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Sachverhalt

Der siebzehnjährige Max(M) ist begeisterter DVD-Fan. Um seine umfang- Sachverhalt


reiche DVD-Sammlung auch ausreichend zu Hause genießen zu können,
beabsichtigt er, eine DVD-Surround-Anlage zu kaufen. Er liest in der Zei-
tung eine Anzeige des Händlers Hein(H), der eine derartige Anlage der
Marke „Surround-Freak“ mit allen technischen Raffinessen zum Preis von
4.500 EUR anbietet. Dieses Angebot scheint Max günstig und deshalb will
er den Kauf abschließen. Allerdings hat Max erst 3.500 EUR gespart Er er-
läutert seinem verwitweten Vater Victor(V) das Problem. Dieser gibt ihm
1.000 EUR, damit er die Anlage kaufen kann.

Max bestellt mit Hilfe des der Zeitung beiliegenden Bestellformulars am


Freitag (7.5.) die Anlage „Surround-Freak-" zum Preis von 4.500 EUR. Als
spätesten Liefertermin gibt er den kommenden Freitag (14.5.) an. Max will
nämlich am darauf folgenden Samstag ein Fest geben und seine neue An-
lage dabei benutzen. Da er vergisst, das Schreiben sofort abzusenden,
wirft er es persönlich am Samstagabend in den Geschäftsbriefkasten des
Hein ein.

Am Montagmorgen leert Xaver(X), ein Angestellter des Hein, der in Abwe-


senheit des Hein üblicherweise dessen Arbeiten übernimmt, den Briefkas-
ten, weil Hein auf einer Geschäftsreise ist. Xaver merkt die Lieferung vor,
doch vergisst er, den Liefertermin im Auftragsbuch einzutragen.

Infolgedessen wird die Anlage nicht am 14.5., sondern vier Tage später, am
Dienstag (18.5.), geliefert. Max ist daher gezwungen, am Samstagmorgen
eine geeignete Anlage zum Preis von 200 EUR für sein Fest zu mieten.

Max ist am Dienstag nicht mehr bereit, die bei Hein bestellte Anlage abzu-
nehmen und zu bezahlen, da er zwischenzeitlich gemerkt hat, dass die ge-
mietete Anlage für ihn günstiger ist. Er will deshalb eine solche Anlage kau-
fen. Er erklärt dem Hein, ein Vertrag sei ohnehin nicht zustande gekom-
men. Im übrigen habe Hein auch zu spät geliefert, so dass er nicht ver-
pflichtet sei, die gelieferte Anlage zu nehmen. Hein sei außerdem verpflich-
tet, ihm die 200 EUR für die gemietete Anlage zu zahlen. Hein besteht auf
Abnahme und Zahlung durch M.

1. Muss Max die bei Hein bestellte Anlage abnehmen und den Kauf- Fallfragen
preis bezahlen?
2. Kann Max seine Aufwendungen, die er wegen des Anmietens einer
anderen Anlage hatte, von Hein verlangen?

Lösungsvorschlag zu Frage 1:

M könnte nach § 433 Abs. 2 BGB verpflichtet sein, die DVD-Anlage des H Anspruchsgrundlage
abzunehmen und diesem den Kaufpreis in Höhe von 4.500 EUR zu bezah-
len. Dies wäre der Fall, wenn zwischen H und M ein wirksamer Kaufvertrag
über die Anlage abgeschlossen wurde.

Ein Kaufvertrag kommt durch zwei übereinstimmende, mit Bezug aufeinan- Kaufvertrag
der abgegebene Willenserklärungen, das Angebot und die Annahme zu-
stande. Zunächst müsste ein Angebot vorliegen.

Ein solches Angebot könnte der H mit seiner Zeitungsanzeige abgegeben Angebot des H
haben. Fraglich ist jedoch, ob H sich durch die Anzeige bereits rechtsge-
schäftlich binden wollte. Würde H ein verbindliches Angebot über den Kauf
der Anlage abgeben, könnte dieses von jedem durch bloße Zustimmung
angenommen werden. H würde dann eine Vielzahl von Kaufverträgen ab-
schließen, obwohl er seine Verpflichtung nach § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB, je-
dem Käufer eine Anlage zu übergeben und das Eigentum daran zu ver-
schaffen möglicherweise nicht erfüllen könnte, wenn er selbst nicht über
eine ausreichende Anzahl an Anlagen verfügt. Zudem hätte H keine Mög-
lichkeit, sich seinen Vertragspartner auszuwählen und beispielsweise auf
Zahlungsfähigkeit zu überprüfen. Daher fehlt H der Rechtsbindungswille.
Seine Anzeige ist kein rechtsgeschäftliches Angebot, sondern eine Auffor-
derung an Interessierte, ihrerseits ein Angebot abzugeben (sogenannte in-
vitatio ad offerendum)

M könnte ein Angebot abgegeben haben, indem er den Bestellschein aus- Angebot des M
gefüllt hat. Das Angebot muss die wesentlichen Vertragsbestandteile (so-
genannte essentialia negotii) beinhalten, so dass es durch bloßes Einver-
ständnis angenommen werden kann. Die wesentlichen Vertragsbestandtei-
le sind bei einem Kaufvertrag nach § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB die Vertrags-
parteien, der Kaufpreis sowie die Kaufsache. Mit dem Bestellschein gab H
zu erkennen, dass er mit H einen Kaufvertrag über die DVD-Anlage zum
Preis von 4.500 EUR abschließen wollte. Die wesentlichen Vertragsbe-
standteile sind genannt, so dass das Zustandekommen des Vertrages nur
noch von Hs Einverständnis abhing. M hat somit ein Angebot abgegeben.

Fraglich ist jedoch, ob das Angebot des M wirksam war. M war zum Zeit- Wirksamkeit des
Angebotes
punkt der Angebotsabgabe 17 Jahre alt und damit nach § 2 BGB noch
nicht volljährig. Nach § 106 BGB sind Minderjährige nur beschränkt ge-
schäftsfähig. Ein Minderjähriger bedarf nach § 107 BGB zu einer Willenser-
klärung, durch die er nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt, der
Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters.

Durch einen Kaufvertrag würde M nach § 433 Abs. 2 BGB verpflichtet, dem rechtlicher Nachteil
H die Anlage abzunehmen und den Kaufpreis zu bezahlen. Die Zahlungs-
pflicht stellt einen rechtlichen Nachteil für den M dar. Daher bedurfte M der
Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters.

Nach § 1629 Abs. 1 Satz 2 HS 1 BGB vertreten die Eltern das Kind ge- gesetzlicher Vertreter
meinschaftlich. Ein Elternteil vertritt nach § 1629 Abs. 1 Satz 3 BGB das
Kind allein, soweit es die elterliche Sorge allein ausübt. Wenn die elterliche
Sorge beiden Elternteilen zustand und ein Elternteil verstirbt, steht die el-
terliche Sorge nach § 1680 Abs. 1 BGB dem überlebenden Elternteil zu.
Der Vater des M ist verwitwet, so dass ihm die elterliche Sorge allein zu-
steht und er den M allein vertritt.

V müsste seine Einwilligung zum Abschluss des Kaufvertrages gegeben Einwilligung


haben. Die Einwilligung ist eine einseitige empfangsbedürftige Willenser-
klärung. Nach § 182 Abs. 1 BGB kann sie beiden Teilen gegenüber, hier
also M oder H, erklärt werden. Die Erklärung kann ausdrücklich oder kon-
kludent erfolgen. Nachdem M mit V über den Kauf der Anlage gesprochen
hat, gab V ihm den noch fehlenden Geldbetrag von 1.000 EUR, damit M
die Anlage kaufen kann. Hierin ist zumindest eine konkludente wenn nicht
gar ausdrückliche Einwilligung zum Abschluss des Kaufvertrages zu sehen.
Durch diese Einwilligung konnte M ein wirksames Angebot abgeben.

Das Angebot müsste dem H auch zugegangen sein. Eine Willenserklärung Zugang
ist zugegangen, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers ge-
langt, dass dieser unter gewöhnlichen Umständen die Möglichkeit hat, sie
zur Kenntnis zu nehmen. M steckte den Bestellschein am Samstagabend
in den Geschäftsbriefkasten des H. Der Briefkasten gehört zum Machtbe-
reich des H, so dass diesem das Angebot des M zugegangen ist.

Fraglich ist, wann das Angebot zugegangen ist. Bei Ladengeschäften ist Zugangszeitpunkt
davon auszugehen, dass mit der Kenntnisnahme nur während der üblichen
Ladenöffnungszeiten zu rechnen ist. Mit einer Leerung des Geschäftsbrief-
kastens kann nur nach dem Zeitpunkt gerechnet werden, zu dem üblicher-
weise Poststücke zugestellt werden. Im vorliegenden Fall erfolgt die nächs-
te Zustellung von Post erst am Montagmorgen, so dass auch dann erst die
Willenserklärung des M als zugegangen gilt.

M hat ein wirksames Angebot abgegeben, dass dem H am Montagmorgen, Zwischenergebnis


dem 10.05. zugegangen ist.

Dieses Angebot müsste H auch angenommen haben. H selbst hat die An- Annahme
nahme des Angebotes nicht erklärt.

X könnte die Annahme erklärt haben. Die Annahme kann ausdrücklich oder Annahme durch X
konkludent erklärt werden. Eine ausdrückliche Annahmeerklärung hat X
nicht abgegeben. Eine schlüssige Annahme könnte jedoch darin zu sehen
sein, dass H die Lieferung vorgemerkt hat. Hierdurch hat er zum Ausdruck
gebracht, mit dem Angebot des M einverstanden zu sein und diesem die
Anlage liefern zu wollen. Er vergaß lediglich, den Liefertermin im Auftrags-
buch zu notieren. Dies ist so zu verstehen, dass H das Angebot des M un-
eingeschränkt annehmen wollte und auch den Termin vermerkt hätte, wenn
er dies nicht lediglich vergessen hätte. Das Angebot des M wurde somit
von M angenommen.

Fraglich ist, ob die Annahme durch X den H rechtsgeschäftlich bindet. Dies Wirkung der Annahme
für H
könnte nach § 164 Abs. 1 Satz 1 BGB der Fall sein. Hierzu ist erforderlich,
dass X Vertreter des H war.

Die Annahmeerklärung des X würde nach § 164 Abs. 1 Satz 1 BGB für und Stellvertretung
gegen H wirken, wenn X eine eigene Willenserklärung im Namen des H im
Rahmen der Vertretungsmacht abgegeben hätte.

Eine eigene Willenserklärung hätte X abgegeben, wenn er nicht nur eine fremde
Willenserklärung
fremde Willenserklärung als Bote überbracht hat. H wusste offenbar vom
Angebot des M nichts, X hat nach Kenntnisnahme des Angebots die Liefe-
rung vorgemerkt. Somit konnte X keine Willenserklärung des H übermitteln,
sondern hat selbst eine eigene Willenserklärung abgegeben.

Diese hätte er im Namen des H abgeben müssen. Dazu hätte er zum Aus- in fremden Namen/
Offenkundigkeits-
druck bringen müssen, im Namen des H handeln zu wollen. X als Ange- grundsatz
stellter des H wurde bei der Bearbeitung der Bestellung im Rahmen der ge-
schäftlichen Abwicklung der Angelegenheiten des H tätig. Bei unterneh-
mensbezogenen Geschäften ist im Zweifel anzunehmen, dass der Ge-
schäftsinhaber gebunden werden soll. X handelte somit im Namen des H.

X müsste auch im Rahmen der Vertretungsmacht gehandelt haben. Eine Vertretungsmacht


solche Vertretungsmacht kann sich aus dem Gesetz ergeben oder rechts-
geschäftlich als Vollmacht erteilt werden. Für eine gesetzliche Vertretungs-
macht des X ist nichts ersichtlich. X als Angestellter des H hat für die ord-
nungsgemäße Abwicklung der Geschäfte zu sorgen. Dies kann er jedoch
nur, wenn er von H auch dazu ermächtigt wurde. Somit ist davon auszuge-
hen, dass H dem X auch eine Vollmacht zur Vornahme der üblichen Ge-
schäftsvorgänge erteilt hat. X handelte somit im Rahmen der Vertretungs-
macht.

Die von X erklärte Annahme müsste dem M auch zugegangen sein. Dies Zugang
ist jedoch nicht der Fall. Es ist daher zu prüfen, ob auf den Zugang der An-
nahmeerklärung verzichtet werden konnte

Der Zugang der Annahmeerklärung beim Antragenden ist nach § 151 Satz Zugangsverzicht
1 BGB entbehrlich, wenn dieser auf den Zugang verzichtet hat oder nach
der Verkehrssitte nicht zu erwarten ist. Bei der Bestellung von Waren be-
steht regelmäßig eine Verkehrssitte, dass die Annahme dem Antragenden
gegenüber nicht erklärt werden muss. Somit war der Zugang der Annah-
meerklärung bei M nicht erforderlich.

Zwischen M und H kam daher ein wirksamer Kaufvertrag zustande. Aus Zwischenergebnis
diesem Kaufvertrag war H nach § 433 Abs. 2 BGB zunächst berechtigt, von
M die Zahlung des Kaufpreises von 4.500 EUR zu verlangen.

Der Anspruch des H auf Zahlung des Kaufpreises könnte jedoch erloschen Erlöschen des
Anspruches
sein. Dies wäre der Fall, wenn M wirksam den Rücktritt vom Kaufvertrag
erklärt hat.

Zunächst müsste eine Rücktrittserklärung des M vorliegen. Die Rücktritts- Rücktrittserklärung


erklärung ist eine einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung und ist
nach § 349 BGB gegenüber dem anderen Teil, also dem Vertragspartner,
zu erklären. M erklärte am 18.05. dem H, dass er dessen DVD-Anlage
nicht mehr haben wolle und wegen der verspäteten Lieferung auch nicht
verpflichtet sei, sie abzunehmen. Die Auslegung dieser Aussage nach §§
133, 157 BGB lässt darauf schließen, dass M sich an den Vertrag nicht
mehr gebunden fühlen wollte. Somit liegt seitens des M eine Rücktrittser-
klärung vor.
M müsste ferner einen Rücktrittsgrund gehabt haben. Ein solcher Rück- Rücktrittsgrund
trittsgrund könnte sich aus § 323 Abs. 1 BGB ergeben. Voraussetzung ist,
dass ein gegenseitiger Vertrag vorliegt, die Leistung fällig ist, sie nicht oder
nicht vertragsgemäß erbracht wurde und der Gläubiger dem Schuldner
eine angemessene Frist zur Nacherfüllung gegeben hat.

Es müsste ein gegenseitiger Vertrag vorliegen. Zwischen M und H wurde gegenseitiger Vertrag
ein Kaufvertrag über die DVD-Anlage geschlossen. Durch diesen Kaufver-
trag verpflichtete sich M zur Zahlung des Kaufpreises und zur Abnahme
der Anlage, H verpflichtete sich dazu, dem M die Anlage zu übergeben und
ihm das Eigentum an dieser zu verschaffen. Für beide Parteien ergeben
sich Rechte und Pflichten. Somit liegt ein gegenseitiger Vertrag vor.

Die Leistung müsste ferner fällig sein. Als ungeschriebenes Tatbestands- Fälligkeit/
Durchsetzbarkeit
merkmal erfordert § 323 Abs. 1 BGB aber zusätzlich, dass die Leistung
auch durchsetzbar ist. Wenn der Schuldner sich zulässigerweise auf Einre-
den berufen kann, wäre es unbillig, ihn mit Schadensersatzforderungen
des Gläubigers wegen Nichtleistung zu belasten.

Fällig ist eine Leistung in dem Zeitpunkt, in dem der Schuldner spätestens
die Leistung zu erbringen hat. Im vorliegenden Fall wurde eine Lieferfrist
für die DVD-Anlage bis zum 14.05. vereinbart, spätestens an diesem Tag
war sie also fällig. Einreden sind nicht ersichtlich, so dass die Leistung
auch durchsetzbar ist.

Desweiteren dürfte die Leistung nicht oder nicht vertragsgemäß erbracht Nichterfüllung der
Leistungspflicht
worden sein. H sollte die Anlage bis zum 14.05. dem M liefern. Diese ver-
tragliche Leistungspflicht hat er nicht erfüllt.

Schließlich müsste M dem H eine Frist zur Nacherfüllung gesetzt haben. Frist zur Nacherfüllung
Diese Nachfrist hat M jedoch nicht gesetzt, sondern gleich bei der nächs-
ten Gelegenheit am 18.05. den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt. Fraglich
ist daher, ob die Fristsetzung entbehrlich war.

Nach § 323 Abs. 2 Nr. 2 BGB ist eine Fristsetzung entbehrlich, wenn der Entbehrlichkeit der
Fristsetzung
Schuldner die Leistung zu einem im Vertrag bestimmten Termin oder inner-
halb einer bestimmten Frist nicht bewirkt hat und der Gläubiger im Vertrag
den Fortbestand seines Leistungsinteresses an die Rechtzeitigkeit der
Leistung gebunden hat. M hat als spätesten Termin zur Lieferung den
14.05. benannt. Durch die uneingeschränkte Annahme des Angebotes hat
sich H damit auch einverstanden erklärt. Dieser Termin wurde somit ver-
traglich vereinbart. H hat die Anlage bis zum 14.05. auch nicht geliefert.
Durch die Angabe, die Anlage solle „spätestens“ bis zum 14.05. geliefert
werden, hat M zum Ausdruck gebracht, dass es ihm auf die rechtzeitige
Lieferung besonders ankomme. Er hat hinreichend deutlich hervorgeho-
ben, dass er an einer späteren Lieferung nicht interessiert sei. Die Voraus-
setzungen des § 323 Abs. 2 Nr. 2 BGB sind somit erfüllt, so dass die Set-
zung einer Nachfrist entbehrlich war.

M hat somit wirksam den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt, wodurch der ur- Endergebnis/
Beantwortung der
sprüngliche Anspruch des H auf Kaufpreiszahlung und Abnahme der Anla- Fallfrage
ge erloschen ist. H kann von M nicht die Zahlung von 4.500 EUR verlan-
gen.

Lösungsvorschlag zu Frage 2:

M könnte die Kosten für die gemietete Anlage von H als Schadensersatz Anspruchsgrundlage
nach § 280 Abs. 1, 3 BGB in Verbindung mit § 281 BGB von H verlangen.
Dies wäre der Fall, wenn H schuldhaft eine Pflicht aus dem Schuldverhält-
nis verletzt hat, die fällige Leistung nicht oder nicht wie geschuldet erbracht
hat und der Gläubiger erfolglos eine angemessene Frist zur Leistung ge-
setzt hat.

H hatte sich durch den Kaufvertrag dazu verpflichtet, dem M die DVD-Anla- Pflichtverletzung/
Nichtleistung
ge bis zum 14.05. zu liefern. Dieser Pflicht ist er nicht nachgekommen. So-
mit hat er eine Pflicht aus dem Schuldverhältnis verletzt. Zugleich hat er
damit die Leistung nicht erbracht.

Zur Fälligkeit und Durchsetzbarkeit der Leistung wird auf die obigen Aus- Fälligkeit/
Durchsetzbarkeit
führungen verwiesen.

Fraglich ist, ob H die nicht rechtzeitige Lieferung auch zu vertreten hat. Verschulden
Nach § 278 Abs. 1 BGB hat er Vorsatz und Fahrlässigkeit zu vertreten,
wenn sich nichts anderes ergibt. H selbst hat nicht dafür gesorgt, dass die
Bestellung im Auftragsbuch eingetragen wird.

X sollte die eingehenden Bestellungen im Auftragsbuch vormerken. Es Verschulden des X


wäre möglich, dass H nicht mit der erforderlichen Sorgfalt die Arbeit des X
überwacht hat. Dies kann jedoch dahin stehen, wenn X ein Verschulden
trifft und dieses H nach § 278 Satz 1 BGB zugerechnet wird. Nach § 280
Abs. 1 Satz 2 BGB wird grundsätzlich ein Verschulden vermutet, es sei
denn, der Schuldner kann darlegen, dass er die Pflichtverletzung nicht zu
vertreten hat. X hat es versäumt, die Bestellung im Auftragsbuch einzutra-
gen. Zu seinen Lasten wird vermutet, dass er dies zu vertreten hat; zu sei-
ner Exkulpation hat er nichts vorgetragen.

Das Verschulden des X würde dem H nach § 278 Satz 1 BGB zugerechnet Erfüllungsgehilfe
werden, wenn X dessen Erfüllungsgehilfe war. Erfüllungsgehilfe ist, wer mit
dem Willen des Schuldners bei der Erfüllung einer diesem obliegenden
Verpflichtung als Hilfsperson tätig wird. X sollte als Angestellter im Laden
des H die anfallenden Geschäfte abwickeln, wurde mit Willen des H tätig.
Zu Hs Aufgaben gehörte auch das ordnungsgemäße Eintragen der Bestel-
lungen im Auftragsbuch. Dies hat X jedoch im Fall der Bestellung des M
nicht getan, beging die Pflichtverletzung also in Erfüllung der Verbindlich-
keit des H. X war damit Erfüllungsgehilfe des H, so dass sein Verschulden
dem H nach § 278 Satz 1 BGB zugerechnet wird.

Ferner hätte M dem H eine Frist zur Leistung setzen müssen. Dies tat er Fristsetzung
jedoch nicht, so dass fraglich ist, ob die Fristsetzung entbehrlich war.
Die Fristsetzung ist nach § 281 Abs. 2 BGB entbehrlich, wenn Der Schuld- Entbehrlichkeit der
Fristsetzung1
ner die Leistung ernsthaft und endgültig verweigert oder wenn besondere
Umstände vorliegen, die unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die
sofortige Geltendmachung des Schadensersatzanspruches rechtfertigen. H
hat die Leistung nicht ernsthaft und endgültig verweigert. Es ist daher zu
prüfen, ob die Voraussetzungen des § 281 Abs. 2 Alt. 2 BGB erfüllt sind.

M hat – wie oben dargestellt – sein Leistungsinteresse an die Rechtzeitig- relatives Fixgeschäft
keit der Leistung geknüpft; es liegt ein so genanntes relatives Fixgeschäft
vor, das M ohne weitere Fristsetzung zum Rücktritt berechtigte. Auffällig ist
jedoch, dass eine der Regelung des § 323 Abs. 2 Nr. 2 BGB entsprechen-
de Norm in § 281 Abs. 2 BGB fehlt. Durch die Reform des Schuldrechts
sollte eine weitgehender Gleichlauf des Rücktrittsrechtes und des Scha-
densersatzrechtes erreicht werden, was insbesondere durch die neu einge-
fügte Regelung des § 325 BGB deutlich wird. Wenn angesichts dieser ge-
setzgeberischen Motive aber das relative Fixgeschäft nicht in den Katalog
der Gründe in § 282 Abs. 2 BGB aufgenommen wird, bei denen eine Nach-
frist entbehrlich ist, muss dies als bewusste Entscheidung des Gesetzge-
bers hingenommen werden, dass auf die Nachfrist bei relativen Fixge-
schäfte grundsätzlich nicht verzichtet werden soll.

Besonders gelagerte Fälle des Fixgeschäftes (z.B. so genannte Just-In-


Time-Geschäfte) können vom Tatbestand des § 281 Abs. 2 Alt. 2 BGB er-
fasst sein. Für einen solchen besonderen Fall ist vorliegend jedoch nichts
ersichtlich, so dass hier auf die Nachfrist nicht verzichtet werden konnte.

Eine Nachfrist hat M dem H jedoch nicht gesetzt, so dass er nicht berech- Endergebnis/
Beantwortung der
tigt war, von diesem Schadensersatz statt der Leistung nach § 280 Abs. 1 Fallfrage
und 3 in Verbindung mit § 281 Abs. 1 BGB zu verlangen.

1 Die hier vorgeschlagene Argumentation ist nicht zwingend, auch die Gegenansicht ist bei entsprechender
Begründung vertretbar. Kritische Gegenstimmen mit gewichtigen Argumenten finden sich zum Beispiel
bei Michael Jaensch (NJW 2003, 3613) sowie Michael Riha, Ökonomische Analyse des
Sachmängelgewährleistungsrechts des BGB, München 2007, S. 266

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