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Die Menschheit insgesamt und jeder einzelne Mensch befinden


sich in einem schlimmen Zustand des Verfalls und der
Verdorbenheit, und der Mensch selbst vermag sich nicht aus
eigenen Kräften zu bessern und zu retten und sich als des Reiches
Gottes würdig zu erweisen.
Den Menschen bessert der Herr Jesus Christus – deswegen ist er
auch in die Welt gekommen; er bessert diejenigen, die an ihn
glauben und ihre Verdorbenheit oder, wie wir eher zu sagen
pflegen, ihre Sündhaftigkeit erkennen. So sagt es der Herr auch:
Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu retten (d. h. jene, die
sich für gerecht und gut halten), sondern die Sünder zur Buße
aufzurufen; jene also, die ihre Verdorbenheit, ihre Sündhaftigkeit
und ihre Unfähigkeit, sich selbst zu bessern, erkannt haben; jene,
die Jesus Christus um Hilfe bitten oder, besser gesagt, ihn um
Gnade anflehen, um Waschung der Sündengeschwüre, um Heilung
vom seelischen Aussatz und um die Erlangung des Reiches Gottes
ausschließlich durch Gnade und nicht durch irgendwelche guten
Werke.
Wer den geistlichen Weg richtig geht, findet bei sich zunächst
immer mehr Sünden, bis er sich am Ende mit seinem geistlichen
Auge ganz in Sünden, im seelischen Aussatz sieht und von ganzem
Herzen spürt, daß er unwürdig ist, auch nur den Namen Gottes
anzurufen. Dann wird er wie der Zöllner voller Schmerz beten, ohne
es zu wagen, die Augen aufzuheben: Herr, sei mir Sünder gnädig!
Verweilt der Mensch lange Zeit in diesem seelischen Zustand, wird
er auch gerechtfertigt wieder aus ihm herauskommen wie der
Zöllner.
Hält sich jedoch der Mensch für gut und seine einzelnen, auch die
schweren Sünden für zufällig, in der Meinung, schuld daran sei
weniger er selbst als alle möglichen äußeren Umstände oder
Personen oder Dämonen, so ist diese Haltung verlogen: Es wäre
dies ein Zustand des Trugs, wovor uns der Herr alle behüten möge.
Um auf dem rechten Pfad zu wandeln, muß man auf sich
achtgeben und seine Taten, Worte, Absichten, Neigungen usw. mit
den Geboten Christi vergleichen und sich dabei in nichts
rechtfertigen, sich nach Möglichkeit bessern, die Mitmenschen
weder anklagen noch richten, schließlich vor dem Herrn Reue
zeigen und Gott und den Menschen Demut erweisen: dann wird der
Herr uns allmählich unsere Sündhaftigkeit, unsere Verderbnis und
unsere unbeglichene Schuld erkennen lassen.
Der eine schuldet 500 Groschen, der andere 50,
beide können sie aber ohnehin nicht bezahlen (Lk 7,41 f.).

Der Herr erläßt in seiner Güte bei den ihre Schuld. Das heißt, es
gibt keinen solchen Gerechten, der die Gnade des Erlösers nicht
benötigte.
Das ist Gottes Weisheit! Ein offener Sünder kann eher reumütig
werden, zu Gott finden und seine Seele retten als der äußerlich
Gerechte. Deshalb hat Jesus Christus auch gesagt, die Zöllner und
die Sünder gingen vor manchen sich für gerecht Haltenden in sein
Reich ein. Nach Gottes großer Weisheit tragen die Sünden und die
Dämonen zur Demut des Menschen bei und dadurch zur
Seelenrettung. Deshalb verbot der Herr auch, dass man das
Unkraut aus dem Weizen reiße: Ohne das Unkraut entstünde leicht
der Stolz, Gott aber widersetzt sich dem Stolz. Stolz und Dünkel
sind der Tod des Menschen.
Was folgt aus dem Gesagten? Erkennt Eure Schwachheit und
Sündhaftigkeit, richtet niemanden, rechtfertigt Euch nicht,
demütigt Euch, und der Herr wird Euch zur rechten Zeit erheben.
Herr, sei uns Sündern gnädig.
Vergebt mir und betet für mich ...