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Meine lieben ... !

Friede Euch und Gottes Rettung. Euren Brief habe ich erhalten. Der
Herr hat Euch mit Krankheit natürlich deswegen heimgesucht, weil
sie zu Eurer Seelenrettung notwendig war. Der Weg ins Reich
Gottes führt über mancherlei Trübsal, lautet ein geistliches Gesetz.
Die Apostel, die Märtyrer und die Heiligen gelangten alle durch
großes Leiden zur Herrlichkeit.
"Wen der Herr liebt, den straft er, und hat doch Wohlgefallen an
ihm wie ein Vater am Sohn" (Spr 3, 12).
Offensichtlich gibt es keinen anderen Weg ins Reich Gottes als den
engen, den Kreuzesweg, und deshalb dürft Ihr bei Krankheit und
Schwäche nicht der Mutlosigkeit verfallen, sondern sollt Euch im
Gegenteil freuen im Geiste.
Tröstet Euch damit, daß der Herr nun näher zu Euch gekommen ist
und Euch in Zukunft ganz zu seinen Kindern machen wird, wenn Ihr
ihm bis zum Ende die Treue haltet und ohne Murren alles Leid auf
Euch nehmt, das er auf Euch herabzusenden für nötig befindet.
"Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig" (Mt 10, 22).
Ruft öfters den Namen Gottes an, stellt Euch vor sein Angesicht
und bittet um Geduld, wenn es unerträglich wird. Wie vor einer
giftigen Schlange muß man sich davor hüten zu murren. Der
unvernünftige Schächer am Kreuz verschlimmerte mit Murren und
Schmähen nicht nur seine Qualen, sondern er starb auch in die
Ewigkeit, während der vernünftige in dem Bewußtsein, nach seinen
Taten zu empfangen, seine Qualen erleichterte und das Reich
Gottes erbte. In einem Morgengebet des
hl. Makarios des Großen heißt es: "Gott, läutere mich Sünder, denn
ich habe nichts Gutes von dir getan."
Wenn die Heiligen so empfanden, wie müssen wir erst empfinden,
worauf können wir hoffen? Einzig nur auf Gottes Gnade. Vergessen
wir alle unsere guten Taten, und rufen wir wie der Zöllner im
Tempel aus: "Gott, sei uns Sündern gnädig!" Und da der Zöllner
allein durch dieses Gebet von allen Sünden befreit wurde, können
auch wir glauben, daß sich der Herr unser erbarmt. So lehrt uns
der Herr Jesus Christus: Betet und hofft auf Gottes
Barmherzigkeit. Keine Krankheit hindert uns daran, uns wenigstens
ein paarmal am Tag mit Reue im Herzen an den Herrn zu wenden.
Es ist nie vorgekommen, daß er jemals einem reumütigen
Menschen die Vergebung versagt hätte. Er vergibt uns nur dann
nicht, wenn wir selber den Mitmenschen nicht vergeben.
Versöhnen wir uns deshalb mit allen, auf daß uns der Herr mit uns
versöhne. Vergeben wir allen, auf daß uns der Herr vergebe.
... Es behüte Euch der Herr, er schenke Euch Geduld und Beten,
und durch sie die geistliche Freude, welche alle körperlichen
Krankheiten und alle Leiden dieser vergänglichen Welt überwindet.

http://www.scribd.com/doc/27159986/Briefe-Eines-Russischen-
Starzen-an-Seine-Geistlichen-Kinder