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Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität.

(A Beatufiul Mind)

Journalistik: Medienpolitik und -ökonomie 16.04.2008


Modul: 06-01-109-1
Art: Vorlesung
Lehrender: Prof. Dr. Marcel Machill
Ort: HTWK G 329
Zeit: Mittwoch 17.00 - 19.00

MEDIENPOLITIK

„Die beste Medienpolitik ist gar keine“ Aussage
- in Dtl. nicht, denn wenn man so handeln würde, würde man gegen das GG (Art. 5) verstoßen.
- Der Staat soll einen Medienrahmen schaffen, wenn er keine MP betreiben würde, würde er gegen das GG
verstossen.

Medienpolitik Begriffsdefinition
das sind die Maßnahmen des politisch administrativen Systems zur Ausgestaltung des Mediensystems
→ Definition ist „naiv und steril“
→ was nicht beachtet wird: In diesem Prozess findet ein Marktgeschrei statt, mit den unterschiedlichsten
Interessen zur Ausgestaltung des Mediensystems.

→ Medienpolitik wird von anderen politischen Feldern überlagert (bspw. Wirtschaftspolitik, Bildung (in
F rankreich schreibt der Staat den Gameshows vor, dass ein bestimmter Anteil an
naturwissenschaftlichen und bildungsrelevanten Bereichen enthalten sein muss), Kultur, Außenpolitik, Sozialpolitik
(Anfang 80er Jahre: Desktop-Publishing-Systeme setzen sich durch

Beruf des Setzers war gefährdet), Parteipolitik, persönliche Machtinteressen (Berlusconi))
→ nur ein sehr kleiner Teil der Medienpolitik (Kernbereich) bleibt unberührt
→ Frage: Was soll Medienpolitik erreichen?

1. Unabhängigkeit der Medien sichern


- vor Staat
- vor Wirtschaft (mit Einschränkung → siehe privat-kommerzieller Bereich)
- Partikularinteressen
- gesellschaftliche Machtgebilde (NGOs, Kirche, ...)

→ Medienpolitik muss unter einer eigenen Legitimation betrachtet werden und darf nicht auf die oben genannten
Felder reduziert werden
→ abgeleitet aus Grundgesetz (Art. 5)
→ abgeleitet aus Demokratiegebot der Verfassung (Art. 20)
→ abgeleitet aus den einschlägigen Urteilen des BVerfG

Grundversorgung (Information, Unterhaltung, Bildung) muss gesichert sein

→ „Medienpolitik ist ein elementares Stück Verfassungspolitik“
→ dadurch: 1. Aussage „Die beste Medienpolitik ist gar keine“ kann nicht zutreffen

Fragen und Verbesserungen an sebastian.rumberg@gmail.com


Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität. (A Beatufiul Mind)

Exkurs:
- Nach Ende des 2. Weltkrieges → Alliierte zwei Ziele:
1. Goebbelsche Propagandamaschine soll vernichtet werden und nicht wieder aufgebaut werden können
→ deswegen ist die Medienpolitik heute Ländersache und staatsfern aufgestellt
2. Deutsche sollten zur Demokratie hinerzogen werden
→ Grundstein der dt. Medienpolitik
→ Amerikanisches Kommerzielles Prinzip der Medien hat nicht funktioniert, da im zerstörten
Deutschland kein Absatzmarkt für ein werbefinanziertes Fernsehen war

Bausteine einer verantwortungsbewussten und stabilen Medienpolitik


1. staatsfern → soll Parteizugriff auf die Medien erschweren
2. Regionalität bewahren (1961 erstes Urteil des BVerfG)
3. Grundversorgung sichern
4. Beratung durch Medienpolitik-Experten
5. Konzentrationsbegrenzung
6. Medienaufsicht stärken und sichern
7. Unabhängigkeit

Sprung in die 70er Jahre


- Entwicklung des Kabelfernsehens → Verbreiterung der Frequenzmöglichkeiten
→ Frage für Deutschland: Will und braucht Dtl. das?

Feststellung der Politiker: Also eigentlich nicht ;)

Kommission für Ausbau des technischen Kommunikationssystems (KtK)
wurde gegründet und den Bedarf evaluieren
→ politische Interessen wurden durchgesetzt!
→ es wurden 4 Pilotprojekte wurden installiert. (München (CSU), Berlin, Ludwigshafen-Mannheim
(CDU → Grundstein von Sat1, Freundschaft von Helmut Kohl und Leo Kirch), Dortmund (SPD))
→ Pilotprojekte wurden als sozial-rückholbare Projekte bezeichnet, waren aber die Geburtsstunde des
Dualen Rundfunksystems

Verantwortungsbewusste Gestaltung des Dualen Rundfunksystems:


- Distributionskanäle (Lizenzen), die man vergeben kann, sollen offen gehalten werden, die unrentabel sind
→ Mittel: Fensterprogramme

Sprung in die 80er Jahre


- 1980: 4tes Fernsehurteil des BVerfG: Nur solange es das öffentlich-rechtliche Fernsehen gibt, dürfen auch private
Programme senden. Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heißt:

estandsgarantie: Bundesregierung darf öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht abschaffen!


B
E ntwicklungsgarantie: Wenn die Technik sich entwickelt, muss der ö-r Rundfunk die Möglichkeit
h aben, an dieser Entwicklung zu partizipieren

Die Aufsicht des dualen Rundfunksystems


- 14 Landesmedienanstalten beaufsichtigen über den Privaten Rundfunk
- Rundfunkräte beaufsichtigen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (gebildet aus den gesellschaftlich
relevanten Gruppierungen der Gesellschaft) (Fernsehrat beaufsichtigt das ZDF)
→ Konzentrationsbegrenzung und Medienaufsicht stärken für eine verantwortungsbewusste Aufsicht des Dualen RFS
→ Lizenz wird auf Länderebene vergeben (wenn eine Lizenz bundesweit gelten soll, müssen sich die LMAs
zusammensetzen)

Fragen und Verbesserungen an sebastian.rumberg@gmail.com


Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität. (A Beatufiul Mind)

Medienpolitik muss in Betracht ziehen, dass die Medien eine wirtschaftliche Macht darstellen aber auch einen
wichtigen kulturellen Beitrag leisten.

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