Sie sind auf Seite 1von 5

Vorlesungen machen den Verstand träge.

Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität (A Beatufiul Mind)

Journalistik: Medienpolitik und -ökonomie 23.04.2008


Modul: 06-01-109-1
Art: Vorlesung
Lehrender: Prof. Dr. Marcel Machill
Ort: HTWK G 329
Zeit: Mittwoch 17.00 - 19.00

Autoren: Koszyk/Preuys - Kopper - Jarren

FOUR THEORIES OF THE PRESS


EINE BILANZ NACH 50 JAHREN

Kopper
Medienpolitik beschränkt sich heute auf den Aspekt der Vielfalt allein. Eine qualitätsgebundene Kommunikation findet nicht
mehr statt. → Vielfalt reicht nach Popper nicht aus. Kommunikationspolitik muss Qualität sichern.

Jarren
neue Ansätze sind nötig für die Medienpolitik aufgrund von vier Faktoren
- Internationalisierung der Unternehmen (Unternehmen entziehen sich den nationalstaatlichen
Regulierungen immer mehr)
- technische Konvergenz
- zunehmende Ökonomisierung des Mediensektors (Es geht nicht mehr um die Inhalte, sondern um den
Gewinn)
- allgemeiner gesellschaftlicher Werte- und Normenwandel

Neun Punkte für neuen Ansatz:


- Unternehmensleitsätze (stärkere Selbstregulierung)
- stärkere berufskulturelle Organisationen
- stärkere redaktionelle Autonomie
- besseres Qualitätsmanagement bei den Medien selbst
- Verbesserung der Organisation der Medienkontrolle (weg von staatlicher hin zu Selbstregulierung)
- Forderung nach einer Stiftung Medientest soll geschaffen werden, da die Rezipienten nicht aktiv als
Akteure in die Marktprozesse eingreifen können
- verstärkte Medienkritik und besseren Medienjournalismus
- Forderung nach einem Medienrat, allgemeines Sachverständigen-Gremium
- gute Medienforschung und -wissenschaften (die den Wandel in der Medienwelt regulatorisch
begleiten)

// AB HIER FOLGEN NUN DIE FOLIEN

1. FOUR THEORIES OF THE PRESS

Ziel des Buches:


- die Beziehungen zwischen Medien und politischen System erklären
- nationale Mediensysteme anhand vier normativer Theorien klassifizieren
Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität (A Beatufiul Mind)

- Definition von „press“:


alle Massenmedien inklusive Fernsehen, Radio und Printmedien

Hypothesen der Autoren


- Die Medien passen sich an die politische und gesellschaftliche Umgebung (Rahmenbedingung) an
- Das Mediensystem reflektiert...
- das System gesellschaftlicher und politischer Macht und Kontrolle
- philosophische Strömungen
- politische Ideologien
- wirtschaftliche Entwicklungen

Die „Four Theories“ sind


- Die Autoritarismus-Theorie
- Grundgedanke: Die unfehlbare Regierung kontrolliert die Medien durch Einschüchterung, Zensur und ähnliche
Methoden
- Die Meiden unterstützen die Politik der Herrschenden und führen sie weiter
- Eigentümer der Medien können sowohl der Staat als auch privatwirtschaftliche Akteure sein
- Entwickelt im 16. und 17. Jh. in England
- Philosophischer Hintergrund: Plato, Machiavelli, Hobbes
- Historische Beispiele: Jugoslawien, Spanien (Franco)
- Modernes Beispiel: Nigeria
- Die Liberalismus-Theorie
- Wird auch „Theorie der freien Presse“ genannt
- Grundgedanke: Die Wahrheit entsteht auf dem „freien Marktplatz“ der Ideen
- Zweck des Journalismus ist es, zu informieren, zu unterhalten und zu verkaufen, aber auch die Wahrheit zu suchen
und die Regierung zu überwachen
- Dem Gesetzgeber wird eine Fessel durch die Verfassung angelegt, welche die Regulierung der
Kommunikationspolitik unterbindet
- Eigentümer der Medien sind überwiegend privatwirtschaftliche Akteure
- Entwickelt in England nach 1688 und in den USA
- Philosophischer Hintergrund. Milton, Locke, Mill
- Historische Beispiele: Großbritannien, USA (Sehr schwaches öffentliches und sehr stark kommerziell ausgebautes
Mediensystem)
- Modernes Beispiel: USA
- Die Sowjet-Kommunismus-Theorie
- Wird auch „Sowjet-Totalitarismus-Theorie“ genannt
- Grundgedanke: Aufgabe der Meiden ist es, zum Fortbestehen des sowjetischen Sozialismus beizutragen,
insbesondere zur Diktatur der herrschenden Partei
- Eigentümer der Medien ist normalerweise der Staat
- Entwickelt in der Sowjetunion; andere autoritäre Staaten adaptierten das System
- Philosophischer Hintergrund: Marx, Hegel
- Historisches Beispiel: Sowjetunion
- Modernes Beispiel: China
- Die Sozialverantwortungs-Theorie
- Grundgedanke: Die Medien sollen informieren, unterhalten, verkaufen, aber auch Konflikte aufdecken und in die
Diskussion bringen; sie sollen eine große Vielfalt konkurrierender Ideen widerspiegeln
- Medien, Regierung und Gesellschaft haben dafür zu sorgen, dass viele Standpunkte repräsentiert werden
- Die Medien sind die Träger der sozialen Verantwortung
- Eigentümer der Medien sind privatwirtschaftliche Akteure
- Entwickelt in den USA im 20. Jh.
Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität (A Beatufiul Mind)

- Philosophischer Hintergrund: Commission on Freedom of the Press


- Historisches Beispiel: USA
- Modernes Beispiel: ?

2. 50 JAHRE WEITERENTWICKLUNG UND KRITIK

Kritik wegen
... normativer Herangehensweise
„Die Autoren versuche nicht herauszufinden, wie gesellschaftliche System tatsächlich funktionieren. Stattdessen
beschränken sie sich unter Anwendung eines bestimmten, bereits existieren Kriteriensets darauf, wie System arbeiten sollten
oder könnten.“ (Blumer/McLeod 1989)

... mangelnder Komplexität/Flexibilität


„Die Four Theories of the Press beziehen sich ausschließlich auf strukturelle Faktoren und ignorieren die Autonomie,
Professionalität und Wertorientierung des einzelnen Journalisten.“ (Ostini/Fung 2002)

„Sie haben es nicht geschafft, in angemessener Weise mit der großen Vielfalt der Massenmedien-typen und -Dienste mit
dem sich wandelnden Technologien umzugehen...“ (McQuail 1994)

„Der theoretische Rahmen wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte aus einer nordamerikanischen Perspektive
formuliert. Dabei wurden charakteristische Eigenschaften z.B. des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Westeuropa kaum
berücksichtigt.“ (McQuail 1994)

- Die Theorien können nicht an neue Typen politischer oder sozialer Systeme angepasst werden
- Die „Four Theories of the Press“ „verzerren“ die Wirklichkeit, weil sie die jüngsten Entwicklungen in der Dritten Welt
ignorieren (McQuail 1987)

3. DER EINFLUSS DER „FOUR THEORIES“

Blumer/Gluterich: 4 Dimensions (1975)


Vier Dimensionen von Beziehungen zwischen Medien und politischen Institutionen:
1. Wie stark kontrolliert die Regierung die Presse?
→ (Es ist nicht möglich, Medien entweder als regierungskontrolliert oder als komplett frei einzuordnen.)

2. (In welchem Maße) unterstützen die Medien eine politische Partei?


3. Gibt es eine Verbindung zwischen den Eliten des politischen und Mediensystem?
4. eint die Journalisten ein gemeinsames „Credo“?
→ (Die Medien folgen entweder einer philosophischen Idee (~Sozialverantwortungs-Theorie) oder nicht (~Liberalismus-Theorie)

Denis McQuail: Six Theories (1983)


McQuail fügte den 4 Dimensions zwei Theorien hinzu:
- Die Entwicklungs-Theorie
- Die Medien unterstützen die Regierung, um das Land zu entwickeln; Kontrolle und Zensur sind möglich, werden
aber auch von den Journalisten akzeptiert. (Oftmals Schwellenländern)
- Die demokratisch-partizipative Theorie:
- Jeder Bürger kann in völliger Freiheit über die Medien kommunizieren; es gibt keinerlei Kontrolle der Medien durch
die Regierung. (Jeder wird vom Empfänger auch zum Sender. Moderner Ansatz)
Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität (A Beatufiul Mind)

Michael Haller: Five Theories (2000)


- Neue transkulturelle Trends: Globale Gewinnmaximierung
im Spannungsfeld zur Idee der Verständigung
- Internationaler - interkultureller - transkultureller Journalismus?

Die Liberalismus-Sozialverantwortungs-Theorie
- Die Medien haben die Aufgabe, die Bürger zu informieren und orientieren. Sie sollen öffentliche Macht
kontrollieren, Missstände aufdecken - Unterhaltung?
- Jeder Bürger hat freien Zugang zu den Medien. Ein Publikationsrecht hat jeder, der ein kaufendes Publikum
findet (Marktzutritt)
- Inhaltskontrolle erfolgt durch öffentliche Meinung, ethische Standards und die Profession des
Journalistenstandes (Selbstregulation → wird durch die Strömungen und gesellschaftlichen Ideologien geformt)

- Das liberale Konzept verbindet sich mit den kulturellen/mentalen Traditionen, die das Rollenbild und die
ethischen Maximen stark beeinflussen.
- Ein besonders wichtige Rolle spielen dabei journalistische Kultur und Recherchemethoden:
→ Was darf „man“ tun?
→ Beispiel: Unterschiedliche Einstellungen zu so genannten harten Recherchemethoden zwischen deutschen
und angloamerikanischen Journalisten

Ostini/Fung: Four New Theories (2002)

strukturgebende Demokratie
Japan USA
Faktoren: politisches Autoritarismus
China Hong Kong
System konservativ liberal
Professionelle Faktoren: journalistische Werte

Hallin/Mancini: Three Models (2003)


Unterschiede zwischen Mediensystemen und industrialisierten, liberalen, demokratischen Staaten

Kategorien:
- Kontrolle der Medien durch die Regierung
- Welche journalistische Professionalität herrscht?
- Einfluss politischer Parteien/Interessengruppen
- Pressefreiheit als öffentlicher Wert in der Gesellschaft

1. Mediterranes/Polarisiert-Pluralistisches Modell
- Meinungsvielfalt aber enge Verbindung zwischen den Machthabern und den Medien
- politische Parteien benutzen die Medien, um ihre Standpunkte zu präsentieren
- Beispiel: Griechenland, Spanien, Italien, Portugal
2. Nord- oder mitteleuropäisches/Demokratisch-Korporatistisches Modell
- Pressefreiheit wird vom Staat selbst als öffentlicher Wert unterstützt
- Regierungen und staatliche Organisationen sind soweit entwickelt, das Pressefreiheit selbst als Gut unterstützt wird
- Hohe journalistische Professionalität
- Beispiel: Deutschland, Niederlande, Skandinavische Länder
3. Noratlantisches/liberales Modell
- Marktwirtschaft, meiden werden üblicherweise nicht von der Regierung kontrolliert
- Beispiel: USA; Großbritannien
Vorlesungen machen den Verstand träge. Sie zerstören das Potenzial für authentische Kreativität (A Beatufiul Mind)

FAZIT

- Four Theories of the Press haben die Theoretische Debatte darüber, wie man Mediensystem klassifizieren kann,
begründet
- Es ist schwer ein System zu finden, das flexibel genug ist, um neue Staaten in das System mit einzubeziehen
(Bsp: Singapur) aber auch die verschiedenen Ausrichtungen innerhalb eines Landes unter einen Nenner zu bringen