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TU Dresden

SS

Institut für Slavistik

2012

Vorlesung (Holger Kuße):

Interkulturelle Kommunikation

Bekannte Modelle und Studien (Theorie der Kulturdimensio- nen): Hall, Hofstede, Trompenaars, Globe Studie

Zur Darstellung kultureller Unterschiede in Werthaltungen, dem Verständnis sozialer Rollen, Arbeitsabläufen und Kommunikationsformen sind nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Studien in globalen Wirtschaftsunternehmen (Befragungen im Management und bei Mitarbeitern) durchgeführt und als „Kulturdimensionen“ verallgemeinert worden.

www.transkulturelles-portal.com/

www.buchegger-partner.com

http://business.nmsu.edu/programs-centers/globe/

http://geert-hofstede.com/

1. Edward T. Hall (1914-2009)

1.1. Raumverständnis (Proxemics)

Verhältnis von körperlicher Nähe und Distanz in verschiedenen Kulturen.

1.2. High context – low context

Grad der Explizitheit und Direktheit in der Kommunikation (low context:

hoher Grad, high context: niedriger Grad)

Weiterer

culture: Vertragskultur

Effekt:

high

context

culture:

Vertauenskultur;

low

context

Low context culture:

ca. 4 % der Weltbevölkerung: USA, D, CH, Skandinavien (Angabe nach www.transkulturelles-portal.com/)

High context culture:

(ca. 96 % der Weltbevölkerung: Asien, Afrika, Südamerika, Südeuropa (Angabe nach www.transkulturelles-portal.com/)

1.3.

Monochrones oder polychrones Zeitverständnis

Betrifft sowohl die Arbeitsorganisation als auch das Verhältnis von beruflichen und privaten Interaktionen. Monochron: Aufstellen und Einhalten von Arbeitsplänen. Geplante Abfolge von Arbeitsschritten. Trennung von Beruflichem und Privatem. Polychron: Mehrere Arbeitsschritte können gleichzeitig verlaufen. Berufliches und Privates weniger scharf getrennt.

1.4. Informationsgeschwindigkeit

Kulturell differente Bevorzugung knapper oder ausführlicher Informationen (größerer oder kleinerer Redeaufwand).

Hall, Edward 1959. he Silent Language, Garden City, New York. Hall, Edward 1966. The Hidden Dimension, Garden City, New York. Hall, Edward 1976. Beyond Culture, Garden City, New York. Hall, Edward/Hall, Mildred 1990. Understanding Cultural Differences. Yarmouth, Maine.

2. Geert Hofstede (*1928)

Bekannte Metapher: Kultur als “Software of the mind”. „Kultur“ gilt als „kollektive Programmierung des Geistes“.

2.1. Machtstruktur (Machtdistanz: Power Distance)

Starke und explizite Machtdistanz zwischen Leitung und Mitarbeitern oder eher ‚flache Hierarchien’.

Geringe Machtdistanz

Große Machtdistanz

Ungleichheit unter den Menschen sollte so gering wie möglich sein

Ungleichheit unter den Menschen wird erwartet und ist erwünscht

Eltern behandeln Kinder wie ihresgleichen

Eltern erziehen ihre Kinder zu Gehorsam

Lehrer erwarten von Schülern Initiative

Jede Initiative geht vom Lehrer aus

Tendenz zu Dezentralisation

Tendenz zu Zentralisation

Mitarbeiter werden in Entscheidungen mit einbezogen

Mitarbeiter erhalten Anweisungen

Der ideale Vorgesetzte ist der einfallsreichste Demokrat

Der ideale Vorgesetzte ist der wohlwollende Autokrat oder gütige Vater

Privilegien und Statussymbole stoßen auf Missbilligung

Privilegien und Statussymbole für Manager werden erwartet und sind populär

Tabelle in: www.transkulturelles-portal.com/

sind populär Tabelle in: www.transkulturelles-portal.com/ Hans Jürgen Heringer 2004: Interkulturelle Kommunikation.

Hans Jürgen Heringer 2004: Interkulturelle Kommunikation. Tübingen/Basel, S. 149.

2.2.

Unsicherheitstoleranz vs. Unsicherheitsvermeidung

Kulturen unterscheiden sich danach, wie genau z.B. Zeitangaben bei einer Verabredung sein müssen („Nachmittags“ vs. „16.30“).

2.3. Individualismus oder Kollektivismus

Ich- oder Wir-Orientierung. Durchsetzung eigener Interessen und Ziele oder Unterordnung unter die Interessen und das Wohl einer Gemein- schaft. Selbstbestimmtes oder angeleitetes Handeln.

Gemein- schaft. Selbstbestimmtes oder angeleitetes Handeln. Hans Jürgen Heringer 2004: Interkulturelle Kommunikation.

Hans Jürgen Heringer 2004: Interkulturelle Kommunikation. Tübingen/Basel, S. 150.

2.4.

Maskulinität oder Feminität

Stärker stärker Leistungsbezogen oder mehr gruppen bezogen. Monologisch oder dialogisch usw.

Maskulin:

Slowakei, Japan, Österreich, Venezuela, Deutschschweiz, Italien, China, Deutschland, alle englischsprachigen Länder

Feminin:

Skandinavien, Niederlande, Thailand, lateinamerikanische und osteuropäische Länder, ostafrikanische Länder

2.5. Langzeit- oder Kurzzeitorientierung

Wird Handeln lang oder kurzfristig geplant. Wie spontan können Entscheidungen getroffen werden.

Hofstede, Geert 1991. Cultures and Organizations: Software of the Mind. New York. Hofstede, Geert 1993. Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen, Organisationen, Management. Wiesbaden. Hofstede, Geert 2001 2 . Culture’s Consequences – Comparing Values, Behaviors, Institutions and Organizations Across Nations. Thousand Oaks/London/New Delhi. Hofstede, Geert/Hofstede, Gert Jan 2011 5 . Lokales Denken, globales Handeln. Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management. München.

Auf der Webseite von Geert Hofstede (www.geert-hofstede.com) können automatische Ländervergleiche nach Kulturdimensionen durchgeführt werden. Diskutieren Sie kritisch den Realitätsgehalt des folgenden Deutsch-Russisch- Tschechischen Vergleichs (Zugriff: 24.04. 2012)

PDI: Power distance IDV: Individualism MAS: Masculinity / Femininity UAI: Uncertainty avoidance LTO: Long term orientation

3. Fons (Alfons) Trompenaars (* 1952) 3.1. Universalismus versus Partikularismus = Regel- oder Pers onenorientierung.

3. Fons (Alfons) Trompenaars (* 1952)

3.1. Universalismus versus Partikularismus

= Regel- oder Personenorientierung.

3.2. Individualismus versus Kollektivismus

3.3. Neutralität versus Emotionalität

Nach der Kontrolle von Emotionen werden eher neutrale und eher affektive Kulturen unterschieden.

3.4. Spezifität versus Diffusität

Klare Trennung von Beruflich und Privat vs. Diffusion beider Bereiche. „Analytische“ oder „holistische“ Weltansicht.

3.5. Leistung versus Status

Was zählt ist die persönliche Leistung vs. der gesellschaftliche Status.

3.6.

Einstellung zur Zeit

Vergangenheits- Gegenwarts- oder Zukunftsorientierung (Welche Rolle spielt Tradition vs. Innovation?) Monochrones oder polychrones Zeitverständnis.

Trompenaars/Hampden-Turner, Riding the Waves of Culture, 2008

Trompenaars/Hampden-Turner, Riding the Waves of Culture, 2008

3.7. Einstellung zur Umwelt

Eher

„homo

faber“

oder

Mensch

als

Teil

der

Natur.

Handlungsbestimmtes

oder

schicksalsbestimmtes

Kultur-

und

Lebensverständnis.

Trompenaars, Alfons/Hampden-Turner 1998 2 . Riding the waves of culture. Understanding cultural diversity in global business. Columbus: McGraw Hill. Trompenaars, Fons 1993. Handbuch globales managen. Wie man kulturelle Unterschiede im Geschäftsleben versteht. Berlin: ECON.

4. Globe-Studie

4.1. Cluster-Regionen

4. Globe-Studie 4.1. Cluster-Regionen 4.2. Kulturdimensionen 4.2.1. Unsicherheitsvermeidung 4.2.2. Machtdistanz 4.2.3.

4.2. Kulturdimensionen

4.2.1. Unsicherheitsvermeidung

4.2.2. Machtdistanz

4.2.3. Institutioneller Kollektivismus

4.2.4. Gruppen-/Familienbasierter Kollektivismus

4.2.5. Geschlechtergleichheit

4.2.6. Bestimmtheit

Grad des Selbstbewusstseins des Individuums gegenüber der Gemeinschaft

4.2.7. Zukunftsorientierung

4.2.8. Leistungsorientierung

4.2.9. Humanorientierung Grad der Empathie, des Mitfühlens usw.

Humanorientierung Grad der Empathie, des Mitfühlens usw. www.transkulturelles-portal.com House, R.J./Chhokar,

www.transkulturelles-portal.com

House, R.J./Chhokar, J.S./Brodbeck, F.C. (eds.) 2007. Culture and Leadership Across the World: The GLOBE Book of In-Depth Studies of 25 Societies. Mahwah, N.J.: Lawrence Erlbaum Associates House, R.J./Hanges, P.J./Javidan, M./Dorfman, P.W./Gupta V. (eds.) 2004. Culture, Leadership, and Organizations: The GLOBE Study of 62 Societies. Thousand Oaks, CA: Sage.

5. Darstellung von Kulturdimensionen bei Földes (2007)

5. Darstellung von Kulturdimensionen bei Földes (2007) Földes, Csaba 2007a. Interkulture lle Kommunikation: Positionen

Földes, Csaba 2007a. Interkulturelle Kommunikation: Positionen zu Forschungsfragen, Methoden und Perspektiven. Veszprém/Wien, S. 18.

6. Beispiele zur Diskussion

6.1. Diskutieren Sie folgende Beispiele aus:

St. Höhne, Von asymmetrischer zu kooperativer Kommunikation, in:

Höhne/Nekula 1997, S. 99-126.

Als problematisch wird [in der Zusammenarbeit bei Škoda] auf deutscher Seite der fehlende argumentative Führungsstil markiert, ferner die tendenziell Beobachtung gemacht, daß Informationen nicht unbedingt weitergegeben

werden; daß Informationen unvollständig oder unpräzise sind und schließlich, daß Kontroversen bzw. Divergenzen nicht offen artikuliert werden: Man erfährt nie, was sie denken. Umgekehrt empfinden tschechische Mitarbeiter den Stil direkter und offener Kritikartikulation als zu unhöflich, hart und ungerecht. Bevorzugt wird hier die informell Absprache im Vorfeld des Entscheidungsprozesses gegenüber den als stark formalisier empfundenen Prozeduren auf deutscher Seite bzw. der als aggressiv wahrgenommenen offenen Diskussion.

(23)

B: ja und wie war das dann hier also ich hab den Eindruck daß die Tschechen ehe noch empfindlicher sind als das

C:

die

sind empfindlicher mit Kritik das weiß ich was ich sagen muß man muß sehr voi sichtig anwenden die Kritik denn die sind sofort beleidigt sofort beleidigt und

<äh das haben wir vielleicht <äh> wegen der Druck das wir hatten und <äh> die/den Ziel im Auge [B: brasilianischer Manager, C: spanische Managerin]

(24) S: die Tschechen sind ja ein bißchen zurückgezogen was Mentalität/ *<äh> und <äh> * ich glaube * Kritik ist/ <äh> * kommt nicht häufig vor

und das bedeute auch man muß ein bißchen vorsichtig sein wenn man

gibt es natürlich ein ein einen

Kulturunterschied zwischen deutsche Mentalität und tschechische Mentalität das/ ist das ganz deutlich in Deutschland und unter Deutschen

] [

Kritik <äh> ausspricht [

]da

sagt man ja ganz offen was man denkt und

B: ja

S: und manchmal mehr als was man denkt und <äh> hat dann so eine

offene/offene Debatten und dann ist es Ende klar' [ ]

A

Sie ich bin in Brasilien groß geworden da is man anders (sozialisiert) und ich

hab es sehr schwer gehabt am Anfang auch in Deutschland diese direkte Art wie

die Leute das manchmal von sich raus geben [

man begreift daß man sagt Mensch er will einem ja nur was sagen nicht' aber

bis ich endlich mal begriff/bis

* ich kann das wirklich nur bestätigen laut meiner Abstammung wissen

[

]

]

das is manchmal in soner harten' direkten' Art gesagt [

]

daß es schockierend ist

da muß man sich dran gewöhnen vielleicht ist, das auch ein Problem hier mit den Tschechen S: das glaub ich A. wenn das stimmt ich weiß es nicht sehe es so ne'

S:

Schwede dann an in <äh> in Deutschland, B: ja S: weil bei uns/ unsere Mentalität ist auch ein bißchen anders A: ja das haben Sie bestätigt das ist auch was ich

B.

S: und in in das Weg miteinander umzugehen ist halt ist sehr direkt sehr offen,'

also ich sag das nicht im negativen Sinn sondern (

das glaub ich ich hab das erlebt als

ja

) <äh> in Deutschland [

]

hier * <äh> * ich glaube Schweden und Tschechen sind vielleicht mehr ähnlich ja' wir gehen ein bißchen mehr vorsichtig an und sind ein bißchen mehr flexibel gehn so nbißchen gerade an

[A brasilianischer Manager, S: schwedischer Manager, B: Interviewer]

6.2.

angesprochen?

Welche

Kulturdimensionen

werden

in

folgendem

Interview

6.2. angesprochen? Welche Kulturdi mensionen werden in folgendem Interview 13

Kulturstandards (Alexander Thomas, *1939)

Zentrale Merkmale des kulturspezifischen Orientierungssystems lassen sich als sogenannte “Kulturstandards” definieren. Unter „Kulturstandards“ werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird auf Grundlage dieser Kulturstandards beurteilt und reguliert.

Als zentrale. Kulturstandards sind solche zu bezeichnen, die in sehr unterschiedlichen Situationen wirksam werden und weite bereiche der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns regulieren, und die insbesondere für die Steuerung der Wahrnehmungs-, Beurteilungs- und Handlungsprozesse zwischen Personen bedeutsam sind, so z.B. die Harmonieorientierung in asiatischen Kulturen.

Daneben lassen sich bereichsspezifische Kulturstandards definieren, die nur in einem sehr speziellen Handlungsfeld (Domäne) wirksam werden, z.B. in Begrüßungssituationen, und kontextuelle Kulturstandards, die von den Mitgliedern der jeweiligen Kultur unter bestimmten situativen Bedingungen spezifisches Verhalten fordern, z.B. Senioritätsprinzip.

Die individuelle und gruppenspezifische Ausprägung von Kulturstandards kann innerhalb eines gewissen Toleranzbereichs variieren, doch werden Verhaltensweisen und Einstellungen, die außerhalb der Toleranzgrenzen liegen, ,ab lehnt und sanktioniert Zentrale Kulturstandards einer Kultur können in einer anderen Kultur völlig fehlen oder nur von peripherer Bedeutung sein. Verschiedene Kulturen können ähnliche Kulturstandards aufweisen, die aber von unterschiedlicher Bedeutung sind und unterschiedlich weite Toleranzbereiche gewähren Kulturstandards und ihre handlungsregulierende Funktion sind nach erfolgreicher Sozialisation individuellen Handlungsvollzug innerhalb der eigenen Kultur nicht mehr bewusstseinspflichtig. Erst im Kontakt mit fremdkulturell sozialisierten Partnern können die Kulturstandards und ihre Wirkungen in Form kritischer Interaktionserfahrungen bemerkt werden. Die Analyse kritisch verlaufender, konflikthafter, interpersonaler Interaktionssituationen im interkulturellen Kontakt ermöglichen die Identifikation handlungswirksamer Kulturstandards beider Interaktions- partner.

Lakunenmodell

Lakunen nach Astrid Ertelt-Vieth:

Die Lexeme (dt.:) „Lakune", (russ.:) "lakuna", (ital.:) "laguna" kommen aus dem Lateinischen und heißen Einbuchtung oder Lücke. In der Literaturwissenschaft wurden damit Verstehenslücken bezeichnet, in der Übersetzungswissenschaft

schwer oder nicht übersetzbare lexikalische Einheiten. Seit den 70er Jahren gibt es in Russland und den anderen Ländern (heute Nachfolgestaaten) der UdSSR die Forschungsrichtung Ethnopsycholinguistik, in der man mit dem Terminus (russ.) "lakuna" ein Instrument zur Analyse von Missverständnissen in interkultureller Kommunikation ausgearbeitet hat. Ich bezeichne es als Kategorienvorrat zur Differenzierung vieler verschiedener Aspekte und Ebenen,

die in jedem einzelnen, immer individuellen, "critical incident" (kritische interkulturelle Kommunikationssituation) zusammenwirken,

die früher nach Disziplinen getrennt untersucht wurden (Wortbildung, Konnotation, Deutungsmuster, ethnografische Besonderheiten usw.),

die historisch bedingt sind und sich permanent weiter verändern,

die an bestimmte kulturelle Perspektiven gebunden sind, aus denen sie jeweils wahrgenommen werden. Für Analysezwecke, d. h. künstlich, können wir Lakunen in drei große Gruppen einteilen: mentale Lakunen, Tätigkeitslakunen, gegenstandsbezogene Lakunen. Nicht nur Ethnologen erkennen, dass hier ein weit verbreiteter dreiteiliger Kulturbegriff zugrunde liegt. Mentale Lakunen bezeichnen Unterschiede in allen kognitiven und affektiven Zuständen und Modellen. Tätigkeitslakunen bezeichnen Unterschiede im Denken, Sprechen, Bewegen und anderen Tätigkeiten und Prozessen. Dazu gehören z. B. die gegenstands- bezogene Lakunen bezeichnen Unterschiede in der Gestaltung der gegenständlichen Welt: Verpackungen (aus Papier oder Plastik, glänzend oder matt?) Axiologische Lakunen bilden eine zweite Dimension des Lakunenmodells. Sie bezeichnen kulturspezifische Deutungen von Lakunen oder auch (sic!) von Gemeinsamkeiten.

Auszug aus Astrid Ertelt-Vieth: "Lakunen und Symbole in interkultureller Kommunikation: Außensicht und Innensicht, Theorie und Empirie, Wissenschaft und Praxis - alles unter einem Hut?" In: Jürgen Bolten (Hg.): Interkulturelles Handeln in der Wirtschaft. Sternenfels 2004, S. 83-86. [http://www2.hu-

berlin.de/forschungskolloquium/texte/ev04.pdf]

Lakunemodell nach Markovina (bei Astrid Ertelt-Vieth 1990, 115)

Lakunemodell nach Markovina (bei Astrid Ertelt-Vieth 1990, 115)

Lakunenmodell von Ertelt-Vieth/Denisova-Schmidt 2011, 164 Einige Beispiele aus der Lakune nanalyse im deutsch-russischen

Lakunenmodell von Ertelt-Vieth/Denisova-Schmidt 2011, 164

Einige Beispiele aus der Lakunenanalyse im deutsch-russischen Schüleraustausch nach Ertelt/Vieth 1990, 2005

Gegenstandslakune Unterschiedliche Wohnsituation in Russland (Metropolen) und Deutschland Nicht zu unterschätzen (nicht bei Ertel-Vieth): unterschiedliche Licht- wahrnehmung, bedingt durch unterschiedliche Tageszyklen, aber auch durch Unterschiede in der Architektur: Fenstergrößen, fensterlose Flure, Parkanlagen vor den Häusern usw. Tätigkeitslakune Einen Unbekannten darauf aufmerksam machen, dass mit seiner Kleidung etwas nicht Ordnung ist (Lakune für den deutschen Gast) Verhaltenslakune Das Tragen besonders gepflegter oder besonders bequemer Kleidung ist unterschiedlich konventionalisiert: „Auf Reisen nehmen Russen ihre beste

Kleidung mit (…) Deutsche dagegen (zunehmend auch Russen) vor allem bequeme Kleidung“ (Ertelt-Vieth 2005, 264). Im Haus ist dagegen sehr bequeme Kleidung in Russland üblicher als in Deutschland (‚Jogginganzug-Klischee’) Kinetik-Lakune geringerer Körperabstand in Russland als in Deutschland. Umarmung bei Begrüßung Kulturemotive Lakune stärker gezeigte emotive Bindung der Gasteltern an die Gastkinder in Russland. Unterschiedliche Intensität, positive Gefühle zu zeigen (Zeigen starker Euphorie aus deutscher Sicht oft peinlich) Lakune der Etikette Anbieten von Essen (wurde von deutschen Gastkindern teilweise als Aufdrängen empfunden) Nicht Anbieten von Essen (wurde von russischen Gastkindern teilweise als Vernachlässigung empfunden) Redelakunen svoj čelovek (‚unser Mensch’, ‚der gehört zu uns’) (in seinem Bedeutungsumfang für den deutschen Gast eine Lakune) Kinder reden Eltern mit Vornamen an (für russische Gastkinder irritierend) Fragen nach Sitten und Gebräuchen (unverfängliche Gesprächseröffnung von russischer Seite; für deutsche Gastkinder oft ‚stressig’) Kritisieren des Gastes (öffentlich aus russischer Sicht nicht möglich) Sprachlakunen duchovnyj (‚geistig’) (in seiner Anwendungsbreite für deutsche Gastkinder oft nicht verständlich) chotet’ (‚wollen’, ‚mögen’) (oftmals nicht in seiner Differenzierung auch nicht in der Unterscheidung von Aktiv- und Passivkonstruktionen verstanden und deshalb ‚unverschämt’ empfunden) prostoj (‚einfach’) (im Gespräch von deutscher Seite nicht als Lob verstanden) ljubit’ (‚lieben’, ‚mögen’) (Anwendung im Russischen und Deutschen teilweise anders – allerdings inzwischen nicht mehr so different wie vor 20 Jahren)

Interkulturelle Linguistik

„Linguistik ist dann interkulturelle Linguistik, wenn sie bei Bestimmung und Beschreibung ihres Gegenstandes Sprache a) auf die Kulturgebundenheit von Sprachen, b) auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Sprach- kulturen achtet.“ (Hermanns; zit. n. Földes 2003, 41)