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DTIG - Defense Threat Information Group

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Defense Threat
Informations Group

Nodong-1 / Shahab-3 / Ghauri-1

Autoren : Adrian Ochsenbein & Ina Baumgartner

Die Mittelstreckenraketen

Fachdokumentation

DTIG

Version 1.0
März 2008
Dieses Dokument ist geistiges Eigentum der DTIG. Es darf nicht auf anderen Webpages als www.dtig.org abgelegt werden, das Erstellen eines Links ist erlaubt. Eine Verwendung in der gedruckten Presse ist nur
nach Absprache mit dem Autor zugestanden. Das Dokument darf nur als Ganzes oder in Absprache mit dem Autor zitiert werden.

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Zu diesem Bericht
Dies ist eine gekürzte Version eines Berichtes über die Proliferation nordkoreanischer Raketentechnik,
den DTIG im Januar 2008 erstellt hat. Aus rechtlichen Gründen kann DTIG nicht den gesamten Bericht
im Internet veröffentlichen. Insbesondere Einsatzszenarien sowie militärpolitische und geopolitische
Einschätzungen müssen in dem hier vorliegenden Bericht weggelassen werden. Ebenso können in
diesem Artikel keine Bilder und Grafiken verwendet werden.
Auch ist zu beachten, dass eine grosse Ungewissheit über die tatsächliche Leistungsfähigkeit der
Nodong-1 Raketen herrscht. Öffentlich zugängliche Angaben weisen einen grossen Spielraum auf.
Teile des hier vorliegenden Berichtes sind auch in den Artikel über die Nodong-1 Rakete bei
wikipedia.org eingeflossen.

Internetquellen:
http://www.missilethreat.com
http://www.fas.org
http://www.globalsecurity.org
http://www.janes.com/
http://www.acig.org/
http://www.nti.org
http://cns.miis.edu
http://www.csis.org/
http://www.rand.org
http://www.debka.com/
http://www.hsfk.de/
http://www.swp-berlin.org/
http://www.armscontrol.de/
http://www.ifsh.de/
http://www.irib.ir/
http://www.irna.ir/en/
http://www.irandefence.net
http://www.blisty.cz
http://www.pakdef.info/
http://www.atmonline.cz/
http://hometown.aol.de/B14643/space-rockets/index.htm
sowie verschiedene Foren mit dem entsprechenden Thema

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Entwicklung:
Ende der 1970er Jahre begann Nordkorea mit dem Nachbau von in der Sowjetunion beschafften SS-1C
Scud-B (8K14) Kurzstreckenraketen. Anfangs der 1980er Jahre gelang es die Scud Raketen komplett zu
kopieren. Diese Nachgebauten Modelle bekamen die Bezeichnung Hwasong-5 und Hwasong-6.
Basierend auf diesem Erfolg begann vermutlich 1988 die Entwicklung der Nodong-1. Westliche
Rüstungsexperten nehmen an, dass chinesische, ägyptische und emigrierte russische Ingenieure an der
Entwicklung der Nodong-1 beteiligt waren. Diese Rakete ist eine vergrösserte Kopie der Scud welche
durch Reverse-Engineering entwickelt wurde. Zu diesem Zweck wurde der Scud-Raketenrumpf um ca.
den Faktor 1,3 erweitert. Auch wurde ein um den Faktor 1,5 vergrösserter Nachbau des ScudRaketenmotors entwickelt und Eingebaut. Die Entwicklung erfolgte in der Zweiten Akademie für
Naturwissenschaften (Früher Akademie für Verteidigungswissenschaften). Die Produktion der Ersten
Raketen erfolgte im San'ŭm-dong Forschungs- und Entwicklungszentrum.
U.S. Amerikanische Aufklärungssatelliten entdeckten die Nodong-1 zum ersten Mal im Mai 1990 auf dem
Musudan-ri Raketentestgelände. Ebenso entdeckten sie Brandspuren auf Startgelände, welche von
einem früheren Startversuch zeugen, bei welchem die Rakete explodierte. Der erste Test der Rakete
fand am 29./30. Mai 1993 statt. Ob dieser Test als Erfolg gewertet werden kann ist fraglich, da die Rakete
nach einem Flug von ca. 500 km ins japanische Meer stürzte.
Bis ende 1993 wurden vermutlich 18 Nodong-1 hergestellt. Es wird vermutet, dass 2002 Nordkorea 40100 Nodong im Bestand hatte.
Die Nodong-1 bildete die Grundlage für die reichweitegesteigerte Nodong-2 Rakete, auch Nodong+,
Nodong-B oder Nodong-X bezeichnet. Bei der Nodong-2 handelt es sich um einer Nodong-1 Rakete mit
verlängerter Rumpfzelle. In dem verlängerten Rumpf befinden sich vergrösserte Treibstofftanks.
Vermutlich wird auch ein verbesserter Raketenmotor verwendet. Die Nutzlast und die Sprengkopfsektion
wurden beibehalten. Nodong-2 hatte bei voller Nutzlast eine geschätzte Reichweite von 1’500-2'000 km.
Das Projekt Nodong-2 wurde vermutlich zugunsten der zweistufigen Taepodong-1 im Jahr 1997
eingestellt.
Iran
Der Iran beteiligte sich ab dem Jahr 1992 finanziell an dem koreanischen Nodong-Programm. Ebenso
erfolgte in diesem Jahr die Lieferung einer einzelnen Nodong-1 auf dem Seeweg in den Iran. Im Jahr
1993 unterbreitete eine iranische Delegation in Pjöngjang die Absicht zum Kauf, Bzw. zur
Lizenzproduktion von 150 Nodong-1. 1994 beginnt im Iran die Produktion der Nodong-1 unter der lokalen
Bezeichnung Shahab-3. Der Iran hatte aber Probleme mit der Fertigung der Raketentriebwerke. Mit Hilfe
nordkoreanischer, chinesischer und russischer Ingenieure konnten bis 1996 die Probleme behoben
werden. Im Juli 1998 erfolgte der erste Teststart einer lokal hergestellten Shahab-3. Angeblich waren bei
diesem Test auch nordkoreanische Ingenieure beteiligt. Die Rakete explodierte nach einer Flugzeit von
rund 100 Sekunden. Ab 2001 begann im Iran die Serienfertigung der Shahab-3 mit einer Fertigungsrate
ca. 20 Raketen pro Jahr. Bis zum Frühjahr 2006 wurden zehn Raketentests durchgeführt, von denen drei
fehlschlugen.
In den darauffolgenden Jahren Entwickelte der Iran, basierend auf der Nodong-1 eine ganze Familie von
Raketen. Die Version Shahab-3A verfügt bei einer auf 790 kg reduzierter Nutzlast eine Reichweite von
1'800 km. Auch verwendet die Shahab-3A ein leistungsstärkeres Treibstoffgemisch. Mit Hilfe eines
verbesserten Steuersystems wird eine Präzision (CEP) von rund 200 m erreicht.
Die Ausführung Shahab-3B basiert auf der Nodong-2 Rakete. Vermutlich waren bei der Entwicklung
wiederum chinesische und russische Ingenieure beteiligt. Dank einem verlängerten Rumpf und
vergrösserten Treibstofftanks kann die Rakete eine Nutzlast von 1'200 kg über eine Reichweite von bis
zu 2'100 km ins Ziel bringen.
Basierend auf der Shahab-3B entwickelt der Iran die Ghadr-1. Andere Bezeichnungen lauten Shahab3BER, und Shahab-3M. Es gibt konkrete Anzeichen dafür, dass russische Technologien bei der
Entwicklung der Ghadr-1 verwendet wurden. Ghadr-1 verfügt über eine modifizierte Gefechtskopfsektion
mit einem neukonstruierten, flaschenhalsförmigen Wiedereintrittskörper. Vermutlich handelt es sich dabei
um einen sog. MaRV- Wiedereintrittskörper welcher beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre
manövrieren kann. So können beispielsweise Spiralbewegungen erzeugt werden, welche eine
Bekämpfung durch Abwehrlenkwaffen deutlich erschwert. Die Sprengkopfsektion wiegt 700-800 kg. Die
vermutete Reichweite liegt bei 1’700-2'500 km. Ghadr-1 verfügt vermutlich über ein GPS-Lenksystem und
kann damit eine Präzision (CEP) von rund 50 m erreichen. Der Iran verfügt vermutlich über 3-10
Prototypen der Ghadr-1.

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Pakistan
In den späten 1990er Jahren bestellte Pakistan in Nordkorea eine unbekannte Anzahl Nodong-1
Raketen. Vermutlich erhielt das Khan Forschungslabor aber bereits 1993 einzelne Komponenten der
Nodong-1 Rakete zu Testzwecken. Die pakistanische Bezeichnung lautet Ghauri-1 oder Hatf-5. Der
erste Test einer Ghauri-1 erfolgte am 6. April 1998. Dieser Test erfolgte unter Beteiligung von
nordkoreanischen Ingenieuren. Die Rakete schlug nach einer Flugdistanz von rund 705 km planmässig
im Zielgebiet ein. Die Serienfertigung der Ghauri-1 Raketen begann vermutlich im November 1998.
Die Ausführung Ghauri-2 basiert auf der Nodong-2 Rakete und entstand mit nordkoreanischer und
chinesischer Hilfe. Eine andere Bezeichnung lautet Hatf-5A. Dank einem verlängerten Rumpf und
vergrösserten Treibstofftanks wird eine Reichweite von 1’800-2'300 km erreicht. Möglicherweise
verwendet die Ghauri-2 eine Steuerungs- und Navigationssystem aus chinesischer Produktion. Damit
könnte eine Treffergenauigkeit (CEP) von ca. 300-500 m erreicht werden. Wurde das ursprüngliche
Steuerungssystem beibehalten, schwindet die Treffergenauigkeit (CEP) bei der maximalen
Schussdistanz auf einen Wert von 2’000-5'000 m.

Technik:
Die Nodong-1 ist eine einstufige Flüssigtreibstoff-Rakete. Als Treibstoff wird vermutlich der
Flüssigtreibstoff UDMH (Dimethylhydrazin) verwendet. Als Oxidator wird vermutlich der Stoff AK-27I, eine
Mischung aus Distickstofftetroxid und Salpetersäure zum Einsatz. Möglicherweise verwendeten die
ersten Ausführungen den Treibstoff TM-185, eine Mischung aus Benzin und Kerosin. Der Raketenmotor
hat eine Brenndauer von ca. 95 Sekunden. Nach dem Ausbrennen des Raketenmotors hat die Rakete
eine Geschwindigkeit von 3’700-3’800 m/s erreicht. Die Flugzeit bei einer Schussdistanz von 1’500 km
beträgt rund 12 Minuten.
Die Steuerung der Nodong-1 erfolgt mittels einer rudimentären Trägheitsnavigationsplattform welche auf
dem Steuersystem der Scud-B basiert. Es wird eine Präzision (CEP) von 2’500-4’000 m (je nach
Schussdistanz) erreicht. Möglicherweise wurde bei den neueren Ausführungen der Nodong-1 an das
Steuersystem ein GPS-Lenksystem gekoppelt. Damit lässt sich die Zielabweichung auf 190-250 m
verbessern. Auch wird bei den neueren Ausführungen die Raketenspitze mit dem Sprengkopf für den
Wiedereintritt vom Raketenrumpf abgetrennt.
Das gesamte Nodong-1 System ist transportfähig und auf Strassen transportierbar. Die Raketen sowie
sämtliche dazugehörige Komponenten sind auf Anhängerzügen untergebracht. Alternativ kann auch ein
modifiziertes MAZ 543 als Transport- und Startfahrzeug verwendet werden. Für die Startvorbereitungen
und das erstellen der Feuerbereitschaft werden vermutlich 120-150 Minuten benötigt.
Die Rakete kann mit einem bis zu 1’158 kg schweren Sprengkopf ausgerüstet werden. Je nach Nutzlast
wird eine unterschiedliche Reichweite erzielt. Mit einer Nutzlast von 550 kg hat die Nodong-1 eine
Reichweite von bis zu 1’600 km. Mit der vollen Nutzlast von 1’158 kg liegt die Reichweite bei 1’350 km.
Die Rakete kann mit einer Auswahl von unterschiedlichen Gefechtsköpfen bestückt werden:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ

Nuklearsprengkopf
Splittergefechtskopf
150 x 5 kg Bomblets (Submunition)
Chemische Kampfstoffe
Biologische Kampfstoffe

Status:
Die nordkoreanischen Entwickler exportierten unter Umgehung des Raketentechnologie-Kontrollregime
(MTCR) komplette Nodong-1 Raketen sowie Schlüsselkomponenten nach Pakistan und in den Iran.
Weitere Exporte von Nodong-Raketenkomponenten gingen vermutlich nach Syrien und Libyen. Die
Proliferation in die letztgenannten Staaten konnte durch Internationalen Druck z.T. unterbunden werden.
Auch in Ägypten, Angola, Algerien und im Kongo werden einzelne Nodong-Komponenten vermutet.

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Technische Daten:

Bezeichnung

Nodong-1 /
Shahab-3 / Ghauri-1

Nodong-2 /
Shahab-3B / Ghauri-2

Lenkwaffentyp

MRBM

MRBM / IRBM

Entwicklungsbeginn
Einführungsjahr
Lebensdauer System

~1989
~1993
unbekannt

~1992
~2001
unbekannt

Anzahl Antriebsstufen
Treibstoff-Typ
Treibstoff
Oxidationsmittel
Gewicht Treibstoff
Schubkraft 1. Stufe (Meereshöhe / Vakuum)
Impulskraft 1. Stufe (Meereshöhe / Vakuum)
Brenndauer

1
Flüssigtreibstoff
UDMH
AK-27I
~12’920
~322,7 / ~369,4
~2’373 / ~2’716
95 - 100

1
Flüssigtreibstoff
UDMH
AK-27I
~14’960
~322,7 / ~369,4
~2’373 / ~2’716
95 - 110

Mobil oder stationär in Silos
Heiss-Start
120-150 Minuten
Trägheitsnavigation

Mobil oder stationär in Silos
Heiss-Start
120-150 Minuten
Trägheitsnavigation

15,80 – 16,00
1’320 – 1’350
unbekannt
~15'095 – 15’852
1’152
1'350 - 1’500
2'000 - 4’000

18,50 - 19,50
1’320 – 1’350
unbekannt
~16’500
1’152
1’500 – 2’300
2'000 - 5’000

Gefechtskopf

Nuklear, Splittergefechtskopf,
Submunition oder
Chemische und Biologische
Agentien

Nuklear, Splittergefechtskopf,
Submunition oder
Chemische und Biologische
Agentien

Anzahl Entwickelte Systeme
Benutzer
Bemerkung

unbekannt
Nordkorea, Iran und Pakistan

unbekannt
Iran und Pakistan

Vergrösserte SS-1C Scud-B

Nodong-1 mit verlängertem
Rumpf

(kg)
(kN)
(Ns/kg)
(sek)

Stationierung
Startmethode
Min. Zeit für Startvorbereitung
Lenksystem
Länge
Durchmesser
Spannweite
Startgewicht
Nutzlast (throw weight)
Reichweite
Treffergenauigkeit (CEP)

(m)
(mm)
(mm)
(kg)
(kg)
(km)
(m)