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Der inflammatorische Brustkrebs

Stand/Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 18.10.2007

Entzündungszeichen

Stand/Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 18.10.2007

Inflammatorischer Brustkrebs
Entzündungszeichen der Haut, die vom Inflammatorischen Brustkrebs abzugrenzen sind:

Für Rötung, Juckreiz, Schmerzen, Schwellung der Brust gibt es drei Ursachen:

1. Infektionen, das heißt eine Mastitis, die hauptsächlich in der Stillzeit vorkommt und
gegen die Antibiotika helfen. Sie ist so schmerzhaft, dass man in der Regel von selbst
zum Arzt geht. Der verschreibt einem Antibiotika, die man sofort einnehmen sollte, und
wenn das nicht sofort am nächsten Tag deutlich weniger ist, muss man sofort wieder
zum Arzt.

Vorher sollte man sich gründlich über den Inflammatorischen Brustkrebs informieren.
Denn das ist eine schnell tödlich verlaufende Krankheit, bei der man keine Zeit
vertrödeln sollte.

2. Inflammatorichen Brustkrebs

3. allergische Reaktionen

4. Sonnenbrand
Allergische Reaktionen
Nach Implantaten von Silikonkissen zum Brustwiederaufbau kommt es manchmal zu
Rötungen, die nach einiger Zeit von selbst wieder Abklingen. Gegen solche Rötungen,
die allergisch bedingt sind, kann man eine Cortisonkreme versuchen oder abwarten.

Aber so sollte man nur verfahren, wenn man sehr sicher ist. Ansonsten heißt es, keine
Zeit vertrödeln. Der Inflammatorische Brustkrebs führt ohne Behandlung sehr schnell
zum Tode.

Sonnenbrand
Inflammatorischer Brustkrebs sieht manchmal auch wie ein ganz harmloser
Sonnenbrand aus. Wenn es überhaupt keinen Grund für so einen Sonnenbrand gibt,
oder der nur an einer Seite ist obwohl man mit dem ganzen Körper im Sonnenstudio
war, muss man leider an Inflamamtorischen Brustkrebs denken.
Diagnose und Behandlung des Inflammatorischen Brustkrebs

Der inflammatorische Brustkrebs

Stand/Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 18.10.2007

Den inflammatorischen Brustkrebs, abgekürzt IBC, muss man vermuten, wenn eine gerötete, entzündete Brust zu erkennen ist, wobei die Rötung
erst auch leicht und harmlos wirken kann wie ein leichter Sonnenbrand.

Da diese Erkrankung ohne Behandlung innerhalb weniger Wochen zum Tode führen kann, ist hier schnelles Handeln angesagt, damit die
Diagnose gestellt und mit der Behandlung begonnen werden kann.

Diagnose

Auf den ersten Blick sieht der Inflammatorische Brustkrebs genauso wie die Brustentzündung aus, die aber hauptsächlich in der Stillzeit vorkommt.
Von dieser muss der Inflammatorische Brustkrebs unterschieden werden.

Das macht man am sichersten durch die sofortige Einnahme von Antibiotika. Diese sehr billige Methode ist heute nicht mehr sehr beliebt. Geht
aber am schnellsten, weil man gleich am nächsten Tag ein Ergebnis sieht und nicht wertvolle Zeit bei Warten auf ein MRT vertrödelt. Deshalb
nicht abwimmeln lassen!

Denn wenn es sich um eine bakterielle Entzündung handelt, sieht man sofort am nächsten Tag einen Rückgang der Entzündung.

Eine Entzündung durch Tumorzellen reagiert auf Antibiotika in der Regel nicht.

Deshalb muss, wenn die Reaktion auf die Antibiotika ausbleibt, sofort versucht werden, die Tumordiagnose zu sichern.

Manchmal ist das einfach, weil durch Ultraschall oder in der Mammographie sofort ein Tumor dargestellt werden kann. Manchmal aber auch nicht,
weil der Tumor gar nicht als darstellbarer Knoten sondern diffus wächst. Wenn der Tumor mit Bild gebenden Verfahren nicht dargestellt werden
kann, heißt das aber nicht, dass er nicht da ist. Das MRT bringt insofern nichts, weil sich im MRT dieses Karzinom oft nicht zeigt, genau wie in den
anderen Verfahren, wo diffuses Wachstum auch nicht dargestellt werden kann.

Dazu kommt manchmal noch, dass die Brust wegen der Entzündung zu schmerzempfindlich für die Mammographie ist.

In dem Fall kann man natürlich in dem ganzen entzündeten Gebiet eine Gewebeprobe entnehmen und histologisch untersuchen lassen. [Hinweis
Elisabeth-Rieping-Archiv: Diese Form der Diagnosesicherung kann sofort gemacht werden.]

Dann weiß man sofort Bescheid und vergeudet nicht wichtige Zeit beim Warten auf ein MRT.

Ohnehin ist auch die Untersuchung mittels MRT nicht sicher, da gerade das inflammatorische Karzinom nicht unbedingt in einer Form wächst, die
sich in den Bild gebenden Verfahren, also Ultraschall, Mammographie und MRT gut zeigen lässt.

Deshalb wiegt frau sich nach einem MRT, bei der kein Tumor nachgewiesen werden konnte, in einer unangebrachten Sicherheit.

Eine Sicherheit der Diagnose bringt nur die histologische Untersuchung.

Welche anderen Möglichkeiten muss man bei einem roten entzündlichen Ausschlag der Brust noch in Betracht ziehen?
Eigentlich nur allergische Reaktionen.

Nach Implantaten von Silikonkissen zum Brustwiederaufbau kommt es manchmal zu Rötungen, die nach einiger Zeit von selbst wieder abklingen.
Gegen solche Rötungen, die allergisch bedingt sind, kann man eine Kortisoncreme versuchen oder abwarten. Aber man sollte in der Hoffnung auf
eine Allergie als Grund nicht abwarten, besonders wenn man gar kein Silikon in der Brust hat. Denn diese Form des Brustkrebs - inflammatorisches
Mammakarzinom - tötet sehr schnell.

Veränderungen beim Inflammatorischen Brustkrebs (IBC)

Beim IBC sind mehrere Enzyme erhöht. Einmal die Zytokine Interleukin-6 und Interleukin 8 und dann die RhoC GTPase und die
Wachstumsfaktoren VEGF (vascular endothelial growth factor) und bFGF (basic fibroblast growth factor). Das Interleukin-6 steigt auch bei anderen
Brustkrebsen an, bevor man daran stirbt.

Dazu mehr unter Interleukin-6 und Brustkrebs.

Der Anstieg der RhoC GTPAse scheint dagegen für Inflammatorischen Brustkrebs typisch zu sein (Golen K 2000). Sie wird vermutlich von einem
Gen, das als "ras"Gen bezeichnet wird, gebildet,. Es war schon sehr lange von der Erforschung der RNA Tumorviren bekannt,, aber beim normalen
Brustkrebs spiel es keine große Rolle. Das ras Gen ist vermutlich ein normales zelluläres Gen, das auf eine noch unbekannte Weise aktiviert wird.
Eine Aktivierung könnte durch eine epigenetische Veränderung oder durch den Einbau eines RNA-Tumorvirus wie zum Beispiel des
Rinderleukämievirus BLV an dieser ungünstigen Stelle in oder vor dem ras Anschalter zustande kommen.

Dieses Virus - BLV - hat ein Krebs auslösendes Gen, ein sogenanntes Onkogen und kann insofern sowieso schon Krebs verursachen.
Wenn es aber an einer ungünstigen Stelle im Genom sitzt, kann es vermutlich wie viele andere RNA- Tumorviren zu der verstärkten Ablesung eines
Gens führen, genau das, was beim Inflammatorischen Brustkrebs gezeigt wurde, bei dem eben das ras Gen für die RhoC GTpase verstärkt abgelesen
wird. Man nennt diese Form der Veränderung von Genen "Insertionelle Mutagenese".

Frauen, die Inflammatorischen Brustkrebs haben, könnten deshalb zu denjenigen gehören, die mit einer besonderen Wahrscheinlichkeit von der
Behandlung mit einer Virus aktivierenden Substanz wie der Valproinsäure profitieren. Siehe Valproinsäure und Brustkrebs.

Es kann natürlich sein, dass die verstärkte Produktion der RhoC GTPase bei ihnen auf andere Weise zustande kommt. Aber da die
Überlebenschancen beim Inflammatorischen Brustkrebs so gering sind, ist das Valproat sicherlich einen Versuch wert. Und diese Behandlung ist
ausgesprochen einfach.
Wenn das Gen für die Rho GTPase angschaltet und zuviel von diesem Protein gebildet wird, führt das zu der oben angesprochenen Produktion von
Interleukin-8, VEGF und bFGF.

Wenn es also gelingt, die RhoC GTPAse zu hemmen, darf man darauf hoffen auch das Interleukin-8 und die Wachstumfaktoren VEGF und bFGF
gestoppt zu haben, denn deren Produktion ist von der RhoC GTPase abhängig. Nur das Interleukin-6 muss unabhängig davon angegangen werden.

Von den alten Unterschungen zum Onkogen ras weiss man, dass dessen Genprodukte durch Farnesyl-Transferase-Inhibitoren zu beeinflussen sind.
Und die wären dann möglicherweise das Mittel der Wahl gegen den Inflammatorischen Brustkrebs IBC (Golen KL 2002).

* Der Farnesyl-Transferase-Hemmer Tipifarnib wurde dann auch in einer Phase-II-Studie an Frauen mit fortschreitendem Brustkrebs getestet und
brachte nichts (Johnston SR 2007). Allerdings hatten die getesteten Frauen auch keinen Inflammatorischen Brustkrebs, sondern den ganz normalen
Brustkrebs und da dabei das ras Onkogen auch keine Rolle spielt, sagt das natürlich nicht, dass Tipifarnib nicht gegen den Inflammatorischen
Brustkrebs nützt. Die Arbeit wurde in London gemacht und vielleicht wären die Forscher in London an der Wirkung von Tipifarnib bei Frauen mit
IBC interessiert. Stephen R. Johnston Department of Medicine – Breast Unit, Royal Marsden NHS Foundation Trust, Fulham Road, Chelsea,
London, SW3 6JJ, UK ist per mail zu erreichen: Wenn man auf die Arbeit Johnson oben klickt, findet man die email Adresse.

Ein Ergebnis der oben beschriebenen Unersuchung von Stephen R. Johnston und anderen ist, dass der Farnesysl-Transferase-Inhibitor Tipifarnib
relativ gut vertragen wird.

Schering-Plough arbeitet an einem Farnesyl-Transferase-Hemmer namens Lonafarnib (SCH66336) (Basso AD 2007), jedoch auch nicht zum
Einsatz gegen Inflammatorischen Brustkrebs, sondern gegen den gewöhnlichen Brustkrebs. Das ist erstaunlich. Vielleicht weil der IBC so viel
seltener ist und sich die teure Forschung sonst nicht lohnt? Oder es gibt nicht genug Patientinnen für Untersuchungen? IBC ist ja selten.

Die Lonafarnib-Wirkung in Brustkrebszellen allgemein scheint Ähnlichkeiten mit der von Rapamycin zu haben. Rapamycin hat den Vorteil, dass
man es in der Apotheke kaufen kann. Aber ob es spezifisch gegen IBC wirkt, dazu gibt es keine Informationen (mehr zu Rapamycin und
Brustkrebs). Wahnsinnig viel scheint dabei aber nicht herauszukommen.

Hinweis:
Hier wird an Lonafarnib gearbeitet:

Department of Tumor Biology, Schering-Plough Research Institute, Kenilwort, New Jersey 07033, und zwar von Andrea D. Basso, Asra Mirza,
Gongjie Liu, Brian J. Long, W. Robert Bishop und Paul Kirschmeier.
Behandlung / Therapie

Ansonsten ist bis jetzt die einzig mögliche Standartbehandlung beim Inflammatorischen Brustkrebs die Chemotherapie.

Wenn sie erfolgreich verläuft, kann man zur Heilung eine Brustamputation eventuell anschließen.

Es gibt verschiedene Daten darüber, ob dies von Vorteil ist. Sie widersprechen sich aber, so dass man keine wirkliche Empfehlung geben kann.

Ich habe eine Radiojodbehandlung angeschlossen, die mir immerhin vier ruhige Jahre verschafft hat. Und ich habe meinen IBC jetzt mehr als fünf
Jahre überlebt. Jetzt habe ich wieder einen Brustkrebs. Er sieht von der Histologie ganz anders aus als der alte. Er hat viele Östrogen- und
Progesteronrezeptoren, so dass ich mir nicht sicher bin, ob es der alte oder ein neuer ist. (Meine Geschichte weiterlesen)

Ich habe deshalb die Radiojodbehandlung nochmals wiederholt und es sieht so aus, als ob mit Erfolg.

Aussichten bei Inflammatorischem Brustkrebs (IBC)

Man muss beim Inflammatorischen Brustkkrebs zwischen dem primären und dem sekundären Inflammatorischen Brustkrebs unterscheiden. Beim
primären Inflammatorischen Brustkrebs kann man mit Chemotherapie Erfolg haben, jedenfalls für ein paar Jahre.

Wenn man aber schon Brustkrebs hatte und man dann den sogenannten sekundären Inflammatorichen Brustkrebs bekommt, ist die Situation mit der
Chemo sozusagen aussichtslos. Weil die Krebszellen meist schon bei der ersten Chemo resistent werden. Wenn man es noch mal mit Chemo
versuchen will, kann man versuchen, die Resistenzen mit der gleichzeitigen Einnahme von Resveratrol zu bekämpfen. Weitere bei Brustkrebs
wirkende Pflanzengifte sind Kurkumin und Coenzym Q10, Kurkumin jedoch möglicherweise nur gegen die Ausbreitung von Metastasen. Man kann
es versuchen, genau wie die zusätzliche Einnahme der Fanesyltransferase-Inhibitoren. Aber man hat nur wenige Wochen Zeit. Für eine
Radiojodbehandlung, bei der die Schilddrüse herausgenommen werden muss, ist das knapp. Schnell wirkt auch die Valproinsäure. Und ich würde
sofort, während ich mit der Valproinsäure anfangen würde, mit der Vorbereitung der Radiojodbehandlung beginnen. Denn es ist immer gut, wenn
man noch was in petto hat.

Ich hatte im Juni 2002 primären Inflammatorischen Brustkrebs. Der Tumor wurde herausgenommen und dann getestet, welche Chemo wirken
könnte. Die Beste wurde genommen und es tat sich überhaupt nichts. Meine ganze linke Seite war genauso gerötet wie vorher. Ich hatte den Braten
schon gerochen, denn es dauerte ewig lange, bis sie sich überhaupt für eine Chemo-Kombination entschieden hatten und dann hatte ich gemerkt,
dass ich doppelt so viel FEC bekam wie die anderen Frauen. Ich ging am Krückstock, aber ohne Erfolg. Aber ich hatte meine Zeit genutzt, alles
vorbereitet und dann habe ich sofort mit der Radiojodbehandlung angefangen. Wenn ich die Zeit nicht genutzt und schon während der leider
vergeblichen Chemo alles vorbereitet gehabt hätte, wer weiss, ob ich ohne Handlungsalternative nicht einfach verzweifelt wäre.

Nachdem dann nach histologischer Untersuchung und auch erkennbar am Verschwinden der Hautrötung alles verschwunden war, habe ich nach
einiger Zeit angefangen, zusammenzusuchen was man bei Metastasen sonst noch machen kann. (Link zu der angefangenen Seite: Was tun bei
Brustkrebsmetastasen?)

Durch die Sammlung habe ich jetzt das Glück, dass ich beim Wiederauftreten von Metastasen sofort etwas machen könnte. Mit Erfolg. Ich hoffe, er
hält lange an.

Lebenserwartung beim primären Inflammatorischen Brustkrebs

Hier ist eine neue Arbeit über die Situation beim primären Inflammatorischen Brustkrebs IBC heute (Gonzale-Angulo A 2007). Leider auf
englisch. Was schreiben sie?

Vor 1974 lag die 5-Jahres-Überlebensrate beim primären, also direkt bei der Diagnose auftretenden IBC unter 5%. Meist überlebten die Frauen nur
etwas über 1 Jahr. Behandelt wurde damals wohl kaum. Denn eine Operation kam ja nicht mehr in Frage und so blieb nur die Bestrahlung. Damit
kam man also auf etwa 1,2 Jahre Überlebensdauer bei den meisten Patientinnen, mit Ausnahmen. Auch damals gab es einzelne Patientinnen, die
länger lebten. Es ist schade, dass solche Frauen nicht gefragt werden, was sie vielleicht gemacht haben, um zu überleben. Das könnte ja wichtige
Informationen bringen. Ist aber ein Ansatz, der nicht gewählt wird.

Nach 1974 wurde mit Chemo, Bestrahlung und allem was man so kennt, behandelt, und die Überlebensdauer steig an.

Die weitere Ausweitung der Behandlungsmöglichkeiten brachte aber keinen Durchbruch. Immerhin sollen jetzt zwischen 20 und 30% der Frauen
fünf Jahre überleben. Insofern bringt die Behandlung bei IBC, also die Chemo, große Vorteile. Aber die ganzen Anstrengungen nach 1974 lassen
einen Superdurchbruch vermissen.

Was gibt es sonst noch zum IBC

Einige Zytokine sind speziell beim IBC erhöht, nämlich MCP-1, MIP-1beta und IL-8 (Chavey C 2007).
Originaltexte archive.org:

http://web.archive.org/web/20071216010859/http://www.erieping.de/bkIBC.htm

http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/inflammatorischer_brustkrebs.htm