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TRADERS´ extra 3

Ein Markt in aller Munde


 Haben Sie auch schon von dem Forex Mit diesem gewachsenen Interesse an möglichkeiten auch einen Blick auf die Risi-
gehört? Diesem Ort, an dem man angeb- einem Anlagevehikel ist eine ganze Branche ken zu werfen. Ein Hebel von 200, den man
lich mühelos ein Vermögen machen kann? neu entstanden, die der Forexbroker. beinahe nur in diesem Markt handeln kann,
Ob als Anfänger, Profi, Unbegabter oder Mittlerweile gibt es eine Heerschar von Bro- wirkt nicht nur im Gewinnfall und ist im
Genie, dort kann jedermann in neue kern, die sich ausschließlich auf den Inter- Verlustfall wesentlich beeindruckender.
Trading-Dimensionen vorstoßen und in kur- banken-Handel konzentrieren. Man muss Dies haben viele Broker auch erkannt und
zer Zeit zum Millionär aufsteigen. festhalten, dass man als Anleger an diesem bieten ihren Kunden neben den bereits
Um Sie auf diesem Weg zum Millionär zu Markt herausragend behandelt wird. Die oben genannten Mitteln zum Handel auch
unterstützen, wollen wir Sie mit dieser Son- Konkurrenz ist groß und entsprechend ver- Ausbildung an. Zahllose Online-Kurse,
derausgabe von TRADERS´ mit dem notwen- sucht jeder Broker seinen Kunden das bes- Webinare, Seminare und Broschüren stehen
digen Rüstzeug ausstatten, damit der Weg te Angebot zu machen. Das führt zu extrem Ihnen kostenlos zur Verfügung. Nutzen Sie
dorthin möglichst reibungslos verläuft. niedrigen Gebühren, tollen Handels- die Möglichkeiten.
So, jetzt schalten wir einen Gang zurück plattformen, exzellentem Service, unglaub- In dieser Sonderausgabe von TRADERS´
und begeben uns wieder auf den Boden der licher Hebelwirkung und noch einigem haben wir uns das Ziel gesetzt, Sie auf we-
Realität. Natürlich haben Sie sofort gemerkt, mehr. nigen Seiten mit den Grundlagen dieses für
dass der erste Absatz so nicht ganz stimmen Aber hier liegt auch ein wenig die Ge- Viele unbekannten Marktes vertraut zu ma-
kann. Ich habe natürlich übertrieben. Aber fahr. Vor allem unerfahrene Trader wissen chen. Sie werden lernen, welches die Me-
schon oft nutzte die Sprache die Übertrei- oft nicht mit den Mitteln, die ihnen zur Ver- chanismen sind, die den Forex bewegen,
bung als stilistisches Mittel um subtil auf fügung gestellt werden, umzugehen. Ver- was Sie wissen müssen, um erfolgreich zu
Ungereimtheiten aufmerksam zu machen. gleichen Sie dies mit einem Fahranfänger, handeln, dass technische Analyse in unter-
Stimmt also etwas nicht mit dem Forex? der einen Ferrari bekommt. Natürlich weiß schiedlichen Märkten durchaus unter-
Nun, so kann man das nicht sagen. Aber er Gas und Kupplung zu bedienen und am schiedlich zu handhaben ist, dass Forex-
beinahe hat es den Anschein, als wäre an Lenkrad zu drehen. Dennoch besteht die trader sich auch fundamental orientieren
den Märkten eine neue Goldgräber- Gefahr, bei der ersten schnell gefahrenen müssen und noch einige Besonderheiten
stimmung ausgebrochen. Seit dem Zusam- Kurve die Kühe auf der Weide zu besuchen. mehr, die Sie in anderen Märkten nicht fin-
menbruch der Aktienmärkte zu Beginn des Und so ist es beim Forex auch. Es mag der den. Im zweiten Teil, der gegen Ende des Jah-
Jahrtausends und dem folgenden Mangel Anschein bestehen, man hat es mit einem res erscheint, werden wir Sie dann darüber
an Volatilität an den Börsen haben sich an- „Get rich quick“-Schema zu tun. In Wahrheit hinaus mit konkreten Strategien versorgen,
dere Märkte in das Sichtfeld der Anleger befindet man sich in einer der Königs- mit denen sich Devisen profitabel handeln
gespielt. Zu nennen sind in erster Linie Roh- disziplinen des Tradings und nur wer weiß lassen. Zunächst aber wünsche ich Ihnen viel
öl und Gold, aber auch viele andere Rohstof- was er tut und wohl auch ein gewisses Maß Spaß beim Lesen und immer, Ã
fe haussieren und wecken die Sehnsucht Wissen und Erfahrung einbringen kann,
nach exorbitanten Kursgewinnen. Und im wird in diesem Markt bestehen und hat die Good Trading.
Zuge des Dollarverfalls haben sich auch die Möglichkeit, nachhaltig Geld zu verdienen.
Devisen und damit der Forex als äußerst in- Aus diesem Grund ist es extrem wichtig,
teressant erwiesen. gerade als Anfänger neben den Verdienst- Herzlichst, Ihr Lothar Albert
4 TRADERS´ extra

Impressum
Verlag |
6 | Devisen
TRADERS´ media GmbH Lange Zeit verkannt, jetzt hat eine ganze Industrie das 28 | Fundamentale Analyse
Beethoven Center • Beethovenstr. 1a Potenzial der Devisen entdeckt. Auch Privatanleger können Die klassischen Wechselkursmodelle und wie sie wirken.
D 97080 Würzburg profitieren.
Tel +49 931 45226 0
Fax +49 931 45226 13
E-Mail info@traders-mag.com

Herausgeber | Lothar Albert

Abonnentenservice |
www.traders-mag.com
abo@traders-mag.com
Tel 0931 45226 15, Fax 0931 45226 13

Anzeigen |
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Tel +49 931 45226 0
Fax +49 931 45226 13
32 | Commitment of Traders
E-Mail info@traders-mag.com 10 | Handelsinstrumente Die Sentiment-Analyse im Devisenmarkt: Ein wichtiger Aspekt.
Welche Instrumente ermöglichen den Handel von Devisen?
Redaktionsanschrift |
TRADERS´ media GmbH
Beethoven Center • Beethovenstr. 1a
97080 Würzburg
Tel +49 931 45226 0
Fax +49 931 45226 13

Chefredakteur | Lothar Albert 38 | Currency Carry Trade


So handeln Profis: Eine von Hedge-Fonds häufig
Redaktion | Damian Dillon, Isabel Gold, Tina
Gürtler, Anja Hendrickson, Philipp Mattheis, umgesetzte Strategie am Devisenmarkt.
Dennis Metz, Uwe Norden, Stefan Rauch

Druck | H.R.G. spol. s r.o, J.E. Purkyne 916,


CZ 570 01 Litomysl 16 | Charakteristik des Fx-Markts
Wer ist eigentlich dieser Forex?
Bezugspreise | kostenlos

Bezugsbedingungen |
TRADERS´ extra ist kostenlos und wird ausschließ-
lich zusammen mit TRADERS´ ausgeliefert. 40 | Korrelation
Eines der wichtigsten Konzepte die man am Devisenmarkt
Bankverbindung TRADERS´ media GmbH | kennen sollte, um sich nicht unnötigen Risiken oder
Sparkasse Mainfranken (BLZ 790 500 00),
Gefahren auszusetzen.
Kto-Nr. 44 008 555

Risikohinweis |
Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir
für glaubwürdig halten. Trotz sorgfältiger Bear-
beitung können wir für die Richtigkeit der Anga-
ben keinerlei Gewähr übernehmen. Zudem müs-
sen wir darauf hinweisen, dass Wertpapier-
geschäfte ein hohes Risiko beinhalten. Ein Total-
verlust ist niemals auszuschließen. Sie sollten nur
mit Kapital spekulieren, dessen Verlust Sie auch
verkraften können.

Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit schrift- 22 | Crossrates 44 | Technische Analyse


licher Genehmigung des Verlages bzw. des Her- Ein Großteil des Volumens am Devisenmarkt wird in Jeder kennt die technische Analyse, aber am Forex gelten
ausgebers erlaubt.
Quotierungen gegen den US-Dollar gehandelt. Und sonst? einige Besonderheiten.
6 TRADERS´ extra

Devisen –
der Aufstieg vom verkannten Investment
zur eigenen Anlageklasse

Obwohl Devisen in der Finanzwelt allgegenwärtig sind, fristeten sie im privaten Handel
lange Zeit ein Schattendasein. Lange Jahre wurden vor allem Rohstoffe als ideale Bei-
mischung für die Depots von Privatanlegern empfohlen. Obwohl sich mit Metallen, Öl
und Co. in den letzten Jahren viel Geld verdienen ließ, schrecken die ungünstigen
Handelsbedingungen, die zum Teil sehr hohe Volatilität und die bereits stark gestiege-
nen Kurse Investoren häufig ab. Viele Anleger schauen sich daher nach Alternativen zu
Rohstoffen oder einer weiteren Beimischung zum Depot um.

 Inzwischen empfehlen viele Anlageberater daher auch Devisen ren langsam auch für Privatpersonen. Der so genannte Interbanken-
als Anlageklasse – für Profis des Devisenmarktes keine große Über- handel ist zwar nach wie vor nur für große Banken zugänglich, Pri-
raschung. Hier werden Devisen vor allem wegen der langen Trends vatpersonen haben aber inzwischen eine Vielzahl an Möglichkei-
und den günstigen Handelsbedingungen geschätzt. Für Privatan- ten, von den Wechselkursschwankungen zu profitieren. Beliebt sind
leger dagegen stellten sie bis vor kurzem in der Regel lediglich eine vor allem FX-Broker, die den Kassa-Handel zu günstigen Konditio-
Begleiterscheinung beim Kauf von ausländischen Wertpapieren nen erlauben. Alternativen dazu sind vor allem der Handel mit Fu-
oder Reisen in fremde Länder dar – obwohl der Devisenmarkt mit tures oder Hebelprodukten.
Abstand der größte Finanzmarkt der Welt ist. Spätestens seit dem Diese Entwicklungen und die daraus resultierende steigende
starken Anstieg des Euros in den Jahren 2002 bis Ende 2004 erfreu- Beliebtheit haben dazu geführt, dass sich Devisen als eigenständi-
en sich Devisen aber auch unter Privatpersonen einer steigenden ge Anlageklasse durchgesetzt haben. Dieser Entwicklung trägt auch
Beliebtheit – nicht nur unter kurzfristig agierenden Tradern, son- das Anfang des Jahres in Kraft getretene Investmentmoderni-
dern auch bei mittel- bis langfristig orientierten Privatanlegern. sierungsgesetz in Deutschland Rechnung. Dieses führt Devisen
Aber nicht nur die Kursentwicklung führte zu dem gesteiger- ebenfalls explizit als eigene Assetklasse ein. Damit ist es klassischen
ten Interesse: der bislang vor allem Banken, Finanzinstituten und Investmentgesellschaften nun auch möglich, Devisen nicht nur zur
großen Firmen vorbehaltene Markt öffnete sich in den letzten Jah- Absicherung gegen Wechselkursschwankungen zu nutzen, sondern
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in darauf ausgerichteten Fonds auch direkt auf die Bewegungen Knapp 90 Prozent der Umsätze findet in den Notierungen gegen
an den Devisenmärkten zu spekulieren. den US-Dollar statt, daher wird dieser auch als internationale Leit-
währung bezeichnet.
Vorteile von Devisen Weitere Vorteile von Devisen sind beispielsweise der Handel
Die steigende Beliebtheit von Devisen kommt nicht von ungefähr. rund um die Uhr. Kurslücken sind daher im Devisenhandel ver-
Sie weisen gegenüber anderen Anlageklassen eine Reihe an Vor- gleichsweise selten, Stopp-Orders werden meist mit keiner oder nur
teilen auf. geringer Slippage ausgeführt. Auch Bilanzskandale wie der Enron-
Mit Devisen kann man sowohl von steigenden als auch von fal- Fall oder ein Börsencrash wie 1987 sind am Devisenmarkt nicht
lenden Kursen profitieren. Da bei einem Devisengeschäft stets zwei möglich.
Währungen involviert sind („Tauschgeschäft“ – Kauf einer Währung
und gleichzeitiger Verkauf einer anderen Währung), kann man auch Korrelation – unabhängiges Instrument
bei negativen Erwartungen für den Wechselkurs Geld verdienen. Der für langfristige Investoren aber vermutlich wichtigste Vorteil
Am Aktienmarkt dagegen lassen sich häufig nur positive Progno- von Devisen ist die geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen.
sen umsetzen; das „Short-Selling“ ist mit einer Reihe von Nachtei- Unter der Korrelation versteht man den Zusammenhang zwischen
len und Schwierigkeiten verbunden. der Entwicklung der FX-Wechselkurse und den Kursbewegungen
Ein weiterer Vorteil sind die geringen Transaktionskosten. So anderer Anlageklassen. Laut der modernen Portfoliotheorie sinkt
beträgt der Spread (die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs)
beim EUR/USD meist nur zwischen 0,0001 und 0,0004 US-Dollar (1-
4 Pips). Da bei vielen Brokern im privaten FX-Handel neben dem
Spread keine weiteren Gebühren anfallen, betragen die
Transaktionskosten somit prozentual betrachtet lediglich 0,03 Pro-
zent (Spread von 4 Pips bei einem Wechselkurs von 1,20). Bei exoti-
schen Währungspaaren ist der Spread allerdings in der Regel deut-
lich höher.
Die geringen Spreads sind vor allem auf die hohe Liquidität am
Devisenmarkt zurückzuführen. Das durchschnittliche Tagesvo-
lumen im Kassa-Handel lag im Jahr 2004 bei mehr als 600 Milliar-
den US-Dollar. Betrachtet man den gesamten Devisenmarkt, sum-
mieren sich die täglichen Umsätze auf knapp 1900 Milliarden US-
Dollar. Neuste Schätzungen gehen sogar von einem weiteren An-
stieg auf beinahe 2400 Milliarden US-Dollar aus. Ein Großteil der B1) Renditevergleich
Umsätze konzentriert sich auf die Majors („größten Währungen“: Rendite einer EUR/USD long-Position im Vergleich zu einem Investment
US-Dollar, Euro, Japanischer Yen, Schweizer Franken und Britisches in den S&P.
Quelle: Bloomberg
Pfund), das Volumen in allen anderen Währungen ist recht gering.
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durch die Diversifikation auf mehrere, unkorrelierte Anlagen das wicklung die Rendite aus der Aktienanlage noch weiter erhöhen.
Risiko – ohne dass sich dies negativ auf die erwartete Rendite aus- Ein amerikanischer Investor, der von 2001 bis Mitte 2004 in Werte
wirken muss. Verteilt man sein Kapital auf mehrere Anlageklassen des Dow Jones investierte, erreichte eine Rendite von knapp fünf
bzw. Anlagen, kann man somit bei geringerem Risiko den gleichen Prozent. Ohne Absicherung gegen Wechselkursschwankungen hät-
Ertrag erwirtschaften. te ein Schweizer Investor dagegen beinahe 30 Prozent verloren –
Fallen beispielsweise die Aktienkurse kommt es häufig zu Kurs- die Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken
gewinnen bei Immobilien. Hat man beide Anlageklassen im De- hätte die Gewinne aus der US-Aktienanlage im negativen Sinne
pot, gleichen sich die Schwankungen normalerweise zumindest mehr als „kompensiert“.
teilweise aus. Da sowohl Aktien als auch Immobilien einen positi- Auf Anlagen im Ausland haben somit nicht nur die Erträge aus
ven Erwartungswert aufweisen, ergibt sich langfristig eine positive der Anlage an sich, sondern auch die Wechselkursentwicklung ei-
Rendite bei geringeren Schwankungen (sprich Risiko). Den gleichen nen Einfluss. Das so genannte Wechselkursrisiko überlagert in ei-
Effekt hat auch die Beimischung von Devisen zu einem bereits be- nem Portfolio unterschiedliche Anlageklasse wie Aktien, Renten
stehenden Portfolio. oder Immobilien. Bisher wurde häufig entweder das Portfolio gar
Langfristig gesehen bewegen sich Devisen vergleichsweise nicht gegen Wechselkursschwankungen abgesichert, oder das
unabhängig von den Schwankungen an anderen Märkten – wobei Währungsrisiko wurde durch Termingeschäfte vollständig eliminiert
es auch hier Ausnahmen gibt. So lassen sich klare Zusammenhän- (im Fachjargon als „Hedging“ bezeichnet).
ge vor allem zwischen dem Kanadischen Dollar, dem Australischen Erwartet man eine Aufwertung der Währung, in der man mo-
Dollar und Rohstoffen erkennen. Auch bestand lange Zeit ein in- mentan Wertpapiere hält, kann es je nach Risikoneigung dement-
verser Zusammenhang zwischen Gold und dem US-Dollar, der sich sprechend durchaus empfehlenswert sein, das Wechselkursrisiko
in den letzten Monaten aber zunehmend aufgelöst hat. nur teilweise abzusichern. Fällt beispielsweise während des Anlage-
zeitraums der Wechselkurs des EUR/USD von 1,20 auf 1,10, so pro-
Absicherung fitiert man von dieser Entwicklung zusätzlich. Hat man für seine
Bisher kamen Investoren mit Devisen und darauf basierenden Euros am Anfang noch 1,20 US-Dollar bekommen, muss man nun
Finanzinstrumenten vor allem bei der Absicherung gegen Kurs- lediglich noch 1,10 US-Dollar für einen Euro bezahlen. Investitio-
schwankungen in Berührung. Investiert man als europäischer In- nen in anderen Währungsräumen sind somit stets auch eine Anla-
vestor sein Geld in Wertpapiere in den USA, hängt der tatsächliche ge in die fremde Währung – wenn man die ungesicherten Devisen-
realisierte Ertrag nicht nur von der Entwicklung der Wertpapiere bestände („Exposure“) nicht durch Termingeschäfte absichert.
ab. Auch der Wechselkurs zum Zeitpunkt der Konvertierung der
Erträge hat einen großen Einfluss auf das Gesamt-Resultat. Renditen
Legt man sein Kapital beispielsweise in amerikanischen Aktien Neben einer Reihe an Vorteilen gegenüber anderen Anlageklassen
an, muss man seine Euros erst in US-Dollar tauschen und kann da- bieten Devisen auch interessante Ertragschancen. Sie präsentieren
mit anschließend in New York Aktien kaufen. Nun unterliegt man sich als interessante Alternative zu den Aktienmärkten, von dem
zwei Risiken: der Wechselkursentwicklung und der Entwicklung des sich viele Anleger aufgrund der enttäuschenden Kursentwicklung
Aktienkurses. Rechnet man mit einer negativen Wechselkurs- nach dem Boom im Jahr 2000 abwendeten. Mit dem Währungs-
entwicklung, lassen sich die Risiken durch Termingeschäfte absi- handel hat man die Möglichkeit, sich von dem „Auf und Ab“ an den
chern. Geht man dagegen von einer positiven Wechselkursent- Aktien- und Rentenmärkten abzukoppeln. Aber nicht nur durch den
wicklung aus, so können die Erträge aus der Wechselkursent- direkten Währungshandel, sondern auch durch Anlagen in Wert-
papiere von anderen Währungsräumen kann es zu zusätzlichen Er-
trägen kommen. Häufig werden die Ertragschancen aus dem Devi-
senhandel von Investoren allerdings unterschätzt. Historisch betrach-
tet übersteigen die Wechselkursbewegungen die Schwankungen an
den Aktienmärkten aber häufig (vgl. Bild 1). Kurzfristig agierende
Trader haben des Weiteren meist die Möglichkeit, auf Margin zu han-
deln. Somit wird für den Handel lediglich noch eine geringe
Sicherheitsleistung benötigt und es ergibt sich ein Hebel auf das ei-
gene Kapital.
Im Gegensatz zum Aktienmarkt ist der Buy- & Hold-Ansatz am
Devisenmarkt aber wenig sinnvoll. Trends erstrecken sich zwar häu-
fig auf Zeiträume von mehreren Monaten bis hin zu einigen Jah-
ren, selten aber über längere Zeiträume. Lediglich in Währungen
aus „Emerging Markets“ – aufstrebenden Wirtschaftsräumen – er-
B2) Barclay Currency Trader Index scheinen auch Investments mit einem zeitlichen Horizont von mehr
Quelle: Bloomberg
als drei Jahren sinnvoll. Um von den Wechselkursschwankungen
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schuldet hat, müssen die Rückzahlungen somit ebenfalls in der


Fremdwährung stattfinden – in diesem Beispiel also in Yen. Hierfür
müssen zum jeweiligen Zeitpunkt die erforderlichen Devisen ge-
kauft werden.
Somit unterliegt man dem Risiko, dass sich der Wechselkurs
während des Finanzierungszeitraums zu seinen Ungunsten ändert.
Es kann daher vorkommen, dass man einen – betrachtet in der
Heimatwährung - „höheren“ Kreditbetrag zurückzahlen muss als
man am Anfang aufgenommen hat. Auf der anderen Seite besteht
aber auch die Chance, dass sich der Wechselkurs zu seinen Gunsten
verändert. In diesem Fall profitiert man nicht nur von den geringe-
ren Zinsen, sondern auch der Rückzahlungsbetrag verringert sich.
Eine Absicherung des Wechselkurses über Terminkontrakte ist
B3) USD/KRW in der Regel wenig sinnvoll: diese spiegeln die Zinsdifferenz zwi-
Aufwertung des Koreanischen Wons.
Quelle: Bloomberg
schen den beiden Währungsräumen wieder und machen somit die
Zinsersparnis zu Nichte. Geht man dagegen von einem unverän-
derten Wechselkurs oder sogar einer Aufwertung der heimischen
profitieren zu können ist somit ein aktives Management des Kon- Währung aus, stellen Fremdwährungskredite eine interessante Al-
tos notwendig. Dafür lässt sich dann allerdings von steigenden als ternative dar.
auch von fallenden Wechselkursen profitieren.
Emerging Markets
Hedge-Funds Vor allem Währungen aus Schwellenländern („Emerging Markets“)
In dem häufig als „Königsklasse der Spekulation“ bezeichneten stellen sich als interessante Anlagemöglichkeit dar. Bild 3 zeigt
Devisenmarkt sind natürlich auch Hedge-Funds aktiv. Das von die- beispielsweise die sich über mehrere Jahre hinweg erstreckende
sen gehandelte Volumen und somit ihr Einfluss auf den Devisen- Aufwertung des koreanischen Won. Den großen Chancen stehen
markt ist im Laufe der vergangenen Jahre ständig gewachsen, so aber eine Reihe an besonderen Risiken gegenüber. Bei einem In-
dass diese Gruppe inzwischen zu den wichtigsten Marktteil- vestment in eine solche Währung sollte man vor allem auf die poli-
nehmern gehört. Eine der beliebtesten Strategien im FX-Handel ist tische Stabilität, das Wirtschaftswachstum und die Stellung bzw.
der so genannte Carry Trade. Aus diesem Grund wird diesem An- Unabhängigkeit der Notenbank in dem Währungsraum achten.
satz ein eigener Artikel in diesem Special gewidmet (Seite 36). Die Währungen vieler Entwicklungsländer sind allerdings an den
Aufschluss über die im Devisenmarkt möglichen Renditen er- US-Dollar gekoppelt oder aufgrund von Beschränkungen nicht frei
laubt der von Barclay erstellte Currency Trader Index (vgl. Bild 2). handelbar. Um dennoch an der Wechselkursentwicklung von nicht
Dieser basiert auf der Performance von mehr als 100 aktiv ge- frei konvertierbaren Währungen zu partizipieren oder Währungs-
managten FX-Mandaten und Hedge-Funds. Die durchschnittliche, bestände abzusichern, nutzen institutionelle Marktteilnehmer sowie
thesaurierte Performance beläuft sich demnach auf mehr als zehn große Unternehmen häufig NDF’s (Non-Deliverable Forwards). Im
Prozent p.a. Besonders auffällig ist die geringe Korrelation zu ande- Gegensatz zu einem herkömmlichen Forward werden hierbei die
ren Anlageklassen: die Erträge verhalten sich völlig unabhängig zu Devisen nicht tatsächlich ausgetauscht, sondern es findet lediglich
Aktien (Korrelation zu S&P 500: -0,04) und Anleihen (Korrelation zu ein Barausgleich über die Wechselkursentwicklung statt.
Bonds: 0,13).
Fazit
Fremdwährungskredite Das liquideste aller Finanzinstrumente erfuhr lange Zeit als Asset-
Fremdwährungskredite erfreuen sich seit einigen Jahren einer stei- Klasse keine Beachtung. Erst seit einigen Jahren werden Devisen
genden Beliebtheit. Vor allem in Österreich sind sie inzwischen eine nicht nur als „notwendiges Übel“ betrachtet, sondern als eigenstän-
weit verbreitete Form um Immobilien zu finanzieren. dige Investitions-Möglichkeit.
Ziel ist es, einen geringeren Zins als in der eigenen Heimat- Devisen eignen sich nicht nur für kurzfristig orientierte Trader,
währung zu zahlen. Bei einem Fremdwährungskredit wird der Kre- sondern auch als Anlageinstrument für mittel- bis langfristige An-
dit statt in der Heimatwährung in einer Fremdwährung aufgenom- leger. Dabei weisen sie im Vergleich zu anderen Anlageklassen ei-
men. Aufgrund der geringen Zinsen bot sich in den vergangenen nige Vorteile auf, vor allem die geringe Korrelation zu anderen
Jahren hierfür primär die japanische Währung an. Der Kreditbetrag Finanzinstrumenten. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie man von
wird dabei allerdings nicht in Yen ausgezahlt, sondern sofort in die den Kursschwankungen an den Devisenmärkten profitieren kann.
Heimatwährung konvertiert. Die Zinsen und die Rückzahlung der Man muss nicht zwingend direkt mit Devisen handeln, sondern
Kreditsumme finden in jener Währung statt, in welcher der Kredit kann beispielsweise auch über Anlagen in fremden Währungs-
aufgenommen wurde. Da man sich in einer Fremdwährung ver- räumen indirekt von den Kursschwankungen profitieren. Ã
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Handelsinstrumente –
Profitieren von Wechselkursschwankungen

Häufig stellt sich Einsteigern, die sich für den Handeln mit Devisen interessieren, die Frage, wie
sie von Wechselkursschwankungen profitieren können. Im Gegensatz zum Aktienhandel er-
scheint der Handel mit Devisen hierbei häufig komplex und intransparent. Ein grundlegendes
Problem für Interessenten ist vor allem die Wahl eines geeigneten Handelsinstruments.

 Interbanken-Markt nem Wechselkurs von 1.20, muss die Citibank der Deutschen Bank
Devisen werden primär im Interbanken-Markt gehandelt. Hier han- 12 Millionen US-Dollar überweisen. Sie erhält dafür 10 Millionen
deln große Banken und Unternehmen direkt untereinander, ohne Euro von der Deutschen Bank.
den Umweg über einen zentralen Marktplatz zu gehen. In diesem Im Gegensatz zu Kassageschäften weisen (Outright-) Forwards
außerbörslichen Handel („over the counter“, OTC) werden primär ein Erfüllungsdatum auf, das in der Zukunft liegt. Sie werden daher
Devisen per Kasse, (Outright-) Forwards und Swaps gehandelt. der Gruppe der Termingeschäfte zugeordnet. Bei einem Spot-Han-
Der Handel mit Devisen per Kasse ist der klassische Devisen- del liegen Verpflichtung und Erfüllung – d.h. die Lieferung der
handel. Hierbei tauschen die beiden beteiligten Handelspartner die gehandelten Devisen – direkt aufeinander. Forwards dagegen wei-
gehandelten Devisen untereinander aus. Handelt die Citibank mit sen häufig Laufzeiten von einigen Jahren auf. Obwohl der Wech-
der Deutschen Bank beispielsweise 10 Millionen EUR/USD bei ei- selkurs und damit auch die auszutauschenden Beträge bereits heu-
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te vereinbart werden, findet der tatsächliche Austausch der Devi- Zu den bekanntesten Derivaten zählen Futures, Optionen und
sen erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Zukunft statt („Verpflich- Hebelzertifikate. Der Handel in diesen Produktkategorien hat seit
tung heute, Lieferung in der Zukunft“). Mitte der 80er Jahre stark zugenommen. Neben den klassischen
Unter einem Swap versteht man eine Tauschvereinbarung zwi- Basiswerten wie Indizes und Rohstoffen gibt es inzwischen auch
schen zwei Marktteilnehmern. Ein Swap-Geschäft ist eine Kombi- Derivate auf beispielsweise das Wetter oder auf Kredite.
nation aus meist einem Kassa- mit einem Termingeschäft. Zum Bei- Neben der klassischen Spekulation werden Derivate auch zur
spiel wird bei einem Swap eine Währung per Kasse verkauft und Absicherung von Risiken genutzt. Beim so genannten Hedging wird
gleichzeitig auf Termin zurückgekauft. Somit „leiht“ man sich für neben dem ursprünglichen Geschäft eine weitere Position aufge-
die Laufzeit des Termingeschäfts die fremde Währung. Da der Rück- baut, welche mögliche Kursverluste aus dem ersten Geschäft kom-
tauschkurs bereits heute fixiert wird, besteht bei dieser Transakti- pensiert. Dies wird meist über ein Termingeschäft realisiert. Im
on kein Wechselkursrisiko. Ein Devisen-Swap spiegelt somit lediglich Devisenhandel ist das Hedging vor allem für Investoren und für
den Zinsunterschied wieder, der aus den Anlagen in den unter- Unternehmer interessant, die einen Teil ihrer Erträge in einem an-
schiedlichen Währungen resultiert. deren Währungsraum erwirtschaften.
Unter anderem beim Handel mit Futures wird man unweiger-
Devisenhandel für Private lich auch mit dem Konzept der Margin konfrontiert. Hierunter ver-
Der Kassa- und Forward-Handel (Outrights und Swaps) ist den Teil- steht man eine Sicherheitsleistung, die man bei seinem Broker hin-
nehmern am Interbanken-Markt vorbehalten. Wie aber kann man terlegen muss. Um eine Position einzugehen, muss man nicht den
als Privatanleger von den Schwankungen an den Devisenmärkten gesamten Gegenwert des Futures auf dem Konto besitzen. Statt-
profitieren? Die nahe liegendste Lösung – das Umtauschen von Bar- dessen werden die Gewinne und Verluste aus offenen Positionen
geld bei einer lokalen Bank in die fremde Währung – ist leider nur mit der hinterlegten Sicherheitsleistung verrechnet. Da man somit
wenig praktikabel und aufgrund der hohen Gebühren, der einge- nicht über den gesamten gehandelten Betrag vollständig verfügen
schränkten Öffnungszeiten und der geringen Flexibilität auch nur muss, ergibt sich auf das hinterlegte Kapital eine Hebelwirkung. Dies
wenig Erfolg versprechend. Im Laufe der letzten Jahre haben sich ist vor allem im Devisenhandel interessant, da hier die täglichen
aber eine Vielzahl an Möglichkeiten etabliert, mit deren Hilfe man Schwankungen im Vergleich zu anderen Handelsinstrumenten zum
auch als Privatanleger von den Wechselkursschwankungen profi- Teil gering sind. Dank der hohen möglichen Hebelwirkung lassen
tieren kann. sich so trotz der teilweise nur geringen Schwankungen auch im
Generell haben Privatpersonen die Möglichkeit, entweder über Devisenhandel hohe Gewinne realisieren.
einen Broker indirekt am Interbanken-Markt teilzunehmen oder
über regulierte, an einer Börse gelistete Instrumente, die sich am Kassahandel
Spot-Kurs orientieren oder an diesen gebunden sind, an Die klassische Devisentransaktion gibt es in leicht abgewandter
Wechselkursschwankungen zu partizipieren. Form auch im privaten Fx-Handel. Die Basistransaktion wird im Fach-
In diesem Artikel werden die am weitesten verbreiteten Han- jargon häufig auch als Spot-Geschäft, der daraus resultierende
delsinstrumente und deren Funktionsweise vorgestellt. Auf eine Wechselkurs als Spot-Rate bezeichnet. Einige Broker bieten zusätz-
ausführliche Schilderung des Aufbaus und der Arbeitsweise der Pro- lich auch den Handel mit Forwards an. Mit der zunehmenden Ver-
dukte wird verzichtet, da diese Themengebiete bereits von einer breitung des Internets haben sich mehrere Broker etabliert, die den
ausreichenden Anzahl an Büchern abgedeckt werden. Stattdessen Handel von Devisen über Online-Handelsplattformen anbieten.
werden die Besonderheiten der Produkte beim Devisenhandel be- Im Vergleich zum Kassahandel im Interbanken-Markt kommt
leuchtet sowie die Vor- und Nachteile der Instrumente aufgelistet. es aber in der Regel nicht zu einer Lieferung der entsprechenden
Devisen, sondern der Trade wird so lange „gerollt“, bis die Position
Grundlegende Konzepte – mit einer entgegengesetzten Order glattgestellt wird. Es findet so-
Derivate, Margin und Hebelwirkung mit bei den meisten Brokern lediglich ein Barausgleich über die Dif-
Im Gegensatz zu herkömmlichen Finanzprodukten wie ferenz zwischen Ein- und Ausstiegskurs statt.
beispielsweise Aktien oder Anleihen, deren Preis sich durch Ange- Ein großer Vorteil des Fx-Handels über einen Broker ist der Han-
bot und Nachfrage bildet, leitet sich der Marktwert eines Derivats del rund um die Uhr. Devisen werden an Werktagen rund um die
von dem Preis eines anderen Handelsinstruments ab. Die Wert- Uhr gehandelt, und auch die meisten Broker offerieren den 24-Stun-
entwicklung eines Derivats ist somit immer an die Wertentwicklung den-Handel. Auch wenn man nicht die ganze Zeit den Markt selbst
des so genannten Basiswertes gekoppelt. verfolgt, so werden zumindest Stopps zeitnah und somit ohne große
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Slippage ausgeführt. Auch für Berufstätige, die abends noch am Turbo-Zertifikate


Devisenmarkt spekulieren möchten, bietet sich dieses Instrument Turbo-Zertifikate erfreuen sich seit einigen Jahren einer stark wach-
somit an. Für den Handel fallen bei den meisten Brokern keine Ge- senden Popularität unter Privatanlegern. Diese ähneln in ihrer Kon-
bühren an, der Broker verdient lediglich an der Differenz zwischen struktion und Funktionsweise den Futures. Im Gegensatz zu die-
An- und Verkaufskurs. sen sind Turbo-Zertifikate aber nicht standardisiert. Stattdessen
Dieser so genannte Spread liegt im Kassahandel in der Regel werden sie von einer Vielzahl an Banken mit einer großen Band-
deutlich unter den Spreads von anderen Handelsinstrumenten. Alle breite an Eigenschaften emittiert. Auch die Namensgebung ist dem-
Broker bieten den Handel auf Basis einer Sicherheitsleistung an: man entsprechend vielfältig: die am häufigsten genutzten Bezeichnun-
kann daher mit einem Mehrfachen des hinterlegten Kapitals han- gen sind neben Turbo-Zertifikat noch Hebel-Zertifikat und Knock-
deln. Die Anzahl der angebotenen Währungspaare variiert stark, Out-Optionsschein. Aufgrund der geringfügigen Unterschiede zwi-
ist aber im Vergleich zu anderen Handelsinstrumenten meist deut- schen den einzelnen Produkten und da die Kategorie nach wie vor
lich höher. einem innovativen Entwicklungsprozess unterliegt, sollte der inte-
Beim Handel über einen Broker tritt man stets als „Market User“ ressierte Anleger sich intensiv mit den Eigenarten des spezifischen
auf, d.h. man handelt auf Basis von gestellten Kursen. Daher muss Produkts auseinandersetzen – noch bevor die erste Order aufge-
man stets zum Ask kaufen und zum Bid verkaufen, d.h. der Spread geben wird.
fällt somit stets an. Möchte man eine Position langfristig halten, Da die Wertentwicklung an die Entwicklung eines Underlying
muss diese täglich gerollt werden. Dies wird von dem Broker aber (z.B. EUR/USD Wechselkurs) gekoppelt ist, werden die Turbo-Zerti-
automatisch übernommen. Problematisch ist auch die zum Teil feh- fikate den Derivaten und den strukturierten Produkten zugerech-
lende Regulierung. net. Der Wert eines Turbo-Zertifikates berechnet sich aus dem Kurs
des gehandelten Underlying und einem für das Produkt festgeleg-
Futures ten Strike-Kurs: Wert des Turbo-Zertifikates = Marktpreis Underlying
Futures sind den im Interbanken-Markt gehandelten Forwards sehr – Strike (für ein Long-Produkt). Hierdurch ergibt sich eine Hebel-
ähnlich. Im Gegensatz zu Futures werden Forwards aber „over the wirkung, da man von Kursen oberhalb des Strike-Kurses linear par-
counter“ – also außerbörslich direkt zwischen den beiden Handels- tizipiert. Fällt der Preis des Underlying dagegen unter den Strike-
parteien – gehandelt. Somit können auch die Einzelheiten und Kurs, verfällt das Hebel-Zertifikat wertlos (Knock-Out). Einige Pro-
Details der Transaktion individuell ausgehandelt werden. Dagegen dukte offerieren zusätzlich ein Stopp-Loss-Level. In diesem Fall ver-
sind Futures standardisierte Termingeschäfte, die über eine Börse fällt das Hebelprodukt nicht wertlos, sondern behält einen Rest-
gehandelt werden. Die Rahmenbedingungen einer Transaktion wie wert.
Verfallsdatum und Kontraktgröße werden von der entsprechenden Als Anleger partizipiert man mit einem Hebel-Zertifikat also stär-
Börse festgelegt. Devisenfutures unterscheiden sich – abgesehen ker von Kursschwankungen als bei einer Investition in den Basis-
von dem Underlying – nur unwesentlich von Futures auf wert. So besagt ein Hebel von fünf beispielsweise, dass mit dem
beispielsweise Indizes oder Rohstoffe. entsprechenden Turbo-Zertifikat die fünffache Wertentwicklung
In den aktiv gehandelten Fx-Futures liegen die Spreads teilweise des Basiswertes realisiert werden kann. Bei einer negativen Kurs-
deutlich unter den An- und Verkaufsspannen der anderen Handels- entwicklung wirkt der Hebel analog gegen einen – bis es aufgrund
instrumente. Die an der CME (Chicago Mercantile Exchange) des Stopp-Loss-Levels bzw. der Knock-out-Schwelle wertlos verfällt.
gehandelten Terminkontrakte lassen sich in der Regel mit jedem Im Vergleich zu Optionen bzw. Optionsscheinen ist die Preis-
Konto, dass für den Future-Handel ermächtigt ist, problemlos han- entwicklung aber transparenter, da die Volatilität keinen Einfluss
deln. Auch der Handel mit Futures findet auf Basis einer Sicherheits- auf den Preis des Turbo-Zertifikates hat. Die Partizipation sowohl
leistung statt, so dass sich hier ebenfalls eine Hebelwirkung auf die an steigenden als auch an fallenden Notierungen des Underlying
erforderliche Mindesthinterlegung ergibt. Der Handel ist ist problemlos möglich.
inzwischen fast rund um die Uhr möglich. Allerdings ist man hierbei auf das Angebot der Emittenten ange-
Allerdings ist die Anzahl der liquiden Fx-Futures sehr gering. wiesen. Gerade für exotische Crossrates gibt es häufig nur eine ge-
Möchte man eine exotische Crossrate handeln, gibt es vermutlich ringe Auswahl an verfügbaren Zertifikaten. Auch die Unübersicht-
entweder keinen Terminkontrakt mit diesem Underlying oder die lichkeit aufgrund der unterschiedlichen Ausgestaltungsmerkmale der
Liquidität ist zu gering. Auch ist den meisten Einsteigern die Zertifikate zwischen den Emittenten ist problematisch. Überschrei-
Kontraktgröße eines Devisen-Futures zu groß. Des Weiteren fließt tet das Zertifikat die Knock-out-Schwelle, verfällt es wertlos. Da Zer-
die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen in die tifikate nicht rund um die Uhr gehandelt werden, kann man häufig
Preisfindung mit ein. Hat der Future noch eine lange Laufzeit, kann nicht auf Nachrichten reagieren und verliert „über Nacht“ seinen Ein-
der „faire“ Preis des Futures unter Umständen deutlich von dem satz, da das Produkt „ausgeknockt“ wird. Im Gegensatz zum Margin-
vorherrschenden Spot-Kurs abweichen. Handel wie bei Fx-Spots oder Futures ist der maximale Verlust aber
Möchte man eine Position langfristig halten und nähert sich der auf den Einsatz begrenzt. Des Weiteren fallen beim Handel mit Zerti-
Future seinem Ausübungszeitpunkt, ist ein „Rollen“ der Position fikaten in der Regel Gebühren an und der Spread liegt über den
notwendig. Spreads im Fx-Spot bzw. im Futures-Handel.
TRADERS´ extra 13

Optionsscheine man nur einige Prozent des Kurswertes als Sicherheitsleistung hin-
Eine Option räumt ihrem Käufer das zeitlich befristete Recht – nicht terlegen. Da die Gewinne und Verluste aber auf dem gehandelten
aber die Pflicht – ein, ein bestimmtes Underlying zu einem im Vor- Betrag basieren, partizipiert man überproportional an den Kurs-
aus festgelegten Preis (Ausübungs- oder Strike-Preis) zu kaufen oder schwankungen – es ergibt sich genauso wie beim Fx-Spot- oder
zu verkaufen. Im ersteren fall profitiert man als Halter der Option beim Futures-Handel eine Hebelwirkung. Das Handeln sowohl auf
von steigenden Kursen des Underlying (Call-Option). Analog ge- steigende als auch auf fallende Notierungen ist problemlos mög-
winnt man bei einer Put-Option bei fallenden Kursen. Im Gegen- lich. Da der Preis eines CFD’s direkt auf dem Underlying basiert, ist
satz zu Forwards / Futures gehören Optionen zur Gruppe der un- die Preisentwicklung von Contracts for Difference äußerst transpa-
bedingten Termingeschäfte. Sie räumen dem Käufer ein Wahlrecht rent.
zur Ausübung ein und beinhalten im Gegensatz zu bedingten Ter- Beim Handel mit CFD’s fällt neben dem Spread bei den meisten
mingeschäften keine Pflicht. Brokern eine Gebühr an. Wie auch beim Handel von Devisen per
Optionsscheine (so genannte Warrants) sind börsennotierte Kasse benötigt man einen speziellen Broker, der den Handel mit
Wertpapiere, die solch ein Recht verbriefen. Sie sind im Gegensatz CFD’s offeriert. Problematisch ist im CFD-Handel die Regulierung,
zu den an Terminbörsen gehandelten klassischen Optionen nicht so dass man sich wie auch beim Fx-Spot-Handel vor der Kontoer-
standardisiert, sondern werden von einer Vielzahl an Emittenten öffnung intensiv mit dem Broker auseinandersetzen sollte.
mit unterschiedlichen Eigenschaften emittiert.
Optionsscheine können – genauso wie Turbo-Zertifikate – in Wahl des Brokers
der Regel über ein gewöhnliches Aktien-Konto gehandelt werden. Im Gegensatz zu den klassischen Brokern, wie sie beispielsweise
Obwohl sie ebenfalls eine Hebelwirkung anbieten, ist der maxima- am Aktienmarkt zu finden sind, leiten die hier erwähnten FX-, CFD-
le Verlust auf den Einsatz begrenzt. Als Anleger kann man somit und Spreadbetting-Broker die Orders nicht an eine Börse weiter.
überproportional von der Wechselkursentwicklung profitieren. Stattdessen tritt der Broker als Handelspartner auf. Die Aufgabe des
Da der Preis einer Option von einer Vielzahl an Einflussfaktoren Brokers ist es somit, ständig Kurse zu stellen, zu denen er bereit ist
abhängt, ist die Preisentwicklung häufig nicht sehr transparent. zu handeln. Der Broker kennt somit die eigene Position, und stellt
Neben dem Preis des Basiswertes, dem Ausübungspreis und der einem gleichzeitig auch Kurse zum Handeln. Dieses Problem ist bei
Restlaufzeit hat vor allem die Volatilität einen großen Einfluss auf allen privaten OTC-Instrumenten zu beobachten.
den Wert der Option. Die Volatilität spiegelt die Schwankungs- Der Wahl des Brokers kommt somit eine wichtige Rolle zu. Bei
intensität der Preisentwicklung des Basiswertes wieder. Je höher einem Vergleich sollte man nicht nur das angebotene Leistungs-
die Volatilität ist, desto stärker schlägt der Kurs aus und umso teurer spektrum und die Gebühren betrachten, sondern auch auf die Re-
ist in der Regel die Option. Obwohl es eine große Vielzahl an unter- gulierung achten.
schiedlichen Underlyings gibt, ist das Angebot für exotische Cross- Möchte man nur einen kurzen Einblick in den Devisenhandel
rates zum Teil sehr gering. Auch die eingeschränkten Handelszeiten erlangen und verfügt bereits über einen klassischen Aktien-Account,
sowie die teilweise hohen Spreads sind weitere Nachteile von bieten sich Turbo-Zertifikate und Optionsscheine an. So kann man
Optionsscheinen. einen ersten Eindruck vom Fx-Markt erlangen, ohne ein weiteres
Optionsscheine haben sich im privaten Segment lange Zeit ei- Konto eröffnen zu müssen. Aktive private Trader dagegen arbeiten
ner hohen Beliebtheit erfreut. Seit dem Aufkommen der Turbo-Zer- in der Regel meist mit Futures oder einem Fx-Spot-Broker. CFD’s
tifikate wurden Optionsscheine vor allem aufgrund der bieten sich vor allem an, wenn man eine Vielzahl an Underlyings
intransparenten Preisentwicklung aber mehr und mehr zurückge- aus einem Account heraus handeln möchte. Bevor man mit dem
drängt. tatsächlichen Handel beginnt, sollte man sich auf jeden Fall aus-
führlich mit den Eigenarten des gehandelten Produkts auseinan-
Contracts for Difference dersetzen.
Eine noch recht unbekannte Art, von Wechselkursschwankungen
zu profitieren, sind so genannte Contracts for Difference – besser Fazit
bekannt unter der Abkürzung CFD’s. Vereinfacht ausgedrückt re- Es gibt für Privatanleger eine Vielzahl an Möglichkeiten, mit denen
präsentiert ein CFD das Recht bzw. die Pflicht, die Differenz zwi- man von Wechselkursschwankungen profitieren kann. Der vorlie-
schen dem Kaufpreis und dem Verkaufspreis einer Position ausge- gende Artikel stellt die am weitesten verbreiteten Alternativen vor
zahlt zu bekommen bzw. bezahlen zu müssen. Der Gewinn bzw. und beleuchtet ihre Vor- und Nachteile.
Verlust einer Position ist somit einfach der Verkaufspreis minus den Das gehandelte Instrument sollte grundsätzlich zur verfolgten
Einstandspreis, multipliziert mit der gehandelten Positionsgröße. Strategie und zur finanziellen Situation passen. Aufgrund der Viel-
CFD’s werden nicht nur auf Devisen, sondern auf eine Vielzahl zahl an Vor- und Nachteilen der einzelnen Produkte gibt es daher
an Underlyings angeboten. Daher kann man mit einem einzigen auch kein „bestes“ Handelsinstrument. Als Einsteiger sollte man sich
Account mehrere Märkte handeln. Allerdings handelt man bei CFD’s für das Produkt entscheiden, dessen Preisentwicklung man versteht
– wie auch beim FX-Spot-Handel – gegen den Broker. CFD’s wer- und das die eigenen Bedürfnisse am besten erfüllt. Für die dazu nö-
den ebenfalls auf Basis einer Margin gehandelt. In der Regel muss tige Analyse stellt dieser Artikel einen ersten Anhaltspunkt dar. Ã
16 TRADERS´ extra

Charakteristik des FX-Markts

Dieser Artikel vermittelt dem Leser einen Überblick über den Devisenmarkt. Auf den kom-
menden Seiten werden grundlegende Eigenschaften sowie Wissenswertes wie
beispielsweise das gehandelte Volumen, gehandelte Währungen und der Anteil einzel-
ner Währungspaare am Gesamtumsatz vorgestellt. Der Artikel schafft ein grundlegen-
des Verständnis für den oft abstrakt erscheinenden Devisenmarkt und macht den Leser
mit dem Markt vertraut.

 Interbankenmarkt Die Folgen, die sich aus dem dezentralen Handel ergeben, sind
Der klassische Devisenmarkt ist ein „over the counter“-Markt (OTC). vielfältig. Zu den wichtigsten gehören:
Währungen werden nicht über einen zentralen Marktplatz gehan- • da keine zusätzlichen Transaktionskosten für die Dienstleis-
delt, sondern direkt zwischen den Marktteilnehmern. Dementspre- tungen einer Börse gezahlt werden müssen, ist der Handel
chend gibt es im Interbankenmarkt – so wird der OTC-Markt häufig im Interbankenmarkt „günstiger“.
auch bezeichnet – keine zentrale Börse, über welche die Transakti- • es lassen sich individuelle Absprachen machen. So sind
onen abgewickelt werden. Stattdessen sind die Teilnehmer unter- beispielsweise auch unübliche Laufzeiten für Devisen-
einander über das Telefon und das Internet verlinkt. termingeschäfte kein Problem.
TRADERS´ extra 17

• durch die fehlende zentrale Abwicklungsstelle ist der Han- Kursfeed. Die gehandelten Volumina werden in der Regel aber nicht
del vergleichsweise intransparent. Abschlüsse sind in der bekannt gegeben.
Regel nur den beiden Transaktionspartnern bekannt.
• der Interbankenmarkt unterliegt keiner staatlichen Aufsicht Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
und ist somit unreguliert. Aufgrund der erwähnten Intransparenz erstellt die Bank für Inter-
• aufgrund der fehlenden zentralen Struktur können sich zum nationalen Zahlungsausgleich alle drei Jahre eine umfassende Stu-
gleichen Zeitpunkt zwischen verschiedenen Markt- die über den Devisenmarkt. Die Bank für Internationalen Zahlungs-
teilnehmern unterschiedliche Preise für das gleiche Wäh- ausgleich (BIZ) (engl.: Bank for International Settlements, BIS) för-
rungspaar bilden. dert die internationale Zusammenarbeit im Finanzwesen und fun-
• der Marktzugang ist professionellen, großen Marktteilneh- giert als Bank für Zentralbanken. Sie ist die älteste internationale
mern vorenthalten. Finanzorganisation der Welt und hat ihren Sitz in Basel (Schweiz).
In den letzten Jahren haben sich vor allem zwei elektronische Der Aufgabenschwerpunkt der Bank änderte sich im Laufe der
Handelsplattformen etabliert und den Handel über das Telefon Zeit häufig. Gegründet wurde die Bank ursprünglich, um die deut-
zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Die größte Plattform EBS schen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg sicherzu-
funktioniert ähnlich einer Börse und bündelt das Volumen auf ei- stellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hauptaufgabengebiet
nem System. In den Hauptwährungen konzentriert sich inzwischen die Koordination von Reaktionen auf Währungskrisen. Seit dem
ein Großteil der Liquidität auf EBS und ein weiteres System von Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems schließlich koordi-
Reuters. Allerdings stehen diese nur den großen Banken zur Verfü- niert die Bank die Aktionen der beteiligten Zentralbanken sowie
gung, und bieten auch nur für einige Devisenpaare ausreichend übernimmt die Verrechnung und den Zahlungsausgleich im euro-
Liquidität. Vor allem die fehlende Transparenz im OTC-Handel hat päischen Währungssystem.
weit reichende Folgen: Informationen über den Abschluss, den Preis Des Weiteren erstellt die BIZ regelmäßig Studien und Untersu-
und das Volumen werden theoretisch nicht bekannt. Allerdings lie- chungen über die internationalen Kapitalmärkte. Für den privaten
fern viele Banken Informationen über das gehandelte Währungs-
paar und den Wechselkurs an Datenanbieter. Diese sammeln die
Informationen von mehreren Banken und aggregieren sie zu einem

B1) Volumen am Devisenmarkt (in Mrd. Dollar) B2) Umsatzentwicklung der Fx-Instrumente
18 TRADERS´ extra

B3) Transaktionen unter US-Dollar-Einfluss B4) Anteil der Währungen am Gesamtumsatz

Händler sind vor allem die Statistiken über die Entwicklung des Rücksetzer ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Vor allem bil-
Handels mit Devisen von Interesse. In der „Triennial Central Bank deten sich wieder klare Trends an den Devisenmärkten heraus, die
Survey“ wird die aktuelle Situation des Devisenmarktes beleuch- zu einem Anstieg der Trading-Volumina führten. Da über 90 Pro-
tet. Alle drei Jahre führt die Bank diese globale Untersuchung durch. zent der Umsätze an den Devisenmärkten spekulativer Natur sind,
Ziel ist es, umfangreiche Informationen über das gehandelte Volu- hat dies enormen Einfluss auf die Aktivität und die Umsätze. Aber
men zu sammeln. Dafür erfassen die nationalen Notenbanken das auch so genannte Carry Trades erfreuten sich vor allem unter Hedge
innerhalb eines bestimmten Monats gehandelte Volumen von gro- Funds einer hohen Popularität. Zusätzlich waren die Renditen an-
ßen, institutionellen Marktteilnehmern. Diese Daten werden an- derer Asset-Klassen (wie zum Beispiel Aktien) seit dem Zusammen-
schließend von der BIZ aggregiert und in dem erwähnten Report bruch der Spekulationsblase im Jahr 2000 vergleichsweise
veröffentlicht. unattraktiv, so dass sich Devisen einer steigenden Beliebtheit als
alternative Asset-Klasse erfreut haben.
„Triennical Central Bank Survey“ – April 2004 Bild 2 zeigt die Umsätze am Devisenmarkt aufgegliedert nach
Im Rahmen der letzten Studie im April 2004 haben weltweit den drei primären Instrumenten im Devisenhandel: Spot, Outright
insgesamt 52 Zentralbanken und Finanzinstitute teilgenommen. Forwards und Swaps.
Diese haben mehr als 1200 Marktteilnehmer befragt bzw. deren Der Spot-Handel ist der typische Kassa-Devisenhandel. Beim
Verhalten protokolliert. Die Untersuchung war die sechste seit 1984, Outright Forward wird bereits zum heutigen Tag ein Wechselkurs
wobei die Anzahl der teilnehmenden Zentralbanken stetig ange- vereinbart, der tatsächliche Ausgleich der Devisen findet aber erst
stiegen ist und auch die Anzahl der untersuchten Daten stetig zu- in der Zukunft statt. Ein Swap-Geschäft ist ein Tausch von Verbind-
genommen hat. lichkeiten. Mit Hilfe eines Swaps kann beispielsweise ein Exporteur
Die langfristige Vergleichbarkeit ist aufgrund der gleich bleiben- aus Deutschland seine US-Dollar-Forderungen mit einem amerika-
den Methodik und historischen Anpassungen dennoch gegeben. Ge- nischen Exporteur, der Euro-Forderungen besitzt, tauschen. Die
sammelt wurden Informationen über den klassischen Devisenhandel
(d. h. Spot-, Outright Forward- und Swap-Transaktionen) sowie über
OTC-gehandelte Devisen- und Zins-Derivate.
Aufgrund der Relevanz für den privaten Handel konzentriert
sich der Artikel im Folgenden auf die Spot-Transaktionen und er-
wähnt die anderen Entwicklungen lediglich beiläufig.

Entwicklung des gehandelten Volumens


Das am Devisenmarkt gehandelte Volumen hat zwischen 2001 und
2004 stark zugenommen und den Rückgang zwischen 1998 und
2001 mehr als wettgemacht (vgl. Bild 1). Nach einem täglichen,
durchschnittlichen Gesamtumsatz von 1200 Milliarden US-Dollar
in 2001 stieg der tägliche Umsatz in 2004 auf 1880 Milliarden US-
Dollar pro Tag an. 1989 lag der Umsatz noch bei durchschnittlich
590 Milliarden US-Dollar pro Handelstag. Jüngste Schätzungen
gehen von einem weiteren Anstieg der Umsätze auf mittlerweile
deutlich mehr als 2000 Milliarden US-Dollar aus. Zum Vergleich: der
Gesamtumsatz der Deutschen Aktienbörsen lag bei knapp über
3000 Milliarden Euro – im gesamten Jahr 2004.
B5) Anteil der Währungspaare am Gesamtumsatz
Der starke Anstieg der Umsätze nach dem zwischenzeitlichen
TRADERS´ extra 19

Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen wird mit Hil-


fe des Swapsatzes ausgeglichen.
In Bild 2 fallen besonders die hohen Umsätze in Swap-Transak-
tionen auf. Diese stiegen von 656 Milliarden US-Dollar in 2001 auf
944 Milliarden US-Dollar in 2004 an. Ein Swap ist ein Tausch von
Verbindlichkeiten und Forderungen, eine Kombination eines Spot-
Geschäfts mit einem Termingeschäft. Aber auch der Umsatz in Spot-
Transaktionen ist nach dem beträchtlichen Rückgang (1998: 568
Milliarden US-Dollar, 2001: 387 Milliarden US-Dollar) auf ein neues
Rekordniveau gestiegen (621 Milliarden US-Dollar). Die geringsten
Umsätze verzeichnen Forward-Transaktionen, wobei diese aufgrund
der zunehmenden Popularität von Momentum-Strategien starke
Zuwachsraten im Laufe der letzten Jahre verzeichnen konnten. Der
Umsatz stieg von 131 Milliarden US-Dollar in 2001 auf 208 Milliar-
den US-Dollar in 2004, einem Anstieg von fast 60 Prozent in nur B6) Anzahl der großen Banken
drei Jahren.
Die hier erwähnten Zahlen spiegeln lediglich die in der Studie
erfassten Daten wieder. Da die Notenbanken aber nicht jede Trans- Währungspaare
aktion erfassen können, liegt der tatsächliche Umsatz noch höher. Aus der im vorhergehenden Abschnitt besprochenen Handels-
Diese „Erfassungslücke“ wurde von der BIZ auf durchschnittlich 107 häufigkeit lässt sich bereits ein Trend bei den gehandelten Wäh-
Milliarden US-Dollar geschätzt. rungspaaren ableiten. Es überwiegen ganz eindeutig die Währungs-
paare, die gegen den US-Dollar quotiert werden (in Bild 5 blau ein-
Währungen gefärbt).
An knapp 90 Prozent aller Transaktionen ist der US-Dollar beteiligt. Die höchsten Umsätze finden im EUR/USD statt, wo beinahe
Daher wird er häufig auch als weltweite Leitwährung bezeichnet. jede dritte Transaktion (28 Prozent) abgewickelt wird. Auch die Quo-
Seit Beginn der 90er Jahre konnte der „greenback“ seine Vormachts- tierungen gegen den Japanischen Yen und das Britische Pfund wei-
stellung sogar noch weiter ausbauen (vgl. Bild 3). Lediglich die Ein- sen mit 17 Prozent bzw. 14 Prozent eine hohe Liquidität auf.
führung des Euros führte in den vergangenen Jahres zu einem ge- Der Anteil an Umsätzen, die in Crossrates stattfinden, ist ent-
ringfügigen Rückgang des Einflusses des US-Dollars. sprechend gering. Nur elf Prozent aller Transaktionen finden ohne
Betrachtet man den aktuellen Anteil der einzelnen Währun- Beteiligung des US-Dollars statt, der Großteil davon in Quotierun-
gen an den Transaktionen, bestätigt sich die Vormachtstellung des gen gegen den Euro (eingefärbt in grün). Ohne Beteiligung des Euros
US-Dollars. So ist der Euro an vergleichsweise geringen 40 Pro- oder des Dollars (z. B. GBP/JPY) werden lediglich zwei Prozent aller
zent der Transaktionen beteiligt, der Japanische Yen (JPY) an 20 Transaktionen am Devisenmarkt (graue Sektion) abgewickelt.
Prozent. Da an jeder Transaktion jeweils zwei Währungen betei- Betrachtet man die Entwicklung einzelner Währungspaare über
ligt sind, addieren sich die Prozentsätze in Bild 4 auf 200 Prozent. die vergangenen Jahre, fällt vor allem das Britische Pfund auf. Wäh-
Während der Euro im Vergleich zur letzten Erhebung einen kon- rend das Pfund früher meist gegen die Währungen der Europäi-
stanten Marktanteil aufweist, hat der japanische Yen in den letz- schen Währungsunion quotiert wurde, wird es inzwischen primär
ten Jahren an Einfluss verloren. gegen den US-Dollar gehandelt.
Zu den großen Währungspaaren, die in der Regel auch über
alle Broker handelbar sind, zählen des Weiteren das Britische Pfund
(GBP, 16,9 Prozent), der Schweizer Franken (CHF, 6,1 Prozent), sowie
der Australische (AUD, 5,5 Prozent) und der Kanadische Dollar (CAD,
4,2 Prozent).
Die Schwedische Krone (SEK, 2,3 Prozent), der HongKong-Dol-
lar (HKD, 1,9 Prozent) und die Norwegische Krone (NOK, 1,4 Pro-
zent) sind dagegen schon als Minors einzustufen.
Dennoch sind sie auf vielen Tradingplattformen noch verfüg-
bar. Auch der Neuseeländische Dollar (NZD, 1 Prozent) wird von
vielen Brokern noch zum Handel angeboten. Dies mag mit seiner
geographischen Lage und der daraus folgenden Handelsaktivität
zusammenhängen. So beginnt die Handelswoche am Devisenmarkt
beispielsweise mehr oder weniger mit der Markteröffnung in Neu-
B7) Geographische Verteilung der Umsätze
seeland.
20 TRADERS´ extra

Verteilung der Umsätze nach Währungsräumen


Der Handel mit Devisen konzentriert sich sehr stark auf einige
Finanzzentren. So werden knapp 60 Prozent aller Umsätze am De-
visenmarkt in nur drei Ländern durchgeführt: Großbritannien (31
Prozent), USA (19 Prozent) und Japan (8 Prozent). Zu den wichtigen
geographischen Plätzen für den Handel mit Währungen gehören
des Weiteren: Singapur (5 Prozent), Deutschland (5 Prozent), Hong
Kong (4 Prozent), Australien (3 Prozent), Schweiz (3 Prozent) und
Kanada (2 Prozent).
Die räumliche Verteilung der Umsätze ist in den vergangenen
Jahren relativ konstant geblieben, lediglich die Umsätze in den USA
haben leicht zugenommen.
B8) Handelsaktivität im EUR/USD
Aktivität am Devisenmarkt
Konsolidierung im Bankensektor Die im Folgenden präsentierten Sachverhalte werden nicht mehr
Auch im Devisenbereich ist die Konsolidierung im Bankensektor zu durch das Datenmaterial der Bank für Internationalen Zahlungs-
spüren. So wurde der Umsatzrückgang zwischen 1998 und 2001 verkehr gedeckt. Sie bauen auf den bisher gewonnen Erkenntnis-
unter anderem auf mehrere Fusionen und deren Auswirkungen sen auf und erlauben weitere Einblicke in den Devisenmarkt.
zurückgeführt. In Folge der Akquisitionen wurden meist die Han- Die räumliche Verteilung der Umsätze und die unterschiedlichen
delsabteilungen der beiden Häuser zusammengelegt und ein Teil Zeitzonen haben starken Einfluss auf die Aktivität am Devisenmarkt.
der Stellen gestrichen. Auch wenn der Währungshandel rund um die Uhr stattfindet, unter-
In den USA waren 1995 noch 20 Banken für 75 Prozent der Gesamt- scheidet sich die Aktivität je nach Tageszeit beträchtlich. Die Umsät-
umsätze am Devisenmarkt verantwortlich. 2004 generierten 16 Ban- ze sind dabei am höchsten, wenn sich die typischen Handelszeiten
ken den gleichen Anteil am Gesamtumsatz. Durch Fusionen war es zu von zwei Währungsräumen überschneiden. Auch je nach Währungs-
einigen, größeren Banken gekommen, die mehrere kleinere Banken paar unterscheiden sich die Aktivitäten zum Teil beträchtlich.
ersetzten. Dadurch wurde der Umsatz der ehemals kleinen Banken auf Bild 8 stellt die Handelsaktivität des Währungspaars EUR/USD
eine große Bank konsolidiert. In Deutschland generierten 2004 lediglich in Abhängigkeit der Uhrzeit dar. Die Handelsaktivität wird dabei
noch vier Banken 75 Prozent der Umsätze, 1995 waren es noch zehn durch die durchschnittliche Anzahl der Transaktionen (Ticks) je Stun-
Banken. Auch in der Schweiz sind nur noch fünf Banken für mehr als de repräsentiert.
dreiviertel aller Umsätze am FX-Markt verantwortlich. Demnach ist die Aktivität zur Eröffnung des europäischen Mark-
Im Jahr 2005 war die Deutsche Bank laut einer Studie von tes und zu Beginn des amerikanischen Handels am höchsten. So-
Euromoney mit einem Anteil von knapp 17 Prozent am globalen De- bald die amerikanischen Börsen schließen nimmt auch der Handel
visenmarkt der größte Marktteilnehmer. Zusammen mit der UBS (12 im EUR/USD wieder deutlich ab und ist während des gesamten asi-
Prozent) und Citigroup (8 Prozent) entfiel somit mehr als ein Drittel atischen Handels vergleichsweise gering.
des weltweiten FX-Handels auf die drei größten Banken. Weitere gro-
ße Marktteilnehmer sind beispielsweise JPMorgan Chase und HSBC. Volatilität im Tagesverlauf
Parallel zur Handelsaktivität verändern sich im Laufe eines Handels-
tages auch die durchschnittlichen Schwankungsbreiten. Diese sind
zum Ende des amerikanischen und vor Beginn des europäischen Han-
dels am geringsten. Dagegen ist zur europäischen und vor allem zur
amerikanischen Markteröffnung mit den größten Kursausschlägen im
EUR/USD zu rechnen. Die Ausschläge in Bild 9 lassen sich vor allem
durch die Veröffentlichung amerikanischer Konjunkturindikatoren er-
klären. Diese werden häufig um 14:30 Uhr veröffentlicht und führen
regelmäßig zu großen Kursbewegungen.

Fazit
Der Devisenmarkt unterscheidet sich deutlich von anderen Finanz-
märkten. In diesem Artikel wurden daher die wichtigsten Eigen-
schaften des größten Marktes vorgestellt sowie einige Eigenheiten
MEZ erläutert. Eine Vielzahl an weiteren Informationen findet sich auf
der Homepage der „Bank for International Settlements“ unter http:/
B9) Durchschnittliche Schwankungen je Minute
/www.bis.org. Ã
22 TRADERS´ extra

Crossrates

Ein Großteil des Volumens am Devisenmarkt wird in Quotierungen


gegen den US-Dollar gehandelt. Zum Zeitpunkt der letzten weltwei-
ten Analyse der Bank of International Settlement wurde lediglich
ungefähr jeder zehnte Trade ohne Beteiligung des US-Dollars abgewi-
ckelt. Aufgrund seiner großen Dominanz am Devisenmarkt wird der
US-Dollar daher häufig auch als Leitwährung bezeichnet.

 Quotierungen ohne Beteiligung des US-Dollars werden als Cross- Handel an. Würde man lediglich die Quotierungen gegen den US-
rates bezeichnet. Die am häufigsten gehandelten Crossrates sind Dollar handeln, wäre die Auswahl an Underlyings deutlich geringer.
jeweils der Euro gegen den Japanischen Yen, das Britische Pfund Vor allem Einsteigern in den Devisenmarkt bereiten Crossrates
und den Schweizer Franken. Möglich sind aber auch deutlich exo- häufig aber Probleme. Der Zusammenhang zwischen einer Cross-
tischere Quotierungen wie beispielsweise Mexikanische Pesos ge- rate und den entsprechenden Quotierungen gegenüber dem US-
gen Südafrikanischen Rands. Dollar, die Berechnung sowie welche Besonderheiten man beach-
Die Bedeutung von Crossrates hat in den letzten Jahren deut- ten muss sind kaum einem Neuling im FX-Markt bekannt. In die-
lich zugenommen. Zum einen führt die Globalisierung zu einem sem Artikel wird daher das Grundlagenwissen vermittelt, um die
höheren Außenhandel, der die Konvertierung von Devisen notwen- hinter den Crossrates stehende Funktionsweise zu verstehen.
dig macht. Zum anderen stellen Crossrates vor allem für private
Trader eine interessante Alternative zu Quotierungen gegenüber Grundlagen von Wechselkursnotierungen
dem US-Dollar dar. Die Anzahl der handelbaren Wechselkurse er- Eine Wechselkursnotierung ist stets nach dem gleichen Schema
höht sich deutlich, wenn auch Crossrates berücksichtigt werden. aufgebaut. Die an erster Stelle genannte Währung wird als Basis-
So bieten einige Broker inzwischen über 100 Währungspaare zum währung bezeichnet (base currency oder unit currency). Darauf
TRADERS´ extra 23

folgt die variable Währung an zweiter Position (quote currency, price Bid, Ask und Spreads
currency oder auch counter currency). In der Regel fungiert der US- Bei Quotierungen von Devisen werden stets zwei Kurse angege-
Dollar als Basiswährung, wird also an erster Stelle geschrieben. ben: der Geld- und der Briefkurs. Diese werden auch als Bid (Geld-
Lediglich bei Quotierungen gegen den Euro, den Britischen Pfund kurs) und Ask (Briefkurs) bezeichnet. Zu ersterem sind andere Markt-
und den Australischen oder Neuseeländischen Dollars steht der US- teilnehmer bereit, zu kaufen. Somit kann man zu diesem Kurs
Dollar an zweiter Stelle. Bei Crossrates haben sich im Laufe der Zeit jederzeit verkaufen. Dagegen ist der Ask-Kurs jener Kurs, zu dem
bestimmte Quotierungen etabliert, die von allen Marktteilnehmern andere Marktteilnehmer bereit sind, zu verkaufen. Dies ist der Kurs,
übernommen wurden. zu dem man jederzeit kaufen kann. Dementsprechend liegt der Bid-
Steht die eigene Währung in einer Quotierung an erster Stelle Kurs in der Regel stets unter dem Ask-Kurs. Die Differenz zwischen
– „eigene Währung / fremde Währung“ - wird der Wechselkurs als beiden Kursen wird auch als Spread bezeichnet. Würde man zum
Mengennotierung bezeichnet (direct quotation). Die Inlands- Ask kaufen und direkt wieder zum Bid verkaufen, würde diese Dif-
währung fungiert hier als feste Bezugsgröße. Der Wechselkurs gibt ferenz als indirekte Kosten bzw. als Verlust anfallen.
somit an, wie viele Einheiten der fremden Währung man für eine Devisen werden primär gegenüber dem US-Dollar gehandelt.
Einheit der eigenen Währung bekommt. Dagegen informiert die Die realwirtschaftliche Welt und die daraus resultierenden Erfor-
Preisnotierung (indirect quotation) – „fremde Währung / eigene dernisse sind aber deutlich vielfältiger. Ein europäischer Exporteur
Währung“ – darüber, wie „teuer“ die eigene Währung ist. empfängt beispielsweise als Gegenleistung für seine Waren nicht
nur US-Dollar, sondern auch japanische Yen. Um diese in Euro zu
konvertieren bieten sich ihm zwei Möglichkeiten: entweder er fin-
Wechselkurse det einen Handelspartner, der Euros in Yen konvertieren möchte
USD / JPY 116,40 und somit die Gegenposition eingeht. Oder er konvertiert die japa-
EUR / USD 1,2037 nischen Yen erst in US-Dollar und anschließend in Euros. Der erste
EUR / JPY ? Weg ist für viele Wechselkurspaare leider nicht praktikabel. Vor al-
lem exotische Währungen werden fast ausschließlich gegen den
Berechnung US-Dollar gehandelt. Findet sich kein Handelspartner, der einen Kurs
Aus den gegebenen Wechselkursen ergeben sich folgende für die gewünschte Crossrate stellt, muss man den Weg über den
Relationen: US-Dollar gehen. Dies beinhaltet aber eine Reihe an Nachteilen. Vor
1 USD = 116,40 JPY allem fällt in diesem Fall zwei Mal der Spread an.
1 USD = 1 / 1,2037 EUR = 0,8308 EUR Für die wichtigsten Crossrates hat sich in den letzten Jahren ein
liquider Markt etabliert. Die Spreads sind hier zum Teil deutlich ge-
Nun lässt sich der US-Dollar aus der Gleichung herauskürzen ringer, als wenn man die Devisen erst in US-Dollar und anschlie-
ßend in die eigene Währung konvertiert. Die Liquidität ist aber nach
116,40 JPY = 1 USD = 0,8308 EUR wie vor vergleichsweise gering und reicht nicht an die Liquidität in
den Notierungen gegen den US-Dollar heran.
-> 0,8308 EUR = 116,40 JPY Die meisten Broker bieten inzwischen eine Vielzahl an Devisen-
-> 1 EUR = 116,40 / 0.8308 = 140,11 JPY paaren zum Handel an. Die wenigsten davon werden aber auch
-> EUR/JPY = 140,11 tatsächlich aktiv im Interbankenmarkt gehandelt. Um die Transak-
tion im Devisenmarkt auszuführen, muss der Broker daher meist
Beispiel 1 beide Währungen einzeln gegen den US-Dollar handeln. Die daraus
24 TRADERS´ extra

resultierenden Dollar-Positionen gleichen sich gegenseitig genau Berechnung von Crossrates – Bid & Ask
aus, übrig bleibt die gewünschte Position in dem gewünschten Die im vorangegangenen Abschnitt vorgestellten Berechnungen
Devisenpaar. gehen davon aus, dass es keine Differenz zwischen An- und
Da für beide Transaktionen aber der Spread anfällt, weisen exo- Verkaufspreis gibt. In der Realität muss man aber den Spread be-
tische Crossrates meist einen deutlich höheren Spread auf als die rücksichtigen. Aufgrund der schnellen Berechenbarkeit findet der
liquiden Majors. soeben vorgestellte Ansatz aber dennoch häufig Verwendung, um
sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Für den tatsächlichen
Berechnung von Crossrates - simplified Handel sollte man aber die Bid- und Ask-Kurse berücksichtigen bzw.
Der Preis einer Crossrate definiert sich aus den entsprechenden in der Berechnung nutzen. Die Berechnung der Bid- und Ask-Kurse
Quotierungen gegenüber dem US-Dollar. Ist dies nicht der Fall, der Crossrate ist am einfachsten, wenn bei den zugrunde liegen-
kommt es zu einer Arbitrage-Möglichkeit. Diese werden in dem den Quotierungen der USD einmal als variable und einmal als Basis-
Artikel zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls noch kurz vorgestellt. währung auftaucht. Sollte dies nicht der Fall sein, muss man eine
Spekuliert man beispielsweise auf eine Aufwertung des Euros der beiden Raten noch entsprechend invertieren.
gegenüber dem Yen, würde dies einer Long-Position im EUR/JPY
entsprechen. Findet man keinen Handelspartner, der auch dieses EUR / USD = 1,2035 / 38
Währungspaar handeln möchte, müsste man diese Position „syn-
thetisch“ über den US-Dollar herstellen. Dafür müsste man jeweils GBP / USD = 1,7538 / 43 à USD / GBP = 0,5700 / 02
den Euro und den Japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar han-
deln. Um die Bid- und Ask-Kurse der Crossrate zu erhalten, muss man
Man würde beispielsweise erst Japanische Yen gegen US-Dol- nun lediglich noch die Bid- und Ask-Kurse der zugrunde liegenden
lar verkaufen. Die daraus resultierenden Dollar-Bestände würde Quotierungen multiplizieren:
man anschließend wieder verkaufen und dafür Euros kaufen. Es ver-
bleibt lediglich die gewünschte Short-Position im Japanischen Yen • EUR / GBP – Bid
und die Long-Position im Euro. Der zwischenzeitliche Dollar-Be- -> Multiplikation der Bid-Kurse
stand wurde wieder vollständig aufgelöst (siehe Beispiel 1).
Da dieser Weg aber für den kurzlebigen Devisenhandel zu um- EUR/GBP Bid = 1,2035 x 0,5700 = 0,6860
ständlich ist, kann man die Wechselkurse auch mit folgenden Re-
geln deutlich einfacher berechnen: • EUR / GBP – Ask
->Multiplikation der Ask-Kurse
• US-Dollar in beiden Quotierungen als variable oder als Basis-
Währung EUR/GBP Ask = 1,2038 x 0,5702 = 0,6864
-> Dividieren der beiden Wechselkurse
-> EUR/GBP 0,6860 / 64
EUR / USD 1,2037
GBP / USD 1,7540 Für die Berechnung sollte man möglichst auf ein Tabellen-
kalkulationsprogramm wie Excel zurückgreifen, um ein genaues
USD 1.2037
-> EUR / GBP = = = 0.6863 Ergebnis zu erhalten und um Rundungsfehler zu vermeiden.
GBP / USD 1.7540
Der Spread in diesem Beispiel von vier Pips (ein Pip ist die kleins-
Je nach Quotierungsweise des Währungspaars muss das Ergebnis te, mögliche Veränderung) in der Crossrate wirkt auf den ersten Blick
gegebenenfalls noch invertiert werden. Hierzu muss man lediglich geringer als die Spreads in den zugrunde liegenden Quotierungen
1 durch den Wechselkurs teilen. gegen den US-Dollar. Konvertiert man die Spreads in diesen Anga-
ben aber in Britische Pfund, ergibt sich ebenfalls ein Spread in Höhe
• US-Dollar als Basis- und variable Währung von vier Pips. In den meisten Publikationen und im Internet finden
-> Multiplikation der Wechselkurse sich neben den Quotierungen gegen den US-Dollar auch die wich-
tigsten Crossrates. Anhand dieser Angaben lassen sich die an die-
USD / JPY 116,40 ser Stelle vermittelten Ansätze hervorragend trainieren.
EUR / USD 1,2038
Dreieckarbitrage
-> EUR / JPY = USD / JPY x EUR / USD = 116,40 x 1,2038 = 140,12 Unter Arbitrage versteht man das Ausnutzen von Preisunter-
schieden. Wird das gleiche Gut zur selben Zeit zu unterschiedlichen
Auch hier ist – je nach Quotierungsweise der Crossrate - Preisen gehandelt, ist ein risikoloser Profit möglich. Dafür muss man
möglicherweise eine Invertierung des Wechselkurses noch erfor- das Gut einfach zum günstigeren Preis einkaufen und direkt wieder
derlich. zum höheren Preis verkaufen.
TRADERS´ extra 25

5,0% häufig als Cross-Rate-Effekt bezeichnete Reaktion ableiten. Wertet


beispielsweise der Euro gegenüber dem US-Dollar auf, d.h. der
2,5% Wechselkurs EUR/USD steigt, und der Wechselkurs USD/JPY bleibt
unverändert, steigt in der Folge auch der Wechselkurs des Euros
0,0%
gegenüber dem Yen. Würde die entsprechende Bewegung im EUR/
Jan 06 Feb 06 JPY ausbleiben, ergäbe sich eine Arbitrage-Möglichkeit.
Bild 1 zeigt dieses Verhältnis deutlich auf. Sie zeigt die relative
-2,5%
Entwicklung des Yen (blaue Linie, invertierte Darstellung) und des
neuseeländischen Dollars (grüne Linie) gegenüber dem US-Dollar.
-5,0%
Die Crossrate NZD/JPY bzw. die relative Entwicklung der beiden
NZDUSD JPYUSD NZDJPY
Währungen zueinander wird in rot dargestellt.
B1) Relative Wechselkursentwicklung Anfang 2006 wertete der japanische Yen gegenüber dem US-
Dollar stärker auf als der Neuseeländische Dollar im Vergleich zu
Die Dreieckarbitrage ist eine spezielle Unterform der Arbitra- seinem US-Pendant. Obwohl beide Währungen aufwerteten, war
ge, die am Devisenmarkt von institutionellen Marktteilnehmern der Anstieg des japanischen Yen im Vergleich zum Neusee-
genutzt wird. Hierbei wird ein Ungleichgewicht zwischen einer ländischen Dollar stärker. Der Wechselkurs NZD/JPY gab dement-
Crossrate und den zugrunde liegenden Quotierungen gegen den sprechend nach. Ende Februar 2006 kam es während der Aufwer-
US-Dollar ausgenutzt. Um das im Folgenden vorgestellte Beispiel tung des Yen zu einer parallelen Abwertung des Neuseeländischen
einfach nachvollziehbar zu halten, wird die Differenz zwischen An- Dollars – jeweils gegenüber dem US-Dollar. Damit wertete der
und Verkaufspreis vernachlässigt. Stattdessen wird angenommen, Neuseeländische Dollar auch im Vergleich zum Japanischen Yen auf,
dass man zum gleichen Kurs kaufen und verkaufen kann. Am Markt es kam zu rückläufigen Wechselkursen im NZD / JPY.
herrschen momentan folgende Preise vor: Vor allem beim Einsatz der technischen Analyse hat dieser Ef-
fekt Auswirkungen auf das eigene Handeln. Dieser Punkt wird im
NZD/USD 0,6652 Artikel „Technische Analyse im Devisenhandel“ daher gesondert
USD/JPY 116,40 aufgegriffen.

Der theoretische Wechselkurs für NZD/JPY beträgt somit Handel in Crossrates


Crossrates lassen sich beim Handel über einen Fx-Broker genau wie
NZD/JPY = 0,6652 x 116,40 = 77,43 Quotierungen gegen den US-Dollar traden. Natürlich könnte man
stattdessen auch zwei Positionen in den jeweiligen Währungen
Weicht die von einem Marktteilnehmer gestellte NZD / USD- gegen den US-Dollar eingehen. Mit den oben vorgestellten
Notierung von diesem Wert ab, lässt sich ein risikoloser Gewinn er- Berechnungsansätzen lässt sich leicht herausfinden, bei welcher
zielen. Angenommen, die Quotierung eines Marktteilnehmers lau- Möglichkeit der Spread geringer ist. Handelt man statt der Cross-
tet 77,50. Im Vergleich zum Markt sind die Neuseeländischen Dol- rate die Notierungen gegen den US-Dollar muss man insgesamt
lar somit überbewertet bzw. „zu teuer“. meist aber eine höhere Margin hinterlegen.
Möchte man von dieser Situation profitieren, müsste man an Im Vergleich zu Quotierungen gegen den US-Dollar weisen
diesen Marktteilnehmer nun beispielsweise eine Mio. Neusee- Crossrates in der Regel höhere Spreads auf. Im Gegenzug erhält der
ländische Dollar verkaufen. Dafür würde man 77,5 Mio. Japanische Trader aber eine Vielzahl an weiteren Devisenpaaren, von deren
Yen erhalten. Gleichzeitig dazu würde man von einem anderen Trends er profitieren kann. Vor allem wenn man einem Währungs-
Marktteilnehmer eine Mio. Neuseeländische Dollar kaufen. Hierfür raum gute Wachstumschancen zugesteht, für einen anderen
müsste man 77.43 Mio. Japanische Yen bezahlen. Die beiden Positi- Währungsraum aber eine negative Prognose hat, lässt sich dies mit
onen im Neuseeländischen Dollar von jeweils einer Mio. gleichen einer entsprechenden Position einfach umsetzen. Die Entwicklung
sich gegenseitig aus. Es verbleibt somit ein risikoloser Profit in Höhe der USA und des US-Dollars bleiben beim Handel von Crossrates
von 77,50 – 77,43 = 0,7 Mio. Yen. außen vor und beeinflussen das Resultat nicht.
Für den privaten Händler ist die Dreiecksarbitrage aufgrund des
fehlenden Marktzugangs zum Interbankenhandel uninteressant. Fazit
Die von den Brokern gestellten Kurse bieten in der Regel keine Ar- Berücksichtigt man neben den Quotierungen gegen den US-Dol-
bitrage-Möglichkeit. In der Realität müssen des Weiteren die lar auch Crossrates, stehen dem Spekulanten eine Vielzahl an neuen
Spreads berücksichtigt werden, so dass die Dreiecksarbitrage den Handelsmöglichkeiten offen. In dem vorliegenden Artikel wurde
großen Banken vorbehalten bleibt. primär die Berechnung von Crossrates präsentiert.
Des Weiteren wurden mehrere Punkte angesprochen, die den
Cross-Rate Effekt Handel mit Crossrates beeinflussen und gesondert beachtet wer-
Aus der oben vorgestellten Berechnungsweise lässt sich auch die den sollten. Ã
28 TRADERS´ extra

Fundamentale Analyse
Wechselkursmodelle

Im Laufe der Zeit haben sich für die Prognose von Wechselkursen und
deren zukünftigen Schwankungen zwei primär genutzte Analyse-An-
sätze herausgebildet: die technische und die fundamentale Analyse.

 Fundamentale Analyse am Aktienmarkt noch vergleichsweise nachvollziehbar erscheint,


Der Fokus der fundamentalen Analyse liegt auf der Betrachtung ist sie am Devisenmarkt ungleich komplexer. Auf der einen Seite
der Ursachen, die das Angebot und die Nachfrage nach einer Wäh- gibt es eine sehr große Bandbreite an Einflussfaktoren, auf der an-
rung beeinflussen und somit den Wechselkurs bestimmen. Um das deren Seite müssen zwei Währungsräume und deren Abhängig-
Angebot und die Nachfrage einzuschätzen werden in der Funda- keiten voneinander (und nicht länger nur ein Unternehmen) un-
mentalanalyse unter anderem die wirtschaftliche Verfassung und tersucht werden.
Entwicklung der beiden involvierten Währungsräume betrachtet.
Aber auch Faktoren wie beispielsweise die Zinsen und deren Ent- Technische Analyse
wicklung spielen eine wichtige Rolle bei der Determinierung von Im Gegensatz zur fundamentalen Analyse versucht die technische
Wechselkursen. Analyse nicht einen „fairen Wert“ zu ermitteln, dem sich der Markt-
Viele Ökonomen nutzen in ihren Analysen unter anderem die preis in der Zukunft annähern soll. Stattdessen wird die historische
auf den kommenden Seiten vorgestellten klassischen Modelle zur Entwicklung des Wechselkurses analysiert, um Rückschlüsse über
Wechselkursprognose. Anhand dieser Modelle lässt sich feststellen, die künftige Entwicklung zu ziehen und eine Prognose für den
welche Auswirkung eine Änderungen der betrachteten Einfluss- weiteren Kursverlauf zu erstellen. Die technische Analyse unterstellt
faktoren auslösen würde und ob der aktuelle Wechselkurs gerecht- unter anderem, dass sich das Verhalten von Marktteilnehmern in
fertigt ist. Der aus den Modellen resultierende Wechselkurs ist eine der Zukunft wiederholen wird. Dieses spiegelt sich in Preismustern
theoretische Austauschrate, die bei Untersuchung der betrachte- (Pattern) an den Märkten wider, die man als Trader nutzen kann.
ten Einflussfaktoren auf dem Markt vorherrschen sollte. Liegt der Während die technische Analyse vor allem kurzfristig agieren-
aktuelle Preis unter diesem Wert, spricht man von einer Unterbe- de Trader anspricht, nutzen langfristig orientierte Investoren, gro-
wertung. Analog wird von einer „Überbewertung“ gesprochen, ße Investmentgesellschaften sowie Institutionelle Anleger häufig
wenn der aktuelle Marktpreis über dem aus den Modellen resultie- die fundamentale Analyse für die Prognose von Wechselkurs-
renden Wechselkurs liegt. schwankungen. Aber auch in diesem Bereich wird die bis vor weni-
Die im Folgenden vorgestellten Modelle fokussieren sich zum gen Jahren noch als „Kaffeesatzleserei“ bezeichnete technische
Teil sehr stark auf einzelne Kennziffern. Dagegen erlauben die re- Analyse verstärkt anerkannt und angewandt. Im Vergleich zur fun-
gelmäßig veröffentlichten ökonomischen Indikatoren eine Rund- damentalen Analyse liegt der Vorteil des technischen Ansatzes in
umbetrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung in einem Wäh- der Timing-Komponente. Die fundamentale Analyse prognostiziert
rungsraum. Sie ermöglichen es, die gesamtwirtschaftliche Situati- zwar die Richtung, sagt aber nichts darüber aus, wann die Bewe-
on einer Volkswirtschaft zu beurteilen. Während diese Betrachtung gung in diese Richtung voraussichtlich geschehen wird.
TRADERS´ extra 29

Fundamentale Analyse für technisch-orientierte Trader Die erwartete Gesamtrendite einer Investition in eine ausländi-
Auch für Trader, deren Handelsansatz rein auf der technischen Ana- sche Anlage setzt sich somit aus zwei Komponenten zusammen:
lyse basiert, ist es empfehlenswert, zumindest die Grundlagen der dem ausländischen Zins und der Wechselkursentwicklung während
fundamentalen Ansätze im Devisenmarkt zu kennen. des Anlagezeitraums (RenditeAusland = ZinsAusland + Wechselkurs-
Da eine ausführliche Schilderung der klassischen Modelle ein entwicklung).
ganzes Buch füllen würde und der Artikel nur eine einfach gehalte- Entspricht die Rendite im Inland nicht der Rendite im Ausland,
ne Einführung in den Themenbereich darstellen soll, werden an die- hat dies laut der Zinsparität-Theorie Auswirkungen auf den Wech-
ser Stelle lediglich die Grundlagen mit den Auswirkungen auf den selkurs. Liegt die Rendite für Auslandsanlagen über der Rendite für
Wechselkurs vorgestellt. Trotz der zum Teil starken Vereinfachung Inlandsanlagen, wird der Investor sein Geld ins Ausland transferie-
bleibt die Grundaussage aber stets erhalten. Auf Sonderfälle und ren. Folglich benötigt er ausländische Devisen und fragt diese auf
die hinter den Modellen steckende genaue Funktionsweise wird dem Devisenmarkt nach. Im Gegenzug bietet er seine inländischen
nicht detaillierter eingegangen. Währungsbestände an.
Die höhere Nachfrage nach ausländischen Devisen und das
Zinsparität-Theorie Angebot an heimischer Währung führen schließlich zu einer Auf-
Das einfachste der in diesem Artikel vorgestellten Modelle ist das wertung der ausländischen Währung.
Modell der Zinsparität. Es erklärt Wechselkursbewegungen anhand Dieser Prozess setzt sich so lange fort, bis die erwartete Wechsel-
des Anlageverhaltens von Kapitalanlegern. Die Grundannahme der kursentwicklung während des Investitionszeitraums der Zins-
Zinsparität-Theorie beruht darauf, dass Anleger ihr Geld dort inves- differenz entspricht. Dadurch sind die Renditen in beiden
tieren, wo sie die höchste Rendite erwarten. Die Anlagemöglich- Währungsräumen identisch. Der Zinsvorteil wird laut dem Modell
keiten müssen dabei jeweils ein ähnliches Maß an Liquidität und somit durch die erwartete Wechselkursentwicklung ausgeglichen.
ein vergleichbares Risiko aufweisen. Kapitalströme zwischen zwei Neben dem aktuellen Wechselkurs und den Zinsen spielt also auch
Ländern orientieren sich laut dem Zinsparitätsmodell somit vor al- der erwartete Rücktauschkurs eine wichtige Rolle.
lem an der Zinsdifferenz. Gilt die Zinsparität-Theorie, so weisen ausländische Vermögens-
Die Rendite einer inländischen Anlage, d.h. die realisierte Wert- titel die gleiche Rendite wie inländische Vermögenstitel auf.
steigerung, entspricht dem inländischen Zins. Dagegen wird die Wechselkursbewegungen lassen sich demnach durch Zins-
Rendite aus Investitionen in ausländische Anlagen nicht nur durch änderungen und dem Streben nach Rendite erklären. An Hand des
den dort vorherrschenden Zinssatz, sondern auch durch die erwar- Modells lassen sich auf einfache Art und Weise nun auch die Aus-
tete Wechselkursentwicklung beeinflusst. Der Anleger transferiert wirkungen von Zinsänderungen darstellen.
sein Geld zum aktuellen Wechselkurs ins Ausland. Dort erhält er Erhöhen sich die Zinsen für ausländische Anlagen, steigt deren
Zinsen auf seine Investition, und muss sein Geld zum dann gelten- Rendite und somit deren Attraktivität. In der Folge werden Anleger
den Wechselkurs zurück ins Inland transferieren. Verändert sich vermehrt ins Ausland investieren. Durch die erhöhte Nachfrage
während des Anlagezeitraums der Wechselkurs, hat dies Auswir- nach ausländischen Devisen wertet die ausländische Währung auf
kungen auf die realisierte Rendite. Gäbe es keine Wechselkurs- bzw. die inländische Währung ab. Dieser Prozess setzt sich so lange
schwankungen (wie beispielsweise bei fixen Wechselkursen), ent- fort, bis sich die Renditen in beiden Währungsräumen wieder an-
spricht die Rendite aus Investitionen im Ausland dem dort vorherr- geglichen haben. Der identische Prozess gilt natürlich auch im Fal-
schenden Zins. Bei fixen Wechselkursen würde laut dem Modell je- le einer Zinssenkung.
der Investor sein Geld somit in jener Währung halten, welche die Aufgrund der Einfachheit des Modells wurde es bereit häufig em-
höchsten Zinsen offeriert. pirisch überprüft. Die Ergebnisse sind aber ernüchternd. Es stellte sich
heraus, dass das Modell häufig von der realen Entwicklung abweicht.
Aus Sicht des Investors sind somit drei Szenarien denkbar: Offensichtlich gibt es neben dem Zins noch weitere Einflussfaktoren
• der aktuelle Wechselkurs und der Wechselkurs am Ende der In- auf die Wechselkursentwicklung, die das Modell vernachlässigt.
vestition sind identisch. In diesem Fall entspricht die ausländi-
sche Rendite genau dem ausländischen Zinssatz. Zusammenfassung
• Liegt der (erwartete) Rücktauschkurs (z. B. 1€ = 1,25$) über dem Eine Zinserhöhung in einem Währungsraum führt in der Regel zu
aktuellen Wechselkurs (1€ = 1,20$), verringert sich die Rendite einer Aufwertung der entsprechenden Währung.
des Anlegers. Er muss nun, um einen Euro zu erhalten, mehr Das Standard-Modell geht von einem erwarteten Umtausch-
Dollar bezahlen, als er am Anfang für einen Euro erhalten hat. kurs am Ende der Anlage aus. Sichert der Anleger bereits zum
• Dagegen profitiert der Investor von den Devisenschwankungen, Investitionszeitpunkt den Rücktauschkurs über den Terminmarkt
falls die ausländische Währung aufwertet. Lag der Preis am ab, spricht man von der gedeckten (gesicherten) Zinsparität.
Anfang bei 1€ = 1,20$ und entwickelt sich im Laufe des An- In diesem Zusammenhang soll auch noch der so genannte
lagezeitraums auf 1€ = 1,15$, werden nun weniger Dollar be- „Curreny Carry Trade“ erwähnt werden. Hierbei nimmt ein Investor
nötigt, um einen Euro zu erhalten (nur noch 1,15$ statt 1,20$ in einem Land mit geringen Zinsen einen Kredit auf und legt das
am Anfang). Geld in einem Land mit höheren Zinsen an. Er verdient nun die Dif-
30 TRADERS´ extra

ferenz zwischen den beiden Zinssätzen, unterliegt aber einem auch als positiver Außenbeitrag oder als Leistungsbilanzüberschuss
Wechselkursrisiko. Mehrere Untersuchungen haben aber gezeigt, bezeichnet. Weist ein Land einen positiven Außenbeitrag aus, so
dass mit dieser Methode teilweise hohe Erträge erwirtschaftet wer- steigt durch den Nettozufluss von Kapital das Inlandsvermögen.
den konnten. Aus diesem Grund wird dem „Carry Trade“ ein weite- Übersteigen dagegen die Importe die Exporte, fließt Geld aus dem
rer Artikel in diesem Magazin gewidmet (Seite 36). Land heraus und das inländische Vermögen sinkt.
In der Kapitalbilanz werden die Forderungen und Verbindlich-
Zahlungsbilanz keiten des Inlands gegenüber dem Ausland erfasst. Hierbei wird
Die Zahlungsbilanz versucht im Gegensatz zu der Zinsparität-The- zwischen Kapitalimporten und –exporten unterschieden. So ist
orie die Wechselkursbildung mit einem ganzheitlicheren Ansatz zu beispielsweise der Erwerb von inländischen Aktien durch einen
erklären. Basis ist jetzt nicht mehr das „rationale“ Renditestreben Ausländer ein Kapitalimport, da „ausländisches“ Geld in das Inland
von Investoren, sondern im Mittelpunkt stehen die Güter- und kommt. Die Differenz zwischen den Kapitalimporten und –exporten
Kapitalflüsse zwischen zwei Volkswirtschaften. Diese werden in der wird auch als Nettokapitalexport bezeichnet.
so genannten Zahlungsbilanz erfasst. Diese informiert über die Weist ein Land beispielsweise ein Defizit in der Leistungsbilanz
ökonomische Interaktion einer Volkswirtschaft mit dem Ausland. auf (d. h. die Importe sind wertmäßig größer als die Exporte), muss
Sie ist eine systematische Aufzeichnung der wirtschaftlichen Trans- der negative Saldo durch einen positiven Beitrag der Kapitalbilanz
aktionen zwischen privaten und öffentlichen Haushalten, Unterneh- ausgeglichen werden. Dementsprechend muss das Land ein
men und Banken im In- und im Ausland. Im Gegensatz zu einer Netto-Importeur von Kapital sein, d. h. ausländische Investoren
Unternehmensbilanz ist die Zahlungsbilanz also keine Zeitpunkt- müssen Geld im Inland anlegen. Folglich verschuldet sich das In-
betrachtung (z.B. Bilanz zum Jahresende), sondern betrachtet ei- land beim Ausland. Die höheren Importe werden somit durch ei-
nen Zeitraum und erfasst alle Zahlungsströme mit dem Ausland, nen ausländischen „Kredit“ finanziert. Ein gutes Beispiel für die
die innerhalb dieser Periode anfallen. beschriebene Situation ist die USA. Diese weisen regelmäßig ein
Die Zahlungsbilanz setzt sich primär aus der Leistungsbilanz hohes Leistungsbilanzdefizit aus. Dieses wird durch hohe Kapital-
und der Kapitalbilanz zusammen. In der Leistungsbilanz werden importe in die USA finanziert, d. h. viele ausländische Investoren
alle Transaktionen erfasst, die einen Güteraustausch als Ursache legen ihr Geld in den USA an. So lange wie US-Investitionen
haben. Sie untergliedert sich wiederum in mehrere Unterbilanzen weiterhin gefragt sind (d. h. ausreichend Kapital in die USA „im-
wobei die portiert“ wird), ist das negative Leistungsbilanzdefizit unproble-
• Handelsbilanz (Erfassung des Warenverkehrs, d. h. Exporte matisch. Aufgrund dieses Prozesses verschuldet sich die USA aber
und Importe) und die stetig beim Ausland, da immer mehr amerikanische Assets durch
• Dienstleistungsbilanz (Erfassung der Dienstleistungen) ausländische Investoren gehalten werden.
die wichtigsten Posten darstellen. Der Saldo der Leistungsbilanz Deutschland dagegen exportiert regelmäßig mehr Güter als
wird häufig auch als „Außenbeitrag“ definiert. Er entspricht verein- es importiert. Der Leistungsbilanzüberschuss führt zu einer
facht ausgedrückt der Differenz zwischen Exporten und Importen Vermögensvermehrung im Inland. Einen Teil ihres Gesamtver-
von Waren und Dienstleistungen. Ein positiver Saldo der Leistungs- mögens legen die Deutschen aber regelmäßig im Ausland an, d. h.
bilanz (d.h. die Exporte übersteigen wertmäßig die Importe) wird sie exportieren Kapital. Dies führt zu einer negativen Kapital-
bilanz.
Gleichen sich Leistungs- und Kapitalbilanz nicht aus, führt dies
zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach
der Währung. Die daraus resultierende Wechselkursbewegung
bringt das Verhältnis wieder in die Waage. Eine negative Zahlungs-
bilanz zeigt auf, dass die Devisenabflüsse größer als die –zuflüsse
sind.
Übersteigen beispielsweise die Güterimporte die –exporte führt
dies zu einer Netto-Nachfrage nach ausländischen Devisen und ei-
nem Angebot der eigenen Währung auf dem Devisenmarkt. In der
Folge wird der Wechselkurs nachgeben. Aufgrund der Abwertung
der Währung werden die Exporte nun für Ausländer gesehen rela-
tiv günstiger, die Nachfrage nach Exporten steigt. Gleichzeitig wer-
den die Importe vergleichsweise teurer, so dass die Nachfrage nach
Importen zurückgeht. In der Folge steigen die Exporte und die Im-
porte gehen zurück, die Zahlungsbilanz kommt wieder ins Gleich-
gewicht. Auch im umgekehrten Fall einer positiven Zahlungsbilanz
sorgen die einsetzenden Wechselkursveränderungen für den Aus-
B1) Vereinfachter Aufbau der Zahlungsbilanz
gleich der Bilanz.
TRADERS´ extra 31

Zusammenfassung würde. Sollte der aktuelle Wechselkurs von dem theoretisch ermit-
Wechselkursbewegungen führen zu einem Ausgleich der Zahlungs- telten Wert (1,05) signifikant abweichen, würde er sich gemäß der
bilanz. In Systemen mit fixen Wechselkursen kann es auch langfris- Kaufkraftparität langfristig diesem Wert anpassen. Liegt der EUR/
tig zu Ungleichgewichten in der Zahlungsbilanz kommen. So er- USD-Wechselkurs auf dem Devisenmarkt beispielsweise bei 1,20,
wirtschaftet beispielsweise China einen hohen Überschuss, der sich ist der Euro laut der Kaufkraft-Theorie um knapp 14 Prozent über-
in stark steigenden Devisenreserven der Nationalbank widerspie- bewertet. Bei einem Kurs von 0,90 dagegen wäre der Euro um
gelt. Dadurch ist China nach Japan inzwischen zum zweitgrößten ungefähr 15 Prozent unterbewertet.
Gläubiger der USA geworden. Ähnliche vereinfachte Modelle wie der vorgestellte Bic-Mac In-
dex sind der Starbucks Tall Latte Index, dem ein Kaffee zugrunde
Kaufkraftparitäten-Theorie liegt, und der Ipod-Index, der auf dem gleichnamigen Musik-Player
Die absolute Kaufkraftparitäten-Theorie (Purchasing Power Parity, basiert. In der Realität wird für das Modell aber nicht nur ein Gut
PPP) vergleicht die Kaufkraft von zwei Währungen. Laut dieser The- betrachtet, sondern ein ganzer Warenkorb. Es wird berechnet, wie
orie muss der Wechselkurs so bestimmt sein, dass ein Gut im Aus- viele Einheiten der jeweiligen Währung notwendig sind, um einen
land – umgerechnet in die inländische Währung – genauso teuer repräsentativen Korb von Waren und Dienstleistungen zu kaufen.
ist wie im Inland. Die Kaufkraft beider Währungen ist beim Gleich- Des Weiteren führt nicht jeder Preisunterschied zu einer Arbitrage,
gewichtswechselkurs somit identisch. da unter anderem Steuern, Transportkosten und Zölle betrachtet
Weicht der Wechselkurs deutlich von diesem theoretischen werden müssen.
Gleichgewichtskurs ab, besteht in der Regel eine Tendenz in Richtung Viele Güter lassen sich auch nicht weltweit handeln. Vor allem
des Gleichgewichts, da ansonsten eine Arbitrage-Möglichkeit besteht. Dienstleistungen, wie ein Restaurantbesuch oder ein Haarschnitt,
Unter einer Arbitrage-Möglichkeit versteht man einen Preis- lassen sich nicht transferieren. Der Warenkorb sollte daher so gewählt
unterschied bei einem ansonsten identischen Gut. Kostet bei- werden, dass nur weltweit handelbare Güter in ihn einfließen.
spielsweise ein Computer in den USA (umgerechnet in Euro) we- Neben der bisher vorgestellten absoluten Kaufkraftparität gibt
niger als in der Euro-Zone, würde es sich lohnen, den PC in den es noch einen zweiten Ansatz, der auf der Kaufkraft basiert: die so
USA zu kaufen und in Europa wieder zu verkaufen. Die Differenz genannte relative Kaufkraftparität. Diese betrachtet die Verände-
zwischen dem Einkaufspreis (umgerechnet in Euro) und dem rung des relativen Preisniveaus zwischen den beiden Ländern, d.h.
Verkaufspreis verbleibt als Profit. Dieser Prozess wird als Arbitra- die Veränderung der Differenz der Inflationsraten. Diese lässt sich
ge bezeichnet. aus der Entwicklung der Warenkörbe ableiten.
Für den Kauf des PC’s in den USA benötigt man allerdings US-Dollar. Laut der relativen Kaufkraftparität spiegelt die Wechselkurs-
Das Angebot von Euros und die Nachfrage nach US-Dollars führen entwicklung die Veränderung der Preisniveaus in den betrachte-
in der Folge zu einer Aufwertung des US-Dollar, die Kaufkraft in ten Währungsräumen wider.
beiden Währungsräumen passt sich an. Trotz der inhaltlich sehr logischen Ansätze ist die Aussagekraft
Das Theorem der Kaufkraftparität sagt somit aus, dass eine und Relevanz für den tatsächlichen Handel aber lediglich gering.
Währung in jedem Land die gleiche Kaufkraft haben muss bzw. den Kurzfristig lassen sich aus dem Modell keine Prognosen ableiten.
gleichen realen Wert besitzt. Das Preisniveau im Ausland sollte nach Und auch langfristig schwanken die Preise teilweise mit hohen Ab-
der Umrechnung mit dem Wechselkurs dem Preisniveau im Inland weichungen stark um die theoretische Parität.
entsprechen. Wäre dies nicht der Fall würde es zu Arbitrage zwi-
schen den Ländern kommen, durch welche die Preisunterschiede Zusammenfassung
wieder ausgeglichen werden. Laut der PPP-Theorie ist der Wechselkurs so bestimmt, dass die Kauf-
Der Wechselkurs spiegelt somit laut der Kaufkraftparität-Theo- kraft in allen Währungsräumen identisch ist.
rie das Verhältnis der Preisniveaus beider Länder wider.
Ein populäres Beispiel für das PPP-Model ist der so genannte Fazit
Bic-Mac-Index. Dieser ist ein einfach konstruierter Kaufkraft-Index, Keines der drei vorgestellten klassischen Modelle vermag eine ein-
der regelmäßig von der Zeitschrift „The Economist“ veröffentlicht deutige Prognose der Wechselkurse – auch die fundamentale Analy-
wird. Grundlage für die Berechnung der Kaufkraft ist eine weltwei- se bietet keinen „Holy Grail“ zum Trading. Sie tragen aber zu einem
te Übersicht über die Preise für einen Big Mac in einem McDonalds- besseren Verständnis für die Funktionsweise des Devisenmarktes bei
Restaurant. und erlauben die Interpretation von Veröffentlichungen sowie die
Hierbei handelt es sich um ein homogenes Gut, das weltweit Prognose von Auswirkungen auf die Wechselkurse. Statt mit den klas-
auf fast die gleiche Art und Weise und mit den gleichen Zutaten sischen Modellen lassen sich Währungsräume aber auch anhand ih-
hergestellt wird. Kostet ein Big Mac in den USA beispielsweise durch- rer Entwicklung und der ökonomischen Situation bewerten. Ã
schnittlich 3,06 $, während der Preis in Europa bei 2,92 € liegt, er-
gibt sich ein theoretischer Wechselkurs von 3,06 / 2,92 = 1,05. Bei
diesem Wechselkurs wäre es einem Konsumenten egal, ob er sei- Den zweiten Teil dieses Artikels lesen Sie in der Juli Ausgabe von
nen Big Mac in den USA oder in Europa kaufen bzw. verzehren TRADERS´.
32 TRADERS´ extra

Commitment of Traders -
Sentiment-Analyse im Devisenmarkt

Die Sentiment-Analyse setzt sich mit der Stimmung und den Erwartungen von
Marktteilnehmern auseinander. Lange Zeit ging man an den Kapitalmärkten von
rational agierenden Marktteilnehmern aus. Erkenntnisse aus der Behavioral Finance
– ein junger Forschungszweig, der sich mit der Verhaltensweise von Markt-
teilnehmern an den Kapitalmärkten auseinandersetzt – widerlegen diese These aber
eindeutig. Die Behavioral Finance zeigt auf, dass sich Investoren häufig irrational
verhalten. Diese Verhaltensmuster treten systematisch auf und erlauben somit Rück-
schlüsse auf das zukünftige Verhalten in vergleichbaren Situationen.

 Anhand der so genannten Sentiment-Analyse lässt sich die Stim- die an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelten FX-
mung im Markt aufzeigen. Daraus lassen sich wiederum Rückschlüs- Futures sowie über den am New York Board of Trade (NYBOT)
se auf die künftige Kursentwicklung ziehen. Dieser Artikel konzen- gehandelten US-Dollar-Index.
triert sich auf den Commitment of Traders (COT)-Report, die be- Ziel der Veröffentlichung ist es, an den Terminmärkten eine
kannteste und vergleichsweise einfach erhältliche Erhebung für die höhere Transparenz zu schaffen. Daher werden Informationen
Sentiment-Analyse. darüber gesammelt, wer und in welchem Umfang mit Termin-
kontrakten handelt. Veröffentlicht wird sowohl eine kurze Zusam-
Commitment of Traders (COT) menfassung als auch eine ausführliche Variante. Der Report
Der Commitment of Traders-Report – häufig auch nur mit seinem schlüsselt die gehandelten Kontrakte sowohl nach Markt-
Kürzel COT bezeichnet – wird von der Commodity Futures Trading teilnehmern als auch nach deren Positionierung auf (Long und
Commission (CFTC) veröffentlicht. Die CFTC ist eine amerikanische Short). Das ebenfalls publizierte Open Interest spiegelt die Summe
Aufsichtsbehörde, die den Handel mit Terminkontrakten an den US- der noch offen stehenden Terminkontrakte wider und gibt unter
Terminbörsen überwacht. anderem Auskunft über die Liquidität.
Der erste Commitment of Traders-Report wurde 1962 veröffent- Die CFTC unterscheidet bei den Marktteilnehmern zwischen
licht und enthielt Daten über 13 Agrar-Futures. Im Laufe der Zeit Commercials und Non-Commercials. Erstere bezeichnen Markt-
wurde die Anzahl an beobachteten Underlyings immer mehr aus- teilnehmer, die sich über den Futures-Markt vor allem gegen Preis-
geweitet. Der Anfangs noch monatlich veröffentlichte und nur ge- schwankungen absichern. Diese nutzen den Terminmarkt primär
gen Bezahlung erhältliche Report enthält heute auch Daten über für das Hedging und verfolgen meist keine spekulativen Interes-
TRADERS´ extra 33

betrachten. Short ist die Bezeichnung für eine offene Position, die
durch einen Verkauf entstanden ist und mit der auf fallende Notie-
rungen spekuliert wird. Das Gegenteil ist die bereits erwähnte Long-
Position.
Ist das Verhältnis von Long- zu Short-Positionen der Non-Com-
mercials besonders ausgeprägt, gibt es eine Vielzahl an Markt-
teilnehmern, die auf steigende Kurse spekulieren. Da die Non-
Commercials in der Regel Spekulanten sind, kann man davon aus-
gehen, dass sie ihre Position bei fallenden Kursen glatt stellen wer-
den. Des Weiteren hat in diesem Fall ein Großteil der Marktteil-
nehmer, die eine positive Prognose haben, bereits eine Position
aufgebaut. Es ist somit „kein potenzieller Käufer mehr übrig“. Kommt
B1) EUR/USD und Netto-Positionen es nun also zu einem Kursrückgang, gibt es aufgrund der einseiti-
Quelle: Bloomberg gen Positionierung eine Vielzahl an potenziellen Verkäufern. Diese
Überlegung gilt in umgekehrter Weise ebenso für ein hohes Ver-
hältnis von Short- zu Long-Positionen der Non-Commercials.
sen. Dagegen nehmen die Non-Commercials primär aus spekulati- Für die Analyse der COT-Daten sind dementsprechend vor allem
ven Interessen am Terminhandel teil. Für beide Gruppen werden die Bestände der Non-Commercials interessant, da diese spekulativ
jeweils die Anzahl der offenen Short- und Long-Positionen ausge- am Markt tätig sind und aktiv auf Wechselkursschwankungen rea-
wiesen. Gehandelte Kontrakte, die weder den Commercials noch gieren. Durch das Subtrahieren aller gehaltenen Short-Positionen von
den Non-Commercials zugerechnet werden können, werden der den Long-Positionen erhält man die Netto-Position der Non-
Kategorie „non-reportable Positions“ zugewiesen. Commercials.
Der Report vermittelt einen Einblick, welche Interessengrup- Bild 1 zeigt den EUR/USD-Wechselkurs für den Zeitraum von
pen wie im Markt positioniert sind. Allerdings ist der Report für den Februar 2005 bis Februar 2006 (linke Achse, blaue Linie). Auf der
Devisenhandel nur bedingt repräsentativ: lediglich ein Bruchteil des rechten Achse sind die Netto-Positionen der Non-Commercials ab-
weltweiten FX-Handels wird über die Terminbörsen gehandelt. Der getragen (Anzahl der gehaltenen Long-Kontrakte minus Anzahl der
Großteil des Volumens findet nach wie vor im Interbanken-Handel gehaltenen Short-Positionen). Diese werden im Chart durch die
statt. Des Weiteren wird der Report nur wöchentlich mit einer Ver- grauen Balken dargestellt. Positive Werte zeigen an, dass ein Groß-
zögerung von drei Werktagen veröffentlicht. Jeweils freitags wer- teil der Non-Commercials Long positioniert ist. Negative Werte da-
den die Daten für den vergangenen Dienstag veröffentlicht. gegen repräsentieren eine überwiegende Short-Positionierung.
Trotz der erwähnten Nachteile stellen die Daten eine wertvolle Einseitige Positionierungen der Marktteilnehmer entweder auf der
Ergänzung in der Toolbox eines FX-Traders dar. Da die Sentiment- Long- oder auf der Short-Seite wurden im Chart durch rote Kreise
analyse mittel- bis langfristig orientiert ist, schmälert die verzöger- markiert.
te Veröffentlichung die Aussagekraft und die Anwendbarkeit der Extreme Positionierungen der Marktteilnehmer gehen oftmals
Daten nur geringfügig. In historischen Betrachtungen haben die mit einem Trendwechsel einher, da sich beispielsweise alle positiv
Daten – sowohl im Rohstoff- als auch im FX-Bereich – gute Progno- gestimmten Marktteilnehmer bereits Long positioniert haben. So-
sen geliefert. mit ist niemand mehr übrig, der kaufen könnte und durch seine
Der wöchentlich erscheinende Report ist kostenfrei verfügbar Nachfrage die Preise weiter erhöhen würde. Leicht gegenläufige
und kann auf der Website der CFTC1 in der Rubrik „Commitments of Kursbewegungen führen dann wie bereits weiter oben beschrie-
Traders“ heruntergeladen werden. Neben den aktuellen Daten sind ben dazu, dass einige Marktteilnehmer ihre Positionen auflösen. Der
auch historische Reports zurückgehend bis Mitte der 90er Jahre daraus resultierende Kursrückgang veranlasst weitere Markt-
verfügbar. teilnehmer zum Glattstellen ihrer Position. Diese Reaktion führt
häufig zu einem zumindest kurzfristigen Trendwechsel. Die Bilder
Analyse der Daten 1 und 2 zeigen mehrere Wendepunkte, die jeweils mit Extremwer-
Grundlage der Sentiment-Analyse ist der „Contrarian“-Ansatz, d.h. ten in den Netto-Positionen einhergingen.
das „Prinzip der gegensätzlichen Meinung“. Diesem liegt die Über- Die Sentiment-Analyse eignet sich vor allem zur Bestimmung
legung zu Grunde, dass die Mehrzahl der Investoren falsch positio- von Trendwechseln. Während stark ausgeprägter Trendphasen mit
niert ist. Marktteilnehmer, die mit steigenden Kursen rechnen, ha- lediglich geringen Kursrücksetzern liefert der COT-Bericht dage-
ben bereits eine Position aufgebaut und sind demnach schon auf gen wenig brauchbare Signale – hier kann das Verhältnis der
der Long-Seite positioniert. In der Folge stehen sie nicht mehr als Netto-Positionen auch über lange Zeit im Extrembereich verhar-
Käufer zur Verfügung. Sollten die Kurse nachgeben, stellen sie sogar ren. Ein hohes Verhältnis von Long- zu Short-Positionen der Non-
potenzielle Verkäufer dar. Auf der anderen Seite sind Markt- Commercials weist also nicht zwingend auf eine bevorstehende
teilnehmer, die eine Short-Position halten, als potenzielle Käufer zu Trendwende hin.
36 TRADERS´ extra

B2) GBP/USD und Netto-Positionen B3) Ausgeprägte Trendphasen


Quelle: Bloomberg Quelle: Bloomberg

Bild 3 zeigt den Wechselkurs des britischen Pfunds gegenüber personen im Devisenmarkt. Die Daten basieren auf den Handels-
dem US-Dollar. In den Monaten von September 2003 bis Februar positionen von zirka 50 000 Kunden. Veröffentlicht wird das Ver-
2004 konnte das Pfund um mehr als 20 Cent gegenüber dem US- hältnis der Long- zu den Short-Positionen in mehreren Währungs-
Dollar aufwerten. Dieser Anstieg wurde von dauerhaft hohen Netto- paaren. Im Gegensatz zu den COT-Reports werden aber keine
Positionen der Non-Commercials begleitet. Kontraktzahlen publiziert, sondern lediglich das relative Verhältnis
Man sollte die Sentiment-Analyse daher nie gesondert betrach- zwischen Long- und Short-Positionen.
ten, sondern stets mit einem weiteren Ansatz wie der technischen Während die Commitment of Trader-Reports stets mit einer
Analyse kombinieren. Weist die Sentiment-Analyse durch einen Ex- Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht werden, entsprechen die
tremwert auf eine mögliche Trendwende hin und liefert die techni- SSI-Daten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung den aktuellen Markt-
sche Analyse gleichzeitig ein Umkehrsignal, stellt dies häufig ein verhältnissen. Des Weiteren stammen die Kunden von FXCM aus
sehr Erfolg versprechendes Signal dar. aller Welt. Die im COT-Report berücksichtigten FX-Futures werden
Auch beim Handel mit Widerständen und Unterstützungen lie- dagegen primär in den USA gehandelt. Die Interpretation der Da-
fert der COT-Report zusätzliche Hinweise. Nähert sich der Wechsel- ten stimmt mit der Anwendung der COT-Reports überein.
kurs beispielsweise einer markanten Widerstandsmarke und sind
bereits vergleichsweise viele Marktteilnehmer Long positioniert, ist Fazit
die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Ausbruch gering. Da Die Analyse der „Commitment of Traders“-Reports (und natürlich
viele Händler bereits eine Long-Position eingegangen sind, verblei- auch des Speculative Sentiment Index) bietet häufig wertvolle Er-
ben nur relativ wenige Marktteilnehmer als potenzielle Käufer, die kenntnisse. Anhand der Veröffentlichung lassen sich Trendwechsel
den Ausbruch „tragen“ könnten. Sind dagegen bisher nur ver- prognostizieren: Extremwerte in den Netto-Positionen der Non-
gleichsweise wenige spekulative Marktteilnehmer auf der Long- Commercials stellen häufig Wendepunkte im Wechselkurs dar.
Seite engagiert und der Wechselkurs überwindet einen wichtigen Allerdings kann es während ausgeprägter Trendphasen auch vorkom-
Widerstand, steigt der Wechselkurs durch die dann einsetzenden men, dass der Indikator über lange Zeit im Extrembereich verharrt.
Käufe häufig rasch an. Handelsentscheidungen sollten daher nicht nur auf den Netto-
Positionen der Non-Commercials basieren. Stattdessen sollten Sig-
FXCM Speculative Sentiment Index nale stets mit einem weiteren Ansatz wie der technischen Analyse
Vergleichbar zu den COT-Daten ist der Speculative Sentiment In- verifiziert werden. Nimmt der Indikator beispielsweise einen Ex-
dex (SSI). Dieser wird in regelmäßigen Abständen von Forex Capital tremwert an und durchbricht der Kurs kurz darauf eine Trendlinie
Markets (FXCM) veröffentlicht, einem der größten Broker für Privat- oder bildet eine Umkehrformation aus, ergibt sich ein viel verspre-
chendes Signal.
Aufgrund der lediglich wöchentlichen Veröffentlichung sind die
Links COT-Reports vor allem für mittel- bis langfristig orientierte Trader
Commitment of Traders – Reports: interessant. Um das „Big Picture“ nicht aus dem Auge zu verlieren
http://www.cftc.gov/cftc/cftccotreports.htm empfiehlt es sich aber auch für kurzfristig agierende Händler, die
Speculative Sentiment Index: Veröffentlichung zu beachten.
http://www.fxstreet.com/images/graf/ssi.pdf Allerdings ist die Interpretation der Daten nicht ganz einfach,
http://www.cftc.gov die Anwendung für Einsteiger stellt sich daher häufig als proble-
matisch dar. Ã
38 TRADERS´ extra

Currency Carry Trade

Eine vor allem von Hedge-Funds häufig umgesetzte


Strategie am Devisenmarkt ist der so genannte
„Currency Carry Trade“, häufig auch einfach nur als
„Carry Trade“ bezeichnet. Hinter der kompliziert klin-
genden Beschreibung versteckt sich ein einfaches Sys-
tem: Gelder werden in einer niedrig verzinsten Währung
aufgenommen und in einer Währung mit einer
vergleichsweise hohen Verzinsung angelegt. Der Ertrag
aus einem Carry Trade setzt sich dementsprechend aus
zwei Komponenten zusammen: der Zinsdifferenz zwi-
schen den beiden Währungen und der Entwicklung des
Wechselkurses.

 Die Gelder aus der aufgenommenen Währung entsprechen ei- der Rendite. Liegt die prozentuale Abwertung über der Zins-
nem Kredit, für den man Zinsen zahlen muss. Diese Zahlungen lie- differenz, verliert der Investor Geld.
gen bei einem Carry Trade stets unter den Zinsen, die man für die Carry Trades sind eine der beliebtesten Strategien von Glo-
gekaufte Währung erhält. Im Idealfall belaufen sich die Zinszahlungen bal-Macro-Hedge-Funds. Diese versuchen, die makroökono-
auf null Prozent (beispielsweise im Japanischen Yen). Erträge aus mische Entwicklung frühzeitig zu erkennen und durch entspre-
Zinszahlungen dagegen liegen bei einigen Währungen zeitweise chende Strategien gewinnbringend auszunutzen. In diesem Zu-
sogar über fünf Prozent (z. B. Neuseeländischer Dollar: 7,25 Prozent). sammenhang ist häufig auch von „Leveraged Carry Trades“ die
Die Differenz aus den Zinssätzen (d. h. erhaltene Zinsen minus die Rede. Hierbei wird lediglich ein Teil der gehandelten Summe als
zu zahlenden Zinsen) verbleibt als Rendite beim Investor. Sicherheitsleistung hinterlegt, das vorhandene Kapital also
Der Ertrag aus einem Carry Trade hängt aber ebenfalls ganz gehebelt („Leverage“). Dies entspricht dem Margin-Handel, der
entscheidend davon ab, wie sich der Wechselkurs im Laufe des inzwischen auch privaten Tradern am Devisenmarkt möglich ist.
Anlagezeitraums entwickelt. Ändert sich der Wechselkurs während Der Return auf das vorhandene beziehungsweise hinterlegte Ka-
des Anlagezeitraums nicht, entspricht die Rendite aus dem Carry pital erhöht sich dadurch beträchtlich. Eine Zinsdifferenz von
Trade der Zinsdifferenz. Eine Aufwertung der hoch verzinsten Wäh- beispielsweise drei Prozent erhöht sich bei einem Hebel von
rung dagegen führt zu einer weiteren Ertragssteigerung. In diesem lediglich fünf auf insgesamt 15 Prozent, falls für den Handel von
Fall erhöht sich die Rendite aus dem Zinsvorsprung noch um die Margin keine weiteren Kosten anfallen. Im gleichen Maße erhö-
vorteilhafte Wechselkursentwicklung. Dagegen führt eine Abwer- hen sich dementsprechend auch die möglichen Erträge aus den
tung der Währung, in die man investiert ist, zu einer Verminderung Wechselkursschwankungen – natürlich aber auch das Risiko.
TRADERS´ extra 39

7,50% Währung diente in der Vergangenheit häufig der japanische Yen.


86
Die Anlage erfolgte meist in britischen Pfund oder in Australischen,
7,00% 84 Neuseeländischen oder US-Dollar. Bild 2 gibt einen Überblick über
82
die Zinsentwicklung der für Carry Trades relevanten Währungen von
6,50%
2000 bis 2006.
80

6,00%
78 Carry Trades in der Praxis
76
Die Wechselkursbildung an den Devisenmärkten wird nach Mei-
nung von professionellen Marktteilnehmern stark durch das Ein-
5,50%
74
gehen und Auflösen von Carry Trades beeinflusst. Aufgrund von
72 fehlenden Daten und der vielfältigen Verknüpfungen im Devisen-
5,00%
markt ist eine Quantifizierung des Einflusses von Carry Trades auf
70
den Wechselkurs aber nicht möglich.
4,50%
Q1 ´04 Q3 ´04 Q1 ´05 Q3 ´05
68 Eine von der Deutschen Bundesbank erstellte Studie auf Grund-
Zinsdifferenz NZD-JPY NZDJPY (rechte Skala) lage von Carry Trades im Euro gegen den US-Dollar weist jährliche
B1) Zinsdifferenz und Wechselkursentwicklung Erträge von bis zu 71 Prozent aus. Auf Jahresbasis betrug der
Drawdown allerdings bis zu 20 Prozent, zwischenzeitlich war er sogar
noch höher. Die durchschnittliche Rendite im Jahresmittel beläuft
Währungsräume, die hohe Zinsen offerieren, ziehen in der Re- sich laut der Analyse auf 15 Prozent - ein Vielfaches der Zinsdifferenz.
gel viele Investoren an und generieren damit eine hohe Nachfrage Die hohe Rendite ergibt sich somit zu einem großen Teil nicht aus
nach ihrer Währung. In der Folge kommt es häufig zu einer Aufwer- dem Zinsunterschied zwischen beiden Währungsräumen, sondern
tung. Damit erzeugt der „Carry Trade“ eine Wechselkursbewegung, aus den Wechselkursschwankungen. Die Schlussfolgerung, dass hoch
die zu seiner Profitabilität positiv beiträgt. Dies wiederum führt viel- verzinste Währung meist aufwerten, ist aber nicht haltbar.
fach zu weiteren Investitionen in die Währung, wodurch sich ten-
denziell ein lang anhaltender Wechselkurstrend herausbildet. Ne- Fazit
ben den Zinsgewinnen kommt es somit häufig auch zu einer Auf- Carry Trades sind für den kurzfristigen Handel ungeeignet. Der Zeit-
wertung der Währung, sobald der Zinsvorsprung eines Währungs- horizont sollte in der Regel mindestens sechs Monate betragen, da-
raums gegenüber anderen Devisen groß genug ist. mit die Zinsdifferenz zum Tragen kommt und Zinsen in nennens-
Die Auflösung von Carry Trades führt umgekehrt vielfach zu einer wertem Umfang anfallen. Aufgrund der hohen Drawdowns und des
Abwertung der höher verzinsten Währung und verringert die Rendite besseren Marktzugangs eignen sich Carry Trades daher vor allem
noch bestehender Positionen. Dadurch werden wiederum weitere für Hedge Funds.
Anleger motiviert, ihre Carry Trades aufzulösen. Diese Kettenreakti- Das Verständnis für die Funktionsweise ist aber dennoch wich-
on führt in der Folge häufig zu einer Beschleunigung der Abwertung. tig, da Carry Trades einen nicht unerheblichen Einfluss auf die
Wechselkursbildung und somit auch Auswirkungen auf den priva-
Beispiel ten Investor haben. Ã
Ein populärer „Carry Trade“ im FX-Markt ist der Neuseeländische
Dollar („Kiwi“) gegen den japanischen Yen. Während man auf Anla-
gen im Neuseeländischen Dollar Anfang 2006 Zinsen in Höhe von 8%
7,25 Prozent erhalten hat, lag die Verzinsung für den japanischen
7%
Yen bei null Prozent.
Um von der Zinsdifferenz zu profitieren haben in der Vergan- 6%

genheit daher viele Marktteilnehmer Gelder in Japan aufgenom- 5%


men und diese in Neuseeland angelegt. Aufgrund der hohen Nach-
frage kam es zu beachtlichen Mittelzuflüssen in die Neusee- 4%

ländische Währung, die in der Folge aufwertete. Die Entwicklung 3%

der Zinsdifferenz und die begleitende Aufwertung des Neusee-


2%
ländischen Dollars ist in Bild 1 ersichtlich.
Hat man bereits zu Beginn dieses Zyklus einen Carry Trade in 1%

dem Währungspaar initiiert, konnte man im Laufe der Zeit nicht 0%


nur von der Zinsdifferenz profitieren, sondern des Weiteren auch 2000 2001 2002 2003 2004 2005
NZD AUD JPY GBP USD
noch von der Aufwertung der neuseeländischen Währung.
Anleger profitierten also nicht nur von der Zinsdifferenz, son-
B2) Zinsentwicklung
dern auch von der Entwicklung des Wechselkurses. Als Niedrigzins-
40 TRADERS´ extra

Korrelationen

Als Trader sollte man stets über die wichtigsten Gegebenheiten und Ei-
genschaften in dem gehandelten Markt informiert sein. Ansonsten läuft
man Gefahr, sich unnötigen Risiken auszusetzen und verpasst eventu-
ell aussichtsreiche Möglichkeiten. Eines der wichtigsten Konzepte, das
man als Devisenhändler kennen sollte, ist die Korrelation.

 Vorstellung der Korrelation Dieser kann sich zwischen -1 und +1 bewegen:


Handelt man beispielsweise das Devisenpaar EUR/JPY, so wird die- • Ein Wert von genau 0 sagt aus, dass sich beide Währungen völ-
ser Trade im FX-Markt häufig in zwei Trades aufgeteilt: EUR gegen lig unabhängig voneinander bewegen, d.h. die Schwankungen
USD, und JPY gegen USD. Grund dafür sind unter anderem die hö- weisen keinerlei Zusammenhang auf.
here Liquidität und die geringeren Spreads in den Quotierungen • Ist die Korrelation dagegen > 0 bedeutet dies, dass sich beide
gegen den USD. Die beiden gehandelten USD-Positionen gleichen Währungen in die gleiche Richtung entwickeln. Steigt ein Wech-
sich genau aus, so dass am Ende nur noch die EUR- und die JPY- selkurs, wird der Preis des positiv korrelierten Währungspaares
Positionen bzw. Verpflichtungen verbleiben. Demzufolge müssen meist ebenfalls steigen. Ein Wert von +1 bedeutet, dass beide
auch die beiden einzelnen Wechselkurse (EUR/USD und USD/JPY) Währungspaare perfekt positiv korreliert sind und sich jederzeit
etwas mit dem ursprünglichen Trade (EUR/JPY) zu tun haben. Eine in die gleiche Richtung bewegen.
Beschreibung der genauen Funktionsweise hiervon findet sich in • Korrelationen von < 0 dagegen spiegeln eine tendenziell
dem Artikel „Crossrates“. entgegengerichtete Entwicklung wider. Fällt der eine Wechsel-
Die Zusammenhänge zwischen der Wechselkursentwicklung von kurs, steigt der andere meist. Liegt die Korrelation bei -1 haben
zwei Währungen lassen sich in drei Kategorien einteilen: kein Zusam- sich beide Wechselkurse in der Vergangenheit perfekt gegen-
menhang, eine positive Abhängigkeit oder eine gegenläufige Ent- läufig entwickelt.
wicklung. Um diesen Zusammenhang darzustellen wird die Korrela-
tion genutzt. Vereinfacht ausgedrückt beschreibt die Korrelation die
Abhängigkeit und die Beziehungen zwischen zwei Währungen. Die
Korrelation wird anhand des Korrelationskoeffizienten ausgedrückt.

T1) Beispiel Korrelationskoeffizient


Reihe 1 Reihe 2 Reihe 3
1 5 1
2 10 5
4 20 3
8 40 7
16 80 4 B1) Entwicklung EUR/USD und USD/CHF
32 160 5 Quelle: TeleTrader Software AG
TRADERS´ extra 41

Tabelle 1 ist ein leicht nachvollziehbares Beispiel für den Korre- Korrelation in der Praxis
lationskoeffizienten. Jede Verdopplung der Werte in der Reihe 1 Währungen aus vergleichbaren Wirtschaftsräumen weisen in der
geht mit einer Verdopplung der Werte in Reihe 2 einher. Beide Rei- Regel einen hohen Korrelationskoeffizienten auf. Bestes Beispiel
hen entwickeln sich somit genau gleichläufig. Dementsprechend hierfür sind der Schweizer Franken und der Euro. Diese weisen eine
liegt der Korrelationskoeffizient bei +1. vergleichsweise hohe Korrelation auf. Je nach betrachtetem Hori-
Reihe 3 dagegen entwickelt sich zwar ebenfalls positiv, aber zont schwankt der Korrelationskoeffizient in der Regel zwischen 0,9
steht in keinem Zusammenhang zur Entwicklung der Reihe 1. Die und 1, d. h. beide Währungen entwickeln sich fast identisch. Wer-
Korrelation liegt bei 0,33. Dies entspricht einem nur relativ gerin- tet der Euro gegenüber dem US-Dollar auf, wird meist auch der
gen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der beiden Reihen. Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar aufwerten. Auch das
Aufgrund der perfekt positiven Korrelation zwischen Reihe 1 und Verhältnis der Kursbewegungen ist meist in einem ähnlichen Ver-
Reihe 2 muss der Korrelationskoeffizient zwischen Reihe 2 und Rei- hältnis, wie die hohe Korrelation zeigt.
he 3 ebenfalls bei 0,33 liegen. Da in den Quotierungen gegen den US-Dollar der Euro als Basis-
Die Korrelation ist ein statistisches Maß, welches anhand von währung fungiert (EUR/USD), der Schweizer Franken aber als „Quo-
historischen Daten berechnet wird. Sie repräsentiert also stets te currency“ (USD/CHF), entwickeln sich die Währungspaare genau
lediglich die Vergangenheit, eine gesicherte Aussage über die Zu- gegenläufig – dementsprechend wird auch die Korrelation zwi-
kunft macht sie nicht. Die Korrelation lässt sich auch über ver- schen dem Euro und dem Schweizer Franken negativ angegeben
schiedene Zeiträume berechnen. Somit kann man feststellen, wie der (-0,9 bis -1). Der Kursverlauf des Schweizer Franken entspricht so-
Zusammenhang im Laufe der vergangenen Woche oder auch auf mit mehr oder weniger dem Spiegelbild des Euros (vgl. Bild 1). Dem-
Jahresbasis war. Natürlich lässt sich die Korrelation auch auf Intraday-
Daten berechnen.

B2) Entwicklung EUR/CHF B3) Entwicklung USD/CAD und USD/JPY


Quelle: TeleTrader Software AG Quelle: TeleTrader Software AG
42 TRADERS´ extra

terhalb der 1er-Geraden sind auch oberhalb der Diagonalen zu fin-


CHF den. Währungspaare mit einer hohen Korrelation (sowohl positiv
als auch negativ) wurden in der abgebildeten Tabelle eingefärbt.
EUR Der Tabelle liegen Tagesdaten über einen Zeitraum von zwölf Mo-
naten zugrunde (Stand Januar 2006).

Korrelationskoeffizient im Intraday-Handel
Korrelationskoeffizienten lassen sich natürlich auch auf Intraday-
Basis berechnen. Der im End-of-Day beobachtete Zusammenhang
zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro lässt sich auch im
Intraday-Bereich finden. Für den Monat Januar 2006 lag die Korre-
B4) Entwicklung USD/CAD und USD/JPY
Quelle: TeleTrader Software AG
lation im 1-Minuten-Bereich ebenfalls nahe 1.
Bild 4 zeigt die Entwicklung des Euros und des Schweizer Fran-
ken (invertiert) jeweils gegenüber dem US-Dollar. Die Korrelation in
entsprechend verändert sich auch der Wechselkurs des Schweizer dem in Bild 4 dargestellten Zeitraum (1 Tag) lag bei 0,995. Dement-
Franken gegenüber dem Euro kaum. Eine historische Betrachtung sprechend haben sich beide Währungen beinahe parallel entwickelt.
(vgl. Bild 2) offenbart lediglich geringe Schwankungen des Wech- Zwischen dem Kanadischen Dollar und dem japanischen Yen
selkurses. Das Verhältnis des Euros zum Schweizer Franken verblieb dagegen lassen sich auch im Intraday-Bereich keine Abhängigkei-
über Monate in einer Handelsspanne von ungefähr 1,53 bis 1,56. ten in der Wechselkursentwicklung finden. Bild 5 zeigt die relative
JPY und CAD weisen dagegen lediglich eine geringe Korrelati- Entwicklung gegenüber dem US-Dollar im 1-Minuten-Fenster wäh-
on (je nach betrachtetem Zeitraum meist in der Bandbreite zwi- rend eines Handelstages. Deutlich ist zu erkennen, dass sich die
schen 0,1 und 0,4) auf. Die Wechselwirkungen sind eher auf zufälli- Kurse völlig unabhängig voneinander bewegen und keinerlei Ein-
ge Bewegungen zurückzuführen und lassen keinen Rückschluss auf fluss aufeinander haben. Der Korrelationskoeffizient liegt in dem
eine gegenseitige Beeinflussung der Währungen zu. Gemäß der abgebildeten Zeitraum dementsprechend bei lediglich -0,25.
geringen Korrelation bewegen sich USD/JPY und USD/CAD in der
Regel völlig unabhängig voneinander. Korrelation im Zeitablauf
Während der im Chart 3 dargestellten Wechselkursentwicklung Die Korrelation lässt sich auf unterschiedliche Zeitfenster (beispiels-
gab es mehrere Situationen, in denen beide Währungen gegenü- weise 15 Minuten- und Tagesdaten) und –horizonte (z. B. über einen
ber dem US-Dollar aufwerteten. Zu anderen Zeiten kam es aber auch Zeitraum von einem Monat oder zwölf Monaten) berechnen. Je nach-
zu entgegengesetzten Bewegungen. In der Regel war trotz des dem schwankt natürlich auch der Korrelationskoeffizient, wobei meist
insgesamt gegenläufigen Trends keinerlei Beziehung zwischen der ein Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Zeitfenstern er-
Entwicklung beider Wechselkurse zu erkennen. kennbar ist. Langfristig kann es jedoch auch zu Änderungen des Kor-
relationskoeffizienten durch abweichende wirtschaftliche Entwicklun-
Korrelationsmatrix gen der Währungsräume und weitere Einflüsse kommen.
Korrelationskoeffizienten werden typischerweise in einer Matrix
dargestellt (Tabelle 2). Korrelation berechnen
Jede Spalte bzw. Zeile enthält den Korrelationskoeffizienten Das auf den meisten PCs installierte Tabellenkalkulationsprogramm
einer Währung gegenüber einer anderen Währung. An der Diago- MS Excel erlaubt auf einfache Art und Weise die Berechnung der
nalen spiegeln sich dementsprechend die Werte, d.h. alle Werte un- Korrelation. Als Berechnungsgrundlage benötigen Sie natürlich die
historischen Zeitreihen der Wechselkurse, deren Zusammenhang
untersucht werden soll.
Anhand der Formel „=KORREL(Zeitreihe1;Zeitreihe2)“ lässt sich
CAD der Korrelationskoeffizient auf einfache Art und Weise berechnen.

T2) Matrix von Korrelationskoeffizienten


EUR CHF GBP JPY CAD AUD NZD
EUR 1 -0,960 0,803 -0,631 -0,430 0,675 0,63
JPY CHF -0,960 1 -0,824 0,651 0,390 -0,680 -0,634
GBP 0,803 -0,824 1 -0,652 -0,385 0,684 0,658
JPY -0,631 0,651 -0,652 1 0,257 -0,573 -0,506
CAD -0,430 0,390 -0,385 0,257 1 -0,513 -0,431
B5) Entwicklung USD/CAD und USD/JPY AUD 0,675 -0,680 0,684 -0,573 -0,513 1 0,831
Quelle: TeleTrader Software AG
NZD 0,630 -0,634 0,658 -0,506 -0,431 0,831 1
TRADERS´ extra 43

während der aktiven Handelszeit in den beiden Währungen sehr hoch


zu sein (vgl. Bild 7). Nach europäischem Handelsschluss nimmt die Kor-
relation beider Währungen offensichtlich aber deutlich ab. Ähnliche
Effekte lassen sich für die meisten Währungen beobachten.

Auswirkungen auf das Risiko-Management


Auch auf das Risiko-Management hat die Korrelation starke Aus-
wirkungen. Geht man in zwei stark korrelierenden Währungspaaren
eine gleichgerichtete Position ein, ist diese unter Risiko-Aspekten
als eine Position zu betrachten. Der durch Diversifikation auf Port-
folioebene üblicherweise erzielte Risiko-vermindernde Effekt tritt
bei stark korrelierenden Währungspaaren nicht ein.
B6) Korrelation des Euros und des Schweizer Franken Negativ korrelierte Währungspaare bzw. in diesem Fall Positio-
nen verringern dagegen das Risiko auf Portfolioebene deutlich. Dies
Alternativ werden auf diversen Webseiten und Internetforen bedeutet im Gegenzug aber nicht, dass auch der erwartete Ertrag
auch in unregelmäßigen Abständen Korrelationskoeffizienten ver- verringert wird. Da weitere Ausführungen hier den Rahmen über-
öffentlicht. Des Weiteren sind Möglichkeiten zur Berechnung auch steigen würden, empfiehlt sich für den interessierten Leser die Lek-
in einigen Softwareprodukten der unterschiedlichen Datenanbieter türe von Markowitz Werken (unter anderem erhältlich beim Bank-
verfügbar. akademie-Verlag).
Die bisher gemachten Ausführungen treffen vor allem auf mit-
Auswirkungen auf das Trading tel- bis langfristig agierende Trader zu. Die Implikationen für kurz-
Weisen zwei Währungen eine starke Korrelation auf – sei es positiv fristige Trader dagegen sind meist deutlich geringer, da im kurz-
oder negativ – lässt sich dieser Umstand beim Trading ausnutzen. fristigen Handel in der Regel deutlich weniger Positionen parallel
Häufig ist zu beobachten, dass eine Währung eine andere Währung gehalten werden und Diversifikation häufig keine Rolle spielt. Des
„leitet“ und die entscheidenden Impulse gibt. Gerade wenn in ei- Weiteren ist die Aussagekraft der Korrelation kurzfristig betrachtet
nem Währungsraum viele Nachrichten zur Veröffentlichung anste- vergleichsweise unzuverlässig. Externe Einflüsse wie beispielsweise
hen und die meisten institutionellen Händler in der Folge auf diese die Veröffentlichung von ökonomischen Indikatoren können das
Währung achten, wird dieser Effekt offensichtlich. Verhältnis der beiden Währungen kurzfristig stören.
Überwindet die „leitende“ Währung beispielsweise einen Wider- Im institutionellen Rahmen spielt der Korrelationskoeffizient
stand und treten neue Käufer in den Markt ein, hat dies häufig auch beispielsweise auch beim Hedging – d.h. dem Absichern von offe-
Auswirkungen auf stark korrelierende Währungen. Kurz nach dem nen Positionen – eine wichtige Rolle.
Ausbruch kommt es vielfach auch zu einer starken Bewegung in
dem zweiten Wechselkurs. Als Trader kann man auf diese Bewe- Fazit
gung spekulieren und sich – äußerst kurzfristig nach dem ersten Das Verständnis der Korrelation ist für die Bewegungen am Devi-
Ausbruch – in einem stark korrelierenden Währungspaar ebenfalls senmarkt äußerst aufschlussreich. Deutliche Abweichungen von der
positionieren. historischen Korrelation können neue Aufschlüsse bieten, und auch
Selbst in Währungen mit hoher Korrelation kommt es zeitweise für das Risiko-Management sollte das Verhältnis zwischen den
jedoch auch zu völlig voneinander losgelösten Entwicklungen, Wechselkursentwicklungen beachtet werden. Ã
beispielsweise wenn wichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht wer-
den. Das Handeln aufgrund der (historisch berechneten) Korrelati-
on birgt somit auch Risiken. In der Regel ändert sich der Zusam-
menhang zwar nur sehr langfristig, kurzfristig kommt es jedoch
immer wieder zu starken Abweichungen.
Bild 6 zeigt die Korrelation zwischen dem Euro und dem Schwei-
zer Franken auf Stundenbasis. Betrachteter Zeitraum war der Janu-
ar 2006. Auch wenn es immer wieder zu kurzen Zeiträumen mit
abweichender Entwicklung kam, war meistens ein hoher Zusam-
menhang zwischen der Entwicklung beider Währungen zu beob-
achten. Während knapp 80 Prozent des betrachteten Zeitraums lag
die Korrelation bei -0,8 oder geringer, d.h. der Zusammenhang war
als sehr stark zu bezeichnen. Es lässt sich aber auch ein Zusammen-
hang zwischen der Tageszeit und der Korrelation beobachten. So
B7) Korrelation in Abhängigkeit der Uhrzeit
scheint der Zusammenhang zwischen Euro und Franken vor allem
44 TRADERS´ extra

Technische Analyse
im Devisenmarkt

Einige Leser werden im Stillen mit Sicherheit bereits die Befürchtung geäußert haben: „Nicht schon
wieder eine Einführung in das Thema ‚Technische Analyse’!“. Tatsächlich findet sich inzwischen in fast
jedem Börsenbuch ein Kapitel, das die Grundlagen der technischen Analyse vermitteln soll. Dabei ist
das Themengebiet so vielseitig, dass es sich auf einigen Seiten gar nicht vorstellen lässt. Dieser Artikel
geht daher vielmehr auf die Besonderheiten ein, die man beim Arbeiten mit der technischen Analyse
im Devisenmarkt beachten sollte. Des Weiteren werden einige für den Devisenmarkt besonders rele-
vanten Konzepte der technischen Analyse vorgestellt.

 Sollten Sie mit der technischen Analyse bisher noch nicht in Berüh- der Flow-Ansatz für den privaten Händler kaum praktikabel und
rung gekommen sein, empfiehlt es sich, zuerst zu einem der Klassiker wird vor allem im institutionellen Bereich mit teils beachtlichem
wie beispielsweise Murphy’s „Technische Analyse der Finanzmärkte“ Erfolg angewandt. Dabei werden neben dem aktuellen Order-
(erhältlich im TRADERS´ Buchshop) zu greifen. Dieses Buch stellt die strom unter anderem auch die Bid- und Ask-Quotierungen beob-
Thematik tiefer gehend vor, anstatt nur die Oberfläche zu streifen. achtet, um kurzfristige Prognosen abzuleiten. Die daraus resul-
tierenden Positionen werden meist nur wenige Minuten bis hin
Flows, Technische und Fundamentale Analyse zu einigen Stunden gehalten, selten auch länger. Auch das Han-
Zur Prognose der Wechselkursentwicklung werden von professi- deln von Nachrichten bzw. die kurzfristige Reaktion nach deren
onellen Marktteilnehmern primär drei Ansätze verwendet: Flows, Veröffentlichung wird häufig diesem Segment zugeordnet.
die technische Analyse und die fundamentale Analyse. Die technische Analyse kommt im professionellen Umfeld
Im Gegensatz zu den beiden zuletzt genannten Methoden ist zumeist bei kurz- bis mittelfristigen Zeithorizonten zum Einsatz.
TRADERS´ extra 45

Flows, sondern lassen auch die Erkenntnisse aus der fundamen-


talen und der technischen Analyse in ihre Anlageentscheidung
mit einfließen. Private Trader dagegen konzentrieren sich meist
auf nur eine Methode und vernachlässigen mögliche Erkenntnis-
se aus anderen Ansätzen.

Datenproblematik
Zentrales Problem bei der Anwendung der technischen Analyse
im Devisenmarkt sind die Kursdaten: sowohl aktuelle Quotierun-
gen (so genannte Realtime-Daten) als auch historische Kursdaten.
Aufgrund seiner dezentralen Struktur wird der Devisenmarkt im
Fachjargon auch als „Over the Counter“-Markt bezeichnet. Im Ge-
gensatz zum Handel mit beispielsweise Aktien gibt es beim Han-
del mit Devisen keinen zentralen Handelsplatz wie beispielsweise
die New Yorker Börse, über die zumindest ein Großteil aller Trans-
B1) Einsatz von Ansätzen je nach Zeithorizont aktionen für ein Instrument erfasst wird. Vielmehr handeln alle
Teilnehmer direkt untereinander, so dass Transaktionen nicht zen-
Bild 1 spiegelt eine Umfrage unter professionellen Marktteilneh- tral abgewickelt werden. Da die Transaktionen am Devisenmarkt
mern wider. Befragt wurden institutionelle Händler, welche Me- nicht publiziert werden, sind auch die entsprechenden Wechsel-
thodik sie für welchen Zeithorizont verwenden. Demnach ziehen kurse sowie die gehandelten Volumina für Dritte nicht zugäng-
über 90 Prozent der Händler bei einem Anlagehorizont von bis zu lich. Inzwischen liefern aber viele Banken und Broker Informatio-
einer Woche die technische Analyse zumindest zu Rate. Knapp 60 nen über die abgeschlossenen Transaktionen an Datenprovider.
Prozent schätzen für diesen Investitionszeitraum den Einfluss von Diese aggregieren die Kurse anschließend in einem Datenfeed.
Charts sogar höher als den von ökonomischen Kennzahlen ein. Obwohl die Anbieter sich bemühen, die Daten von möglichst
Bei langfristigen Analysen dagegen dominiert ganz klar der fun- vielen Banken zu sammeln und somit ein möglichst realistisches
damentale Ansatz, der technische Ansatz spielt kaum noch eine Bild des internationalen Devisenhandels zu vermitteln, kommt es zu
Rolle. Befragt nach dem Gesamteinfluss der Ansätze bewerteten einer Vielzahl an Differenzen zwischen den Datenanbietern. Ver-
FX-Händler die technische Analyse mit 42 Prozent, die Fundamen- gleicht man die Kursströme von zwei Anbietern, fallen häufig schon
tale Analyse mit 32 Prozent und die Flows mit 26 Prozent. beim ersten Blick Datenlücken und Abweichungen auf. Dieses Phä-
Des Weiteren lässt sich beobachten, dass die fundamentale nomen ist besonders stark zu beobachten, wenn man einen
Analyse im Laufe der Jahre an Beliebtheit verloren hat und aggregierten Datenfeed von mehreren Banken mit dem Kursstrom
inzwischen viele professionelle Marktteilnehmer auf die techni- eines einzelnen Brokers vergleicht. Diese sind häufig in den Handels-
sche Analyse vertrauen. Selbst relativ konservative Fond-Mana- plattformen integriert und spiegeln die historischen Ankaufs- und
ger nutzen vermehrt technische Ansätze. Auch Methoden und Verkaufskurse wider, die der Broker seinen Kunden gestellt hat.
Ansätze aus der Behavioral Finance haben in den letzten Jahren Bild 2 und 3 zeigen jeweils die Wechselkursentwicklung wäh-
vermehrt Beachtung gefunden. rend eines dreistündigen Zeitraums in einem 3-Minuten-Intervall.
Typisch für den institutionellen Handel ist aber der ganzheit- Die Kursdaten aus Bild 2 stammen aus der Handelsplattform ei-
liche Ansatz. So konzentrieren sich viele Händler nicht nur auf die nes Brokers. Bild 3 dagegen entstammt einem aggregierten

B2) Datenfeed eines Brokers B3) Aggregierter Datenfeed


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liche Formationen aus, deren Aussage voneinander abweichen


kann.
Aber nicht nur beim Handel mit kurzfristigen Daten ergeben
sich Probleme, sondern auch wenn die Extremwerte für die Defini-
tion von Widerständen / Unterstützungen sowie Trendlinien in hö-
heren Zeitfenstern genutzt werden. Eingezeichnete Linien lassen
sich häufig nicht eindeutig definieren, sondern sollten vielmehr als
Zonen betrachtet werden. Hieraus resultiert ein Unschärfebereich,
der beim Handeln beachtet werden sollte. Ein weiteres Problem
sind die nicht vorhandenen Volumina-Angaben.
Die Banken liefern in der Regel lediglich Angaben über den
Preis, nicht aber über die gehandelte Summe. Behelfsmäßig lie-
B4) Renko-Chart fern einige Datenanbieter stattdessen die Anzahl der Transaktio-
nen während einer Periode, die so genannten Ticks. Diese spie-
geln die Aktivität in dem betrachteten Markt wider und können
Datenfeed und spiegelt die Quotierungen aus dem Interbanken- somit zumindest als Annäherung für die nicht vorhandenen Um-
markt wieder. satzzahlen dienen.
In ruhigen Handelszeiten fällt vor allem die geringe Update- Die Qualität eines Kursstroms lässt sich am einfachsten durch
häufigkeit in den Charts des Brokers auf. Diese resultiert in einem einen simplen Vergleich mit einer anderen Datenquelle beurteilen.
abstrakteren Chartbild. In mehreren 3-Minuten-Intervallen beweg- In der Regel ist die Qualität eines Anbieters umso besser, je mehr
te sich der Preis laut den Quotierungen des Brokers gar nicht. Da Banken zu dem Datenfeed beitragen.
die Preisfindung im Interbanken-Markt dezentral stattfindet und Des Weiteren sollte man darauf achten, dass Banken aus allen
es nicht einen Preis gibt, kommt es zu einer Vielzahl von Abschlüs- Zeitzonen zu dem Kursstrom beitragen, so dass auch während der
sen, die untereinander um einige Pips abweichen. Diese Abwei- asiatischen Handelszeit qualitativ gute Daten gesammelt werden.
chungen in der Preisfindung zeigen sich in den deutlich längeren Handelt man mit exotischen Crossrates sollte man weiterhin auch
Balken in dem aggregierten Chart. darauf achten, ob die eingebundenen Banken aktiv in diesem Markt
Während in ruhigen Handelszeiten die Differenzen zwischen teilnehmen und somit überhaupt Kurse in dem entsprechenden
beiden Datenquellen gering ausfallen, ergeben sich bei schnel- Währungspaar liefern.
len Bewegungen deutliche Abweichungen. In der im Chart sicht- Während die Differenzen in höheren Zeitfenstern meist ver-
baren schnellen Aufwärts- und Abwärtsbewegung fallen signifi- nachlässigbar sind, sollte man im kurzfristigen Trading möglichst
kante Unterschiede auf. So lag das Hoch im Interbanken-Handel einen Datenfeed nutzen, der die Preisbildung im Interbanken-
bei 1,2136. Der Chart des Brokers dagegen zeigt einen Höchst- Handel berücksichtigt. Da die meisten Broker vergleichsweise
stand von lediglich 1,2129. Auch wurde der Wechselkurs laut den wenige Preisupdates liefern, lassen sich deren Charts für kurzfris-
Daten des Brokers in der darauf folgenden Abwärtsbewegung nur tige Analysen meist nur eingeschränkt nutzen.
knapp unter 1,2090 gehandelt, während der Interbankenfeed ein Die Anwendung der technischen Analyse sollte stets auf Grund-
Tief von 1,2081 anzeigt. lage der Kassa- / Spot-Kurse erfolgen. Wenn Sie beispielsweise mit
Aufgrund der dezentralen Struktur des Devisenmarktes ergibt Futures handeln, verfälscht der Einfluss der Zinsdifferenz zwischen
sich eine Vielzahl an Auswirkungen, welche beim Einsatz der tech- den beiden Währungsräumen die direkte Vergleichbarkeit der Ent-
nischen Analyse beachtet werden müssen. Je nach Handelsansatz wicklung des Futures mit der Wechselkursentwicklung. Auch Zerti-
und beobachtetem Zeithorizont betreffen einen die im Folgen- fikate spiegeln die Entwicklung des Wechselkurses nicht eins zu eins
den geschilderten Probleme mehr oder weniger stark. wider. Auch wenn die Umsetzung an Hand eines Futures oder Zer-
Generell ist die geschilderte Datenproblematik umso ausge- tifikates erfolgt – als Basis für die Analyse und den Markteinstieg
prägter und hat einen umso größeren Einfluss auf das tägliche sollte stets der Kurs des Underlying (Spot-Kurs) dienen.
Trading, je kurzfristiger man agiert und je höher die Volatilität ist. Ein ganz anderes Problem betrifft Analysen von Wechselkur-
Abweichungen treten besonders häufig während und nach schnel- sen gegen den Euro. Da der Euro erst 1999 eingeführt wurde,
len Bewegungen auf, aber auch in ruhigen Phasen bilden sich zum sind dementsprechend auch keine längeren Zeitreihen verfüg-
Teil andere Muster aus. bar. Um dennoch eine langfristige Betrachtung durchführen zu
Besonders auffallend ist das geschilderte Problem, wenn man können, wird für den Zeitraum vor der Euro-Einführung häufig
den Datenfeed eines Brokers wie in diesem Beispiel für die kurz- eine ECU-Datenreihe oder die Historie der ehemaligen Deut-
fristige Analyse im Intraday-Bereich nutzt. Vor allem die Aussage- schen Mark verwendet. Man sollte aber stets im Hinterkopf be-
kraft von Candlesticks im Intraday-Bereich ist dadurch einge- halten, dass dies nur als Annäherung zu verstehen ist. Inwiefern
schränkt. Durch die Differenzen von teilweise mehreren Pips zwi- eine technische Analyse mit diesen Daten sinnvoll ist wird zum
schen zwei Datenanbietern bilden sich gelegentlich unterschied- Teil kontrovers diskutiert.
48 TRADERS´ extra

Trends sen und festverzinsliche Wertpapiere dagegen schwanken häu-


Neben den geschilderten Problemen bietet der Devisenmarkt für fig um einen Wert. So notierte der Euro gegen den US-Dollar
technische Analysten aber auch ganz neue Möglichkeiten. Des bereits Mitte 2004 auf dem gleichen Niveau wie in der zweiten
Weiteren weist er im Vergleich zu einigen anderen Märkten auch Jahreshälfte 2005. Dennoch gab es für Trader äußerst profitable
deutliche Vorteile auf. So ist sind Devisen beispielsweise eine der Möglichkeiten, von dem dazwischen liegenden Auf- und Abwärts-
trendstärksten Asset-Klassen. Einige Währungspaare befinden sich trend zu profitieren. Diese langfristigen Schwankungen führen
beinahe ständig in einem Trend. Da sich am Devisenmarkt sowohl dazu, dass sich auf dem aktuellen Preisniveau häufig bereits Wi-
positive als auch negative Prognosen problemlos in Long- oder derstände und Unterstützungen befinden, die aus historischen
auch Short-Position umsetzen lassen, ist die Richtung des Trends Bewegungen resultieren. Daher ist es auch für kurzfristig orien-
für den Trader nicht weiter maßgeblich. Man ist also nicht länger tierte Trader sinnvoll, sich mit langfristigen Charts auseinander
auf steigende Notierungen wie am Aktienmarkt angewiesen, son- zusetzen, um solche Zonen wahrzunehmen und in die eigene
dern kann von jeder Bewegung profitieren. Analyse mit einfließen zu lassen.
Andere Währungspaare halten sich dagegen die meiste Zeit Des Weiteren sollte man als Trader stets – unabhängig von dem
in Seitwärtsphasen auf. Diese bieten sich somit für Trader an, die Zeitfenster, in dem man handelt - das „Big Picture“ im Auge be-
einen Range-Bound-Ansatz verfolgen oder mit oszillierenden In- halten. Devisen bewegen sich häufig über lange Zeit in stabilen
dikatoren arbeiten. Vor allem Währungen aus vergleichbaren Wirt- Trends. Als Trader ist es in der Regel vorteilhaft, ebenfalls in diese
schaftsräumen bewegen sich häufig über längere Zeiträume seit- Richtung zu handeln und sich nicht gegen den langfristigen Trend
wärts. zu „stemmen“. An dieser Stelle soll nicht verneint werden, dass
Sobald sich einer der beiden Wirtschaftsräume vergleichs- man auch mit Counter-Trend-Ansätzen Geld verdienen kann. Ge-
weise vorteilhaft entwickelt, entsteht aus der Seitwärtsbewegung rade aber für Einsteiger ist das „Schwimmen mit dem Strom“ häu-
heraus ein neuer Trend. Diese beiden Zustände (Trend und fig einfacher.
Seitwärtsbewegung) lassen sich am Devisenmarkt häufig gut von- Die Methodik, mehrere Zeitfenster in die Analyse und in die
einander abgrenzen. daraus resultierende Handelsentscheidungen miteinfließen zu las-
Aufgrund des Trendverhalten von Devisen bietet sich für die sen, wird im Fachjargon auch als „Multiple Time Frame Analysis“
Analyse des Wechselkurses eine vergleichsweise unbekannte bezeichnet. Betrachtet wird nicht länger nur ein Zeitfenster
Chartart an: die so genannten Point- & Figure-Charts (P&F). Dies (beispielsweise der 5-Minuten-Chart), sondern mehrere Zeit-
ist eine alternative Darstellungsvariante zu den weit verbreiteten ebenen.
Bar- und Candlestick-Charts. Im Vordergrund steht nicht länger Aus dem Konzept lassen sich primär zwei Herangehensweisen
die preisliche Entwicklung gemessen an der Zeit, sondern der ableiten. Viele Trader überprüfen, bevor sie eine neue Position ein-
Fokus liegt alleine auf der Entwicklung des Kurses. Zeiten, in de- gehen, die Situation in dem übergeordneten Zeitfenster (in die-
nen nur geringe preisliche Veränderungen stattfinden (d. h. Seit- sem Fall z. B. 1-Stunden-Chart). Erst wenn sich auch in diesem
wärtsbewegungen) werden aus dem Chartbild herausgefiltert. Chart auf dem Niveau keine Widerstände bzw. Unterstützungen
Dementsprechend weist der Chart eine variabel skalierte Zeitach- befinden und sich der Wechselkurs auch nicht in einem überge-
se auf. Eine ähnliche Darstellungsvariante, die aber visuell einfa- ordneten, entgegengesetzten Trend bewegt, realisieren sie den
cher verständlich ist, sind die so genannten Renko-Charts. Trade. Viele Trader nutzen den Ansatz aber auch, um in einen lang-
Sowohl in Renko- als auch in P&F-Charts lässt sich mit Trend- fristigen Trend einzusteigen. Das kleinere Zeitfenster (hier z. B. 1-
linien sowie mit Indikatoren und Formationen arbeiten. Bei der Minuten-Chart) ermöglicht oft ein besseres Timing. Der Trade wird
Anwendung sollte man aber stets beachten, dass die Zeitachse aber – nachdem der Einstieg erfolgt ist – in dem längerfristigen
variabel ist, da Phasen mit Seitwärtsbewegungen im Chart nicht
berücksichtig und somit aus dem Chartbild herausgefiltert wer-
den. Es kann somit vorkommen, dass sich der Chart über längere
Zeit nicht verändert, wenn die Kursschwankungen zu gering wa-
ren bzw. sich keine größere Bewegung ausgebildet hat. Sowohl
Point&Figure-Charts als auch Renko-Charts lassen sich auf Tages-
und auf Intraday-Daten anwenden.
Bild 4 zeigt einen solchen Renko-Chart. Jeder Brick repräsen-
tiert eine Bewegung um 15 Pips in eine Richtung. Zum Vergleich
zeigt Bild 5 die entsprechende Wechselkursentwicklung im Linien-
chart.

Multiple Time Frames


Die Kurse von Aktien weisen häufig – mit mehr oder minder lan-
B5) Klassischer Linien-Chart
gen Korrekturen – eine langfristige Aufwärtsbewegung auf. Devi-
TRADERS´ extra 49

Chart gemanaget. Hierbei droht jedoch die Gefahr des so genann- gehen, dass auf diesem Niveau limitierte Verkaufs-Aufträge lie-
ten Overtradings. Anstatt sich auf die langfristige Perspektive zu gen. Häufig dienen diese Aufträge der Gewinnmitnahme. Zusätz-
konzentrieren, beobachten viele Trader auch nach dem Einstieg lich versuchen viele Trader aber auch, eine Position genau auf die-
die Position in dem untergeordneten Zeitfenster. Betrachtet man sem Niveau einzugehen (in diesem Beispiel also eine Short-Posi-
Unterstützungen und Widerstände, sollte man bei dem höchsten tion). Sobald der Markt nun bei 1,1900 notiert, werden diese
verfügbaren Zeitfenster anfangen und sich zur primären, zeitli- Verkaufsaufträge aktiviert. In der Folge übersteigt das Angebot
chen Kompression „herunterarbeiten“. Bei der Analyse von Trends die Nachfrage, und der Preis gibt nach.
sollten beide Zeitfenster aber in einer sinnvollen Relation stehen. Man sollte allerdings keine Kehrtwende auf den Pip genau er-
Wenn Sie mit einem Erwartungshorizont von einigen Pips scalpen, warten, meist läuft der Markt noch einige Punkte über die Marke
müssen Sie in der Regel keine Rücksicht auf den übergeordneten, hinaus. Natürlich kann es auch vorkommen, dass der Markt ein-
langfristigen Trend beispielsweise im Tageschart nehmen. Ein Blick fach durch die „00“ durchläuft. Häufig ist aber zumindest ein kur-
in z. B. den 5-Minuten-Chart kann aber auch für Scalper neue Auf- zer Abpraller zu beobachten.
schlüsse bieten. Bild 6 zeigt eine Situation, in der sich die „Double Zeros“ als
Bestätigt sich die eigene Prognose durch einen Blick in ein wirkungsvolle Unterstützung präsentiert haben. Der zwischen-
übergeordnetes Zeitfenster, spricht somit vieles dafür, dass der zeitliche Durchbruch erwies sich als „False Break“ und die Kurse
Trade positiv verläuft. Natürlich kann man sich das eigene Trading kehrten schnell wieder über die Unterstützung zurück.
nicht einfach erfolgreich rechnen. Die dahinter stehende Logik Der Ansatz der „Double Zeros“ erweist sich als besonders wir-
sollte aber jeden Trader von dem Mehrwert dieser Methodik über- kungsvoll, wenn er mit einem weiteren Ansatz kombiniert wird.
zeugen. Verläuft beispielsweise eine abwärtsgerichtete Trendlinie genau
auf dem gleichen Niveau, wird das Signal der „00“ noch weiter
„00“ verstärkt. Auch die Anwendung von Candlesticks in Kombinati-
Ein vor allem in Verbindung mit der Flow-Analyse wirkungsvolles on mit der Methode erscheint sinnvoll. Allerdings sollte man
Konzept stellen Notierungen mit einer Doppel-Null am Ende dar, dabei wiederum die Datenproblematik und die daraus resultie-
wie zum Beispiel die Quotierung 1,1900 im EUR/USD oder 121,00 renden Probleme in der Anwendung von Kerzen nicht vernach-
im USD/JPY. Runde Zahlen präsentieren sich häufig als psycholo- lässigen.
gische Hemmschwelle, sei es beim Handel über eine Börse oder
im Geschäft beim Einkaufen. In der Folge agieren diese Marken Fibonacci
oftmals als Unterstützung oder Widerstand. Da bei Quotierungen Das Fibonacci-Konzept erfreut sich aufgrund seiner einfachen An-
im institutionellen Devisenhandel häufig die „Big Figure“ wegge- wendbarkeit gerade im Devisenhandel einer großen Beliebtheit.
lassen wird und nur die letzten beiden Stellen genannt werden, Bei der Fibonacci-Zahlenfolge handelt es sich um eine Zahlenrei-
ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. Das über- bzw. unterschrei- he (0,1,1,2,3,5,8,13,…). Man erhält die jeweils folgende Zahl durch
ten der 00 ist für jeden Marktteilnehmer somit deutlich wahr- Addition der beiden Vorgänger (3 + 5 = 8, 5 + 8 = 13, ...). Für Trader
nehmbar. ist vor allem die daraus resultierende Zahl 61,8 Prozent (das Ver-
Marktteilnehmer agieren häufig nicht so rational, wie man ei- hältnis einer Zahl zu ihrem Nachfolger) und der Gegenwert von
gentlich annehmen sollte. Limit-Aufträge werden beispielsweise 38,2 Prozent (100 Prozent - 61,8 Prozent) interessant. Diese beiden
häufig genau auf runde Zahlen gelegt, da diese für den Trader Quotienten werden genutzt, um nach einer Kursbewegung das
mental leichter zu „handeln“ sind. Bewegt sich der Markt bspw. voraussichtliche Ausmaß einer Korrekturbewegung abzuschätzen.
von 1,1890 auf die 1,1900 zu, kann man in der Regel davon aus- Die daraus resultierenden Fibonacci-Niveaus dienen als Wider-
stands- oder Unterstützungszone. Neben dem Abschätzen von
Korrekturbewegungen lässt sich der Ansatz auch nutzen, um Kurs-
ziele zu bestimmen.
Bei dem Einsatz von Fibonacci’s sollte man darauf achten, dass
der Markt in der Regel nicht auf den Pip genau wendet. Häufig ist
auch nur ein kurzes Verweilen auf dem Niveau zu beobachten, be-
vor der Markt seine Bewegung weiter fortsetzt. Sobald eine
Fibonacci-Marke einmal verletzt wurde, ist sie in der Folge als un-
gültig zu betrachten und nicht weiter in die Analyse mit einzube-
ziehen.
Es empfiehlt sich, Fibonacci’s in Kombination mit einem wei-
teren Ansatz anzuwenden. Fällt ein Fibonacci-Niveau beispiels-
weise mit einer Trendlinie zusammen, ergibt sich häufig ein star-
kes Signal. Auch die Kombination mit Candlesticks oder Indikato-
B6) „Double Zeros“ als Unterstützung
ren erscheint Erfolg versprechend.
50 TRADERS´ extra

durch externe Einflüsse wie beispielsweise die Veröffentlichung


von Wirtschaftsdaten hohe Schwankungen zu erwarten sind, hat
sich das Konzept in der Vergangenheit als weniger erfolgreich
präsentiert.
61,8%
Technische Analyse und Crossrates
50,0%
Als Crossrate werden Quotierungen bezeichnet, die nicht gegen
38,2% den US-Dollar gestellt sind. Obwohl in einigen Crossrates ein
vergleichsweise aktiver Handel stattfindet, ist das jeweilige Volu-
men der Währungen in den Quotierungen gegen den US-Dollar
(z. B. EUR/USD und USD/JPY statt EUR/JPY) deutlich höher. Der
Markt, d. h. die eigentliche Preisfindung, findet somit in der Regel
B7) Fibonacci’s als Widerstandsmarke gegen den US-Dollar statt. Arbitrage-Prozesse sorgen dafür, dass
sich der theoretische Wechselkurs in der Crossrate dann auch tat-
sächlich einstellt. Eine ausführlichere Beschreibung und weitere Hin-
Pivots tergründe hierzu werden im Artikel „Crossrates“ wiedergegeben.
Pivot-Points wurden von Tradern auf den Trading-Floors entwi- Handelt man in einer Crossrate, sollte man die im vorange-
ckelt und stammen ursprünglich aus dem Future-Handel, werden gangenen Abschnitt beschriebene Situation stets im Hinterkopf
inzwischen aber auch im FX-Handel vermehrt eingesetzt. Sie er- behalten. Es ist daher empfehlenswert, auch die Notierungen
freuen sich aufgrund der einfachen Anwendbarkeit sowohl unter gegen den US-Dollar mit in die Analyse einzubeziehen. Plant man
institutionellen als auch unter privaten Tradern einer wachsen- beispielsweise, eine Long-Position im EUR/CHF einzugehen – d. h.
den Beliebtheit. Euro long, Schweizer Franken short – sollte man jeweils auch die
Pivot-Points sind berechnete Unterstützungs- und Wider- technische Situation beider Währungen im Verhältnis zum US-Dol-
standsmarken. Die Berechnung erfolgt in der Regel mit Tages- lar (d. h. EUR/USD und USD/CHF) überprüfen.
Daten, angewendet werden Pivots aber (fast) ausschließlich im Auch diese Betrachtung sollte die gestellte Prognose bestäti-
kurzfristigen Intraday-Handel. Basierend auf einem Mittelpunkt gen, oder zumindest keine Gegenargumente präsentieren. Am
werden meist jeweils zwei Widerstände und Unterstützungen einfachsten schätzt man dafür das Potenzial beider Währungen
berechnet. Im Laufe der Jahre hat sich eine Vielzahl an Variatio- (EUR und CHF) gegenüber dem US-Dollar ab bzw. prognostiziert
nen zu der klassischen Berechnung ausgebildet, unter anderem die weitere Entwicklung. Erwartet man beispielsweise in den kom-
um Eröffnungslücken zu berücksichtigen. menden Tagen eine Bewegung im EUR/USD auf 1,1800 und im
Für die Berechnung des Pivot-Points für den aktuellen Tag so- USD/CHF auf 1,3200, ergibt sich hieraus ein theoretischer Wech-
wie der darauf basierenden Unterstützungs- und Widerstands- selkurs für den EUR/CHF in Höhe von 1,5576. Dieses lässt sich nun
marken werden der Hoch-, Tief- und Schlusskurs des Vortages be- einfach mit der ursprünglichen Prognose abgleichen.
nötigt:
Fazit
Pivot Point (PP): (Hoch + Tief + Schluss) / 3 Einer der Vorteile der technischen Analyse ist ihre universelle
Einsetzbarkeit. Egal ob Sie mit Aktien, Futures oder Devisen han-
Unterstützungen: deln: die Grundkonzepte der technischen Analyse sind in jedem
1. Unterstützung (S1): (2 * PP) – Hoch Markt und auf jedes Underlying anwendbar. Auch die Zeitebene
2. Unterstützung (S2): PP - Hoch + Tief hat nur geringen Einfluss auf die Wirksamkeit des Ansatzes.
Gerade im FX-Markt gibt es allerdings einige Besonderheiten
Widerstände: zu beobachten, welche in diesem Artikel vorgestellt wurden. Als
1. Widerstand (R1): (2 * PP) – Tief Trader sollte man vor allem die angesprochene Datenproblematik
2. Widerstand (R2): PP + Hoch - Tief jederzeit im Hinterkopf behalten. Das wenig beachtete Konzept
der „Multiple Time Frames Analyse“ erlaubt es, bei der Auswahl
Die berechneten Unterstützungen und Widerstände fungie- der Trades selektiver vorzugehen und somit das Risikoprofil deut-
ren wie klassische Unterstützungs- und Widerstandsbereiche. Das lich zu verbessern.
Beobachten der Pivot-Points und der darauf basierenden Unter- Häufig verlassen sich Trader lediglich auf die Technische Ana-
stützungen und Widerstände ist vor allem an ereignislosen Tagen lyse und stellen dementsprechend hohe Erwartungen an sie - ein
interessant. Der Markt schwankt in der Folge häufig zwischen dem Wundermittel mit einer garantierten Trefferquote ist aber auch
ersten Widerstand und der ersten Unterstützung. Verlässt der die technische Analyse nicht. Daher empfiehlt es sich, die Signale
Markt diesen Bereich in eine Richtung, ist damit zu rechnen, dass mit einem weiteren Ansatz wie beispielsweise der Sentiment-
sich der Trend im Laufe des Tages fortsetzt. An Tagen, an denen analyse zu kombinieren. Ã