrasen dazu.
Mittlerweile kann ich mich mit meiner Familie über sämtliche Themen beliebig
verständigen. Ja ich kann sogar sagen, dass ich mich so gut über alles mir
Beliebige, unterhalten kann. Noch vor Weihnachten kam es zum ersten Mal vor,
dass ich einen französischen Traum hatte, was den Sprachfortschritt und den
starken Einfluss des französischen Umfeldes zeigt.
Auch in der Schule habe ich keinerlei Probleme mehr, die Professoren während
des Unterrichts zu verstehen.

Ich bin auch jetzt schon komplett unabhängig, von meinem kleinen
Übersetzungscomputer, den ich zu Beginn des Jahres immer dabei hatte. Ja es
beginnt sogar schon schwierig zu werden in der eigenen Muttersprache zu
sprechen – und wenn es nur ein einfacher Telefonanruf bei den Eltern ist – man
beginnt da schon des Öfteren zu stocken und sucht nach Worten, die einem im
ersten Moment nur in Französisch einfallen.

Ähnlich ergeht es mit da beim Schreiben dieses Berichtes – so brauchte ich mein
deutsch-französisches Wörterbuch um ein Wort zu suchen das mir bei Gott nicht
auf Deutsch einfallen wollte – da ich das französische Pendant wusste, lag die
Lösung nicht allzu fern und suchte nach der Übersetzung in meiner
Muttersprache.

Wenn es zu Beginn meines Austausches so war, dass ich mir die gesprochenen
Sätze, mittels indirekter Übersetzung im Kopf, verständlich machte, so ist es
heute so, dass ich es nicht mehr nötig habe darüber nachzudenken was der Satz
jetzt in Deutsch heißen würde – jetzt ist es vielmehr so, dass die gehörten Worte
und Sätze ohne umständliches Übersetzten in meinem Gehirn verstanden werden
und direkt mit Information assoziiert werden. So kommt es mir vor, dass ich
langsam meinem Ziel des Bilingualsimus näher komme.

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Da ich trotzdem noch weit davon entfernt bin, ein perfektes Französisch zu
sprechen, sind meine Ambitionen für die nächsten Monate, zum einen meinen
Wortschatz zu vergrößern und zum anderen meine Grammatik zu verbessern.

Rotary:

Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, finden im Rahmen des


Austauschprogrammes regelmäßig Aktivitäten, mit dem Rotaryclub und den
anderen Exchange-students aus aller Welt, statt.

So nehme ich etwa ein bis zweimal im Monat an den Rotarymeetings und
anderen Veranstaltungen meines Gastclubs teil. Auch Einladungen von anderen
Clubs nehme ich immer dankend an und sehe mir so ein bisschen die vielfältige
Clublandschaft an, gebe mich als guter österreichischer Repräsentant und
komme so zu auch verschiedenen Erlebnissen wie Cocktails, Golfspielen,
Austernessen, Käseabenden oder Weihnachtsfeiern, die von den jeweiligen
Rotaryclubs organisiert werden.

Mit den anderen Austauschschülern fand zum Beispiel nach Weihnachten eine
sehr schöne Aktivität statt – ein Multikulturelles Abendessen, bei dem jeder der
Jugendlichen ein für sein Land typisches Gericht zubereitete. Auf diese Weise
hatten wir an diesem Abend ein buntes Buffet, das von Speisen aus allen
Erdteilen geziert war.

Kommendes Wochenende steht ein Weiteres, der berühmten


Orientierungswochenden an, das wir gemeinsam mit sämtlichen
Austauschschülern des Multidistrikts 7790, der auch den US-Bundesstaat Maine
mit einbezieht, hier in Québec verbringen werden. Das wird sicher wieder ein
tolles Ereignis. Diesmal, im Gegensatz zu den anderen Malen, wird die
Kommunikationssprache Englisch sein, da die Schüler aus Maine natürlich kein
Französisch sprechen.

Zwei Wochen darauf findet dann auch schon wieder das nächste rotarische
Wochenende statt, das diesmal gemeinsam mit den Inbounds, von denen einer
ich bin, den quebecer Outbounds des vorigen Jahres und den Outbounds der
kommenden Saison, gemeinsam verbracht wird.

Schulische Resultate:
Vollen Stolzes kann ich auch berichten, dass ich, der Schulnachricht zufolge, die
uns zu Beginn des Monats Februar überreicht wurde, und die auch bereits die
Ergebnisse der vorweihnachtlichen Examenreihe einschließen, sämtliche Fächer
einwandfrei positiv abschloss.

In manchen Gegenständen wie beispielsweise Geographie, Geschichte, Englisch


und Ethik habe ich sogar die 90 % Marke übertroffen.

In Französisch war es zwar ein bisschen knapper, da hatte ich nämlich nur 54%
der Punkte, aber bin trotzdem sehr zufrieden ... denn der Professor hat mich, wie

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alle Anderen seiner Amtskollegen, genauso gewertet wie alle anderen
einheimischen Schüler aus Québec mit Französisch als Muttersprache! In unserer
Gruppe sind sogar einige durchgefallen. Ich hingegen nicht! Mein Französisch-
Professor meinte sogar, dass ich gute Chancen habe beim finalen Examen am
Ende des Jahres, das Maturastatus hat und einem Abschlusszeugnis der
Sekundärstufe gleichkommt, ohne Probleme bestehen zu können.

Konklusion:
Nun, wie schon zu Beginn erwähnt bleiben mir fünf kurze Monate. Monate die
bereits von zahlreichen Aktivitäten verplant sind.
In den Kommenden stehen auch die großen, von Schule und Rotary,
organisierten Reisen nach Chicago, Montreal, Toronto, Ottawa, New York und zu
den Niagarafällen, an.

Trotz der ersten Monate, die zugegeben hart und zeitweise von Dürreperioden
geprägt waren, verging die Zeit wie im Fluge und ich habe das Gefühl, dass die
sich dieses noch verstärken wird. Die vor mir liegenden Monate werden noch
beschleunigter an mir vorbeirasen, als sie es jetzt schon tun – eine Woche jagt
die Andere und ehe man sich versieht ist die Zeit um und die Abreise steht an.

Auch wenn die Rückkehr noch weit weg erscheint, befürchte ich, dass dieser
Augenblick schneller da sein wird, als mir lieb ist.

Ich habe mich an mein kanadisches Leben gewöhnt – ich habe hier Freunde, mit
denen ich an den Wochenenden um die Häuser ziehe, zwei Familien mit denen
ich alles was mich bewegt, beschäftigt, nervt oder schlichtweg Freude bereitet,
teilen kann – nicht zuletzt stehen mir hier ein große Anzahl von
leidenschaftlichen Rotariern zu Verfügung, die ihr Bestes versuchen, diesen
Austausch für uns Exchange-Students, mit Wochenenden, Reisen und vielem
mehr so interessant wie möglich zu machen – meiner Meinung nach, das mit
großem Erfolg.

Die Entscheidung, an diesem Austauschprogramm teilzunehmen, war definitiv


eine der Besten meines Lebens. Die kulturelle, sprachliche und nicht zu letzt
persönliche Bereicherung werden mich mein Leben lang begleiten.

Als letzten Punkt meines Berichtes, möchte ich die Gelegenheit nützen, um
Rotary, ohne das dieses außerordentliche Jahr nicht möglich wäre, meiner Schule
und Lehrern in Österreich, die dem Projekt immer äußerst aufgeschlossen waren,
meinen heimischen Freunden, die immer geduldig auf Antworten aus Kanada und
auf ihre E-Mails warten, meiner eigenen Familie, die immer liebevoll und
ermutigend im Hintergrund stand, und nicht zuletzt meinen Eltern mir dieses
Jahr, mit ihrem Vertrauen in meine Selbstverantwortung und ihrer großzügigen
finanziellen Unterstützung, ermöglichen, zu danken.

Danke

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Tobias Ertl

P.S. Entschuldigen Sie bitte auch allfällige orthographische Fehler im Text, doch wie ich
bereits berichtet habe, wurde das Schreiben in deutscher Sprache, zu einem schwierigen
Unterfangen für mich, aufgrund des französischen Spracheinflusses.
Fotos:

Besuch eines mit


Ausgang Hockeymatches der „Reparts
den traditionell
Ausfahrt mit den Trottinettes de Québec“
kanadischen Schneeschuhen

Weihnachten in Montréal

Herzliche Weihnachtsumarmung der Familie


Schiabend mit Freunden

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Meine Gastmutter bei den Vorbereitungen zum Ausflug zum Eislaufen mit einer Freundin
klassischen Weihnachtstruthahn

Austausch der Weihnachtsgeschenke mit


meiner Gastschwester

Ausflug mit einem Schulfreund zum Skidoofahren im


québecer Hinterland

Ich vor einer Statue in der


Montréaler Chinatown 12
Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich mich Treffen der rotarischen Austauschguppe im
auf den Knien des Weihnachtsmannes Stadtzentrum von Québec

Austauschgemeinschaft beim „Souper multiculturel“

Schulausflug in Charlevoix bei Québec

Empfangskomitee des zur Halbzeit eintreffenden australischen Austauschschülers „Tyran“

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Impressum:

Tobias Ertl

Sandgasse 16
4020 Linz
Austria

oder:

co. Denis Lamontagne


7052 Rue des Brumes
G2C 1P6
Québec; QC
Canada

mobile: +43 650 8918831


phone : +43 732 663652 24
fax : +43 732 663652 21

e-mail : tobias.f.ertl@gmail.com

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