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WER BETET,

SIEGT!
Werner Heukelbach

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Geleitwort

Sage mir, wie dein Gebetsieben aussieht, und ich will dir sagen, wie du zu
deinem Heiland und Retter Jesus Christus stehst. — So möchte ich jeden
Leser dieser Broschüre fragen.

Wer Wunder Gottes erleben möchte, der muß ein Beter werden. Darum
laß dich auch durch diese Worte ermuntern und bete täglich. Bete laut, bete
immer und immer wieder, ja bete stündlich. Laß auch du dir bitte mehr den
Geist des Gebetes schenken und sei gewiß: der Herr Jesus antwortet auf
deine Gebete!

Laß dich bitte nicht durch irgend Hindernisse vom Gebet abhalten. Diese
Hindernisse versperren dem Segen Gottes den Weg. Sie rauben dem Kinde
Gottes den Frieden Gottes. Mache reichlich Gebrauch von dem Vorzug, ein
Beter sein zu dürfen. Denke daran: Große Reichtümer Gottes warten auf
dein Nehmenl

Verzage bitte nicht in schweren Stunden. Bleibe in Niederlagen nicht am


Boden liegen, sondern: Laß dich glaubend und betend neu vom Herrn auf-
richten ! Bekenne deinen Heiland und Retter vor einzelnen und vor vielen,
und: Gewinne auch du Menschen für Jesus !

Wenn du innerlich ganz neu zurechtkommen willst, dann bekenne doch


bitte dem Herrn Jesus alles, aber auch alles, was dich belastet, betend im
Bedauern deiner Schuld. Ja, schütte vor Ihm dein Herz bis auf den Grund
aus. Nur so wird ein jeder, der innerlich zurückgegangen ist, wieder neu an
das Herz des Herrn Jesus kommen. Er wird neu Seine Liebe verspüren.

Wenn du ein innigeres Verhältnis zu dem Welterlöser — zu deinem


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Heiland — begehrst, wenn du innere Segnungen bei anderen siehst, die du
nicht hast, wenn du mehr ein Segen für andere werden möchtest: dann räume
im Gebet alles aus deinem Leben aus. Nur so wirst du Reichtümer Gottes
neu in Empfang nehmen und an andere weitergeben können.

Klammere dich bitte viel mehr an die Verheißungen Gottes. Du darfst


Größeres für Gott wagen. Du darfst viel Größeres von Gott erwarten. Dein
Glaubensmut ehrt Gott. Dein Glaubensmut ist Gott wohlgefällig.

Wenn du Schwierigkeiten in deiner Versorgung hast: dann bete zu Gott,


deinem Vater. Er denkt an Sein Kind. Er will Seinem Kind darreichen. Er ist
mehr um dich besorgt als irgendein Vater — oder eine Mutter — für das Kind
besorgt sein kann. Er hat keinen Mangel an Mitteln, die dir fehlen. Fasse
mehr Vertrauen zu dem großen Gott. Klammere dich mehr im Gebet an dei-
nen Vater im Himmel. Laß dich in allem, was du bedarfst — möglichst im
knienden Gebet — von oben beschenken.

Sei kein winselnder Christ. Dein Winseln ist dem Fürsten der Welt wohl-
gefällig. Er will dich immer neu zu Boden drücken. Er will: du sollst dich mehr
um deine eigene Achse drehen. — Du solltest dagegen mehr im Gebet deinen
Heiland loben und preisen. Laß dieses ab heute ganz dein Ziel und dein Vorsatz
sein. Ja, bete den Heiland an, der für dich starb. Bete den Vater an, der Seinen
geliebten Sohn für dich hingab.

Wenn du noch nicht zur Heilsgewißheit gekommen bist, wenn der Herr
Jesus noch nicht dein persönlicher Heiland wurde, dann bitte ich dich sehr
herzlich: Knie vor dem Herrn Jesus im Gebet nieder. Schütte vor deinem
Heiland betend — möglichst mit lauter Stimme — alles aus, was dein Herz
und Leben belastet. Bete flehentlich. Bete kindlich. Bereue vor dem Heiland
der Sünder alle, alle deine Sünden. Sage Ihm deine ganze Sündenschuld.
Sage Ihm, daß dein belastetes Gewissen der Reinigung durch Sein Blut bedarf.
Die reinigen. de Kraft des Blutes Jesu Christi vermittelt dir dann den
Herzensfrieden. Du wirst die Vergebung deiner Sünden erlangen. Es wird im
Glauben ein Stück Himmel in dein Herz hineinkommen. Du wirst Rettungsjubel
verspüren. So wirst du ein Eigentum des Herrn Jesus. So wird der Herr Jesus
dein persönlicher Heiland. Du wirst dann auch ein Segen für andere werden.
——

Daß jeder Leser dieser Schrift einen besonderen, grundlegenden Segen


bekommen möchte, dafür bete ich sehr.

W.H.

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Der Beter erlebt Wunder Gottes
Das Gebet ist das Vorrecht der Kinder Gottes. Strecke deine beiden Hände
mutig betend aus, und Gott wird sie dir füllen. Paare dieses Gebet aber mit
dem Glauben, dann wirst du nicht lange auf die Erhörung warten müssen.
Das Gebet vermittelt dem Suchenden die Gewißheit der Errettung seiner
Seele. Das Gebet ist ja nur ein Ausschütten des Herzens vor Gott. In dem
Herzen des unerretteten Menschen ist Unruhe und Rumoren. Das Herz des
Gläubigen. aber will Gott mit Frieden, Freude und Glückseligkeit füllen.

Die Voraussetzungen für ein erhörliches Gebet sind immer sehr leicht zu
erfüllen. Gott fordert nie von einem Menschen etwas, was er nicht halten
kann. Der Grundsatz Gottes ist ja nicht eingestellt auf die Worte: du mußt, du
darfst nicht, sondern einzig und allein auf den Grundsatz der Gnade. Gnade
fordert nicht. Gnade gibt. Wenn man bei einer Gnade oder bei einer
Begnadigung von einer Forderung sprechen könnte und wollte, dann müßte
man nur das eine sagen: wer begnadigt werden will, kann ein Gnadengesuch
einreichen. Oberhäupter eines Volkes lehnen oft ein Gnadengesuch ab. Bei
dem Herrn Jesus wird kein Gnadengesuch abgelehnt. Er wartet ja nur darauf,
daß alle Menschen — jeder für sich — zu ihm kommen.

Durch das Gebet kommt Freude und Jubel in ein Menschenherz. Schon da
kann man sagen: Wer betet, siegt, wer betet, erreicht das Ziel. Durch Gebet
kommt man zur Errettung seiner Seele.

Wenn ein Kind Gottes darunter leidet, daß es In seinem Leben so wenig
Frucht sieht, dann darf es zum Herrn Jesus rufen, und er verwandelt die
Fruchtlosigkeit in ein reiches Innenleben. Er wirkt Frucht, mehr Frucht, viel
Frucht und bleibende Frucht. Dieses ist das Ziel des Herrn Jesus bei jedem
Gläubigen. Nur so wird er ja verherrlicht und sein Name anderen kund.

Der Feind der Seele sagt jedem Kind Gottes, das im Wandel nicht treu war:
du kannst nie wieder zurechtkommen. Der Herr Jesus bietet aber jedem
gefallenen Kinde Gottes, wenn auch die Schmach — die der Betreffende auf
den Herrn und auf sein Volk gebracht hat — noch so groß ist, seine
versöhnende Hand dar. Er hilft jedem Reuigen zurecht. Er begleitet den
Bußfertigen auf dem Wege, um das in Ordnung zu bringen, was in Ordnung
gebracht werden muß. Darin besteht ja seine Heilandsliebe, daß er niemand
auf dem Wege liegen läßt. Er richtet auf. Er bringt zurecht. Er übernimmt die
Führung und freut sich, wenn ein Schäfchen zurückehrt zu seiner Herde.

Kostbar ist es, daß das Gebet nicht an irgendeine Zeit, oder an irgendeinen
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Ort, oder an irgendeine Sprache gebunden ist. Wo du bist, darfst du beten. In
welcher Lage du dich auch befinden magst: du darfst beten. Du darfst draußen
beten, du darfst drinnen beten. Und wenn die ersten Worte deines Gebetes
nur von der Zunge kommen und der zweite Satz aus der Kehle, der dritte
Satz wird aber dann doch aus deinem Herzen hervorgehen. Du wirst neu
aufgeschlossen werden für den Herrn Jesus. Er wird dir dann ganz neu Großes
und Größeres kund tun auf dem Wege.

Du hast vielleicht schon lange für deine Angehörigen gebetet. Du hast gewiß
schon mal gedacht, meine Bitte wird nie erhört. Denke aber daran:
viele Gebete um Errettung der Angehörigen werden erst erhört, wenn der
Beter selbst schon beim Herrn ist. Dir aber will der Herr vielleicht jetzt schon
die Freude schenken, so daß du ihn dann neu rühmst und preist.
Es gibt kein Hindernis, das so groß ist, daß es nicht von dem Herrn beseitigt
werden kann; doch es gibt Hindernisse, da bedarf es deiner Zustimmung,
dich davon befreien zu lassen. Wenn er den Finger bei dir auf irgend etwas
legt, dann erwartet er, daß du diesen Gegenstand, der die Hindernisse auslöst,
hinwegtust. Vor allen Dingen mußt du ihm gestatten, daß er sie hinwegtut.
Überlege nicht lange, ob du diesen oder jenen Gebetsgegenstand dem Herrn
hinlegen darfst. Du darfst alles — aber auch alles — dem Herrn sagen. Denke
daran: Das Gebet ist die Großmacht gegenüber dem Fürsten der Welt. Das
Gebet ist der Gradmesser deines Innenlebens. Wenn du so dein Gebetsleben
vor dem Herrn prüfst, dann wirst du vielleicht zu dir selbst sagen müssen: so
kann es nicht weitergehen. Ich will mehr ein Beter werden, damit der Herr
mich mehr brauchen kann zur Ehre seines Namens.
Es gibt Kinder Gottes, die durch schwere, schwere Prüfungen gehen müs-
sen. Sie werden oft mutlos und werden nicht fertig mit den Wegen Gottes. Sie
meinen, Gott hätte sich in der Wegführung getäuscht. Es gibt verbitterte
Gotteskinder. Sie dürfen unter keinen Umständen in dieser ihrer Stellung ver-
harren. So kommen sie nicht zur Freude, nicht zur Glückseligkeit. Ihnen muß
man helfen, daß sie neu den Mut finden, nach oben zu schauen, und Ja zu
sagen zur Führung Gottes. Kommen solche dann dahin, daß sie für die Wege,
die Gott mit ihnen ging, danken, dann kommen sie auch Schritt für Schritt
weiter vorwärts.

Wer ein Beter ist, der wird auch ein Zeuge sein, und man könnte sagen:
Nur ein Beter wird vom Herrn zeugen. Man kann vieles reden, lange reden,
über Wahrheiten reden, alles zündet aber nicht, wenn das Gebet des Be-
treffenden nicht dahinter steht. Das Gebet muß die Vorarbeit zu unserem Tun
sein. Denken wir an die Urzeugen des Evangeliums, welche sagten: Wir aber
werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren (Apostelg. 6, 4).—
Durch das Gebet kommen wir zu einer größeren Selbsterkenntnis; aber
darüber hinaus dann auch zu einer viel stärkeren Gotteserkenntnis.

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Natürlich ist es gut, wenn man auf sich, seine Schwierigkeiten, seine Nöte,
sein Zu-kurz-Kommen vor Gott schaut. Es ist aber niemals gut, wenn man
dabei stehen bleibt. Die Grundstellung sollte immer auf den Herrn gerichtet
sein, auf sein vollbrachtes Werk, auf die Liebe des Vaters. So öffnen sich die
Quellen stets neu und Geröll und angehäufter Schmutz wird aus unserem
Leben hinweggeschwemmt.
Wir kommen so aus dem Winseln und Jammern und Stöhnen und Seufzen
heraus und kommen zum Danken, Loben, Preisen, ja wir kommen zur An-
betung.

So kann man sich an die Verheißungen Gottes klammern, sie erleben —


und täglich neu erleben. Mit Gott kann man große und größere Siege feiern,
wenn man nur ihm und seinem Worte glaubt.

Mein Gebet zu Gott ist, daß er diese Broschüre für viele, viele dazu brauchen
möchte, daß sein Name verherrlicht werde. Möchten unerrettete Menschen
hierdurch angeregt werden, den Heiland betend zu suchen. Möchten aber
auch viele Kinder Gottes durch dieses schlichte Zeugnis angespornt werden,
Beter zu werden, ein Gebetsleben zu führen, im Gebet nicht nachzulassen,
im Gebet nicht nur zu winseln, zu jammern und zu stöhnen und sich zu
betrachten — sondern möchten manche Anbeter werden !

Voraussetzungen für ein erhörliches Gebet!


Von einer längeren Reise kehrte ich heim. Es war so schön zu Hause, so
feierlich. Es fiel mir aber auf, daß meine Frau irgend etwas hatte, was sie
bedrückte. Wir waren gezwungen, einen Arzt in Anspruch zu nehmen. Nach
vielen Untersuchungen wurde eine bösartige Krankheit entdeckt. Die Nachricht
davon bekamen wir vier Tage vor Ostern. Das waren dieses Mal Feiertage,
wo wohl jedes Glied unserer Familie Tränen vergoß. Es wollte aber keiner
dem anderen die Tränen zeigen. So auch ich nicht. Der Arzt —und auch mein
Verstand sagten mir, daß meine Frau nicht mehr lange bei uns sein würde.
Dieser Gedanke war mir furchtbar. Ich habe mich in ein Zimmer
eingeschlossen, habe die Knie gebeugt, mein Leben neu von dem Herrn
durchleuchten lassen und lange unter Tränen im Gebet verharrt. Ich hatte
das Bedürfnis, an eine einsame Stelle des Waldes zu gehen, um mich da
einmal ausweinen und zu Gott schreien zu können.
Am Tage nach Ostern sollte meine Frau in eine Klinik in Köln eingeliefert
werden. Einer der tüchtigsten Professoren sollte diese schwere Operation
durchführen. Meine Kinder, die teils schon erwachsen waren, sagten: ,,Vater,
wir haben dich nie daran gehindert, das Evangelium zu verkündigen. Du weißt
weder von der Mutter noch von uns um Stunden, wo wir schwach geworden
wären und dich angehalten hätten, nicht zu reisen, sondern bei uns zu bleiben.
Unsere Mutter hat manchen Sonntag am Fenster gesessen, wenn andere
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Frauen mit ihren Männern spazieren gingen. Ihr sind manche Tränen über
die Wangen gelaufen. Jetzt aber, Vater, so sagten sie zu mir, ,,haben wir eine
Bitte. Bleibe bei unserer Mutter, bis die Entscheidung gefallen ist.

Ich fuhr mit zur Klinik Es kamen schwere Tage. Die Operation dauerte
Stunden. Andere Frauen, die dasselbe schwere Leiden hatten, wurden abge-
rufen in die Ewigkeit. Auch wir wußten, daß bei einem so weit vorgeschrittenen
Krebsleiden, menschlich gesehen, kaum Hoffnung auf Heilung bestand. Ich
durfte bei den anderen Kranken von Bett zu Bett gehen. Mit manchem
Leidgeprüften durfte ich Ober die Ewigkeit sprechen. Manche haben dort Gott
versprochen, wenn sie wieder nach Hause kämen, dann würden sie dem
Herrn Jesus ihr Herz schenken. Ob sie es alle gehalten haben! Das glaube
ich kaum. Ich wünsche aber, daß ich mich täuschte.
Es kamen bei meiner Frau Tage, wo das Fieber stieg, wo der Arzt sagte:
,,Der Zustand Ihrer Frau erfordert, daß Sie ihr etwas geben, woran sie sich
mit aller Energie klammert. Sonst kann das jetzt nur noch schwache Leben
leicht ausgehaucht werden. Ich nahm einen Zettel, schrieb mit Tinte darauf:
Sein Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus! Das Wort unterstrich
ich rot, und immer wieder, wenn meine Frau die Augen aufschlug, zeigte ich
ihr dieses Wort. Die Schwäche nahm aber noch weiter zu. Da knieten einige
gläubige Diakonissen, die an die Erhörung eines Gebetes glaubten, über dem
Zimmer meiner Frau und beteten an dem Sonntagnachmittag in der Stunde
der großen Entscheidung immer wieder und lange. Dann kamen sie herunter
und sagten: ,,Wir haben den Glauben, die Wende ist dal Von der Stunde an
ging es aufwärts. Ich war noch einige Zeit bei meiner Frau, aber von Tag zu
Tag sah man: Gott hatte ein Wunder getan. — —
Gott erhört Gebete. Höre auch du auf mit der Frage: Warum noch beten?
Vielleicht ist es gut, wenn wir uns jetzt einmal etwas mit der Vorbedingung für
ein erhörliches Beten beschäftigen. In 1. Könige 18, Vers 41-45, lesen wir
eine wunderbare Geschichte. Ich will sie hier folgen lassen:
Und Elia sprach zu Ahab: Gehe hinaus, iß und trink, denn es ist ein Rauschen
eines gewaltigen Regens. Und Ahab ging hinaus, um zu essen und zu trinken.
Elia aber stieg auf den Gipfel des Karmel, und er beugte sich zur Erde und tat
sein Angesicht zwischen seine Knie. Und er sprach zu seinem Knaben: Gehe
doch hinauf, schaue nach dem Meere hin.

Und er ging hinauf und schaute, und er sprach: Es ist nichts da. Und er
sprach: Gehe wieder hin, siebenmal. Und es geschah beim siebenten Mal,
da sprach er: Siehe, eine Wolke, klein wie eines Mannes Hand, steigt aus
dem Meere herauf. Da sprach er: Gehe hinauf, sprich zu Ahab: Spanne an
und fahre hinab, daß der Regen dich nicht aufhalte! Und es geschah un-
terdessen, da ward der Himmel schwarz von Wolken und Wind, und es kam
ein starker Regen. —Wenn man sich nun fragt: Welche Weisung kann dieser
Abschnitt dem Beter geben, so will ich einige Punkte nennen, die mir zum

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besonderen Segen wurden.

Der Beter muß sich losreißen können. Elia sprach zu Ahab:


Steige hinauf, iß und trink. — Vielleicht hatte Elia auch Hunger und Durst
und hätte gern dasselbe getan. Eigenartig ist, wenn der Beter sein Ziel festlegt
um zu beten, daß gerade dann der Feind sich einsetzt und dieses und jenes
dem Menschen vor Augen stellt, um ihn vom Gebet fernzuhalten. Nur noch
eben das Telefongespräch führen, so hat er mir oft gesagt, dann kannst du ja
deine Knie beugen. Wenn ich meine Knie gebeugt hatte, dann sagte mir oft
der Feind: Stehe nur eben auf und notiere dir diese und jene Angelegenheit,
sonst vergißt du sie leicht, dann kannst du ja weiter beten. In einer anderen
Situation sagte derselbe Feind: Regele nur noch eben diese Sache. Du kannst
ja beten, aber jetzt im Moment ist es nicht passend. Gehe nur noch eben hier-
oder dorthin, bis die Sache geklärt ist, und dann nachher, dann kannst du
beten. Auf diesem Wege wirst du, lieber Leser und liebe Leserin, nie ein
erhörlicher Beter werden. Ich sage dir noch einmal, die Voraussetzung zu
einem erhörlichen Gebet ist, daß du dich losreißen kannst, wirklich
rücksichtslos dieses und jenes zurückstellen, um das Angesicht Gottes durch
Jesus Christus zu suchen. Wie herrlich sind dann solche Stunden. Sie sind
ein Vorgeschmack des Himmels. Hier atmet die Seele Himmelsluft. Hier strömt
dem Menschen das zu, was die Seele braucht.

Der Beter darf keine Mühe scheuen. Es war schon eine Mühe, wenn Elia
auf den Gipfel des Karmel steigen mußte. Bei dem Beter kommen immer
wieder Augenblicke, da hört das gemütliche Leben auf. Wo manche Gläubige
Spaziergänge machen, wo andere morgens bis zum letzten Augenblick im
Bett liegen und dann vielleicht noch ganz kurz so eben in Gedanken ihr Gebet
sprechen, kniend oder liegend, dann in Hast zum Kaffeetisch, so eben noch
die anderen Angelegenheiten erledigen und dann raus zur Arbeitsstelle, da
wird ein solches Leben den Reichtum in Christo nie erleben und niemals
weitertragen können. Du darfst keine Mühe scheuen. Wo man zusammensitzt,
selbst als Gotteskinder, sich über dieses und jenes unterhält, und sich dabei
wiegen und einwiegen läßt von allen möglichen Gesprächen, gleich ob sie
gut oder nicht gut sind, da öffnet sich der Himmel nicht. Da wird der Reichtum
Gottes nicht ausgegossen.

Der Beter muß die wahre Herzensdemut besitzen. Herzensdemut allein


bewahrt vor Demütigungen. Haben wir beide, du und ich, nicht schon gesagt:
Warum noch beten, es wird doch nicht anders. Wir haben auch gebetet,
vielleicht im Sitzen; auch in schlaflosen Nächten, wo man immer wieder das
Schlagen der Uhr hörte, wo man aufstand, um mal in einen anderen
Gedankengang zu kommen, wo man versuchte, dieses und jenes
auszuschalten, um zum Schlaf zu kommen. Wer kennt sie nicht, die
Nachtwachen. Möchten sie dir und mir zum Segen geworden sein und wer-

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den.

Die Voraussetzung für ein erhörliches Gebet zeigt hier e i n M a n n


Gottes. Er beugte sich zur Erde und tat sein Angesicht zwischen seine Knie.
— Ein Freund kam eines Tages zu mir und sagte: ,,Ich habe versucht, im
Gebet diese Stellung einzunehmen, als mein Herz sehr beschwert war über
einen Gegenstand, ja, als mein Herz in großer Not war. Es ist für mich nicht
möglich, während eines längeren Gebetes diese Stellung zu behalten — zur
Erde niederbücken und das Angesicht zwischen die Knie. Du fragst: Muß das
seine Ich kann dir antworten: Nein, nicht von der äußeren Stellung hängt es
ab ... und dennoch zeugt die äußere Stellung von deiner inneren Haltung. Wir
können uns nicht tief genug beugen vor Gott, und wir können uns auch nicht
tief genug beugen vor Menschen, wo es erforderlich ist. Im Gebet wird uns
der Segen Gottes zugewendet, und wir erleben eine Herrlichkeit nach der
anderen. Gott sucht ja solche, durch die und in denen er sich offenbaren will.
Ich wünschte, daß ich ein solcher würde, dem der Herr in demütiger Stellung
viel mehr offenbaren könnte. Ich möchte sehr gern viel mehr den Reichtum
Jesu Christi in meinem Leben zur Schau stellen und durch mein Leben andere
mitlocken. Hast du nicht den gleichen Wunsche —

Ist es nicht so, wenn wir glaubten, etwas zu sein, daß dann die Demü-
tigungen vor der Tür standen und uns oft wie Räuber überfielen? Es kommen
dann Zeiten, wo man meint, jetzt bricht alles über mir zusammen. Aus dieser
Schwierigkeit komme ich überhaupt nicht wieder heraus. Da türmen sich
Wellen auf Wellen. Sie versuchen, unser kleines Lebens- und Glaubensschiff
ans Ufer der großen Welt zu schlagen. Man meint, jetzt werde ich stranden.
Es kommt soweit, daß man meint, jetzt ist der Kompaß aus meiner Hand
geschlagen, ich habe das Ziel nicht mehr klar. Laß es dir noch einmal sagen:
Nur Herzensdemut bewahrt vor Demütigungen ! — Möchte der Herr dir und
mir doch mehr diese Herzensdemut schenken. Ich möchte sie so gern ganz
für mich haben. Ich möchte so gern, daß sie heimisch bei mir würde. Oft
meinst du, etwas davon zu besitzen. Schon in der nächsten Stunde entdeckst
du, daß sie dir wieder aus den Händen geglitten ist. Sie findet sich nicht in
deinem und meinem natürlichen Leben. Die Wurzel dieses Baumes gedeiht
nur in einem von Gott vorbereiteten Herzensboden. In einem natürlichen
Menschenherzen kann sie nicht wachsen, da wachsen alle möglichen
und unmöglichen Triebe, nur sie nicht. Laut möchte ich rufen in dieser Stunde:
Herr, schenke mir doch mehr die Voraussetzungen für ein erhörliches Gebet.
Sollen wir beide uns nicht eins werden, daß auch du es rufst in diesem
Augenblick? Wir werden es beide erleben, unser Leben wird reicher und ge-
segneter werden. Ich habe ein Sehnen, daß ich mich mehr erkennen möchte,
mein natürliches Eigenleben, daß ich mehr tiefe, tiefe Buße empfinden möchte
über manches, um ihn mehr zu verherrlichen. Nur Einer konnte von sich sagen:
... ich bin sanftmütig und von Herzen demütig (Matth. 11,29). — Wir tun oft so,

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als ob wir sanftmütig seien. Wir finden sogar oft noch Worte, um unsere Demut
zum Ausdruck zu bringen. Aber unter Herzensdemut stelle ich mir etwas
anderes vor, etwas Grundlegendes, Entscheidendes, das bei mir nicht als
Gast einkehrt, um in einer Stunde wieder wegzugehen, sondern ständig bei
mir wohnt. Möchte es dir und mir geschenkt werden.

Oft frage ich mich: Warum kann dein Leben nicht reicher sein in Jesus
Christus? Warum kann der Herr nicht mehr tun, nachdem du so lange in
seiner Nachfolge stehst? Kniend betend nehme ich mir dann oft eine halbe
Stunde und mehr Zeit und prüfe mich in dieser Linie. Und immer wieder muß
ich mir dann sagen, der Mangel an wahrer Herzensdemut ist die Ursache,
kein erhörlicher Beter in allen Stücken zu sein. Bei meinen vielen
Evangelistendiensten, wo ich hin- und hergereist bin, war mein Herz oft sehr
geschwächt. Oft konnte ich nicht mehr; doch wenn ich dann in irgendeinem
Eckchen, auf der Reise oder zu Hause, meinem Zustand neu erkannte, dann
brach ich innerlich zusammen, und wie froh und glücklich war ich dann, wenn
ich auch die Stellung in Christo Jesu neu erfahren durfte.

Der erhörliche Beter muß Ausdauer haben. Gehe doch hinauf und schaue
nach dem Meere hin. Und er ging hinauf und schaute und sprach: Es ist
nichts da. Er sprach: Gehe wieder hin, siebenmal. — Geht es dir nicht bisweilen
auch so, daß du einen Gebetsgegenstand dem Herrn immer wieder genannt
hast und einmal dabei müde geworden bist? Du hast dann den Gegenstand
liegen lassen. Es kamen sogar Stunden, wo du sagtest: Warum noch beten?
Hat es überhaupt noch einen Zweck, dieses dem Herrn immer wieder
hinzulegen? — Ich muß ganz frei bekennen, ich war oft in solcher Lage, diesen
und jenen Gegenstand nicht mehr als Ziel meines Gebetes zu setzen. Es ist
mir aber auch in letzter Zeit oft klar geworden, daß ich die Voraussetzungen
nicht erfüllt hatte, um die Erhörung dieses Gebetes zu erhalten. Gott muß ja
ein Ziel haben, wenn er mich in diesem und jenem Punkt so lange warten
läßt. Wartezeiten sind oft schwere Zeiten ! Wartezeiten sind aber auch —
wenn wir Schritt halten mit den Wegen Gottes — große Segenszeiten. Möchte
mir der Herr mehr Ausdauer geben in meinen Gebeten, um so immer wieder
vor ihn hinzutreten, bis er mich erhört.

Willst du nicht auch in deinen Gebeten ausdauernder werden? Meine


Gebetsanliegen sind vielleicht ganz andere als die deinen. Wenn ich sie dir
sagen würde, würdest du mich nicht recht verstehen. Vielleicht würdest du
sogar sagen, daß deine Anliegen, die du gern erfüllt sehen möchtest, viel
schwieriger sind als meine. Ich will dir nur sagen, daß nicht der Grad der
Schwierigkeit bei Gott maßgebend ist, sondern er kann überall aus großen
Schwierigkeiten wunderbare Herrlichkeiten machen. Wir wollen doch nicht
so leicht ermüden und uns das Ziel verrücken lassen, sondern Ausdauer haben
in dieser wunderbaren Arbeit des Gebetes. — Doch dies alles allein genügt

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nicht.

Unser Gebet muß, wenn es erhört werden soll, den wahren Glauben
in sich tragen. Bei mir ist der Glaube oft sehr schwach. Je länger, je mehr
habe ich entdeckt, daß zwei Heckenschützen immer wieder mit ihren tödlichen
Pfeilen auf den schwachen Glauben schießen. Der eine Heckenschütze heißt:
Gefühl. Die Gefühle sprechen oft meinem einfachen Glauben Hohn. Sie greifen
den schwachen Glauben an. Sie sagen: Du kommst doch nicht durch. Das
schreckt oft mein Herz. Meine Gemütsbewegungen sind dann nicht
himmelhochjauchzend, sondern oft zu Tode betrübt. — Der andere
Heckenschütze heißt: Verstand. Der Verstand sagt mir oft, die Erfüllung meiner
Bitte kann nicht kommen. Die Möglichkeit ist nicht vorhanden. — Wir wollen
nicht so sehr auf die Gefühle und den Verstand achten. —
Es gibt natürlich Gebete, in denen du nicht in Sturheit — in ständigem Anrufen
und Flehen verharren kannst. Manches ist eben der Weg für dich. Es soll so
gehen. Es muß dies eben so kommen. Gott hat es so eingerichtet. Du brauchst
es zu deiner Erziehung !

Nur der Glaubensweg ist sicher,


unerreichbar für den Feind !

Siehe, eine Wolke, klein wie eines Mannes Hand, steigt aus dem Meere
herauf. — Da würden wir gesagt haben, das ist noch alles keine Garantie für
einen Regen. Eine kleine Wolke soll Regen geben ! Unsere Kritiker und Nörgler
würden uns auslachen, wenn wir darauf unseren Glauben stützen würden.
Siebenmal hatte er den Knaben ausgeschickt. Beim siebenten Mal kam der
Hoffnungsstrahl.

Glaube ist ein Nichtzweifeln. Der Glaube klammert sich an das Wort Gottes
und legt den Finger darauf und legt den Gebetsgegenstand immer wieder
dem großen Gott hin. In Jesus Christus, seinem Sohne, glaubt er an die
Erhörung. Der Glaube holt all die kostbaren Verheißungen herbei, deren
Erfüllung er erleben durfte, wie eine Kette mit vielen Gliedern. Ich kann sie
nicht alle aufzählen. Oft war ich auch zu bange, sie alle aufzuzählen, um nicht
der Einbildung, die aus den Tiefen meines Ichs immer wieder neu hervorbrach,
Nahrung zu geben, als ob Gott in mir und durch mich Größeres getan hätte
als bei anderen Menschen. Dennoch muß ich sie bei den schwankenden
Gemütsbewegungen in mein Blickfeld treten lassen, damit ich daran erinnert
werde: Er ist derselbe noch!

Die Verherrlichung Gottes muß immer der Grund meiner Gebete sein.
Wenn meine Ehre auf den Leuchter gesetzt wird, dann kann Gott nicht ja
sagen. Wenn mein gemütliches Leben nicht hinweggetan wurde und an seine
Stelle ein planmäßiges Beten trat, wie konnte mich dann Gott erhören? —

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Die Sünde muß raus, wo sie ein Plätzchen einnimmt. Denn wo sie ist, muß
der Glaube weichen. Die Seele eines Kindes Gottes muß ganz frei sein, um
ihm dienen zu können. — So kann man im Blick auf Elia noch sagen:

Der Sieg kam. Und es geschah unterdessen, da wurde der Himmel schwarz
von Wolken und Wind, und es kam ein starker Regen. — Wie durfte das Herz
des Mannes Gottes jubilieren. Wie durfte er sich freuen, die Erhörung seines
Gebetes zu sehen. Er hatte nicht umsonst den Gott, den er so oft erprobt
hatte, angerufen. Der rettende Gott war für ihn da. Es ist etwas Großes, zu
wissen, Gott ist für mich da ! Er ist bereit, sich in meine Belange — oft kleine
Dinge — einzuschalten. Wir wollen uns alle ermuntern lassen — du, der du
diese Zeilen liest, ich, der ich sie für dich schreibe, und der, an den du diese
Broschüre weitergibst — Großes von Gott zu erwarten und Großes für ihn zu
wagen. Er kennt deine und meine Bedürfnisse. Er kennt auch die Bedürfnisse
deiner Familie. Ihm sind auch die Bedürfnisse der Kreise der Gotteskinder, in
denen du dich bewegst, nicht unbekannt. Er weiß auch, ob deine Angehörigen
errettet sind, oder ob du dich um sie sorgst. Er kennt die Schwierigkeiten in
deinem Beruf, in deiner Verwandtschaft und Bekanntschaft, ja, auch in deiner
Nachbarschaft. Sage ihm alles und vertraue ihm, er wird handeln; doch denke
daran, so könnte man noch sagen.

Vor dem Regen erst dunkle Wolken. So habe ich es oft erlebt:
Stunden, da ich meinte, jetzt werde ich umgeworfen. Der Wind brauste oft
um das schwache Gebäude meines Lebens. Es heulte der Sturm und alles
Toben wollte mein zagendes Herz erschüttern. Oft zuckten die Blitze von allen
Seiten von Menschen und Mächten in dieser Welt ausgelöst. — Auch du hast
vielleicht schon oft empfunden, daß die Blitze wirken können. Dann denke:
ein gesegneter Regen steht bevor. Es soll ein neues Grünen werden in deinem
Leben. Es soll wieder blühen und zum Fruchtbringen kommen. Der Donner
rollte oft, und welcher Beter ist dann noch nicht zusammengeschreckt.
Manches, was du aufgebaut hattest in deinem Leben, wurde in einer Stunde
in einen Schutthaufen verwandelt. Sei aber gewiß: Gott will aufbauen ! Er ist
der große Baumeister. Ich habe ihm oft jn sein Handwerk gepfuscht. Oft dachte
ich, ich müßte es tun. Wieviel Energie, von der ich oft eine Portion besaß,
habe ich auf diese und jene Sache verwandt, um mein Ziel zu erreichen. Erst
als ich kapitulierte, zogen seine Siegesheere im

Triumph ein und nahmen das Feld, das ich brauchte, um für ihn arbeiten zu
können.
Ja, wenn des Menschen Kunst zu Ende,
werden mächtig seine Hände!

Ich glaube, du und ich, wir beide haben dasselbe Verlangen: Herr, laß mich
die Voraussetzungen für ein erhörliches Gebet erfüllen, damit du mich mehr

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segnen und zum Segen setzen kannst für viele.

Herr, gib mir Heilsgewißheit!


Gott liebt jeden Menschen mit gleicher Liebe. Er liebt auch die, die ihm den
Rücken zuwenden. Er läßt aber nicht jeden Menschen eigene, selbst-gewählte
Wege gehen.
Seitdem der Fürst dieser Welt die Menschheit für sich erobert hat, versucht
Gott alles, um jeden einzelnen für sich zurückzugewinnen. Er sieht nicht darauf,
ob die Betreffenden reich oder arm sind. Es spielt bei ihm auch das Alter
keine Rolle. Ob die einzelnen schlecht oder weniger schlecht sind; —alle sind
Gegenstand seiner göttlichen Liebe. Zwei- oder dreimal wendet Gott ganz
besonders in jedem Menschenleben alles auf, um mit seinem gnadenvollen
Suchen zum Ziel zu kommen. Gott benutzt dazu auch bei dir Mittel und Wege,
die dir nicht immer gefallen.

Dies sehen wir auch in jener alten Geschichte aus 1. Mose 27, 18—41:
Jakob ging zu seinem Vater und sprach: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin
ich; wer bist du, mein Sohn? Und Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin
Esau, dein Erstgeborener: ich habe getan, wie du zu mir geredet hast... Und
der Vater sprach: Bist du wirklich mein Sohn Esau? Und Jakob sprach:
Ich bins. Und er segnete ihn... Esau feindete Jakob an wegen des Segens,
mit dem sein Vater ihn gesegnet hatte. Esau aber sprach in seinem Herzen:
Es nahen die Tage der Trauer um meinen Vater, dann werde ich meinen
Bruder erschlagen. —
Jakob war ein Lügner. Er hatte seinen alten Vater belogen. Sein Vater traute
ihm nicht ganz und fragte ihn nochmals: Bist du wirklich mein Sohn Esau?
Jakob log wieder.

Es gibt auf dieser Erde keinen Menschen, der behaupten könnte, daß er
noch nie eine Unwahrheit gesagt hätte. Auch die Übertreibung ist eine Lüge.
Hüten wir uns vor Selbsttäuschung !

Wir hatten in großen Zelten und Sälen oft hunderte von Kindern unter dem
Wort Gottes. Oft habe ich gefragt, ob ein Kind dabei sei, das noch nicht gelogen
habe. Ich forderte das Kind auf, das von dieser Sünde frei wäre, einmal
aufzustehen. Nie stand ein Kind auf. Wenn ein noch schulpflichtiges Kind
sich so erkennt, wo willst du, der du schon älter geworden bist, mit deiner
Schuld hingehen? Laß jetzt einmal deine Jugendzeit an dir vorüberziehen!
Wie manches liegt doch da verborgen! Manches liegt schon lange zurück, du
weißt es nicht mehr. Eins aber mußt du wissen: Gott ist nicht ein Gott der
Unordnung. Er hat alles in seinen Büchern festgehalten. Diese Bücher werden
13
einmal aufgetan. Vielleicht kommen aber auch bei dir Stunden, wo in deinem
Gewissen manche Tat wieder in Erinnerung gebracht wird, ganz gleich, ob
sie zu Hause oder in der Fremde, im Krieg oder im Frieden, in der Nacht oder
am Tage geschehen ist. Wenn du ganz ehrlich und aufrichtig bist, mußt du
das zugeben. Werde jetzt einmal ganz stille vor Gott im Blick auf deine
Vergangenheit. Dann kannst du auch das Wort Gottes verstehen, wenn es
sagt: Wohl dem, glücklich der, dem die Übertretungen vergeben sind, dem
die Sünde bedeckt ist! (Psalm 32,1). — Es muß einmal Licht in dein Herz
hineinfallen. Wenn dieses Licht vielleicht durch diese Zeilen dein Leben erhellt,
dann zucke nicht zurück, wenn Gott dir jetzt deine Gedankenwelt zeigt, wie
unrein sie oft war. Stehe jetzt einmal still vor dem Licht, das deine Seele
durchdringen will.

Jeder einzelne weiß am besten, wenn er Licht über sich selbst bekommt,
welche Schwächen in seinem Leben vorhanden sind. Vielleicht bist auch du
schlechte Wege gegangen, so daß du dich schämen müßtest, wenn deine
Mutter um die verborgenen Dinge in deinem Leben wüßte. Vor dem Auge des
lebendigen Gottes ist aber jeder Tag und jede Nacht, ja, jede Stunde deines
Lebens offenbar und jeder Weg, den du gehst. Er weiß alles, alles, was du
allein oder in der Gemeinschaft mit einem anderen oder in einem größeren
Kreise getan oder geredet hast. Auch dein Heute ist ihm nicht unbekannt.
Vielleicht wurde in deiner Gegenwart die Person Jesu Christi verunehrt oder
in irgendeiner Weise angegriffen. Du hast dazu geschwiegen. Es könnte ja
sogar bei dir so weit gekommen sein, daß du dich über den Herrn oder über
seine Anhänger lustig gemacht hast, indem du versuchst, Sachen in ihrem
Leben zu finden, die Gelächter bei anderen auslösten. Aus kleinen
Begebenheiten aus dem Leben eines Gotteskindes hast du vielleicht eine
große Sache gemacht. Du wußtest die Sache noch nicht einmal ganz genau
und hast sie auch nicht vorher geprüft, aber dein Urteil darüber gesprochen.
Vielleicht berührt Gott durch diese Zeilen etwas in deinem Leben, auf Grund
dessen er dich einmal zur Rede stellen wird. Wenn du einmal ganz stille stehst,
wirst du gewiß manche Sünde und Obertretung in deinem Leben entdecken,
die du bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht sehen würdest. Es kann sein
— und ich bitte dich herzlich, dies einmal ganz genau zu prüfen —, daß durch
deine Sünde andere Menschen benachteiligt wurden. Es kann sogar sein,
daß du andere durch dein Handeln in Not und Trauer versetztest, ein reines
Menschenleben beschmutztest und mit in dese Sünden hineingezogen hast.
Jakob hatte durch sein Handeln nicht nur seinen alten Vater belogen, sondern
auch seinen Bruder Esau betrogen. Esau war darüber sehr erbost. Durch
diese Tat war Zwist in die ganze Familie hineingetragen worden. Weißt du —
wenn du dich vor dem Angesichte Gottes prüfst —, ob du nicht in gleicher
Weise Zwistigkeiten zwischen Menschen gebracht hast?

In Esau reifte der Entschluß, eines Tages seinen Bruder Jakob zu erwürgen.

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So war es dahingekommen, daß Jakob sein Elternhaus verlassen mußte.

Wenn du einmal darüber nachdenkst, findest du gewiß auch Abschnitte in


deinem Leben, da du rücksichtslos gegen deine Mitmenschen warst. Vielleicht
war das sogar in deiner eigenen Familie. Vielleicht denken die Menschen —
selbst wenn sie es nicht zu sagen wagten —, daß du der Unruhestifter warst,
der die Harmonie in seiner Umgebung stets durch seine Worte und Hand-
lungen gestört hat. Prüfe einmal, ob du deinen Vorteil gesucht hast, selbst
wenn andere benachteiligt wurden. Es wäre besser gewesen, du hättest die
ganze Sache in Gottes Hand gelegt: Er schafft Recht dem Bedrückten (Psalm
146,7).— Du kannst dich darauf verlassen, daß auch dieses Wart immer wieder
in Erfüllung geht, selbst wenn Gott lange wartet und zögert mit seinem
Eingreifen; aber er schreitet ein.

Du warst vielleicht in manchen Stunden deiner Umgebung gegenüber sehr


kalt. Mit deinem launischen Wesen hast du es deiner Umgebung oft schwer
gemacht. Dein mürrisches Benehmen hat sich zuweilen wie ein Alpdruck nicht
nur auf deine eigene, sondern auch auf die Seele deiner Mitmenschen gelegt.
Vielleicht ging mancher in deiner Umgebung mit einem starken Druck durchs
Leben, an dem du nicht unschuldig warst.

Wie oft haben wir alle wohl durch unsere Empfindlichkeit uns selbst und
anderen das Leben schwer gemacht.
Wieviel Schuld mag wohl da, mein lieber Leser, in deinem Leben sein, wenn
du einmal schonungslos deine ganze Gegenwart und Vergangenheit in dem
hellen Lichte Jesu Christi aufdecken läßt?
Es gibt Menschen, die sind so veranlagt, daß sich alles nach ihnen richten
muß. Sie wollen stets tonangebend sein und sind dickköpfig. Alles das sind
Eigenschaften, die mehr oder weniger in jedem Menschen schlummern. Diese
Züge werden durch unser eigenes Ich täglich neu genährt, ja, dieses Feuer
wird immer wieder neu geschürt.
Ich glaube ganz gewiß, wenn du ganz ehrlich bist, siehst du in deinem Leben
Züge, die nach schlechter sind als die eines Jakob. Das Erschütternde bei
Jakob war, daß er dabei sehr religiös war. Ja, man kann chrisr.ch religiös
sein, scheinbar fromm — und doch mit all den erwähnten schlechten
Eigenschaften und Fehlern behaftet sein.
Wir lesen in 1. Mose 28 weiter: Auf seiner Flucht kam Jakob nach Haran. Er
übernachtete daselbst; denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen
Stein, legte ihn zu seinen Häupten und legte sich daselbst nieder. — Das
böse Gewissen ließ ihn aber nicht zur Ruhe kommen. Er hatte keine
Heilsgewißheit und träumte: Siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt und
ihre Spitze rührte an den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen auf und
nieder an ihr. Und siehe, der Herr stand über ihr und sprach: ... Siehe, ich bin
mit dir, und ich will dich behüten, überall, wohin du gehst, und dich

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zurückbringen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich
getan, was ich zu dir geredet habe. Als Jakob von seinem Schlaf erwachte,
sprach er: Fürwahr, der Herr ist an diesem Orte, und ich wußte es nicht. ...
Und er gab demselben Orte den Namen BetheL Und Jakob tat ein Gelübde
und sprach: Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Wege, den
ich gehe, und mir Brot zu essen gibt und Kleider anzuziehen, und ich im
Frieden zurückkehre zum Hause meines Vaters, so soll der Herr mein Gott
sein. —
Es gibt Menschen, die meinen, ihre Seele wäre durch einen Traum errettet
worden. Ich glaube nicht daran, daß in einem Traum die Stunde der großen
Wende eines Menschenlebens stattfinden kann. Wohl kann ein Traum der
Anlaß zu einer tieferen Besinnung über das eigene Leben sein. Die Ent-
scheidung, durch welche die Seele ihres Heils gewiß wird, vollzieht sich aber
nicht kampflos. Eine ganze Entscheidung für Jesus Christus greift tief hinein
in ein Menschenleben, bis in die Fundamente und Falten seines Innersten.
Es geht darum, sein Leben entweder in Eigenliebe und Sünde weiterzuleben
oder es restlos dem Herrn Jesus auszuliefern, um ganz für ihn da zu sein. Ja,
ganz wach muß man sein, um diesen Kampf, in dem zwei Mächte ringen, zu
Ende führen zu können. Jeder Mensch muß einmal eine solche Stunde
durchkämpfen und durchbeten, um Heilsgewißheit zu bekommen. Die Zu-
kunft lag dunkel vor Jakob. Er wußte nicht recht, wie es weitergehen sollte in
seinem Leben. Wahl hatte er sich ein Ziel gesetzt, auf das er zusteuerte:
Hin zu seinen Verwandten; aber ob er sein Vaterhaus jemals wiedersehen
würde, das war ganz ungewiß.
Nicht immer findet einer, der seine Heimat verläßt, in der Fremde das, was
er sucht. In der Heimat sind die Menschen oft rücksichtsvoller, weil sie uns
von unserer Kindheit an kennen. Sie kennen in etwa unsere Art und Herkunft.
Bei fremden Leuten dagegen ist es mit der Liebe oft nicht weit her.

Jakob tat ein Gelübde, weil er in großer Angst und Ungewißheit war. Er
wußte nicht recht, was aus seinem Leben wurde. Er sprach: Wenn Gott mit
mir ist und mich behütet auf diesem Wege, den ich gehe, und mir Brot zu
essen gibt und Kleider anzuziehen, und ich in Frieden zurückkehre zum Hause
meines Vaters, so soll der Herr mein Gott sein (1. Mose 28, 20-21). —Was
soll Gott nun tun, wenn ein Mensch ein Versprechen, das er Gott in schweren
Tagen gab, nicht hielt? — Gott muß doch zu seinem Ziel kommen. Er will dir
doch gern die Heilsgewißheit schenken. Vielleicht machst du jetzt mal einen
Vorschlag. — Du weißt gewiß einen solchen! Es ist aber fraglich, ob dein
Vorschlag — von Gott aus gesehen — zum Ziele führt. Gott weiß in solchem
Fall den rechten Weg. Er nimmt da den Menschen in besondere Schulen.

Vielleicht bist du durch schwere Krankheiten oder sonstige Krisen und


Notzeiten gegangen, sei es im Kriege oder im Frieden. Du hattest kaum das,
was du brauchtest, um durchzukommen. Es waren schwere Schulen Gottes.

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Und doch sträubte sich dein Innerstes dagegen, das alles aus Gottes Hand
anzunehmen. Lege diese Broschüre jetzt nicht weg, sondern versuche mir zu
folgen bis zum Schluß dieses Kapitels, ja, bis zum Schluß dieser Broschüre.
Du wirst gewiß zur Heilsgewißheit kommen. Lege es jetzt schon in deinem
Herzen fest, dann diese Broschüre an einen anderen Menschen, für den sie
paßt, weiterzugeben.

Auch durch Menschen kannst du enttäuscht worden sein, vielleicht so


gründlich, daß du keinem mehr traust. Du bist nicht der erste, dem es so
ergeht. Eine Person aber darf ich dir nennen, die wird dich nie enttäuschen,
an der Person wirst du keinen Makel finden, von welcher Seite du sie auch
betrachtest, und diese Person heißt: Jesus Christus, der Heiland der Welt,
der dein persönlicher Heiland werden will. Ja, glücklich ist das Menschenherz
erst dann, wenn es sagen kann: Mein Herr, mein Heiland!
Genug ! Gott geht oft so sorgfältig vor, daß er uns nötigenfalls die eine oder
andere Schule zwei- oder dreimal durchmachen läßt, bis wir die Lektion gelernt
haben. In unserer Schriftenmission hatten wir eine Karte mit folgenden Worten:
Es kann vorkommen, daß wir eine Schule Gottes zweimal mitmachen müssen,
weil wir nicht lernten, was wir lernen sollten!!
So ging Jakob sieben Jahre lang durch eine schwere Schule unter der
starken Hand eines Menschen, der mehr oder weniger über sein Leben be-
stimmte. Er lernte aber nicht, was er lernen sollte, und bestand die
Abgangsprüfung nicht. Noch einmal sieben Jahre ! So mußte er in schweren
Schulen Gottes reifer und reifer werden, und auch nach vierzehn Jahren hatte
er noch nicht die Reife zur Heilsgewißheit erlangt und mußte nach einmal
sechs oder sieben Jahre dadurch, bis er erkannte, was in seinem Herzen
war.

Diese Selbsterkenntnis ist die größte Erkenntnis. Nicht die Hochschulen


und großen Lehranstalten geben sie, sondern in Schulen Gottes erlangt man
dieselbe. — Endlich konnte ein Jakob ausrufen: Ich bin zu gering all der
Gütigkeiten und all der Treue, die du deinem Knecht erwiesen hast (1. Mose
32, 10). — Diese Erkenntnis Jakobs muß auch deine Erkenntnis werden. Es
muß auch bei dir zu einer entscheidenden Stunde kommen, wie auch ich sie
erlebte, wo ich merkte, jetzt legt Gott die Hand auf mein Leben.

Auch ein Jakob kam in die Gefahr, vor der engen Pforte umzukehren. Sie
schien ihm zu eng, um durchkommen zu können auf dem schmalen Weg:
Jakob blieb allein übrig; und es rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte
aufging. Und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, da rührte er sein
Hüftgelenk an; und das Hüftgelenk Jakobs ward verrenkt, indem er mit ihm
rang. Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Und er sprach: Jakob. Da
sprach er: Nicht Jakob soll hinfort dein Name heißen, sondern Israel —
Kämpfer Gottes —; denn du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und

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hast obgesiegt. Und Jakob fragte und sprach: Tue mir doch deinen Namen
kund? Da sprach er: Warum doch fragst du nach meinem Namen? Und er
segnete ihn daselbst. Und Jakob gab dem Ort den Namen Pniel: denn ich
habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und meine Seele ist gerettet
worden ! Und die Sonne ging ihm auf, als er über Pniel hinaus war (1. Mose
32, 24—31). — Die ganze Nacht hatte Jakob in einem erbitterten Ringen
gestanden, bis daß aller Zweifel aus seinem Herzen gewichen war, und bis er
restlos Vergebung seiner ganzen Schuld und völlige Gewißheit seines Heils
erlangt hatte.

Frage nicht: Warum noch beten? Beten ist das Fühlungnehmen mit der
oberen Welt, von der aus dir allein die volle Heilsgewißheit zuteil wird. So
habe ich auch einmal gerufen: Herr, du kannst mein Leben auslöschen, in
dieser Stunde. Ich gehe aber nicht zurück, bis daß du meiner Seele den
göttlichen Frieden schenkst! —Noch einmal wurde Jakob, indem er Gott seinen
alten Namen nennen mußte, an seine ganze Vergangenheit erinnert. Diese
Erinnerung kann nicht jeder Mensch vertragen. So geschah es auch bei mir,
als ich schon in den Wehen der Wiedergeburt stand. Dann kommt es darauf
an, nicht zurückzuschrecken, sondern Gott das ganze Ja zu geben. Einmal
muß die Wende kommen. Jakob hatte wohl ein Bethel erlebt, der Name
bedeutet: Haus Gottes: Es ist gut und schön, wenn du viel ein und aus gehst
in dem Hause, wo Gottes Wort verkündigt wird. Es muß aber das Große
hinzukommen:
Du mußt ein Pniel erleben ! Dann kannst auch du sprechen: Meine Seele
ist gerettet worden ! — Laß dir auch nicht von irgendeinem andern Menschen
ein verwischtes Evangelium verkündigen. Du mußt den Kern der Botschaft
Jesu Christi erfahren und erfassen. Alles, was Jakob durchmachte, hat jetzt
den Höhepunkt erreicht: eine sichere Gewißheit. Bis dahin war es ein Hängen
und Würgen. Die Gewißheit der Errettung seiner Seele hatte ihm gefehlt.
Nun aber ging ihm die Sonne auf.

Mir ging ja ein neues Licht gnadenvoll auf,


drum zweifle ich ferner nicht in meinem Lauf.

Manche Menschen stehen davor und bewegen sich immer in demselben


Kreis: Soll ich, soll ich nicht?

Laß das Lied dein Herz erfüllen:

Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!


Drückt mich auch Kummer hier, drohet man mir,
soll doch trotz Kreuz und Pein
dies meine Losung sein:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

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Bricht mir, wie Jakob dort, Nacht auch herein,
find ich zum Ruheort nur einen Stein,
ist auch im Traume hier
mein Sehnen für und für:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

Nun kam aber das Ordnen seines Lebens, das Heraustun dessen, was
Gott nicht gefiel. In dieser neuen Gesinnung kam es auch zur Versöhnung
mit seinem Bruder Esau! Es wurde bei diesem Gottesstreiter, so hieß Jakob
fortan, innerlich alles anders. Es wurde auch nach außen hin ein Neues.

Esau hatte einmal geschworen: Eines Tages werde ich meinen alten Vater
in ein großes Herzeleid bringen, und ich werde meinen Bruder Jakob erwürgen.
Nun, da Gott mit Jakob das Ziel erreicht hatte, wandte er das Herz des Esau,
ja, man kann sagen, dessen Gesinnung, so radikal um, daß er dem Jakob
um den Hals fiel und ihn küßte, und beide weinten sehr. Heilsgewißheit im
Herzen eines Menschen bringt auch Versöhnung mit allen Menschen mit sich.
Sonst kann sie nicht rechter Art sein.

Erfülle mir letzt die eine Bitte und ringe auch du mit ganzem Ernst um
Heilsgewißheit. Sage dem Herrn Jesus alles, was bei dir göttlich geordnet
werden muß. Glaube dann an sein Blut: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes
Gottes, macht uns rein von aller Sünde (1. Joh. 1, 7).— So wirst du deines
Heils gewiß.

Gibt es für ein gefallenes Kind Gottes


kein Zurechtkommen mehr?
Gott hat manche Mittel und Möglichkeiten, um zu den Menschen zu reden.
Er geht oft milde und vorsichtig mit den Menschen um, um seinen Mund an
ihr Ohr legen zu können. Gott hat aber auch starke Hände, um rücksichtslos
zuzupacken, wenn es erforderlich ist.

David war ein Mann Gottes. Er war aber einst einmal einer großen Ver-
suchung erlegen und in Sünde gefallen. Gewiß hat er dies lange im Ver-
borgenen mit sich herumgetragen und abgewogen, wie er mit Gott wieder in
ein klares Verhältnis kommen könnte. Wer einmal ein Erleben mit dem
rettenden Gott gehabt hat und in seiner Gemeinschaft lebte, dem wird die
Welt zur Hölle, wenn er diese Gemeinschaft verliert. Gott ist heilig, und es
kann niemand, der nicht den Schmutz seines Lebens vor ihm selbst beseitigen
läßt, in seiner Nähe leben.
Gott braucht sein Wort, um zu den Menschen zu reden. Er will ihnen ihren
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Zustand zeigen. Er braucht aber auch seine Knechte, wie er hier den Pro-
pheten brauchte, um einem David das zu sagen, was er hören mußte. David
kam zu einer tiefen Buße und tat Gott, der ja doch alles wußte, sein Leben
kund: Sei mir gnädig, o Gott, nach deiner Güte, nach der Größe deiner
Erbarmung tilge meine Obertretungen !
Wasche mich völlig von meiner Ungerechtigkeit, und reinige mich von meiner
Sünde !
Denn ich kenne meine Obertretungen und meine Sünde ist beständig vor
mir. Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan,
was böse ist in deinen Augen; damit du gerechtfertigt werdest, wenn du redest,
rein erfunden, wenn du richtest.

Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren und in Sünde hat mich empfangen
meine Mutter.
Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern, und im Verborgenen wirst
du mich Weisheit lehren.
Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich, und Ich
werde weißer sein als Schnee.
Laß mich Fröhlichkeit und Freude hören, so werden die Gebeine frohlocken,
die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, und tilge alle meine
Ungerechtigkeiten!
Schaffe mir, Gott, ein reines Herz und erneuere in meinem Innern einen
festen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Geist deiner Heiligkeit
nimm nicht von mir!
Laß mir wiederkehren die Freude deines Heils, und mit einem willigen Geiste
stütze mich!
Lehren will ich die Obertreter deine Wege, und die Sünder werden zu dir
umkehren.
Errette mich von Blutschuld, Gott, du Gott meiner Rettung, so wird meine
Zunge jubelnd preisen deine Gerechtigkeit.

Herr, tue meine Lippen auf, und mein Mund wird dein Lob verkünden. Denn
du hast keine Lust an Schlachtopfern, sonst gäbe ich sie; an Brandopfern
hast du kein Wohlgefallen.

Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zer-
schlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten!

Tue Zion Gutes in deiner Gunst, baue die Mauern Jerusalems! (Psalm 51).—
Wie erfreute es doch das Herz Gottes, als ein David betend ausrief:

Wasche mich völlig von meiner Ungerechtigkeit. Wenn eine Frau ein

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Kleid gewaschen hat, dann wird es oft bewundert von denen, die es sehen.
Es kann aber auch vorkommen, daß bei einem solchen Waschen tiefe,
schmutzige Flecken, wo der Dreck besonders gesessen hat, nicht entfernt
werden. So scheint es auch hier bei David gewesen zu sein. Sein Gebet war:

Reinige mich von meinen Sünden. Nimm euch die Punkte aus meinem
Leben fort, wo diese schmutzige Sünde, die Sinneslust, so tief gesessen hat.
Waschen allein genügt hier nicht. Es muß zu einer tiefen Reinigung kommen.
— Wer wirklich ganz zurechtgebracht werden will, ja, wer durch Jesus Christus
in die Stellung kommen will, um völlige Gemeinschaft mit Gott zu haben, der
muß sich der tiefen Reinigung aussetzen. Die Flecken, wo der grobe Dreck
deiner Sünden gesessen hat, bedürfen einer tiefen Reinigung. —Es kann
sein, daß der Herr Jesus dir als Kind Gottes noch aus der Vergangenheit her
eine Sünde, die bei dir ganz tief gewurzelt war, nach der Bekehrung in
Erinnerung bringt. Dann vergiß nicht die Reinigung der vorigen Sünden,
sondern knie nieder und sage deinem Heiland diese Sünde ganz besonders.
— Tue es aber nicht immer und immer wieder! Bleibe auch nicht dabei stehen!
Sondern: Glaube auch da an die restlose Reinigungskraft des Blutes Jesu
Christi.

Ich kenne meine Übertretungen, das war die Vorbedingung zum


Zurechtkommen. Es dauert oft lange, bis der Mensch seine Schuld und
Obertretungen erkennt und diese seine Sünden zugibt. Immer wieder versucht
auch das gefallene Kind Gottes, Schuld bei anderen zu sehen und sich mög-
lichst vor Menschen noch rein zu waschen. In dieser Stellung wird es nie
dahin gelangen, in das Verhältnis zu Gott zurückzukommen, wonach sich
sein Herz sehnt.

Meine Sünde ist beständig vor mir, so ruft der Psalmist aus. Wo er ging
und wo er stand, da sah er immer wieder diese eine Tat. So ist es, wenn Gott
anfängt an denen zu wirken, die er liebt, und die er gern ganz für sich haben
möchte. Du kannst in der Natur die Schöpfung im Frühling sehen, andere
können davon begeistert werden, du aber merkst:
Meine Sünde ist beständig vor mir. — Der schönste Wintertag, wo die Sonne
auf den schnee- und eisbedeckten Fluren ein Glitzern und Blinken hervorruft,
begeistert dich nicht mehr. Immer wieder denkst du: Meine Sünde ist beständig
vor mir. Du kannst an die Meere reisen und ihre Schönheiten bewundern,
immer wieder denkst du daran: Meine Sünde ist beständig vor mir. Auch eine
Fahrt zu den Alpen mit ihren gewaltigen Bergen wird das eine nicht verwischen,
was stets vor dir steht. Deine Sünde wird mit dir gehen, bis du sie restlos vor
Gott und, wenn es sein muß, vor Menschen bekannt hast. Eigenartig ist, daß
der Psalmist sagt:

Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt. Stimmt das denn, ist

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denn eine Sünde, die ein Kind Gottes begangen hat, eine

Sünde gegen Gott? Das darfst du wohl annehmen! Wenn der große Gott
durch Jesus Christus ein so großes Werk getan hat, indem er dir durch den
Opfertod des Herrn Jesus alle Schuld und Sünde für ewig weggenommen
hat, wenn du dann noch in der Sünde lebst und nicht mit ihr ins Licht kommen
willst, dann kann man wohl sagen: Gegen dich, gegen dich allein habe ich
gesündigt. Ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. Die Sonde ist böse
in den Augen Gottes. Manches wird nicht als Sünde erkannt. Selbst Kinder
Gottes gehen leichter darüber hinweg. Sie fangen an, sich damit zu
entschuldigen, daß dieser und jener es auch tut. Mit der Zeit gewöhnen sie
sich sogar an schmutzige Dinge — an Dinge, die Gott nicht wohlgefallen. Sie
werden ihnen zur Gewohnheit, und sie empfinden sie nicht mehr als Sünde~.
Möchte dir der Herr Jesus in dieser Stunde die große Gnade schenken, restlos
dein Leben mit allen Taten so zu erkennen, wie er es erkennt.

Es war auch in meinem Leben eine gute Kur — wenn sie auch schwer war
—, daß ich nach meiner Bekehrung Rückschau hielt in mein früheres Leben
und wie ein David vor Gott hintrat und sagte:

Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren. Meine Abstammung ist nicht


gut. Ich bin belastet väterlicherseits, ich bin belastet mütterlicherseits.

Wer von Gott mehr Gnade, Kraft und Frucht haben will, als er bisher empfing,
der muß diesen Weg gehen. Den kann ich jedem empfehlen. Er stimmt auch
mit dem Worte Gottes überein: Vergesset nicht die Reinigung der vorigen
Sünden ! — An unvergebenen Sünden gleichgültig vorübergehen, das löscht
die Schuld nicht. Man muß, wenn man zurechtkommen will, ganz offen die
Dinge bis ins kleinste vor dem Herrn Jesus ausbreiten und sich dazu viel Zeit
nehmen und ihm alles, alles, alles sagen und nennen. Man muß sogar gewillt
sein, zu den Menschen hinzugehen, die durch diese Sünden irgend in Trauer
oder in Nachteil versetzt wurden. Wer da nicht eine ganz klare Sache macht,
bei dem bleibt das Leben, auch das Glaubensleben, nur ein Hängen und
Würgen, ein Rackern und Abrackern. Prüfe dich doch einmal, mein lieber
Leser, ob du nicht in das Gebet einstimmen mußt:

Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein, wasche mich,
und ich werde weißer sein als Schnee. Während ich diese Zeilen schreibe,
sehe ich draußen frischgefallenen Schnee, auf den die Sonne ihre Strahlen
sendet. Daneben hängen Wäschestücke, die van sorgfältiger Frauenhand
mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gewaschen wurden. Ich sehe da
aber einen großen Unterschied: So weiß, wie der frischgefallene Schnee ist,
kann keine Frau die Wäsche waschen. Hier im frischgefallenen Schnee ist
kein Tüttelchen von Schwärze oder Schmutz So wasche mich, Herr, daß ich

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weißer werde als Schnee.

Gibt es etwas Herrlicheres im Leben, als im Blute Jesu Christi gewaschen


zu sein für Zeit und Ewigkeit?

Schaffe in mir Gott ein reines Herz. Der Psalmist will wohl sagen: Arbeite
du, Gott, in mir und an mir. Ich will stille halten, bis das Unreine restlos aus
meinem Leben entfernt ist, das immer wieder mein Herz beschmutzt hat,
womit ich dich, du rettender Gott, du wunderbarer Gott, so oft betrübt habe.

Wenn du eine Sünde hast, die dir die Gemeinschaft mit Gott raubt, dann
denke daran, daß Jesus Christus dafür — ja gerade dafür — sein Leben
gelassen hat. Nimm es nicht leicht damit, weil ihm der Weg nicht Leicht wurde:
Du hast mir Mühe und Arbeit gemacht mit deinen Sünden, — so sagt Gott
in seinem Wort. Gott hat wirklich Mühe und Arbeit wegen deiner und meiner
Sünden. Wenn du dieses gründlich erkennst, dann wird auch der nächste.
Ruf über deine Lippen kommen:

Laß mir wiederkehren die Freude deines Heils ! Möchte alles das, was
noch ungeordnet ist in deinem Leben, auch immer vor dir sein, daß. du Tag
und Nacht nicht mehr darüber zur Ruhe kommst. Du denkst vielleicht bei
diesen Zeilen: Höre auf, sonst lege ich die Broschüre hin. — Auch das kannst
du tun, und dennoch weiß ich, es gibt eine unsichtbare Macht, den Geist
Gottes, und der ist stark genug, dich dahin zu führen, daß du gern diese
Broschüre und besonders das Buch der Bücher und vor allem diesen Psalm
noch einmal liest.

So wirst du ganz bestimmt in die Stellung kommen, die Gott gern bei dir
haben möchte. Wenn du dann selbst zurechtgebracht sein wirst, dann wirst
du das Sehnen bekommen:

Lehren will ich die Obertreter deine Wege und die Sünder werden zu
dir umkehren. Du wirst in die Stellung kommen: Ich will helfen, Seelen
gewinnen, bis er wiederkommt. Ich will, daß er mich bei der Arbeit findet,
wenn er erscheint.

Einmal war ich in einem kleinen Städtchen des Winterspartgebietes im


Sauerland, um dort das Evangelium zu verkündigen. Ich sprach in einer großen
Halle. Der Besuch steigerte sich sehr. Sonntags konnte diese Halle von uns
nicht benutzt werden, weil ein Kinobesitzer dieselbe laufend gemietet hatte.
Die Geschwister des Ortes traten mit der Bitte an den Pfarrer heran, ob wir
nicht zum Sonntagmorgen die Kirche haben könnten, um dort das Wort vom
Kreuz in volkstümlicher Weise zu verkündigen. Der Pfarrer fühlte sich aber
verpflichtet, selbst seinen Gottesdienst abzuhalten. Viele Sportler, die in einem

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Hotel und anderen Gaststätten untergebracht waren, hatten ihr Erscheinen
zum Gottesdienst zugesagt. Die Geschwister meinten aber, meine Art der
Verkündigung könnte den Besuchern des kleinen Städtchens, den Besuchern
der Kirche, wenn Gott seinen Segen gäbe, dazu gereichen, daß bei etlichen
das Samenkorn zur Wiedergeburt gelegt würde, ja, daß sogar etliche durch
Buße zum Glauben kämen~ Sie vereinigten sich zum Gebet. Es fand ein
tiefes Beugen statt. Immer wieder hörte ich die Worte: Du mußt mich ganz
zurechtbringen. — Ein anderer betete: Du mußt uns ganz zurechtbringen.
Vergib mir alles aus der Vergangenheit. — Vergib uns, — so betete ein anderer.
Und Gott erhörte das ernste Flehen:

Es dauerte nicht lange, da verständigte der Pfarrer die Geschwister, daß


uns die Kirche am Sonntagmorgen zur freien Verfügung stände. Was war
geschehen? — An einem anderen Ort war ein Pfarrer sehr schwer mit dem
Auto verunglückt. Er bat den Pfarrer an unserem Ort, ihn in seiner Kirche am
Sonntagmorgen zu vertreten. Er bat ihn in etwa so, doch alles zu versuchen,
um einen Ersatzmann für unseren Ort zu beschaffen, damit sein Wunsch
erfüllt werden könnte. So gebrauchte Gott den Unfall, um uns die Türen zu
öffnen.

Es war ein erfreulicher Anblick, wie unter anderem die Treppen zur Empore
besetzt wurden, und die Sportsleute teils mit ihren Ski-Geräten erschienen.
Alles hörte aufmerksam zu. Für mich war es ermutigend, feuchte Augen zu
sehen und Züge wahrzunehmen, die mir die Gewißheit gaben, daß Gott etwas
tat. — Wie ermunternd sind solche Dienste — ermunternd, darin fortzufahren,
einer verlorenen Welt das Evangelium zu bringen. Ermunternd aber auch,
um Kinder Gottes mobil zu machen für die Arbeit im Weinberg des Herrn. —
Sage auch du: Ich will ein Werkzeug werden in der Hand des Meisters. Ich
will jeden Weg gehen, um verirrte Kinder Gottes zurückzubringen. Ich kann
ihnen sagen, wie ich es gemacht habe! — So manche stehen müßig am
Wege, tragen Lasten mit sich herum und haben doch die Gewißheit der
Gotteskindschaft. Sie entschuldigen sich, indem sie sagen: Ich kann nichts
tun für den Herrn, ich bin nicht begabt. Ich bin so schüchtern, es liegt mir nicht
so, mit dem Mund vorweg zu sein. — Alles dieses kann vielleicht bei Menschen
noch Anerkennung und Zustimmung finden, niemals aber bei Gott. Wer wirklich
ganz zurechtgekommen ist, der kann nur das eine Sehnen haben: Lehren will
ich die Obertreter deine Wege und die Sünder werden zu dir kommen. Dann
kommt auch der Ruf aus deinem Herzen:

Herr, tue meine Lippen auf ! Das kannst du rufen, das Recht hast du. Du
kannst sagen: Herr, es fällt mir so schwer, von dir zu erzählen. Du kannst ihm
ruhig sagen, wie leicht es dir fällt, dieses und jenes mitzumachen. Du magst
in deinen Reden sogar bis zu leichten und seichten Witzen gegangen sein.
Aber jetzt fange an zu rufen: Herr, tue meine Lippen auf !

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Ich will dein Lob verkünden! Das Lob Gottes, das Ihm entgegengebracht
werden soll, ist, daß er für verlorene Sünder, die ihm Unehre und Schande
bereitet haben, seinen geliebten Sohn geopfert hat, und daß er in dieser Tat
jedem bußfertigen Sünder alles, aber auch alles, restlos vergibt und ihn so
hinstellt, als ob er nie eine Sünde getan hätte. Das Jammern in deinem Leben
soll aufhören, über das sich der Teufel so oft gefreut hat. Es ist eine liebliche
Musik für den Fürsten dieser Welt, wenn er hört, wie Kinder Gottes
Jammerlieder singen, weil sie unter ihrer Schuld seufzen und den Weg nicht
finden, um innerlich ganz zurechtzukommen.
Gleich, was in deinem Leben ist, du weißt eins ganz genau: dies ist der
Weg, um ganz ins Reine mit Jesus Christus zu kommen. Gehe diesen Weg
und prüfe nicht, wie groß die dunklen Flecken deines Lebens sind, sondern
sorge, daß sie entfernt werden durch die Gnade und durch das Blut Jesu
Christi.
Du hast Jammerlieder genug gesungen in deinem Herzen, auch wenn sie
niemand gehört hat, Gott weiß sie. Denke daran:
Deinen Zustand beweinen und beklagen, das ist vom Herrn.
Aber dabei stehenbleiben, das ist vom Teufel!

Wenn du dabei stehengeblieben bist, dann wage es jetzt, vorwärts zu gehen.


Höre auf mit deinen Jammerliedern und lasse Loblieder aus deinem Herzen
hervorkommen, und es wird so sein, wenn du den Schutt und alles Geröll aus
deinem Herzen ausgeschüttet hast, daß die Schwingen deines Herzens frei
werden.

Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht


verachten. Ich wünsche mir als ein Zierstück meines Glaubenslebens ein
zerbrochenes und zerschlagenes Herz über alles, was noch ungereinigt in
meinem Leben liegen mag. Möchte der Herr Jesus mein Leben auszeichnen
mit einem bußfertigen Herzen, das sich nicht schämt, seinen Zustand zu
nennen vor Gott und Menschen, wo etwas nicht in Ordnung ist. Möchte der
Herr mir und dir die Herzensdemut schenken, die wir brauchen, um mehr von
ihm in Empfang nehmen zu können, ich möchte selbst immer neu
zurechtkommen und dann helfen, andere zurechtzubringen. Sollen wir uns
nicht die Hände reichen in diesem Augenblick, du und ich, und zunächst selbst
den Weg gehen, der erforderlich ist, um dann anderen dienen zu können? So
möchte ich jedem Kinde Gottes, das — für kürzere oder längere Zeit — in
eine Sünde fiel, zurufen: Der Herr Jesus wartet darauf, daß du zurückkommst
— zurückkommst zu ihm und dich von ihm zurechtbringen läßt.

Nur so konnte uns David einen Psalm 103 hinterlassen. Das ist der Weg für
uns, für die, die bekennen, Gotteskinder zu sein: Vergiß nicht, was er dir
Gutes getan hat!

25
Wann soll ich beten?
Mein Herz war nicht ganz in Ordnung. Ich war gezwungen, mit meiner Frau
einige Zeit auszuspannen. Wir wohnten in einer kleinen Holzhütte. Dieselbe
war nur sechs Quadratmeter groß. Das Wetter war nicht einladend.

Es war kühl, Stürme peitschten Schnee und Eis gegen die Fenster unseres
kleinen Hüttchens. Innerlich bedurfte ich einer Erneuerung. Das Sehnen war
neu bei mir wach geworden, mehr für den Herrn da zu sein.

Zu Hause in meiner Wohnung hatte ich immer wieder Gelegenheit genom-


men, in meiner Gebetszeit treu zu sein. Ich bat den Herrn, er möchte mir
doch Weisung geben und mir die Möglichkeit schenken, jetzt mit meiner Frau
diese besondere Gebetsgemeinschaft zu haben. Ich machte ihr den Vorschlag,
daß wir uns eine Zeit festsetzen wollten — wenn es auch nur eine halbe
Stunde täglich wäre —, die wir in kniendem Gebet verbringen wollten. Wir
wollen aber laut beten, so sagte ich ihr, damit die Zwischengedanken, die
sich leicht einschleichen, sich nicht störend auswirken können. — Wir lasen
zusammen fortlaufend in der Offenbarung. Nachdem wir ein Kapitel gelesen
hatten, betete ich, dann betete meine Frau. Ich betete wieder, sie schüttete
ebenfalls ihr Herz aus. Es kamen immer neue Gebetsanliegen auf unsere
Herzen. Wir beteten für unsere vier Kinder, die alle bekennen, den Herrn zu
haben und alle in Gemeinschaft mit Gotteskindern sind. Wir beugten uns im
Blick auf die große Gnade Gottes, die er uns und unserer Familie hatte zuteil
werden lassen. Er hatte uns ja ganz aus Welt und Sünde herausgeholt, weg
vom Tanzboden und allen Belustigungen, die diese Welt bietet. Im Gebet
meiner Frau und auch in meinen Gebeten klang es immer wieder durch, wie
dankbare Herzen den Herrn lobten und priesen für seine große Liebe und
Güte. Unsere Gebete gingen zu unseren vielen Freunden, die wir im Werke
des Herrn haben. Unsere Nachbarn und Hausgenossen wurden genannt und
die Geschwister unserer Heimat, die Arbeitsplätze, wo ich als Evangelist
gedient hatte und die Orte, wo ich vor hatte, hinzukommen. Die Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen nahmen einen großen Raum bei unseren Gebeten ein.
— Jeder von uns betete öfter. Es war ein Stück Himmel. Eine halbe Stunde
reichte kaum. Dieses wiederholte sich täglich. Innerlich und äußerlich erholt,
kamen wir nach vierzehn Tagen zu unseren Kindern zurück. —Wann soll ich
beten? Diese Frage wird oft von uns, den Kindern Gottes, ausgesprochen.
Wir sollen es nicht nur zu Hause tun, sondern überall, wo wir uns aufhalten.
Oft meinen wir, besonders auch wenn wir unterwegs sind, kein Gebetseckchen
zu finden. Wir dürfen aber gewiß sein, auch in den Schwierigkeiten zeigt der
Herr einen Weg, um zum Ziele zu gelangen.

26
Daniel war ein planmäßiger Beter. Er steht groß vor meiner Seele. Dreimal
des Tages kniete er nieder auf seine Knie. Eigenartig ist dieser Ausdruck: Er
kniete nieder auf seine Knie. Ich habe oft gedacht, genügte es nicht, wenn
der Geist Gottes mir aus diesem Wort gesagt hätte: er kniete? Nein, er kniete
nieder auf seine Knie. Kniearbeit ist die schwerste Arbeit im Reiche Gottes,
die Arbeit, die keiner sieht, die er aber sieht. Wieviel habe ich da versäumt.
Wieviel hätte ich auf den Knien erreichen können, was ich mit Händen versucht
habe zu schaffen. Wieviel haben Arbeiter und Arbeiterinnen im Werk des
Herrn oft mit Rennen und Laufen schaffen wollen, was sie viel besser auf den
Knien erreicht hätten. Bitte, denke nun nicht, daß ich einen Bruder oder eine
Schwester angreifen wollte. Ich weiß, welche große Strafe darauf ruht, seine
Mitknechte zu schlagen. Nur eines dachte ich: Wenn alle, die im Werke des
Herrn arbeiten, die Zeit, die sie bisher am Studiertisch zugebracht haben, von
nun an auf den Knien zubringen würden, und die Zeit, die sie bisher auf den
Knien zugebracht haben, am Studiertisch zubringen würden — dann würde
manche Verkündigung geisterfüllter sein und stärker in die Herzen der Zuhörer
hineindringen. Verzeihe mir bitte, wenn ich diese Zeilen so niederschrieb.
Schlage mich nicht zu sehr mit deinen Gedanken — und vielleicht auch mit
Worten — wenn für dich das Gesagte zutrifft. Denke daran, was mich trieb,
diese Zeilen zu schreiben. Ich möchte so gern, daß du und ich — ja, wir beide
— solche würden, wie der Herr sie sucht: Menschen, die ganz für ihn da sind,
die planmäßig beten und andere ermuntern, den Himmel zu bestürmen, damit
sein Name verherrlicht werde.

Daniel führte ein Gott wohlgefäIIiges L e b e n. Beter müssen im Wandel


treu sein. Wenn Beter fünf gerade sein lassen, dann kann Gott nicht erhören.

Daniel hatte innige Gemeinschaft mit Gott. Auch in mir ist ein Sehnen,
innige Gemeinschaft mit Gott zu haben. So ganz mit ihm verbunden sein zu
dürfen, das ist die Stellung, in der die Seele Himmelsluft atmet. Gemeinschaft
mit der Sünde hebt die innige Gemeinschaft mit Gott auf und führt nicht zur
Herzensfreude. In den ersten Jahren meines Glaubenslebens ist mir das nicht
so zum Bewußtsein gekommen wie in dieser Zeit, ja, wie in dieser Stunde.
Nicht immer war der Kontakt klar mit der oberen Welt. Schutt und Geröll haben
Störungen zwischen Gott und mir verursacht. Niemals war Gott schuld, stets
war ich der Schuldige. Oft habe ich gedacht, so kleine Sachen können keine
Disharmonie mit Gott bringen. Nun aber weiß ich immer mehr, wie genau es
Gott nimmt, und ich sehne mich danach - und dieses ist neu mein Entschluß
in dieser Stunde —, es mit der Sünde ganz genau zu nehmen. Lieber Leser,
wir wollen uns beide danach ausstrecken, stets in voller Harmonie mit Gott zu
leben. Wir wollen ja sagen zu seinen Führungen, zu seinen Handlungen und
zu seinen Zielsetzungen. Die Freude am Herrn, das Glück des Geborgenseins
und das Ruhen am Herzen Jesu werden dann unser Teil sein. Der Zustrom
von Gott wird in der Urkraft durch unser Leben fließen. Durch uns werden

27
andere zum Reichtum in Gott kommen. Was Daniel zierte, soll auch meine
Zier sein:

Er hatte ein starkes Vertrauen zu Gott. Deine Angst und dein Kampf sind
nur Mangel an Gottvertrauen:

Es kann mir nichts geschehen


als was er hat ersehen
und was mir dienlich ist.

Wenn man sich fragt, was war denn der Grund bei einem Daniel, warum
hatte er diese Gemeinschaft, dieses starke Vertrauen? dann kommt man ganz
leicht dahin, daß man die Ursache findet:

Daniel hatte eine Gebetsstätte. Wer nur betet, zur Stunde wo er Freudigkeit
hat zum Gebet, der wird bald nicht mehr beten. Man kann diesen Satz nicht
oft genug prägen. Ich wünschte, es würde mir geschenkt, dir dieses jetzt tief
ins Herz hinein zu legen, daß du es nie wieder vergessen würdest. Ganz
offen kann ich es dir sagen, ich möchte dich so gern ganz für Jesus Christus
werben, damit du ein planmäßiger Beter wirst. Immer mehr sehne ich mich
danach, überall wo ich bin, auf meinen vielen Reisen, oft unter schwierigsten
Verhältnissen, eine Gebetsstätte zu finden.

Ich war während einer schweren Erkrankung meiner Frau — in dieser


Broschüre schrieb ich davon — mit ihr in einer großen Klinik Westdeutschlands.
Morgens gegen sechs bis einhalb sieben Uhr kamen die Schwestern und
begannen ihre Arbeit auf dem Zimmer meiner Frau. Ich bat den Herrn, er
möchte mir doch eine Gelegenheit zum Gebet geben. Dann wurde es mir
klar: Dort in der Stadt standen so viele zertrümmerte Häuser. Hinter ihnen
gab es Plätze, wo man ganz ungestört den Hut abnehmen und zum Herrn
rufen konnte. Es war kalt und winterlich draußen. Der Kragen des Mantels
wurde hochgeschlagen und, den Hut in der Hand, so schüttete ich mein Herz
immer wieder laut im Gebet vor Gott aus. Du wirst sagen, so etwas würde ich
nicht preisgeben. — Vielleicht wertest du es sogar falsch und rechnest es mir
als Hochmut an. Dieses alles wird mich aber nicht davon abhalten, das Ziel
im Auge zu behalten, dich zu ermuntern, ein Beter zu werden. Laß nur nicht
wieder den Gedanken in deinem Herzen aufkommen: Warum noch beten?
Sondern werde ein planmäßiger Beter, der immer wieder eine Gebetsstätte
findet, ein offenes Fenster gen Jerusalem.

Daniel betete unter den schwierigsten Verhältnissen des Verbotes. Wie


oft habe ich Kinder Gottes sagen hören: Ich habe keine Zeit zum Gebet. —
Wissen wir nicht von einem Manne, den Gott besonders gebrauchte, der
sagte: Heute habe ich viel zu tun, heute muß ich die doppelte Zeit oder eine

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halbe Stunde mehr beten? In etwa haben manche Kinder Gottes ein Recht,
folgendes zu sagen: Ich habe kein Plätzchen, wo ich meine Knie beugen
kann. Ich schlafe mit anderen auf einem Zimmer und kein anderer Raum
steht mir zur Verfügung. Wahr ist aber doch, daß man, wenn man morgens
früh aufsteht, wenn andere noch schlafen, in der Küche oder sonst irgendwo
die Knie beugen kann. Oft habe ich auf dem Speicher gebetet, oft auf dem
harten Beton des Kellers gekniet. Wie bin ich immer wieder dabei gesegnet
worden. Das Innerste preisgeben, um anderen zu dienen, ist oft nicht leicht.
Es fällt auch mir nicht leicht in dieser Stunde. Doch ich tue es in dem einen
Gedanken — und nehme gern jeden Vorwurf auf mich -, daß nur sein Name
verherrlicht werde. Wenn nur wir als Gotteskinder alle dahin kommen, ihm zu
dienen und seinen geliebten Sohn zu erwarten.
In meinem Gebetsleben gibt es auch Tage und Stunden, wo die Wolken
ganz tief gehen, wo der Nebel mir den Blick zu Gott und seinem geliebten
Sohn — meinem Heiland Jesus Christus — nimmt, wo die Stürme in mein
Leben hineinbrausen, daß sie mir fast den Boden unter den Füßen wegreißen,
wo es hagelt und blitzt von allen Seiten der Welt, oft von solchen, die den
Herrn lieben. Immer wieder aber will ich versuchen — und gehe du bitte einig
mit mir in diesem Streben —, ein offenes Fenster zu haben zu der Offen-
barungsstätte Gottes, von der aus er seine Ausstrahlungen in mein Leben
und meinen Dienst sendet: Herr, ich brauche mehr von dir, um mehr für andere
zum Segen zu sein! Das soll immer der Notruf in meinem Leben bleiben.
Möchte er sich verstärken, bis ich ihn schaue.

Daniel war nicht nur einer, der flehte, sondern er lobpries Gott. Dieses
Loben und Preisen will sich oft sehr schwer von meinem Herzen und von
meiner Seele lösen. Wenn ich meinen Zustand besehe, dann will es mir gar
nicht gelingen. Ich sehe so vieles, was mich betrübt und bedrückt. So werde
ich dann zur Demütigung und Buße gedrängt. Sehe ich auf die Verhältnisse,
die um mich herum sind, auf Menschen, die Kinder Gottes sind — oder gar in
seinem Werk arbeiten —, dann möchte ich lieber weinen als lobpreisen. Und
dennoch weiß ich, nur ein wirkliches Danken und Preisen gibt mir den
geöffneten Himmel. Du und ich, wir beide wollen uns ermuntern, da nichts zu
versäumen. Daniel hatte ein inniges Verhältnis zu seinem Gott:
E r betete zu J eh o v a, sei ne m Gott. So muß das Verhältnis sein. Es ist
mein Gott, er ist nicht der Gott, nicht ein Gott, nein, mein Gott.
So suchte er ihn, wie wir es in Daniel 4 lesen.

Er erkannte und rühmte die Größe Gottes, seine Herrlichkeit und seine
Erhabenheit, seine Treue und seine Liebe.

Aus dieser Stellung heraus kam er zum Bekenntnis s e i n e r S ü n d


e n. Dadurch wurde die Grundlage zu einem klaren Verhältnis zu Gott
geschaffen. Möchte das der Herr auch dir und mir schenken.

29
Er bekannte a u c h die Sünden seines Volkes.
Wir haben uns empört, ich und die anderen, die du mir zur Betreuung
gegeben hast, so klingt es aus seinen Worten. Wir sind Rebellen gewesen
gegen Gott. Wie kostbar ist aber dann das schöne Zeugnis, das Daniel
empfing:

Er hatte sein Herz darauf gerichtet, Weisheit zu empfangen und


demütigte sich vor seinem Gott (Daniel 10,12).— Das ist der rechte Boden.
Wenn der Verstand darauf gerichtet ist, kommt wenig dabei heraus. Erkenntnis
Gottes ist eine Herzensangelegenheit. Er bekam das schöne Zeugnis Gottes
und seine Demütigung wurde erkannt. Ja, wer sein Herz darauf richtet und
sich vor Gott demütigt, den wird er erhören und dem wird er sich kund tun.
Möchte dir und mir dieses mehr geschenkt werden.

Es ist möglich, daß wir dann auf die Erhörung etwas warten müssen. Bei
Daniel war es ja so, daß die Gebetserhörung auf sich warten ließ, weil ein
Fürst des Königreiches Persien dem, der die Siegesbotschaft Daniel bringen
sollte, im Wege stand. Wir werden es aber ebenfalls erleben, daß die Boten
Gottes den Sieg davontragen.

So konnte er auftreten, weil er ein planmäßiger Beter war, und er konnte als
mächtiger Zeuge zum Volk sprechen: Brich mit deinen Sünden, und er konnte
das Menetekel verkündigen.

Wenn mir jetzt eine Bitte zu Gott gestattet würde, und ich die Zusage der
Erfüllung bekäme, dann würde ich folgendes äußern: Herr, laß mich und alle,
die diese Zeilen lesen, ab heute planmäßige Beter werden!

Zu spät gebetet!
In einem kleinen Gebirgsdörfchen wohnten mehrere Christen. Diesen wurde
es bei ihren Zusammenkünften immer klarer, daß in ihrem Ort einmal in
besonderer Weise das Evangelium verkündigt werden müsse. Gerettet-sein
gibt ja Rettersinn. — Eine Reihe Sänger vereinigten sich und übten erweckliche
Lieder, die die Herzen der Menschen ansprachen. Man ließ große Plakate
drucken und an besonderen Tafeln anbringen. Einige tausend Einladungszettel
wurden ebenfalls hergestellt. Alle Vorbereitungen wurden getroffen. Die
Einladungszettel wurden von einer Schar junger Leute, die ein persönliches
Christusleben hatten, in alle Häuser des Dortes, der Nachbardörfer und der
näheren Umgebung getragen. Ein Verkündiger des Evangeliums war gerufen
worden. Alles sah mit großer Spannung dem Tage des Beginnens dieser
30
Evangelisationswoche entgegen.

Schon am ersten Abend machten die Gläubigen des Ortes die freudige
Entdeckung, daß viele Menschen in dem Versammlungssaale waren, die man
früher dort nicht gesehen hatte. Zu Beginn der Versammlung wurde ein ge-
meinsames Lied von Jesus, dem Erretter, gesungen. Der Chor sang ein Lied,
und dann wurde das Evangelium verkündigt.

Unter den Zuhörern saßen zwei junge Menschen, der Sohn und die Tochter
des Ortspfarrers. Der Vater war noch in Kriegsgefangenschaft. Ihr Großvater,
der selbst ein Eigentum des Herrn und Heilandes Jesus Christus war, hatte
die beiden Enkelkinder zur Evangeliumsverkündigung mitgebracht.
Einige Abende vergingen. Da blieben nach einer Versammlung auch diese
beiden jungen Menschen zurück. Sie begehrten durchzubrechen zur Gewiß-
heit der Errettung ihrer Seele. Sie wollten nicht dereinst das schreckliche Wort
über sich ergehen lassen: Zu spät gebetet!

Das Mädchen schüttete ihr Herz vor Gott aus. Sie wußte, daß niemand zu
Gott kommen kann, als nur durch Jesus allein. Man hatte den Eindruck, daß
sie nichts zurückhielt, was ihr Gewissen und Leben belastete.

Nachdem sie Gott angerufen hatte, begehrte auch ihr Bruder dem Sünder.
Heiland zu nahen. Es vergingen einige Augenblicke in der Stille, und im Himmel
war Freude darüber, daß sich Menschenkinder Gott stellten, so wie sie waren,
ohne sich zu verschönern.

Der Evangelist versuchte nun, diesen beiden, die Gott von ganzem Herzen
suchten, das Erlösungswerk von Golgatha recht klarzumachen; wie ein an-
derer die ganze Schuld und Sünde ihres Lebens auf sich genommen habe
und wie er jedem, der zu ihm kommen würde, Vergebung und Rettung
schenke. Eine Bibelstelle nach der anderen nannte ihnen der Evangelist. Auch
einen Liedervers von dem Lamme Gottes, das aller Welt Sünde trägt, sagte
er und versicherte ihnen, daß sie nun ruhen dürften in dem vollbrachten Er-
lösungswerk dieses Lammes.

Es dauerte einige Augenblicke, bis die beiden lieben Menschen es im Glau-


ben faßten. Ihr Angesicht veränderte sich, die Augen bekamen einen Glanz
Ihre Seele hatte Frieden gefunden im Blute des Lammes. Zuerst beugte der
junge Mann, dann das Mädchen die Knie, und sie lobten und priesen Gott.
Die beiden jungen Menschen hatten den Schritt gewagt, und ihr Leben war
durch die vollbrachte Tat Christi auf Golgatha zur Ruhe gekommen. Es war
nicht zu spät.
Das Wort Gottes erzählt uns aber von einer Gruppe Menschen, die zu spät
beteten. Ich will den Abschnitt aus Matth. 25, 1-13 folgen lassen: Alsdann

31
wird das Reich der Himmel gleich geworden sein zehn Jungfrauen, welche
ihre Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf aber
von ihnen waren klug und fünf töricht. Die, welche töricht waren, nahmen ihre
Lampen und nahmen kein Öl mit sich; die Klugen aber nahmen Öl in ihren
Gefäßen mit ihren Lampen. Als aber der Bräutigam verzog, wurden sie alle
schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei:
Siehe, der Bräutigam kommt! Gehet aus, ihm entgegen! Da standen alle
jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. Die Törichten aber spra-
chen zu den Klugen: Gebet uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen.
Die Klugen aber antworteten und sagten: Nicht also, damit es nicht etwa für
uns und euch nicht ausreiche; gehet lieber hin zu den Verkäufern und kauft
für euch selbst. Als sie aber hingingen, zu kauten, kam der Bräutigam, und
die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit; und die Tür ward
verschlossen. Später aber kamen auch die übrigen Jungtrauen und sagten:
Herr, Herr, tue uns auf ! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage
euch, ich kenne euch nicht. So wachet nun, denn ihr wisset weder den Tag
noch die Stunde. —Das Wort Gottes schildert uns hier eine Begebenheit, in
deren Mittelpunkt der Bräutigam steht. Es ist Jesus Christus, Gottes Sohn.
Diese Geschichte ist eine sehr ernste. Der Herr Jesus hat sie für uns
niederschreiben lassen. Sie ist sehr ernst zu nehmen, weil alle Voraussagen
des Wortes Gottes bisher restlos in Erfüllung gegangen sind, wenn die Zeit
dafür gekommen war. Du kannst gewiß sein, auch die noch unerfüllten
Weissagungen werden einmal in Erfüllung gehen.

An einer anderen Stelle habe ich diesen Bräutigam schon in seiner er-
habenen, göttlichen Machtfülle beschrieben. Seine Stellung als Erlöser der
ganzen Welt wurde dort ebenfalls erwähnt. Auch über seine Wiederkunft steht
Näheres in meinen Schriften.

Hier will ich einige der Gaben nennen, die der Herr Jesus schenkt.

Er gibt einen bleibenden Frieden. Es ist etwas Herrliches, wenn ein


unruhiges Menschenherz, das bisher von den Stürmen und Wogen des Lebens
umhergeworfen wurde, zur Ruhe kommt; wenn ein solcher Mensch weiß:
Hier habe ich mitten in der Brandung des Meeres einen Felsen gefunden, auf
den ich mich mit beiden Füßen stellen kann. Mögen dann die Wellen noch so
hoch gehen, mögen die Stürme noch so sehr toben: Ich habe Frieden,
dauernden Frieden ! Es ist köstlich, den Frieden des Gewissens gefunden zu
haben und zu wissen, daß die Scheidewand zwischen Gott und dem Sünder
hinweggetan ist und der Kriegszustand zwischen Gott und mir aufgehört hat.
Vor dem großen Gott, der auch in meinem Leben Sieger geworden ist, hat
das Herz kapituliert, ist die Obergabe an den Erlöser Jesus Christus vollzogen.
Alle Verfehlungen des vergangenen Lebens hat er hinweggetan. Nie mehr
will er auf die vergebene Schuld zurückkommen. Es findet für den begnadigten

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Sünder kein Gericht mehr statt. Vergeben ! —so klingt es immer wieder im
Herzen. Ja, vergessen für alle Zeit sind die Sünden und Übertretungen! Das
Herz ist froh geworden. Es darf glauben und wissen, daß die Schuld gesühnt
ist. Die Seele ist in der oberen Welt zur Ruhe gekommen. Von dort kommt ein
himmlisches Echo zurück und gibt immer wieder neuen Frieden und neue
Glückseligkeit. Es ist schon etwas, diesen bleibenden Frieden zu haben. Es
bedeutet schon etwas, in der Vorfreude auf die ewige Herrlichkeit zu leben.
Ein Heimweh erfaßt uns, den zu sehen, der uns dies alles auf Golgatha
vermittelt hat.

Er schenkt auch einen geebneten Weg. Das Höckerichte aus meinem


Leben ist beseitigt. Er ebnet mir den Weg. Die vielen Berge und Schluchten,
die mir den Weg so erschwerten, darf ich nun in Begleitung des treuesten
Freundes durchschreiten. Mit ihm darf ich mich auf dem Wege beschäftigen.
Mit ihm darf ich reden, und er redet mit mir. Mit dem, der uns in dem
Bibelabschnitt als der Bräutigam vorgestellt wird, bin ich in eine innige
Verbindung gekommen.

Er macht das Leben fruchtbar. Es geht uns wie einem Obstbaum, der
einmal als Wildling unter anderen Bäumen aufwuchs. Man konnte ihn
beschneiden, düngen, um ihn her graben, man konnte tun, was man wollte:
er brachte keine Frucht! — Da kam der große Gärtner und nahm diesem
Wildling — es war mein Leben — die ganze Krone weg. Er setzte ein neues
Reis darauf. Nun durfte mein armes Leben erfahren, wie er es fruchtbar
machte. Freude und Glückseligkeit, Liebe und Geduld, ja, alle Tugenden
werden vom Geiste Gottes, von dieser Kraft aus der oberen Welt, gewirkt.

Er hilft zu einem Überwinderleben. Man wird jetzt mit seinen Schwächen


und Leidenschaften fertig. Die Sünde siegt nicht mehr wie bisher. Zwar klopft
die Versuchung noch immer an die Tür, die Tür braucht man aber nicht mehr
zu öffnen. Ein anderer ist zum Torhüter meines Lebens bestellt, es ist der
Heilige Geist. In meinem Herzen und Leben hat ein anderer Wohnung
gemacht. Nun gibt es statt Niederlagen — Sieg, statt Traurigkeit — Freude,
statt Erbärmlichkeit und Nutzlosigkeit — göttlichen Reichtum. Und das alles
schenkt der Bräutigam, der Herr Jesus.

Die größte Freude ist, daß er einmal wiederkommt. Gott wird einmal das
Signal geben, und der lange Zug der Erlösten wird sich in Bewegung setzen.
Alle die, die gedeckt sind durch das Blut Jesu, die einmal den Preis der Hingabe
ihres ganzen Lebens gezahlt haben, werden dann den großen Siegeszug
mitmachen. Es wird zur Heimat droben gehen. Dort wird ein freudiges Grüßen
sein, ein Wiedersehen und Jubilieren. Ein neues Lied wird erklingen und die
Himmel durchdringen: Das Lied vom Lamm, das gestorben ist und gesiegt
hat.

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Alle, die zu dieser Gruppe gehören, haben sich einmal als verloren erkannt.
Irgendwo an einem Ort, teils kniend im lauten Gebet, haben sie dem Herrn
Jesus das Herz und Leben übergeben. Er hat bei diesen Menschen ein ganz
Neues gemacht. Sie haben früh genug gebetet.
In dem zu Anfang wiedergegebenen Abschnitt der Heiligen Schrift treten
zehn Jungfrauen auf. Scheinbar sind sie alle gleich — und doch sind sie nicht
gleich. Alle zehn gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Alle hatten den Ent-
schluß gefaßt, sich vom bisherigen Leben zu lösen, um das Ziel zu erreichen.
Sie trugen das gleiche Kleid, die gleichen Lampen und waren alle
Brautjungfrauen. Und doch war ein Unterschied da: Innerlich waren sie so
weit voneinander entfernt, wie es der Himmel einst von der Hölle sein wird.
Fünf dieser Jungfrauen waren klug. Sie hatten einmal gründlich über alles
nachgedacht und waren bei ihrer Selbstbesinnung zur Errettung ihrer Seele
gelangt. Der Entschluß, den sie nun faßten, war ein kluger: sie nahmen außer
den Lampen auch noch ein Gefäß mit Öl mit.
Die anderen fünf. dagegen waren töricht. Sie hatten sich auch mit der
Wiederkunft des Herrn beschäftigt. Sie waren auch Wartende wie die andern.

Sie hatten sich aber nicht zum Letzten durchgerungen. Die letzte Frage
ihres Lebens war noch nicht geklärt worden.
Nun will ich versuchen, die Frage, wer die zehn Jungfrauen eigentlich sind,
evangelistisch zu beantworten. Ich bin ja ein Mann, der hin und her durch
Deutschland gereist ist und in Zelten und Sälen das Evangelium verkündigt
hat.

Welche sind nun die törichten Jungfrauen? so fragst du. Diese Frage ist
berechtigt. Die törichten Jungfrauen haben die gleiche Lampe — die gleiche
Form wie die übrigen. Sie sind mitgegangen, haben sich nicht geschämt und
gescheut, zu dieser Gruppe zu gehören. In schweren Zeiten sind sie sogar
unter einer gewissen Schmach den Weg gepilgert. Vielleicht haben sie sogar
andere auf das Kommen des Bräutigams aufmerksam gemacht.
Es gibt liebe Menschen, die sich mit der äußeren Zugehörigkeit zum Kreis
der Frommen zufrieden geben. Die Neigung zur Welt ist bei ihnen immer
schwächer geworden. Zeitliche Vergnügungen hatten sie nicht mehr befriedigt.
Sie suchten etwas anderes. Aber das Ganze, der Kern, fehlte ihnen noch,
den die Ewigkeit in die Menschenherzen hineinlegt. Mitgesungen haben sie,
die Lieder sind ihnen bekannt. Nicht wenige gehören zu dieser Gruppe. Man
glaubt sogar, daß sie zu den Frommen gehören. Sie haben aber das Eine
nicht: es fehlt ihnen der Heilige Geist. Sie hatten — um mit den Worten des
Herrn Jesus zu reden — kein Cl. Die Salbung von oben war ihnen nicht zuteil
geworden. Das Siegel des Geistes Gottes, das nur ein wahrhaft Bekehrter
empfängt, fehlte ihnen. Der Geist Gottes hatte ihnen nie die Bestätigung der
Gotteskindschaft geben können. Solche Menschen sind noch nicht in der
Lage, sagen zu können: Ich weiß es genau, daß ich den Erlöser gefunden

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habe! Spricht man mit ihnen, dann weichen sie immer wieder aus. Sie gestatten
gern, daß man sie lobt und ihre Haltung anerkennt. Sagt man ihnen aber klar
auf den Kopf zu, daß ihnen das Letzte trotz aller Religiosität noch fehlt, dann
sind sie beleidigt. — Wie kann man solchen Menschen helfen?

Gehörst du auch zu ihnen? — Du weißt vielleicht nicht, wo ich wohne, und


ich weiß nicht, wo du diese Broschüre liest. Eins aber, lieber Leser, darf ich dir
sagen: Ich werde immer wieder für alle, die dieses Buch lesen, beten, daß sie
zur vollen Klarheit kommen. Mein Gebet ist auch, daß es dir nicht so schwer
fallen möchte, dich von der eigenen Meinung und der Meinung der
Mitmenschen frei machen zu lassen. Es ist nicht leicht — auch bei mir war es
schwer — eine ganze Kehrtwendung zu vollziehen, allem restlos den Rücken
zu drehen. Eine halbe Wendung — ja, die macht vielleicht noch mancher mit,
aber eine ganze Wendung, eine völlige Abkehr von der Welt, um für das
Kommen des Bräutigams bereit zu werden, das kann Gott doch nicht ver-
langen, so meint man. Genug ! Siehst du nicht auch an dir gewisse Züge, die
dich an die törichten Jungfrauen erinnern: Form statt Leben, äußere Zuge-
hörigkeit ohne ein wirkliches Christuserleben?

Welches sind nun die klugen Jungfrauen? Bemerkenswert ist es, daß
bei ihnen — im Gegensatz zu den törichten Jungfrauen — zuerst das Öl, der
Inhalt, genannt wird. Erst nachher wird die Lampe genannt, die äußere Form.
Im Vordergrund steht die Salbung von oben. Das Wichtigste ist bei ihnen der
Besitz des Heiligen Geistes. Sie haben die Gotteskindschaft erlangt. Sie freuen
sich, durch jene große Tat, die Jesus auf Golgatha vollbracht hat, gerettet zu·
sein. Sie sind unter dem Kreuz von Golgatha zur Ruhe gekommen. Sie haben
Golgatha verstanden. Sie haben den Mittler angenommen und die Gewißheit
ihrer Errettung bekommen. Einige von ihnen hatten dieses große Erlebnis in
jungen Jahren. Manche sind alt geworden, ehe es ihnen geschenkt wurde.
Aber alle sind sie durchgedrungen. Sie hatten früh genug gebetet und kamen
zum vollen Besitz des Heils.
Die Welt bezeichnet sie nicht als klug. Sie tragen vielmehr Schmach. Und
doch sind sie, die in den Augen der Welt als töricht gelten, die göttlich Weisen,
die wahrhaft Klugen.

Wann wird der Herr kommen? und wann wird die Hochzeit sein? so
fragst du, lieber Leser. Den Tag und die Stunde der Hochzeit weiß niemand,
nur der Vater im Himmel allein. Nur er bestimmt den Zeitpunkt, da der
himmlische Bräutigam seine Braut heimholt.

Mein alter Lehrer sagte uns einmal: Wenn man den Tag wüßte, an welchem
man von dieser Erde Abschied nehmen müßte, oder den Tag, an dem der
Herr Jesus wiederkommt, dann käme man in die Gefahr, sorglos
draufloszuleben, um dann doch noch in letzter Stunde alles in Ordnung zu

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bringen und dabei zu sein.

Man hat sich vielfach bemüht, den Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn
auszurechnen, aber man hat sich immer wieder verrechnet. Eine große
Müdigkeit in der Christenheit deutet aber darauf hin, daß die Mitternachts-
stunde nahe ist. Nach der Rede des Herrn Jesus werden alle Jungfrauen vor
der Wiederkunft des Bräutigams als schläfrig bezeichnet... Sie schliefen sogar
ein.

Wenn man daraufhin manche christlichen Kreise betrachtet, ganz gleich,


ob sie zur Kirche oder zu irgendeiner Gemeinschaft gehören, so bekommt
man den Eindruck: Hier sieht man ja so etwas wie Schläfrigkeit oder Ein-
geschlafensein. Manche träumen noch von der schönen Vergangenheit, von
Segnungen, die sie einmal erlebt hatten. Vieles liegt weit zurück. Man weiß
es nur noch vom Hörensagen, daß hier oder dort einmal Erweckungen ge-
wesen sind, daß viele durch Buße zum Glauben an Jesus Christus kamen,
daß über jene Berge und Täler einmal Gesänge schallten, angestimmt von
solchen, die Jesus Christus als ihren Heiland gefunden hatten.

In der Stunde, wo der Herr Jesus im Begriff steht zu erscheinen, werden die
Jungfrauen aus ihrem Schlaf aufgeschreckt. Sie hören den Schrei: Der
Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen!

Es war der Aufruf, sich bereit zu machen. Noch waren die Klugen und
Törichten beisammen. Noch trafen sie alle dieselben letzten Vorbereitungen
und schmückten ihre Lampen. Äußerlich sollte alles blitzsauber und blank, ja,
in Ordnung sein, das Innere der Gefäße konnte ja niemand sehen. Einem
aber ist es nicht verborgen. Er kann mit seinen Augen überall hinschauen.

Alle Jungfrauen setzten sich in Bewegung, dem Bräutigam zu begegnen.


Die Törichten hatten aber eins versäumt: sie hatten sich nicht rechtzeitig genug
das kostbare Dl des Heiligen Geistes besorgt. Vielleicht haben sie oft gedacht:
Warum noch ernstlich beten?

In den Worten des Herrn Jesus, die wir vorhin in diesem Kapitel lasen,
dreht sich alles um den Kern, um das Eigentliche in dem Leben eines wahren
Christen. Nur der Geist Gottes allein gibt die Gewißheit des Gerettetseins.
Doch dieses Geschenk des Heiligen Geistes haben nur die, die Jesus Christus
persönlich erlebten. Dieses Eine hat niemand von Geburt an besessen oder
durch irgend welche religiösen Handlungen bekommen. Sie wird dem Sünder
nur durch die Wiedergeburt — die Geburt von oben, wie die Bibel es nennt —
zuteil.

Bis jetzt waren die törichten Jungfrauen mit den klugen nur mitgegangen,

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so, wie auch heute viele Menschen in eine Kirche oder in einer Gemeinschaft
nur mitgehen. In dieser kritischen Stunde aber kamen sie zur Besinnung. —
Jetzt entdeckten sie ihren Mangel und wandten sich in ihrer Not an die klugen
Jungfrauen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen! Wir
könnten es auch so ausdrücken: Uns fehlt das Licht, das rechte Feuer: Unsere
Herzen brennen nicht für den Heiland. Wir sind nur glimmende Dochte.

Nicht also, damit es nicht euch und uns fehle, antworteten die klugen
Jungfrauen. Die Bitten der Törichten wurden nicht erhört. Sie hatten zu spät
gebetet. Ein furchtbares Wort, das einmal viele Menschen hören müssen. Ich
wünschte in dieser Stunde eins, daß du, der du diese Zeilen liest, nicht zu
denen gehören möchtest. Nun sagst du vielleicht: Wird denn nicht jede Bitte
erhört? Hat nicht der Herr Jesus verheißen, daß jeder Bittende empfängt,
daß jedem Anklopfenden aufgetan wird?

Jetzt hast du noch Zeit, lieber Leser. Jetzt darfst du noch um das Letzte,
das dir fehlt, ringen und bitten. Ja, du wirst zur wirklichen Klarheit und zum
Besitz des Heils kommen, wenn du dich durchringst im Gebet. Nur eines
möchte ich noch sagen: Laß es nicht darauf ankommen, bis es zu spät ist!

Geht hin zu den Krämern und kauft für euch selber ! Da fragt man nun
häufig: Wer sind sie, bei denen man das Öl kaufen kann? Sind es die Pfarrer,
zu denen ich gehen muß, oder ist es ein Prediger? Manche meinen, die
Evangelisten seien die Leute, die den richtigen Weg zeigen und das kostbare
Öl vermitteln können.

Mein lieber Leser, nicht die Krämer sind hier wichtig, wichtig vor allem ist
dein Tun. Du mußt zu den Verkäufern gehen, d.h. du mußt etwas in die
Waagschale werfen, wenn du dieses köstliche Gut haben willst. Man könnte
sagen: Es kostet etwas. Dein ganzes Leben, so wie du es gelebt hast — alle
Schuld und alle Sünde — muß in die Waagschale Gottes gelegt werden,
dann schenkt dir Gott Vergebung deiner Schuld und die Gewißheit deines
Heils. Ist dir dieser Preis zu hoch? Es gibt keinen geringeren. Du darfst nichts
zurückbehalten.

Hast du schon dieses Erleben der Gnade gehabt? Gibt dir der Geist Gottes
Zeugnis, daß du ein Gotteskind bist?

In der Stunde der Ankunft des Bräutigams hat niemand soviel Geistesfülle,
daß er einem anderen etwas davon abgeben könnte. Jeder hat nur für sich
selbst genug. Wenn deine Mutter gläubig ist, oder schon im Glauben heim-
gegangen ist, so kann sie dir doch nicht helfen. Auch der Kreis der Beter, die
für dich beten, kann dir von sich aus nichts geben. — Du kannst an einem
Tisch mit Gotteskindern sitzen; ihr Ölvorrat reicht aber nicht aus, um in der

37
Stunde der Wiederkunft des Herrn deinen Mangel zu decken. Hast du nicht
selbst dem Herrn Jesus das Herz geschenkt, hast du dein Leben nicht von
ihm in Ordnung bringen lassen — dann gibt es für dich an jenem Tage nur
noch ein schreckliches: Zu-spät!

Die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit. Wenn schon ein
frohes Herz ein beständiges Festmahl ist, wie die Heilige Schrift sagt, so wird
doch dies die Krone aller Festlichkeiten sein. Die Vorfreude, einmal dabei
sein zu dürfen, will oft die Brust sprengen. Freust du dich auch? —

Dann aber ist die T ü r verschlossen. Noch einmal will ich sagen:
Es gibt ein Zu-spät-gerettet! Dann ist die Tür verschlossen.

Dann wirst du einst draußen stehen, bittend: Laß mich ein!


Händeringend wirst du flehen, doch zu spät wird‘s sein.
Schnöder Sünder, hast‘s vergessen, wer einst klopfte, wer?
Er, der einst um dich geworben, kennt dich dann nicht mehr.

Ja, der Herr wird sprechen: Ich kenne euch nicht! Manche werden dann
sagen: Sind wird nicht mitgegangen? Waren wir nicht oft dabei? Haben wir
nicht alles Schöne und Herrliche miterlebt? Zu spät ! — so wird es dann
immer wieder heißen. Darum laß dir zum Schluß das eine sagen: Rufe und
flehe zum Herrn, möglichst jetzt, sofort, an irgendeiner Stelle, wo du allein
bist, und ruhe nicht, bis du die Gewißheit hast: Ich werde an der Hochzeit des
Lammes teilnehmen.

In diesem Kapitel durfte ich dir zeigen, daß Jesus Christus wiederkommt,
wie seine Wiederkunft stattfinden wird und wer dabei sein wird.——

Auf dem Bahnhof hatte ich einst Dienst als Fahrdienstleiter. Der letzte Zug
fuhr hinaus. Da kam ein Fräulein abgehetzt angelaufen und schrie: Halten
Sie den Zug an, ich muß mit diesem Zug fahren, meine Mutter wartet auf
mich, sie ist schon vorgefahren! — Zu spät! lautete meine Antwort. Sie haben
den letzten Zug versäumt.

Mein lieber Freund — gestatte mir doch, daß ich dich so nenne, weil ich
dich liebe und für dich bete, obwohl ich dich nicht kenne — prüfe doch bitte
einmal, was ich dir in diesen Zeilen geschrieben habe. Sehr gern möchte ich
dich und alle, die diese Zeilen lesen, einmal in dem großen Festzuge, wo
Jesus Christus die Seinen zur Herrlichkeit holt, sehen. Noch ist es nicht zu
spät. Noch darfst du bitten und flehen.

Doch es ist Zeit ! die Stunden folgen schnell;


es geht auf Mitternacht.

38
Bald schlägt es voll, und drüben schimmerts hell;
ihr Jungfrauen, erwacht!
Der Bräutigam erscheint von weitem,
auf, auf, die Lampen zu bereiten!
Auf, es ist Zeit!

Erhört Gott mein Gebet um Errettung


meiner Angehörigen?
Jeder Mensch hat sich in seinem Leben gewisse Ziele gesteckt, die er gern
erreichen möchte. Es kommt aber im Leben oft anders, als du und ich es uns
ausgemalt haben. Du wirst nicht der einzige sein, der am Ende seines Lebens
auf nicht verwirklichte Pläne zurückblicken muß. Ein guter Rat lautet:

Sorg, doch sorge nicht zuviel,


es geht doch, wie Gott es haben will.

Zum Teil stimmt dieser Vers; aber er stimmt nicht ganz. Gott will den
Menschen im Leben so führen, daß er einmal bei ihm in der Herrlichkeit sein
kann. Es hängt von dem Willen des Menschen ab, ob er seinen Willen dem
Willen Gottes unterordnet. Dieses fällt manchen Menschen ungeheuer schwer.
Es bringt sie in einen starken Kampf, um, im Blick auf die Ewigkeit, klar zu
sehen und recht zu handeln.
Bei mir ging es auch durch manch heißen Gebetskampf. Im Worte Gottes
wird uns ein solcher Gebetskampf geschildert, den eine Frau weniger für
sich, als für die Errettung ihrer Tochter kämpfte:

Jesus ging von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon;
und siehe, ein kananäisches Weib, das von jenen Grenzen herkam, schrie zu
ihm und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist
schlimm besessen. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und seine Jünger
traten hinzu und baten ihn und sprachen: Entlaß sie, denn sie schreit hinter
uns her! Er aber antwortete und sprach: Ich bin nicht gesandt als nur zu den
verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und warf sich vor ihm
nieder und sprach: Herr, hilf mir. Er aber antwortete und sprach: Es ist nicht
schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hündlein hinzuwerfen. Sie
aber sprach: Ja, Herr, denn es essen ja auch die Hündlein von den Brosamen,
die von dem Tische ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu
ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst (Matth. 15, 21—
28). —

39
Es gibt viel Not auf dieser Erde. Der eine hat mehr Not durchzumachen, der
andere weniger. Die Frau, von der in diesem erwähnten Abschnitt die Rede
ist, war in große Not gekommen. Diese Not hatte sie veranlaßt, um Hilfe zu
schreien. Das kann bei jedem Menschen einmal vorkommen. Schon im
Berufsleben geht es nicht immer so, wie man es gern möchte. Phlegmatiker
lassen einfach alles so laufen, wie es eben kommt. Wer sich aber ein Ziel
setzt, um etwas zu erreichen, muß auch Schwierigkeiten überwinden. Viele
geben sehr leicht vor Hindernissen den Kampf auf. Andere werden im Kampf
nur noch mutiger. Sie setzen alles daran, um ihr Ziel zu erreichen. Vielleicht
hast auch du in deinem Leben einen besonderen Erfolg gehabt. Du schreibst
ihn dir allein zu. Bis zu einem gewissen Grade mag das auch wohl richtig
sein. Denke aber daran: Wen Gott segnet, der ist gesegnet ewiglich. —

Im Familienleben gibt es auch mancherlei Schwierigkeiten. Da kommen


Krankheiten. Oft scheint es so, als ob man das eine oder andere Familienglied
plötzlich verlieren sollte. Wer ist da nicht schon in Not geraten? In manchen
Familien machen ungeratene Kinder den Eltern große Sorge. Wieviel Tränen
werden da von Müttern geweint. Geschwister leiden darunter, wenn ein
verlorener Sohn oder eine verlorene Tochter über die ganze Familie Schande
bringt.

Auch jungen Menschen bleibt die Not nicht erspart. Wie mancher hat schon
vor einem Examen gestanden und schlaflose Nächte gehabt. Du hast dich
vielleicht auch schon in solchen Stunden gefragt: Wie werde ich nun die Sache
meistern? — Du standest vor einem großen, gewaltigen Berg, der mußte
überschritten werden. Not und immer neue Not wollten dich am Leben
scheitern lassen. Hilfe suchtest du bald bei diesem, bald bei jenem, von denen
du wußtest, daß sie begabter seien als du.

Es gibt aber auch eine innere Not, von der es im Liede heißt,

Es gibt im Leben ein Herzeleid,


das ist wie die weite Welt so weit,
das ist wie Bergeslasten schwer,
das ist so tief wie das tiefste Meer.

Eine ganz große Not ist es, wenn ein Kind Gottes eine Person, die es liebt,
gern in den Reihen der Jünger Jesu sehen möchte, und diese Person den
Weg dahin nicht findet. — Das Weib in dem erwähnten Bibelabschnitt schrie
zum Herrn Jesus. Sie sagte: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids, meine
Tochter ist schlimm besessen. Die Not eines ihrer Allernächsten brachte sie
zu diesem Notschrei. Sie kam aber an die richtige Adresse und brachte ihr
Herzensanliegen dem Herrn Jesus. Mütter und Väter, ja, Anverwandte von
Menschen, die nicht ein Eigentum des Herrn Jesus sind, leben in der großen

40
Gefahr, oft Vorwurf auf Vorwurf auf diese Menschen herniederprasseln zu
lassen. Dieses ist aber nicht der Weg, die Menschen zu Jesus zu führen. Die
Männer werden gewonnen durch der Weiber Wandel, so sagt das Wort Gottes,
und wiederum lesen wir, daß oft der Wandel allein nicht genügt, um Menschen
zur inneren Erschütterung zu bringen, die taumelnd dem Abgrund der ewigen
Qual zuschreiten.

Er aber antwortete ihr nicht ein Wort, so lesen wir in dem erwähnten
Vers. Man könnte sagen, nicht jedes Gebet wird sofort erhört. Ein furchtbares
Wort für die, die meinen, jetzt muß bald die Stunde kommen, ich kann
unmöglich noch länger warten, der Herr muß mich erhören. Oft werden solche
das erleben, die für ihre Angehörigen beten, bis fast keine Hoffnung mehr
vorhanden ist. — Die Jünger schalteten sich ein und sagten:

Entlasse sie, denn sie schreit hinter uns her. Oft wird ein flehentlicher
Beter, dem es ganz ernst ist, der nicht mehr ein und aus weiß und unter
Tränen für die Errettung seiner Angehörigen ruft und schreit, von anderen
Gläubigen nicht verstanden. Da kann es dahin kommen, daß sogar erfahrene
Brüder und Schwestern in Christo sagen: Es kommt nur auf den Glauben an.
Du mußt darin stille werden. Du mußt warten, bis der Herr einschreitet. —
Wenn aber Gott den Zustand der Verlorenen einem Gotteskind so brennend
aufs Herz legt, dann kann es unmöglich zu einem Aufhören im Gebet kommen.

Da antwortete Jesus, und zwar sagte er: Ich bin nicht gesandt als nur zu
den verlorenen Schafen des Hauses Israel. — Sie hatte die Vorbedingung
nicht erfüllt, so könnte es heißen, wenn man das Wort näher betrachtet. Nun
mußte sie sich ja damit abfinden, unerhört von dannen ziehen zu müssen.
Doch hier sieht man das wahre, rechte Gebet und die innere Not einer Mutter
um die Errettung ihrer Tochter.

Sie kam und warf sich vor ihm nieder. Unerhörte Gebete müssen uns
dem Herrn näher bringen. Wir dürfen nicht zurückschrecken, wenn wir einmal
das große Gebetsanliegen aufs Herz genommen und geschrieen haben: Herr,
rette doch mein Kind, meinen Sohn oder meine Tochter um jeden Preis. Ihre
Worte werden flehender, ihr Notschrei wird immer stärker, sie sagt nur:

Herr, hilf mir! Er aber antwortete: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu
nehmen und den Hündlein hinzuwerfen. Sie wurde mit einem Hündlein
verglichen, mit einem unreinen Tier, und dennoch wurde nur ihr Flehen und
ihr Rufen in der Waagschale Jesu geprüft, um festzustellen, ob es ihr wirklich
nur um das eine ging. Sie ließ nicht nach, sie antwortete dem Herrn. Ja, Herr,
ich bin unrein. Ja, Herr, sie gab zu, daß sie unrein war.

Und dennoch so sagte sie, essen die Hündlein von den Brosamen, die

41
von des Herrn Tische fallen.

Wie manches Gotteskind hat sich mit der Frage schon so oft beschäftigt:
Wird mein Gebet, wenn ich für die Errettung meiner Angehörigen flehe, erhört
oder nicht erhört. Wie mancher hat da einen Anlauf gemacht und ist nicht
zum Ziele gekommen. — Mein Sohn zog mit fünfzehn Jahren aus dem
Elternhaus hinaus und wurde im Kriege als Luftwaffenhelfer eingezogen. Er
hatte in jungen Jahren bekannt, den Herrn gefunden zu haben. Ein Jahr später
kam er zum Arbeitsdienst, wie derselbe in der damaligen Zeit bestand. Wieder
ein Jahr später zur Wehrmacht. Als Panzerfunker war er hin und her in den
verschiedensten Gegenden herumgeworfen worden und hatte zuletzt den
kleinen Glauben, wenn auch nicht ganz, so doch in etwa verloren. Er machte
manches mit, was eben andere Soldaten auch taten. Gott gab große Gnade.
Er kam aus dem großen Kriegserleben über die Kriegsgefangenschaft bald
ins Elternhaus zurück. Nun bekam er eine Lehrstelle als Kaufmann. Morgens
früh verließ er das Haus, abends spät kam er wieder. Hin und her erzählten
mir Freunde, daß mein Sohn genauso Zigaretten rauchte wie die anderen
Jungen. Er witzelte mit wie auch die anderen seines Alters. Ich hatte ihn
wiederholt diesbezüglich väterlich zur Rede gestellt. Es war aber doch mehr
die straffe Strenge des Vaters, der ein anderes Leben von dem Jungen forderte.
Eines Tages hörte ich wieder Nebengeräusche von anderen über das Leben
meines Jungen. Es fiel mir nun sehr schwer, weiter den Dienst eines
Evangelisten zu tun. Eines Nachmittags bat ich ihn in mein Zimmer, wo wir
allein waren, zu einer Aussprache. Er war gern bereit, sich über dieses, was
mein Herz bewegte, auszusprechen. Ich sah aber keine Wende, keine Buße,
nicht die innere Voraussetzung, die ich bei ihm gern sehen wollte, um ihn
ganz für den Herrn gewinnen zu können. In dieser Stellung, wo ich in Liebe
und innerem Ergriffensein mit meinem Sohn sprach, da rollten mir die Tränen
über die Wangen. Auf einmal fiel mir mein Sohn um den Hals und sagte zu
mir: Vater, dies ist die letzte Ermahnung. Von dieser Stunde an wird es anders
in meinem Leben. Jetzt im Augenblick gibt mir der Herr Jesus Licht über all
das Verfehlte und Falsche, über die mangelnde Hingabe an ihn, über mein
starkes Eigenleben. Bete mit mir zu dem Herrn Jesus, daß er mich in dieser
Stunde von allem freimachen möchte. Ich will gern ab heute ganz dem Heiland
folgen. — Wir knieten nieder in meinem Zimmer. Als ich mein Herz
ausschüttete, da gab es bei mir, und auch bei ihm, im Gebet viele Tränen. Wir
standen wieder auf. Ich wies ihn auf die Gnade Jesu Christi hin, zu der wir
immer wieder Zuflucht nehmen dürfen, auf das Blut Jesu Christi, das wir immer
wieder in Anspruch nehmen können. Es zog in sein Herz große Freude ein.
Mein Herz jubelte vielleicht noch mehr als das seine. Nach einmal knieten wir
nieder und dankten dem Herrn für die zurechtbringende Gnade.

Da antwortete Jesus. So durfte ich es erleben, so durfte es mein Sohn


erfahren, so durfte es das Weib in Besitz nehmen, wie wir es in diesem Ab-

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schnitt gelesen haben. Sie bekam sogar ein Lob:

Dein Glaube ist groß. Nun bekam sie doch ihren Willen: Dir geschehe,
wie du willst. — Diese innere Not und das Flehen der Mutter konnte der Herr
Jesus auf die Dauer nicht mit einem Nein beantworten. Sie wurde erhört. Ihre
Tochter wurde gesund — oder gerettet — von jener Stunde an.

Liebes Gotteskind, wenn du bangst um die Errettung einer Seele, dann laß
dich durch diese schlichten, einfachen Zeilen eines Mannes, der mit dir
empfindet, ermuntern, doch im Gebet anzuhalten. Frage nicht in schweren
Stunden, wo du keine Erhörung siehst: Warum noch beten? sondern denke
daran, Jesus Christus erhört dich, wenn du um die Errettung deiner Angehöri-
gen betest. Du darfst dich dabei auch an viele Verheißungen klammern, die
dir in einem besonderen Kapitel dieser Broschüre noch in Erinnerung gebracht
werden sollen. Gib nur den Gebetskampf nicht auf, vielleicht stehst du ganz
kurz — nur nach wenige Schritte — vor der Erhörung, die dich zum Jubel und
zur Freude bringen wird. Doch müssen wir erst die Vorbedingungen erfüllen.
Der Herr, der große Erhörer des Gebets, muß erst bei uns das Ziel erreicht
haben. Wenn wir mit einem bußfertigen Herzen zum Herrn beten und ihn
immer wieder bitten, daß er uns alles Versäumte in der Erziehung, alle
Verfehlungen im Wandel, in Worten und in der Tat und alle Unterlassungen
vergeben möchte, wenn es bei uns zu Tränen kommt, dann werden wir bald
erleben: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten (Psalm 126, 5).—

Ein Gebet, das nicht erhört wird

Leben und Tod! — Gibt es größere Gegensätze? Das eine so voller Freude
und Leid durchkostet und durchlitten — das andere so oft ersehnt —und doch
gefürchtet! Leben und Tod! Sind nicht in stillen Stunden auch schon in deiner
Seele die Fragen aufgebrochen: Was kommt nach dieser Zeit? Darf ich an
ein Weiterleben glauben? Was wird aus mir und meiner Seele?

Bliebst du beim Überlegen ruhig — oder packten dich Angst und quälende
Unruhe? Du sagst: Das Leben ist so schön, warum soll ich mich mit dem
Sterben befassen? Ja, das Leben bietet allerlei Freuden! Ein trauter Freundes-
kreis, in dem man sich wohlfühlt, Menschen, mit denen man eines Sinnes ist,
die mitempfinden, Leid und Freude teilen, ein inniges Familienleben: das alles
gibt dem Leben Inhalt und Wert. Oder denkt man an Erholungszeiten zurück,
an Tage der Ausspannung und Ruhe, vielleicht im Kreise lieber Menschen
verlebt, dann wird einem das Herz warm. Auch der Beruf bietet vieles, woran
ein Mensch sein Herz hängen kann, worin er seine Befriedigung findet.
43
Gewiß, sagst du, es gibt auch hart daneben viel Leid. Es beginnt mit den
Enttäuschungen im Berufsleben, wenn durch Menschen — oder auch durch
eigene Schwächen — das Leben recht erschwert wird. Mancher geht dann
mit Seufzen an seine tägliche Beschäftigung.

Es kann im Leben dahin kommen, daß man mit einem Notschrei ausruft:
Ach, wäre ich doch nie geboren ! — Mancher sah sich schon vor die Frage
gestellt, wenn es kein Fortleben nach dem Tode gäbe, ob es dann nicht besser
wäre, diesem Leben selbst ein Ende zu bereiten.

Und nun sagst du, das Leben ist so bitter und so hart, und aus diesem
Grunde ist es ja gut, daß es ein Ende hat. Bist du bei diesem Gedanken
ruhig? Bist du wirklich so gelassen und ergeben, wie es den Anschein hat?

Wenn man das Treiben, Hasten und Jagen der einzelnen Menschen be-
obachtet, könnte man auf den Gedanken kommen, sie wollten immer auf
dieser Erde bleiben. Es ist Tag für Tag ein Sich-Mühen und Plagen. Wie leicht
kann es doch über Nacht anders werden. Da streckt sich plötzlich eine kalte
Hand nach dir aus. Nicht jeder wird siebzig oder achtzig Jahre alt, bis er zur
Ewigkeit abgerufen wird. Hat man erst einen der Lieben zu Grabe tragen und
in die Erde legen müssen, dann fragt man besonders: Gibt es ein Fortleben
nach dem Tode?

Der schlimmste Feind des Lebens ist der Tod. Er steht auch in großem
Widerspruch zu allem Leben. Steht man an der Bahre eines kleinen Kindes,
welches der Sonnenschein in einem Hause war, so kann man oft die Tränen
nur mit großer Mühe unterdrücken. Sieht man hinter einem Leichenwagen
die Braut ihres verstorbenen Verlobten, so erfüllt uns das mit tiefem Mit-
empfinden. Sieht man aber hinter den Trägern eines Sarges eine junge Frau
mit einigen kleinen Kindern, die ihren Mann zu Grabe trägt, dann tut das Herz
weh. Nicht weniger gering ist der Schmerz, wenn eine Reihe Kinder ihre allzu
früh abgerufene Mutter zu Grabe begleiten. — Hier war es ein Unglücksfall,
dort machte ein plötzlicher Herzschlag dem Leben ein Ende. Es ging auch oft
durch ein langes Siechbett, so daß die Angehörigen den Tod dieses lieben,
teuren Menschen herbeisehnten.

Alte Leute zu Grabe tragen, so sagte mal jemand, ist nicht das Schwerste.
Ich muß aber sagen, daß man doch sehr oft den Rat der alten Leute braucht,
um vor Irr- und Umwegen in diesem Leben bewahrt zu bleiben.

Wie es auch sein mag, jedenfalls ist es berechtigt, daß ich dir die große
Frage vorlege: Wie wird bei dir das Fortleben nach dem Tode sein? —

44
Ach, was könnt es nützen dir,
wenn du gleich die Welt gewönnest.
Einmal mußt du fort von hier,
fort von dem, was dein du nennest.
Was du hast, ist dir geliehn;
denn du mußt von hinnen zieh‘n.

Komm, laß uns diese Dinge einmal gemeinsam behandeln. Wir wollen uns
damit unter das Wort Gottes beugen, das die Fragen klar und einschneidend
beantwortet, wie das Fortleben nach dem Tode sein wird und ob auch dann
noch Gebete erhört werden:

Es war aber ein gewisser reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und
feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. Es war aber auch
ein gewisser Armer, mit Namen Lazarus, der an dessen Tor log, voller Ge-
schwüre, und er begehrte sich von den Brosamen zu sättigen, die von dem
Tische des Reichen fielen; aber auch die Hunde kamen und leckten seine
Geschwüre. Es geschah aber, daß der Arme starb und von den Engeln ge-
tragen wurde in den Schoß Abrahams. Es starb aber auch der Reiche und
wurde begraben. Und in dem Hades seine Augen aufschlagend, als er in
Qualen war, sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoße. Und
er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus,
daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle;
denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Kind, gedenke,
daß du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus
gleicherweise das Böse; jetzt aber wird er getröstet, du aber leidest Pein. Und
zu diesem allem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, damit
die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, nicht können, noch die,
welche von dort zu uns herüberkommen wollen. Er sprach: Ich bitte dich nun,
Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest, denn ich habe fünf
Brüder, damit er ihnen ernstlich Zeugnis gebe, auf daß sie nicht auch kommen
an diesen Ort der Qual. Abraham aber spricht zu ihm: Sie haben Moses und
die Propheten; mögen sie dieselben hören. Er aber sprach: Nein, Vater
Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie
Buße tun. Er aber sprach zu ihm: Wenn sie Moses und die Propheten nicht
hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand von den
Toten aufersteht (Luk 16, 19-31). —

Das Erdenleben bringt viel Mühe und Arbeit mit sich, besonders bei denen,
die sich ein hohes Ziel setzen, die mit ihrem Ehrgeiz etwas erreichen wollen.
Sie schaffen von früh bis spät und wollen wenigstens so viel im Leben er-
reichen, daß sie sich das Alter angenehm gestalten können. Vielen genügt
auch schon eine gute Kleidung, um sich ordentlich und anständig unter den
Menschen bewegen zu können. In wie vielen Herzen kommt die Gedankenflut

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von Nahrungs- und Kleidungssorgen auf dieser Erde gar nicht mehr zum
Stillstand.

In dem Abschnitt, den du soeben gelesen hast, findest du einen Mann, der
sich auch viel mit dem Irdischen beschäftigte. Er kleidete sich in Purpur und
köstliche Leinwand, legte Wert auf das Leben, auf Fröhlichsein, auf Essen
und Trinken. Wäre mit dem Tode alles aus, dann könnte man jeden verstehen,
der alles daransetzt, dieses Leben restlos zu genießen. Ja, man könnte an-
dererseits auch die verstehen, die ihrem Leben selbst ein Ende machen. Wie
manche sagen in der schweren Zeit, durch die wir gehen, das Leben lasse
sich oft nicht mehr ertragen.

Wie auch immer sich dos Leben bisher bei dir abgespielt haben mag: eines
Tages wirst du dich mit dem Abruf in die Ewigkeit beschäftigen müssen.
Vielleicht merkst du die Folgen einer Krankheit, es will nicht mehr so recht
gehen, es hapert hier und dort. Man sucht nach erprobten Hausmitteln. Vieles
wird angewandt, was sich in anderen Fällen bewährt hat. Aber bei dir versagt
es! Es wird ein Arzt in Anspruch genommen, und alles Bemühen und alle
Tüchtigkeit der Menschen scheitert. Die Gesundheit läßt vergeblich auf sich
warten. Es wird noch ein anderer Arzt hinzugezogen, aber es gibt keine Hilfe
mehr. Es winkt die Ewigkeit — aber wie wird sie sein? —

Wenn die Stunde da ist, sagt der Volksmund, dann muß der Mann da sein
! Dann nutzt auch kein Heilkundiger mehr. Vergeblich beschreitet man Wege,
die in unzähligen Fällen erfolgreich waren. Man mag den Rat mancher Freunde
und Freundinnen annehmen, mag sogar weite Reisen machen, es nützt nichts
mehr. Oft wird dann zu dem allerletzten Mittel gegriffen, zur Operation, die bei
einigen Fällen manchmal eine Linderung oder völlige Heilung brachte, und
hier ist auch dieser letzte Versuch vergeblich.

Der Tod legt seine kalte Hand auf das Leben des Menschen. Wenn ich
darüber nachdenke, wieviel Schaffen, Abrackern, Hetzen und Jagen im Leben
eines Menschen liegen, dann werde ich immer wieder an das Wort meiner
alten Mutter erinnert, das sie mir zurief, als ich wieder einmal abfuhr, um das
Evangelium zu verkündigen. Sie sagte: Vergiß nicht, den Menschen immer
wieder zu sagen, daß das letzte Kleid, welches sie tragen werden, keine
Taschen hat. — Es ist wohl wichtig, auch dir, lieber Leser, in herzlicher Liebe
einmal den Spiegel der Ewigkeit, den Spiegel, in dem du dich beschauen
kannst, wie dein Fortleben nach dem Tode sein wird, vor Augen zu halten.

In unserem Leitwort sehen wir zwei Menschen, die ganz verschiedene Ziele
hatten. Der eine ein Himmelsanwärter, der andere, verzeiht den krassen
Ausdruck, ein Höllenanwärter. Der erstere, der die himmlische Herrlichkeit
zum Ziele hatte, mußte auch sterben; aber er ward von Engeln dorthin ge-

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tragen, wo der Vater des Glaubens war, an den Ort der Ruhe, zur Heimat da
droben. Bezeichnend ist es, daß sein Name sogar im Worte Gottes fest-
gehalten ist. Alle Menschen, die ins Buch des Lebens geschrieben wurden,
kommen an diesen herrlichen Ort, wo es keine Tränen mehr gibt; kein Leid,
kein Geschrei, keine Trauer, wo Herrlichkeit und immer neue Herrlichkeit auf
die Erlösten wartet.

Ich hatte einen guten Freund. Wenn ich Rat brauchte, war er für mich da.
Brauchte ich Hilfe, versagte er mir nie etwas. Eines Tages kam ich von einer
Reise zurück, da fährt ein Wagen an meiner Wohnung vor, und ich werde
gebeten, einzusteigen, um mich von meinem heimgehenden Freunde zu ver-
abschieden. Als ich in sein Zimmer trat, sagte er beim letzten Händedruck:
Das ist ja kein Sterben, das ist Herrlichkeit, Herrlichkeit, nur Herrlichkeit,
Halleluja! Ich kniete mit seiner Schwester zusammen an seinem Sterbebett
nieder und befahl seine Seele dem Herrn, dem er gedient hatte und dem er
gehörte. Und als wir wieder von den Knien aufstanden, war er nicht mehr auf
dieser Erde. Da war sein Wunsch erfüllt, allezeit bei dem Herrn zu sein.

Du fragst vielleicht: Was besitzen die, die einmal in die Herrlichkeit zu Jesus
Christus gehen, hier unten auf dieser Erde schon an besonderen Segnungen?
— Es sind Menschen, die haben sich als Sünder erkannt, sie haben ihre
ganze Schuld, die sich in ihrem Leben angehäuft hatte, entdeckt. Zunächst
glaubten sie, gut zu sein und vor Gott bestehen zu können. Dann aber schenkte
ihnen der Herr Licht, und sie sahen ihr Leben im Lichte Gottes. Sie erschraken
— und übergaben ihr Leben dem Herrn Jesus. Sie beten ihn um Vergebung
der Schuld, um Errettung der Seele und wurden froh und glücklich.

Höre jetzt einmal auf zu lesen, knie nieder und bitte den Herrn Jesus, daß
er dir doch jetzt einmal dein ganzes Leben, all dein Tun und Lassen, all deine
Übertretungen zeigen möchte. So habe ich es auch zuerst gemacht. Sage es
niemand, sage es Jesus, damit du nicht einmal nach diesem Leben Gebete
ausrufen mußt, die dann nicht mehr erhört werden.

Denken wir an unser Bibelwort. Auch der andere starb, der nicht zur Herr-
lichkeit ging, der Jesus Christus nicht als seinen Heiland hatte. Bei ihm wird
hervorgehoben, daß er begraben wurde. Sicherlich war es ein standes-
gemäßes Begräbnis in Reichtum und Prunk. Aber sein Name wurde nicht
genannt. Er war nur einer unter den vielen, die nicht, wie die Schar der Seligen,
die Heimat da droben als Ziel haben. Doch seine Seele starb nicht. Es gibt ein
Fortleben nach dem Tadel Höre nicht auf jemand, der irgendwo einen Satz
gehört hat und ihn nachsagt: Es gibt kein Fortleben nach dem Tode, mit dem
Tode ist alles aus! Oft sind solche Leute, sogar wenn sie in deinen eigenen
Freundeskreisen gefunden werden, lose Schwätzer. Sie haben für ihre Ansicht
gar keine Beweise. Ich würde dir raten, werde jetzt einmal beim Lesen dieser

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Zeilen ganz still. Vielleicht legst du sogar diese Broschüre für einen Augenblick
zur Seite und fragst betend Jesus Christus, der aus dem Himmel zu uns
gekommen ist, wie das Fortleben nach dem Tode sein wird. Er ist die Wahrheit
und redet auch die Wahrheit.

Der reiche Mann, der sich hier auf dieser Erde nicht mit der Ewigkeit
auseinandergesetzt hatte, mußte nun seine Augen aufschlagen, als er in der
Qual war. Man könnte manchem, der sogar über die Person Jesu Christi und
über das ewige Leben oder über das Wort Hölle spöttelt, sagen: Dir werden
die Augen aufgehen ! So erging es dem reichen Mann. Als er seine Augen
öffnete, sah er, daß er verloren war. Jetzt rief er um Erbarmen und Gnade,
aber es war zu spät! Es gibt ein Zu-spät. Bedenke: dann ist die Gnadenzeit
vorbei ! Es gibt Menschen, denen ist es schon unangenehm, wenn sie einge-
laden werden, mit in eine Evangelisationsversammlung oder dorthin zu gehen,
wo Gottes Wort verkündigt wird. Sie meiden möglichst Menschen, die mit
brennendem Herzen an sie herantreten, um sie einmal mitzunehmen. Sie
sehen solche, die im Retterdienste Jesu stehen, nicht gern kommen. Oft ist
ihnen schon das Überreichen eines Einladungszettels unangenehm.

Nun muß dieser reiche Mann den Lazarus in der Herrlichkeit sehen, wohin-
gegen er an dem Ort der Qual ist. Beachten wir: Der Unerrettete wird den
Erretteten sehen, und dadurch wird sein elender Zustand nur noch gesteigert;
aber der Errettete wird den Unerretteten nicht sehen. Das hat Gott in seiner
Weisheit so eingerichtet, damit die Freude der Erlösten völlig wäre.

Bei Lebzeiten hätte dieser Mann, der sich jetzt mit seinem Zustand in der
ewigen Gottesferne abfinden muß, niemals einen Frommen um Hilfe ange-
rufen. Hier aber schreit er: Sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers
ins Wasser tauche und meine Zunge kühle, denn ich leide Qual in dieser
Flamme.

Ein Gebet, das nicht erhört wurde !— mochte es noch so heiß und flehend
ausgerufen werden. Die Gnade geht nicht über das Leben eines verlorenen
Sünders hinaus. Die Entscheidung über sein ewiges Teil fällt in der Stunde,
wo er den letzten Atemzug in diesem Leben tut. Jetzt sehnt er sich nach Hilfe.
Hier unten ist sie ihm jedenfalls häufig angeboten worden, und er hat die
Hand zurückgewiesen. Man könnte sagen: Dort in der Ewigkeit wird keine
Bitte mehr erfüllt. Du mußt dich mit deinem Los abfinden, und zwar auf ewig.
Kind gedenke ! so war der Gegenruf von dem Ort der Seligen, einst hättest
du gekonnt, jetzt ist es zu spät. Eine große Kluft ist zwischen denen, die sich
in der Herrlichkeit aufhalten, und denen, die sich in der ewigen Verdammnis
befinden. Von hier nach dort und von dort nach hier gibt es keine Brücke,
keine Verbindung. Ich könnte nicht weiter schreiben, wenn du mir verbieten
würdest, dich jetzt einmal ganz offen zu fragen: Wo wirst du die Ewigkeit

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zubringen? — Wirst du einmal einen Seufzer ausrufen, der nicht erhört wird?

Noch eins steigert die Not: Der Verlorene wird jetzt an sein vergangenes
Leben und an sein Elternhaus erinnert. Wieviel Vorwürfe und Selbstanklagen
häufen sich dal Hätte ich doch! — Wäre ich doch! — Ach, könnte ich doch! —
Und dann denkt er noch an seine Brüder und ruft: Ich bitte dich nun, daß du
Lazarus, der meine Angehörigen kennt, in das Haus meines Vaters sendest,
denn ich habe fünf Brüder. Er soll sie dringend warnen, damit sie nicht an den
Ort der Qual kommen.

Auch hier ein Gebet, das nicht erhört wird. Sie haben den Willen Gottes
gehört, sie haben die Wahrheit bei Lebzeiten gehört, sie hätten Buße tun
können. So klang es aus der Herrlichkeit zurück. Sie hätten so zu Jesus
Christus kommen können, wie sie waren. Sie haben ihr Glück verscherzt.
Nein, sagt der reiche Mann, wenn jemand von den Toten zu ihnen zurückkehrte,
dann würden sie überzeugt werden.

Laß es dir in diesem Augenblick, wo du diese Zeilen liest, sagen: Weder


dein Gebet für dich, noch dein Gebet für andere, die nach auf dieser Erde
leben, wird nach deinem Abscheiden von dieser Erde erhört werden. Nimm
diese Worte nicht leicht. Du wirst einmal daran erinnert werden, wenn du an
dieser Tatsache vorübergehst. Du denkst gewiß: Warum diese harte Sprache
in diesem geschriebenen Wort? — Du wirst dich einmal freuen in der ewigen
Herrlichkeit — wenn du meinen Wunsch und meine Bitte erfüllst und durch-
dringst zur Gotteskindschaft, wenn du Frieden und Freude im Blute Jesu Christi
findest —, daß ich dich mit so ernsten Worten herzlich und dringend ermahnt
und ermuntert habe.

Du erinnerst dich, wie manche leichtfertig sagen: Es ist noch niemand


wiedergekommen aus dem Jenseits. Sage es den losen Schwätzern nicht
nach, denn Jesus Christus ist wiedergekommen. Er ist auferstanden aus den
Toten und hat in klarer Weise Zeugnis abgelegt, wie das Fortleben nach dem
Tode sein wird. Nun lege du dir bitte eine Frage vor: Bin ich ein
Himmelsanwärter? Habe ich Gemeinschaft mit Jesus Christus, mit meinem
Erlöser? Ja, bin ich zu ihm gekommen in einer Stunde meines Lebens und
habe den Bankrott meines Lebens erklärt? Konnte er mir alle meine
Sündenschuld vergeben und erlassen, oder habe ich noch nicht die Gewißheit
der Errettung meiner Seele?——

Ich habe dir nun in schlichter Weise mit den Worten des Herrn bewiesen,
daß es ein Fortleben nach dem Tode — und daß es Gebete gibt, die nicht
mehr erhört werden. Du wirst wohl nicht wagen, zu behaupten, daß Jesus
Christus ein Lügner sei, wenn er dir klar in seinem Wort das Fortleben schil-
dert. Versuche auch nicht, dich damit über mich zu stellen, daß du meine

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einfachen, schlichten Worte, mit denen ich dir aus dem Herzen heraus in
volkstümlicher Weise das Signal zum Halt gebe, verachtest.

Frage nun nicht, was Menschen sagen, auch nicht, was deine Gefühle oder
dein Verstand sagen; denn damit kommst du der Beantwortung der großen
Frage nicht näher, sondern halte jetzt mit dem Lesen einmal ein und frage
dich: Wo werde ich die Ewigkeit zubringen? — Ist diese Frage bei dir geklärt?
Wenn nicht, dann tue doch jetzt in diesem Augenblick den Schritt. Tue ihn
aber bitte ganz. In manchem Kapitel dieser Broschüre habe ich in einfacher
Weise, so, daß es jeder verstehen kann, den Weg zum Herrn gezeigt. Mache
bitte keinen Umweg, er führt nicht zum Ziele. Es gibt nur den einen Weg,
durch den du zum Glauben kommst.

Buße ist nichts anderes, als wenn du aufhörst, dich zu entschuldigen und
einfach so vor den Herrn Jesus hintrittst wie du bist — mit deiner ganzen
Vergangenheit und Gegenwart. Buße ist, wenn du sagst: Herr Jesus, ich kann
so nicht mehr weiter. Ich kann auch nichts mehr gutmachen. Nimm mich
doch bitte so an, wie ich bin. — Du wirst erleben: dein Gebet wird erhört, jetzt,
in dieser Stunde, wenn du wirklich willst.

Freund, reiß dich beizeiten los,


Abschied gib den Erdengötzen.
Ihr Betrug ist schlimm und groß,
und dir bleibt zuletzt kein Fetzen.
Nackend tratst du in die Welt,
bloß verläßt du dieses Zelt.
Suche doch die obre Stadt
mit den reinen, goldnen Gassen!
Bürgerrecht dort jeder hat,
der die Götzen lernte hassen.
Diese Stadt hat festen Grund;
denn sie steht mit Gott im Bund.

Hindernisse für ein erhörliches Gebet!


Wenn Ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet Ihr
bitten, was ihr wollt, und es wird auch geschehen (Joh. 15, 7).— Ich war
gerade durch eine neue innere Reinigung gegangen. Solche Stunden sind
zunächst nicht angenehm. Nachher aber lösen sie immer eine große Freude
aus.

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Unsere Nachbarin lag schwer danieder. Ihre Schwäche war sehr groß. Es
schien so, als ob sie Abschied nehmen müsse von dieser Erde. Sie wünschte
meinen Besuch. Wir hatten ein schönes nachbarliches Verhältnis. Als wir
sahen, wie schwer sie litt und sich in Schmerzen winden mußte, kamen meiner
Frau und mir die Tränen. Wir beteten zum Herrn, daß er doch hier einschreiten
möchte. Es dauerte nicht lange, da schwand das Fieber bei ihr, die Schmerzen
waren verschwunden. Der Herr Jesus hatte seine Macht geoffenbart. Es ging
von Stunde zu Stunde bergauf. Immer wieder hörten wir die Worte: Der Herr
Jesus hat mich geheilt. —

In jedem Leben, auch im Leben der Beter, gibt es Eigentriebe, die abge-
schnitten werden müssen. Es ist gut, daß ich dieses Abschneiden nicht selbst
tun muß. Ich würde sonst wenig Schnitte vollziehen. Der Herr erwartet nur
von mir, daß ich ihm stille halte. Vor allem neigen wir sehr dazu, bei der
geringsten Kleinigkeit den Beleidigten zu spielen. Manche Zerwürfnisse und
mancher Streit in den Familien beginnen damit. Das Empfindlichsein eines
Menschen kann dem anderen das Leben oft zur Qual machen. Wer so un-
gezügelt sein Eigenleben führen will, wird dann sehr rechthaberisch. Das sind
Menschen, die andere immer wieder übertönen und unterbrechen durch das
vermeintliche eigene Besserwissen. Mit diesem Eigenleben paart sich auch
das Launischsein. In einer Stunde ist ein solcher Mensch die Freundlichkeit
selbst, in einer anderen Stunde kann man überhaupt nichts mit ihm anfangen.
Sein mürrisches Wesen führt nicht zur Freude derer, die mit ihm umzugehen
haben. Der natürliche Mensch versucht immer wieder, mit seinem Kopf —
wie der Volksmund sagt — durch die Wand zu rennen. Menschen, die sehr
tüchtig sind und Großes leisten, sind in manchem wirklich zu beneiden, man
kann schlecht ohne sie fertig werden. Solche leiden aber oft an einer
ungeheuren Dickköpfigkeit und an einem Starrsinn.

Phlegmatiker habe ich noch nie gut ertragen können. Doch die Verfehlungen
und Sünden temperamentvoller und hitzköpfiger Menschen übersteigen die
Sünden mancher anderer.

Wer wirklich ein Beter werden will, muß dahin kommen, sein religiöses
Fleisch zu hassen. Es tritt dadurch zutage, daß einer immer wieder sich
selbst in seinem Religiössein sucht und sein eigenes Tun hervorhebt. Diese
Menschen leben oft in der Meinung, sie könnten Gott etwas darbringen, woran
er Wohlgefallen haben könnte.

Je länger ich auf dem Wege bin, dem Herrn zu folgen — es sind beim
Schreiben dieser Zeilen etwa fünfundzwanzig Jahre — je mehr habe ich er-
kannt, daß alles Selbst tun Gott verunehrt. Solche Menschen tun so, als ob
sie zu dem vollbrachten Werk der Erlösung noch etwas hinzufügen müßten,
etwas, was Gott vergessen habe. Sich ganz stützen auf die Gnade, ganz das

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Blut Jesu Christi in Anspruch nehmen, das ist die Stellung, die Gott wohl-
gefällt.

Hindernis für ein erhörliches Gebet Ist sehr oft die Sünde, die den
Menschen Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen läßt, und immer wieder
und überall die Gedankenwelt durchseucht. Wer sich ihr hingibt, wird von
vielem Guten abgehalten, besonders von einem planmäßigen Gebetsleben.

Auch Weltsinn hindert das Gebet. So können die Stätten, wo die Welt
ihre Vergnügungen sucht — ob es das Kino ist oder der Rasenplatz, oder da,
wo Gesang und Musik erschallen —, Gebetshindernisse für Kinder Gottes
sein, wenn sie daran teilnehmen. Ja, nicht nur, daß dies alles am Beten hindert,
sondern das Gebet nicht zur Erhörung kommen läßt.

Wenn der Wandel eines Beters nicht in Ordnung ist, dann ist auch der
Kontakt mit der oberen Welt gestört. Bei Henoch finden wir ein
bedeutungsvolles Zeichen: Er wandelte mit Gott. Er ließ sich führen von Gott.
Er hatte das Bedürfiris, sich an Gott anzuschmiegen. Aus dieser Stellung
heraus wurde er entrückt und allem enthoben.

Es ist nicht gut, wenn wir das Leben derer beobachten, denen es besser
geht als uns. Wir sehen, wie es ihnen so gut geht, wie ihnen alles zufließt, wie
sie in Wohlstand leben. Gott legt großes Gelingen in ihr Leben. Wir werden
dabei leicht neidisch.

Noch weniger gut ist es, daß wir hochmütig werden.


Dazu können sogar Segnungen Gottes und Erfahrungen, die der Herr in
unser Leben hineinlegt, führen. Je besser wir über uns denken, desto
schlechter steht es mit uns. Es ist dieses oft die Wurzel zu aller Lieblosigkeit
und zu allem Haß.

Ein großes Hindernis für das erhörliche Gebet ist der Zweifel. Der Macht
und dem Einschreiten Gottes nicht vertrauen, das ist‘s, was ein Erhören des
Gebetes immer wieder verhindert. Manches, um das ich ihn bat, mußte mir
der Herr vorenthalten, weil ich zweifelte an seinem Einschreiten.

Es kann auch sein, daß du irgend etwas mehr liebst als den Herrn
Jesus. Er will ja gern dein ganzes Herz haben, weil er auf Golgatha auch
alles für dich getan hat. Weil er sein ganzes Leben hingab, um dich zu erlösen,
will er dein ganzes Herz und Leben haben. Er sehnt sich auch noch deinem
ganzen Einsatz für ihn. Aus dieser Stellung heraus finden wir dann auch den
Kontakt zu den Menschen, mit denen wir umgehen, seien es solche, die Gott
angehören oder andere. Ihre Fehler sehen wir wohl, wir bleiben aber nicht
dabei stehen. Selbst wenn uns jemand Böses tat, können wir dann nicht nur

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vergeben, sondern auch vergessen. Aus einem geheiligten Leben heraus
schwinden die Hindernisse für ein erhörliches Gebet.

Der Unglaube wird hinweggefegt, der Gott immer wieder die Hände
gebunden hatte, mir seinen Reichtum kundzutun.

Es muß unser Herz ausgeschüttet werden in unseren G e b e t e n. —


Ja, es muß altes abgelegt werden, was irgend das Gebetsleben hindert. Du
darfst den Vater darum bitten. Er ist dafür da, Hindernisse zu beseitigen. So
wird er uns ja als der rechte Weingärtner vorgestellt in den Abschiedsreden
Jesu.

Einige Punkte habe ich immer wieder — wenn auch in unvollkommener


Weise — in Wort und Schrift versucht auf den Leuchter zu stellen. Ich will sie
auch hier einmal nennen. Vielleicht werden sie dir dienen, um dir die Hinder-
nisse für ein erhörliches Gebet zu zeigen:

Nur wer ein planmäßiges Gebetsleben führt, wird Siege Gottes erleben.
Er wird dem Himmel näher und in den rechten Abstand zur Welt kommen.

Nur wer das Wort Gottes liebt, täglich darin forscht, es herzensmäßig
liest und auf sich wirken läßt, wird in ein geheiligtes Leben hineinkommen. Er
wird Ratschlüsse Gottes erkennen, immer neu seinen Zustand sehen und
wachsen am inneren Menschen.

Er wird die tägliche Reinigung nicht vergessen. Wer gewaschen ist, hat
nicht nötig, nochmals gewaschen zu werden, so sagt der Herr ebenfalls in
seinen Abschiedsreden, ausgenommen die Füße. — Die Wiedergeburt kann
man nur einmal erleben. Es ist ein großer Irrtum, wenn jemand glaubt, er
müsse täglich von neuem geboren werden. Man kann nur eine tägliche
Reinigung erleben, wenn man vorher zur Wiedergeburt kam. Wo sich der
Schmutz an unsere Füße gesetzt hat, da muß er täglich neu beseitigt werden.
So schwinden die Hindernisse für ein erhörliches Gebet.

In der Gemeinschaft mit den Kindern Gottes wird meines Erachtens


manche Ecke und Kante abgeschliffen, manches Raue poliert, oft unter Tränen
und Klagen.
So kommt man in das normale Leben eines Jüngers Jesu und man bekennt:

Es ist mir unmöglich zu schweigen von dem, was ich erlebt habe. Ihm
zu danken, das ist meine Lust. Ihm Ehre zu geben, ihm Liebe
entgegenzubringen, für ihn da zu sein, ja, dem Herrn in allen Lagen treu zu
sein: Dann wird er mich erhören, wenn die Erhörung meines Gebetes zur
Verherrlichung seines Namens gereicht.

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Drei Stufen will ich dir jetzt einmal nennen. Prüfe dabei bitte, auf welcher
Stufe du dich befindest.

Die erste Stufe wird in Jak. 4, Vers 2, genannt. Dort stehen die Worte: Ihr
habt nichts, weil ihr nicht bittet! — Du sagst: Wer nicht bittet, ist kein Kind
Gottes. Jedes Kind Gottes hat auch das Bedürfnis, ein Gebetsleben zu führen.
Das stimmt aber nicht immer. Es gibt Menschen, die bekennen, irgendwann
und irgendwo dem Herrn Jesus das Herz geschenkt zu haben. Sie können
diese Stunde mit einfachen Worten schildern. Man merkt aber, in ihrem
Glaubensieben stimmt irgend etwas nicht. Die Urfreude, ja, die erste Liebe,
besitzen sie nicht mehr. Ihr Gebetsleben ist nicht in Ordnung. Sie sprechen
bei Tisch oder irgendwie noch ein auswendig gelerntes Gebet, man hat aber
dabei mehr den Eindruck, es ist ein Lippengeplärr, ein gewohnheitsmäßiges
Hersagen von irgend etwas, wobei auch der Name Gottes oder Jesus Christus
genannt wird.

Sie gehen so weit, daß sie dem Herrn auch weitere Wünsche hinlegen,
alles aber ohne innere Sammlung.

Der Feind, der sich ja überall einschaltet, funkt dann mit allen möglichen
Gedanken dazwischen. Solche Anrufer Gottes werden immer wieder gestört,
weil der Kontakt nicht klar ist und die Nebengeräusche das Gespräch mit der
oberen Welt stören.

Die zweite Stufe, die uns in demselben Vers genannt wird, lautet: Ihr
bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet. — So werden manche Gebete
emporgesandt, wo die Beter sich nicht in der richtigen Stellung befinden. Sie
suchen nicht die Ehre Gottes, sondern die eigene Ehre. Selbst wenn sie
scheinbare Erhörungen haben, buchen sie diese auf ihr Konto, auf ihre
besondere Stellung zu Gott, auf ihre Gebete, und der Herr wird seiner Ehre
beraubt. Auf solche Gebete kann er nicht antworten. Sie fallen wirklich unter
das Wort: übel gebetet.

Die dritte Stufe wird uns in Jakobus 5, Vers 17 bis 18, geschildert. Sie
ist eine herrliche und kostbare. Ich wünschte, daß ich stets auf dieser Stute
gefunden würde und, daß du mir jetzt in Gedanken die Hand reichtest und
sagen würdest, ich wünschte auch, daß das von heute ab immer meine
Stellung sein möchte. Dieser Vers lautet: Elias war ein Mensch von gleichen
Gemütsbewegungen wie wir; und er betete ernstlich, daß es nicht regnen
möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. Und
wiederum betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre
Frucht hervor.

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Was mir viel Trost bereitet, sind die Worte: Elias war ein Mensch von gleichen
Gemütsbewegungen wie wir. — Er hatte dieselben Zweitel wie ich, indem er
dachte: Wird Gott erhören oder nicht? Vielleicht hatte er auch dieselben
Minderwertigkeitsgefühle, indem er sich sagte: Gott wird andere erhören, aber
auf meine Gebete kann er nicht antworten. Sie sind so erbärmlich und dringen
nicht durch. Vielleicht war sein Gemüt — wie es bei mir auch vorkommt — in
Siegesstunden, wo man das Wirken des Herrn mit Händen greifen konnte,
himmelhochjauchzend. Vielleicht war er auch hier und da —wie es auch bei
mir Stunden gibt — zu Tode betrübt: im Blick auf seinen Zustand, im Blick auf
seine Umgebung und auf den Zustand der Kinder Gottes !

Er betete ernstlich und flehentlich, daß es nicht regnen möchte. Er ließ


seine Seele im Gebet arbeiten; das ist mir so groß an diesem Manne Gottes.
Er nahm im Glauben betend die Hand Gottes, umfaßte sie mit beiden Händen,
klammerte sich daran und flehte den Segen Gottes herab.

Er mußte wieder und wieder beten. Glaubend beten, heißt ringen mit
Gott und nicht mit den Umständen. Wenn wir auf die Umstände sehen, werden
wir nicht durchkommen.

Beim Bau des Hauses für unsere Bibel- und Schriftenmission waren wir in
schwierigster Zeit gezwungen, manches vom Herrn zu erbitten, was man nur
auf dem Wege eines Wunders bekommen konnte. Oft waren die Hindernisse
so gewaltig und groß, daß es uns immer mehr auf die Knie zwang. Wir beteten
einzeln und gemeinsam. Und der Herr tat Wunder über Wunder. Die
Außenmauern waren fertig und die vielen Zwischenwände mußten gezogen
werden. Viele tausend Schwemmsteine, die aus einem Kiesmaterial hergestellt
werden, mußten beschafft werden. Es durfte nichts Schweres sein, damit die
schwachen Träger und Balken nicht zu stark belastet wurden. Wir beteten
und beteten immer wieder aber alle Bezugsquellen und Verbindungen der
Handwerksleute und des Architekten brachten uns nicht zum Ziel. Als ich
einmal in der Nähe des Gebietes, wo solche Steine hergestellt werden, das
Evangelium verkündigte schilderte ich auch den dortigen Brüdern die Not
und fragte sie, ob nicht irgendeine Möglichkeit bestände, um an diese Werke
heranzukommen. Sie alle — und unter ihnen führende Wirtschaftler —
beteuerten, daß der Weg aussichtslos wäre.

Ich fuhr wieder nach Hause, trat an unseren Schrank, in dem die Anschriften
unserer Freunde aufbewahrt werden, die mal irgend etwas von unserer
Schriftenmission erbeten und bekommen hatten, oder die uns irgend jemand
empfohlen hatte, um ihnen etwas zu senden. Ich betete, daß der Herr mir den
Menschen zeigen möchte, der mir helfen könnte. Ich griff dann aus dem
Neuwieder Kasten irgendeine Adresse heraus und schrieb an den
Betreffenden. Einige Tage später kam die Antwort: Ich habe meine Firma

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veranlaßt, Ihnen Ihren Wunsch restlos zu erfüllen. Die Spediteure und
Handwerksleute, die am Bau arbeiteten, staunten. Wir aber knieten nieder,
dankten dem Herrn und beteten ihn an.

Kann ich trotz harter Prüfung beten?


Du magst in deinem Leben viel verloren haben. Doch erinnere dich bitte
daran, daß vor dir Menschen gelebt haben, die noch größere Verluste hatten
als du.

Hiob war ein Mann, der schlicht und recht gottesfürchtig war und das Böse
mied — so war auch das Zeugnis, das Gott ihm ausstellte. Er wurde in den
Schmelztiegel Gottes geworfen, damit alles, was in seinem Leben vorhanden
war, geprüft würde, ob es auch in dem gewaltigen Bewährungsfeuer Gottes
standhalte. In seiner Armut und beim Tode seiner Kinder fiel er auf die Erde
und sprach: Ich bin nackt aus meiner Mutter Leib gekommen, nackt werde
ich auch wieder dahinfahren. Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genom-
men, der Name des Herrn sei gelobt (Hiob 1, 21).

In guten Tagen kann man das alles leicht sagen. Es fällt uns jedoch schwe-
rer, wenn uns etwas genommen wird. Menschen, auch Geschwister, die viel
mehr verloren als ich, haben mir bekannt, daß es ihnen nach schweren
Schicksalsschlägen — so nennen sie diese Heimsuchungen Gottes in ihrem
Leben oft — so unsagbar schwergefallen sei, ja zu sagen zu den Führungen
Gottes. Hiob konnte in schwerer Krankheit ausrufen: Haben wir Gutes emp-
fangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen (Hiob 2, 10). —
In schweren Krankheitstagen versündigte er sich nicht mit seinen Lippen. Der
Herr konnte in Lukas 22, 31 sagen: Siehe, der Satan hat euer begehrt, euch
zu sichten wie den Weizen. — Alles Leid hat das Ziel, unser Glaubenslicht
heller leuchten zu lassen. Man kann wohl dahin kommen, daß man in schwe-
ren Drangsalen die Stunde seiner Geburt verwünscht. Auch Hiob sagte: Wa-
rum starb ich nicht von Mutterleibe an. — Die Frage nach dem Warum kann
kommen in schweren Stunden, in Leiden und harten Prüfungen. Nur dürfen
wir nicht dabei stehen bleiben, sondern du darfst dem Herrn vertrauen, daß
er deine Gebete erhört. Er kann dir alles erstatten, was du in deinem Leben
verloren hast. So hat es ein Hiob erfahren. So kannst auch du es erleben.

Man kann dahin kommen, wie ein Asaph in Psalm 73 dem Sinn nach ausruft:

Wie haben es die Gottlosen doch so gut. Wenn man in Leidensschulen


auf den Wohlstand mancher Gottlosen schaut, dann kann man tatsächlich

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entgleisen. Man kann sich so festfahren, daß das neue Leben keinen Raum
mehr in uns hat. Wenn man sieht, wie sie essen, alles im Überfluß haben, wie
sie Gelingen haben, wie sie alles besitzen, dabei oft Gott spotten und lästern,
dann kann man dahin kommen, wohin Asaph gekommen war:

Wenig fehlte, so wären meine Füße abgeglitten. Es gibt viele, die einmal
bekannt haben, Kinder Gottes zu sein, die die Stunde ihrer Wiedergeburt
bezeugen konnten und dann doch abgewichen sind. Sie alle schieben alles
mögliche und unmögliche vor und geben diesem und jenem schuld. Sie
kommen aber dabei nicht zur Ruhe und zur Freude.

Auf andere blicken ist und bleibt eben doch nur der Weg, um unglücklich
zu werden. Man kann einmal in diese falsche Bahn hineingeraten. Wer tief
geprüft wurde, der wird bekennen, daß er auch einmal in schwachen Stunden
da angelangt ist. Nur darf man nicht in dieser Linie fortfahren, Tage und
Wochen, oder gar Jahre lang. Man wird sonst zum Rebellen gegen Gott. Der
Segen fließt an uns vorüber und wendet sich anderen zu. Wir müssen das
tun, was ein Asaph tat:

Da dachte ich nach, um dieses zu begreifen. Eine mühevolle Arbeit war


es in meinen Augen. Wenn du wirklich mühevolle und doch nutzlose Arbeit
tun willst, dann mußt du in diese Linie geraten. All dein Nachdenken und
Grübeln wird dich niemals dahin bringen, daß du fertig wirst mit dem
Geschehen. Was auch der Verlust deines Hab und Gutes in sich barg, wenn
du den Liebsten oder die Liebste auf dieser Welt verloren hast — eine
mühevolle Arbeit ist es, das zu begreifen. Du siehst das Gewebe deines Le-
bens nur, wie man einen Teppich von unten sieht. Du siehst die tausend Fäden,
die da herunterhängen. Du wirst einmal, wenn du beim Herrn bist, das ganze
Gewebe von oben sehen. Du wirst staunen, wie wunderbar es gewebt ist und
wie aus allem sein Bild herausstrahlen soll. Nur ein Weg ist der richtige, und
den ging dieser Mann Gottes. Er wird uns in seinen Worten beschrieben:

Bis ich hineinging in die Heiligtümer Gottes. Bis er in harter Prüfung


sein Herz beugte, da fand er die Gnade, Ja zu sagen zu den Führungen des
Herrn. Abgeschieden von aller Unruhe der Zeit, dorthin gehen, wo keiner Zutritt
hat — und wäre es hinter einer Hecke in einem Dorf am Abend. Du kannst
auch den hellen Tag dazu brauchen, um eine Schlucht im Walde aufzusuchen.
Das Plätzchen hinter einer umgefallenen Mauer bietet dir auch dazu
Gelegenheit. Jeder einsame Ort kann dir da zu einem Heiligtum Gottes werden.
Welches Kind Gottes kennt nicht solche Heiligtümer, die der Nebenmann
nicht sah und nicht ahnte.

Da vertraute er neu dem Herrn und seiner Führung. Du mußt auf das Ziel
schauen. Bisher sahst du auf den Weg, den du gegangen bist und gehen

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mußt in der Gegenwart. Blicke über das alles fort auf das Ziel. Du hast vielleicht
von manchem Liebgewordenen schon Abschied nehmen müssen, wovon
andere sich in der letzten Stunde ihres Lebens nur schwer lösen können.

Eine etwa neunzig Jahre alte Mutter, die mit ihrem im gleichen Alter ste-
henden Mann zusammenlebte, sagte mir einmal folgendes: ,,Wir hatten große
Besitztümer. Unsere Kinder haben teils studiert. Sie lieben uns mit der Inbrunst
ihres ganzen Herzens. Es war Eintracht in unserer großen Familie. Sieben
Kinder umgaben die Eltern in rührender Sorgfalt und Liebe. Da, eines Tages,
begann etwas samenkornartig in die Familie hineinzukommen. Leise streckten
sich die Hände der Kinder nach dem Gut aus, was wir unser Eigen nannten.
Der eine wollte es haben und der andere begehrte es. Es bestand die große
Gefahr, daß die schöne Harmonie unserer Familie verloren ging. Da kam die
Stunde, wo uns der Herr im zweiten Weltkrieg alles zerschlug und restlos
nahm. Unsere Kinder sahen nichts mehr von dem, was sie einmal von uns
erben wollten. Sie zankten sich nicht mehr um das, was wir erworben hatten.
Es ist ja leider oft so, daß das, was fleißige Hände der Eltern im Leben er-
worben haben, Zankobjekt bei den Kindern vor oder nach dem Abscheiden
der Eltern wird. — Heute sind wir die geliebten Eltern. In rührender Weise
werden wir von unseren Kindern besucht und umgeben. Sie
trachten nur danach, uns Liebe zu erweisen und Freude zu
bereiten. ,,Von unserem Besitz, so sagte die alte Mutter weiter,
,,sind wir längst gelöst. Sie konnte wahrlich mit dem Psalmisten
sagen: Wen habe ich im Himmel und neben dir habe ich an
nichts Lust auf der Erde. Solche Bekenntnisse werden nur in
Stunden nach großen Verlusten ausgesprochen. Lust am
irdischen Besitz haben, lenkt das Herz von Jesus Christus ab.
Lust haben an seinem kostbaren Wort und an seiner
wunderbaren Person, das ist‘s, was dem Herrn wohlgefällig ist.
So wird man ausrufen:

Ich habe meine Zuversicht auf den Herrn gesetzt, um zu erzählen alle
deine Wege. Das ist die richtige Stellung. Möchten wir sie ganz in Besitz
nehmen. Asaph wurde fertig mit seinem Leid und ein mutiger Zeuge. Wir
müssen unsere Meinung loslassen. Wir dürfen nicht von ihm das Siegel für
den von uns selbst bestimmten Weg erhalten wollen, sondern wir müssen
ganz bereit sein, jeden Weg zu gehen, den der Herr zeigt.

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Darf ich mich auch jetzt noch an die
Verheißungen
Gottes klammern?

Es gibt ja Zeiten, wo man sich an besondere Worte des Herrn klammert.


Zeiten, wo man durch die Umstände dahin geführt wird, besondere Ver-
heißungen, die Gott in seinem Wort niedergelegt hat, zu ergreifen und für
sich persönlich in Anspruch zu nehmen. — So war es bei mir einmal mit den
Worten aus Psalm 23, Vers 1: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichls mangeln.

Nachdem ich jahrelang als Evangelist durch die Lande gezogen war, kam
die Zeit, wo ich es gesundheitlich nicht mehr so konnte. Ich hatte nie im Leben
ein starkes Herz gehabt. Im ersten Weltkrieg, den ich als junger Infanterist
mitmachte, war nach den vielen Anstrengungen in Frankreich, Rußland und
Galizien mein Herz sehr mitgenommen. Es blieb eine starke
Herzmuskelschwäche zurück. Oft habe ich zwischen meinen Diensten als
Evangelist monatelang ständig liegen müssen. Manche Kuren haben mir unter
der segnenden Hand Gottes immer wieder Linderung gebracht. Es kam aber
die Zeit, wo ich etwas kurz treten mußte. Viele Freunde ermunterten mich
dazu. Nun habe ich in den vergangenen Jahren einige kleine Heftchen
geschrieben. Teils waren es solche, in denen meine Bekehrung geschildert
war, teils waren sie dazu angetan, Menschen durch Buße zum Glauben zu
bringen. Diese Schriften wurden immer mehr gewünscht. Für
Verstandesmenschen zwar war der Inhalt oft zu einfach. Ein guter Freund
von mir, der, als ehemaliger Lehrer, ein Meister der deutschen Sprache ist,
sagte mir einmal, daß ich der unfähigste Mann sei, um schriftstellerisch tätig
zu sein. Diese Worte bewirkten bei mir nicht eine Mutlosigkeit, sondern ich
dachte an das Wort: Was nichts ist vor der Welt, das hat er erwählt, auf daß
sich vor ihm kein Fleisch rühme (1. Kor. 1, 28 u. 29).—

So schrieb ich weiter und in vielen Millionen Exemplaren flossen — durch


die Gnade Gottes bewirkt — die von mir geschriebenen Hefte und Traktate in
fast alle Städte und Dörfer Deutschlands. Sie wanderten auch nach vielen,
vielen Ländern, ja, nach allen Erdteilen.

Immer wieder klammerte ich mich an die Verheißung: Der Herr ist mein
Hirte, mir wird nichts mangeln — nichts mangeln: weder Begabung noch Mittel,
um Aufträge Gottes auszuführen. So legte der Herr gnädige Segnungen auf
alles Tun.

Ich lasse hier einige kleine Auszüge folgen aus Briefen, von solchen, die
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durch das schriftliche Zeugnis angesprochen wurden. Manche erscheinen
als Suchende, andere als solche, die den Herrn gefunden haben:

Ein Herr schreibt:


Als Suchendem geriet mir unter anderem auch Ihre Schrift ,,Wo bist Du? in
die Hände. Ergriffen durch den Inhalt und in Anbetracht meines früheren sünd-
und lasterhaften Lebens, habe ich dieses Büchlein immer wieder gelesen,
und nun ist meine so lange scheinbar gewesene Seelenruhe dahin. Mir wurden
die Augen geöffnet, daß ich den Abgrund, dem ich so lange zustrebte, deutlich
vor mir sehe. Nun hätte ich noch eine große Bitte. Wäre es Ihnen möglich,
daß Sie mir noch einige Hefte schicken könnten? Ich würde Ihnen dafür
unendlich dankbar sein. —

Eine Frau schreibt:


Ich bin durch eigene Schuld unter die Mörder gefallen. Gott ließ mich nun
schon fünfundzwanzig Jahre liegen. Darf ich noch auf Hilfe hoffen, oder gibt
es keine Rettung mehr für mich? Ich bitte und flehe: Herr Jesus, hilf auch mir
zum Sieg, um deines Werkes willen. —

Ein Fräulein schreibt:


Ich möchte auch dabei sein, wenn der Herr kommt. Ich ringe jetzt schon
seit fünf Jahren, aber die Sündenketten müssen erst bei mir gesprengt werden.
Darum bitte ich Sie, besonders für mich zu beten. Senden Sie mir doch bitte
eine Bibel. —

Ein Herr schreibt:


Schon verschiedentlich habe ich Ihre Traktate gelesen und wäre Ihnen
dankbar, wenn Sie mir noch solche zukommen lassen würden, ebenfalls Hefte
und ein Neues Testament. Ich bin Katholik. Beten Sie für mich, daß ich den
endgültigen Frieden in Jesus Christus finde. —

Eine Krankenschwester schreibt:


In diesen Tagen bekam ich einige Ihrer Hefte in die Hand, die mich so sehr
erschüttert haben und mich innerlich vollständig umwarfen. Nun kämpft es in
mir, aber ich merke, daß ich dabei nicht weiterkomme und vor allem nicht
zurechtkomme, und das möchte ich doch so gerne. Ich arbeite in einem
Operationssaal, aber ich bin unglücklich. Wenn es Ihre Zeit erlaubt, darf ich
Sie dann wohl um eine Wegweisung bitten? —

Ein Fräulein schreibt:


Ihr Traktat ,,Christen ohne Christus hat mir sehr viel Kopfschmerzen ge-
macht. Das, was Sie hier geschildert haben, paßt auch ganz genau auf mich;
denn ich habe gemerkt, während ich es durchlas, daß auch ich ein Christ
ohne Christus und ohne Wiedergeburt bin. Nun habe ich ein heißes Sehnen

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nach Frieden. Oh, könnte ich doch auch von Herzen an den Herrn Jesus
glauben, denn bisher habe ich nur mit dem Verstande glauben können. Seit
der Ankunft Ihres Briefes liege ich fast jede Nacht wach und kann nicht
einschlafen. Oh, könnte ich doch auch zu dem Durchbruch kommen. Würden
Sie mir wohl die Hefte 11 und 13 schicken? Hoffentlich höre ich bald mehr
von Ihnen. —

Was veranlaßt mich, Schriftenmission zu treiben? Als ich im Gebet über


meine letzten Beweggründe Klarheit zu gewinnen suchte, schenkte mir der
Herr Licht und Freudigkeit, im Glauben den Dienst der Schriftenmission auch
fernerhin zu tun. Ich will hier kurz sagen, was mich dazu bewegt:

Der Drang, Seelen für den Herrn zu gewinnen. In großen Sälen und Zelten
hatten wir oft tausend und mehr Menschen unter dem Wort, wenn wir die
Frohe Botschaft von Jesus Christus verkündigten. Die Zahl der Zuhörer war
aber nur ein Bruchteil von der großen Zahl der Bewohner der Stadt, in der wir
jeweils sprachen. Der Gedanke, an die vielen, vielen heranzukommen, die
nirgendwo hingehen, um das Evangelium zu hören, veranlaßte mich ganz
besonders, Traktate zu schreiben, diese in hohen Auflagen drucken zu lassen
und dann zu verbreiten.

Die Möglichkeiten, die der Herr mir gab: In den schweren Jahren, in denen
ich längere Zeit Redeverbot und Redeeinschränkung hatte, konnte ich —
zum Teil im Verborgenen — in Diakonissenmutterhäusern, Krankenhäusern
und Lazaretten einige tausend gläubige Diakonissen ermuntern, ihr Leben
ganz dem Heiland zu übergeben, um dann rechte Menschenfischer und
Seelengewinner zu werden. Viele dieser gläubigen Schwestern verteilen nun
in Krankenhäusern, Lungenheilstätten, Altersheimen, Heimen für gefallene
Mädchen und wo immer sie ihren Dienst tun, unser schriftliches Zeugnis.

Manche Bahnhofsmissionen verteilen planmäßig unsere Schriften an die


vielen Durchreisenden. Mutige junge Menschen tragen dieselben an die Sport-
plätze und zu den Menschen, die vor den Kinos stehen. An und in den D-
Zügen werden diese Zeugnisse denen überreicht, die stundenlang im Zuge
sind und Zeit haben, den Inhalt auf ihr Herz und Gewissen wirken zu lassen.
Die Strandbäder bieten ein großes Missionsfeld, wo unsere Traktate von
missionsfreudigen Menschen verteilt werden. Ärzte und Zahnärzte legen sie
in Wartezimmern aus. Manche Verteiler gehen von Haus zu Haus. So wird
die heilbringende Botschaft in Dorf und Stadt getragen. Ich denke da auch
sehr an den Dienst, der mir in den ersten Wochen und Monaten meines jun-
gen Glaubenslebens so besonders am Herzen lag und mir persönlich zum
großen Segen wurde.

Die Bestätigung Gottes: In den schweren Zeiten, wo man kaum Papier haben

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konnte, schenkte uns der Herr aus manchen Quellen des In- und Auslandes
sehr viel Material. Unsere Hefte, Heftchen und Traktate wurden in mehreren
Millionen verbreitet. Das Echo war und ist überaus stark und oft herzbewegend.

Das Interesse unserer Freunde: Unser großes Ziel war und ist, allen
deutschsprechenden Menschen das zu verkündigen, was Jesus ihnen zu
sagen hat. Wir erreichen dabei vielfach jene Söhne und Töchter von Gläubigen,
um die viele Tränen geweint werden. Der Herr öffnet auch die Türen zu den
Herzen vieler Namenchristen, die ohne Christus dahinleben. Unser Zeugnis
dringt oft gerade zu denen, die nirgendwo hingehen, um das Evangelium zu
hören. Das Echo unserer Freunde war und ist immer wieder besonders
ermutigend und stark. Wir konnten nicht immer alle Wünsche befriedigen, so
viele Hefte und Traktate, auch Bibeln und Bibelteile, werden gewünscht! Immer
wieder erreicht uns Post, in der mitgeteilt wird, daß man besonders für uns
betet.

Was wir brauchen, sind viele aktive Freunde, Gotteskinder mit brennenden
Herzen, die die große Aufgabe unserer Schriftenmission freudig und mit-
verantwortlich auf ihr Herz nehmen. Möchtest auch du, lieber Leser, in steigen-
dem Maße ein tätiger Freund unserer Schriftenmission sein ! Der Raum, der
unserer Schriftenmission in unserem Hause diente, reichte bei weitem nicht
mehr aus. Wie ich schon erwähnte, entschlossen wir uns deshalb, ein Haus
für die Arbeit der Schriftenmission zu bauen. Es war aber eine Zeit, in der in
Deutschland das Geld keinen Wert hatte und kein Mensch irgendein
Grundstück als Bauplatz verkaufte. Mein Freund und ich besuchten einen
Nachbarn, der nicht sehr religiös ist. Ich sah ihn und seine Familie kaum
jemals in eine Kirche gehen. Als wir ihm die Sache vortrugen, erwiderte er auf
unsere Bitte in etwa, wir sollten bestimmen, wann wir zum Notar fahren wollten,
um die Sache umzuschreiben. Auf unsere Frage, was wir denn zahlen sollten
oder ihm als Gegenleistung geben sollten, erwiderte er immer wieder, daß er
das restlos uns überlasse. Dieses wollten wir zunächst gar nicht annehmen.
Es ging ihm aber wirklich nur darum, daß wir die Stunde bestimmten, wann
dieser Akt geschlossen wurde.

Wir hatten viel um einen solchen Platz gebetet und der, den wir nun vorhatten
zu erwerben, war für uns der günstigste, den es in dieser Gegend gab. Wir
sahen, wie wunderbar der Herr lenken kann, wenn er zu seinem Ziel kommen
will. Wir schieden voneinander, mein Freund und ich, indem wir sagten: Es
gibt eben für den Herrn keine Schwierigkeiten, und mögen sie noch so groß
sein, die er nicht hinwegtun könnte.

Er muß Kraft geben zu den Gebeten aller Heiligen, wie in Offb. 8, 1-5
geschrieben steht, sonst werden wir den Eindruck haben, unsere Gebete
gehen nicht durch die Decke. Die Gebete verfliegen und erreichen nicht die

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Stelle der Erhörung.

Wenn wir die Vorbedingungen erfüllen, dann wird der Herr das Seine tun. In
MaI. 3, Vers 10, werden wir aufgefordert: Gebet dem Herrn, was dem Herrn
gehört, dann gibt uns der Herr, was sein Eigen ist, und zwar in einer solchen
Fülle, daß wir nur staunen und anbeten können. — Wir müssen nur

zu aller Zeit beten, und zwar mit allem Gebet und Flehen im Geist. So
sagt uns auch Eph. 6, Vers 19. Wer nur betet zur Stunde, wo er Freudigkeit
hat zum Gebet, wird nie ein Beter werden. So sagte ich es ja schon einmal.
Wie neigen wir doch alle dazu, im Gebetsleben nachzulassen und immer
wieder zu sagen: Warum noch beten, ich habe doch keine — oder so bitter
wenig — Erhörungen zu verzeichnen.

Beharret im Gebet und wachet in demselben mit Danksagung, so heißt


es in Kol. 4, 2. Beharren, wachen, danksagen, das gehört zusammen, ganz
gleich, ob wir für uns oder für andere beten. Dann wird uns auch der Herr
erhören. In Jes. 59, 16 steht ein erschütterndes Wort:

Gott staunte, daß kein Fürbittender vorhanden war. Wir wollen uns als
Fürbittende Gott zur Verfügung stellen, damit er uns segnen kann.

Wir wollen auf den Mauern als Wächter stehen und, wenn es sein muß,
weder bei Tage noch in der Nacht schweigen, wie es in Jes. 62, 6
geschrieben steht. Wir wollen Acht geben, daß der Feind nicht hereinbricht
— bei uns persönlich, in unseren Familien und Zusammenkünften. Im Werk
des Herrn werden Wächter gesucht, die die Gebetsposaune blasen, wenn
der Feind sich nähert, die das Volk Gottes und besonders die Wachen der
Kinder Gottes alarmieren, auch im Blick auf die Endzeit, wo die Macht der
Finsternis sich auf dem Erdball noch stärker auswirkt. Wie kostbar ist es zu
wissen:

Das Gebet der Gerechten hört er (Sprüche 15, 29).— Man muß sich unter
das Blut Jesu Christi stellen, um den Anforderungen Gottes zu genügen, und
dann im Glauben die Stellung eines Gerechten einnehmen, eines
Freigesprochenen und Begnadigten. So werden wir Wunder und viele Siege
als Beter erleben.

Wir wollen aufhören zu sagen: Warum noch beten, sondern wir wollen uns
viel mehr an die Verheißungen Gottes klammern und uns an Matth. 21,22
erinnern lassen, wo geschrieben steht:

Alles, was irgend ihr im Gebet glaubend begehret —ohne zu zweifeln,


— werdet ihr empfangen. Das allein ist der Boden, auf dem Gott seine

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Herrlichkeiten ausschüttet und wo das Ohr des Menschen geöffnet wird für
den Widerhall der Gebete und Gottes Antwort vernimmt.

Wir wollen uns immer wieder prüfen, ob unser Herz uns nicht verurteilt.
So werden wir erinnert an 1. Joh. 3, 21-22: Wenn unser Herz uns nicht verurteilt,
so haben wir Freimütigkeit zu Gott. — Freien Mut zu haben, vor Gott hinzutreten
und ihm alles zu sagen, nichts zurückzuhalten, das ist das Teil der Kinder
Gottes, die Linie, auf der wir stehen wollen. Wir können auch da nicht
schwanken und wanken, aber wir wollen uns ermuntern — du und ich — zu
dieser Linie zurückzukehren und uns darin zu prüfen — so wird der Herr uns
erhören.

Wir wollen auch tun, was uns in Psalm 81, 10 gesagt ist, denn es gilt auch
für unsere Gebete, nicht nur für die Verkündigung seines Wortes:

Tue deinen Mund weit auf, und ich will ihn füllen. Wir werden es erfahren
und immer wieder erfahren: bei dem Herrn gibt es keine Unmöglichkeiten.
Bei ihm heißt es niemals: Es ist nichts mehr da. —

Wir wollen uns danach richten, was der Psalmist mit dem Ausruf sagt:

Habe deine Lust an dem Herrn, der wird dir geben, was dein Herz
wünschet (Psalm 37,4).— Dieses Wort ist mir immer wieder ein Edelstein
aus den Schatzkammern Gottes, den ich in Besitz nehmen darf. Ein Wort, an
das ich mich klammere und immer wieder klammere, bis er mich erhört. — Er
hat ja versprochen, so steht es in Sprüche 8, 17-21:
Er will unsere Vorratskammern füllen. Die Leere soll aufhören bei mir
und bei meiner Familie. Sie soll schwinden aus dem Abschnitt des Werkes
des Herrn, den er mir anvertraut hat. Sie soll sich nicht breitmachen bei den
Kindern Gottes, mit denen ich Gemeinschaft habe.

Oft kamen mir Zweifel, ob ich wohl durchkommen würde mit meiner großen
Familie und dem Werk der Schriftenmission. Ich wurde dann aber an Phil. 4,
19 erinnert, wo geschrieben steht:

Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen. Er kennt meine Notdurft.
Welch ein Glück ist in meinem Herzen, dieses zu wissen. Ich darf nur nichts
von irgend jemand anderem erwarten. Weder mein Können, noch meine Kraft,
noch mein Wissen, noch irgend Menschen, Berufe oder Beschäftigungen,
sondern: mein Gott ist es, der große Gott, Jehova Gott, der alte Bundesgott,
Jesus Christus als neuer Bund, ja, der Vater im Himmel, mein Vater. Er wird
meine Notdurft erfüllen. Ich will nicht überlegen und will nicht ratschlagen, wie
er es tut, sondern glauben, daß er es tut.

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Er kann mich auch warten lassen. Es können Widerwärtigkeiten eintreten,
Schwierigkeiten sich türmen wie Berge, ja, wie Meereswogen über mich her-
einbrechen. Es können die Widerwärtigkeiten zum schweren Ballast, zur
großen Not werden und auf mein schwaches Leben einstürmen. Ich will mich
aber erinnern an Psalm 34, 19, wo es heißt:

Viele sind der Widerwärtigkeiten des Gerechten, aber aus allen


denselben errettet ihn Jehova. Galt dieses nur für einen David, oder darf
ich es ebenfalls für mich in Anspruch nehmen? Ja, und dem Herrn sei Dank,
auch Josua 1, 9b gilt für mich, wo er sagt:

Ich bin mit dir überall, wohin du gehst. Du sagst, du bist doch kein Josua,
wie kannst du überhaupt diesen Vers und andere für dich in Anspruch nehmen?
— Für mich steht geschrieben, daß alle Verheißungen Ja und Amen sind in
ihm. Ich nehme sie einfach im Glauben hin. Viele, viele hat der Herr schon bei
mir eingelöst. Wenn er sie nicht einlösen konnte, lag es immer bei mir, daß
ich das Ziel nicht erreicht hatte, zu dem er mich führen wollte.

Unser eigenes Mühen ist immer zum Scheitern verurteilt. Doch, wer die
Vorbedingungen von Psalm 1, 1-3 erfüllt, der wird erleben, daß es sich heute
und immer wieder bewahrheitet: Und alles, was er tut, gelingt.

So werfe ich alle meine Sorgen auf ihn, denn er hat verheißen in 1. Petr. 5,
7:

Er sorget für euch ! Ich darf meine Anliegen auf den Herrn werfen, er wird
mich versorgen — er ist besorgt für mich. Wie kostbar ist es zu wissen:

Wer an ihn glaubt— ihm vertraut—wird nicht zu Schanden werden.

Die Rechte des Herrn behält den Sieg, die Rechte des Herrn ist erhöht;
die Rechte des Herrn behält den Sieg ! (Psalm 118, 15 u. 16).—

Anbetung, die Krone aller Gebete !


Das Winseln und Jammern der Kinder Gottes ist oft wunderbare Musik für
den Feind der Seele. Er hat den Eindruck, sie sind doch nicht restlos zur
inneren Ruhe gekommen in dem, was sie bekennen zu sein und zu haben.
Sie sind doch noch immer die Gebundenen und, wenn auch nicht mehr so
sehr wie ehedem, die Unbefriedigten.

In meinem Glaubensleben unterscheide ich verschiedene Stufen des Ge-


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betes: Bitte, Gebet, Fürbitte, Beten, Flehen, ringende Gebetskämpfe, Danken
und Loben.
In Offenbarung 1, Vers 5 und 6, werden Worte gebraucht, durch die wir
stark ermuntert werden, unseren Herrn und Heiland anzubeten. Dort lesen
wir:

Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem
Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und
Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Dem, der uns liebt. Ich kann es kaum glauben, daß Jesus Christus mich
liebt, so sagen mir Verstand und Gefühl. Ich sehe doch so sehr vieles an mir,
was mir selbst nicht gefällt. Wie kann dies dem Herrn gefallen. Es ist mir ganz
klar, er kennt mein Leben bis ins Innerste hinein. Er weiß, wie ich gelebt habe.
Ich kann ihm gar nichts verbergen; und dennoch weiß ich, er liebt mich. Mir
steht er zur Verfügung. Für mich ist er da, ihn darf ich in Anspruch nehmen.
Nie komme ich vergebens zu ihm. Ja, ich bin der Gegenstand seiner Liebe.
Wie ist dieses möglich?

Er hat mich gewaschen in seinem Blute. Er hat all den Schmutz aus
meinem Leben hinweggeräumt. Für alle Menschen hat er sein Blut vergossen.
Keiner geht verloren um seiner Sünde willen, sondern nur um der Sünde
willen, daß er dieses Werk von Golgatha nicht für sich persönlich in Anspruch
nimmt. Er, Jesus Christus, nimmt selbst die Reinigung vor. Nie mehr will er
meiner Sünden und Übertretungen gedenken. Welch ein Jubel, ja, welch eine
Freude durchströmt immer wieder neu mein Herz beim Nachsinnen über diese
große Tatsache. Sein Blut hat all den Schaden der ganzen Vergangenheit
und Zukunft meines Lebens vor dem Angesicht Gottes entfernt. Es bleibt mir
nur noch das eine: dieses im Glauben anzunehmen und ihm dafür zu danken.

Nun hat er sogar aus uns noch etwas gemacht, so sagt es dieses
Bibelwort. Das ehrt den Meister, aus dem minderwertigsten Material das
Kostbarste zu machen. Alles das führt dazu, daß ich ihn viel mehr liebe und
nur noch den einen Wunsch habe, mich da hinein zu versenken, um endlich,
von allem Ringen und Mühen frei, ihn und sein herrliches Werk betrachten zu
können. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr sehe ich meine
große und gewaltige Schuld. Ich sehe aber auch seine Hingabe für mich. —
Ich sehe seine Tat, die die ganze Welt umspannt. Er bringt aus allen Völkern
und Nationen die, die sich zu ihm in Reue und Buße wenden, zu diesem
herrlichen Erleben seiner Liebestat.

Zu einem Königtum hat er uns gemacht. Wir sind tatsächlich solche, die
mit Jesus Christus herrschen und regieren werden in Ewigkeit. Er wird uns
einmal die Gebiete zuweisen, die er uns bereitet hat. Auch jetzt schon ist der

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Dienst der Kinder Gottes, den sie im Aufblidc zum Herrn tun, ein königlicher
Dienst.

So hat er sie zu Priestern, seinem Gott und Vater, gemacht. Sie sind
ihm geweiht. Ihre Zeit soll ihm zur Verfügung stehen. Sie tragen auf ihren
Stirnen den Ausdruck: Dem Herrn geweiht! Ihr ganzer Besitz — groß und
klein — gehört ihm. Ihm bringen sie ihr Dankopfer dar. Ihm weihen sie ihre
Herzen. Wie gewaltig und herrlich tritt dieses zutage, wo Kinder Gottes, in
wahrer Anbetung um ihn geschart, seine Person und sein Werk betrachten
und ihn lobend und preisend ehren. Sie tun es in Wort und Lied.

Ihm sei die Macht und die Herrlichkeit, ihm und nur ihm allein ! Je mehr
wir uns in den Schatten stellen lassen, desto herrlicher und kostbarer wird er
hervorleuchten. Je mehr wir uns in den Vordergrund rücken, auch in den
Zusammenkünften der Kinder Gottes, desto mehr verblaßt seine kostbare
und herrliche Person.

Seine Herrlichkeit und Macht ist lückenlos von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Es gibt kein Ende in der Anbetung unseres Herrn und Heilandes Jesus
Christus. Möchte es in deinem und meinem Leben heute zum wahren Anfang
kommen, ihm unsere Huldigung darzubringen. Möchte diese nie verstummen,
so lange noch ein Hauch in mir ist. Das Seufzen und Klagen soll aufhören —
aufhören, daß ich mich um mich selbst und meine Schwächen gedreht habe
und dabei nicht stark, sondern schwindelig geworden bin, so daß ich die
Verheißungen Gottes und sein herrliches Werk nur noch verschwommen sah
— und es Nacht und Dunkel um mich wurde. Mit dem Dichter will ich singen:

Anbetung dir! Sei hochgepriesen


für deine Liebe, Jesu Christ,
die du an Sündern hast bewiesen,
da du für uns gestorben bist.
Wieviel hast du für uns getan !
Wir beten dankend, Herr, dich an.

In Offenbarung 5, Vers 6-10, sehen wir die Anbetung, wie sie einmal dem
Lamme dargebracht werden wird. Ich lasse diesen Abschnitt folgen:

Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und in-
mitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner
hatte und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die gesandt
sind über die ganze Erde. Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten
dessen, der auf dem Throne saß. Und als es das Buch nahm, fielen die vier
lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamme,
und sie hatten ein jeder eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk,

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welches die Gebete der Heiligen sind. Und sie singen ein neues Lied: Du bist
würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist ge-
schlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm
und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und
Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen !

Ein Lamm, wie geschlachtet. Was in Ewigkeit gerühmt wird, ist das
geschlachtete Lamm. Nicht nur das Lamm, das getötet ward, sondern es
ward geschlachtet. Ihm blieben die Todeswehen nicht erspart. Die tiefsten
Tiefen, die je ein Mensch an Leiden erleben mußte, hat der Herr Jesus erlebt,
als er für mich zur Sünde gemacht wurde. Er hat nicht nur meine Sünde an
seinem Leibe an das Kreuz getragen, sondern, ich möchte es noch einmal
sagen, er wurde zur Sünde gemacht. Dieser Heilige und Gerechte, der die
Sünde nicht kannte, der wurde, um mich zu erlösen, mit dem Schmutz der
ganzen Welt belastet, er nahm Knechtsgestalt an und wurde gehorsam bis
zum Tode, um das ganze Werk für mich — an meiner Statt — hinauszuführen
(Phil. 2, 8).—

So wurde er dort geschaut als das Lamm, das sieben Hörner hat. Der
Verstand sagt: Ein Lamm mit sieben Hörnern gibt es nicht. Hiermit will uns
der Heilige Geist daran erinnern, daß er vollkommen ist an Kraft. Das Horn ist
das Symbol der Kraft. Die Zahl sieben soll uns daran erinnern, daß es im
Weltall — jetzt und in alle Ewigkeit — keine Person gibt, die ihm gleichzustellen
wäre. Du kannst alle großen Personen des Zeitgeschehens
zusammenbringen: sie werden restlos vor ihm verblassen. Die großen
Wirtschaftler, sie werden vor ihm verstummen. Die Politiker und Machthaber
werden ihre falschen Wege erkennen. Die Kirchenfürsten und was irgend
diese Welt an Größen hatte und hat, werden Schwächen auf Schwächen
aufzuweisen haben ihm, diesem herrlichen und wunderbaren Heiland
gegenüber.

Er erscheint uns als das Lamm mit sieben Augen. Das Auge ist das Symbol
der Einsicht, der Durchsicht und der Weitsicht. Vor dem Auge ist alles klar,
man sieht die Gegenstände, wie sie in Wirklichkeit sind. Das Schöne wird
vom Auge wahrgenommen. Das Unschöne und Schmutzige erkennt es eben-
falls. So steht das Lamm vor uns, vollkommen an Einsicht und Durchsicht.
Deine ganze Vergangenheit steht vor Jesus Christus, vor seinem Auge und in
seinem Licht, und mit deiner Gegenwart ist es nicht anders. Er sieht auch das
Verborgenste aus der Vergangenheit und Gegenwart. Und auch deine Zu-
kunft sieht er jetzt schon, als ob du sie schon durchlebt hättest. Wie groß und
gewaltig erscheint doch der Herr in diesem Abschnitt denen, die ein geistiges
Auge für ihn haben. Was blieb im Blickfeld dieses Lammes den Umstehenden
noch anders übrig als:

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Sie fielen nieder vor dem Lamm. Hier auf der Erde will mancher noch
etwas Besonderes sein. Bei mir entdecke ich es auch immer wieder, daß
etwas hervortreten will, was längst verdient hätte, in den Tod gegeben zu
werden. Hier wollen auch manche, die im Werke des Herrn ihre Tätigkeit
haben, sich noch erheben in Wort und Schrift. Dort aber gibt‘s nur noch ein
Niederfallen. Es wird kein Muß dahinterstehen, es wird ein Bedürfnis sein.
Glückselig die Schar, die ihn einmal umringen wird, um ihm diese Huldigung
und Anbetung, die Krone aller Gebete, darzubringen!

Möchten wir alle — du als Leser und ich als Schreiber — dazu hier unten
schon mehr das Bedürfnis haben. Möchten die Zusammenkünfte der Kinder
Gottes sich mehr auf diesem Boden der Anbetung bewegen. Es ist der Boden,
der ihm wohlgefällig ist. Es ist die Stellung, die alle Kinder Gottes befriedigen
wird, wenn sie dieselbe nur einnehmen. Du und ich, wir wollen uns doch
ermuntern, uns auf diese Grundlage zu stellen, und wollen uns anspornen,
zur Verherrlichung seines wunderbaren Namens viel mehr denn bisher bei-
zutragen.

Wo jeder eine Harfe bekommt. In einem Liede heißt es:

Wo jeder eine Harfe nimmt und ein besonderes Loblied singt.

Dieses wird — um es einmal so zu sagen, wie ich es im Herzen habe —


zum Lobgesang werden, mit neuen Zungen. Alles zusammen wird zu einem
gewaltigen Chor werden, durch den Jesus Christus, dem Welterlöser, die
Anbetung dargebracht wird. Des dürfen wir gewiß sein. Möchte es hier schon
in deinem und meinem Herzen sich so auswirken, daß wir heute noch viel
mehr denn bisher damit beginnen und es nicht mehr unterlassen in unserem
Leben.

Sie haben dort goldene Schalen voll Räucherwerk, welches sind die
Gebete der Heiligen. Wenn schon das Winseln und Jammern, Stöhnen und
Seufzen, — denn anders kann man, von oben gesehen, unsere Gebete oft
nicht bezeichnen — von dem noch manches begraben werden und
verschwinden müßte, in goldenen Schalen aufbewahrt wird, wie wird dann
das Danken, Loben und Preisen und Anbeten gewertet werden. Und nicht
nur der einzelnen, sondern das große und gewaltige Besingen des Lammes
von den Scharen der Erlösten aus allen Völkern und Zeiten. Was werden sie
singen? Vielleicht hast du dich schon einmal damit beschäftigt. Die Worte
sind uns nicht genau genannt, doch du darfst gewiß sein, es wird so kommen,
wie es hier geschrieben steht:

Sie singen ein neues Lied. Die Jammerlieder der Kinder Gottes hören
auf. Das ist mir eine Freude. Alles, was diese Schar der Erlösten dazu bewog,

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Jammerlieder zu singen, wird dort nicht mehr sein. Er wird jede Träne
abwischen von ihren Augen. All das Weh wird vergessen sein und nie mehr in
Erinnerung kommen. Es wird auch keine Sonderanschauung der verschie-
denen Gruppen der Kinder Gottes besungen werden. Sie werden alle auf-
gelöst sein. Da wird wirklich eine Herde und ein Hirte in Erscheinung treten.
Kein Redner, welche Gabe er auch hatte, ob Evangelist, Hirte oder Lehrer,
wird dort mehr besungen werden. Heute liegt es den Kindern Gottes noch
nahe, über Menschen Loblieder zu singen. Dort aber wird nur eines ertönen:

Du bist geschlachtet worden. Du, so heißt es dort. Ja, er und er allein


wird im Vordergrund stehen. Und wie wir am Anfang das Lamm sahen wie
geschlachtet, so wird hier das geschlachtete Lamm gesehen, welches der
Welt Sünde trug. Ich bin so froh, daß auch meine Sünde dabei war. Ich bin so
glücklich, daß ich in diesem vollbrachten Erlösungswerk ruhen darf.

Ich darf es glauben und wissen,


mein Schuldbrief ist zerrissen.

Sie sind Gott erkauft durch sein Blut. Sein Blut wird gerühmt werden in
Ewigkeit. Sie haben überwunden durch sein Blut und um des Wortes ihres
Zeugnisses willen. Nur das, was das Blut Jesu Christi auf der Erde wirkt und
schafft, bleibt in Ewigkeit. Alles andere wird einmal verschwinden. Diese Erde
wird aufhören zu sein. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde
schaffen, wo Gerechtigkeit wohnen wird. Hier ist Ungerechtigkeit am Ruder.
— Sein Blut ist das Mittel, das Kinder Gottes immer wieder in Anspruch nehmen
können. Sie können zurechtgebracht werden nach den schlimmsten
Entgleisungen und zurückgebracht werden von den verstecktesten Abwegen
und aus dem dornigsten Gestrüpp dieser Welt. Dieses Blut wird gerühmt
werden. Sie sind nicht mit Gold und nicht mit Silber erkauft, sondern mit seinem
teuren Blut.

Dies Blut sei all mein Leben lang die Quelle meiner Lust
das bleibt mein ewiger Lobgesang an meines Heilands Brust!
Es quillt für mich, dies teure Blut, das glaub und fasse ich!
Es macht auch meinen Schaden gut!
denn Christus starb für mich!

Das große Wunder wird sein:

Sie werden dort gefunden werden aus jedem Stamm und Sprache und
Nation. Nicht die Schwarzen haben den Nachteil und nicht die Weißen den
Vorzug. Nicht die gelbe Rasse schreitet voran, sondern sie alle sind gleich,
aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk. Daran wollen wir uns
als Kinder Gottes in dieser Endzeit der Völker erinnern und uns als Jünger

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und Jüngerinnen Jesu über alle Grenzen hinweg herzlich lieben. Wir wollen
in der Vorfreude leben, einmal alle zusammen beim Herrn zu sein.

Er hat sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie
werden über die Erde herrschen. Die hier auf der Erde so verachtete Schar,
die werden über die Erde herrschen? — das glaubst du doch selbst nicht, so
könnte jemand sagen. Und dennoch ist es wahr, was hier geschrieben steht,
einmal werden sie die Welt regieren: Wisset ihr nicht, daß wir Engel richten
werden? (1. Kor. 6, 3).— Aber nur in ihm und mit ihm, als Miterben Christi, als
Teilhaber seiner Herrlichkeit, als Genossen der himmlischen Berufung.

Wir wollen mehr in dieser Vorfreude leben, zu unserer Bewahrung und


Stärkung. Jetzt ist der Herr noch bei mir, in meiner Umgebung. Dann werde
ich bei ihm sein, in seiner Umgebung.

Bis dahin werde ich immer wieder neu erleben: Wer betet, siegt!

*
Was wird dir nun diese Broschüre gesagt haben? Mein Gebet ist, daß sie
dich veranlassen möchte, dich dem Herrn restlos zu übergeben, ihm treuer
und völliger zu dienen, damit du dich einmal nicht vor dem Herrn zu schämen
brauchst, sondern ihn aus den Himmeln erwartest. Die Broschüre will dazu
beitragen, daß viele Seelen sich für den Heiland entscheiden —, daß alle
Kinder Gottes, die sie lesen, wahre Beter werden, ja, daß alle helfen, Seelen
für das Lamm zu werben, damit die Vollzahl aus den Nationen bald eingeht
und ei wiederkommen kann.

So lege ich dieses, was ich schrieb, betend in seine Hände.

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Anmerkung der EDV-Brüder:

„Wo ist das Missionswerk Werner Heukelbach im Internet


(www) zu finden?“ wurde ich per EMail, über meine HP gefragt. Ich
wußte es nicht.
Die Schriften werden aber verlangt. So haben manche die Schriften
von den Originalbroschüren und Traktaten eingescannt und sie ins
Weltnetz - Ihnen zur Verfügung - gestellt. Dieses wurde sehr sorgfäl-
tig getan. Trotzdem können sich Fehler eingestellt haben.
Diese bitten wir schon im Vorwege zu entschuldigen.

Beachten Sie bitte, dass Anschriften etc. nicht mehr aktuell sein kön-
nen.

Wir wünschen Ihnen den reichen Segen Gottes!

Im März 2004
Kde

Sofern Sie über Internet verfügen, würden wir uns freuen, wenn Sie
mithelfen die Schriften bekannter zu machen. Setzen Sie bitte einen
Link auf die folgende Seite:
http://www.bibel-wissen.de/heukelbach
Danke!

Sie erreichen das Missionswerk unter:

Missionswerk Werner Heukelbach


Radiomission - Literatur - Telefonmission - Seelsorge
D-51700 Bergneustadt

Anschrift für die Schweiz:


Postfach 650, CH-4800 Zofingen

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