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Technische Universität Braunschweig Leichtweiß-Institut für Wasserbau Abteilung Hydromechanik und Küstenin-
Technische Universität Braunschweig Leichtweiß-Institut für Wasserbau Abteilung Hydromechanik und Küstenin-

Technische Universität Braunschweig Leichtweiß-Institut für Wasserbau

Abteilung Hydromechanik und Küstenin- genieurwesen

Prof. Dr.-Ing. Hocine Oumeraci

Hydromechanik

Vorlesungsumdruck für die Bachelorvorlesung „Hydromechanik“

Ausgabe April 2015

Inhaltsverzeichnis 2   2 7 11 12 19 20 20 21 22 26 26 27

Inhaltsverzeichnis

2

 

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7

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76

77

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Aufgaben der

2 Physikalische Eigenschaften des Wassers

2.1 Dichte

2.2 Kompressibilität (Volumenelastizität)

2.3 Oberflächenspannung (Kapillarspannung)

2.4 Viskosität

2.5 Löslichkeit der Luft und Luftgehalt des Wassers

2.6 Zusammenfassung

3 Hydrostatik

3.1 Der Begriff "Druck"

3.2 Hydrostatische Druckverteilung infolge Schwerkraft (Grundgleichungen der Hydrostatik)

3.3 Hydrostatische Druckkräfte auf ebene Flächen

3.4 Hydrostatische Druckkräfte auf gekrümmte Flächen

3.5 Auftrieb (Prinzip von ARCHIMEDES)

3.6 Schwimmender Körper und Schwimmstabilität

3.6.1 Schwimmfähigkeit

3.6.2 Schwimmstabilität und Kriterien

3.7 Einfluss zusätzlicher Beschleunigungen auf den hydrostatischen Druck

3.7.1 Problemstellung

3.7.2 Senkrecht beschleunigter Wasserbehälter

3.7.3 Horizontal beschleunigter Wasserbehälter

3.8 Zusammenfassung

3.9 Aufgaben

4 Einführung in die Hydrodynamik

4.1 Definition und Feldbeschreibung

4.2 LAGRANGEsche und EULERsche Beschreibung

4.3 Klassifizierung von Strömungen

4.4 Grundgesetze der Physik und Stoffgesetze bei Strömungen

4.6 Inhaltsverzeichnis 3   83 84 84 86 88 88 91 91 94 97 97

4.6

Inhaltsverzeichnis

3

 

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136

Zusammenfassung

5 Kontinuitätsgleichung

5.1 Eindimensionales Strömungsfeld

5.2 Zwei- und dreidimensionales Strömungsfeld

5.3 Zusammenfassung

5.4 Aufgaben

6 Einführung in die Potentialströmung

6.1 Definition und Begriffe

6.2 Strom- und Potentiallinien bei stationärer Strömung

6.3 Praktische Hinweise für die Untersuchung von Potentialströmungen

6.3.1 Untersuchungsmethoden – Übersicht

6.3.2 Hinweise zur Erstellung von Potentialnetzen

6.3.3 Hinweise zur Auswertung des Potentialnetzes

6.4 Zusammenfassung

6.5 Aufgaben

7 Einführung in den Energiesatz

7.1 Allgemeines zur Energie-Gleichung

7.2 Herleitung der BERNOULLI-Gleichung

7.2.1 Annahmen und Ausgangsgleichung

7.2.2 Ausgangssystem

7.2.3 Herleitung der BERNOULLI-Gleichung

7.2.4 Diskussion und Anmerkungen

7.3 Anwendungsbeispiele

7.3.1 Ausfluss aus Öffnungen

7.3.2 Rohrerweiterung und -verengung

7.3.3 Staudruck

7.3.4 Dynamischer Auftrieb und MAGNUS-Effekt

7.3.5 Hydrodynamisches Paradoxon

7.3.6 Schiffskollision

7.4 Zusammenfassung

7.5 Aufgaben

8 Einführung in den Impulssatz

8.1 Allgemeines

8.2 Besonderheiten des Impulsbegriffes in der Hydromechanik

8.3 Herleitung des Impulssatzes in der Hydromechanik

8.3.1 Ausgangssystem und Annahmen

8.3.2 Herleitung des Impulssatzes

8.3.3 Stützkraftsatz

8.4 Anwendung des Impulssatzes

8.4.2 Inhaltsverzeichnis 4 Anwendungsbeispiele 136 147 148 155 155 155 156 161

8.4.2

Inhaltsverzeichnis

4

Anwendungsbeispiele

136

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148

155

155

155

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180

180

8.5 Zusammenfassung

8.6 Aufgaben

9 Theorie der kritischen Tiefe bei Strömungen im Freispiegelgerinne

9.1 Ausgangssystem und Annahmen

9.2 Ableitung der Zustandsgleichung eines Fließquerschnittes

9.3 Untersuchung der Zustandsgleichung bei konstantem Abfluss

9.4 Durchfluss bei konstanter Energiehöhe

9.5 Zusammenfassung

9.6 Aufgaben

10 Berechnung von lokalen Energieverlusten

10.1 Beispiel aus der Gerinneströmung: Ebener freier Wechselsprung

10.1.1 Problemstellung

10.1.2 Ausgangssystem und Annahmen

10.1.3 Berechnung der Unterwassertiefe

10.2 Beispiel aus der Rohrströmung: BORDAscher-Stoßverlust

10.2.1 Problemstellung

10.2.2 Ausgangssystem und Annahmen

10.2.3 Berechnung des BORDAschen Stoßverlustes

10.3 Zusammenfassung

10.4 Aufgaben

11 Laminare und turbulente Strömung

11.1 Definition - Auswirkung der Viskosität

11.2 Unterschied zwischen idealen und realen Strömungen – Das D'ALEMBERTsche

Paradoxon

180

11.3 Laminare und turbulente Strömung - Das REYNOLDS-Experiment

182

11.4 Viskosität und Reibungsgesetz von NEWTON

185

11.4.1 Definition und Fluidreibungsgesetz

185

11.4.2 Implikationen und Gültigkeit des NEWTONschen Reibungsansatzes

187

11.5 Umschlag laminar/turbulent – REYNOLDS-Zahl

188

11.5.1 Umschlag laminar/turbulent

188

11.5.2 Herleitung der REYNOLDS-Zahl

190

11.5.3 Bedeutung der REYNOLDS-Zahl

191

11.5.4 Kritische REYNOLDS-Zahl

192

11.6 Grenzschicht-Konzept nach PRANDTL

196

11.6.2

Grenzschichtentwicklung

198

11.7 Zusammenfassung

201

11.8 Aufgaben

203

12 Laminare Strömung im Kreisrohr

206

Inhaltsverzeichnis 5   206 209 213 214 214 218 220 222 224 225 233

Inhaltsverzeichnis

5

 

206

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214

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239

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249

249

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257

259

266

266

268

12.2 Schubspannungsverteilung

12.3 Geschwindigkeitsverteilung

12.4 Zusammenfassung

13 Laminare Strömung im Boden (DARCY)

13.1 Herleitung des DARCYschen Filtergesetzes

13.2 Wichtige Anmerkungen

13.3 Behandlung als Potentialströmung

13.4 Hydraulischer Grundbruch

13.5 Zusammenfassung

13.6 Aufgaben

14 Turbulente Strömung im Kreisrohr

14.1 Einleitung

14.1.1 Erweiterte BERNOULLI-Gleichung

14.1.2 Zentrales Problem der Berechnung von Druckrohrleitungen

14.2 Allgemeines Widerstandsgesetz der stationären Druckrohrströmung

14.2.1 Herleitung des Widerstandsgesetzes

14.2.2 Wichtige Anmerkungen

14.3 Widerstandsbeiwert λ

14.3.1 Widerstandsbeiwert bei laminarer Strömung

14.3.2 Widerstandsbeiwert bei turbulenter Strömung

14.4 Lokale Verluste

14.4.1 Entstehung

14.4.2 Berechnungsansätze

14.5 Druckströmung in Rohren mit nichtkreisförmigem Querschnitt

14.6 Praktische Hinweise zur Bemessung und Optimierung von Rohrleitungen

14.7 Zusammenfassung

14.8 Aufgaben

15 Turbulente Strömung im Freispiegelgerinne

15.1 Grundlegende Unterschiede zwischen Strömung im Druckrohr und im Freispiegelgerinne

15.2 Strömungsfälle - Gleichförmiger und ungleichförmiger Abfluss

15.3 Widerstandsgesetz und empirische Fließformeln für den gleichförmigen stationären

Abfluss

271

15.3.1 Herleitung des Widerstandsgesetzes

271

15.3.2 Empirische Fließformeln

273

15.3.3 Einschränkungen bei der Anwendung der Fließformeln

277

15.3.4 Grundaufgaben der Gerinnehydraulik

278

15.4 Hydraulischer Radius und hydraulisch günstige Querschnitte – Sonderfälle –

279

15.4.1 Hydraulischer Radius

279

15.4.2 Gerinne mit gegliedertem Querschnitt

282

Inhaltsverzeichnis 6   286 288 290 297 15.4.4 Hydraulisch günstige Querschnitte 15.5

Inhaltsverzeichnis

6

 

286

288

290

297

15.4.4 Hydraulisch günstige Querschnitte

15.5 Zusammenfassung

15.6 Aufgaben

16

Weiterführendes Schrifttum

Abbildungsverzeichnis 7 Abbildungsverzeichnis Abb. 1.1: Stellung der Hydromechanik innerh alb der Technischen Mechanik

Abbildungsverzeichnis

7

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1:

Stellung der Hydromechanik innerhalb der Technischen Mechanik und

Gliederung

19

Abb. 2.1:

Oberflächenspannung mit und ohne Randeinfluss

23

Abb. 2.2:

Bestimmung der Oberflächenspannung

25

Abb. 2.3:

Kapillarwirkung verschiedener Flüssigkeiten

25

Abb. 3.1:

Zusammenhang zwischen verschiedenen Druckbegriffen

29

Abb. 3.2:

Schweredruck

31

Abb. 3.3:

Pressdruck

31

Abb. 3.4:

Gleichgewichtsbedingungen in vertikaler Richtung

32

Abb. 3.5:

Hydrostatische Druckverteilung

34

Abb. 3.6:

Druckverteilung bei geschichteten Flüssigkeiten

34

Abb. 3.7:

Definitionsskizze zur Ableitung der hydrostatischen Druckkraft

36

Abb. 3.8:

PASCALsches Paradoxon

37

Abb. 3.9:

Hydrostatischer Druck in Gründungsfuge

37

Abb. 3.10:

Druckkraft auf gekrümmte Flächen

39

Abb. 3.11:

Definitionsskizze zur Ableitung der vertikalen Druckkraftkomponente

40

Abb. 3.12:

Resultierende Druckkraft auf gekrümmte Flächen (konvex)

41

Abb. 3.13:

Resultierende Druckkraft auf gekrümmte Flächen (konkav)

41

Abb. 3.14:

Definitionsskizze für die Bestimmung des Auftriebs

43

Abb. 3.15:

Prinzipienskizze zur Bestimmung der Auftriebskraft Fz

44

Abb. 3.16:

Schwimmvermögen

45

Abb. 3.17:

Stabile, labile und indifferente Schwimmlage

47

Abb. 3.18:

Ausgelenkte Schwimmkörper (Definitionsskizze)

48

Abb. 3.19:

Linien gleichen Druckes

50

Abb. 3.20:

Vertikale Bewegung eines Wasserbehälters bei unterschiedlicher

Beschleunigung b

51

Abb. 3.21:

Horizontal und geradlinig beschleunigter Wasserbehälter

53

Abb. 3.22:

Horizontal rotierender Wasserbehälter

54

Abb. 3.23:

Hydrostatischer Druck auf eine senkrechte Wand

58

Abb. 3.24:

Druckspannnungsverteilung auf eine senkrechte Wand

59

Abb. 3.25:

Kreissegmentschütz

60

Abb. 3.26:

Druck auf schräge Fläche

61

Abb. 3.27:

Druckspannungsfigur auf "Nase"

62

Abb. 3.28:

Kräftezerlegung

63

Abb. 3.29:

Druck auf eine Klappe

64

Abb. 3.30:

Druckspannungsverteilung auf die Klappe

64

Abb. 3.31:

Druckspannungsverteilung bei gekrümmten Flächen

65

Abb. 3.32:

Prinzip des ARCHIMEDES

69

Abb. 3.33:

Auftrieb einer Mauer

70

Abb. 3.34:

Beschleunigungssysteme

71

Abb. 3.35:

Beschleunigungssystem im Zustand "2"

72

Abb. 3.36:

Schwimmstabilität

73

Abbildungsverzeichnis 8 Abb. 4.1: Unterschied zwischen äußeren Kräften und Trägheitskräften 75 Abb. 4.2 :

Abbildungsverzeichnis

8

Abb. 4.1:

Unterschied zwischen äußeren Kräften und Trägheitskräften

75

Abb. 4.2 :

Definitionsskizzen für Stromlinien

78

Abb. 4.3:

Stromröhre und Stromfaden

79

Abb. 4.4:

Kontrollvolumen und System

80

Abb. 5.1:

Prinzipienskizze zur Ableitung der Kontinuitätsgleichung (eindimensionaler

Fall)

84

Abb. 5.2:

Ableitung der Kontinuitätsgleichung für den zweidimensionalen Fall

87

Abb. 5.3:

Rohrerweiterung

89

Abb. 5.4:

Rohrverzweigung

90

Abb. 6.1:

Analogie zu den Strom- und Potentiallinien in der Elektrizitätslehre

91

Abb. 6.2:

Definition der Rotationsfreiheit

92

Abb. 6.3:

Potentialströmungsarten

93

Abb. 6.4:

Strom- und Potentiallinien bei einem Stromfaden

94

Abb. 6.5:

Ebenes Potentialnetz

95

Abb. 6.6:

Konstruktion eines Potentialnetzes

99

Abb. 6.7:

Randstromlinie bei Strömungsablösung

100

Abb. 6.8:

Prinzipienskizze zur Auswertung des Potentialnetzes

101

Abb. 6.9:

Wehr

104

Abb. 7.1:

Stromröhrenquerschnitt für die Ableitung des Energiesatzes

107

Abb. 7.2:

BERNOULLI-Gleichung bei Druckrohrströmung

111

Abb. 7.3:

BERNOULLI-Gleichung bei Gerinneströmung

111

Abb. 7.4:

Ausfluss aus einer Öffnung

112

Abb. 7.5:

BERNOULLI-Gleichung bei Rohrverengung und -erweiterung

114

Abb. 7.6:

Staudruck bei stationärer Anströmung einer Wandung

115

Abb. 7.7:

Angeströmter Körper im Druckrohr

116

Abb. 7.8:

Prinzip des PITOT-Rohres und des PRANDTLschen Staugerätes

117

Abb. 7.9:

Geschwindigkeitsmessung mit dem PITOT-Rohr bei Gerinneströmung

118

Abb. 7.10:

Dynamischer Auftrieb

118

Abb. 7.11:

MAGNUS-Effekt

120

Abb. 7.12:

FLETTNER-Rotor

120

Abb. 7.13:

Hydrodynamisches Paradoxon

121

Abb. 7.14:

Kollision von Schiffen infolge des BERNOULLI-Effektes

123

Abb. 7.15:

Ausflussbehälter

125

Abb. 7.16:

Druck- und Energielinienermittlung

126

Abb. 7.17:

Rohrerweiterung

127

Abb. 7.18:

Schematische Darstellung der Energie- und Drucklinie

128

Abb. 8.1:

Kraft-Zeit-Verlauf und Impuls

130

Abb. 8.2:

Ausgangssystem für die Herleitung des Impulssatzes

132

Abb. 8.3:

Prinzip des Stützkraftsatzes

134

Abb. 8.4:

Stützkräfte als Schnittkräfte (Analogie zur Stabstatik)

135

Abb. 8.5:

Widerlagerkraft bei Rohrkrümmern

137

Abb. 8.6:

Widerlagerkraft bei einem Winkel = 90°

138

Abb. 8.7:

Schräg auftreffender Strahl

139

Abb. 8.8:

Normal auftreffender Strahl und Gesamtdruckkraft

140

Abbildungsverzeichnis 9 Abb. 8.9: Propellerstrahl, Druck- und G eschwindigkeitsverlauf 141 Abb. 8.10: Die

Abbildungsverzeichnis

9

Abb. 8.9:

Propellerstrahl, Druck- und Geschwindigkeitsverlauf

141

Abb. 8.10:

Die vier Grundformen des Schwalls

143

Abb. 8.11:

Schwall und Definitionsskizze

144

Abb. 8.12:

Definitionsskizze für die mittlere Wassertiefe bei Gerinnen mit beliebigem

Fließquerschnitt A

146

Abb. 8.13:

Impuls auf eine Platte

149

Abb. 8.14:

Düse

150

Abb. 8.15:

Wal

152

Abb. 8.16:

Schwallwelle

154

Abb. 9.1:

Ausgangssystem

155

Abb. 9.2:

Wassertiefen bei konstantem Durchfluss (q = konst.)

156

Abb. 9.3:

Stützkraftminimum

158

Abb. 9.4:

Praktisches Feststellen der Fließart (Strömen oder Schießen?)

161

Abb. 9.5:

Durchfluss bei konstanter Energiehöhe

162

Abb. 9.6:

Konjugierte Wassertiefen h1 und h2

163

Abb. 9.7:

Grundschwelle

166

Abb. 9.8:

Wellenbild beim Werfen des Steines

167

Abb. 10.1:

Ebener freier stationärer Wechselsprung - Definitionsskizze

171

Abb. 10.2:

Prinzipienskizze – plötzliche lokale Rohrerweiterung

174

Abb. 10.3:

Ausgangssystem bei der Anwendung der BERNOULLI-Gleichung und des

Impulssatzes

175

Abb. 10.4:

BORDAscher Stoßverlust

179

Abb. 11.1:

Vergleich zwischen idealer und realer Strömung

181

Abb. 11.2:

Das D'ALEMBERTsche Paradoxon

182

Abb. 11.3:

REYNOLDS-Experiment für laminare und turbulente Strömung

183

Abb. 11.4:

Larninarströmung

184

Abb. 11.5:

Turbulente Strömung

184

Abb. 11.6:

Prinzipienskizze zur Erläuterung des Reibungsgesetzes nach NEWTON. 185

Abb. 11.7:

Reibungsverhalten NEWTONscher und nicht-NEWTONscher Fluide

189

Abb. 11.8:

Umschlag laminare/turbulente Strömung

190

Abb. 11.9:

Zur Entstehung der Turbulenz

193

Abb. 11.10: Grenzschicht- und Außenströmungsbereich

197

Abb. 11.11: Grenzschichtentwicklung an einer längsangeströmten ebenen Platte

198

Abb. 11.12:

Grenzschichtentwicklung bei einer Rohrströmung

200

Abb. 12.1:

Schubspannung bei laminarer Rohrströmung

207

Abb. 12.2:

Schubspannungsverteilung bei laminarer Rohrströmung

208

Abb. 12.3:

Definitionsskizze

210

Abb. 12.4:

Geschwindigkeitsverteilung bei laminarer Rohrströmung

212

Abb. 13.1:

Der DARCY-Versuch zur Herleitung des Filtergesetzes

215

Abb. 13.2:

Sickerverluste durch einen Damm

217

Abb. 13.3:

Unterströmung einer Talsperre

220

Abb. 13.4:

Sickerströmung als Potentialströmung – Definitionsskizze

221

Abb. 13.5:

Prinzipienskizze zur Herleitung der Bedingung für den hydraulischen

Grundbruch

222

Abbildungsverzeichnis 10 Abb. 13.6: Laminare Strömung im Boden 225 Abb. 13.7: Durchströmung von Böden –

Abbildungsverzeichnis

10

Abb. 13.6:

Laminare Strömung im Boden

225

Abb. 13.7:

Durchströmung von Böden – "Reihenschaltung"

226

Abb. 13.8:

Böden in "Parallelschaltung"

228

Abb. 13.9:

Kanalhaltung

229

Abb. 13.10:

Hydraulischer Grundbruch

230

Abb. 13.11:

Durchsickerung eines Dammes

231

Abb. 14.1:

BERNOULLI-Gleichung (links) und erweiterte BERNOULLI-Gleichung

(rechts)

234

Abb. 14.2:

Energiehöhenverlust bei Druckrohrströmung

235

Abb. 14.3:

Prinzipienskizze zur Herleitung des Widerstandsgesetzes

236

Abb. 14.4:

Einfluss der laminaren Unterschicht und der Wandreibung auf das

Widerstandsverhalten

241

Abb. 14.5:

Das MOODY-Diagramm für technisch raue Rohre

245

Abb. 14.6:

Technische Rauheit und Sandkornrauheit

246

Abb. 14.7:

Das NIKURADSE-Diagramm für Rohre mit künstlicher

Sandkornrauheit

247

Abb. 14.8:

MOCK-Nomogramme zur Bestimmung des Widerstandsbeiwertes λ

248

Abb. 14.9:

Entstehung der lokalen Verluste

249

Abb. 14.10:

Einlaufverluste

251

Abb. 14.11:

Auslaufverluste

252

Abb. 14.12:

Lokale Verluste bei Querschnittserweiterung

252

Abb. 14.13: Verluste bei Querschnittsverengung

253

Abb. 14.14:

Umlenkverluste

253

Abb. 14.15: Optimierung des Rohrdurchmessers D

256

Abb. 14.16: Darstellung des Systems

259

Abb. 14.17:

Pumpsystem

262

Abb. 14.18:

Bewässerungssystem

264

Abb. 15.1:

Strömung im Druckrohr und im Freispiegelgerinne

267

Abb. 15.2:

Strömungsfälle bei stationärem und instationärem Abfluss

269

Abb. 15.3:

Strömungsfälle bei stationärem Abfluss

270

Abb. 15.4:

Prinzipienskizze zur Herleitung des Widerstandsgesetzes

272

Abb. 15.5:

Versuch von BAZIN – Prinzipdarstellung

275

Abb. 15.6:

Isotachen bei Voll- und Halbrohr

276

Abb. 15.7:

Nomogram nach der GMS-Formel

280

Abb. 15.8:

Einfluss der Wassertiefe auf den hydraulischen Radius

281

Abb. 15.9:

Einfluss der Spiegelbreite auf den hydraulischen Radius

282

Abb. 15.10: Zerlegung eines gegliederten Querschnittes mit "Vorländern"

283

Abb. 15.11: Kompakter Gerinnequerschnitt mit inhomogener Rauheit

284

Abb. 15.12: Definitionsskizze eines hydraulisch günstigen Rechteckprofils

286

Abb. 15.13: Definitionsskizze eines hydraulisch günstigen Trapezprofils

287

Abb. 15.14:

Kanalquerschnitt

291

Abb. 15.15:

Gerinnequerschnitt

292

Abb. 15.16:

Trapezquerschnitt

293

Tabellenverzeichnis 11 Tabellenverzeichnis Tab. 2.1: Dichte des Wassers  w [kg/m 3 ] in Abhängigkeit

Tabellenverzeichnis

11

Tabellenverzeichnis

Tab. 2.1:

Dichte des Wassers w [kg/m 3 ] in Abhängigkeit der Temperatur und des

Salzgehaltes bei Atmosphärendruck

21

Tab. 11.1:

Abhängigkeit der kinematischen Viskosität von der Temperatur

187

Tab. 13.1:

Durchlässigkeitsbeiwert für die DARCYsche Filterströmung

216

Tab. 14.1:

Richtwerte für die technische Rauheit k

246

Tab. 15.1:

STRICKLER-Beiwert kst in der GMS-Formel

277

Symbolverzeichnis 12

Symbolverzeichnis

12

Symbolverzeichnis

 

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

A

Druckfläche, Fläche Variabler Fließquerschnitt

[m²] [m²] [m²] [m²] [m] [m] [m/s²] [m 1/2 /s] [m/s] [-] [m²/s²] [m²/s²] [m] [m] [m] [m] [m] [m] [m] [m] [J] [J] [J] [J] [J] [J]

A(h)

Af

Filterfläche

Ap

Durchflussfläche eines Propellers

B

Wasserspiegelbreite

BS

Sohlbreite

b

Beschleunigung

C

Dimensionsbehafteter Geschwindigkeitsbeiwert

c

Wellenschnelligkeit

cL

Leitfähigkeitskonstante

cl

laminarer Strömungswiderstand

ct

turbulenter Strömungswiderstand

D

lichter Rohrdurchmesser

Däq

äquivalenter Rohrdurchmesser

Dp

Querschnittsdurchmesser eines Propellers

d

Wassertiefe Längenelement (Integration) Durchmesser der Kapillaren Korndurchmesser Korndurchmesser mit 10% und 60% Siebdurchgang

ds

dKap

dK

d10, d60

E

Energie

Ei

interne Energie

EK

kinetische Energie

EL

Lageenergie

Ep

Druckenergie

Epot

potentielle Energie

Symbolverzeichnis 13

Symbolverzeichnis

13

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

Eq

Wärmeenergie

[J]

EW

kinetische Arbeit

[J]

Ew

Volumenelastizitätsmodul des Wassers

[N/mm²]

F

Kraft

[N]

Fr

Froude-Zahl

[-]

FAd

Adhäsionskraft

[N]

FA,FZ

Auftriebskraft

[N]

FG

Gewichtskraft

[N]

FK

Kohäsionskraft

[N]

FN

Normalkraft/Druckkraft

[N]

Fp

Druckkraft

[N]

FPropeller

Propellerschub

[N]

FR

Reibungskraft

[N]

FRes

Resultierende Kraft

[N]

FS

Schwerkraft

[N]

FT

Trägheitskraft

[N]

FW

Widerstandskraft

[N]

Fz

Auftriebskraft

[N]

f

Freibordhöhe

[m]

G

Körpergewicht, Eigengewicht, Schwerkraft

[N]

g

Erdbeschleunigung (9,81 m/s²)

[m/s²]

H

Fallhöhe

[m]

HN

Nettohöhe

[m]

Hp

Betriebsdruckhöhe

[bar]

h

hydrostatische Druckhöhe Saughöhe Gesamtenergiehöhe Mindestenergiehöhe

[mWS]

hD

[mWS]

hE

[mWS]

hE, min

[mWS]

Symbolverzeichnis 14

Symbolverzeichnis

14

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

hgr

Grenztiefe

[m] [mWS] [m] [m] [mWS] [mWS] [m] [mWS] [m] [m] [-] [Ns] [N] [Ampère] [-] [-] [-] [-] [-] [m 4 ] [€] [€] [€] [m] [m/s] [m] [m 1/3 /s] [m]

hi

lokale Verluste, Verlusthöhe

hk

kapillare Steighöhe

hm

Abstand Körperschwerpunkt - Metazentrum

hman

manometrische Druckhöhe

hr

Reibungsverlust

hs

Flächenschwerpunktskoordinate

hv

Energieverlusthöhe

hw

Tiefgang eines Körpers

Δh

Schwallhöhe

I

Gefälle

I

Impuls

I

Impulsstrom

I

Stromstärke

ID

Druckliniengefälle

IE

Energieliniengefälle

Ikrit

kritisches Gefälle

ISO

Sohlgefälle

Iw

Wasserspiegelgefälle

IO

Flächenträgheitsmoment

K

Gesamtkosten

KBa

Baukosten

KBe

Betriebskosten

k

Rauhigkeit

kf

Durchlässigkeitsbeiwert

ks

Sandkornrauhheit

kst

äquivalenter Abflussbeiwert nach MANNIG-STRICKLER

L

kennzeichnende Länge, Rohrlänge

Symbolverzeichnis 15

Symbolverzeichnis

15

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

Lm

PRANDTLscher Mischungsweg Metazentrum Böschungsneigung Masse Massenstrom

[m] [-] [-] [kg] [kg/s] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [Pa] [m 3 /s] [m 3 /(sm)] [m 3 /(sm)] [m 3 /(sm)] [m] [-] [-] [N] [-] [-] [°C] [s]

M

m

m

m

p

Druck Grenzdruck

min p

pabs

absoluter Druck

patm

Atmosphärendruck

pD

Dampfdruck

pü

Überdruck

pmax

maximaler Staudruck

pS

Sohldruck

pStau

Staudruck

pu

Unterdruck

p0

Atmosphärendruck, Umgebungsdruck

Q

Durchfluss

q

spezifischer Durchfluss

qmax

maximaler spezifischer Abfluss

Δq

spezifischer Teildurchfluss

R

hydraulischer Radius

Re

Reynolds-Zahl

Rekrit

kritische Reynolds-Zahl

S

Stützkraft

SK

Körperschwerpunkt

SV

Verdrängungsschwerpunkt

T

Temperatur

t

Zeit

Symbolverzeichnis 16

Symbolverzeichnis

16

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

U

benetzter Umfang

[m] [Volt] [-] [Pa] [m 3 ] [m 3 /s]

U

Spannung

U

Ungleichförmigkeitszahl

u

Porenwasserdruck

V

Volumen

V

Volumenstrom

Vv

verdrängtes Wasservolumen

[m

3 ]

V0

Anfangsvolumen

[m

3 ]

v

Fließgeschwindigkeit

[m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [m/s] [J] [m] [m] [-] [m] [m] [m] [m 2 /s]

v

mittlere Strömungsgeschwindigkeit Filtergeschwindigkeit kritische Filtergeschwindigkeit zulässige Filtergeschwindigkeit mittlere Geschwindigkeit Fließgeschwindigkeit eines Propellerstrahls Rotationsgeschwindigkeit örtliche Geschwindigkeit maximale Geschwindigkeit Scheitelgeschwindigkeit

vf

vf,krit

vf,zul

vm

vp

vR

vS

vx, max

vx, max

v*

Schubspannungsgeschwindigkeit

W

Arbeit, Energie

xkrit

Übergangsbereich

z

Geodätische Höhe

γ

Intermittenzfaktor

δL

Grenzschichtdicke

δT

Dicke der turbulenten Grenzschicht

δUL

Dicke der laminaren Unterschicht

ε

Scheinviskosität

Symbolverzeichnis 17  

Symbolverzeichnis

17

 

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

ξ

Lokaler Widerstandsbeiwert Widerstandsbeiwert für stetige Querschnittserweiterung Widerstandsbeiwert für unstetige Querschnittserweiterung Widerstandsbeiwert für Querschnittserweiterung Widerstandsbeiwert für Auslaufverluste Widerstandsbeiwert für Einlaufverluste Widerstandsbeiwert an Störstelle Krümmerverluste Reibungsverluste Umlenkverluste

 

[-]

ξB

[-]

ξD

[-]

ξE

[-]

ξa

[-]

ξe

[-]

ξj

[-]

ξk

[-]

ξr

[-]

ξu

[-]

η

dynamische Viskosität Wirkungsgrad einer Pumpe Rohrreibungsbeiwert

[kg/ms]

ηp

 

[-]

λ

[-] [-] [bar -1 ] [m 2 /s]

κ

KARMAN-Konstante

κ

Kompressibilität

ν

kinematische Viskosität Dichte eines Bodenelements, Schüttdichte Dichte (Eis) Dichte eines Körpers Dichte des Wassers

B

[kg/m

3 ]

eis

[kg/m

3 ]

F

[kg/m

3 ]

W

[kg/m

3 ]

σ

Spannung

[N/m

2 ]

σ

Oberflächenspannung zulässige Spannung laminarer Anteil der Schubspannung turbulenter Anteil der Schubspannung Schubspannung Wandschubspannung

[N/m],[kg/m

2 ]

σzul

[N/m

2 ]

τl

[N/m

2 ]

τt

[N/m

2 ]

τx, τ

[N/m

2 ]

τ0

[N/m

2 ]

φ

Potential, Potentialfunktion

[m 2 /s]

Symbolverzeichnis 18

Symbolverzeichnis

18

Formelzeichen

Benennung, Bedeutung

Einheit

ψ

Proportionalitätsfaktor

[-] [m 2 /s]

ψ

Stromfunktion

ω

Winkelgeschwindigkeit

[1/s]

Aufgaben der Hydromechanik. 19 1 Aufgaben der Hydromechanik. Die Hydromechanik 1 ist ein Zweig der

Aufgaben der Hydromechanik.

19

1 Aufgaben der Hydromechanik.

Die Hydromechanik 1 ist ein Zweig der Technischen Mechanik (Abb. 1.1). Sie befasst sich mit Kräften und ihren Wirkungen auf tropfbare flüssige Körper (niederviskose Flüssigkeiten). Sie wird in Hydrostatik und Hydrodynamik unterteilt (Abb. 1.1).

Technische Mechanik FESTKÖRPERMECHANIK (Mechanik fester Körper) FLUIDMECHANIK Mechanik niederviskoser Flüssigkeiten
Technische Mechanik
FESTKÖRPERMECHANIK
(Mechanik fester Körper)
FLUIDMECHANIK
Mechanik niederviskoser Flüssigkeiten und
Gase
RHEOLOGIE
Mechanik hochviskoser Medien
z.B. Fette, Farben, Schlick
Kinematik
Dynamik
HYDROMECHANIK
AERO u. GASMECHANIK
Kinetik
Statik
(Mechanik niederviskoser
Flüssigkeiten)
HYDROSTATIK
Lehre der ruhenden Flüssigkeiten
HYDRODYNAMIK
Lehre der bewegten Flüssigkeiten
ROHRSTRÖMUNG
(Druckrohrströmung,
d.h. ohne freie Oberfläche)
HYDROSTATISCHE
DRUCKKRÄFTE
GRUNDWASSERSTRÖMUNG
(Durchströmung poröser Medien)
*) Die fett umrahmten Kästchen kennzeichnen den Stoff, der im Rahmen der
Vorlesung Hydromechanik I und Hydromechanik II behandelt wird.
GERINNESTRÖMUNG
(Strömungen mit freier Oberfläche)

Abb. 1.1:

Stellung der Hydromechanik innerhalb der Technischen Mechanik und Gliederung

Die weitgehende Bedeutung der Hydromechanik für den Bauingenieur ist offenkundig, denn sie bildet die Grundlage für die Bemessung und Planung der meisten Ingenieurbauwerke und - maßnahmen im Wasserbau (z.B. Stauanlagen und Flussregelungen), im Küsteningenieurwesen (z.B. Küsten- und Hochwasserschutzbauwerke), in der Wasserwirtschaft, im Grundbau, im In- dustriebau, im Anlagenbau etc

1 Hydro (gr. hydro = Wasser). Da Wasser die weitverbreitetste Flüssigkeit ist, hat es der gesamten Lehre den Namen gegeben.

Physikalische Eigenschaften des Wassers 20 2 Physikalische Eigenschaften des Wassers Die wichtigsten physikalischen Eig

Physikalische Eigenschaften des Wassers

20

2 Physikalische Eigenschaften des Wassers

Die wichtigsten physikalischen Eigenschaften bei der Lösung vieler Aufgaben der Hydrome- chanik sind Dichte, Viskosität, Kapillarität (bzw. Oberflächenspannung) und Kompressibilität. Auch die Löslichkeit von Gasen und der Luftgehalt des Wassers können unter Umständen eine Rolle spielen.

2.1

Dichte

Die Dichte wird als Verhältnis von Masse m und Volumen V definiert:



m

V

kg / m

3

(0.1)

Die Dichte w des Wassers ist in geringem Maße temperaturabhängig. Sie besitzt einen Maxi- malwert bei 4 °C: w = 999,97 kg/m³ 1000 kg/m³ (Anomalie des Wassers).

Genaugenommen ist w auch druckabhängig (siehe Kompressibilität). In der Regel genügt es jedoch, bei der Lösung der meisten Aufgaben der Hydromechanik w = 1000 kg/m³ anzusetzen. Bei einigen speziellen Aufgaben (z.B. Schichtenbildung in Seen und Talsperren) ist jedoch eine genaue Bestimmung der Dichte erforderlich (siehe z.B.Tab. 2.1).

Salzgehalt, Schweb- und Schmutzstoffe beeinflussen ebenfalls die Dichte des Wassers w (z.B. 0,94 % Salzgehalt in der Ostsee führt zu w = 1007 kg/m³, schwebstoffhaltiges Flusswasser kann Dichten von w = 1050 ÷ 1100 kg/m³ erreichen).

Der frühere Begriff der "Wichte" (= g) ist nach SI 2 unzulässig und sollte nach DIN 1044 möglichst nicht verwendet werden.

2 SI = Système International d´Unitiés

Physikalische Eigenschaften des Wassers 21 Tab. 2.1: Dichte des Wassers  w [kg/m 3 ]

Physikalische Eigenschaften des Wassers

21

Tab. 2.1:

Dichte des Wassers w [kg/m 3 ] in Abhängigkeit der Temperatur und des Salzgehaltes bei Atmo- sphärendruck

   

SALZGEHALT [ 0 /00]

 
 

0* )

5

10

15

20

25

 

30

 

35** )

   

0

999,9

1004,0

1008,0

1012,0

1016,1

1020,1

 

1024,1

 

1028,1

TEMPERATUR [°C]

 

5

1000,0

1004,0

1008,0

1011,9

1015,9

1019,8

 

1023,7

 

1027,7

10

999,8

1003,7

1007,6

1011,4

1015,3

1019,2

 

1023,1

 

1027,0

15

999,2

1003,0

1006,8

1010,7

1014,5

1018,3

 

1022,1

 

1026,0

20

998,3

1002,1

1005,9

1009,6

1013,4

1017,2

 

1021,0

 

1024,8

25

997,1

1000,9

1004,6

1008,4

1012,1

1015,8

 

1019,6

 

1023,4

30

995,7

999,4

1003,1

1006,9

1010,6

1014,3

 

1018,0

 

1021,7

 

35

994,1

997,8

1001,5

1005,1

1008,8

1012,5

 

1016,2

 

1019,9

*)

0 ‰

Süßwasser

 

**)

35 ‰ Mittelwert für Ozeane

 

1 ‰

1 g/l

1 kg/m 3

Totes

Meer:

263

÷

320

(salzigstes Meer der Welt)

2.2 Kompressibilität (Volumenelastizität)

Sie bezeichnet die Zusammendrückbarkeit des Wassers. Analog zum HOOKEschen 3 Gesetz

für Festkörper

= L/L = /E

0

gilt für Wasser:



V

=

p

V

E

0W

oder

1

E

W

=

V1

Vp

0

mit:

V/V0

=

relative Volumenänderung (V0 = Anfangsvolumen) [-]

p

=

Druckänderung [N/m²]

Ew

=

Volumenelastizitätsmodul des Wassers [N/m²]. Er ist druck- und temperaturabhängig: z.B. bei einigen bar und bei T = 20 °C ist Ew = 20.000 bar (= 2,0 ÷ 103 N/mm²) im Vergleich zu Stahl mit Es = 2.000.000 bar (d.h. Wasser ist 100-mal elastischer als Stahl)

3 HOOKE, Robert (1635–1703): Englischer Physiker und Naturforscher.

Physikalische Eigenschaften des Wassers   22  = 1/E W = Kompressibilität   bar

Physikalische Eigenschaften des Wassers

 

22

= 1/E

W

= Kompressibilität

 

bar

1

 

 

=

V

1

(0.2)

V

0

p

Mit folgender Definition der Kompressibilität des Wassers:

folgt:

Nach Gl. (0.2) ist ein Druck p = 200 bar notwendig, damit das Wasser um 1 % zusammenge- drückt werden kann:

0,01 =

p

20000

 

p = 200 bar

Deshalb kann Wasser bei den meisten Strömungen als quasi-inkompressibel angesehen werden (Kompressibilität des Wassers vernachlässigbar).

Bei Druckstoßproblemen spielt jedoch die Kompressibilität des Wassers eine wichtige Rolle und muss daher berücksichtigt werden.

2.3 Oberflächenspannung (Kapillarspannung)

Wird ein Wassermolekül (H2O) als Kugel angesehen, so hat es einen Durchmesser von ca. 2·10 - 7 mm. Die Wassermoleküle ziehen sich durch sog. Kohäsionskräfte 4 FK gegenseitig an. Inner- halb der Wassermasse heben sich diese Molekularkräfte auf (Abb. 2.1). An den Begrenzungs- flächen mit anderen Medien (z.B. Luft) und Festkörpern (z.B. Wandung) treten jedoch resul- tierende Kräfte (Grenzflächenkräfte) in Erscheinung, deren Wirkungsradius kleiner als 10 -6 mm (kugeliger Wirkungsbereich) ist und deren Richtung vorwiegend von den Dichten der angren- zenden Medien abhängt:

4 Cohaerere (lat.): zusammenhängen. Kohäsionskräfte treten also zwischen gleichartigen Teilchen, d.h. Teilchen desselben Körpers, auf.

Physikalische Eigenschaften des Wassers 23 Randeinfluss F Ad F kein Randeinfluss K F Res F

Physikalische Eigenschaften des Wassers

23

Randeinfluss F Ad F kein Randeinfluss K F Res F   F0 res k
Randeinfluss
F Ad
F
kein Randeinfluss
K
F Res
F
F0
res
k
F
F0
 90
res
k

Wandung

Randeinfluss kein Randeinfluss F   F0 res k F K F Res F 
Randeinfluss
kein Randeinfluss
F
F0
res
k
F K
F Res
F
F0
res
k
 90

F Ad

(a)

benetzende Flüssigkeit

(b)

nichtbenetzende Flüssigkeit

(z.B. Wasser)

(z.B. Quecksilber)

Abb. 2.1:

Oberflächenspannung mit und ohne Randeinfluss

(a) Grenzfläche zwischen Wasser und Luft (Wasseroberfläche)

Die Moleküle der Wasseroberfläche werden von den darunter befindlichen Wassermole- külen stärker als von den darüberliegenden Luftmolekülen angezogen. An der Wasser- oberfläche wirkt daher eine nach innen gerichtete resultierende Kraft FRes, die auf die Flächeneinheit der Grenzfläche bezogen den Kohäsionsdruck ergibt (Abb. 2.1).

Dieser Druck muss überwunden werden, damit ein Wasserteilchen aus dem Inneren an die Grenzfläche gelangen kann. Daher ist eine Kraft F entlang des Teilchenweges s, d.h. eine Arbeit W = F·s, erforderlich, die eine Vergrößerung der Grenzfläche um A be- wirkt (siehe auch Anmerkungen zur Oberflächenspannung S.24 ff.).

Dieser Sachverhalt dient der Definition der Oberflächenspannung

mit der Maßeinheit

 

Nm

=

N

m

  .

=

W

A

(0.3)

Die Oberflächenspannung hat somit das Bestreben, die Wasseroberfläche zusammenzu- ziehen und klein zu halten (daher Tropfenbildung). Sie ist stark von der Wassertemperatur abhängig: Für Wasser bei T = 20 °C ist = 0,073 N/m im Vergleich zu = 0,47 N/m für Quecksilber und = 0,025 N/m für Alkohol.

Physikalische Eigenschaften des Wassers 24 (b) Grenzfläche zwischen Wasser und Festkörper (Wandung) Die Wassermoleküle

Physikalische Eigenschaften des Wassers

24

(b) Grenzfläche zwischen Wasser und Festkörper (Wandung)

Die Wassermoleküle an der Grenzfläche Wasser/Festkörper werden nicht nur durch die o.g. Kohäsionskräfte FK, sondern auch durch die Teilchen des Festkörpers (Adhäsions- kräfte 5 FAd) angezogen. Die Richtung der resultierenden Kraft FRes ergibt sich aus der vektoriellen Summe von FK und FAd, wobei sich die Wasseroberfläche stets senkrecht zu der Resultierenden FRes einstellt. Dabei werden zwei Fälle unterschieden (Abb. 2.1).

Benetzende Flüssigkeiten (z.B. Wasser):

FAd > FK: Die Resultierende FRes ist nach außen, d.h. zur festen Berandung, gerichtet. Sie muss daher eine konkave Form annehmen Abb. 2.1a).

Nichtbenetzende Flüssigkeiten (z.B. Quecksilber)

FAd < Fk: Die Resultierende FRes ist nach innen gerichtet; d.h. es muss sich eine konvexe Form der Wasseroberfläche einstellen Abb. 2.1b).

Die Oberflächenspannung in der Nähe der Wandung wird als Grenzflächenspannung be- zeichnet.

Anmerkung zur Bestimmung der Oberflächenspannung

Zur Bestimmung der Oberflächenspannung einer Flüssigkeit kann z.B. der in Abb. 2.1 darge- stellte Versuch dienen. Ein Ring mit dem Durchmesser d wird in die Flüssigkeit getaucht und anschließend mit der Kraft F nach oben gezogen. Dabei haftet die Flüssigkeit an dem Ring bis zu einer Höhe s, wodurch sich die Grenzfläche um den Wert ΔA 2( πd )s vergrößert.

Nach Gl. (0.3) und Abb. 2.2 gilt:



W

Fs

A

2

ds

F  2  d
F

2
d

(0.4)

5 Adhaerere (lat.): festhängen, anhaften. Adhäsionskräfte treten also zwischen Teilchen verschiedenartiger Körper bzw. Medien auf.

Physikalische Eigenschaften des Wassers 25 U =  d ( d)s s Zugkraft F Ring

Physikalische Eigenschaften des Wassers

25

U =  d ( d)s s
U =  d
( d)s
s

Zugkraft F

Ring s d
Ring
s
d

anhaftende

Flüssigkeit

zu untersuchende Flüssigkeit

Abb. 2.2:

Bestimmung der Oberflächenspannung

Anmerkung zur Kapillarwirkung

Liegen die Wandungen des Festkörpers sehr dicht zusammen (wie z.B. bei dünnen Röhrchen, die man als Kapillaren bezeichnet oder bei engen Spalten und Fugen), so wirkt sich der Rand- einfluss viel stärker aus. Je nachdem, ob eine benetzende Flüssigkeit (Abb. 2.3a) oder eine nicht benetzende Flüssigkeit (Abb. 2.3b) vorliegt, wird die Flüssigkeit angehoben oder abgesenkt.

Glasröhrchen d Kap kapillare Steighöhe Meniskus h k Wasser
Glasröhrchen
d Kap
kapillare
Steighöhe
Meniskus
h
k
Wasser

d Kap

Glasröhrchen h k Quecksilber Meniskus
Glasröhrchen
h k
Quecksilber
Meniskus

(a) Kapillaraszension (z.B. Wasser)

(b) Kapillardepression (z.B Quecksilber)

Abb. 2.3:

Kapillarwirkung verschiedener Flüssigkeiten

Physikalische Eigenschaften des Wassers 26 Die kapillare Steighöhe h K 6 erhält man aus der

Physikalische Eigenschaften des Wassers

26

Die kapillare Steighöhe hK 6 erhält man aus der Gleichgewichtsbedingung "Gewichtskraft = Ka- pillarkraft", im Falle kreisrunder Kapillaren mit dem Durchmesser dKap:

πd