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Wachstumsfaktoren und die Brust

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 12.07.2007

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Die Brust der Frau ist eine Milchdrüse, die sich aus Hohlraumsystemen zusammensetzt. Dieses Hohlraumsystem beginnt mit blind endenden
Säckchen, den Alveolen. Sie sind der Ort der Milchbildung und -speicherung. Von den Alveolen gehen ableitende Milchgänge (Ductus lactiferi)
aus. Diese ergießen sich in eine Erweiterung, die Zisterne (Sinus lactifer), die durch einen Kanal nach außen führt.

Die Alveolen besitzen eine einschichtige Auskleidung, das Epithel. Bei der Milchbildung werden die Zellkuppen abgeschnürt und in das Lumen
abgegeben. Die Milch entsteht also aus abgeschnürten Zellteilen, man nennt das apokrine Sekretion, also die Absonderung der Zellspitzen.
Zwischen den Epithelzellen und ihrer Baslmembran liegen Korbzellen, die sich Zusammenziehen können wie Muskeln. Das Zusammenziehen wird
durch das Hormon Oxytocin vermittelt, dass durch den Saugreiz, also das Saugen des Babys an der Brust oder auch durch sein Weinen
ausgeschüttet wird.

Kleine Milchgänge haben ebenfalls ein einschichtiges Epithel, das auch noch Milch bildet. Die größeren Milchgänge besitzen ein ein- bis
zweischichtiges Epithel. In ihrer Wand besitzen sie glatte Muskulatur, die dem Milchtransport dient. Das Epithel der Zisterne ist zweischichtig und
kubisch, in der Wand liegen wiederum glatte Muskelfasern. Der letzte sogenannte Stichkanal, durch den die Milch nach außen kommt, besitzt eine
Schleimhaut, die stark verhornt ist. Die glatte Muskulatur bildet einen Schließmuskel (M. sphincter papillae), welcher zusammen mit
Blutgefäßgeflechten und Schleimhautfalten den Verschluss der Brustdrüse darstellt und verhindert, dass die Milch einfach nach aussen läuft.

Die Brust bildet sich erst in der Pubertät richtig aus und zwar erst dann, wenn eine Frau ein Mindestgewicht erreicht hat. Je grösser und besser
ernährt ein Mädchen also ist, desto früher wächst auch ihre Brust, genau wie auch die erste monatliche Periode ein Mindestgewicht voraussetzt. An
dem Wachstum und der Ausbildung der Brust sind genau wie später bei der Milchbildung einige Hormone und Wachstumsfaktoren beteiligt, die als
Botenstoffe dazu beitragen, das dieses Organ sich entwickelt und seine Funktion, die Säuglingsernährung, ausüben kann. Diese Wachstumsfaktoren
sind auch deshalb interessant, weil man vermutet, über sie auch Fehlentwicklungen des Brustgewebes, besonders Tumore, beeinflussen zu können.

Was sind Wachstumsfaktoren?


Man hört öfter von Wachstumsfaktoren und dass sie bei Krebs eine Rolle spielen, weil sie die Krebszellen zur Teilung anregen können. Besonders
wegen Wachstumsfaktoren in Milchprodukten machen sich viele Menschen Sorgen, weil sie befürchten, dass sie Darm-, Brust- oder Prostatazellen
zur Teilung anregen könnten. Denn in Ländern, in denen Milchprodukte einen hohen Anteil der Nahrungsmittel stellen, sind diese sonst seltenen
Erkrankungen häufig.

Aber was sind Wachstumsfaktoren?

Nun, es sind Proteine, die Signale an Zellen geben und deren Entwicklung in verschiedene Richtung leiten können. Sie werden von körpereigenen
Zellen selbst hergestellt und haben eine Art Regulationsfunktion. Während der Schwangerschaft bereiten sie zum Beispiel die Brustdrüse für die
Milchproduktion vor. Deshalb merkt manche Frau schon früh an der Veränderung der Brust, dass sie schwanger ist. Denn die Brust wird schon sehr
früh auf ihre Funktion vorbereitet. Bei der Frau wurden die Faktoren, die für die Vorbereitung der Milchdrüse wichtig sind, wenig untersucht, weil
die Brust als Organ der Säuglingsernährung beim Menschen seit Ende des 19ten Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verloren hat.

Anders in der Milchwirtschaft. Tierärzte, die Kühe versorgen müssen, für die die Milchbildung wichtig ist, wissen gut Bescheid und deshalb muss
man sich auch bei ihnen informieren, wenn man mehr über die Wachstumsfaktoren, die auf die Brust wirken, wissen will.

Und so sind in der Tiermedizin ganz altbekannte Kandidaten als milchfördernde Faktoren oder laktogene Hormone bekannt:

• Insulin,
• Prolaktin und
• Kortison, das kein Protein ist, sondern ein sogenanntes Steroidhormon, ähnlich aufgebaut wie die Hormone in den Antibabypillen.
Besonders das Kortison in seiner künstlichen und haltbareren Form als Fortekortin sind in der Milchwirtschaft als Förderer der Milchbildung
bekannt.

Dabei wirkt das Fortekortin am stärksten, wenn jemand bei einer Kuh die Milchbildung fördern will. Das ist ja schon etwas Auffallendes, denn
bekannt ist Kortison als Stresshormon und auch zur Unterdrückung der Immunantwort. Auch zur Unterdrückung von Übelkeit wird Fortekortin
eingesetzt. Zum Beispiel um bei Krebskranken, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, um den von den Medikamenten ausgehenden
Brechreiz zu unterdrücken. Dass es gleichzeitig Brustdrüsenzellen anregt, überrascht.

Wie kann das sein?

Vielleicht, weil das Fortekortin Ähnlichkeit mit Schwangerschaftshormonen wie dem Progesteron hat. Bei der Entwicklung eines Medikaments, das
als Gegenspieler des Kortisons entwickelt wurde, zeigt sich zum Beispiel, dass es sich gut als Gegenspieler des Progesterons eignet. Deshalb wird
es heute in der „Pille-danach“ zum Abbruch von Schwangerschaften eingesetzt.
Insulin und Prolaktin, die auch in der Milchwirtschaft zur Euterstimulierung eingesetzt werden, sind dagegen Faktoren, die aus Proteinen bestehen.
Beide sind sich zudem noch ähnlich. Natürlicherweise ist im Körper in in Bezug auf die Brust wahrscheinlich der insulinähnliche Wachstumsfaktor
IGF aktiv, der etwas, aber nicht viel anders aussieht als das übliche Insulin, das gegen die Zuckerkrankheit gespritzt wird.

Dann gibt es noch einen neu beschriebenen Wachstumsfaktor aus der Milch, der bis jetzt erst in Bezug auf Darmzellen beschrieben ist. Wichtig an
ihm ist, dass er hitzestabil zu sein scheint und deshalb durch die übliche Haltbarmachung der Milch nicht kaputt geht Takeda T 2004.

Tabelle der Wachstumsfaktoren und Hormone die auf die Brust wirken und wirken könnten:
Grob kann man die Hormone und Wachstumsfaktoren in Peptid- oder Proteinhormone, also Eiweisse und
Steroidhormone unterteilen.
Wie man auf die Wachstumsfaktoren und ihre Rezeptoren
einwirken kann:

Proteinhormone:

Der Epidermale Growth


Growth englisch für Wachstum
Factor egf

Wird durch schwaches Nachtlicht, Mondlicht reguliert. Der


Rezeptor kann durch die Oleinsäure im Olivenöl und durch
Herceptin beeinflusst werden. Mehr dazu …

Der Insulinähnliche Growth Das Wissen über diese


Factor igf Wachstumsfaktoren habe ich
hier abgespeichert, weil es
schwer ist, sie zu trennen.
Insulin selbst
Wie oben dargestellt, gehört auch das ganz normale Insulin,
das bei Diabetikern vom Typ 2 nicht genug hergestellt wird,
zu den milchfördernden Hormonen, die in der
Milchwirtschaft zu diesem Zweck eingesetzt werden.
Deshalb könnte es sein, dass es auch die Brustkrebszellen
anregt. Mehr …
Wachstumshormon, auch
Somatotropin genannt
Das Wachstumshormon bewirkt die
Produktion/Ausschüttung von igf

Ein hitzestabiler
Wachstumsfaktor aus der
Milch, noch ohne Namen

Dieser hitzestabile Wachstumsfaktor wurde von Takeda T


2004 in der Muttermilch nachgewiesen. Er scheint auf die
Darmzellen des Säuglings wirken zu sollen. Seine Wirkung
wird durch Quercetin behindert. Quercetin ist ein
Pflanzengift, in vielen Pflanzen wie z.B. Zwiebeln
vorhanden, das ein neugeborener Säugling auch nicht
bekommen sollte.
Prolaktin

Interleukine usw.
Auch diese Gruppe von Regulationsmolekülen gehört hier
hinein. Eines, das Interleukin-2 wird zusammen mit Beta-
Interferon wie hier beschrieben, mit gewissem Erfolg,
gegen weit fortgeschrittenen, metastatischen Brustkrebs
genutzt.
Erythropoietin
Siehe Diskussion Erythropoietin
Steroidhormone
Östrogene
Darüber weiß man am meisten. Es gibt sehr viele
Medikamente, die die Östrogenwirkung an der
Brustkrebszelle behindern oder den Östrogenspiegel im
Körper senken sollen. Dabei haben manche grausige
Nebenwirkungen, andere weniger. Deshalb ist Information
angebracht.

Man kann den Östrogenspiegel aber auch über die


Ernährung beeinflussen, so sollen Ballaststoffe die
Wiederaufnahme von Östrogenen aus dem Darm durch den
enterohepatischen Kreislauf einschränken oder durch die
Entfernung der Eierstöcke. Mehr …
Progestine,
Schwangerschafthormone
usw.
Dass auch die Gelbkörperhormone das Wachstum der
Brustkrebszellen fördern, ist erst vor kurzem ans Licht der
erstaunten Öffentlichkeit gekommen. Wurde es doch bis
dahin über die Tabletten zur Abschwächung von
Wechseljahresbeschwerden an die ahnungslosen
Konsumentinnen gebracht, deren Brustkrebserkrankungen
dadurch wieder anstiegen. Das Antiprogesteron
Mifepristone sollte deshalb dringend auch zur Behandlung
von Brustkrebs erprobt werden. Leider ist es nicht mehr
teuer, so dass keine Firma interessiert sein kann, das zu
finanzieren.
Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/wachstumsfaktoren_und_die_brust.htm