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Der Stein des Anstoßes

Der Stein des Anstoßes Kann dieser seelenlose Ziegelstein mehr Freunde haben als H.C. Strache?

Kann dieser seelenlose Ziegelstein mehr Freunde haben als H.C. Strache?

Der Stein des Anstoßes

“Ziegelwand statt Nullverstand!”

Ein Ziegelstein lacht ihnen auf den Fake-Plakat entgegen mit blendend weißen Colgate-Zähnen und preist seine überlegen Eigenschaften an, wie: Aus bestem Lehm – Steinhart & rechteckig 1 – vielseitig einsetzbar… Das ist kein Traum eines Altlinken im Ruhestand, dies ist eine neue Form von politischem Protest, ohne Führungsfiguren, ohne Ideologie dafür mit Eigeninitiative und Humor.

Die Fake-Plakate wirken wie Karikaturen aus längst vergangen Epochen des Aufstands, hier im Web 2.0 erlebt die politische Karikatur mit Photoshop und Co. erschaffen, ein Wiedergeburt als Aufklärungswerkzeug mit extremer Breiten Wirkung. Schon lange vorher gab es solche Karikaturen im Netz, doch selten zuvor waren die Merkmale, des Selbsterstellens, des Bewertens und Kommentierens, der Verbreitung und vor allem des gesellschaftskritischen Inhalts so dicht verbunden. Das Socialnetworking, macht es eben möglich, einen Schwarm an kritischen oder einfach nur neugierigen Individuen einzufangen und ihr kreatives Potenzial für eine kollektive Polit-Satire zu bündeln. Die Illusion der gesellschaftlichen Ohnmacht des Einzelnen fällt in diesen Moment unter lachenden Getöse zusammen wie ein Kartenhaus, wenn es tönt:

„Ziegelhaus statt Özgür raus“. 1

Durch das Internet kollektivierte Arbeits- und Lernprozesse werden schon lange von einem eher kleineren Teil der UserInnen genutzt. Durch moderne Plattformen wie Facebook und Email-accounts wie Gmail etc. werden aber viele Funktionen einfach zusammen gefasst und somit die Bedinbarkeit für die Mehrheitsbevölkerung geschaffen. Nun sieht sich dieser große virtualisierte Schwarm selbst auf Facebook, eine kollektives virtuelles Bewusstsein der Bevölkerung sozusagen, ein Ausdruck des derzeitigen

Bewusstseins der Kommunikationsgesellschaft. Die Grundlagen der Pioniere dieser vernetzten Arbeitsweisen sind die creative commons, selbstgestaltete Lizenzen auf das selbstproduzierte Wissen. Diese Ideen wurden in der Bewegung für freie Software – GNU – am Anfang der 80er Jahre in den USA entwickelt. 2 Von Kritikern wurde dieses Vorgehen vor allem im us-amerikanischen Kontext zu sehen, als DotCommunism oder DotSocialism bezeichnet, Grund war hauptsächlich die beginnende breitenmäsig illegale Weitergabe von digitalisierter Medien, welche unter traditionellen Copyright standen. Aus diesen Phänomen, welches von Napster 1999 eingeleitet wurde, ist eine kollektive Medienaneignung einer ganzen Generation und ihrer Folgegenerationen geworden. Die Eigentumsform des kommerziell verwerteten Privateigentums stellt sich zunehmend als ausgedientes Modell einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung heraus. 3 Diese hat ihre Unfähigkeit die Probleme einer neuen globalen Gesellschaft zu lösen schon zig mal unter Beweis gestellt, die Finanzkrise, die darauf folgende Wirtschaftskrise, die Verschmutzung der Umwelt, Präkarisierung der Jugend und so weiter.

Nun wo in diesem Ganzen ist nun die Ziegelsteinaktion auf Facebook zu verorten, einer Plattform, welche sich auch durch unzählige Zerstreuungsmöglichkeiten, Alltags Exhibitionismus und Voyeurismus auszeichnet. Die Ziegelsteingruppe kann, zumindest in Österreich, als erstes kollektives Erwachen einer als unpolitisch und reizüberflutet geltenden Generation betrachtet werden. Der Ballungsraum für eine Generation, welche ihre Probleme und den Frust auf die herkömmliche Politik nicht länger individualisieren will nach dem Dogma eines überspitzten Postmodernismus. Gleichzeitig

unterscheiden sie sich noch viel mehr von seinem Vorgänger dem Modernismus, durch die Abneigung gegen Pyramidal-Hierarchien und Ideologien, wie sie in dem Parteiensystem, als Mittel der Normierung und Selektion der Mitglieder zur Spitz hin vorkommen. Natürlich sollte nicht vergessen werden, dass die Ziegelsteingruppe auch eine große Vorläuferin in der Unibrennt-Bewegung 4 hat und viele Mitglieder hiervon an der Ziegelsteingruppe teilnehmen.

CreativeCommons: by-fd-sa Micha.Meskalinas@gmail.com

Es bleibt zu hoffen, dass die Ziegelsteingruppe nicht an ihrer Aussage- und Satirekraft verliert und die Trivialität umgangen wird, mit weiterhin Strache- kritischen und letztlich gesellschaftskritischen Inhalt. Wir dürfen gespannt sein auf die nächsten politischen Äußerungen aus dem web 2.0 , frei im Sinne des Ziegelsteins: Können die Österreicher und Österreicherinnen ihre Probleme selbst lösen ohne verantwortungslose Bankiers und Politiker. Die Antwort dürft klar sein. Yes we…

fd = by commercial use free donation to the author, non commercial use for free

Strache/290967602506 am 15. Feb. 2010

4http://unsereuni.at/ am 15. Feb. 2010

Anmerkung:

Dieser Text ist nur teilweise gegenderd geschrieben aus mehreren Gründen. Der erste ist die Einsicht, dass es vielen Feministinnen um die Veränderung konkreter realer Zustände geht. Die Sprache an sich kann hier nur ein Hinweis sein auf Missverhältnisse in der Realität, die es zu ändern gilt. So kann der sehr maskulin geprägte Bereich des Fußballs als Beispiel gelten. Hier ist die Assoziationsebene so gut wie 100% männlich, durch das Gendern kann hier ein Hinweis gesetzt werden, um in diesen konkreten Fall auf die Minderheit der Fußballerinnen hinzuweisen. Wird aber dauernd das Innen-i eingesetzt verliert dies seine Hinweisfunktion. Wenn alles wichtig ist, dann gibt es keine Differenz mehr, weil alles gleich wichtiger geworden ist* Der Leser gewöhnt sich daran und wird genauso wie vorher mehrheitlich männliche Spieler assoziieren. Warum? Weil die Realität und ihre massenmediale Repräsentation sich um keinen Deut geändert hat. Es sollte engagierten Personen doch eher darum gehen die Wirklichkeit eines patriarchalischen Systems zu ändern, anstatt an ein paar sprachlichen Symbolen herum zu tüfteln. Ein Symbol erhält seine Bedeutung durch die erfahrene Realität eines Menschen, der Mensch wird die Worte, welche er gebraucht auf seine individuelle Art und Weise verstehen, er wird sie mit dem assoziieren was er in einer Gesellschaft erfahren hat. Daher gibt es so viele Streitbegriffe, weil hier die Erfahrungen und Gefühle die damit verbunden werden so vielfältig sind und sich einer einfachen Abstraktion entziehen, die für alle gelten soll. Ändert sich das gelebte gesellschaftliche Sein wird eine Veränderung der Sprache überflüssig. Es sollte darum gehen die Ideen der Gleichberechtigung zu kommunizieren und zu leben, anstatt, die Unfähigkeit, zur Weitergabe dieser Ideen an noch unbewusste Personen, durch eine symbolische Geste zu kaschieren.

*Der viel gehasst Schilderwald in einigen Großstädten ist hierfür ein gutes Beispiel.