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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2

2. Faktencheck

3

3. Das Thema „Integration“ im BDKJ im Erzbistum Köln

5

4. Übungen zum Thema „Integration“ für die Gruppenarbeit

7

Übung 1: Anmeldung und Kulturkategorien

7

Anhang zu Übung 1: Diffuse Kultur

12

Übung 2: Andere Länder andere Sitten

13

Übung 3: Gestatten Müller

16

Übung 4: Zeitlinie

17

Übung 5: Terrain

19

Übung 6: Was bedeutet das?

20

Übung 7: Der Hamburger und die Gesprächsspirale

23

Übung 8: Verkündung einer Regel

27

Übung 9: Zugehörigkeiten

29

Übung 10: Wer ist zuerst fertig

30

Übung 11: Drei Freiwillige und die Diskussionsrunde

31

Übung 12: Verrinnende Zeit

34

Übung 13: Aller guten Dinge sind drei

35

5. Kooperationsmöglichkeiten mit Migrantenselbstorganisationen

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6. Nützliche Adressen und Kontakte

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7. Anhang: Die Anträge der Diözesanversammlung des BDKJ Erzdiözese Köln

40

Impressum

Herausgeber: Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Erzdiözese Köln, Steinfelder Gasse 20-22, 50670 Köln, Fon 0221 1642 6316, Fax 0221 1642 6613, E-Mail info@bdkj-dv-koeln.de, Internet www.bdkj-dv-koeln.de Redaktion: Anja Kremzow, Dr. Annette Müller, Pfr. Marcus Bussemer, Karolina Gierej, Michael Schwarz, Annika Triller, Tobias Busche, Tobias Agreiter (V.i.S.d.P.) Layout: Christoph Herwartz, Sheila Völz Titelbild:

misterQM/photocase.com Auflage: 120 Exemplare

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1. Vorwort

Liebe Verantwortliche in den Verbänden und Regionen, liebe Freundinnen und Freunde,

kulturelle Vielfalt gehört zum Alltag. In den Schulen, in der Nachbarschaft, im öffentlichen Leben hören wir verschiedene Sprachen und lernen Menschen kennen, die eine andere kul- turelle Herkunft haben als wir selbst.

Auch wenn bereits viele Grenzen überwunden wurden, wirken in unserem Umfeld dennoch Rassismen - manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Sie zeigen sich im alltäglichen Han- deln, aber auch in strukturellen Bedingungen.

Erscheint uns eine Person aufgrund ihrer kulturellen Herkunft „fremd“, bleibt das, was die Befremdung ausmacht, häufig unreflektiert. Was bleibt, ist Unwissenheit, Unsicherheit und im äußersten Fall Diskriminierung in ihren unterschiedlichen Facetten.

Manchmal sind es auch Strukturen, die ein konstruktives, gleichberechtigtes und friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft verhin- dern. Spätestens seit der Veröffentlichung der PISA-Studie ist beispielsweise klar, dass SchülerInnen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem institutionell diskri- miniert werden.

Die vorliegenden Schulungsmodule und weitere Inhalte dieses Themenheftes bieten Anre- gungen, sich dem Thema anzunähern, eigene Vorurteile zu hinterfragen und sich über strukturelle Bedingungen der Diskriminierung bewusst zu werden. Hieraus können gute I- deen entstehen, wie die interkulturelle Begegnung zu einem selbstverständlichen Bestand- teil katholischer Jugendverbandsarbeit werden kann.

Wir wünschen euch viel Spaß dabei.

Solltet ihr Unterstützung oder Beratung wünschen, so steht euch die BDKJ-Diözesanstelle gerne zur Verfügung.

Im Namen des BDKJ-Integrationsausschusses (2007 – 2009)

Verfügung. Im Namen des BDKJ-Integrationsausschusses (2007 – 2009) Tobias Agreiter BDKJ-Diözesanvorsitzender Seite 2

Tobias Agreiter BDKJ-Diözesanvorsitzender

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2. Faktencheck – Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland

Von der Illusion der „MigrantInnen“ als homogene Gruppe

Das Statistische Bundesamt 1 erhebt jährlich Daten über die in Deutschland lebende Bevöl- kerung. Um die Präsenz von MigrantInnen zu erheben, ist eine differenzierte Perspektive erforderlich. So lässt sich die Gruppe der Menschen „mit Migrationshintergrund“, wie es hier heißt, in vier Bevölkerungsgruppen einteilen. Es lässt sich zum einen unterscheiden zwischen dem Geburtsland (Deutschland oder Ausland) und der Staatsangehörigkeit (deut- scher Pass oder nicht).

Die erste Gruppe stellen zugewanderte AusländerInnen ohne deutschen Pass, also Auslän- derInnen der so genannten ersten Generation dar. Sie sind im Ausland geboren, nach Deutschland migriert und haben keinen deutschen Pass. Als zweite Gruppe lassen sich nicht zugewanderte Ausländer beschreiben: Sie sind in Deutschland geboren und gehören der zweiten oder dritten Generation an. Sie werden dennoch als AusländerInnen bezeichnet, weil sie keinen deutschen Pass haben. Die dritte Gruppe besteht aus zugewanderten Deut- schen. Zu diesen gehören zum Beispiel SpätaussiedlerInnen oder Vertriebene. Die vierte Gruppe sind in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund, die einen deut- schen Pass haben. Sie sind die Kinder oder Enkelkinder von Zugewanderten der ersten Ge- neration.

Es zeigt sich also, dass es „den“ Migranten bzw. „die“ Migrantin als solche nicht gibt. Stattdessen ist die große Gruppe der MigrantInnen differenziert mit ihrem jeweiligen ge- schichtlichen Hintergrund zu betrachten.

Ein Drittel der Bevölkerung hat eine Zuwanderungsgeschichte

Wenn man die Zu- und Abwanderungsstatistik Deutschlands betrachtet wird deutlich, dass Migration als Element individueller und familiärer Biografien zum Regelfall geworden ist und ihren Ausnahmestatus verloren hat. Es ist davon auszugehen, dass ungefähr 19 Prozent der Bevölkerung eine Zuwanderungsgeschichte haben. Insbesondere der Anteil bei jungen Leuten unter 25-jährigen ist auffällig. Hier sind es 28 Prozent der Bevölkerung, die eine Zuwanderungsgeschichte haben im Gegensatz zur älteren Bevölkerung: bei den über 65- jährigen sind es weniger als 10 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass Deutschland

1 Statistisches Bundesamt (2010). Bevölkerung und Erwerbstätigkeit: Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus 2009. (Fachserie 1 Reihe 2.2.) Wiesbaden.

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als Migrationsland anzusehen ist und sich die Migrationsgesellschaft auch bei abnehmender Zuwanderung aus demografischen Gründen eigendynamisch weiter entfalten wird.

Ähnliche Interessen

Werden die Lebenswelten der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland un- tersucht ergeben sich Bevölkerungsmilieus, die denen der BürgerInnen ohne Zuwande- rungsgeschichte ähnlich sind. Die größten Milieus stellen das traditionelle Arbeitermilieu (16 %) und das Adaptive Bürgerliche Milieu (16 %) dar. Die Interessen der diesem Milieu zugehörigen Menschen unterscheiden sich von den Interessen her nicht von ihren Pendants in den Milieus der Aufnahmegesellschaft: Das Milieu der ArbeitsmigrantInnen und Spätaus- siedlerInnen strebt nach materieller Sicherheit für sich und seine Kinder. Das Adaptive Bür- gerliche Milieu bezeichnet die pragmatische moderne Mitte der MigrantInnenpopulation, die nach sozialer Integration und einem harmonischen Leben in gesicherten Verhältnissen strebt. Diese Ziele entsprechen den Wünschen und Bedürfnissen der konsummaterialistisch eingestellten BürgerInnen und der Bürgerlichen Mitte. Ebenso haben auch MigrantInnen im Intellektuell-kosmopolitisches Milieu (11 %) die gleiche aufgeklärte, global denkende und weltoffene, multikulturelle Grundhaltung wie das entsprechende Milieu der so genannten Postmateriellen BürgerInnen.

Es kann festgehalten werden, dass Menschen des gleichen Milieus mit unterschiedlichem Migrationhintergrund mehr miteinander verbindet als mit dem Rest ihrer Landsleute aus anderen Milieus.

MigrantInnen bleiben nicht nur unter sich

Seit Jahrzehnten organisieren sich Menschen mit Migrationshintergrund in Vereinen. In der öffentlichen Debatte wurden diese Heimat- und Kulturvereine und insbesondere die religi- ösen Organisationen der Muslime oft kritisch betrachtet und als Parallelgesellschaft bewer- tet. Diese Einordnung entspricht aber nicht der Realität. Gerade mal 25 Prozent der Men- schen mit Zuwanderungsgeschichte gehen regelmäßig zu religiösen Vereinigung oder Mo- schee. Ein noch geringerer Anteil besucht einen Kulturverein.

Weiterhin führt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration eine Studie zur Zuwanderungsgesellschaft durch. Das Ergebnis besagt, dass 75 Prozent der Personen mit Zuwanderungsgeschichte der eigenen Gruppe ein Interesse an Integration zuschreibt. Dies zeigt, dass es durchaus Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutsch- land gibt, die kein oder nur geringes Interesse an Integration haben oder ausschließlich Kontakte in der eigenen kulturellen Gruppe suchen. Es wird aber auch deutlich, dass der Großteil ein Interesse an Kontakten zu Angehörigen der Aufnahmegesellschaft hat.

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3. Das Thema „Integration“ im BDKJ Erzdiözese Köln

2006 – Die Einsetzung eines Integrationsausschusses

Das Thema „Integration“ ist im BDKJ-Diözesanverband Köln seit 2006 strukturell verortet. Die Diözesanversammlung (DV) beschloss die Einsetzung eines Integrationsausschusses. Die- ser sollte sich mit Frage beschäftigen, was Integration aus Sicht der katholischen Jugend- verbände bedeutet und feststellen, was junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte brauchen.

2007 – Erste Handlungsschritte

Der Integrationsausschuss begann im Februar 2007 seine Arbeit mit 10 Personen. Bei meh- reren Treffen arbeiteten sie an verschiedenen Themen wie Begriffsdefinitionen, der Samm- lung von Hintergrundwissen, Methodenentwicklung und einer großen Erhebung innerhalb der Verbände inwieweit „Integration“ Thema in den Schulungskonzepten der Mitgliedsver- bände ist. Des Weiteren wurden zwei Anträge für die DV des gleichen Jahres vorbereitet.

Im Verlaufe der Diözesanversammlung gab es eine Studiengruppe zu zwei vom Integrati- onsausschuss formulierten Anträgen, die auch einstimmig beschlossen wurden. Diese bein- halten zum einen die Definition des Begriffs „Integration“ und zum anderen den Auftrag an den Integrationsausschuss, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Weiterhin soll er Projekte entwickeln, in denen sich Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen kennen lernen können. Außerdem soll er Schulungsmodule zum internationalen Lernen erstellen und den Dialog zu Migrantenselbstorganisationen mit der Auslotung konkreter Kooperationsprojekte suchen.

2009 – Interkulturelles Seminar „Was ist der Mensch“

Das Jahr 2009 begann im Januar mit einer Kooperationsveranstaltung mit dem Bund der Alevitischen Jugend in NRW (BDAJ). Knapp 30 junge Menschen aus dem Alevitentum und dem Katholizismus arbeiteten und diskutierten über den Menschen und sein Verhalten in Politik und Gesellschaft.

Mittlerweile nahm auch die Materialsammlung des Integrationsausschusses immer mehr Gestalt an. Auf der Diözesanversammlung wurde der Antrag „Integration durch Teilhabe beschlossen“. In diesem verpflichten sich die Verbände, sich mit dem Thema der Integrati- on auseinander zu setzen und der BDKJ-Diözesanvorstand wird beauftragt, einen Studien- tag zum Thema zu organisieren. Der Integrationsausschuss löst sich auf.

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2010 – Studientag „Integration“

Im Herbst dieses Jahres führte der BDKJ einen Studientag zum Thema „Integration“ für alle Interessierte in den Mitgliedsverbänden durch. Auf diesem wurden zum einen wissenschaft- liche Hintergründe beleuchtet und zum anderen konkrete Schritte für Kooperationsveran- staltungen erarbeitet.

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4. Übungen zum Thema „Integration“ für die Gruppenarbeit

Übung 1: Anmeldung und Kulturkategorien

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden werden aufgefordert einen Anmeldebogen auszufüllen. Der Bogen ist in türkischer Sprache verfasst. Die Spielleitung ist in unterschiedliche Rollen geschlüpft. Eine Person tritt bürokratisch auf, die andere eher als Gastgeberin. Die Arbeit mit Kulturkatego- rien wird anhand von Personenbezug – Sachbezug diskutiert.

Ziele: Die Teilnehmenden erleben Zweisprachigkeit als Ressource.

Zeit:

Material:

Es findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz von Kulturka- tegorien während des Spiels statt. Die Teilnehmenden erleben eine Ein- stiegssituation, in der sie den Unterschied zwischen Sach- und Personenbe- zug erfahren, und reflektieren ihre emotionalen Reaktionen. ca. 80 Min. Arbeitsblatt I (S. 85), Wörterbuch, Arbeitsblatt II (S. 87), Getränke, Obst,

ihre emotionalen Reaktionen. ca. 80 Min. Arbeitsblatt I (S. 85), Wörterbuch, Arbeitsblatt II (S. 87), Getränke,

Kekse, Tisch und Stuhl für den Anmeldeschalter, Schild mit der Aufschrift „Anmeldung“ Raumbedarf: der Gruppengröße entsprechend, 3 Arbeitsgruppen Gruppengröße: auch für große Gruppen geeignet, empfohlene Größe 12-24 Personen. Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf die empfohlene Gruppengröße. Bei größeren Gruppen ist die Feedbackrunde sehr viel zeitintensiver. Vorbereitung: „Anmeldeschalter“ aufbauen, Formulare und Arbeitsblätter kopieren, Ge- tränke usw. vorbereiten, Wörterbuch türkisch – deutsch bereit legen. Quelle: Die Kulturkategorien wurden in Anlehnung an E.T. Hall (1969) formuliert. Die Idee für den Fragebogen hatte Michaela Hillmeier, übersetzt wurde er von Tuna Döger. Besonderheiten:Die Übung sollte möglichst in zwei Schritten durchgeführt werden, damit sich die Teilnehmenden von dem oft als unfreundlich empfundenen Emp- fang der sachbezogenen Spielleitung „erholen“ können. Nach dem Erst- empfang sollte erst eine Vorstellrunde und gemeinsame Begrüßung durch die Spielleitung stattfinden, bevor die Übung weiter durchgeführt wird.

Übungsverlauf

Empfang (ca. 20 Min.) Wenn die Teilnehmenden eintreffen, müssen sie einen „Anmelde- schalter“ passieren. Sie werden knapp und sachlich begrüßt und erhalten ein Anmeldefor- mular in türkischer Sprache. Reagieren Teilnehmende auf den Fragebogen mit Unverständ- nis, werden sie darauf hingewiesen, dass die Angaben aus statistischen Gründen unerläss-

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lich sind und Grundlage für die Ausstellung der Teilnahmebestätigung. Bitten nach Hilfen werden zurück gewiesen, da keine Zuständigkeit besteht. Nicht vorhandene Stifte und das Fehlen eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin werden durch Finanzkürzungen, für die man nicht verantwortlich ist, begründet. Es wird gebeten, den Schalter zügig zu passie- ren, damit es nicht zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Der Ton ist nicht unfreundlich, aber sehr distanziert. Nach dem „Schalter“ werden die Teilnehmenden herzlich von der anderen Spielleitung begrüßt. Ihnen wird die Garderobe gezeigt und ein Getränk angebo- ten. Nach ein paar freundlichen Sätzen werden die Teilnehmenden ermutigt, die Spalten auszufüllen, bei denen sie schon vermuten, was abgefragt wird. Auf das Wörterbuch wird hingewiesen und dazu ermuntert, auch andere Teilnehmende zu fragen. Fröhliche Stim- mung verbreitend, sich nach dem Wohlbefinden erkundigend, Eigeninitiative lobend und sich möglichst um alle kümmernd werden Informationen bereitwillig zur Verfügung ge- stellt.

Feedbackrunde (ca. 15 Min.) Alle Teilnehmenden geben ein kurzes Feedback darüber, wie sie den Einstieg empfunden haben.

Kurzinput (ca. 5 Min) Die Teilnehmenden werden informiert, dass die Spielleitung sich in den Rollen der sachbezogenen und der personenbezogenen Fachkraft präsentiert hat. Sachbezug und Personenbezug werden als zwei Kulturkategorien vorgestellt. Deutsche Verwaltung wird eher sachbezogen wahrgenommen, während die Arbeit beispielsweise in Initiativgruppen viel personenbezogener empfunden wird. Es wird angekündigt, dass im Seminarverlauf weitere Kulturkategorien vorgestellt werden sollen. Da die Arbeit mit Kul- turkategorien einen bewussten Umgang mit den Möglichkeiten und Nachteilen voraussetzt, schließt sich dazu eine Gruppenarbeit an.

Arbeit in Kleingruppen (ca. 30 Min.) Die Arbeitsblätter (S. 87) werden verteilt. Die Gruppen werden gebeten, eine Person zu bestimmen, welche die Arbeitsergebnisse im Plenum vor- stellt. Anhand der Kulturkategorien Personenbezug – Sachbezug soll in der Gruppe disku- tiert werden, wie die Teilnehmenden sich vor Verallgemeinerungen schützen und sich eine reflektierte Haltung zur Anwendung dieser Methode erarbeiten können.

Plenum (ca. 30 Min.) Die Arbeitsergebnisse werden vorgestellt, diskutiert und von der Spielleitung zusammengefasst. Offene Fragen werden in den „Fragenpool“ übernommen.

Kulturkategorie

Was ist eine Kulturkategorie? Für Geert Hofstede (1991:19) ist Kultur immer ein kollektives Phänomen, eine kollektive geistige Programmierung, die Gruppen von Menschen voneinan- der unterscheidet. Kulturkategorien sind inhaltliche Beschreibungen von Kulturmustern. Susanne M. Zaninelli (1993) bildet Kulturkategorien als idealtypische Gegensatzpaare ab. Zwischen den beschriebenen Polen bewegen sich Kulturgruppen in ihrem Verhalten.

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Kulturkategorien bilden nicht die Realität ab. Sie sind lediglich eine Art heuristisches 2 Werkzeug, mit dem die komplexe Realität auf ein erfassbares Muster reduziert wird.

Welche Nachteile hat die Arbeit mit Kulturkategorien? Bei der Arbeit mit Gegensatzpaaren besteht die Gefahr, dass sich Wertungen einschleichen. Vertraute Kulturmuster werden positiver bewertet als unvertraute Kulturmuster. Statt der Förderung differenzierter Wahr- nehmung können Verallgemeinerungen gefördert und Vorurteile verfestigt, statt abgebaut werden. Kulturkategorien sind immer kontextgebunden. Sie können sich in unterschiedli- chen Zusammenhängen widersprechen. Kulturkategorien können immer nur sehr begrenzt Ausschnitte einer Kultur benennen.

Welche Vorteile hat die Arbeit mit Kulturkategorien? Kulturkategorien erleichtern, Unter- schiede zu erfassen und machen diese beschreibbar. Sie bieten eine Grundlage für die Re- flexion der eigenen kulturellen Muster. Sie verdeutlichen, dass Verhaltensformen aus ver- schiedenen Blickwinkeln wahrgenommen werden können und auch unterschiedlich bewer- tet werden.

Sachbezug

Personalbezug

Die Aufgabe steht im Vordergrund

Die Person steht im Vordergrund

Erst die Sache, dann die Beziehung

Erst die Beziehung dann die Sache

Personendaten abfragen

Beziehung zur Person aufbauen

Sachkompetenz, Logik

Beziehungskompetenz, Vertrauen

Streit: Argumente, Schuld

Streit: Loyalität, Scham

Schriftliche Verträge

Persönliche Zusagen

Arbeit ist vom Privatleben getrennt

Verbindung von Arbeit und Privatleben

Erholung: Rückzug

Erholung: Beisammensein

Gruppenarbeit

Diskutieren Sie in der Arbeitsgruppe, wie Sie die Arbeit mit Kulturkategorien bewerten. Wie können Sie sich vor Verallgemeinerungen schützen? Helfen Ihnen Kulturkategorien bei der Gewinnung von Erkenntnissen? Fassen Sie Ihre wichtigsten Ergebnisse zusammen. Bestimmen Sie, wer aus Ihrer Gruppe die Ergebnisse im Plenum vorträgt.

2 Heuristik (griech.) „Erfindungskunst“. Systematisierungen werden erfunden, um zu einem besseren Verständnis zu gelangen

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Özel bilgi formu

1. Adı nı z:

BDKJ Erzdiözese Köln Özel bilgi formu 1. Ad ı n ı z: 2. Soyad ı n

2. Soyadı n ı z:

Özel bilgi formu 1. Ad ı n ı z: 2. Soyad ı n ı z: 3.

3. Doğum yeriniz

bilgi formu 1. Ad ı n ı z: 2. Soyad ı n ı z: 3. Do

4. Doğum tarihiniz:

bilgi formu 1. Ad ı n ı z: 2. Soyad ı n ı z: 3. Do

5. Cinsiyetiniz:

bilgi formu 1. Ad ı n ı z: 2. Soyad ı n ı z: 3. Do

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6. Milliyetiniz:

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7. Mesleğiniz:

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8. Dininiz:

Köln 6. Milliyetiniz: 7. Mesle ğ iniz: 8. Dininiz: 9. Adresiniz ve telefonnumaraniz: 10. İ mza

9. Adresiniz ve telefonnumaraniz:

Köln 6. Milliyetiniz: 7. Mesle ğ iniz: 8. Dininiz: 9. Adresiniz ve telefonnumaraniz: 10. İ mza

10. İmza ve Tarih:

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Diffuse Kultur

Unvermutet viele Alltagsgegenstände haben ihren Ursprung in anderen Kulturen. Ein kurzer Text regt die Teilnehmenden dazu an, darüber nachzudenken und miteinander ins Ge- spräch zu kommen.

Was versteht man unter diffuser Kultur?

Der Kulturhistoriker Ralph Linton prägte einst den Begriff der kulturellen Diffusion. Darun- ter wird die Übernahme kultureller „Güter“ aus anderen Kulturen verstanden. Einigen wird der Begriff Diffusion sicher noch aus der Chemie etwas sagen. Dort vermischen sich Flüssig- keiten oder Gase von selbst und genau dieser Vorgang ereignet sich im übertragenen Sinne auch bei den verschiedenen Kulturen. Was zunächst kompliziert klingen mag, ist tatsäch- lich Bestandteil unseres alltäglichen Lebens.

Diffusion/Vermischung setzt natürlich Bewegung voraus. Und dass sich Kulturen bewegen bzw. wandeln, das können wir an zahlreichen Beispielen in unserem Leben beobachten. Was heute selbstverständlich erscheint, kann zur Zeit unserer Großeltern oder Eltern ganz anders gewesen sein. Das Verständnis von „gutem Benehmen“, vorherrschende Musik- oder Kunstrichtungen, Kleidung: Wandlungsprozesse sind überall zu erkennen und bringen am laufenden Band kulturelle Neuerungen zum Vorschein. Mit ihnen verändern sich unter an- derem unsere Lebensabläufe, Einstellungen, unser Arbeitsleben, Verbandsleben, unsere Familienstrukturen und auch unser Freizeitverhalten.

Kultur ist also ständig in Bewegung! Dabei übernimmt jede Gesellschaft mit ihrer Kultur Dinge und Anregungen aus anderen Gesellschaften und deren Kultur.

Vorlesen und schätzen lassen

Der Text „Ein überstürzter Aufbruch“ 3 wird vorgelesen.

Anschließend wird die Frage in den Raum gestellt, wie viele „fremdkulturelle“ Güter die Teilnehmehmenden in dem kurzen Text vermuten. Der Text wird ein zweites Mal vorgele- sen und Schätzungen entgegengenommen. In lockerer Gesprächsatmosphäre sucht die Gruppe nach alltäglichen Dingen, die aus anderen Kulturen übernommen wurden.

3 Die kulturellen Adaptionen von Ralph Linton wurden „The Cultural Dimensions of International Business“ von Gary P. Ferraro, 1990 entnommen, von Michaela Hillmeier während ihres Praktikums im Münchener Sozialreferat übersetzt und in eine kleine Geschichte eingepasst.

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Auswertung:

Das Arbeitsblatt wird an alle Mitwirkenden ausgeteilt. Sie erhalten ein paar Minuten Zeit, um den Text noch mal für sich zu lesen und sich mit Nachbar oder Nachbarin auszutau- schen. Oft entdecken die Teilnehmenden noch andere Begriffe.

Ziele:

Die Übung soll bewusst machen,

dass viele alltägliche Dinge aus anderen Kulturen abgeschaut oder übernommen wurden.

dass Kultur einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen ist.

dass schon immer durch andere Kulturen gelernt wurde.

Zeit:

ca. 20 Min

Material:

Arbeitsblatt mit dem Text „Diffuse Kultur“

Raumbedarf:

entsprechend der Gruppengröße

Gruppengröße: auch für Großgruppen geeignet

Vorbereitung:

Arbeitsblätter entsprechend der Gruppengröße kopieren

Quelle:

Michaela Hillmeier (Ethnologin)

Übung 2: „Andere Länder, andere Sitten“

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden beobachten das Verhalten von Jungen und Mädchen einer fiktiven Kul- tur. Sie teilen ihre Beobachtungen mit und interpretieren anschließend das Gesehene. In einer Auswertungsrunde wird die Interpretation ausgewertet.

Ziele: Die Teilnehmenden erfahren an sich selbst, wie schwierig es ist, in Be- schreibungen keine Interpretationen einfließen zu lassen. Die Teilnehmenden lernen, dass Handlungen immer auf dem Hintergrund der eigenen kulturellen Sozialisation interpretiert werden, es aber auch andere Möglichkeiten der Interpretation gibt. Die Teilnehmenden reflektieren, welche Aspekte ihre eigene Wahrneh- mung beeinflusst haben und erweitern ihre Fähigkeit, kulturelle Über- schneidungen zu analysieren.

Zeit:

Material: Erdnüsse in einer Schale (Können auch Gummibärchen oder Anderes sein,

ca. 30 Min.

Raumbedarf:

am besten fair gehandelt.) Stuhlkreis für die Gesamtgruppe muss möglich sein

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Gruppengröße:

12-30 Personen, 12-20 Personen empfohlen

Vorbereitung:

Erdnüsse besorgen

Besonderheiten: Die Übung sollte möglichst mit Teilnehmenden durchgeführt werden, die sich noch nicht so gut kennen. Da die Übung häufig sehr intensiv erlebt wird, besteht bei den Teilnehmenden in der Regel das Bedürfnis, sich

Quelle:

danach noch inoffiziell auszutauschen. Dafür sollte es auch Zeit geben. In Anlehnung an: The Albatross von Theodore Gochenour

Übungsverlauf

Den Teilnehmenden wird angekündigt, dass in wenigen Minuten ein Junge und ein Mädchen als Vertreterin und Vertreter der Albatrosskultur den Gruppenraum betreten werden. Die Teilnehmenden werden gebeten, das Verhalten der beiden Personen zu beobachten. Sie können sich auch Notizen machen.

Die Gruppe sitzt im Stuhlhalbkreis. Vor dem Stuhlhalbkreis steht ein einzelner Stuhl unter den eine Schale mit Erdnüssen gestellt wird.

Verlauf der Simulation

Junge und Mädchen betreten den Raum schweigend mit einem freundlichen Gesichtsaus- druck. Die Frau geht hinter dem Mann mit einem deutlichen Abstand. Das Paar verharrt kurz im Kreis und betrachtet die Gruppe freundlich. Beide gehen dann der Reihe nach auf die Teilnehmenden zu. Übereinander geschlagene Beine der Teilnehmenden werden sanft aber bestimmt auf den Boden gestellt. Bei denjenigen, welche die Beine erneut überein- ander schlagen auch mehrmals. Dabei berührt das Mädchen nur Mädchen und der Junge nur männliche Teilnehmer.

Anschließend setzt sich der Junge auf den bereitgestellten Stuhl, das Mädchen kniet sich auf den Boden neben ihn. Das Mädchen nimmt die Schale mit den Erdnüssen auf. Der Junge nimmt sie aus ihrer Hand bevor sie eine Nuss essen kann und isst selbst mit demonstrativen Kaubewegungen einige Nüsse. Danach übergibt er dem Mädchen die Schale, die nun auch einige Nüsse isst und die Schale dann beiseite stellt. Nach der Nahrungsaufnahme legt der Junge seine Hand auf die Schulter des Mädchens, die sich dreimal dicht zum Boden hin beugt. Danach erhebt sich das Paar und schreitet zum Abschied noch einmal die Runde der Teilnehmenden ab, wobei das Mädchen wieder dem Jungen folgt, und verlässt den Raum.

Beschreibung und Interpretation der Simulation

Die Teilnehmenden werden gebeten, die beobachtete Situation zu beschreiben, ohne sie zu bewerten. Dies fällt ihnen in der Regel sehr schwer, da man gewohnt ist Beobachtungen

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nicht neutral zu schildern, sondern bei ihrer Wiedergabe Interpretationen einfließen zu lassen. Es wird auf Wertungen und Interpretationen hingewiesen und gemeinsam nach neutralen Beschreibungsmöglichkeiten gesucht.

Erst nach dieser Runde werden die Teilnehmenden aufgefordert, das Gesehene zu inter- pretieren. Einige der Teilnehmenden werden die Rolle des Mädchens in der Albatrosskultur als benachteiligt interpretieren und als Indizien dafür beispielsweise ihre Position im Raum (auf dem Boden, hinter dem Jungen) und im zeitlichen Handlungsablauf (erst kommt er, dann sie, erst isst er, dann sie) oder in der Körperhaltung des Mädchens (beugen, knien) und der taktilen Körpersprache (Mann Junge berührt) anführen. Nach der Interpretation der Handlung erhalten die Teilnehmenden Informationen über die Albatrosskultur.

Informationen über die Albatrosskultur

Die Albatrosskultur ist eine matriarchalische Kultur, in der die Erde als Muttergottheit ver- ehrt wird, d.h. die Gesellschaftsordnung ist um die Mädchen und Frauen herum organisiert (matriarchalische Kultur). Große Füße sind ein Schönheitsideal, denn sie ermöglichen einen guten Kontakt zur Erde. Die Kraft der Muttergottheit kann durch den Verzehr von Erdnüs- sen erschlossen werden. Sie sind eine rituelle Speise. Gästen wird eine besondere Ehrer- bietung erwiesen, indem ihren Füßen möglichst viel Bodenkontakt gegeben wird.

Da Mädchen und Frauen ebenso wie die Mutter Erde Leben hervorbringen können, haben sie besondere Privilegien, Jungen und Männer haben die Pflicht, Speisen der Mädchen und Frauen vorzukosten und vor ihnen herzugehen, um Gefahren abzuwenden. Mädchen und Frauen dürfen auf dem Boden sitzen, während Jungen und Männern unbequeme Sitzgestel- le, genannt Stühle, zur Verfügung stehen, die sie in Distanz zur Muttergottheit halten. Für ihre Dienste werden Jungen und Männer belohnt, indem sie Mädchen und Frauen die Hand auf den Rücken legen dürfen. Diese neigen sich dann der Gottheit zu, nehmen Energie auf und leiten sie durch ihren Körper an den Jungen oder Mann weiter. Ansonsten ist es Jungen und Männern nicht gestattet, Mädchen und Frauen ohne deren Aufforderung zu berühren.

Abschließende Diskussion

In der abschließenden Diskussion wird herausgearbeitet, wodurch „Fehlinterpretationen“ zustande kamen. So sind oben – unten/vorne – hinten nicht nur räumliche Beschreibungen sondern auch soziale Metaphern, auf die viele Redewendungen und Sprichwörter in der deutschen Sprache hinweisen. Währen die Füße zu berühren eher als Demutsgeste inter- pretiert wird, die durch die (christliche) Fußwaschung bekannt ist, wird eine Berührung (auch ohne scheinbar erzwungene Verbeugung) an der Schulter, mit Dominanz assoziiert.

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Überprüfung der These einer taktilen Hierarchie in der deutschen Gesellschaft

Wer wen, wie, wo und wie lange berührt, unterliegt einer sozialen Hierarchie und ist ge- schlechtsspezifisch. Die Person mit der höheren Macht darf die Person mit der geringeren Macht an der Schulter führen, aber nicht umgekehrt (Gyr 2000: 51). Um diese These zu überprüfen, werden die Teilnehmenden gebeten, sich zu erheben. Eine Person schlüpft in die Rolle der Vorgesetzten oder des Chefs, die andere in eine untergeordnete Position. Zuerst geleitet die Person in der Vorgesetztenrolle die untergebene Person zu einem freien Stuhl und berührt sie dabei leicht an der Schulter. Danach bekommt die Person in der un- tergeordneten Rolle die Anweisung, die vorgesetzte Person zu einem anderen Ort zu führen und sie dabei an der Schulter zu berühren. In den meisten Fällen widerstrebt es der unter- geordneten Person, eine hierarchiehöhere Person zu berühren, und sie bringt diese Geste nicht zu Stande.

Hinweis

Um den Teilnehmenden Zeit zu lassen, die Übung noch mal inoffiziell nach zu besprechen, sollte sich eine Kaffeepause anschließen.

Übung 3: Gestatten, Müller!

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden begrüßen sich gegenseitig mit Handschlag und nennen ihre Namen.

Ziele: Erleben, wie nur eine kleine Abweichung in rituellen Abläufen irritieren kann. Erfahren, dass durch Lachen befremdende Situationen entlastet werden können. Erinnern der Namen der Teilnehmenden.

Zeit:

ca. 10 Min.

Raumbedarf:

keine Tische, Gruppe muss sich bewegen können

Gruppengröße:

unbegrenzt

Besonderheiten:

Die kleine Aktivität ist auch als Kennenlernspiel geeignet.

Quelle:

Erstmalig kennen gelernt auf einem Clownsemester von Norbert Sommer in Darmstadt 1979.

Übungsverlauf

Die Teilnehmenden werden gebeten sich eine Zahl zwischen 0 und 3 zu merken. Das Trai- ningsteam führt ihnen die Vorstellungsformel „Gestatten, Karin Müller“, „Angenehm, Hans

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Meier“ vor, bei der ein Handdruck ausgetauscht wird. Alle Teilnehmenden sollen nun mit allen anderen diese Vorstellungsformel austauschen, aber ihre eigenen Namen einsetzten. Je nachdem, welche Zahl sie sich gemerkt haben wird gar kein Händedruck ausgetauscht oder es wird ein, zwei oder drei Mal zugedrückt oder wahlweise geschüttelt. Da sich die Personen unterschiedliche Zahlen gemerkt haben, kommt es zwangsläufig zu Irritationen.

Auswertung

Eine Auswertung erübrigt sich. Die Irritation der Teilnehmenden wird in der Regel durch Gelächter deutlich. Es kann sich ein Gespräch zum Thema „Händeschütteln“ anschließen. Zum Beispiel gilt bei manchen Menschen der Händedruck als „Charaktermesser“, ein Hand- schlag kann einen Handel besiegeln, für manche Menschen ist ein Händedruck sehr unan- genehm, unhöflich, eine gesundheitliche Gefährdung oder gar eine unsittliche Berührung.

Übung 4: Zeitlinie

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden visualisieren drei für sie wichtige Lebensstationen und ordnen sie zeit- lich, mit räumlicher Angabe, auf der Zeitlinie zu.

Ziele: Reflexion des Zusammenhanges von Zeit und Raum in der eigenen Bio- grafie. Reflexion des Zusammenspiels von individuellen und kollektivem Erleben von Zeit und Raum Wahrnehmung von gemeinsamen und unterschiedli- chen Erlebniswelten. Zeit: ca. 70 bis 90 Min. ohne Vorbereitung Material: Tapetenrolle mit Zeitlinie, Bildmaterial, Zeichenpapier DIN A5, Stifte, Klebekreppband Raumbedarf: ein Arbeitsraum pro Arbeitsgruppe Gruppengröße: bis 25 Personen Vorbereitung: Eine Tapetenrolle wird aufgerollt in Sichthöhe an der längsten Wand des Seminarraumes befestigt. Sie wird mit einer Linie, der Zeitlinie die nach beiden Seiten (Vergangenheit, Zukunft) offen ist, versehen. Auf der Zeit- linie werden ca. alle 40 cm ein Jahrzehnt bezeichnet. Die Zeitlinie ver- läuft in der Mitte der Papierrolle, so dass über oder unter ihr Bildmateri- al oder schriftliche Anmerkungen befestigt werden können. Drei bis fünf Bilder sind bereits Jahreszahlen zugeordnet. Die Bilder oder Schlagzeilen können aus Jahrbüchern und Chroniken kopiert werden und Themen auf-

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greifen, wie die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl oder den Mauerfall in Berlin, die für viele Menschen von Bedeutung waren. Die Zeitlinie sollte einen Zeitraum umfassen, der weiter in die Vergangenheit reicht, als die Geburt der ältesten Person unter den Teilnehmenden und ein Jahrzehnt in die Zukunft reichen. Vor Einsatz der Übung werden die Teilnehmenden gebeten von sich selbst Fotos mitzubringen, auf denen sie Kinder, Ju- gendliche und junge Erwachsene sind. Dies ist je nach Alter der Teil- nehmenden zu entscheiden. Besonderheiten: Die Materialzusammenstellung ist aufwändig. Eine sorgfältige Zusammen- stellung macht die immer wieder verwendbare Zeitlinie optisch anspre- chend. Das Bildmaterial sollte mit Kreppband befestigt werden, so dass es wieder leicht ablösbar ist und nicht beschädigt wird. Vorsicht beim Einsatz dieser Übung. Die Gruppe sollte bereits miteinander vertraut sein besonders wenn Teilnehmende mit Fluchterlebnissen dabei sind. Eine lange, freie Seminarraumwand ist erforderlich. Die Zeitschiene verknüpft die Bausteine Raum und Zeit.

Übungsverlauf

Einführung und Gruppenarbeit (ca. 35 Min.) Die Teilnehmenden werden gebeten, drei für sie wichtige Begebenheiten in ihrem Leben symbolisch darzustellen, wie ihre Einschulung oder einen Umzug. Es wird vereinbart, dass alles in der Kleingruppe Besprochene vertrau- lich ist und die Kleingruppe nicht verlässt. Die Teilnehmenden erhalten 30 Min. Zeit, sich an für sie wichtige biografische Stationen in ihrem Leben zu erinnern und sie grafisch dar- zustellen. Die Bilder werden den Jahreszahlen auf der Zeitlinie zugeordnet und angehef- tet, ebenso die mitgebrachten Fotos. Die Teilnehmenden vermerken Ort, Datum und Na- men auf den Bildern oder heften Kärtchen mit den Angaben dazu.

Es werden Kleingruppen gebildet, in denen sich die Teilnehmenden über die dargestellten Lebenssituationen im Gespräch austauschen. Die Gruppe entscheidet, welche Erkenntnisse aus der Gruppenarbeit im Plenum vorgestellt werden sollen. Es wird in der Gruppe eine Person für die Vorstellung bestimmt.

Auswertung Die Ergebnisse aus den Gruppenarbeiten werden vorgestellt und anschließend folgende Fragen bearbeitet:

Welche politischen, sozialen oder kulturellen Ereignisse sollen ergänzt werden, weil sie eine große Bedeutung für einige oder alle Teilnehmenden haben? Waren wichtige biografischen Begebenheiten mit räumlichen Veränderungen verbunden? Welche Gefühle können durch räumliche Veränderung ausgelöst werden? Wurden ähnliche Lebenseinschnitte von den Teilnehmenden gewählt oder unterscheiden sie sich erheblich?

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Hinweis

Für die Pinnwand eignen sich besonders unterschiedliche Kalender (Bauernkalender, Mond- kalender, jüdischer Kalender, gregorianischer Kalender). Verschiedene Zeitmessgeräte von der Stoppuhr bis zu Eieruhr können ausgestellt werden. (Siehe Pinnwandnotizen zum ge- samten Baustein)

Übung 5: Terrain

Kurzbeschreibung

Jede Person nimmt eine Position im Raum ein. „Der Eigenraum“ wird den anderen Teil- nehmenden durch Mimik, Gestik oder Laute vermittelt.

Ziele: Die Teilnehmenden reflektieren ihren eigenen Raumanspruch. Sie nehmen wahr, dass Raumansprüche variieren. Sie werden sich der Bedeutung von unterschiedlichen Distanzen in der in- terkulturellen Kommunikation bewusst und akzeptieren den jeweiligen Raumanspruch der anderen Teilnehmenden. Material: Eventuell Wandzeitung für Auswertungsnotizen Raumbedarf: Der Gruppengröße entsprechend, die Teilnehmenden müssen ausrei- chend Raum zur Verfügung haben, um sich frei zu bewegen. Gruppengröße: Auch für größere Gruppen geeignet

Sich über kulturelle Unterschiede von Körperdistanzen informieren. (In

Vorbereitung:

manchen Kulturen ist Nähe zwischen Menschen eher kein Problem und in anderen Kulturen wird es als aufdringlich empfunden. Besonderheit: Bei ausreichendem Platz kann diese Übung auch mit Großgruppen durch- geführt werden.

Übungsverlauf

Verlauf (ca. 45 Min.) Die Teilnehmenden werden gebeten, durch den Raum zu schlendern und sich eine Position zu suchen, an der sie gerne eine Weile stehen bleiben möchten. Sie werden aufgefordert, sich vorzustellen, wie groß ihr persönliches Terrain ist. Wie viel Ab- stand wünschen sie nach vorne, seitlich, hinter sich, nach oben? Den Teilnehmenden wird Zeit gegeben, sich ihren Raum vorzustellen. Anschließend werden sie aufgefordert ein Sig- nal zu wählen (Stirnrunzeln, Handheben, einen abweisenden Ton von sich zu geben), mit dem sie den anderen Teilnehmenden ein Eindringen in den eigenen Raum anzeigen können. Die Gruppenleitung geht nun durch den Raum und nähert sich einer Person. Sie erkundet die jeweiligen Raumansprüche, indem sie von verschiedenen Seiten an die Person heran-

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tritt und ihre Annäherung abbricht, wenn das abwehrende Signal gegeben wird. Nach die- ser Demonstration werden zwei Teilnehmende aufgefordert, ihren Platz zu verlassen und den Terrainanspruch von einer anderen Person zu erkunden. Anschließend geben sie ihre Rolle weiter und nehmen wieder einen Platz im Raum ein. Es wird so lange gewechselt, bis alle Teilnehmenden die Rolle von RaumerkunderInnen hatten.

Auswertung (ca. 30 Min.) War es leicht, sich den eigenen Raumanspruch bewusst zu ma- chen? Ist die Ausdehnung des eigenen Raumanspruches nach oben, seitlich, hinten und vor- ne gleich? Welche Gefühle löst es aus, wenn der eigene Raumanspruch verletzt wird? Un- terscheiden sich die Raumansprüche der Teilnehmenden? Wie wurde das Abwehrsignal wahrgenommen? Wie werden Raumansprüche z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Anstehen, am Badestrand signalisiert? Die Teilnehmenden tauschen ihre Beobachtungen und Erfahrungen aus. Die Gruppenleitung ergänzt die Beispiele durch Informationen.

Übung 6: Was bedeutet das?

Kurzbeschreibung

Von der Spielleitung werden unterschiedliche Gesten vorgeführt. Die Teilnehmenden ver- muten ihre Bedeutungen. Verschiedene Bedeutungsmöglichkeiten in unterschiedlichen kul- turellen Kontexten werden erläutert.

Ziele: Die Teilnehmenden erkennen, dass Gesten nicht universell sind und da- mit Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation keine Aus- nahme sind. Sie reflektieren ihre eigenen Deutungen von Gesten. Sie erweitern ihr Deutungsrepertoire von Gesten im interkulturellen Kontext.

Zeit:

Raumbedarf: der Gruppengröße entsprechend, Vortrag Gruppengröße: auch für große Gruppen geeignet Besonderheiten: Die Übung ist als motivierender Einstieg in das Thema interkulturelle Kommunikation geeignet.

ca. 5-15 Min.

Übungsverlauf

Die Spielleitung zeigt den Teilnehmenden unterschiedliche Gesten. Je nachdem, wie viele eingesetzt werden, dauert die Übung unterschiedlich lange. Erfahrungsgemäß macht sie

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den Teilnehmenden viel Spaß. Sie ist umso interessanter, je multikultureller die Teilneh- mergruppe ist.

1. Stellt euch vor, ihr könnt die Landessprache nicht sprechen. Ihr seid in einer Kleinstadt

in Griechenland oder in der Türkei. Ihr geht mit eurer Begleitung an einen Kiosk, deutet auf ein Flaschengetränk in der Auslage und haltet die Hand hoch mit dieser Geste: Drei Finger sind in die Hand gefaltet, der Zeigefinger und der Daumen sind abgespreizt. Die Verkäuferin versteht, dass ihr etwas zu trinken kaufen möchtet. Wie viele Flaschen stellt sie euch hin?

Die Antworten werden abgewartet, aber nicht kommentiert.

Stellt euch nun vor, ihr würdet die gleichen Gesten an einem Kiosk in einer amerikanischen Kleinstadt machen. Wie viele Flaschen würden euch hingestellt werden?

Die Antworten werden abgewartet, aber nicht kommentiert.

Nun stellt euch vor, ihr würdet euch in einer chinesischen Kleinstadt befinden. Wie viele Flaschen wären es nun?

Die Antworten werden abgewartet, aber nicht kommentiert.

Wie viele Flaschen würdet ihr bekommen, wenn ihr hier, in dieser Stadt an einen Kiosk gehen und diese Geste machen würdet?

In Deutschland würdet ihr zwei Flaschen erhalten. Die Geste bedeutet „zwei“. In Griechen- land und in der Türkei bekommt ihr möglicherweise drei Flaschen hingestellt. In vielen Regionen wird in die Hand gezählt, es zählen also die in die Hand gefalteten Finger, be- gonnen wird mit dem kleinen Finger. Das würde „drei“ bedeuten. In einer amerikanischen Kleinstadt würdet ihr vermutlich nur eine Flasche bekommen. Dort ist es üblich, die Zahlen von eins bis zehn mit einer Hand zu zeigen. Diese Geste ist das Symbol oder das Emblem für „acht“. Eine „zwei“ würde wie in Amerika durch die beiden aufrechten Finger neben dem Daumen ausgedrückt. Eine chinesische „Fünf“ entspricht der deutschen mit ausge- streckten Fingern und Daumen. In Japan wird „fünf“ durch eine Faust mit aufrechten Dau- men dargestellt, was in Deutschland, den Vereinigten Staaten und manchen anderen Län- dern „o.k.“ heißt.

2. Was bedeutet diese Geste?

Zeigefinger und Mittelfinger werden auf den Daumen gelegt, Ringfinger und kleiner Finger in die Hand gefaltet.

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Die Geste bedeutet das chinesische Symbol für die Zahl sieben. Im Libanon und Syrien be- deutet diese Geste laut Desmond Morris (1995:85) Vagina und ist eine obszöne Anspielung du Beleidigung.

Verändert man die Geste leicht, in dem man die Fingerspitzen an den Daumen legt und mit Daumen und Fingerspitzen nach oben weist, hat man die Handfeige. Was könnte sie bedeu- ten?

Die Teilnehmenden werden ermuntert die Geste zu übernehmen und ihrer Bedeutung nachzuspüren.

Prof. Dr. Ernst Apeltauer (1997:26f) bezeichnet diese Geste auch als Handbörse oder Hand- pyramide und hat verschiedene Bedeutungen zusammen getragen:

In Mitteleuropa wird die Geste häufig sprachbegleitend zur Unterstreichung und Betonung gebraucht. Solche Gesten werden auch Taktgesten genannt. Sie sind unbewusst und stei- gern sich bei Wortfindungsproblemen oder ausbleibender Rückmeldung.

In der Türkei und in Griechenland ist die Geste ein Emblem für „gut“ oder für „ausgezeich- net“ und wird mit einem positiven Gesichtsausdruck kombiniert.

In Marokko und Tunis bedeutet die Handfeige „langsam“.

In Portugal bedeutet sie „Angst“. Auch in Sizilien ist die Bedeutung ähnlich: Wird die leicht geöffnete Hand zur Handpyramide geschlossen, so bedeutet dies „avere paura“, was so viel heißt wie „vor Angst in die Hose machen“.

In Israel hat die Geste mehrere Bedeutungen. Sie kann so viel heißen wie „herrlich“ oder als Bestätigung eingesetzt werden mit der Bedeutung „genau“ oder Umfang und Menge bezeichnen und heißt dann „ein wenig“.

Diese Beispiele zeigen, dass Gesten ganz unterschiedlich interpretiert werden können. Gesten, die in einem Kulturkreis von ihren Mitgliedern unmissverständlich erkannt werden, nennt man auch Embleme. Ein Beispiel dafür ist das Nicken, was als Bejahungsgeste einge- setzt wird. Treffen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander, können Emble- me falsch gedeutet werden.

Prof. Dr. Ernst Apeltauer (1997:27) berichtet von einer israelischen Studie, in der über 20 äthiopische Embleme Studierenden aus 14 unterschiedlichen Kulturen gezeigt wurden. Nur gut 23 % konnten richtig dekodiert werden. Knapp 70% der Embleme wurden falsch gedeu- tet.

3. Nicken würden wir mit „ja“ übersetzten. Diese Geste ist in dieser Bedeutung weit ver- breitet. Es gibt aber auch Regionen, in denen „ja“ anders ausgedrückt wird.

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In Abessinien wird zur Bejahung der Kopf zurück geworfen und die Augenbrauen werden hoch gezogen. Diese Geste würde in der Türkei und Griechenland „nein“ bedeuten.

Die Dajak und Borneo bejahen durch ein Hochziehen der Augenbrauen. In Mitteleuropa würde das als mimischer Ausdruck für „Frage“ gedeutet werde.

In Indien wird zur Bejahung der Kopf gewiegt. In Mitteleuropa wird diese Geste eingesetzt, um Bedenken zu signalisieren.

Übung 7: Der Hamburger und die Gesprächsspirale

Kurzbeschreibung

Eine plakative Einführung in unterschiedliche Kommunikationsstile beschreibt die Unter- schiede zwischen direkter und indirekter Kommunikation und zwischen exakter und aus- führlicher Kommunikation. Anhand von drei kleinen Episoden werden die Unterschiede be- arbeitet. Die Übung wird mit einer Reflexionsrunde abgeschlossen.

Ziele: Die Teilnehmenden lernen Unterschiede in Kommunikationsstilen ken- nen, die ihre Ursachen in unterschiedlichen kulturellen Wertesystemen haben. Sie analysieren Bedeutungsunterschiede im Kommunikationsver- halten anhand von Episoden. Sie reflektieren die Gefahr der Kulturalisierung und der Verfestigung von Vorurteilen durch die Verknüpfung von Nationalkulturen mit Kommunika- tionsstilen.

Zeit:

ca. 70 Min.

Material:

Arbeitsblatt (S. 219), Flipchart, Filzstift

Raumbedarf:

Der Gruppengröße entsprechend soll der Raum mit einem Stuhlkreis für

Gruppengröße:

das Plenum ausgestattet sein. Räumlichkeiten für drei Arbeitsgruppen sollten vorhanden sein. 12-18 Personen, max. 6 Personen pro Arbeitsgruppe

Vorbereitung: Arbeitsblätter entsprechend der Gruppengröße kopieren und auseinander schneiden.

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Übungsverlauf

Der Hamburger, Vortrag mit Skizze (ca. 10 Min.)

Ich möchte euch zwei ganz vereinfachte, plakative Beispiele 4 zu unterschiedlichen Kom- munikationsstilen präsentieren:

Stellt euch vor, drei Freundinnen gehen miteinander Hamburger essen. Sie sprechen alle die gleiche Sprache, sind aber in Deutschland, den Vereinigten Staaten und in Vietnam sozialisiert worden. Leider ist das Fleisch der Hamburger zu stark angebraten worden. Und schmeckt etwas bitter. Als nun die Kellnerin fragt, wie es geschmeckt habe, könnte die Frau aus Deutschland antworten: Also, wenn ich ehrlich bin, war das Fleisch leicht ange- brannt. Die Amerikanerin würde vielleicht formulieren: Der Salat war wunderbar knackig, allerdings war das Fleisch etwas stark angebraten, dies ist aber ein wirklich nettes Lokal. Die Frau aus Vietnam würde möglicher Weise sagen: Der Salat war wunderbar knackig und dies ist wirklich ein nettes Lokal.

Eine Kellnerin aus Deutschland würde die erste Antwort als Hinweis verstehen, dass das Fleisch nicht in Ordnung war und das vermutlich zum Anlass nehmen, um in der Küche Be- scheid zu sagen. Bei der zweiten Antwort würde sie wahrnehmen, dass die Kundin im Gro- ßen und Ganzen zufrieden war. Je nach Tagesform würde sie die in Lob eingepackte Kritik wahrnehmen und für Abhilfe sorgen. Bei der dritten Antwort würde sie vermutlich große Zufriedenheit hören, da sie das Loch, in dem das Fleisch wichtigster Bestandteil eines Hamburgers verschwunden ist, nicht als Kritik wahrgenommen hat.

Eine Kellnerin aus den Vereinigten Staaten würde die erste Antwort wahrscheinlich als Un- höflichkeit wahrnehmen nach dem Motto „typisch deutsch, immer was zu meckern“. Bei der zweiten Antwort würde sie als Hinweis verstehen, dass das Fleisch nicht in Ordnung war und das vermutlich zum Anlass nehmen, um in der Küche Bescheid zu sagen. Auch ihr würde bei der dritten Antwort nicht auffallen, dass das Fleisch nicht erwähnt wurde.

Eine Kellnerin aus Vietnam würde wohl bei der ersten Antwort freundlich lachen, da sie von dieser dreisten Form der Unhöflichkeit überrumpelt wäre. Bei der zweiten Antwort würde sie vielleicht durch die Kritik gekränkt sein, sich aber höflich entschuldigen und ver- suchen, das Missgeschick zu beheben. Bei der dritten Antwort könnte sie ihr Gesicht wah- ren. Vermutlich würden sie prüfen, was mit dem nicht erwähnten Fleisch nicht gestimmt hat und den Mangel beheben. Ein Kommunikationsstil kann eher direkt oder eher indirekt sein. Bei einem indirekten Kommunikationsstil wird eine Meinung oder ein Anliegen eher angedeutet oder umschrieben. Es ist ein hoher Wert, das Gesicht des Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin zu wahren. Eine harmonische Gesprächsatmosphäre ist er-

4 In Anlehnung an Beispiele aus einem Vortrag von Susanne M. Zaninelli 1995 im Sozialreferat Mün- chen

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strebenswert. Häufig werden Analogien verwendet, um ein schwieriges Thema schonend zu vermitteln. Schweigen oder Ausweichen zu problematischen Themen sind Teil der indirek- ten Kommunikation.

In der direkten Kommunikation wird das Anliegen eindeutig ausgesprochen, auch wenn da- mit Kränkungen verbunden sein könnten. Diese werden dann durch den Tonfall oder Höf- lichkeitsfloskeln abgeschwächt. Ehrlichkeit ist ein hoher Wert. „Eine Sache muss auf den Tisch gelegt werden“. Wenn „der Ton stimmt“, kann widersprochen und um unterschiedli- che Positionen gerungen werden, ohne dass dies unhöflich wäre. Menschen, die gelernt haben indirekt zu kommunizieren, kann bei einem direkten Kommunikationsstil ein großer Teil der gesendeten Botschaft entgehen, da die Kränkung gegenüber dem Inhalt überwiegt. Bei ihnen kann sich das Gefühl einstellen, beleidigt worden zu sein und ihr Gesicht verloren zu haben.

In der deutschen Gesellschaft überwiegt ein direkter Kommunikationsstil. Im Vergleich dazu ist beispielsweise der Kommunikationsstil von Menschen türkischer Herkunft in Deutschland überwiegend indirekter. Dr. Asker Kartari bietet dazu Beispiele in seiner Stu- die „Deutsch-türkische Kommunikation am Arbeitsplatz“ von 1997.

Die Gesprächsspirale, Vortrag mit Skizze (ca. 10 Min.)

Eine Andere Unterscheidung besteht darin, ob ein Gespräch eher sachbezogen exakt oder eher personenbezogen ausführlich gefühlt wird. Damit hängt zusammen, wie lange und wie umfassend in einem Gespräch ein Thema behandelt wird, wo die Grenzlinie, zwischen pri- vatem und „geschäftlichem“ Bereich verläuft und welche Informationen als wichtig erach- tet werden. Die Behandlung eines Themas ist bei einem personenbezogenen, ausführlichen Kommunikationsstil eine umfassende Angelegenheit, die eine Einheit bildet. Informatio- nen, die aus Perspektive des sachbezogenen, exakten Stils in Privatbereich gehören, haben durchaus Platz bei offizielleren oder beruflichen Gesprächskontakten. Die Kommunikation kann weder beschleunigt noch unterbrochen werden, ohne unhöflich zu sein. Wenig prob- lematisch ist dagegen ein gleichzeitiges, sich überlappendes Reden. Bei deinem sachbezo- genen exakten Stil werden nur die als notwendig erachteten Informationen gegeben. „Die Sache wird auf den Punkt gebracht.“ Ein Gespräch kann beschleunigt werden, indem man darum bittet, dass nicht „um den heißen Brei“ herum geredet wird, sondern „die Fakten auf den Tisch“ kommen. Private Informationen werden in offiziellen oder geschäftlichen Gesprächen zurück gestellt. Je nach Situation kann nach Austausch der wichtigsten Infor- mationen sich ein mehr oder weniger langer, auch persönlicher Wortwechsel anschließen.

Eine Sache wird auf den Punkt gebracht.

Ein Wortwechsel kann sich anschließen.

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Die rechte Spirale zeigt den ausführlichen personenbezogenen Kommunikationsstil. Ein Gespräch kann die Funktion haben, dass eine freundliche Atmosphäre entsteht, man ab- klopft, ob der Zeitpunkt günstig ist, ein Anliegen vorzubringen, seine Familienbeziehungen darzulegen, um zu verdeutlichen, woher man kommt und wer man ist, Hintergründe zu erhellen, um sich dann schließlich der Aussage zu nähern, um die es geht, und erst wenn der gesamte Kontext steht, kommt zum Abschluss die Aussage oder das Anliegen, ist der Kern der Gesprächsspirale erreicht.

Gruppenarbeit (ca. 20 Min.)

Es werden drei Arbeitsgruppen gebildet. In jeder Arbeitsgruppe soll eine Person bestimmt werden, die die Arbeitsergebnisse anschließend im Plenum vorstellt. Jede Arbeitsgruppe erhält eine der kleinen Episoden, die von Teilnehmenden anderer Seminare als eigene Bei- spiele formuliert wurden. Gemeinsam sollen Episoden interpretiert werden.

Welche unterschiedlichen Erwartungen und Wahrnehmungen könnten die Beteiligten ha- ben?

Welche Lösungen könnten Sie sich vorstellen?

Plenum (ca. 30 Min.)

Die Arbeitsergebnisse werden vorgestellt und im Plenum diskutiert. Anschließend wird kri- tisch hinterfragt, welche Vorteile und welche Nachteile die Arbeit mit solchen Beispielen haben kann.

Variante

Die Teilnehmenden tauschen in den Arbeitsgruppen eigene Beispiele aus. Ein Beispiel wird ausgewählt und als Text formuliert. Die formulierten Beispiele werden im Plenum vorge- tragen und besprochen. Die Variante benötigt etwa 20 Min. mehr Zeit.

Die Spielleitung fragt die VerfasserInnen, ob sie die Beispiele unter Angabe von Namen als Seminarmaterial verwenden darf.

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Übung 8: Verkündung einer Regel

Kurzbeschreibung

Alle Teilnehmenden erhalten jeweils eine Karte, auf die sie ihren Namen notieren. Dort wo nach Ablauf einer festgelegten Frist die meisten Karten sind, wird eine Regel verkündet, die für die Gruppe Gültigkeit haben soll. Wie der Prozess des Kartensammelns von den Teilnehmenden gestaltet werden kann, wird nicht erläutert.

Ziele: Die Teilnehmenden erfahren, dass die Macht eine Regel aufzustellen nur sinnvoll genutzt werden kann, wenn das Wertesystem der Gruppe be- rücksichtigt und Verantwortung für die Durchsetzung der Gruppeninte- ressen angenommen wird. Sie erkennen, dass eine Regel nicht beliebig aufstellbar ist und erleben, dass die Regel umso eher akzeptiert werden kann, je deutlicher ihr sozi- aler Nutzen erkennbar ist.

Zeit:

ca. 90 Min.

Material:

eine Karte pro Person, Schreibmaterial

Raumbedarf:

Gruppenraum mit Stuhlkreis mit viel Bewegungsspielraum für die Gruppe

Gruppengröße: 12 bis 20 Personen empfohlen, bei größeren Gruppen wird der Einigungs-

prozess sehr schwierig Bereitlegen der Stimmkarten

Vorbereitung:

Quelle: Die Übung ist eine Variation der Übung „Demokratische Prinzipien I oder die Notwendigkeit eines Vertrages“ aus dem Demokratieerziehungskon- zept „Miteinander – Erfahrungen mit Betzavta“ erschienen im Verlag Ber- telsmann Stiftung.

Übungsverlauf

Einführung Die Spielleitung kündigt an, dass eine Regel eingeführt werden soll. Zu diesem Zweck erhalten alle Teilnehmenden eine Karte, auf die sie ihren Namen notieren. An- schließend wird die Spielregel verkündet und ein zweites Mal wiederholt:

„Wo nach 20 Minuten die meisten Karten sind, darf eine Regel verkündet werden. Sie soll unter bestimmten Vorraussetzungen für alle Personen in diesem Raum verpflichtend sein. Sie muss innerhalb des Raumes umsetzbar sein und darf die Übungsauswertung nicht ver- hindern.“

Ein akustisches Signal wird angekündigt, dass die Übung eröffnet und nach 20 Minuten auch wieder beendet. Wichtig ist, die angekündigte Zeit einzuhalten, auch wenn der Entschei- dungsprozess schon vorher abgeschlossen zu sein scheint. Die Spielleitung beobachtet das Geschehen, enthält sich aber jeglicher Kommentare oder Eingriffe in das Gruppengesche-

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hen. Nachfragen werden mit der Wiederholung der Spielregel beantwortet, es sollten keine Beispiele für Regeln gegeben werden.

Verkündung der Regel Nach Ablauf der gesetzten Frist wird ermittelt, wo sich die meisten Karten befinden. Die Person oder die Gruppierung mit den meisten Karten wird gebeten, die neue Regel zu verkünden. Anschließend werden die Teilnehmenden ganz allgemein gefragt, ob sie mit der Umsetzung der Regel einverstanden sind. Die Spielleitung bittet alle Teilnehmenden für die Auswertung im Stuhlkreis Platz zu nehmen.

Auswertung Die Spielleitung fasst die unterschiedlichen Reaktionen auf ihre Frage und das Stimmungsbild in der Gruppe aus ihrer Sicht zusammen und kündigt eine genauere Prozess- analyse an. In einem Blitzlicht werden alle Teilnehmenden befragt, ob sie mit der Regel einverstanden sind und aus welchen Gründen sie die Regel einhalten oder nicht einhalten werden. Anschließend werden die Personen gefragt, die keine Karten mehr haben, was mit ihren Karten geschehen ist und wie sie sich im Verlauf der Übung verhalten haben. Im nächsten Schritt werden die Personen gebeten, die ihre Karten noch haben, sich zu der Frage zu äußern, warum sie sich dazu entschieden haben. Alle, die Karten von anderen haben, werden dann befragt, wie sie zu den Karten gekommen sind und welche Regel sie verkünden wollten. Die Person oder die Gruppe, die die Regel verkündet hat, wird als Letz- tes gefragt, was für Gefühle es ausgelöst hat, entscheiden zu dürfen bzw. entscheiden zu müssen.

In der anschließenden Gruppendiskussion wird erörtert, welche unterschiedlichen Verhal- tensformen den Prozess zur Aufstellung der Regel beeinflusst haben und welche Gefühle damit verbunden waren, sich einzubringen oder sich raus zu halten.

Die Diskussion wird durch die Frage abgeschlossen, ob nach Analyse des Prozesses die Gruppe übereinkommt, die Regel zu bestätigen. Wird dem im Konsens zugestimmt, wird die Regel eingeführt.

Beispiele Häufig wurde in Gruppen die Notwendigkeit von Regeln problematisiert und die neu eingeführte Regel wurde auch bei grundsätzlichem Einverständnis mit ihrem Inhalt von der Gruppe wieder verworfen, weil der strukturelle Rahmen des Seminars als ausreichend empfunden und Flexibilität als höherer Wert eingestuft wurde. Ein Beispiel hierfür ist die 1. Regel. Regeln, die Sanktionen enthielten oder die als diskriminierend empfunden wur- den, zogen heftige Diskussionen darüber nach sich, wie es zu ihnen kommen konnte und der Prozess wurde besonders intensiv analysiert. Weitere Beispiele sind die 2. und 3. Re- gel.

Beim dritten Beispiel wurde deutlich, dass die Regel eine Verhaltenskritik enthielt. Es wur- de erörtert, warum die Kritik nicht ohne Übung geäußert worden war. Die Regel wurde als extrem Repressiv bewertet und verworfen. Die Gruppe einigte sich darauf, dass jede Per- son das Recht habe, auszureden und formulierte die Regel um.

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Beispiele verkündeter Regeln Nach der Auswertung der Übung entspannen sich alle durch eine Lachrunde, in der jede Person einen Witz erzählen muss.

Jede Person, die noch nichts zur Pinnwand beigetragen hat, muss ein Bußgeld entrichten. Von dem Geld wird Sekt gekauft und am Ende des Seminars gemeinsam getrunken.

Personen die anderen ins Wort fallen, bekommen einen Strafpunkt aufgeklebt und müssen am Ende der Gruppenarbeit den Seminarraum lüften und aufräumen. Danach dürfen sie die Strafpunkte abnehmen.

Übung 9: Zugehörigkeiten

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden bilden nach unterschiedlichen Kriterien Gruppen, ohne miteinander zu reden.

Ziele: Die Teilnehmenden erkennen, dass Gruppenzugehörigkeiten nach sehr unterschiedlichen Kriterien zustande kommen. Sie reflektieren, welche Gefühle in der Spielsituation entstehen, wenn man dazu gehört oder abgewiesen wird. Sie erleben einen spielerischen Einstieg zum Thema Gruppenzugehörig- keiten.

Zeit:

Material: Bunte Papierschnitzel, Stecknadeln mit buntem Glaskopf Raumbedarf: Ein großer Raum wird benötigt, in dem sich die Gruppe bewegen kann. Gruppengröße: auch für größere Gruppen geeignet Vorbereitung: Papierschnitzel in verschiedenen Formen und aus unterschiedlich farbi- gem Papier zuschneiden

ca. 15 Min.

Übungsverlauf

Einführung (ca. 3 Min.) Ein Kuvert mit Papierschnitzeln und eine Dose mit Stecknadeln wer- den herumgegeben. Jede Person nimmt sich einen Schnipsel und heftet ihn mit einer Stecknadel gut sichtbar an die Kleidung. Haben alle Teilnehmenden ihr Abzeichen, werden sie gebeten, sich von ihren Stühlen zu erheben. Bei der Übung soll nicht gesprochen wer- den. Die Aufgabe ist, Gruppen zu bilden. Die Kriterien, nach denen sich eine Gruppe zu- sammenfindet, sind beliebig.

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Bildung von Gruppen (ca. 7 Min.) Sobald sich erkennbare Untergruppen gebildet haben, werden die Teilnehmenden aufgefordert, sich im Raum umzuschauen und die unterschied- lichen Gruppen zur Kenntnis zu nehmen. Anschließend sollen sich die Gruppen wieder auf- lösen und neue Gruppen nach einem anderen Kriterium bilden. Das wird mehrere Male wiederholt.

Schlussbemerkungen (ca. 5 Min.) Nach der letzten Aufstellung werden einige Personen ge- fragt, nach welchen Kriterien sich ihre Gruppe zusammengefunden hat und ob sie eine Schlussbemerkung zu der Übung machen möchten.

Beispiel Häufig wird bei den Schlussbemerkungen geäußert, dass die ersten Zuordnungen immer etwas mit Papierschnitzeln und den Nadeln zu tun hatten und erst nach mehrmali- gen Gruppenbilden die Teilnehmenden frei wurden, nach völlig anderen Kriterien wie Brille tragen, lange Haare haben, Körpergröße oder Ehering tragen Ausschau zu halten.

Häufig ergibt sich auch eine Diskussion über erkennbare und nicht auf den ersten Blick er- kennbare Merkmale der Zugehörigkeit.

Übung 10: Wer ist zuerst fertig?

Kurzbeschreibung

Zwei Gruppen treten miteinander in einen Wettbewerb. Welche Gruppe findet zuerst 20 bekannte Persönlichkeiten?

Ziele: Die Teilnehmenden nehmen wahr, welche Personen des öffentlichen Lebens ihnen präsent sind. Sie reflektieren die ungleiche Verteilung von Männern und Frauen in un- terschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Sie werden sich bewusst, welche Gefühle erlebte Ungleichheit auslösen kann.

Zeit:

Material: Schreibutensilien Raumbedarf: Der Gruppengröße entsprechend ist der Raum mit einem Stuhlkreis für das Plenum ausgestattet. Gruppengröße: bis 20 Personen Vorbereitung: Aufgabenzettel schreiben

ca. 30 Min.

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Übungsverlauf

Die Teilnehmenden werden zu einem kleinen Wettkampf zwischen zwei Gruppen eingela- den. Jede Gruppe erhält ein großes Plakat und einen dicken blauen bzw. einen dicken ro- ten Filzstift. Als Schreibunterlage wir in zwei unterschiedlichen Raumecken jeweils ein Tisch bereitgestellt. Jede Gruppe wählt nach den Kriterien schnell schreiben können und lesbar schreiben können, eine Person für die Schriftführung aus. Die Spielleitung stellt sich zwischen die beiden Gruppen und bittet die Schriftführenden mit ihren Stiften zu sich. Diese erhalten jeweils einen rot bzw. blau markierten, zusammengefalteten Zettel. Die Spielregeln werden verkündet:

Auf ein Startzeichen laufen die Schriftführenden mit ihrem Aufgabenzettel zu ihren Grup- pen. Der Wettstreit beginnt. Sobald das „Stopp“ verkündet wird, ist der Wettkampf been- det und Ergebnis wird ausgewertet.

Die ganze Gruppe beteiligt sich möglichst leise an der Lösungsfindung. Ist die Aufgabe er- füllt, wird das Plakat zusammengerollt und laut „Stopp“ gerufen. Die Gruppe, die zuerst „Stopp“ ruft, hat gewonnen.

Auswertung Die eine Gruppe hatte die Aufgabe, die Namen von 20 berühmten Frauen zu- sammen zu tragen und ihr Vor- und Zunamen aufzuschreiben.

Die andere Gruppe hatte die Aufgabe, die Namen von 20 berühmten Männern zusammen zu tragen und ihre Vor- und Zunamen aufzuschreiben.

Welche Gruppe war zuerst fertig? Warum? Aus welchen Bereichen kommen die bekannten Frauen, aus welchen die bekannten Männer? Welche Bereiche sind Frauen eher verschlos- sen? Welche Bereiche sind für Männer eher verschlossen? Hatten beide Gruppen die gleiche Chance zu gewinnen? Warum nicht? Was für Gefühle löst das aus?

Übung 11: Drei Freiwillige und die Diskussionsrunde

Kurzbeschreibung

Drei Personen verlassen den Raum. Der Rest der Gruppe schließt sich zu einer Diskussions- runde zusammen. Zwei für die Diskussion zentrale Begriffe werden in ihren Bedeutungen gegeneinander ausgetauscht. Die Freiwilligen kommen nacheinander dazu, ohne weitere Anweisungen zu erhalten.

Ziele:

Die Teilnehmenden erfahren, dass man sich auch innerhalb eine Mehrheit als Minderheit fühlen kann, wenn die geltenden Spielregeln der Mehrheit nicht bekannt sind.

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Sie erkennen, dass Verhalten ausgrenzen kann, auch wenn das nicht be- absichtigt ist und dass Minderheiten dieses ausgrenzende Verhalten als viel verletzender erleben, wie von der Mehrheit angenommen. Sie reflektieren gegenseitige Abhängigkeiten in den Verhaltensformen von Mehrheit und Minderheit und zwischen Mehrheit und Minderheit. ca. 70 Min.

Zeit:

Raumbedarf: Gruppenraum mit Stuhlkreis mit etwas Bewegungsspielraum Gruppengröße: 16 Personen empfohlen Besonderheiten: Die Übung eignet sich auch gut zum Einsatz im Baustein 10 zur Bearbei- tung des Themas Kommunikation. Quelle: Die Übung ist eine reduzierte Variante, angelehnt an die Übung „Das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit III“ oder „Drei Freiwillige“ aus dem Praxishandbuch Ulrich, S.: „Miteinander – Erfahrungen mit Betzav- ta“, erschienen 1997 im Verlag der Bertelsmannstiftung, Gütersloh.

Übungsverlauf

Einführung (ca. 5 Min) Die Gruppe wird zu einer Übung eingeladen, zu der drei Freiwillige benötigt werden. Sie sollen für eine Weile den Raum verlassen und werden nach einer Frist wieder hereingebeten. Sobald sich drei Personen freiwillig gemeldet haben, werden sie von der Spielleitung vor die Tür geleitet und gebeten sich nicht zu entfernen. Ihnen wird noch einmal versichert, dass sie bald wieder in den Raum geholt werden würden, es aber einen Moment dauern könnte. Um die Wartezeit angenehmer zu gestalten, wird ihnen ein Ge- tränk angeboten.

Vorbereitung der Diskussionsrunde (ca. 10 Min.) Die Gruppe rutscht zusammen, damit ein leises Gespräch durchgeführt werden kann. Mit der Gruppe werden zwei Begriffe gesucht, die gegeneinander ausgetauscht werden können. Beispielsweise kann über die Gefährlich- keit des Rauchens diskutiert werden, statt Zigarette wird aber das Wort Buch verwendet und rauchen wird durch lesen ersetzt. Es kann auch über die Gleichberechtigung der Ge- schlechter beim Kochen diskutiert werden, statt kochen wird wandern gesagt, Rezepte durch Wanderkarten ersetzt und statt Kochtöpfe und Pfannen gibt es Rucksäcke und Beu- tel. Sind die Begriffe und das zu diskutierende Thema gefunden, werden drei Spielregeln verkündet:

In unserer Gruppenkultur gibt es nur wenige Unterschiede zur deutschen Sprachkul- tur. (Die ausgetauschten Begriffe werden genannt.)

Während der Übung bleiben wir die Personen, die wir sind und vertreten unsere Meinungen oder berichten von Beispielen, die wir kennen.

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Sobald die Diskussion in Fluss gekommen ist, zieht sich die Spielleitung aus der Dis- kussion zurück und holt nacheinander die Freiwilligen in den Raum und wird in etwa 15 Minuten die Diskussion beenden.

Bei Nachfragen werden die Spielregeln eventuell in anderen Worten wiederholt. Es werden keine weiteren Hinweise oder Vorgaben gegeben.

Diskussionsrunde (ca. 15 Min.) Die Diskussion beginnt. Sobald die Diskussion gut angelaufen ist, wird die erste Person hereingebeten: „Bitte kommen Sie jetzt wieder zu Gruppe dazu und beachten Sie mich nicht weiter.“ Die Person wird sich selbst überlassen und kann sich verhalten, wie sie will. Nach etwa 5 Minuten werden die beiden anderen Freiwilligen mit dem gleichen Satz hereingebeten. Nach 10 weiteren Minuten wird die Diskussion von der Spielleitung abgebrochen und die Auswertungsrunde eröffnet.

Auswertung (ca. 40 Min.) Die Gruppe wird informiert, dass die Auswertung durch konkrete Fragen der Spielleitung erfolgt und erst im 2. Schritt für Gespräche geöffnet ist. In der Auswertungsrunde werden zuerst die Freiwilligen gefragt.

Die zuerst hereingekommene Person wird gefragt, wie sie sich gefühlt hat, als sie in den Raum gekommen ist, was sie da genau gemacht hat und welche Erwartungen sie hatte. Hat sich ihr Verhalten oder ihr Gefühl verändert, nachdem die beiden anderen Personen ka- men?

Die beiden anderen Freiwilligen werden befragt, wie sie sich verhalten und gefühlt haben. Was hat es für Sie bedeutet, dass vor ihnen schon eine Person in die Gruppe geholt wurde?

Alle Freiwilligen werden befragt, wie sie sich aufgenommen gefühlt haben. Haben sie das Gefühl gehabt, sich anpassen oder einfügen zu müssen? Wie hat sich die Mehrheit Ihnen gegenüber verhalten? Was hätten Sie sich von der Mehrheit gewünscht?

Anschließend haben alle Mehrheitsangehörigen die Möglichkeit kurz zu erzählen, wie sie auch verhalten haben und welche Gefühle sie dabei hatten. Will sich jemand nicht äußern, wird das Wort weitergegeben. Sind alle zu Wort gekommen, wird die Mehrheit gefragt, was sie sich von der Minderheit gewünscht hätte und das Gespräch wird eröffnet.

Zum Abschluss wird gemeinsam reflektiert, welche Erkenntnisse durch die Übung gewon- nen wurden.

Anmerkung Die Auswertung sollte sehr ausführlich sein. Oft werden „Integrationsversuche“ der Freiwilligen abgewehrt und das damit verbundene unangenehme Gefühl von Minderheit wie Mehrheit (Schuldgefühle) wird erst durch das Auswertungsgespräch langsam wieder abgebaut.

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Übung 12: Verrinnende Zeit

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden beobachten für wenige Minuten eine Sanduhr und tauschen ihre per- sönlichen Zeiterfahrungen aus.

Ziele: Die Teilnehmenden reflektieren ihre subjektive Zeitwahrnehmung. Sie nehmen die Zeitwahrnehmungen anderer wahr. Den teilnehmenden wird bewusst, dass Zeitwahrnehmung kontextgebun- den ist und sich nicht nur in unterschiedlichen Kulturen unterscheidet. Zeit: ca. 60 Minuten Material: Sanduhr mit einer Laufzeit von 45 Min., Stoppuhr, Briefumschlag und Karteikarte Raumbedarf: Der Gruppengröße entsprechend, Stuhlkreis Gruppengröße: auch für größere Gruppen geeignet. Vorbereitung: Überprüfen, ob die Sanduhr läuft, ansonsten kurz auf die Heizung stel- len. Besonderheit: Häufig wird die Übung von der Gruppe selbst beendet, wenn die Sanduhr durchgelaufen ist, also nach insgesamt 45 Min. Das Zeitexperiment kann gut mit Kindern durchgeführt werden.

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden werden gebeten ihre Armbanduhren abzunehmen und in die Tasche zu stecken. Sie werden darüber informiert, dass für eine zuvor festgelegte Zeitspanne die Aufgabe der Gruppe darin besteht, dass Verrinnen von Zeit zu beobachten. Eine Sanduhr (45 Min.) wird für alle Teilnehmenden sichtbar aufgestellt. Die Teilnehmenden werden gebeten während der Zeitbeobachtung zu schweigen und sich ganz auf den Vorgang zu konzentrieren. Sie werden informiert, dass es sich um eine beliebige Zeitspanne handelt, sondern die Beobachtungsfrist vor Beginn der Übung festgelegt wurde und auf einer Kartei- karte vermerkt wurde, die in einem Umschlag steckt. Der Umschlag wird den Teilnehmen- den gezeigt und zur Seite gelegt. Eine der teilnehmenden Personen wird gebeten auf Ansa- ge die Sanduhr umzudrehen. Die Übungsleitung hält eine Stoppuhr in der Hand und macht die Ansage: „Das Beobachtungsexperiment beginnt jetzt!“. Die Sanduhr wird umgedreht und die Stoppuhr gedrückt. Für einen vorher auf der Karteikarte notierten Zeitraum (z. B. 3 Minuten 15 Sekunden) beobachtet die Gruppe die Sanduhr. Sie wird informiert, wenn die Frist beendet ist. Die Teilnehmenden werden gefragt, wie viel zeit nach ihrem subjektiven Empfinden seit Beginn des Experiments vergangen ist. Erst anschließend wird die gemesse- ne Zeitspanne bekannt gegeben.

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Auswertung Wie war das subjektive Zeitempfinden der Teilnehmenden? Deckt es sich mit der gemessenen Zeit? Die Beobachtungszeit wurde mit der Stoppuhr gemessen und ist be- endet, die Sanduhr läuft aber weiter, was löst das für Assoziationen aus. Die Teilnehmen- den werden gebeten persönliche Zeiterlebnisse zu erzählen, bei denen „die Zeit still zu stehen schien“, „die Zeit wie im Fluge verging“ oder die Zeit sich „verschoben“ hatte. Unserer Erfahrung nach ist es wichtig, der Gruppe „viel“ Zeit für das Erzählen eigener Bei- spiele zu lassen. Häufig beendet die Gruppe das Zeitexperiment damit, dass nach Ablauf der Sanduhr die Erzählungen eingestellt werden. Auch dies sollte zum Schluss thematisiert werden. Die Dauer von 45 Minuten ist vielen von der eigenen Schulzeit vertraut und als Lernphase ansozialisiert worden. In anderen Ländern können Schulstunden erheblich kürzer oder länger sein.

Übung 13: „Aller guten Dinge sind drei“

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden schreiben auf drei Karten je eine Eigenschaft, die nach ihrer Meinung ihre Person gut beschreibt und tauschen sich anschließend in einem Paargespräch aus.

Ziele: Die Teilnehmenden reflektieren wichtige Eigenschaften, die ihr Selbst- bild prägen Die Wahrnehmung der Selbstbilder aller Teilnehmenden wird ermöglicht. Die Teilnehmenden erkennen, dass sich Selbst- und Fremdwahrnehmung stark unterscheiden können. Zeit: ca. 30 Minuten Material: pro TN 3 Karten zum Beschriften, Stifte, Klebeband Raumbedarf: der Gruppengröße entsprechend

Gruppengröße: auch für große Gruppen geeignet, empfohlene Größe 12-24 Personen

Vorbereitung:

Besonderheit: Diese Übung lässt sich gut mit der Übung „Typisch deutsch?“ kombinie- ren.

Karten bereitlegen

Übungsverlauf

Einzelarbeit im Gruppenraum (ca. 15 Min.) Die Teilnehmenden erhalten drei Karten und werden gebeten, nach drei Eigenschaften zu suchen, die sie nach ihrer eigenen Meinung gut beschreiben. Sie erhalten einige Minuten zum Nachdenken. Erst wenn alle Teilnehmen- den ihre drei Karten beschriftet haben, werden sie gebeten, der Gruppe die drei Eigen- schaften vorzustellen.

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Paargespräch im Gruppenraum (ca. 10 Min.) Die Teilnehmenden werden gebeten sich mit einer Partnerin oder einem Partner darüber auszutauschen, welche Eigenschaften auf den karten stehen würden, wenn die eigene Person durch eine Kollegin oder einen Kollegen beschrieben worden wäre.

Auswertung Was für Gefühle löste es aus, sich selbst mit nur drei Eigenschaften darzustel- len? Was würde auf den Karten stehen, wenn sie von anderen Personen wie Vorgesetzte, Kinder, Eltern, Lebenspartnerinnen oder -partner beschriftet worden wären?

Hinweis Eine Variante der Übung, stärker auf Jugendliche zugeschnitten findet sich unter „Selbstwahrnehmung – Fremdwahrnehmung“ in Handschuck, S. (1995): Kids Together – Hauptschulprojekt für ein interkulturelles Verständnis und Zusammenleben. BMW AG. Mün- chen.

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5. Kooperationsmöglichkeiten mit MigrantInnenselbstorganisationen

Ideen für gemeinsame Begegnungsaktionen

VertreterInnen von MigrantInnen-Organisationen zu Veranstaltungen des Verbandes einladen

„Freier Sonntag“: Aktion der Kolpingjugend durch Kooperation mit MigrantInnen- Organisationen auf breitere Füße stellen

Interkulturelles Kochduell

Karneval der Kulturen

Gegenseitige Besuche bei Aktionen

Bildungsveranstaltung passend zum WJT: Marienverehrung in Deutschland und Spa- nien – ein Vergleich

Vernetzungsarbeit in Gremien

Ideen für gemeinsame Bildungsaktionen

Entscheidungsprozess und Diskussionsprozess in den Verbänden: Was bedeutet „In- tegration“ für unsere Arbeit? Wie verhalten wir uns zu dem Thema?

Ein Geimeinderaster erstellen: wer lebt wo?

„Integration“ als Thema bei Gruppenleiterkursen

Fortbildungsangebote

Einsetzung von Integrationsbeauftragten in den Verbänden

Eine Sammlung von Kontakten erstellen

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6. Nützliche Kontakte

Alevitische Jugend in NRW e.V. Geschwister-Scholl-Str. 33-37 D-44135 Dortmund Ansprechpartner: Serdar Akin (Geschäftsführer) Tel.: (02 31) 16 74 07 – 51 http://bdaj.de

Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum Köln Steinfelder Gasse 20-22

50670 Köln

Ansprechpartner:

Tobias Busche (Referent für Theologie und Jugendpastoral) Tel.: (02 21) 16 42 – 63 16 http://bdkj-dv-koeln.de

Tobias Agreiter (Diözesanvorsitzender)

Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln e.V.

Themenbereich 4: Migration und Integration. Dialog der Kulturen und Religionen Breite Str. 106

50667 Köln

Ansprechpartner: Norbert Michels (Geschäftsführung) Tel.: (02 21) 2 57 61 - 11

http://www.dioezesanrat.de/Themenbereiche/TB4/tb4_mitglieder.html

Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V. Volmerswerther Straße 20

40221 Düsseldorf

Tel: (02 11) 15 92 55 - 5

http://www.idaev.de/

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Jugendseelsorge für fremdsprachliche katholische Jugendliche im Erzbistum Köln Erzbischöfliches Generalvikariat Marzellenstr. 32

50668 Köln

Ansprechpartner: Pater Silvio Vallecoccia

Tel: (02 21) 16 42 – 17 24 http://jubab.erlebe-es.de/

Landesjugendring Nordrhein Westfalen: Projekt „Ö“ – Interkulturelle Öffnung von Ju- gendverbänden und Jugendringen Martinstraße 2a

41472 Neuss

www.ljr-interkulturell-nrw.de/

Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) Steinfelder Gasse 32

50670 Köln

Tel.: (02 21)1 39 44 50

http://zentralrat.de

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7. Anhang: Die Anträge der Diözesanversammlung des BDKJ Erzdiözese Köln

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2006

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2006

Bildung eines Integrationsausschusses

Einleitung

Als Christinnen und Christen engagieren wir uns für ein gerechtes und friedvolles Zusammen- leben zwischen den Menschen auf der Welt, in unserem Bistum, in unserer Stadt und treten insbesondere für die Interessen der jungen Generation ein. Insbesondere die Teilhabe junger Migranten und Migrantinnen sowie jungen Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen, politischen und sozialen Leben zu fördern, ist Ziel unseres Einsatzes für ein Miteinander der Kulturen.

Motivation

Wir nehmen wahr, dass PolitikerInnen zur Abwehr neuer kultureller Entwicklungen durch Zuwanderung sich auf die „christlichen“ Grundlagen unserer Gesellschaft berufen. Damit instrumentalisieren sie ungefragt auch die katholischen Jugendverbände. Wir erachten es daher als Notwendigkeit, unseren christlichen Standpunkt in der Frage der Integration differenziert zu verdeutlichen.

Des Weiteren ist festzustellen, dass Mitbürger(innen) aus Angst vor terroristischen Anschlä- gen irrational mit Misstrauen und einer neuen Fremdenfeindlichkeit reagieren. Hier sollten wir uns um Sachlichkeit bemühen, um radikalisierenden Tendenzen in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Die katholischen Jugendverbände können auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen einen wichtigen Beitrag für ein gegenseitiges Verständnis für die Kultur des anderen leisten und sollten dieses gerade jetzt in die politische Diskussion einbringen.

In unserem schul- und bildungspolitischen Engagement setzen wir uns gegen Benachteiligung in Schule und Ausbildung ein, jedoch ohne bislang die Benachteiligungssituation junger Migrantinnen und Migranten sowie junger Menschen mit Migrationshintergrund einmal zu fokussieren. Gerade weil diese jungen Menschen nur wenig Lobby haben, ist es unsere Aufgaben als Ver- tretung der jungen Generation, auch diese jungen Menschen beim Formulieren ihrer Interes- sen zu fördern und deren Interessen zu vertreten.

Prozess

Aus diesem Grund erachtet es der BDKJ im Erzbistum Köln für notwenig, die Erfahrungen und Ansätze zur Integration der katholischen Jugendverbände in die politische Debatte einzu- bringen.

In dem einjährigen Prozess wird ein Entwurf für gelingende Integration und Teilhabe junger Migrantinnen und Migranten sowie junger Menschen mit Migrationshintergrund für unsere Handlungs- und Vertretungsebenen entwickelt, unterstützende Arbeitsmaterialien zusammen- gestellt sowie eine Positionierung für die Diözesanversammlung 2007 formuliert.

Leitfragen sind:

Was heißt Integration aus Sicht katholischer Jugendverbände?

Welche Rahmenbedingungen brauchen junge Menschen mit Migrationshin- tergrund, um in unserem Bistum, in unserer Kommune und in der katholischen Jugendverbandsarbeit gut leben und teilhaben zu können?

Die Diözesanversammlung richtet zu diesem Zweck einen Ausschuss ein, der wenigstens 4 und höchstens 12 Mitglieder hat und aus gleich vielen Männern wie Frauen bestehen soll. Auch soll der Ausschuss möglichst viele Mitgliedsverbände und Regionen repräsentieren, um deren unterschiedliche Kompetenzen zu nutzen.

Begründung:

Die Mitglieder katholischer Jugendverbände erkennen die Realität an, dass Deutschland ein Einwanderungsland sowohl für Vertriebene, Asylsuchende, Flüchtlinge, SpätaussiedlerInnen als auch für qualifizierte Arbeitskräfte war und ist. Dabei zeichnet sich die deutsche Gesellschaft nicht nur als eine Gesellschaft aus, in die Men- schen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zuwandern, sondern die auch z.B. auf Grund der demographischen Entwicklung und Fachkräftemangel auf Zuwanderung angewiesen ist. Allein in NRW leben zurzeit knapp 1,94 Mio Ausländerinnen und Ausländer, dies entspricht an einem Anteil an der Bevölkerung NRWs von 10,8 %. 1 Kinder und Jugendliche deutscher Staatsbürgerschaft mit Migrationshintergrund sind in dieser Zahl nicht erfasst. Überall dort jedoch, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander und nicht neben- einander leben wollen, ist aus unserer Sicht Integration eine Notwendigkeit, damit ein kon- struktives und friedliches Zusammenleben möglich ist.

1 Zuwanderungsstatistik Nordrhein-Westfalen - Zahlenspiegel Ausgabe 2005

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2008

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2008

Wir haben eine Meinung: Integration als Querschnittsthema

Einleitung

Als Dachverband der katholischen Jugendverbände engagiert sich der BDKJ für ein gerechtes und friedvolles Zusammenleben zwischen den Menschen auf der Welt, in unserem Bistum, in unserer Stadt. Insbesondere tritt er für die Interessen der jungen Generation ein. Er sieht es gegenwärtig als eine sehr wichtige Aufgabe an, die Teilhabe junger Migrantinnen und Migranten sowie junger Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen, politi- schen und sozialen Leben zu fördern. Darüber hinaus möchten der BDKJ und seine Mit- gliedsverbände seinen Mitgliedern ermöglichen, sich mit der kulturellen Vielfalt, in der sie leben, auseinanderzusetzen und sie mit zu gestalten. Dies belegt der von der BDKJ- Hauptversammlung 2007 verabschiedete Beschluss „Integration durch Teilhabe – Von einem Nebeneinander zu einem stärkeren Miteinander!“, ebenso wie der Beschluss der BDKJ- Diözesanverammlung 2006 des Erzbistums Köln, der die Bildung eines Integrationsausschus- ses vorsah.

Der Ausschuss hat sich im vergangenen Jahr mit verschiedenen Aspekten der Themen Migra- tion/Integration auseinandergesetzt und legt nun einen zweigeteilten Antrag vor, in dem es zum einen um die Findung einer Positionierung innerhalb der politischen und gesellschaftli- chen Diskussion geht und der zum anderen auf die konkrete Frage, was und wie der BDKJ und seine Mitgliedsverbände zur Integration junger Menschen mit unterschiedlichen soziokul- turellen Hintergründen beitragen können, antwortet.

In Anlehnung an den Beschlusstext von Dezember 2006 gliedert sich der Antrag in die Ab- schnitte sehen, urteilen und handeln.

sehen

Der Integrationsausschuss hat während der Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten der Themen Integration / Migration festgestellt,

dass die Verwendung des Begriffs Integration nicht unproblematisch ist, da er sehr vielseitig benutzt wird, z. B. als Synonym für den Begriff Assimilation.

dass der BDKJ sich auf Bundesebene politisch dafür einsetzt, dass Kinder und Jugend- lichen mit unterschiedlichem soziokulturellen Hintergrund die gleichen Rechte und Chancen auf Bildung, berufliche Perspektive und Teilhabe in unserer Gesellschaft gewährt werden. Bewusst wendet sich der BDKJ gegen die Engführung der aktuellen politischen Diskussion, in der junge Menschen mit Migrationshintergrund ausschließ- lich unter der Problemperspektive betrachten werden. Für den BDKJ stellen sie eine Bereicherung dar.

dass das Thema Integration / Migration, das Jahrzehnte ein Schattendasein geführt hat, zum politischen Querschnittsthema geworden ist. Fast alle Politikbereiche setzen sich damit auseinander. Die Arbeitsgruppe Integration der Bundesregierung hat in einem 222 Seiten starken Werk die Aktivitäten aller Bundesministerien im Bereich Integrati- on zusammengetragen. Es herrscht eine rege Geschäftigkeit. Die Interessen sind dabei sehr unterschiedlich, klare Strukturen sind zunächst nicht zu erkennen.

urteilen

Der Integrationsausschuss kommt zu dem Schluss,

dass es, um Missverständnissen bei der Verwendung des Wortes Integration aus dem Wege zu gehen, erforderlich ist, dass die katholischen Jugendverbände definieren, was sie unter Integration verstehen.

dass die Positionierung des BDKJ Bundesverbandes (siehe vor allem den ersten und letzten Abschnitt des Beschlusses „Integration durch Teilhabe – Von einem Nebenein- ander zu einem stärkeren Miteinander!“) wichtig und richtig ist.

dass auch der BDKJ und seine Mitgliedsverbände die Themen Integration/Migration als Querschnittsthemen interpretiert und sich in die aktuelle Diskussion einbringen sollte. Zur Findung einer Positionierung, die über die des Bundesverbandes hinaus- reicht, und zur Formulierung einer politischen Stellungnahme, bedarf es einer intensi- ven Auseinandersetzung mit einzelnen politischen Fragestellungen.

handeln

Der Integrationsausschuss bittet aus den genannten Gründen darum, dass die Diözesanver- sammlung

folgende Definition des Begriffs Integration beschließen möge:

Gelungene Integration bedeutet für uns eine gleichberechtigte und gleichwer- tige Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen, kulturellen politischen, religiösen und wirtschaftlichen Le- ben bei gleichzeitiger Respektierung der kulturellen Vielfalt. Integration ist ein wechselseitiger Prozess. Sie erfordert Anstrengungen von der Aufnahme- gesellschaft wie von den Menschen mit Migrationshintergrund und unter- scheidet sich damit deutlich von einer Assimilation, die lediglich von Migran- tinnen und Migranten eine einseitige Anpassung verlangt. Integration ist für uns zudem ein Prozess, um den wir uns ständig bemühen müssen. Das Interes- se des BDKJ gilt dabei insbesondere den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und ihren Rechten und Entwicklungschancen.

den Integrationsausschuss damit beauftragt, sich mit ausgewählten politischen Aspek- ten des Themas Integration zu beschäftigen, damit der Verband im Laufe des nächsten Jahres, spätestens aber auf der Diözesanversammlung 2008 klar Stellung beziehen kann. Themen könnten sein: Bildungschancen, Zuwanderungspolitik und Staatsange- hörigkeitsrecht, Religionsfreiheit oder Trennung von Staat und Religion usw.

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2008

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2008

Wir packen es an: Unsere ersten Handlungsschritte

sehen

In der Auseinandersetzung mit den Fragen, was können der BDKJ und seine Mitgliedsver- bände zur Integration junger Menschen mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen beitragen, welche Chancen sich eröffnen und welche möglichen Schwierigkeiten es zu über- winden gilt, hat der Integrationsausschuss festgestellt,

dass für die zukünftige Arbeit von Jugendverbänden Menschen mit Zuwanderungsge- schichte eine elementare Bereicherung und ein wichtiges Potenzial darstellen, weil sie auf Grund ihrer Biographie gewinnbringende Kompetenzen im Umgang mit kulturel- ler Vielfalt mitbringen können.

dass es kaum Kenntnisse von und über Migrantenjugendselbstorganisationen gibt.

dass es Unsicherheiten im Umgang von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte gibt, weil man nicht genügend übereinander weiß.

urteilen

Der bereits erwähnte Beschluss der BDKJ Hauptversammlung hält fest, dass das Thema In- tegration ein zentrales und vernetztes Aufgabenfeld in der kirchlichen Jugend(verbands)arbeit werden muss, damit die gesellschaftliche Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gelingt. Diese Einschätzung teilt auch der Ausschuss. Wichtig ist nach Einschätzung des Ausschusses,

dass Integration auf allen Ebenen in den Verbänden und Regionen thematisiert wird.

dass es Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens gibt.

handeln

Die Diözesanversammlung möge beschließen, dass der Integrationsausschuss bis zur nächsten Diözesanversammlung

Projekte entwickelt und / oder begleitet, um Kindern, Jugendlichen und jungen Er- wachsenen unterschiedlicher soziokultureller Herkunft ein gegenseitiges Kennenler- nen zu ermöglichen.

Schulungsmodule zum interkulturellen Lernen zusammenstellt bzw. entwickelt, die die Mitgliedsverbände des BDKJ in ihre Schulungsarbeit ebenso einbinden können wie in die weitere Aus- und Fortbildung.

den Dialog zu Migrantenjugendselbstorganisationen sucht und dabei Kooperations- möglichkeiten auslotet.

Empfehlungen zum weiteren Handeln vorlegt, die zur Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund beitragen. Darüber hinaus formuliert er Handlungsoptio- nen, die alle Mitglieder, unabhängig davon, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht, darin unterstützen, kulturelle Vielfalt als Bereicherung zu erleben.

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2009

Beschluss BDKJ-Diözesanversammlung 2009

Integration durch Teilhabe

Strategien zur Förderung der Integration durch Teilhabe

Einleitung

2006 hat die BDKJ-Diözesanversammlung mit großer Mehrheit die Bildung eines Integrati- onsausschusses beschlossen. Dieser hat sich seitdem mit den vielschichtigen Aspekten des Themas Integration auseinandergesetzt. Der strategische Prozess kann nach drei Jahren der Arbeit abgeschlossen werden. Jetzt ist es an der Zeit die Ergebnisse in die Konkrete Arbeit zu überführen, um interkulturelle Bildung und Begegnung nachhaltig in den Angeboten des BDKJ und seiner Mitgliedsverbände zu verankern. Die Grundlage dazu bildet der vorliegende Antrag, der wie gewohnt in die Abschnitte Sehen, Urteilen, Handeln gegliedert ist.

Sehen

Die BDKJ-Diözesanversammlung nimmt wahr, dass

1. das Thema Integration in der alltäglichen Jugendarbeit der katholischen Jugendver- bände kaum eine Rolle spielt und entsprechende Impulse kaum angenommen werden. So war es schwierig, interessierte KatholikInnen für das Kooperationsseminar mit der Alevitischen Jugend zu gewinnen oder Projekte mit dem Schwerpunkt Integration im Rahmen der 72-Stunden-Aktion durchzuführen.

2. junge MigrantInnen ihrerseits die katholischen Jugendverbände kaum als wichtigen Ort wahrnehmen, an dem sie ihre Freizeit mit anderen gestalten und ihre spezifischen Interessen artikulieren und vertreten können. Vielmehr scheint ein großer Teil junger MigrantInnen das Bedürfnis zu haben, sich selbst in kulturell homogenen Gruppen und Verbänden zusammenzuschließen. So nahm der Landesjugendring bereits zwei Vereine junger MigrantInnen als Mitglied auf (Alevitische Jugend und DIDF-Jugend). Auch innerkirchlich finden wir eine vielfältige Jugendarbeitslandschaft in der interna- tionalen Seelsorge vor.

3. Berührungsängste, Vorurteile, Stereotypen und Rassismen zum Alltag gehören. Sie sind uns teilweise bewusst und wirken sich teilweise unbewusst auf unser alltägliches Handeln aus.

Urteilen

Die BDKJ-Diözesanversammlung kommt zu dem Schluss, dass

1. Jugendverbände als autonome selbstorganisierte Zusammenschlüsse junger Menschen nicht „gewaltsam“, also Top-Down für neue Mitgliedergruppen geöffnet werden kön- nen und dürfen. Dennoch ist es wichtig, das Thema Integration als Herausforderung weiterhin auf der Tagesordnung zu halten, weil es als wichtige gesellschaftliche Zu- kunftsaufgabe die Lebenswelten der Mitglieder unserer Jugendverbände fundamental berührt.

2. die Selbstorganisation junger MigrantInnen eine gute und Richtung weisende Mög- lichkeit darstellt, um

1

o

junge MigrantInnen sowohl an Jugendarbeit heranzuführen und ihnen diesel- ben Freiräume zu eröffnen, wie sie den anderen jungen Menschen traditionell auch zur Verfügung stehen, und

o

gesellschaftliche Teilhabe junger MigrantInnen so herbeizuführen, dass sie ih- re spezifischen Interessen in die Politik, Kirche und in ggf. weitere Religions- gemeinschaften einbringen und vertreten und somit die Zukunft dieses Landes, der Kirche und ggf. weiterer Religionsgemeinschaften aktiv mitgestalten kön- nen.

3. Berührungsängste, Vorurteile, Stereotypen und Rassismen bleiben allzu häufig unre- flektiert. Nur auf der Grundlage der Begegnung von Menschen mit und ohne Migrati- onshintergrund können sie im alltäglichen Handeln abgebaut. Diese Begegnung stellt aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung dar, die Integration auch politisch vo- ranzubringen.

Handeln

Als Konsequenz aus diesen Schlussfolgerungen beschließt die Diözesanversammlung folgen- de Maßnahmen:

1. Die Diözesanleitungen der Mitgliedsverbände und Vorstände der Regionen setzen sich inhaltlich mit dem Thema Integration auseinander und nutzen ihre Strukturen um das Thema in den Verbänden und Regionen zu verankern.

2. Der BDKJ-Diözesanverband bietet Gruppierungen junger MigrantInnen, die sich selbst organisieren wollen, Hilfe bei der Gründung und Entwicklung von Vereinen junger MigrantInnen an mit dem Ziel, dass

o

Politik, Kirche und ggf. weitere Religionsgemeinschaften die finanziellen und personellen Rahmenbedingungen von deren Arbeit absichert und ausbaut und

o

die Vereine junger MigrantInnen Zugang zu jugendpolitisch und kirchenpoli- tisch relevanten Zusammenschlüssen erhalten, um aktiv mitgestalten zu kön- nen.

Konkret sucht der BDKJ-Diözesanverband hierzu die (weitere) Zusammenarbeit mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ) und mit der Interna- tionalen Katholischen Jugendseelsorge (IKJS) im Erzbistum Köln. Das heißt:

a) Der Diözesanverband baut seine jugendpolitische Kooperation mit dem BDAJ aus.

b) Die BDKJ-Regionen bieten den örtlichen Gliederungen des BDAJ Un- terstützung bei der Aufnahme in die Stadt- und Kreisjugendringe an.

c) Der Diözesanverband und die Regionen setzen sich gemeinsam mit der IKJS intensiv dafür ein, dass die Jugendarbeit der Internationalen Ge- meinden an grundlegenden Prozessen und Entscheidungen für die Ju- gendpastoral angemessen beteiligt wird und darüber hinaus ihre Inte- ressen in den kirchlichen Strukturen, auch des Laienapostolats (Diöze- sanrat, Diözesanpastoralrat, Katholikenräte etc.) vertreten können.

d) Der BDKJ-Diözesanverband ist offen dafür, sich langfristig auch insti-

tutionell mit der IKJS oder einzelnen Gemeinden zu verbinden; dies stellt jedoch in keiner Weise eine Voraussetzung der Zusammenarbeit dar.

3. Die Mitgliedsverbände des BDKJ erschließen einzeln oder gemeinsam Möglichkeiten der pädagogischen und jugendpastoralen Kooperation mit der BDAJ oder anderen Vereinen junger MigrantInnen und der IKJS oder einzelnen Internationalen Gemein- den. Ziel ist, dass im Jahre 2010 wenigstens zwei Veranstaltungen in Kooperation ei-

2

nes oder mehrere Mitgliedsverbände mit einer der genannten Gruppen stattfinden. Die Konferenz der Mitgliedsverbände wird diesen Prozess koordinieren.

Der Diözesanvorstand berichtet der Diözesanversammlung 2011 über die Umsetzung dieser Maßnahmen und bietet dort Raum für Perspektiventwicklung.

Der Integrationsausschuss hat seinen Auftrag abgeschlossen und löst sich auf.

3