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Koffeinhaltiger Kaffee und (Brust-)Krebs

Stand/Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 31.03.2006

Eine Beobachtung beim erblichen Brustkrebs

Eine kanadische Gruppe hat 1690 Frauen in vier Brustkrebszentren, die eine der Mutationen für erblichen Brustkrebs haben, nach ihrem Kaffee-
Konsum befragt (Nkondjock A 2006).

Dabei stellte sich heraus, dass die Frauen, die gewöhnlich sehr viele Tassen koffeinhaltigen Kaffee tranken, sehr viel seltener Brustkrebs bekamen,
obwohl sie das mutierte Gen trugen. Sehr viel hieß: normalerweise mehr als sechs Tassen täglich.

Die Rate der Nicht-Kaffee-Trinkerinnen wurde auf eins gesetzt und mit der der anderen Frauen verglichen:

• Von denjenigen, die bis zu drei Tassen am Tag tranken, erkrankten etwa 90%.
• Bei denjenigen, die vier bis fünf Tassen koffeinhaltigen Kaffee am Tag tranken, sank die Rate auf 72%.
• Und bei denen, die mindestens sechs Tassen koffeinhaltigen Kaffee tranken, sank die Rate trotz der genetischen Vorbelastung auf lediglich
nur noch 31%. Also nicht mal ein Drittel der Frauen, die keinen koffeinhaltigen Kaffee zu sich nahmen.

Entkoffeinierter Kaffee hatte keinen Effekt.

Wie kann man sich die Wirkung von Koffein auf die Krebszelle vorstellen?

Wie könnte man sich die Wirkung von Koffein auf die Brustkrebsentwicklung vorstellen? Der Körper hat verschiedene Möglichkeiten, bösartige
Zellen auszuschalten. Eine davon ist der programmierte Zelltod, die Apoptose, mit der sich der Organismus vor bösartigen Zellen schützen will.
Mit Bestrahlung oder Chemotherapie versucht man ebenfalls, diesen Zelltod auszulösen. Wenn aber auch das Protein p53 nicht funktioniert, was bei
vielen Brustkrebszellen der Fall ist, funktioniert der programmierte Zelltod auf diesem Wege nicht mehr. Die Zellen werden gegen die
Chemotherapie und Bestrahlung resistent.
Eine andere Möglichkeit bestünde über den Tumornekrosefaktor alpha, der Tumorzellen abtötet, ohne die entsprechenden gesunden Zellen stark zu
schädigen. Er kommt im Körper selbst vor und man hat natürlich überlegt, ob man ihn nicht wie andere Medikamente injizieren oder anders
zuführen könnte, um die Konzentration zu erhöhen. Aber es geht nicht, er ist in entsprechenden Konzentrationen zu giftig.

Koffein scheint auf Tumorzellen nun so wirken zu können, dass der Tumornekrosefaktor, der auch natürlicherweise im Körper vorkommt, stärker
wirkt, wie man schon 1993 an der Brustkrebszell-Linie MCF-7 getestet hat (Belizario JE 1993). Das Koffein scheint also die Wirkung des
Tumornekrosefaktors, ohne selbst so giftig für den Körper zu sein, verstärken zu können.

Vielleicht reicht dies aus, um die Brustkrebszellen, die bei den Frauen, die die Gene für erblichen Brustkrebs tragen, öfter entstehen, abzutöten.

Eine neue Arbeit zu koffeiniertem Kaffee und Brustkrebs

Bei dieser Arbeit wurde nicht zwischen erblichem und epidemischem Brustkrebs unterschieden. Auch die Autoren finden eine stark reduzierte
Brustkrebshäufigkeit bei Frauen vor den Wechseljahren, die mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag trinken (Baker JA 2006).

URL: http://www.erieping.de/bkkaf1.htm

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