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Internationale Beziehungen (I)

Vorlesung:

Einführung in die Politikwissenschaft

Sitzung vom 21.06.2010:

Internationale Beziehungen (I):

Schlüsselkonzepte und theoretische Zugänge

© Florian Grotz 2010

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Internationale Beziehungen (I)

     

IV. Schlüsselthemen

 

I. Einführung

II. Entwicklung der Teildisziplin

III. IB-Theorien im Vergleich

der IB-Forschung

V. Zusammenfassung

Aufbau der Sitzung

 

I. Einführung: Gegenstandsbereich und Grundbegriffe der Internationalen Beziehungen (IB)

II. Zur Entwicklung der Teildisziplin: die Entstehung unterschiedlicher Theorieschulen

III. IB-Theorien im Vergleich

 

IV. Schlüsselthemen der IB-Forschung: eine Auswahl

V. Zusammenfassung

 

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Internationale Beziehungen (I)

I.

Einführung

II.

Entwicklung der

III.

IB-Theorien im

IV.

Schlüsselthemen

V.

Zusammenfassung

Teildisziplin

Vergleich

der IB-Forschung

 

I.

Einführung: Gegenstandsbereich und Grundbegriffe der Internationalen Beziehungen (IB)

1. Gegenstandsbereich der IB

 

Territorialität als konstitutives Merkmal politischer Herrschaft seit der Moderne: enge Verknüpfung zwischen Staat, Gesellschaft und Raum („Gebietshoheit“).

• Traditionell zwei „Rechtswelten“: innerstaatliches Recht (öffentlich/privat) vs. Völkerrecht, in dem souveräne Staaten (nicht: Individuen oder gesellschaftliche Gruppierungen) die wichtigsten Subjekte bilden.

• Der Aktionsbereich internationaler Politik liegt zwischen Nationalstaaten („inter nationes“). Grundannahme: Int. Politik funktioniert grundsätzlich anders als innerstaatliche Politik.

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I.

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II.

Entwicklung der

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IB-Theorien im

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V.

Zusammenfassung

Teildisziplin

Vergleich

der IB-Forschung

2. Schlüsselbegriffe

 

Internationale Politik: Interaktionen zwischen mindestens zwei (unterschiedlichen) Staaten.

Transnationale Politik/Beziehungen: grenzüberschreitende Aktivitäten nichtstaatlicher Individuen bzw. Gruppierungen.

Supranationale Politik: Entscheidungen einer „über-staatlichen“ Ebene sind für alle Mitgliedstaaten verbindlich (z.B.: EU).

Außenpolitik: Tun und Lassen eines Staates bzw. seiner Institutionen gegenüber einem (bilateral) oder mehreren (multilateral) anderen Staaten.

Internationale Beziehungen (IB): Gesamtheit aller politisch relevanten grenzüberschreitenden Interaktionen.

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IB-Theorien im

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Teildisziplin

Vergleich

der IB-Forschung

3. Strukturen und Akteure der IB

 

Internationale Organisation: von mind. zwei Staaten gegründet und treten gegenüber ihrer Umwelt als Akteur auf. Sie basieren auf bestimmten Normen und verfügen über Organe, Ressourcen und Personal (z.B. UN).

Internationales Regime: institutionalisierte Kooperationsformen (nicht: Institution) zwischen Staaten und anderen int. Akteuren, die das Verhalten in einem bestimmten Problemfeld dauerhaft steuern (z.B. Regime zur Nichtverbreitung von Atomwaffen).

NGOs (Non-Governmental Organizations/Nicht-Regierungsorga- nisationen): zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich gegenüber Staat wie Markt als autonom verstehen, nicht profitorientiert arbeiten und ihre politischen Interessen durchzu- setzen suchen (z.B. Greenpeace).

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der IB-Forschung

II. Zur Entwicklung der Teildisziplin: die Entstehung unterschiedlicher Theorieschulen

1. Internationale Entwicklung im 20. Jahrhundert (a)Nach dem I. Weltkrieg: Gründung des Völkerbundes (1920) mit dem Ziel dauerhafter Friedenssicherung. (b)Nach 1945: Phase des Ost-West-Konflikts („Kalter Krieg“); stark machtorientierte, auf (atomarer) Aufrüstung basierende Außenpolitik der beiden „Blöcke“.

• Zunehmende Etablierung weltweit agierender IOs (z.B. UN; IWF, Weltbank, GATT/WTO).

Regionale Integrationsprozesse (z.B. EG, NAFTA, ASEAN).

Nach Entkolonialisierung Entstehung des Nord-Süd-Konflikts. (c) Nach 1989: Ende des Ost-West-Konflikts – Neue Weltordnung?

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der IB-Forschung

2. Entstehung und „Konjunkturen“ von IB-Theorien

 

Nach 1918: Dominanz der idealistischen Schule; Zielvorstel- lungen: Abkehr von staatlicher Machtpolitik; Etablierung einer Weltgesellschaft; universalistische Verfassung.

Nach 1945: Dominanz der realistischen Schule; Analyse staatlicher Machtinteressen im „anarchischen“ Weltsystem.

• Angesichts der supranationalen Entwicklung im Rahmen der EG:

Theorien europäischer Integration.

 

• Mit Intensivierung des Nord-Süd-Konflikts: Genese unterschied- licher Entwicklungstheorien.

• Größere Pluralität/Unübersichtlichkeit seit Ende der 80er Jahre.

Starke Kontextabhängigkeit und praxisbezogener Anspruch von IB-Theorien.

Starke Kontextabhängigkeit und praxisbezogener Anspruch von IB-Theorien.

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der IB-Forschung

 

III.IB-Theorien im Vergleich

 

1.

Kriterien zum Vergleich von IB-Theorien

 

Funktionale Unterscheidungskriterien (nach Haftendorn ):

• Selektionsfunktion: Auswahl von Problemen bzw. der Empirie.

• Ordnungsfunktion: Klassifikation und Strukturierung.

 

• Erklärungsfunktion: Ursachen der Phänomene.

 

• Operative Funktion: Praxisbezug der Analyseergebnisse.

Analytische Unterscheidungskriterien:

 

• (Meta-)theoretische Voraussetzungen: Menschenbild (idealistisch vs. realistisch), Konzept von IB (Billard-Ball vs. Spinnweb-Modell)

• Methodische Orientierung: traditionell/qualitativ-hermeneutisch

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vs. szientistisch/quantitativ-nomologisch.

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III. IB-Theorien im

Vergleich

IV. Schlüsselthemen

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V. Zusammenfassung

2. Klassische IB-Theorien im Vergleich (nach Mayers ) Billard-Ball-Modell internationaler Politik (Anarchie) Realismus
2.
Klassische IB-Theorien im Vergleich (nach Mayers )
Billard-Ball-Modell internationaler Politik (Anarchie)
Realismus
Neorealismus
Qualitativ-hermeneutisch
Quantitativ-nomologisch
Idealismus
Neoliberalismus,
Regime-Ansätze
Spinnweb-Modell internationaler Politik (Interdependenz)

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3. Neuere Entwicklungen in der IB-Theorie

 

• Zunehmende Annäherung der „großen“ Theorieschulen, des Neorealismus und des Neoliberalismus (Kooperationsinteres- se staatlicher und nicht-staatlicher Akteure führt zu internationaler Institutionenbildung).

• Im erkenntnistheoretischen Gegensatz zu beiden Theorieschulen steht der sog. Konstruktivismus, der die internationale Politik nicht als (objektiv) gegeben ansieht, sondern als (soziales) Konstrukt der beteiligten Akteure begreift.

• Stärkere theoretische Verknüpfung von nationalstaatlicher Innenpolitik und internationaler Politik (Mehrebenenanalysen; „two-level-games“ [R. Putnam]).

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IV. Schlüsselthemen der IB-Forschung: eine Auswahl

1. Themenfeld „Sicherheit“: Krieg und Frieden

 

• Lange Tradition der Kriegsursachenforschung (u.a. Thukydides, Machiavelli, Kant).

Theoretische Erklärungen: Gleichgewicht vs. Ungleichgewicht der int. Machtverteilung; Verteilung von (militärischen) Machtressourcen; Demokratien vs. Diktaturen; (Fehl-)Verhalten von Schlüsselakteuren (Regierungen, Militärs).

„Neue Kriege“? Seit Ende der 1980er Jahre veränderte Erscheinungsformen kriegerischer Auseinandersetzungen (Beteiligung nicht-staatlicher Akteure; ethnisch-kulturelle Legitimationsquellen; asymmetrische Kriegsführung; neue Finanzierungsformen).

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2. Themenfeld „Herrschaft“: Globalisierung und Regieren jenseits des Nationalstaats

• Ökonomische, kulturelle und (sicherheits-)politische „Entgrenzung“ der Staatenwelt infolge vielfältiger Ursachen (Entwicklung der Weltwirtschaft; IuK-Technologien; Neue Weltordnung nach 1989).

Binnenstaatliche Konsequenzen: Wandel traditioneller Souveränitätsvorstellungen (z.B. humanitäre Interventionen; Schutz von Menschenrechten); Veränderung staatlicher Steuerungsfähigkeit.

Konsequenzen auf internationaler Ebene: Etablierung und Weiterentwicklung von Regionalorganisationen (EU; NAFTA, Mercosur; ASEAN); Stärkung internationaler Regime.

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I.

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II.

Entwicklung der

III.

IB-Theorien im

IV.

Schlüsselthemen

V.

Zusammenfassung

Teildisziplin

Vergleich

der IB-Forschung

3. Themenfeld „Wohlfahrt“: das Beispiel Entwicklungspolitik

• Wachsende Wohlstandskluft zwischen Industriestaaten und vielen Entwicklungsländern.

Zunehmende Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit in der Dritten Welt haben globale Auswirkungen („Eine-Welt- Perspektive“).

„Entwicklung“ als multi-dimensionales Ziel, das nur mit einer Vielzahl unterschiedlicher Strategien und Instrumente erreichbar erscheint.

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V.

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V.

Zusammenfassung

 

Gegenstand der Internationalen Beziehungen sind (nationale) Grenzen überschreitende Aktivitäten staatlicher und nicht- staatlicher Akteure.

• Wichtigste Theorieschulen: (Neo-)Realismus (anarchische Staatenwelt) vs. Idealismus/Neoliberalismus (Spinnweb-Modell); Konstruktivismus als eigene metatheoretische Perspektive.

• Starke Abhängigkeit der IB-Theorien von historischen Kontexten und politisch-praktischen Verwendungs- zusammenhängen.

• Schlüsselfragen politikwissenschaftlicher IB-Analyse in den Themenfeldern Sicherheit, Herrschaft und Wohlfahrt.

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